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Mercury-Systems-Aktie: Die Überraschung, die kein Gewinn ist

Mercury-Systems-Aktie: Die Überraschung, die kein Gewinn ist

Mercury Systems steht auf Platz 16 unseres hauseigenen Big-Earnings-Surprise-Rankings (US-Auswahl, Stand 25. Juli 2026): vier Quartale in Folge lag der gemeldete Gewinn je Aktie deutlich über der Analystenschätzung, zuletzt 0,27 gegen 0,07 US-Dollar. Nach US-Bilanzrecht stand im selben Quartal ein Verlust von 0,04 US-Dollar je Aktie — und das ist kein Ausrutscher, sondern das vierte Verlustjahr in Folge. Wir haben den Geschäftsbericht (10-K) für das Geschäftsjahr 2025, den Quartalsbericht (10-Q) zum 27. März 2026 und alles gelesen, was danach bei der US-Börsenaufsicht SEC einging: den Brückenposten aus 42,4 Millionen US-Dollar Aktienvergütung, eine interne Untersuchung über zwanzig Jahre Prüfberichte und einen Großinvestor, der aus dem 32,5-Millionen-Vergleich ausgestiegen ist. Keine Empfehlung — nur die Frage, welche der beiden Zahlen du eigentlich kaufst.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 19 Min. Lesezeit
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Mercury-Systems-Aktie: Die Überraschung, die kein Gewinn ist
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die so alltäglich ist, dass wir sie gar nicht mehr bemerken: die Sternchen-Falle. Auf jedem Werbeplakat steht eine große Zahl und daneben ein winziges Sternchen. Die große Zahl lesen wir, das Sternchen nie. Bei Quartalszahlen heißt dieses Sternchen „bereinigt“ — und bei Mercury Systems, Inc. (Nasdaq: MRCY) macht es aus einem Verlust von 0,04 US-Dollar je Aktie einen Gewinn von 0,27 US-Dollar. Beide Zahlen stehen im selben Quartalsbericht, auf zwei Seiten Abstand.

Die Firma steht auf Platz 16 von 81 US-Treffern in unserem hauseigenen Big-Earnings-Surprise-Ranking (Stand 25. Juli 2026) — vier Quartale in Folge deutlich über der Erwartung. Bevor wir dem Signal glauben, machen wir einen Deal: Wir lesen gemeinsam, was der Konzern selbst unter Strafandrohung bei der US-Börsenaufsicht SEC hinterlegt hat — den Geschäftsbericht (10-K) für das Geschäftsjahr 2025, die Quartalsberichte (10-Q) des laufenden Jahres und alles, was danach eingereicht wurde. Vier Sätze aus diesen Berichten kennt kein Pressetext.

Was Mercury Systems eigentlich macht — der Rechner im Radar

Mercury Systems sitzt in Andover, Massachusetts, beschäftigte zum 27. März 2026 2.117 Menschen (27. Juni 2025: 2.162) und hat mehr als zwanzig Standorte weltweit. Die Firma hieß bis zum 13. November 2012 Mercury Computer Systems — der alte Name beschreibt das Geschäft ehrlicher als der neue.

Das Produkt lässt sich in einem Bild erklären. Ein modernes Radar ist ein Ohr, das pro Sekunde mehr hört, als eine Standleitung nach Hause übertragen könnte. Wer erst am Boden auswertet, kommt zu spät. Also muss der Rechner mit an Bord — in ein Flugzeug, eine Drohne, ein Schiff, einen Satelliten. Genau diese Rechentechnik baut Mercury: Bausteine, Baugruppen, Teilsysteme und komplette Systeme, die Sensordaten dort verarbeiten, wo sie entstehen. Die Firma nennt das ihre Processing Platform und beschreibt sie im Geschäftsbericht als Spanne „vom Hochfrequenz-Eingang bis zur Mensch-Maschine-Schnittstelle“.

Verkauft wird fast alles an andere: an die großen Rüstungskonzerne, an die US-Regierung und an Hersteller ziviler Luftfahrttechnik. Die Anwendungen heißen Radar- und Sensorverarbeitung, elektronische Kampfführung, Avionik, Waffensysteme und C4I — die Abkürzung steht für Führung, Kontrolle, Kommunikation, Computer und Aufklärung. Nach eigenen Angaben stecken die Produkte in mehr als 300 Programmen und werden in 35 Länder geliefert. Nach Plattformen aufgeteilt kamen in den neun Monaten bis zum 27. März 2026 262,7 Millionen US-Dollar aus der Luftfahrt, 154,8 Millionen von Landsystemen, 73,3 Millionen von Marine, 55,8 Millionen aus dem Weltraum und 147,2 Millionen aus allem Übrigen.

Eine Firma, die ausschließlich Untergeschosse liefert, hat ein strukturelles Problem: Sie sieht den Endkunden nicht und trägt trotzdem sein Risiko. Ein verwandtes Muster haben wir uns in der Analyse zu Astronics angesehen — auch dort hängt ein Zulieferer an wenigen sehr großen Programmen. Damit sind wir beim Spannungsfeld dieser Analyse, das sich durch jedes Kapitel zieht: Mercury Systems liefert Rechenleistung für Systeme, bei denen es auf jede Nachkommastelle ankommt — und legt zugleich zwei Ergebnisrechnungen vor, die seit vier Jahren in verschiedene Richtungen zeigen.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam

Wir lassen täglich rund 3.500 Aktien durch unsere Scanner laufen. Mercury Systems steht zum Datenstand 25. Juli 2026 auf Platz 16 der US-Auswahl unseres Big-Earnings-Surprise-Rankings (81 Treffer). Zum Selbst-Nachmachen: Scanner öffnen, Länderfilter auf „US“ stellen — die Liste zeigt die Serien-Überrascher in Scanner-Reihenfolge. Die Listen werden täglich neu berechnet, der Platz kann sich also verschieben. Das Kriterium ist streng: Der gemeldete Gewinn je Aktie muss in jedem der letzten vier abgeschlossenen Quartale deutlich über der Analystenschätzung gelegen haben.

