Börsenlotse
Kauftag heute: Neutral (59 ) Gemischte Marktbreite · Breite seitwärts (+1 zum 10-Tage-Schnitt) · Makro-Großtermin direkt benachbart

Almonty Industries: 181,8 Millionen Quartalsgewinn — und 173,1 Millionen davon hat niemand bezahlt

Almonty Industries: 181,8 Millionen Quartalsgewinn — und 173,1 Millionen davon hat niemand bezahlt

Almonty Industries fördert Wolfram, ein Metall, das plötzlich alle wollen: für Munition, Panzerungen und Werkzeugstahl. Die Quartalsmitteilung vom 11. August 2026 liest sich wie ein Triumph — Umsatz plus 498 Prozent auf 43,0 Millionen kanadische Dollar, Nettogewinn 181,8 Millionen, Kasse 1,2 Milliarden. Im selben Dokument steht, dass 173,1 Millionen des Gewinns reine Bewertungseffekte ohne Zahlungswirkung sind, dass die Produktion in der einzigen fördernden Mine um 20,8 Prozent zurückging und dass das Management die eigenen Offenlegungskontrollen zum 30. Juni 2026 als nicht wirksam einstuft. Keine Anlageberatung — nur die Frage, was von einem Rekord übrig bleibt, wenn man ihn gegen den eigenen Bericht hält.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit

Stand heute

Stand: 12. August 2026

Schlusskurs
14,40 $ +8,10 %
Marktkapitalisierung
4,1 Mrd. $

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

Almonty Industries: 181,8 Millionen Quartalsgewinn — und 173,1 Millionen davon hat niemand bezahlt
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahres- und Quartalsberichte, 40-F/6-K)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 4,10 $ bis 23,40 $ · Letzter Kurs: 14,40 $ (Stand: 12. August 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die genau dann zuschnappt, wenn alles gut aussieht: die Fanfaren-Falle. Sie funktioniert so — eine Firma schickt eine Mitteilung heraus, in deren Überschrift drei Superlative stehen. Umsatz plus 498 Prozent. Rekordgewinn. 1,2 Milliarden in der Kasse. Dein Kopf hat die Bewertung fertig, bevor du den zweiten Absatz erreichst. Genau das ist am 11. August 2026 bei Almonty Industries (Nasdaq: ALM) passiert, einem Wolfram-Förderer mit Minen in Portugal und Südkorea. Machen wir also einen Deal: Wir lesen dieselbe Mitteilung noch einmal — aber diesmal zu Ende, und dazu den Lagebericht und den Zwischenabschluss, die im selben Bericht an die US-Börsenaufsicht SEC stecken. Solche Berichte sind unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt von einem Gewinn, den überwiegend niemand bezahlt hat, von einem Umsatzsprung ohne mehr Fördermenge, von Kontrollen, die das Management selbst als nicht wirksam bezeichnet — und von einer Mine, die noch beweisen muss, dass sie das alles trägt. Am Ende entscheidest du selbst.

Was Almonty Industries eigentlich macht — ein Metall, zwei Löcher im Berg

Almonty fördert Wolfram. Das ist ein Schwermetall mit dem höchsten Schmelzpunkt aller Metalle (3.422 Grad Celsius), und es sitzt überall dort, wo etwas hart sein und heiß werden muss: in Bohrköpfen und Fräsern, in Panzerungen, in panzerbrechender Munition, in Elektronik. Verkauft wird nicht das reine Metall, sondern Wolframkonzentrat — grob gesagt zerkleinertes, angereichertes Erz. Der Preis dafür orientiert sich am APT-Preis (Ammoniumparawolframat), gehandelt in US-Dollar je MTU; eine MTU ist eine „metrische Tonneneinheit“, also zehn Kilogramm Wolframtrioxid. Klingt sperrig, ist aber wichtig: An dieser einen Zahl hängt bei Almonty derzeit fast alles.

Almonty besitzt fünf Objekte, aber nur eines verdient heute Geld. Das ist die Panasqueira-Mine in Portugal, eine über hundert Jahre alte Zinn-und-Wolfram-Mine, deren Abbaukonzession seit dem 16. Dezember 1992 für 60 Jahre läuft. Der eigentliche Star der Story steht in Südkorea: die Sangdong-Mine in der Provinz Gangwon, historisch eine der größten und höchstgradigen Wolfram-Lagerstätten der Welt. Dort begann im Dezember 2025 der kommerzielle Abbau; die Aufbereitungsanlage befand sich zum Lagebericht vom 11. August 2026 aber noch in der Inbetriebnahme und im Hochlauf, deren Abschluss das Unternehmen für das dritte Quartal 2026 erwartet. Die Zielkapazität liegt bei rund 640.000 Tonnen Erzdurchsatz im Jahr, eine genehmigte zweite Ausbaustufe soll auf bis zu 1,2 Millionen Tonnen gehen. Dazu kommen drei Objekte ohne laufende Erträge: die stillgelegte Los-Santos-Mine und das Valtreixal-Projekt in Spanien sowie das Ende 2025 erworbene Gentung-Projekt in Beaverhead County, Montana.

Und damit steht das Spannungsfeld dieser Analyse fest — es zieht sich durch jedes Kapitel: Die Börse bewertet Sangdong, die Gewinn-und-Verlust-Rechnung zeigt Panasqueira. Was heute in den Zahlen steht, kommt aus einer Mine, deren Fördermenge sinkt; was den Kurs trägt, muss erst noch liefern.

