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CPI Aerostructures (CVU): 18 Prozentpunkte Margensprung, aber nur 5 sind echt

CPI Aerostructures (CVU): 18 Prozentpunkte Margensprung, aber nur 5 sind echt

CPI Aerostructures hat sich vom 52-Wochen-Tief bei 2,02 US-Dollar auf 5,66 US-Dollar (Stand 13. August 2026) fast verdreifacht — der Kleinserien-Zulieferer für Rumpfsegmente, Störsender-Pods und geschweißte Titanrohre für Lockheed Martin, Northrop Grumman und RTX schreibt wieder schwarze Zahlen, die Bruttomarge sprang im zweiten Quartal 2026 von 4,4 auf 22,0 Prozent, das Forward-KGV von 6,8 sieht nach einem übersehenen Comeback aus. Doch die Berichte an die US-Börsenaufsicht SEC zeigen: Der Großteil des Margensprungs ist Vorjahresbasis-Effekt aus der geplatzten Boeing-A-10-Kündigung, nicht neue Stärke — und während das Unternehmen Gewinne ausweist, ist die Kasse fast leer: 835.875 US-Dollar Bargeld, die Kreditlinie zu 92 Prozent ausgeschöpft, ein Aktienprogramm über 17 Millionen US-Dollar scharf geladen. Wir haben nachgerechnet, wie viel vom Comeback wirklich neu ist und wie viel nur besser aussieht als das, was davor war.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit

Stand heute

Stand: 14. August 2026

Schlusskurs
5,90 $ +3,50 %
Marktkapitalisierung
0,1 Mrd. $
KGV
49,2
Wachstums-Score
2/10
AAQS
0/10

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

CPI Aerostructures (CVU): 18 Prozentpunkte Margensprung, aber nur 5 sind echt
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 2,10 $ bis 5,90 $ · Letzter Kurs: 5,90 $ (Stand: 14. August 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die genau dann zuschlägt, wenn eine Aktie schon halb verziehen ist: der Comeback-Reflex. Du siehst einen Kurs, der sich vom Tief fast verdreifacht hat, einen Gewinn, der nach Jahren des Rots wieder schwarz ist, und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis, das auf den ersten Blick lächerlich billig wirkt. Der Kopf flüstert: „Kauf das jetzt, bevor es alle sehen." Genau in dieser Verfassung steht CPI Aerostructures (NYSE American: CVU) im August 2026 vor dir: Die Aktie kam vom 52-Wochen-Tief bei 2,02 US-Dollar auf 5,66 US-Dollar (Stand 13. August 2026) — fast verdreifacht, und sie notiert praktisch auf ihrem 52-Wochen-Hoch. Die Bruttomarge im zweiten Quartal 2026 sprang von 4,4 auf 22,0 Prozent. Das Forward-Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei 6,8. Klingt nach einem übersehenen Turnaround. Machen wir also einen Deal: Bevor du den Comeback-Reflex bezahlst, lesen wir gemeinsam, was CPI der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den jüngsten Quartalsbericht (10-Q) zum 30. Juni 2026, eingereicht am 13. August 2026, dazu den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 und die drei Ergebnismitteilungen des laufenden Jahres. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt eine Geschichte, die komplizierter ist als „Turnaround geschafft": ein Teil des Margensprungs ist echt, ein größerer Teil ist Vergleichsbasis — und während der Gewinn zurück ist, ist die Kasse fast leer. Am Ende entscheidest du selbst, was du daraus machst.

Was CPI Aerostructures eigentlich macht — der Zulieferer hinter dem Zulieferer

CPI Aerostructures baut keine eigenen Flugzeuge und verkauft keine eigene Marke. Das Unternehmen ist ein Tier-1-Subunternehmer — übersetzt in ein Alltagsbild: so wie ein Zulieferbetrieb, der für einen Autokonzern die Türen und Sitze fertigt, baut CPI für die großen Rüstungskonzerne strukturelle Baugruppen aus Metall: Außenflügel-Kits für das E-2D Advanced Hawkeye-Aufklärungsflugzeug (Northrop Grumman, kumulierte Bestellungen seit 2008 über 210 Millionen US-Dollar), Ruder- und Fallschirmbehälter für die F-16 (Lockheed Martin, Gesamtvertragswert rund 60 Millionen), geschweißte Titanrohre für den CH-53K King Stallion-Hubschrauber, und komplette Sensor- und Störsender-Behälter — sogenannte „Pods" — etwa für den ALQ-249 Next Generation Jammer (RTX/Collins Aerospace, Gesamtprogrammwert über 254,4 Millionen US-Dollar bis 2030). Rund 80 Prozent des Umsatzes laufen als Unteraufträge über diese Rüstungskonzerne, 11 Prozent direkt vom US-Verteidigungsministerium, 9 Prozent aus der Zivilluftfahrt — vor allem Triebwerkseinlässe für Embraers Geschäftsreisejet Phenom 300 (Zahlen für 2025, Geschäftsbericht 10-K, S. 4–5). Gefertigt wird fast ausschließlich zu Festpreisen: CPI übernimmt das Kostenrisiko, nicht der Kunde. Und bilanziert wird nach der Regel „over time" (US-Rechnungslegungsstandard ASC 606) — CPI darf Umsatz schon während der Fertigung verbuchen, nach Fertigstellungsgrad, lange bevor eine Rechnung gestellt werden darf. Das erklärt, warum CPI trotz mickriger Kasse eine riesige Position „noch nicht abgerechnete, aber schon verdiente Leistung" in der Bilanz trägt — dazu gleich mehr. Der Betrieb sitzt komplett an einem Standort in Edgewood auf Long Island, 192 Vollzeitkräfte zum 31. Dezember 2025 (Vorjahr 212). Nach dem Bilanzskandal 2018 bis 2021 — mehrfache Restatements, zeitweise Handelsaussetzung, Handel auf dem Kleinanlegermarkt OTC Pink — ist CVU seit 2023 wieder regulär an der NYSE American notiert. Auch andere Luftfahrtzulieferer haben in den vergangenen Jahren einen Turnaround versucht; wie unterschiedlich die Ausgangslage dabei sein kann, zeigt unsere Analyse zu Astronics — dort trägt ein diversifiziertes Produktportfolio den Umbau, bei CPI trägt ihn im Wesentlichen ein einziges Programm-Portfolio mit wenigen Großkunden.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — ein Widerspruch im Scanner

