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184.000 Meter Bohrkern und null Unzen Ressource: was bei Collective Mining wirklich in den Büchern steht

184.000 Meter Bohrkern und null Unzen Ressource: was bei Collective Mining wirklich in den Büchern steht

Collective Mining bohrt seit 2021 in Kolumbien, meldet spektakuläre Gehalte und wird an der Börse mit rund einer Milliarde US-Dollar bewertet. Der eigene Jahresbericht bei der US-Börsenaufsicht sagt dazu einen einzigen, sehr trockenen Satz: Die Gesellschaft hat weder Mineralressourcen noch Mineralreserven. Umsatz gab es seit der Gründung keinen, der Fehlbetrag stieg 2025 auf 49,9 Millionen US-Dollar, und die Aktienzahl wuchs in zwei Jahren um 51 Prozent. Seit Mai 2026 liegt ein Regalprospekt über 500 Millionen kanadische Dollar bereit. Ein Londoner Fonds hält den Titel trotzdem als viertgrößte Position seines Depots und hat vier Quartale in Folge aufgestockt. Keine Kaufempfehlung — sondern die Frage, was man eigentlich besitzt, solange der Schatz nur als Bohrloch existiert.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 20 Min. Lesezeit
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184.000 Meter Bohrkern und null Unzen Ressource: was bei Collective Mining wirklich in den Büchern steht
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (40-F/6-K)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die viel älter ist als die Börse — nennen wir sie die Schatzkarten-Falle. Auf einer Schatzkarte ist der Schatz schon eingezeichnet. Genau das ist der Trick: Die Karte fühlt sich an wie Besitz. Zwischen dem Kreuz auf dem Papier und einer Münze in der Hand liegen aber ein Schiff, eine Mannschaft, eine Schaufel und die unangenehme Möglichkeit, dass an der Stelle nur Sand ist. Bei Collective Mining Ltd. (NYSE American und TSX: CNL) ist diese Falle das Thema überhaupt. Das Unternehmen bohrt seit 2021 in Kolumbien, hat bis Juli 2026 rund 184.000 Meter Bohrkern gezogen, meldet Gehalte, bei denen Rohstoff-Fans die Luft anhalten — und wird an der Börse mit ungefähr einer Milliarde US-Dollar bewertet. Machen wir also einen Deal: Bevor du eine dieser Meldungen für einen Schatz hältst, lesen wir gemeinsam, was Collective Mining selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Jahresbericht 40-F für 2025 vom 31. März 2026 mit allen drei Anhängen, den Zwischenbericht zum 31. März 2026 und ein halbes Dutzend Mitteilungen bis zum 22. Juli 2026. Ein Bericht an die SEC ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser enthält einen Satz, der in keiner Schlagzeile steht. Am Ende entscheidest du selbst.

Was Collective Mining eigentlich macht — zwei Namen auf der Karte, kein Gramm verkauftes Metall

Collective Mining ist ein reines Explorationsunternehmen. Es fördert nichts, verkauft nichts und verdient nichts. Es sucht. Der Zwischenabschluss zum 31. März 2026 formuliert das in einem Satz, den man zweimal lesen sollte: „To date, the Company has not generated any revenue from mining or other operations as it is considered to be in the exploration stage." — Bis heute hat die Gesellschaft keinerlei Umsatz aus Bergbau oder anderen Tätigkeiten erzielt, weil sie sich im Explorationsstadium befindet.

Gesucht wird an zwei Stellen, beide in der Region Caldas im Westen Kolumbiens, mitten in einem etablierten Bergbaurevier mit zehn genehmigten und laufenden Minen:

  • Guayabales — das Vorzeigeprojekt, verankert im sogenannten Apollo-System, einer Kombination aus Porphyr, Brekzien und Gängen mit Gold, Silber, Kupfer und Wolfram. Das Entdeckungsbohrloch wurde am 22. Juni 2022 gemeldet; bis September 2025 hatte die Gesellschaft dort 196 Löcher über 84.648,9 Meter von 33 Bohrplätzen gebohrt, bis Juli 2026 waren es rund 120.000 Meter allein am Apollo-System.
  • San Antonio — das zweite Projekt, an dem 2025 die Entdeckung eines Porphyr- und Gangsystems und 2026 ein silberdominiertes Gangsystem ab der Oberfläche gemeldet wurde.

Das Geschäftsmodell ist einfach zu beschreiben und schwer zu bewerten: Man bezahlt Bohrgeräte, Geologen, Labore und Grundeigentümer und hofft, dass am Ende eine Lagerstätte entsteht, die entweder selbst gebaut oder an einen großen Produzenten verkauft wird. Genau das hat dieses Team schon einmal geschafft — die Mitteilung vom 22. Juli 2026 sagt es unverblümt: „Founded by the team that developed and sold Continental Gold Inc. to Zijin Mining for approximately $2 billion in enterprise value." Der Vorgänger wurde also für rund zwei Milliarden US-Dollar Unternehmenswert an einen chinesischen Konzern verkauft. Diese Vorgeschichte ist der stärkste Werbeträger der Aktie — und sie ist echt.

Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, das sich durch jedes Kapitel zieht: Collective Mining hat einen der aufsehenerregendsten Explorationsfunde der letzten Jahre gemacht und trotzdem, in der Sprache der Börsenaufsicht, exakt nichts vorzuweisen. Der Unterschied zwischen beiden Sätzen ist das, was du als Anleger kaufst.

Bohrtreffer, Ressource, Reserve — drei Wörter, an denen alles hängt

Bevor wir in die Zahlen gehen, gehört ein Stück Übersetzungsarbeit auf den Tisch, denn ohne sie ist keine Explorationsaktie zu verstehen. Stell dir einen riesigen Rosinenkuchen vor.

  • Ein Bohrtreffer ist eine dünne Nadel, die du in den Kuchen stichst. Der Kern, den du herausziehst, ist wenige Zentimeter dick und mehrere hundert Meter lang. Er sagt dir haargenau, was auf dieser einen Linie steckt — und kein Wort darüber, was daneben liegt. Wenn Collective am 29. Juni 2026 meldet: 27,35 Meter mit 37,55 Gramm Goldäquivalent je Tonne (darin 1,68 Prozent Wolframtrioxid, 11,62 Gramm Gold, 54 Gramm Silber, 0,43 Prozent Kupfer), dann ist das eine sehr gute Nadel. Mehr nicht.
  • Eine Ressource ist die geologische Hochrechnung: Wie viele Rosinen stecken im ganzen Kuchen? Dafür braucht man viele Nadeln in einem Raster, ein geologisches Modell und einen unabhängigen Gutachter. Ressourcen kommen in drei Sicherheitsstufen — abgeleitet (geraten mit Methode), angezeigt und gemessen. Selbst eine gemessene Ressource sagt nichts darüber, ob sich das Backen lohnt.
  • Eine Reserve ist der Teil der Ressource, für den eine Wirtschaftlichkeitsstudie nachgewiesen hat, dass er sich mit heutigen Kosten, Preisen und Genehmigungen mit Gewinn abbauen lässt. Erst hier wird aus Geologie ein Geschäft.