Dazu kommt eine Bewegung, die man kennen sollte, weil sie erklärt, warum diese Aktie überhaupt an der Nasdaq handelt: Almonty ist eine kanadische Gesellschaft nach dem Canada Business Corporations Act und meldet bei der SEC deshalb im vereinfachten Verfahren für kanadische Emittenten — mit einem Jahresbericht (40-F) statt eines 10-K und mit Quartalsberichten in Form von 6-K-Meldungen statt 10-Q. Im April 2026 verlegte das Unternehmen seinen Hauptsitz von Toronto nach Dillon in Montana, im Juli 2026 verließ es die Heimatbörse in Toronto, und ein förmlicher Sitzwechsel in die USA steht als „vorgeschlagen“ in den Risikohinweisen. Aus einem kanadischen Bergbauunternehmen wird gerade, Schritt für Schritt, ein amerikanisches.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Über keinen unserer Bewertungs- oder Momentum-Filter, sondern über die Aufmerksamkeit deutscher Privatanleger. In der Hot-Liste des Anlegerforums wallstreet-online lag Almonty Industries am 4. August 2026 auf Platz 3 mit 60 Beiträgen im 24-Stunden-Fenster — direkt vor Werten wie der Deutschen Rohstoff AG, die wir an anderer Stelle bereits auseinandergenommen haben und die einen Großteil ihres Rekordergebnisses 2026 aus dem Verkauf genau dieser Almonty-Aktien zieht. Wenn eine Nebenwerte-Aktie in einem deutschen Forum plötzlich auf den vorderen Plätzen steht, ist das kein Kaufsignal — es ist ein Hinweis darauf, dass eine Geschichte gerade schneller läuft als die Zahlen. Merke dir den Satz gleich: Aufmerksamkeit ist ein Frühindikator für Volatilität, nicht für Qualität.

Die Geschichte hinter der Aufmerksamkeit ist allerdings echt und lässt sich in einem Satz erzählen: China kontrolliert den größten Teil der weltweiten Wolframproduktion, westliche Regierungen wollen das ändern, und Almonty ist einer der wenigen börsennotierten Förderer außerhalb Chinas. Das Unternehmen beschreibt sich selbst als Lieferant von „conflict-free tungsten“ für Verteidigung und Hochtechnologie. Ob diese Geschichte die Bewertung trägt, entscheidet nicht die Erzählung, sondern die Aufbereitungsanlage in Sangdong. Deshalb schauen wir jetzt in die Zahlen.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Fangen wir mit dem an, was wirklich beeindruckt, denn das ist einiges. Der Umsatz war jahrelang klein und stabil: 22,5 Millionen kanadische Dollar 2023, 28,8 Millionen 2024, 32,5 Millionen 2025. Ein solides, kleines Bergbaugeschäft. Im ersten Halbjahr 2026 machte Almonty daraus 68,4 Millionen — mehr als im gesamten Vorjahr, in der halben Zeit. Das zweite Quartal 2026 allein brachte 43,0 Millionen und damit mehr als die Jahre 2023 oder 2024 komplett. Ebenso beeindruckend: Aus einem Mittelabfluss von 14,9 Millionen im ersten Halbjahr 2025 wurde ein operativer Mittelzufluss von 31,6 Millionen im ersten Halbjahr 2026. Das ist echtes Geld, keine Buchhaltung.

Die Bruttomarge im zweiten Quartal 2026 lag bei 60,7 Prozent des Umsatzes, das Ergebnis aus dem Bergbaubetrieb bei 26,1 Millionen kanadischen Dollar nach einem Verlust von 0,9 Millionen im Vorjahresquartal. Und die Bilanz hat sich verwandelt: 1,23 Milliarden kanadische Dollar Kasse zum 30. Juni 2026, nach 268,4 Millionen zum Jahresende 2025. Die Bilanzsumme sprang von 589,7 auf 1.704,0 Millionen, das Eigenkapital von 357,8 auf 551,8 Millionen. So sieht es aus, wenn ein kleiner Förderer über Nacht kapitalmarktfähig wird.

Balkendiagramm des Almonty-Quartalsumsatzes in Millionen kanadischen Dollar: 6,8 (Q3 2024), 6,3 (Q4 2024), 7,9 (Q1 2025), 7,2 (Q2 2025), 8,7 (Q3 2025), 8,7 (Q4 2025), 25,4 (Q1 2026), 43,0 (Q2 2026). Sechs flache Quartale, dann ein Sprung.
Sechs Quartale zwischen 6,3 und 8,7 Millionen kanadischen Dollar — und dann zwei Quartale mit 25,4 und 43,0 Millionen. Der Bruch liegt im ersten Quartal 2026. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahres- und Quartalsberichte, 40-F/6-K). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Reihe im Klartext, jeweils in Millionen kanadischen Dollar: 6,8 im dritten Quartal 2024, 6,3 im vierten, 7,9 im ersten Quartal 2025, 7,2 im zweiten, 8,7 im dritten, 8,7 im vierten — und dann 25,4 im ersten Quartal 2026 und 43,0 im zweiten. Sechs ruhige Quartale, zwei laute. Woher der Bruch kommt, klären wir gleich.

Eine Zahl trübt das Bild schon hier, und wir werden gleich sehen, warum sie so wichtig ist: Beim Nettoergebnis gibt es keinen Trend, sondern nur Ausschläge. 2023 minus 8,8 Millionen kanadische Dollar, 2024 minus 16,3 Millionen, 2025 minus 161,9 Millionen — und dann im ersten Halbjahr 2026 plus 176,5 Millionen. Ein Unternehmen, dessen Umsatz sich zwischen 22 und 33 Millionen bewegt, kann keinen Verlust von 162 Millionen aus dem Betrieb erzeugen. Es kommt woanders her. Womit wir bei den unbequemen Wahrheiten wären.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Rekordgewinn ist zu 95 Prozent Buchhaltung

Der Finanzvorstand sagt es in der eigenen Mitteilung selbst, und zwar so deutlich, dass man es zitieren muss:

„Reported net income of $181.8 million includes $173.1 million of net non-cash gains on the revaluation of derivative and warrant instruments, which are a function of IFRS fair value accounting on our convertible instruments and capped calls.“

Übersetzung: „Der ausgewiesene Nettogewinn von 181,8 Millionen Dollar enthält 173,1 Millionen an nicht zahlungswirksamen Nettogewinnen aus der Neubewertung von Derivaten und Optionsscheinen, die sich aus der IFRS-Zeitwertbilanzierung unserer wandelbaren Instrumente und Capped Calls ergeben.“

— Almonty Industries Inc., Jorge Beristain (Finanzvorstand), SEC-Quartalsbericht 6-K vom 12.08.2026, Anlage 99.1

