Warby Parker: Der erste Gewinn kam vom Konto, nicht aus dem Laden
Warby Parker hat 2025 zum ersten Mal Geld verdient: 1,6 Millionen US-Dollar nach vier Verlustjahren in Folge. Im Tagesgeschäft stand allerdings ein Minus von 5,3 Millionen — der Gewinn kam aus Zinsen auf die eigene Kasse. Dazu eine Aktienzahl, die in fast jeder Kennzahl um ein Achtel zu niedrig steht. Wir lesen den Geschäftsbericht und den Quartalsbericht vom 7. Mai 2026 und prüfen, welches Brillenglas hier eigentlich die Schärfe macht.
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Eins oder zwei? Die Falle beim Brillenglas
Wer schon einmal beim Optiker im Stuhl saß, kennt den Moment. Der Apparat klickt, ein Glas nach dem anderen fährt vor das Auge, und dazu immer dieselbe Frage: „Eins oder zwei? Zwei oder drei?"
Irgendwann sagt man Ja. Nicht unbedingt zu dem Glas, mit dem man am schärfsten sieht — sondern zu dem, bei dem sich das Bild am angenehmsten anfühlt. Genau das machen wir mit Kennzahlen. Wir klicken so lange durch, bis eine Zahl auftaucht, die sich gut anfühlt, und erklären sie dann zur Wahrheit.
Bei Warby Parker ist diese Versuchung besonders groß, denn hier gibt es für ein und dasselbe Jahr gleich vier Ergebnisse. Für 2025 weist das Unternehmen ein bereinigtes Ergebnis von 95,2 Millionen US-Dollar aus. Der freie Mittelzufluss lag bei 43,7 Millionen. Unter dem Strich blieben 1,6 Millionen. Und im Tagesgeschäft stand ein Minus von 5,3 Millionen.
Alle vier Zahlen sind korrekt. Zwischen der größten und der kleinsten liegt der Faktor 60. Also: Wir lesen den Geschäftsbericht 2025 und den Quartalsbericht vom 7. Mai 2026 und schauen nach, welches Glas hier tatsächlich die Schärfe macht.
Was in dieser Analyse steht
- Was Warby Parker verkauft — und an wen
- Wo die Aktie auf unseren Tisch kam
- Die Zahlen über die Jahre
- Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Gewinn kam vom Konto, nicht aus dem Laden
- Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Vier Ergebnisse für dasselbe Jahr
- Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Aktienzahl, die fast überall fehlt
- Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Der Überlebens-Test rechnet mit dem Kurs
- Wo die Marge hingeht
- Die 150-Millionen-Zusage von Google
- Was die Aktie kostet
- Chancen und Risiken auf einen Blick
- Ein menschliches Fazit
- Quellen
Was Warby Parker verkauft — und an wen
Warby Parker sitzt in New York und verkauft Brillen. Das klingt banal, ist aber ein Geschäftsmodell mit einer klaren Idee dahinter: Die Firma entwirft ihre Fassungen selbst, lässt sie fertigen und verkauft sie direkt — ohne den Zwischenhändler, der in der Augenoptik traditionell einen großen Teil des Preises einsammelt.
Angefangen hat das rein im Netz. Heute ist Warby Parker vor allem ein Ladennetz: 323 Geschäfte zum 31. Dezember 2025, nach 276 ein Jahr zuvor und 237 im Jahr 2023. Zum 31. März 2026 waren es schon 337. Dazu zwei eigene Schleifereien und zwei Büros. Insgesamt arbeiteten Ende 2025 4.036 Menschen für das Unternehmen, davon 2.275 in Vollzeit.
Verkauft werden längst nicht nur Fassungen. Die vier Bausteine im Überblick:
- Brillen und Sonnenbrillen — das Kerngeschäft, aus dem der größte Teil des Umsatzes stammt. Gleitsichtgläser, die teuerste Glasart, machten zum 31. Dezember 2025 erst 22,3 Prozent der Rezept-Einheiten aus; branchenweit sind es rund 40 Prozent.
- Kontaktlinsen — ein Markt von 10,4 Milliarden US-Dollar, der 2025 aber nur 11,1 Prozent zum Umsatz beitrug.
- Augenuntersuchungen und Sehhilfe — ein Markt von 11,4 Milliarden US-Dollar, Anteil am Umsatz 2025: 6,4 Prozent.
- Zubehör — Etuis, Tücher, Sonnenclips.
Der interessanteste Baustein steht noch gar nicht in der Umsatzliste: die Sehhilfe-Versicherung. Rund 60 Prozent aller US-Käufe in diesem Bereich laufen über eine Versicherung. Bei Warby Parker waren es 2025 gerade einmal 8,3 Prozent des Umsatzes. Das Unternehmen arbeitet daran, in mehr Versicherungsnetze aufgenommen zu werden; über eine Anbindung an Versant Health sind es inzwischen mehr als 30 Millionen abgedeckte Versicherte.
Ein Merkmal noch, das man kennen sollte: Warby Parker ist eine Public Benefit Corporation. Das ist eine US-Rechtsform, bei der die Satzung neben dem Gewinn ausdrücklich einen gesellschaftlichen Zweck festschreibt. Bei Warby Parker heißt der „Buy a Pair, Give a Pair": Für jede verkaufte Brille wird eine an einen Bedürftigen weitergegeben. Nach eigenen Angaben sind so bisher mehr als 20 Millionen Brillen in den USA und über 80 Ländern verteilt worden. Für den Anleger ist das kein Nebensatz — die Rechtsform verpflichtet den Vorstand, auch andere Interessen als die der Aktionäre zu berücksichtigen.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam
Wir lassen täglich rund 3.500 Aktien durch unsere Scanner laufen. Warby Parker kam über die Liste Turnaround-Kandidaten herein — und wir legen gleich zu Anfang zwei Einschränkungen offen.
Erstens: Die Aktie steht nicht auf der Seite. Am 27. Juli 2026 bestanden 60 US-Aktien die Kriterien dieses Scanners, angezeigt werden aber nur die 25 stärksten. Warby Parker gehört nicht dazu.
