Börsenlotse
Kauftag heute: Schlecht Neutral (54 ) Gut Gemischte Marktbreite · Breite seitwärts (±0 zum 10-Tage-Schnitt) · kein Makro-Großtermin

Soluna Holdings: Das KI-Rechenzentrum, dessen KI-Geschäft 2025 genau 28.000 Dollar umsetzte

Soluna Holdings: Das KI-Rechenzentrum, dessen KI-Geschäft 2025 genau 28.000 Dollar umsetzte

Soluna baut Rechenzentren direkt neben Windparks und erzählt die Geschichte vom KI-Zeitalter. Die Berichte an die US-Börsenaufsicht SEC erzählen eine andere: Das Geschäftsfeld KI und Hochleistungsrechnen setzte 2025 genau 28.000 US-Dollar um, im ersten Quartal 2026 gar nichts. Das Geld kommt aus Bitcoin-Mining und aus dem Hosting fremder Miner — 29,7 Millionen Umsatz im Jahr 2025, dagegen 57,0 Millionen Nettoverlust. Der Abschlussprüfer machte die Frage nach der Fortführungsfähigkeit zum kritischen Prüfungssachverhalt, die Nasdaq mahnt seit dem 10. April 2026 den Mindestkurs an, und die Aktienzahl stieg von 10,6 Millionen (31.12.2024) auf 157,7 Millionen (12.05.2026). Keine Anlageberatung — nur die Frage, was die KI-Erzählung in den Büchern wirklich wiegt.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
Unternehmensprofil ansehen (SLNH)

Supertiefe Analyse — die letzte Prüfung vor dem Kauf

Die Supertiefe Analyse ist unsere gründlichste Untersuchung — gedacht als letzte Entscheidungsgrundlage, bevor Du wirklich kaufst. Wir recherchieren die letzten 10 Geschäftsberichte (10-K), sämtliche Quartalsberichte (10-Q) aus diesem Zeitraum, alle relevanten Insider-Transaktionen, prüfen die Liquiditätslage inklusive Warnsignalen der letzten 5 Jahre und werten eine kuratierte Auswahl relevanter Nachrichten aus — ohne Spam- und Schrottmeldungen. Preis: einmalig 49 €.

Deine Supertiefe Analyse bekommst Du zuerst exklusiv; 30 Tage nach Lieferung veröffentlichen wir sie auch auf Börsenlotse.

Nach der Bestellung melden wir uns per E-Mail mit den Zahlungsdetails. Erstellt wird die Analyse nach Zahlungseingang — reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung.

Soluna Holdings: Das KI-Rechenzentrum, dessen KI-Geschäft 2025 genau 28.000 Dollar umsetzte
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die keine Bilanzkenntnisse voraussetzt, sondern nur Sprache: die Etiketten-Falle. Sie funktioniert so — du liest ein Wort, und dein Kopf ergänzt eine Zahl, die nirgends steht. „KI-Rechenzentrum“ klingt nach Nachfrage, nach Aufträgen, nach Umsatz. Tatsächlich beschreibt es zunächst nur ein Gebäude mit Strom und Kühlung. Soluna Holdings (NASDAQ: SLNH) ist der seltene Fall, in dem man diesen Unterschied auf den Cent genau nachrechnen kann: Die Firma selbst sagt in ihrem Geschäftsbericht (10-K) für 2025 ganz offen, wie viel Umsatz das Geschäftsfeld KI und Hochleistungsrechnen gebracht hat. Es sind 28 Tausend US-Dollar. Nicht Millionen. Tausend. Im ersten Quartal 2026 waren es null.

Machen wir also einen Deal: Bevor du das Etikett kaufst, lesen wir gemeinsam die Berichte, die Soluna bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht hat — den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 vom 30. März 2026, den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 vom 15. Mai 2026 und jede einzelne Ad-hoc-Meldung (8-K) danach bis zum 24. Juli 2026. Solche Berichte sind unter Strafandrohung ehrlich. Sie erzählen von einer echten, ziemlich klugen Standortidee, von einem Windpark, den die Firma sich gekauft hat — und von einem Prüfer, der die Frage stellte, ob das Unternehmen die nächsten zwölf Monate übersteht. Am Ende entscheidest du selbst.

Was Soluna wirklich macht — Strom, der sonst niemandem nützt

Soluna Holdings baut Rechenzentren dorthin, wo der Strom entsteht. Das klingt banal, ist aber der ganze Trick. Windparks in Texas produzieren regelmäßig mehr Strom, als die Leitungen abtransportieren können; dann werden Turbinen abgeregelt, und die erzeugte Energie ist schlicht weg. Soluna stellt seine Container-Rechenzentren direkt neben diese Anlagen — im Fachjargon „hinter dem Zähler“ — und kauft den Strom, bevor er ins Netz muss. Im Alltagsbild: Es ist, als würde jemand eine Bäckerei direkt neben einer Mühle bauen, die täglich Mehl wegwerfen muss, weil kein Lastwagen kommt.

Mit diesem Strom macht Soluna zum 31. Dezember 2025 drei Dinge. Erstens eigenes Bitcoin-Mining: 11,4 Millionen US-Dollar Umsatz im Jahr 2025, dafür wurden 113,2 Bitcoin geschürft (2024: 274 Bitcoin — die Belohnung je Block halbierte sich im April 2024, und der durchschnittliche Hashpreis fiel um 21,5 Prozent). Zweitens Hosting für fremde Miner, also Vermietung von Stellplatz, Strom und Kühlung: 17,0 Millionen US-Dollar, das größte Geschäftsfeld. Drittens Lastabschaltung: 1,3 Millionen dafür, dass Soluna die Rechner auf Zuruf des Netzbetreibers herunterfährt, wenn Texas den Strom dringender braucht — bezahlte Bereitschaft, nicht Produktion. Vier Standorte tragen das: Project Sophie in Murray, Kentucky (25 Megawatt), die Projekte Dorothy 1A und 1B in Silverton, Texas (50 Megawatt am Netz), Project Dorothy 2 (48 Megawatt) und das im Bau befindliche Project Kati 1 (35 Megawatt). Und dann gibt es noch ein viertes Geschäftsfeld, das eigene Berichtssegment: Hochleistungsrechnen, die KI-Schiene. Genau hier liegt das Spannungsfeld dieser Analyse, und es zieht sich durch jedes weitere Kapitel: Die Börse bewertet Soluna als KI-Unternehmen, die Bücher weisen Soluna als Bitcoin-Unternehmen aus — und die Brücke zwischen beidem ist ein Bauplan, kein Vertrag.