Markierter Absatz aus der Almonty-Quartalsmitteilung vom 11. August 2026: Der ausgewiesene Nettogewinn von 181,8 Millionen Dollar enthält 173,1 Millionen an nicht zahlungswirksamen Neubewertungsgewinnen auf Derivate und Optionsscheine.
Die Stelle im Original: 173,1 der 181,8 Millionen sind nicht zahlungswirksam. Quelle: SEC-Quartalsbericht 6-K vom 12.08.2026, Anlage 99.1 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Was heißt das im Alltag? Almonty hat im Juni 2026 eine Wandelanleihe begeben — eine Anleihe, die der Gläubiger später in Aktien tauschen darf. Weil das Unternehmen wählen kann, ob es bei einer Wandlung Aktien oder Bargeld liefert, gilt dieses Wandlungsrecht nach IFRS nicht als Eigenkapital, sondern als Verbindlichkeit, die zu jedem Stichtag neu bewertet wird. Und diese Verbindlichkeit hängt am eigenen Aktienkurs. Übersetzt in ein Alltagsbild: Du hast jemandem versprochen, ihm auf Wunsch dein Auto zu einem festen Preis zu verkaufen. Fällt der Marktwert deines Autos, wird dein Versprechen weniger wertvoll für ihn — und du darfst diesen Rückgang als Gewinn verbuchen, obwohl kein Cent geflossen ist und dein Auto weniger wert ist als vorher.

Genau das ist passiert. Der Zwischenabschluss legt die Bewertungsannahmen offen: Am Handelstag der Anleihe, dem 4. Juni 2026, lag der Aktienkurs bei 20,68 US-Dollar; am Stichtag 30. Juni 2026 bei 16,56 US-Dollar. Der Kurs fiel in diesen gut drei Wochen um rund ein Fünftel — und daraus entstand ein Bewertungsgewinn von 204,4 Millionen kanadischen Dollar auf die eingebettete Derivateverbindlichkeit. Merke dir den Satz: Der Rekordgewinn dieses Quartals ist zu einem großen Teil die Folge eines fallenden eigenen Aktienkurses. Steigt der Kurs im nächsten Quartal wieder, dreht derselbe Mechanismus in einen ebenso großen Buchverlust.

Markierte Bewertungstabelle aus dem Almonty-Zwischenabschluss zum 30. Juni 2026: Aktienkurs 16,56 US-Dollar am 30. Juni 2026 gegenüber 20,68 US-Dollar am 4. Juni 2026, Fälligkeit 1. Juli 2031, Volatilität 50 Prozent.
Die Bewertungsannahmen im Original: 20,68 US-Dollar am Handelstag der Wandelanleihe, 16,56 US-Dollar am Quartalsstichtag — der Kursrückgang erzeugt den Buchgewinn. Quelle: SEC-Quartalsbericht 6-K vom 12.08.2026, Anlage 99.2, Anhang 10 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die zweite Grafik zeigt, wie sich der Rekord zusammensetzt — von der Kennzahl, die das Unternehmen selbst als Maß für den operativen Betrieb ausweist, bis zur Schlusszeile:

Wasserfalldiagramm für das 2. Quartal 2026 in Millionen kanadischen Dollar: bereinigtes EBITDA 17,6, plus 204,4 Bewertung Wandelanleihe, minus 30,7 Bewertung Capped Call, minus 6,2 Steuern, minus 1,9 Zinsen, minus 1,3 Übrige, ergibt 181,8 Nettogewinn.
Aus 17,6 Millionen bereinigtem EBITDA werden 181,8 Millionen Nettogewinn — der Sprung entsteht in zwei Bewertungszeilen, die kein Geld bewegen. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahres- und Quartalsberichte, 40-F/6-K). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Brücke in Zahlen, alle in Millionen kanadischen Dollar: Auf das bereinigte EBITDA von 17,6 kommen plus 204,4 aus der Neubewertung der Wandelanleihe; davon gehen 30,7 für die Neubewertung der Capped Calls ab, dazu 6,2 Steuern, 1,9 Zinsen und 1,3 für den Rest (Aktienvergütung, Optionsscheine, Währungseffekte, Abschreibungen). Übrig bleiben die gemeldeten 181,8. Nur die erste und die letzte Zahl schaffen es in die Überschrift.

Ein Nachsatz zur Ehrlichkeit: Das Unternehmen versteckt nichts. Die Überleitung vom Nettogewinn zum bereinigten EBITDA steht vollständig in der Mitteilung, die Bewertungsannahmen stehen im Anhang. Aber sie stehen unter der Überschrift — und die Überschrift ist das, was hängen bleibt. Genau deshalb heißt diese Falle Fanfaren-Falle.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der Umsatzsprung kommt vom Preis — die Fördermenge sinkt

498 Prozent Umsatzwachstum klingen nach einer Mine, die auf Hochtouren läuft. Der Lagebericht sagt das Gegenteil:

„Production at the Panasqueira Mine during the three months ended June 30, 2026 decreased by 20.8% compared to the three months ended June 30, 2025.“

Übersetzung: „Die Produktion in der Panasqueira-Mine ging in den drei Monaten bis zum 30. Juni 2026 gegenüber den drei Monaten bis zum 30. Juni 2025 um 20,8 Prozent zurück.“

— Almonty Industries Inc., SEC-Quartalsbericht 6-K vom 12.08.2026, Anlage 99.3 (Lagebericht), Abschnitt 4

Markierter Absatz aus dem Almonty-Lagebericht zum 2. Quartal 2026: Die Produktion in Panasqueira ging im Quartal um 20,8 Prozent und im Halbjahr um 17,6 Prozent zurück, weil weniger Erz abgebaut und verarbeitet wurde.
Weniger Erz, weniger Konzentrat: minus 20,8 Prozent im Quartal, minus 17,6 Prozent im Halbjahr — und trotzdem knapp 500 Prozent mehr Umsatz. Quelle: SEC-Quartalsbericht 6-K vom 12.08.2026, Anlage 99.3 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Auflösung steht zwei Absätze weiter: Der europäische APT-Durchschnittspreis stieg von 453 US-Dollar je MTU im zweiten Quartal 2025 auf 3.075 US-Dollar im zweiten Quartal 2026 — fast das Siebenfache. Auch der Sprung vom ersten auf das zweite Quartal 2026 (25,4 auf 43,0 Millionen kanadische Dollar, plus 69 Prozent) ging mit 21,1 Prozent weniger verkauften MTU einher. Der gesamte Umsatzanstieg im zweiten Quartal 2026 entfiel auf Panasqueira: plus 35,8 Millionen kanadische Dollar, also exakt der Konzernzuwachs. Aus Sangdong kam im Berichtsquartal noch kein Umsatzbeitrag.

