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Viasat: Erstmals wieder ein Betriebsgewinn — und er deckt nicht einmal ein Drittel der Zinsen

Viasat: Erstmals wieder ein Betriebsgewinn — und er deckt nicht einmal ein Drittel der Zinsen

Viasat betreibt 23 Satelliten, versorgt 4.580 Verkehrsflugzeuge mit Internet und steht auf Platz 11 unserer Wochen-Rangliste. Der Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2026 meldet den ersten Betriebsgewinn seit Jahren: 108,1 Millionen US-Dollar. Im selben Jahr kostete der Zinsaufwand 360,3 Millionen. Und vom Vorsteuerergebnis von 104,8 Millionen stammen 320,6 Millionen aus zwei Vorgängen, die sich so nicht wiederholen. Wir lesen nach, was vom Betrieb übrig bleibt, wenn man die Einmaleffekte herausnimmt — und wer bei Viasat gerade am Verhandlungstisch Platz genommen hat.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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Viasat: Erstmals wieder ein Betriebsgewinn — und er deckt nicht einmal ein Drittel der Zinsen
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die sich anfühlt wie gesunder Menschenverstand: die „Es kann nur besser werden“-Falle. Sie schnappt zu, wenn eine Aktie jahrelang abgestürzt ist und dann eine Zahl auftaucht, die weniger schlecht ist als die letzte. Aus „weniger schlecht“ macht dein Kopf im Stillen „gut“ — und aus „gut“ wird eine These. Viasat (NASDAQ: VSAT) aus Carlsbad in Kalifornien ist gerade so ein Fall: 23 Satelliten im All, Internet in 4.580 Verkehrsflugzeugen, ein Verlust je Aktie, der binnen zwei Jahren von 9,12 auf 0,25 US-Dollar geschrumpft ist. Machen wir also einen Deal: Bevor du „die Wende“ kaufst, lesen wir gemeinsam nach, was die Firma selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für das Geschäftsjahr 2026, den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. Dezember 2025 und alles, was seither an Meldungen (8-K) dazukam. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt von einem Betriebsgewinn, der die Zinsen nicht deckt, von zwei Einmaleffekten, die das Jahr gerettet haben, und von einem aktivistischen Investor, der seit Mai 2026 mit am Tisch sitzt. Am Ende entscheidest du selbst.

Was Viasat eigentlich macht — 23 Satelliten, zwei sehr ungleiche Geschäfte

Viasat ist ein Satellitenbetreiber — übersetzt in ein Alltagsbild: eine Firma, die Funkmasten ins Weltall stellt. Ein geostationärer Satellit steht 36.000 Kilometer über dem Äquator scheinbar still am Himmel und leuchtet einen riesigen Bereich der Erde aus. Wer darunter ein Terminal aufstellt — auf einem Hausdach, einem Schiff, einem Flugzeug —, bekommt Internet, auch dort, wo nie ein Kabel liegen wird. Zum 31. März 2026 umfasste die Flotte 23 in Betrieb oder betriebsbereite Satelliten: 13 im Ka-Band, acht im L-Band (drei davon als Reserve), einer im S-Band und ein Hybridsatellit. Acht weitere GEO-Satelliten waren in Entwicklung oder Startvorbereitung.

Verdient wird in zwei Segmenten, und sie sind sehr ungleich. Die Kommunikationsdienste brachten im Geschäftsjahr 2026 3.299,7 Millionen US-Dollar Umsatz — Bordinternet für Airlines und Geschäftsflieger, Regierungs-Satellitenfunk, Schiffskommunikation und Festnetz-Breitband für Haushalte. Das kleinere Segment Verteidigung und fortgeschrittene Technologien kam auf 1.340,6 Millionen — Verschlüsselungsgeräte, taktische Funknetze, Cybersicherheit, Satellitenbau für Dritte. Ein großer Teil davon geht an das US-Verteidigungsministerium; die US-Regierung war im Geschäftsjahr 2026 für rund 16 Prozent des Konzernumsatzes gut.

Wichtig für alles Weitere: Das Unternehmen, das du heute siehst, ist zur Hälfte gekauft. Im Mai 2023 übernahm Viasat den britischen Satellitenbetreiber Inmarsat — daher stammen das L-Band-Geschäft, die Seenotfunk-Dienste und ein erheblicher Teil der Schulden. Geführt wird der Konzern von Mark Dankberg, Mitgründer, Verwaltungsratsvorsitzender und Vorstandschef. Zum 31. März 2026 beschäftigte Viasat rund 7.000 Menschen, davon 66 Prozent in den USA und rund 3.400 Ingenieure. Und hier liegt das Spannungsfeld dieser Analyse, das sich durch jedes Kapitel zieht: Der Konzern hat operativ die Kurve gekriegt — aber die Zinslast aus dem Zukauf, ein stillstehendes Kerngeschäft und zwei einmalige Erträge stehen zwischen dem Betriebsgewinn und einem echten Gewinn.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — Platz 11 im Wochen-Ranking

Viasat ist uns nicht über eine Pressemitteilung aufgefallen, sondern über eine Auswertung unseres hauseigenen Aktien-Scanners mit Stand 25. Juli 2026: In der Liste Richard Moglen: 1 Week Top Performers (US-Auswahl) stand der Titel auf Platz 11 von 28 Treffern. Diese Liste wird täglich neu gerechnet — die Platzierung ist eine Momentaufnahme dieses Tages, kein Dauerzustand. Zum Nachmachen: Die Rangliste steht offen in der Scanner-Übersicht und sortiert nach relativer Stärke.

