Vonovia: 84,7 Milliarden Euro Immobilienwert — und der Zins dahinter kommt aus dem eigenen Haus
Vonovia ist die berechenbarste Firma im DAX: 530.506 eigene Wohnungen, 2,3 Prozent Leerstand, eine Miete, die seit Jahren jedes Jahr steigt. Und trotzdem hängt der größte Posten der Bilanz an einer Annahme, die das Unternehmen selbst trifft — dem Diskontierungszinssatz von 5,1 Prozent, mit dem das eigene Bewertungsteam 84,7 Milliarden Euro Immobilienwert errechnet. Die Sensitivitätstabelle im Geschäftsbericht 2025 zeigt, was ein Viertelpunkt wert ist: rund 5,7 Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2026 wurde gar nicht neu bewertet; die vollständige Neubewertung folgt zum 30. Juni 2026. Keine Anlageberatung — nur die Frage, wie fest eine Zahl ist, die niemand nachmessen kann.
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Stand heute
Stand: 3. August 2026
- Schlusskurs
- 21,30 € +1,30 %
- Marktkapitalisierung
- 18,1 Mrd. €
- KGV
- 5,4
- Wachstums-Score
- 4/10
- AAQS
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Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
52-Wochen-Spanne: 19,70 € bis 28,70 € · Letzter Kurs: 21,30 € (Stand: 3. August 2026)
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt eine Anleger-Schwäche, die sich als Sorgfalt tarnt: die Gutachten-Gläubigkeit. Wir sehen eine Zahl mit Komma und einer Nachkommastelle, darüber steht ein testierter Konzernabschluss, und ab da hört das Nachfragen auf. Zahlen mit Nachkommastellen wirken gemessen. Bei der Vonovia SE (Frankfurter Wertpapierbörse: VNA, ISIN DE000A1ML7J1) heißt diese Zahl 84.698,1 Millionen Euro — der Verkehrswert des Immobilienbestands zum 31. März 2026. Machen wir einen Deal: Wir schauen gemeinsam nach, wo sie herkommt. Nicht um sie schlechtzumachen, sondern um zu verstehen, worauf sie ruht.
Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Das operative Geschäft von Vonovia ist so berechenbar wie kaum ein anderes im DAX — Miete kommt, Leerstand bleibt niedrig, Mieteinnahmen steigen jedes Jahr. Der größte Posten der Bilanz ist trotzdem keine Messung, sondern eine Rechnung. Und die entscheidende Eingangsgröße dieser Rechnung, der Zinssatz, wird im eigenen Haus gewählt. Die Börse rechnet seit Jahren mit einem anderen.
Was Vonovia eigentlich macht
Vonovia ist Vermieter. Das klingt banal, ist aber die ganze Wahrheit über den Kern des Geschäfts: Zum 31. März 2026 bewirtschaftete der Konzern 606.145 Einheiten, davon 530.506 eigene Wohnungen — die übrigen gehören Dritten und werden im Auftrag verwaltet. Die Bestände liegen in Deutschland, Schweden und Österreich. Der Sitz ist Bochum, die Aktie notiert seit dem 11. Juli 2013 an der Frankfurter Wertpapierbörse und seit September 2015 im DAX.
Um dieses Vermietungsgeschäft herum hat Vonovia drei kleinere Segmente gebaut. Value-add bündelt die wohnungsnahen Dienstleistungen — die eigene Handwerkerorganisation, das Energiegeschäft, Messdienste. Recurring Sales ist der laufende Verkauf einzelner Wohnungen an Selbstnutzer und Kapitalanleger. Development baut neu, teils für den eigenen Bestand, teils für den Verkauf an Dritte. Im ersten Quartal 2026 kamen vom Adjusted EBITDA Total in Höhe von 711,6 Millionen Euro allein 629,7 Millionen aus der Vermietung — knapp 89 Prozent. Wer Vonovia verstehen will, muss also vor allem die Miete verstehen.
Und die läuft. Das organische Mietwachstum betrug im ersten Quartal 2026 4,0 Prozent, davon laut Unternehmensmitteilung vom 7. Mai 2026 2,6 Prozentpunkte auf Basis der Mietspiegel, 1,0 Punkte aus Modernisierungsinvestitionen und 0,4 Punkte aus Neubau. Die Vermietungsquote lag bei 97,7 Prozent, die Collection Rate — der Anteil der tatsächlich eingegangenen Mieten — bei 99,6 Prozent. Für ein Unternehmen mit über einer halben Million Wohnungen ist das eine bemerkenswert ruhige Zahl.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Ohne Scanner-Aufhänger, sondern über die Aufmerksamkeit anderer: Vonovia stand am 4. August 2026 auf der Foren-Hitliste von wallstreet-online unter den meistdiskutierten Werten deutscher Privatanleger. Das ist kein Kaufsignal, sondern ein Hinweis darauf, dass viele Menschen gleichzeitig dieselbe Frage haben. Bei einer Aktie, deren Buchwert je Aktie seit Jahren ungefähr doppelt so hoch ausgewiesen wird wie ihr Börsenkurs, liegt die Frage auf der Hand: Wer hat recht?
Der Zeitpunkt ist zusätzlich heikel, und das gehört an den Anfang statt in eine Fußnote: Der Halbjahresbericht 2026 erscheint laut Finanzkalender am 5. August 2026 um 7:00 Uhr MESZ. Alles, was Du hier liest, steht auf dem Stand vom 31. März 2026 beziehungsweise 31. Dezember 2025. Und genau in diesem Halbjahresbericht steckt die erste vollständige Neubewertung des Portfolios seit dem Jahresabschluss — dazu gleich mehr.
Die Zahlen über die Jahre — was wirklich beeindruckt
Fangen wir mit dem an, was tatsächlich stark ist. Das Adjusted EBITDA Total, die operative Leitkennzahl des Hauses, stieg über fünf Jahre von 2.254,4 Millionen Euro (2021) über 2.606,1 (2022), 2.583,8 (2023) und 2.641,8 (2024) auf 2.800,8 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2025. Das ist kein Raketenwachstum, aber es ist ein Ergebnis, das durch eine Zinswende, einen Krieg und zwei Immobilienkrisen hindurch nie eingebrochen ist.