Zweitens: Wir nennen bewusst keinen exakten Platz. Sortiert wird nach der Spalte „Wende-Check", und dort steht Warby Parker bei 6 von 8 Punkten. Genauso wie 43 andere Titel: 44 der 60 Treffer haben exakt dieselbe Punktzahl. Bei Gleichstand ist die Reihenfolge nicht festgelegt — sie kann sich bei jeder Neuberechnung ändern. Ehrlich ist deshalb nur eine Spanne: Warby Parker liegt irgendwo zwischen Platz 17 und Platz 60. Unsere Abfrage lieferte Platz 43; das ist eine Momentaufnahme, keine Rangliste. Zum Selbst-Nachmachen: Scanner öffnen, Länderfilter auf „US" stellen. Diese Listen werden täglich neu berechnet.
Und noch etwas gehört zur Ehrlichkeit: Dies ist der einzige Scanner, in dem Warby Parker überhaupt auftaucht — auf beiden unserer Marken am 27. Juli 2026 geprüft. Kein Qualitäts-, kein Wachstums-, kein Bewertungsfilter fängt diese Aktie ein.
Die Liste hat zwei Pflicht-Säulen. Wer eine davon reißt, fliegt raus, egal wie gut alles andere aussieht:
- Säule 1 — der Absturz: Die Aktie muss mindestens 50 Prozent unter ihrem Allzeithoch stehen. Ohne echten Absturz kein Turnaround.
- Säule 2 — das Überleben: Der Altman-Z-Wert muss mindestens 1,1 betragen. Dieser Wert verdichtet mehrere Bilanzverhältnisse zu einer einzigen Zahl und schätzt, wie weit ein Unternehmen von der Zahlungsunfähigkeit entfernt ist. Dazu kommen höchstens ein Bilanz-Warnsignal und positives Eigenkapital.
Säule 1 haben wir gegen die Kurshistorie nachgerechnet. Der höchste je erreichte Schlusskurs lag am 17. November 2021 bei 59,50 US-Dollar, der Schlusskurs am 24. Juli 2026 bei 24,56 US-Dollar. Das sind minus 58,7 Prozent. Unser Datenbestand führt minus 54,87 Prozent — dieser Wert bezieht sich rechnerisch auf den ersten Schlusskurs nach dem Börsengang (54,49 US-Dollar am 29. September 2021), nicht auf das spätere Novemberhoch. Beide Werte liegen klar unter der Schwelle; der Absturz ist echt.
Damit lässt sich beziffern, wann dieser Treffer verschwindet: Bei rund 29,75 US-Dollar — der Hälfte des Allzeithochs — reißt Warby Parker Säule 1 und fällt aus der Liste. Vom Stand des 24. Juli 2026 sind das gut 21 Prozent Kursanstieg. Kurios: Das Konsens-Kursziel der 15 Analysten lag am 26. Juli 2026 bei 30,15 US-Dollar. Bekommen die Profis recht, ist die Aktie kein Turnaround-Kandidat mehr — sie wäre dann schlicht gedreht.
Säule 2 ist erfüllt, aber sie verdient einen eigenen Abschnitt weiter unten. So viel vorweg: Der Wert steht bei 5,31 nach unserer eigenen Rechnung und bei 3,16 im Datenbestand — beide weit über der Schwelle von 1,1. Wie er zustande kommt, ist allerdings die interessantere Frage.
Erst wenn beide Säulen stehen, wird gezählt. Der Wende-Check vergibt acht Punkte: vier aus den Quartalszahlen und vier aus dem Marktverhalten. Warby Parker holt genau sechs — die Mindestpunktzahl, ohne jeden Puffer. Wir haben nachgezählt, welche:
- Umsatzrichtung — im ersten Quartal 2026 plus 8,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, also nicht rückläufig. Punkt.
- Nettomarge — 1,3 Prozent im ersten Quartal 2026 gegen minus 0,8 Prozent drei Quartale zuvor und minus 2,8 Prozent im Vorquartal. Punkt.
- Operativer Mittelzufluss — 24,5 Millionen US-Dollar im Quartal, positiv. Punkt.
- Bilanzheilung — der Altman-Z lag zuletzt über dem Stand von vor drei Quartalen. Punkt.
- Kurs über der 50-Tage-Linie — erfüllt. Punkt.
- Fonds stocken auf — netto positiv. Punkt.
- Relative Stärke drei gegen zwölf Monate — nicht erfüllt. Kein Punkt.
- Insider kaufen netto — nicht erfüllt, und zwar deutlich: In den zwölf Monaten bis zum Datenstand 26. Juli 2026 stehen null Insiderkäufe gegen 18 Verkäufe. Kein Punkt.
Was heißt das für dich? Ein Scanner rechnet, er urteilt nicht. Sechs von acht Punkten sind das Minimum, und zwei der fehlenden Punkte sagen dasselbe: Die Leute, die diese Firma am besten kennen, kaufen nicht. Wie eng eine solche Mindestpunktzahl werden kann, haben wir in unserer Advance-Auto-Parts-Analyse gezeigt — derselbe Scanner, dieselben sechs Punkte, ein völlig anderes Geschäft.
Die Zahlen über die Jahre
Fangen wir mit dem an, was wirklich beeindruckt: Diese Firma hat ihren Umsatz in vier Jahren um 61 Prozent gesteigert und dabei einen Jahresverlust von 144,3 Millionen US-Dollar restlos abgebaut — ohne eine einzige Kapitalerhöhung und ohne einen Cent Bankschulden.
Im Jahr 2021, dem Jahr des Börsengangs, setzte Warby Parker 540,8 Millionen US-Dollar um und verlor 144,3 Millionen. Danach ging es Jahr für Jahr in dieselbe Richtung: 598,1 Millionen Umsatz und 110,4 Millionen Verlust (2022), 669,8 und 63,2 (2023), 771,3 und 20,4 (2024). Und dann, im Geschäftsjahr 2025: 871,9 Millionen Umsatz und ein Jahresüberschuss von 1,6 Millionen.
Getragen wurde das von zwei Kräften zugleich: mehr Läden und mehr Umsatz je Kunde. Die Zahl der aktiven Kunden — also derjenigen, die in den vergangenen zwölf Monaten mindestens einmal gekauft haben — stieg von 2,332 Millionen (2023) über 2,514 (2024) auf 2,689 Millionen (2025). Und jeder von ihnen ließ mehr Geld da: 287 US-Dollar im Jahr 2023, 307 im Jahr 2024, in den zwölf Monaten bis 31. März 2026 dann 331 US-Dollar.