Was misst dieser Filter überhaupt? Drei Dinge, alle mechanisch: ein Kursplus von mindestens 15 Prozent über vier Handelstage, ein durchschnittliches Handelsvolumen von mindestens 10 Millionen US-Dollar am Tag und ein Relative-Stärke-Rating von mindestens 70 von 100. Viasat erfüllte alle drei deutlich: Das durchschnittliche Dollar-Volumen lag bei rund 206,9 Millionen US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026), das Stärkerating bei 96. Übersetzt und bewertet heißt das: Die Aktie gehörte zu den stärksten liquiden Titeln dieser Handelswoche — ein Rating von 96 bedeutet, dass nur rund vier Prozent aller gemessenen Aktien in derselben Zeit stärker liefen. Das ist ein starker Befund über den Kurs. Über das Unternehmen sagt er nichts. Merke dir den Grundsatz gleich zu Beginn: Ein Momentum-Filter ist ein Türöffner, kein Gutachten.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich für Viasat spricht, und das ist mehr, als die Verlustzeile vermuten lässt. Der Absturz ist gestoppt. Das Betriebsergebnis lag im Geschäftsjahr 2024 bei minus 889,8 Millionen US-Dollar, im Geschäftsjahr 2025 bei minus 97,5 Millionen — und im Geschäftsjahr 2026 bei plus 108,1 Millionen. Der Umsatz wuchs in derselben Zeit von 4.283,8 über 4.519,6 auf 4.640,3 Millionen US-Dollar. Der Verlust je Aktie schrumpfte von 9,12 über 4,48 auf 0,25 US-Dollar. Und beim Geld, das wirklich fließt, sieht es noch besser aus: Der operative Mittelzufluss stieg von 688,2 (2024) über 908,2 (2025) auf 1.589,9 Millionen US-Dollar, während die Investitionen in Sachanlagen und Satelliten von 1.539,4 auf 992,8 Millionen zurückgingen. Frei verfügbar blieben damit im Geschäftsjahr 2026 rund 597,1 Millionen US-Dollar — nach minus 122,0 Millionen im Vorjahr und minus 851,2 Millionen im Jahr davor.

Auch die Schulden sinken: Der Nominalwert der Finanzverbindlichkeiten fiel von 7,2 Milliarden US-Dollar (31. März 2025) auf 6,6 Milliarden (31. März 2026), der Zinsaufwand von 421,9 auf 360,3 Millionen. Der feste Auftragsbestand lag zum 31. März 2026 bei 4.072,9 Millionen US-Dollar, die Neuaufträge des Geschäftsjahres bei rund 4,9 Milliarden nach 4,7 Milliarden im Vorjahr. Das ist eine Firma, die arbeitet — und die zwei sehr schlechte Jahre hinter sich gebracht hat.

Nur: Der Gewinn steckt nicht überall dort, wo der Umsatz steckt. Die folgende Grafik zeigt das Betriebsergebnis beider Segmente über drei Geschäftsjahre:

Balkendiagramm des Segment-Betriebsergebnisses von Viasat in Millionen US-Dollar: Kommunikationsdienste −817,1 (GJ 2024), −50,2 (GJ 2025), +152,6 (GJ 2026); Verteidigung und Technologie +154,4, +216,7, +216,3. Das kleinere Segment verdient in allen drei Jahren mehr.
Das kleinere Segment verdient mehr: Verteidigung und fortgeschrittene Technologien lieferte in allen drei Geschäftsjahren ein positives Betriebsergebnis, die Kommunikationsdienste erst im Geschäftsjahr 2026. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das Verteidigungsgeschäft steuert bei 29 Prozent des Konzernumsatzes 216,3 Millionen US-Dollar Segment-Betriebsergebnis bei, die Kommunikationsdienste bei 71 Prozent des Umsatzes nur 152,6 Millionen. Wer wissen will, was Viasat verlässlich verdient, schaut also auf den kleineren Teil. Womit wir bei den unbequemen Wahrheiten wären.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Betriebsgewinn deckt 30 Prozent der Zinsen

Das ist die Zahl, an der sich alles entscheidet. Dem Betriebsgewinn von 108,1 Millionen US-Dollar stand im Geschäftsjahr 2026 ein Zinsaufwand von 360,3 Millionen gegenüber. Die Kennzahl dafür heißt Zinsdeckung und beantwortet eine einfache Frage: Wie oft verdient der Betrieb die Zinsen? Bei Viasat lautet die Antwort 0,3-mal. Übersetzt in ein Alltagsbild: Deine Miete beträgt 1.000 Euro, und du verdienst 300. Eine kerngesunde Firma steht bei 5 oder höher; unter 1 lebt ein Unternehmen von seiner Kasse, von Verkäufen oder von neuen Krediten. Der Geschäftsbericht benennt die Größenordnung selbst:

„We have a significant amount of indebtedness. As of March 31, 2026, the aggregate principal amount of our total outstanding indebtedness was $6.6 billion.“

Übersetzung: „Wir haben eine erhebliche Verschuldung. Zum 31. März 2026 betrug der Nominalbetrag unserer gesamten ausstehenden Finanzverbindlichkeiten 6,6 Milliarden US-Dollar.“