Merke dir diese Reihenfolge: Nadel, Hochrechnung, Beweis. Pressemitteilungen berichten über Nadeln, weil Nadeln spektakulär aussehen. Der Wert einer Bergbaufirma entsteht in den beiden anderen Stufen. Und genau dort steht Collective Mining — noch — bei null.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Diese Analyse beginnt nicht mit einem Treffer im hauseigenen Aktien-Scanner, sondern mit einem Formular. Am 8. Mai 2026 reichte Helikon Investments Ltd aus London bei der SEC ihr Formular 13F-HR zum Stichtag 31. März 2026 ein (Aktenzeichen 0001839497-26-000002). Ein 13F ist die Pflichtmeldung großer US-Vermögensverwalter: Wer mehr als 100 Millionen US-Dollar in US-gelisteten Aktien verwaltet, muss vierteljährlich offenlegen, was er hält. In Helikons Tabelle stehen 17 Positionen im Gesamtwert von 2.648.555.113 US-Dollar — und darin 10.979.312 Collective-Mining-Aktien im Wert von 193.345.684 US-Dollar. Das ist die viertgrößte Position des Depots und entspricht rund 11,9 Prozent aller Aktien der Gesellschaft.

Die Bewegung ist ruhiger als bei den meisten anderen Titeln dieses Depots. Über vier Stichtage gemeldet: 9.916.894 Stück (30. Juni 2025), 10.455.037 (30. September 2025), 10.650.248 (31. Dezember 2025) und 10.979.312 (31. März 2026) — vier Quartale in Folge leicht aufgestockt, zuletzt um 3,1 Prozent. Und Helikon taucht bei dieser Firma nicht nur im 13F auf: Der Fonds hat zu Collective Mining auch direkte Beteiligungsmeldungen eingereicht, zuletzt am 28. Oktober 2025 über 10.455.037 Aktien oder 12,32 Prozent. Bemerkenswert ist dabei weniger die Größe als das Muster: Ein Fonds, der insgesamt 2,6 Milliarden US-Dollar in nur 17 Titeln hält, steckt dreistellige Millionenbeträge in Firmen ohne einen einzigen Dollar Umsatz — neben Collective Mining auch in Skeena, Solaris Resources, New Pacific Metals und Highlander Silver.

Jetzt die Grenze, die zu jedem 13F gehört, damit aus einer Pflichtmeldung keine Legende wird: Ein 13F zeigt ausschließlich US-gelistete Long-Positionen, gemeldet mit 35 bis 45 Tagen Verzug, ohne Leerverkäufe, ohne Derivate und ohne alles, was außerhalb der USA notiert. Er ist ein Rückspiegel, kein Fahrplan.

Ein Wort zum Scanner, weil es zur Ehrlichkeit gehört: Collective Mining ist kein Titel, den unsere Filter nach vorne spülen — und das kann er auch gar nicht sein. Der Datenbestand umfasst acht Quartale (zweites Quartal 2024 bis erstes Quartal 2026), und der Umsatz steht in allen acht bei null. Damit fällt jede Kennzahl aus, die einen Umsatz oder Gewinn im Nenner hat: kein Kurs-Gewinn-Verhältnis, kein Kurs-Umsatz-Verhältnis. Der Piotroski-Score liegt bei 3 von 9 — ein Neun-Punkte-Test der Bilanzgesundheit, bei dem eine kerngesunde Firma 8 oder 9 erreicht. Nur: Mehrere dieser neun Punkte setzen Gewinn und operativen Mittelzufluss voraus, die es hier gar nicht geben kann. Die 3 ist deshalb keine Aussage über Qualität, sondern über Bauart.

Und dann ist da der Altman-Z-Wert von 55,91. Der klassische Insolvenztest schlägt bei Werten unter etwa 1,8 Alarm und gilt ab rund 3,0 als unbedenklich — 55,91 sieht also aus wie ein Ritterschlag. Ist es nicht. Der Wert entsteht fast vollständig daraus, dass die Gesellschaft zum Jahresende 2025 kaum Verbindlichkeiten hatte: In der Formel steht der Börsenwert im Verhältnis zu den Schulden, und wenn der Nenner winzig ist, explodiert das Ergebnis. Ein Test, der für Firmen mit Umsatz und Fremdkapital gebaut wurde, misst bei einem Explorer ohne beides schlicht nichts. Merke dir das: Eine Kennzahl, die nur groß ist, weil ihr Nenner fehlt, ist kein Bonitätsbeweis. Wie schnell sich das dreht, zeigen wir gleich in unbequemer Wahrheit Nr. 3.

Warum es von Collective Mining keinen Quartalsbericht gibt

Ein Punkt, den viele Anleger übersehen: Von Collective Mining gibt es kein 10-K und kein 10-Q. Die Gesellschaft ist eine Ontario-Gesellschaft und nutzt das MJDS-Verfahren, eine gegenseitige Anerkennung der Börsenaufsichten: Sie berichtet nach kanadischen Regeln und reicht dasselbe Paket bei der SEC als Formular 40-F ein — für 2025 am 31. März 2026, mit drei Anhängen: der Annual Information Form, dem von BDO Canada LLP geprüften Jahresabschluss nach IFRS und dem Lagebericht. Quartalszahlen kommen als ungeprüfte Anlage zu einem Formular 6-K.

Dazu kommt ein zweiter Punkt, den das 40-F selbst benennt: Collective Mining gilt als „emerging growth company" und ist damit von der Prüfer-Bestätigung zur internen Kontrolle befreit:

„This Annual Report does not include an attestation report of the Company’s registered public accounting firm due to a transition period established by rules of the SEC for newly public companies. … The Company qualifies as an ‚emerging growth company‘ and therefore has not included in, or incorporated by reference into, this Annual Report such an attestation report."

Übersetzung: „Dieser Jahresbericht enthält keinen Bestätigungsvermerk der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft der Gesellschaft, weil für neu börsennotierte Unternehmen eine von der SEC festgelegte Übergangsfrist gilt. … Die Gesellschaft erfüllt die Voraussetzungen eines ‚jungen Wachstumsunternehmens‘ und hat deshalb keinen solchen Bestätigungsvermerk in diesen Jahresbericht aufgenommen oder durch Verweis einbezogen."