Auch beim Geld sieht es geordnet aus. Der freie Mittelzufluss — das, was nach allen laufenden Ausgaben und Investitionen wirklich übrig bleibt — drehte von minus 80,5 Millionen US-Dollar (2021) über minus 49,8 (2022) auf plus 7,3 (2023), plus 34,7 (2024) und plus 43,7 Millionen (2025). Zum 31. März 2026 lagen 288,2 Millionen in der Kasse, Bankschulden gibt es keine.
Das erste Quartal 2026 setzt den Trend fort, allerdings langsamer: Umsatz 242,4 Millionen US-Dollar, plus 8,3 Prozent. Nach 13,0 Prozent Wachstum im Gesamtjahr 2025 ist das eine spürbare Abkühlung.
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Gewinn kam vom Konto, nicht aus dem Laden
Jetzt kommt das Glas, das die Sache scharf stellt. Die Gewinn- und Verlustrechnung 2025 liest sich von oben nach unten so:
- Umsatz 871,9 Millionen US-Dollar
- abzüglich Herstellkosten von 401,3 Millionen bleibt ein Rohertrag von 470,6 Millionen
- abzüglich Vertriebs- und Verwaltungskosten von 475,9 Millionen bleibt ein Betriebsergebnis von minus 5,3 Millionen
- zuzüglich Zins- und sonstiger Erträge von 8,4 Millionen ergibt sich ein Vorsteuerergebnis von 3,0 Millionen
- abzüglich 1,4 Millionen Steuern bleibt der Jahresüberschuss von 1,6 Millionen
Lies die dritte Zeile noch einmal. Warby Parker hat im Geschäftsjahr 2025 mit dem Verkauf von Brillen kein Geld verdient. Das operative Geschäft stand mit 5,3 Millionen US-Dollar im Minus. Schwarze Zahlen entstanden erst, weil auf der Kasse von 286,4 Millionen US-Dollar Zinsen anfielen.
Das ist kein Vorwurf — Zinserträge sind echtes Geld, und die Kasse gehört den Aktionären. Aber es ist eine völlig andere Geschichte als „die Firma verdient wieder". Und sie ist zinsabhängig: Fällt der US-Leitzins, fällt dieser Posten mit.
Im ersten Quartal 2026 hat sich das Bild leicht gebessert, aber nicht gedreht: Betriebsergebnis 1,7 Millionen, Zins- und sonstige Erträge 2,3 Millionen, Vorsteuerergebnis 4,0 Millionen. Mehr als die Hälfte des Vorsteuergewinns kommt weiterhin nicht aus dem Geschäft.
Der Geschäftsbericht selbst ist an dieser Stelle bemerkenswert offen:
„We had net income of $1.6 million and net loss of $20.4 million for the years ended December 31, 2025 and 2024, respectively, and have in the past had net losses. As of December 31, 2025, we had an accumulated deficit of $685.6 million."
Übersetzung: „Für die Geschäftsjahre 2025 und 2024 wiesen wir einen Jahresüberschuss von 1,6 Millionen US-Dollar beziehungsweise einen Jahresfehlbetrag von 20,4 Millionen aus, und in der Vergangenheit hatten wir Verluste. Zum 31. Dezember 2025 belief sich unser aufgelaufener Verlust auf 685,6 Millionen US-Dollar."
— Warby Parker Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A Risikofaktoren
685,6 Millionen US-Dollar aufgelaufener Verlust. Zum 31. März 2026 waren es noch 682,4 Millionen. Bei dem Tempo von 2025 — 1,6 Millionen Gewinn im Jahr — bräuchte Warby Parker rein rechnerisch über 400 Jahre, um diesen Berg abzutragen. Die Zahl ist keine Schuld, die jemand einfordern kann; sie ist die Summe dessen, was die Firma seit ihrer Gründung an Kapital verbrannt hat.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Vier Ergebnisse für dasselbe Jahr
Zurück zum Optiker-Apparat. Für das Geschäftsjahr 2025 gibt es vier Gläser, und jedes zeigt ein anderes Bild.
Das bereinigte Ergebnis (EBITDA) von 95,2 Millionen US-Dollar ist die Zahl, die in Präsentationen steht. Sie ist keine Vorschrift, sondern eine Definition des Unternehmens selbst — und der Geschäftsbericht zählt auf, was dabei alles herausgerechnet wird: Zinsen, Steuern, Abschreibungen, Wertminderungen, aktienbasierte Vergütung, Amortisation von Software-Einführungskosten, Sachspenden und einmalige Rechtskosten.
Der Sprung von minus 5,3 auf plus 95,2 Millionen kommt also aus 100,5 Millionen an Positionen, die man wegdefinieren kann. Zwei davon sind groß: 50,3 Millionen Abschreibungen und 34,5 Millionen aktienbasierte Vergütung.
Bei den Abschreibungen kann man streiten — sie sind kein Geldabfluss, aber die 337 Läden müssen irgendwann renoviert werden. Bei der aktienbasierten Vergütung ist der Fall klarer. Sie ist zwar kein Geldabfluss, aber sie ist auch kein Geschenk: Wer Mitarbeiter mit Aktien statt mit Bargeld bezahlt, verteilt das Unternehmen an immer mehr Leute. Dein Stück vom Kuchen wird kleiner.
Wie groß dieser Posten ist, zeigt der Vergleich mit dem Geld, das wirklich übrig blieb: 34,5 Millionen aktienbasierte Vergütung gegen 43,7 Millionen freien Mittelzufluss — das sind 79 Prozent. Und das 21-Fache des ausgewiesenen Jahresüberschusses.
Immerhin: Die Zahl sinkt seit Jahren. 107,1 Millionen (2021), 98,0 (2022), 70,5 (2023), 47,3 (2024), 34,5 (2025). Der größte Brocken, ein Gründer-Aktienpaket aus dem Jahr 2021, läuft aus — es kostete 2023 noch 44,1 Millionen, 2024 noch 21,8 und 2025 nur noch 4,3 Millionen. Dafür sind 2025 neue Gründer-Pakete dazugekommen, die bisher mit 2,8 Millionen zu Buche schlagen. Im ersten Quartal 2026 lag die aktienbasierte Vergütung bei 11,4 Millionen nach 12,3 Millionen im Vorjahresquartal.
