Alight: Der Scanner sagt 1,2 — die Bilanz sagt 11
Ein Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis von 1,2 klingt nach einem Fehler in der Tabelle: Knapp anderthalb Jahre freier Mittelzufluss, und die ganze Firma gehört dir. Alight, der Verwalter von Arbeitgeberleistungen aus Deerfield, steht damit auf Platz 21 unseres K-FCF-Rankings. Auf dem Röntgenbild stehen daneben 1.822 Millionen US-Dollar Nettoschulden, 509 Millionen an zugesagten Steuerzahlungen an die Altgesellschafter, ein 2025 um 3.124 Millionen abgeschriebener Firmenwert und eine Aktienzusammenlegung im Verhältnis 1:20, die den Konzern Ende Juni 2026 vor dem Rauswurf aus der New Yorker Börse bewahrt hat. Wir rechnen die Kennzahl Zeile für Zeile gegen die Berichte an die US-Börsenaufsicht SEC nach — und schauen, was von der Zwei-Jahres-Fantasie übrig bleibt.
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Es gibt eine Anleger-Falle, die ausgerechnet die Sparsamen trifft — die Schnäppchen-Falle. Sie funktioniert so: Du siehst eine einzige Zahl, die so absurd günstig aussieht, dass sie nicht stimmen kann. Ein Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis von 1,2 zum Beispiel. Übersetzt heißt das: Für den Preis von knapp anderthalb Jahren frei verfügbarem Geldstrom kaufst du das ganze Unternehmen. Der Kopf springt sofort auf „das muss ein Fehler sein — oder eine Gelegenheit“. Und genau in dem Moment hört er auf zu lesen. Alight, Inc. (NYSE: ALIT) aus Deerfield in Illinois steht mit dieser 1,2 auf Platz 21 unseres hauseigenen Rankings. Machen wir also einen Deal: Wir schauen uns nicht die Zahl an, sondern das, worauf sie steht — die Berichte an die US-Börsenaufsicht SEC. Ein Geschäftsbericht (10-K) und ein Quartalsbericht (10-Q) sind unter Strafandrohung ehrlich. Und diese hier erzählen von einem Firmenwert, der 2025 um 3.124 Millionen US-Dollar abgeschrieben wurde, von 1.822 Millionen Nettoschulden, von einem halbe-Milliarde-schweren Zahlungsversprechen an die früheren Eigentümer und von einer Aktienzusammenlegung, die den Konzern Ende Juni 2026 vor dem Rauswurf aus der New Yorker Börse bewahrt hat. Am Ende entscheidest du selbst.
Was Alight eigentlich macht — der unsichtbare Sachbearbeiter großer Konzerne
Alight ist ein Verwalter von Arbeitgeberleistungen. Das klingt sperrig, ist im Alltag aber leicht erklärt: Wenn ein Konzern mit 80.000 Beschäftigten in den USA seinen Leuten Krankenversicherung, Altersvorsorge und Elternzeit anbietet, muss irgendjemand jeden einzelnen Fall bearbeiten — die Anmeldung zur Krankenkasse, die Beitragsberechnung, die Frage am Telefon, ob der Zahnarzt bezahlt wird, die Freistellung nach einer Geburt. Genau diese Arbeit kauft der Konzern bei Alight ein. Die Beschäftigten sehen dabei eine App namens Alight Worklife; im Hintergrund arbeiten mehr als 9.500 Menschen (Stand 31. Dezember 2025, rund 80 Prozent davon in Nordamerika) und ein Rechenzentrum, das mit über 350 externen Plattformen und Partnern verbunden ist.
Das Geschäft hat eine angenehme Eigenschaft: Es ist wiederkehrend. Von 2.262 Millionen US-Dollar Umsatz im Jahr 2025 waren 2.108 Millionen wiederkehrend, nur 154 Millionen kamen aus Projekten. Und es ist klebrig: Die Vertragstreue lag 2025 bei 94 Prozent, 2024 bei 95 Prozent. Wer einmal die Personalleistungen von 80.000 Menschen auf einen Dienstleister umgestellt hat, wechselt nicht leichtfertig.
Die Börsengeschichte ist die eines Mantelkaufs. Alight kam nicht über einen klassischen Börsengang an den Markt, sondern verschmolz am 2. Juli 2021 mit einer Mantelgesellschaft namens Foley Trasimene Acquisition Corp. — einer Firma, die nur aus Geld und einem Börsenlisting bestand und auf der Suche nach einem Unternehmen zum Einsammeln war. Die EDGAR-Historie zeigt die Umbenennungen: Foley Trasimene Acquisition Corp. bis 6. Juli 2021, dann kurz Alight Group, Inc., seither Alight, Inc. Übrig geblieben ist aus dieser Zeit eine Konstruktion, die man kennen muss, bevor man über Bewertung redet. Damit sind wir beim Spannungsfeld dieser Analyse, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Das operative Geschäft wirft verlässlich Geld ab — aber zwischen diesem Geld und dem Aktionär stehen Schulden, eine Steuerzusage an die Altgesellschafter und eine Bilanz, die 2025 die Hälfte ihrer Substanz verloren hat.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam
Alight kam nicht über eine Nachricht auf unsere Liste, sondern über eine Sortierung. Der hauseigene Aktien-Scanner K-FCF-Ranking sammelt alle Aktien mit positivem freiem Mittelzufluss und einem Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis von höchstens 10 und sortiert sie aufsteigend — die rechnerisch günstigsten zuerst. Die Kennzahl selbst ist eine Division: Börsenwert geteilt durch den freien Mittelzufluss der letzten vier Quartale. Der freie Mittelzufluss ist das Geld, das nach allen Investitionen in der Kasse landet. Ein Wert von 10 heißt: Zehn Jahre dieses Geldstroms entsprechen dem heutigen Preis. Ein Wert von 1,2 heißt: knapp anderthalb Jahre.
