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Teladoc Health: 101 Millionen Mitglieder, 2,5 Milliarden Umsatz — und 14,3 Milliarden Dollar Firmenwert, die es nie gab

Teladoc Health: 101 Millionen Mitglieder, 2,5 Milliarden Umsatz — und 14,3 Milliarden Dollar Firmenwert, die es nie gab

Teladoc Health ist der größte Anbieter virtueller Arztbesuche der Welt: 101,2 Millionen US-Mitglieder zum 31. März 2026, 17,1 Millionen Behandlungen allein 2025, rund 5.600 Beschäftigte, 2.530,0 Millionen US-Dollar Umsatz. Das Geschäft trägt sich in bar — 294,4 Millionen operativer Mittelzufluss im Jahr 2025. Und trotzdem steht in denselben Berichten an die US-Börsenaufsicht SEC, dass der Konzern bereits 14,3 Milliarden US-Dollar Firmenwert abgeschrieben hat, dass jeder Zukauf im Segment Integrated Care am Tag des Abschlusses wieder wertberichtigt wurde und dass am 1. Juni 2027 eine Milliarde Dollar Wandelanleihen fällig wird — gegen 750,7 Millionen Dollar in der Kasse. Keine Anlageberatung — nur die Frage, was ein Umsatz-Dollar wert ist, wenn 14,3 Milliarden davon schon einmal falsch bezahlt wurden.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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Teladoc Health: 101 Millionen Mitglieder, 2,5 Milliarden Umsatz — und 14,3 Milliarden Dollar Firmenwert, die es nie gab
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

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Der Kaufpreis-Reflex

Es gibt eine Rechenfalle, die ausgerechnet die Gründlichen erwischt, weil sie so solide klingt. Nennen wir sie den Kaufpreis-Reflex: Wer 18 Milliarden Dollar ausgegeben hat, glaubt, 18 Milliarden zu besitzen. Im Alltag korrigiert sich das von selbst — wer eine Küche für 30.000 Euro einbauen lässt, hat danach eine Küche und keine 30.000 Euro, und das weiß jeder. An der Börse hält sich der Irrtum hartnäckiger — und kaum ein Unternehmen führt ihn so schonungslos vor wie Teladoc Health, Inc. (NYSE: TDOC).

Denn beides steht in denselben Dokumenten. Auf der einen Seite: der weltgrößte Anbieter virtueller Arztbesuche, 101,2 Millionen US-Mitglieder zum 31. März 2026, 17,1 Millionen Behandlungen allein im Jahr 2025, rund 5.600 Beschäftigte, 2.530,0 Millionen US-Dollar Umsatz. Auf der anderen Seite: 14,3 Milliarden US-Dollar abgeschriebener Firmenwert, aufgelaufene Verluste von 16.494,1 Millionen und eine Wandelanleihe über eine Milliarde, die in weniger als einem Jahr fällig wird.

Machen wir also einen Deal. Bevor der Kaufpreis-Reflex dir sagt, eine Aktie, die rund 97 Prozent unter ihrem Allzeithoch notiert (Datenstand 28. Juli 2026), müsse ja irgendwann zurück, lesen wir gemeinsam nach, was die Firma selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat: den Geschäftsbericht (10-K, die jährliche Pflichtakte) für 2025, eingereicht am 26. Februar 2026, und den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, eingereicht am 30. April 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und in diesem hier stehen fünf Sätze, die auf keiner Telemedizin-Präsentation vorkommen. Am Ende entscheidest du selbst.

Was Teladoc Health eigentlich macht — ein Arztbesuch ohne Wartezimmer, und ein Marktplatz für Therapie

Teladoc Health verkauft im Kern etwas sehr Einfaches: Zugang zu einem Arzt, ohne dass jemand aufstehen muss. Video, Telefon, App. Das Unternehmen wurde 2002 in Texas gegründet, verlegte seinen Sitz 2008 nach Delaware und heißt seit dem 10. August 2018 Teladoc Health — davor lautete der Name schlicht „Teladoc, Inc.“. Im Juni 2025 zog die Zentrale von Purchase im Bundesstaat New York nach New York City. Zum 31. Dezember 2025 beschäftigte der Konzern rund 5.600 Menschen, davon 83 Prozent in Vollzeit; 58 Prozent arbeiten in den USA, 42 Prozent im Ausland. Behandelt wird zusätzlich über ein Netz selbstständiger Ärztinnen und Ärzte in eigenen Ärzteverbünden.

Berichtet wird in zwei Segmenten. Das erste heißt Integrated Care und ist das Geschäft mit Institutionen: Arbeitgeber, Krankenversicherer, Krankenhäuser, Finanzdienstleister kaufen für ihre Beschäftigten oder Versicherten den Zugang ein und zahlen dafür eine monatliche Pauschale je Kopf. Im Alltagsbild: Teladoc ist hier weniger Arztpraxis als Abo-Anbieter — wie ein Fitnessstudio, das eine Firma für ihre Belegschaft bucht, unabhängig davon, wie viele tatsächlich hingehen. 2025 kamen aus diesem Segment 1.579,6 Millionen US-Dollar Umsatz. Dazu gehören auch die Programme für chronisch Kranke (1,197 Millionen Teilnehmer zum 31. März 2026, plus 4 Prozent) sowie Geräte wie vernetzte Blutzuckermessgeräte. Wer wissen will, wie dieses Modell — Gesundheitsleistungen, die der Arbeitgeber einkauft — bei einem spezialisierten Anbieter aussieht, findet in unserer Analyse zu Progyny das gleiche Grundprinzip mit ganz anderer Ertragsmechanik.

Das zweite Segment heißt BetterHelp und funktioniert vollkommen anders: ein Marktplatz für Online-Therapie, den Privatpersonen selbst bezahlen oder zunehmend über ihre Versicherung abrechnen. Kein Arbeitgeber dazwischen, keine Jahresverträge — Kundschaft, die man sich jeden Monat neu kaufen muss. 2025 setzte BetterHelp 950,4 Millionen US-Dollar um, 38 Prozent des Konzernumsatzes. Merk dir diesen Unterschied, er trägt die halbe Analyse: Das eine Segment verkauft Abonnements an Institutionen, das andere kauft sich seine Kunden über Werbung.

