Börsenlotse
Kauftag heute: Schlecht Neutral (54 ) Gut Gemischte Marktbreite · Breite seitwärts (±0 zum 10-Tage-Schnitt) · kein Makro-Großtermin

Ziff Davis: Der Gewinn, den es nicht mehr gibt

Ziff Davis: Der Gewinn, den es nicht mehr gibt

Ziff Davis besitzt CNET, PCMag, Mashable, IGN, Humble Bundle, BabyCenter und RetailMeNot — zusammengekauft in fast 100 Übernahmen seit 2012. Für 2025 meldete der Konzern 1.451,3 Millionen US-Dollar Umsatz und 47,4 Millionen Gewinn. Am 17. Juni 2026 verkaufte er seine kleinste Sparte für 1,2 Milliarden US-Dollar bar an Accenture. Die Pro-forma-Rechnung, die er vier Tage später bei der US-Börsenaufsicht einreichen musste, zeigt schwarz auf weiß, was ohne diese Sparte übrig bleibt: ein Verlust von 9,8 Millionen. Wir lesen den Geschäftsbericht für 2025, den Quartalsbericht zum 31. März 2026 und die Pflichtmitteilungen zum Verkauf. Am Ende steht keine Empfehlung, sondern eine Quittung, die Du selbst lesen musst.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 19 Min. Lesezeit
Unternehmensprofil ansehen (ZD)

Supertiefe Analyse — die letzte Prüfung vor dem Kauf

Die Supertiefe Analyse ist unsere gründlichste Untersuchung — gedacht als letzte Entscheidungsgrundlage, bevor Du wirklich kaufst. Wir recherchieren die letzten 10 Geschäftsberichte (10-K), sämtliche Quartalsberichte (10-Q) aus diesem Zeitraum, alle relevanten Insider-Transaktionen, prüfen die Liquiditätslage inklusive Warnsignalen der letzten 5 Jahre und werten eine kuratierte Auswahl relevanter Nachrichten aus — ohne Spam- und Schrottmeldungen. Preis: einmalig 49 €.

Deine Supertiefe Analyse bekommst Du zuerst exklusiv; 30 Tage nach Lieferung veröffentlichen wir sie auch auf Börsenlotse.

Nach der Bestellung melden wir uns per E-Mail mit den Zahlungsdetails. Erstellt wird die Analyse nach Zahlungseingang — reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung.

Ziff Davis: Der Gewinn, den es nicht mehr gibt
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Die Quittungs-Falle

Stell Dir vor, ein Bekannter zeigt Dir stolz seine Jahresabrechnung. Ganz unten steht eine schwarze Zahl. Er hat gearbeitet, es hat sich gelohnt, alles gut. Was er nicht dazusagt: Die Hälfte davon kam aus einem Nebenjob, den er letzte Woche gekündigt hat.

Die Zahl stimmt. Sie ist geprüft, testiert, korrekt. Und trotzdem beschreibt sie eine Welt, die es nicht mehr gibt.

Genau das ist bei Ziff Davis passiert — und zwar nachweisbar, in einem Dokument, das die Firma selbst bei der US-Börsenaufsicht SEC einreichen musste. Wir nennen das hier die Quittungs-Falle: Wir lesen den Kassenbon von unten nach oben und vergessen zu prüfen, welche Posten überhaupt noch auf der Karte stehen.

Der Deal für diesen Artikel: Wir tippen die Rechnung gemeinsam nach. Zeile für Zeile, mit den Originalzahlen aus dem Geschäftsbericht 2025 (Formular 10-K), dem Quartalsbericht zum 31. März 2026 (Formular 10-Q) und den Pflichtmitteilungen (Formular 8-K) rund um den Verkauf. Am Ende weißt Du, was das fortgeführte Geschäft wirklich verdient — und was Ziff Davis dafür an Bargeld auf dem Konto hat.

Balkendiagramm: Konzernergebnis von Ziff Davis 2023 bis 2025 in blau mit 41,5, 63,0 und 47,4 Millionen US-Dollar, daneben in rot das Ergebnis ohne die verkaufte Sparte Connectivity mit minus 14,0, minus 1,8 und minus 9,8 Millionen
Drei Jahre, zweimal dieselbe Firma: links wie berichtet, rechts ohne die im Juni 2026 verkaufte Sparte. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Was Ziff Davis eigentlich macht

Ziff Davis ist kein Verlag im alten Sinn, sondern ein Bündel von Internetmarken unter einem gemeinsamen Dach. Der Konzern kauft Websites, Apps und Software-Dienste, hängt sie an eine gemeinsame Werbe- und Abo-Maschine und verdient dann auf drei Wegen: mit Werbung und Vermittlungsprovisionen, mit Abonnements und Lizenzen und mit einem Rest aus Hardware, Kursen und Spiele-Vertrieb.

Fünf Bereiche berichtet das Unternehmen getrennt. In Technologie & Shopping stecken CNET, PCMag, Mashable, Lifehacker, ZDNET und Spiceworks sowie die Sparfüchse RetailMeNot, VoucherCodes und Offers.com. In Gaming & Unterhaltung liegen IGN, Eurogamer, Rock Paper Shotgun und der Spiele-Shop Humble Bundle. In Gesundheit sammeln sich Everyday Health, MedPage Today, BabyCenter, What to Expect und die Abnehm-App Lose It!. In Cybersicherheit & Martech laufen VIPRE und Inspired eLearning. Und dann war da noch Connectivity — die Marke Ookla mit dem Speedtest, den weltweit Millionen Menschen benutzen, um ihre Internetgeschwindigkeit zu messen.

Diesen letzten Bereich gibt es im Konzern nicht mehr. Er ist verkauft. Dazu gleich mehr.