Noch ruhiger ist die Miete. Die monatliche Ist-Miete je Quadratmeter kletterte von 7,33 Euro (2021) über 7,49, 7,74 und 8,01 auf 8,38 Euro (2025) und lag zum 31. März 2026 bei 8,46 Euro. Die Leerstandsquote bewegte sich im selben Zeitraum zwischen 2,0 und 2,3 Prozent. Übersetzt: Von hundert Wohnungen standen in keinem einzigen Jahr mehr als drei leer. Das ist der Grund, warum Vonovia in schweren Jahren nie ins Trudeln kam.
Und dann gibt es die andere Zeile. Sie steht in derselben Gewinn- und Verlustrechnung, aber sie hat mit Miete nichts zu tun.
Das Ergebnis aus der Bewertung von Investment Properties lag 2021 bei +7.393,8 Millionen Euro, 2022 bei −1.177,6, 2023 bei −10.651,2, 2024 bei −1.559,0 und 2025 wieder bei +1.390,0 Millionen Euro. Zwischen 2021 und 2023 liegen also rund 18 Milliarden Euro Ergebnisunterschied — bei einem Wohnungsbestand, der sich in derselben Zeit kaum verändert hat. Kein Mieter ist ausgezogen, kein Dach ist eingestürzt. Was sich geändert hat, ist die Rechnung.
Deshalb muss man beim Periodenergebnis von Vonovia immer zweimal hinsehen: 2025 stand dort ein Gewinn von 4.185,5 Millionen Euro, im ersten Quartal 2026 dagegen nur 250,3 Millionen Euro — ein Rückgang um 51,4 Prozent. Operativ ist zwischen den beiden Zeiträumen nichts eingebrochen. Es fehlte schlicht die Bewertung.
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der größte Bilanzposten ist eine Rechnung
Zum 31. Dezember 2025 wies Vonovia 82.392,8 Millionen Euro Investment Properties aus — das sind die Immobilien, die als Finanzinvestition gehalten werden. Davon werden 81.268,7 Millionen Euro nach dem Wahlrecht des Rechnungslegungsstandards IAS 40.30 zum beizulegenden Zeitwert bilanziert. Im Klartext: Nicht die Anschaffungskosten stehen in der Bilanz, sondern der geschätzte heutige Marktwert — und jede Änderung dieser Schätzung läuft durch die Gewinn- und Verlustrechnung.
Ermittelt wird dieser Wert von der unternehmensinternen Bewertungsabteilung in einem Discounted-Cashflow-Verfahren. Alltagsbild: Man schätzt, wie viel Miete eine Wohnung in den nächsten Jahrzehnten abwirft, zieht Verwaltung und Instandhaltung ab und rechnet diesen künftigen Strom auf heute zurück — mit einem Zinssatz. Je niedriger dieser Zinssatz, desto mehr ist der künftige Mietstrom heute wert. Zusätzlich haben die unabhängigen Gutachter CBRE GmbH und Savills Sweden AB das Portfolio bewertet; laut Bericht lag deren Marktwert „auf dem Niveau des internen Bewertungsergebnisses“.
Der Wirtschaftsprüfer PricewaterhouseCoopers hat diesen Sachverhalt zum besonders wichtigen Prüfungssachverhalt erklärt — das ist die Rubrik im Bestätigungsvermerk für die Themen, die dem Prüfer am meisten Kopfzerbrechen gemacht haben. Seine Begründung ist der wichtigste Satz dieser Analyse.
„In die Bewertung der Investment Properties fließen zahlreiche bewertungsrelevante Parameter ein, die grundsätzlich mit gewissen Schätzunsicherheiten und Ermessen der gesetzlichen Vertreter verbunden sind. Bereits geringe Änderungen der bewertungsrelevanten Parameter können zu wesentlichen Änderungen der beizulegenden Zeitwerte führen.“
Englische Fassung desselben Berichts: „The measurement of investment properties is based on a large number of relevant parameters which are normally subject in some respects to uncertainties with regard to estimates and judgments by the executive directors. Even small changes in the measurement parameters can result in material changes in fair value.“
— PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Vonovia SE, Geschäftsbericht 2025, Bestätigungsvermerk des unabhängigen Abschlussprüfers — besonders wichtiger Prüfungssachverhalt „Bewertung der als Finanzinvestition gehaltenen Immobilien“
Wichtig für die Einordnung, in beide Richtungen: Das ist keine Beanstandung. Der Bestätigungsvermerk ist uneingeschränkt, PwC hat die Bewertungsmodelle, die Datenqualität und die Angemessenheit der Parameter geprüft, Stichproben nachgerechnet und ausgewählte Objekte besichtigt. Ein besonders wichtiger Prüfungssachverhalt ist kein Warnschild, sondern ein Hinweis auf die Stelle, an der Ermessen im Spiel ist. Genau diese Stelle sehen wir uns jetzt an.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Ein Viertelpunkt Zins bewegt 5,7 Milliarden Euro
Für Vonovia Deutschland lag der Diskontierungszinssatz zum 31. Dezember 2025 bei 5,1 Prozent nach 5,2 Prozent im Vorjahr, der Kapitalisierungszinssatz unverändert bei 3,3 Prozent. Weitere Annahmen: eine Marktmietsteigerung von 2,0 Prozent, eine stabilisierte Leerstandsquote von 1,4 Prozent, eine Inflationsrate von 2,0 Prozent und eine Marktmiete Wohnen von 9,28 Euro je Quadratmeter und Monat. Das sind allesamt keine willkürlichen Zahlen — sie sind aus dem Immobilienmarkt abgeleitet, extern plausibilisiert und über Jahre konsistent fortgeschrieben. Aber sie sind eben auch keine Messwerte.
Wie viel an ihnen hängt, hat Vonovia selbst vorgerechnet. Im Konzernanhang steht eine Sensitivitätstabelle, und die vierte Spalte darin ist die entscheidende.