Am 27. Juli 2026 haben wir nachgezählt, getrennt für beide Ausgaben. Die deutsche Liste wies 836 Treffer aus — sie umfasst alle Märkte. Die englische Fassung derselben Auswertung, die nur US-Titel führt, kam auf 545; beide waren an diesem Tag neu berechnet worden. Setzt man den Markt-Filter auf USA, zeigt die Seite 25 Zeilen — und Alight steht auf Platz 21, also innerhalb des sichtbaren Ausschnitts, mit einem Wert von 1,2. So kommst du selbst dorthin: Rubrik „Aktien“ öffnen, dort „Scanner“, das K-FCF-Ranking wählen, oben den Marktfilter auf USA stellen und die Zeile ALIT suchen. Die Listen werden täglich neu berechnet — die Platzierung ist eine datierte Momentaufnahme vom 27. Juli 2026, kein Dauerzustand. Rutscht Alight später aus den sichtbaren 25 heraus, findest du den Titel weiterhin über die Aktien-Suche und die Firmenseite; die Rangfolge dieses Rankings ist eine Sortierung des gesamten Bestands, nicht eine feste Liste.
Und jetzt die ehrliche Ansage, mit der diese Analyse steht und fällt. Wir halten die 1,2 für zu niedrig — nach unserer eigenen Rechnung. Der Scanner arbeitet mit einem Börsenwert von 0,3 Milliarden US-Dollar. Wir haben nachgerechnet: Das Deckblatt des Quartalsberichts zum 31. März 2026 nennt zum Stichtag 30. April 2026 insgesamt 526.847.029 Class-A-, 4.955.297 Class-B-1-, 4.955.297 Class-B-2- und 484.358 Class-V-Aktien, zusammen 537.241.981 Stück. Nach der Zusammenlegung im Verhältnis 1:20 vom 30. Juni 2026 sind das 26.862.099 Aktien. Multipliziert mit dem Schlusskurs vom 24. Juli 2026 von 18,87 US-Dollar ergibt das einen Börsenwert von 507 Millionen US-Dollar — und damit ein Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis von 2,0, nicht 1,2. Ab hier rechnen wir mit unserer eigenen Zahl und sagen jedes Mal dazu, woher sie kommt.
Damit du das nicht glauben musst, hier die Gegenprobe aus einer ganz anderen Quelle. Am 9. Juli 2026 — also nach der Zusammenlegung — meldete ein großer Vermögensverwalter der US-Börsenaufsicht eine Beteiligung von 1.366.285 Class-A-Aktien und bezifferte sie auf 5,2 Prozent dieser Gattung. Rechnet man das zurück, ergeben sich rund 26,3 Millionen Class-A-Aktien — genau die Größenordnung, die aus dem Deckblatt des Quartalsberichts folgt, wenn man durch zwanzig teilt. Zwei unabhängige Dokumente, dasselbe Ergebnis. Die 0,3 Milliarden aus dem Datenbestand passen dazu nicht.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Fangen wir mit dem an, was wirklich für Alight spricht, denn das geht in der Aufregung um die Abschreibungen unter. Das Geschäft wirft Bargeld ab, und zwar mehr als früher. Der operative Mittelzufluss aus den fortgeführten Geschäften stieg 2025 auf 360 Millionen US-Dollar, nach 193 Millionen 2024 und 247 Millionen 2023. Die Investitionen sanken gleichzeitig von 140 (2023) über 121 (2024) auf 110 Millionen. Nach der eigenen Definition des Konzerns bleibt daraus ein freier Mittelzufluss von 250 Millionen US-Dollar für 2025 — gegenüber 72 Millionen 2024 und 107 Millionen 2023. Das ist kein Buchungstrick, das ist echtes Geld auf dem Konto.
Auch die Kostenseite bewegt sich: Die Verwaltungs- und Vertriebskosten fielen 2025 um 150 Millionen oder 25,6 Prozent auf 435 Millionen US-Dollar. Ein im Mai 2025 beschlossenes Programm zur Straffung nach dem Geschäftsverkauf soll insgesamt rund 69 Millionen US-Dollar kosten (Stand Quartalsbericht zum 31. März 2026) und danach jährlich über 75 Millionen sparen.
Jetzt die andere Seite. Der Umsatz sinkt seit drei Jahren: 2.386 Millionen US-Dollar (2023), 2.332 (2024), 2.262 (2025) — und im ersten Quartal 2026 weiter auf 534 Millionen nach 548 Millionen im Vorjahresquartal, also 2,6 Prozent weniger. Beim Ergebnis stand 2025 ein Verlust aus fortgeführten Geschäften von 3.078 Millionen US-Dollar, praktisch vollständig verursacht durch die Firmenwert-Abschreibung von 3.124 Millionen. Ohne diesen Posten wäre das Betriebsergebnis 2025 mit rund 34 Millionen US-Dollar knapp positiv gewesen — das ist die faire Lesart, und sie ist trotzdem dünn für einen Konzern mit 2,3 Milliarden Umsatz.
Und hier ist die Rechnung, um die es eigentlich geht: Was der freie Mittelzufluss wirklich trägt. Denn die 250 Millionen sind ein Wert vor den Zahlungen an die Altgesellschafter aus der Steuervereinbarung. Diese Zahlungen stehen im Bericht unter Finanzierungstätigkeit, nicht im operativen Teil — buchhalterisch richtig, für den Anleger aber eine Ausgabe wie jede andere.