Damit ist das zentrale Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes weitere Kapitel: Teladoc Health betreibt ein großes, funktionierendes, bar zahlendes Geschäft — und sitzt gleichzeitig in einer Bilanzhülle, deren eigene Werthaltigkeitstests seit Jahren sagen, dass die Teile weniger wert sind, als für sie bezahlt wurde. Beides ist wahr. Die Frage ist nur, welche der beiden Wahrheiten in den nächsten zwei Jahren die Kasse bestimmt.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam — über die Foren, nicht über einen Qualitätsfilter

Ehrlichkeit zuerst: Teladoc Health kam nicht über einen unserer Momentum-, Qualitäts- oder Bewertungsfilter herein. Die Aktie stand am 29. Juli 2026 in der Liste der auf Reddit meistdiskutierten Aktien, die wir im Scanner-Bereich führen — mehr nicht. Diese Listen werden täglich neu berechnet; die Nennung trägt deshalb ausdrücklich dieses Datum und kann morgen anders lauten.

Interessanter als der Anlass ist das Kennzahlenblatt, das dahinter liegt (Datenstand 28. Juli 2026). Der Kurs lag bei 9,40 US-Dollar, der Börsenwert bei 1,711 Milliarden — das passt der Größenordnung nach zu den 180.513.087 ausstehenden Aktien laut Deckblatt des Quartalsberichts (Stand 23. April 2026), die zum Kurs von 9,40 US-Dollar rechnerisch 1,70 Milliarden ergeben. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt damit bei rund 0,68: Die Börse zahlt für den ganzen Konzern gut zwei Drittel dessen, was er in einem Jahr umsetzt. Der Piotroski-F-Score — ein Neun-Punkte-Test für die Gesundheit der Bücher, bei dem kerngesunde Firmen bei 8 oder 9 stehen — liegt bei 6 von 9: okay, nicht gut. Die Eigenkapitalquote von 47,6 Prozent ist für ein Unternehmen mit dieser Vorgeschichte erstaunlich solide, die Bruttomarge von 69,3 Prozent ist die einer Softwarefirma, nicht die eines Dienstleisters. Und 16,4 Prozent des Streubesitzes waren leerverkauft — eine hohe Quote, die zeigt, dass ein erheblicher Teil des Marktes gegen diese Aktie positioniert ist.

Bewertet heißt das: Kein einziger dieser Werte begründet für sich einen Kauf oder einen Verkauf. Zusammengenommen beschreiben sie eine Firma, die billig aussieht, weil der Markt an ihrem Wert zweifelt, nicht weil ihn niemand bemerkt hätte. Wer das nachvollziehen will, öffnet die Firmenseite im Aktien-Bereich und liest die Rubriken „Bilanz & Sicherheit“ und „Bewertung“; alle genannten Werte tragen den Datenstand 28. Juli 2026. Quelle: hauseigener Aktien-Scanner, Fundamentaldaten.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Fangen wir mit dem an, was wirklich beeindruckt, denn es gehört zuerst gesagt und wird in den meisten Kommentaren zu dieser Aktie unterschlagen: Das Geschäft verdient Geld — jedes Jahr, in bar. Der operative Mittelzufluss lag bei 350,0 Millionen US-Dollar (2023), 293,7 Millionen (2024) und 294,4 Millionen (2025). Das ist keine Buchhaltungsfigur, das ist Geld, das in die Kasse fließt. Damit hat Teladoc im Jahr 2025 ohne fremde Hilfe fällige Wandelanleihen über zusammen 550,6 Millionen US-Dollar zurückgezahlt — ohne Kapitalerhöhung, ohne Notverkauf, ohne neue Anleihe. Das können nicht viele Firmen, deren Aktie rund 97 Prozent unter ihrem Allzeithoch notiert (Datenstand 28. Juli 2026).

Auch die Größe ist echt. 101,8 Millionen US-Mitglieder im Segment Integrated Care zum 31. Dezember 2025 (ein Plus von 8,0 Millionen oder 9 Prozent gegenüber dem Vorjahr), 17,1 Millionen Behandlungen im Jahr 2025, ein Netz aus Arbeitgebern, Versicherern und Kliniken, das man nicht in zwei Jahren nachbaut. Das Segment Integrated Care steigerte 2025 seinen Umsatz auf 1.579,6 Millionen US-Dollar und sein Segment-Adjusted-EBITDA auf 239,2 Millionen; im ersten Quartal 2026 wuchs es weiter, von 50,4 auf 56,3 Millionen. Wer virtuelle Medizin für eine Modeerscheinung von 2020 hält, sollte diese Zahlen kennen.

Zur Ehrlichkeit gehört aber auch, wie frisch diese Wachstumszahlen sind. Der Quartalsbericht zum 31. März 2026 schreibt, dass die Zahl der US-Mitglieder gegenüber dem Vorjahresquartal um 1,3 Millionen oder 1 Prozent auf 101,2 Millionen gesunken ist — der Höchststand liegt hinter dem Unternehmen. Und das Umsatzplus von 2 Prozent im Segment Integrated Care stammt laut demselben Bericht zu rund 2 Prozentpunkten aus den Zukäufen Catapult Health und Telecare; aus eigener Kraft steht das Segment damit ungefähr still. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Konzern in seiner eigenen Prognose vom 29. April 2026 zudem nur noch 97 bis 100 Millionen US-Mitglieder.

Nun die andere Hälfte derselben Tabelle. Der Umsatz sinkt seit dem Höchststand von 2023 das zweite Jahr in Folge: 2.602,4 Millionen US-Dollar (2023), 2.569,6 Millionen (2024), 2.530,0 Millionen (2025). Und unter dem Strich stand in jedem dieser drei Jahre ein Verlust — 220,4 Millionen, 1.001,2 Millionen und 200,3 Millionen US-Dollar, je Aktie 1,34, 5,87 und 1,14 Dollar. Im ersten Quartal 2026 sank der Umsatz um 2 Prozent auf 613,8 Millionen, der Verlust betrug 63,8 Millionen.