— Collective Mining Ltd., SEC-Jahresbericht 40-F für 2025, Abschnitt „Disclosure Controls and Procedures and Internal Control over Financial Reporting"

Das ist völlig legal und bei jungen Börsengesellschaften der Normalfall — aber es ist eine dünnere Kontrolllage, als du sie bei einem etablierten US-Wettbewerber hättest. Und die Börsenhistorie ist tatsächlich jung: Die Aktie startete am 20. Mai 2021 an der TSX Venture Exchange, wechselte am 6. September 2023 an die Toronto Stock Exchange und notiert erst seit Juli 2024 an der NYSE American. Merke dir: Eine kurze Börsenhistorie ist keine Schwäche des Geschäfts, aber eine Schwäche deiner Datenlage.

Die Zahlen über die Jahre — ein Unternehmen, das ausschließlich ausgibt

Erst das, was wirklich beeindruckt, denn davon gibt es einiges. Die Bohrleistung ist außergewöhnlich: 2025 wurden 62.500 Meter gebohrt, die bis dahin größte Kampagne der Firmengeschichte; für 2026 sind bis zu 100.000 Meter geplant, und im Juli 2026 liefen 13 Bohrgeräte gleichzeitig. Die Ergebnisse sind keine Nebensache: Auf Basis von Gramm mal Meter ist das Loch APC104-D5 mit 1.499 Gramm Goldäquivalent der stärkste Abschnitt am Apollo-System; insgesamt hat die Gesellschaft dort 18 Abschnitte über 1.000 Gramm mal Meter gebohrt. Und die Genehmigungslage verbessert sich: Nach öffentlichen Anhörungen in Marmato (17. Februar 2026) und Supía (21. Mai 2026) erteilte die kolumbianische Bergbaubehörde ANM am 10. April und am 10. Juli 2026 weitere Bergbautitel.

Jetzt die Gegenrechnung. Für einen Explorer gibt es keine Umsatzkurve — es gibt eine Kassenkurve und eine Abflusskurve:

Zwei Balkenreihen für Collective Mining: oben der Kassenbestand zum Stichtag mit 14,2 Millionen US-Dollar Ende 2023, 38,9 Ende 2024, 129,6 Ende 2025 und 113,3 zum 31. März 2026; unten der Mittelabfluss aus dem laufenden Geschäft mit minus 16,9, minus 22,6, minus 35,9 und minus 10,6 Millionen US-Dollar.
Die Kasse wächst nur, wenn Kapitalerhöhungen sie füllen — der Mittelabfluss läuft ununterbrochen. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (40-F/6-K); Jahresbericht 2025 und Zwischenbericht zum 31.03.2026. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Fehlbetrag stieg von 19,1 Millionen US-Dollar (2023) über 26,9 Millionen (2024) auf 49,9 Millionen (2025); je Aktie waren das 0,33, 0,33 und 0,58 US-Dollar. Das erste Quartal 2026 brachte weitere 12,4 Millionen (0,13 US-Dollar je Aktie). Der größte Posten ist der Explorationsaufwand selbst: 14,1 / 18,1 / 32,5 Millionen US-Dollar in den drei Jahren, 9,1 Millionen im ersten Quartal 2026 (davon 8,1 Millionen Guayabales, 1,0 Millionen San Antonio). Die Verwaltungskosten wuchsen parallel von 5,3 über 5,8 auf 9,5 Millionen, im ersten Quartal 2026 auf 4,0 Millionen. Ein Sonderposten erklärt einen Teil des Sprungs 2025: Die Neubewertung von Optionsscheinen kostete 10,6 Millionen US-Dollar — ein reiner Buchverlust, entstanden ausgerechnet dadurch, dass der eigene Aktienkurs stieg.

Der aufgelaufene Verlust seit Gründung stand zum 31. März 2026 bei 144,6 Millionen US-Dollar — gegenüber 243,8 Millionen US-Dollar eingesammeltem Aktienkapital. Anders gesagt: Von jedem eingeworbenen Dollar ist rund ein Drittel bereits im Boden verschwunden, im buchstäblichen Sinn.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Es gibt keine Ressource und keine Reserve — schriftlich

Das ist der Satz, um den sich diese Analyse dreht. Er steht in der Annual Information Form, dem größten Anhang des Jahresberichts, unter der Überschrift „Reliability of Mineral Resource and Reserve Estimates":

„The Company currently does not have any mineral resources or mineral reserves. Furthermore, there is no certainty that any of the mineral resources or mineral reserves on any project with mineral resources or mineral reserves will be realized."

Übersetzung: „Die Gesellschaft verfügt derzeit über keinerlei Mineralressourcen oder Mineralreserven. Darüber hinaus gibt es keine Gewissheit, dass Mineralressourcen oder Mineralreserven auf irgendeinem Projekt, das solche ausweist, jemals realisiert werden."

— Collective Mining Ltd., Annual Information Form 2025 (40-F-Anhang 99.1), Abschnitt „Risk Factors — Reliability of Mineral Resource and Reserve Estimates"

Gelb markierter Risikohinweis in der Annual Information Form 2025 von Collective Mining: Die Gesellschaft verfügt derzeit über keinerlei Mineralressourcen oder Mineralreserven.
Die markierte Stelle im Original: keine Ressourcen, keine Reserven. Quelle: Annual Information Form 2025, Risk Factors (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Wer hofft, das gelte nur für die Nebenprojekte, findet im technischen Bericht zum Vorzeigeprojekt dieselbe Aussage — diesmal ganz konkret:

„There are no mineral resource estimates for the Guayabales Project that were prepared in accordance with the current CIM standards and definitions required by the NI 43-101. Mineral resources that are not mineral reserves do not have demonstrated economic viability."

Übersetzung: „Für das Guayabales-Projekt liegen keine Ressourcenschätzungen vor, die nach den aktuellen CIM-Standards und -Definitionen erstellt wurden, wie sie NI 43-101 verlangt. Mineralressourcen, die keine Mineralreserven sind, haben keine nachgewiesene wirtschaftliche Tragfähigkeit."

