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Deutsche Rohstoff: Das Rekordjahr kommt zur Hälfte aus einem Aktienverkauf

Deutsche Rohstoff: Das Rekordjahr kommt zur Hälfte aus einem Aktienverkauf

Die Deutsche Rohstoff AG aus Mannheim fördert Öl in Wyoming und Colorado und hat ihre EBITDA-Prognose für 2026 auf 355 bis 375 Millionen Euro angehoben — nach 132,0 Millionen im Jahr 2025. Rund 162 Millionen Euro davon stammen jedoch aus dem Verkauf von Aktien des Wolfram-Förderers Almonty Industries, nicht aus der eigenen Förderung. Gleichzeitig schrumpfte das Ölgeschäft: Umsatz 2025 minus 17 Prozent, im ersten Quartal 2026 minus 26 Prozent, Betriebskosten je Barrel plus 19 Prozent. Keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung — nur die Frage, was von dem Rekord übrig bleibt, wenn die Almonty-Aktien einmal alle verkauft sind.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit

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Stand heute

Stand: 3. August 2026

Schlusskurs
81,10 € +0,10 %
Marktkapitalisierung
0,4 Mrd. €
KGV
3,2
Wachstums-Score
6/10
AAQS
7/10

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

Deutsche Rohstoff: Das Rekordjahr kommt zur Hälfte aus einem Aktienverkauf
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Quartalsbericht, Frankfurter Wertpapierbörse)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 38,30 € bis 112,00 € · Letzter Kurs: 81,10 € (Stand: 3. August 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die auf jedem Kontoauszug lauert. Nennen wir sie die Kontoauszug-Falle: Auf einem Kontoauszug sehen alle Eingänge gleich aus. Das Monatsgehalt und der Erlös aus dem verkauften Auto stehen in derselben Spalte, in derselben Schriftgröße, mit demselben Pluszeichen. Nur eines von beiden kommt nächsten Monat wieder. Genau diese Falle hat die Deutsche Rohstoff AG aus Mannheim im Sommer 2026 aufgestellt — ohne jede böse Absicht, im Gegenteil: Das Unternehmen legt jede Zahl sauber offen. Aber die Schlagzeilen tun es nicht. „Rekordquartal mit Gewinn pro Aktie von 21,59 EUR“ (12. Mai 2026), „Erhöhung der Prognose 2026: EBITDA von rund 365 Mio. EUR erwartet“ (22. Juli 2026) — beides stimmt. Und in beiden Fällen stammt der größere Teil des Geldes nicht aus dem Öl, sondern aus dem Verkauf von Aktien eines kanadischen Wolfram-Bergbauunternehmens. Machen wir also einen Deal: Wir lesen gemeinsam den Geschäftsbericht 2025 (veröffentlicht 22. April 2026), den Quartalsbericht zum 31. März 2026 (veröffentlicht 12. Mai 2026) und jede Meldung, die seither kam. Und wir sortieren die Eingänge auf dem Kontoauszug nach ihrer Herkunft.

Was die Deutsche Rohstoff AG eigentlich macht — drei Missverständnisse im Firmennamen

Fangen wir mit dem Namen an, denn er führt gleich dreifach in die Irre. „Deutsche“: Der Sitz ist Mannheim, Q7, 24 — gefördert wird ausschließlich in den Vereinigten Staaten. „Rohstoff“: Das Geld kommt fast vollständig aus Öl und Erdgas, nicht aus Metallen. „AG“: Das Unternehmen betreibt selbst kein einziges Bohrloch; es ist eine Beteiligungsholding, die Anteile an operativen Gesellschaften hält.

Konkret sieht die Struktur zum 31. März 2026 so aus: Über die 100-prozentige Tochter Deutsche Rohstoff USA Inc. in Wilmington hängen fünf operative US-Gesellschaften — 1876 Resources LLC (97,6 Prozent, Denver), Salt Creek Oil & Gas LLC (100 Prozent), Elster Oil & Gas LLC (93,0 Prozent), Bright Rock Energy LLC (95,0 Prozent) und die Infrastrukturgesellschaft Coyote Hill Midstream LLC (100 Prozent). Sie fördern im Powder River Basin in Wyoming und im Denver-Julesburg Basin in Colorado; Bright Rock baut seit 2025 eine Flächenposition in der Utica-Formation in Ohio auf, erste Bohrungen sind dort für 2027 geplant. Dazu kommen in Deutschland die Ceritech AG (72,5 Prozent) und die Tin International GmbH (100 Prozent) sowie das Metall-Portfolio, dessen mit Abstand größter Posten die kanadische Almonty Industries Inc. ist — ein Wolframförderer mit Minen in Portugal (Panasqueira) und Südkorea (Sangdong), seit 2025 an der Nasdaq notiert.

Bemerkenswert ist, wie schlank das Ganze läuft: Im Geschäftsjahr 2025 arbeiteten im gesamten Konzern durchschnittlich 60 Menschen (Vorjahr: 66). Zum Jahresende 2025 hielt der Konzern Anteile an 121 selbst betriebenen und 106 von Partnern betriebenen Horizontalbohrungen — rechnerisch rund 112 Nettobohrungen. Übersetzt in ein Alltagsbild: Das ist kein Industriekonzern mit Werkstoren, sondern eine sehr kleine Mannschaft, die Kapital auf Bohrlöcher und Beteiligungen verteilt und die Ausführung an Dienstleister vergibt.

Warum es hier keinen SEC-Bericht gibt — und woher die Zahlen stattdessen kommen

Ein Punkt vorab, weil er die gesamte Beleglage prägt: Von der Deutschen Rohstoff gibt es kein 10-K und kein 10-Q. Die Aktie notiert im Scale, dem Mittelstandssegment im Freiverkehr der Frankfurter Wertpapierbörse, gehandelt wird sie über Xetra, Tradegate, Frankfurt, Berlin, Düsseldorf, Stuttgart, München und Hamburg. Gemeldet wird nach deutschem Recht: ein testierter Konzernabschluss, ein Halbjahresbericht, Quartalsberichte und Ad-hoc-Mitteilungen nach Artikel 17 der EU-Marktmissbrauchsverordnung. Unter jeder Zahl dieser Analyse steht deshalb „Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Quartalsbericht, Frankfurter Wertpapierbörse)“, nicht „SEC-Berichte“.

