Viromed Medical (VME): 80 Millionen versprochen, 5,1 geliefert
Die Kaltplasma-Firma aus Rellingen hat für 2026 rund 80 Millionen Euro Umsatz in Aussicht gestellt — und diese Prognose am 8. Mai 2026 kassiert. Wir lesen den Geschäftsbericht 2025 Zeile für Zeile und zählen die Nullen nach.
Stand heute
Stand: 18. August 2026
- Schlusskurs
- 7,30 € +0,70 %
- Marktkapitalisierung
- 0,2 Mrd. €
- KGV
- 251,8
- AAQS
- 2/10
Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
52-Wochen-Spanne: 6,20 € bis 8,00 € · Letzter Kurs: 7,30 € (Stand: 18. August 2026)
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt eine Anleger-Schwäche, die uns alle trifft und die nichts mit Gier zu tun hat, sondern mit Wahrnehmung: Wir lesen große Zahlen nicht, wir fühlen sie. „Acht Millionen Euro Umsatz“ und „achtzig Millionen Euro Umsatz“ klingen im Kopf fast gleich — beides ist „viel“. Dabei liegt zwischen den beiden Sätzen der Faktor zehn. Nennen wir es die Nullen-Falle: Je größer eine versprochene Zahl, desto seltener rechnen wir nach, wie weit sie von dem entfernt ist, was heute tatsächlich in der Kasse landet.
Die Viromed Medical AG hat diese Falle unfreiwillig perfekt bespielt. Am 30. Juni 2025 stellte das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2026 einen Umsatz von rund 80 Millionen Euro in Aussicht, dazu eine „EBIT-Marge im deutlich zweistelligen Bereich“. Im selben Moment lag der letzte bekannte Jahresumsatz bei 1,1 Millionen Euro. Am 8. Mai 2026 zog der Vorstand diese Prognose zurück.
Machen wir also einen Deal: Wir lassen die 80 Millionen dort, wo sie hingehören — in einer zurückgezogenen Mitteilung —, und lesen stattdessen den Geschäftsbericht 2025, den Halbjahresbericht, die Ad-hoc-Meldungen und die Insider-Meldungen. Und daraus schält sich das Spannungsfeld, um das sich diese Analyse dreht: Die Technologie ist echt, die Zulassungen sind echt — und der erste Gewinn der Firmengeschichte ist eine Buchung.
Was Viromed eigentlich macht — Kaltplasma in zwei Anwendungen
Kaltplasma klingt nach Science-Fiction, ist aber im Kern simpel erklärbar: Man jagt Strom durch Luft und erzeugt ein Gemisch aus geladenen Teilchen, das Bakterien, Pilze und Viren zerstört — ohne dabei heiß zu werden. Der Vorteil gegenüber einem Antibiotikum liegt auf der Hand: Ein physikalisches Verfahren kann keine Resistenzen erzeugen, weil es nichts gibt, wogegen ein Erreger resistent werden könnte. Es ist ein bisschen wie der Unterschied zwischen einem Schlüssel, den man knacken kann, und einer Tür, die man einfach zumauert.
Daraus baut Viromed zwei Produktlinien. ViroCAP® ist ein Handgerät für Haut und Wunden — Dermatologie, Wundversorgung, Veterinärmedizin und, in einer Kosmetikvariante, auch Podologie und Fußpflege. PulmoPlas® zielt auf ein deutlich schwierigeres Feld: die Lunge von Intensivpatienten. Wer beatmet wird, holt sich häufig eine sogenannte beatmungsassoziierte Lungenentzündung, im Bericht als VAP abgekürzt. Viromed beschreibt sich selbst als weltweit einziges Unternehmen, das Kaltplasma gezielt dafür entwickelt und klinisch untersucht.
Dazu kommt seit dem 1. Januar 2025 ein drittes Standbein, das mit Plasma nichts zu tun hat: die pharmedix GmbH, übernommen im Wege einer Sachkapitalerhöhung. Sie verkauft nicht verschreibungspflichtige Gesundheitsprodukte — Kosmetik, Nahrungsergänzung, Praxis- und Pflegebedarf. Merken wir uns diese Tochter, sie wird gleich wichtig.
Produziert wird nicht selbst. Die ViroCAP®- und PulmoPlas®-Geräte fertigt die relyon plasma GmbH im Auftrag — eine Tochter der TDK Electronics AG. Der Konzern besteht also aus einer Managementholding mit 17 Mitarbeitenden im Jahresdurchschnitt 2025 (2024: sieben) und zwei operativen Töchtern, während Fertigung und Forschung bei Partnern liegen: Medizinische Hochschule Hannover, Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung, Leibniz-Institut für Photonische Technologien Jena, Universität des Saarlandes.
Warum es hier keinen SEC-Bericht gibt
Ein Punkt vorab, weil er die gesamte Beleglage prägt: Von Viromed gibt es kein 10-K und kein 10-Q — keinen Geschäftsbericht und keinen Quartalsbericht nach US-Muster. Das Unternehmen ist kein US-Meldeunternehmen; die EDGAR-Abfragen nach „VME“ und „Viromed“ liefern schlicht nichts. Die Aktie ist unter der ISIN DE000A40ZVN7 im Primärmarkt der Börse Düsseldorf gelistet, also im Freiverkehr, und zusätzlich über Xetra, Frankfurt, Hamburg und Tradegate handelbar.