Zum Verständnis der Firmenhistorie: Bis zum 4. Oktober 2021 hieß das Unternehmen J2 Global, davor J2 Global Communications und ganz am Anfang JFAX.COM. Wer Kursverläufe oder alte Zahlen vor 2021 sucht, findet sie unter diesen Namen. Der Steuersitz ist Delaware, das Büro steht in New York, und rund 3.900 Menschen arbeiteten zum 31. Dezember 2025 für den Konzern, 55 Prozent davon in den USA.

Ein Satz aus dem Geschäftsbericht beschreibt das Geschäftsmodell besser als jede Analyse:

„The Company has made nearly 100 acquisitions between 2012 and 2025, including seven during 2025 (exclusive of any acquisitions that were part of businesses we have since divested).“

Übersetzung: „Das Unternehmen hat zwischen 2012 und 2025 fast 100 Übernahmen getätigt, darunter sieben im Jahr 2025 (ohne die Übernahmen, die Teil von Geschäften waren, die wir seither veräußert haben).“

— Ziff Davis, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1, Human Capital Resources

Markierte Textstelle aus dem Geschäftsbericht 2025: Ziff Davis nennt fast 100 Übernahmen zwischen 2012 und 2025, davon sieben im Jahr 2025
Fast 100 Übernahmen in dreizehn Jahren — die Firma nennt die Zahl selbst. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Fast 100 Übernahmen bedeuten: Fast alles, was Du in diesem Konzern siehst, wurde einmal bezahlt. Das prägt jede einzelne Zeile der Bilanz — und dazu kommen wir im Kapitel über den Firmenwert.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam

Die Aktie ist uns über unseren hauseigenen Aktien-Scanner „Turnaround-Kandidaten“ aufgefallen. Der prüft in vier Säulen, ob eine abgestürzte Aktie sich gerade fängt: Ist der Kurs wirklich tief gefallen? Ist das Überleben gesichert? Dreht der Betrieb? Bestätigt der Markt die Wende?

So machst Du es nach: Auf Aktien → Scanner den Eintrag „Turnaround-Kandidaten“ öffnen, oben rechts als Markt „USA“ wählen. Die Liste steht nach dem Wende-Check von 8 möglichen Punkten sortiert.

Und hier gehört sofort eine ehrliche Einordnung dazu. Am 27. Juli 2026 zählte der Scanner in der US-Auswahl 60 Treffer — auf beiden unserer Marken identisch. Ziff Davis kommt auf einen Wende-Check von 6 von 8. Das Problem: 44 dieser 60 Titel haben ebenfalls genau 6 Punkte. Sie belegen zusammen die Plätze 17 bis 60, und innerhalb dieser Gruppe entscheidet kein zweites Kriterium, sondern die zufällige Reihenfolge der Datenbank. Am selben Tag stand ZD auf der einen Instanz an Stelle 46, auf der anderen an Stelle 45. Eine exakte Platzierung wäre deshalb eine erfundene Genauigkeit — wir nennen sie nicht.

Noch ehrlicher: Die Scanner-Seite zeigt nur die 25 stärksten Treffer. Ziff Davis liegt darunter und ist auf der Liste gar nicht zu sehen. Die Aktie ist ein Treffer des Filters, aber kein Spitzenreiter. Wer sie sucht, findet sie über die Symbolseite, nicht über die Rangliste. Alle Listen werden übrigens täglich neu berechnet — die Zahlen dieses Abschnitts tragen deshalb den 27. Juli 2026 als Stichtag und können morgen anders aussehen.

Zwei weitere unserer Ranglisten führen ZD am selben Tag: das KCF-Ranking und das K-FCF-Ranking. Beide messen, wie viel Geld die Firma im Verhältnis zu ihrem Börsenwert tatsächlich erwirtschaftet — und da steht Ziff Davis gut da. Das ist der eine Teil der Geschichte.

Die Pflicht-Säulen des Turnaround-Filters übersetzt:

  • Absturz (Pflicht): mindestens 50 Prozent unter dem Allzeithoch. Der höchste Schlusskurs seit dem Börsenstart liegt bei 132,98 US-Dollar vom 9. November 2021. Am 24. Juli 2026 schloss die Aktie bei 51,60 — das sind 61,2 Prozent darunter. Erfüllt, und zwar deutlich.
  • Überleben (Pflicht): Der Altman-Z-Wert schätzt aus vier Bilanzverhältnissen die Pleitegefahr; alles unter 1,1 gilt im Scanner als Gefahrenzone. Unsere eigene Rechnung mit den Zahlen des Geschäftsberichts 2025 kommt auf 1,78 nach der Originalformel und auf 3,02 nach der für Nicht-Industriefirmen üblichen Variante. Beides liegt über der Schwelle. Die Eigenkapitalquote lag zum 31. März 2026 bei 50,7 Prozent — von jedem Euro Vermögen gehört also gut die Hälfte den Aktionären.
  • Handelbarkeit: Kurs über 3 US-Dollar, Handelsumsatz über 2 Millionen US-Dollar am Tag. Beides erfüllt.

Der Punktestand von 6 von 8 heißt im Klartext: sechs der acht Wende-Signale sprechen für die Aktie, zwei nicht. Das ist ordentlich, aber es ist kein Ausrufezeichen — ein Titel mit 8 von 8 stand am selben Tag ebenfalls auf der Liste.

Eine Kennzahl aus unserem Datenbestand verdient dabei eine Warnung. Für den Altman-Z-Wert ist dort 6,89 hinterlegt. Diesen Wert konnten wir aus dem geprüften Jahresabschluss nicht nachvollziehen — weder mit der Originalformel noch mit der Variante für Dienstleister. Wir rechnen im ganzen Artikel deshalb mit unseren eigenen Werten. Für den Scanner ändert das nichts, weil auch 1,78 über der Schwelle liegt. Für Dich ändert es etwas: Ein hübscher Kennzahlwert ist kein Ersatz für einen Blick in die Bilanz.

Die Zahlen über die Jahre — was wirklich beeindruckt

Fangen wir mit dem an, was ehrlich gut ist. Ziff Davis verdient Geld — richtiges, greifbares Geld.