Bei Mercury Systems sah die Serie so aus (Fundamentaldaten, Datenstand 25. Juli 2026; das Geschäftsjahr endet Ende Juni beziehungsweise Anfang Juli):

  • Q4 GJ2025 (Quartal bis 27.06.2025, gemeldet am 11.08.2025): 0,47 gegen 0,22 US-Dollar erwartet — +113,6 Prozent.
  • Q1 GJ2026 (bis 26.09.2025, gemeldet am 04.11.2025): 0,26 gegen 0,09 — +188,9 Prozent.
  • Q2 GJ2026 (bis 26.12.2025, gemeldet am 03.02.2026): 0,16 gegen 0,06 — +166,7 Prozent.
  • Q3 GJ2026 (bis 27.03.2026, gemeldet am 05.05.2026): 0,27 gegen 0,07 — +285,7 Prozent.
Balkendiagramm: bereinigter Gewinn je Aktie gegen die Analystenschätzung in vier Quartalen — 0,47 gegen 0,22 US-Dollar im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025, 0,26 gegen 0,09, 0,16 gegen 0,06 und 0,27 gegen 0,07 US-Dollar in den drei Quartalen des Geschäftsjahres 2026.
Vier Quartale in Folge über der Erwartung — zuletzt rund das Vierfache. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Und jetzt kommt das Sternchen. Alle vier Zahlen sind bereinigte Größen — die Firma nennt sie „adjusted EPS“. Der Quartalsbericht sagt es selbst, im Überblickskapitel des Lageberichts:

„Our consolidated revenues, net loss, diluted net loss per share, adjusted earnings per share (‚adjusted EPS‘), and adjusted EBITDA for the third quarter ended March 27, 2026 were $235.8 million, $2.9 million, $0.04, $0.27, and $36.1 million, respectively.“

Übersetzung: „Unser Konzernumsatz, Nettoverlust, verwässerter Nettoverlust je Aktie, bereinigter Gewinn je Aktie und bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen für das dritte Quartal bis zum 27. März 2026 betrugen 235,8 Millionen US-Dollar, 2,9 Millionen US-Dollar, 0,04 US-Dollar, 0,27 US-Dollar beziehungsweise 36,1 Millionen US-Dollar.“

— Mercury Systems, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 27. März 2026, Item 2

Gelb markierte Textstelle aus dem Mercury-Systems-Quartalsbericht 10-Q zum 27. März 2026: Nettoverlust 2,9 Millionen US-Dollar und 0,04 US-Dollar Verlust je Aktie stehen neben 0,27 US-Dollar bereinigtem Gewinn je Aktie.
Ein Satz, zwei Ergebnisse: 0,04 US-Dollar Verlust je Aktie und 0,27 US-Dollar bereinigter Gewinn — im selben Quartal. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 27. März 2026, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Fundamental-Brille derselben Datenbasis zeigt ein gemischtes Bild (Datenstand 25. Juli 2026): ein Relative-Stärke-Rating von 88 — das Kursmomentum ist unbestreitbar, die Aktie steht 99 Prozent über ihrem Zwölfmonats-Tief. Ein Piotroski-F-Score von 6 von 9: Der Piotroski ist ein Neun-Punkte-Test für die Richtung der Bilanz — verbessern sich Rendite, Verschuldung, Liquidität und Margen? 6 von 9 ist ordentlich, nicht gut; eine kerngesunde Firma steht bei 8 oder 9. Und ein Altman-Z-Score von 4,7, eine Insolvenz-Frühwarnung, deren Gefahrenzone historisch unter 1,8 beginnt — davon ist Mercury weit entfernt. Merke dir den Grundsatz: Ein Überraschungs-Ranking misst, wie falsch die Erwartung war — nicht, wie gut das Geschäft ist.

Die Zahlen über die Jahre — was wirklich beeindruckt

Fangen wir mit dem an, was gut ist, denn es ist mehr, als die Verlustzeile vermuten lässt. Das Geschäftsjahr 2024 war eine Katastrophe: 835,3 Millionen US-Dollar Umsatz nach 973,9 Millionen, eine Bruttomarge von nur 23,5 Prozent, ein Betriebsverlust von 147,8 Millionen und unter dem Strich 137,6 Millionen US-Dollar Verlust. Danach ging es in jeder wichtigen Zeile aufwärts.

  • Umsatz: 912,0 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2025 (+9,2 Prozent), 693,8 Millionen in den neun Monaten bis 27.03.2026 (+8,6 Prozent), zuletzt 235,8 Millionen im dritten Quartal (+11,5 Prozent).
  • Bruttomarge: von 23,5 Prozent (GJ2024) auf 27,9 Prozent (GJ2025) und 29,3 Prozent im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026.
  • Bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen: von 9,4 Millionen US-Dollar (GJ2024) über 119,4 Millionen (GJ2025) auf 101,7 Millionen allein in neun Monaten des Geschäftsjahres 2026.
  • Betriebsergebnis: im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erstmals seit Langem wieder positiv — +5,2 Millionen US-Dollar nach −17,3 Millionen im Vorjahresquartal.
  • Kasse: 331,8 Millionen US-Dollar zum 27. März 2026 nach 71,6 Millionen zum 30. Juni 2023.

Auch das Fundament stimmt: Der Auftragsbestand lag zum 27. Juni 2025 bei rund 1,4 Milliarden US-Dollar nach rund 1,3 Milliarden ein Jahr zuvor; davon sollten 807,8 Millionen binnen zwölf Monaten als Umsatz anfallen. Das ist mehr als ein Jahresumsatz an bereits angenommenen Bestellungen. Die Wachstumstreiber der neun Monate heißen LTAMDS (Radar der US-Armee), PWSA (Satellitenschicht der Weltraumstreitkräfte), SEWIP (elektronische Kampfführung der Marine) und KC-46 (Tankflugzeug) — Programme mit langem Atem.