Eine zweite Besonderheit ist wichtiger, als sie klingt: Die Deutsche Rohstoff bilanziert nach HGB, dem deutschen Handelsgesetzbuch — nicht nach den internationalen Regeln IFRS, die man von den meisten großen Aktiengesellschaften kennt. Das hat drei konkrete Folgen, die wir gleich brauchen werden. Erstens werden Gewinne und Verluste aus der Ölpreis-Absicherung direkt mit den Umsatzerlösen verrechnet, statt separat ausgewiesen zu werden — nach IFRS wäre der Umsatz 2025 laut der Überleitungsrechnung im Geschäftsbericht um 15,9 Millionen Euro höher ausgefallen. Zweitens dürfen Beteiligungen höchstens zum Anschaffungspreis in der Bilanz stehen; Wertsteigerungen tauchen erst beim Verkauf im Ergebnis auf. Drittens gilt das Vorsichtsprinzip: Verluste werden früh gezeigt, Gewinne spät. Auch bei unserer Analyse zu PFISTERER, ebenfalls ein deutscher Börsentitel ohne SEC-Registrierung, lief die komplette Belegkette über die Original-Geschäftsberichte des Unternehmens statt über sec.gov.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Ehrlichkeit zuerst: Der Aufhänger ist ein reines Aufmerksamkeits-Signal, keine Kennzahl. Wir haben am 4. August 2026 die Rangliste der meistdiskutierten Aktien im Forum von wallstreet-online.de abgerufen. Die Deutsche Rohstoff steht dort auf Platz 44 mit sieben Beiträgen in 24 Stunden — solide Mittelklasse, kein Sturm.

Interessant wird die Liste erst eine Ebene höher. Auf Platz 3 derselben Rangliste, mit 60 Beiträgen in 24 Stunden, steht Almonty Industries. Also genau jene Beteiligung, aus deren Verkauf die Deutsche Rohstoff gerade den größten Teil ihres Rekordergebnisses zieht. Die Menge diskutiert leidenschaftlich über den Wolframförderer — und weitgehend am Mannheimer Miteigentümer vorbei, der auf demselben Kursanstieg still Kasse macht. Wer sich für den Hype interessiert, findet in dieser Analyse die nüchternere Frage: Was bleibt, wenn die Aktien verkauft sind?

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt. Die Deutsche Rohstoff ist über Jahre profitabel, sie zahlt Dividende, sie kauft eigene Aktien zurück, und sie hat 2025 den größten organischen Reservenzuwachs ihrer Geschichte gemeldet. Der operative Cashflow lag 2025 bei 130,0 Millionen Euro (Vorjahr: 143,6 Millionen), die liquiden Mittel stiegen von 19,7 auf 69,3 Millionen Euro, die Nettoverschuldung sank von 157 auf rund 146 Millionen Euro. Die Prognosetreue ist auffällig gut: Für 2025 hatte das Unternehmen im April 2025 einen Umsatz von 170 bis 190 Millionen Euro und ein EBITDA von 115 bis 135 Millionen angekündigt — geliefert wurden 195,1 und 132,0 Millionen Euro.

Und doch zeigt der Mehrjahresvergleich zwei Bewegungen in entgegengesetzte Richtungen. Der Umsatz fiel 2025 um 17 Prozent von 235,4 auf 195,1 Millionen Euro, das EBITDA um 21 Prozent von 167,6 auf 132,0 Millionen Euro. Für 2026 erwartet das Unternehmen einen Umsatz von 260 bis 280 Millionen Euro (Mitte der Bandbreite: 270 Millionen) — und ein EBITDA von 355 bis 375 Millionen Euro, im Schnitt also 365 Millionen. Ein EBITDA, das höher liegt als der Umsatz: Das ist bei einem Förderunternehmen kein Rechenfehler, sondern ein Warnsignal, dem wir gleich nachgehen.

Balkendiagramm: Umsatz der Deutsche Rohstoff AG 235,4 Millionen Euro (2024), 195,1 (2025) und 270 in der Prognose 2026; EBITDA 167,6, 132,0 und 365,0 Millionen Euro.
Der Umsatz sinkt 2025 und erholt sich 2026 auf die Mitte der Prognosebandbreite — das EBITDA verdreifacht sich fast. Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Quartalsbericht, Frankfurter Wertpapierbörse); Prognosewerte aus der Ad-hoc-Mitteilung vom 22. Juli 2026. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das erste Quartal 2026 setzt den operativen Trend fort — nach unten. Der Umsatz fiel um 26 Prozent von 59,1 auf 43,9 Millionen Euro, die Förderung von 14.549 auf 12.322 Barrel Öläquivalent pro Tag (minus 15 Prozent), der operative Cashflow von 44,7 auf 28,3 Millionen Euro (minus 37 Prozent). Das ausgewiesene Konzernergebnis nach Minderheiten sprang trotzdem von 12,5 auf 103,4 Millionen Euro, das Ergebnis je Aktie von 2,55 auf 21,59 Euro. Der Unterschied steckt in einer einzigen Zeile der Gewinn- und Verlustrechnung, und die schauen wir uns jetzt an.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Rund 162 der 365 Millionen Euro EBITDA kommen aus einem Aktienverkauf

Die Zeile heißt „Sonstige betriebliche Erträge“. Sie lag im ersten Quartal 2026 bei 101,6 Millionen Euro — im Vorjahresquartal waren es 1,3 Millionen. Der Anhang des Quartalsberichts erklärt, warum:

„Die sonstigen betrieblichen Erträge in Höhe von 101,6 Mio. EUR (Vorjahr: 1,3 Mio. EUR) resultieren im Wesentlichen aus der Teilveräußerung der Beteiligung an Almonty Industries. Durch den Verkauf wurde ein Veräußerungsgewinn von rund 97 Mio. EUR realisiert.“

— Deutsche Rohstoff AG, Quartalsbericht Q1 2026 (12. Mai 2026), Anhang, Seite 15

Markierter Ausschnitt aus dem Quartalsbericht Q1 2026 der Deutsche Rohstoff AG: Durch den Verkauf wurde ein Veräußerungsgewinn von rund 97 Mio. EUR realisiert.
Die markierte Stelle im Original: rund 97 Millionen Euro Veräußerungsgewinn aus dem Almonty-Verkauf. Quelle: Quartalsbericht Q1 2026 (rohstoff.de), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Am 22. Juli 2026 kam die zweite Tranche. Die Ad-hoc-Mitteilung ist in ihrer Klarheit vorbildlich — und in ihrer Konsequenz unbequem:

„Die Deutsche Rohstoff erhöht erneut ihre Prognose für das Geschäftsjahr 2026. Ursächlich für die Anpassung ist eine weitere Teilveräußerung der Beteiligung Almonty Industries, aus der ein Ergebnisbeitrag von rund 65 Mio. EUR erzielt wurde. Der Ergebnisbeitrag entspricht dem Verkaufserlös abzüglich Buchwert und erhöht damit die für die Guidance maßgebliche Ergebnisgröße EBITDA in entsprechender Höhe.“

— Deutsche Rohstoff AG, Ad-hoc-Mitteilung vom 22. Juli 2026

Rechnen wir die Brücke selbst nach. Das EBITDA 2025 lag bei 132 Millionen Euro. Dazu kommen rund 97 Millionen aus der ersten und rund 65 Millionen aus der zweiten Almonty-Tranche — zusammen rund 162 Millionen Euro. Bis zur Prognosemitte von 365 Millionen bleibt damit ein Rest von 71 Millionen Euro, den das operative Geschäft und alles Übrige beisteuern müssen.

Wasserfalldiagramm: EBITDA 2025 von 132 Millionen Euro plus 97 Millionen aus dem Almonty-Verkauf im ersten Quartal, plus 65 Millionen aus dem Juli-Verkauf, plus 71 Millionen aus Operativem und Übrigem ergibt die Prognose 2026 von 365 Millionen Euro.
Die Brücke von 132 auf 365 Millionen Euro: Zwei Aktienverkäufe tragen rund 162 Millionen bei, das operative Geschäft und alles Übrige rund 71 Millionen. Quelle: Geschäftsbericht 2025, Quartalsbericht Q1 2026 und Ad-hoc-Mitteilung vom 22. Juli 2026; der Restposten ist unsere eigene Rechnung. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das ist keine Kritik am Management — im Gegenteil: Wer 2020 in einen Wolframförderer investiert, ihn über Jahre mit Darlehen und Wandelanleihen begleitet und dann in einen Kursanstieg hinein verkauft, hat sein Handwerk verstanden. Der durchschnittliche Verkaufspreis der Juli-Tranche lag laut Ad-hoc-Mitteilung bei knapp 16 US-Dollar je Almonty-Aktie. Es ist eine Warnung an die Bewertung: Ein Ergebnis aus einem Aktienverkauf ist ein Autoverkauf, kein Gehalt. Nach der Juli-Tranche hält die Deutsche Rohstoff noch rund 5,5 Millionen Almonty-Aktien plus Forderungen aus Wandelschuldverschreibungen und Darlehen — ein Vorrat, der endlich ist.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Das Ölgeschäft selbst ist zuletzt geschrumpft, nicht gewachsen

Während das Konzernergebnis explodierte, ging es im Kerngeschäft in die andere Richtung. Der Geschäftsbericht 2025 nennt die Gründe ohne Beschönigung:

„Die Umsatzerlöse sanken erwartungsgemäß aufgrund des Rückgangs der geförderten Öl- und Gasvolumen sowie negativer Preiseffekte um rund 17% auf 195,1 Mio. EUR (Vorjahr: 235,4 Mio. EUR).“

— Deutsche Rohstoff AG, Geschäftsbericht 2025 (22. April 2026), Konzernlagebericht, Seite 34

Markierter Ausschnitt aus dem Geschäftsbericht 2025 der Deutsche Rohstoff AG: Die Umsatzerlöse sanken um rund 17 Prozent auf 195,1 Millionen Euro, daneben die Tabelle mit EBITDA 132,0 und EBIT 54,8 Millionen Euro.
Die markierte Stelle im Original, daneben die Kennzahlentabelle des Geschäftsjahres 2025. Quelle: Geschäftsbericht 2025 (rohstoff.de), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Gleichzeitig wurde jedes geförderte Fass teurer. Die Betriebskosten stiegen 2025 von 9,00 auf 9,90 US-Dollar je Barrel Öläquivalent — und im ersten Quartal 2026 noch einmal deutlich:

Markierter Ausschnitt aus dem Quartalsbericht Q1 2026: Die Betriebskosten belaufen sich für das erste Quartal 2026 auf 10,46 US-Dollar je Barrel Öläquivalent, im Vorjahresquartal waren es 8,80 US-Dollar.
Die markierte Stelle im Original: 10,46 statt 8,80 US-Dollar Betriebskosten je Barrel Öläquivalent. Quelle: Quartalsbericht Q1 2026 (rohstoff.de), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Ein Plus von 19 Prozent bei den Kosten je Fass, bei gleichzeitig 15 Prozent weniger Fässern — das ist die Schere, die ein Förderunternehmen fürchtet. Die Deutsche Rohstoff hat darauf reagiert: Von einem Bohrgerät Ende Februar 2026 ging es innerhalb von 13 Werktagen auf zwei, Ende März auf drei; das Bohrprogramm 2026 wurde von zehn auf 26 eigene Bruttobohrungen ausgeweitet, das Investitionsvolumen auf 215 bis 235 Millionen Euro erhöht. Am 3. Juni 2026 meldete das Unternehmen, die ersten vier neuen Bohrungen des Dillon/Billings-Bohrplatzes lieferten drei Wochen nach Produktionsbeginn zusammen 6.000 Barrel Öl pro Tag, und ab Juli werde die Förderung auf über 20.000 Barrel Öläquivalent pro Tag steigen. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Geschäftsbericht 17.000 bis 18.000 Barrel Öläquivalent pro Tag. Das wäre eine echte Trendwende — aber sie steht bislang in keiner einzigen veröffentlichten Quartalszahl. Der erste Pflichtbericht, der sie zeigen könnte, ist der Halbjahresbericht am 19. August 2026.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Absicherung schützt nach unten — und kostet nach oben