Unter jeder Zahl dieser Analyse steht deshalb „Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsbericht 2025 der Viromed Medical AG“ statt „SEC-Berichte“. Der Konzernabschluss ist nach HGB aufgestellt und von der Lenzen Wirtschaftsprüfung GmbH aus Düsseldorf mit einem uneingeschränkten Bestätigungsvermerk versehen worden — eine geprüfte Quelle also, nur eben nach deutschem Recht. Dieselbe Konstellation kennen wir aus anderen Analysen deutscher Titel, während wir bei US-Medizintechnik wie in der Analyse zu Treace Medical tatsächlich aus 10-K und 10-Q zitieren können.
Eine Besonderheit gibt es trotzdem, und sie ist mehr als eine Formalie: Viromed stellt den Konzernabschluss freiwillig auf. Der Anhang sagt das wörtlich — „Eine gesetzliche Verpflichtung zur Aufstellung eines Konzernabschlusses besteht nicht“ — und stuft die Gesellschaft als „kleine Kapitalgesellschaft“ ein. Für das Geschäftsjahr 2025 wurde erstmals überhaupt ein Konzernabschluss erstellt. Wer also die Zahlen von 2025 mit denen von 2023 vergleichen will, vergleicht streng genommen zwei verschiedene Dinge.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Ehrlichkeit zuerst: Der Aufhänger ist keine Kennzahl, sondern Aufmerksamkeit. Viromed gehört im Sommer 2026 zu den am heißesten diskutierten Werten in den Foren deutscher Privatanleger — ein Kandidat aus der Rangliste der meistdiskutierten Aktien bei wallstreet-online, Stand August 2026. Das ist kein Kaufsignal und keine Kennzahl; es ist ein Hinweis darauf, dass hier viele Menschen mit echtem Geld eine Meinung haben.
Genau deshalb lohnt der nüchterne Blick. Die Aktie startete 2025 laut Geschäftsbericht bei 2,62 Euro, erreichte am 14. April 2025 mit 5,35 Euro ihren Jahreshöchstkurs, am 4. Februar 2025 mit 1,55 Euro ihren Tiefstkurs und schloss das Jahr bei 3,80 Euro — ein Plus von 53,2 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom 30. Dezember 2024 (2,48 Euro). Das Unternehmen beschreibt das selbst als „für innovationsgetriebene Small Caps typische Bild einer erhöhten Volatilität und ausgeprägten Nachrichtengetriebenheit“. Dem ist wenig hinzuzufügen.
Die Zahlen 2025 — ehrlich gewürdigt
Erst das, was wirklich beeindruckt, und davon gibt es einiges. Der Konzernumsatz stieg 2025 um 452,27 Prozent auf 5,087 Millionen Euro (2024: 1,125 Millionen). Das Konzernergebnis drehte von minus 3,093 Millionen Euro auf plus 604.514 Euro. Die Eigenkapitalquote verbesserte sich um 21,4 Prozentpunkte auf 75,3 Prozent — das ist für ein Unternehmen dieser Größe ein sehr solider Wert. Bankschulden gibt es praktisch keine: 8.655 Euro zum 31. Dezember 2025.
Auch operativ ist 2025 einiges passiert. Im September 2025 erhielt Viromed die ISO-13485-Zertifizierung und ist damit als Medizinproduktehersteller anerkannt. Ende Oktober 2025 kamen ViroCAP® derm und ViroCAP® vet auf den Markt. Am 23. September 2025 startete das Zulassungsverfahren für PulmoPlas® beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Und am 11. Mai 2026 meldete das Unternehmen, dass ViroCAP® med das MDR-Konformitätsverfahren als Medizinprodukt der Klasse IIa abgeschlossen hat — die höhere Risikoklasse, die für die Wundbehandlung nötig ist.
Dazu ein Netz aus Vertriebsverträgen, das für ein Unternehmen mit 17 Mitarbeitenden erstaunlich weit reicht: eine exklusive Partnerschaft mit der UMECO Group für zehn asiatische Märkte, laut Geschäftsbericht der größte Einzelvertrag der Firmengeschichte mit einem „Gesamtvolumen von 152,5 Mio. EUR über fünf Jahre“; TriPart Titan für die Türkei mit zunächst 5.000 ViroCAP®-Geräten und 750 PulmoPlas®-Systemen; AMAMUS Vet für die Veterinärmedizin im DACH-Raum; die HELLMUT RUCK GmbH für die Podologie in Europa, deren OEM-Produktion am 21. April 2026 startete und über die Viromed Zugang zu einem Kundenstamm von mehr als 120.000 bekommt; und seit dem 18. Mai 2026 NEBU-TEC für PulmoPlas® vet mit weltweit exklusiven Rechten.