Der operative Mittelzufluss, also das, was nach allen laufenden Kosten tatsächlich auf dem Konto ankommt, stieg von 320,0 Millionen US-Dollar (2023) über 390,3 Millionen (2024) auf 407,1 Millionen (2025). Nach Investitionen in Technik und Software von 119,2 Millionen blieben 2025 rund 287,9 Millionen freier Mittelzufluss übrig. In den beiden Jahren davor waren es 283,7 und 211,2 Millionen. Ein Konzern, der über drei Jahre hinweg jedes Jahr mehr Geld erwirtschaftet, macht nicht alles falsch.

Auch die Rohmarge ist beeindruckend: 2025 standen 1.451,3 Millionen Umsatz nur 206,6 Millionen direkte Kosten gegenüber. Das sind knapp 86 Prozent Rohertrag — typisch für ein Geschäft, bei dem der teuerste Teil einmal geschrieben und danach millionenfach abgerufen wird.

Und das Management gibt das Geld nicht sinnlos aus, sondern kauft eigene Aktien zurück. Zum 1. Januar 2023 gab es 47.269.446 Aktien; zum 4. Mai 2026 waren es 36.835.400. Das ist ein Rückgang um 22,1 Prozent in gut drei Jahren. Auf Deutsch: Wer 2023 dabei war und nichts getan hat, dem gehört heute ein größeres Stück vom selben Kuchen.

Die Umsatzreihe liest sich ebenfalls freundlich: 1.364,0 Millionen (2023), 1.401,7 Millionen (2024), 1.451,3 Millionen (2025). Drei Jahre, drei Mal ein Plus.

Das ist die eine Seite. Jetzt drehen wir den Zettel um.

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Gewinn kam aus der Sparte, die jetzt weg ist

Am 2. März 2026 unterschrieb Ziff Davis einen Kaufvertrag mit Accenture: Die Sparte Connectivity — die Marke Ookla mit dem Speedtest — wechselt für 1,2 Milliarden US-Dollar in bar den Besitzer. Am 17. Juni 2026 war der Verkauf vollzogen. Nach Kaufpreisanpassung und Verkaufskosten flossen 1.194,4 Millionen zu, davon liegen 37,0 Millionen für 18 Monate auf einem Treuhandkonto.

Vier Tage später musste Ziff Davis nachliefern, was die US-Vorschriften bei so einem Verkauf verlangen: eine Vergleichsrechnung, die zeigt, wie die vergangenen Jahre ohne diese Sparte ausgesehen hätten. Sie steht in der Pflichtmitteilung 8-K/A vom 22. Juni 2026, und sie ist der eigentliche Sprengsatz dieser Analyse.

Pro-forma-Erfolgsrechnung für 2025 aus der Pflichtmitteilung 8-K/A: berichteter Gewinn 47.354 Tausend US-Dollar, aufgegebener Bereich minus 57.153, verbleibender Verlust minus 9.799
Die Zeile „Net income (loss)“ ganz unten: 47.354 wie berichtet, minus 57.153 für die verkaufte Sparte, minus 9.799 bleiben übrig — in Tausend US-Dollar. Quelle: SEC-Pflichtmitteilung 8-K/A vom 22.06.2026, Anlage 99.1, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Rechnung geht so: 47,4 Millionen US-Dollar Konzerngewinn 2025, minus 57,2 Millionen, die auf die verkaufte Sparte entfielen, bleiben minus 9,8 Millionen. Aus einem Gewinn je Aktie von 1,15 US-Dollar wird ein Verlust von 0,24.

Und das war kein Ausrutscher. Dieselbe Rechnung für 2024 ergibt einen Verlust von 1,8 Millionen (statt 63,0 Millionen Gewinn), für 2023 einen Verlust von 14,0 Millionen (statt 41,5 Millionen Gewinn). Drei Jahre in Folge hat der Rest des Konzerns unter dem Strich nichts verdient. Sichtbar wird das erst, seit die Firma die Sparte losgeschlagen hat.

Warum das so ist, zeigt die Spartenrechnung. Connectivity war 2025 mit 230,7 Millionen der kleinste Umsatzbringer — 15,9 Prozent des Konzerns. Beim Betriebsergebnis stand die Sparte aber für 76,1 von 256,4 Millionen aller Spartenergebnisse, also fast dreißig Prozent. Die Betriebsmarge lag bei 33,0 Prozent; im Rest des Konzerns bei rund 8,6 Prozent nach Abzug des nicht verteilten Konzern-Overheads von 73,3 Millionen.

Balkendiagramm: Umsatz und Betriebsergebnis der fünf Sparten von Ziff Davis 2025 — Technologie und Shopping 356,6 zu 9,3, Gaming und Unterhaltung 183,6 zu 53,0, Gesundheit 402,4 zu 89,4, Connectivity 230,7 zu 76,1, Cybersicherheit und Martech 278,0 zu 28,6 Millionen US-Dollar
Die verkaufte Sparte war die kleinste — und nach der Gesundheitssparte die ertragreichste. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Besonders unangenehm ist der Blick auf die größte Umsatzsparte: Technologie & Shopping — also CNET, PCMag, Mashable und RetailMeNot — setzte 2025 zwar 356,6 Millionen um, verdiente daran aber nur 9,3 Millionen. In den beiden Jahren davor stand dort ein Verlust von 71,1 (2024) und 50,5 Millionen (2023). Das ist die Sparte mit den bekanntesten Markennamen. Und es ist die, in der bislang am wenigsten hängen blieb.

Der aktuellste Beleg steht im Quartalsbericht zum 31. März 2026, dem letzten vor Redaktionsschluss: Das fortgeführte Geschäft setzte 267,6 Millionen um (nach 272,8 im Vorjahresquartal), erwirtschaftete 2,9 Millionen Betriebsergebnis (nach 14,5) und schrieb unter dem Strich einen Verlust von 0,8 Millionen. Der ausgewiesene Quartalsgewinn von 22,3 Millionen kam zu 23,0 Millionen aus dem aufgegebenen Bereich — also aus der Sparte, die es im Konzern nicht mehr gibt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Ohne Zukäufe schrumpft der Umsatz

Erinnerst Du Dich an die freundliche Umsatzreihe von oben? 1.364,0 — 1.401,7 — 1.451,3 Millionen. Drei Jahre Wachstum. Jetzt schauen wir, woher es kam.