— Collective Mining Ltd., Annual Information Form 2025 (40-F-Anhang 99.1), Kapitel „Guayabales Project", Abschnitt „Mineral Resource and Mineral Reserve Estimates"

Gelb markierter Absatz im technischen Bericht zum Guayabales-Projekt: Es gibt keine Ressourcenschätzungen nach dem kanadischen Standard NI 43-101; darunter der empfohlene zweistufige Explorationsplan mit Budgets von 28,25 und 52,1 Millionen US-Dollar.
Die markierte Stelle im Original, direkt darunter der Fahrplan des Gutachters: Stufe I bis Ende 2026 für 28,25 Millionen US-Dollar, Stufe II bis Ende 2027 für 52,1 Millionen. Quelle: Annual Information Form 2025, Kapitel Guayabales (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Gutachter nennt Guayabales wörtlich ein „discovery-stage project" — ein Projekt im Entdeckungsstadium — und legt einen Fahrplan vor, der die Größenordnung der noch offenen Arbeit zeigt. Stufe I: 65.000 Meter zusätzliche Bohrungen, rund 13 Monate bis Ende 2026, Budget 28.250.000 US-Dollar — Ziel ist ausdrücklich, „to define a mineral resource estimate and carry out a preliminary economic assessment (PEA)", also überhaupt erst eine Ressourcenschätzung samt erster Wirtschaftlichkeitsbetrachtung zu erstellen. Stufe II: weitere 110.000 Meter, zwölf Monate bis Ende 2027, Budget 52.100.000 US-Dollar, um abgeleitete Ressourcen in angezeigte und gemessene umzuwandeln und eine Vormachbarkeitsstudie zu liefern. Zusammen rund 80,4 Millionen US-Dollar und zwei Jahre — und Stufe II ist ausdrücklich davon abhängig, dass Stufe I gut ausgeht.

Zur Fairness gehört: Das ist kein Vorwurf, sondern eine Zustandsbeschreibung. Jede Mine der Welt hat diese Phase durchlaufen, und ein Unternehmen ohne Ressource kann trotzdem eine großartige Entdeckung besitzen. Aber es ändert, was du kaufst. Du kaufst keinen Vorrat, sondern die Wahrscheinlichkeit, dass aus Nadeln eine Hochrechnung wird.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Jede Bohrsaison wird mit neuen Aktien bezahlt

Ein Unternehmen ohne Umsatz hat genau zwei Geldquellen: die Kasse und neue Aktien. Der Lagebericht sagt das selbst: „The Company has no operating cash flow from a producing mine and therefore must utilize its current cash reserves and funds obtained from equity financing transactions to fund its operating and exploration activities" — die Gesellschaft habe keinen operativen Mittelzufluss aus einer produzierenden Mine und müsse deshalb ihre Barreserven und Mittel aus Eigenkapitalfinanzierungen einsetzen.

Wie das aussieht, zeigt die Aktienzahl:

Gruppierte Balken zur Aktienzahl von Collective Mining in Millionen Stück: ausgegeben 61,23 Ende 2023, 77,60 Ende 2024, 92,54 Ende 2025 und 92,58 zum 31. März 2026; voll verwässert 67,25, 84,29, 98,64 und 99,23.
Zwei Jahre, 51 Prozent mehr Aktien — jede Bohrsaison wurde mit neuen Anteilen bezahlt. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (40-F/6-K); Abschnitt „Equity and Warrants" im Lagebericht. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Verwässerung ist das Alltagsbild dazu: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, wenn ständig neue Stücke abgeschnitten werden — auch dann, wenn der Kuchen insgesamt wächst. Die Zahlen: 61.234.906 Aktien zum 31. Dezember 2023, 77.602.208 ein Jahr später, 92.537.998 zum Jahresende 2025 und 92.575.498 zum 31. März 2026 — ein Plus von 51 Prozent in zwei Jahren. Voll verwässert, also samt der 6.656.300 ausstehenden Aktienoptionen, sind es 99.231.798 Stück. Allein 2025 flossen 146,1 Millionen US-Dollar zu: 36,4 Millionen aus einer Privatplatzierung im März zu 11,00 kanadischen Dollar je Aktie, 89,9 Millionen aus einem „Bought Deal" im Oktober zu 19,00 kanadischen Dollar, 10,8 Millionen aus einer gleichzeitigen Privatplatzierung und 9,2 Millionen aus der Ausübung von Optionen und Optionsscheinen.

Und die Gesellschaft sagt selbst, dass es so weitergehen wird:

„In addition, there can be no assurance that future financing can be obtained without substantial dilution to existing shareholders. The issuance of additional securities and the exercise of common share purchase warrants, stock options and other convertible securities will result in dilution of the equity interests of any persons who are or may become holders of Common Shares."

Übersetzung: „Darüber hinaus gibt es keine Gewähr dafür, dass künftige Finanzierungen ohne erhebliche Verwässerung der bestehenden Aktionäre erlangt werden können. Die Ausgabe weiterer Wertpapiere sowie die Ausübung von Optionsscheinen, Aktienoptionen und anderen wandelbaren Wertpapieren wird zu einer Verwässerung der Kapitalanteile aller Personen führen, die Stammaktien halten oder halten werden."

— Collective Mining Ltd., Annual Information Form 2025 (40-F-Anhang 99.1), Abschnitt „Risk Factors — Financing Risk"

Gelb markierter Absatz im Finanzierungsrisiko der Annual Information Form 2025 von Collective Mining: Es gibt keine Gewähr, dass künftige Finanzierungen ohne erhebliche Verwässerung der bestehenden Aktionäre erlangt werden können.
Die markierte Stelle im Original — direkt darüber die Aufzählung der bisherigen Finanzierungen über rund 227 Millionen kanadische Dollar aus vier „Bought Deals". Quelle: Annual Information Form 2025, Financing Risk (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das Werkzeug dafür liegt bereit: Am 13. Mai 2026 reichte Collective Mining einen neuen Regalprospekt ein, der binnen 25 Monaten Emissionen von bis zu 500 Millionen kanadischen Dollar erlaubt — gut das Dreifache dessen, was 2025 insgesamt eingesammelt wurde, und gemessen am Börsenwert grob ein Drittel der Firma. Merke dir den Satz: Wachstum, das mit frischen Aktien bezahlt wird, ist nie ganz gratis. Wie sehr eine Kapitalstruktur ein an sich gutes Rohstoffprojekt überlagern kann, haben wir auch in der Analyse zu TRX Gold gesehen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: In einem Quartal wurden aus 4,7 Millionen Schulden 41,8 Millionen

Erinnerst du dich an den Altman-Z-Wert von 55,91, der nur groß war, weil die Firma kaum Verbindlichkeiten hatte? Genau diese Voraussetzung ist inzwischen weg. Zum 31. Dezember 2025 wies die Bilanz 12,9 Millionen US-Dollar Gesamtverbindlichkeiten aus, zum 31. März 2026 waren es 52,6 Millionen — das Vierfache in drei Monaten. Die Eigenkapitalquote fiel im selben Zeitraum von 0,918 auf rund 0,72.