Das ist keine Anklage — ein Rohstoffförderer verdient nun einmal am Rohstoffpreis, und der aktuelle Wolframpreis ist echt. Aber es verändert die Frage, die man an diese Aktie stellt. Sie lautet nicht „Wie schnell wächst das Unternehmen?“, sondern: Wie lange hält der Preis, und was bleibt übrig, wenn er nicht hält? Ein Fünftel weniger Fördermenge bei fast siebenfachem Preis ergibt eben nur so lange ein Rekordquartal, wie der Preis oben bleibt. Und der Wolframpreis ist historisch alles andere als stabil.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Das Management hält die eigenen Kontrollen für nicht wirksam

Diese Passage steht auf Seite 21 des Lageberichts, weit hinter den Erfolgszahlen, und sie ist der ernsteste Befund dieser Analyse:

„Based on this evaluation, management concluded that the Company's disclosure controls and procedures were not effective as of June 30, 2026, due to the continuing impact of previously identified material weakness in ICFR.“

Übersetzung: „Auf Grundlage dieser Bewertung kam das Management zu dem Schluss, dass die Offenlegungskontrollen und -verfahren des Unternehmens zum 30. Juni 2026 nicht wirksam waren, wegen der fortdauernden Auswirkung einer zuvor festgestellten wesentlichen Schwäche in der internen Kontrolle über die Finanzberichterstattung.“

— Almonty Industries Inc., SEC-Quartalsbericht 6-K vom 12.08.2026, Anlage 99.3 (Lagebericht), Abschnitt 14

Markierter Absatz aus dem Almonty-Lagebericht: Das Management kommt zu dem Schluss, dass die Offenlegungskontrollen und -verfahren zum 30. Juni 2026 nicht wirksam waren, wegen einer fortdauernden wesentlichen Schwäche in der internen Finanzberichterstattung.
„not effective“ — im Original, unterschrieben von Vorstandsvorsitzendem und Finanzvorstand. Quelle: SEC-Quartalsbericht 6-K vom 12.08.2026, Anlage 99.3 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Was ist eine „wesentliche Schwäche“? Der Bericht liefert die Definition gleich mit: eine Lücke im Kontrollsystem, bei der mehr als nur eine geringe Wahrscheinlichkeit besteht, dass eine wesentliche Falschdarstellung im Abschluss auftritt und vor der Veröffentlichung nicht entdeckt wird. Konkret nennt Almonty eine unzureichend ausgestaltete Kontrolle über den Abschlusserstellungsprozess, unzureichende Funktionstrennung in der Transaktionsverarbeitung und Lücken bei der Datenintegrität der Systeme. Im Alltagsbild: In der Buchhaltung machen zu wenige Leute zu viele Schritte allein, und es gibt zu wenige Stellen, an denen ein Fehler auffallen würde.

Das Unternehmen arbeitet daran: Es hat eine externe Firma beauftragt, baut das Rechnungswesen personell aus und erwartet, die Prüfung im dritten Quartal 2026 im Wesentlichen abzuschließen. Das Management erklärt zudem, es habe alle wesentlichen und außergewöhnlichen Buchungen des Halbjahres eigens durchgesehen und halte den Abschluss für zutreffend. Trotzdem gilt: Wer einem Rekordgewinn glaubt, glaubt dem Kontrollsystem, das ihn produziert hat. Und dieses Kontrollsystem stuft das Unternehmen selbst als nicht wirksam ein. Ein Puzzleteil dazu findet sich im Jahresbericht: Zum 31. Dezember 2025 arbeiteten in der Konzernzentrale drei Vollzeitkräfte, dazu fünf Vollzeit- und ein Teilzeitberater. Von 341 Beschäftigten entfielen 245 auf Panasqueira und 82 auf Sangdong. Für einen Konzern mit über einer Milliarde kanadischen Dollar Kasse ist das eine sehr schlanke Zentrale — was einiges erklärt. Passend dazu die zweite Auffälligkeit: Die Vergütung des Führungspersonals stieg im ersten Halbjahr 2026 auf 6,4 Millionen kanadische Dollar nach 1,7 Millionen im Vorjahreszeitraum, und die allgemeinen Verwaltungskosten verdoppelten sich im zweiten Quartal auf 8,9 Millionen. Das Unternehmen begründet das mit dem Aufbau des Führungsteams und erwartet eine Normalisierung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die ganze Story hängt an einer Mine in einem fremden Rechtsraum

Sangdong ist der Grund, warum diese Aktie bewertet wird, wie sie bewertet wird. Und Sangdong liegt in Südkorea, gehalten über die Tochter Almonty Korea Tungsten Corporation. Der Lagebericht enthält dazu einen Abschnitt für Emittenten aus Schwellenmärkten, in dem zwei Sätze stehen, die man gelesen haben sollte. Der erste betrifft die Abbaurechte:

„However, if the Minister of Trade, Industry and Energy (the „Minister“) deems the mining operation to be detrimental to the public interest or interfering with projects of national importance, the Minister has the power to revoke the mining rights or order a reduction of the mining area in accordance with Article 34 of the Mining Industry Act.“

Übersetzung: „Hält der Minister für Handel, Industrie und Energie den Bergbaubetrieb jedoch für dem öffentlichen Interesse abträglich oder für ein Hindernis für Vorhaben von nationaler Bedeutung, ist er nach Artikel 34 des Bergbaugesetzes befugt, die Abbaurechte zu widerrufen oder eine Verkleinerung des Abbaugebiets anzuordnen.“