2024 kaufte Ziff Davis zwei größere Unternehmen: die Gutschein- und Geschenkkarten-Plattform TDS Gift Cards (Februar 2024) und das Technikportal CNET (September 2024), zusammen für 365,1 Millionen US-Dollar. Der Geschäftsbericht schreibt dazu einen Satz, den man zweimal lesen sollte:

„For the year ended December 31, 2024, the Company recorded $83.2 million of incremental revenue from the businesses acquired during 2024.“

Übersetzung: „Für das am 31. Dezember 2024 endende Jahr verbuchte das Unternehmen 83,2 Millionen US-Dollar Zusatzumsatz aus den 2024 erworbenen Geschäften.“

— Ziff Davis, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Anhang 4 — Acquisitions and Dispositions

Markierte Textstelle aus dem Geschäftsbericht 2025: Die 2024 erworbenen Geschäfte brachten 83,2 Millionen US-Dollar Zusatzumsatz
83,2 Millionen Zusatzumsatz aus Zukäufen — bei 37,7 Millionen Umsatzplus im ganzen Jahr. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rechne mit: Der Umsatz stieg 2024 um 37,7 Millionen. Die Zukäufe steuerten 83,2 Millionen bei. Also ist das Bestandsgeschäft im selben Jahr um rund 45,5 Millionen geschrumpft — 3,3 Prozent.

Der Geschäftsbericht liefert die Gegenprobe gleich mit. Im Anhang 4 steht eine Vergleichsrechnung, in der TDS und CNET so behandelt werden, als hätten sie schon ab dem 1. Januar 2023 zum Konzern gehört. Auf dieser wirklich vergleichbaren Basis lag der Umsatz 2024 bei 1.470,2 Millionen — nach 1.521,1 Millionen im Jahr 2023. Ein Minus von 3,3 Prozent, exakt derselbe Befund aus einer zweiten Richtung.

Das ist der Kern des Geschäftsmodells: Ziff Davis kauft Wachstum. 2023 flossen 9,5 Millionen in Übernahmen, 2024 waren es 217,6 Millionen, 2025 noch einmal 67,3 Millionen für sieben Firmen. Solange gekauft wird, wächst die Umsatzzeile. Hört das Kaufen auf, hört auch das Wachstum auf.

Und Zukäufe gehen nicht immer gut aus. Am 31. Dezember 2025 verkaufte Ziff Davis sein Spiele-Verlagsgeschäft und buchte dabei einen Verlust von 58,0 Millionen US-Dollar. Ein ähnliches Muster kennen wir aus unserer Analyse von Teradata, wo ein solides Altgeschäft ebenfalls Jahr für Jahr ein Stück kleiner wird, während die Firma die Wende sucht.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Mehr Firmenwert als Eigenkapital

Wenn eine Firma eine andere kauft und mehr bezahlt, als deren Vermögensgegenstände wert sind, landet die Differenz als „Firmenwert“ in der Bilanz. Stell Dir das wie den Aufpreis für den guten Ruf vor: Du hast ihn bezahlt, anfassen kannst Du ihn nicht. Bei fast 100 Übernahmen summiert sich das.

Zum 31. Dezember 2025 standen in der Bilanz von Ziff Davis:

  • 1.607,5 Millionen US-Dollar Firmenwert
  • 344,2 Millionen immaterielle Vermögenswerte (Markennamen, Kundenbeziehungen, gekaufte Technik)
  • zusammen 1.951,7 Millionen

Dem stand ein Eigenkapital von 1.753,6 Millionen gegenüber. Das heißt: Der bezahlte Aufpreis für Zukäufe war 11 Prozent größer als das gesamte Eigenkapital. Zieht man beides ab, bleibt ein materieller Buchwert von minus 198,1 Millionen US-Dollar. Rein rechnerisch gehörte den Aktionären zum Jahresende 2025 an handfestem Vermögen weniger als nichts.

Die immateriellen Werte sind dabei schon weitgehend abgeschrieben: Bei Anschaffungskosten von 1.606,5 Millionen stehen 1.262,3 Millionen aufgelaufene Abschreibungen — 78,6 Prozent. Das ist der Grund für die auffällig hohe Abschreibungslast von 228,7 Millionen im Jahr 2025, immerhin 15,8 Prozent des Umsatzes. Sie drückt den ausgewiesenen Gewinn, ohne Geld zu kosten — deshalb sieht der Mittelzufluss so viel besser aus als der Gewinn.

Und der Firmenwert wird regelmäßig auf die Probe gestellt. Der Prüfer KPMG hat die Bewertung ausdrücklich als besonders wichtigen Prüfungssachverhalt benannt. Die Ergebnisse der letzten drei Jahre: 56,9 Millionen Abschreibung 2023, 85,3 Millionen 2024, 17,6 Millionen 2025 — zusammen 159,8 Millionen. Aufgelaufen sind zum 31. Dezember 2025 Wertminderungen von 169,5 Millionen in der Sparte Technologie & Shopping und 17,6 Millionen in Cybersicherheit & Martech.

Genau dort lauert die nächste Frage. In Cybersicherheit & Martech stehen 540,0 Millionen Firmenwert — der größte Einzelposten. Gleichzeitig ist das Betriebsergebnis dieser Sparte von 55,0 Millionen (2024) auf 28,6 Millionen (2025) gefallen, der Umsatz von 283,5 auf 278,0 Millionen. Eine Sparte, deren Ergebnis sich halbiert, während 540 Millionen Aufpreis in den Büchern stehen, ist der natürliche Kandidat für die nächste Abschreibung.