Bilanz von Collective Mining zum 31. März 2026 mit gelb markierter Zeile „Other long-term liabilities
Die markierte Zeile im Original: die langfristigen Ratenverbindlichkeiten aus den Landkäufen. Daneben die Gesamtverbindlichkeiten von 52,6 Millionen US-Dollar nach 12,9 Millionen drei Monate zuvor. Quelle: Zwischenabschluss zum 31.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Ursache steht in Note 12: Die Gesellschaft hat im Februar und März 2026 Grundstücke und Bergbaurechte auf Raten gekauft. Die Position „Other long-term liabilities" stieg von 4.652.294 auf 41.813.295 US-Dollar, davon 16.046.853 innerhalb eines Jahres fällig. Der größte Einzelvertrag stammt vom 10. März 2026 über 33.581.007 US-Dollar für Flächen am Guayabales-Projekt, zahlbar bis 2030; abgezinst wurde mit 9,50 Prozent. Dazu kommen 10,57 Millionen für Flächen am San-Antonio-Projekt (25. Februar 2026), 2,05 Millionen (20. März 2026) und 3,48 Millionen für Rechte aus einem Konzessionsantrag (27. März 2026). Das Sachanlagevermögen sprang entsprechend von 11,2 auf 52,1 Millionen US-Dollar.

Sachlich ist das nachvollziehbar: Wer eine Mine bauen will, braucht den Boden darüber, und Ratenkauf schont die Kasse. Für dich als Anleger ändert es aber zwei Dinge. Erstens läuft nun ein fester Zahlungsplan, unabhängig davon, ob die nächste Bohrsaison etwas findet. Zweitens schmilzt der Puffer: Das Nettoumlaufvermögen nach Abzug aller Verbindlichkeiten fiel von 118,1 auf 63,3 Millionen US-Dollar (Stand 31. März 2026). Und drittens — das ist die Lehre für jeden Screener — war die schöne Eigenkapitalquote von 0,918 schon veraltet, als sie in den Filtern auftauchte.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Kasse reicht — solange nichts dazwischenkommt

Zum 31. März 2026 lagen 113,3 Millionen US-Dollar in der Kasse, nach 129,6 Millionen zum Jahresende 2025. Im ersten Quartal 2026 flossen 10,6 Millionen aus dem laufenden Geschäft und 5,4 Millionen für Investitionen ab, während aus Finanzierung netto nichts hereinkam — unter dem Strich ein Rückgang von 16,3 Millionen in drei Monaten. Bei diesem Tempo reicht die Kasse rechnerisch rund sieben Quartale, also bis etwa Ende 2027.

Die Gesellschaft selbst formuliert es positiv und in der Mitteilung vom 22. Juli 2026 wörtlich so: „With US$113.3 million in cash (as of March 31, 2026), the Company is fully funded for its planned 2026 program, which envisions up to 100,000 meters of drilling." Beides kann stimmen — nur muss man die Voraussetzung mitlesen: Im ersten Quartal 2026 wurden 12.226 Meter gebohrt. Um auf bis zu 100.000 Meter im Jahr zu kommen, muss das Tempo deutlich steigen, und mit ihm der Mittelabfluss. Dazu kommen die 16,0 Millionen US-Dollar Ratenzahlungen, die binnen zwölf Monaten fällig sind, und der Fahrplan des Gutachters über 28,25 Millionen für Stufe I und 52,1 Millionen für Stufe II. Merke dir: „Voll finanziert" ist immer eine Aussage über ein Programm, nie über ein Unternehmen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Kolumbien ist kein Nebenschauplatz

Beide Projekte liegen in Kolumbien, und die Annual Information Form widmet dem Land mehrere Seiten Risikotext — offen und ohne Beschönigung. Genannt werden Guerillagruppen, Drogenkartelle, Entführung und Erpressung; die Gesellschaft hält fest, dass die kolumbianische Regierung 2025 die Gespräche mit einer Guerillagruppe wegen Unruhen in bestimmten Regionen ausgesetzt hat. Dazu kommen Schutzgebiete und kulturell oder ethnisch geschützte Zonen, in denen Bergbau eingeschränkt oder genehmigungspflichtig ist, sowie die Möglichkeit, dass neue Schutzgebiete ausgewiesen werden.

Besonders konkret ist der informelle Bergbau: Auf dem Guayabales-Projekt wird laut Bericht in vier Bereichen handwerklich gefördert. Die Gesellschaft betont, deren Rechte zu respektieren — trägt aber das Risiko, dass Unfälle im informellen Bergbau ihr zugerechnet werden. Und die Titellage ist nicht vollständig in eigener Hand: Ein Teil der Lizenzen und Konzessionen ist auf Dritte eingetragen und wird über Optionsverträge gehalten; die Übertragung hängt an der kolumbianischen Bergbaubehörde ANM. Wie sichtbar das ist, zeigen die Meldungen aus dem Frühjahr 2026: Erst nach öffentlichen Anhörungen in Marmato und Supía wurden im April und Juli 2026 weitere Titel erteilt. Das ist einerseits ein Erfolg — andererseits die Erinnerung daran, dass hier jede Erweiterung durch ein politisches Verfahren muss.

Unbequeme Wahrheit Nr. 6: Wer hier wirklich das Sagen hat

Ein Explorationsunternehmen ohne Umsatz lebt von seinen Geldgebern — und die sind bei Collective Mining ungewöhnlich prominent und ungewöhnlich eng verbunden. Der größte ist Agnico Eagle Mines, einer der größten Goldproduzenten der Welt. Der Konzern stieg im März 2024 ein und meldete zum 14. März 2025 12.718.219 Aktien oder 14,99 Prozent. Dazu gibt es eine Investorenvereinbarung: Agnico darf sich an jeder Kapitalerhöhung beteiligen und seinen Anteil bis zu 14,99 Prozent auffüllen, und solange der Anteil über 10 Prozent liegt, darf der Konzern ein Mitglied in den Verwaltungsrat entsenden. Genau das erklärt die eigenartigen „Aufstockungs-Platzierungen" im Oktober 2024 und Oktober 2025, bei denen Agnico jeweils zusätzliche Aktien zeichnete, nur um die Quote zu halten.

Daneben stehen der Executive Chairman Ari Sussman mit 10.786.934 Aktien beziehungsweise 11,6 Prozent (Beteiligungsmeldung vom 18. März 2026), die Londoner Helikon Investments mit 10.979.312 Aktien zum 31. März 2026 (rund 11,9 Prozent) und seit Juni 2026 die ebenfalls Londoner Jupiter Asset Management, die zuletzt 9.250.000 Aktien oder 9,97 Prozent meldete. Die Gesellschaft selbst schreibt in ihrer Mitteilung vom 22. Juli 2026: „Management, insiders, a strategic investor and close family and friends own 45.2% of the outstanding shares of the Company and as a result, are fully aligned with shareholders."

Beides ist wahr und beides zählt: Eine hohe Beteiligung von Management und einem strategischen Produzenten ist ein starkes Signal — niemand steckt 14,99 Prozent in ein Projekt, das er für wertlos hält. Gleichzeitig bedeutet sie, dass der frei handelbare Bestand dünn ist. In einem dünnen Markt bewegen kleine Kauf- und Verkaufsaufträge den Kurs stärker, und jede neue Platzierung aus dem 500-Millionen-Regal muss in genau diesen Markt.