— Almonty Industries Inc., SEC-Quartalsbericht 6-K vom 12.08.2026, Anlage 99.3 (Lagebericht), Abschnitt 17

Der zweite Satz ist von entwaffnender Offenheit und betrifft die Menschen, die das Projekt steuern sollen:

„The Board of Directors and officers of Almonty have some but generally limited experience conducting business in Korea.“

Übersetzung: „Der Verwaltungsrat und die Führungskräfte von Almonty verfügen über etwas, insgesamt aber begrenzte Erfahrung mit Geschäften in Korea.“

— Almonty Industries Inc., SEC-Quartalsbericht 6-K vom 12.08.2026, Anlage 99.3 (Lagebericht), Abschnitt 17

Beides sind keine Skandale, sondern normale Risiken eines Auslandsprojekts — aber sie gehören in die Rechnung. Ein einzelnes Bergwerk in einem fremden Rechtsraum, betrieben von einem Team mit nach eigener Auskunft begrenzter Länderfahrung, trägt derzeit den größten Teil der Bewertung. Zur Einordnung: Almonty hat sich für das Konzentrat aus der ersten Ausbaustufe von Sangdong einen langfristigen Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders gesichert, einer Tochter der österreichischen Plansee-Gruppe. Am 14. Juli 2026 wurde dieser Vertrag verlängert und verbessert: sechs Jahre längere Laufzeit, 40 Prozent mehr vertraglich gesicherte Menge und rund 6,3 Prozent bessere Preise auf alle vertraglichen Mengen. Das ist ein echtes Gütesiegel — und zugleich ein Klumpenrisiko, denn die Absatzseite der wichtigsten Mine hängt an einem Kunden.

Kasse, Schulden und dein Stück vom Kuchen

Die 1,23 Milliarden kanadischen Dollar in der Kasse sind kein verdientes Geld, sondern geliehenes und eingesammeltes. Der Reihe nach: Am 15. Juli 2025 brachte der Nasdaq-Börsengang brutto 90 Millionen US-Dollar, im Dezember 2025 kamen brutto 129,4 Millionen aus einer weiteren Platzierung, und am 9. Juni 2026 folgte die große Nummer — eine Wandelanleihe über 800 Millionen US-Dollar zu 2,25 Prozent Zinsen mit Fälligkeit am 1. Juli 2031. Damit stiegen die langfristigen Schulden von 162,1 Millionen kanadischen Dollar zum Jahresende 2025 auf 813,1 Millionen zum 30. Juni 2026. Immerhin: Am 15. Juli 2026 tilgte Almonty das Darlehen bei der KfW IPEX-Bank über 14,7 Millionen Euro vollständig.

Jetzt zur Verwässerung — dem Effekt, bei dem dein Stück vom Kuchen kleiner wird, weil der Kuchen in mehr Stücke geschnitten wird. Die Zahl der ausstehenden Aktien stieg von 176,9 Millionen zum 31. Dezember 2024 auf 262,8 Millionen ein Jahr später und auf 288,1 Millionen zum 30. Juni 2026; im Lagebericht vom 11. August 2026 waren es 288,5 Millionen. Das ist ein Zuwachs von rund 63 Prozent in eineinhalb Jahren. Dazu kommt die Wandelanleihe: Bei einem Wandlungsverhältnis von 36,4950 Aktien je 1.000 US-Dollar Nennwert entspricht sie rund 29,2 Millionen zusätzlichen Aktien, also gut zehn Prozent obendrauf, sobald der Kurs den Wandlungspreis von 27,40 US-Dollar dauerhaft überschreitet.

Ein Detail für Feinschmecker: Almonty hat gleichzeitig 94,8 Millionen US-Dollar für sogenannte Capped Calls bezahlt — Sicherungsgeschäfte, die die Verwässerung bis zu einem Kurs von 41,36 US-Dollar abfedern sollen. Das sind knapp zwölf Prozent des eingesammelten Anleihebetrags, die sofort abflossen. Zum 30. Juni 2026 war dieses Sicherungsgeschäft nur noch 72,6 Millionen US-Dollar wert — ein Buchverlust von 30,7 Millionen kanadischen Dollar innerhalb von drei Wochen, den du im Wasserfalldiagramm oben als zweite rote Säule siehst.

Bewertung — Größenordnung statt Tageskurs

Rechnen wir mit den Zahlen, die im Bericht selbst stehen, statt mit einem Tageskurs. Zum 30. Juni 2026 waren 288,1 Millionen Aktien ausstehend, der im Zwischenabschluss dokumentierte Kurs betrug 16,56 US-Dollar. Das ergibt einen Börsenwert in der Größenordnung von 4,8 Milliarden US-Dollar zu diesem Stichtag. Dem stand ein Umsatz von 68,4 Millionen kanadischen Dollar im ersten Halbjahr gegenüber. Selbst wenn man das zweite Quartal (43,0 Millionen) auf ein Jahr hochrechnet — also 172 Millionen kanadische Dollar oder grob 125 Millionen US-Dollar unterstellt —, liegt das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei rund 38. Zur Einordnung: Selbst gut laufende Softwarefirmen werden selten über 15 bewertet, Rohstoffförderer typischerweise im niedrigen einstelligen Bereich.

Das heißt nicht, dass die Bewertung falsch ist — es heißt, dass in ihr Sangdong bei voller Kapazität und ein dauerhaft hoher Wolframpreis bereits enthalten sind. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich seriös nicht bilden: Der ausgewiesene Gewinn besteht überwiegend aus Bewertungseffekten, und über die vergangenen drei vollen Geschäftsjahre stand jedes Mal ein Verlust. Das bereinigte EBITDA von 17,6 Millionen kanadischen Dollar im zweiten Quartal 2026 wäre, auf ein Jahr hochgerechnet, rund 70 Millionen — gegen einen Börsenwert von 4,8 Milliarden US-Dollar. Merke dir die Größenordnung: Der Markt bezahlt hier nicht das laufende Geschäft, sondern die zweite Mine.