Die gute Nachricht: Nach dem Verkauf sieht das deutlich freundlicher aus. Die Pro-forma-Bilanz zum 31. März 2026 weist ein Eigenkapital von 2.404,3 Millionen aus, dem 1.343,8 Millionen Firmenwert und 314,1 Millionen immaterielle Werte gegenüberstehen. Der materielle Buchwert dreht damit auf plus 746,4 Millionen. Der 1,2-Milliarden-Scheck hat das Loch gestopft.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die KI liest mit

Ziff Davis lebt davon, dass Menschen seine Artikel lesen. Wer wissen will, welcher Fernseher taugt, sucht bei Google, landet bei PCMag oder CNET und sieht dort Werbung. Genau dieser Weg ändert sich gerade. Wenn eine KI-Antwortmaschine die Information direkt ausspuckt, klickt niemand mehr auf die Quelle.

Der Konzern schreibt das in seinem Geschäftsbericht selbst als Risiko auf:

„Developments in the use of generative AI and related technologies make it easier to access, duplicate, and distribute our content, or otherwise generate output based on our content, without authorization, fair compensation, or proper attribution. These technologies may reduce our online traffic and audience sizes, infringe our intellectual property rights, and adversely affect our business, financial condition, and results of operations.“

Übersetzung: „Die Entwicklungen beim Einsatz generativer KI und verwandter Techniken machen es leichter, auf unsere Inhalte zuzugreifen, sie zu vervielfältigen und zu verbreiten oder auf ihrer Grundlage Ergebnisse zu erzeugen — ohne Erlaubnis, ohne angemessene Vergütung und ohne ordentliche Quellenangabe. Diese Techniken können unseren Online-Verkehr und unsere Reichweite verringern, unsere Schutzrechte verletzen und unser Geschäft, unsere Finanzlage und unsere Ergebnisse beeinträchtigen.“

— Ziff Davis, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A — Risk Factors

Markierter Risikohinweis aus dem Geschäftsbericht 2025: Generative KI könnte den Online-Verkehr und die Reichweite von Ziff Davis verringern
Der Risikohinweis im Original: KI-Techniken „may reduce our online traffic and audience sizes“. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Ziff Davis wehrt sich juristisch. Am 24. April 2025 verklagte der Konzern OpenAI wegen Urheberrechtsverletzung; das Verfahren wurde am 14. Mai 2025 mit anderen Klagen gegen OpenAI vor dem Bundesbezirksgericht im südlichen Bezirk von New York zusammengelegt. Am 6. Februar 2026 folgte eine Klage gegen Google und Alphabet wegen kartellrechtlicher Verstöße rund um Anzeigenserver und Anzeigenbörsen. Beide Verfahren waren zum Quartalsbericht vom 8. Mai 2026 offen. Ein Ausgang ist nicht absehbar, ein Betrag steht nirgends.

Eine Fußnote mit Ironie: Im Juli 2023 hatte Ziff Davis für 25,0 Millionen US-Dollar eine Minderheitsbeteiligung am KI-Unternehmen OpenEvidence gekauft. Am 24. April 2025 — demselben Tag, an dem die Klage gegen OpenAI eingereicht wurde — verkaufte der Konzern diese Beteiligung für 29,7 Millionen wieder. Der Gewinn von rund 4,7 Millionen entspricht nicht einmal einem Zehntel dessen, was allein die Abschreibung eines einzigen Quartals ausmacht.

Was die Aktie kostet — nach dem Verkauf

Jetzt wird es interessant, denn die Bewertung hat sich durch den Verkauf grundlegend verschoben. Alle folgenden Zahlen beziehen sich auf 36.835.400 Aktien (Stand 4. Mai 2026, Deckblatt des Quartalsberichts) und einen Schlusskurs von 51,60 US-Dollar am 24. Juli 2026. Daraus ergibt sich ein Börsenwert von rund 1.900,7 Millionen US-Dollar. Wir verwenden diese Größe als datierten Bewertungsanker, nicht als Kursprognose.

Die Kasse. Die Pro-forma-Bilanz zum 31. März 2026 zeigt 1.676,7 Millionen US-Dollar Kasse. Dem stehen 867,1 Millionen Schulden gegenüber: 460,0 Millionen Anleihe zu 4,625 Prozent bis Oktober 2030, 263,1 Millionen Wandelanleihe zu 3,625 Prozent bis März 2028 und 149,1 Millionen Wandelanleihe zu 1,75 Prozent, fällig am 1. November 2026. Unterm Strich also rund 809,6 Millionen Netto-Kasse — 42,6 Prozent des gesamten Börsenwerts liegen als Bargeld auf dem Konto.

Der Buchwert. Das Pro-forma-Eigenkapital von 2.404,3 Millionen entspricht 65,27 US-Dollar je Aktie. Bei einem Kurs von 51,60 zahlst Du also 0,79 Buchwerte — die Börse bewertet den Konzern unter dem, was rechnerisch drinsteckt.

Der Umsatz. Zieht man die Netto-Kasse vom Börsenwert ab, bleibt ein Unternehmenswert von rund 1.091 Millionen. Gegen den Pro-forma-Umsatz 2025 von 1.220,5 Millionen sind das 0,89 Jahresumsätze. Für ein Medienhaus mit fast 86 Prozent Rohmarge ist das nicht teuer.

Der Gewinn. Und hier hört die schöne Rechnung auf. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis auf fortgeführter Basis lässt sich nicht bilden, weil das fortgeführte Geschäft in der Pro-forma-Rechnung in allen drei Jahren einen Verlust auswies. Gegen das Pro-forma-Betriebsergebnis 2025 von 104,9 Millionen ergibt sich ein Unternehmenswert vom 10,4-Fachen — solide, aber eben auf ein Ergebnis bezogen, von dem nach Zinsen, Steuern und Abschreibungen nichts übrig blieb.