Bewertung: Was rund eine Milliarde Dollar hier eigentlich kauft

Für eine evergreen-taugliche Einordnung brauchen wir datierte Anker statt Tageskurse — und den ersten liefert ausgerechnet das Formular vom Anfang. Aus 193.345.684 US-Dollar für 10.979.312 Aktien ergibt sich zum Stichtag 31. März 2026 ein rechnerischer Kurs von rund 17,61 US-Dollar je Aktie; hochgerechnet auf 92.575.498 Aktien entspricht das einem Börsenwert von etwa 1,63 Milliarden US-Dollar. Zum Datenstand dieser Analyse (24. Juli 2026) lag der Börsenwert bei rund 1,2 Milliarden US-Dollar — dazwischen liegt der Kursrückgang des zweiten Quartals, den wir hier bewusst nicht tagesscharf abbilden.

Klassische Multiplikatoren gibt es nicht: kein Kurs-Gewinn-Verhältnis (kein Gewinn), kein Kurs-Umsatz-Verhältnis (kein Umsatz). Was bleibt, sind drei Vergleiche mit belegten Größen:

  • Gegen die Bilanz: Das Eigenkapital lag zum 31. März 2026 bei 134,3 Millionen US-Dollar. Rund 1,2 Milliarden Börsenwert entsprechen also etwa dem Neunfachen des Buchwerts — bei einem Unternehmen, dessen Bilanz im Kern aus Kasse, Grundstücken und Konzessionsrechten besteht.
  • Gegen das eingesammelte Geld: Seit der Gründung hat Collective Mining 243,8 Millionen US-Dollar Aktienkapital eingeworben und davon 144,6 Millionen verbraucht. Die Börse bewertet das Ergebnis mit rund dem Fünffachen des eingesammelten Kapitals.
  • Gegen die Kasse: 113,3 Millionen US-Dollar liegen bar da. Rund neun Zehntel des Börsenwerts entfallen damit auf etwas, das in keiner Bilanz steht — die Erwartung, dass aus Bohrlöchern eine Lagerstätte wird.

Ein Analysten-Konsens im üblichen Sinn hilft hier ebenfalls nicht weiter: Es gibt keine Ertragsreihe, an der eine Schätzung hängen könnte. Die wenigen Häuser, die den Titel begleiten, bewerten ein Bohrprogramm, keine Gewinn- und Verlustrechnung. Alle Bewertungsangaben mit Datenstand 24. Juli 2026; Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument. Wie unterschiedlich die Börse Rohstofftitel bepreist, je nachdem, ob am Ende Metall verkauft wird oder nicht, zeigt der Kontrast zur Analyse zu Allied Gold aus demselben Depot — dort steht ein Produzent mit 1,3 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz für ähnlich viel Geld zum Verkauf.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Collective Mining spricht:

  • Ein außergewöhnlicher Bohrerfolg: 184.000 Meter Kern bis Juli 2026, davon 120.000 Meter am Apollo-System; 18 Abschnitte über 1.000 Gramm mal Meter Goldäquivalent, der stärkste mit 1.499; im Juni 2026 eine neue wolframreiche Zone mit 27,35 Metern zu 37,55 Gramm Goldäquivalent je Tonne ab 300 Meter Tiefe.
  • Ein Team mit Beweis: Dieselbe Mannschaft entwickelte und verkaufte Continental Gold für rund zwei Milliarden US-Dollar Unternehmenswert an Zijin Mining.
  • Ein strategischer Anker: Agnico Eagle hält 14,99 Prozent (Stand 14. März 2025), darf sich an jeder Finanzierung beteiligen und einen Verwaltungsrat entsenden; Management, Insider, strategischer Investor und nahestehende Personen halten zusammen 45,2 Prozent (Angabe der Gesellschaft, 22. Juli 2026).
  • Ausreichend Geld für die laufende Saison: 113,3 Millionen US-Dollar Kasse zum 31. März 2026, praktisch keine Bankschulden, ein Bohrprogramm mit 13 Geräten und die eigene Aussage, für 2026 voll finanziert zu sein.
  • Die Genehmigungslage verbessert sich sichtbar: Nach öffentlichen Anhörungen in Marmato und Supía erteilte die Bergbaubehörde ANM im April und im Juli 2026 zusätzliche Bergbautitel und damit neue bohrbereite Ziele.

Was dagegen spricht:

  • Keine Ressource, keine Reserve, kein Umsatz — alles drei aus den eigenen Berichten. Für Guayabales existiert keine Schätzung nach NI 43-101; der Gutachter veranschlagt rund 80,4 Millionen US-Dollar und zwei Jahre in zwei Stufen, allein um Ressourcenschätzung und Vormachbarkeitsstudie zu liefern.
  • Die Verluste wachsen: 19,1 Millionen US-Dollar (2023), 26,9 (2024), 49,9 (2025), weitere 12,4 im ersten Quartal 2026; aufgelaufener Verlust 144,6 Millionen zum 31. März 2026.
  • Verwässerung als Dauerzustand: 51 Prozent mehr Aktien in zwei Jahren, 146,1 Millionen US-Dollar Kapitalerhöhungen allein 2025 — und seit dem 13. Mai 2026 ein Regalprospekt über bis zu 500 Millionen kanadische Dollar mit 25 Monaten Laufzeit.
  • Die schuldenfreie Bilanz ist Geschichte: Gesamtverbindlichkeiten von 12,9 auf 52,6 Millionen US-Dollar in einem Quartal, Ratenverbindlichkeiten aus Landkäufen von 41,8 Millionen (davon 16,0 kurzfristig), Eigenkapitalquote von 0,918 auf rund 0,72.
  • Länderrisiko, das die Gesellschaft selbst beschreibt: Guerillagruppen und ausgesetzte Friedensgespräche, informeller Bergbau in vier Bereichen des Guayabales-Projekts, Schutz- und Restriktionsgebiete, Konzessionen teilweise nur über Optionsverträge gehalten — und als junges Börsenunternehmen weder ein geprüfter Quartalsbericht noch ein Prüfer-Testat zur internen Kontrolle.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Schatzkarten-Falle vom Anfang. Ihr Kern ist nicht, dass die Karte gefälscht wäre — im Gegenteil. Was Collective Mining in vier Jahren aus dem Boden von Caldas geholt hat, ist beeindruckend, und die Leute, die es geholt haben, haben denselben Weg schon einmal bis zum Verkauf durchgezogen. Der Kern der Falle ist, dass die Karte eine Frage beantwortet, die du gar nicht gestellt hast. Sie sagt dir, dass an bestimmten Stellen viel Metall im Gestein steckt. Sie sagt dir nicht, wie viel insgesamt — das wäre die Ressource, und die gibt es nicht. Und sie sagt dir schon gar nicht, ob sich der Abbau rechnet — das wäre die Reserve, und die gibt es erst recht nicht. Dazwischen liegen nach der eigenen Planung rund 80 Millionen US-Dollar, zwei Jahre, 175.000 weitere Bohrmeter, ein kolumbianisches Genehmigungsverfahren und die Wahrscheinlichkeit, dass ein Teil davon mit Aktien bezahlt wird, die es heute noch nicht gibt. Der Londoner Fonds, der diesen Titel vier Quartale in Folge aufgestockt hat, kennt all das — sein Formular sagt nur nicht, warum er es trotzdem tut. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist die Entdeckung gut?" — dafür spricht viel. Sondern: Kaufst du eine Wahrscheinlichkeit, deren Preis heute schon eine Milliarde beträgt, obwohl die Zahl, an der sich alles bemisst, erst in ein bis zwei Jahren zum ersten Mal auf Papier stehen wird? Wenn du diese Frage mit Ja beantwortest und den Zeithorizont und die Verwässerung aushältst, hast du eine These. Wenn nicht, hattest du einen spannenden Nachmittag mit Gesteinsproben. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden; bei Explorationsunternehmen ohne Umsatz, ohne Ressourcenschätzung und mit laufendem Kapitalbedarf ist dieses Risiko besonders ausgeprägt. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Collective-Mining-Aktien.

