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Advance Auto Parts: Der Gewinn ist zurück — das Geld nicht

Advance Auto Parts: Der Gewinn ist zurück — das Geld nicht

Nach dem Verlustjahr 2024 wies Advance Auto Parts für 2025 wieder 44 Millionen US-Dollar Gewinn aus, und unser Turnaround-Scanner führt die Aktie seither als Wende-Kandidatin. Der Kontoauszug erzählt eine andere Geschichte: Aus dem laufenden Geschäft flossen im selben Jahr 46 Millionen ab, nach Investitionen fast 300 Millionen. Bezahlt wird das mit einer Anleihe über 1,95 Milliarden US-Dollar zu sieben Prozent — und mit 2,5 Milliarden US-Dollar an Lieferantenrechnungen, die inzwischen Banken vorstrecken. Keine Anlageberatung — nur die Frage, ob dieser Wende-Treffer hält, was die Gewinnzeile verspricht.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 19 Min. Lesezeit
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Advance Auto Parts: Der Gewinn ist zurück — das Geld nicht
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Denkfalle, die uns im Alltag genauso erwischt wie an der Börse: die Gewinn-ist-Geld-Falle. Wir hören „Gewinn“ und sehen Scheine. Dabei ist ein Jahresüberschuss zunächst nur eine Rechnung — mit Bewertungen, Abgrenzungen und Annahmen darin. Ob am Monatsende wirklich Geld auf dem Konto liegt, steht auf einem anderen Blatt: der Kapitalflussrechnung. Genau dieser Abstand macht den Fall Advance Auto Parts, Inc. (NYSE: AAP) interessant. Die Aktie kam über unseren Turnaround-Scanner auf den Tisch, weil ihre Gewinnzeile gedreht hat. Machen wir also einen Deal: Wir freuen uns nicht über die Gewinnzeile, wir lesen die Zeile darunter. Die Quellen sind die Berichte, die Advance Auto Parts der US-Börsenaufsicht SEC einreicht — der Geschäftsbericht (10-K) für 2025 und der Quartalsbericht (10-Q) zum 25. April 2026. Diese Berichte sind unter Strafandrohung ehrlich. Und sie erzählen von einer Firma, deren Laden wieder funktioniert und deren Kasse trotzdem leerläuft. Was du daraus machst, entscheidest am Ende du.

Inhalt

Was Advance Auto Parts eigentlich macht

Wenn dein Auto morgens nicht anspringt und die Werkstatt in der Nachbarschaft binnen einer Stunde die passende Batterie hat, dann liegt das an einer Firma wie dieser. Advance Auto Parts verkauft Ersatzteile für Autos, die schon auf der Straße sind: Batterien, Bremsen, Riemen, Kupplungen, Anlasser, Kühler, dazu Öl, Filter und Frostschutz. Die Firma bedient zwei Kundengruppen — Profis (Werkstätten, die das Teil sofort brauchen) und Selbstschrauber (die englische Branchenabkürzung dafür lautet DIY, „do it yourself“).

Zum 3. Januar 2026 betrieb das Unternehmen 4.305 eigene Filialen, überwiegend in den USA, dazu Standorte in Kanada, Puerto Rico und auf den Amerikanischen Jungferninseln; 4.066 davon liefen unter der Marke Advance Auto Parts, 239 unter Carquest. Weitere 809 unabhängig geführte Carquest-Läden werden beliefert, ohne dem Konzern zu gehören. Zum 25. April 2026 waren es 4.308 eigene Filialen. Beschäftigt waren zum 3. Januar 2026 28.274 Vollzeit- und 25.733 Teilzeitkräfte; 87,4 Prozent davon arbeiten im Laden, 8,5 Prozent in Verteilzentren, 4,1 Prozent in der Verwaltung.

Das Geschäftsjahr ist eine kleine Stolperfalle, deshalb gleich am Anfang: Es umfasst 52 oder 53 Wochen und endet am Samstag, der dem 31. Dezember am nächsten liegt. Das Geschäftsjahr 2025 endete am 3. Januar 2026 und hatte 53 Wochen, eine Woche mehr als das Vorjahr. Und das erste Quartal ist bei Advance Auto Parts 16 Wochen lang, die drei übrigen jeweils zwölf. Wer Quartale dieser Firma mit denen anderer Händler vergleicht, vergleicht unterschiedlich lange Zeiträume.

Ein zweiter Punkt gehört an den Anfang, weil er fast jede Mehrjahresreihe verzerrt: Am 1. November 2024 hat Advance Auto Parts das Großhandelsgeschäft Worldpac verkauft, Nettoerlös rund 1,44 Milliarden US-Dollar. Seither weisen die Berichte alle Vorjahre auf fortgeführte Geschäfte zurückgerechnet aus. Der Umsatz 2023 sank dadurch in der Darstellung von 11,29 auf 9,21 Milliarden US-Dollar — dieselbe Firma, andere Abgrenzung. Alle Mehrjahreszahlen in dieser Analyse stammen aus der zurückgerechneten Reihe der fortgeführten Geschäfte; nur so vergleicht man Gleiches mit Gleichem.

Und ein dritter: Am 13. November 2024 beschloss der Aufsichtsrat einen Sanierungsplan. Rund 500 eigene Filialen, rund 200 unabhängige Standorte und vier Verteilzentren wurden geschlossen; abgeschlossen war das im ersten Quartal 2025. Allein 2025 machten 522 Läden zu, 39 eröffneten neu. Der Aufwand dafür stand mit 309 Millionen US-Dollar (2024) und 204 Millionen (2025) in der Gewinn- und Verlustrechnung. Das ist der Grund, warum die Umsatzreihe fällt — es fehlen Läden, nicht unbedingt Kunden.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — 6 von 8 Punkten, aber nicht in den sichtbaren 25

Der Aufhänger ist eine Momentaufnahme, kein Dauerzustand. Bei einer Messung am 27. Juli 2026 — der zugrunde liegende Scanner-Lauf datiert auf den 26. Juli 2026 — steht Advance Auto Parts als Treffer in unserem hauseigenen Turnaround-Scanner mit Marktfilter USA. Und hier gleich die ehrliche Ansage: Auf der Scanner-Seite siehst du AAP nicht. Die Liste zeigt nur die 25 stärksten von 60 Treffern. Advance Auto Parts erreicht im Wende-Check 6 von 8 Punkten — genau das Mindestmaß, mit dem man überhaupt in die Liste kommt. Und auf diesen 6 Punkten liegen 44 der 60 Titel; nur ein einziger schafft 8 Punkte, fünfzehn schaffen 7. AAP liegt damit rechnerisch irgendwo zwischen Rang 26 und Rang 60 — im hinteren Feld, aber innerhalb der Kriterien. Die Listen werden täglich neu berechnet; Punktzahl und Trefferzahl von morgen sind andere als die von heute.

