Teekay-Aktie: Der Konzern fährt 34 Tanker — den Aktionären gehören 30,7 Prozent davon
Die Gewinn- und Verlustrechnung von Teekay liest sich wie die einer großen Reederei: 949,5 Millionen US-Dollar Umsatz und 352,0 Millionen Nettogewinn im Jahr 2025. Eine Zeile weiter unten steht, wohin dieser Gewinn geht — 253,9 Millionen an die Minderheitsaktionäre der börsennotierten Tochter Teekay Tankers, 98,1 Millionen an die eigenen Aktionäre. Denn Teekay besitzt selbst kein einziges Schiff mehr. Die Muttergesellschaft hält 10,6 Millionen Aktien der Tochter (Marktwert 690,5 Millionen US-Dollar zum 30. Juni 2026) und 56,4 Millionen Kasse — mehr nicht. Weil ihre Class-B-Aktien fünf Stimmen tragen, kontrolliert sie mit 30,7 Prozent des Kapitals 54,8 Prozent der Stimmen und muss deshalb die ganze Tochter in ihre Bilanz nehmen. Keine Anlageberatung — nur die Frage, wer am Ende auf welcher Zeile der Bilanz steht.
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Es gibt eine Anleger-Falle, die genau dann zuschlägt, wenn du dir Mühe gibst: die Etiketten-Falle. Du öffnest den Geschäftsbericht, findest die größte Zahl auf der Seite — Umsatz, Bilanzsumme, Kasse — und der Kopf macht daraus stillschweigend ein Besitzverhältnis. „949,5 Millionen Umsatz“ wird zu „meiner Firma gehören 949,5 Millionen Umsatz“. Bei Teekay Corporation Ltd. (NYSE: TK) ist genau das der teuerste Denkfehler, den man machen kann. Denn die Muttergesellschaft besitzt kein einziges Schiff. Sie besitzt Aktien einer anderen börsennotierten Firma — und weil sie deren Stimmen kontrolliert, muss sie die ganze Tochter in ihre eigene Bilanz aufnehmen, als gehöre sie ihr komplett. Machen wir also einen Deal: Bevor du das Etikett „Reederei mit einer Milliarde Umsatz“ kaufst, lesen wir gemeinsam, was Teekay der US-Börsenaufsicht SEC selbst gemeldet hat — den Jahresbericht (20-F) für 2025 und die Zwischenmitteilungen (6-K) bis zum 29. Juli 2026. Diese Dokumente sind unter Strafandrohung ehrlich. Und sie erzählen von einem schuldenfreien Konzern in einem heiß laufenden Tankermarkt — und davon, dass die Zeile, auf die es für dich ankommt, ganz unten steht und deutlich kleiner ist. Am Ende entscheidest Du selbst.
Was Teekay eigentlich ist — eine Holding mit zwei Vermögensposten
Teekay Corporation Ltd. ist eine Holding. Ein Alltagsbild dafür: Stell dir jemanden vor, der früher eine Spedition mit eigenen Lastwagen betrieb, alle Lastwagen aber in eine zweite, eigenständige Firma ausgegliedert und deren Aktien an die Börse gebracht hat. Er hält heute nur noch ein Aktienpaket dieser zweiten Firma — plus ein Bankkonto. Genau so steht Teekay da. Der Jahresbericht 20-F für 2025 formuliert es unmissverständlich:
„Following the maturity of Teekay's convertible senior notes in January 2023 (or the Convertible Notes), Teekay Parent repaid all of its debt and is now debt free. As at December 31, 2025 Teekay Parent has a cash and short-term investments position of approximately $120 million. Teekay Parent no longer has direct interests in any vessels or related equipment of any related management companies, and no longer employs seagoing staff or shore-based personnel.“
Übersetzung: „Nach dem Auslaufen von Teekays wandelbaren vorrangigen Anleihen im Januar 2023 hat Teekay Parent seine gesamten Schulden zurückgezahlt und ist nun schuldenfrei. Zum 31. Dezember 2025 verfügt Teekay Parent über eine Position aus Kasse und kurzfristigen Anlagen von rund 120 Millionen US-Dollar. Teekay Parent hält keine direkten Beteiligungen an Schiffen oder zugehöriger Ausrüstung von verbundenen Managementgesellschaften mehr und beschäftigt weder seefahrendes noch landseitiges Personal.“
— Teekay Corporation Ltd., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 4 A
Die operative Firma heißt Teekay Tankers Ltd. (NYSE: TNK) und ist eine eigene, an derselben Börse notierte Aktiengesellschaft. Sie fuhr laut Mitteilung vom 29. Juli 2026 eine Flotte aus 34 Doppelhüllen-Tankern — 14 Suezmax, 18 Aframax/LR2 sowie zwei bestellte Suezmax-Neubauten — dazu drei zeitgecharterte Schiffe. Sie betreibt außerdem ein Umschlaggeschäft von Schiff zu Schiff im Golf von Mexiko und in der Karibik und managt Schiffe für die australische Regierung und australische Energiekonzerne. Zum Größenvergleich: Ein Suezmax-Tanker fasst rund eine Million Barrel Rohöl, ein Aframax etwa 750.000. Das ist echtes, physisches Geschäft — es findet nur eben eine Etage tiefer statt.
Und damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, das sich durch jedes Kapitel zieht: Teekay konsolidiert 100 Prozent einer Tochter, an der die eigenen Aktionäre nur 30,7 Prozent halten. Die großen Zahlen im Bericht sind echt — sie gehören nur zu mehr als zwei Dritteln jemand anderem.