Ein Wort zur Vorgeschichte, weil sie in alten Datenreihen Verwirrung stiftet: Die Gesellschaft wurde 1961 im Bundesstaat New York als Mechanical Technology, Incorporated gegründet, verlegte ihren Sitz am 24. März 2021 nach Nevada und heißt erst seit dem 2. November 2021 Soluna Holdings, Inc. Bei der SEC läuft alles unter derselben Kennnummer CIK 0000064463. Wer irgendwo eine Firmenhistorie bis 1961 sieht, sieht die Geschichte eines völlig anderen Unternehmens — mit dem heutigen Geschäft hat sie nichts zu tun. Und noch eine Verwechslung lauert im Kursticker: Neben der Stammaktie SLNH notiert an der Nasdaq die Vorzugsaktie SLNHP, eine 9,0-Prozent-Vorzugsaktie der Serie A mit 25,00 US-Dollar Liquidationsvorzug, von der zum 31. März 2026 4.920.045 Stück ausgegeben waren. Sie steht bei Auszahlungen vor der Stammaktie.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam — und was unsere eigenen Listen sagen

Soluna kam nicht über einen Zahlenfilter zu uns, sondern über die Aufmerksamkeit: Der Ticker tauchte in unserem Reddit-Hype-Scanner auf, der Erwähnungen in Anleger-Foren zählt. Das ist ein Aufmerksamkeitssignal, kein Qualitätssignal — und deshalb haben wir die Gegenprobe im eigenen Datenbestand gemacht. Befund vom 26. Juli 2026: SLNH steht in keiner einzigen unserer Scanner-Listen. Kein Momentum-Filter, kein Qualitäts-Filter, kein Bewertungs-Filter hat die Aktie ausgeworfen. Diese Listen berechnet unser hauseigener Aktien-Scanner täglich neu, der Befund gilt also für diesen einen Tag — aber er ist eindeutig.

Das ist genau das Muster, das man aus dem Umfeld kennt: Wenn Bitcoin-Miner beschließen, künftig KI-Rechenzentren zu sein, steigt zuerst die Erzählung und erst viel später der Umsatz. Wir haben dieses Muster in unserer Analyse zu HIVE Digital und in der Analyse zu Applied Digital Schritt für Schritt auseinandergenommen — dort wie hier lautet die entscheidende Frage nicht „Wie viele Megawatt sind geplant?“, sondern „Wie viele Megawatt sind vermietet, und an wen?“. Merke dir den Satz gleich hier: Megawatt in der Präsentation sind Absicht, Megawatt im Umsatz sind Geschäft.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich für Soluna spricht, und es ist mehr als nichts. Das Hosting-Geschäft wächst kräftig: Im ersten Quartal 2026 stieg es um 178 Prozent auf 6,7 Millionen US-Dollar (Vorjahresquartal: 2,4 Millionen), der Gesamtumsatz um 58 Prozent auf 9,4 Millionen (5,9 Millionen). Die Kasse ist im Vergleich zur Vergangenheit üppig: 68,6 Millionen US-Dollar zum 31. März 2026, dazu 17,4 Millionen verfügungsbeschränkte Mittel — ein Jahr zuvor waren es 9,2 Millionen frei verfügbar. Und die Firma hat sich im April 2026 den Briscoe-Windpark mit 149,85 Megawatt Nennleistung für rund 53,0 Millionen US-Dollar gekauft: Wer den Strom selbst erzeugt, verhandelt nicht mehr über den Strompreis.

Jetzt die Kehrseite, und sie steht im selben Bericht. Auf Jahressicht ist der Umsatz nicht gestiegen, sondern gefallen: von 38,0 Millionen US-Dollar (2024) auf 29,7 Millionen (2025), ein Minus von 22 Prozent. Beide großen Säulen schrumpften — Bitcoin-Mining von 17,0 auf 11,4 Millionen, Hosting von 18,8 auf 17,0 Millionen. Diese Grafik zeigt die vier Geschäftsfelder nebeneinander, und sie ist der Kern dieser Analyse:

Gruppiertes Balkendiagramm des Soluna-Umsatzes 2024 und 2025 in Millionen US-Dollar: Bitcoin-Mining 17,0 und 11,4; Hosting für Dritte 18,8 und 17,0; Lastabschaltung 2,1 und 1,3; KI und Hochleistungsrechnen jeweils praktisch null (0,016 und 0,028 Millionen). Der KI-Balken ist so klein, dass er auf der Nulllinie liegt.
Drei Balken tragen das Geschäft, der vierte ist die Erzählung: KI und Hochleistungsrechnen brachten 2024 16 Tausend und 2025 28 Tausend US-Dollar — im Diagramm nicht mehr sichtbar. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Unterm Strich stand 2025 ein Nettoverlust von 57,0 Millionen US-Dollar (2024: 58,3 Millionen), davon 53,4 Millionen den Aktionären zurechenbar. Der Betriebsverlust lag bei 33,7 Millionen. Und die Kostenseite lief in die falsche Richtung: Die Verwaltungskosten stiegen 2025 um 64 Prozent auf 30,5 Millionen — während der Umsatz um 22 Prozent fiel. Im ersten Quartal 2026 setzte sich das fort: 16,1 Millionen Verwaltungskosten (plus 171 Prozent), ein Betriebsverlust von 16,6 Millionen und ein Nettoverlust von 17,9 Millionen nach 7,4 Millionen im Vorjahresquartal. Der Umsatz wuchs also um 58 Prozent, der Verlust um 143 Prozent. Merke dir die Faustregel: Wachstum, das den Verlust schneller wachsen lässt als den Umsatz, ist gekauftes Wachstum. Damit sind wir bei den unbequemen Wahrheiten.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Das KI-Geschäft ist ein Berichtssegment ohne Umsatz

Soluna führt drei Berichtssegmente: Bitcoin-Mining, Hosting für Dritte und Hochleistungsrechnen. Letzteres ist die KI-Schiene, und der Geschäftsbericht beschreibt sie ohne Beschönigung — inklusive des Ausstiegs aus dem aktiven Dienstleistungsgeschäft:

„In the third quarter of 2024, the Company initiated Soluna Cloud Services, a new business line to provide high performance computing services to support generative AI workstreams, but decided to exit active provision of these services during the first quarter of 2025 and will focus in the future on provision of colocation services at our datacenters to host customers in the AI generative space.“