Was prüft dieser Scanner? Vier Säulen. Die ersten beiden sind Pflicht. Erstens der Absturz: mindestens 50 Prozent unter dem Allzeithoch. Zweitens das Überleben: Altman-Z-Wert außerhalb der Gefahrenzone, höchstens ein Bilanz-Warnsignal, positives Eigenkapital. Die Säulen drei und vier sind eine Acht-Punkte-Checkliste aus operativer Wende (Umsatz stabilisiert sich, Nettomarge dreht, operativer Cashflow verbessert sich, Bilanz heilt) und Markt-Bestätigung (Kurs über der 50-Tage-Linie, relative Stärke dreht, Insider kaufen netto, große Fonds stocken auf). Ab sechs Punkten gilt eine Aktie als Treffer.

Den Absturz haben wir gegen die Kurshistorie nachgemessen, weil diese Pflicht-Säule sonst nur eine Behauptung wäre. Das Allzeithoch auf Schlusskursbasis lag bei 241,91 US-Dollar am 15. November 2021. Gegen den Schlusskurs von 55,80 US-Dollar vom 24. Juli 2026 sind das rund 77 Prozent Abstand; unser eigener Datensatz führt an derselben Stelle −73,3 Prozent. Die Schwelle von 50 Prozent ist in beiden Rechnungen nicht knapp, sondern deutlich erfüllt: Wer 2021 auf dem Hoch eingestiegen ist, hat gut drei Viertel verloren. Der Altman-Z-Wert — ein Insolvenz-Frühwarnsystem aus mehreren Bilanzkennzahlen — steht bei 6,56; über 3 gilt als sicher, unter etwa 1,1 als Gefahrenzone.

Und jetzt der Widerspruch, der diese Analyse trägt: Derselbe Datensatz führt für Advance Auto Parts einen Piotroski-F-Score von 3 von 9. Der Piotroski-Score prüft neun Ja-Nein-Fragen zu Gewinn, Cashflow, Verschuldung und Effizienz; ab 7 gilt eine Firma als solide, unter 3 ist es ein Warnsignal. Ein Altman-Z von 6,56 neben einem Piotroski von 3 heißt übersetzt: Die Firma geht nicht pleite, aber sie verdient auch nichts. Genau in dieser Lücke liegt der ganze Fall.

Bei derselben Messung besteht AAP insgesamt sechs unserer Scanner-Strategien — neben den Turnaround-Kandidaten auch drei Trend- und Ausbruchslisten sowie eine Qualitätsliste. Diese Konfluenz beschreibt das Muster ganz gut: ein Kurs, der läuft, auf Zahlen, die noch nicht laufen. Zur Marktbestätigung gehört, dass der Kurs zum Datenstand 26. Juli 2026 gut 51 Prozent über dem Stand von sechs Monaten zuvor lag und seit Jahresbeginn rund 41 Prozent zulegte, während er nur noch rund 15 Prozent unter dem Zwölf-Monats-Hoch von 64,62 US-Dollar notierte.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Fangen wir mit dem an, was wirklich beeindruckt: Der Laden verkauft wieder besser, und die Marge kommt zurück.

Die Rohertragsmarge — was vom Umsatz nach Einkauf und Logistik übrig bleibt — fiel 2024 auf 37,5 Prozent, weil im Sanierungsjahr Warenbestände abgewertet wurden. 2025 stieg sie auf 43,4 Prozent, ein Sprung von 592 Basispunkten oder knapp sechs Prozentpunkten. Im ersten Quartal 2026 waren es 45,1 Prozent nach 42,9 Prozent. Gleichzeitig sanken die Vertriebs- und Verwaltungskosten ohne Sanierungsaufwand von 43,4 auf 41,3 Prozent des Umsatzes. Und die vergleichbaren Filialumsätze — also der Umsatz der Läden, die seit mindestens einem Jahr offen sind — stiegen 2025 um 0,8 Prozent und im ersten Quartal 2026 um 3,5 Prozent. Das ist keine Kosmetik. Das ist ein Einzelhändler, der wieder Kunden bedient.

Die Umsatzreihe fortgeführter Geschäfte sieht trotzdem nach Schrumpfung aus: 9.149 Millionen US-Dollar (2022), 9.209 (2023), 9.094 (2024), 8.601 (2025). Das Minus von 5,4 Prozent im Jahr 2025 erklärt der Geschäftsbericht mit den Filialschließungen aus dem Sanierungsplan, teilweise ausgeglichen durch die 53. Woche. Wer schließt, verkauft weniger — das ist Absicht, nicht Schwäche. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz erstmals wieder, um 1,2 Prozent auf 2.614 Millionen US-Dollar.

Beim Ergebnis ist die Wende in der Rechnung eindeutig. Das Ergebnis fortgeführter Geschäfte lief von plus 361 Millionen US-Dollar (2022) über minus 30 (2023) und minus 587 (2024) zurück auf plus 68 Millionen (2025). Das Konzernergebnis inklusive des verkauften Worldpac-Geschäfts: 464, 30, minus 336 und plus 44 Millionen. Je Aktie verwässert waren das 2025 0,73 US-Dollar nach minus 5,61 im Vorjahr.