Warum die Firma seit Oktober 2024 anders heißt
Wer ältere Unterlagen sucht, findet „Teekay Corporation“ oder noch früher „Teekay Shipping Corporation“. Seit dem 1. Oktober 2024 heißt die Gesellschaft Teekay Corporation Ltd. — und das ist kein Marketing, sondern ein Umzug. Teekay war eine Gesellschaft nach dem Recht der Marshallinseln und ist zusammen mit Teekay Tankers nach Bermuda gewechselt. Der Grund steht im Prospekt zur Abstimmung (Form 424B3 vom 20. August 2024): Bermuda hat als Antwort auf die globale Mindeststeuer der OECD (Säule Zwei) im Dezember 2023 eine eigene Körperschaftsteuer eingeführt, die ab 2025 gilt. Nach deren Definition wäre Teekay ohnehin in Bermuda steuerlich ansässig gewesen — die Firmenleitung sitzt dort. Ohne Umzug hätte der Konzern gleichzeitig die Substanzanforderungen der Marshallinseln und Bermudas erfüllen müssen. Der Jahresbericht fasst die Folge nüchtern zusammen:
„As a result of the redomiciliation of Teekay and Teekay Tankers to Bermuda on October 1, 2024, the provisions of the Bermuda CIT Act apply to tax years starting on January 1, 2025 to our Bermuda Constituent Entity Group (which includes Teekay Tankers and its Bermuda constituent entities), which may result in corporate income tax being payable, depending on the nature of our income, profits or gains.“
Übersetzung: „Infolge der Sitzverlegung von Teekay und Teekay Tankers nach Bermuda am 1. Oktober 2024 gelten die Bestimmungen des bermudischen Körperschaftsteuergesetzes ab den Steuerjahren, die am 1. Januar 2025 beginnen, für unsere bermudische Unternehmensgruppe (zu der Teekay Tankers und deren bermudische Konzerneinheiten gehören); je nach Art unserer Einkünfte, Gewinne oder Veräußerungsgewinne kann daraus eine Körperschaftsteuerpflicht entstehen.“
— Teekay Corporation Ltd., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 10 E „Bermuda Taxation“
Rechtlich ist dabei keine neue Firma entstanden: Der Prospekt stellt klar, dass die Sitzverlegung „keine neue juristische Person schafft“ und die Identität der Gesellschaft unberührt lässt. Einkünfte aus internationaler Schifffahrt sind von der neuen bermudischen Steuer grundsätzlich ausgenommen, sofern die Anforderungen an die Geschäftsleitung vor Ort erfüllt sind. Parallel dazu sind die schiffsbesitzenden Töchter von Teekay Tankers im November 2024 in die britische Tonnagesteuer gewechselt, zunächst für acht Jahre: Besteuert wird dann nicht der Gewinn, sondern ein pauschaler Tagessatz je Nettoregistertonne. Das Ergebnis siehst du in der Steuerzeile — 2025 wies der Konzern eine Steuererstattung von 4,6 Millionen US-Dollar aus.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Über die Tochter. Am 27. Juli 2026 haben wir Teekay Tankers analysiert — die schuldenfreie, hochprofitable Flottengesellschaft, deren Gewinn an den Rohölströmen durch die Straße von Hormus hängt. Dabei blieb eine Frage offen, die in der Tochteranalyse nur am Rand vorkam: Wem gehört eigentlich die Mehrheit dieser Flotte? Die Antwort steht im Jahresbericht der Mutter — und sie ist interessanter als erwartet, weil sie zwei ganz verschiedene Zahlen liefert. Es gibt kein Momentum-Signal und keinen Bewertungsfilter, der uns hierher geführt hätte; der Weg war die Ablage bei der US-Börsenaufsicht. Für Teekay gilt eine Besonderheit: Als ausländischer Emittent („Foreign Private Issuer“) reicht die Gesellschaft keinen Quartalsbericht (10-Q) ein, sondern einen Jahresbericht auf Form 20-F und unterjährige Mitteilungen auf Form 6-K. Wer bei Teekay nach einem 10-Q sucht, findet keins — und übersieht dabei genau die Dokumente, in denen die aktuellen Zahlen stehen.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Erst das, was wirklich beeindruckt, und davon gibt es reichlich. Teekay hat keine Finanzschulden. Zum 31. Dezember 2025 standen einer Bilanzsumme von 2.360,1 Millionen US-Dollar nur 197,5 Millionen Verbindlichkeiten gegenüber — und darin steckt kein einziger Bankkredit, sondern Lieferantenrechnungen, Rückstellungen und Leasingverpflichtungen. Die Eigenkapitalquote liegt bei 91,6 Prozent. Noch 2023 hatte der Konzern 139,6 Millionen Finanzschulden; sie sind vollständig getilgt. Dem gegenüber stehen 972,7 Millionen US-Dollar Kasse und kurzfristige Anlagen (2024: 695,3 Millionen, 2023: 652,7 Millionen). Ein Zinsertrag von 36,2 Millionen US-Dollar stand 2025 einem Zinsaufwand von nur 2,9 Millionen gegenüber. Für ein Schifffahrtsunternehmen, eine Branche, in der Schulden traditionell das Hauptrisiko sind, ist das eine seltene Ausgangslage.
Auch operativ ist die Firma keine Baustelle. 2025 erwirtschaftete der Konzern 949,5 Millionen US-Dollar Umsatz und 302,8 Millionen Betriebsergebnis. Der Umsatz ist allerdings rückläufig: 1.465,0 Millionen (2023), 1.220,4 Millionen (2024), 949,5 Millionen (2025) — ein Minus von 35,2 Prozent in zwei Jahren. Zwei Gründe stehen im Bericht: schwächere durchschnittliche Spotraten und eine kleinere Flotte, weil zwischen Anfang 2024 und Ende 2025 neun Suezmax- und fünf Aframax/LR2-Tanker verkauft und fünf gecharterte Schiffe zurückgegeben wurden. Die durchschnittliche Zahl der Suezmax-Tanker sank von 26,0 (2023) auf 21,1 (2025), die der Aframax/LR2 von 25,6 auf 18,5.
Und jetzt die Zeile, um die es eigentlich geht. Der Konzern verdiente 2025 netto 352,0 Millionen US-Dollar. Davon kam bei den Teekay-Aktionären an: 98,1 Millionen. Die übrigen 253,9 Millionen wurden als Anteil der Minderheitsaktionäre von Teekay Tankers ausgewiesen — 2024 waren es 267,8 von 401,6 Millionen und 2023 sogar 366,8 von 517,4 Millionen, denen 133,8 beziehungsweise 150,6 Millionen für die Teekay-Aktionäre gegenüberstanden.