Merke dir diesen Anker: Der freie Mittelzufluss ist echt — aber er ist nicht frei. 2025 gingen 100 Millionen an die Altgesellschafter, 86 Millionen als Dividende an die Aktionäre und 65 Millionen in Aktienrückkäufe. Für die Tilgung der Bankschulden blieben 20 Millionen — bei 2.005 Millionen ausstehendem Darlehen.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Börsenwert ist nur ein Fünftel des Preises
Ein Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis vergleicht den Börsenwert mit dem Geldstrom. Es ignoriert die Schulden. Bei einem schuldenfreien Unternehmen ist das eine kleine Ungenauigkeit; bei Alight ist es der halbe Sachverhalt. Zum 31. März 2026 standen in der Bilanz 2.000 Millionen US-Dollar Finanzschulden (1.980 langfristig, 20 kurzfristig) gegen 178 Millionen Kasse. Macht 1.822 Millionen Nettoschulden. Dazu kommt die Steuervereinbarung mit den Altgesellschaftern über weitere 509 Millionen. Wer die ganze Firma kaufen wollte, müsste all das übernehmen.
Damit sieht die Bewertung so aus: Gegen den freien Mittelzufluss 2025 von 250 Millionen US-Dollar kostet der reine Börsenwert das 2,0-Fache, der Unternehmenswert ohne Steuervereinbarung das 9,3-Fache und der Unternehmenswert einschließlich Steuervereinbarung das 11,4-Fache. Rechnet man den freien Mittelzufluss nach den Zahlungen an die Altgesellschafter (150 Millionen 2025), steigt das letzte Verhältnis auf das 18,9-Fache. Aus dem Anderthalb-Jahres-Schnäppchen ist eine Bewertung geworden, die für einen schrumpfenden Dienstleister eher am oberen Rand liegt. Wer dieses Muster kennt, erkennt es wieder — es steckt in vielen Titeln dieses Rankings, etwa bei DXC Technology, wo die Leasingverbindlichkeiten dieselbe Rolle spielen.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: 85 Prozent aller Steuervorteile gehören jemand anderem
Bei der Verschmelzung mit der Mantelgesellschaft blieb ein Teil der alten Eigentümer als Gesellschafter der operativen Tochter Alight Holding Company, LLC zurück. Für die dadurch entstehenden Steuervorteile schloss Alight eine Vereinbarung, die im Bericht schlicht „Tax Receivable Agreement“ heißt. Ihr Kern: 85 Prozent aller Steuerersparnisse gehen an diese Altgesellschafter, nicht an die Aktionäre der börsennotierten Class-A-Aktie. Übersetzt in ein Alltagsbild: Du kaufst ein Haus mit einer eingetragenen Last, nach der 85 Prozent aller künftigen Steuervorteile aus dem Gebäude an den Vorbesitzer fließen — und zwar unabhängig davon, ob er noch etwas mit dem Haus zu tun hat.
Der Geschäftsbericht selbst formuliert die Gefahr ungewöhnlich deutlich:
„Accordingly, it is possible that the actual cash tax benefits realized by the Company may be significantly less than the corresponding Tax Receivable Agreement payments or that payments under the Tax Receivable Agreement may be made years in advance of the actual realization, if any, of the anticipated future tax benefits.“
Übersetzung: „Dementsprechend ist es möglich, dass die tatsächlich vom Unternehmen erzielten Steuervorteile in bar erheblich geringer ausfallen als die entsprechenden Zahlungen aus der Steuervereinbarung, oder dass Zahlungen aus der Steuervereinbarung Jahre vor der tatsächlichen Realisierung der erwarteten künftigen Steuervorteile geleistet werden — falls diese überhaupt eintreten.“
— Alight, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A Risikofaktoren
Wie groß das in der Praxis ist, zeigt das erste Quartal 2026: Alight zahlte 136 Millionen US-Dollar aus dieser Vereinbarung — in einem Quartal, in dem der freie Mittelzufluss 53 Millionen betrug. Die Restverpflichtung sank dadurch von 664 auf 509 Millionen. Und sie ist umstritten: Der Vertreter der Altgesellschafter hat förmlich Einwendung gegen die Berechnungsmethode erhoben; Alight beziffert das Risiko selbst auf bis zu 40 Millionen US-Dollar zusätzlich für 2026, zuzüglich Zinsen.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: 3.124 Millionen Firmenwert in vier Schritten abgeschrieben
Firmenwert ist der Betrag, den ein Käufer über den greifbaren Substanzwert hinaus für ein zugekauftes Geschäft bezahlt hat — die Hoffnung, in einer Zahl. Alight trug davon zum 31. Dezember 2024 noch 3.212 Millionen US-Dollar in der Bilanz. Ein Jahr später waren es 83 Millionen. Der Konzern schrieb 2025 in vier Etappen ab: 983 Millionen im zweiten Quartal, 1.293 Millionen plus 45 Millionen im dritten — und dann noch einmal 803 Millionen im vierten. Die Bilanzsumme fiel dadurch von 8.193 auf 4.568 Millionen, das den Aktionären zurechenbare Eigenkapital von 4.309 auf 1.044 Millionen, und der aufgelaufene Verlustvortrag stieg von 660 auf 3.757 Millionen US-Dollar.
Bemerkenswert ist die Reihenfolge der letzten Runde. Der reguläre Jahrestest zum 1. Oktober 2025 ergab noch keine Wertminderung — Zeitwert und Buchwert lagen gleichauf. Erst danach, im Schlussquartal, sah der Konzern in Kursverfall und gesenkten Erwartungen neue Anzeichen und buchte die 803 Millionen ab. Ein bestandener Test ist bei diesem Posten also keine Entwarnung für das Quartal danach.