— Viasat, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 1A Risikofaktoren

Gelb markierte Textstelle aus dem Viasat-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026: Zum 31. März 2026 betrug der Nominalbetrag der gesamten ausstehenden Finanzverbindlichkeiten 6,6 Milliarden US-Dollar; ungenutzt waren 598,2 Millionen der Viasat-Kreditlinie und 550,0 Millionen der Inmarsat-Linie.
Die markierte Stelle im Original: 6,6 Milliarden US-Dollar Finanzschulden zum 31. März 2026 — daneben ungenutzte Kreditlinien von 598,2 Millionen (Viasat) und 550,0 Millionen (Inmarsat). Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Wie teuer dieses Geld ist, steht im Anhang Nr. 7. Die größte Einzelposition sind 1,975 Milliarden US-Dollar besicherte Inmarsat-Anleihen mit 9,000 Prozent Kupon, fällig 2029; das Inmarsat-Darlehen verzinste sich zum 31. März 2026 effektiv mit 9,11 Prozent. Dazu kommen 733,4 Millionen zu 7,500 Prozent (2031), 600,0 Millionen zu 5,625 Prozent (2027), 400,0 Millionen zu 6,500 Prozent (2028) sowie mehrere Darlehen. Die nächste größere Fälligkeit steht im Jahr 2027 an. Entwarnung gibt es auf der Liquiditätsseite: 1.746,8 Millionen US-Dollar Kasse zum 31. März 2026, dazu 598,2 Millionen freie Viasat-Kreditlinie und 550,0 Millionen freie Inmarsat-Linie, und alle Kreditauflagen wurden zum Stichtag eingehalten. Ein akutes Liquiditätsproblem sieht anders aus. Ein Zinsproblem sieht genau so aus.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: 320,6 Millionen des Vorsteuerergebnisses kamen aus zwei Vorgängen, die sich nicht wiederholen

Das Ergebnis vor Steuern lag im Geschäftsjahr 2026 bei plus 104,8 Millionen US-Dollar — nach minus 545,3 Millionen im Vorjahr. Jetzt schauen wir uns an, woraus es besteht. Erstens: Der Zinsertrag sprang von 83,9 auf 205,8 Millionen. Der Grund steht im Lagebericht — 152,5 Millionen davon stammen aus der Aufteilung einer Einmalzahlung von 420 Millionen US-Dollar, die die Viasat-Tochter Inmarsat im Oktober 2025 von Ligado Networks erhielt; der Rest von 267,5 Millionen wurde als abgegrenzter Umsatz gebucht. Zweitens: In der Zeile „Sonstige Erträge, netto“ stehen 163,0 Millionen nach minus 10,0 Millionen im Vorjahr. Dahinter steckt ein Gewinn von 168,1 Millionen US-Dollar aus dem Verkauf der Beteiligung Navarino UK an eine Tochter der Beteiligungsgesellschaft ICG, abgeschlossen im März 2026 mit einem Erlös von 203,0 Millionen.

Rechne es einmal gegen: 152,5 plus 168,1 sind 320,6 Millionen US-Dollar — bei einem Vorsteuerergebnis von 104,8 Millionen. Ohne diese beiden Vorgänge stünde dort ein Vorsteuerverlust von rund 215,8 Millionen. Beides ist echtes Geld, beides ist sauber gebucht, und beides ist einmalig: Navarino kann man nur einmal verkaufen, und die 420 Millionen von Ligado sind geflossen. Was bleibt, sind die laufenden Ligado-Quartalszahlungen von rund 16 Millionen US-Dollar mit drei Prozent jährlicher Steigerung — vertraglich bis 2107. Übersetzt in ein Alltagsbild: Du hast dieses Jahr das Auto deiner Großmutter verkauft und eine alte Forderung eingetrieben. Beides zählt. Nur ist keines davon dein Gehalt. Und selbst mit diesen Posten blieb den Viasat-Aktionären am Ende ein Verlust von 34,1 Millionen US-Dollar — weil von den 3,9 Millionen Konzerngewinn 38,0 Millionen den Minderheitsgesellschaftern einer Tochter zustanden.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Das Kerngeschäft wächst nicht — es tauscht nur seine Kunden aus

Die Kommunikationsdienste kamen im Geschäftsjahr 2026 auf 3.299,7 Millionen US-Dollar Umsatz. Im Geschäftsjahr 2025 waren es 3.298,5 Millionen. Das ist ein Plus von 1,2 Millionen oder 0,04 Prozent — in einem Segment, das 71 Prozent des Konzerns ausmacht. Unter dieser stillen Oberfläche findet allerdings eine Verschiebung statt, die man sehen sollte:

Balkendiagramm der Service-Umsätze in Millionen US-Dollar: Luftfahrt-Dienste 864,8 (GJ 2024), 1.048,2 (GJ 2025), 1.191,4 (GJ 2026); Festnetz und Sonstiges 906,8, 741,6, 607,7. Die Luftfahrt überholt das Festnetzgeschäft im Geschäftsjahr 2025.
Innerhalb der Kommunikationsdienste zieht die Luftfahrt an dem Festnetzgeschäft vorbei: 1.191,4 gegen 607,7 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2026. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Luftfahrt-Dienste wuchsen in zwei Jahren von 864,8 über 1.048,2 auf 1.191,4 Millionen US-Dollar, weil immer mehr Flugzeuge mit Viasat-Terminals fliegen: rund 4.580 Verkehrsflugzeuge (davon etwa 130 wegen Wartung vorübergehend inaktiv) und rund 2.100 Geschäftsflugzeuge zum 31. März 2026, dazu bestehende Zusagen für rund 1.000 weitere Maschinen. Festnetz und Sonstiges fiel im gleichen Zeitraum von 906,8 über 741,6 auf 607,7 Millionen — ein Rückgang um 33 Prozent. Allein im Geschäftsjahr 2026 waren es 133,9 Millionen weniger, und der Lagebericht nennt als Grund, dass Viasat einen größeren Teil der verfügbaren Bandbreite bewusst dem Bordinternet zuweist statt dem US-Festnetzgeschäft. Zum 31. März 2026 zählte dieses Geschäft noch rund 130.000 Kunden bei 113 US-Dollar Monatsumsatz je Kunde.