Ein Viertelprozentpunkt mehr oder weniger Zins verändert den Wert des deutschen Bestands um +8,6 beziehungsweise −7,4 Prozent, den schwedischen um +6,8/−6,0 und den österreichischen um +3,5/−3,3 Prozent. Der Bericht erklärt die Anwendung selbst: Die absolute Wertauswirkung ergibt sich durch Multiplikation der prozentualen Auswirkung mit dem Verkehrswert der Investment Properties.
Rechnen wir das nach. Die Verkehrswerte der Investment Properties lagen zum 31. Dezember 2025 bei 70.377,4 Millionen Euro (Deutschland), 7.055,4 Millionen (Schweden) und 2.728,2 Millionen (Österreich). Ein Viertelpunkt mehr Zins ergibt daraus rund 5,7 Milliarden Euro Wertverlust, ein Viertelpunkt weniger rund 6,6 Milliarden Euro Wertgewinn. Zum Vergleich: Das Konzern-Eigenkapital betrug zum 31. März 2026 32.371,8 Millionen Euro. Ein Viertelpunkt ist also rund ein Sechstel des Eigenkapitals — und je Aktie, bei 848.435.623 Stimmrechten Ende Juli 2026, rund 6,74 Euro.
Merksatz: Wo der Zins die Bewertung macht, ist die Bilanz eine Meinung mit Nachkommastellen. Das ist kein Vorwurf an Vonovia — es ist die Funktionsweise von IAS 40, und jeder große Bestandshalter Europas bilanziert so. Es ist nur etwas anderes als ein Kontoauszug.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Im ersten Quartal 2026 wurde gar nicht bewertet
In der Gewinn- und Verlustrechnung der Zwischenmitteilung zum 1. Quartal 2026 steht in der Zeile „Ergebnis aus der Bewertung von Investment Properties“ für beide Vergleichszeiträume ein Strich. Kein Gewinn, kein Verlust — keine Bewertung. Die Erklärung liefert der Bericht im Kapitel Verkehrswerte selbst.
„Eine vollständige Neubewertung des Gesamtportfolios unter Berücksichtigung der aktualisierten Bestandsdaten und der Marktentwicklung, insbesondere des Diskontierungs- und Kapitalisierungszinses, erfolgt wieder zum Konzernzwischenabschluss zum 30. Juni 2026.“
Englische Fassung desselben Berichts: „The entire portfolio will be fully remeasured for the interim consolidated financial statements as of June 30, 2026, taking into account the updated portfolio data, market developments and, in particular, the discounting and capitalized interest rates.“
— Vonovia SE, Zwischenmitteilung zum 1. Quartal 2026, Kapitel Verkehrswerte (Stichtag 31. März 2026, veröffentlicht am 7. Mai 2026)
Der Verkehrswert stieg im ersten Quartal 2026 deshalb nur von 84.448,2 auf 84.698,1 Millionen Euro (+0,3 Prozent) — und dieser Zuwachs stammt fast vollständig aus Investitionen, nicht aus einer neuen Einschätzung. Der Bericht formuliert es nüchtern: Die Evaluierung der Marktentwicklung mit Blick auf den 31. März 2026 ergab insgesamt eine Seitwärtsentwicklung, die zum Jahresende 2025 ermittelten Verkehrswerte wurden „insoweit um die Investitionen bis zum 31. März 2026 fortgeschrieben“.
Dasselbe gilt für den Buchwert je Aktie. Der EPRA NTA — der Nettovermögenswert nach dem Standard der European Public Real Estate Association, salopp: der Immobilienwert ohne Schulden — stieg von 46,28 Euro je Aktie (31. Dezember 2025) auf 46,57 Euro (31. März 2026). Vonovia selbst schreibt in der Mitteilung vom 7. Mai 2026 dazu, der Wert habe sich „nur leicht“ erhöht, weil für das erste Quartal keine Portfoliobewertung vorgesehen sei — und ergänzt, man gehe davon aus, dass die positive Entwicklung der Immobilienwerte der vergangenen 18 Monate auch im ersten Halbjahr 2026 anhalte.
Das ist die faire Gegenrede zu diesem Kapitel, und sie gehört dazu: Das Management erwartet Aufwertung, nicht Abwertung. Der Punkt bleibt trotzdem, dass die Zahl, die in jedem Datenblatt als „Buchwert“ auftaucht, zwischen zwei Bewertungsterminen genau so viel Neuigkeit enthält wie ein altes Foto.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Aktienzahl wächst leise
Verwässerung heißt: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, weil ständig neue Stücke abgeschnitten werden. Bei Vonovia passiert das nicht mit großen Kapitalerhöhungen, sondern in kleinen, unauffälligen Schritten.
Von 822.852.925 Aktien am 31. Dezember 2024 ging es auf 848.216.385 am 31. Dezember 2025 — plus 25.363.460 Stück oder 3,1 Prozent in einem einzigen Jahr. Die Herkunft: 12.768.562 Aktien aus der Aktiendividende vom 24. Juni 2025, für die sich 35,53 Prozent der Aktionäre statt der Bardividende entschieden, und 12.594.898 Aktien aus dem genehmigten Kapital 2025, die gegen Aktien der Deutsche Wohnen SE getauscht wurden. Ende Juli 2026 meldete Vonovia nach § 41 des Wertpapierhandelsgesetzes 848.435.623 Stimmrechte.
Am 23. Juni 2026 kam der größere Schritt. Vonovia platzierte per Ad-hoc-Mitteilung Wandelanleihen über 850 Millionen Euro — aufgestockt von den zuvor angekündigten 750 Millionen. Die Anleihen laufen bis zum 30. Juni 2031, zahlen keinen laufenden Zins und werden am Ende zu 109,78 Prozent des Nennbetrags zurückgezahlt, was einer Rendite von 1,875 Prozent pro Jahr entspricht. Der anfängliche Wandlungspreis beträgt 28,0402 Euro — eine Prämie von 37,5 Prozent auf den Referenzaktienkurs von 20,3929 Euro, den volumengewichteten Durchschnittskurs auf XETRA während der Platzierung. Das Bezugsrecht der Altaktionäre wurde ausgeschlossen.