Was übrig ist, steht komplett in einer Einheit — und mit knappem Puffer:
„At December 31, 2025, our Health Solutions reporting unit had no goodwill and our Wealth Solutions reporting unit had $83 million of goodwill.“
Übersetzung: „Zum 31. Dezember 2025 wies unsere Berichtseinheit Health Solutions keinen Firmenwert mehr aus, und unsere Berichtseinheit Wealth Solutions hatte 83 Millionen US-Dollar Firmenwert.“
— Alight, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Note 6
Wichtig für die Einordnung: Eine Firmenwert-Abschreibung kostet kein Bargeld. Sie ist das Eingeständnis, dass frühere Zukäufe zu teuer waren — und sie erklärt, warum der Insolvenz-Frühwarnwert nach Altman für Alight bei −2,82 steht (Datenstand 27. Juli 2026). Ein Wort zur Skala, sonst missversteht man die Zahl: Wir führen diesen Wert in der Bilanz-Variante („Z-Doppelstrich“), die ohne Börsenwert und ohne Umsatzgröße auskommt. Auf ihr gilt unter 1,1 als Krisenzone und ab 2,6 als sicherer Bereich — nicht die aus Lehrbüchern bekannten 1,8 und 3,0, die zur älteren Formel für Industriebetriebe gehören. Mit −2,82 liegt Alight also klar in der Krisenzone. Nach unten gezogen wird der Wert von zwei Größen aus der Bilanz zum 31. März 2026: dem aufgelaufenen Verlustvortrag von 3.776 Millionen US-Dollar bei einer Bilanzsumme von nur noch 4.339 Millionen und dem Betriebsergebnis, das die Abschreibung von 3.124 Millionen mitträgt. Wir haben die Gegenprobe gerechnet: Nimmt man allein diese zahlungsunwirksame Abschreibung aus dem Betriebsergebnis heraus und lässt alles andere stehen, steigt der Wert um gut 4,8 Punkte auf rund 2,0 — dann liegt er zwischen den beiden Grenzen, also nicht mehr in der Krisenzone, aber auch nicht im sicheren Bereich. Der Piotroski-Wert von 5 von 9 passt ins Bild: 5 ist Mittelmaß, eine kerngesunde Firma steht bei 8 oder 9. Positiv schlagen der operative Mittelzufluss und die Aktienrückkäufe zu Buche, negativ das Jahresergebnis, die gesunkene Bruttomarge (33,8 nach 34,0 Prozent) und die gestiegene Schuldenlast im Verhältnis zur geschrumpften Bilanz.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Ohne die Zusammenlegung wäre die Aktie aus der New Yorker Börse geflogen
Am 24. März 2026 bekam Alight Post von der New York Stock Exchange. Der Inhalt, wörtlich aus der Pflichtmitteilung an die SEC:
„On March 24, 2026, Alight, Inc. received a written notice from the New York Stock Exchange that it was not in compliance with the continued listing standard set forth in Section 802.01C of the NYSE’s Listed Company Manual, as the average closing price of the Company’s Class A common stock was less than $1.00 per share over a consecutive 30 trading-day period ending March 20, 2026.“
Übersetzung: „Am 24. März 2026 erhielt Alight, Inc. eine schriftliche Mitteilung der New York Stock Exchange, wonach das Unternehmen den fortdauernden Listing-Standard nach Abschnitt 802.01C des NYSE-Regelwerks nicht erfüllt, weil der durchschnittliche Schlusskurs der Class-A-Stammaktie über einen Zeitraum von 30 aufeinanderfolgenden Handelstagen bis zum 20. März 2026 unter 1,00 US-Dollar je Aktie lag.“
— Alight, Inc., SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 27.03.2026, Item 3.01
Die Frist zur Heilung beträgt sechs Monate, sie läuft damit bis Ende September 2026. Die Antwort war eine Aktienzusammenlegung im Verhältnis 1:20, beschlossen auf der Hauptversammlung am 10. Juni 2026 und wirksam am 30. Juni 2026 um 17:00 Uhr New Yorker Zeit. Aus zwanzig Aktien wurde eine; gleichzeitig sank das genehmigte Kapital der Class-A-Aktien von 1.000.000.000 auf 50.000.000 Stück, das der Class-V-Aktien von 175.000.000 auf 8.750.000. Wichtig für dein Depot: Eine Zusammenlegung ändert am Wert deines Anteils nichts — du hast ein Zwanzigstel der Stücke zum zwanzigfachen Kurs. Sie ändert nur die Optik. Und sie ist ein Signal, kein Ereignis.
Eine Genauigkeit, die zum Stand dieses Artikels gehört: Rechnerisch ist die Mindestkurs-Regel mit dem Kurs nach der Zusammenlegung erfüllt. Eine förmliche Bestätigung der New Yorker Börse, dass Alight die Vorgabe wieder einhält, ist in den Pflichtmitteilungen bis zum 27. Juli 2026 jedoch nicht dokumentiert — nach dem 8-K vom 1. Juli 2026 folgte dazu keine weitere Meldung. Wer die Sache verfolgen will, achtet auf ein 8-K zu Item 3.01 vor Ablauf der Frist.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Drei Finanzvorstände in sechs Monaten
Wer eine Firma sanieren will, braucht Ruhe an der Spitze. Bei Alight war es 2026 unruhig. Chef ist seit Januar 2026 Rohit Verma, zuvor Vorstandschef von Crawford & Company. Auf dem Posten des Finanzvorstands gab es im selben Halbjahr drei Wechsel: Der kommissarische Finanzvorstand Gregory Giometti kündigte seinen Abgang an, ab 8. Mai 2026 übernahm Chefbuchhalterin Susan Davies kommissarisch, und seit dem 15. Juni 2026 führt Stephen Lasher das Ressort. Nichts davon ist für sich genommen ein Skandal. In Summe beschreibt es aber eine Führungsetage im Umbau, während der Kurs unter einen US-Dollar fiel — und es ist der Grund, warum die nächsten Quartalszahlen mehr Gewicht haben als sonst: Sie sind die ersten, die diese Mannschaft vollständig verantwortet.
Bewertung — Größenordnung statt Tageskurs
Fassen wir die Größenordnungen zusammen, jeweils mit ihrem Stichtag. Der Börsenwert lag am 24. Juli 2026 bei rund 507 Millionen US-Dollar (26,86 Millionen Aktien mal 18,87 US-Dollar Schlusskurs). Das entspricht dem 0,22-Fachen des Jahresumsatzes von 2.262 Millionen und rund der Hälfte des bilanziellen Eigenkapitals von 1.027 Millionen zum 31. März 2026. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt es nicht — es gibt keinen Gewinn.