Ein Wort zum Analystenblick: Der Konsens der Kursziele lag beim Datenabruf am 12. August 2026 bei rund 25 US-Dollar. Auch das ist keine Prognose, sondern eine Meinung mit Datum — und sie basiert auf denselben Annahmen über Sangdong und den Wolframpreis, die auch der Börsenwert enthält. Wer eine zweite Meinung sucht, findet sie eher in unserer Analyse zu Hensoldt: Dort lässt sich nachlesen, wie sich Verteidigungsnachfrage in einem etablierten Geschäft tatsächlich in Aufträgen und Umsatz niederschlägt — und wie lange der Weg vom politischen Willen zur bezahlten Rechnung ist.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Almonty spricht:

  • Strategische Lage: Wolfram gilt in den USA und der EU als kritischer Rohstoff, China dominiert das Angebot. Almonty ist einer der wenigen börsennotierten Förderer außerhalb Chinas — mit einer Mine in Portugal, einer in Südkorea und einem Projekt in Montana.
  • Bewiesene Preishebelwirkung: Aus 43,0 Millionen kanadischen Dollar Umsatz wurden im zweiten Quartal 2026 26,1 Millionen Ergebnis aus dem Bergbaubetrieb, bei einer Bruttomarge von 60,7 Prozent. Das Geschäftsmodell skaliert mit dem Preis.
  • Finanzierung gesichert: 1,23 Milliarden kanadische Dollar Kasse zum 30. Juni 2026, das KfW-Darlehen im Juli 2026 vollständig getilgt, die Wandelanleihe erst 2031 fällig und mit 2,25 Prozent günstig verzinst.
  • Abnahme vertraglich gesichert und verbessert: Die Vereinbarung mit Global Tungsten & Powders wurde am 14. Juli 2026 um sechs Jahre verlängert, die Vertragsmenge um 40 Prozent erhöht und der Preis um rund 6,3 Prozent verbessert.
  • Echter operativer Mittelzufluss: 31,6 Millionen kanadische Dollar im ersten Halbjahr 2026 nach einem Abfluss von 14,9 Millionen im Vorjahreszeitraum — das ist zahlungswirksames Geld, kein Bewertungseffekt.

Was dagegen spricht:

  • Ergebnisqualität: 173,1 der 181,8 Millionen kanadischen Dollar Quartalsgewinn sind nicht zahlungswirksam und drehen sich um, sobald der eigene Aktienkurs steigt. Das Nettoergebnis taugt bei Almonty nicht als Maßstab.
  • Kontrollen nicht wirksam: Das Management stuft die eigenen Offenlegungskontrollen zum 30. Juni 2026 als „not effective“ ein; die wesentliche Schwäche in der Finanzberichterstattung besteht fort, die Abarbeitung läuft noch.
  • Abhängigkeit von einem Preis: Der komplette Umsatzsprung stammt aus dem APT-Preis (453 auf 3.075 US-Dollar je MTU im Jahresvergleich der zweiten Quartale), während die Fördermenge um 20,8 Prozent sank. Fällt der Preis, fällt das Geschäft mit.
  • Sangdong liefert noch nicht: Die Aufbereitungsanlage war zum 11. August 2026 in der Inbetriebnahme; der Abschluss ist für das dritte Quartal 2026 angekündigt. Bis dahin kommt der gesamte Umsatz aus einer über hundert Jahre alten Mine in Portugal.
  • Verwässerung: plus 63 Prozent Aktien in eineinhalb Jahren, dazu rund 29,2 Millionen mögliche Aktien aus der Wandelanleihe. Wer heute kauft, teilt den künftigen Gewinn mit deutlich mehr Anteilseignern als 2024.
  • Bewertung nimmt den Erfolg vorweg: Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 38 auf das hochgerechnete zweite Quartal setzt voraus, dass alles gelingt und der Preis oben bleibt.

Ein menschliches Fazit

Erinnerst du dich an die Fanfaren-Falle vom Anfang? Sie ist deshalb so wirksam, weil sie nicht lügt. Alles in der Überschrift stimmt: Der Umsatz ist wirklich um 498 Prozent gestiegen, der Gewinn steht wirklich bei 181,8 Millionen kanadischen Dollar, die Kasse ist wirklich voll. Die Falle liegt nicht in der Unwahrheit, sondern in der Reihenfolge: Die drei guten Zahlen stehen oben, die Erklärungen stehen unten. Und unser Kopf hört auf zu lesen, sobald er ein Urteil hat.

Was bleibt, wenn man zu Ende liest? Ein Unternehmen mit einem echten, seltenen Aktivposten — Wolfram außerhalb Chinas, ein Kunde von Rang, eine Mine in Südkorea, die eines Tages sehr viel Geld verdienen könnte. Und daneben ein Quartalsbericht, in dem der Gewinn überwiegend aus einer Bewertungsformel stammt, die Fördermenge sinkt, die Zentrale drei Vollzeitkräfte zählt und die eigenen Kontrollen als nicht wirksam gelten. Beides ist wahr. Beides steht im selben Dokument.

Die entscheidende Frage ist deshalb nicht, ob Almonty ein gutes oder ein schlechtes Unternehmen ist, sondern welchen Beweis du sehen willst, bevor du der Geschichte glaubst. Der nächste Quartalsbericht liefert ihn: Steht dort ein Umsatzbeitrag aus Sangdong? Bleibt die Bruttomarge oben, wenn der Preis nicht weiter steigt? Und ist die wesentliche Schwäche in der Finanzberichterstattung abgearbeitet? Bis dahin gilt der schlichteste Merksatz dieser Analyse: Lies die Zeile unter der Überschrift. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Rechtlicher Hinweis: Dieser Beitrag ist journalistische Einordnung und Recherche, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Alle Zahlen stammen aus den oben verlinkten Originalquellen und sind mit Stichtag genannt; Kurse und Kennzahlen können sich seit dem Datenstand verändert haben. Aktien von Rohstoffunternehmen können erhebliche Kursverluste erleiden, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals — insbesondere, wenn das Geschäft an einem einzelnen Rohstoffpreis und einem einzelnen Projekt hängt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in der besprochenen Aktie.