Rechne das einmal durch: 850 Millionen Euro geteilt durch 28,0402 Euro ergibt rund 30,3 Millionen Aktien — gut 3,5 Prozent des heutigen Bestands, sollten alle Anleihen gewandelt werden. Vonovia darf das nach den Anleihebedingungen wahlweise auch in bar erfüllen. Und der Rahmen ist noch größer: Das genehmigte Kapital 2025 stand zum 31. Dezember 2025 mit 234.260.979 Euro zu Buche — rund 27 Prozent der Aktienzahl, wobei das Bezugsrecht der Aktionäre ausgeschlossen werden kann.
Wachstum, das mit frischen Aktien bezahlt wird, ist nie ganz gratis. Bei Vonovia ist der Effekt bislang moderat und gut begründet — die Aktiendividende schont die Liquidität, der Aktientausch hat einen ganzen Konzern integriert. Aber wer den EPRA NTA je Aktie über Jahre vergleicht, vergleicht eine Zahl, deren Nenner wächst.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Der 1,37-Prozent-Zins läuft ab
Vonovia hat sich in der Niedrigzinsphase außergewöhnlich günstig finanziert. Die Nominalverpflichtungen aus Finanzverbindlichkeiten lagen zum 31. Dezember 2025 bei 42.633,3 Millionen Euro, und der größte Block darin sind Unternehmensanleihen aus dem EMTN-Programm über 14.993,3 Millionen Euro mit einem Durchschnittszinssatz von 1,37 Prozent. Die Wandelschuldverschreibungen aus früheren Jahren kosten 0,88 Prozent, die von der Deutsche Wohnen übernommene Anleihe 1,18 Prozent, die Hypothekendarlehen 2,55 Prozent.
Was neue Mittel kosten, zeigt dieselbe Zwischenmitteilung. Am 23. Januar 2026 begab Vonovia eine Anleihe über 150 Millionen Schweizer Franken mit einem Kupon von 1,5516 Prozent — 3,797 Prozent nach Währungsabsicherung. Am 5. Februar folgten 1.500 Millionen schwedische Kronen zu 3,052 bis 3,53 Prozent, am 18. Februar eine Privatplatzierung über 10 Milliarden japanische Yen zu 2,94 Prozent, 4,08 Prozent nach Sicherung. Die Differenz zwischen 1,37 und rund 3,8 Prozent ist der eigentliche Gegenwind der nächsten Jahre.
Er ist schon sichtbar. Die Zinsaufwendungen stiegen im ersten Quartal 2026 von 199,2 auf 235,9 Millionen Euro (+18,4 Prozent), das bereinigte Netto-Finanzergebnis verschlechterte sich von −184,3 auf −205,6 Millionen (+11,6 Prozent). Vonovia selbst nennt in der Mitteilung vom 7. Mai 2026 „ca. 20 Mio. € höhere Finanzierungskosten“ als Hauptgrund dafür, dass das Adjusted EBT trotz gestiegener Mieteinnahmen um 4,1 Prozent auf 462,2 Millionen Euro sank. Fällig werden nach dem Fälligkeitsplan des Geschäftsberichts 4.063,3 Millionen Euro im Jahr 2026, 4.801,4 Millionen 2027 und 4.899,9 Millionen 2028.
Zur Gegenrede gehört: Die Bilanz ist stabil genug, das zu tragen. Zum 31. März 2026 lagen der Verschuldungsgrad (LTV) bei 45,1 Prozent, das bereinigte Verhältnis von Nettoverschuldung zu Adjusted EBITDA bei 13,7x und der Zinsdeckungsgrad bei 3,7x. Alle vier vertraglich vereinbarten Finanzkennzahlen wurden eingehalten, teils mit großem Abstand: LTV 44,6 Prozent gegen eine Grenze von 60 Prozent, Secured LTV 14,3 gegen 45 Prozent, Zinsdeckung 3,7x gegen 1,8x, unbelastete Vermögenswerte 173,0 gegen 125 Prozent. Vier Ratingagenturen führen Vonovia im Investment-Grade-Bereich: S&P mit BBB+ (stabil, 19. August 2025), Moody’s mit Baa1 (stabil, 8. Dezember 2025), Fitch mit BBB+ (stabil, 23. Dezember 2025) und Scope mit A− bei negativem Ausblick (19. Juni 2025).
Was die Aktie kostet
Bewusst nur als Größenordnung und ausdrücklich datiert, denn Tageskurse sind kein Argument. Der Jahresschlusskurs 2025 lag bei 24,54 Euro, die Marktkapitalisierung zum 31. Dezember 2025 bei rund 20,8 Milliarden Euro. Der EPRA NTA je Aktie betrug zum selben Stichtag 46,28 Euro. Der zuletzt in einem Pflichtdokument festgehaltene Kurs stammt aus der Ad-hoc-Mitteilung vom 23. Juni 2026: 20,3929 Euro als volumengewichteter Durchschnittskurs während der Platzierung der Wandelanleihe.
Der Chart zeigt das Spannungsfeld dieser Analyse in zwei Linien. Der EPRA NTA je Aktie fiel von 62,63 Euro (2021) über 57,48, 46,82 und 45,23 auf 46,28 Euro (2025). Der Jahresschlusskurs bewegte sich von 48,50 über 22,02, 28,54 und 29,32 auf 24,54 Euro. In keinem der fünf Jahre haben sich die Linien getroffen. Die Börse hat den Buchwert seit 2022 nie akzeptiert — sie rechnet mit einem höheren Zins als die Bewertungsabteilung.
Wer will, kann das in eine einzige Frage übersetzen: Setzt man den Buchwert an, ist die Aktie zum Jahresschlusskurs 2025 mit rund 47 Prozent Abschlag gehandelt worden; setzt man den Referenzkurs vom 23. Juni 2026 gegen den EPRA NTA vom 31. März 2026, sind es rund 56 Prozent. Ein Abschlag ist aber kein Beweis für Unterbewertung — er ist eine Meinung des Marktes über die Bewertungsannahmen. Und beide Seiten können sich irren.