Der laufende Tankermarkt ist dagegen glänzend, und das zeigt sich Quartal für Quartal. Im zweiten Quartal 2026 meldete Teekay 379,1 Millionen US-Dollar Umsatz und einen Ergebnisanteil von 69,5 Millionen (0,79 US-Dollar je Aktie) — im Vorjahresquartal waren es 232,2 und 18,7 Millionen. In den ersten sechs Monaten 2026 kamen damit 117,2 Millionen US-Dollar für die Teekay-Aktionäre zusammen, mehr als im gesamten Jahr 2025 (98,1 Millionen). Die Reihe der letzten fünf Quartale zeigt das Tempo: 232,2 · 228,5 · 257,7 · 285,8 · 379,1 Millionen US-Dollar Umsatz, und dazu 18,7 · 29,6 · 35,0 · 47,7 · 69,5 Millionen Ergebnisanteil.
Der Grund ist der Frachtmarkt selbst. Die Mitteilung vom 29. Juli 2026 nennt Rekordwerte:
„Teekay Tankers reported the highest quarterly adjusted net income in its history in the second quarter of 2026, and record spot rates with Suezmax and Aframax/LR2 averaging $109,200 per day and $74,100 per day, respectively.“
Übersetzung: „Teekay Tankers meldete im zweiten Quartal 2026 das höchste bereinigte Quartalsergebnis seiner Geschichte sowie Rekord-Spotraten, wobei Suezmax-Tanker im Durchschnitt 109.200 US-Dollar und Aframax/LR2-Tanker 74.100 US-Dollar je Tag erzielten.“
— Teekay Corporation Ltd., SEC-Zwischenmitteilung 6-K vom 29. Juli 2026
Zur Einordnung: Eine Spotrate ist der Preis für eine einzelne Fahrt, ausgehandelt zu Tagespreisen — das Gegenstück zum langfristigen Mietvertrag. Sie schwankt heftig. Die Mitteilung nennt für das dritte Quartal 2026 bis dahin bereits 104.800 US-Dollar (Suezmax) und 59.900 US-Dollar (Aframax/LR2) bei rund 44 Prozent gebuchter Spot-Tage — bei den Aframax also spürbar unter dem Rekordquartal. Merke dir das Bild: Bei Teekay misst man die Ertragskraft nicht in Jahren, sondern in Tagesraten — und die kennen keine Treue.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Von jedem Gewinn-Dollar bleiben rund 28 Cent
Das ist der Kern der ganzen Geschichte, und er steht in einer einzigen Zeile der Gewinn- und Verlustrechnung. 2025 verdiente der Konzern 352,0 Millionen US-Dollar. Direkt darunter folgt „Net income attributable to non-controlling interests“ mit −253,9 Millionen — das ist der Anteil, der den Minderheitsaktionären von Teekay Tankers zusteht. Übrig bleiben 98,1 Millionen für die Teekay-Aktionäre. Das sind 27,9 Prozent. In den Vorjahren war es ähnlich: 133,8 von 401,6 Millionen (2024, also 33,3 Prozent) und 150,6 von 517,4 Millionen (2023, also 29,1 Prozent).
Warum dann überhaupt die Vollkonsolidierung? Weil die Rechnungslegung nicht nach Eigentum fragt, sondern nach Kontrolle. Und die Kontrolle liegt bei Teekay — über eine zweite Aktiengattung:
„Teekay's significant non-wholly-owned subsidiary Teekay Tankers is publicly traded and consolidated in these financial statements. As of December 31, 2025, Teekay owned 30.8% of the share capital of Teekay Tankers (2024 – 31.0%), including Teekay Tankers' outstanding Class B common shares, which entitle the holders to five votes per share, subject to a 49% aggregate Class B Common share voting power maximum. Teekay maintains majority voting control of Teekay Tankers through its ownership of Class A common shares and Class B common shares.“
Übersetzung: „Teekays wesentliche, nicht vollständig im Eigentum stehende Tochtergesellschaft Teekay Tankers ist börsennotiert und wird in diesen Abschluss einbezogen. Zum 31. Dezember 2025 hielt Teekay 30,8 Prozent des Grundkapitals von Teekay Tankers (2024: 31,0 Prozent), einschließlich der ausstehenden Class-B-Stammaktien von Teekay Tankers, die ihren Inhabern fünf Stimmen je Aktie gewähren, begrenzt auf eine Gesamtstimmkraft der Class-B-Aktien von höchstens 49 Prozent. Teekay behält die Stimmenmehrheit an Teekay Tankers über seinen Besitz an Class-A- und Class-B-Stammaktien.“
— Teekay Corporation Ltd., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Note 1 „Summary of Significant Accounting Policies“
Die Mechanik im Detail: Teekay Tankers hat zwei Aktiengattungen. Die Class-A-Aktien tragen eine Stimme, die Class-B-Aktien bis zu fünf — allerdings gedeckelt auf zusammen 49 Prozent der Stimmen. Teekay hält 100 Prozent dieser Class-B-Aktien. Zusammen mit den gehaltenen Class-A-Aktien ergibt das zum 1. März 2026 eine Stimmkraft von 54,8 Prozent bei einem wirtschaftlichen Anteil von 30,7 Prozent.
Das ist kein Trick und kein Skandal — es ist die korrekte Anwendung der Regeln. Aber es hat eine Konsequenz, die man kennen muss: Jede Kennzahl, die auf einer Konzernzahl beruht, ist bei Teekay verzerrt, solange man sie nicht mit dem Börsenwert der Mutter zusammenbringt. Dazu gleich mehr im Bewertungskapitel.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Ein Drittel des Betriebsergebnisses 2025 kam aus dem Verkauf von Schiffen
In den 302,8 Millionen US-Dollar Betriebsergebnis des Jahres 2025 steckt eine Position namens „Gain on sale and write-down of assets“ mit 101,7 Millionen US-Dollar. Das sind Gewinne aus dem Verkauf von Tankern — also aus dem Verkauf des Anlagevermögens, nicht aus dem Transport von Rohöl. Ohne diese Position bliebe ein Betriebsergebnis von 201,1 Millionen. Zum Vergleich: 2024 lag derselbe Posten bei 38,1 Millionen (Betriebsergebnis ohne ihn: 327,2 Millionen), 2023 bei 10,4 Millionen (521,4 Millionen). Der Anteil der Verkaufsgewinne ist also von 2 Prozent über 10 Prozent auf 34 Prozent gestiegen, während das operative Ergebnis darunter gefallen ist.