Auf unserem hauseigenen Aktien-Scanner fiel CVU nicht wegen eines Wachstumssignals auf, sondern wegen eines Widerspruchs: Der Altman-Z-Score — eine Kennzahl, die aus fünf Bilanzverhältnissen einen einzigen Warnwert für Insolvenzrisiko baut, ähnlich einem Gesundheits-Check, der mehrere Werte zu einer Ampel zusammenfasst — liegt bei 1,23 und damit deutlich unter der Schwelle von 1,81, ab der Bilanzen als „Distress-Zone" gelten. Der Piotroski-F-Score, eine neun Punkte umfassende Checkliste aus Profitabilität, Verschuldung und Effizienz (vergleichbar einer Auto-Inspektion mit neun Prüfpunkten), steht bei 1 von 9 — der schlechtestmöglichen Kategorie. Gleichzeitig notiert die Aktie 0 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch, ist in drei Monaten um 50,9 Prozent gestiegen und seit Jahresbeginn um 42,9 Prozent (alle Werte Stand 13. August 2026). Übersetzt: Die Bilanz sieht aus wie ein Patient auf der Intensivstation, während der Kurs feiert, als wäre er wieder fit. Dazu kommt eine Warnung, die man nicht überlesen sollte: Das durchschnittliche Handelsvolumen der letzten 50 Tage liegt bei nur rund 70.000 Aktien beziehungsweise 0,4 Millionen US-Dollar pro Tag — ein extrem markteng gehandelter Titel, bei dem schon kleine Kauforders den Kurs bewegen können. Merke dir dieses Spannungsfeld, denn es zieht sich durch die ganze Analyse: Der Gewinn ist zurück, aber gleich zwei Dinge relativieren ihn — der Vorjahresvergleich schmeichelt, und die Kasse ist praktisch leer.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Fangen wir mit dem, was wirklich beeindruckt. Nach vier Jahren Schrumpfung — Umsatz 103,4 (2021) → 83,3 (2022) → 86,5 (2023) → 81,1 (2024) → 69,3 Millionen US-Dollar (2025), macht insgesamt −33,0 Prozent — wächst der Umsatz 2026 wieder: Das erste Halbjahr 2026 brachte 34,9 Millionen US-Dollar, 14,3 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2025. Der Nettogewinn kehrte zurück: 685.615 US-Dollar im zweiten Quartal 2026, zusammen 1,92 Millionen US-Dollar im ersten Halbjahr — nach einem Verlust von 843.361 US-Dollar für das gesamte Jahr 2025. Und die Bruttomarge, also der Anteil vom Umsatz, der nach den reinen Fertigungskosten übrig bleibt, kletterte im zweiten Quartal 2026 auf 22,0 Prozent, im ersten Halbjahr auf 23,9 Prozent — beides die besten Werte seit Jahren.

Balkendiagramm des CPI-Aerostructures-Jahresumsatzes von 2021 bis 2025 in Millionen US-Dollar: 103,4 (2021), 83,3 (2022), 86,5 (2023), 81,1 (2024), 69,3 (2025) — ein Rückgang von 33,0 Prozent in vier Jahren.
Vier Jahre Schrumpfung, dann die Wende: Der Umsatz fiel von 103,4 (2021) auf 69,3 Millionen US-Dollar (2025) — ein Minus von 33,0 Prozent — und wuchs im ersten Halbjahr 2026 wieder auf 34,9 Millionen. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Kasten, den du lesen musst, bevor du dich über die Marge freust

Jetzt kommt der Teil, der beim schnellen Lesen der Kennzahlen fast immer übersehen wird — und der bei CPI der wichtigste Einzelbefund dieser Analyse ist. Die Bruttomarge sprang im zweiten Quartal 2026 von 4,4 auf 22,0 Prozent — das klingt nach 18 Prozentpunkten Verbesserung, nach einem kompletten Neustart des Geschäfts. Der Geschäftsbericht selbst erklärt aber, woher der Sprung tatsächlich kommt:

„The increase in gross margin for the three and six months ended June 30, 2026 compared to June 30, 2025 was primarily driven by adjustments made in the prior year associated with the termination of our A-10 Main Landing Gear Pods program."

Übersetzung: „Der Anstieg der Bruttomarge für die drei und sechs Monate zum 30. Juni 2026 im Vergleich zum 30. Juni 2025 wurde vor allem durch Anpassungen im Vorjahr getrieben, die mit der Kündigung unseres A-10-Main-Landing-Gear-Pods-Programms zusammenhingen."

— CPI Aerostructures, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, MD&A

Übersetzt: Das Vorjahresquartal (Q2 2025) war durch eine Sonderbelastung von 2.322.831 US-Dollar aus der geplatzten Boeing-A-10-Kündigung nach unten verzerrt (Halbjahr 2025: −4.468.528 US-Dollar). Rechnet man diesen Einmaleffekt heraus, lag die Bruttomarge im Vorjahresquartal nicht bei 4,4, sondern bei 17,1 Prozent — im Vorjahreshalbjahr nicht bei 7,6, sondern bei 19,3 Prozent. Die echte Verbesserung 2026 beträgt damit rund 4,9 Prozentpunkte im Quartal und 4,6 Prozentpunkte im Halbjahr — spürbar, aber ein Fünftel dessen, was die nackte GAAP-Zahl suggeriert.