Und der freie Mittelzufluss, also das, was nach Investitionen tatsächlich übrig bleibt, ist zurück: 119,0 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2025 (138,9 Millionen aus dem laufenden Geschäft minus 19,8 Millionen Sachanlagen) nach 26,1 Millionen im Geschäftsjahr 2024 und minus 60,1 Millionen im Geschäftsjahr 2023. In den neun Monaten bis 27.03.2026 waren es 39,5 Millionen — deutlich weniger als die 85,1 Millionen des Vorjahreszeitraums, dazu gleich mehr.

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die Brücke zwischen beiden Ergebnissen heißt Aktienvergütung

Die entscheidende Frage lautet nicht, ob eine bereinigte Zahl erlaubt ist — sie ist es, sie ist offengelegt, und fast jede US-Firma nennt eine. Die Frage lautet: Was genau wird herausgerechnet? Der Quartalsbericht liefert die Antwort in einer Tabelle. Vom Nettoverlust des dritten Quartals über 2,861 Millionen US-Dollar bis zum bereinigten Gewinn von 16,419 Millionen liegen genau 19,3 Millionen — und der größte Einzelposten darin ist:

  • aktienbasierte und sonstige nicht zahlungswirksame Vergütung: 10,768 Millionen US-Dollar
  • Abschreibung erworbener immaterieller Werte: 9,561 Millionen
  • Rechtsstreit- und Vergleichsaufwand: 2,120 Millionen
  • sonstige nicht operative Anpassungen: 2,445 Millionen
  • Akquisitions-, Finanzierungs- und Beratungskosten: 0,581 Millionen
  • Steuereffekt der Bereinigungen: −6,279 Millionen

Aktienvergütung kostet kein Bargeld — deshalb wird sie herausgerechnet. Sie kostet aber etwas anderes: dein Stück vom Kuchen wird kleiner. Wer Mitarbeitern Aktien statt Geld gibt, bezahlt sie mit Anteilen, die vorher den bisherigen Eigentümern gehörten. In neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 waren das 42,381 Millionen US-Dollar nach 34,108 Millionen im Vorjahreszeitraum — ein Plus von 24 Prozent, während der Umsatz um 8,6 Prozent wuchs.

Im Geschäftsjahr 2025 wird die Rechnung fast schmerzhaft anschaulich: Der bereinigte Jahresgewinn betrug 37,866 Millionen US-Dollar — die im selben Jahr herausgerechnete aktienbasierte und sonstige nicht zahlungswirksame Vergütung 38,273 Millionen. Wer diesen einen Posten wieder hineinrechnet, landet fast punktgenau bei null.

Balkendiagramm: Ergebnis je Aktie nach US-Bilanzrecht gegen die bereinigte Größe — minus 0,50 gegen plus 1,00 US-Dollar im Geschäftsjahr 2023, minus 2,38 gegen minus 0,69 im Geschäftsjahr 2024, minus 0,65 gegen plus 0,64 im Geschäftsjahr 2025 und minus 0,51 gegen plus 0,68 in den neun Monaten des Geschäftsjahres 2026.
Vier Perioden, zwei Rechnungen: nach US-Bilanzrecht durchgehend rot, bereinigt dreimal schwarz. Quelle: SEC-Berichte (10-K für 2025, 10-Q zum 27.03.2026). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Ein zweiter Blick auf dieselbe Tabelle lohnt sich. Der Posten „Abschreibung erworbener immaterieller Werte“ von 29,514 Millionen US-Dollar in neun Monaten ist die verteilte Rechnung früherer Zukäufe. Sie ist tatsächlich nicht zahlungswirksam — aber sie erinnert daran, dass in der Bilanz zum 27. März 2026 942,6 Millionen US-Dollar Firmenwert und 185,2 Millionen immaterielle Werte stehen. Zusammen 1.127,8 Millionen bei einem Eigenkapital von 1.477,7 Millionen. Übersetzt: Von jedem Euro Eigenkapital stehen rund 76 Cent für eine Erwartung, nicht für ein Ding. Der materielle Buchwert liegt bei rund 5,88 US-Dollar je Aktie. Wie eine bereinigte Gewinnzeile eine echte Wachstumsgeschichte überdecken kann, haben wir auch in der Analyse zu PDF Solutions aus demselben Ranking gesehen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Seit vier Jahren korrigiert die Firma ihre eigenen Programmschätzungen nach unten

Knapp die Hälfte des Umsatzes entsteht bei Mercury Systems nach dem Fertigstellungsgrad: Bei mehrjährigen Entwicklungsaufträgen wird der Umsatz anteilig verbucht, während gearbeitet wird — auf Basis geschätzter Gesamtkosten. Schätzt die Firma zu optimistisch, muss sie später korrigieren. Genau das passiert seit Jahren, und zwar immer in dieselbe Richtung:

  • Geschäftsjahr 2024: netto −73,245 Millionen US-Dollar Ergebniswirkung.
  • Geschäftsjahr 2025: netto −21,070 Millionen (positive Korrekturen 26,642 gegen negative 47,712).
  • Neun Monate GJ2026: netto −9,624 Millionen (positiv 23,443 gegen negativ 33,067) nach −16,354 Millionen im Vorjahreszeitraum.
  • Drittes Quartal GJ2026: netto −2,095 Millionen nach −3,653 Millionen.

Die gute Nachricht steckt in der Reihenfolge: Der Schaden schrumpft von Jahr zu Jahr — 73, dann 21, dann 9,6 Millionen. Ein Teil der Margenverbesserung, die Mercury im Geschäftsjahr 2026 feiert, kommt genau daher: Der Bericht führt 120 der 120 Basispunkte Margenzuwachs in neun Monaten ausdrücklich auf die geringere Belastung durch Schätzungsänderungen zurück. Die schlechte Nachricht: Auch geschrumpft ist der Posten weiter negativ. In neun Monaten kostete er 0,12 US-Dollar je Aktie Ergebnis — bei einem bereinigten Neunmonatsgewinn von 0,68 US-Dollar. Merksatz: Eine Firma, die ihre eigenen Kosten vier Jahre in Folge zu niedrig ansetzt, hat kein Buchhaltungsproblem, sondern ein Angebotsproblem.