Ein Förderunternehmen, das seine Investitionen plant, sichert einen Teil der künftigen Förderung über Termingeschäfte ab. Das ist vernünftig und in dieser Branche üblich. Es hat aber zwei Seiten. Ein Swap ist eine Preisfestschreibung in beide Richtungen: Fällt der Ölpreis unter den vereinbarten Preis, zahlt die Gegenseite die Differenz; steigt er darüber, zahlt das Unternehmen. Ein Collar zieht einen Boden und einen Deckel ein, ein Put ist eine reine Versicherung nach unten.

Zum 31. März 2026 umfasste das Hedgebuch der Deutschen Rohstoff 1,594 Millionen Barrel Öl bis ins erste Quartal 2028. Davon entfielen 1,049 Millionen Barrel auf Swaps zu einem Durchschnittspreis von 72,60 US-Dollar, 275.000 Barrel auf Collars (Deckel im Schnitt 78,20, Boden 62,70 US-Dollar) und 270.000 Barrel auf Puts mit einem Boden von 50,00 US-Dollar; dazu kommen 1,844 Millionen MMBtu Erdgas. Für die restlichen drei Quartale 2026 sind 983.000 Barrel abgesichert — bei einer Prognose von 17.000 bis 18.000 Barrel Öläquivalent pro Tag und einem erwarteten Ölanteil von rund 70 Prozent entspricht das grob einem Drittel der erwarteten Ölmenge.

Im ersten Quartal 2026 hat die Absicherung zum ersten Mal seit Längerem Geld gekostet statt gebracht: Der durchschnittliche WTI-Preis lag mit 72,74 US-Dollar knapp über dem Swap-Niveau, das Hedging schlug mit minus 1,08 US-Dollar je Barrel beziehungsweise 0,4 Millionen Euro zu Buche — nach einem Ertrag von 2,37 US-Dollar je Barrel im Gesamtjahr 2025. Weil das HGB verlangt, diesen Posten direkt mit den Umsatzerlösen zu verrechnen, sieht man ihn in der Gewinn- und Verlustrechnung nicht; er versteckt sich im Umsatz. Merke dir das Bild: Eine Absicherung ist eine Versicherung — und Versicherungen kosten in guten Jahren Geld.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: „Barwert der Reserven“ ist eine Schätzung mit eingebauter Preisannahme

Die größte Zahl in der Kommunikation des Unternehmens ist der Barwert der Öl- und Gasreserven. Der Geschäftsbericht 2025 nennt sie so:

„Der Barwert dieser Reserven stieg – bei einer konservativen Annahme von 60 USD/Barrel WTI – um 38% auf 542 Mio. USD. Bei 80 USD Ölpreis liegt dieser Barwert bereits bei 1,1 Mrd. USD.“

— Deutsche Rohstoff AG, Geschäftsbericht 2025 (22. April 2026), Brief an die Aktionäre, Seite 6

Markierter Ausschnitt aus dem Geschäftsbericht 2025 der Deutsche Rohstoff AG: Der Barwert der Reserven stieg bei einer Annahme von 60 US-Dollar je Barrel WTI um 38 Prozent auf 542 Millionen US-Dollar, bei 80 US-Dollar auf 1,1 Milliarden US-Dollar.
Die markierte Stelle im Original: derselbe Reservenbestand ist bei 60 Dollar 542 Millionen und bei 80 Dollar 1,1 Milliarden US-Dollar wert. Quelle: Geschäftsbericht 2025 (rohstoff.de), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Diese Zahl ist seriös ermittelt, aber sie braucht ihre Definition, sonst wird sie missverstanden. Laut der Ad-hoc-Mitteilung vom 2. Februar 2026 gilt: Unabhängige Gutachter bewerten über 99 Prozent der Reserven nach Standards, die von der US-Börsenaufsicht SEC akzeptiert sind. Der Netto-Cashflow wird aus den Öl- und Gaserlösen abzüglich Produktionssteuern, laufender Kosten und Investitionen ermittelt und mit 10 Prozent abgezinst — die Kennzahl heißt PV10. Anteile von Partnern und Förderabgaben sind bereits abgezogen. Die sicheren und wahrscheinlichen Reserven stiegen zum 31. Dezember 2025 um 46 Prozent auf 79 Millionen Barrel Öläquivalent, davon 29 Millionen aus bereits produzierenden Bohrungen (Barwert 393 Millionen US-Dollar).