Und jetzt die Zeile darunter — die Kapitalflussrechnung. Sie sagt, wie viel Geld tatsächlich hereinkam:

Balkendiagramm: Ergebnis fortgeführter Geschäfte und operativer Mittelzufluss von Advance Auto Parts 2022 bis 2025 in Millionen US-Dollar. 2022 plus 361 und plus 623; 2023 minus 30 und plus 142; 2024 minus 587 und plus 141; 2025 plus 68 und minus 46.
2025 kehrt sich das Verhältnis um: Das Ergebnis dreht ins Plus, der operative Mittelzufluss ins Minus. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Reihe des operativen Mittelzuflusses fortgeführter Geschäfte lautet: 623 Millionen US-Dollar (2022), 142 (2023), 141 (2024) und minus 46 Millionen (2025). Im Jahr, in dem die Gewinnzeile ins Plus drehte, drehte die Kassenzeile ins Minus. Rechnet man die 252 Millionen US-Dollar Investitionen des Jahres 2025 dagegen, blieb ein freier Mittelabfluss von rund 298 Millionen US-Dollar. Merksatz für den Hausgebrauch: Gewinn ist eine Meinung, Kasse ist eine Tatsache.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Gewinn steht in der Rechnung, das Geld ist abgeflossen

Der Geschäftsbericht selbst führt die Zahl als Kernaussage des Jahres auf — gleich neben den guten Nachrichten zur Marge:

„Cash flows used in operating activities from continuing operations was $46 million during fiscal 2025, a decrease of 132.6% compared with fiscal 2024, primarily attributable to a reduction in our accounts payable and cash charges related to the 2024 Restructuring Plan.“

Übersetzung: „Der Mittelabfluss aus laufender Geschäftstätigkeit fortgeführter Geschäfte betrug im Geschäftsjahr 2025 46 Millionen US-Dollar, ein Rückgang um 132,6 Prozent gegenüber dem Geschäftsjahr 2024, hauptsächlich zurückzuführen auf einen Abbau unserer Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie auf zahlungswirksame Aufwendungen im Zusammenhang mit dem Sanierungsplan 2024.“

— Advance Auto Parts, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 7 Management Overview

Gelb markierte Textstelle aus dem Advance-Auto-Parts-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Aus der laufenden Geschäftstätigkeit fortgeführter Geschäfte flossen im Geschäftsjahr 2025 46 Millionen US-Dollar ab, ein Rückgang um 132,6 Prozent gegenüber 2024.
Die Firma nennt die Ursachen selbst: Abbau der Lieferantenverbindlichkeiten und Sanierungskosten. Hervorhebung von uns. Quelle: Geschäftsbericht 10-K für 2025 bei sec.gov. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Satz ist wichtiger, als er klingt. „Ein Abbau unserer Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen“ heißt: Advance Auto Parts hat seine Lieferanten schneller bezahlt als im Vorjahr. Ein Einzelhändler finanziert sein Lager normalerweise über genau diese Zahlungsziele — er verkauft die Bremsscheibe, bevor er sie bezahlen muss. Wenn dieser Puffer schrumpft, muss die Differenz aus der Kasse kommen. Und im ersten Quartal 2026 flossen erneut 19 Millionen US-Dollar ab, wenn auch deutlich weniger als die 156 Millionen des Vorjahresquartals.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: 2,5 Milliarden Dollar Lieferantenrechnungen strecken Banken vor

Damit sind wir bei der Zahl, die alles andere in den Schatten stellt. Sie steht nicht in der Bilanz, sondern in Anhang 8 des Quartalsberichts:

„All outstanding amounts due to third-party financial institutions related to suppliers participating in such financing arrangements are recorded within accounts payable […]. As of April 25, 2026, and January 3, 2026, the confirmed obligations outstanding under these supplier finance programs to third-party financial institutions were $2.5 billion.“

Übersetzung: „Sämtliche offenen Beträge, die Dritt-Finanzinstituten im Zusammenhang mit Lieferanten geschuldet werden, die an solchen Finanzierungsvereinbarungen teilnehmen, werden innerhalb der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen ausgewiesen […]. Zum 25. April 2026 und zum 3. Januar 2026 beliefen sich die bestätigten offenen Verpflichtungen aus diesen Lieferantenfinanzierungsprogrammen gegenüber Dritt-Finanzinstituten auf 2,5 Milliarden US-Dollar.“

— Advance Auto Parts, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 25. April 2026, Note 8 „Supplier Finance Programs“

Gelb markierte Textstelle aus dem Advance-Auto-Parts-Quartalsbericht 10-Q zum 25. April 2026, Anhang 8: Die bestätigten offenen Verpflichtungen aus Lieferantenfinanzierungsprogrammen gegenüber Dritt-Finanzinstituten betrugen zum 25. April 2026 und zum 3. Januar 2026 jeweils 2,5 Milliarden US-Dollar.
Die Summe steckt vollständig in den Lieferantenverbindlichkeiten der Bilanz. Hervorhebung von uns. Quelle: Quartalsbericht 10-Q zum 25. April 2026 bei sec.gov. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Übersetzen wir das. Ein Teilehersteller liefert und wartet normalerweise 90 Tage auf sein Geld. Bei einem Lieferantenfinanzierungsprogramm verkauft er die Rechnung stattdessen sofort an eine Bank — mit Abschlag, dafür sofort. Die Bank kassiert später bei Advance Auto Parts. Für die Firma ändert sich formal nichts: Der Betrag bleibt in den Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen stehen, es werden keine Vermögenswerte verpfändet. Praktisch ändert sich viel: Der Gläubiger ist nicht mehr der Teilehersteller, mit dem man seit dreißig Jahren Geschäfte macht, sondern ein Finanzinstitut, das die Linie bei schlechten Nachrichten kürzen kann.

Die Größenordnung: 2.500 von 3.054 Millionen US-Dollar Lieferantenverbindlichkeiten — rund 82 Prozent. Das ist mehr als das gesamte Eigenkapital von 2.213 Millionen und rund drei Viertel des Börsenwerts. Und es ist rückläufig: Zum 28. Dezember 2024 lagen die bestätigten Verpflichtungen noch bei 3,2 Milliarden US-Dollar. Diese 0,7 Milliarden Rückgang sind kein Randthema — sie sind ein wesentlicher Teil der Erklärung dafür, warum 2025 Geld aus dem Geschäft abfloss.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Rettung der Bilanz kostet dauerhaft Zinsen

Am 4. August 2025 begab Advance Auto Parts zwei Anleihen: 975 Millionen US-Dollar zu 7,000 Prozent bis August 2030 und 975 Millionen zu 7,375 Prozent bis August 2033. Aus dem Erlös wurde eine alte Anleihe über 300 Millionen zu 5,90 Prozent zurückgezahlt, die im März 2026 fällig gewesen wäre. Netto blieben rund 1,6 Milliarden US-Dollar zusätzliches Geld in der Kasse. Gleichzeitig wurde am 12. August 2025 die alte, unbesicherte Kreditlinie durch eine besicherte ABL-Linie über 1.000 Millionen US-Dollar mit fünf Jahren Laufzeit ersetzt, die auf Forderungen, Vorräte und Kasse zugreift.