Balkendiagramm der CPI-Aerostructures-Bruttomarge im zweiten Quartal: 4,4 Prozent (Q2 2025 berichtet), 17,1 Prozent (Q2 2025 ohne den A-10-Effekt) und 22,0 Prozent (Q2 2026). Die echte Verbesserung liegt bei rund 5 Prozentpunkten, nicht 18.
4,4 auf 22,0 Prozent klingt nach 18 Punkten Sprung — bereinigt um den A-10-Basiseffekt (Vorjahr 17,1 bzw. 19,3 Prozent) bleiben real rund 5 Prozentpunkte Verbesserung. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die gute Nachricht dabei: Das aktuelle Quartal selbst ist nicht geschönt. Im Gegenteil — Q2 2026 trägt eine negative Anpassung von 676.503 US-Dollar aus zwei anderen Programmen:

„The net adjustment of $0.7 million and $1.4 million for the three and six months ended June 30, 2026 respectively, is driven primarily by unfavorable adjustments on our Embraer Phenom-300 Engine Inlet Assemblies program and Sikorsky UH60 Gunner Windows."

Übersetzung: „Die Nettoanpassung von 0,7 Millionen bzw. 1,4 Millionen US-Dollar für die drei beziehungsweise sechs Monate zum 30. Juni 2026 wird vor allem durch ungünstige Anpassungen bei unserem Embraer-Phenom-300-Triebwerkseinlass-Programm und den Sikorsky-UH-60-Gunner-Windows getrieben."

— CPI Aerostructures, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, Note 2

Merke dir also zwei Dinge gleichzeitig: Der Turnaround ist real, aber kleiner, als die Schlagzeilen-Zahl suggeriert — und er ist nicht durch versteckte Sonderposten aufgehübscht, im Gegenteil. Ähnliche Verzerrungen durch Sonderposten kennst du vielleicht aus unserer Analyse zu AAR — auch dort lohnt sich der zweite Blick auf das, was „bereinigt" wirklich bedeutet.

Was das Management versprach — und was kam

Drei Ergebnismitteilungen zeichnen den Weg dorthin nach: Am 31. März 2026 veröffentlichte CPI die Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 — ein Jahr, das offiziell mit Verlust endete, aber selbst um den A-10-Effekt bereinigt schwach blieb: Das bereinigte EBITDA lag 2025 bei 5,5 Millionen US-Dollar, gegenüber 7,8 Millionen im Jahr 2024 — ein Rückgang von 29 Prozent, auch ohne die A-10-Sonderbelastung. Am 18. Mai 2026 folgte die Mitteilung zum ersten Quartal 2026: „Revenue of $17.4 million", „Gross profit margin of 25.8%", „Net income of $1.2 million" — die erste wieder klar profitable Quartalsmeldung nach dem schwachen Jahr 2025. Am 13. August 2026 schließlich, zeitgleich mit dem Quartalsbericht zum 30. Juni 2026, verkündete CEO Dorith Hakim den bisherigen Höhepunkt der Erzählung:

„Our six months performance showcases the results of a focused growth strategy and disciplined execution, delivering year-over-year gains across every major metric."

„Demand across our core defense platforms remains strong, and the combination of a more favorable product mix and operational efficiencies drove a $6.0 million increase in gross profit and a $4.6 million increase in net income. Adjusted EBITDA of $3.5 million represents a clear inflection point for the business, even when normalizing for the A-10 program impact."

Übersetzung: „Unsere Halbjahresleistung zeigt die Ergebnisse einer fokussierten Wachstumsstrategie und disziplinierten Umsetzung und liefert Jahr-über-Jahr-Zugewinne bei jeder wichtigen Kennzahl. Die Nachfrage über unsere Kern-Verteidigungsplattformen bleibt stark, und die Kombination aus einem günstigeren Produktmix und operativen Effizienzgewinnen trieb einen Anstieg des Bruttogewinns um 6,0 Millionen US-Dollar und des Nettogewinns um 4,6 Millionen US-Dollar. Das bereinigte EBITDA von 3,5 Millionen US-Dollar stellt einen klaren Wendepunkt für das Geschäft dar, selbst wenn man um den A-10-Programmeffekt normalisiert."

— Dorith Hakim, Chief Executive Officer, CPI Aerostructures, Inc., Ergebnismitteilung zum 8-K vom 13. August 2026

Das ist eine steile Aussage — „ein klarer Wendepunkt, selbst normalisiert um A-10". Der Kasten oben zeigt, was „normalisiert" hier tatsächlich bedeutet: Ja, es gibt eine Verbesserung ohne den A-10-Effekt — aber sie liegt bei rund 5 Margenpunkten und 76,5 Prozent mehr bereinigtem EBITDA (589.370 auf 1.368.401 US-Dollar im Quartal), nicht bei den 18 Punkten, die die Schlagzeilen-Marge suggeriert. Die CEO-Aussage ist damit nicht falsch — aber sie beschreibt eine reale, aber deutlich kleinere Verbesserung, als der erste Blick auf die Kennzahl vermuten lässt. Und was in derselben Mitteilung fehlt: kein Wort zur Kassenlage, kein Wort zum operativen Cashflow. Dazu jetzt die unbequemen Wahrheiten.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die Kasse ist praktisch leer — und die Kreditlinie ist zu 92 Prozent ausgeschöpft

Zum 30. Juni 2026 hatte CPI Aerostructures noch 835.875 US-Dollar auf dem Konto — das entspricht rund 4,4 Tagen Umsatz. Der Quartalsbericht selbst benennt den Rückgang nüchtern:

„At June 30, 2026, we had cash of $835,875 compared to $899,199 at December 31, 2025, a decrease of $63,324 or 7.0%."

Übersetzung: „Zum 30. Juni 2026 hatten wir 835.875 US-Dollar an Kasse, gegenüber 899.199 US-Dollar zum 31. Dezember 2025 — ein Rückgang um 63.324 US-Dollar oder 7,0 Prozent."