Das ist die Aufbauleistung, die der Vorstand meint, wenn er in seiner Stellungnahme vom 11. Mai 2026 von einer Entwicklung „von praktisch ‚0 auf 100' innerhalb von nur zweieinhalb Jahren“ spricht. Man muss diese Leistung nicht kleinreden, um sich anschließend die Zahlen genauer anzusehen.
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der erste Gewinn der Firmengeschichte ist eine Buchung
Das ist der Kern dieser Analyse. Der Jahresüberschuss von 604.514 Euro ist keine Erfindung — er steht so in der geprüften Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung. Aber er entsteht nicht im Geschäft.
Rechnen wir die Zeile von oben nach unten mit. Umsatzerlöse 5,087 Millionen Euro, dazu sonstige betriebliche Erträge von 2,270 Millionen Euro — im Vorjahr waren es 50.000 Euro. Gegen diese 7,357 Millionen laufen Materialaufwand (2,802 Millionen), Personalaufwand (862.000 Euro), Abschreibungen (525.000 Euro) und sonstige betriebliche Aufwendungen (4,036 Millionen). Der Lagebericht nennt das Ergebnis vor Zinsen und Steuern mit minus 830.000 Euro.
Und woher kommen die 2,270 Millionen Euro sonstige Erträge? Der Konzernanhang sagt es unmissverständlich:
„In den sonstigen betrieblichen Erträgen wird der Ertrag aus der Auflösung des Unterschiedsbetrages aus der Eigenkapitalkonsolidierung in Höhe von 2.048.188,41 EUR ausgewiesen.“
— Viromed Medical AG, Geschäftsbericht 2025, Konzernanhang, Erläuterungen zur Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung
Übersetzt in Alltagssprache: Als die Viromed Medical GmbH 2021 in die Aktiengesellschaft eingebracht wurde, war sie bilanziell mehr wert, als sie gekostet hat — weil ihre Produkte damals noch in der Entwicklung steckten und niemand wusste, ob sie je zugelassen würden. Diese Differenz wurde als Sicherheitspuffer auf der Passivseite geparkt. 2025 kam die Zulassung, der Puffer wurde nicht mehr gebraucht, und er durfte erfolgswirksam aufgelöst werden. Das ist buchhalterisch korrekt und in § 309 Absatz 2 HGB so vorgesehen. Nur: Es ist kein Euro, den ein Kunde bezahlt hat.
Der zweite Baustein steht weiter unten in der Rechnung: ein Ertrag aus latenten Steuern von 1,297 Millionen Euro. Latente Steuern sind vereinfacht gesagt eine Gutschrift auf künftige Steuerzahlungen, die man aktivieren darf, wenn man erwartet, künftig Gewinne zu machen und alte Verluste damit verrechnen zu können. Zum 31. Dezember 2025 standen 4,378 Millionen Euro aktive latente Steuern in der Bilanz — 31,5 Prozent der gesamten Bilanzsumme und 41,8 Prozent des Eigenkapitals. Das ist ein Vermögenswert, der nur dann etwas wert ist, wenn die künftigen Gewinne tatsächlich kommen; genau deshalb unterliegt er in voller Höhe einer Ausschüttungssperre nach § 268 Absatz 8 HGB.
Merksatz: Ein Gewinn, der aus der Auflösung einer Rückstellung und einer Steuergutschrift besteht, sagt nichts darüber, ob das Geschäft funktioniert. Er sagt nur, dass die Buchhaltung nachgezogen hat.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Das Umsatzwachstum kam aus dem Zukauf, nicht aus dem Plasma
Die 452 Prozent Umsatzwachstum wirken wie ein Durchbruch der Kaltplasma-Technologie. Der Lagebericht ordnet das nüchterner ein: Der Umsatz stieg „aufgrund der positiven Effekte aus der pharmedix-Übernahme“. Die Kosmetik- und Nahrungsergänzungs-Tochter wurde zum 1. Januar 2025 einbezogen — der gesamte Vorjahresvergleich ist damit schief, weil 2024 diese Umsätze noch nicht enthielt.
Die Zeitachse macht es noch deutlicher. Im ersten Halbjahr 2025 lag der Konzernumsatz bei 2,418 Millionen Euro, im Gesamtjahr bei 5,087 Millionen. Auf das zweite Halbjahr entfielen also rund 2,669 Millionen. Der Vertriebsstart von ViroCAP® erfolgte laut Geschäftsbericht erst „im vierten Quartal 2025“. Die Kaltplasma-Geräte, um die es in dieser Aktie eigentlich geht, waren 2025 also bestenfalls für ein Quartal überhaupt im Markt.
Und das erste Halbjahr 2025 zeigt noch etwas: Der Konzern machte in diesen sechs Monaten einen Periodenfehlbetrag von 817.000 Euro. Der ausgewiesene Jahresüberschuss von 604.514 Euro ist also vollständig im zweiten Halbjahr entstanden — genau in dem Zeitraum, in dem die Auflösung des Unterschiedsbetrags und der latente Steuerertrag gebucht wurden.