Übersetzung: „Im dritten Quartal 2024 startete die Gesellschaft Soluna Cloud Services, ein neues Geschäftsfeld zur Erbringung von Hochleistungsrechen-Diensten für generative KI-Anwendungen, entschied sich jedoch im ersten Quartal 2025, die aktive Erbringung dieser Dienste zu beenden, und wird sich künftig auf Kolokationsdienste in unseren Rechenzentren konzentrieren, um Kunden aus dem Bereich der generativen KI zu beherbergen.“

— Soluna Holdings, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Anhang Note 16 „Segment Information“

Markierter Absatz aus dem Soluna-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Beschreibung der drei Berichtssegmente, darunter der Satz, dass das Segment Hochleistungsrechnen Umsatz aus dem Verkauf oder der Vermietung von HPC-Anlagen oder aus an Dritte vermieteten HPC-/KI-Rechenzentren erzielen könnte, und dass nach der Kündigung des HPE-Vertrags der Umsatz 2025 minimal war.
Der Segment-Anhang im Original: Das KI-Segment „kann“ Umsatz erzielen — nach der Kündigung des HPE-Vertrags war er 2025 „minimal“. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

„Minimal“ ist im Zahlenteil beziffert: 28 Tausend US-Dollar im Jahr 2025, 16 Tausend im Jahr 2024, null im ersten Quartal 2026. Zum Vergleich: Der Gesamtumsatz 2025 lag bei 29,7 Millionen. Das KI-Segment machte davon 0,09 Prozent aus. Was Soluna stattdessen aufbaut, ist real, aber noch nicht verkauft: Über die Tochter Soluna HPC entsteht in Willacy County, Texas, das Projekt Kati 2 — seit dem 3. Juni 2026 ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Rechenzentrums-Entwickler Metrobloks, erste Ausbaustufe 100 Megawatt, zweite 250 Megawatt. Soluna hat dafür rund 3,5 Millionen US-Dollar an Betriebskosten getragen und sich zu einer Kapitaleinlage von rund 19,0 Millionen sowie bis zu 2,0 Millionen weiteren Mitteln verpflichtet; nach Rückzahlung dieser Einlagen plus 14 Prozent interner Verzinsung und 100.000 US-Dollar je Brutto-Megawatt teilen sich beide Partner die weiteren Ausschüttungen hälftig. Das ist ein ordentlich strukturierter Deal. Es ist nur eben ein Bauvertrag, kein Mietvertrag.

Wie weit ist die Suche nach einem Mieter? Das ist die Frage, an der diese Analyse hängt — und sie hat im Sommer 2026 eine erste Antwort bekommen. Im Monatsbericht vom 14. Juli 2026 schreibt Soluna, die Prüfung eines Interessenten sei in förmliche kaufmännische Verhandlungen übergegangen und mit diesem einen möglichen Mieter sei eine Absichtserklärung (Letter of Intent) unterzeichnet worden; jetzt gehe es um Entwurf, Konditionen und Mietvertrag. Eine Absichtserklärung ist kein Mietvertrag — sie bindet in der Regel niemanden zur Zahlung, und der Name des Interessenten steht nirgends. Aber sie ist der erste dokumentierte Schritt vom Bauplan zum Kunden, und sie ist damit die wichtigste Zahl, die im nächsten Quartalsbericht auftauchen könnte. Denselben Bericht sollte man auch für den Baufortschritt lesen: Project Kati 1 ist im Juli 2026 nicht mehr die 35-Megawatt-Baustelle vom Jahresende — der Teil Kati 1A mit 48 Megawatt ist fertig, gebaut wird an Kati 1B mit 35 Megawatt, dessen zweite Ausbaustufe (9 Megawatt) im Juni 2026 im Wesentlichen fertiggestellt wurde.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der eine echte KI-Vertrag kostete 28,6 Millionen — und 19,3 Millionen stehen noch offen

Es gab schon einmal einen KI-Vertrag, und er ist das teuerste Kapitel der jüngeren Firmengeschichte. Im Juni 2024 bestellte die Tochter CloudCo bei Hewlett Packard Enterprise Zugang zu Rechenzentrums- und Cloud-Diensten für KI- und Supercomputing-Anwendungen auf NVIDIA-H100-Grafikprozessoren. Volumen: 34,0 Millionen US-Dollar über 36 Monate, davon 10,3 Millionen sofort vorausbezahlt und danach 667 Tausend im Monat bis Juni 2027. Im März 2025 kündigte CloudCo; zwei Tage später kündigte HPE seinerseits fristlos wegen einer über 30 Tage unbeglichenen Zahlungspflicht — und stellte vertragsgemäß den gesamten Restbetrag fällig. Soluna buchte einen Verlust aus dem Vertrag von 28,6 Millionen US-Dollar.

Der eigentliche Fund steht im Anhang: Zum 31. Dezember 2025 lag die offene Verbindlichkeit bei rund 19,3 Millionen — und der Bericht hält fest, dass „no formal legal proceedings have commenced“, also kein förmliches Gerichtsverfahren eingeleitet wurde. Ein Inkasso-Beauftragter meldete sich am 3. Dezember 2025 und teilte am 15. Januar 2026 mit, sein Mandat sei beendet. In der Bilanz zum 31. März 2026 steht der Posten unverändert bei 19,348 Millionen US-Dollar. Das sind rund 65 Prozent eines kompletten Jahresumsatzes. Die Rechnung wird eines Tages bezahlt oder eines Tages ausgebucht — beides bewegt das Ergebnis erheblich, und beides steht nicht im Kalender.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der Prüfer stellte die Fortführungsfrage

Ein Bestätigungsvermerk ist eine trockene Textsorte. Wenn darin ein „kritischer Prüfungssachverhalt“ auftaucht, heißt das: An dieser Stelle musste der Prüfer besonders genau hinsehen, weil das Urteil davon abhängt. Bei Soluna war es die Frage, ob die Firma die nächsten zwölf Monate übersteht:

„As discussed in Note 1 to the consolidated financial statements, the Company incurred recurring operating losses, had negative cash flows from operations, and has significant outstanding debt and commitments for capital expenditures. These conditions raised substantial doubt about the Company’s ability to continue as a going concern within one year after the issuance of the consolidated financial statements.“