Das war klug — und es ist teuer. Wie teuer, zeigt das erste Quartal 2026 in einer einzigen Rechnung:

Wasserfalldiagramm: Advance Auto Parts kommt im ersten Quartal 2026 von 69 Millionen US-Dollar operativem Ergebnis über 65 Millionen Zinsaufwand, 31 Millionen sonstige Erträge und 11 Millionen Steuern auf 24 Millionen Nettoergebnis.
Aus 69 Millionen operativem Gewinn werden 24 Millionen unter dem Strich — der Zinsaufwand frisst fast den gesamten Vorsprung. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Und jetzt der Vergleich mit dem Vorjahresquartal, der die Sache erst richtig zeigt. Das operative Ergebnis verbesserte sich von minus 131 auf plus 69 Millionen US-Dollar — eine Verbesserung um 200 Millionen, getragen von der Marge und von 86 Millionen weniger Sanierungsaufwand. Unter dem Strich standen trotzdem in beiden Quartalen exakt 24 Millionen US-Dollar, das Ergebnis je Aktie fiel sogar leicht von 0,40 auf 0,39 US-Dollar. Warum? Weil der Zinsaufwand von 27 auf 65 Millionen stieg und weil das Vorjahresquartal von einem einmaligen Steuerertrag lebte: Damals stand ein Steuerertrag von 155 Millionen in der Rechnung, darunter allein 126 Millionen aus einem Sondereffekt zu Veräußerungsverlusten; diesmal ein Steueraufwand von 11 Millionen.

Rechne kurz mit: 65 Millionen Zinsen auf 16 Wochen sind rund 210 Millionen US-Dollar im Jahr. Dem stehen sonstige Erträge von 31 Millionen im Quartal gegenüber, im Wesentlichen Zinsen auf die eigene Kasse — hochgerechnet rund 100 Millionen. Netto kostet die Bilanzrettung also grob 110 Millionen US-Dollar pro Jahr, gemessen an einem operativen Ergebnis, das im besten Quartal des Jahres 69 Millionen betrug. Die 2,96 Milliarden US-Dollar Kasse sind kein Vermögen, sie sind geliehen — und die Miete dafür läuft weiter.

Ein Detail dazu, das man kennen sollte: Von den 2.956 Millionen US-Dollar Liquidität zum 25. April 2026 lagen 2.300 Millionen als sogenannte Qualified Cash auf Konten bei den Kreditgebern. Der Quartalsbericht betont, diese Mittel seien nicht gesperrt und das Unternehmen könne frei über sie verfügen — allerdings nur, solange zwei Bedingungen erfüllt sind: eine Mindestverfügbarkeit unter der ABL-Linie von mindestens 12,5 Prozent der Obergrenze beziehungsweise 125 Millionen US-Dollar und eine Überschussverfügbarkeit von mindestens 400 Millionen. Bei Verstoß greifen Kontrollvereinbarungen. Zum Stichtag waren 896 Millionen US-Dollar Kreditlinie frei, gezogen war nichts, 104 Millionen liefen als Akkreditive.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Ein Lieferant in der Insolvenz — und 18 Prozent Wertberichtigung auf die Forderungen

Im dritten Quartal 2025 meldete ein Lieferant Insolvenz nach Chapter 11 an. Der Geschäftsbericht beschreibt ihn und die Folgen so:

„In the third quarter of fiscal 2025, one of the Company’s vendors, a leading auto parts supplier for the automotive aftermarket industry, filed voluntary petitions for Chapter 11 bankruptcy protection with the U.S. Bankruptcy Court for the Southern District of Texas. […] As a result of these events, the Company recorded a non-cash charge of $28 million to cost of sales in the third quarter of fiscal 2025, reflecting estimated future credit losses on certain vendor receivables due from the vendor.“

Übersetzung: „Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025 stellte einer der Lieferanten des Unternehmens — ein führender Zulieferer der Kfz-Ersatzteilbranche — beim US-Konkursgericht für den südlichen Bezirk von Texas freiwillige Anträge auf Gläubigerschutz nach Chapter 11. […] Infolge dieser Ereignisse erfasste das Unternehmen im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025 eine nicht zahlungswirksame Belastung von 28 Millionen US-Dollar in den Umsatzkosten, die geschätzte künftige Kreditausfälle auf bestimmte Forderungen gegen diesen Lieferanten abbildet.“

— Advance Auto Parts, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Note 6 „Receivables, net“

Gelb markierte Textstelle aus dem Advance-Auto-Parts-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Note 6: Ein führender Zulieferer der Kfz-Ersatzteilbranche stellte im dritten Quartal 2025 Antrag auf Gläubigerschutz nach Chapter 11; das Unternehmen erfasste eine nicht zahlungswirksame Belastung von 28 Millionen US-Dollar in den Umsatzkosten.
28 Millionen US-Dollar Abschreibung — mehr als die Hälfte des Konzernergebnisses desselben Jahres. Hervorhebung von uns. Quelle: Geschäftsbericht 10-K für 2025 bei sec.gov. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Warum schuldet ein Lieferant dem Händler überhaupt Geld? Weil im Teilehandel Rückvergütungen üblich sind: Werbekostenzuschüsse, Mengenboni, Garantieerstattungen. Diese Ansprüche stehen bei Advance Auto Parts als Lieferantenforderungen in der Bilanz — zum 25. April 2026 noch 83 Millionen US-Dollar. Insgesamt stehen 491 Millionen US-Dollar Bruttoforderungen in den Büchern, davon 392 Millionen gegen Kunden. Dem gegenüber steht eine Wertberichtigung von 89 Millionen — eine Ausfallquote von rund 18 Prozent. Für einen Händler, dessen Kundschaft aus Werkstätten besteht, ist das ein sehr hoher Wert; im ersten Quartal 2026 kamen weitere 9 Millionen an Zuführungen dazu, 15 Millionen wurden ausgebucht.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Und eine, die in die andere Richtung zeigt