Balkendiagramm von Umsatz und Nettoergebnis bei Teladoc Health in Millionen US-Dollar: 2023 Umsatz 2.602,4 gegen Nettoergebnis minus 220,4; 2024 Umsatz 2.569,6 gegen minus 1.001,2; 2025 Umsatz 2.530,0 gegen minus 200,3. Der Umsatzbalken wird von Jahr zu Jahr etwas niedriger, der Verlustbalken 2024 ist mit Abstand der tiefste.
Zwei Jahre sinkender Umsatz nach dem Höchststand 2023 und drei Verlustjahre; der Ausreißer 2024 enthält 790,0 Millionen US-Dollar Firmenwert-Abschreibung auf BetterHelp. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Riesenverlust von 2024 ist dabei kein operativer: In ihm stecken 790,0 Millionen US-Dollar Firmenwert-Abschreibung auf BetterHelp, kein Cent davon floss aus der Kasse. Das ist der ehrliche Einwand gegen die Schock-Zahl — und zugleich die Brücke zum nächsten Kapitel. Denn Abschreibungen ohne Zahlungswirkung sind zwar keine Rechnung, aber sie sind ein Urteil: das Urteil der eigenen Prüfer darüber, was gekauft wurde.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: 14,3 Milliarden Dollar Firmenwert sind weg

Wenn ein Konzern eine andere Firma kauft und mehr zahlt, als deren einzelne Vermögensteile wert sind, wandert die Differenz als Firmenwert („Goodwill“) in die Bilanz. Im Alltagsbild: der Aufpreis für Ruf, Kundschaft und Zukunftshoffnung. Er bleibt dort stehen, bis ein jährlicher Werthaltigkeitstest sagt, dass die Hoffnung nicht mehr trägt. Teladoc hat in den Boomjahren im großen Stil zugekauft — allen voran Livongo im Jahr 2020. Was davon in der Bilanz übrig ist, sagt der Geschäftsbericht für 2025 in einem einzigen Satz:

„Goodwill as of December 31, 2025 is net of accumulated impairment charges of $14.3 billion, of which $12.3 billion was recognized prior to the Company reorganizing its reporting structure to include two reportable segments, $1.2 billion was recognized on the goodwill assigned to the Integrated Care segment, and $0.8 billion was recognized on the goodwill assigned to the BetterHelp segment.“

Übersetzung: „Der Firmenwert zum 31. Dezember 2025 versteht sich abzüglich aufgelaufener Wertminderungen von 14,3 Milliarden US-Dollar, wovon 12,3 Milliarden vor der Umstellung der Berichtsstruktur auf zwei berichtspflichtige Segmente erfasst wurden, 1,2 Milliarden auf den dem Segment Integrated Care zugeordneten Firmenwert und 0,8 Milliarden auf den dem Segment BetterHelp zugeordneten Firmenwert.“

— Teladoc Health, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Note 7 „Goodwill“

Gelb markierte und rot umrandete Textstelle aus dem Teladoc-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Der Firmenwert zum 31. Dezember 2025 versteht sich abzüglich aufgelaufener Wertminderungen von 14,3 Milliarden US-Dollar, davon 12,3 Milliarden vor der Segmentumstellung, 1,2 Milliarden auf Integrated Care und 0,8 Milliarden auf BetterHelp.
14,3 Milliarden US-Dollar abgeschriebener Firmenwert — stehen geblieben sind 283,2 Millionen. Hervorhebung von uns. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Note 7. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Übrig geblieben sind 283,2 Millionen US-Dollar Firmenwert, die vollständig auf BetterHelp entfallen. Dieselbe Geschichte erzählt die Eigenkapitalseite der Bilanz zum 31. März 2026: 17.865,6 Millionen US-Dollar eingezahltes Kapital stehen 16.494,1 Millionen aufgelaufenen Verlusten gegenüber; nach Abzug einer negativen Währungsrücklage von 35,4 Millionen und samt dem Nennkapital der Aktien von 0,2 Millionen bleiben 1.336,3 Millionen Eigenkapital. Von rund 17,9 Milliarden Dollar, die Aktionäre über die Jahre eingezahlt oder als Kaufpreis in Aktien geliefert haben, sind bilanziell 1,3 Milliarden geblieben. Das ist der Kaufpreis-Reflex in Reinform: Der Preis stand fest, der Wert nie.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Jeder Zukauf wird am Tag des Abschlusses wieder abgeschrieben

Diese Stelle ist der eigentliche Fund dieser Recherche, und sie steht nicht in Pressemitteilungen. Der Firmenwert des Segments Integrated Care ist so tief unter Wasser, dass der Werthaltigkeitstest jede Übernahme sofort kassiert:

„Concurrent with the closing of its acquisitions of Telecare and Catapult Health, the Company performed goodwill impairment tests on its Integrated Care reporting unit and determined that the carrying value of the reporting unit continued to exceed its fair value.“

Übersetzung: „Zeitgleich mit dem Abschluss seiner Übernahmen von Telecare und Catapult Health führte das Unternehmen Werthaltigkeitstests für den Firmenwert seiner Berichtseinheit Integrated Care durch und stellte fest, dass der Buchwert der Berichtseinheit ihren beizulegenden Zeitwert weiterhin übersteigt.“

— Teladoc Health, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Note 7 „Goodwill“

Gelb markierte und rot umrandete Textstelle aus dem Teladoc-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Zeitgleich mit dem Abschluss der Übernahmen von Telecare und Catapult Health stellte das Unternehmen fest, dass der Buchwert der Berichtseinheit Integrated Care ihren Zeitwert weiterhin übersteigt; daraufhin wurden 12,6 und 59,1 Millionen US-Dollar sofort abgeschrieben, zusammen 71,8 Millionen im Jahr 2025.
Die Folge steht im Satz danach: 12,6 Millionen US-Dollar (Telecare) und 59,1 Millionen (Catapult Health) wurden im Quartal des Erwerbs sofort abgeschrieben — zusammen 71,8 Millionen im Jahr 2025. Hervorhebung von uns. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Note 7. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Übersetzt in einen Satz, den man sich merken kann: Teladoc kann in seinem größeren Segment nichts kaufen, ohne den Kaufpreis noch im selben Quartal als Verlust auszuweisen. Das ist kein einmaliger Buchungsvorgang, sondern ein Zustand — der Bericht warnt ausdrücklich, dass künftige Zusammenschlüsse in dieser Einheit zu weiteren Abschreibungen führen könnten. Für eine Firma, deren Wachstumsgeschichte lange aus Zukäufen bestand, ist das eine strategische Fessel: Der übliche Weg, Umsatzrückgang durch Übernahmen auszugleichen, kostet hier sofort Eigenkapital.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: BetterHelp gibt jeden zweiten Dollar für Werbung aus — und verliert trotzdem Nutzer