Drei Einschränkungen, die man mitlesen muss. Erstens: Absicherungsgeschäfte sind in dieser Rechnung nicht enthalten. Zweitens: Die 2025 erworbenen Flächen in Ohio sind noch nicht enthalten. Drittens — und das ist die wichtigste — der Wert hängt an einer Preisannahme, die niemand kennt: Zwischen 60 und 80 US-Dollar je Barrel verdoppelt sich der Barwert praktisch. Übersetzt in ein Alltagsbild: Das ist wie der Wert einer Obstplantage, berechnet mit dem Apfelpreis der nächsten fünfzehn Jahre. Die Bäume stehen wirklich da. Nur den Preis kennt keiner.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Verdient wird in Dollar, bilanziert wird in Euro

Jeder Barrel wird in den USA gefördert und in US-Dollar verkauft, jede Zahl im Konzernabschluss steht in Euro. Dazwischen liegt der Wechselkurs — und der war 2025 und 2026 kein Nebenschauplatz. Im Geschäftsjahr 2025 kostete der schwächere Dollar den Konzern laut Umsatzbrücke des Lageberichts 7,7 Millionen Euro Umsatz, das entspricht drei Prozentpunkten des gesamten Rückgangs von 17 Prozent. Im ersten Quartal 2026 kamen 4,3 Millionen Euro Währungsverluste in den sonstigen betrieblichen Aufwendungen hinzu (Vorjahresquartal: 1,3 Millionen). Und im Eigenkapital steht eine eigene Zeile „Eigenkapitaldifferenzen aus Währungsumrechnung“, die zum 31. März 2026 bei minus 10,0 Millionen Euro lag (31. Dezember 2025: minus 17,2 Millionen).

Dazu kommt eine zweite Struktur-Falle: Nicht jeder Konzerneuro gehört den Aktionären der Deutschen Rohstoff. An 1876 Resources hält der Konzern 97,6 Prozent, an Elster Oil & Gas 93,0 Prozent, an Bright Rock Energy 95,0 Prozent, an der deutschen Ceritech AG 72,5 Prozent. Der Ergebnisanteil der Minderheitsgesellschafter lag 2025 bei 2,6 Millionen Euro und im ersten Quartal 2026 bei 0,7 Millionen. Das ist überschaubar — aber es erklärt, warum im Konzernabschluss stets zwei Ergebniszeilen stehen: 31,5 Millionen Euro vor und 28,9 Millionen Euro nach Minderheiten im Jahr 2025. Für die Aktie zählt immer die zweite.

Und noch ein Beteiligungsmodell verdient Erwähnung, weil es in Deutschland unüblich ist: Das Management der US-Töchter wird über sogenannte „Profits Interests“ beteiligt — stimmrechtslose Gewinnbeteiligungen nach US-Recht, die in der Regel erst dann ausgezahlt werden, wenn eine Tochter verkauft wird oder langfristig Gewinne ausschüttet. Der Geschäftsbericht 2025 nennt dreizehn Mitarbeiter und Board-Mitglieder, die solche Anteile halten. Der Vorteil aus Konzernsicht: keine Mitsprache, keine Aktienoptionen der Muttergesellschaft. Der Preis: ein Teil des Werts, der bei einem Verkauf der Töchter entsteht, gehört nicht der AG.

Bewertung: billig gerechnet auf ein Jahr, das sich nicht wiederholt

Zu den Preisen. Die Aktie schloss am 4. August 2026 auf Xetra bei 80,60 Euro (Vortag: 81,10 Euro). Zum Vergleich die dokumentierten Anker aus den Berichten: Eröffnungskurs zu Jahresbeginn 2025 32,20 Euro, Allzeithoch im Oktober 2025 bei 55,30 Euro, Jahresschluss 2025 bei 49,00 Euro — und im März 2026 stand die Aktie laut Geschäftsbericht zeitweise über 100,00 Euro.

Die Aktienzahl ist wichtiger, als man denkt: Am 3. August 2026 meldete das Unternehmen den vorzeitigen Abschluss seines Rückkaufprogramms 2026 — 83.306 Aktien zu durchschnittlich 90,03 Euro, insgesamt rund 7,5 Millionen Euro. Die Zahl der dividendenberechtigten Aktien sank dadurch um 1,7 Prozent auf 4.706.735 Stück; kumuliert mit den Programmen 2024 und 2025 wurden rund 6,1 Prozent des Grundkapitals zurückgekauft und eingezogen. Daraus ergibt sich eine Marktkapitalisierung von rund 379 Millionen Euro. Vorsicht bei Kurs-Portalen: Manche rechnen noch mit der alten Aktienzahl von 5.005.438 und kommen deshalb auf über 400 Millionen Euro.

Jetzt die Größenordnungen. Auf Basis des Ergebnisses je Aktie 2025 (6,03 Euro) ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 13. Rechnet man den Unternehmenswert — Marktkapitalisierung plus Anleihen (193,0 Millionen Euro) plus Bankverbindlichkeiten (36,1 Millionen) minus Zahlungsmittel und Wertpapiere (148,7 Millionen, alle Stichtag 31. März 2026) —, kommt man auf rund 459 Millionen Euro. Gemessen am EBITDA 2025 von 132,0 Millionen sind das etwa das 3,5-Fache; gemessen an der Prognosemitte 2026 von 365 Millionen nur noch das 1,3-Fache. Und genau hier schnappt die Kontoauszug-Falle zu: Zieht man die rund 162 Millionen Euro aus den Almonty-Verkäufen ab, bleibt ein operatives EBITDA von rund 203 Millionen — und ein Vielfaches von rund 2,3. Immer noch niedrig für einen Förderer, aber eben eine ganz andere Zahl.

Ein zweiter Anker, den man ebenso vorsichtig lesen muss: Der PV10 der sicheren und wahrscheinlichen Reserven von 542 Millionen US-Dollar entspricht beim Kursniveau von 1,15 Dollar je Euro, das die Gesellschaft ihrem Basisszenario zugrunde legt, rund 471 Millionen Euro — mehr als die Marktkapitalisierung von rund 379 Millionen. Das klingt nach Sicherheitspuffer, ist aber keiner: Der PV10 ist ein Wert vor den Konzernschulden von 229,1 Millionen Euro, vor den Kosten der Holding und vor Steuern. Wer daraus einen „inneren Wert“ bastelt, hat zweimal dasselbe Geld gezählt.