Der Blick der Profis passt ins Bild: Das durchschnittliche Kursziel der Analysten lag im Datenbestand vom 24. Juli 2026 bei 49,40 US-Dollar — also unter dem damaligen Kurs. Die Aktie hatte zu diesem Zeitpunkt bereits eine kräftige Erholung hinter sich: vom Jahrestief bei 26,51 US-Dollar innerhalb der zurückliegenden 52 Wochen bis auf 5,1 Prozent unter das 52-Wochen-Hoch von 54,38.

Eine Kennzahl noch zur Einordnung der Bilanzqualität: Der Piotroski-Punktestand prüft neun Merkmale einer gesunden Bilanzentwicklung. Unsere eigene Nachrechnung 2025 gegen 2024 ergibt 7 von 9. Sechs von neun wären okay, aber nicht gut; sieben ist ordentlich. Allerdings ist einer dieser Punkte ein reiner Buchungseffekt: Er zählt, weil die langfristige Verschuldung gesunken ist — tatsächlich ist nur die Wandelanleihe über 149,1 Millionen ins kurzfristige Fremdkapital gerutscht, die Gesamtschulden blieben mit 866,5 gegenüber 864,3 Millionen praktisch gleich. Ehrlich gerechnet sind es also 6 von 9.

Übrigens: Ziff Davis hat seit August 2020 kumuliert 13.516.973 eigene Aktien für 755,3 Millionen US-Dollar zurückgekauft — im Schnitt 55,88 US-Dollar je Aktie, also über dem Kurs vom 24. Juli 2026. Der Jahrgang 2025 war mit rund 35,72 US-Dollar je Aktie dagegen gut getroffen. Wie ein Konzern mit Rückkäufen umgeht, sagt oft mehr über das Management als jede Präsentation — wir haben das ausführlicher in unserer Analyse von Xerox beschrieben.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Ziff Davis spricht

  • Bargeld im Überfluss. 1.676,7 Millionen US-Dollar Kasse gegen 867,1 Millionen Schulden in der Pro-forma-Bilanz zum 31. März 2026. Die im November 2026 fällige Wandelanleihe über 149,1 Millionen ist damit ein Buchungsvorgang, kein Problem.
  • Der Konzern erwirtschaftet echtes Geld. 407,1 Millionen operativer Mittelzufluss 2025, 287,9 Millionen freier Mittelzufluss nach Investitionen — der dritte Anstieg in Folge.
  • Die Bewertung ist nüchtern. 0,79 Buchwerte und rund 0,89 Jahresumsätze auf Pro-forma-Basis, gerechnet mit dem Kurs vom 24. Juli 2026.
  • Aktienzahl sinkt verlässlich. Von 47.269.446 (1. Januar 2023) auf 36.835.400 (4. Mai 2026), minus 22,1 Prozent. Am 22. Februar 2026 hat der Verwaltungsrat die Ermächtigung um zehn Millionen Aktien aufgestockt.
  • Die Gesundheitssparte wächst. 402,4 Millionen Umsatz 2025 nach 362,4 Millionen — plus 11,0 Prozent, bei einem Betriebsergebnis von 89,4 Millionen.

Was gegen Ziff Davis spricht

  • Das fortgeführte Geschäft schrieb rote Zahlen. Pro forma minus 9,8 Millionen (2025), minus 1,8 (2024), minus 14,0 (2023). Im ersten Quartal 2026 minus 0,8 Millionen.
  • Wachstum nur mit Scheckbuch. 83,2 Millionen Zusatzumsatz aus Zukäufen 2024 bei 37,7 Millionen Gesamtwachstum; die Vergleichsrechnung im Geschäftsbericht zeigt für 2024 ein Minus von 3,3 Prozent gegenüber 2023.
  • Der Firmenwert bleibt eine offene Rechnung. 540,0 Millionen entfallen auf Cybersicherheit & Martech, deren Betriebsergebnis sich 2025 auf 28,6 Millionen halbiert hat. 2025 wurden dort bereits 17,6 Millionen abgeschrieben.
  • KI greift das Geschäftsmodell an. Der eigene Risikobericht nennt sinkenden Online-Verkehr ausdrücklich. Die Klagen gegen OpenAI und Google sind offen, ein Ergebnis ist nicht terminiert.
  • Die stärkste Marke verdient am wenigsten. Technologie & Shopping mit CNET, PCMag und Mashable brachte 2025 bei 356,6 Millionen Umsatz nur 9,3 Millionen Betriebsergebnis — nach zwei Verlustjahren.
  • Der Verkauf war kein reiner Segen. Auf den Buchgewinn von 874,2 Millionen fallen laut Pro-forma-Rechnung 181,7 Millionen Steuern an.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Quittung vom Anfang. Sie stimmt — nur beschreibt sie eine Firma, die es so nicht mehr gibt.

Ziff Davis hat mit dem Verkauf etwas getan, das viele Konzerne scheuen: Es hat den ertragreichsten Baustein abgegeben und dafür Bargeld genommen. Man kann das für klug halten — der Preis war hoch, das Geld ist real, die Bilanz ist danach kerngesund. Man kann es für gefährlich halten — was übrig bleibt, sind Werbeportale in einem Markt, in dem KI-Antwortmaschinen gerade beginnen, den Menschen den Klick abzunehmen.

Was Du auf keinen Fall tun solltest: die alte Quittung weiterlesen. Der Gewinn von 47,4 Millionen aus dem Jahr 2025 gehört zu einem Konzern mit Ookla. Der Konzern von heute hat 1,68 Milliarden auf dem Konto, einen Buchwert über dem Börsenkurs — und drei Jahre in Folge, in denen der verbliebene Teil unter dem Strich nichts verdient hat.

Die entscheidende Frage steht nicht in einem Bericht, sondern kommt erst noch: Was macht das Management mit 1,68 Milliarden? Kauft es die nächsten zwanzig Websites? Kauft es eigene Aktien zurück, solange sie unter Buchwert notieren? Oder liegt das Geld herum und verliert an Wert? Die erste belastbare Antwort liefert der nächste Quartalsbericht — der erste, in dem das fortgeführte Geschäft ganz allein dastehen muss.