Zur Einordnung eine Gegenprobe aus den Filings selbst: Auf dem Deckblatt des Geschäftsberichts für 2025 beziffert Alight den Börsenwert der nicht von Insidern gehaltenen Aktien zum 30. Juni 2025 auf 2.703.242.376 US-Dollar. Von diesem Niveau ist der Titel bis zum 24. Juli 2026 auf rund ein Fünftel gefallen. Vom splitbereinigten Allzeithoch von 248,52 US-Dollar am 10. September 2021 sind es −92,4 Prozent; vom 52-Wochen-Hoch von 112,05 US-Dollar (25. Juli 2025) −83,2 Prozent. Beide Werte haben wir selbst aus der splitbereinigten Kursreihe gerechnet. In den Übersichtsdaten auf unserer eigenen Firmenseite stehen davon abweichende Abstände (−95,4 Prozent zum Allzeithoch, −90,8 Prozent zum 52-Wochen-Hoch); sie stammen aus einer Reihe, die die Zusammenlegung vom 30. Juni 2026 nicht durchgängig berücksichtigt. Im Artikel gilt durchgehend der selbst gerechnete Wert.
Der Blick der Profis: Der Konsens der Analysten steht auf einem Kursziel deutlich über dem aktuellen Niveau und einer bereinigten Ergebniserwartung im mittleren einstelligen Dollarbereich je Aktie nach der Zusammenlegung. Genau das ist die Wette — dass die bereinigte Ertragskraft trägt und die Bilanz Zeit bekommt. Wer sie eingeht, sollte wissen, dass sie an einer Schuldenfälligkeit im Jahr 2028 hängt: Bis dahin sind die 2.005 Millionen US-Dollar Darlehen zurückzuzahlen oder abzulösen. Bei 250 Millionen freiem Mittelzufluss im besten der letzten drei Jahre und 100 Millionen jährlicher Steuerzusage ist das keine Formsache. Wie schnell eine solche Rechnung kippen kann, hat der Fall TTEC Holdings gezeigt — ein anderer Dienstleister aus demselben Ranking, bei dem ebenfalls die Schulden und nicht der Cashflow die Geschichte schreiben.
Ein Hinweis zur Dividende, weil viele Datenquellen sie noch führen: Sie ist weg. Am 19. Februar 2026 teilte Alight mit, die Quartalsdividende von zuletzt 0,04 US-Dollar je Aktie (vor der Zusammenlegung) durch Schuldenabbau und Aktienrückkäufe zu ersetzen. Für 2025 waren dafür noch 86 Millionen US-Dollar abgeflossen.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Alight spricht:
- Verlässliche Einnahmen: 2.108 von 2.262 Millionen US-Dollar Umsatz 2025 waren wiederkehrend, die Vertragstreue lag bei 94 Prozent. Ein Wechsel des Dienstleisters ist für einen Großkonzern ein Jahresprojekt.
- Echter Geldstrom: 360 Millionen US-Dollar operativer Mittelzufluss 2025 bei 110 Millionen Investitionen — der beste Wert der letzten drei Jahre.
- Kostenprogramm mit Zahlen: rund 69 Millionen US-Dollar Aufwand für ein Straffungsprogramm, das jährlich über 75 Millionen sparen soll (Stand 31. März 2026).
- Aufgeräumte Fälligkeitsstruktur bis 2028: keine Anleihen, ein Darlehen, dazu eine bis 31. Mai 2030 laufende und zum 31. Dezember 2025 ungenutzte Kreditlinie über 330 Millionen US-Dollar.
- Rückkaufermächtigung: 216 Millionen US-Dollar waren zum 31. Dezember 2025 noch offen — bei einem Börsenwert von rund 507 Millionen ein spürbarer Hebel, wenn der Konzern ihn nutzt.
Was dagegen spricht:
- Umsatz seit drei Jahren rückläufig: 2.386 → 2.332 → 2.262 Millionen US-Dollar, im ersten Quartal 2026 weitere −2,6 Prozent.
- Schuldenlast: 2.000 Millionen US-Dollar zum 31. März 2026 gegen 178 Millionen Kasse, fällig 2028; der Kreditmarkt bewertete diese Schulden zum selben Stichtag nur noch mit 1.441 Millionen.
- Steuerzusage: 509 Millionen US-Dollar Restverpflichtung, davon bis zu 40 Millionen für 2026 strittig; 136 Millionen wurden allein im ersten Quartal 2026 gezahlt.
- Bilanz ohne Puffer: Firmenwert von 3.212 auf 83 Millionen abgeschrieben, Verlustvortrag 3.776 Millionen zum 31. März 2026, Altman-Z bei −2,82 — auf dieser Skala beginnt die Krisenzone unter 1,1.
- Listing-Frage nur technisch gelöst: Der Mindestkurs von einem US-Dollar wurde durch die Zusammenlegung erreicht, nicht durch eine Kurserholung aus dem Geschäft heraus.
- Führung im Umbau: neuer Vorstandschef seit Januar 2026, drei Finanzvorstände im ersten Halbjahr 2026.
Ein menschliches Fazit
Zurück zur Schnäppchen-Falle vom Anfang. Die 1,2 im Scanner war kein Fehler — sie war eine Teilwahrheit, und Teilwahrheiten sind gefährlicher als klare Fehler, weil sie sich überprüfbar anfühlen. Alight verdient Geld. 250 Millionen US-Dollar freier Mittelzufluss in einem Jahr sind für einen Konzern mit 507 Millionen Börsenwert eine beachtliche Leistung. Nur reicht dieses Geld eben nicht bei den Aktionären an, sondern zuerst bei den Altgesellschaftern, dann bei den Banken. Was am Ende der Kette ankommt, entscheidet sich in den Jahren bis 2028.