Fairerweise gehört dazu: Bei einer Reederei ist der Verkauf alter Schiffe Teil des normalen Geschäfts, und Teekay Tankers betreibt eine erklärte Flottenerneuerung — alte Einheiten raus, jüngere rein. 2026 lief das so: drei Aframax-Tanker Baujahr 2016 für 141,5 Millionen US-Dollar gekauft, zwei Suezmax der Baujahre 2007 und 2009 für 73 Millionen verkauft (Gewinn 22,7 Millionen), im April zwei koreanische Suezmax-Neubauten für 190 Millionen bestellt (Lieferung 2027), im Mai ein Suezmax von 2009 für 53,5 Millionen verkauft, im dritten Quartal ein VLCC von 2013 mit erwartetem Gewinn von 22,9 Millionen. Wer dieses Muster kennt, weiß es zu deuten: Verkaufsgewinne sind hier kein Betrug an der Zahl, aber sie sind auch kein wiederholbarer Ertrag. Sie sind Ernte, nicht Ertrag — und sie fallen dann besonders hoch aus, wenn Gebrauchtschiffe teuer sind, also im Boom. Dasselbe Muster haben wir bei Scorpio Tankers gesehen, wo Schiffsverkäufe und Rückkäufe eigener Aktien ebenfalls einen erheblichen Teil der Story tragen.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die große Kasse gehört fast ganz der Tochter
972,7 Millionen US-Dollar Kasse und kurzfristige Anlagen weist der Konzernabschluss zum 31. Dezember 2025 aus. Davon lagen bei der Muttergesellschaft 120,2 Millionen — also 12,4 Prozent. Der Rest gehört bilanziell Teekay Tankers, und an dieser Tochter halten die Teekay-Aktionäre eben nur 30,7 Prozent. Dasselbe gilt für das Eigenkapital: Von 2.162,6 Millionen entfielen 1.438,1 Millionen auf die Minderheitsaktionäre; den Teekay-Aktionären waren 724,5 Millionen zuzurechnen — 8,42 US-Dollar je Aktie.
Bis Mitte 2026 hat sich die Lage der Mutter weiter verändert. Zum 30. Juni 2026 hielt Teekay Parent nur noch 56,4 Millionen US-Dollar Kasse und kurzfristige Anlagen, nach 127,4 Millionen zum 31. März. Der Grund steht in der Fußnote der Mitteilung: eine Sonderdividende von 1,00 US-Dollar je Aktie, ausgezahlt im Juni 2026, kostete 87,4 Millionen US-Dollar; gegengerechnet wurden 13,3 Millionen Dividenden von Teekay Tankers, Zuflüsse aus Optionsausübungen und Veränderungen im Umlaufvermögen. Wer den Bogen weiter zurückspannt: 183,4 Millionen (31.12.2024), 120,2 Millionen (31.12.2025), 56,4 Millionen (30.06.2026). Das sind 69 Prozent weniger in achtzehn Monaten. Die Mutter hat keine eigenen Einnahmen außer Dividenden und Zinsen — bei der regulären Quartalsdividende der Tochter von 0,25 US-Dollar je Aktie sind das auf 10,6 Millionen gehaltene Aktien rund 2,7 Millionen je Quartal.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Das zweite Standbein trägt fast nichts
Teekay berichtet in zwei Segmenten: „Tankers“ und „Marine Services and Other“. Das zweite klingt nach Diversifikation — Wartungs- und Betriebsdienste für die australische Regierung und australische Energiekonzerne, dazu Managementgebühren. 2025 setzte dieses Segment 125,5 Millionen US-Dollar um, also 13 Prozent des Konzernumsatzes. Verdient hat es dabei 3,5 Millionen US-Dollar Betriebsergebnis — 1,2 Prozent des Konzern-Betriebsergebnisses. Und selbst darin stecken 2,1 Millionen Verkaufsgewinne, nämlich Managementgebühren, die Teekay Corporation Ltd. für den Verkauf von Schiffen der Tochter berechnet hat. Das Servicegeschäft ist ein Dienstleistungsbetrieb mit sehr dünner Marge, kein zweites Ertragsbein. Wer bei Teekay von Diversifikation liest, sollte diese Zahl daneben legen.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Der Rückkauf pausiert, die Aktienzahl steigt
Am 30. Oktober 2024 genehmigte der Verwaltungsrat ein Rückkaufprogramm über 40 Millionen US-Dollar. Genutzt wurde es im ersten Quartal 2025 — und danach nicht mehr: 734.639 Aktien für 4,9 Millionen US-Dollar zu durchschnittlich 6,71 US-Dollar, verteilt auf Januar, Februar und März. Von April bis Dezember 2025 stand das Programm still, zum 31. Dezember 2025 waren noch 28,1 Millionen US-Dollar offen. Bis zur Mitteilung vom 29. Juli 2026 ist kein weiterer Rückkauf gemeldet.
In die andere Richtung lief es dagegen zügig. Verwässerung heißt: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, weil neue Stücke ausgegeben werden. 2025 wurden 2,305 Millionen Optionen zu durchschnittlich 4,98 US-Dollar ausgeübt. Die Zahl der ausstehenden Aktien stieg von 84.059.952 (31.12.2024) über 86.056.804 (31.12.2025) auf 87.691.370 (30.06.2026) — plus 4,3 Prozent in achtzehn Monaten. Zum 31. Dezember 2025 standen noch 1,916 Millionen Optionen zu durchschnittlich 7,87 US-Dollar aus; 7.593.824 Aktien sind für die Vergütungspläne reserviert, das genehmigte Kapital beträgt 725 Millionen Aktien. Merke dir das Bild: Ein Rückkaufprogramm, das ruht, während Optionen ausgeübt werden, ist kein Rückkaufprogramm — es ist eine Bremse, die nicht getreten wird.