Dazu passt eine zweite Zahl aus derselben Bilanz: Die unfakturierten Forderungen — Arbeit, die geleistet, aber noch nicht in Rechnung gestellt ist — lagen zum 27. März 2026 bei 269,5 Millionen US-Dollar, nach 278,5 Millionen zum Geschäftsjahresende. Das entspricht mehr als einem vollen Quartalsumsatz an Leistung, für die noch keine Rechnung geschrieben wurde.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ein Großinvestor steigt aus dem Vergleich aus

Seit Dezember 2023 läuft gegen Mercury Systems und mehrere ehemalige und aktuelle Verantwortliche eine Aktionärs-Sammelklage wegen angeblich falscher oder irreführender Angaben. Im Februar 2025 hat das Gericht 14 von 17 beanstandeten Aussagen abgewiesen und drei zugelassen. Nach einer Mediation im September 2025 einigten sich alle Beteiligten dem Grunde nach auf 32,5 Millionen US-Dollar. Forderung und Verbindlichkeit stehen zum 27. März 2026 in gleicher Höhe in der Bilanz, weil die Versicherung zahlen soll. Damit schien die Sache erledigt. Dann kam der 21. April 2026:

„On April 21, 2026, five funds associated with Starboard Value LP (‚Starboard‘), representing approximately 14% of the class, requested exclusion from the class by sending notice to the settlement administrator. Starboard has indicated that it is planning to pursue a separate legal action against the Company. … In connection with Starboard’s potential claims, the Company may incur substantial legal fees and liabilities which may not be covered by the Company’s applicable directors’ and officers’ liability insurance.“

Übersetzung: „Am 21. April 2026 haben fünf mit Starboard Value LP verbundene Fonds, die rund 14 Prozent der Klassenmitglieder repräsentieren, durch Mitteilung an den Vergleichsverwalter ihren Austritt aus der Sammelklage beantragt. Starboard hat erklärt, ein eigenes Verfahren gegen das Unternehmen anstrengen zu wollen. … Im Zusammenhang mit den möglichen Ansprüchen von Starboard können dem Unternehmen erhebliche Anwaltskosten und Verbindlichkeiten entstehen, die von der Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung für Organe des Unternehmens möglicherweise nicht gedeckt sind.“

— Mercury Systems, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 27. März 2026, Note M

Gelb markierte Textstelle aus dem Mercury-Systems-Quartalsbericht 10-Q zum 27. März 2026: Chronologie der Aktionärs-Sammelklage mit dem Vergleich über 32,5 Millionen US-Dollar und dem Austritt von fünf Starboard-Value-Fonds mit rund 14 Prozent der Klassenmitglieder am 21. April 2026.
Note M des Quartalsberichts: 32,5 Millionen US-Dollar Vergleich — und ein Investor mit 14 Prozent der Klasse, der lieber selbst klagt. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 27. März 2026, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Warum das mehr ist als eine Fußnote: Wer aus einem Vergleich austritt, verzichtet auf seinen Anteil an den 32,5 Millionen, weil er sich mehr verspricht. Und die Firma sagt in demselben Satz, dass ihre Organhaftpflichtversicherung diese Kosten möglicherweise nicht deckt — anders als beim Vergleich, der in der Bilanz als durchlaufender Posten steht. Zur Einordnung: Der Nettoverlust der ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2026 betrug 30,5 Millionen US-Dollar. Der Vergleich allein ist größer als der bisherige Jahresverlust.

Parallel läuft eine zweite Front: Drei Aktionäre haben Ansprüche gegen Vorstand und Verwaltungsrat geltend gemacht, eine Klage liegt seit Juni 2026 beim Superior Court in Massachusetts, und der Verwaltungsrat hat am 20. Mai 2025 einen Sonderausschuss aus unabhängigen Mitgliedern eingesetzt, der den Sachverhalt untersucht. Ein alter Streit ist dagegen erledigt: Mit dem früheren Vorstandschef schloss die Firma am 30. Dezember 2025 einen Vergleich über 5,0 Millionen US-Dollar, gezahlt am selben Tag.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Zwanzig Jahre Prüfberichte auf dem Prüfstand

Der folgende Absatz stand erstmals im Quartalsbericht des laufenden Jahres, und er ist der ungemütlichste des ganzen Berichts:

„In September 2025, an internal investigation was initiated, with the assistance of outside counsel, in connection with what the Company preliminarily believes may be inaccurately reported test results and certifications of conformance with certain product performance specifications under subcontracts involving approximately $15,000 in total revenue over approximately 20 years in support of a government program. … Any determination that the Company’s previous operations were not in compliance with laws or regulations such as the False Claims Act could result in the imposition of civil or criminal fines, penalties, disgorgement, restitution, equitable relief, or other losses or conduct restrictions, and could be material to the Company’s financial results or business operations.“

Übersetzung: „Im September 2025 wurde mit Unterstützung externer Anwälte eine interne Untersuchung eingeleitet — im Zusammenhang mit dem, was das Unternehmen vorläufig für möglicherweise unzutreffend berichtete Testergebnisse und Konformitätsbescheinigungen zu bestimmten Produktleistungs-Spezifikationen hält, bei Unteraufträgen mit einem Gesamtumsatz von rund 15,0 Millionen US-Dollar über etwa 20 Jahre zur Unterstützung eines Regierungsprogramms. … Jede Feststellung, dass frühere Abläufe des Unternehmens nicht mit Gesetzen oder Vorschriften wie dem False Claims Act im Einklang standen, könnte zivil- oder strafrechtliche Geldbußen, Strafen, Gewinnabschöpfung, Rückerstattung, Billigkeitsmaßnahmen oder andere Verluste oder Auflagen für das Geschäftsgebaren nach sich ziehen und für das Finanzergebnis oder den Geschäftsbetrieb des Unternehmens wesentlich sein.“

— Mercury Systems, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 27. März 2026, Note M

Gelb markierte Textstelle aus dem Mercury-Systems-Quartalsbericht 10-Q zum 27. März 2026 über die interne Untersuchung zu möglicherweise unzutreffend berichteten Testergebnissen bei Unteraufträgen über rund 15,0 Millionen US-Dollar Umsatz in etwa 20 Jahren.
Die interne Untersuchung seit September 2025: rund 15,0 Millionen US-Dollar Umsatz, zwanzig Jahre, ein Regierungsprogramm — und der Hinweis auf den False Claims Act. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 27. März 2026, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Bleiben wir fair: Der Umsatz ist klein — 15,0 Millionen US-Dollar in zwanzig Jahren sind weniger als ein Prozent eines einzigen Jahresumsatzes. Die Firma sagt selbst, es gebe keine Hinweise auf eine Fehlfunktion und keine gemeldeten Sicherheitsprobleme; der Kunde habe bestätigt, dass die Abweichungen innerhalb der Toleranzen liegen, und werde die Spezifikationen anpassen.