Übersetzung: „Wie in Anhangangabe 1 zum Konzernabschluss erläutert, erlitt die Gesellschaft wiederkehrende operative Verluste, hatte negative Mittelflüsse aus dem operativen Geschäft und weist erhebliche ausstehende Schulden sowie Investitionsverpflichtungen auf. Diese Umstände begründeten erhebliche Zweifel an der Fähigkeit der Gesellschaft, ihre Geschäftstätigkeit innerhalb eines Jahres nach Veröffentlichung des Konzernabschlusses fortzuführen.“

— UHY LLP, Bestätigungsvermerk in: Soluna Holdings, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025

Markierter Absatz aus dem Bestätigungsvermerk von UHY LLP im Soluna-Geschäftsbericht 10-K für 2025: wiederkehrende operative Verluste, negative operative Mittelflüsse sowie erhebliche Schulden und Investitionsverpflichtungen begründeten erhebliche Zweifel an der Fortführungsfähigkeit innerhalb eines Jahres.
Der kritische Prüfungssachverhalt im Original — die Fortführungsfrage steht im Bestätigungsvermerk selbst, nicht nur im Anhang. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Fairerweise: Das Management hält die Zweifel für ausgeräumt, und es nennt dafür Gründe — 76,4 Millionen US-Dollar Kasse zum 31. Dezember 2025, 119,4 Millionen netto aus Finanzierungsaktivitäten im Jahr 2025, ein Projektkreditrahmen von Generate über bis zu 100 Millionen und eine Aktien-Bezugsvereinbarung über 250,0 Millionen. Nur: „Ausgeräumt“ heißt hier ausdrücklich „ausgeräumt durch die Möglichkeit, neues Kapital aufzunehmen“, nicht „ausgeräumt durch Gewinne“. Das laufende Geschäft verbrannte 2025 9,1 Millionen US-Dollar und im ersten Quartal 2026 allein 6,4 Millionen. Der Bericht sagt selbst, was der Ausweg wäre, wenn das Kapital nicht kommt: „it will be forced to delay or scale down some or all of its development activities or perhaps even cease the operation of its business“ — „sie wäre gezwungen, einige oder alle Entwicklungsaktivitäten zu verzögern oder zurückzufahren oder vielleicht sogar den Geschäftsbetrieb einzustellen“. Nebenbei: Am 29. März 2026 wurde der langjährige Prüfer UHY LLP abberufen und KPMG LLP für das Geschäftsjahr 2026 bestellt; laut der Meldung (8-K vom 31. März 2026) gab es weder Meinungsverschiedenheiten noch berichtspflichtige Ereignisse.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Aus 10,6 Millionen Aktien wurden 157,7 Millionen

Verwässerung heißt im Alltagsbild: Dein Stück vom Kuchen bleibt gleich groß, aber der Kuchen wird in immer mehr Stücke geschnitten. Bei Soluna ist das in einem Tempo geschehen, das man selten sieht. Zum 31. Dezember 2024 standen 10.607.020 Stammaktien aus. Zum 31. Dezember 2025 waren es 102.531.089. Zum 31. März 2026: 111.717.040. Zum 24. April 2026: 141.347.055. Und auf dem Deckblatt des Quartalsberichts, Stand 12. Mai 2026: 157.747.354.

Balkendiagramm der ausstehenden Soluna-Stammaktien in Millionen zu fünf Stichtagen: 10,6 am 31.12.2024, 102,5 am 31.12.2025, 111,7 am 31.03.2026, 141,3 am 24.04.2026 und 157,7 am 12.05.2026. Satzungsmäßig genehmigt sind 375,0 Millionen Aktien.
Fast das Fünfzehnfache in 17 Monaten: Jede Stufe ist ein Stichtag aus einem eigenen SEC-Dokument. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die letzte Stufe ist die anschaulichste, weil der Bericht sie in einem Satz beziffert:

„Subsequent to March 31, 2026 and through the date of the issuance of these condensed financial statements, the Company has issued 36,820,572 shares of common stock for net proceeds of approximately $52.2 million.“

Übersetzung: „Nach dem 31. März 2026 und bis zum Tag der Aufstellung dieses verkürzten Abschlusses hat die Gesellschaft 36.820.572 Stammaktien für einen Nettoerlös von rund 52,2 Millionen US-Dollar ausgegeben.“

— Soluna Holdings, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Abschnitt „Liquidity and Capital Resources“

Markierter Satz aus dem Soluna-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026: Nach dem 31. März 2026 hat die Gesellschaft 36.820.572 Stammaktien für einen Nettoerlös von rund 52,2 Millionen US-Dollar ausgegeben; darüber der Hinweis auf das Marktplatzierungsprogramm über 87,65 Millionen und die Regalanmeldung über 500 Millionen US-Dollar.
Sechs Wochen, 36,8 Millionen neue Aktien: der Satz im Original, samt Marktplatzierungsprogramm und der Regalanmeldung über 500 Millionen US-Dollar. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Und die Warteschlange ist lang. Zum 31. März 2026 standen zusätzlich 26.968.251 nicht gevestete Belegschaftsaktien, 22.309.840 Optionsscheine und 2.465.230 Anrechte im Raum, die nur deshalb nicht in die Ergebnisrechnung je Aktie eingehen, weil sie den Verlust rechnerisch verkleinern würden. Genehmigt sind laut Satzung 375,0 Millionen Aktien — bei 157,7 Millionen ausstehenden ist also noch reichlich Platz. Dazu kommt die Aktien-Bezugsvereinbarung mit YA II PN vom 24. März 2026 über bis zu 250,0 Millionen US-Dollar, aus der zum 15. Mai 2026 noch kein einziger Dollar gezogen war. Ein Detail am Rande, das die Vorgeschichte verrät: Die alten Mitarbeiter-Optionen haben zum 31. Dezember 2025 einen gewichteten Ausübungspreis von 21,46 US-Dollar — ein Andenken an frühere Aktienzusammenlegungen und an Kurse, die weit zurückliegen.