Und die künstliche Intelligenz? Ein neuer Absatz, mehr nicht
Im Jahresbericht für 2024 kam künstliche Intelligenz nur als Randbemerkung im Datenschutzkapitel vor. Im Bericht für 2025 gibt es erstmals einen eigenen Risikohinweis dazu:
„We are investigating the use of artificial intelligence to improve productivity and streamline processes. However, any further investment in and use of artificial intelligence may not achieve the expected benefits, and the use of artificial intelligence by our competitors may give them advantages relative to us.“
Übersetzung: „Wir prüfen den Einsatz künstlicher Intelligenz, um die Produktivität zu erhöhen und Abläufe zu straffen. Allerdings könnten weitere Investitionen in künstliche Intelligenz und deren Einsatz die erwarteten Vorteile verfehlen, und der Einsatz künstlicher Intelligenz durch unsere Wettbewerber könnte diesen Vorteile gegenüber uns verschaffen.“
— Teekay Corporation Ltd., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 3 D „Risk Factors“
Das ist ehrlich formuliert und beschreibt genau das, was es ist: ein Sondierungsstadium. Weder verkauft Teekay KI-Produkte noch hängt das Geschäftsmodell an KI. Ein Tanker fährt mit Schweröl, nicht mit Rechenleistung.
Die Bewertung — und warum die üblichen Kennzahlen hier lügen
Der Börsenwert von Teekay liegt in der Größenordnung von rund 1,0 Milliarden US-Dollar (Datenstand 30. Juli 2026). Zur Gegenprobe: Eine Insider-Verkaufsanzeige (Form 144) vom 22. Juni 2026 nennt 18.119 Aktien mit einem Marktwert von 224.166,22 US-Dollar, also 12,37 US-Dollar je Aktie — auf 87,7 Millionen Aktien wären das rund 1,08 Milliarden. Beide Wege landen in derselben Größenordnung.
Jetzt kommt der Teil, bei dem Datenbanken systematisch danebenliegen. Ein weit verbreiteter Kennwert ist der Unternehmenswert („Enterprise Value“): Börsenwert plus Schulden minus Kasse. Rechnet man das mechanisch, ergibt sich bei Teekay ein Unternehmenswert von rund 47 Millionen US-Dollar — der Börsenwert von 1,0 Milliarden minus die 940,7 Millionen konsolidierter Kasse. Das ist Unsinn, und zwar aus einem klaren Grund: Der Börsenwert bildet nur den Anteil der Teekay-Aktionäre ab, die abgezogene Kasse aber gehört zu rund zwei Dritteln den Minderheitsaktionären der Tochter. Wer korrekt rechnet, müsste den Minderheitenanteil von 1.438,1 Millionen wieder hinzuaddieren. Merke dir den Satz: Bei Konzernen mit großen Minderheiten ist ein Unternehmenswert aus dem Datenblatt eine Falle, keine Kennzahl.
Sinnvoller ist die Durchschau-Rechnung, und die geht so: Was besitzt die Muttergesellschaft, und was kostet sie an der Börse? Zum 30. Juni 2026 hielt Teekay Parent Aktien der Tochter im Marktwert von 690,5 Millionen US-Dollar und 56,4 Millionen Kasse — zusammen 746,9 Millionen oder 8,52 US-Dollar je Aktie. Zum Buchwert passt das: 724,5 Millionen Eigenkapital der Teekay-Aktionäre zum 31. Dezember 2025 entsprechen 8,42 US-Dollar je Aktie. Die Börse zahlt für Teekay also spürbar mehr als die Summe der beiden Vermögensposten hergibt — anders als bei vielen Holdings, die mit Abschlag gehandelt werden. Was in diesem Aufschlag steckt, ist Interpretation: die Kontrolle über die Tochter, die Aussicht auf weiter steigende Tankerraten oder die Möglichkeit, die Struktur eines Tages zu vereinfachen. Belegt ist keine dieser Erwartungen.
Beim Kurs-Gewinn-Verhältnis muss man aufpassen, welchen Gewinn man nimmt. Auf das den Teekay-Aktionären zurechenbare Ergebnis von 1,14 US-Dollar je Aktie (2025) gerechnet, steht ein Vielfaches von rund zehn (Datenstand 30. Juli 2026). Auf Basis der ersten sechs Monate 2026 mit 1,34 US-Dollar je Aktie sähe es deutlich billiger aus — nur ist das ein Halbjahr in einem Rekordmarkt, und Spotraten sind kein Abonnement. Beim Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt Teekay bei rund dem 1,3-Fachen (Buchwert je Aktie 8,42 US-Dollar zum 31. Dezember 2025). Einen belastbaren Analystenkonsens gibt es in unserem Datenbestand für Teekay nicht — es liegen weder Empfehlungsverteilung noch nachvollziehbare Schätzungen vor, deshalb zitieren wir hier keinen.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Teekay spricht:
- Keine Finanzschulden im ganzen Konzern (31.12.2025), 972,7 Millionen US-Dollar Kasse und kurzfristige Anlagen, Eigenkapitalquote 91,6 Prozent. In einer Branche, in der Schulden regelmäßig Firmen kosten, ist das ein echter Puffer.
- Der Tankermarkt läuft. Rekord-Spotraten im zweiten Quartal 2026 (109.200 US-Dollar je Tag bei Suezmax), 117,2 Millionen US-Dollar Ergebnisanteil im ersten Halbjahr 2026 gegenüber 98,1 Millionen im gesamten Jahr 2025.
- Junge Flotte durch aktive Erneuerung: alte Suezmax und ein VLCC verkauft, drei Aframax von 2016 gekauft, zwei Suezmax-Neubauten für 2027 bestellt (190 Millionen US-Dollar).
- Die Mutter selbst ist unkompliziert: keine Schulden, kein Personal, kein Betriebsrisiko — ein Aktienpaket und ein Konto. Was ihr zufließt, kann sie theoretisch vollständig ausschütten.
- Steuerlich sortiert: Sitz in Bermuda seit Oktober 2024, Tonnagesteuer in Großbritannien seit November 2024 — 2025 stand sogar eine Steuererstattung von 4,6 Millionen US-Dollar in der Rechnung.
Was dagegen spricht:
- Rund 69 Prozent des Konzerngewinns gehören anderen. 253,9 von 352,0 Millionen US-Dollar (2025) wurden als Anteil der Minderheitsaktionäre ausgewiesen; jede Konzernkennzahl ist deshalb ohne diese Korrektur irreführend.