Die Summe über fünf Jahre ist die eigentliche Hausnummer: 357,5 Millionen US-Dollar aktienbasierte Vergütung von 2021 bis 2025 — bei einem kumulierten freien Mittelzufluss von minus 44,5 Millionen im selben Zeitraum. Die Belegschaft hat in diesen fünf Jahren mehr aus dem Unternehmen bekommen, als das Unternehmen erwirtschaftet hat. Das ist bei jungen Wachstumsfirmen normal. Normal heißt nicht kostenlos.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Aktienzahl, die fast überall fehlt
Jetzt wird es technisch, aber es lohnt sich — denn dieser Punkt verzerrt praktisch jede Kennzahl, die du zu dieser Aktie irgendwo lesen wirst.
Warby Parker hat drei Aktiengattungen. Nur eine davon, die Class A, wird an der New Yorker Börse gehandelt. Daneben gibt es die Class B mit zehnfachem Stimmrecht und die Class C ohne Stimmrecht. Auf dem Deckblatt des Quartalsberichts steht schwarz auf weiß, wie viele es sind:
Und genau hier steckt der Fehler, der durch die halbe Finanzwelt geistert: Unser eigener Fundamentaldaten-Bestand führt 107.094.174 ausstehende Aktien. Das ist bis auf die letzte Stelle die Class-A-Zahl. Die 15.621.062 Class-B-Aktien fehlen — obwohl sie eins zu eins in Class A wandelbar sind und am Gewinn genauso beteiligt sind.
Was das ausmacht, rechnen wir hier einmal vor. Beim Schlusskurs von 24,56 US-Dollar am 24. Juli 2026:
- nur Class A: 107.094.174 × 24,56 US-Dollar = 2,63 Milliarden US-Dollar
- volle Anteilszahl: 122.715.236 × 24,56 US-Dollar = 3,01 Milliarden US-Dollar
Das sind 384 Millionen US-Dollar Unterschied, 14,6 Prozent. Und weil der Börsenwert im Zähler fast jeder Bewertungskennzahl steht, wandert der Fehler überall mit hinein: Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt nicht bei 2,95, sondern bei 3,38. Das Kurs-Buchwert-Verhältnis nicht bei 7,0, sondern bei 8,0. Wer eine Warby-Parker-Kennzahl irgendwo liest, sollte zuerst fragen, mit welcher Aktienzahl sie gerechnet wurde.
Zur Gegenprobe: Das Unternehmen selbst rechnet mit der vollen Zahl. Im ersten Quartal 2026 lag die gewichtete durchschnittliche Aktienzahl bei 123.438.000 Stück unverwässert und 125.554.000 verwässert. Die Zahl aus dem Feed ist also nicht falsch abgeschrieben, sondern schlicht unvollständig.
Der zweite Effekt betrifft nicht das Geld, sondern die Macht. Rechnet man die Stimmrechte aus, ergeben die 15,6 Millionen B-Aktien 156,2 Millionen Stimmen, die 107,1 Millionen A-Aktien nur 107,1 Millionen. Ergebnis: 12,7 Prozent des Kapitals tragen 59,3 Prozent der Stimmen. Der Geschäftsbericht 2025 nennt die Inhaber beim Namen — es sind die beiden Gründer und Co-Vorstandschefs. Wer Class-A-Aktien kauft, kauft Anteil am Gewinn, aber praktisch kein Mitspracherecht. Dieselbe Konstruktion kennst du aus unserer FIGS-Analyse: Direktvertriebsmarke, Doppelklassen-Struktur, Gründer am Steuer.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Der Überlebens-Test rechnet mit dem Kurs
Zurück zu Säule 2 des Scanners. Der Altman-Z soll sagen, wie weit ein Unternehmen von der Zahlungsunfähigkeit entfernt ist. Über 3 gilt gemeinhin als sicher, unter 1,1 als Gefahrenzone. Unser Datenbestand führt für Warby Parker 3,16. Unsere eigene Nachrechnung nach der Originalformel — Bilanz zum 31. Dezember 2025, Börsenwert vom 24. Juli 2026 mit der vollen Anteilszahl — ergibt 5,31. Beide Werte sind weit über der Schwelle, die Säule steht also unabhängig davon, welchen man nimmt.
Interessanter ist, woraus der Wert besteht. Die Formel addiert fünf Bausteine. So sehen sie bei Warby Parker aus:
- Umlaufvermögen minus kurzfristige Schulden im Verhältnis zur Bilanzsumme: +0,34
- aufgelaufenes Ergebnis im Verhältnis zur Bilanzsumme: −1,33
- Betriebsergebnis im Verhältnis zur Bilanzsumme: −0,02
- Umsatz im Verhältnis zur Bilanzsumme: +1,21
- Börsenwert im Verhältnis zu den Verbindlichkeiten: +5,12
Macht zusammen 5,31 — und 96 Prozent davon kommen aus dem letzten Baustein. Die vier Bilanzgrößen ergeben zusammen ganze 0,19. Anders gesagt: Der Test bescheinigt Warby Parker vor allem deshalb Sicherheit, weil die Börse das Unternehmen hoch bewertet. Das ist ein Zirkelschluss, und er ist keine Erfindung von uns — er steckt in der Formel von 1968, die für Industriebetriebe mit hohen Schulden entwickelt wurde.
Für den Anleger heißt das nichts Dramatisches, aber etwas Wichtiges: Die Bilanz von Warby Parker ist nicht deshalb sicher, weil sie viel Substanz hätte, sondern weil sie kaum Schulden hat und die Firma keine Zinsen zahlen muss. Fällt der Kurs, fällt dieser Wert mit — und zwar schnell. Halbiert sich der Börsenwert, sinkt der Altman-Z auf rund 2,75.
Ähnlich vorsichtig sollte man den zweiten Bilanzwert lesen. Der Piotroski-Wert misst neun Ja-Nein-Fragen zur finanziellen Verfassung. Unser Datenbestand führt 5 von 9, unsere eigene Nachrechnung aus den Geschäftsberichten kommt auf 6 — der Unterschied liegt im Kapitalrendite-Kriterium, das der Datenbestand über zwölf Monate rechnet. Fünf oder sechs von neun ist mittelmäßig: Eine kerngesunde Firma steht bei 8 oder 9. Was fehlt, ist in beiden Rechnungen dasselbe: Die Aktienzahl steigt statt zu sinken, die Bruttomarge fällt, und die Liquiditätsquote hat sich verschlechtert.
Wo die Marge hingeht
Die Bruttomarge ist bei einem Händler die wichtigste einzelne Zahl. Bei Warby Parker geht sie in die falsche Richtung: 58,8 Prozent (2021), 57,0 (2022), 54,5 (2023), 55,3 (2024), 54,0 Prozent (2025). Im ersten Quartal 2026 fiel sie auf 54,0 Prozent nach 56,3 Prozent im Vorjahresquartal — ein Rückgang um 230 Basispunkte in einem einzigen Jahr.