Der Vollständigkeit halber der einzige Fund, der freundlich ist — und der bezeichnenderweise ebenfalls nirgends in der Bilanz steht:

„On February 20, 2026, the U.S. Supreme Court overturned certain U.S. tariffs imposed under the International Emergency Economic Powers (‚IEEPA‘) Act. During fiscal 2025, the Company incurred product costs directly related to the IEEPA tariffs. […] the Company has not recognized any amounts related to IEEPA tariff recoveries within its condensed consolidated financial statements as of April 25, 2026. The Company will continue to assess the recoverability of these tariffs, and will recognize any recoveries when realized or realizable, the amounts of which could be material to the Company’s condensed consolidated financial statements.“

Übersetzung: „Am 20. Februar 2026 hob der Oberste Gerichtshof der USA bestimmte US-Zölle auf, die auf Grundlage des International Emergency Economic Powers Act erhoben worden waren. Im Geschäftsjahr 2025 sind dem Unternehmen Produktkosten entstanden, die unmittelbar mit den IEEPA-Zöllen zusammenhingen. […] Das Unternehmen hat zum 25. April 2026 keine Beträge im Zusammenhang mit IEEPA-Zollerstattungen in seinem verkürzten Konzernabschluss angesetzt. Das Unternehmen wird die Einbringlichkeit dieser Zölle weiter beurteilen und Erstattungen erfassen, sobald sie realisiert oder realisierbar sind; die Beträge könnten für den verkürzten Konzernabschluss wesentlich sein.“

— Advance Auto Parts, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 25. April 2026, Note 4 „Receivables, net“

Gelb markierte Textstelle aus dem Advance-Auto-Parts-Quartalsbericht 10-Q zum 25. April 2026, Note 4: Nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs vom 20. Februar 2026 hat das Unternehmen zum 25. April 2026 keine IEEPA-Zollerstattungen angesetzt; die Beträge könnten wesentlich sein.
Eine mögliche Erstattung, die das Unternehmen selbst als wesentlich bezeichnet — angesetzt sind bislang null US-Dollar. Hervorhebung von uns. Quelle: Quartalsbericht 10-Q zum 25. April 2026 bei sec.gov. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Eine Zahl nennt das Unternehmen nicht — deshalb nennen wir auch keine. Aber das Wort „wesentlich“ stammt vom Unternehmen selbst, und bei einem Konzernergebnis von 44 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2025 ist die Schwelle zur Wesentlichkeit schnell erreicht. Wer diese Aktie verfolgt, hat hier einen konkreten Auslöser, auf den er warten kann.

Was seit dem letzten Quartalsbericht passiert ist

Zwischen dem Quartalsbericht vom 21. Mai 2026 und dem Redaktionsschluss dieser Analyse hat Advance Auto Parts zwei Dinge eingereicht.

Am 14. Juli 2026 ging ein neuer Regalprospekt bei der SEC ein (Formular S-3ASR). Damit kann das Unternehmen jederzeit und ohne weitere Genehmigung Anleihen, Aktien, Vorzugsaktien, Optionsscheine oder Kombinationen daraus begeben — in unbestimmter Höhe. Vor Aufregung sei gewarnt: Der vorherige Regalprospekt datiert vom 25. August 2023 und wäre nach drei Jahren ausgelaufen. Das ist Routine, keine Ankündigung. Wichtig ist es trotzdem, weil es den Weg zu einer Kapitalerhöhung offenhält, ohne dass eine angekündigt wäre.

Am 26. Juni 2026 meldete das Unternehmen den Abgang der Personalvorständin Kristen L. Soler zum 26. Juni 2026, mit beratender Funktion bis zum 10. Juli 2026. Zuvor, am 9. März 2026, war Cynthia T. Jamison neu in den Aufsichtsrat berufen worden. Beides sind Personalien, keine Richtungsentscheidungen.

Was Advance Auto Parts in diesem Zeitraum nicht gemeldet hat, ist ebenso wichtig: keine Übernahmeofferte, keine Fusion, keine Abmeldung von der Börse, keine Kapitalerhöhung. Der Titel notiert unverändert an der New York Stock Exchange, und in der gesamten Einreichungshistorie finden sich weder ein Formular 25 (Börsenabmeldung) noch ein Formular 15 (Deregistrierung) noch eine Angebotsunterlage.

Bewertung: ein halber Umsatz, ein ganzes Fragezeichen

Reden wir über Größenordnungen, nicht über Tageskurse. Zum Datenstand 26. Juli 2026 bringt Advance Auto Parts rund 3,4 Milliarden US-Dollar auf die Waage — 60,3 Millionen Aktien laut Deckblatt des Quartalsberichts vom 18. Mai 2026 mal einem Schlusskurs von 55,80 US-Dollar vom 24. Juli 2026.

Die Kennzahlen dazu, jeweils als Größenordnung:

  • Kurs-Umsatz-Verhältnis rund 0,4. Für jeden Dollar Jahresumsatz zahlst du 40 Cent. Klingt billig — und ist es auch, aber bei einer Nettomarge von 0,5 Prozent kaufst du damit vor allem Umsatz, keinen Gewinn.
  • Kurs-Buchwert-Verhältnis rund 1,5. Die Börse zahlt das Anderthalbfache des bilanziellen Eigenkapitals von 2.213 Millionen US-Dollar. Für einen Händler mit einer Eigenkapitalquote von 18,8 Prozent ist das kein Substanzschnäppchen.
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 50 auf Basis der letzten zwölf Monate — ein Wert, der bei einem Gewinn nahe null wenig aussagt. Die Analystenschätzungen für die kommenden zwölf Monate ergeben ein erwartetes KGV zwischen rund 21 und 24. Die ganze Bewertung hängt also an einer Gewinnerholung, die noch nicht da ist.
  • Unternehmenswert zu EBITDA rund 11 bis 12. Rechnet man Finanzschulden von 3.414 Millionen US-Dollar hinzu und die Kasse von 2.956 Millionen ab, liegt der Unternehmenswert bei rund 3,8 Milliarden — knapp über dem Börsenwert. Die geliehene Kasse gleicht die Schulden fast aus; die Zinsen tun es nicht.

