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Kohl's: 402 eigene Kaufhäuser, 935 Millionen Dollar in der Kasse — und der fünfte Umsatzrückgang in Folge

Kohl's: 402 eigene Kaufhäuser, 935 Millionen Dollar in der Kasse — und der fünfte Umsatzrückgang in Folge

Die Warenhauskette aus Wisconsin hat im Geschäftsjahr 2025 so viel Geld erwirtschaftet wie seit Jahren nicht: 1,38 Milliarden US-Dollar Mittelzufluss aus dem Betrieb, 935 Millionen bereinigter freier Mittelzufluss, Kreditlinie auf null zurückgeführt. Unser hauseigener Aktien-Scanner führt die Aktie deshalb auf Platz 39 von 544 im K-FCF-Ranking und zugleich auf Platz 30 von 81 unter den großen Gewinnüberraschungen (US-Auswahl, Stand 25. Juli 2026). Gleichzeitig sinken die Erlöse das fünfte Jahr in Folge, die Ratings stehen auf Ramschniveau und elf Logistikzentren liegen als Pfand bei den Gläubigern. Wir zählen nach, was wirklich in der Kasse liegt — und was das kleine Preisschild verschweigt.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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Kohl's: 402 eigene Kaufhäuser, 935 Millionen Dollar in der Kasse — und der fünfte Umsatzrückgang in Folge
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

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Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die genau dort zuschlägt, wo Kohl's zu Hause ist: die Wühltisch-Falle. Du gehst durch ein Kaufhaus, siehst einen roten Aufkleber, und dein Kopf springt sofort zur Frage „Wie viel spare ich?“ — und überspringt die eigentliche Frage: Brauche ich das überhaupt? An der Börse funktioniert das identisch. Eine Aktie, die mit dem 2,02-Fachen ihres freien Mittelzuflusses bewertet ist, sieht aus wie der Aufkleber. Kohl's Corporation (NYSE: KSS) ist der Wühltisch und die Ware zugleich. Machen wir also einen Deal: Bevor du den Preis für ein Argument hältst, lesen wir gemeinsam, was das Unternehmen selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für das Geschäftsjahr 2025, den Quartalsbericht (10-Q) zum 2. Mai 2026 und acht Pflichtmitteilungen (8-K) aus fünfzehn Monaten. Diese Berichte erzählen von einer vollen Kasse, einem fünften Jahr mit fallendem Umsatz, elf verpfändeten Logistikzentren — und von einem Vorstandschef, der fristlos gehen musste.

Was Kohl's eigentlich macht — Kaufhaus, Vermieter, Kreditvermittler

Kohl's ist eine Warenhauskette, wie sie in Deutschland kaum noch existiert: kein Innenstadtpalast, sondern ein flacher Kasten am Rand einer Kleinstadt, meist im Fachmarktzentrum neben dem Supermarkt. Zum 2. Mai 2026 waren es 1.151 Filialen in 49 US-Bundesstaaten, nach 1.153 zum 31. Januar 2026 — zusammen rund 81 Millionen Quadratfuß Verkaufsfläche, also etwa 7,5 Millionen Quadratmeter. Verkauft werden Kleidung, Schuhe, Accessoires, Kosmetik und Haushaltswaren im mittleren Preissegment, teils unter Eigenmarken wie Sonoma Goods for Life, Croft & Barrow oder Apt. 9, teils unter fremden Markennamen.

Drei Dinge musst du wissen, um den Rest zu verstehen:

  • Das Geschäftsjahr passt nicht zum Kalender. Es endet am Samstag, der dem 31. Januar am nächsten liegt. Das „Geschäftsjahr 2025“ lief also vom 2. Februar 2025 bis zum 31. Januar 2026 und deckt im Wesentlichen das Kalenderjahr 2025 ab. Das „Geschäftsjahr 2023“ hatte 53 statt 52 Wochen — eine Woche mehr Umsatz, die man beim Vergleich im Kopf behalten muss.
  • Der Konzern ist auch Immobilieneigentümer. Von den 1.153 Standorten zum 31. Januar 2026 waren 402 im Eigentum, 509 gemietet und 242 auf Erbbaugrund errichtet. Dazu kommen elf der dreizehn Verteil- und E-Commerce-Zentren sowie die Konzernzentrale in Menomonee Falls, Wisconsin.
  • Ein Teil des Ertrags kommt aus der Kreditkarte. Die „sonstigen Erlöse“ von 752 Millionen US-Dollar (Geschäftsjahr 2025) stammen überwiegend aus dem Kreditkartengeschäft. Die Karten selbst gehören einem fremden Institut; Kohl's teilt sich mit ihm den risikobereinigten Nettoertrag. Übersetzt: Ein Teil des Gewinns hängt daran, wie zuverlässig die eigene Kundschaft ihre Rechnungen zahlt.

Und dann ist da noch Sephora. Seit 2020 betreibt der Kosmetikhändler Läden im Laden; Ende des Geschäftsjahres 2025 waren es 855 große Shops mit je rund 2.500 Quadratfuß und 294 kleine Formate in über 1.100 Filialen. Beide Seiten teilen sich das Betriebsergebnis dieser Kooperation je zur Hälfte. Das ist die einzige Warenkategorie, die 2025 gewachsen ist. Und damit sind wir beim Spannungsfeld dieser Analyse: Die Kasse von Kohl's war 2025 so voll wie seit Jahren nicht — aber der Laden, der sie füllt, wird jedes Jahr kleiner.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — zwei Ranglisten, zwei Geschichten

Wir lassen täglich rund 3.500 Aktien durch unsere Scanner laufen. Kohl's steht zum Datenstand 25. Juli 2026 gleich in zwei Ranglisten, und das ist der eigentliche Grund für diese Analyse:

  • Platz 30 von 81 im Big-Earnings-Surprise-Ranking (US-Auswahl), sortiert nach relativer Stärke — Kohl's hat dort ein RS-Rating von 77.
  • Platz 39 von 544 im K-FCF-Ranking (US-Auswahl), also unter den Aktien mit dem niedrigsten Verhältnis von Börsenwert zu freiem Mittelzufluss. Der Wert: 2,02.