Es ist also nicht nur eine Verdrängung durch den Wettbewerb, sondern auch eine bewusste Umverteilung knapper Kapazität. Nur ändert das nichts am Wettbewerbsdruck selbst, den der Bericht in der Rubrik Wettbewerb ungeschminkt aufzählt:

Gelb markierte Textstelle aus dem Viasat-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026: Die Luftfahrt-Dienste konkurrieren unter anderem mit Amazon Leo, Anuvu, Gogo, Iridium, Panasonic Avionics, SES, SpaceX und Thales; im Seefunk mit KVH, SES, SpaceX und Speedcast; im Festnetz mit Kabel-, Glasfaser-, DSL- und Funkanbietern.
Der Wettbewerbsabschnitt im Original: In der Luftfahrt und im Seefunk steht SpaceX namentlich in der Liste, im Festnetz konkurriert Viasat mit Kabel, Glasfaser, DSL und Funk. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Noch deutlicher wird der Risikoteil des Berichts, und zwar mit Namen:

„For example, the traditional GEO satellite communications industry is experiencing significant disruption from customers' increasing adoption of LEO services, including Starlink, as well as increased reliance on other forms of data transmission, including Wi-Fi and cellular data services.“

Übersetzung: „Zum Beispiel erlebt die traditionelle Branche der geostationären Satellitenkommunikation eine erhebliche Verwerfung dadurch, dass Kunden zunehmend Dienste erdnaher Umlaufbahnen nutzen, darunter Starlink, sowie stärker auf andere Übertragungswege wie WLAN und Mobilfunk setzen.“

— Viasat, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 1A Risikofaktoren

Der Unterschied in einem Satz: Geostationäre Satelliten stehen hoch und weit, erdnahe Satelliten fliegen tief und schnell und brauchen deshalb Hunderte bis Tausende Stück — dafür ist die Verzögerung kleiner. Viasat argumentiert im eigenen Bericht dagegen, eine reine Flotte in erdnaher Umlaufbahn habe „einen Überschuss an Kapazität in nachfrageschwachen Gebieten und unzuverlässige oder unzureichende Kapazität dort, wo die Nachfrage hoch ist“. Das ist ein ernstzunehmendes Argument. Es ändert nur nichts daran, dass ausgerechnet das Festnetzgeschäft, das direkt betroffen ist, seit zwei Jahren schrumpft.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Ein Satellit für Milliarden liefert weniger als ein Zehntel seiner Leistung

Diese Geschichte liegt zwei Geschäftsjahre zurück und wirkt bis heute nach. Im Geschäftsjahr 2024 entfaltete sich beim Satelliten ViaSat-3 F1 ein Reflektor nicht richtig — das ist die große Antenne, die das Funksignal bündelt. Ohne sie ist ein Satellit ungefähr so nützlich wie ein Radioteleskop mit zugeklappter Schüssel. Der Anhang Nr. 1 des aktuellen Geschäftsberichts formuliert das Ergebnis nüchtern: Viasat erhält weniger als 10 Prozent des ursprünglich erwarteten Durchsatzes dieses Satelliten. Fast gleichzeitig fiel beim Satelliten Inmarsat-6 F2 während des Bahnaufstiegs das Stromversorgungssystem aus.

„During fiscal year 2024, we reported a reflector deployment issue with the ViaSat-3 F1 satellite that materially impacted its performance, and a power subsystem anomaly with the Inmarsat-6 F2 satellite during its orbit raising phase that caused the satellite to not operate as intended.“

Übersetzung: „Im Geschäftsjahr 2024 meldeten wir ein Problem bei der Entfaltung des Reflektors des Satelliten ViaSat-3 F1, das dessen Leistung wesentlich beeinträchtigte, sowie eine Störung des Stromversorgungssystems des Satelliten Inmarsat-6 F2 während der Bahnaufstiegsphase, die dazu führte, dass der Satellit nicht wie vorgesehen arbeitet.“

— Viasat, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 2 Anlagen

Gelb markierte Textstelle aus dem Viasat-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026: Im Geschäftsjahr 2024 wurde ein Problem bei der Entfaltung des Reflektors des Satelliten ViaSat-3 F1 gemeldet, das dessen Leistung wesentlich beeinträchtigte, sowie eine Störung des Stromversorgungssystems des Satelliten Inmarsat-6 F2 während der Bahnaufstiegsphase.
Die markierte Stelle im Original: zwei Satellitenstörungen in einem Geschäftsjahr. Der Anhang Nr. 1 beziffert die Folge — weniger als 10 Prozent des erwarteten Durchsatzes bei ViaSat-3 F1. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Rechnung dazu steht ebenfalls im Anhang: Viasat schrieb im Geschäftsjahr 2024 den Buchwert der im Bau befindlichen Satelliten um rund 1,67 Milliarden US-Dollar ab, teilweise ausgeglichen durch Versicherungsforderungen von rund 770,0 Millionen; unter dem Strich blieb ein Verlust von rund 905,5 Millionen US-Dollar in den Verwaltungsaufwendungen des Kommunikationssegments. Die Versicherungsleistungen sind inzwischen vollständig eingegangen: 508,6 Millionen im Geschäftsjahr 2024, 251,5 Millionen 2025 und 10,0 Millionen 2026. Warum das für heute zählt: Es ist die Erinnerung daran, dass in diesem Geschäft ein einzelner Startfehler eine Milliarde vernichten kann. Der zweite Satellit dieser Baureihe, ViaSat-3 F2, startete im November 2025; der dritte, ViaSat-3 F3, folgte im April 2026 — der kommerzielle Betrieb wird laut Geschäftsbericht bis zum Spätsommer 2026 erwartet. Ob diese beiden das leisten, was der erste nicht konnte, ist die operative Kernfrage der nächsten Berichte.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Seit Mai 2026 sitzt ein Aktivist am Tisch — und ein „Strategic Review Committee“ arbeitet