Vielleicht ist das der eigentliche Merksatz: Eine Kennzahl misst immer nur das, was in ihr steht — nie das, was daneben steht. Der Börsenwert steht im Zähler, die Schulden stehen nirgends. Wer das weiß, kann mit einer 1,2 anfangen zu arbeiten. Wer es nicht weiß, kauft sie. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
- Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (eingereicht am 5. Mai 2026) — Deckblatt mit der Aktienzahl, Bilanz, Kapitalflussrechnung, Note 15 (Steuervereinbarung), Note 16 (Zeitwerte), Note 17 (Restrukturierung)
- Geschäftsbericht 10-K für 2025 (eingereicht am 24. Februar 2026) — Item 1 Geschäft, Item 1A Risikofaktoren, Item 7 MD&A mit der Herleitung des freien Mittelzuflusses, Note 4 (Verkauf), Note 6 (Firmenwert), Note 15 (Steuervereinbarung)
- Pflichtmitteilung 8-K vom 27. März 2026 — Item 3.01, Mitteilung der New York Stock Exchange über den Mindestkurs
- Pflichtmitteilung 8-K vom 1. Juli 2026 — Item 5.03, Aktienzusammenlegung 1:20 und Herabsetzung des genehmigten Kapitals
- Pflichtmitteilung 8-K vom 19. Februar 2026 — Item 8.01, Ersetzen der Quartalsdividende durch Entschuldung und Aktienrückkäufe
- Pflichtmitteilung 8-K vom 4. Juni 2026 — Item 5.02, Bestellung des neuen Finanzvorstands
- Pflichtmitteilung 8-K vom 11. Juni 2026 — Item 5.07, Beschlüsse der Hauptversammlung vom 10. Juni 2026 einschließlich der Ermächtigung zur Aktienzusammenlegung
- Schwellenmeldung Schedule 13G vom 9. Juli 2026 — 1.366.285 Class-A-Aktien entsprechen 5,2 Prozent der Gattung; unabhängige Gegenprobe der Aktienzahl nach der Zusammenlegung
- SEC-Stammdatei zur Firmenkennung CIK 0001809104 (Firmierungshistorie Foley Trasimene Acquisition Corp. / Alight Group, Inc. / Alight, Inc., Handelsplatz NYSE; geprüft am 27. Juli 2026 auf Abmeldung, Delisting und Übernahmeangebote — kein Treffer)
- Screener- und Bewertungsdaten: hauseigener Aktien-Scanner und Fundamentaldaten — selbst gemessen am 27. Juli 2026: K-FCF-Ranking, US-Auswahl, Platz 21 bei einem Verhältnis von 1,2; 836 Treffer in der deutschen Liste (alle Märkte), 545 in der englischen (nur US-Titel), jeweils 25 angezeigte Zeilen
- Eigene Kursreihe (Schlusskurs 18,87 US-Dollar am 24. Juli 2026; splitbereinigtes Allzeithoch 248,52 US-Dollar am 10. September 2021; 52-Wochen-Hoch 112,05 US-Dollar am 25. Juli 2025)
Dieser Beitrag ist journalistische Einordnung und ausdrücklich keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Handel mit Wertpapieren. Aktien können jederzeit einen Totalverlust erleiden; das gilt besonders für Unternehmen mit hoher Verschuldung und negativem Ergebnis. Alle Angaben beruhen auf öffentlich zugänglichen Unterlagen, die zum genannten Stichtag abgerufen wurden, und können sich seither geändert haben. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Alight, Inc.
Unser Fazit auf einen Blick
- Kerngeschäft neutral
- Die Verwaltung von Arbeitgeberleistungen ist ein klebriges Geschäft: 2.108 von 2.262 Millionen US-Dollar Umsatz waren 2025 wiederkehrend, die Vertragstreue lag bei 94 Prozent (2024: 95). Der Umsatz sinkt aber das dritte Jahr in Folge — 2.386 (2023), 2.332 (2024), 2.262 (2025) — und im ersten Quartal 2026 um weitere 2,6 Prozent auf 534 Millionen.
- Mittelzufluss positiv
- Der operative Mittelzufluss aus fortgeführten Geschäften stieg 2025 auf 360 Millionen US-Dollar (2024: 193, 2023: 247), die Investitionen sanken auf 110 Millionen. Der freie Mittelzufluss von 250 Millionen ist der beste Wert der letzten drei Jahre und für einen Börsenwert von rund 507 Millionen (Stand 24.07.2026) beachtlich.
- Verschuldung negativ
- Zum 31. März 2026 stehen 2.000 Millionen US-Dollar Finanzschulden gegen 178 Millionen Kasse, fällig 2028. Der Kreditmarkt bewertete diese Schulden zum selben Stichtag nur noch mit 1.441 Millionen — drei Monate zuvor waren es 1.922 Millionen bei 2.005 Millionen Buchwert. Getilgt wurden 2025 lediglich 20 Millionen.
- Ansprüche der Altgesellschafter negativ
- 85 Prozent aller Steuervorteile aus der Struktur von 2021 gehen an die früheren Eigentümer. Restverpflichtung zum 31. März 2026: 509 Millionen US-Dollar, nach 664 Millionen zum Jahresende 2025. Allein im ersten Quartal 2026 flossen 136 Millionen ab — bei 53 Millionen freiem Mittelzufluss. Über bis zu 40 Millionen für 2026 wird gestritten.
- Bilanzsubstanz negativ
- Der Firmenwert fiel 2025 in vier Abschreibungsschritten von 3.212 auf 83 Millionen US-Dollar, die Bilanzsumme von 8.193 auf 4.568 Millionen, das den Aktionären zurechenbare Eigenkapital von 4.309 auf 1.044 Millionen. Der Verlustvortrag stand zum 31. März 2026 bei 3.776 Millionen. Altman-Z (Bilanz-Variante): −2,82 und damit klar in der Krisenzone, die auf dieser Skala unter 1,1 beginnt; selbst ohne die Abschreibung läge der Wert mit rund 2,0 nur in der Grauzone unterhalb des sicheren Bereichs von 2,6.