Auch die Prognose vom 30. Juni 2025 stützte sich auf die neue Tochter, nicht auf das Plasma: Erwartet wurde ein „leicht positives Ergebnis, vor allem getragen durch das operative Geschäft der übernommenen pharmedix GmbH“. Der Lagebericht 2025 nennt als Grund für die Zielverfehlung entsprechend „geringere Umsatzbeiträge der pharmedix GmbH“ — neben der Zulassungsverzögerung bei ViroCAP®.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: 364.000 Euro Kasse für einen Zukauf im zweistelligen Millionenbereich
Die Eigenkapitalquote von 75,3 Prozent liest sich beruhigend. Die Kasse liest sich anders. Zum 31. Dezember 2025 verfügte der Konzern über 364.000 Euro liquide Mittel — nach 24.000 Euro ein Jahr zuvor. Dem standen zum selben Stichtag 1,197 Millionen Euro Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen gegenüber, also gut das Dreifache.
Der Risikobericht formuliert das selbst, und zwar ohne Beschönigung:
„Der Viromed-Konzern weist zum Bilanzstichtag eine begrenzte Liquiditätsbasis auf. Die Finanzierung des geplanten Wachstums erfordert einen kontinuierlichen Zufluss finanzieller Mittel. Sollten die prognostizierten Umsätze nicht eintreten oder sich wesentlich verzögern, könnte dies die Liquiditätslage des Konzerns erheblich belasten.“
— Viromed Medical AG, Geschäftsbericht 2025, Konzernlagebericht, Risikobericht („Finanzielle Risiken“)
Vor diesem Hintergrund steht eine Ankündigung im Raum, die schwer dazu passt. Am 3. März 2026 unterzeichnete Viromed eine Absichtserklärung zum Erwerb sämtlicher Anteile an der relyon plasma GmbH — dem Auftragsfertiger der eigenen Geräte. Der Nachtragsbericht des Geschäftsberichts nennt die Größenordnung: „Der Kaufpreis befindet sich voraussichtlich im niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbereich; der Abschluss des Anteilskaufvertrags wird für das zweite Quartal 2026 angestrebt.“
Am 27. Juli 2026 — Quartal zwei war da vorbei — meldete das Unternehmen, die Due Diligence sei abgeschlossen und man habe sich mit TDK „unverbindlich – und vorbehaltlich der TDK Gremienzustimmungen“ auf Eckpunkte verständigt. Verhandlungen über den finalen Kaufvertrag sollten „in den kommenden Wochen“ folgen. Ein unterschriebener Vertrag lag damit nicht vor.
Die Frage, die sich jeder Aktionär stellen sollte, lautet also: Womit wird das bezahlt? Die Antwort steht im Anhang. Die Hauptversammlung vom 29. Juli 2025 schuf ein Genehmigtes Kapital 2025, das den Vorstand bis zum 28. Juli 2030 ermächtigt, bis zu 10.125.000 neue Aktien auszugeben. Bei 21.250.000 ausstehenden Stückaktien wären das bis zu 47,6 Prozent zusätzliche Anteile. Verwässerung heißt übersetzt: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, ohne dass du etwas getan hast — es sei denn, der Kuchen wächst schneller als die Zahl der Esser.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Der größte Vermögensposten gehört nicht dem operativen Geschäft
Schauen wir uns an, woraus das Umlaufvermögen von 5,580 Millionen Euro zum 31. Dezember 2025 besteht. Vorräte: 722.000 Euro. Forderungen aus Lieferungen und Leistungen, also offene Kundenrechnungen: 1,116 Millionen. Kasse: 364.000 Euro. Und dann der Brocken: 3,378 Millionen Euro „sonstige Vermögensgegenstände“. Der Lagebericht erklärt, was das ist:
„Zu diesen zählt insbesondere das Verrechnungskonto mit der Perbamed Invest GmbH.“
— Viromed Medical AG, Geschäftsbericht 2025, Konzernlagebericht, Abschnitt „Vermögenslage“
Zur Einordnung: 3,378 Millionen Euro sind 24,3 Prozent der Bilanzsumme und 32,3 Prozent des Eigenkapitals. Ein Jahr zuvor waren es 8,728 Millionen Euro — der Abbau um 5,350 Millionen ist die gute Nachricht dieses Befunds. Dazu passt eine Zeile aus dem Finanzergebnis: Der Konzern vereinnahmte 2025 Zinserträge von 333.000 Euro, die laut Lagebericht „aufgrund gegebener Darlehen an verschiedene Gesellschaften“ entstanden. Gleichzeitig weist die Bilanz 284.450 Euro Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern aus. Geld fließt also in beide Richtungen, und beides ist im Bericht offengelegt.
Der Vorstand hat sich dazu am 11. Mai 2026 selbst geäußert: „Die von mir gewährten Darlehen wurden der Gesellschaft zu fairen und günstigen Konditionen zur Verfügung gestellt – deutlich unter dem Niveau klassischer Finanzierungsmodelle.“ Das ist ein nachvollziehbares Argument für die Finanzierung eines jungen Unternehmens. Es ändert nichts daran, dass ein Aktionär, der eine Bilanz liest, hier eine Position sieht, die er nicht durch Kundengeschäft erklären kann — und deren Werthaltigkeit an einer Gesellschaft hängt, die nicht Teil des geprüften Konzernkreises ist.