Der Quartalsbericht nennt vier Gründe, und einer davon ist außerhalb der Kontrolle des Unternehmens:
„The decrease was primarily driven by deleverage in the fixed expenses portion of gross margin, which includes doctor headcount and occupancy, the impact of tariff costs related to glasses, and increased optical laboratory and customer shipping costs."
Übersetzung: „Der Rückgang war in erster Linie auf eine geringere Auslastung der fixen Kostenbestandteile der Bruttomarge zurückzuführen — dazu zählen die Zahl der Augenärzte und die Mietkosten —, außerdem auf die Wirkung von Zollkosten auf Brillen sowie auf gestiegene Kosten für die eigene Schleiferei und den Kundenversand."
— Warby Parker Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Lagebericht „Gross margin"
Die ersten drei Gründe sind hausgemacht und im Grunde die Rechnung für das Ladenwachstum: Jeder neue Standort bringt Miete und Personal mit, bevor er Umsatz bringt. Von 276 auf 337 Läden in fünfzehn Monaten heißt eben auch, dass viele davon noch nicht eingelaufen sind.
Der vierte Grund ist Politik. Warby Parker lässt in China schleifen und bezieht Vorprodukte unter anderem aus China, Italien, Vietnam und Japan. Der Geschäftsbericht 2025 beschreibt, wie das Unternehmen die Lieferantenbasis breiter aufstellt, um Zölle abzufedern. Und dann kam im Februar 2026 eine Wendung:
Eine Zahl nennt der Bericht nicht — das Unternehmen sei noch dabei, die Wirkung zu schätzen. Die Größenordnung lässt sich trotzdem abstecken: 230 Basispunkte Margenverlust auf 242,4 Millionen US-Dollar Quartalsumsatz sind rund 5,6 Millionen US-Dollar. Zölle sind nur einer von vier Gründen dafür, aber schon ein Bruchteil dieser Summe entscheidet bei einem Jahresüberschuss von 1,6 Millionen über das Vorzeichen.
Die 150-Millionen-Zusage von Google
Der eine Punkt in dieser Geschichte, bei dem es wirklich um etwas Neues geht, steht in einem Anhang des Quartalsberichts. Warby Parker entwickelt gemeinsam mit Google und Samsung Brillen mit eingebauter künstlicher Intelligenz — Brillen, die man den ganzen Tag trägt und die mitbekommen, was man sieht und hört.
Die Konstruktion ist ungewöhnlich großzügig. Google übernimmt bis zu 75 Millionen US-Dollar an Entwicklungs- und Vermarktungskosten. Und Google hat zugesagt, bis zu weitere 75 Millionen in Warby Parker zu investieren — nach Wahl des Unternehmens und abhängig davon, dass bestimmte Meilensteine erreicht werden.
Zum Einordnen: Das gesamte Eigenkapital von Warby Parker lag zum 31. März 2026 bei 375,8 Millionen US-Dollar. Die zugesagte Beteiligung allein wäre ein Fünftel davon.
Und jetzt die nüchterne Seite: Abgerufen ist bisher fast nichts. Im Geschäftsjahr 2025 senkten erstattungsfähige Kosten die Verwaltungsausgaben um 3,3 Millionen, im ersten Quartal 2026 um 2,0 Millionen — zusammen 5,3 Millionen US-Dollar und damit 7 Prozent des ersten Topfes. Von der Beteiligung ist im Eigenkapitalspiegel bis zum 31. März 2026 nichts zu sehen.
Das ist weder gut noch schlecht, sondern schlicht früh. Es heißt aber: Wer diese Aktie wegen der KI-Brille kauft, kauft ein Projekt, das in den Zahlen bisher nur als Kostenerstattung von 5,3 Millionen auftaucht. Ein Produkt gibt es zum Datenstand nicht.
Was die Aktie kostet
Rechnen wir zusammen — konsequent mit der vollen Anteilszahl von 122.715.236 und dem Schlusskurs von 24,56 US-Dollar vom 24. Juli 2026, also einem Börsenwert von rund 3,01 Milliarden US-Dollar.
- Kurs zu Umsatz: rund 3,4. Bezogen auf die 890,6 Millionen US-Dollar Umsatz der zwölf Monate bis 31. März 2026. Für einen Einzelhändler ist das viel — hier wird eine Marke bezahlt, kein Ladennetz.
- Kurs zu freiem Mittelzufluss: rund 69. Bezogen auf die 43,7 Millionen aus dem Geschäftsjahr 2025.
- Kurs zu Buchwert: rund 8,0. Bezogen auf 375,8 Millionen US-Dollar Eigenkapital zum 31. März 2026.
- Unternehmenswert zu bereinigtem Ergebnis: rund 31. Börsenwert plus 233,1 Millionen Leasingverbindlichkeiten (31. Dezember 2025) minus 288,2 Millionen Kasse (31. März 2026), geteilt durch die 95,2 Millionen bereinigtes Ergebnis 2025.
- Kurs zu Gewinn: nicht sinnvoll. In den zwölf Monaten bis 31. März 2026 verdiente Warby Parker 1,3 Millionen US-Dollar. Daraus ließe sich ein Verhältnis von über 2.000 bilden — eine Zahl, die nichts mehr aussagt.
Der Blick der Profis: Am 26. Juli 2026 lag das Konsens-Kursziel von 15 Analysten bei 30,15 US-Dollar, rund 23 Prozent über dem Schlusskurs vom 24. Juli. Das ist keine hohe Erwartung für eine Wachstumsgeschichte — die Häuser trauen dem Titel also durchaus etwas zu, aber keine Verdopplung.
Gegen die Aktie stehen die Leerverkäufer: 16,8 Prozent des Streubesitzes waren zum Datenstand 26. Juli 2026 leerverkauft. Das ist eine hohe Quote. Sie schneidet in beide Richtungen: Sie zeigt, dass viele auf fallende Kurse setzen — und sie ist zugleich Brennstoff, falls es überraschend gut läuft.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Chancen
- Vier Jahre ununterbrochenes Umsatzwachstum, dazu vier Jahre in Folge weniger Verlust und zuletzt erstmals ein Plus.