Zur Ausschüttung: Für 2025 beschloss die Hauptversammlung am 23. Juni 2026 mit 99,80 Prozent Zustimmung eine Dividende von 2,25 Euro je Aktie (Vorjahr: 2,00 Euro). Beim Schlusskurs vom 4. August 2026 entspricht das einer Dividendenrendite von rund 2,8 Prozent. Für einen Vergleich mit einem reinen US-Förderer ohne Beteiligungsportfolio lohnt der Blick auf unsere Analyse zu SandRidge Energy — dort steckt der gesamte Unternehmenswert im Ölgeschäft, ohne die Zusatzebene einer Holding.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für die Deutsche Rohstoff spricht:

  • Solide Bilanz: Eigenkapitalquote 47,8 Prozent zum 31. März 2026 (nach 38,1 Prozent zum Jahresende 2025), Zahlungsmittel und Wertpapiere 148,7 Millionen Euro, EBITDA-Zinsdeckung zum 31. Dezember 2025 bei 8,5, Nettoverschuldung zum EBITDA bei 1,1.
  • Größter organischer Reservenzuwachs der Firmengeschichte: sichere und wahrscheinliche Reserven plus 46 Prozent auf 79 Millionen Barrel Öläquivalent zum 31. Dezember 2025, geprüft von unabhängigen Gutachtern nach SEC-akzeptierten Standards.
  • Bewiesene operative Reaktionsgeschwindigkeit: von einem auf drei Bohrgeräte in weniger als einem Monat (Februar bis März 2026), Bohrprogramm von zehn auf 26 eigene Bruttobohrungen ausgeweitet, laut Meldung vom 3. Juni 2026 leicht vor Plan und im Kostenrahmen.
  • Konsequente Kapitalrückführung: Dividende für 2025 auf 2,25 Euro je Aktie erhöht (Hauptversammlung 23. Juni 2026, 99,80 Prozent Zustimmung), drei Aktienrückkaufprogramme in Folge vorzeitig abgeschlossen, kumuliert rund 6,1 Prozent des Grundkapitals eingezogen.
  • Verbleibende Almonty-Position von rund 5,5 Millionen Aktien plus Wandelschuldverschreibungen und Darlehen als stille Reserve, die nach HGB nicht in der Bilanz sichtbar ist.

Was dagegen spricht:

  • Rund 162 der 365 Millionen Euro EBITDA-Prognose 2026 stammen aus zwei Almonty-Verkaufstranchen — ein einmaliger Ertrag, der sich nicht wiederholt, sobald die Beteiligung abgebaut ist.
  • Das operative Geschäft schrumpfte zuletzt: Umsatz 2025 minus 17 Prozent, erstes Quartal 2026 minus 26 Prozent, Förderung minus 15 Prozent, operativer Cashflow minus 37 Prozent, Betriebskosten je Barrel Öläquivalent von 8,80 auf 10,46 US-Dollar.
  • Die versprochene Produktionswende auf über 20.000 Barrel Öläquivalent pro Tag ab Juli 2026 ist bislang durch keinen veröffentlichten Pflichtbericht belegt — der Halbjahresbericht am 19. August 2026 ist der erste Test.
  • Der Ertrag hängt am Ölpreis und am Wechselkurs: Das Basisszenario der Prognose unterstellt 75 US-Dollar je Barrel, 3,50 US-Dollar je mcf Gas und 1,15 Dollar je Euro; allein Währungseffekte kosteten 2025 rund 7,7 Millionen Euro Umsatz und im ersten Quartal 2026 weitere 4,3 Millionen Euro Aufwand.
  • Finanzierung fast vollständig über Anleihen: 193,0 Millionen Euro nominal mit Kupons von 7,50 Prozent (fällig 26. September 2028) und 6,00 Prozent (fällig 13. November 2030) — beides in einem Umfeld, in dem Anschlussfinanzierungen vom Ölpreis mit abhängen.
  • Enger Markt: Grundkapital von zuletzt 4.706.735 dividendenberechtigten Aktien, Notierung im Freiverkehrssegment Scale, Vorstand und Aufsichtsrat hielten zum Jahresende 2025 rund 10 Prozent der Anteile.

Ein menschliches Fazit

Zurück zum Kontoauszug vom Anfang. Der der Deutschen Rohstoff wird für 2026 den schönsten Stand der Firmengeschichte zeigen — 355 bis 375 Millionen Euro EBITDA nach 132,0 Millionen im Vorjahr. Nichts daran ist geschönt, das Unternehmen legt jede Herkunft offen, und die Ad-hoc-Mitteilung vom 22. Juli 2026 nennt den Grund im zweiten Satz. Aber der Kontoauszug selbst sortiert nicht. Er zeigt eine Zahl, und unser Kopf macht daraus eine Geschichte über ein boomendes Ölgeschäft, obwohl in Wahrheit zwei sehr verschiedene Geschichten nebeneinanderliegen: ein Kerngeschäft, das 2025 und im ersten Quartal 2026 geschrumpft ist und dessen Wende erst noch bewiesen werden muss — und ein Beteiligungsverkauf, der glänzend gelungen ist und genau deshalb nur einmal funktioniert.

Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist das Rekordjahr echt?“ — es ist echt. Sie lautet: Welche Zeilen dieses Kontoauszugs kommen 2027 wieder? Der Geschäftsbericht selbst gibt darauf eine überraschend nüchterne Antwort: Für 2027 prognostiziert das Unternehmen ein EBITDA von 210 bis 230 Millionen Euro — deutlich weniger als 2026 und deutlich mehr als 2025. Genau dazwischen, ohne Aktienverkäufe, liegt die eigentliche Wette. Am 19. August 2026 kommt der Halbjahresbericht und zeigt die erste Hälfte der Antwort. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der jüngste veröffentlichte Periodenbericht ist der Quartalsbericht zum 31. März 2026 vom 12. Mai 2026; der Halbjahresbericht 2026 erscheint am 19. August 2026 und kann einzelne Aussagen dieser Analyse überholen. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien oder Anleihen der Deutsche Rohstoff AG.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen €, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2021 2022 2023 2024 2025
Umsatz 73,3 165,4 196,7 236,4 195,1
Betriebsergebnis (EBIT) 32,6 79,3 82,8 82,9 60,7
Nettogewinn 24,8 60,8 65,2 50,2 28,9
Nettomarge 33,8 % 36,7 % 33,1 % 21,2 % 14,8 %
Gewinn je Aktie 4,99 € 12,15 € 13,02 € 10,26 € 6,03 €

Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Unser Fazit auf einen Blick

Ergebnisqualität negativ
Von der EBITDA-Prognose 2026 über 355 bis 375 Millionen Euro stammen rund 162 Millionen aus zwei Verkaufstranchen der Beteiligung Almonty Industries (rund 97 Millionen im ersten Quartal, rund 65 Millionen laut Ad-hoc-Mitteilung vom 22. Juli 2026). Das ist ein einmaliger Ertrag, kein wiederkehrender.
Operative Entwicklung negativ
Der Umsatz sank 2025 um 17 Prozent auf 195,1 Millionen Euro und im ersten Quartal 2026 um weitere 26 Prozent auf 43,9 Millionen. Die Förderung fiel im Quartalsvergleich von 14.549 auf 12.322 Barrel Öläquivalent pro Tag (Jahresdurchschnitt 2025: 13.537), die Betriebskosten stiegen von 8,80 auf 10,46 US-Dollar je Barrel Öläquivalent, der operative Cashflow um 37 Prozent.
Bilanz und Finanzierung positiv
Eigenkapitalquote 47,8 Prozent zum 31. März 2026 nach 38,1 Prozent zum Jahresende 2025, Zahlungsmittel und Wertpapiere 148,7 Millionen Euro gegenüber 193,0 Millionen Euro Anleihen und 36,1 Millionen Euro Bankverbindlichkeiten. EBITDA-Zinsdeckung zum 31. Dezember 2025 bei 8,5, Nettoverschuldung zum EBITDA bei 1,1.
Reserven und Wachstumsplan positiv
Sichere und wahrscheinliche Reserven zum 31. Dezember 2025 um 46 Prozent auf 79 Millionen Barrel Öläquivalent gestiegen, PV10 bei 60 US-Dollar je Barrel WTI 542 Millionen US-Dollar. Das Bohrprogramm 2026 wurde von zehn auf 26 eigene Bruttobohrungen ausgeweitet, die Investitionen auf 215 bis 235 Millionen Euro erhöht.
Prognose-Unsicherheit neutral
Die angekündigte Produktion von über 20.000 Barrel Öläquivalent pro Tag ab Juli 2026 ist bislang nur über die Corporate News vom 3. Juni 2026 belegt, nicht über einen Periodenbericht. Der Halbjahresbericht 2026 am 19. August 2026 ist der erste Pflichtbericht, der sie zeigen kann.
Kapitalrückführung und Eigentümer positiv
Dividende für 2025 auf 2,25 Euro je Aktie erhöht und am 23. Juni 2026 mit 99,80 Prozent Zustimmung beschlossen; drittes Rückkaufprogramm in Folge vorzeitig abgeschlossen (83.306 Aktien zu durchschnittlich 90,03 Euro, Meldung vom 3. August 2026), kumuliert rund 6,1 Prozent des Grundkapitals eingezogen. Vorstand und Aufsichtsrat hielten Ende 2025 rund 10 Prozent.

Die Deutsche Rohstoff AG liefert 2026 das beste Ergebnis ihrer Geschichte — aber rund 162 der prognostizierten 365 Millionen Euro EBITDA stammen aus dem Verkauf von Almonty-Aktien, nicht aus der Förderung. Das Ölgeschäft selbst ist 2025 und im ersten Quartal 2026 geschrumpft, die Kosten je Barrel sind gestiegen, und die angekündigte Produktionswende ab Juli 2026 muss der Halbjahresbericht am 19. August 2026 erst belegen. Die Bilanz ist dabei stabil: 47,8 Prozent Eigenkapitalquote, 148,7 Millionen Euro Zahlungsmittel und Wertpapiere. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Gelb steht hier ausdrücklich nicht wegen eines Substanzrisikos. Die Bilanz ist zum 31. März 2026 in guter Verfassung: 47,8 Prozent Eigenkapitalquote, 148,7 Millionen Euro Zahlungsmittel und Wertpapiere gegen 229,1 Millionen Euro Finanzverbindlichkeiten, eine EBITDA-Zinsdeckung von 8,5 zum Jahresende 2025 und kein Hinweis auf gefährdete Fortführung. Gelb steht, weil zwei wesentliche operative Fragen offen sind. Erstens: Rund 162 der 365 Millionen Euro EBITDA-Prognose 2026 stammen aus zwei Almonty-Verkaufstranchen — ein Ertrag, der sich nicht wiederholt, sobald die Beteiligung abgebaut ist; das operative EBITDA liegt nach unserer Rechnung bei rund 203 Millionen Euro. Zweitens: Das Kerngeschäft ist zuletzt geschrumpft — Umsatz 2025 minus 17 Prozent, erstes Quartal 2026 minus 26 Prozent, Förderung im Quartalsvergleich minus 15 Prozent, Betriebskosten je Barrel Öläquivalent plus 19 Prozent —, und die versprochene Wende auf über 20.000 Barrel Öläquivalent pro Tag ab Juli 2026 ist bislang in keinem Periodenbericht dokumentiert. Das Geschäftsmodell selbst trägt erkennbar: Reserven von 79 Millionen Barrel Öläquivalent mit einem Barwert von 542 Millionen US-Dollar bei einem konservativ angenommenen Ölpreis von 60 US-Dollar, eine über Jahre eingehaltene Prognose und eine sehr schlanke Kostenstruktur mit 60 Mitarbeitern im Konzern. Ob sich die operativen Fragen auflösen, zeigt frühestens der Halbjahresbericht am 19. August 2026.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Aufhänger dieser Analyse ist die Rangliste der meistdiskutierten Aktien auf wallstreet-online.de (Abruf 4. August 2026, Zeitraum 24 Stunden): Deutsche Rohstoff auf Platz 44 mit sieben Beiträgen, die Beteiligung Almonty Industries auf Platz 3 mit 60 Beiträgen. Das ist ein Aufmerksamkeits-Signal, keine Kennzahl und keine Empfehlung.
  • Jüngster veröffentlichter Periodenbericht ist der Quartalsbericht zum 31. März 2026 (veröffentlicht 12. Mai 2026). Der Halbjahresbericht 2026 erscheint laut Finanzkalender am 19. August 2026 und kann Aussagen zu Förderung, Hedgebuch, Almonty-Restbeteiligung und Verschuldung überholen. Alle Kurs- und Bewertungsangaben haben den Datenstand 4. August 2026.
  • Die Gesellschaft bilanziert nach HGB, nicht nach IFRS: Hedging-Ergebnisse werden mit den Umsatzerlösen verrechnet, Beteiligungen dürfen höchstens zu Anschaffungskosten stehen, Wertsteigerungen erscheinen erst beim Verkauf im Ergebnis. Vergleiche mit IFRS-Bilanzierern sind deshalb nur eingeschränkt möglich; der Geschäftsbericht 2025 enthält eine eigene Überleitungsrechnung.
  • Verwechslungsgefahr: Das Kürzel DR0.DE ist eine Kurzschreibweise für „Deutsche Rohstoff, notiert in Deutschland“ — kein amtlicher Börsenplatz-Code. Nicht zu verwechseln mit der Deutschen Rohstoffagentur (DERA) der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, einer Behörde ohne Verbindung zur Aktiengesellschaft.
  • Der im Quartalsbericht Q1 2026 genannte Umsatzkorridor 2026 von 260 bis 310 Millionen Euro wurde bewusst nicht verwendet: Die Ad-hoc-Mitteilung vom 22. Juli 2026 nennt als aktuelle Umsatzprognose 260 bis 280 Millionen Euro, ebenso die Kennzahlenübersicht des Geschäftsberichts 2025.