Eine weitere Zahl gehört daneben: Der Mittelzufluss aus der laufenden Geschäftstätigkeit betrug 2025 3,678 Millionen Euro — bei einem Betriebsergebnis von minus 830.000 Euro. Der Bericht schlüsselt die Differenz nicht auf. Im selben Zeitraum sanken die sonstigen Vermögensgegenstände um 5,350 Millionen Euro.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Was ein Freiverkehrs-Bericht nicht erzählen muss
Diese fünfte Wahrheit ist keine Zahl, sondern eine Lücke — und sie erklärt, warum die vorherigen vier so schwer zu finden waren.
Viromed ist im Freiverkehr notiert und bilanziert als kleine Kapitalgesellschaft nach HGB. Daraus folgt eine Reihe von Dingen, die ein Anleger im regulierten Markt gewohnt wäre und hier nicht bekommt. Es gibt keine Quartalsberichte, sondern einen Jahres- und einen Halbjahresbericht; letzterer ist ungeprüft. Der Konzernabschluss ist, wie erwähnt, freiwillig. Die Vorstandsbezüge werden nicht veröffentlicht — der Anhang beruft sich ausdrücklich auf § 286 Absatz 4 HGB, der das erlaubt. Immerhin: Im Halbjahresbericht 2025 steht, dass der Vorstand „weiterhin auf eine Vergütung“ verzichtet.
Dazu kommt die Struktur an der Spitze. Der Vorstand besteht aus einer Person, Uwe Perbandt, im Amt seit dem 19. August 2023. Der Aufsichtsrat hat drei Mitglieder, darunter Dr. Markus Perbandt als stellvertretender Vorsitzender. Der Risikobericht benennt das selbst: „Der Vorstand der Viromed Medical AG besteht aus einem Alleinvorstand, dessen Familie mehrheitlich an der Gesellschaft beteiligt ist.“ Ein Ausscheiden dieser einen Person hätte laut Bericht „einen wesentlich nachteiligen Einfluss“.
Und ein kleines Detail am Rand, das zeigt, wie viel Sorgfalt in solchen Berichten steckt: Das Impressum auf der letzten Seite des Geschäftsberichts 2025 nennt „Handelsregister: HRB 268510, Registergericht: München“ — während der Konzernanhang desselben Dokuments „Sitz: Hamburg, HRB: 189155“ ausweist. Ein offensichtlicher Fehler in einem geprüften Dokument, ohne Auswirkung auf die Zahlen. Aber er sagt etwas darüber, mit welcher Aufmerksamkeit man solche Berichte lesen sollte.
Zum Vergleich, was in einem streng regulierten Umfeld selbstverständlich ist: Bei einem US-Medizintechnikkonzern wie in unserer Analyse zu West Pharmaceutical liegen Quartalszahlen, Segmentaufteilungen und Vorstandsvergütungen bis auf die Nachkommastelle offen.
Was der Markt für all das bezahlt
Kommen wir zur Größenordnung — bewusst ohne Tageskurs. Bei 21.250.000 Stückaktien und einem Börsenwert von rund 158 Millionen Euro (Datenstand 14. August 2026) zahlt der Markt für jeden Euro Jahresumsatz 2025 etwa 31 Euro. Gemessen am bilanziellen Eigenkapital von 10,474 Millionen Euro liegt die Bewertung beim rund Fünfzehnfachen. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich rechnen, sagt aber nichts: Der Gewinn, durch den man teilen würde, ist der Buchgewinn aus Wahrheit Nr. 1.
Zum Einordnen: Ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 31 ist eine Bewertung, wie sie bei Biotechfirmen kurz vor einer Zulassung vorkommt oder bei Softwarefirmen mit 40 Prozent Wachstum und hohen Bruttomargen. Viromed ist weder das eine noch das andere — es ist ein Gerätehersteller ohne eigene Fertigung, dessen Umsatz zu einem erheblichen Teil aus dem Verkauf von Kosmetik und Nahrungsergänzung stammt. Der Markt bezahlt hier also nicht das Geschäft von 2025, sondern eine Erwartung an 2027 und danach.
Genau deshalb ist der Rückzug der 80-Millionen-Prognose so bedeutsam. Der Vorstand hat sie am 8. Mai 2026 nicht durch eine kleinere Zahl ersetzt, sondern durch eine Formulierung ohne Zahl: „einen deutlichen Anstieg sowohl des Umsatzes als auch des Jahresergebnisses“. Wer die Aktie bewerten will, muss diese Lücke selbst füllen.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Chancen
- PulmoPlas® adressiert einen echten medizinischen Notstand. Beatmungsassoziierte Lungenentzündungen treffen einen erheblichen Teil beatmeter Intensivpatienten und enden häufig tödlich. Der Geschäftsbericht 2025 nennt für Deutschland Hochrechnungen von bis zu 6.000 verhinderbaren Todesfällen jährlich. Bei erfolgreicher Zulassung wäre es laut Unternehmen weltweit das erste gerätebasierte Verfahren dafür.