Am 6. Mai 2026 schloss Viasat eine Kooperationsvereinbarung mit dem Investor Carronade Capital Management, LP. Der Verwaltungsrat wurde auf zehn Mitglieder erweitert, acht davon unabhängig, und zwei neue Mitglieder bestellt: Shekar Ayyar, Vorstandschef des Netzwerksoftware-Anbieters Arrcus und früher VMware-Manager, sowie Jinhy Yoon, zuvor 14 Jahre Kreditanalystin bei PIMCO und Verwaltungsrätin bei Intelsat, wo sie den Verkauf an SES im Juli 2025 begleitete. Beide wurden zugleich in das Strategic Review Committee des Verwaltungsrats berufen.

Gelb markierte Textstelle aus der Viasat-Meldung 8-K vom 7. Mai 2026: Im Zusammenhang mit ihrer Bestellung wurden Herr Ayyar und Frau Yoon jeweils in das Strategic Review Committee des Verwaltungsrats berufen.
Die markierte Stelle im Original: Beide neuen Verwaltungsräte gehen direkt in das Strategic Review Committee. Quelle: SEC-Meldung 8-K vom 7. Mai 2026, Item 5.02 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Was heißt das? Ein solcher Ausschuss prüft, ob Teile eines Konzerns getrennt, verkauft oder anders finanziert werden sollten. Ein Fusions- oder Übernahmevertrag lag zum Datum dieser Analyse nicht vor, und keiner der ausgewerteten Berichte nennt ein laufendes Verfahren — es gibt also nichts zu bewerten außer der Struktur selbst. Die Vereinbarung enthält aber eine Zeile, die man kennen sollte: Sie endet unter anderem mit „der Bekanntgabe der Unterzeichnung definitiver Vertragsunterlagen über eine zustimmungspflichtige außerordentliche Transaktion“. Übersetzt: Die Stillhaltezusage des Investors gilt genau so lange, bis ein Großgeschäft unterschrieben ist. Drei Wochen später, am 29. Mai 2026, reichte Viasat zusätzlich einen unbegrenzten Emissionsprospekt (S-3ASR) ein — das Standardwerkzeug, um Aktien oder Anleihen kurzfristig platzieren zu können. Bei 136.568.953 ausstehenden und 200.000.000 genehmigten Stammaktien besteht dafür rechnerisch Raum für 63,4 Millionen zusätzliche Aktien. Verwässerung heißt übersetzt: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, auch wenn der Kuchen gleich groß bleibt. Noch ist keine Emission angekündigt — aber der Prospekt ist die Zeile, an der man sie zuerst sehen würde.

Bewertung — was der Markt bereits eingepreist hat

Bei einem Ankerkurs von 71,70 US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) und 136.568.953 ausstehenden Aktien ergibt sich ein Börsenwert von rund 9,8 Milliarden US-Dollar und ein Unternehmenswert — Börsenwert plus Schulden minus Kasse — von rund 15,3 Milliarden. Gemessen am Jahresumsatz von 4,64 Milliarden entspricht das etwa dem 2,1-fachen Umsatz für die Aktien allein und dem 3,3-fachen inklusive Schulden. Auf Basis des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von rund 1,42 Milliarden liegt der Unternehmenswert beim etwa 8,4-fachen. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich nicht bilden, weil unter dem Strich ein Verlust steht; der Buchwert je Aktie lag bei rund 34,13 US-Dollar, das Kurs-Buchwert-Verhältnis damit bei rund 2,2.

Der Blick der Profis fällt freundlich aus: Neun Analystenstimmen (vier „stark kaufen“, drei „kaufen“, zwei „halten“) ergaben ein mittleres Kursziel von 94,56 US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) — deutlich über dem Ankerkurs. Der Konsens erwartet für das laufende Geschäftsjahr ein Ergebnis von 1,09 US-Dollar je Aktie und für das folgende nur noch 0,30. Diese beiden Schätzungen widersprechen einander so stark, dass man sie eher als Ausdruck der Unsicherheit lesen sollte denn als Prognose. Auffällig ist außerdem die Gegenwette: Zum Datenstand 24. Juli 2026 waren 11,8 Millionen Aktien leerverkauft, rund 11,3 Prozent des Streubesitzes. Bewertet: Das ist keine billige Aktie mehr — die Bewertung unterstellt, dass ViaSat-3 F2 und F3 liefern, dass die Zinslast weiter sinkt und dass aus dem Betriebsgewinn ein echter Gewinn wird. Ob dieser Preis richtig ist, entscheidet nicht diese Analyse.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was dafür spricht:

  • Die operative Wende ist belegt: Betriebsergebnis von minus 889,8 (Geschäftsjahr 2024) über minus 97,5 auf plus 108,1 Millionen US-Dollar (2026); operativer Mittelzufluss 1.589,9 Millionen bei gesunkenen Investitionen von 992,8 Millionen — frei verfügbar rund 597,1 Millionen nach zwei negativen Jahren.
  • Ein verlässlich profitables Verteidigungsgeschäft: 216,3 Millionen US-Dollar Segment-Betriebsergebnis im Geschäftsjahr 2026 bei 1.340,6 Millionen Umsatz, mit Wachstum in Informationssicherheit (414,5 nach 302,1 Millionen in zwei Jahren) und taktischen Netzen (329,4 nach 202,1).
  • Wachsendes Bordinternet-Geschäft mit hoher Eintrittshürde: rund 4.580 Verkehrsflugzeuge und 2.100 Geschäftsflieger in Betrieb zum 31. März 2026, dazu Zusagen für rund 1.000 weitere Maschinen; Luftfahrt-Umsatz 1.191,4 Millionen US-Dollar nach 864,8 zwei Jahre zuvor.
  • Schulden und Zinslast sinken: Nominalwert von 7,2 auf 6,6 Milliarden US-Dollar binnen eines Jahres, Zinsaufwand von 421,9 auf 360,3 Millionen; Kasse 1.746,8 Millionen plus 1.148,2 Millionen freie Kreditlinien, Kreditauflagen zum 31. März 2026 eingehalten.
  • Zwei neue Satelliten der ViaSat-3-Reihe im All: F2 seit November 2025, F3 seit April 2026 mit erwartetem Betriebsstart bis Spätsommer 2026 — die Kapazität, die dem ersten Satelliten fehlte, könnte damit kommen.

Was dagegen spricht:

  • Der Betriebsgewinn deckt die Zinsen nicht: 108,1 gegen 360,3 Millionen US-Dollar — eine Zinsdeckung von 0,3. Der Altman-Z-Wert, eine gängige Bilanzampel, lag zum Datenstand 24. Juli 2026 bei 1,0 und damit im kritischen Bereich unter 1,8.
  • Im Vorsteuerergebnis von 104,8 Millionen US-Dollar stecken 320,6 Millionen aus zwei Einmalvorgängen (152,5 Millionen Ligado-Zinsertrag, 168,1 Millionen Gewinn aus dem Navarino-Verkauf); ohne sie ergäbe sich ein Vorsteuerverlust von rund 215,8 Millionen.
  • Das Kernsegment stagniert: 3.299,7 nach 3.298,5 Millionen US-Dollar, und das Festnetzgeschäft fiel in zwei Jahren von 906,8 auf 607,7 Millionen; der eigene Risikobericht nennt Starlink namentlich als Ursache der Branchenverwerfung.
  • Betriebsrisiko im All ist real und teuer: ViaSat-3 F1 liefert weniger als 10 Prozent des erwarteten Durchsatzes, die Abschreibung im Geschäftsjahr 2024 betrug rund 1,67 Milliarden US-Dollar brutto und 905,5 Millionen netto nach Versicherung.
  • Bewertung und Verwässerungsspielraum: rund 9,8 Milliarden US-Dollar Börsenwert und 15,3 Milliarden Unternehmenswert bei einem Verlust je Aktie von 0,25; dazu ein unbegrenzter Emissionsprospekt seit 29. Mai 2026 und rechnerisch 63,4 Millionen genehmigte, aber noch nicht ausgegebene Aktien.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur „Es kann nur besser werden“-Falle vom Anfang. Ihr Kern ist nicht, dass bei Viasat nichts besser geworden wäre — es ist eine Menge besser geworden: Der Betrieb schreibt wieder schwarze Zahlen, die Investitionen sind gesunken, die Schulden auch, das Bordinternet wächst, das Verteidigungsgeschäft verdient verlässlich. Ihr Kern ist, dass „besser als davor“ und „gut“ zwei verschiedene Dinge sind, und dass der Abstand dazwischen bei Viasat 252 Millionen US-Dollar beträgt: die Lücke zwischen einem Betriebsgewinn von 108,1 und einem Zinsaufwand von 360,3 Millionen. Wer heute kauft, kauft deshalb drei sehr konkrete Dinge: eine Bilanz mit 6,6 Milliarden US-Dollar Schulden, deren teuerster Baustein neun Prozent kostet; ein Kerngeschäft, das seit zwei Jahren stillsteht und sich intern umschichtet; und die Wette darauf, dass zwei frisch gestartete Satelliten die Kapazität liefern, an der der erste gescheitert ist. Dazu einen Verwaltungsrat, in dem seit Mai 2026 ein Ausschuss über Strategie nachdenkt — mit offenem Ausgang. Für einen Vergleich, wie unterschiedlich Zahlen und Erzählung in diesem Sektor auseinanderlaufen können, lohnt ein Blick in unsere Analyse zu Mercury Systems, einem Rüstungselektroniker mit ganz ähnlichem Muster aus starker Erzählung und dünnem Ergebnis; wie es aussieht, wenn ein Raumfahrtunternehmen im eigenen Bericht am Fortbestand zweifelt, steht in unserer Analyse zu Virgin Galactic — dieser Fall ist Viasat ausdrücklich nicht: Der Abschluss enthält keinen Fortbestandshinweis, das Eigenkapital ist mit 4.729,3 Millionen US-Dollar deutlich positiv. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist die Wende da?“, sondern: Würdest du eine Firma zu diesem Preis kaufen, deren bestes Jahr seit Langem ohne zwei einmalige Erträge ein Verlustjahr gewesen wäre? Wenn ja, hast du eine These. Wenn nein, hattest du einen Filtertreffer. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Viasat-Aktien.