— CPI Aerostructures, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, MD&A

Die zweite Verteidigungslinie, die revolvierende Kreditlinie über 10,0 Millionen US-Dollar bei der Western Alliance Bank, ist bereits zu 9.173.672 US-Dollar (92 Prozent) gezogen — es bleiben rund 826.000 US-Dollar ziehbar. Zusammen mit der Kasse sind das rund 1,66 Millionen US-Dollar sofort verfügbare Liquidität. Und die Reserve könnte weiter schrumpfen, denn ein Aktienprogramm über bis zu 17 Millionen US-Dollar — 22,7 Prozent der heutigen Marktkapitalisierung von rund 75,0 Millionen US-Dollar — liegt seit April 2026 scharf geladen, aber bis Ende Juni 2026 komplett ungenutzt: Die Kapitalflussrechnung zeigt für das erste Halbjahr ausschließlich 123.221 US-Dollar bezahlte Emissionskosten, keinen einzigen Dollar Erlös. Verwässerung bedeutet: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, wenn ständig neue Stücke abgeschnitten werden — hier ist der Schneidplan bereits fertig, nur das Messer liegt noch still.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Gewinn ja, Geld nein — der operative Cashflow bleibt negativ

Der Nettogewinn von 1,92 Millionen US-Dollar im ersten Halbjahr 2026 klingt nach einer Firma, die wieder Geld verdient. Tatsächlich verdient sie auf dem Papier — aber nicht auf dem Konto:

„Because ASC 606 requires us to use estimates in determining revenue, costs and profits and in assigning the amounts to accounting periods, there can be a significant disparity between earnings (both for accounting and tax purposes) as reported and actual cash that we receive during any reporting period. Accordingly, it is possible that we may have a shortfall in our cash flow and may need to borrow money or take steps to defer cash outflows until the reported earnings materialize into actual cash receipts."

Übersetzung: „Weil der Rechnungslegungsstandard ASC 606 von uns verlangt, bei der Ermittlung von Umsatz, Kosten und Gewinnen mit Schätzungen zu arbeiten und die Beträge den Rechnungsperioden zuzuordnen, kann es eine erhebliche Abweichung geben zwischen dem ausgewiesenen Ergebnis (sowohl für Bilanz- als auch für Steuerzwecke) und dem Geld, das wir in einer Berichtsperiode tatsächlich erhalten. Entsprechend ist es möglich, dass wir eine Lücke im Mittelzufluss haben und Geld leihen oder Schritte unternehmen müssen, um Geldabflüsse zu verschieben, bis sich die ausgewiesenen Gewinne in tatsächliche Geldeingänge verwandeln."

— CPI Aerostructures, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, MD&A „Liquidity and Capital Resources"

Gelb markierte Textstelle aus dem CPI-Aerostructures-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, Abschnitt Liquidität: Wegen der Schätzungen nach ASC 606 kann zwischen ausgewiesenem Ergebnis und tatsächlichem Geldeingang eine erhebliche Lücke klaffen — das Unternehmen müsste dann Geld leihen oder Zahlungen verschieben.
Die markierte Stelle im Original: Das Unternehmen räumt selbst ein, dass ausgewiesener Gewinn und tatsächlicher Geldeingang auseinanderfallen können — und es dann Geld leihen oder Zahlungen verschieben müsste. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Zahlen dahinter: Operativer Cashflow im ersten Halbjahr 2026 −425.705 US-Dollar, trotz des Gewinns von 1,92 Millionen. Für das Geschäftsjahr 2025 war es noch drastischer: −5.200.025 US-Dollar operativer Mittelabfluss bei einem Verlust von nur 843.361 US-Dollar. Zusammen also rund 5,6 Millionen US-Dollar Cash-Abfluss aus dem operativen Geschäft in 18 Monaten, obwohl in derselben Zeit unterm Strich rund 1,1 Millionen US-Dollar Gewinn ausgewiesen wurden. Grund: Forderungen und noch nicht abrechenbare, aber schon verbuchte Leistungen wachsen schneller als das Geld hereinkommt — die Kehrseite der „Over-time"-Bilanzierung aus dem Geschäftsmodell-Kapitel. Übersetzt in ein Alltagsbild: Ein Handwerker, der Rechnungen schreibt, bevor der Kunde bezahlt hat, kann in den Büchern gut dastehen und trotzdem am Monatsende kein Geld für die Lieferantenrechnung haben.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ein Kunde macht mehr als die Hälfte des Quartalsumsatzes — und der größte Streit ist offen

Im zweiten Quartal 2026 kam mehr als die Hälfte des Umsatzes von einer einzigen Gegenpartei:

„During the three months ended June 30, 2026, our two largest customers accounted for 53% and 10% of revenue."

Übersetzung: „In den drei Monaten zum 30. Juni 2026 entfielen auf unsere zwei größten Kunden 53 Prozent beziehungsweise 10 Prozent des Umsatzes."

— CPI Aerostructures, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, Note 8 „Major Customers and Vendors"

Wie schnell so eine Beziehung kippen kann, zeigt genau derselbe Bericht an anderer Stelle — der offene Streit mit Boeing um das gekündigte A-10-Programm:

„Subsequently, on July 14, 2025, the Company received a Termination Notice from The Boeing Company with respect to the Boeing A-10 program directing the Company to scrap and return materials and tooling to the Air Force prior to August 15, 2025 when funding would no longer be available, as well as a claim for damages incurred by Boeing as a result of the alleged contract default. The Company disputes Boeing's claim and maintains its position for an Equitable Pricing Adjustment related to the Boeing A-10 program."

Übersetzung: „In der Folge erhielt das Unternehmen am 14. Juli 2025 von The Boeing Company eine Kündigungsmitteilung zum Boeing-A-10-Programm mit der Anweisung, Material und Werkzeuge zu verschrotten und vor dem 15. August 2025 an die Air Force zurückzugeben, wenn die Finanzierung nicht mehr verfügbar sei — sowie eine Schadenersatzforderung Boeings wegen des angeblichen Vertragsbruchs. Das Unternehmen widerspricht Boeings Forderung und hält an seiner Position für eine angemessene Preisanpassung im Zusammenhang mit dem Boeing-A-10-Programm fest."