BetterHelp war jahrelang der Wachstumsmotor. Heute ist es das Segment, an dem der letzte Rest Firmenwert hängt. Und es schrumpft:

„BetterHelp Paying Users decreased by 9% to 0.361 million for the three months ended March 31, 2026, compared to 0.397 million for the three months ended March 31, 2025.“

Übersetzung: „Die Zahl der zahlenden BetterHelp-Nutzer sank in den drei Monaten bis zum 31. März 2026 um 9 Prozent auf 0,361 Millionen, verglichen mit 0,397 Millionen in den drei Monaten bis zum 31. März 2025.“

— Teladoc Health, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Item 2 (Lagebericht)

Gelb markierte und rot umrandete Textstelle aus dem Teladoc-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026: Die Zahl der zahlenden BetterHelp-Nutzer sank um 9 Prozent auf 0,361 Millionen gegenüber 0,397 Millionen im Vorjahresquartal.
Minus 9 Prozent zahlende Nutzer im ersten Quartal 2026 — trotz 116,8 Millionen US-Dollar Werbeausgaben im selben Quartal. Hervorhebung von uns. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Jetzt die Rechnung dazu. Im ersten Quartal 2026 setzte BetterHelp 218,4 Millionen US-Dollar um und gab 116,8 Millionen für Werbung und Marketing aus — 53 Prozent des eigenen Umsatzes. Für das Gesamtjahr 2025 lautet dieselbe Rechnung 518,5 Millionen auf 950,4 Millionen, also 55 Prozent. Im Alltagsbild: Von zwei Dollar, die ein Therapiekunde zahlt, geht rund einer sofort wieder an Google, Meta und Podcast-Werbung, bevor irgendein Therapeut bezahlt ist. Und weil Kunden hier monatlich kündigen können, hört dieses Ausgeben nie auf — es ist keine Investition, es ist Miete.

Balkendiagramm zum Segment BetterHelp jeweils für die drei Monate bis zum 31. März in Millionen US-Dollar: Umsatz 239,9 im Jahr 2025 und 218,4 im Jahr 2026; Werbung und Marketing 133,0 und 116,8; Adjusted EBITDA 7,7 und 1,9. Der Ergebnisbalken schrumpft dabei am stärksten.
Der Umsatz fiel um 9 Prozent, die Werbeausgaben um 12 Prozent — das Segmentergebnis aber um 75 Prozent, von 7,7 auf 1,9 Millionen US-Dollar. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das Segment-Adjusted-EBITDA — die vom Unternehmen selbst definierte Ergebnisgröße vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen — fiel von 7,7 auf 1,9 Millionen US-Dollar, ein Minus von 75 Prozent bei nur 9 Prozent weniger Umsatz. Im Jahresvergleich ging es von 77,8 (2024) auf 41,9 Millionen (2025) zurück. Fairerweise gehört dazu: Das erste Quartal ist bei BetterHelp saisonal das schwächste, weil die Werbung im Januar wieder anläuft, bevor die Kunden zahlen — das schreibt der Bericht selbst. Die Gegenprobe im Vorjahresquartal bestätigt die Saison, aber nicht den Rückgang: Der Nutzerschwund ist echt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Eine Milliarde Dollar wird am 1. Juni 2027 fällig

2020, auf dem Höhepunkt der Telemedizin-Begeisterung, konnte sich Teladoc Geld praktisch umsonst leihen. Das Ergebnis steht bis heute in der Bilanz:

„At March 31, 2026, the Company’s outstanding senior notes consisted of $1.0 billion aggregate principal amount of 1.25% convertible senior notes due 2027 (the „2027 Notes“), issued on May 19, 2020 for net proceeds to the Company of $975.9 million after deducting offering costs of approximately $24.1 million.“

Übersetzung: „Zum 31. März 2026 bestanden die ausstehenden vorrangigen Schuldverschreibungen des Unternehmens aus 1,0 Milliarden US-Dollar Gesamtnennbetrag an 1,25-prozentigen wandelbaren vorrangigen Schuldverschreibungen mit Fälligkeit 2027 (die „2027 Notes“), begeben am 19. Mai 2020 mit einem Nettoerlös von 975,9 Millionen US-Dollar nach Abzug von Emissionskosten in Höhe von rund 24,1 Millionen US-Dollar.“

— Teladoc Health, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Note 10 „Debt“

Gelb markierte und rot umrandete Textstelle aus dem Teladoc-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026: Zum 31. März 2026 bestanden die ausstehenden vorrangigen Schuldverschreibungen aus 1,0 Milliarden US-Dollar Nennbetrag an 1,25-prozentigen Wandelanleihen mit Fälligkeit 2027, begeben am 19. Mai 2020.
Eine Milliarde US-Dollar Nennwert, 1,25 Prozent Zins, fällig am 1. Juni 2027. Hervorhebung von uns. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Note 10. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der entscheidende Punkt steht in der Tabelle darunter: Die Wandlungsrate beträgt 4,1258 Aktien je 1.000 US-Dollar Nennwert. Das ist ein Wandlungspreis von rund 242 US-Dollar je Aktie. Bei 9,40 US-Dollar (Datenstand 28. Juli 2026) wird kein Gläubiger dieser Welt in Aktien tauschen. Im Alltagsbild: Der Gutschein, mit dem man die Anleihe in Aktien umwandeln könnte, ist wertlos — aus der Wandelanleihe ist eine ganz normale Schuld geworden, und sie muss in bar zurück. Immerhin gilt das auch umgekehrt: Verwässerung droht von dieser Seite nicht, der Konzern hat dafür nur 4,1 Millionen Aktien reserviert.