Zum Selbst-Nachmachen: Scanner öffnen, Länderfilter auf „US“ stellen, die Zeile KSS suchen. Beide Listen werden täglich neu gerechnet — die Platzierungen sind eine datierte Momentaufnahme, keine Eigenschaft der Firma.

Die erste Liste ist verdient. Der gemeldete Gewinn je Aktie lag in den letzten fünf Quartalen jedes Mal über der Analystenschätzung (Fundamentaldaten, Datenstand 25. Juli 2026): +40,9 Prozent (gemeldet am 29. Mai 2025), +86,7 Prozent (27. August 2025), +162,5 Prozent (25. November 2025), +27,4 Prozent (10. März 2026) und +27,8 Prozent (28. Mai 2026). Fünf Treffer in Folge sind kein Zufall — aber sie sagen nur, dass die Erwartung zu niedrig war, nicht dass das Geschäft wächst. Ein Überraschungs-Scanner misst den Abstand zu einer Prognose, nicht die Qualität dessen, was überrascht hat.

Die zweite Liste braucht eine ehrliche Fußnote. Das Verhältnis 2,02 rechnet einen Börsenwert von rund 2,0 Milliarden US-Dollar gegen den freien Mittelzufluss der zurückliegenden zwölf Monate. Nimmt man stattdessen die Zahlen aus dem Geschäftsbericht selbst — 1.008 Millionen US-Dollar freier Mittelzufluss beziehungsweise 935 Millionen bereinigt —, landet man bei etwa dem Zweifachen. Die Größenordnung bleibt also: Der Markt bezahlt für Kohl's ungefähr zwei Jahresmittelzuflüsse. Wie schnell eine solche Billig-Optik trügen kann, haben wir bei Grocery Outlet gesehen, wo ein wachsender Discounter trotz Wachstum an der eigenen Marge scheiterte. Die Frage, die jetzt zählt, ist deshalb nicht „Wie billig?“, sondern „Wie wiederholbar?“.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich für Kohl's spricht, und das ist mehr, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Der Konzern war in jedem der letzten drei Geschäftsjahre profitabel. Er hat 2025 die im Juli fällige Anleihe über 353 Millionen US-Dollar aus eigener Kraft zurückgezahlt, die Kreditlinie von 290 Millionen auf null zurückgeführt und die Kasse von 134 auf 674 Millionen US-Dollar aufgefüllt. Die Rohertragsmarge stieg auf 37,5 Prozent des Nettoumsatzes und im ersten Quartal 2026 sogar auf 39,9 Prozent. Und der Vorrat sank um 7 Prozent — bei einem Händler ist das die sauberste Form von Disziplin.

Das Problem sieht man erst, wenn man fünf Jahre nebeneinanderlegt:

Balkendiagramm der Gesamterlöse von Kohl's in Millionen US-Dollar je Geschäftsjahr: 19.433 (2021), 18.098 (2022), 17.476 (2023), 16.221 (2024), 15.527 (2025).
Fünf Geschäftsjahre, fünf Rückgänge: Die Gesamterlöse sind von 19,43 auf 15,53 Milliarden US-Dollar gefallen — ein Minus von 20 Prozent. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Im Geschäftsjahr 2025 sank der Nettoumsatz um 4,0 Prozent auf 14,78 Milliarden US-Dollar, die vergleichbaren Umsätze um 3,1 Prozent. Getrieben wurde das von einem Rückgang der Zahl der Einkäufe um rund 4 Prozent. Nur eine einzige Warengruppe wuchs: Accessoires einschließlich Sephora, plus 2,0 Prozent auf 3,12 Milliarden. Alles andere fiel — Damenmode auf 3,60 Milliarden (−5,7 Prozent), Herren auf 2,93 (−4,8), Haushalt auf 2,21 (−4,3), Kinder auf 1,70 (−6,5), Schuhe auf 1,21 (−6,9). Dass Schuhe kein sterbendes Geschäft sind, zeigt der Blick zur Konkurrenz: Bei Deckers Outdoor, dem Haus hinter Ugg und Hoka, wächst genau diese Kategorie seit Jahren. Die Ware ist also nicht das Problem — der Ort, an dem sie liegt, schon eher.

Der Gewinn dagegen stieg deutlich: 272 Millionen US-Dollar nach 109 Millionen, das Ergebnis je verwässerter Aktie von 0,98 auf 2,38 US-Dollar. Hier lohnt der zweite Blick. Bereinigt um Sondereffekte — dazu gleich mehr — waren es nur 186 Millionen beziehungsweise 1,62 US-Dollar, nach 167 Millionen und 1,50 US-Dollar im Vorjahr. Das operative Ergebnis lag bereinigt bei 510 Millionen gegenüber 509 Millionen im Vorjahr. Übersetzt: Das Kerngeschäft hat 2025 exakt so viel verdient wie 2024. Der Sprung im ausgewiesenen Gewinn kam von woanders.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Rekord-Mittelzufluss war zur Hälfte geliehen

Das Kassenjahr 2025 ist echt — aber es ist nicht wiederholbar. Sieh dir an, woraus es besteht:

Balkendiagramm für Kohl's in Millionen US-Dollar: Mittelzufluss aus dem Betrieb 1.168 (2023), 648 (2024), 1.380 (2025) und bereinigter freier Mittelzufluss 519 (2023), 104 (2024), 935 (2025).
Der Ausschlag von 2025: 1,38 Milliarden US-Dollar aus dem Betrieb und 935 Millionen bereinigter freier Mittelzufluss — nach nur 104 Millionen im Vorjahr. Quelle: Geschäftsbericht 10-K für 2025 (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zwei Posten erklären fast den gesamten Sprung von 648 auf 1.380 Millionen US-Dollar. Erstens der Vergleichsgewinn von 129 Millionen US-Dollar aus einem Rechtsstreit um Kreditkarten-Interbankenentgelte, in dem Kohl's Klägerin war — Geld, das genau einmal fließt. Zweitens der Abbau der Vorräte um 203 Millionen US-Dollar. Ein Lager, das man leert, füllt einmalig die Kasse; danach ist es leer. Rechnet man beides heraus, bleiben rund 1,05 Milliarden — immer noch ordentlich, aber eben kein Rekord.

Und das erste Quartal 2026 zeigt die andere Richtung: 74 Millionen US-Dollar Mittelabfluss aus dem Betrieb, weil die Vorräte wieder um 151 Millionen aufgebaut wurden. Das ist saisonal normal — im Vorjahresquartal waren es minus 92 Millionen —, aber es erinnert daran, wofür der Jahreswert steht. Merksatz: Ein Cashflow, der aus dem Lager kommt, ist eine Umschichtung, keine Ertragskraft.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die eigentliche Schuld sind nicht die Anleihen, sondern die Mieten

Auf den ersten Blick sieht die Verschuldung fast entspannt aus: 1.405 Millionen US-Dollar Nennwert an Anleihen zum 2. Mai 2026, nichts davon kurzfristig fällig, und die Kreditlinie über 1,5 Milliarden ungezogen. Der Konzern hat im vierten Quartal 2025 Anleihen über 87 Millionen und im ersten Quartal 2026 über weitere 50 Millionen am offenen Markt zurückgekauft — mit Gewinnen von 11 beziehungsweise 9 Millionen, weil die Papiere unter Nennwert notierten.

Der zweite Blick fällt eine Zeile tiefer. Zum 2. Mai 2026 stehen in der Bilanz zusätzlich 2.338 Millionen US-Dollar langfristige Finanzierungsleasing- und Finanzierungsverbindlichkeiten sowie 2.624 Millionen US-Dollar langfristige Verbindlichkeiten aus operativem Leasing, dazu 89 beziehungsweise 95 Millionen kurzfristig. Das sind die Mieten für die 509 gemieteten Warenhäuser und die 242 Erbbaurechte — mit Laufzeiten von typischerweise 20 bis 25 Jahren plus vier bis acht Verlängerungsoptionen zu je fünf Jahren. In Summe wiegen die Leasingverpflichtungen rund das Dreieinhalbfache der Anleihen. Genau deshalb liegt der Unternehmenswert der Aktie mit rund 8,2 Milliarden US-Dollar (Datenstand 25. Juli 2026) beim Vierfachen des Börsenwerts. Wer die Aktie für zwei Milliarden kauft, kauft ein Unternehmen für acht.

Und das Tafelsilber ist bereits teilweise verpfändet. Der Anhang zum Quartalsbericht sagt es unverblümt:

„In the second quarter of 2025, we issued $360 million aggregate principal amount of 10.000% senior secured notes due 2030 and received proceeds of $357 million, net of the debt discount. The notes are guaranteed by certain of our subsidiaries. Certain of these guarantees are secured by eleven distribution centers and E-commerce Fulfillment Centers, which are held by our subsidiaries, as well as the equity interests in one of our subsidiaries.“

Übersetzung: „Im zweiten Quartal 2025 haben wir vorrangig besicherte Schuldverschreibungen über einen Gesamtnennbetrag von 360 Millionen US-Dollar mit einem Kupon von 10,000 Prozent und Fälligkeit 2030 begeben und einen Erlös von 357 Millionen US-Dollar nach Abzug des Emissionsabschlags erhalten. Die Schuldverschreibungen sind von einzelnen unserer Tochtergesellschaften garantiert. Bestimmte dieser Garantien sind durch elf Verteil- und E-Commerce-Fulfillment-Zentren besichert, die von unseren Tochtergesellschaften gehalten werden, sowie durch die Anteile an einer unserer Tochtergesellschaften.“

— Kohl's Corporation, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 2. Mai 2026, Anhang 3 „Debt“

Dass diese Zentren überhaupt etwas wert sind, steht ein paar Seiten weiter vorn im Geschäftsbericht:

Markierte Fundstelle aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025: Kohl's besitzt alle Verteil- und E-Commerce-Zentren mit Ausnahme von San Bernardino, Kalifornien, und Corsicana, Texas.
Elf von dreizehn Logistikzentren gehören dem Konzern — und genau elf dienen als Sicherheit für die 2030er-Anleihe. Hervorhebung von uns. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 2 „Properties“. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Ratings stehen auf Ramschniveau — und eine Anleihe zahlt dafür

Kreditratings sind das Preisschild, das ein Unternehmen für geliehenes Geld bezahlt. Zum 31. Januar 2026 lauteten sie: Moody's B2 (Ausblick stabil), S&P B+ (negativ), Fitch BB− (negativ). Alle drei liegen unterhalb der Schwelle, ab der Anleihen als solide gelten — im Fachjargon „unter Investment Grade“, umgangssprachlich Ramsch. Im Geschäftsjahr 2025 hat Moody's das Konzernrating von Ba3 auf B2 gesenkt, S&P von BB− auf B+; das Rating der unbesicherten Anleihen fiel bei Moody's von B1 auf B3.