— CPI Aerostructures, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, Note 11 „Commitments and Contingencies"

Gelb markierte Textstelle aus dem CPI-Aerostructures-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, Note 11: Boeing kündigte am 14. Juli 2025 das A-10-Programm, forderte Verschrottung von Material bis 15. August 2025 und Schadenersatz; CPI widerspricht der Forderung.
Die markierte Stelle im Original: Boeings Kündigung und Schadenersatzforderung zum A-10-Programm, ohne dass CPI bislang eine Rückstellung dafür gebildet hat. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Für Boeings Schadenersatzforderung ist bis heute keine Rückstellung gebildet — das Unternehmen erfasst „contingent losses" erst, wenn sie „probable and reasonably estimable" (wahrscheinlich und verlässlich schätzbar) sind. Kundenkonzentration heißt übersetzt: Wenn dein Nachbar dir erzählt, sein Geschäft laufe super, aber die Hälfte seines Umsatzes hängt an einem einzigen Auftraggeber, mit dem er gerade vor Gericht streitet — würdest du kurz schlucken?

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: 533 Millionen Auftragsbestand, aber nur 18,8 Prozent finanziert — und A-10 ist der Präzedenzfall

Der Auftragsbestand (Backlog) von CPI klingt beeindruckend: 533,1 Millionen US-Dollar zum 30. Juni 2026, gegenüber 504,5 Millionen zum Jahresende 2025 — gestützt auf 62 Millionen US-Dollar neue Vertragsvergaben allein 2026. Doch der Bericht selbst warnt, wie wenig belastbar diese Zahl ist:

„Substantially all of our backlog is subject to termination at will and rescheduling, without significant penalty. Funds are often appropriated for programs or contracts on a yearly or quarterly basis, even though the contract may call for performance that is expected to take a number of years. Therefore, our funded backlog does not include the full value of our contracts."

Übersetzung: „Im Wesentlichen ist unser gesamter Auftragsbestand jederzeit kündbar und umplanbar, ohne nennenswerte Vertragsstrafe. Mittel werden für Programme oder Verträge oft auf Jahres- oder Quartalsbasis bewilligt, selbst wenn der Vertrag eine Leistung über mehrere Jahre vorsieht. Deshalb enthält unser finanzierter Auftragsbestand nicht den vollen Wert unserer Verträge."

— CPI Aerostructures, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, MD&A „Backlog"

Gelb markierte Textstelle aus dem CPI-Aerostructures-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026, Abschnitt Backlog: Im Wesentlichen ist der gesamte Auftragsbestand jederzeit kündbar und umplanbar, ohne nennenswerte Vertragsstrafe.
Die markierte Stelle im Original: Der Auftragsbestand ist im Wesentlichen jederzeit kündbar — von 533,1 Millionen US-Dollar sind nur 100,0 Millionen (18,8 Prozent) finanziert. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Von den 533,1 Millionen US-Dollar sind nur 100,0 Millionen (18,8 Prozent) „funded" — der Rest ist eine Absichtserklärung, kein gesichertes Geschäft. Genau ein solcher „unfunded" beziehungsweise kündbarer Vertrag war das A-10-Programm, das Boeing im Juli 2025 von heute auf morgen beendete. Backlog ist bei CPI also kein Zukunftsversprechen, sondern eine Momentaufnahme — mit einem eingebauten Beispiel dafür, wie schnell sie sich ändern kann.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Die Vergangenheit ist nicht so lange her, wie die Kursrallye vermuten lässt

Wer CPI heute zum ersten Mal betrachtet, sieht eine Firma mit Turnaround-Story. Wer im Geschäftsbericht blättert, sieht eine Firma mit Vorgeschichte. Zwischen 2019 und 2021 musste CPI seine Abschlüsse mehrfach korrigieren:

„We have restated our consolidated financial statements during the past three years, including the restatement included in our 2020 Comprehensive Form 10-K/A. These restatements have affected and may continue to affect investor confidence, our stock price, our ability to raise capital in the future, and our reputation with our customers, have resulted and may continue to result in stockholder litigation and may reduce customer confidence in our ability to complete new contract opportunities."

Übersetzung: „Wir haben unsere konsolidierten Abschlüsse in den vergangenen drei Jahren korrigiert, einschließlich der Korrektur im umfassenden Form 10-K/A für 2020. Diese Korrekturen haben das Anlegervertrauen, unseren Aktienkurs, unsere Fähigkeit, künftig Kapital aufzunehmen, und unseren Ruf bei Kunden beeinträchtigt und könnten dies weiterhin tun; sie haben zu Aktionärsklagen geführt und könnten weiter dazu führen und könnten das Kundenvertrauen in unsere Fähigkeit mindern, neue Vertragschancen zu erfüllen."

— CPI Aerostructures, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2021, Item 1A Risk Factors

Die Aktie handelte zwischenzeitlich auf dem Kleinanlegermarkt OTC Pink — der Geschäftsbericht für 2022 nennt einen Schlusskurs von 1,69 US-Dollar aus dieser Zeit —, bevor die Notierung erst am 17. März 2023 wieder aufgenommen wurde. Und die Geschichte ist nicht nur eine aus den Zwanzigerjahren: Im zweiten Quartal 2025 riss CPI wegen der finanziellen Wucht der A-10-Kündigung seine Kredit-Covenants — vertraglich zugesagte Finanzkennzahlen gegenüber der Bank —, brauchte einen Verzicht (Waiver) der Bank und musste eine neue material weakness (wesentliche Schwäche im internen Kontrollsystem) einräumen:

„Due to the financial impact of the Boeing A-10 program, the Company was not able to meet the financial covenants for the second quarter and therefore obtained a waiver to remediate the non-compliance. Because the waiver did not extend for twelve months from the date of the Company's financial statements, there was a potential misclassification of short-term and long-term debt."

Übersetzung: „Wegen der finanziellen Auswirkung des Boeing-A-10-Programms konnte das Unternehmen die Finanz-Covenants für das zweite Quartal nicht einhalten und erhielt daher einen Verzicht (Waiver), um die Nichteinhaltung zu beheben. Da sich der Verzicht nicht über zwölf Monate ab dem Datum der Abschlüsse des Unternehmens erstreckte, ergab sich eine mögliche Fehlklassifizierung von kurz- und langfristigen Schulden."