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Aktien-Wächter

Diese Analyse ist Stand 4. August 2026. Was sich seitdem bei DR0.DE geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

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Häufige Fragen

Die Deutsche Rohstoff AG mit Sitz in Mannheim ist eine Beteiligungsholding. Ihr Geld verdienen US-Tochtergesellschaften mit der Förderung von Öl und Erdgas im Powder River Basin (Wyoming) und im Denver-Julesburg Basin (Colorado). Dazu kommt ein Portfolio börsennotierter Metall-Beteiligungen, dessen größter Posten der Wolframförderer Almonty Industries ist. Im Konzern arbeiteten 2025 durchschnittlich 60 Menschen.

Die Aktie notiert im Scale-Segment im Freiverkehr der Frankfurter Wertpapierbörse, nicht in den USA — es gibt kein 10-K, kein 10-Q und keine SEC-Registrierung. Gemeldet wird nach deutschem Recht: ein testierter Konzernabschluss, ein Halbjahresbericht, Quartalsberichte und Ad-hoc-Mitteilungen. Diese Analyse stützt sich auf den Geschäftsbericht 2025 und den Quartalsbericht zum 31. März 2026.

Weil ein großer Teil des Ergebnisses nicht aus dem Verkauf von Öl stammt, sondern aus dem Verkauf von Aktien der Beteiligung Almonty Industries. Diese Gewinne laufen als sonstige betriebliche Erträge ins EBITDA, ohne Umsatz zu erzeugen. Rund 97 Millionen Euro fielen im ersten Quartal 2026 an, weitere rund 65 Millionen im Juli 2026 — zusammen rund 162 der prognostizierten 365 Millionen Euro.

Almonty Industries ist ein kanadischer Wolframförderer mit Minen in Portugal und Südkorea, seit 2025 an der Nasdaq notiert. Die Deutsche Rohstoff hielt Ende 2025 rund acht Prozent und verkaufte 2026 in zwei Tranchen rund 14 Millionen Aktien mit einem Ergebnisbeitrag von zusammen rund 162 Millionen Euro. Nach dem Juli-Verkauf verbleiben rund 5,5 Millionen Aktien sowie Darlehen und Wandelschuldverschreibungen.

Zum 31. März 2026 standen Anleihen über 193,0 Millionen Euro (Kupons 7,50 Prozent bis September 2028 und 6,00 Prozent bis November 2030) und Bankverbindlichkeiten über 36,1 Millionen Euro in der Bilanz, dem gegenüber 148,7 Millionen Euro Zahlungsmittel und Wertpapiere. Die Eigenkapitalquote lag bei 47,8 Prozent, die EBITDA-Zinsdeckung zum Jahresende 2025 bei 8,5.

Es ist der auf heute abgezinste Netto-Cashflow der sicheren und wahrscheinlichen Öl- und Gasreserven — Erlöse minus Produktionssteuern, laufende Kosten und Investitionen, abgezinst mit 10 Prozent (PV10), Anteile von Partnern bereits abgezogen. Die Zahl gilt für einen angenommenen Ölpreis von 60 US-Dollar je Barrel WTI; bei 80 US-Dollar wären es 1,1 Milliarden US-Dollar.

Ja. Für das Geschäftsjahr 2025 beschloss die Hauptversammlung am 23. Juni 2026 mit 99,80 Prozent Zustimmung eine Dividende von 2,25 Euro je Aktie (Vorjahr: 2,00 Euro). Beim Xetra-Schlusskurs vom 4. August 2026 von 80,60 Euro entspricht das rund 2,8 Prozent. Zusätzlich kauft das Unternehmen seit 2024 jedes Jahr eigene Aktien zurück und zieht sie ein.

Der Halbjahresbericht 2026 erscheint laut Finanzkalender am 19. August 2026, der Quartalsbericht zum dritten Quartal am 17. November 2026. Der Halbjahresbericht ist der erste Pflichtbericht, in dem sich zeigen muss, ob die angekündigte Produktionssteigerung auf über 20.000 Barrel Öläquivalent pro Tag ab Juli 2026 tatsächlich eingetreten ist.

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