Unser Fazit auf einen Blick

Explorationserfolg positiv
Die Bohrergebnisse sind außergewöhnlich. Bis Juli 2026 wurden rund 184.000 Meter Kern gezogen, davon 120.000 Meter am Apollo-System; 18 Abschnitte übersteigen 1.000 Gramm mal Meter Goldäquivalent, der stärkste erreicht 1.499. Am 29. Juni 2026 meldete die Gesellschaft eine neue wolframreiche Zone mit 27,35 Metern zu 37,55 Gramm Goldäquivalent je Tonne ab 300 Meter Tiefe. 2025 wurden 62.500 Meter gebohrt, für 2026 sind bis zu 100.000 Meter mit 13 Bohrgeräten geplant.
Substanz in den Büchern negativ
Der Jahresbericht 40-F für 2025 hält fest: „The Company currently does not have any mineral resources or mineral reserves." Für Guayabales existiert keine Ressourcenschätzung nach NI 43-101; der Gutachter stuft das Projekt als Entdeckungsstadium ein und veranschlagt zwei Programmstufen über zusammen rund 80,4 Millionen US-Dollar und zwei Jahre bis Ende 2027 — die erste allein, um überhaupt eine Ressourcenschätzung samt erster Wirtschaftlichkeitsbetrachtung vorzulegen. Umsatz gab es seit der Gründung nicht.
Verwässerung negativ
Die Aktienzahl stieg von 61.234.906 (31.12.2023) auf 92.575.498 (31.03.2026), ein Plus von 51 Prozent in zwei Jahren; voll verwässert sind es 99.231.798 Stück. Allein 2025 flossen 146,1 Millionen US-Dollar aus Kapitalerhöhungen zu. Am 13. Mai 2026 wurde ein Regalprospekt über bis zu 500 Millionen kanadische Dollar mit 25 Monaten Laufzeit eingereicht — gut das Dreifache der Erhöhungen von 2025 und rund ein Drittel des Börsenwerts. Die Gesellschaft schließt eine erhebliche Verwässerung ausdrücklich nicht aus.
Finanzlage neutral
Zum 31. März 2026 lagen 113,3 Millionen US-Dollar in der Kasse, praktisch ohne Bankschulden; die Gesellschaft bezeichnet ihr Programm für 2026 als voll finanziert. Gleichzeitig sank der Bestand im ersten Quartal 2026 um 16,3 Millionen, und die Landkäufe vom Februar und März 2026 ließen die Ratenverbindlichkeiten von 4,7 auf 41,8 Millionen springen, davon 16,0 Millionen innerhalb eines Jahres fällig. Die Eigenkapitalquote fiel dadurch von 0,918 auf rund 0,72, das Nettoumlaufvermögen von 118,1 auf 63,3 Millionen.
Eigentümer & Governance neutral
Agnico Eagle Mines meldete zum 14. März 2025 14,99 Prozent und hält vertraglich das Recht, sich an jeder Finanzierung zu beteiligen und einen Verwaltungsrat zu entsenden; Management, Insider, strategischer Investor und Nahestehende kommen nach Angabe der Gesellschaft auf 45,2 Prozent. Dazu Helikon mit rund 11,9 Prozent und Jupiter Asset Management mit 9,97 Prozent — Letztere reichte am 15. Juni 2026 drei überfällige Schwellenmeldungen an einem Tag nach. Starke Anker, aber ein dünner freier Handelsbestand.
Länderrisiko & Berichtsqualität negativ
Die Annual Information Form nennt Guerillagruppen und Drogenkartelle, die 2025 ausgesetzten Friedensgespräche der kolumbianischen Regierung, Schutz- und Restriktionsgebiete sowie handwerklichen Bergbau in vier Bereichen des Guayabales-Projekts; ein Teil der Konzessionen wird nur über Optionsverträge gehalten und muss von der Behörde ANM übertragen werden. Als kanadischer MJDS-Filer und junges Börsenunternehmen veröffentlicht Collective Mining zudem keine geprüften Quartalsberichte und kein Prüfer-Testat zur internen Kontrolle.