- Der Umsatz ist in zwei Jahren um 35,2 Prozent gefallen (1.465,0 auf 949,5 Millionen US-Dollar), weil die Flotte geschrumpft ist und die Raten zwischenzeitlich nachgaben.
- Ein Drittel des Betriebsergebnisses 2025 stammte aus Schiffsverkäufen (101,7 von 302,8 Millionen US-Dollar) — nicht wiederholbar in dieser Höhe.
- Die Kasse der Mutter schmilzt: von 183,4 Millionen (31.12.2024) auf 56,4 Millionen US-Dollar (30.06.2026), weil die Sonderdividende von 87,4 Millionen weit über den laufenden Dividendenzuflüssen liegt.
- Volle Abhängigkeit vom Spotmarkt: Die Raten sanken im dritten Quartal 2026 bei Aframax/LR2 bereits von 74.100 auf 59.900 US-Dollar je Tag (Stand 29. Juli 2026, rund 44 Prozent der Spot-Tage gebucht). Es gibt keine langfristigen Verträge, die das abfedern.
- Geringe Mitsprache: Als ausländischer Emittent nutzt Teekay Ausnahmen von den NYSE-Regeln — Aktienausgaben und Vergütungspläne beschließt der Verwaltungsrat, nicht die Hauptversammlung; der Prüfungsausschuss besteht aus einem Mitglied und zwei nicht stimmberechtigten Beobachtern. Größte Eigentümerin ist mit 36,71 Prozent Resolute Investments, Ltd. (Stand 28.05.2026).
Ein Fazit — ehrlich, ohne Empfehlung
Zurück zur Etiketten-Falle vom Anfang. Wer bei Teekay das große Schild liest — fast eine Milliarde Umsatz, 2,4 Milliarden Bilanzsumme, fast eine Milliarde Kasse, keine Schulden —, sieht eine beeindruckende Firma. Und alles daran stimmt. Nur ist es nicht die Firma, deren Aktie man kauft. Die Firma, deren Aktie man kauft, besitzt zum 30. Juni 2026 ein Aktienpaket im Wert von 690,5 Millionen US-Dollar und 56,4 Millionen auf dem Konto. Alles andere gehört ihr nicht, es wird nur mitgezählt, weil sie mitbestimmen darf.
Das ist keine Kritik an Teekay. Die Struktur ist offen dokumentiert, die Zahlen sind sauber, die Bilanz ist so konservativ, wie man es in der Schifffahrt selten sieht, und der Markt läuft gerade hervorragend. Es ist ein Hinweis darauf, wie man diese Aktie liest: nicht über die Gewinn- und Verlustrechnung des Konzerns, sondern über zwei Zeilen in der Fußnote einer Zwischenmitteilung — den Marktwert der Beteiligung und die Kasse der Mutter. Wer Teekay kauft, kauft im Kern eine gehebelte, kontrollierende Position an Teekay Tankers plus ein schrumpfendes Bankkonto, und er zahlt dafür einen Aufschlag auf den rechnerischen Wert dieser beiden Posten.
Die Fragen, die du dir vor jeder Entscheidung selbst beantworten solltest, sind deshalb andere als bei einer normalen Reederei: Traust du dem Tankerzyklus über die nächsten Jahre? Willst du die Tochter lieber direkt halten statt über die Mutter — und was ist dir die Kontrollprämie wert? Und rechnest du damit, dass Teekay die Sonderdividenden fortsetzt, obwohl die Kasse der Mutter in achtzehn Monaten um 69 Prozent geschrumpft ist? Was du daraus machst, ist Deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen und Hinweise
- Teekay Corporation Ltd., SEC-Jahresbericht 20-F für das Geschäftsjahr 2025 (eingereicht 13. März 2026, CIK 0000911971)
- Teekay Corporation Ltd., SEC-Jahresbericht 20-F für das Geschäftsjahr 2024 (eingereicht 14. März 2025)
- SEC-Zwischenmitteilung 6-K vom 29. Juli 2026 (Zahlen zum zweiten Quartal 2026)
- SEC-Zwischenmitteilung 6-K vom 13. Mai 2026 (Zahlen zum ersten Quartal 2026, Sonderdividende)
- SEC-Zwischenmitteilung 6-K vom 18. Februar 2026 (Zahlen zum vierten Quartal und Gesamtjahr 2025)
- SEC-Zwischenmitteilung 6-K vom 6. Mai 2026 (Einladung und Unterlagen zur Hauptversammlung 2026)
- Schedule 13D/A Nr. 15 vom 28. Mai 2026 (Beteiligung von Resolute Investments, Ltd.)
- Prospekt Form 424B3 vom 20. August 2024 (Hintergrund und Begründung der Sitzverlegung nach Bermuda)
- Fundamentaldaten (Börsenwert, Kennzahlen, Aktienstatistik; Datenstand 30. Juli 2026)
- Eigene Analyse der Tochtergesellschaft: Teekay Tankers (TNK), veröffentlicht am 27. Juli 2026
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unterlagen und ausdrücklich keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren. Aktien können erheblich schwanken; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Alle Zahlen stammen aus den genannten Originalquellen und tragen den jeweils angegebenen Stichtag. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Teekay Corporation Ltd. oder Teekay Tankers Ltd.
Unser Fazit auf einen Blick
- Bilanz und Finanzierung positiv
- Der gesamte Konzern hatte zum 31. Dezember 2025 keine Finanzschulden — 197,5 Millionen US-Dollar Verbindlichkeiten insgesamt gegenüber 2.360,1 Millionen Bilanzsumme, Eigenkapitalquote 91,6 Prozent, 972,7 Millionen Kasse und kurzfristige Anlagen. Der Zinsertrag von 36,2 Millionen übertraf den Zinsaufwand von 2,9 Millionen um das Zwölffache. Für eine Schifffahrtsgruppe ist das ungewöhnlich konservativ.