- Versicherungsgeschäft kaum erschlossen: 8,3 Prozent des Umsatzes 2025 gegen rund 60 Prozent Versicherungsanteil im US-Markt. Über 30 Millionen abgedeckte Versicherte sind bereits angebunden.
- Gleitsichtgläser, die teuerste Glasart, sind mit 22,3 Prozent der Rezept-Einheiten (31. Dezember 2025) noch weit unter dem Branchenschnitt von rund 40 Prozent.
- Kontaktlinsen und Augenuntersuchungen tragen erst 11,1 und 6,4 Prozent des Umsatzes bei — bei Märkten von 10,4 und 11,4 Milliarden US-Dollar.
- Partnerschaften mit Google und Samsung öffnen einen Markt jenseits der klassischen Brille; Google hat dafür bis zu 150 Millionen US-Dollar in zwei Töpfen zugesagt.
- Keine Finanzschulden, 288,2 Millionen US-Dollar Kasse zum 31. März 2026 — die Firma braucht niemanden um Geld zu fragen.
Risiken
- Das Betriebsergebnis war 2025 negativ; der Gewinn stammt aus Zinserträgen. Sinkende Zinsen treffen ihn unmittelbar.
- Die Bruttomarge fällt: von 58,8 Prozent (2021) auf 54,0 (2025) und im ersten Quartal 2026 um weitere 230 Basispunkte gegenüber dem Vorjahresquartal.
- Das Umsatzwachstum verlangsamt sich: 13,0 Prozent im Gesamtjahr 2025, 8,3 Prozent im ersten Quartal 2026.
- Aktienbasierte Vergütung von 34,5 Millionen US-Dollar (2025) verschlingt 79 Prozent des freien Mittelzuflusses; seit 2021 sind es 357,5 Millionen.
- Doppelklassen-Struktur: 12,7 Prozent des Kapitals halten 59,3 Prozent der Stimmen. Class-A-Aktionäre haben praktisch kein Mitspracherecht.
- Null Insiderkäufe gegen 18 Verkäufe in den zwölf Monaten bis 26. Juli 2026 (Datenstand).
- Zölle auf Brillen und Vorprodukte belasten die Marge; die Rückerstattung aus dem Urteil vom Februar 2026 ist noch unbeziffert.
- Bewertung: rund das 3,4-Fache des Umsatzes und das 69-Fache des freien Mittelzuflusses, bei einem Betriebsergebnis unter null.
- Der Geschäftsbericht selbst nennt die Abhängigkeit von einem Produkt: Der größte Teil des Umsatzes stammt aus dem Verkauf von Brillen, in einem Markt mit niedrigen Eintrittshürden.
Ein menschliches Fazit
Zurück in den Optiker-Stuhl. Eins oder zwei? Zwei oder drei?
Bei Warby Parker haben wir vier Gläser durchprobiert, und jedes zeigt etwas Wahres. Mit dem ersten sieht man eine Firma, die 95,2 Millionen US-Dollar verdient. Mit dem zweiten eine, die 43,7 Millionen an freiem Geld erwirtschaftet. Mit dem dritten eine, die nach vier Verlustjahren gerade so 1,6 Millionen übrig behält. Und mit dem vierten eine, die im Tagesgeschäft immer noch 5,3 Millionen verliert.
Das schärfste Bild ergibt sich, wenn man alle vier nebeneinanderlegt: Hier wächst eine Marke, die Kunden mögen — 2,7 Millionen aktive Käufer, 337 Läden, 61 Prozent mehr Umsatz in vier Jahren, keine Schulden, eine gefüllte Kasse. Und hier steht gleichzeitig eine Firma, die aus diesem Wachstum bisher keinen operativen Gewinn macht, deren Bruttomarge nachgibt und deren Aktionäre über 685 Millionen aufgelaufenen Verlust im Rücken haben.
Beides gleichzeitig. Das ist keine Widersprüchlichkeit, das ist der Zustand einer Firma auf halbem Weg.
Was die Sache anspruchsvoll macht, ist der Preis. Rund das 3,4-Fache des Umsatzes zahlt man nicht für den Zustand, sondern für die Fortsetzung: dafür, dass aus 54 Prozent Bruttomarge wieder 57 werden, dass aus minus 5,3 Millionen Betriebsergebnis irgendwann plus 50 werden, dass die KI-Brille kommt. Kann alles passieren. Steht aber noch nicht in den Zahlen.
Und die Falle beim Brillenglas bleibt dieselbe: Das angenehmste Bild ist selten das schärfste.
Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
- SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Warby Parker Inc., eingereicht am 26. Februar 2026 (CIK 0001504776)
- SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2024, eingereicht am 27. Februar 2025 — liefert die Vergleichszahlen für 2022
- SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, eingereicht am 7. Mai 2026
- SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. September 2025, eingereicht am 6. November 2025
- SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30. Juni 2025, eingereicht am 8. August 2025
- SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2025, eingereicht am 8. Mai 2025
- SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 7. Mai 2026 — Quartalsergebnis (Item 2.02)
- Screener- und Kennzahlendaten: hauseigener Aktien-Scanner (Datenstand 26. bis 27. Juli 2026), darunter der Turnaround-Kandidaten-Scanner (US-Auswahl, 60 Treffer, Wende-Check 6 von 8, gemessen am 27. Juli 2026; die Seite zeigt nur die 25 stärksten Treffer) — die Listen werden täglich neu berechnet
- Kennzahlen, Kurshistorie und Analystenschätzungen: Fundamentaldaten, Datenstand 24. bis 27. Juli 2026
Journalistische Einordnung, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien können erheblich schwanken; ein Totalverlust ist möglich. Alle Zahlen stammen aus den oben verlinkten Originaldokumenten und tragen ihren eigenen Stichtag. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Warby Parker.
Unser Fazit auf einen Blick
- Geschäftsmodell & Marktstellung positiv
- Warby Parker verkauft eigene Entwürfe ohne Zwischenhändler und hat den Laden zum Augenarzt ausgebaut: 323 Standorte zum 31. Dezember 2025, 337 zum 31. März 2026, 4.036 Beschäftigte, 2,689 Millionen aktive Kunden. Der Umsatz je Kunde stieg in den zwölf Monaten bis 31. März 2026 auf 331 US-Dollar nach 310 im Vorjahreszeitraum. Kontaktlinsen und Augenuntersuchungen sind mit 11,1 und 6,4 Prozent des Umsatzes 2025 erst angerissen.