Der Blick der Profis, ebenfalls datiert: Zum 31. Dezember 2025 verfassten 23 Analysten regelmäßig Studien über Vonovia, der durchschnittliche Zielkurs lag bei 34,39 Euro je Aktie, 61 Prozent sprachen eine Kaufempfehlung aus, 17 Prozent eine Halten- und 22 Prozent eine Verkaufsempfehlung. Der Konsens liegt damit deutlich über dem Kurs — und deutlich unter dem Buchwert. Die Dividende für 2025 beschloss die Hauptversammlung am 21. Mai 2026 mit 1,25 Euro je Aktie (Vorjahr 1,22 Euro), was auf den Jahresschlusskurs 2025 einer Rendite von 5,1 Prozent entspricht.
Dieselbe Vorsicht, die wir hier walten lassen, hat sich schon einmal gelohnt: Bei Gerresheimer stand die entscheidende Aussage ebenfalls nicht in der Pressemitteilung, sondern im Bestätigungsvermerk. Bei Vonovia steht sie im Anhang — nur ist es diesmal keine Warnung, sondern eine Empfindlichkeitsrechnung.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Chancen
- Das Kerngeschäft ist außergewöhnlich stabil: 530.506 eigene Wohnungen, 2,3 Prozent Leerstand, 97,7 Prozent Vermietungsquote und eine Collection Rate von 99,6 Prozent (jeweils erstes Quartal beziehungsweise 31. März 2026). Die organische Mietsteigerung lag 2024 und 2025 bei je 4,1 Prozent.
- Die Prognose 2026 wurde im Mai bestätigt: Adjusted EBITDA Total 2,95 bis 3,05 Milliarden Euro, Adjusted EBT 1,9 bis 2,0 Milliarden, Mieteinnahmen im Segment Rental 3,45 bis 3,55 Milliarden, organische Mietsteigerung rund 4,2 Prozent.
- Die Bilanzkennzahlen haben Luft: LTV 45,1 Prozent, Zinsdeckung 3,7x, Eigenkapitalquote 35,2 Prozent (31. März 2026); alle vier Kreditauflagen eingehalten, Investment-Grade-Ratings von vier Agenturen.
- Der Abstand zwischen Kurs und Buchwert ist groß: 24,54 Euro Jahresschlusskurs 2025 gegen 46,28 Euro EPRA NTA je Aktie. Sollte die Neubewertung zum 30. Juni 2026 die vom Management erwartete positive Entwicklung bestätigen, wächst dieser Abstand weiter.
- Die Dividende ist bezahlt und beschlossen: 1,25 Euro je Aktie für 2025, das entspricht 5,1 Prozent auf den Jahresschlusskurs 2025.
Risiken
- Der größte Bilanzposten hängt an einer selbst gesetzten Annahme: 0,25 Prozentpunkte Zinsänderung entsprechen nach der eigenen Sensitivitätsrechnung rund 5,7 Milliarden Euro Wertverlust oder 6,6 Milliarden Euro Wertgewinn — bei 32,4 Milliarden Euro Eigenkapital.
- Die Refinanzierung wird teurer: 14.993,3 Millionen Euro EMTN-Anleihen zu durchschnittlich 1,37 Prozent stehen Neuemissionen zu 3,5 bis 4,1 Prozent nach Währungssicherung gegenüber. Die Zinsaufwendungen stiegen im ersten Quartal 2026 um 18,4 Prozent.
- Der Verschuldungsgrad bleibt hoch: bereinigtes Net Debt von 38.601,9 Millionen Euro entspricht dem 13,7-Fachen des Adjusted EBITDA Total (31. März 2026).
- Die Aktienzahl wächst: +3,1 Prozent allein 2025, dazu eine Wandelanleihe über 850 Millionen Euro mit einem Wandlungspreis von 28,0402 Euro und ein genehmigtes Kapital 2025 von 234.260.979 Euro mit möglichem Bezugsrechtsausschluss.
- Ein wachsender Teil des Ergebnisses gehört nicht den Vonovia-Aktionären: 39,8 von 250,3 Millionen Euro Periodenergebnis im ersten Quartal 2026 entfielen auf nicht beherrschende Anteilseigner; das bereinigte Minderheitenergebnis stieg um 50,4 Prozent.
- Regulierung ist der Dauerfaktor dieses Geschäfts: Mietspiegel, Modernisierungsumlage und energetische Vorgaben bestimmen einen erheblichen Teil des Mietwachstums — 2,6 der 4,0 Prozentpunkte im ersten Quartal 2026 kamen aus den Mietspiegeln.
Ein menschliches Fazit
Wir sind mit der Gutachten-Gläubigkeit gestartet — mit dem Reflex, eine Zahl für gemessen zu halten, nur weil sie präzise aussieht und geprüft wurde. Der Geschäftsbericht 2025 der Vonovia SE zeigt beides sehr klar: Das Geschäft ist echt, die Miete kommt, das Adjusted EBITDA ist durch fünf schwierige Jahre gewachsen. Und der größte Posten der Bilanz ist trotzdem eine Rechnung, deren wichtigste Eingangsgröße jedes Jahr neu gewählt wird.
Was daraus folgt, ist keine Empfehlung, sondern eine Lesehilfe. Bei Vonovia gibt es zwei getrennte Geschichten in einem Unternehmen. Die eine steht im Segment Rental und ist so ruhig, wie eine Aktie im DAX nur sein kann. Die andere steht in einer einzigen Zeile der Gewinn- und Verlustrechnung und kann in einem einzigen Jahr zehn Milliarden Euro bewegen. Wer die Aktie kauft, kauft immer beide — auch wenn er nur die erste im Kopf hatte.
Und der nächste Termin steht fest: Zum 30. Juni 2026 wird das gesamte Portfolio neu bewertet, veröffentlicht wird das Ergebnis mit dem Halbjahresbericht am 5. August 2026. Wenn Du diese Analyse liest, kennst Du also möglicherweise schon eine Zahl, die wir hier nicht kennen konnten. Halte sie neben die 5,7 Milliarden Euro aus der Sensitivitätstabelle — dann siehst Du sofort, wie viel von der Veränderung aus dem Mietmarkt kam und wie viel aus dem Zinssatz. Was Du daraus machst, ist Deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Weitere Detailanalysen findest Du in unserer Rubrik Analysen.