Das kostet unmittelbar Geld. Die 2031er-Anleihe enthält eine Zinstreppe: Fällt das Rating unter bestimmte Schwellen, steigt der Kupon. Seit der Emission ist er dadurch um 175 Basispunkte gestiegen — aus ursprünglich 3,375 Prozent wurden 5,13 Prozent auf die noch ausstehenden 381 Millionen US-Dollar. Das sind rund 6,7 Millionen US-Dollar Mehrzinsen im Jahr, allein für die schlechtere Note. Eine Verbesserung deutet sich immerhin an: Im ersten Quartal 2026 hob Moody's den Ausblick auf „positiv“.

Interessanterweise arbeiten die Banken bereits gegen das Bild. Am 30. Juni 2026 unterschrieb Kohl's einen Nachtrag zur Kreditlinie:

Markierte Fundstelle aus der SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 1. Juli 2026: Der zweite Nachtrag verlängert die Kreditlinie um fünf Jahre bis zum 30. Juni 2031 und senkt die Marge.
Fünf Jahre mehr Zeit, günstigere Marge — und eine neue Reserve für Anleihe-Fälligkeiten, die die verfügbare Linie kürzt. Hervorhebung von uns. Quelle: SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 1. Juli 2026, Item 1.01. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Laufzeit läuft nun bis zum 30. Juni 2031, die Marge liegt bei 1,25 bis 1,50 Prozentpunkten über dem Referenzzins SOFR, und Ware auf dem Transportweg zählt bis zu 15 Prozent zur Bemessungsgrundlage. Wer genau liest, findet aber auch den Halbsatz, mit dem die Banken ihre Vorsicht dokumentieren: Die verfügbare Linie wird künftig um eine „Debt Maturity Reserve“ gekürzt — um das Geld also, das für die nächsten Anleihe-Fälligkeiten gebraucht wird.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Der Vorstandschef musste fristlos gehen

Am 1. Mai 2025 meldete Kohl's der SEC einen Vorgang, den man in Pflichtmitteilungen selten so deutlich liest:

„On April 30, 2025, the Board of Directors (the “Board”) of the Company terminated J. Ashley Buchanan as the Company’s Chief Executive Officer for Cause (as defined in the Executive Compensation Agreement dated as of January 15, 2025 between Mr. Buchanan and Kohl’s, Inc. (the “ECA”)), effective immediately.“

Übersetzung: „Am 30. April 2025 hat der Verwaltungsrat der Gesellschaft J. Ashley Buchanan mit sofortiger Wirkung aus wichtigem Grund als Vorstandsvorsitzenden der Gesellschaft entlassen (wichtiger Grund im Sinne der Vorstandsvergütungsvereinbarung vom 15. Januar 2025 zwischen Herrn Buchanan und Kohl's, Inc.).“

— Kohl's Corporation, SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 1. Mai 2025, Item 5.02

Markierte Fundstelle aus der SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 1. Mai 2025: Der Verwaltungsrat entließ J. Ashley Buchanan mit sofortiger Wirkung aus wichtigem Grund und verkleinerte sich von zwölf auf elf Mitglieder.
Fristlose Entlassung nach 106 Tagen im Amt — der Verwaltungsrat schrumpfte gleichzeitig von zwölf auf elf Sitze. Hervorhebung von uns. Quelle: SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 1. Mai 2025. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Mitteilung nennt auch den Grund: Eine externe Kanzlei hatte im Auftrag des Prüfungsausschusses festgestellt, dass Buchanan Geschäfte mit einem Anbieter veranlasst hatte, der von einer Person mit persönlicher Nähe zu ihm gegründet worden war — zu „hoch ungewöhnlichen, für den Anbieter günstigen Bedingungen“. Dazu kam ein Beratungsvertrag über mehrere Millionen US-Dollar, in dessen Team dieselbe Person saß. Offengelegt hatte er die Beziehung in keinem der beiden Fälle. Folge: sämtliche Aktienzusagen verfallen, 2,5 Millionen US-Dollar Antrittsprämie anteilig zurückzuzahlen, keine Abfindung. Der Bericht stellt ausdrücklich fest, dass die Entlassung nichts mit der Geschäftsentwicklung oder der Rechnungslegung zu tun hatte.

Seither führt Michael J. Bender das Haus — zunächst kommissarisch ab dem 1. Mai 2025, seit dem 23. November 2025 fest bestellt, mit 1.475.000 US-Dollar Grundgehalt, einem Bonusziel von 175 Prozent und einer jährlichen Aktienzusage von mindestens 9,5 Millionen US-Dollar. Am 10. Juni 2026 kam die nächste Personalie: Elliott Rodgers, zuvor Betriebsvorstand bei Foot Locker, tritt am 9. September 2026 als Chief Operating Officer an. Ein Vorstandsteam, das im Kern jünger als ein Jahr ist, führt einen Konzern durch das fünfte Jahr mit fallendem Umsatz. Das ist weder gut noch schlecht — aber es ist ein Risiko ohne Erfolgsbilanz.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Die Dividende wurde um drei Viertel gekürzt

Wer Kohl's als Dividendenwert im Depot hatte, hat 2025 eine schmerzhafte Lektion bekommen. Ausgeschüttet wurden im Geschäftsjahr 2024 noch 2,00 US-Dollar je Aktie, insgesamt 222 Millionen. Im Geschäftsjahr 2025 waren es 0,50 US-Dollar je Aktie, insgesamt 56 Millionen — ein Minus von 75 Prozent. Seither zahlt der Konzern 0,125 US-Dollar je Quartal; zuletzt beschlossen am 20. Mai 2026, zahlbar am 24. Juni 2026.