- Wende in den Zahlen positiv
- Die Richtung stimmt seit vier Jahren ohne Ausnahme: Umsatz von 540,8 Millionen US-Dollar (2021) auf 871,9 Millionen (2025), Verlust von 144,3 Millionen auf null, freier Mittelzufluss von minus 80,5 auf plus 43,7 Millionen, bereinigtes Ergebnis von 52,4 (2023) auf 95,2 Millionen. Im ersten Quartal 2026 legte der Umsatz um 8,3 Prozent zu, der Jahresüberschuss lag bei 3,2 Millionen.
- Ertragskraft negativ
- Das Betriebsergebnis war 2025 mit minus 5,3 Millionen US-Dollar weiterhin negativ. Der Jahresüberschuss von 1,6 Millionen entstand rechnerisch erst durch Zins- und sonstige Erträge von 8,4 Millionen auf die eigene Kasse. Im ersten Quartal 2026 kamen von 4,0 Millionen Vorsteuerergebnis 2,3 Millionen aus derselben Quelle. Die Bruttomarge fiel gleichzeitig von 56,3 auf 54,0 Prozent.
- Bilanz und Substanz neutral
- Zum 31. März 2026 stehen 375,8 Millionen US-Dollar Eigenkapital gegen eine Bilanzsumme von 736,4 Millionen — 51,0 Prozent Eigenkapitalquote, 288,2 Millionen Kasse, keine Finanzschulden. Von Zahlungsgefahr ist nichts zu sehen. Die Substanz ist allerdings dünn: Gegen 1.060,0 Millionen eingezahltes Kapital steht ein aufgelaufener Verlust von 682,4 Millionen. Der Altman-Z von 5,31 stammt zu 96 Prozent aus dem Börsenwert-Term, die reinen Bilanzterme ergeben 0,19.
- Aktionärsstruktur und Verwässerung negativ
- Drei Aktiengattungen, zehnfaches Stimmrecht für die nicht gehandelte Class B: 12,7 Prozent des Kapitals tragen 59,3 Prozent der Stimmen (Deckblatt des Quartalsberichts vom 7. Mai 2026). Dazu 34,5 Millionen US-Dollar aktienbasierte Vergütung im Jahr 2025 — 79 Prozent des freien Mittelzuflusses und das 21-Fache des Jahresüberschusses; seit 2021 zusammen 357,5 Millionen bei kumuliert minus 44,5 Millionen freiem Mittelzufluss.
- Bewertung negativ
- Bei 24,56 US-Dollar Schlusskurs (24. Juli 2026) und der vollen Anteilszahl von 122.715.236 liegt der Börsenwert bei rund 3,01 Milliarden US-Dollar: das 3,4-Fache des Umsatzes der zwölf Monate bis 31. März 2026, das 69-Fache des freien Mittelzuflusses von 2025 und das 8,0-Fache des Eigenkapitals. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich bei 1,3 Millionen US-Dollar Zwölfmonatsgewinn nicht sinnvoll bilden.
Warby Parker hat den Weg aus dem Verlust geschafft: 871,9 Millionen US-Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2025 nach 540,8 Millionen im Jahr 2021, ein Jahresüberschuss von 1,6 Millionen nach vier Verlustjahren, 43,7 Millionen freier Mittelzufluss, keine Finanzschulden. Die Wende ist echt und breit. Sie ist aber auch hauchdünn: Das Betriebsergebnis liegt mit minus 5,3 Millionen weiter unter null, der Gewinn stammt aus Zinsen auf die eigene Kasse, die Bruttomarge fiel im ersten Quartal 2026 auf 54,0 Prozent. Und der Preis rechnet mit dem, was noch kommen soll: rund das 3,4-Fache des Umsatzes und das 69-Fache des freien Mittelzuflusses. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Das Unternehmen ist gesund genug: 51,0 Prozent Eigenkapitalquote, 288,2 Millionen US-Dollar Kasse, keine Finanzschulden, 110,8 Millionen operativer Mittelzufluss im Jahr 2025 gegen 1,6 Millionen ausgewiesenen Gewinn, vier Jahre ununterbrochener Umsatzzuwachs und eine Marke, die Kunden ohne Zwischenhändler erreicht. Von Substanzgefahr keine Spur — deshalb kein Rot. Für Grün fehlt die Ertragskraft: Das Betriebsergebnis war 2025 mit minus 5,3 Millionen negativ, der Gewinn kam aus Zinserträgen, die Bruttomarge fiel im ersten Quartal 2026 um 230 Basispunkte auf 54,0 Prozent, und die aktienbasierte Vergütung verschlang 2025 mit 34,5 Millionen 79 Prozent des freien Mittelzuflusses. Der aufgelaufene Verlust von 682,4 Millionen steht gegen 1.060,0 Millionen eingezahltes Kapital. Ob aus Wachstum echter Ertrag wird, entscheidet sich in den nächsten Quartalen. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger: hauseigener Aktien-Scanner „Turnaround-Kandidaten", 60 US-Treffer, Wende-Check 6 von 8, gemessen am 27. Juli 2026 auf beiden Marken (Listenstand 27. Juli 2026). Achtung Sortierung: 44 der 60 Treffer stehen ebenfalls bei genau 6 Punkten — bei Gleichstand ist die Reihenfolge nicht festgelegt. Warby Parker liegt damit zwischen Platz 17 und 60; die gemessene Abfrage lieferte Platz 43 auf boersenlotse.de und Platz 41 auf minnowstreet.com. Die Seite zeigt nur die 25 stärksten Treffer — die Aktie ist dort nicht sichtbar. Die Listen werden täglich neu berechnet.
- Gegenprobe zur Pflicht-Säule „mindestens 50 Prozent unter dem Allzeithoch": Der höchste Schlusskurs lag am 17. November 2021 bei 59,50 US-Dollar, der Schlusskurs am 24. Juli 2026 bei 24,56 — minus 58,7 Prozent. Der Datenbestand führt minus 54,87 Prozent; dieser Wert bezieht sich rechnerisch auf den ersten Schlusskurs nach dem Direct Listing (54,49 US-Dollar am 29. September 2021), nicht auf das spätere Novemberhoch. Beide Werte liegen klar unter der Schwelle. Ab rund 29,75 US-Dollar fällt Warby Parker aus dieser Liste.