- Die regulatorischen Hürden sind zum Teil genommen. ISO 13485 seit September 2025, MDR-Konformität für ViroCAP® med als Klasse IIa seit Mai 2026 — das sind keine Absichtserklärungen, sondern abgeschlossene Verfahren.
- Der Vertriebsaufbau läuft über fremde Strukturen. UMECO (Asien), TriPart Titan (Türkei), HELLMUT RUCK (Podologie in Europa, über 120.000 Kunden), NEBU-TEC (Veterinärmedizin weltweit). Das erspart teuren eigenen Außendienst.
- Verzögerte Umsätze sind nicht verlorene Umsätze. Der Prognosebericht 2025 hält fest, die Verzögerungen zögen „lediglich eine zeitliche Verschiebung von Umsätzen nach sich, nicht deren ersatzlosen Wegfall“ — konkret nennt der Vorstand eine bestehende Bestellung über rund 2,4 Millionen Euro, die 2026 ausgeliefert werden soll.
- Die vertikale Integration hätte Logik. Ein Kauf von relyon plasma würde Fertigung, Patente und Entwicklung unter ein Dach bringen und die Abhängigkeit vom Auftragsfertiger beenden.
Risiken
- Die Ergebnisqualität. Der ausgewiesene Gewinn 2025 steht auf zwei Buchungen, nicht auf dem Betrieb. Das Betriebsergebnis war negativ.
- Die Liquiditätsdecke. 364.000 Euro Kasse gegen 1,197 Millionen Euro Lieferantenverbindlichkeiten zum 31. Dezember 2025, bei einem als „begrenzt“ beschriebenen Liquiditätsprofil.
- Die Finanzierung des relyon-Erwerbs. Ein Kaufpreis im niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbereich ist aus eigener Kraft nicht darstellbar; das Genehmigte Kapital 2025 erlaubt bis zu 47,6 Prozent neue Aktien.
- Die Abhängigkeit vom Zulassungsverfahren. Der Risikobericht sagt es selbst: Eine verzögerte oder versagte Zulassung von PulmoPlas® „hätte wesentliche negative Auswirkungen auf die geplante Umsatz- und Ergebnisentwicklung“.
- Die Abnahmeverpflichtungen der Vertriebspartner. Verträge über 152,5 Millionen Euro Volumen oder 5.000 Geräte sind erst dann Umsatz, wenn abgenommen wird. Der Bericht nennt genau dieses Risiko ausdrücklich.
- Die Prognosehistorie. Zwei Umsatzziele in Folge — 8 bis 10 Millionen für 2025, rund 80 Millionen für 2026 — wurden verfehlt beziehungsweise ersatzlos zurückgezogen.
- Die Konzentration auf eine Person. Alleinvorstand, Familienmehrheit, ein Familienmitglied im Aufsichtsrat, Vorstandsbezüge nicht veröffentlicht.
Ein menschliches Fazit
Kehren wir zur Nullen-Falle zurück. Sie ist deshalb so wirksam, weil sie nicht auf Dummheit setzt, sondern auf Bequemlichkeit. Wenn ein Unternehmen 80 Millionen Euro in Aussicht stellt, ist die Zahl so weit weg von allem, was man selbst überblickt, dass man sie einfach übernimmt. Sie einzuordnen — 80 Millionen sind das Sechzehnfache dessen, was 2025 tatsächlich umgesetzt wurde, und das Zweiundsiebzigfache von 2024 — kostet drei Minuten und einen Taschenrechner. Genau diese drei Minuten sparen sich die meisten.
Was bleibt, wenn man sie sich nimmt? Ein Unternehmen mit einer Technologie, die medizinisch plausibel und regulatorisch inzwischen belegbar ist. Ein Vorstand, der viel aufgebaut und sich in seiner Stellungnahme vom 11. Mai 2026 sichtlich getroffen gegen die Kritik gewehrt hat — mit Argumenten, die man ernst nehmen kann. Und eine Bilanz, die zum letzten geprüften Stichtag 364.000 Euro in der Kasse hatte, einen Gewinn aus Buchungen auswies und deren größter kurzfristiger Vermögenswert eine Verrechnungsposition mit einer nahestehenden Gesellschaft war.
Beides ist wahr. Die Frage ist nicht, ob Kaltplasma funktioniert — dafür sprechen die Zulassungen. Die Frage ist, ob dieses Unternehmen die Zeit und das Geld hat, bis aus der Technologie ein Geschäft wird, das sich selbst trägt. Der nächste Prüfstein steht im eigenen Finanzkalender: der Halbjahresbericht 2026, laut Geschäftsbericht für September 2026 vorgesehen. Dort wird sichtbar, ob die 2,4 Millionen Euro aus der verschobenen Bestellung angekommen sind — und was die Kasse macht.
Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
- Viromed Medical AG, Geschäftsbericht 2025 (HGB-Konzernabschluss, testiert von der Lenzen Wirtschaftsprüfung GmbH, Düsseldorf; Lagebericht unterzeichnet am 20. Mai 2026, Konzernabschluss vom Aufsichtsrat am 22. Mai 2026 gebilligt)
- Konzernzwischenbericht 1. Januar bis 30. Juni 2025 (ungeprüft, veröffentlicht am 30. September 2025)
- Ad-hoc-Mitteilung nach Art. 17 MAR vom 8. Mai 2026 (Verfehlung der Umsatzprognose 2025, Anpassung der Prognose 2026)
- Stellungnahme des Vorstands vom 11. Mai 2026
- Corporate News vom 27. Juli 2026: Update zum geplanten Erwerb der relyon plasma GmbH
- Director's-Dealings-Meldung nach Art. 19 MAR vom 10. August 2026 (Verkauf des Vorstands vom 6. August 2026) sowie die Meldung vom 3. August 2026 (Verkauf einer nahestehenden Person vom 29. Juli 2026)
- Finanzberichte der Viromed Medical AG und Finanznachrichten-Archiv
- Fundamentaldaten zu VME.DE, Datenstand 14. August 2026
Diese Analyse ist journalistische Einordnung, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien kleiner Unternehmen im Freiverkehr sind besonders schwankungsanfällig und können bis zum Totalverlust fallen. Alle Zahlen stammen aus den oben verlinkten Originalquellen und tragen den dort genannten Stichtag. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in der besprochenen Aktie.
Die Kennzahlen im Überblick
Alle Geldbeträge in Millionen €, Gewinn je Aktie wie berichtet.
| Kennzahl | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 0,0 | 0,0 | 1,1 | 5,1 |
| Betriebsergebnis (EBIT) | -0,2 | -0,4 | -3,5 | -0,9 |
| Nettogewinn | -0,2 | -0,1 | -3,1 | 0,6 |
| Nettomarge | – | – | -274,9 % | 11,9 % |
| Gewinn je Aktie | – | -0,01 € | -0,15 € | 0,03 € |
Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)
Unser Fazit auf einen Blick
- Technologie und Zulassungen positiv
- Die ISO-13485-Zertifizierung im September 2025 und der am 11. Mai 2026 gemeldete Abschluss des MDR-Konformitätsverfahrens für ViroCAP® med als Medizinprodukt der Klasse IIa sind echte, überprüfbare Meilensteine. Für PulmoPlas® läuft seit dem 23. September 2025 ein Zulassungsverfahren beim BfArM.
- Umsatzherkunft neutral
- Der Umsatzsprung 2025 auf 5,087 Millionen Euro geht laut Lagebericht „aufgrund der positiven Effekte aus der pharmedix-Übernahme“ auf den Zukauf zurück. Der Vertrieb von ViroCAP® startete erst im vierten Quartal 2025 — im ersten Halbjahr 2025 lag der Konzernumsatz bei 2,418 Millionen Euro.
- Ergebnisqualität negativ
- Der erste Jahresüberschuss (604.514 Euro für 2025) entsteht aus Buchungsvorgängen: 2,048 Millionen Euro Auflösung des Unterschiedsbetrags aus der Kapitalkonsolidierung und 1,297 Millionen Euro Ertrag aus latenten Steuern. Das Betriebsergebnis war mit minus 830.000 Euro negativ.
- Finanzlage negativ
- Zum 31. Dezember 2025 standen 364.000 Euro Liquidität 1,197 Millionen Euro Lieferantenverbindlichkeiten gegenüber. Der Risikobericht nennt die Liquiditätsbasis selbst „begrenzt“. Der geplante Erwerb der relyon plasma GmbH soll laut Geschäftsbericht im niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbereich liegen.
- Prognosetreue negativ
- Die am 30. Juni 2025 veröffentlichte Erwartung von 8 bis 10 Millionen Euro Umsatz für 2025 wurde mit 5,087 Millionen verfehlt; die Erwartung von rund 80 Millionen Euro für 2026 wurde am 8. Mai 2026 ohne Ersatzzahl zurückgezogen.
- Governance und Berichtstiefe negativ
- Alleinvorstand, Familienmehrheit, ein Familienmitglied im dreiköpfigen Aufsichtsrat; die Vorstandsbezüge bleiben nach § 286 Abs. 4 HGB unveröffentlicht. Der Konzernabschluss 2025 wurde nach eigener Angabe freiwillig aufgestellt, eine gesetzliche Pflicht dazu besteht nicht.
Viromed Medical hat 2025 geliefert, was ein Technologieunternehmen liefern kann: Zertifizierung, Marktzulassung, erste Umsätze, internationale Vertriebsverträge. Was das Unternehmen bislang nicht geliefert hat, ist ein Geschäft, das sich selbst trägt — der ausgewiesene Gewinn stammt aus Buchungen, die Kasse ist dünn, und die eigenen Umsatzprognosen wurden zweimal in Folge verfehlt beziehungsweise zurückgezogen. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Substanzrisiko
Wir haben mindestens einen belegten Befund, der das Unternehmen selbst gefährdet — unabhängig davon, wie die Aktie gerade bewertet ist.