Aktienrückkäufe gab es weder 2024 noch 2025 noch im ersten Quartal 2026, obwohl aus einer Ermächtigung von Februar 2022 noch rund 2,48 Milliarden US-Dollar offen sind. Das Unternehmen formuliert es im Quartalsbericht vorsichtig: Man werde die Wiederaufnahme prüfen, „während wir unsere Bilanz weiter festigen und unsere Geschäftsergebnisse verbessern“. Die Kapitalverwendung ist damit klar sortiert — erst das Geschäft, dann die Dividende, dann der Schuldenabbau, und erst danach die Aktionäre. Merke: Eine Dividendenrendite ist erst dann eine Rendite, wenn sie die nächste schwache Saison überlebt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 6: 190 Millionen US-Dollar Zölle sind bezahlt — die Rückerstattung steht nur im Text

Die vielleicht spannendste Zahl des Quartalsberichts taucht in keiner Bilanzzeile auf:

Markierte Fundstelle aus dem Quartalsbericht 10-Q zum 2. Mai 2026: Kohl's zahlte rund 190 Millionen US-Dollar IEEPA-Zölle und beantragte rund 140 Millionen US-Dollar Rückerstattung.
140 Millionen US-Dollar beantragte Rückerstattung — nach dem Modell der Gewinn-Eventualität erst dann gebucht, wenn das Geld realisierbar ist. Hervorhebung von uns. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 2. Mai 2026, Item 2. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Ablauf in Kurzform: Die US-Regierung erhob ab 2025 Zölle auf breiter Front. Kohl's zahlte zwischen Februar 2025 und Februar 2026 rund 190 Millionen US-Dollar. Am 20. Februar 2026 kippte der Oberste Gerichtshof der USA einen Teil dieser Zölle; Kohl's beantragte daraufhin rund 140 Millionen US-Dollar zurück. Vier Tage später berief sich die Regierung auf eine andere Rechtsgrundlage und erhob neue Zölle — gegen die im Mai 2026 wiederum das US-Außenhandelsgericht entschied, wobei das Urteil bis zur Berufung ausgesetzt ist. Kohl's zahlt weiter und beobachtet.

Für Anleger heißt das: Es liegt ein möglicher Ertrag von 140 Millionen US-Dollar in der Luft — rund 7 Prozent des Börsenwerts —, der nirgends bilanziert ist und dessen Eintritt niemand terminieren kann. Kommt er, verbessert er die Marge eines Quartals kräftig. Kommt er nicht, hat ihn nie jemand gezählt. Beides ist möglich; die Berichte sagen ausdrücklich, dass Verfügbarkeit, Zeitpunkt und Höhe „ungewiss“ bleiben.

Bewertung — was der Markt hier eigentlich einpreist

Alle Angaben in diesem Abschnitt sind Größenordnungen zum Datenstand 25. Juli 2026, keine Tageskurse. Bei rund 2,0 Milliarden US-Dollar Börsenwert und 113.399.993 ausstehenden Aktien (Deckblatt des Quartalsberichts, eingereicht am 4. Juni 2026) ergeben sich:

  • Kurs-Umsatz-Verhältnis rund 0,13. Der Markt bezahlt für einen Dollar Jahresumsatz etwa 13 Cent. Zum Vergleich: Bei einem gesunden Filialisten liegt dieser Wert eher zwischen 0,5 und 1.
  • Kurs-Buchwert rund 0,51. Das Eigenkapital lag zum 2. Mai 2026 bei 4,02 Milliarden US-Dollar, der Buchwert je Aktie bei rund 35,61 US-Dollar. Die Börse bewertet das Unternehmen also mit gut der Hälfte dessen, was in den Büchern steht — bei einem Konzern, der 402 Warenhäuser besitzt, ist das eine Aussage.
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 7,6 auf das Zwölfmonatsergebnis von 2,35 US-Dollar je Aktie. Auf die eigene Prognose für 2026 — bereinigt 1,00 bis 1,60 US-Dollar je Aktie — wären es 11 bis 18.
  • Unternehmenswert rund 8,2 Milliarden US-Dollar, also das Vierfache des Börsenwerts, und damit ein Verhältnis von Unternehmenswert zu operativem Ergebnis vor Abschreibungen von etwa 6,2. Der Unterschied zum Börsenwert sind Schulden und Leasing.

Der Blick der Profis ist gespalten und insgesamt skeptisch: Von 16 Häusern raten eines mit Nachdruck zum Kauf, sieben zum Halten, sechs zum Verkauf und zwei mit Nachdruck zum Verkauf; das mittlere Kursziel liegt bei 17,85 US-Dollar. Auffällig ist außerdem die Leerverkaufsquote: Rund 29,9 Millionen Aktien beziehungsweise gut 31 Prozent des Streubesitzes waren zum Datenstand 25. Juli 2026 leerverkauft. Übersetzt: Ein knappes Drittel der frei handelbaren Aktien ist gegen das Unternehmen gewettet. Das ist kein Kaufargument — aber es erklärt, warum diese Aktie auf gute Nachrichten so heftig reagiert.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Kohl's spricht:

  • Die Kasse funktioniert. 1,38 Milliarden US-Dollar Mittelzufluss aus dem Betrieb und 935 Millionen bereinigter freier Mittelzufluss im Geschäftsjahr 2025; Kassenbestand 674 Millionen zum 31. Januar 2026, 429 Millionen zum 2. Mai 2026.
  • Die Bilanz wurde entlastet. Die Kreditlinie über 1,5 Milliarden US-Dollar war zum 2. Mai 2026 mit null gezogen, nach 545 Millionen ein Jahr zuvor; die im Juli 2025 fällige Anleihe über 353 Millionen wurde aus eigener Kraft getilgt; die Laufzeit der Linie reicht seit dem 30. Juni 2026 bis 2031.
  • Substanz im Grundbuch. 402 Warenhäuser im Eigentum, elf von dreizehn Logistikzentren, die Konzernzentrale; Sachanlagen mit 6,78 Milliarden US-Dollar Buchwert (2. Mai 2026) gegen einen Börsenwert von rund 2,0 Milliarden.
  • Die Marge steigt. Rohertragsmarge 37,5 Prozent im Geschäftsjahr 2025 (plus 34 Basispunkte) und 39,9 Prozent im ersten Quartal 2026; Vorräte minus 8 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
  • Fünf Gewinnüberraschungen in Folge zwischen Mai 2025 und Mai 2026, jede zwischen plus 27 und plus 163 Prozent über der Schätzung.
  • Ein möglicher Sondereffekt von rund 140 Millionen US-Dollar aus beantragten Zollrückerstattungen, der nirgends bilanziert ist.

Was dagegen spricht:

  • Fünf Jahre fallender Umsatz — von 19,43 auf 15,53 Milliarden US-Dollar Gesamterlöse; die eigene Prognose für 2026 lautet minus 2 Prozent bis Stillstand und wurde am 28. Mai 2026 bestätigt.
  • Der Rekord-Mittelzufluss war einmalig getragen von 129 Millionen US-Dollar Vergleichsgewinn und 203 Millionen Vorratsabbau; bereinigt verdiente das Kerngeschäft 2025 mit 510 Millionen operativ praktisch dasselbe wie 2024 mit 509 Millionen.
  • Ramsch-Ratings. Moody's B2, S&P B+, Fitch BB− (31. Januar 2026); die 2031er-Anleihe zahlt seit Emission 175 Basispunkte mehr, die neue 2030er-Anleihe 10,000 Prozent — besichert durch elf Logistikzentren.
  • Leasing als versteckte Schuld. Rund 5,1 Milliarden US-Dollar Leasing- und Finanzierungsverbindlichkeiten zum 2. Mai 2026 gegen 1,4 Milliarden Anleihen.
  • Führungswechsel unter Druck. Fristlose Entlassung des Vorstandschefs im April 2025, feste Nachbesetzung erst im November 2025, neuer Betriebsvorstand ab September 2026.
  • Die Dividende wurde um 75 Prozent gekürzt — von 2,00 auf 0,50 US-Dollar je Aktie im Jahresvergleich 2024 zu 2025.
  • Zoll- und Konjunkturrisiko. Die Kernkundschaft ist nach eigener Beschreibung besonders empfindlich gegenüber steigenden Preisen für Lebensmittel, Energie und Gesundheit.

Ein menschliches Fazit

Zurück zum Wühltisch. Der rote Aufkleber an dieser Aktie ist echt: rund zwei Jahresmittelzuflüsse, gut die Hälfte des Buchwerts, 402 Kaufhäuser im Eigentum. Es ist keine Fata Morgana, und es ist auch keine Firma am Abgrund — Kohl's verdient Geld, zahlt Zinsen, tilgt Schulden und hat gerade fünf Jahre Zeit dazugewonnen.

Aber der Preis ist nicht das Produkt. Was du hier kaufst, ist ein Warenhauskonzern, dessen Erlöse seit fünf Jahren fallen und der selbst prognostiziert, dass sie auch 2026 nicht steigen. Der Sprung in der Kasse kam zu einem großen Teil aus einem Gerichtsvergleich und einem geleerten Lager; das Kerngeschäft trat operativ auf der Stelle. Die Substanz im Grundbuch ist real, aber elf ihrer wertvollsten Stücke liegen bereits als Pfand bei den Gläubigern einer Anleihe, die 10 Prozent kostet. Und die Menschen, die das drehen sollen, sind erst seit Kurzem im Amt.

Vielleicht ist das genau die richtige Wette: ein Immobilienbestand mit angeschlossener Kaufhauskette, gekauft zum halben Buchwert, während ein Drittel des Streubesitzes dagegen wettet. Vielleicht ist es aber auch der klassische Wühltisch-Kauf, bei dem man zu Hause feststellt, dass man das Teil nie brauchen wird. Der Unterschied entscheidet sich nicht am Preis, sondern an drei Zahlen der nächsten Quartale: den vergleichbaren Umsätzen, der Ziehung unter der Kreditlinie und der Frage, ob 140 Millionen US-Dollar Zoll zurückkommen. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Dieser Beitrag ist journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unternehmensberichte und keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Handel mit Wertpapieren. Aktien können jederzeit einen Totalverlust erleiden. Alle Zahlen stammen aus den genannten SEC-Berichten und aus Fundamentaldaten mit dem jeweils angegebenen Stichtag; Kurs- und Bewertungsangaben tragen den Datenstand 25. Juli 2026 und veralten naturgemäß. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Kohl's Corporation. Bitte triff deine Anlageentscheidungen selbst — oder mit einer Beraterin oder einem Berater deines Vertrauens.