Unser Fazit auf einen Blick

Operative Wende positiv
Das Betriebsergebnis drehte von minus 889,8 Millionen US-Dollar (Geschäftsjahr 2024) über minus 97,5 (2025) auf plus 108,1 Millionen (2026). Der operative Mittelzufluss stieg auf 1.589,9 Millionen, während die Investitionen in Sachanlagen und Satelliten auf 992,8 Millionen sanken — frei verfügbar blieben rund 597,1 Millionen nach zwei negativen Jahren. Der Umsatz wuchs auf 4.640,3 Millionen.
Zinslast und Bilanz negativ
Dem Betriebsgewinn von 108,1 Millionen US-Dollar stand im Geschäftsjahr 2026 ein Zinsaufwand von 360,3 Millionen gegenüber — eine Zinsdeckung von 0,3. Der Nominalwert der Finanzschulden lag zum 31. März 2026 bei 6,6 Milliarden, der teuerste Baustein sind 1,975 Milliarden Inmarsat-Anleihen zu 9,000 Prozent. Der Altman-Z-Wert lag zum Datenstand 24. Juli 2026 bei 1,0.
Ergebnisqualität negativ
Im Vorsteuerergebnis von 104,8 Millionen US-Dollar stecken 152,5 Millionen Zinsertrag aus dem Ligado-Vergleich und 168,1 Millionen Gewinn aus dem Verkauf der Beteiligung Navarino UK — zusammen 320,6 Millionen. Ohne diese beiden Vorgänge ergäbe sich ein Vorsteuerverlust von rund 215,8 Millionen. Den Viasat-Aktionären zurechenbar blieb ohnehin ein Verlust von 34,1 Millionen.
Kerngeschäft und Wettbewerb negativ
Die Kommunikationsdienste stagnierten im Geschäftsjahr 2026 bei 3.299,7 nach 3.298,5 Millionen US-Dollar. Innerhalb des Segments wuchs die Luftfahrt von 864,8 (2024) auf 1.191,4 Millionen, während Festnetz und Sonstiges von 906,8 auf 607,7 Millionen fiel. Der eigene Risikobericht nennt die zunehmende Nutzung erdnaher Dienste einschließlich Starlink als Ursache einer erheblichen Branchenverwerfung.
Verteidigungsgeschäft positiv
Das kleinere Segment ist der verlässliche Gewinnbringer: 216,3 Millionen US-Dollar Segment-Betriebsergebnis im Geschäftsjahr 2026 bei 1.340,6 Millionen Umsatz (2025: 216,7 bei 1.221,1; 2024: 154,4 bei 1.142,2). Informationssicherheit und Cyberabwehr wuchsen von 302,1 auf 414,5 Millionen, taktische Netze von 202,1 auf 329,4 Millionen. Der feste Auftragsbestand des Segments lag bei 1.211,9 Millionen.
Bewertung und Verwässerung neutral
Bei einem Ankerkurs von 71,70 US-Dollar (24. Juli 2026) und 136.568.953 Aktien ergibt sich ein Börsenwert von rund 9,8 Milliarden und ein Unternehmenswert von rund 15,3 Milliarden — das 2,1-fache des Umsatzes und das 8,4-fache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Neun Analystenstimmen sahen im Mittel 94,56 US-Dollar. Seit 29. Mai 2026 besteht ein unbegrenzter Emissionsprospekt bei rechnerisch 63,4 Millionen freien genehmigten Aktien.

Viasat hat die operative Kurve gekriegt: Nach zwei katastrophalen Jahren stand im Geschäftsjahr 2026 ein Betriebsgewinn von 108,1 Millionen US-Dollar, der operative Mittelzufluss erreichte 1.589,9 Millionen, die Schulden sanken von 7,2 auf 6,6 Milliarden. Der eigene Bericht zeigt aber auch die Grenzen: Der Zinsaufwand von 360,3 Millionen ist mehr als das Dreifache des Betriebsgewinns, und von den 104,8 Millionen Vorsteuerergebnis stammen 320,6 Millionen aus zwei Einmalvorgängen — dem Ligado-Vergleich und dem Verkauf der Beteiligung Navarino UK. Das Kerngeschäft stagniert bei 3.299,7 Millionen, das Festnetzgeschäft ist in zwei Jahren um ein Drittel geschrumpft. Verlässlich verdient nur das Verteidigungssegment mit 216,3 Millionen. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Substanzrisiko

Wir haben mindestens einen belegten Befund, der das Unternehmen selbst gefährdet — unabhängig davon, wie die Aktie gerade bewertet ist.

Das Geschäft selbst trägt: 23 Satelliten in Betrieb, rund 4.580 Verkehrsflugzeuge am Netz, ein fester Auftragsbestand von 4.072,9 Millionen US-Dollar und ein Verteidigungssegment, das mit 216,3 Millionen Segment-Betriebsergebnis verlässlich verdient. Auch die Bilanz kennt keinen Going-Concern-Hinweis: Das Eigenkapital lag zum 31. März 2026 bei 4.729,3 Millionen, in der Kasse lagen 1.746,8 Millionen, dazu 1.148,2 Millionen freie Kreditlinien, und alle Kreditauflagen waren zum Stichtag eingehalten. Über die Stufe entscheidet trotzdem eine einzelne Zeile: Dem Betriebsgewinn von 108,1 Millionen stand im Geschäftsjahr 2026 ein Zinsaufwand von 360,3 Millionen gegenüber — eine Zinsdeckung von 0,3, der Betrieb verdient seine eigenen Zinsen also nicht. Verschärft wird das dadurch, dass im Vorsteuerergebnis von 104,8 Millionen zwei einmalige Vorgänge über zusammen 320,6 Millionen stecken; ohne den Ligado-Vergleich und den Verkauf der Beteiligung Navarino UK stünde dort ein Vorsteuerverlust von rund 215,8 Millionen. Bei 6,6 Milliarden Finanzschulden, deren teuerster Baustein neun Prozent kostet, und einem Altman-Z-Wert von 1,0 zum 24. Juli 2026 berührt dieser Befund die Substanz und nicht nur die Ertragskraft — deshalb Rot.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Viasat über eine Rangliste unseres hauseigenen Aktien-Scanners mit Stand 25. Juli 2026: Platz 11 von 28 in „Richard Moglen: 1 Week Top Performers“ (US-Auswahl), Relative-Stärke-Rating 96. Die Liste verlangt mindestens 15 Prozent Kursplus über vier Handelstage, mindestens 10 Millionen US-Dollar Tagesumsatz und ein Stärkerating ab 70; sie wird täglich neu berechnet, die Platzierung ist eine Momentaufnahme.
  • Zum Geschäftsjahr: Viasat schließt am 31. März ab. Das hier ausgewertete Geschäftsjahr 2026 umfasst den Zeitraum 1. April 2025 bis 31. März 2026; der Geschäftsbericht wurde am 29. Mai 2026 eingereicht. Nach diesem Bericht sind bis zum Datenstand nur Insider-Meldungen (Form 4), Veräußerungsanzeigen (Form 144) und der Emissionsprospekt vom 29. Mai 2026 hinzugekommen.
  • Zur Identität: Bei der SEC ist das Unternehmen als Viasat, Inc. mit CIK 0000797721 eingetragen, frühere Firmennamen führt EDGAR nicht. Nicht zu verwechseln mit der 2023 übernommenen britischen Inmarsat-Gruppe, die als Tochter weitergeführt wird und deren Anleihen und Darlehen einen erheblichen Teil der Konzernschulden ausmachen. Ein Übernahme- oder Fusionsvertrag lag zum Datum dieser Analyse nicht vor.