- Ertragslage im laufenden Markt positiv
- Der Tankermarkt läuft: 379,1 Millionen US-Dollar Umsatz und 69,5 Millionen Ergebnisanteil im zweiten Quartal 2026 gegenüber 232,2 und 18,7 Millionen im Vorjahresquartal. Teekay Tankers meldete am 29. Juli 2026 das höchste bereinigte Quartalsergebnis seiner Geschichte bei Spotraten von 109.200 US-Dollar je Tag (Suezmax). Im ersten Halbjahr 2026 kamen 117,2 Millionen für die Teekay-Aktionäre zusammen, mehr als im gesamten Jahr 2025.
- Konzernstruktur und Zurechnung negativ
- Teekay konsolidiert Teekay Tankers zu 100 Prozent, hält aber nur 30,7 Prozent des Kapitals (Stand 1. März 2026). 2025 wurden deshalb 253,9 von 352,0 Millionen US-Dollar Konzerngewinn als Anteil der Minderheitsaktionäre ausgewiesen; auch 1.438,1 von 2.162,6 Millionen Eigenkapital gehören ihnen. Jede aus Konzernzahlen abgeleitete Kennzahl — Kurs-Umsatz-Verhältnis, Unternehmenswert, Nettokasse — ist ohne diese Korrektur irreführend.
- Ergebnisqualität neutral
- In den 302,8 Millionen US-Dollar Betriebsergebnis 2025 steckten 101,7 Millionen Gewinne aus Schiffsverkäufen (2024: 38,1 Millionen, 2023: 10,4 Millionen). Ohne sie blieben 201,1 Millionen nach 327,2 und 521,4 Millionen in den Vorjahren. Die Verkäufe sind Teil einer erklärten Flottenerneuerung und damit betriebsüblich — in dieser Höhe aber nicht wiederholbar. Das zweite Segment „Schiffsdienstleistungen“ setzte 125,5 Millionen um und verdiente davon 3,5 Millionen.
- Kapitalrückflüsse an die Aktionäre neutral
- Drei Sonderdividenden zu je 1,00 US-Dollar in Folge (2024, 2025, 2026) sind eine echte Rückführung — die im Juni 2026 kostete 87,4 Millionen US-Dollar. Finanziert wurde sie überwiegend aus der Substanz: Die Kasse der Muttergesellschaft fiel von 183,4 Millionen (31.12.2024) auf 56,4 Millionen (30.06.2026). Das Rückkaufprogramm ruht seit März 2025 mit 28,1 Millionen offener Ermächtigung, während die Aktienzahl durch Optionsausübungen um 4,3 Prozent auf 87.691.370 stieg.
- Abhängigkeit vom Spotmarkt negativ
- Praktisch das gesamte Ergebnis hängt an Tagesraten ohne langfristige Absicherung. Wie schnell sich das dreht, zeigt die eigene Mitteilung vom 29. Juli 2026: Im dritten Quartal 2026 lagen die Aframax/LR2-Raten bis dahin bei 59.900 US-Dollar je Tag nach 74.100 im zweiten Quartal, bei rund 44 Prozent gebuchter Spot-Tage. Der Konzernumsatz fiel bereits von 1.465,0 Millionen (2023) auf 949,5 Millionen (2025).
Teekay ist die Etiketten-Falle in Reinform: eine schuldenfreie Gruppe mit 949,5 Millionen US-Dollar Umsatz, 972,7 Millionen Kasse und Rekordraten im Tankermarkt — von der den eigenen Aktionären aber nur ein knappes Drittel gehört. 253,9 von 352,0 Millionen US-Dollar Konzerngewinn wurden 2025 als Anteil der Minderheitsaktionäre von Teekay Tankers ausgewiesen. Die Muttergesellschaft selbst besitzt kein Schiff und kein Personal, sondern ein Aktienpaket im Marktwert von 690,5 Millionen und 56,4 Millionen Kasse (30.06.2026). Wer hier investiert, kauft eine kontrollierende Beteiligung an der Tochter — und zahlt dafür einen Aufschlag auf deren rechnerischen Wert. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Qualität belegt
Geschäftsmodell, Zahlen und Bilanz halten unserer Prüfung stand. Ob der aktuelle Kurs einen Einstieg trägt, ist eine eigene Frage — sie hängt am Preis, nicht am Unternehmen.
Grün steht hier für belegte Unternehmensqualität, nicht für einen Kaufzeitpunkt. Das Geschäft trägt: 34 Tanker in einem Rekordmarkt, 117,2 Millionen US-Dollar Ergebnisanteil allein im ersten Halbjahr 2026, seit Januar 2023 keine Schulden mehr, 972,7 Millionen Kasse und kurzfristige Anlagen, 91,6 Prozent Eigenkapitalquote, kein Fortbestandshinweis, kein Bilanz- oder Governance-Bruch, ein sauber testierter Jahresabschluss und eine Konzernstruktur, die offen und nachvollziehbar dokumentiert ist. Die drei Schwachpunkte sind real, aber keiner bedroht die Substanz: Ein Drittel des Betriebsergebnisses 2025 kam aus Schiffsverkäufen, der Umsatz fiel in zwei Jahren um 35,2 Prozent, und die Kasse der Muttergesellschaft schrumpfte in achtzehn Monaten von 183,4 auf 56,4 Millionen US-Dollar — Letzteres allerdings, weil freiwillig ausgeschüttet wurde, nicht weil Geld verbrannt worden wäre. Zum Preis, der die Ampel ausdrücklich nicht bestimmt: Die Börse zahlt rund 1,0 Milliarden US-Dollar für Vermögenswerte der Mutter von 746,9 Millionen (30.06.2026). Wer diesen Aufschlag zahlt, kauft die Kontrolle über die Tochter mit — und wer die Tochter lieber direkt hält, sollte das ausrechnen, bevor er zugreift.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf unsere Liste kam Teekay über die eigene Analyse der Tochter Teekay Tankers (TNK) vom 27. Juli 2026 — nicht über einen Kurs- oder Kennzahlenfilter. Verwechslungsgefahr ist hier real: TK ist die Holding, TNK die operative Flottengesellschaft. Wer Kennzahlen der beiden vermischt, rechnet dieselben Schiffe doppelt.
- Teekay ist ein ausländischer Emittent und reicht keinen Quartalsbericht (10-Q) ein. Grundlage sind der Jahresbericht 20-F für 2025 (eingereicht 13.03.2026) und die Zwischenmitteilungen 6-K, zuletzt vom 29. Juli 2026. Alle Bestandszahlen — Kasse, Aktienzahl, Beteiligungswert — stammen aus dem jeweils jüngsten Dokument, das sie nennt.