Unser Fazit auf einen Blick

Liquidität & Bilanz positiv
Im Geschäftsjahr 2025 flossen 1.380 Millionen US-Dollar aus dem Betrieb zu, der bereinigte freie Mittelzufluss lag bei 935 Millionen nach 104 Millionen im Vorjahr. Die Kreditlinie über 1,5 Milliarden US-Dollar war zum 2. Mai 2026 mit null gezogen, nach 545 Millionen ein Jahr zuvor; die fällige Anleihe über 353 Millionen wurde 2025 aus eigener Kraft getilgt, und der Nachtrag vom 30. Juni 2026 verlängert die Linie bis 2031.
Substanz & Immobilien positiv
402 der 1.153 Standorte stehen im Eigentum, dazu elf der dreizehn Logistikzentren und die Konzernzentrale (31. Januar 2026). Die Sachanlagen stehen mit 6,78 Milliarden US-Dollar in den Büchern (2. Mai 2026), das Eigenkapital mit 4,02 Milliarden — gegen einen Börsenwert von rund 2,0 Milliarden zum Datenstand 25. Juli 2026.
Geschäftsentwicklung negativ
Die Gesamterlöse fallen das fünfte Jahr in Folge: 19.433 Millionen US-Dollar (2021), 18.098 (2022), 17.476 (2023), 16.221 (2024), 15.527 (2025). Im Geschäftsjahr 2025 sank der Nettoumsatz um 4,0 Prozent, die vergleichbaren Umsätze um 3,1 Prozent, die Zahl der Einkäufe um rund 4 Prozent. Die eigene Prognose für 2026 lautet minus 2 Prozent bis Stillstand und wurde am 28. Mai 2026 bestätigt.
Qualität des Mittelzuflusses neutral
Der Sprung von 648 auf 1.380 Millionen US-Dollar beruht wesentlich auf zwei Sondereffekten: 129 Millionen Vergleichsgewinn aus einem Kreditkarten-Rechtsstreit und 203 Millionen aus dem Abbau der Vorräte. Bereinigt lag das operative Ergebnis 2025 bei 510 Millionen gegenüber 509 Millionen im Vorjahr; im ersten Quartal 2026 flossen 74 Millionen ab.
Verschuldung & Ratings negativ
Zu den 1.405 Millionen US-Dollar Anleihen (2. Mai 2026) kommen rund 5,1 Milliarden Leasing- und Finanzierungsverbindlichkeiten. Die Ratings lagen bei Moody's B2, S&P B+ und Fitch BB− und damit unter Investment Grade; die 2031er-Anleihe zahlt seit Emission 175 Basispunkte mehr, die 2030er-Anleihe 10,000 Prozent — besichert durch elf Verteil- und E-Commerce-Zentren.
Führung & Ausschüttung negativ
Der Vorstandsvorsitzende wurde am 30. April 2025 fristlos aus wichtigem Grund entlassen; der Nachfolger ist erst seit dem 23. November 2025 fest bestellt, ein neuer Betriebsvorstand tritt am 9. September 2026 an. Die Dividende wurde von 2,00 US-Dollar je Aktie (Geschäftsjahr 2024) auf 0,50 US-Dollar (Geschäftsjahr 2025) gekürzt; Aktienrückkäufe fanden seit 2024 nicht statt.

Kohl's ist die Wühltisch-Falle in Reinform: Der Preis ist echt niedrig — rund 2,0 Milliarden US-Dollar Börsenwert bei 15,53 Milliarden Erlösen, gut der halbe Buchwert, etwa zwei Jahresmittelzuflüsse. Und die Substanz ist real: 402 eigene Warenhäuser, elf eigene Logistikzentren, 935 Millionen US-Dollar bereinigter freier Mittelzufluss im Geschäftsjahr 2025, eine ungezogene Kreditlinie bis 2031. Aber der Umsatz fällt das fünfte Jahr in Folge, der Rekord-Mittelzufluss stammt zu großen Teilen aus einem einmaligen Vergleichsgewinn von 129 Millionen und einem Vorratsabbau von 203 Millionen, die Ratings stehen auf Ramschniveau, und elf der wertvollsten Immobilien liegen als Pfand bei den Gläubigern einer Anleihe mit 10 Prozent Kupon. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Wer heute kauft, kauft Immobilien und Kasse zu gut dem halben Buchwert — und zugleich ein Geschäft, das seit fünf Jahren schrumpft und laut eigener Prognose auch 2026 nicht wächst. Beobachten heißt hier, die nächsten Quartalsberichte auf vier Zahlen abzuklopfen: Drehen die vergleichbaren Umsätze ins Plus (1. Quartal 2026: minus 1,1 Prozent)? Bleibt die Kreditlinie bei null gezogen (2. Mai 2026: 0 US-Dollar)? Kommen die beantragten 140 Millionen US-Dollar Zollrückerstattung an? Und hält der bereinigte Gewinn je Aktie die Spanne von 1,00 bis 1,60 US-Dollar, die das Unternehmen für 2026 in Aussicht gestellt hat? Wer auf die Dividende von 0,50 US-Dollar im Jahr schaut, sollte wissen, dass sie erst 2025 um drei Viertel gekürzt wurde. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Kohl's über zwei Läufe des hauseigenen Aktien-Scanners, beide mit Stand 25. Juli 2026: Platz 30 von 81 im Big-Earnings-Surprise-Ranking der US-Auswahl (RS-Rating 77) und Platz 39 von 544 im K-FCF-Ranking (Verhältnis 2,02). Beide Listen werden täglich neu berechnet; die Platzierungen sind eine datierte Momentaufnahme, keine Eigenschaft der Firma. Das Verhältnis 2,02 rechnet gegen den freien Mittelzufluss der zurückliegenden zwölf Monate; auf Basis des Geschäftsberichts (1.008 Millionen US-Dollar freier Mittelzufluss 2025, bereinigt 935 Millionen) liegt es bei rund 2.
  • Zwei Kennzahlensysteme laufen bei Kohl's nebeneinander: die Zahlen nach US-Rechnungslegung (Betriebsergebnis 624 Millionen US-Dollar, Nettogewinn 272 Millionen im Geschäftsjahr 2025) und die vom Unternehmen bereinigten Werte (510 Millionen bzw. 186 Millionen), die den Vergleichsgewinn von 129 Millionen und Schließungskosten von 15 Millionen herausrechnen. Die Prognose für 2026 ist ausschließlich in bereinigten Größen formuliert. Wer Jahre vergleicht, muss dieselbe Basis verwenden — dieser Text nennt jeweils beide.
  • Datenstand und Aktualität: Jüngster Periodenbericht ist der Quartalsbericht 10-Q zum 2. Mai 2026, eingereicht am 4. Juni 2026. Alle danach eingereichten Dokumente wurden durchgesehen — Pflichtmitteilung 8-K vom 15. Juni 2026 (Berufung des Betriebsvorstands), Pflichtmitteilung 8-K vom 1. Juli 2026 (Item 1.01, zweiter Nachtrag zum Kreditvertrag), Schedule 13G/A vom 14. Juli 2026 und Insidermeldungen bis zum 16. Juli 2026. Ein Übernahme-, Take-private- oder Fusionsvorgang liegt nicht vor; weder ein Fusionsprospekt DEFM14A oder PREM14A noch eine Mitteilung SC 13E-3 wurde eingereicht. Die Aktienzahl stammt aus dem jüngsten Dokument, das eine nennt (113.399.993 Stück). Bewertungsangaben sind Größenordnungen zum Datenstand 25. Juli 2026, keine Tageskurse.