Quellen
- Vonovia SE — Geschäftsbericht 2025 (356 Seiten, deutsche und englische Fassung), PDF vom 18. März 2026, veröffentlicht mit den Jahreszahlen am 19. März 2026: Kennzahlenübersicht, Brief des Vorstands, Wirtschaftsbericht, Konzernanhang (Investment Properties, Bewertungsparameter Level 3, Sensitivitätsanalysen, Entwicklung des Gezeichneten Kapitals, Genehmigtes Kapital, Call-Optionen, Teilkonzernfinanzinformationen Deutsche Wohnen-Gruppe), Bestätigungsvermerk des unabhängigen Abschlussprüfers
- Vonovia SE — Zwischenmitteilung zum 1. Quartal 2026, Stichtag 31. März 2026, vom Vorstand unterzeichnet am 29. April 2026, veröffentlicht am 7. Mai 2026: Kennzahlen, Verkehrswerte, Finanzlage, Finanzierung, Covenants, Geschäftsausblick, verkürzter Konzernzwischenabschluss
- Vonovia SE — Investor Relations, Unternehmensnachrichten und Ad-hoc-Mitteilungen: Quartalsmitteilung vom 7. Mai 2026 („Guter Jahresauftakt – Prognose 2026 bestätigt“), Hauptversammlungsmeldung vom 21. Mai 2026 (Dividende 1,25 Euro, Präsenz 58,91 Prozent, PwC als Abschlussprüfer bestellt), Ad-hoc-Mitteilungen vom 23. Juni 2026 zur Ankündigung und zur Platzierung der Wandelanleihen über 850 Millionen Euro
- Vonovia SE — Veröffentlichung der Gesamtzahl der Stimmrechte nach § 41 WpHG vom 31. Juli 2026: 848.435.623 Stimmrechte zum Ende Juli 2026
- Vonovia SE — Berichtsseite Halbjahresbericht H1 2026, abgerufen am 4. August 2026: „Die Zwischenmitteilung Q2 2026 der Vonovia SE wird am 5. August 2026 um 07:00 Uhr (MESZ) veröffentlicht.“
- Aufhänger: Foren-Hitliste von wallstreet-online (meistdiskutierte Werte deutscher Privatanleger), Stand 4. August 2026
Diese Analyse ist journalistische Einordnung auf Basis öffentlich zugänglicher Unterlagen und keine Anlageberatung, keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren und keine persönliche Empfehlung. Aktien können erheblich an Wert verlieren, ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Alle Zahlen tragen den Stichtag ihrer Quelle; der jüngste ausgewertete Periodenbericht ist die Zwischenmitteilung zum 1. Quartal 2026 mit Stichtag 31. März 2026. Der Halbjahresbericht 2026 erscheint am 5. August 2026 und war bei Redaktionsschluss am 4. August 2026 noch nicht veröffentlicht. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in der Vonovia SE.
Die Kennzahlen im Überblick
Alle Geldbeträge in Millionen €, Gewinn je Aktie wie berichtet.
| Kennzahl | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 3.623,9 | 5.151,8 | 5.228,5 | 5.939,1 | 4.977,1 |
| Betriebsergebnis (EBIT) | 6.031,7 | -363,7 | 1.763,0 | 1.001,5 | 1.781,7 |
| Nettogewinn | 2.680,3 | -669,4 | -6.285,1 | -896,0 | 3.723,0 |
| Nettomarge | 74,0 % | -13,0 % | -120,2 % | -15,1 % | 74,8 % |
| Gewinn je Aktie | 4,25 € | -0,85 € | -7,80 € | -1,09 € | 4,36 € |
Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)
Unser Fazit auf einen Blick
- Kerngeschäft Vermietung positiv
- Zum 31. März 2026 bewirtschaftete Vonovia 606.145 Einheiten, davon 530.506 eigene Wohnungen, bei einer Leerstandsquote von 2,3 Prozent und einer Vermietungsquote von 97,7 Prozent. Die monatliche Ist-Miete stieg von 7,33 Euro je Quadratmeter (2021) auf 8,38 Euro (2025) und 8,46 Euro (31.03.2026), das organische Mietwachstum lag 2024 und 2025 bei je 4,1 Prozent. Das Adjusted EBITDA Total wuchs von 2.254,4 auf 2.800,8 Millionen Euro.
- Bewertung der Immobilien neutral
- Der größte Bilanzposten — 82.392,8 Millionen Euro Investment Properties zum 31. Dezember 2025, davon 81.268,7 Millionen zum beizulegenden Zeitwert nach IAS 40.30 — beruht auf einem internen DCF-Modell mit einem Diskontierungszinssatz von 5,1 und einem Kapitalisierungszinssatz von 3,3 Prozent. PwC hat das zum besonders wichtigen Prüfungssachverhalt erklärt und weist darauf hin, dass bereits geringe Änderungen der Parameter zu wesentlichen Änderungen der Zeitwerte führen können. Externe Gutachter bestätigten das Niveau; der Bestätigungsvermerk ist uneingeschränkt.
- Zins-Sensitivität negativ
- Die eigene Sensitivitätstabelle zum 31. Dezember 2025 beziffert die Wirkung von 0,25 Prozentpunkten Zinsänderung mit +8,6/−7,4 Prozent (Deutschland), +6,8/−6,0 (Schweden) und +3,5/−3,3 Prozent (Österreich). Auf die Verkehrswerte der Investment Properties gerechnet sind das rund 6,6 Milliarden Euro Aufwertung oder rund 5,7 Milliarden Euro Abwertung — bei einem Eigenkapital von 32.371,8 Millionen Euro zum 31. März 2026. Im ersten Quartal 2026 wurde nicht bewertet; die vollständige Neubewertung erfolgt zum 30. Juni 2026.