Und der Blick der Profis? Von 28 erfassten Analystenstimmen (Datenstand 26. Juli 2026) rät eine zum starken Kauf, 25 zum Halten und zwei zum Verkauf. Das mittlere Kursziel liegt bei rund 60 US-Dollar und damit nur knapp über dem letzten Schlusskurs. Übersetzt: Die Zunft glaubt weder an den Absturz noch an die Rakete. Ein 25-faches „Halten“ ist die höflichste Art zu sagen, dass niemand die Wende schon abnimmt.

Zur Einordnung lohnt der Seitenblick auf zwei Einzelhändler, die wir mit derselben Brille gelesen haben. Unsere Analyse von Dollar General beschreibt einen Filialisten, der ebenfalls in diesem Turnaround-Scanner steht — mit dem entscheidenden Unterschied, dass dort Geld aus dem Geschäft fließt. Und unsere Analyse von Kohl's zeigt, wie lange ein Einzelhandels-Turnaround dauern kann, wenn die Fläche schrumpft, bevor die Marge kommt.

Zur Aktionärsrendite: Advance Auto Parts zahlt seit 2006 eine Quartalsdividende, zuletzt 1,00 US-Dollar je Aktie in zwölf Monaten bei einer Ausschüttungsquote von rund 31 Prozent. Der Weg dorthin war allerdings steil bergab — die ausgezahlten Beträge fielen von 336 Millionen US-Dollar (2022) über 209 (2023) auf 60 Millionen (2024 und 2025). Aktien zurückgekauft wurde in den Geschäftsjahren 2024 und 2025 keine einzige, obwohl 0,9 Milliarden US-Dollar Ermächtigung offenstehen; der alte Kreditvertrag verbot Rückkäufe am offenen Markt, der neue erlaubt sie unter Bedingungen.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Advance Auto Parts spricht:

  • Die Marge kommt zurück. Rohertragsmarge 43,4 Prozent im Geschäftsjahr 2025 nach 37,5 Prozent, 45,1 Prozent im ersten Quartal 2026 nach 42,9 Prozent — bei gleichzeitig um 216 Basispunkte gesunkener Kostenquote.
  • Der Laden verkauft wieder. Vergleichbare Filialumsätze plus 0,8 Prozent im Geschäftsjahr 2025 und plus 3,5 Prozent im ersten Quartal 2026, erstmals wieder steigender Gesamtumsatz.
  • Die Sanierung ist abgeschlossen. Alle geplanten Schließungen waren im ersten Quartal 2025 erledigt; der Sanierungsaufwand fiel von 309 (2024) über 204 (2025) auf 32 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2026, erwartet werden nur noch 30 bis 40 Millionen bis Ende 2026.
  • Zeit gekauft. 2.956 Millionen US-Dollar Kasse, 896 Millionen freie Kreditlinie und keine Anleihefälligkeit vor Oktober 2027 — die Finanzauflage der ABL-Linie greift nur, wenn die Verfügbarkeit unter eine Schwelle fällt.
  • Ein Geschäft, das nicht verschwindet. Autos altern und brauchen Teile, unabhängig von Konjunktur und Mode; der Anteil der Kategorie Teile und Batterien stieg im ersten Quartal 2026 von 62 auf 64 Prozent des Umsatzes.
  • Eine unverbuchte Chance. Mögliche Zollerstattungen nach dem Urteil vom 20. Februar 2026, die das Unternehmen selbst als potenziell wesentlich bezeichnet und mit null US-Dollar angesetzt hat.

Was dagegen spricht:

  • Das Geld fließt in die falsche Richtung. Minus 46 Millionen US-Dollar operativer Mittelzufluss im Geschäftsjahr 2025, minus 19 Millionen im ersten Quartal 2026, nach Investitionen ein freier Mittelabfluss von rund 298 Millionen im Jahr 2025.
  • Die Bilanz hängt an fremdem Geld. 2.500 von 3.054 Millionen US-Dollar Lieferantenverbindlichkeiten laufen über Banken; 2.300 Millionen der Kasse liegen als Qualified Cash bei den Kreditgebern; die Eigenkapitalquote beträgt 18,8 Prozent.
  • Die Zinsuhr läuft. 65 Millionen US-Dollar Zinsaufwand im ersten Quartal 2026 nach 27 Millionen, dauerhaft rund 210 Millionen im Jahr — bei einem operativen Ergebnis von 69 Millionen im besten Quartal.
  • Forderungsqualität. 89 Millionen US-Dollar Wertberichtigung auf 491 Millionen Bruttoforderungen, dazu 28 Millionen Abschreibung wegen der Insolvenz eines Lieferanten.
  • Ertragskraft nahe null. Nettomarge 0,5 Prozent, Piotroski-Score 3 von 9, hauseigenes Fundamental-Rating C — die Firma verdient an der Nulllinie.
  • Konkurrenz mit besseren Zahlen. Der Bericht nennt Ketten, Onlinehändler, Discounter und Autohäuser als Wettbewerber; im Teilehandel entscheiden Verfügbarkeit und Lieferzeit, und die kosten Lagerbestand.
  • Der Aufhänger ist schwach. 6 von 8 Punkten sind das Mindestmaß; 44 der 60 Treffer liegen auf demselben Wert, und die beiden fehlenden Punkte betreffen ausgerechnet die operative Wende.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Gewinn-ist-Geld-Falle. Advance Auto Parts hat 2025 einen Gewinn ausgewiesen — 44 Millionen US-Dollar, nach einem Verlust von 336 Millionen im Jahr davor. Wer nur diese Zeile liest, sieht eine Wende. Wer eine Zeile weiter liest, sieht 46 Millionen US-Dollar, die aus dem Geschäft abgeflossen sind, und eine Kasse, die nur deshalb voll ist, weil im August 2025 zwei Anleihen zu sieben Prozent begeben wurden.

Das macht Advance Auto Parts nicht zu einer schlechten Firma. Im Gegenteil: Der operative Teil der Geschichte ist echt. Die Marge kommt zurück, die vergleichbaren Filialumsätze steigen wieder, die Sanierung ist durch, und aus einem operativen Quartalsverlust von 131 Millionen wurde ein Gewinn von 69 Millionen. Das ist Handwerk, das gelungen ist. Nur läuft parallel eine zweite Rechnung, und die heißt Zinsen, Lieferantenfinanzierung und Wertberichtigung. Solange die operative Verbesserung kleiner ist als diese zweite Rechnung, bleibt unter dem Strich das, was im ersten Quartal 2026 stand: dieselben 24 Millionen wie ein Jahr zuvor.