- Bewertungsangaben sind datiert und bewusst als Größenordnung gehalten: Börsenwert rund 1,0 Milliarden US-Dollar (Datenstand 30. Juli 2026), gegengeprüft an 87.691.370 Aktien und dem in einer Form-144-Anzeige vom 22. Juni 2026 dokumentierten Kurs von 12,37 US-Dollar je Aktie. Ein aus Konzernzahlen abgeleiteter Unternehmenswert ist bei Teekay unbrauchbar, weil er die Kasse der Tochter abzieht, den Minderheitenanteil von 1.438,1 Millionen US-Dollar aber nicht hinzurechnet.
Häufige Fragen
Teekay Corporation Ltd. (NYSE: TK) mit Sitz in Hamilton auf Bermuda ist eine Holding ohne eigene Schiffe. Ihr Vermögen bestand zum 30. Juni 2026 aus 10,6 Millionen Aktien der börsennotierten Tochter Teekay Tankers Ltd. (NYSE: TNK) im Marktwert von 690,5 Millionen US-Dollar und 56,4 Millionen US-Dollar Kasse. Das operative Geschäft — 34 Rohöl- und Produktentanker, Umschlagdienste und Schiffsmanagement für Australien — liegt vollständig bei der Tochter. Der Jahresbericht 20-F für 2025 stellt fest, dass die Muttergesellschaft weder Schiffe besitzt noch Personal beschäftigt.
Weil die Rechnungslegung nach Kontrolle fragt, nicht nach Eigentum. Teekay hält 100 Prozent der Class-B-Aktien von Teekay Tankers, die je fünf Stimmen tragen. Daraus ergaben sich zum 1. März 2026 54,8 Prozent der Stimmen bei nur 30,7 Prozent des Kapitals. Wer die Stimmenmehrheit hat, muss die Tochter voll in den Konzernabschluss aufnehmen. Der Anteil der übrigen Eigentümer erscheint dann als eigene Zeile: 2025 waren das 253,9 Millionen US-Dollar von 352,0 Millionen Konzerngewinn.
Im Jahr 2025 blieben von 352,0 Millionen US-Dollar Konzerngewinn 98,1 Millionen bei den Teekay-Aktionären, also rund 28 Prozent oder 1,14 US-Dollar je Aktie. 2024 waren es 133,8 von 401,6 Millionen, 2023 150,6 von 517,4 Millionen. Im ersten Halbjahr 2026 kamen 117,2 Millionen zusammen (0,55 US-Dollar je Aktie im ersten und 0,79 US-Dollar im zweiten Quartal) — mehr als im gesamten Vorjahr.
Teekay gilt bei der US-Börsenaufsicht SEC als ausländischer Emittent („Foreign Private Issuer“). Diese Gesellschaften reichen keinen Quartalsbericht auf Form 10-Q ein, sondern einen Jahresbericht auf Form 20-F und unterjährige Mitteilungen auf Form 6-K. Der jüngste Jahresbericht deckt das Geschäftsjahr 2025 ab und wurde am 13. März 2026 eingereicht; die aktuellsten Zahlen stehen in der Zwischenmitteilung vom 29. Juli 2026. Das Geschäftsjahr endet am 31. Dezember.
Keine reguläre, aber Sonderdividenden. Der Verwaltungsrat erklärte 2024, 2025 und 2026 jeweils 1,00 US-Dollar je Aktie. Die Ausschüttung im Juli 2025 kostete 85,3 Millionen US-Dollar, die im Juni 2026 87,4 Millionen. Finanziert wird das überwiegend aus der Kasse der Muttergesellschaft, denn die reguläre Quartalsdividende von Teekay Tankers bringt auf 10,6 Millionen gehaltene Aktien nur rund 2,7 Millionen US-Dollar je Quartal. Entsprechend sank die Kasse der Mutter von 183,4 Millionen US-Dollar (31.12.2024) auf 56,4 Millionen (30.06.2026).
Teekay war eine Gesellschaft nach dem Recht der Marshallinseln und hat den Sitz am 1. Oktober 2024 gemeinsam mit Teekay Tankers nach Bermuda verlegt. Auslöser war die globale Mindeststeuer der OECD: Bermuda führte im Dezember 2023 eine Körperschaftsteuer von 15 Prozent für große Konzerne ein, die ab 2025 gilt. Da die Geschäftsleitung ohnehin in Bermuda sitzt, hätte Teekay sonst gleichzeitig die Substanzanforderungen zweier Rechtsordnungen erfüllen müssen. Rechtlich entstand dabei keine neue Gesellschaft; Einkünfte aus internationaler Schifffahrt sind von der neuen Steuer grundsätzlich ausgenommen.
Größte Eigentümerin ist Resolute Investments, Ltd. mit 31.936.012 Aktien oder 36,71 Prozent (Schedule 13D/A vom 28. Mai 2026, bezogen auf 87.004.134 ausstehende Aktien). Resolute gehört über Kattegat Limited vollständig The Kattegat Trust, einer bermudischen Wohltätigkeitsstiftung, deren Hauptzweck laut Meldung die Ausschüttung von Erträgen für gemeinnützige Zwecke ist. Der Anteil sank zuletzt nicht durch Verkäufe, sondern weil die Gesamtzahl der Aktien durch Optionsausübungen gestiegen ist.
Teekay Tankers Ltd. (TNK) ist die operative Gesellschaft: Sie besitzt die 34 Tanker, erwirtschaftet den Umsatz und zahlt seit 2023 eine feste Quartalsdividende von 0,25 US-Dollar je Aktie plus wiederholte Sonderdividenden. Teekay Corporation Ltd. (TK) ist die Mutter, die 30,7 Prozent des Kapitals und 54,8 Prozent der Stimmen an TNK hält (Stand 1. März 2026). Wer TK kauft, erwirbt eine mittelbare, kontrollierende Beteiligung an TNK plus die Kasse der Holding — und zahlte dafür zuletzt einen Aufschlag auf den rechnerischen Wert dieser Posten.
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