— CPI Aerostructures, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 9A

Gelb markierte Textstelle aus dem CPI-Aerostructures-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Wegen des Boeing-A-10-Effekts riss das Unternehmen im zweiten Quartal 2025 seine Finanz-Covenants und musste eine material weakness im internen Kontrollsystem einräumen.
Die markierte Stelle im Original: der Covenant-Bruch 2025 und die daraus entstandene material weakness. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zum 31. Dezember 2025 erklärt das Unternehmen diese Schwäche als behoben. Bilanzprobleme sind bei CPI also keine Fußnote aus grauer Vorzeit, sondern ein Muster, das sich zuletzt vor gut einem Jahr wiederholt hat.

Bewertung: billig auf den ersten Blick — teurer auf den zweiten

Zum Stichtag 13. August 2026 lag die Marktkapitalisierung von CPI Aerostructures bei rund 75,0 Millionen US-Dollar, bei einem Kurs von 5,66 US-Dollar — praktisch am 52-Wochen-Hoch der Spanne von 2,02 bis 5,734 US-Dollar. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei 1,05, unauffällig für einen Rüstungszulieferer. Beim Kurs-Gewinn-Verhältnis klafft die Kernfrage dieser Analyse auf: Das Forward-KGV von 6,8 — gerechnet mit erwartetem künftigen Gewinn — sieht nach einem übersehenen Schnäppchen aus. Das Trailing-KGV von 47,2 — gerechnet mit dem tatsächlich ausgewiesenen Gewinn der vergangenen zwölf Monate — erzählt eine andere Geschichte: teuer, weil die Vergleichsbasis (das schwache Jahr 2025) den ausgewiesenen Gewinn noch klein hält. Das Unternehmenswert-EBITDA-Verhältnis (EV/EBITDA) liegt bei 31,2, das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei 2,55. Und genau beim Buchwert lohnt der zweite Blick: Vom Eigenkapital sind 19.472.988 US-Dollar ein latenter Steueranspruch — ein Buchungsposten, kein Geld auf dem Konto. Zieht man ihn heraus, bleibt ein materielles Eigenkapital von nur rund 6,85 Millionen US-Dollar — bei einer Marktkapitalisierung von 75,0 Millionen US-Dollar. Auch die Analysten, die die Aktie beobachten, sind zurückhaltender als der Kurs: Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 4,00 US-Dollar (Stand 13. August 2026) — rund 29 Prozent unter dem aktuellen Kurs, nicht darüber. Merke dir dieses Bild: Ein niedriges Forward-KGV ist kein Schnäppchen-Beweis, wenn der Nenner (der erwartete Gewinn) selbst von einer schwachen Vergleichsbasis profitiert.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für CPI Aerostructures spricht:

  • Echte operative Erholung: Umsatz H1 2026 34,9 Millionen US-Dollar (+14,3 Prozent ggü. H1 2025), Bruttomarge real rund 5 Prozentpunkte besser (nicht nur optisch 18), bereinigtes EBITDA im zweiten Quartal 2026 +132 Prozent gegenüber dem bereinigten Vorjahreswert.
  • Breites Kundenportfolio bei den großen Rüstungskonzernen: Lockheed Martin/Sikorsky (F-16, UH-60, CH-53K), RTX/Collins (ALQ-249 Jammer-Pods, über 254,4 Millionen US-Dollar Programmwert bis 2030), Northrop Grumman (E-2D, über 210 Millionen US-Dollar kumulierte Bestellungen).
  • Auftragsbestand wächst: 533,1 Millionen US-Dollar zum 30. Juni 2026, gestützt auf 62 Millionen US-Dollar neue Vertragsvergaben allein 2026.
  • Aktuelles Quartal ohne verschleiernde Sonderposten — Q2 2026 trägt sogar eine negative Anpassung von 676.503 US-Dollar, kein geschöntes Ergebnis.
  • Kreditlinie und Term Loan bis 2030 vertraglich gesichert (Western Alliance Bank, unterzeichnet 12.12.2025), keine unmittelbare Fälligkeit.

Was dagegen spricht:

  • Kasse von nur 835.875 US-Dollar plus rund 826.000 US-Dollar freier Kreditlinie — zusammen 1,66 Millionen US-Dollar bei anhaltendem operativem Mittelabfluss (H1 2026: −425.705 US-Dollar, FY2025: −5,2 Millionen).
  • Aktienprogramm über 17 Millionen US-Dollar (22,7 Prozent der Marktkapitalisierung) geladen und jederzeit abrufbar, auch wenn bislang ungenutzt.
  • Kundenkonzentration: 53 Prozent des Quartalsumsatzes von einem einzigen Kunden; A-10-Schadenersatzforderung von Boeing offen, ohne Rückstellung.
  • Backlog zu 81,2 Prozent nicht finanziert und laut eigener Aussage jederzeit kündbar — der A-10-Präzedenzfall zeigt, was das praktisch bedeutet.
  • Bilanzhistorie mit drei Restatements 2019–2021, OTC-Pink-Intermezzo und einem erneuten Covenant-Bruch samt material weakness im zweiten Quartal 2025.
  • Trailing-KGV von 47,2 und materielles Eigenkapital von nur rund 6,85 Millionen US-Dollar relativieren das vermeintlich günstige Forward-KGV von 6,8; das Analysten-Kursziel von 4,00 US-Dollar liegt rund 29 Prozent unter dem aktuellen Kurs.