- Gegenprobe zur Pflicht-Säule „Überleben gesichert": Der Datenbestand führt einen Altman-Z von 3,16, die eigene Nachrechnung nach der Originalformel mit der Bilanz zum 31. Dezember 2025 und dem Börsenwert vom 24. Juli 2026 ergibt 5,31. Beide Werte liegen weit über der Schwelle von 1,1; im Artikel wird die eigene Rechnung verwendet. Wichtiger als der Unterschied ist die Zusammensetzung: 5,12 der 5,31 Punkte stammen aus dem Börsenwert-Term, die reinen Bilanzterme ergeben zusammen 0,19. Beim Piotroski führt der Datenbestand 5 von 9, die eigene Nachrechnung aus den Geschäftsberichten 6 von 9 — der Unterschied liegt im Kapitalrendite-Kriterium, das der Datenbestand auf Zwölfmonatsbasis rechnet.
- Datenartefakt Doppelklassen-Struktur: Der Fundamentaldaten-Feed führt 107.094.174 ausstehende Aktien — exakt die Class-A-Zahl vom Deckblatt des Quartalsberichts (5. Mai 2026). Die 15.621.062 Class-B-Aktien fehlen. Alle Bewertungskennzahlen dieser Analyse sind deshalb selbst über die volle Anteilszahl von 122.715.236 gerechnet.
- Übernahme-Prüfung vor der Analyse: keine Form 25, keine Form 15, keine SC 14D9, kein DEFM14A in der Filing-Historie; die Aktie ist zum Datenstand an der NYSE notiert. Früherer Firmenname: JAND, Inc. bis 23. März 2018.
- Datenstand: Geschäftsbericht 10-K für 2025 vom 26.02.2026, Geschäftsbericht 10-K für 2024 vom 27.02.2025, Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 vom 07.05.2026, Quartalsberichte zum 30.09.2025, 30.06.2025 und 31.03.2025, Pflichtmitteilungen 8-K vom 07.05. und 12.06.2026; Kennzahlen und Kurshistorie 24. bis 27. Juli 2026.
- Verwechslungsgefahr: Warby Parker ist nicht der Optikkonzern EssilorLuxottica und nicht der Kontaktlinsenhersteller Bausch + Lomb. Der frühere Firmenname JAND, Inc. taucht in älteren Registern noch auf.
- Die Ampel dieser Analyse beurteilt das Unternehmen, nicht den Einstiegszeitpunkt. Ein Scanner-Platz ist eine Recherche-Einladung und kein Kaufsignal.
Häufige Fragen
Warby Parker verkauft Brillen, Sonnenbrillen und Kontaktlinsen und bietet daneben Sehtests und Augenuntersuchungen an. Verkauft wird über die eigene Webseite und über 323 eigene Läden (31. Dezember 2025), inzwischen 337 zum 31. März 2026. Die Brillen werden im eigenen Haus entworfen und ohne Zwischenhändler verkauft. Im Geschäftsjahr 2025 brachte das 871,9 Millionen US-Dollar Umsatz.
Ja, aber nicht mit Brillen. Der Jahresüberschuss lag bei 1,6 Millionen US-Dollar — das erste Plus nach vier Verlustjahren. Das Betriebsergebnis war mit minus 5,3 Millionen US-Dollar allerdings weiterhin negativ. Positiv wurde das Ergebnis erst durch Zins- und sonstige Erträge von 8,4 Millionen auf die eigene Kasse von 286,4 Millionen US-Dollar.
Weil beide Pflichtbedingungen erfüllt sind. Erstens der Absturz: Der höchste Schlusskurs lag am 17. November 2021 bei 59,50 US-Dollar, am 24. Juli 2026 bei 24,56 — rund 58,7 Prozent darunter. Zweitens das Überleben: Der Insolvenz-Frühwarnwert Altman-Z liegt weit außerhalb der Gefahrenzone, das Eigenkapital ist mit 51,0 Prozent der Bilanzsumme positiv. Im Wende-Check erreicht Warby Parker 6 von 8 Punkten — die Mindestpunktzahl.
Weil die Seite nur die 25 stärksten Treffer zeigt. Am 27. Juli 2026 bestanden 60 US-Aktien die Kriterien, davon standen 44 bei genau 6 von 8 Punkten — auch Warby Parker. Bei Punktgleichstand ist die Reihenfolge nicht festgelegt; die Aktie liegt irgendwo zwischen Platz 17 und Platz 60 und damit außerhalb der sichtbaren Tabelle. Wir sind über die vollständige Trefferliste hierhergekommen.
Zum 5. Mai 2026 waren es 107.094.174 Class-A-Aktien und 15.621.062 Class-B-Aktien, zusammen 122.715.236. Viele Datendienste führen nur die Class-A-Zahl, weil nur sie an der NYSE gehandelt wird. Wer damit rechnet, unterschätzt den Börsenwert um 14,6 Prozent — und jede darauf aufgebaute Kennzahl gleich mit.
Das Stimmrecht. Class A hat eine Stimme je Aktie, Class B hat zehn, Class C hat keine. Aus 15.621.062 Class-B-Aktien werden damit 156,2 Millionen Stimmen gegen 107,1 Millionen der Class A. 12,7 Prozent des Kapitals tragen 59,3 Prozent der Stimmen. Der Geschäftsbericht 2025 benennt als Inhaber die beiden Gründer und Co-Vorstandschefs.
Mehr als die meisten Einzelhändler. Der Geschäftsbericht 2025 nennt langfristige Partnerschaften mit Google und Samsung zur Entwicklung KI-gestützter Brillen für den ganztägigen Gebrauch. Google hat dafür bis zu 75 Millionen US-Dollar an Kosten zugesagt und bis zu weitere 75 Millionen als Beteiligung. Bis zum 31. März 2026 sind davon erst 5,3 Millionen an erstattungsfähigen Kosten angefallen. Verkauft wird noch keine KI-Brille.
Solide, aber nicht üppig. Zum 31. März 2026 stehen 375,8 Millionen US-Dollar Eigenkapital gegen eine Bilanzsumme von 736,4 Millionen, das sind 51,0 Prozent Eigenkapitalquote. Die Kasse liegt bei 288,2 Millionen, Finanzschulden gibt es keine — die 233,1 Millionen aus der Bilanz zum 31. Dezember 2025 sind Leasingverbindlichkeiten aus Ladenmieten. Gegen 1.060,0 Millionen eingezahltes Kapital steht ein aufgelaufener Verlust von 682,4 Millionen.
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