Unser Fazit auf einen Blick

Marktstellung & Rohstoff positiv
Wolfram gilt in den USA und der EU als kritischer Rohstoff, das Angebot wird von China dominiert. Almonty fördert in Portugal, baut in Südkorea die Sangdong-Mine auf (Zielkapazität 640.000 Tonnen Erz im Jahr, genehmigte Ausbaustufe II bis 1,2 Millionen Tonnen) und hält ein Projekt in Montana. Der Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders wurde am 14. Juli 2026 um sechs Jahre verlängert, die Menge um 40 Prozent erhöht und der Preis um rund 6,3 Prozent verbessert.
Ergebnisqualität negativ
Von 181,8 Millionen kanadischen Dollar Nettogewinn im 2. Quartal 2026 stammen 173,1 Millionen aus nicht zahlungswirksamen Neubewertungen von Derivaten und Optionsscheinen (Quartalsmitteilung vom 11. August 2026). Der Bewertungsgewinn von 204,4 Millionen entstand, weil der eigene Aktienkurs zwischen dem 4. Juni (20,68 US-Dollar) und dem 30. Juni 2026 (16,56 US-Dollar) fiel. Bereinigt blieben 17,6 Millionen EBITDA.
Operative Substanz neutral
Das laufende Geschäft trägt: 26,1 Millionen kanadische Dollar Ergebnis aus dem Bergbaubetrieb im 2. Quartal 2026 bei 60,7 Prozent Bruttomarge, 31,6 Millionen operativer Mittelzufluss im ersten Halbjahr nach einem Abfluss von 14,9 Millionen im Vorjahreszeitraum. Aber es trägt nur über den Preis: Die Produktion in Panasqueira sank um 20,8 Prozent, und Sangdong lieferte im Berichtsquartal noch keinen Umsatz.
Bilanz & Finanzierung positiv
1.227,2 Millionen kanadische Dollar Kasse zum 30. Juni 2026 gegenüber 813,1 Millionen langfristigen Schulden; die Wandelanleihe über 800 Millionen US-Dollar ist mit 2,25 Prozent verzinst und erst am 1. Juli 2031 fällig, das KfW-Darlehen über 14,7 Millionen Euro wurde am 15. Juli 2026 vollständig getilgt. Das Eigenkapital stieg von 357,8 auf 551,8 Millionen.
Verwässerung negativ
Die Aktienzahl stieg von 176.947.216 (31.12.2024) über 262.776.228 (31.12.2025) auf 288.480.750 (Lagebericht 11. August 2026) — rund 63 Prozent in eineinhalb Jahren. Die Wandelanleihe entspricht bei 36,4950 Aktien je 1.000 US-Dollar Nennwert weiteren rund 29,2 Millionen Aktien. Für die Absicherung dieser Verwässerung flossen 94,8 Millionen US-Dollar ab, deren Zeitwert bis zum 30. Juni 2026 auf 72,6 Millionen fiel.
Kontrollumfeld & Governance negativ
Das Management stuft die Offenlegungskontrollen zum 30. Juni 2026 als nicht wirksam ein, wegen einer fortbestehenden wesentlichen Schwäche in der internen Finanzberichterstattung (Abschlusserstellung, Funktionstrennung, Datenintegrität). In der Konzernzentrale arbeiteten zum 31. Dezember 2025 drei Vollzeitkräfte. Die Vergütung des Führungspersonals stieg im ersten Halbjahr 2026 auf 6,4 Millionen kanadische Dollar nach 1,7 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Almonty Industries ist die Fanfaren-Falle in Reinform: Die Überschrift der Quartalsmitteilung vom 11. August 2026 nennt drei richtige Zahlen — plus 498 Prozent Umsatz auf 43,0 Millionen kanadische Dollar, 181,8 Millionen Nettogewinn, 1,2 Milliarden Kasse —, und die Erklärungen stehen darunter. Dort steht, dass 173,1 Millionen des Gewinns nicht zahlungswirksam sind und aus einem gefallenen eigenen Aktienkurs stammen, dass die Produktion in der einzigen fördernden Mine um 20,8 Prozent zurückging und der ganze Umsatzsprung vom Wolframpreis kommt (453 auf 3.075 US-Dollar je MTU), und dass die eigenen Offenlegungskontrollen zum 30. Juni 2026 als nicht wirksam gelten. Der strategische Wert des Rohstoffs ist echt, die Kasse ist echt, der Abnahmevertrag ist echt — bewiesen ist aber noch nichts davon durch Sangdong, und die Bewertung nimmt den Beweis bereits vorweg. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich und ist finanziell komfortabel ausgestattet: 1,23 Milliarden kanadische Dollar Kasse zum 30. Juni 2026, 31,6 Millionen operativer Mittelzufluss im ersten Halbjahr, ein verlängerter und verbesserter Abnahmevertrag. Gelb statt grün steht hier aus zwei operativen Gründen: Der Ertrag hängt fast vollständig am Wolframpreis, während die Fördermenge sinkt, und die zweite, entscheidende Mine hat ihren Hochlauf noch nicht abgeschlossen. Dazu kommt ein Kontrollumfeld, das das Unternehmen selbst zum 30. Juni 2026 als nicht wirksam bezeichnet — kein Substanzrisiko, solange die Kasse voll ist, aber ein Grund, jede gemeldete Zahl doppelt zu prüfen. Rot wäre übertrieben, grün wäre zu früh: Die Beweislast liegt beim nächsten Quartalsbericht.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Almonty Industries über die Hot-Liste des Anlegerforums wallstreet-online: Platz 3 mit 60 Beiträgen im 24-Stunden-Fenster (Abruf 4. August 2026). Das ist ein Aufmerksamkeits-, kein Bewertungssignal.
  • Almonty bilanziert nach IFRS in kanadischen Dollar, notiert aber in US-Dollar. Alle Betragsangaben in dieser Analyse sind kanadische Dollar, sofern nicht ausdrücklich US-Dollar genannt sind — das betrifft insbesondere die Wandelanleihe (800 Millionen US-Dollar), die Capped Calls (94,8 Millionen US-Dollar) und die Kursangaben.
  • Der Börsenwert stammt nicht aus dem Datenfeed, sondern aus dem Bericht selbst: 288.109.013 Aktien × 16,56 US-Dollar zum 30. Juni 2026 ergeben rund 4,8 Milliarden US-Dollar. Der Feed-Wert wich um mehr als ein Fünftel ab und wurde deshalb samt aller daraus abgeleiteten Kennzahlen verworfen.
  • Nicht verwechseln: Almonty Industries (Nasdaq: ALM) ist nicht identisch mit der Deutschen Rohstoff AG, die einen erheblichen Teil ihres Ergebnisses 2026 aus dem Verkauf von Almonty-Aktien erzielt hat. Die Berichte des einen Unternehmens sagen nichts über die Aktienentwicklung des anderen aus.