- Bilanz und Kreditauflagen positiv
- Zum 31. März 2026 lagen der LTV bei 45,1 Prozent, die Eigenkapitalquote bei 35,2 Prozent und der Zinsdeckungsgrad bei 3,7x. Alle vier vertraglich vereinbarten Finanzkennzahlen wurden eingehalten, teils mit großem Abstand (LTV 44,6 gegen 60 Prozent, Secured LTV 14,3 gegen 45 Prozent, unbelastete Vermögenswerte 173,0 gegen 125 Prozent). Vier Agenturen führen Vonovia im Investment-Grade-Bereich: S&P BBB+, Moody’s Baa1, Fitch BBB+ und Scope A− mit negativem Ausblick.
- Refinanzierung negativ
- Die EMTN-Anleihen über 14.993,3 Millionen Euro tragen einen Durchschnittszins von 1,37 Prozent. Neuemissionen des Jahres 2026 kosteten nach Währungssicherung 3,504 bis 4,08 Prozent. Die Zinsaufwendungen stiegen im ersten Quartal 2026 von 199,2 auf 235,9 Millionen Euro (+18,4 Prozent); Vonovia nennt rund 20 Millionen Euro höhere Finanzierungskosten als Hauptgrund für den Rückgang des Adjusted EBT um 4,1 Prozent. Fällig werden 4.063,3 Millionen Euro 2026, 4.801,4 Millionen 2027 und 4.899,9 Millionen 2028.
- Aktienzahl und Minderheiten negativ
- Die Aktienzahl stieg 2025 um 3,1 Prozent auf 848.216.385 und lag Ende Juli 2026 bei 848.435.623 Stimmrechten; die Wandelanleihe vom 23. Juni 2026 über 850 Millionen Euro entspricht bei 28,0402 Euro Wandlungspreis rund 30,3 Millionen weiteren Aktien. Vom Periodenergebnis des ersten Quartals 2026 in Höhe von 250,3 Millionen Euro entfielen 39,8 Millionen auf nicht beherrschende Anteilseigner; das bereinigte Minderheitenergebnis stieg binnen eines Jahres von 33,7 auf 50,7 Millionen Euro.
Vonovia ist zwei Unternehmen in einer Bilanz. Das eine vermietet 530.506 Wohnungen mit 2,3 Prozent Leerstand und einem Adjusted EBITDA Total von 2.800,8 Millionen Euro (2025) — so berechenbar wie kaum ein anderer DAX-Wert. Das andere steht in einer einzigen Zeile der Gewinn- und Verlustrechnung: Das Ergebnis aus der Bewertung von Investment Properties schwankte zwischen +7.393,8 (2021) und −10.651,2 Millionen Euro (2023), ohne dass eine Wohnung den Besitzer wechselte. Der Wert von 84.698,1 Millionen Euro zum 31. März 2026 kommt aus einem internen DCF-Modell, dessen Diskontierungszinssatz für Deutschland bei 5,1 Prozent liegt; ein Viertelpunkt Zinsänderung entspricht nach der eigenen Sensitivitätsrechnung rund 5,7 Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2026 wurde gar nicht bewertet — die vollständige Neubewertung erfolgt zum 30. Juni 2026 und erscheint im Halbjahresbericht am 5. August 2026. Dazu kommt die teurere Refinanzierung: 14.993,3 Millionen Euro Anleihen zu 1,37 Prozent gegen Neuemissionen zu 3,5 bis 4,1 Prozent. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Gelb steht hier nicht für ein Substanzrisiko — davon ist nichts belegt. Der Bestätigungsvermerk zum Geschäftsbericht 2025 ist uneingeschränkt, alle vier vertraglichen Finanzkennzahlen wurden zum 31. März 2026 eingehalten, der Zinsdeckungsgrad liegt bei 3,7x, die Eigenkapitalquote bei 35,2 Prozent, und vier Ratingagenturen führen das Unternehmen im Investment-Grade-Bereich. Gelb steht für eine offene operative Frage: Die günstige Altfinanzierung läuft ab. 14.993,3 Millionen Euro EMTN-Anleihen tragen 1,37 Prozent Durchschnittszins, während neue Mittel im Jahr 2026 nach Währungssicherung 3,5 bis 4,1 Prozent kosteten; die Zinsaufwendungen stiegen im ersten Quartal 2026 bereits um 18,4 Prozent und drückten das Adjusted EBT um 4,1 Prozent, obwohl die Mieteinnahmen gewachsen sind. Bis 2028 werden 13,8 Milliarden Euro fällig. Hinzu kommt, dass der größte Bilanzposten nicht gemessen, sondern gerechnet wird: Ein Viertelpunkt auf Diskontierungs- und Kapitalisierungszins bewegt nach der eigenen Sensitivitätstabelle rund 5,7 Milliarden Euro, und die nächste vollständige Neubewertung steht erst zum 30. Juni 2026 an. Grün wäre die Einordnung, wenn die Refinanzierungslücke geschlossen wäre und der Zinsaufwand wieder stabil liefe. Dass die Aktie mit rund 47 Prozent Abschlag auf den EPRA NTA gehandelt wurde, ist eine Preisfrage und bestimmt diese Einordnung nicht.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam Vonovia über die Foren-Hitliste von wallstreet-online (meistdiskutierte Werte deutscher Privatanleger), Stand 4. August 2026 — kein Scanner-Treffer und kein Kaufsignal, sondern ein Aufmerksamkeitssignal.
- Datenstand und Aktualität: Jüngster ausgewerteter Periodenbericht ist die Zwischenmitteilung zum 1. Quartal 2026 (Stichtag 31. März 2026, veröffentlicht am 7. Mai 2026). Alle Meldungen danach wurden durchgesehen: Hauptversammlung am 21. Mai 2026, Stimmrechtsmitteilungen nach § 41 WpHG vom 29. Mai, 30. Juni und 31. Juli 2026, die beiden Ad-hoc-Mitteilungen vom 23. Juni 2026 zur Wandelanleihe. Der Halbjahresbericht 2026 erscheint am 5. August 2026 um 7:00 Uhr MESZ und lag bei Redaktionsschluss nicht vor.