Und die Treppe hat nach dem Quartalsbericht eine weitere Stufe bekommen, die man leicht übersieht, weil sie nicht in der Aktienzahl auf dem Deckblatt steht: Die 2022 ausgegebenen Series-B-Vorzugsaktien wurden im Jahr 2026 vollständig gewandelt — alle 62.500 Stück in zusammen 6.510.416 Stammaktien, dazu 2,1 Millionen US-Dollar aufgelaufene Dividenden in bar. Zum 31. März 2026 standen von diesen Vorzugsaktien noch 57.190 Stück aus; der größte Teil der Wandlung fällt also in die Zeit nach dem Quartalsende. Am 23. Juni 2026 löschte Soluna die Gattung aus der Satzung — zu diesem Zeitpunkt war keine einzige Series-B-Aktie mehr im Umlauf (Meldung 8-K vom 25. Juni 2026, Item 5.03). Einen offiziellen Zwischenstand der Aktienzahl nach dem 12. Mai 2026 hat Soluna bis zum 24. Juli 2026 nicht veröffentlicht; die einzige Kontrolle von außen liefert eine Beteiligungsmeldung vom 26. Mai 2026, in der 13.336.362 Aktien als 8,5 Prozent der Gattung ausgewiesen sind — das entspricht rund 157 Millionen ausstehenden Aktien und passt damit zum Deckblattwert.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Die Nasdaq-Uhr läuft bis zum 7. Oktober 2026

Am 10. April 2026 erhielt Soluna von der Nasdaq die Mitteilung, dass der Schlusskurs der Stammaktie 30 Handelstage in Folge unter 1,00 US-Dollar gelegen hatte und die Firma damit die Mindestkurs-Regel 5550(a)(2) verletzt. Die Konsequenz steht wörtlich in der Meldung:

Markierter Absatz aus der Soluna-Ad-hoc-Meldung 8-K vom 15. April 2026: Nach Nasdaq-Regel 5810(c)(3)(A) hat die Gesellschaft 180 Kalendertage, also bis zum 7. Oktober 2026, um die Mindestkurs-Anforderung wieder zu erfüllen; dafür muss der Schlusskurs an mindestens zehn aufeinanderfolgenden Handelstagen bei mindestens 1,00 US-Dollar liegen.
Die Frist im Original: bis 7. Oktober 2026, danach ggf. eine zweite 180-Tage-Frist — sonst leitet die Nasdaq das Delisting-Verfahren ein. Quelle: SEC-Meldung 8-K vom 15.04.2026, Item 3.01 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Kurs selbst ist für diese Analyse kein Argument — Preise ändern sich täglich, und wir bewerten Unternehmen, nicht Tageskurse. Wichtig ist der Mechanismus: Um die Regel zu erfüllen, greifen Firmen in dieser Lage regelmäßig zur Aktienzusammenlegung, bei der etwa aus zehn alten Aktien eine neue wird. Das ändert am Wert des Unternehmens nichts, macht aber die frisch verwässerten Anteile optisch wieder „ordentlich“ — und schafft Platz unter dem genehmigten Kapital für die nächste Runde. Wer die Verwässerungsgeschichte aus Wahrheit Nr. 4 gelesen hat, weiß, warum dieser Punkt hier steht.

Unbequeme Wahrheit Nr. 6: Die Aktienvergütung war größer als der Quartalsumsatz

Im ersten Quartal 2026 buchte Soluna 10,222 Millionen US-Dollar Aktienvergütung — bei einem Quartalsumsatz von 9,394 Millionen. Die Belegschaft und die Führung erhielten in diesem Quartal also in Aktien mehr, als das gesamte Unternehmen an Erlösen erzielte. Ein Jahr zuvor waren es 1,847 Millionen. Diese Vergütung kostet kein Bargeld, sie kostet Anteile — sie ist der unsichtbare Teil der Aktien-Treppe. Und die Richtung ist gesetzt: Am 9. Juli 2026 beschloss der Vergütungsausschuss, das Grundgehalt von Vorstandschef John Belizaire rückwirkend zum 1. Januar 2026 auf 600.000 US-Dollar anzuheben und einen Zielbonus von 100 Prozent des Grundgehalts festzulegen (Meldung 8-K vom 24. Juli 2026). Am 16. Juli 2026 wurde zusätzlich Ryan Carver zum Chief Development Officer berufen. Das ist der Aufbau einer Wachstumsorganisation — bezahlt aus einer Kasse, die das operative Geschäft nicht füllt.

Bewertung: Was hier gekauft wird, ist eine Baustelle

Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt es nicht, weil es keinen Gewinn gibt. Bleiben zwei ehrliche Anker, und beide stammen aus SEC-Dokumenten. Der erste: Im Prospektnachtrag vom 1. April 2026 nennt Soluna selbst den letzten gemeldeten Handelskurs — 0,77 US-Dollar am 6. März 2026, damals bei 110.827.939 ausstehenden Aktien. Der zweite: Zwischen dem 1. April und dem 15. Mai 2026 gab die Firma 36.820.572 Aktien aus und erlöste dafür 52,2 Millionen netto, also rund 1,42 US-Dollar je Aktie. Legt man diese beiden dokumentierten Preise an die 157.747.354 Aktien vom 12. Mai 2026 an, ergibt sich eine Größenordnung von grob 120 bis 225 Millionen US-Dollar Börsenwert. Gegen den Jahresumsatz 2025 von 29,7 Millionen ist das ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 4 bis 8 — für einen Bitcoin-Miner mit fallendem Umsatz ein stolzer Preis, für ein KI-Rechenzentrum ein Schnäppchen. Genau darin liegt die Wette.

Der Buchwert erdet das Bild: Von den 113,0 Millionen US-Dollar Eigenkapital zum 31. März 2026 entfallen nur 47,2 Millionen auf die Aktionäre; 65,8 Millionen gehören Minderheitsgesellschaftern in den Projektgesellschaften, die den Bau mitfinanzieren. Auf die 111,7 Millionen damals ausstehenden Aktien gerechnet sind das 0,42 US-Dollar Buchwert je Aktie. Der aufgelaufene Verlustvortrag beträgt 385,2 Millionen — bei einer Kapitalrücklage von 446,2 Millionen. Übersetzt: Von jedem Dollar, den Anleger dieser Firma seit 1961 gegeben haben, sind rund 86 Cent verbraucht. Wer aus Bewertungsgründen einsteigt, sollte diesen Satz zweimal lesen — auch wenn die Vergangenheit größtenteils die einer anderen Firma war.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Chancen