Trotzdem gehört der Absatz in jede ehrliche Betrachtung, und zwar aus einem Grund, der nichts mit der Summe zu tun hat. Der False Claims Act ist das US-Gesetz gegen falsche Abrechnungen gegenüber dem Staat — es kennt dreifachen Schadenersatz und, im Extremfall, den Ausschluss von öffentlichen Aufträgen. Für einen Zulieferer, dessen Umsatz in den neun Monaten bis 27.03.2026 zu 38 Prozent von RTX (16 Prozent), Lockheed Martin (12 Prozent) und Northrop Grumman (10 Prozent) kam, ist die Zulassung als Lieferant das eigentliche Kapital. Eine Höhe kann die Firma nach eigener Aussage derzeit nicht schätzen — deshalb steht dafür auch keine Rückstellung in der Bilanz.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Der Zinsschutz endet, bevor der Kredit endet

Mercury Systems hat zum 27. März 2026 591,5 Millionen US-Dollar aus seinem Kreditrahmen gezogen. Am 4. November 2025 hat die Firma diesen Rahmen neu verhandelt: 850,0 Millionen Volumen, Laufzeit bis zum 4. November 2030, Wells Fargo als neue Konsortialführerin anstelle der Bank of America. Am 30. April 2026 tilgte sie 150,0 Millionen:

Gelb markierte Textstelle aus dem Mercury-Systems-Quartalsbericht 10-Q zum 27. März 2026: Am 30. April 2026 zahlte das Unternehmen 150,0 Millionen US-Dollar des Kreditrahmens zurück, danach waren 441,5 Millionen gezogen.
Note P des Quartalsberichts: 150,0 Millionen US-Dollar getilgt, 441,5 Millionen bleiben gezogen — nach dem Bilanzstichtag. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 27. März 2026, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das ist eine gute Nachricht — und sie hat ein Ablaufdatum. Von den Schulden sind 300,0 Millionen US-Dollar durch einen Zinstausch zu 4,66 Prozent abgesichert. Dieser Schutz läuft am 28. Februar 2027 aus, während der Kredit bis November 2030 läuft. Ab März 2027 hängt also der gesamte gezogene Betrag am variablen Satz, sofern kein neues Sicherungsgeschäft geschlossen wird. Zur Größenordnung: Der Zinsaufwand betrug in den neun Monaten bis 27.03.2026 23,066 Millionen US-Dollar — gegen einen Betriebsverlust von 14,185 Millionen im selben Zeitraum. Die Zinsen allein drehen das Vorzeichen.

Ein zweiter Posten gehört daneben, weil er den Blick auf den Mittelzufluss verändert. Mercury verkauft Forderungen an einen Finanzierungspartner: Seit dem 13. August 2024 gibt es eine feste Vereinbarung über 60,0 Millionen US-Dollar, am 10. Dezember 2025 auf 75,0 Millionen erhöht — und zum 27. März 2026 war dieser Rahmen mit 75,0 Millionen vollständig ausgeschöpft. Die Gebühren dafür lagen in neun Monaten bei 1,4 Millionen. Verkaufte Forderungen erscheinen als Geldzufluss aus dem laufenden Geschäft, obwohl der Kunde noch gar nicht gezahlt hat. Der Mittelzufluss der neun Monate fiel trotzdem von 100,8 auf 60,2 Millionen US-Dollar — vor allem, weil Kundenanzahlungen diesmal nicht halfen (−6,5 Millionen statt +67,9 Millionen im Vorjahr) und die Vorräte um 36,3 Millionen wuchsen.

Was die Aktie kostet — Bewertung in Größenordnungen

Beginnen wir mit dem, was feststeht. Auf dem Deckblatt des jüngsten Quartalsberichts stehen zum 30. April 2026 60.043.283 Aktien. Multipliziert mit dem letzten Schlusskurs vor dem Datenstand (103,27 US-Dollar am 24. Juli 2026) ergibt sich ein Börsenwert von rund 6,2 Milliarden US-Dollar — dieselbe Größenordnung, die auch die Fundamentaldaten zum 25. Juli 2026 ausweisen. Auf dieser Basis rechnen wir weiter, in Spannen statt Nachkommastellen.