Die drei Dinge, auf die es jetzt ankommt, stehen alle im nächsten Quartalsbericht: ob der operative Mittelzufluss endlich ins Plus dreht, ob die 2,5 Milliarden US-Dollar Lieferantenfinanzierung stabil bleiben oder weiter schrumpfen, und ob eine erste Zollerstattung angesetzt wird. Bis dahin gilt der Merksatz vom Anfang: Gewinn ist eine Meinung, Kasse ist eine Tatsache. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Diese Analyse ist journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unterlagen und keine Anlageberatung, keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren und keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie. Aktien können einen Totalverlust bedeuten; Kursverluste bis zum vollständigen Verlust des eingesetzten Kapitals sind möglich. Alle Zahlen stammen aus den genannten Originalquellen mit dem jeweils angegebenen Stichtag und können sich seither verändert haben. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Advance Auto Parts, Inc.

Unser Fazit auf einen Blick

Operative Wende positiv
Die Rohertragsmarge stieg im Geschäftsjahr 2025 auf 43,4 Prozent nach 37,5 Prozent und im ersten Quartal 2026 auf 45,1 Prozent nach 42,9 Prozent. Die vergleichbaren Filialumsätze legten 2025 um 0,8 Prozent und im ersten Quartal 2026 um 3,5 Prozent zu. Aus einem operativen Quartalsverlust von 131 Millionen US-Dollar wurde ein operativer Gewinn von 69 Millionen.
Mittelzufluss negativ
Aus der laufenden Geschäftstätigkeit fortgeführter Geschäfte flossen im Geschäftsjahr 2025 46 Millionen US-Dollar ab, nach plus 141 Millionen (2024), plus 142 (2023) und plus 623 (2022). Nach 252 Millionen Investitionen blieb ein freier Mittelabfluss von rund 298 Millionen; im ersten Quartal 2026 flossen weitere 19 Millionen ab.
Bilanz und Finanzierung negativ
Das Eigenkapital von 2.213 Millionen US-Dollar entspricht 18,8 Prozent der Bilanzsumme von 11.799 Millionen (25.04.2026). Von 3.054 Millionen Lieferantenverbindlichkeiten laufen 2.500 Millionen über Lieferantenfinanzierungsprogramme, von 2.956 Millionen Liquidität liegen 2.300 Millionen als Qualified Cash bei den Kreditgebern. Der Nennwert der Anleihen stieg von 1.800 auf 3.450 Millionen US-Dollar.
Zinslast negativ
Der Zinsaufwand stieg im ersten Quartal 2026 auf 65 Millionen US-Dollar nach 27 Millionen im Vorjahresquartal — hochgerechnet rund 210 Millionen im Jahr, denen sonstige Erträge von rund 100 Millionen gegenüberstehen. Ursache sind die im August 2025 begebenen Anleihen über 975 Millionen zu 7,000 Prozent und 975 Millionen zu 7,375 Prozent.
Aussagekraft des Aufhängers neutral
Der Wende-Check ergibt bei der Messung am 27. Juli 2026 genau 6 von 8 Punkten — das Mindestmaß für die Aufnahme; 44 der 60 Treffer der US-Auswahl liegen auf demselben Wert, und AAP steht nicht unter den 25 sichtbaren. Die Pflicht-Säulen sind unstrittig erfüllt: rund 77 Prozent Abstand zum Schlusskurs-Allzeithoch von 241,91 US-Dollar vom 15.11.2021 und ein Altman-Z von 6,56. Daneben steht ein Piotroski-Score von 3 von 9.
Bewertung neutral
Bei rund 3,4 Milliarden US-Dollar Börsenwert (Datenstand 26.07.2026) liegt das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei rund 0,4 und das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei rund 1,5. Das nachlaufende Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 50 sagt bei einer Nettomarge von 0,5 Prozent wenig; die Analystenschätzungen ergeben ein erwartetes KGV zwischen rund 21 und 24. Von 28 Stimmen raten 25 zum Halten, Kursziel rund 60 US-Dollar.