Rechnen wir die Deckung nach. Kasse zum 31. März 2026: 750,7 Millionen US-Dollar. Dazu eine seit dem 17. Juli 2025 bestehende, besicherte Kreditlinie über 300,0 Millionen, von der 296,6 Millionen frei sind und die bislang nicht gezogen wurde. Der freie Mittelzufluss lag 2025 bei rund 166,9 Millionen; für 2026 erwartet der Konzern in seiner eigenen Prognose vom 29. April 2026 130 bis 170 Millionen. Bis zur Fälligkeit im Juni 2027 sind das grob 200 Millionen zusätzlich, wenn das Geschäft so weiterläuft. Rechnerisch reicht es, aber nur knapp und nur mit der Kreditlinie als Reserve. Genau deshalb ist jeder Quartalsbericht bis dahin ein Zwischenstand in einer Zahlungsfrage, nicht nur in einer Wachstumsfrage.

Und genau deshalb fällt eine Personalie auf, die in keiner Kennzahl auftaucht. Die Finanzchefin Mala Murthy hat dem Unternehmen am 17. Oktober 2025 ihren Rücktritt zum 21. November 2025 mitgeteilt; der Konzern meldete der SEC, er habe eine Suche nach einer Nachfolge eingeleitet. Diese Suche läuft bis heute. Der Geschäftsbericht für 2025 (26. Februar 2026) und der Quartalsbericht zum 31. März 2026 (30. April 2026) sind beide von derselben Person unterschrieben — Vorstandschef Charles Divita, III, in Personalunion als „Chief Executive Officer and Principal Financial Officer“. Die Einladung zur Hauptversammlung vom 7. April 2026 führt in seinem Lebenslauf ausdrücklich „Interim Principal Financial Officer (2025 to present)“. Bis zum 29. Juli 2026 hat der Konzern keine Ad-hoc-Meldung (8-K Item 5.02) über eine Nachbesetzung eingereicht.

Bewertet: Das ist kein Bilanzfehler und kein Warnsignal für sich genommen — die Bücher sind von Ernst & Young geprüft, die Hauptversammlung hat die Prüfer am 21. Mai 2026 mit großer Mehrheit bestätigt, und ein Chief Accounting Officer (Joseph Catapano) ist im Amt. Aber es heißt: Seit über acht Monaten führt derselbe Mensch das Geschäft und zeichnet zugleich für die Zahlen verantwortlich — und das in dem Zeitraum, in dem die Rückzahlung oder Refinanzierung einer Milliarde Dollar vorbereitet werden muss. Wer diese Aktie verfolgt, sollte die Besetzung des Finanzressorts deshalb wie einen Quartalstermin behandeln.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Der Börsenwert liegt unter dem Buchwert — und der Rest-Firmenwert hängt am schwächsten Segment

Es gibt einen Satz im Quartalsbericht, den man zweimal lesen muss, weil er so beiläufig steht: Der Konzern hält fest, dass sein Börsenwert im ersten Quartal 2026 unterhalb seines Buchwerts blieb — der Markt bewertet das Unternehmen also niedriger, als seine eigene Bilanz es tut. Nach den Regeln der US-Rechnungslegung ist das ein Anzeichen, das einen zusätzlichen Werthaltigkeitstest auslösen kann. Das Unternehmen sah zum Stichtag keinen Anlass für einen solchen Zwischentest, kündigt aber ausdrücklich an, die Lage weiter zu beobachten — insbesondere einen anhaltenden Kursrückgang. Betroffen wären die verbliebenen 283,2 Millionen US-Dollar Firmenwert, die vollständig auf BetterHelp entfallen. Das sind 21 Prozent des Eigenkapitals von 1.336,3 Millionen.

Deutlich größer ist ein zweiter Posten, über den seltener gesprochen wird: 1.235,2 Millionen US-Dollar immaterielle Vermögenswerte (Kundenbeziehungen, Marken, Software, Technologie), also 44 Prozent der Bilanzsumme. Sie werden planmäßig abgeschrieben — 350,8 Millionen im Jahr 2025, 89,8 Millionen allein im ersten Quartal 2026. Das ist der Hauptgrund, warum ein Konzern mit 294,4 Millionen operativem Mittelzufluss trotzdem Verlust ausweist. Es ist auch der Grund, warum das ausgewiesene Ergebnis in den nächsten Jahren fast automatisch besser aussehen wird: Diese Abschreibungen laufen aus. Wer den Turnaround an der Gewinnzeile misst, misst dann etwas, das gar nicht das Geschäft ist.

Bewertung — 1,71 Milliarden für 2,53 Milliarden Umsatz

Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt es nicht, weil es keinen Gewinn gibt. Bleiben drei nachvollziehbare Größenordnungen, alle zum Datenstand 28. Juli 2026. Erstens: Kurs-Umsatz-Verhältnis rund 0,68 — 1,711 Milliarden Börsenwert gegen 2.530,0 Millionen Umsatz 2025. Zweitens der Unternehmenswert, also Börsenwert plus Schulden minus Kasse: 1,711 + 1,000 − 0,751 = rund 1,96 Milliarden US-Dollar, das 0,77-Fache des Jahresumsatzes. Drittens das Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 1,3 — 1,711 Milliarden gegen 1.336,3 Millionen Eigenkapital.

Übersetzt: Der Markt bezahlt für einen Dollar Teladoc-Umsatz rund 68 Cent. Für einen Anbieter mit 69,3 Prozent Bruttomarge, wiederkehrenden Abo-Erlösen und 101 Millionen Mitgliedern wäre das spottbillig — wenn man dem Umsatz vertraut. Genau daran zweifelt der Markt: Der Umsatz sinkt das zweite Jahr in Folge, die Mitgliederzahl geht seit dem ersten Quartal 2026 ebenfalls zurück, das margenschwächere Segment BetterHelp schrumpft um 9 Prozent — ohne den Zukauf Uplift sogar zweistellig —, und über allem hängt der Zahlungstermin im Juni 2027. Der Abschlag ist kein Versehen des Marktes, er ist seine Antwort auf diese Fragen.