  • Kurs-Umsatz-Verhältnis: rund 6,4 auf den Zwölfmonatsumsatz von 966,9 Millionen US-Dollar (Geschäftsjahr 2025 plus neun Monate 2026 minus neun Monate 2025). Für einen Hardware-Zulieferer mit 27,8 Prozent Bruttomarge ist das sportlich; es ist eine Software-Bewertung auf einem Metallgeschäft.
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis: nach US-Bilanzrecht gibt es keines — die Firma schreibt Verlust. Auf die bereinigte Zwölfmonatsgröße von rund 1,15 US-Dollar je Aktie ergeben sich etwa 90. Auf die Analystenschätzung für das laufende Geschäftsjahr 2026 (1,08 US-Dollar) rund 95, auf die Schätzung für 2027 (1,55 US-Dollar) rund 67. Alle drei Zahlen sagen dasselbe: Bezahlt wird die Zukunft.
  • Unternehmenswert zu bereinigtem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen: Börsenwert plus 591,5 Millionen Schulden minus 331,8 Millionen Kasse ergibt rund 6,46 Milliarden US-Dollar; gegen 152,9 Millionen Zwölfmonatsergebnis sind das rund 42.
  • Kurs-Buchwert-Verhältnis: rund 4,2 (Buchwert 24,84 US-Dollar je Aktie, Datenstand 25. Juli 2026). Rechnet man Firmenwert und immaterielle Werte heraus, bleiben rund 5,88 US-Dollar materieller Buchwert je Aktie — das entspricht dem etwa 18-Fachen.
  • Blick der Profis: neun Analysteneinschätzungen mit einem Durchschnittsurteil von 3,6 auf der Fünferskala — drei klare Kaufempfehlungen, eine Kaufempfehlung, drei Halten, zwei Verkaufen. Das durchschnittliche Kursziel lag bei 103,75 US-Dollar (Datenstand 25. Juli 2026), also ungefähr auf Höhe des Kurses. Übersetzt: Die Profis sehen die Aktie als fair bezahlt an — ein ungewöhnlich uneiniges Bild.
  • Gegenwind aus der anderen Richtung: Rund 9,0 Prozent des Streubesitzes waren zum selben Datenstand leerverkauft; das entspricht gut fünf durchschnittlichen Handelstagen. Die Zwölfmonatsspanne reichte von 50,13 bis 128,45 US-Dollar — die Aktie hat sich in diesem Zeitraum in der Spitze mehr als verdoppelt.

Eine Dividende gibt es nicht; der letzte Aktiensplit datiert vom 21. Dezember 1999. Die Bilanz ist dabei nicht das Problem: Die Eigenkapitalquote liegt bei 60 Prozent, die Nettofinanzschulden bei 259,7 Millionen US-Dollar — bei einem bereinigten Zwölfmonatsergebnis von 152,9 Millionen also unter dem Doppelten. Das Problem ist die Gewinnzeile, die diese Bewertung tragen soll.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Mercury Systems spricht:

  • Die Erholung ist echt und mehrjährig: Bruttomarge von 23,5 Prozent (GJ2024) über 27,9 (GJ2025) auf 29,3 Prozent im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026; bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 9,4 auf 119,4 Millionen US-Dollar und zuletzt 101,7 Millionen in nur neun Monaten.
  • Der Umsatz wächst wieder: +9,2 Prozent im Geschäftsjahr 2025, +8,6 Prozent in neun Monaten des Geschäftsjahres 2026, +11,5 Prozent im dritten Quartal.
  • Auftragsbestand von rund 1,4 Milliarden US-Dollar (27.06.2025), davon 807,8 Millionen mit Umsatzerwartung binnen zwölf Monaten — mehr als ein Jahresumsatz.
  • Rückenwind aus dem Markt: Land-, Weltraum- und Marineplattformen legten in neun Monaten um 41,9, 17,1 und 12,7 Millionen US-Dollar zu; Treiber sind Programme wie LTAMDS, PWSA und SEWIP.
  • Die Bilanz trägt: 331,8 Millionen US-Dollar Kasse, 60 Prozent Eigenkapitalquote, Kreditrahmen bis November 2030 verlängert, 150,0 Millionen Schulden nach dem Quartalsende getilgt.
  • Ein Rückkaufprogramm über 200,0 Millionen US-Dollar mit 185,0 Millionen Restvolumen (27.03.2026) — Munition gegen die eigene Verwässerung, falls sie eingesetzt wird.

Was dagegen spricht:

  • Nach US-Bilanzrecht steht seit dem Geschäftsjahr 2023 in jeder Periode ein Verlust: −28,3, −137,6, −37,9 Millionen US-Dollar und −30,5 Millionen in neun Monaten des Geschäftsjahres 2026.
  • Der bereinigte Gewinn des Geschäftsjahres 2025 (37,9 Millionen) entspricht fast exakt der herausgerechneten aktienbasierten und sonstigen nicht zahlungswirksamen Vergütung (38,3 Millionen).
  • Die Aktienzahl steigt trotz Rückkäufen: von 59,003 Millionen (27.06.2025) auf 59,499 Millionen (27.03.2026) und 60,043 Millionen zum 30.04.2026.
  • Schätzungsänderungen an eigenen Programmen belasten das Ergebnis das vierte Jahr in Folge — zuletzt 9,6 Millionen US-Dollar in neun Monaten.
  • Klumpenrisiko: drei Kunden standen in den neun Monaten bis 27.03.2026 für 38 Prozent des Umsatzes (RTX 16, Lockheed Martin 12, Northrop Grumman 10 Prozent).
  • Zwei offene Rechtsfronten ohne bezifferbares Ende: die angekündigte Starboard-Klage nach dem Austritt aus dem 32,5-Millionen-Vergleich und die interne Untersuchung zu Prüfberichten mit ausdrücklichem Hinweis auf den False Claims Act.
  • Der Zinsschutz über 300,0 Millionen US-Dollar zu 4,66 Prozent endet am 28.02.2027, der Kredit läuft bis 2030; der Zinsaufwand von 23,1 Millionen in neun Monaten übersteigt den Betriebsverlust von 14,2 Millionen.
  • Bewertung ohne Puffer: rund 6,4-facher Umsatz, rund 42-facher Unternehmenswert zum bereinigten Ergebnis, rund 18-facher materieller Buchwert — bei einer Firma, die unter dem Strich noch nichts verdient.

Ein menschliches Fazit

Kehren wir zum Sternchen zurück. Mercury Systems hat in zwei Jahren eine bemerkenswerte Reparatur hingelegt: Aus einem Betriebsverlust von 147,8 Millionen US-Dollar wurde ein Quartal mit positivem Betriebsergebnis, aus 9,4 Millionen bereinigtem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen wurden 119,4 Millionen im Jahr, und der freie Mittelzufluss ist zurück. Wer das kleinredet, hat nicht hingesehen.

Aber der Weg vom Sternchen zur großen Zahl führt jedes Quartal über denselben Posten: über die Aktien, mit denen die Firma ihre Leute bezahlt. Und daneben stehen zwei Sätze, die niemand gerne unterschreibt — einer über einen Investor, der lieber selbst klagt, als 14 Prozent eines Vergleichs zu nehmen, und einer über zwanzig Jahre Prüfberichte, deren Richtigkeit gerade untersucht wird.