Ein menschliches Fazit

Zurück zum Comeback-Reflex vom Anfang. Er ist nicht grundlos: CPI Aerostructures hat 2026 tatsächlich einen Sprung gemacht, der Umsatz wächst wieder, die Marge ist real besser, das aktuelle Quartal ist sauber, ohne versteckte Kosmetik. Aber der Reflex will dir eine einfache Geschichte verkaufen — „Turnaround geschafft, günstig bewertet, steig jetzt ein" —, und die Zahlen erzählen eine kompliziertere: einen realen, aber deutlich kleineren Fortschritt als die 18-Punkte-Schlagzeile suggeriert, eine Kasse, die für kaum eine Woche reicht, eine Kreditlinie, die zu 92 Prozent ausgeschöpft ist, ein Aktienprogramm, das jederzeit deinen Anteil verwässern kann, einen offenen Rechtsstreit ohne Rückstellung und eine Vorgeschichte, die noch keine zehn Jahre zurückliegt. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist der Turnaround da?" — er ist teilweise da —, sondern: Reicht dir ein Unternehmen, das operativ wieder Boden gutmacht, aber finanziell auf Sicht fährt, mit fast leerer Kasse und einem geladenen Verwässerungs-Instrument in der Schublade? Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in CPI-Aerostructures-Aktien.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2021 2022 2023 2024 2025
Umsatz 103,4 83,3 86,5 81,1 69,3
Betriebsergebnis (EBIT) 3,2 4,9 6,3 6,7 -0,2
Nettogewinn 6,8 9,2 17,2 3,3 -0,8
Nettomarge 6,6 % 11,0 % 19,9 % 4,1 % -1,2 %
Gewinn je Aktie 0,56 $ 0,74 $ 1,38 $ 0,26 $ -0,07 $

Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Unser Fazit auf einen Blick

Operative Erholung positiv
Umsatz wuchs im ersten Halbjahr 2026 auf 34,9 Millionen US-Dollar (+14,3 Prozent ggü. H1 2025), die Bruttomarge verbesserte sich real um rund 5 Prozentpunkte (Q2 2026: 22,0 Prozent vs. bereinigte 17,1 Prozent im Vorjahresquartal), das bereinigte EBITDA legte im zweiten Quartal 2026 um 132 Prozent gegenüber dem bereinigten Vorjahreswert zu. Ein echter, wenn auch kleinerer Fortschritt als der Schlagzeilen-Sprung von 4,4 auf 22,0 Prozent suggeriert.
Liquidität negativ
Kasse von nur 835.875 US-Dollar zum 30. Juni 2026, die revolvierende Kreditlinie zu 92 Prozent ausgeschöpft (rund 826.000 US-Dollar frei) — zusammen rund 1,66 Millionen US-Dollar sofort verfügbar. Ein Aktienprogramm über 17 Millionen US-Dollar (22,7 Prozent der Marktkapitalisierung) ist als weitere Kapitalquelle geladen, aber bis 30. Juni 2026 ungenutzt.
Cashflow-Qualität negativ
Trotz Nettogewinnen von 1,92 Millionen US-Dollar im ersten Halbjahr 2026 blieb der operative Cashflow mit −0,43 Millionen negativ; im Geschäftsjahr 2025 waren es −5,2 Millionen bei nur −0,84 Millionen Verlust. Über 18 Monate rund 5,6 Millionen US-Dollar operativer Mittelabfluss bei etwa 1,1 Millionen US-Dollar ausgewiesenem Gewinn — der Gewinn kommt nicht als Geld an.
Kundenkonzentration & Rechtsrisiko negativ
Ein Kunde stand im zweiten Quartal 2026 für 53 Prozent des Umsatzes. Die Schadenersatzforderung von Boeing aus der A-10-Programmkündigung (Juli 2025) ist offen und ohne Rückstellung bilanziert; das Unternehmen widerspricht der Forderung, das Ergebnis ist ungewiss.
Belastbarkeit des Auftragsbestands negativ
Der Backlog von 533,1 Millionen US-Dollar (30.06.2026) ist nur zu 18,8 Prozent finanziert und laut eigener Aussage „subject to termination at will" — der A-10-Fall zeigt konkret, wie schnell ein solcher Auftrag wegbrechen kann, inklusive Schadenersatzforderung des Kunden.
Bilanz- und Governance-Historie neutral
Drei Restatements 2019–2021, ein OTC-Pink-Intermezzo bis März 2023 und ein erneuter Covenant-Bruch mit material weakness im zweiten Quartal 2025 (zum 31.12.2025 als behoben erklärt). Keine offenen SEC-Enforcement-Verfahren, aber eine Vorgeschichte, die noch keine zehn Jahre zurückliegt und sich zuletzt vor gut einem Jahr wiederholt hat.

CPI Aerostructures zeigt 2026 eine reale, aber deutlich kleinere operative Erholung, als die Schlagzeilen-Bruttomarge (4,4 auf 22,0 Prozent) suggeriert — bereinigt um den Boeing-A-10-Basiseffekt bleiben rund 5 Prozentpunkte echte Verbesserung. Der ausgewiesene Gewinn kommt aber nicht als Geld an: Der operative Cashflow war in den vergangenen 18 Monaten durchgehend negativ, die Kasse liegt bei 835.875 US-Dollar, die Kreditlinie ist zu 92 Prozent ausgeschöpft, und ein Aktienprogramm über 17 Millionen US-Dollar (22,7 Prozent der Marktkapitalisierung) steht als Verwässerungs-Instrument bereit. Dazu kommen eine offene Boeing-Schadenersatzforderung ohne Rückstellung und ein Auftragsbestand, der zu über 80 Prozent nicht finanziert ist. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Substanzrisiko

Wir haben mindestens einen belegten Befund, der das Unternehmen selbst gefährdet — unabhängig davon, wie die Aktie gerade bewertet ist.