  • Standortidee mit echtem Vorteil: Rechenzentren hinter dem Zähler eines Windparks umgehen die jahrelangen Netzanschluss-Warteschlangen — der laut Geschäftsbericht wichtigste Zeitvorteil im Rennen um KI-Kapazität.
  • Eigene Stromquelle: Mit dem Briscoe-Windpark (149,85 Megawatt, gekauft am 1. April 2026 für rund 53,0 Millionen US-Dollar) besitzt Soluna erstmals die Erzeugung selbst.
  • Hosting wächst schnell: plus 178 Prozent auf 6,7 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2026; die Erlöse sind überwiegend Festpreise oder Bereitschaftsentgelte und damit weniger vom Bitcoin-Kurs abhängig als das eigene Mining.
  • Kapitalzugang ist nachweislich vorhanden: 119,4 Millionen US-Dollar netto aus Finanzierungen im Jahr 2025, 52,2 Millionen in sechs Wochen im Frühjahr 2026, dazu ein unberührter Rahmen über 250,0 Millionen.
  • Projektpartner tragen mit: 10,9 Millionen US-Dollar Einlagen von Minderheitsgesellschaftern allein im ersten Quartal 2026 — die Anlagen wachsen, ohne dass die Stammaktionäre sie vollständig bezahlen.
  • Erster Interessent für die KI-Kapazität: Für Project Kati 2 ist laut Monatsbericht vom 14. Juli 2026 eine Absichtserklärung mit einem möglichen Mieter unterzeichnet; der Bauteil Kati 1A mit 48 Megawatt wurde fertiggestellt.

Risiken

  • Fortführungsfrage: Der Bestätigungsvermerk zum Geschäftsjahr 2025 führt sie als kritischen Prüfungssachverhalt; das Management sieht sie nur durch die Aussicht auf neues Kapital ausgeräumt, nicht durch Gewinne.
  • KI-Umsatz existiert nicht: 28 Tausend US-Dollar im Jahr 2025, null im ersten Quartal 2026 — für Kati 2 gab es bis zum 14. Juli 2026 nur eine Absichtserklärung mit einem ungenannten Interessenten, keinen Mietvertrag.
  • Verwässerung ohne erkennbare Bremse: von 10,6 auf 157,7 Millionen Aktien in 17 Monaten, dazu 26,97 Millionen nicht gevestete Belegschaftsaktien, 22,31 Millionen Optionsscheine und ein Aktienrahmen über 250,0 Millionen US-Dollar.
  • Offene Altlast: 19,3 Millionen US-Dollar aus dem gekündigten HPE-Vertrag stehen unbezahlt in der Bilanz, ohne dass ein Verfahren läuft — Zeitpunkt und Höhe der Klärung sind unbekannt.
  • Notierungsfrist: Die Nasdaq-Frist läuft bis zum 7. Oktober 2026; ein üblicher Ausweg ist eine Aktienzusammenlegung, die neuen Verwässerungsspielraum schafft.
  • Kostenblock: Verwaltungskosten von 30,5 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 (plus 64 Prozent) und 16,1 Millionen allein im ersten Quartal 2026 (plus 171 Prozent) bei 29,7 Millionen Jahresumsatz.
  • Bitcoin-Abhängigkeit: Der größte Teil des Umsatzes hängt direkt oder indirekt am Bitcoin-Kurs und an der Wirtschaftlichkeit der Mining-Kunden; die nächste Halbierung der Blockbelohnung trifft beide.

Ein menschliches Fazit

Am Anfang stand die Etiketten-Falle: Wir lesen ein Wort und ergänzen eine Zahl. Bei Soluna ist die Zahl unstrittig, weil die Firma sie selbst nennt — 28 Tausend US-Dollar KI-Umsatz im Jahr 2025, null im ersten Quartal 2026. Das ist keine Anklage. Soluna behauptet in seinen Berichten nirgends, ein laufendes KI-Geschäft zu haben; sie beschreibt sauber, dass sie eines aufbaut. Die Lücke entsteht nicht im Bericht, sondern zwischen Bericht und Wahrnehmung.

Was hier tatsächlich zum Kauf steht, ist eine Baustelle mit einer klugen Idee: Strom, den sonst niemand nutzt, in Rechenleistung verwandeln. Dahinter stehen ein eigener Windpark, vier laufende Standorte, ein Gemeinschaftsunternehmen für 350 Megawatt — und ein Preisschild, das nicht die Baustelle bezahlt, sondern das fertige Gebäude. Finanziert wird die Bauzeit mit Anteilen: Aus 10,6 Millionen Aktien wurden in 17 Monaten 157,7 Millionen. Wer heute einsteigt, kauft nicht die Firma von 2025, sondern die Hoffnung auf die von 2028 — und zahlt sie in einer Währung, von der der Vorstand jederzeit mehr drucken darf.

Das kann aufgehen. Rechenzentrums-Kapazität mit schnellem Netzzugang ist knapp, und wer heute Land, Strom und Genehmigung zusammen hat, sitzt an einem seltenen Tisch. Es kann aber auch so ausgehen wie beim HPE-Vertrag: ein großer Name, ein großer Vertrag, ein großer Verlust — und eine Rechnung, die Jahre später noch in der Bilanz steht. Die Absichtserklärung für Kati 2 vom Juli 2026 ist der erste Schritt in die eine Richtung; ob daraus ein Mietvertrag wird, steht nicht in ihr. Drei Zahlen aus dem nächsten Quartalsbericht sagen dir, welcher Fall eintritt: der Umsatz im Segment Hochleistungsrechnen, die Zahl der ausstehenden Aktien und der Kassenbestand nach den Käufen des Frühjahrs. Soluna hat dafür einen Termin gesetzt — die erste Telefonkonferenz zum Quartal ist für den 13. August 2026 angekündigt. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Soluna-Holdings-Aktien.