Nichts davon ist ein Skandal. Alles davon steht offen in den Berichten — man muss nur die Anhänge lesen, nicht die Überschriften. Was es ändert, ist der Maßstab: Wer Mercury Systems kauft, kauft nicht „vier Quartale über der Erwartung“. Er kauft eine Firma auf dem Weg zurück, die diesen Weg noch nicht zu Ende gegangen ist, und bezahlt dafür rund den 6,4-fachen Umsatz. Ob das zu deinem Depot passt, hängt davon ab, ob du der Reparatur mehr glaubst als der Verlustzeile. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Dieser Beitrag ist journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unternehmensberichte und keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Handel mit Wertpapieren. Aktien können jederzeit einen Totalverlust erleiden. Alle Zahlen stammen aus den genannten SEC-Berichten und aus Fundamentaldaten mit dem jeweils angegebenen Stichtag; Kurs- und Bewertungsangaben tragen den Datenstand 25. Juli 2026 und veralten naturgemäß. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Mercury Systems, Inc. Bitte triff deine Anlageentscheidungen selbst — oder mit einer Beraterin oder einem Berater deines Vertrauens.

Unser Fazit auf einen Blick

Operative Erholung positiv
Aus einem Betriebsverlust von 147,754 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2024 wurden 19,627 Millionen im Geschäftsjahr 2025 und ein positives Betriebsergebnis von 5,230 Millionen im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026. Die Bruttomarge stieg von 23,5 über 27,9 auf 29,3 Prozent, das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 9,4 auf 119,4 Millionen (GJ2025) und 101,7 Millionen in neun Monaten des GJ2026.
Qualität der Gewinn-Überraschung negativ
Alle vier geschlagenen Quartale beruhen auf einer bereinigten Größe. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 standen 0,27 US-Dollar bereinigter Gewinn gegen 0,04 US-Dollar Verlust je Aktie nach US-Bilanzrecht; größter Brückenposten war die aktienbasierte und sonstige nicht zahlungswirksame Vergütung mit 10,768 Millionen US-Dollar. Im Geschäftsjahr 2025 entsprach dieser Posten mit 38,273 Millionen fast exakt dem bereinigten Jahresgewinn von 37,866 Millionen.
Programmschätzungen negativ
Nachträgliche Korrekturen an eigenen Programmschätzungen belasten das Ergebnis das vierte Jahr in Folge: 73,245 Millionen US-Dollar (GJ2024), 21,070 Millionen (GJ2025) und 9,624 Millionen in den neun Monaten bis 27.03.2026 — das sind 0,12 US-Dollar je Aktie bei einem bereinigten Neunmonatsgewinn von 0,68 US-Dollar. Die Belastung schrumpft, bleibt aber negativ.
Rechtsrisiken negativ
Fünf Fonds von Starboard Value mit rund 14 Prozent der Klassenmitglieder traten am 21.04.2026 aus dem 32,5-Millionen-Vergleich der Aktionärs-Sammelklage aus und kündigten eine eigene Klage an; die Firma selbst schreibt, mögliche Kosten seien womöglich nicht von der Organhaftpflicht gedeckt. Dazu läuft seit September 2025 eine interne Untersuchung zu Prüfberichten über rund 15,0 Millionen US-Dollar Umsatz aus zwanzig Jahren, mit ausdrücklichem Hinweis auf den False Claims Act.
Bilanz & Finanzierung neutral
Solide Grundlage: 331,800 Millionen US-Dollar Kasse, 60 Prozent Eigenkapitalquote, Kreditrahmen am 04.11.2025 auf 850,0 Millionen und bis 2030 verlängert, am 30.04.2026 wurden 150,0 Millionen getilgt (Restbestand 441,5 Millionen). Offene Punkte: Der Zinstausch über 300,0 Millionen zu 4,66 Prozent endet am 28.02.2027, der Forderungsverkauf-Rahmen von 75,0 Millionen ist voll ausgeschöpft, und der Zinsaufwand von 23,066 Millionen in neun Monaten übersteigt den Betriebsverlust von 14,185 Millionen.
Bewertung negativ
Rund 6,2 Milliarden US-Dollar Börsenwert entsprechen etwa dem 6,4-fachen Zwölfmonatsumsatz von 966,9 Millionen, rund dem 42-fachen Unternehmenswert zum bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen und rund dem 18-fachen materiellen Buchwert (Datenstand 25.07.2026) — bei einem Fehlbetrag nach US-Bilanzrecht in jeder Periode seit dem Geschäftsjahr 2023. Das durchschnittliche Kursziel von 103,75 US-Dollar liegt ungefähr auf Kursniveau.