Der Blick der Profis passt ins Bild und ist ungewöhnlich: 24 Analysten hatten zum Datenstand 28. Juli 2026 ein mittleres Kursziel von 7,40 US-Dollar — also unter dem damaligen Kurs von 9,40. Das ist selten und hat einen naheliegenden Grund: Die Aktie war den Schätzungen in den Monaten davor davongelaufen. Man sollte daraus keine Prognose machen, aber eine Feststellung: Der Kurs vom Sommer 2026 lag über dem, was die Profis der Firma zutrauten — das Gegenteil einer übersehenen Aktie. Zum Vergleich lohnt der Blick auf einen anderen Anbieter, der Leistungen über den Arbeitgeber verkauft: Wie dort Marge, Wachstum und Bewertung zusammenspielen, zeigt unsere Analyse zu Alight.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Teladoc Health spricht:

  • Echte, große Reichweite: 101,2 Millionen US-Mitglieder im Segment Integrated Care (31. März 2026), 17,1 Millionen Behandlungen im Jahr 2025 — ein Vertriebsnetz aus Arbeitgebern, Versicherern und Kliniken, das kein Start-up in wenigen Jahren nachbaut.
  • Das Kerngeschäft verdient: Integrated Care steigerte 2025 den Umsatz auf 1.579,6 Millionen US-Dollar und das Segment-Adjusted-EBITDA auf 239,2 Millionen; im ersten Quartal 2026 stieg das Segmentergebnis weiter von 50,4 auf 56,3 Millionen.
  • Der Betrieb bringt Bargeld: 294,4 Millionen US-Dollar operativer Mittelzufluss im Jahr 2025, nach 293,7 und 350,0 Millionen in den beiden Jahren davor — daraus wurden 2025 fällige Anleihen über zusammen 550,6 Millionen ohne fremde Hilfe getilgt.
  • Bilanzielle Reserve: 750,7 Millionen US-Dollar Kasse und eine ungenutzte Kreditlinie über 300,0 Millionen (31. März 2026), Eigenkapitalquote 47,6 Prozent (Datenstand 28. Juli 2026).
  • Rechnerisch billig: Kurs-Umsatz-Verhältnis rund 0,68, Unternehmenswert 0,77 Jahresumsätze, Bruttomarge 69,3 Prozent (Datenstand 28. Juli 2026).
  • Die Ergebniszeile wird sich mechanisch verbessern: Die Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte (350,8 Millionen im Jahr 2025) laufen mit der Zeit aus.

Was dagegen spricht:

  • Der Umsatz sinkt das zweite Jahr in Folge: 2.602,4 → 2.569,6 → 2.530,0 Millionen US-Dollar, und im ersten Quartal 2026 nochmals minus 2 Prozent auf 613,8 Millionen.
  • Auch die Mitgliederzahl fällt: minus 1,3 Millionen oder 1 Prozent auf 101,2 Millionen im ersten Quartal 2026; die eigene Prognose für das Gesamtjahr 2026 (29. April 2026) nennt nur noch 97 bis 100 Millionen.
  • BetterHelp schrumpft doppelt: minus 9 Prozent zahlende Nutzer und minus 9 Prozent Umsatz im ersten Quartal 2026, Segmentergebnis von 7,7 auf 1,9 Millionen US-Dollar — bei 53 Prozent Werbeanteil am Segmentumsatz.
  • Zahlungstermin 1. Juni 2027: 1.000,0 Millionen US-Dollar in bar gegen 750,7 Millionen Kasse; der Wandlungspreis von rund 242 US-Dollar macht eine Umwandlung in Aktien praktisch unmöglich.
  • Die eigene Bilanz misstraut dem eigenen Geschäft: 14,3 Milliarden US-Dollar abgeschriebener Firmenwert, Integrated-Care-Firmenwert bei null, jede Übernahme dort sofort wertberichtigt.
  • Weitere Abschreibung möglich: Der Börsenwert lag im ersten Quartal 2026 unter dem Buchwert; betroffen wären 283,2 Millionen US-Dollar Firmenwert der Einheit BetterHelp.
  • Rechtsstreitigkeiten offen: Sammelklagen gegen BetterHelp im Zusammenhang mit der Vereinbarung mit der US-Handelsaufsicht FTC vom Juli 2023 sowie eine Anleger-Sammelklage, bei der das Gericht am 31. März 2026 den Abweisungsantrag nur teilweise stattgab.
  • Das Finanzressort ist unbesetzt: Seit dem Ausscheiden der Finanzchefin am 21. November 2025 führt Vorstandschef Charles Divita, III, das Amt in Personalunion mit; bis zum 29. Juli 2026 wurde keine Nachbesetzung gemeldet — ausgerechnet vor der Milliarden-Fälligkeit 2027.
  • Hohe Leerverkaufsquote: 16,4 Prozent des Streubesitzes waren zum Datenstand 28. Juli 2026 leerverkauft — ein Markt, der mehrheitlich skeptisch ist.

Ein menschliches Fazit

Zurück zum Kaufpreis-Reflex. Er ist deshalb so hartnäckig, weil der Kaufpreis ja echt ist. Teladoc Health hat wirklich Milliarden für Livongo und BetterHelp bezahlt, es hat wirklich 17,9 Milliarden Dollar Aktionärskapital eingesammelt oder in Aktien verrechnet, und wer 2021 gekauft hat, hat wirklich diesen Preis bezahlt. Nur beweist keine dieser Zahlen, was das Unternehmen heute wert ist. Die Firma selbst hat die Antwort längst gegeben — 14,3 Milliarden davon hat sie mit eigenen Werthaltigkeitstests wieder ausgebucht.

Und trotzdem wäre es zu billig, hier eine Ruine zu sehen. Unter dem abgeschriebenen Firmenwert steckt ein Unternehmen, das 101 Millionen Menschen erreicht, 17 Millionen Behandlungen im Jahr abwickelt und dabei Jahr für Jahr rund 300 Millionen Dollar in die Kasse spült. Es hat aus dieser Kasse eine halbe Milliarde Schulden zurückgezahlt, ohne einen einzigen Anleger um Geld zu bitten. Das ist mehr, als die meisten gefallenen Wachstumsaktien von 2021 vorweisen können.

Der ehrliche Befund ist deshalb weder „Schnäppchen“ noch „Pleitekandidat“. Er lautet: Hier steht ein solide zahlendes Kerngeschäft neben einem schrumpfenden Werbe-Geschäft, und zwischen beiden liegt ein Zahlungstermin. Wer heute kauft, wettet nicht auf Telemedizin — die Frage ist längst entschieden, virtuelle Arztbesuche bleiben. Er wettet auf drei sehr konkrete Dinge: dass der Umsatzrückgang im dritten Jahr endet, dass BetterHelp die Nutzerkurve dreht, bevor der Werbeaufwand das Segmentergebnis vollends aufzehrt, und dass die Milliarde im Juni 2027 aus Kasse und Kreditlinie gedeckt wird, ohne dass neue Aktien nötig werden.