Häufige Fragen

Kohl's ist eine US-Warenhauskette mit Sitz in Menomonee Falls, Wisconsin. Zum 2. Mai 2026 betrieb sie 1.151 Filialen in 49 Bundesstaaten sowie einen Onlineshop und verkauft Kleidung, Schuhe, Accessoires, Kosmetik und Haushaltswaren im mittleren Preissegment. Im Geschäftsjahr 2025 erlöste der Konzern 15,53 Milliarden US-Dollar und beschäftigte im Schnitt rund 84.000 Menschen. Der Kosmetikhändler Sephora betreibt in über 1.100 Filialen Shops im Laden.

Am Samstag, der dem 31. Januar am nächsten liegt. Das Geschäftsjahr 2025 lief deshalb bis zum 31. Januar 2026 und deckt im Wesentlichen das Kalenderjahr 2025 ab; es umfasste 52 Wochen. Das Geschäftsjahr 2023 hatte dagegen 53 Wochen, was Vergleiche über mehrere Jahre leicht verzerrt. Der jüngste Quartalsbericht deckt die 13 Wochen bis zum 2. Mai 2026 ab.

Zum Stand 25. Juli 2026 belegt die Aktie Platz 30 von 81 im Big-Earnings-Surprise-Ranking der US-Auswahl mit einem RS-Rating von 77 und Platz 39 von 544 im K-FCF-Ranking mit einem Verhältnis von 2,02. Die erste Liste erfasst Unternehmen, deren gemeldeter Gewinn deutlich über der Schätzung lag — bei Kohl's in fünf Quartalen in Folge. Die zweite sortiert nach dem Verhältnis von Börsenwert zu freiem Mittelzufluss. Beide Listen werden täglich neu berechnet.

Zum 31. Januar 2026 standen 402 der 1.153 Standorte im Eigentum, 509 waren gemietet und 242 auf Erbbaugrund errichtet. Dazu gehören dem Konzern elf der dreizehn Verteil- und E-Commerce-Zentren sowie die Konzernzentrale. Ausgenommen sind die gemieteten Verteilzentren in San Bernardino, Kalifornien, und Corsicana, Texas. Die Sachanlagen standen zum 2. Mai 2026 mit 6,78 Milliarden US-Dollar in den Büchern.

Der Verwaltungsrat entließ J. Ashley Buchanan am 30. April 2025 fristlos aus wichtigem Grund. Eine vom Prüfungsausschuss beauftragte externe Kanzlei hatte festgestellt, dass er Geschäfte mit einem Anbieter veranlasst hatte, der von einer Person mit persönlicher Nähe zu ihm gegründet worden war, und die Beziehung entgegen dem Verhaltenskodex nicht offenlegte. Alle Aktienzusagen verfielen, 2,5 Millionen US-Dollar Antrittsprämie sind anteilig zurückzuzahlen. Michael J. Bender ist seit dem 23. November 2025 fest bestellter Nachfolger.

Zum 2. Mai 2026 standen Anleihen mit 1.405 Millionen US-Dollar Nennwert aus, nichts davon kurzfristig fällig, und die Kreditlinie über 1,5 Milliarden US-Dollar war ungezogen. Deutlich schwerer wiegen die Leasingverpflichtungen: 2.338 Millionen aus Finanzierungsleasing und 2.624 Millionen aus operativem Leasing, jeweils langfristig. Die Kreditratings lagen bei Moody's B2, S&P B+ und Fitch BB− und damit unterhalb der Schwelle zum Investment Grade.

Ja, aber deutlich weniger als früher. Im Geschäftsjahr 2024 schüttete der Konzern 2,00 US-Dollar je Aktie aus, im Geschäftsjahr 2025 nur noch 0,50 US-Dollar — ein Minus von 75 Prozent. Seither zahlt Kohl's 0,125 US-Dollar je Quartal; die letzte beschlossene Dividende vom 20. Mai 2026 war am 24. Juni 2026 fällig. Aktienrückkäufe fanden 2024, 2025 und im ersten Quartal 2026 nicht statt.

Kohl's verkauft keine KI, setzt sie aber nach eigenen Angaben bereits ein. Im Geschäftsbericht 2025 heißt es, man binde künstliche Intelligenz einschließlich generativer KI und maschinellen Lernens weiterhin in Geschäftsabläufe und Kundenerlebnis ein. Die Einladung zur Hauptversammlung vom 10. April 2026 wird konkreter: generative KI wertet Kundenbewertungen und Interaktionen in Echtzeit aus und liefert personalisierte Produktempfehlungen. In unserer KI-Einstufung führen wir Kohl's deshalb als „nutzt“.

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