Unser Fazit auf einen Blick

Standortidee und Wachstum positiv
Die Grundidee trägt: Rechenzentren hinter dem Zähler eines Windparks umgehen jahrelange Netzanschluss-Warteschlangen und kaufen Strom, der sonst abgeregelt würde. Das Hosting-Geschäft wuchs im ersten Quartal 2026 um 178 Prozent auf 6,7 Millionen US-Dollar, der Gesamtumsatz um 58 Prozent auf 9,4 Millionen. Mit dem Briscoe-Windpark (149,85 Megawatt, gekauft am 01.04.2026 für rund 53,0 Millionen) gehört Soluna die Stromquelle jetzt selbst.
KI-Geschäft negativ
Die Erzählung und die Buchung klaffen weit auseinander: Das Segment Hochleistungsrechnen setzte 2025 genau 28 Tausend US-Dollar um (2024: 16 Tausend), im ersten Quartal 2026 null. Der einzige echte KI-Vertrag — 34,0 Millionen an Hewlett Packard Enterprise für Kapazität auf NVIDIA-H100-Grafikprozessoren — platzte im März 2025 und kostete 28,6 Millionen Verlust. Für Project Kati 2 meldet der Monatsbericht vom 14. Juli 2026 immerhin eine unterzeichnete Absichtserklärung mit einem ungenannten Interessenten — bis dahin existiert das KI-Geschäft als Bauplan, nicht als Umsatz.
Bilanz und Fortführung negativ
Der Abschlussprüfer UHY LLP machte die Fortführungsfähigkeit im Bestätigungsvermerk zum Geschäftsjahr 2025 zum kritischen Prüfungssachverhalt: wiederkehrende Verluste, negativer operativer Mittelfluss, erhebliche Schulden und Investitionsverpflichtungen. 2025 flossen 9,1 Millionen US-Dollar aus dem operativen Geschäft ab, im ersten Quartal 2026 allein 6,4 Millionen. Dazu steht die HPE-Verbindlichkeit von 19,3 Millionen unverändert in der Bilanz, und der Verlustvortrag erreicht 385,2 Millionen.
Verwässerung negativ
Die Aktienzahl stieg von 10.607.020 (31.12.2024) auf 157.747.354 (12.05.2026) — fast das Fünfzehnfache in 17 Monaten. Allein zwischen dem 1. April und dem 15. Mai 2026 kamen 36.820.572 Aktien für 52,2 Millionen US-Dollar netto dazu, 2026 zusätzlich 6.510.416 Aktien aus der vollständigen Wandlung der Series-B-Vorzugsaktien. Dahinter stehen weitere 26.968.251 nicht gevestete Belegschaftsaktien, 22.309.840 Optionsscheine und eine noch unberührte Aktien-Bezugsvereinbarung über 250,0 Millionen US-Dollar.
Kostendisziplin und Vergütung negativ
Die Verwaltungskosten stiegen 2025 um 64 Prozent auf 30,5 Millionen US-Dollar, während der Umsatz um 22 Prozent auf 29,7 Millionen fiel. Im ersten Quartal 2026 lagen sie bei 16,1 Millionen — darin 10,2 Millionen Aktienvergütung, also mehr als der gesamte Quartalsumsatz von 9,4 Millionen. Am 9. Juli 2026 hob der Vergütungsausschuss das Grundgehalt des Vorstandsvorsitzenden rückwirkend zum 1. Januar 2026 auf 600.000 US-Dollar an und setzte einen Zielbonus von 100 Prozent.
Notierung und Kapitalstruktur neutral
Seit dem 10. April 2026 läuft eine Nasdaq-Frist bis zum 7. Oktober 2026, weil der Schlusskurs 30 Handelstage in Folge unter 1,00 US-Dollar lag. Von den 113,0 Millionen US-Dollar Eigenkapital zum 31. März 2026 gehören nur 47,2 Millionen den Aktionären, 65,8 Millionen den Minderheitsgesellschaftern der Projekte — vor der Stammaktie stehen zusätzlich 4.920.045 Vorzugsaktien mit 25,00 US-Dollar Liquidationsvorzug.

Soluna Holdings ist ein Lehrstück über die Etiketten-Falle: Ein Unternehmen, das ehrlich beschreibt, was es baut, wird an der Börse für das gehandelt, was auf dem Schild steht. Auf dem Schild steht KI — in den Büchern stehen 28 Tausend US-Dollar KI-Umsatz für 2025 und null für das erste Quartal 2026, dazu 29,7 Millionen Umsatz aus Bitcoin und 57,0 Millionen Nettoverlust. Die Standortidee ist echt, das Hosting wächst, der eigene Windpark ist gekauft. Aber der Abschlussprüfer hat die Fortführungsfähigkeit zum kritischen Prüfungssachverhalt gemacht, eine 19,3-Millionen-Rechnung aus dem geplatzten KI-Vertrag liegt unverändert in der Bilanz, und die Aktienzahl ist in 17 Monaten fast auf das Fünfzehnfache gestiegen. Wer hier investiert, finanziert einen Bauplan — und zahlt die Bauzeit in Anteilen. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Substanzrisiko

Wir haben mindestens einen belegten Befund, der das Unternehmen selbst gefährdet — unabhängig davon, wie die Aktie gerade bewertet ist.

Rot steht hier nicht für einen schlechten Kurs, sondern für belegte Substanzbefunde. Der Bestätigungsvermerk zum Geschäftsjahr 2025 führt die Fortführungsfähigkeit als kritischen Prüfungssachverhalt: wiederkehrende operative Verluste, negativer operativer Mittelfluss, erhebliche Schulden und Investitionsverpflichtungen. Der operative Mittelabfluss beschleunigte sich von 9,1 Millionen US-Dollar im ganzen Jahr 2025 auf 6,4 Millionen allein im ersten Quartal 2026, während die Verwaltungskosten um 171 Prozent stiegen. Eine Verbindlichkeit von 19,3 Millionen aus einem gekündigten Vertrag steht unbezahlt in der Bilanz, das laufende Geschäft trägt sich nicht selbst, und die Firma schreibt selbst, sie müsste ohne frisches Kapital Entwicklungsarbeiten verzögern, zurückfahren oder den Betrieb einstellen. Die Standortidee, der eigene Windpark und das wachsende Hosting-Geschäft sind reale Aktivposten — sie ändern an dieser Einordnung aber nichts, solange die Substanzfrage offen ist.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Soluna über den Reddit-Hype-Scanner. Die Gegenprobe im eigenen Datenbestand am 26. Juli 2026 ergab: SLNH steht in keiner unserer Scanner-Listen — kein Momentum-, Qualitäts- oder Bewertungsfilter hat die Aktie ausgeworfen. Diese Listen werden täglich neu berechnet, der Befund gilt für den genannten Tag.
  • Datenstand und Aktualitätsgrenze: ausgewertet sind der Geschäftsbericht (10-K) für 2025 vom 30. März 2026, der Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 vom 15. Mai 2026 sowie sämtliche danach eingereichten Meldungen bis zum 24. Juli 2026 — darunter der Monatsbericht vom 14. Juli 2026 und die Beteiligungsmeldung vom 26. Mai 2026. Die Aktienzahl stammt vom Deckblatt des Quartalsberichts (Stand 12. Mai 2026); einen neueren offiziellen Zwischenstand hat Soluna bis zum 24. Juli 2026 nicht veröffentlicht. Nach diesem Stichtag hinzu kam die vollständige Wandlung der Series-B-Vorzugsaktien in 6.510.416 Stammaktien, deren größter Teil auf die Zeit nach dem 31. März 2026 entfällt.
  • Zur Bewertung: Ein Börsenwert aus Marktdaten wird hier bewusst nicht als Kennzahl verwendet, weil der letzte in einem Filing dokumentierte Kurs (0,77 US-Dollar am 6. März 2026) und der Durchschnittserlös der eigenen Aktienausgabe im April und Mai 2026 (rund 1,42 US-Dollar) weit auseinanderliegen. Genannt wird deshalb nur die Größenordnung. Nicht zu verwechseln: SLNH ist die Stammaktie, SLNHP die Vorzugsaktie derselben Gesellschaft.