Drei Fragen, drei Termine, drei Quartalsberichte, in denen sie beantwortet werden. Das ist eine überprüfbare Wette — und das ist mehr, als man über die meisten Turnaround-Geschichten sagen kann. Ob dir der Preis dafür passt, kann dir keine Kennzahl abnehmen. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbernachlesen:

Transparenz & Haftungsausschluss: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich verfügbarer Informationen und stellt weder eine Anlageberatung noch eine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar. Aktieninvestments bergen erhebliche Risiken bis zum Totalverlust. Alle Angaben ohne Gewähr; der jeweilige Datenstand ist im Text genannt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien von Teladoc Health.

Unser Fazit auf einen Blick

Marktstellung & Reichweite positiv
Der weltgrößte Anbieter virtueller Arztbesuche: 101,2 Millionen US-Mitglieder im Segment Integrated Care (31. März 2026), 17,1 Millionen Behandlungen im Jahr 2025, rund 5.600 Beschäftigte und ein Vertriebsnetz aus Arbeitgebern, Versicherern und Kliniken, das sich nicht kurzfristig nachbauen lässt.
Kerngeschäft Integrated Care positiv
Das größere Segment wächst und verdient: 1.579,6 Millionen US-Dollar Umsatz und 239,2 Millionen Segment-Adjusted-EBITDA im Jahr 2025, im ersten Quartal 2026 ein Anstieg von 50,4 auf 56,3 Millionen. Die Bruttomarge des Konzerns lag zum Datenstand 28. Juli 2026 bei 69,3 Prozent.
Umsatzentwicklung negativ
Der Umsatz sinkt seit dem Höchststand von 2023 das zweite Jahr in Folge: 2.602,4 Millionen US-Dollar (2023), 2.569,6 Millionen (2024), 2.530,0 Millionen (2025), dazu minus 2 Prozent auf 613,8 Millionen im ersten Quartal 2026. Der Rückgang kommt aus BetterHelp, dessen zahlende Nutzerzahl im selben Quartal um 9 Prozent auf 0,361 Millionen fiel; zugleich sank die Zahl der US-Mitglieder um 1,3 Millionen auf 101,2 Millionen.
Bilanzqualität & Firmenwert negativ
Der Geschäftsbericht für 2025 weist 14,3 Milliarden US-Dollar aufgelaufene Firmenwert-Abschreibungen aus; der Firmenwert des Segments Integrated Care steht bei null, weshalb die Zukäufe Catapult Health (59,1 Millionen) und Telecare (12,6 Millionen) noch im Quartal des Erwerbs abgeschrieben wurden. Die verbliebenen 283,2 Millionen hängen vollständig an BetterHelp, und der Börsenwert lag im ersten Quartal 2026 unter dem Buchwert.
Finanzierung & Fälligkeit 2027 neutral
Am 1. Juni 2027 werden 1.000,0 Millionen US-Dollar Wandelanleihen in bar fällig — der Wandlungspreis von rund 242 US-Dollar je Aktie schließt eine Umwandlung praktisch aus. Dem stehen 750,7 Millionen Kasse (31. März 2026), eine ungenutzte Kreditlinie über 300,0 Millionen und rund 166,9 Millionen freier Mittelzufluss je Jahr gegenüber: rechnerisch gedeckt, aber ohne Puffer.
Ergebnisqualität neutral
Dem Verlust von 200,3 Millionen US-Dollar (2025) steht ein operativer Mittelzufluss von 294,4 Millionen gegenüber; die Lücke stammt vor allem aus 350,8 Millionen planmäßiger Abschreibung auf immaterielle Vermögenswerte. Vom operativen Zufluss gehen allerdings 118,6 Millionen aktivierte Softwareentwicklung wieder ab — frei bleiben rund 166,9 Millionen.

Teladoc Health ist der Kaufpreis-Reflex in Reinform: Von rund 17,9 Milliarden US-Dollar eingezahltem Aktionärskapital stehen 16.494,1 Millionen als aufgelaufener Verlust in der Bilanz, 14,3 Milliarden Firmenwert hat die Firma mit eigenen Werthaltigkeitstests wieder ausgebucht, und im Segment Integrated Care wird jeder Zukauf am Tag des Abschlusses erneut abgeschrieben. Darunter liegt aber ein echtes Geschäft: 101,2 Millionen Mitglieder, 2.530,0 Millionen US-Dollar Umsatz und 294,4 Millionen operativer Mittelzufluss im Jahr 2025, aus dem 2025 fällige Anleihen über zusammen 550,6 Millionen ohne fremde Hilfe getilgt wurden. Offen bleiben drei überprüfbare Fragen: das dritte Jahr Umsatzrückgang, die Nutzerkurve von BetterHelp und die Milliarde, die am 1. Juni 2027 fällig wird. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Gelb, weil eine wesentliche operative Frage offen ist, nicht weil die Substanz wackelt: Das Geschäft trägt sich in bar (294,4 Millionen US-Dollar operativer Mittelzufluss 2025, Eigenkapitalquote 47,6 Prozent zum Datenstand 28. Juli 2026, keine Fälligkeit vor Juni 2027, keine gezogene Kreditlinie), und die Deckung der 1.000,0 Millionen Wandelanleihen ist aus Kasse, laufendem Mittelzufluss und der 300-Millionen-Linie rechnerisch darstellbar — für Rot fehlt der belegte Substanzbefund. Für Grün fehlt der Beweis, dass der Umsatzrückgang 2026 endet und BetterHelp die Nutzerkurve dreht: minus 9 Prozent zahlende Nutzer, minus 1,3 Millionen US-Mitglieder und ein von 7,7 auf 1,9 Millionen gefallenes Segmentergebnis im ersten Quartal 2026 sind ein offener Turnaround, kein bewiesener. Dass die Aktie nach Umsatz billig aussieht, ändert daran nichts — Preis ist kein Qualitätsmerkmal.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Teladoc Health über die Liste der auf Reddit meistdiskutierten Aktien im Scanner-Bereich (Stand 29. Juli 2026), nicht über einen Momentum-, Qualitäts- oder Bewertungsfilter. Diese Listen werden täglich neu berechnet.
  • Aktualitäts-Stand: Der jüngste Periodenbericht ist der Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, eingereicht am 30. April 2026. Bis zum 29. Juli 2026 folgten keine weiteren Periodenberichte und keine Ergebnismitteilung (8-K Item 2.02); die einzige inhaltliche Meldung danach war die Ad-hoc-Meldung (8-K) vom 21. Mai 2026 über die Ergebnisse der Hauptversammlung — alle neun Kandidaten gewählt, Vergütung gebilligt, Ernst & Young als Prüfer für 2026 bestätigt. Jüngste Einreichung überhaupt war eine Insider-Meldung (Form 4) vom 6. Juli 2026. Alle Markt- und Bewertungsdaten tragen den Datenstand 28. Juli 2026.
  • Offene Personalie: Das Finanzressort ist seit dem Ausscheiden von Mala Murthy am 21. November 2025 unbesetzt; Vorstandschef Charles Divita, III, unterschreibt den Geschäftsbericht für 2025 und den Quartalsbericht zum 31. März 2026 zugleich als „Principal Financial Officer“. Bis zum 29. Juli 2026 lag keine Ad-hoc-Meldung (8-K Item 5.02) über eine Nachbesetzung vor.
  • Nicht verwechseln: „Adjusted EBITDA“ ist bei Teladoc eine vom Unternehmen selbst definierte Größe und mit gleichnamigen Kennzahlen anderer Firmen nicht vergleichbar — der Bericht sagt das ausdrücklich. Ebenso wenig ist der operative Mittelzufluss der frei verfügbare Betrag: Davon gehen die aktivierten Softwareentwicklungskosten ab (118,6 Millionen US-Dollar im Jahr 2025).