Aktien-Wächter

Diese Analyse ist Stand 12. August 2026. Was sich seitdem bei ALM geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

Später 0,99 € im Monat je Aktie — die Vormerkung ist kostenlos, und als Vormerker erfährst Du als Erster vom Start.

Die komplette Analyse als PDF für später

Wir schicken Dir diese Analyse als PDF — zum Ausdrucken, Ablegen und in Ruhe Nachlesen. Und wir merken Dich zugleich kostenlos für den Aktien-Wächter zu Almonty Industries Inc. (ALM) vor: Damit erfährst Du, wenn sich an dieser Analyse etwas Wesentliches ändert.

Wir bestätigen Deine Adresse zuerst per Mail (Double-Opt-in). Du kannst Dich jederzeit mit einem Klick wieder abmelden.

Häufige Fragen

Almonty Industries Inc. (Nasdaq: ALM) fördert und verkauft Wolframkonzentrat. Ertragsbringend ist bislang allein die Panasqueira-Mine in Portugal. Das zentrale Projekt ist die Sangdong-Mine in Südkorea, die im Dezember 2025 den kommerziellen Abbau aufnahm; die Aufbereitungsanlage befand sich am 11. August 2026 noch in der Inbetriebnahme. Dazu kommen die stillgelegte Los-Santos-Mine und das Valtreixal-Projekt in Spanien sowie das Gentung-Projekt in Montana.

Weil der Gewinn überwiegend aus Buchungen besteht. Von den 181,8 Millionen kanadischen Dollar Nettogewinn im 2. Quartal 2026 entfallen laut Quartalsmitteilung vom 11. August 2026 rund 173,1 Millionen auf nicht zahlungswirksame Neubewertungen von Derivaten und Optionsscheinen. Die im Juni 2026 begebene Wandelanleihe wird nach IFRS als Verbindlichkeit geführt, deren Wert am eigenen Aktienkurs hängt. Das bereinigte EBITDA lag bei 17,6 Millionen.

Vom Preis. Der europäische APT-Durchschnittspreis für Wolfram stieg von 453 US-Dollar je MTU im 2. Quartal 2025 auf 3.075 US-Dollar im 2. Quartal 2026. Gleichzeitig sank die Produktion in der Panasqueira-Mine um 20,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, und im Vergleich zum 1. Quartal 2026 wurden 21,1 Prozent weniger MTU verkauft. Der gesamte Umsatzzuwachs von 35,8 Millionen kanadischen Dollar entfiel auf Panasqueira.

Almonty ist eine kanadische Gesellschaft und meldet im vereinfachten Verfahren für kanadische Emittenten. Statt eines Geschäftsberichts nach US-Muster (10-K) reicht das Unternehmen einen Jahresbericht auf Formular 40-F ein, zuletzt am 19. März 2026 für das Geschäftsjahr 2025. Statt Quartalsberichten (10-Q) erscheinen Quartalszahlen als Anlagen zu 6-K-Meldungen, zuletzt am 12. August 2026 für das 2. Quartal 2026. Das Geschäftsjahr endet am 31. Dezember.

Das Management stuft die eigenen Offenlegungskontrollen zum 30. Juni 2026 als nicht wirksam ein. Genannt werden eine unzureichend ausgestaltete Kontrolle über den Abschlusserstellungsprozess, mangelnde Funktionstrennung in der Transaktionsverarbeitung und Lücken bei der Datenintegrität der Systeme. Almonty hat eine externe Firma beauftragt, baut das Rechnungswesen aus und erwartet den Abschluss der Prüfung im 3. Quartal 2026.

Die im Juni 2026 begebene Wandelanleihe über 800 Millionen US-Dollar zu 2,25 Prozent läuft bis zum 1. Juli 2031. Das Wandlungsverhältnis beträgt 36,4950 Aktien je 1.000 US-Dollar Nennwert, was einem Wandlungspreis von rund 27,40 US-Dollar je Aktie und rund 29,2 Millionen möglichen neuen Aktien entspricht — gut zehn Prozent der 288,5 Millionen Aktien vom 11. August 2026. Almonty zahlte zusätzlich 94,8 Millionen US-Dollar für Capped Calls mit einer Obergrenze von 41,36 Dollar.

Almonty hat seine Notierungen freiwillig gebündelt. Der Hauptsitz zog im April 2026 von Toronto nach Dillon in Montana. Die Notierung an der Toronto Stock Exchange endete mit Handelsschluss am 31. Juli 2026, die Streichung von der australischen Börse ASX war zum 1. September 2026 angekündigt, wobei die dortigen Hinterlegungsscheine am 28. August 2026 zum letzten Mal handelbar waren. Gehandelt wird die Aktie seither an der Nasdaq und in Frankfurt.

Nach den im Bericht dokumentierten Zahlen nicht. Zum 30. Juni 2026 standen 288,1 Millionen Aktien einem im Zwischenabschluss genannten Kurs von 16,56 US-Dollar gegenüber — rund 4,8 Milliarden US-Dollar Börsenwert. Rechnet man das 2. Quartal 2026 (43,0 Millionen kanadische Dollar Umsatz) aufs Jahr hoch, ergibt das ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von etwa 38. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich mangels belastbarem Gewinn nicht seriös bilden.

Fehler gefunden?

Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.

Deine Angaben werden nur zur Prüfung Deiner Meldung verwendet und nicht weitergegeben.

Das könnte Sie interessieren

War diese Seite hilfreich für Dich?