Mercury Systems liefert die Rechenleistung, die in Radaranlagen, elektronischer Kampfführung und Führungssystemen die Sensordaten schon an Bord auswertet — und hat sich nach dem Katastrophenjahr 2024 operativ bemerkenswert erholt: höhere Marge, wachsender Umsatz, ein positives Betriebsergebnis im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 und ein freier Mittelzufluss von 119,0 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2025. Die vier Gewinn-Überraschungen in Folge, die die Aktie auf Platz 16 unseres Big-Earnings-Surprise-Rankings tragen, halten der Nahaufnahme aber nur teilweise stand: Sie sind bereinigt gerechnet, und die Brücke zur Bilanzrechnung besteht zur Hälfte aus Aktienvergütung — 38,3 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2025 gegen 37,9 Millionen bereinigten Gewinn. Dazu kommen vier Jahre negativer Programmkorrekturen, ein Großinvestor, der lieber selbst klagt, und eine Untersuchung über zwanzig Jahre Prüfberichte. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Wer heute kauft, zahlt rund den 6,4-fachen Umsatz für eine Firma, die nach US-Bilanzrecht seit vier Jahren Verlust ausweist. Wer wartet, prüft im Geschäftsbericht (10-K) für das Geschäftsjahr 2026 vier Zeilen: das Ergebnis nach Bilanzrecht (neun Monate: −30,471 Millionen US-Dollar), die aktienbasierte Vergütung gegen die Aktienzahl (60.043.283 Stück zum 30.04.2026), die Nettowirkung der Programmschätzungen (zuletzt −9,624 Millionen) und den Stand der beiden Rechtsfronten. Wird aus dem bereinigten Gewinn ein echter, trägt die Bewertung sich selbst. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam MRCY als Platz 16 von 81 US-Treffern im hauseigenen Big-Earnings-Surprise-Ranking (Stand 25. Juli 2026, Relative-Stärke-Rating 88) — Teil unserer Serie, die die Top 50 dieses Rankings mit Analysen füllt. Die Scanner-Listen werden täglich neu berechnet.
  • Das Ranking wertet die gemeldeten Gewinn-Überraschungen der letzten vier Quartale aus. Gemessen wird eine bereinigte Gewinngröße gegen die Schätzung für dieselbe bereinigte Größe — nicht das Ergebnis nach US-Bilanzrecht. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 standen 0,27 US-Dollar bereinigt gegen 0,04 US-Dollar Verlust je Aktie im Quartalsbericht.
  • Aktualitäts-Hinweis: Der jüngste Periodenbericht ist der Quartalsbericht (10-Q) zum 27. März 2026, eingereicht am 5. Mai 2026. Danach eingereichte Unterlagen sind durchgesehen (Beteiligungsmeldung SCHEDULE 13G vom 12.05.2026, Konfliktmineralien-Bericht Form SD vom 01.06.2026) und ändern das Bild nicht. Das Geschäftsjahr 2026 endet am 3. Juli 2026; den Geschäftsbericht für 2025 reichte die Firma am 11. August 2025 ein.
  • Verwechslungsgefahr: Mercury Systems, Inc. (Nasdaq: MRCY) ist nicht die Mercury General Corporation (NYSE: MCY), ein kalifornischer Versicherer, und nicht Mercury Computer Systems — so hieß dieselbe Firma bis zum 13. November 2012.

Häufige Fragen

Mercury Systems, Inc. (Nasdaq: MRCY, Andover/Massachusetts) baut Rechentechnik, die Sensordaten direkt an Bord auswertet — Bausteine, Baugruppen, Teilsysteme und Systeme für Radar- und Sensorverarbeitung, elektronische Kampfführung, Avionik, Waffensysteme und Führungssysteme. Kunden sind vor allem große Rüstungskonzerne, die US-Regierung und Hersteller ziviler Luftfahrttechnik. Im Geschäftsjahr 2025 setzte der Konzern 912,0 Millionen US-Dollar um.

Weil der gemeldete Gewinn je Aktie in vier Quartalen in Folge deutlich über der Analystenschätzung lag: 0,47 gegen 0,22 US-Dollar (Quartal bis 27.06.2025), 0,26 gegen 0,09, 0,16 gegen 0,06 und zuletzt 0,27 gegen 0,07 US-Dollar (Quartal bis 27.03.2026). Das ergibt Platz 16 von 81 US-Treffern zum Datenstand 25. Juli 2026 bei einem Relative-Stärke-Rating von 88.

Beides — je nach Rechnung. Nach US-Bilanzrecht steht seit dem Geschäftsjahr 2023 in jeder Periode ein Verlust: 28,3 Millionen US-Dollar (GJ2023), 137,6 Millionen (GJ2024), 37,9 Millionen (GJ2025) und 30,5 Millionen in den neun Monaten bis 27. März 2026. Die bereinigte Rechnung der Firma zeigt für dieselben neun Monate einen Gewinn von 0,68 US-Dollar je Aktie gegen einen Verlust von 0,51 US-Dollar nach Bilanzrecht.

Der größte Einzelposten ist aktienbasierte und sonstige nicht zahlungswirksame Vergütung: 10,768 Millionen US-Dollar allein im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 und 38,273 Millionen im Geschäftsjahr 2025 — bei einem bereinigten Jahresgewinn von 37,866 Millionen. Dazu kommen die Abschreibung erworbener immaterieller Werte, Restrukturierungs-, Rechtsstreit- und Finanzierungskosten sowie der jeweilige Steuereffekt.

Stark. In den neun Monaten bis 27. März 2026 entfielen 38 Prozent des Umsatzes auf drei Kunden: RTX Corporation mit 16 Prozent, Lockheed Martin mit 12 Prozent und Northrop Grumman mit 10 Prozent. Im Geschäftsjahr 2025 waren es 33 Prozent (RTX 13, Lockheed Martin 10, US-Marine 10 Prozent). Ein einzelnes Programm erreichte in keinem dieser Zeiträume die Zehn-Prozent-Schwelle.

Ende Juni beziehungsweise Anfang Juli. Das Geschäftsjahr 2025 endete am 27. Juni 2025, das Geschäftsjahr 2026 endet laut Quartalsbericht am 3. Juli 2026. Die Quartalsangaben verschieben sich deshalb gegenüber dem Kalender: Das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 lief bis zum 27. März 2026. Den Geschäftsbericht für 2025 reichte die Firma am 11. August 2025 ein.

Zwei wesentliche. Erstens die Aktionärs-Sammelklage: Der Vergleich über 32,5 Millionen US-Dollar steht in der Bilanz, doch fünf Fonds von Starboard Value mit rund 14 Prozent der Klassenmitglieder traten am 21. April 2026 aus und kündigten eine eigene Klage an. Zweitens eine interne Untersuchung seit September 2025 zu möglicherweise falsch berichteten Prüfergebnissen bei Aufträgen über rund 15,0 Millionen US-Dollar aus zwanzig Jahren.

Dass eine Bewertung von rund dem 6,4-fachen Umsatz und rund dem 42-fachen bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf eine Gewinnzeile trifft, die nach Bilanzrecht seit vier Jahren negativ ist. Kommen dazu unerwartete Kosten aus den Rechtsfronten oder erneute Korrekturen an Programmschätzungen, trifft das Ergebnis und Bewertungsmaßstab gleichzeitig.

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