- Aufhänger und Datenlage neutral
- Platz 21 der US-Auswahl im hauseigenen K-FCF-Ranking mit einem Wert von 1,2 (selbst gemessen am 27.07.2026; 836 Treffer in der deutschen, 545 in der englischen Liste, je 25 angezeigt). Der zugrunde liegende Börsenwert von 0,3 Milliarden US-Dollar wird hier nicht verwendet: Aus der Aktienzahl des Quartalsberichts und dem Schlusskurs vom 24.07.2026 ergeben sich 507 Millionen und damit ein Verhältnis von 2,0; eine Schwellenmeldung vom 09.07.2026 bestätigt die Aktienzahl unabhängig. Auch die im Datenbestand geführte Dividendenrendite ist überholt — die Ausschüttung wurde am 19.02.2026 beendet.
Alight ist keine günstige Aktie, sondern eine Aktie mit einer günstig aussehenden Kennzahl. Das Geschäft mit der Verwaltung von Arbeitgeberleistungen liefert echtes Bargeld — 250 Millionen US-Dollar freien Mittelzufluss 2025 bei einem Börsenwert von rund 507 Millionen. Zwischen diesem Geld und dem Aktionär stehen jedoch 1.822 Millionen Nettoschulden mit Fälligkeit 2028, eine Steuerzusage über 509 Millionen an die Altgesellschafter, ein 2025 um 3.124 Millionen abgeschriebener Firmenwert und ein Umsatz, der das dritte Jahr in Folge sinkt. Auf Basis des Unternehmenswerts kostet Alight das 11,4-Fache des freien Mittelzuflusses, nicht das 1,2-Fache. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Substanzrisiko
Wir haben mindestens einen belegten Befund, der das Unternehmen selbst gefährdet — unabhängig davon, wie die Aktie gerade bewertet ist.
Die rote Stufe steht hier nicht für den gefallenen Kurs, sondern für belegte Substanzbefunde in den Berichten selbst: Der Firmenwert wurde 2025 in vier Schritten von 3.212 auf 83 Millionen US-Dollar abgeschrieben, das Eigenkapital fiel von 4.309 auf 1.044 Millionen, der Verlustvortrag stieg auf 3.776 Millionen zum 31. März 2026. Den Finanzschulden von 2.000 Millionen mit Fälligkeit 2028 stehen 178 Millionen Kasse gegenüber; der Kreditmarkt taxierte dieselben Schulden zum 31. März 2026 auf 1.441 Millionen, nach 1.922 Millionen ein Quartal zuvor. Dazu kommt eine Zahlungszusage über 509 Millionen an die Altgesellschafter, von der allein im ersten Quartal 2026 136 Millionen abflossen. Dass der Mindestkurs der New Yorker Börse nur über eine Zusammenlegung im Verhältnis 1:20 erreicht wurde, ist die Folge, nicht die Ursache. Das ist ein Bilanzbefund, kein Preisurteil. Die Entscheidung liegt bei Dir.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger und Fundstelle: Platz 21 der US-Auswahl im hauseigenen K-FCF-Ranking, je Ausgabe getrennt live gemessen am 27. Juli 2026 (836 Treffer in der deutschen Liste über alle Märkte, 545 in der englischen mit nur US-Titeln, je 25 angezeigte Zeilen). Die Scanner-Listen werden täglich neu berechnet; die Platzierung ist eine Momentaufnahme und kann aus den sichtbaren 25 Zeilen herausfallen.
- Warum wir den Börsenwert selbst gerechnet haben: Der im Datenbestand geführte Wert von 0,3 Milliarden US-Dollar weicht um mehr als ein Fünftel von der Rechnung „Aktienzahl mal Kurs“ ab. Grundlage unserer Zahl sind die 537.241.981 Aktien vom Deckblatt des Quartalsberichts (Stand 30.04.2026), umgerechnet auf 26.862.099 Stück nach der Zusammenlegung 1:20 vom 30.06.2026, und der Schlusskurs von 18,87 US-Dollar am 24.07.2026. Eine Schwellenmeldung vom 09.07.2026 bestätigt die Größenordnung unabhängig: 1.366.285 Class-A-Aktien werden dort als 5,2 Prozent der Gattung angegeben, was rund 26,3 Millionen Class-A-Aktien entspricht. Kennzahlen, die auf dem abweichenden Börsenwert beruhen, werden im Artikel nicht verwendet.
- Zur Dividendenrendite in Übersichtsdaten: Alight hat die Quartalsdividende am 19. Februar 2026 gestrichen und ersetzt sie durch Schuldenabbau und Aktienrückkäufe. Renditeangaben aus Datenbeständen, die noch die alte Ausschüttung führen, sind überholt.
- Zu den Kursabständen: Unser Datenbestand weist −95,4 Prozent zum Allzeithoch und −90,8 Prozent zum 52-Wochen-Hoch aus; beide Werte berücksichtigen die Zusammenlegung vom 30.06.2026 nicht durchgängig. Selbst nachgerechnet aus der splitbereinigten Kursreihe ergeben sich −92,4 Prozent (Höchststand 248,52 US-Dollar am 10.09.2021) und −83,2 Prozent (52-Wochen-Hoch 112,05 US-Dollar am 25.07.2025), jeweils gegen 18,87 US-Dollar am 24.07.2026. Im Artikel stehen die selbst gerechneten Werte.
- Verwechslungsgefahr: Alight, Inc. (ALIT, NYSE) ist nicht identisch mit gleichnamigen Hilfsorganisationen oder Beleuchtungsfirmen. Der SEC-Firmenname lautet „Alight, Inc.“; in der EDGAR-Historie stehen die früheren Firmierungen Foley Trasimene Acquisition Corp. (bis 06.07.2021) und Alight Group, Inc.