Häufige Fragen

Soluna Holdings, Inc. (NASDAQ: SLNH) aus Albany, New York, baut und betreibt Rechenzentren direkt neben Wind- und Solarparks, vor allem in Texas und Kentucky. Dort kauft sie Strom, der sonst abgeregelt würde, und verrechnet ihn in Computerleistung. Der Umsatz kam 2025 aus eigenem Bitcoin-Mining (11,4 Millionen US-Dollar), aus Hosting für fremde Miner (17,0 Millionen) und aus Lastabschaltung im Stromnetz (1,3 Millionen). Zum 31. Dezember 2025 hatte die Firma 55 Beschäftigte.

Sehr wenig. Das Berichtssegment Hochleistungsrechnen, unter dem Soluna sein KI-Geschäft führt, setzte im Geschäftsjahr 2025 laut Geschäftsbericht (10-K) 28 Tausend US-Dollar um — 0,09 Prozent des Gesamtumsatzes von 29,7 Millionen. Im Vorjahr waren es 16 Tausend. Im ersten Quartal 2026 wies der Quartalsbericht (10-Q) für dieses Segment null Umsatz aus. Die KI-Kapazität ist geplant und teilweise im Bau, verkauft ist sie noch nicht.

Weil es dieselbe Gesellschaft ist. Sie wurde 1961 im Bundesstaat New York als Mechanical Technology, Incorporated gegründet, verlegte ihren Sitz am 24. März 2021 nach Nevada und änderte am 2. November 2021 ihren Namen in Soluna Holdings, Inc. Die alten Einreichungen bei der US-Börsenaufsicht SEC laufen deshalb unter derselben Kennnummer CIK 0000064463. Wer sehr alte Datenreihen sieht, sieht die Vorgeschichte einer ganz anderen Firma.

SLNH ist die Stammaktie, SLNHP die 9,0-Prozent-Vorzugsaktie der Serie A mit einem Liquidationsvorzug von 25,00 US-Dollar je Stück. Zum 31. März 2026 waren 4.920.045 Vorzugsaktien ausgegeben. Beide sind an der Nasdaq notiert. Die Vorzugsaktie steht bei Auszahlungen vor der Stammaktie — wer SLNH kauft, steht in der Reihenfolge also hinter SLNHP und hinter allen Fremdkapitalgebern.

Ernst genug, dass der Abschlussprüfer UHY LLP ihn im Bestätigungsvermerk zum Geschäftsjahr 2025 als kritischen Prüfungssachverhalt behandelt hat: wiederkehrende operative Verluste, negativer operativer Mittelfluss, erhebliche Schulden und Investitionsverpflichtungen begründeten erhebliche Zweifel. Das Management hält die Zweifel für ausgeräumt — durch 76,4 Millionen US-Dollar Kasse zum 31. Dezember 2025, eine Aktien-Bezugsvereinbarung über 250,0 Millionen und Projektkredite. Ausgeräumt heißt aber: abhängig von frischem Kapital.

Am 10. April 2026 stellte die Nasdaq fest, dass der Schlusskurs 30 Handelstage in Folge unter 1,00 US-Dollar lag. Bis zum 7. Oktober 2026 muss der Kurs an zehn aufeinanderfolgenden Handelstagen wieder bei mindestens 1,00 US-Dollar schließen. Gelingt das nicht, kann eine zweite Frist von 180 Tagen folgen; scheitert auch die, leitet die Nasdaq das Delisting ein, gegen das die Firma Widerspruch einlegen kann. Ein üblicher Ausweg ist eine Aktienzusammenlegung.

Sehr stark. Zum 31. Dezember 2024 standen 10.607.020 Stammaktien aus, zum 31. Dezember 2025 102.531.089, zum 31. März 2026 111.717.040 und zum 12. Mai 2026 157.747.354 — fast das Fünfzehnfache in 17 Monaten. Allein zwischen dem 1. April und dem 15. Mai 2026 kamen 36.820.572 Aktien für 52,2 Millionen US-Dollar netto dazu. Genehmigt sind 375,0 Millionen Aktien; dazu kommen zum 31. März 2026 noch 26.968.251 nicht gevestete Belegschaftsaktien und 22.309.840 Optionsscheine. Hinzu kam 2026 die vollständige Wandlung der Series-B-Vorzugsaktien in 6.510.416 Stammaktien, die am 23. Juni 2026 mit der Löschung der Gattung abgeschlossen war.

Kati 2 ist Solunas KI-Projekt in Willacy County, Texas: ein Gemeinschaftsunternehmen mit Metrobloks vom 3. Juni 2026, erste Ausbaustufe 100 Megawatt, zweite 250 Megawatt. Soluna hat dafür rund 3,5 Millionen US-Dollar an Kosten getragen und sich zu rund 19,0 Millionen Kapitaleinlage sowie bis zu 2,0 Millionen weiteren Mitteln verpflichtet. Im Monatsbericht vom 14. Juli 2026 meldet Soluna für Kati 2 eine unterzeichnete Absichtserklärung mit einem möglichen Mieter — ein Mietvertrag ist das noch nicht. Der Briscoe-Windpark mit 149,85 Megawatt Nennleistung wurde am 1. April 2026 für rund 53,0 Millionen US-Dollar gekauft — der eigene Strom hinter dem Zähler.

Fehler gefunden?

Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.

Deine Angaben werden nur zur Prüfung Deiner Meldung verwendet und nicht weitergegeben.

Das könnte Sie interessieren

War diese Seite hilfreich für Dich?