Die Qualitäts-Ampel steht auf Rot, weil mehrere belegte Substanzrisiken zusammenkommen: Der operative Cashflow war über die vergangenen 18 Monate durchgehend negativ (FY2025: −5,2 Mio. US-Dollar, H1 2026: −0,43 Mio.) trotz ausgewiesener Gewinne — genau das Muster, das die Ampelregeln als dauerhaft negativen operativen Cashflow trotz Gewinnausweis werten. Kasse und freie Kreditlinie zusammen liegen bei nur rund 1,66 Mio. US-Dollar bei anhaltendem Mittelabfluss — eine Kassenreichweite, die weit unter den rund vier Quartalen liegt, die die Ampelregeln als Schwelle nennen. Hinzu kommt eine offene Schadenersatzforderung von Boeing ohne Rückstellung aus einer existenziell relevanten Kundenbeziehung (ein Kunde 53 Prozent des Quartalsumsatzes). Das ist ein Urteil über die Bilanzsubstanz des Unternehmens, keine Aussage zum Kurs oder zum Einstiegszeitpunkt — das entscheiden die Scanner, nicht diese Ampel.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam CVU über einen Widerspruch im hauseigenen Aktien-Scanner: Altman-Z-Score 1,23 (Distress-Zone unter 1,81) und Piotroski-F-Score 1 von 9 (schlechtestmögliche Kategorie) bei einer Aktie, die praktisch auf ihrem 52-Wochen-Hoch notiert und in drei Monaten um 50,9 Prozent gestiegen ist (Datenstand 13. August 2026).
  • Bewertungsangaben datiert und evergreen: Marktkapitalisierung rund 75,0 Millionen US-Dollar bei einem Kurs von 5,66 US-Dollar (52-Wochen-Spanne 2,02 bis 5,734 US-Dollar), Analysten-Kursziel 4,00 US-Dollar — jeweils Stand 13. August 2026, kein Kaufargument für die Zukunft.
  • Der Basiseffekt (A-10-Kündigung im Vorjahresquartal) ist die zentrale Einschränkung des Margensprungs; das aktuelle Quartal (Q2 2026) selbst enthält keine ergebnisschönenden Sonderposten, sondern eine negative Anpassung von 676.503 US-Dollar.

Aktien-Wächter

Diese Analyse ist Stand 14. August 2026. Was sich seitdem bei CVU geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

Später 0,99 € im Monat je Aktie — die Vormerkung ist kostenlos, und als Vormerker erfährst Du als Erster vom Start.

Die komplette Analyse als PDF für später

Wir schicken Dir diese Analyse als PDF — zum Ausdrucken, Ablegen und in Ruhe Nachlesen. Und wir merken Dich zugleich kostenlos für den Aktien-Wächter zu CPI Aerostructures Inc (CVU) vor: Damit erfährst Du, wenn sich an dieser Analyse etwas Wesentliches ändert.

Wir bestätigen Deine Adresse zuerst per Mail (Double-Opt-in). Du kannst Dich jederzeit mit einem Klick wieder abmelden.

Häufige Fragen

CPI Aerostructures, Inc. (NYSE American: CVU) aus Edgewood auf Long Island ist ein Tier-1-Subunternehmer für die Luft- und Raumfahrt: Es baut strukturelle Flugzeugbaugruppen — Außenflügel-Kits, Rumpfsegmente, geschweißte Titanrohre — sowie komplette Sensor- und Störsender-Pods für Lockheed Martin/Sikorsky, RTX/Collins Aerospace, Northrop Grumman und L3Harris. Rund 80 Prozent des Umsatzes laufen über Unteraufträge dieser Rüstungskonzerne (Zahlen für 2025).

Die Bruttomarge sprang im zweiten Quartal 2026 von 4,4 auf 22,0 Prozent — das wirkt nach 18 Prozentpunkten Verbesserung. Tatsächlich war das Vorjahresquartal durch eine Sonderbelastung aus der Boeing-A-10-Kündigung nach unten verzerrt; bereinigt lag es bei 17,1 Prozent. Die echte Verbesserung 2026 beträgt damit rund 5 Prozentpunkte, nicht 18 (Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026).

Weniger sicher, als die Summe vermuten lässt: Von den 533,1 Millionen US-Dollar (30.06.2026) sind nur 100,0 Millionen (18,8 Prozent) tatsächlich finanziert. Der Rest gilt laut Geschäftsbericht als jederzeit kündbar, ohne nennenswerte Vertragsstrafe — genau das erlebte CPI im Juli 2025, als Boeing das A-10-Programm mit sofortiger Wirkung beendete.

Angespannt: Zum 30. Juni 2026 hatte CPI nur 835.875 US-Dollar Kasse, die revolvierende Kreditlinie über 10 Millionen US-Dollar war zu 92 Prozent ausgeschöpft (rund 826.000 US-Dollar frei). Trotz Nettogewinns im ersten Halbjahr 2026 blieb der operative Cashflow mit −425.705 US-Dollar negativ; ein Aktienprogramm über 17 Millionen US-Dollar steht als weitere, aber verwässernde Kapitalquelle bereit.

Boeing kündigte im Juli 2025 den 2019 geschlossenen Festpreisvertrag zum A-10-Fahrwerkspods-Programm und forderte, Material und Werkzeuge bis zum 15. August 2025 zu verschrotten und zurückzugeben — zusätzlich verlangt Boeing Schadenersatz wegen angeblichen Vertragsbruchs. CPI widerspricht der Forderung; eine Rückstellung dafür gibt es bislang nicht (Quartalsbericht 10-Q zum 30.06.2026, Note 11).

Je nach Kennzahl unterschiedlich: Das Forward-KGV von 6,8 (Stand 13.08.2026) wirkt günstig, das Trailing-KGV von 47,2 zeigt aber, wie klein der zuletzt tatsächlich ausgewiesene Gewinn noch ist. Zieht man den latenten Steueranspruch aus dem Eigenkapital heraus, bleibt nur rund 6,85 Millionen US-Dollar materielle Substanz bei 75,0 Millionen Marktkapitalisierung; das Analysten-Kursziel liegt bei 4,00 US-Dollar, rund 29 Prozent unter dem Kurs.

Ja: Zwischen 2019 und 2021 musste CPI seine Abschlüsse mehrfach korrigieren (Restatements), die Aktie handelte zeitweise auf dem Kleinanlegermarkt OTC Pink, die reguläre NYSE-American-Notierung kam erst am 17. März 2023 zurück. Im zweiten Quartal 2025 riss CPI wegen der A-10-Belastung erneut seine Kredit-Covenants und musste eine neue material weakness einräumen, die zum 31.12.2025 als behoben gilt.

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