Was Du daraus machst, ist Deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Journalistische Einordnung, keine Anlageberatung. Dieser Beitrag ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren und ersetzt keine individuelle Beratung. Aktien können erheblich schwanken; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Alle Zahlen stammen aus den oben verlinkten Originaldokumenten und tragen den jeweils genannten Stichtag. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Ziff Davis, Inc.

Unser Fazit auf einen Blick

Ertragskraft des fortgeführten Geschäfts negativ
Die Pro-forma-Rechnung vom 22.06.2026 weist ohne die verkaufte Sparte für 2025 einen Verlust von 9,8 Mio. US-Dollar aus, für 2024 einen von 1,8 und für 2023 einen von 14,0 Mio. Im ersten Quartal 2026 stand im fortgeführten Geschäft ein Verlust von 0,8 Mio. bei einem Betriebsergebnis von nur 2,9 Mio. (Vorjahresquartal 14,5 Mio.).
Wachstum aus eigener Kraft negativ
Der Geschäftsbericht 2025 beziffert den Zusatzumsatz der 2024 erworbenen Firmen auf 83,2 Mio. US-Dollar bei einem Gesamtwachstum von 37,7 Mio. Die Vergleichsrechnung im Anhang 4 zeigt für 2024 einen Umsatz von 1.470,2 Mio. nach 1.521,1 Mio. im Jahr 2023 — minus 3,3 Prozent auf gleicher Basis.
Kapitalfluss und Rohmarge positiv
Der operative Mittelzufluss stieg 2025 zum dritten Mal in Folge auf 407,1 Mio. US-Dollar; nach Investitionen von 119,2 Mio. blieben 287,9 Mio. freier Mittelzufluss. Der Rohertrag lag 2025 bei 1.244,7 Mio. auf 1.451,3 Mio. Umsatz, also knapp 86 Prozent.
Bilanz nach dem Verkauf positiv
Die Pro-forma-Bilanz zum 31.03.2026 zeigt 1.676,7 Mio. US-Dollar Kasse gegen 867,1 Mio. Schulden und ein Eigenkapital von 2.404,3 Mio. Der materielle Buchwert dreht von minus 198,1 Mio. (31.12.2025) auf plus 746,4 Mio. Die am 01.11.2026 fällige Wandelanleihe über 149,1 Mio. ist damit gedeckt.
Firmenwert und Abschreibungsrisiko neutral
Von 1.607,5 Mio. US-Dollar Firmenwert zum 31.12.2025 entfielen 540,0 Mio. auf Cybersicherheit & Martech, deren Betriebsergebnis von 55,0 auf 28,6 Mio. gefallen ist und wo 2025 bereits 17,6 Mio. abgeschrieben wurden. Aufgelaufene Wertminderungen im Konzern: 187,1 Mio. Der Prüfer KPMG führt die Bewertung als besonders wichtigen Prüfungssachverhalt.
Strukturelles Marktrisiko durch KI negativ
Der eigene Risikobericht im 10-K für 2025 nennt sinkenden Online-Verkehr und schrumpfende Reichweite durch generative KI ausdrücklich. Ziff Davis klagt seit dem 24.04.2025 gegen OpenAI und seit dem 06.02.2026 gegen Google und Alphabet; beide Verfahren waren am 08.05.2026 offen, ein Betrag ist nirgends beziffert.

Ziff Davis steht nach dem Verkauf der Sparte Connectivity für 1,2 Mrd. US-Dollar finanziell so solide da wie lange nicht: 1.676,7 Mio. Kasse gegen 867,1 Mio. Schulden, ein Eigenkapital über dem Börsenwert und 287,9 Mio. freier Mittelzufluss im Jahr 2025. Gleichzeitig hat die eigene Pro-forma-Rechnung offengelegt, dass der Rest des Konzerns in den Jahren 2023 bis 2025 unter dem Strich nichts verdient hat und ohne Zukäufe geschrumpft ist. Substanz ist reichlich vorhanden, der Beweis der Ertragskraft steht aus. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Die Ampel beurteilt das Unternehmen, nicht den Kurs. Ein belegter Substanzbefund liegt nicht vor: Das Eigenkapital ist mit 1.721,5 Mio. US-Dollar zum 31.03.2026 klar positiv und steigt in der Pro-forma-Bilanz nach dem Verkauf auf 2.404,3 Mio., die Eigenkapitalquote liegt bei 50,7 Prozent, die Kasse übersteigt die Schulden um rund 809,6 Mio., es gibt keinen Hinweis auf eine gefährdete Unternehmensfortführung, keine Notierungsgefahr und ein uneingeschränktes Testat von KPMG vom 24.02.2026. Offen ist dafür die operative Kernfrage: Die eigene Pro-forma-Rechnung vom 22.06.2026 weist für das fortgeführte Geschäft in allen drei Jahren 2023 bis 2025 einen Verlust aus (minus 14,0, minus 1,8 und minus 9,8 Mio.), das Wachstum stammte laut Geschäftsbericht aus Zukäufen (83,2 Mio. Zusatzumsatz 2024 bei 37,7 Mio. Gesamtplus), und 540,0 Mio. Firmenwert stehen in einer Sparte, deren Betriebsergebnis sich 2025 auf 28,6 Mio. halbiert hat. Dazu kommt das im eigenen Risikobericht benannte strukturelle Risiko durch generative KI. Deshalb gelb: viel Substanz, unbewiesene Ertragskraft.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Aufhänger: hauseigener Aktien-Scanner „Turnaround-Kandidaten“ (US-Auswahl), gemessen am 27.07.2026 auf beiden Marken — 60 Treffer, Wende-Check 6 von 8. 44 der 60 Titel teilen diesen Wert und belegen die Plätze 17 bis 60; die Reihenfolge innerhalb dieser Gruppe ist eine reine Datenbank-Sortierung ohne Zweitkriterium. Sichtbar sind nur die 25 stärksten Treffer, Ziff Davis liegt darunter. Alle Listen werden täglich neu berechnet.
  • Datenstand: Kurs-, Bewertungs- und Kennzahlendaten vom 24.07.2026; Bilanz- und Ergebniszahlen aus dem 10-K für 2025 (24.02.2026), dem 10-Q zum 31.03.2026 (08.05.2026) und der Pro-forma-Rechnung im 8-K/A (22.06.2026).
  • Der im Datenbestand gespeicherte Altman-Z-Wert von 6,89 ließ sich aus dem geprüften Jahresabschluss nicht nachvollziehen. Eigene Rechnung: 1,78 nach der Originalformel, 3,02 nach der Z-Doppelstrich-Variante für Nicht-Industrieunternehmen. Beide liegen über der Scanner-Schwelle von 1,1.
  • Verwechslungsgefahr: Ziff Davis hieß bis Oktober 2021 J2 Global. Kurs- und Ergebnisreihen vor 2021 laufen unter diesem Namen. Das 2021 abgespaltene Cloud-Fax-Geschäft firmiert als eigenständige Gesellschaft Consensus; Ziff Davis hält seit 2024 keine Consensus-Aktien mehr.
  • Pflichtprüfung zum 27.07.2026: kein Formular 25, kein Formular 15, kein SC 14D9, kein SC 13E3 und kein DEFM14A in der SEC-Einreichungsliste. Ziff Davis ist Verkäufer einer Sparte, nicht Übernahmeziel.