Collective Mining ist die Schatzkarten-Falle in Reinform: Die Entdeckung am Apollo-System ist echt, die Bohrergebnisse sind außergewöhnlich, und das Team hat mit Continental Gold schon einmal einen Verkauf über rund zwei Milliarden US-Dollar Unternehmenswert geliefert. In den Büchern steht davon nichts: kein Umsatz seit der Gründung, 49,9 Millionen US-Dollar Fehlbetrag 2025, 144,6 Millionen aufgelaufener Verlust — und laut eigenem Jahresbericht weder Mineralressourcen noch Mineralreserven. Bis dahin fehlen nach Einschätzung des Gutachters rund 80,4 Millionen US-Dollar und zwei Jahre. Bezahlt wird das mit Aktien: 51 Prozent mehr Anteile in zwei Jahren, dazu ein Regalprospekt über 500 Millionen kanadische Dollar. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Wenn Du die Aktie nicht hast
Die belegten Risiken überwiegen aus unserer Sicht deutlich — wir sehen keine Grundlage für einen Einstieg.
Wenn Du sie im Depot hast
Die Befunde sind aus unserer Sicht gewichtig genug, das eigene Engagement kritisch zu hinterfragen.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Kategorien bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Collective Mining nicht über einen Scanner-Treffer, sondern über das Formular 13F-HR der Helikon Investments Ltd (London) zum Stichtag 31. März 2026: 10.979.312 Aktien im Wert von 193.345.684 US-Dollar, die viertgrößte von 17 Positionen und rund 11,9 Prozent aller Aktien der Gesellschaft. Der Fonds hat vier Quartale in Folge aufgestockt (9.916.894 → 10.455.037 → 10.650.248 → 10.979.312) und meldete seine Beteiligung zusätzlich direkt per Schedule 13G/A. Ein 13F zeigt nur US-gelistete Long-Positionen mit 35 bis 45 Tagen Verzug, ohne Leerverkäufe und Derivate — ein Rückspiegel, kein Fahrplan.
  • Collective Mining ist bei der SEC ein kanadischer MJDS-Filer: Es gibt kein 10-K und kein 10-Q. Geprüft wird einmal jährlich im Formular 40-F (für 2025 eingereicht am 31. März 2026, Prüfer BDO Canada LLP), Zwischenzahlen erscheinen nur als ungeprüfte Anlage zu einem Formular 6-K. Bilanziert wird nach IFRS in US-Dollar. Als „emerging growth company" ist die Gesellschaft zudem von der Prüfer-Bestätigung zur internen Kontrolle befreit.
  • Zu den Kennzahlen aus dem Datenbestand: Der Altman-Z-Wert von 55,91 ist rechnerisch korrekt, aber inhaltlich wertlos — er entsteht fast vollständig daraus, dass die Gesellschaft zum Jahresende 2025 kaum Verbindlichkeiten hatte, und misst damit im Kern nur das Verhältnis von Börsenwert zu Schulden. Drei Monate später hatten sich die Verbindlichkeiten vervierfacht. Auch der Piotroski-Score von 3 von 9 ist keine Qualitätsaussage: Mehrere der neun Tests setzen Gewinn und operativen Mittelzufluss voraus, die es bei einem Explorer ohne Umsatz nicht geben kann. Bewertungsangaben datiert und evergreen: Der rechnerische Kurs von rund 17,61 US-Dollar je Aktie stammt aus der 13F-Meldung zum 31. März 2026 und dient als Größenordnung, nicht als Tageskurs.

Häufige Fragen

Collective Mining Ltd. (NYSE American und TSX: CNL) ist ein reines Explorationsunternehmen mit Sitz in Toronto und Hauptverwaltung in Miami. Es sucht in der kolumbianischen Region Caldas nach Gold, Silber, Kupfer und Wolfram — auf dem Projekt Guayabales mit dem Apollo-System und auf dem Projekt San Antonio. Gefördert und verkauft wird nichts: Der Zwischenbericht hält fest, dass die Gesellschaft bis heute keinerlei Umsatz erzielt hat.

Nein. Der Jahresbericht 40-F für 2025 sagt wörtlich: „The Company currently does not have any mineral resources or mineral reserves." Auch für das Vorzeigeprojekt Guayabales existiert keine Ressourcenschätzung nach dem kanadischen Standard NI 43-101. Der Gutachter empfiehlt eine erste Programmstufe über 65.000 Bohrmeter und 28,25 Millionen US-Dollar bis Ende 2026, um überhaupt eine Ressourcenschätzung samt erster Wirtschaftlichkeitsbetrachtung zu erstellen.

Ein Bohrtreffer misst nur, was auf der Linie eines einzelnen Bohrlochs steckt — er sagt nichts über den Raum daneben. Eine Ressource ist die geologische Hochrechnung für den gesamten Gesteinskörper, abgestuft nach Sicherheit in abgeleitet, angezeigt und gemessen. Eine Reserve ist der Teil davon, für den eine Studie den wirtschaftlichen Abbau nachgewiesen hat. Collective Mining hat viele Bohrtreffer, aber weder Ressource noch Reserve.

Zum 31. März 2026 lagen 113,3 Millionen US-Dollar in der Kasse, nach 129,6 Millionen zum Jahresende 2025. Im ersten Quartal 2026 sank der Bestand um 16,3 Millionen: 10,6 Millionen operativer Mittelabfluss, 5,4 Millionen Investitionen. Bei diesem Tempo reicht die Kasse rechnerisch rund sieben Quartale. Die Gesellschaft selbst bezeichnet ihr Programm für 2026 mit bis zu 100.000 Bohrmetern als voll finanziert.

Deutlich. Die Zahl der ausgegebenen Aktien stieg von 61.234.906 zum 31. Dezember 2023 auf 92.575.498 zum 31. März 2026 — ein Plus von 51 Prozent in zwei Jahren. Allein 2025 kamen 146,1 Millionen US-Dollar aus Kapitalerhöhungen herein. Am 13. Mai 2026 reichte die Gesellschaft einen Regalprospekt ein, der binnen 25 Monaten Emissionen von bis zu 500 Millionen kanadischen Dollar erlaubt.

Weil Collective Mining ein kanadischer Emittent ist und bei der SEC über das MJDS-Verfahren berichtet. Für diese Unternehmen gibt es kein 10-K und kein 10-Q: Der geprüfte Jahresbericht erscheint als Formular 40-F (für 2025 eingereicht am 31. März 2026, Prüfer BDO Canada LLP), Zwischenzahlen werden nur als ungeprüfte Anlage zu einem Formular 6-K übermittelt. Bilanziert wird nach IFRS in US-Dollar.

Der Goldproduzent Agnico Eagle Mines meldete zum 14. März 2025 12.718.219 Aktien oder 14,99 Prozent und hat vertraglich das Recht, sich an Kapitalerhöhungen zu beteiligen und einen Verwaltungsrat zu benennen. Executive Chairman Ari Sussman meldete im März 2026 11,6 Prozent, Helikon Investments hielt zum 31. März 2026 rund 11,9 Prozent und Jupiter Asset Management im Juli 2026 9,97 Prozent. Die Gesellschaft nennt für Management, Insider, strategischen Investor und Nahestehende zusammen 45,2 Prozent.

Ein 13F ist die vierteljährliche Pflichtmeldung großer US-Vermögensverwalter. Helikon Investments Ltd aus London meldete zum Stichtag 31. März 2026 10.979.312 Collective-Mining-Aktien im Wert von 193.345.684 US-Dollar — die viertgrößte von 17 Positionen. Der Fonds hat vier Quartale in Folge aufgestockt, zuletzt um 3,1 Prozent. Ein 13F zeigt nur US-gelistete Long-Positionen mit 35 bis 45 Tagen Verzug, ohne Leerverkäufe und Derivate.

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