Rot steht hier nicht für den Kurs, sondern für die Substanz: Das Betriebsergebnis war 2025 negativ, die Zinsdeckung liegt damit unter eins, und mit 364.000 Euro Liquidität zum 31. Dezember 2025 gegenüber 1,197 Millionen Euro Lieferantenverbindlichkeiten ist die Decke sehr dünn — der Risikobericht des Unternehmens nennt die Liquiditätsbasis selbst „begrenzt“. Dazu kommt, dass der größte Posten im Umlaufvermögen mit 3,378 Millionen Euro ein Verrechnungskonto mit einer nahestehenden Gesellschaft ist. Das ist kein Urteil über die Kaltplasma-Technologie, die durchaus etwas werden kann, sondern über die Bilanz, wie sie zum letzten geprüften Stichtag aussah.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger: Kandidat aus der wallstreet-online-Foren-Rangliste heiß diskutierter deutscher Nebenwerte, Stand August 2026.
- Datenstand der Kennzahlen aus dem Fundamentaldaten-Bestand: 14. August 2026. Alle Bilanz- und GuV-Zahlen stammen aus dem geprüften Konzernabschluss 2025 (Stichtag 31. Dezember 2025).
- Verwechslungsgefahr: Die Viromed Medical AG aus Rellingen hat nichts mit der südkoreanischen Biotechfirma ähnlichen Namens zu tun. Sie ging 2021 aus der Fonterelli SPAC2 AG hervor, die Notierung besteht seit Oktober 2022.
- Es gibt zu diesem Unternehmen keine SEC-Berichte — die Belege stammen aus dem HGB-Konzernabschluss und den Pflichtmitteilungen nach Art. 17 und Art. 19 MAR.
Aktien-Wächter
Diese Analyse ist Stand 14. August 2026. Was sich seitdem bei VME.DE geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.
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Häufige Fragen
Viromed entwickelt und vertreibt Medizinprodukte auf Basis von Kaltplasma — einem physikalischen Verfahren, das Bakterien und Pilze zerstört und Viren deaktiviert. Hauptprodukte sind ViroCAP® für Haut- und Wundbehandlung und PulmoPlas® für schwere Atemwegsinfektionen. Die Tochter pharmedix GmbH verkauft Kosmetik, Nahrungsergänzung und Praxisbedarf.
Viromed ist ein deutscher Emittent ohne US-Börsennotierung. Es existieren weder ein Geschäftsbericht nach US-Muster (10-K) noch Quartalsberichte (10-Q). Die Aktie ist im Primärmarkt der Börse Düsseldorf gelistet, also im Freiverkehr, und zusätzlich über Xetra handelbar. Belege stammen deshalb aus dem HGB-Konzernabschluss und den Pflichtmitteilungen des Unternehmens.
Formal ja: Der Konzern weist für 2025 einen Jahresüberschuss von 604.514 Euro aus. Operativ nein: Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag laut Lagebericht bei minus 830.000 Euro. Der Überschuss entsteht aus einem Buchgewinn von 2,048 Millionen Euro aus der Erstkonsolidierung und einem Ertrag aus latenten Steuern von 1,297 Millionen Euro.
Am 8. Mai 2026 teilte der Vorstand mit, dass sich die Markteinführung von ViroCAP® und die Zulassung von PulmoPlas® verzögert haben. Die im Juni 2025 genannte Erwartung von rund 80 Millionen Euro Umsatz für 2026 wurde ersatzlos durch die Formulierung „deutlicher Anstieg“ ohne Zahl ersetzt.
Zum 31. Dezember 2025 verfügte der Konzern über 364.000 Euro liquide Mittel, nach 24.000 Euro ein Jahr zuvor. Dem standen 1,197 Millionen Euro Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen gegenüber. Der Risikobericht des Geschäftsberichts 2025 nennt die Liquiditätsbasis selbst „begrenzt“.
relyon plasma ist eine Tochter der TDK Electronics AG und fertigt bislang im Auftrag die ViroCAP®- und PulmoPlas®-Geräte. Viromed unterzeichnete am 3. März 2026 eine Absichtserklärung zum Erwerb; der Kaufpreis liegt laut Geschäftsbericht voraussichtlich im niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbereich. Am 27. Juli 2026 lagen erst unverbindliche Eckpunkte vor.
Bei 21,25 Millionen Stückaktien und einem Börsenwert von rund 158 Millionen Euro (Datenstand 14. August 2026) zahlt der Markt etwa das Einunddreißigfache des Jahresumsatzes 2025 von 5,087 Millionen Euro und rund das Fünfzehnfache des bilanziellen Eigenkapitals von 10,474 Millionen Euro.
Die Gründerfamilie Perbandt hält nach Unternehmensangaben die Mehrheit; Alleinvorstand ist Uwe Perbandt, im dreiköpfigen Aufsichtsrat sitzt Dr. Markus Perbandt als stellvertretender Vorsitzender. Der Geschäftsbericht 2025 nennt das Schlüsselpersonenrisiko ausdrücklich als wesentliches Risiko.
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