- Alle Zahlen aus den Berichten tragen den Stichtag ihres Berichts, nicht den Datenstand des Abrufs. Zeitreihen zum freien Mittelzufluss beziehen sich durchgehend auf die fortgeführten Geschäfte; das 2024 verkaufte Lohn- und Beratungsgeschäft ist in allen Jahren als aufgegebener Geschäftsbereich ausgewiesen.
- Stand der Pflichtprüfung am 27. Juli 2026: Der jüngste Periodenbericht ist der Quartalsbericht zum 31.03.2026 (eingereicht 05.05.2026); ein neuerer lag zum Redaktionsschluss nicht vor. Die Einreichungsliste der US-Börsenaufsicht enthält keine Abmeldung (Form 15), keine Streichung von der Börse (Form 25), kein Übernahmeangebot und kein Verfahren zum Rückzug von der Börse. Nach dem Quartalsbericht wurden vier Pflichtmitteilungen eingereicht (04.06., 11.06., 18.06. und 01.07.2026); sie sind ausgewertet.
Häufige Fragen
Weil die Kennzahl nur den Börsenwert durch den freien Mittelzufluss teilt. Bei einem gemessenen Börsenwert von 0,3 Milliarden US-Dollar und rund 259 Millionen freiem Mittelzufluss über vier Quartale ergibt das 1,2 — Platz 21 der US-Auswahl am 27. Juli 2026. Schulden kommen in dieser Rechnung nicht vor. Mit der vollen Aktienzahl aus dem Quartalsbericht und dem Schlusskurs vom 24. Juli 2026 liegt der Börsenwert bei 507 Millionen und das Verhältnis bei 2,0.
Bei der Börseneinführung 2021 blieb ein Teil der früheren Eigentümer an der operativen Tochter Alight Holding Company, LLC beteiligt. Für die daraus entstehenden Steuervorteile sagte Alight zu, 85 Prozent davon an diese Altgesellschafter auszuzahlen. Zum 31. März 2026 stand die Restverpflichtung bei 509 Millionen US-Dollar; allein im ersten Quartal 2026 flossen 136 Millionen ab. Die Zahlungen laufen unter Finanzierungstätigkeit und mindern den ausgewiesenen freien Mittelzufluss deshalb nicht.
Rechnerisch nichts: Aus zwanzig Aktien wurde am 30. Juni 2026 eine Aktie zum zwanzigfachen Kurs, der Wert deines Anteils bleibt gleich. Bruchstücke wurden bar abgegolten. Wirtschaftlich ist es ein Signal: Anlass war die Mitteilung der New York Stock Exchange vom 24. März 2026, dass der Durchschnittskurs über 30 Handelstage unter einem US-Dollar lag. Die Zusammenlegung heilt die Mindestkurs-Regel, nicht die Ursache.
Weil frühere Zukäufe nicht mehr so viel wert waren wie gebucht. Der Konzern nennt im Geschäftsbericht den anhaltenden Kursrückgang und geringere Erwartungen an das künftige Geschäft — schwächere Neuabschlüsse und höhere Verluste bei Vertragsverlängerungen. Abgeschrieben wurde in vier Schritten: 983, 1.293, 45 und 803 Millionen US-Dollar, zusammen 3.124 Millionen. Bargeld hat das nicht gekostet, Eigenkapital sehr wohl: Das den Aktionären zurechenbare Eigenkapital fiel von 4.309 auf 1.044 Millionen.
Nach der Definition des Konzerns 250 Millionen US-Dollar für 2025 — 360 Millionen operativ minus 110 Millionen Investitionen. Zieht man die Zahlungen an die Altgesellschafter ab, die im Bericht unter Finanzierungstätigkeit stehen, bleiben 150 Millionen. Im Jahr 2024 waren es 72 beziehungsweise 10 Millionen, 2023 107 beziehungsweise 100 Millionen. Im ersten Quartal 2026 standen 53 Millionen freiem Mittelzufluss 136 Millionen an Zahlungen gegenüber.
Das ist das Erbe des Mantelkaufs von 2021. Gehandelt wird nur die Class-A-Aktie an der NYSE. Class-B-1 und Class-B-2 sind stimmrechtslose Aktien aus einer Erfolgsvereinbarung mit den Verkäufern, die sich bei Erreichen bestimmter Marken in Class-A-Aktien wandeln. Class-V-Aktien haben Stimmrecht, aber keinen wirtschaftlichen Anteil; sie spiegeln Anteile an der operativen Tochter. Class-Z-Aktien sind genehmigt, aber nicht ausgegeben. Zum 30. April 2026 waren es zusammen 537.241.981 Stück vor der Zusammenlegung.
Der Wert ist ein Frühwarnsystem für Zahlungsschwierigkeiten. Wir führen ihn in der Bilanz-Variante, auf deren Skala unter 1,1 die Krisenzone und ab 2,6 der sichere Bereich beginnt — nicht die aus Lehrbüchern bekannten 1,8 und 3,0. Mit minus 2,82 liegt Alight klar in der Krisenzone. Nach unten ziehen der Verlustvortrag von 3.776 Millionen US-Dollar bei 4.339 Millionen Bilanzsumme und das von der Abschreibung belastete Betriebsergebnis. Ohne diese Abschreibung läge der Wert bei rund 2,0, also in der Grauzone dazwischen.
Der Bericht zum zweiten Quartal 2026 steht an; unser Datenbestand führt den 4. August 2026 als erwarteten Termin. Wichtig sind dann drei Zeilen: der Zeitwert der Finanzschulden (zuletzt 1.441 gegen 2.000 Millionen US-Dollar Buchwert), der Stand der Steuervereinbarung samt der strittigen 40 Millionen und die Umsatzentwicklung nach dem Minus von 2,6 Prozent im ersten Quartal. Der nächste Firmenwert-Test folgt zum 1. Oktober.
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