Häufige Fragen

Viasat betreibt Kommunikationssatelliten und verkauft die Verbindungen darüber. Zum 31. März 2026 waren 23 Satelliten in Betrieb oder betriebsbereit. Das Geld kommt aus zwei Segmenten: Kommunikationsdienste (3.299,7 Mio. US-Dollar im Geschäftsjahr 2026) mit Bordinternet für Flugzeuge, Schiffsfunk, Regierungsverbindungen und Festnetz-Breitband sowie Verteidigung und fortgeschrittene Technologien (1.340,6 Mio.) mit Verschlüsselung, taktischen Netzen und Satellitenbau.

Viasat rechnet nicht in Kalenderjahren. Das Geschäftsjahr 2026 umfasst den Zeitraum vom 1. April 2025 bis zum 31. März 2026, der Geschäftsbericht dazu wurde am 29. Mai 2026 eingereicht. Wer Viasat mit einem Kalenderjahres-Unternehmen vergleicht, vergleicht also leicht versetzte Zeiträume — bei Quartalszahlen entspricht das erste Geschäftsquartal den Monaten April bis Juni.

Operativ ja, unter dem Strich nein. Das Betriebsergebnis lag bei plus 108,1 Millionen US-Dollar nach minus 97,5 Millionen im Vorjahr. Nach Zinsen und Steuern blieb ein Konzerngewinn von 3,9 Millionen; davon standen 38,0 Millionen den Minderheitsgesellschaftern einer Tochter zu. Den Viasat-Aktionären zurechenbar blieb damit ein Verlust von 34,1 Millionen US-Dollar oder 0,25 US-Dollar je Aktie.

Der Nominalwert der Finanzverbindlichkeiten lag zum 31. März 2026 bei 6,6 Milliarden US-Dollar nach 7,2 Milliarden ein Jahr zuvor. Die größte Position sind 1,975 Milliarden besicherte Inmarsat-Anleihen mit 9,000 Prozent Kupon, fällig 2029. Der Zinsaufwand des Geschäftsjahres betrug 360,3 Millionen; dem standen 1.746,8 Millionen Kasse und 1.148,2 Millionen ungenutzte Kreditlinien gegenüber.

Der eigene Geschäftsbericht nennt Starlink namentlich als Ursache einer erheblichen Verwerfung der geostationären Satellitenbranche. Sichtbar ist das im Festnetzgeschäft: Die Sparte „Festnetz und Sonstiges“ fiel von 906,8 Millionen US-Dollar (Geschäftsjahr 2024) auf 607,7 Millionen (2026). Zum 31. März 2026 zählte das US-Festnetzgeschäft noch rund 130.000 Kunden bei 113 US-Dollar Monatsumsatz je Kunde.

Bei ViaSat-3 F1 entfaltete sich im Geschäftsjahr 2024 der Reflektor nicht korrekt. Laut Anhang Nr. 1 des Geschäftsberichts erhält Viasat davon weniger als 10 Prozent des erwarteten Durchsatzes. Zusammen mit einer Störung am Satelliten Inmarsat-6 F2 führte das zu einer Abschreibung von rund 1,67 Milliarden US-Dollar, teilweise ausgeglichen durch Versicherungsforderungen von rund 770,0 Millionen.

Zum Datum dieser Analyse lag kein Übernahme- oder Fusionsvertrag vor. Am 6. Mai 2026 vereinbarte Viasat jedoch mit dem Investor Carronade Capital Management die Bestellung von zwei neuen unabhängigen Verwaltungsräten; beide wurden in ein Strategic Review Committee berufen. Die Vereinbarung endet unter anderem mit der Bekanntgabe unterzeichneter Verträge über eine zustimmungspflichtige außerordentliche Transaktion.

Bei einem Ankerkurs von 71,70 US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) und 136.568.953 Aktien ergibt sich ein Börsenwert von rund 9,8 Milliarden US-Dollar und ein Unternehmenswert von rund 15,3 Milliarden — etwa das 2,1-fache des Jahresumsatzes bzw. das 8,4-fache des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt es nicht, weil unter dem Strich ein Verlust steht.

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