- Zur Bewertungsmethodik: Vonovia bilanziert Investment Properties nach dem Wahlrecht des IAS 40.30 zum beizulegenden Zeitwert. Änderungen dieses Werts laufen erfolgswirksam durch die Gewinn- und Verlustrechnung, ohne dass Zahlungen fließen. Das erklärt, warum das Periodenergebnis 2025 mit 4.185,5 Millionen Euro weit über dem operativen Ergebnis lag.
- Die Rechnung „rund 5,7 Milliarden Euro“ ist unsere eigene und folgt der Anwendungsanweisung des Geschäftsberichts: prozentuale Sensitivität multipliziert mit dem Verkehrswert der Investment Properties je Land (Deutschland 70.377,4, Schweden 7.055,4, Österreich 2.728,2 Millionen Euro zum 31. Dezember 2025). Sie ist eine Größenordnung, keine Prognose.
- Ein tagesaktueller Börsenwert wird bewusst nicht genannt: Die Marktdatenabfrage stand für diese Analyse nicht zur Verfügung. Alle Kurs- und Bewertungsangaben stammen deshalb aus Originaldokumenten — Jahresschlusskurs 2025 (24,54 Euro) und Marktkapitalisierung (rund 20,8 Milliarden Euro) aus dem Geschäftsbericht 2025, der Referenzaktienkurs von 20,3929 Euro aus der Ad-hoc-Mitteilung vom 23. Juni 2026.
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Aktien-Wächter
Diese Analyse ist Stand 4. August 2026. Was sich seitdem bei VNA.DE geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.
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Häufige Fragen
Vonovia mit Sitz in Bochum ist Europas größtes Wohnungsunternehmen und Mitglied im DAX 40. Zum 31. März 2026 bewirtschaftete der Konzern 606.145 Einheiten, davon 530.506 eigene Wohnungen in Deutschland, Schweden und Österreich. Neben der Vermietung betreibt Vonovia die Segmente Value-add (Handwerkerorganisation, Energiegeschäft), Recurring Sales (Wohnungsverkauf) und Development (Neubau). Im ersten Quartal 2026 stammten 629,7 von 711,6 Millionen Euro Adjusted EBITDA aus der Vermietung.
Die unternehmensinterne Bewertungsabteilung nutzt ein Discounted-Cashflow-Verfahren: Die erwarteten Nettozuflüsse aus der Bewirtschaftung werden geschätzt und mit einem Diskontierungs- und einem Kapitalisierungszinssatz auf den Stichtag abgezinst. Für Vonovia Deutschland lagen diese Sätze zum 31. Dezember 2025 bei 5,1 beziehungsweise 3,3 Prozent. Zusätzlich haben die unabhängigen Gutachter CBRE GmbH und Savills Sweden AB das Portfolio bewertet; ihr Marktwert lag laut Bericht auf dem Niveau des internen Ergebnisses.
Der Geschäftsbericht 2025 nennt die Zahlen selbst: Ändern sich Diskontierungs- und Kapitalisierungszins um 0,25 Prozentpunkte, verändert sich der Wert des deutschen Bestands um +8,6 beziehungsweise −7,4 Prozent, der schwedische um +6,8/−6,0 und der österreichische um +3,5/−3,3 Prozent. Gerechnet auf die Verkehrswerte der Investment Properties zum 31. Dezember 2025 sind das rund 6,6 Milliarden Euro Aufwertung oder rund 5,7 Milliarden Euro Abwertung.
Vonovia bewertet das Gesamtportfolio nicht in jedem Quartal. In der Zwischenmitteilung zum 1. Quartal 2026 steht die Zeile „Ergebnis aus der Bewertung von Investment Properties“ deshalb bei null; die Verkehrswerte vom Jahresende 2025 wurden lediglich um die Investitionen bis zum 31. März 2026 fortgeschrieben. Die vollständige Neubewertung des Gesamtportfolios erfolgt laut Bericht zum Konzernzwischenabschluss zum 30. Juni 2026.
Am 5. August 2026 um 7:00 Uhr MESZ. Der Termin steht im Finanzkalender der Hauptversammlungsmeldung vom 21. Mai 2026 und auf der Berichtsseite von Vonovia. Der nächste Termin danach ist der Zwischenbericht zum 3. Quartal 2026 am 4. November 2026. Diese Analyse wurde am 4. August 2026 geschrieben und steht deshalb auf dem Stand der Zwischenmitteilung zum 1. Quartal 2026.
Zum 31. März 2026 betrug das Net Debt 38.844,0 Millionen Euro, bereinigt 38.601,9 Millionen. Der Verschuldungsgrad (LTV) lag bei 45,1 Prozent, das bereinigte Verhältnis von Nettoverschuldung zu Adjusted EBITDA bei 13,7x und der Zinsdeckungsgrad bei 3,7x. Alle vier vertraglich vereinbarten Finanzkennzahlen wurden eingehalten. Vier Ratingagenturen führen Vonovia im Investment-Grade-Bereich, darunter S&P mit BBB+ und Moody’s mit Baa1.
Die Zahl der Aktien stieg von 822.852.925 (31. Dezember 2024) auf 848.216.385 (31. Dezember 2025) — plus 3,1 Prozent durch die Aktiendividende vom 24. Juni 2025 und den Tausch gegen Aktien der Deutsche Wohnen SE. Ende Juli 2026 meldete Vonovia 848.435.623 Stimmrechte. Die am 23. Juni 2026 platzierte Wandelanleihe über 850 Millionen Euro entspricht bei einem Wandlungspreis von 28,0402 Euro rechnerisch rund 30,3 Millionen weiteren Aktien.
Der EPRA NTA je Aktie lag Ende 2025 bei 46,28 Euro, der Jahresschlusskurs bei 24,54 Euro — rund 47 Prozent Abschlag. Der Buchwert beruht auf den internen Bewertungsannahmen, insbesondere auf einem Diskontierungszinssatz von 5,1 Prozent. Der Markt rechnet offenbar mit einem höheren Zins beziehungsweise mit niedrigeren Immobilienwerten. Ein Abschlag ist deshalb kein Beweis für Unterbewertung, sondern eine abweichende Meinung über die Bewertungsannahmen.
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