Häufige Fragen

Ziff Davis hat am 17. Juni 2026 seine Sparte Connectivity — die Marke Ookla mit dem Speedtest — für 1,2 Milliarden US-Dollar in bar an Accenture verkauft. Nach einer Kaufpreisanpassung von 16,1 Millionen und Verkaufskosten von 21,7 Millionen flossen 1.194,4 Millionen zu; davon liegen 37,0 Millionen auf einem Treuhandkonto. Der Buchgewinn vor Steuern beträgt 874,2 Millionen US-Dollar.

Die Sparte Connectivity brachte 2025 nur 15,9 Prozent des Konzernumsatzes, aber 76,1 von 256,4 Millionen US-Dollar aller Spartenergebnisse. Ihre Betriebsmarge lag bei 33,0 Prozent, die des restlichen Konzerns bei rund 8,6 Prozent. In der Pro-forma-Rechnung vom 22. Juni 2026 bleibt ohne sie für 2025 ein Verlust von 9,8 Millionen, für 2024 einer von 1,8 und für 2023 einer von 14,0 Millionen.

Nein, nicht in den zuletzt berichteten Jahren. Der Geschäftsbericht 2025 beziffert den Zusatzumsatz der 2024 gekauften Firmen auf 83,2 Millionen US-Dollar, während der Konzernumsatz insgesamt nur um 37,7 Millionen stieg. Die Vergleichsrechnung im Anhang 4, in der beide Zukäufe schon ab Anfang 2023 mitlaufen, zeigt für 2024 einen Umsatz von 1.470,2 Millionen nach 1.521,1 Millionen 2023 — ein Minus von 3,3 Prozent.

Zum 31. Dezember 2025 standen 1.607,5 Millionen US-Dollar Firmenwert und 344,2 Millionen immaterielle Werte einem Eigenkapital von 1.753,6 Millionen gegenüber — der materielle Buchwert lag bei minus 198,1 Millionen. Nach dem Verkauf dreht er in der Pro-forma-Bilanz auf plus 746,4 Millionen. Offen bleiben 540,0 Millionen Firmenwert in der Sparte Cybersicherheit & Martech, deren Betriebsergebnis 2025 auf 28,6 Millionen halbiert wurde.

Der Geschäftsbericht 2025 nennt generative KI ausdrücklich als Risiko: Die Techniken könnten Online-Verkehr und Reichweite verringern und Schutzrechte verletzen. Ziff Davis klagt seit dem 24. April 2025 gegen OpenAI wegen Urheberrechtsverletzung und seit dem 6. Februar 2026 gegen Google und Alphabet wegen kartellrechtlicher Verstöße im Anzeigengeschäft. Beide Verfahren waren am 8. Mai 2026 offen.

Zum 31. Dezember 2025 lag die festverzinsliche Verschuldung bei 866,5 Millionen US-Dollar: 149,1 Millionen Wandelanleihe zu 1,75 Prozent mit Fälligkeit am 1. November 2026, 263,1 Millionen Wandelanleihe zu 3,625 Prozent bis März 2028 und 460,0 Millionen Anleihe zu 4,625 Prozent bis Oktober 2030. Dem stehen in der Pro-forma-Bilanz zum 31. März 2026 1.676,7 Millionen Kasse gegenüber.

Weil die Liste nur die 25 stärksten Treffer zeigt. Am 27. Juli 2026 zählte der Scanner 60 US-Treffer; Ziff Davis erreicht 6 von 8 Punkten im Wende-Check — genau wie 44 weitere Titel, die zusammen die Plätze 17 bis 60 belegen. Innerhalb dieser Gleichstands-Gruppe entscheidet keine Kennzahl, sondern die Reihenfolge der Datenbank. Ziff Davis liegt daher unterhalb der sichtbaren Grenze.

Das Unternehmen firmierte ab 1999 als JFAX.COM, ab Dezember 2000 als J2 Global Communications, ab Dezember 2011 als J2 Global und trägt erst seit dem 4. Oktober 2021 den Namen Ziff Davis. Die Kurshistorie reicht durchgehend bis zum 23. Juli 1999 zurück; der höchste Schlusskurs stammt mit 132,98 US-Dollar vom 9. November 2021, also aus der Zeit kurz nach der Umbenennung.

Fehler gefunden?

Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.

Deine Angaben werden nur zur Prüfung Deiner Meldung verwendet und nicht weitergegeben.

Das könnte Sie interessieren

War diese Seite hilfreich für Dich?