Advance Auto Parts hat den Laden repariert und die Bilanz noch nicht. Marge, vergleichbare Filialumsätze und operatives Ergebnis drehen belegbar nach oben, doch aus dem laufenden Geschäft flossen im Geschäftsjahr 2025 46 Millionen US-Dollar ab und im ersten Quartal 2026 weitere 19 Millionen. Die volle Kasse von 2.956 Millionen stammt aus zwei Anleihen zu 7,000 und 7,375 Prozent, deren Zinsen den operativen Fortschritt im ersten Quartal 2026 vollständig aufzehrten: 24 Millionen Nettoergebnis, genau wie ein Jahr zuvor. Dazu kommen 2.500 Millionen US-Dollar Lieferantenrechnungen in Bankenhand und 89 Millionen Wertberichtigung auf 491 Millionen Bruttoforderungen. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Gelb steht hier für ein Ertrags- und Finanzierungsrisiko, nicht für ein Substanzrisiko. Gegen Rot spricht die belegte Lage: 2.956 Millionen US-Dollar Liquidität und 896 Millionen freie Kreditlinie zum 25.04.2026, keine Anleihefälligkeit vor Oktober 2027, eine nur springende Finanzauflage, ein Altman-Z von 6,56, eine auf 45,1 Prozent gestiegene Rohertragsmarge und vergleichbare Filialumsätze von plus 3,5 Prozent. Gegen Grün spricht ebenso Belegtes: ein operativer Mittelabfluss von 46 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2025 und 19 Millionen im ersten Quartal 2026, eine Nettomarge von 0,5 Prozent, ein Piotroski-Score von 3 von 9, eine Eigenkapitalquote von 18,8 Prozent, 2.500 Millionen US-Dollar bankfinanzierte Lieferantenverbindlichkeiten und ein von 27 auf 65 Millionen gestiegener Zinsaufwand je Quartal.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Aufhänger: Treffer im hauseigenen Turnaround-Scanner mit Marktfilter USA, 6 von 8 Punkten im Wende-Check, Altman-Z 6,56. Von 60 Treffern liegen 44 auf demselben Punktwert; die Scanner-Seite zeigt nur die 25 stärksten, AAP steht dort nicht. Messung 27. Juli 2026, zugrunde liegender Scanner-Lauf 26. Juli 2026; die Listen werden täglich neu berechnet.
  • Datenstand: Geschäftsbericht 10-K für 2025 (Geschäftsjahresende 03.01.2026, eingereicht 13.02.2026), Quartalsbericht 10-Q zum 25.04.2026 (eingereicht 21.05.2026), Regalprospekt S-3ASR vom 14.07.2026, Ad-hoc-Meldungen 8-K vom 10.03.2026 und 26.06.2026; Kennzahlen und Analystenstimmen mit Datenstand 26. Juli 2026, Schlusskurs 24. Juli 2026.
  • Vergleichbarkeit: Alle Mehrjahresreihen stehen auf fortgeführten Geschäften, also ohne das am 01.11.2024 verkaufte Großhandelsgeschäft Worldpac. Ältere Datenbestände zeigen für 2022 und 2023 noch die Konzernzahlen inklusive Worldpac (11.155 und 11.288 Mio. US-$ Umsatz statt 9.149 und 9.209).
  • Kalendereffekt beachten: Das Geschäftsjahr 2025 endete am 03.01.2026 und umfasste 53 statt 52 Wochen; das erste Quartal umfasst bei Advance Auto Parts 16 Wochen, die drei übrigen je zwölf. Quartalsvergleiche mit anderen Händlern sind deshalb nicht deckungsgleich.
  • Zum Abstand vom Allzeithoch: Unser Datensatz führt −73,3 Prozent, die unbereinigte Kurshistorie ergibt rund −77 Prozent (Schlusskurs-Allzeithoch 241,91 US-Dollar am 15.11.2021 gegen 55,80 US-Dollar am 24.07.2026). Beide Werte erfüllen die Scanner-Schwelle von mindestens 50 Prozent deutlich; im Artikel wird die selbst gemessene Zahl verwendet.
  • Zum Börsenwert: Er ist aus 60,3 Millionen Aktien laut Deckblatt des Quartalsberichts vom 18.05.2026 und dem Schlusskurs von 55,80 US-Dollar vom 24.07.2026 gerechnet und stimmt mit dem Wert aus den Fundamentaldaten überein. Anzeigen mit abweichender Aktienzahl können höhere Werte ausweisen.

Häufige Fragen

Advance Auto Parts verkauft Ersatzteile und Wartungsartikel für Autos, die bereits auf der Straße sind: Batterien, Bremsen, Riemen, Anlasser, Öl, Filter und Zubehör. Kunden sind Werkstätten und Selbstschrauber. Zum 25. April 2026 betrieb das Unternehmen 4.308 eigene Filialen unter den Marken Advance Auto Parts und Carquest und belieferte 809 unabhängig geführte Carquest-Läden.

Der Kurs liegt rund 77 Prozent unter dem Schlusskurs-Allzeithoch von 241,91 US-Dollar vom 15. November 2021 (Schlusskurs 55,80 US-Dollar am 24. Juli 2026), das Überleben ist mit einem Altman-Z-Wert von 6,56 und positivem Eigenkapital gesichert, und im Wende-Check erreicht die Aktie 6 von 8 Punkten. Bei der Messung am 27. Juli 2026 war sie damit einer von 60 Treffern der US-Auswahl.

Weil die Scanner-Seite nur die 25 stärksten von 60 Treffern zeigt. Advance Auto Parts erreicht mit 6 von 8 Punkten das Mindestmaß für die Aufnahme, und 44 der 60 Titel liegen auf genau diesem Wert. Rechnerisch liegt die Aktie damit zwischen Rang 26 und Rang 60. Die Listen werden täglich neu berechnet, der zugrunde liegende Lauf stammt vom 26. Juli 2026.

Ja, in der Gewinn- und Verlustrechnung: 44 Millionen US-Dollar Konzernergebnis nach einem Verlust von 336 Millionen im Geschäftsjahr 2024, das entspricht 0,73 US-Dollar je Aktie. In der Kapitalflussrechnung sieht es anders aus: Aus der laufenden Geschäftstätigkeit fortgeführter Geschäfte flossen 46 Millionen US-Dollar ab, nach 252 Millionen Investitionen rund 298 Millionen.

Ein Lieferant verkauft seine offene Rechnung gegen Abschlag sofort an eine Bank, statt auf das Zahlungsziel zu warten; die Bank kassiert später beim Händler. Bei Advance Auto Parts liefen zum 25. April 2026 2.500 von 3.054 Millionen US-Dollar Lieferantenverbindlichkeiten über solche Programme — rund 82 Prozent und mehr als das gesamte Eigenkapital von 2.213 Millionen.

Weil zwei Posten den operativen Fortschritt aufzehrten. Das operative Ergebnis verbesserte sich von minus 131 auf plus 69 Millionen US-Dollar, doch der Zinsaufwand stieg von 27 auf 65 Millionen, und das Vorjahresquartal enthielt einen Steuerertrag von 155 Millionen. Unter dem Strich blieben in beiden Quartalen 24 Millionen, je Aktie 0,39 nach 0,40 US-Dollar.

Das Geschäftsjahr umfasst 52 oder 53 Wochen und endet am Samstag, der dem 31. Dezember am nächsten liegt. Das Geschäftsjahr 2025 endete deshalb am 3. Januar 2026 und hatte 53 Wochen. Zusätzlich ist das erste Quartal 16 Wochen lang, die drei übrigen umfassen je zwölf Wochen — Quartalsvergleiche mit anderen Händlern hinken deshalb systematisch.

Ja. Der Aufsichtsrat beschließt seit 2006 eine Quartalsdividende; in den zwölf Monaten bis Juli 2026 waren es 1,00 US-Dollar je Aktie bei einer Ausschüttungsquote von rund 31 Prozent. Die ausgezahlte Summe ist allerdings stark gefallen: von 336 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2022 über 209 Millionen (2023) auf je 60 Millionen in den Geschäftsjahren 2024 und 2025.

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