Häufige Fragen

Teladoc Health vermittelt medizinische Behandlung per Video, Telefon und App. Das Segment Integrated Care verkauft Arbeitgebern, Krankenversicherern und Kliniken monatliche Zugangspauschalen je Kopf; zum 31. März 2026 hatten 101,2 Millionen US-Mitglieder Zugang. Das Segment BetterHelp ist ein Marktplatz für Online-Therapie, den Privatpersonen selbst oder über ihre Versicherung bezahlen. 2025 setzte der Konzern 2.530,0 Millionen US-Dollar um.

Für Übernahmen wie Livongo (2020) zahlte Teladoc weit mehr, als die gekauften Vermögenswerte einzeln wert waren; die Differenz stand als Firmenwert in der Bilanz. Als Wachstum und Börsenkurs einbrachen, ergaben die jährlichen Werthaltigkeitstests, dass dieser Aufpreis nicht mehr gedeckt war. Der Geschäftsbericht für 2025 nennt aufgelaufene Wertminderungen von 14,3 Milliarden US-Dollar; übrig sind 283,2 Millionen, alle bei BetterHelp.

Am 1. Juni 2027. Es geht um 1.000,0 Millionen US-Dollar Nennwert zu 1,25 Prozent Zins, begeben am 19. Mai 2020. Die Wandlungsrate von 4,1258 Aktien je 1.000 US-Dollar entspricht rund 242 US-Dollar je Aktie — bei einem Kurs von 9,40 US-Dollar (Datenstand 28. Juli 2026) wandelt niemand. Zurückgezahlt wird also in bar. Zum 31. März 2026 lagen 750,7 Millionen in der Kasse, dazu eine ungenutzte Kreditlinie über 300,0 Millionen.

Nach Umsatzmaßstäben ja: Zum Datenstand 28. Juli 2026 lag das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei rund 0,68, der Unternehmenswert bei 0,77 Jahresumsätzen und das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei rund 1,3. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt es mangels Gewinn nicht. Der Abschlag ist allerdings kein Versehen: Der Umsatz sinkt das zweite Jahr in Folge, BetterHelp schrumpft um 9 Prozent (ohne den Zukauf Uplift zweistellig), und im Juni 2027 wird eine Milliarde Dollar fällig.

BetterHelp muss seine Kundschaft laufend über Werbung kaufen, weil es keine Jahresverträge gibt. Im ersten Quartal 2026 gab das Segment 116,8 Millionen US-Dollar für Werbung aus — 53 Prozent seines Umsatzes von 218,4 Millionen — und verlor dennoch 9 Prozent seiner zahlenden Nutzer, von 0,397 auf 0,361 Millionen. Das Segmentergebnis fiel dabei von 7,7 auf 1,9 Millionen US-Dollar.

Verlust — aber der Grund liegt weitgehend außerhalb der Kasse. 2025 stand ein Nettoverlust von 200,3 Millionen US-Dollar, davor 1.001,2 Millionen (2024) und 220,4 Millionen (2023). Gleichzeitig floss dem Konzern 2025 ein operativer Mittelzufluss von 294,4 Millionen zu. Die Lücke erklärt sich vor allem aus 350,8 Millionen planmäßiger Abschreibung auf immaterielle Vermögenswerte und 71,8 Millionen Firmenwert-Abschreibungen.

Das Unternehmen wurde 2002 in Texas als Teladoc, Inc. gegründet und verlegte 2008 seinen Gesellschaftssitz nach Delaware. Zum 10. August 2018 änderte es seinen Namen in Teladoc Health, Inc. — passend zur Ausweitung vom reinen Telefon-Arzt auf ein Gesundheitsangebot mit chronischer Versorgung, Fachmedizin und psychischer Gesundheit. Die große Fusion mit Livongo folgte 2020, unter dem heutigen Namen.

Ja, aber als Werkzeug, nicht als Produkt. Der Geschäftsbericht für 2025 beschreibt KI-gestützte Erinnerungen, Risikoeinstufung von Patienten, automatische Behandlungsdokumentation und die Auswertungsplattform Pulse. In den Risikofaktoren schreibt das Unternehmen wörtlich, es nutze KI, um interne Abläufe zu unterstützen und die Effizienz der Behandlungsteams zu erhöhen. Einen eigenen KI-Umsatz weist es nirgends aus.

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