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sino AG: 26,6 Millionen Euro Gewinn in sechs Monaten — und 25,5 davon kommen aus einem einzigen Verkauf

sino AG: 26,6 Millionen Euro Gewinn in sechs Monaten — und 25,5 davon kommen aus einem einzigen Verkauf

Die sino AG aus Düsseldorf ist ein kleiner Broker für sehr aktive Privatanleger: 25 Mitarbeiter, 308 Depots, ein Geschäftsjahr, das am 30. September endet. Im ersten Halbjahr 2025/2026 meldete sie einen Konzernüberschuss von 26,58 Millionen Euro — mehr als das 26-Fache des gesamten Vorjahres. Der Halbjahresbericht erklärt selbst, woher das Geld kam: 25.547 Tausend Euro aus dem Verkauf von Anteilen an der Trade Republic Bank GmbH. Das Kerngeschäft wächst tatsächlich, aber es steuert nach der eigenen Prognose nur 2,3 bis 3,1 Millionen Euro nach Steuern bei. Keine Anlageberatung — nur der Versuch, in einer Gewinnzahl das Ereignis von der Eigenschaft zu trennen.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 20 Min. Lesezeit

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Stand heute

Stand: 3. August 2026

Schlusskurs
108,00 € -0,50 %
Marktkapitalisierung
0,3 Mrd. €
KGV
9,2
Wachstums-Score
6/10
AAQS
5/10

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

sino AG: 26,6 Millionen Euro Gewinn in sechs Monaten — und 25,5 davon kommen aus einem einzigen Verkauf
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Halbjahresbericht, Primärmarkt Börse Düsseldorf)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 88,80 € bis 110,00 € · Letzter Kurs: 108,00 € (Stand: 3. August 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die niemanden für dumm hält und trotzdem fast jeden erwischt: die Jackpot-Falle. Sie funktioniert so. Du siehst eine Zahl, die alles überstrahlt — einen Gewinn, der um ein Vielfaches über allem liegt, was die Firma je verdient hat. Dein Kopf macht daraus in Millisekunden eine Eigenschaft: „Das ist eine hochprofitable Firma.“ Dabei ist es gar keine Eigenschaft, sondern ein Ereignis. Der Nachbar, der im Lotto gewinnt, ist danach nicht plötzlich ein guter Verdiener. Er ist ein Mensch mit einem normalen Gehalt und einem einmaligen Geldsegen. Die sino AG aus Düsseldorf ist der Lehrfall dieser Verwechslung: Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2025/2026, also vom 1. Oktober 2025 bis zum 31. März 2026, meldete der Konzern einen Überschuss von 26.581.288,88 Euro. Im ganzen Geschäftsjahr davor waren es 1.004 Tausend Euro. Machen wir deshalb einen Deal: Bevor du diese Zahl als Ertragskraft verbuchst, lesen wir gemeinsam nach, wer sie erzeugt hat. Die Quellen sind öffentlich und nachprüfbar — der Halbjahresfinanzbericht zum 31. März 2026, veröffentlicht am 30. Juni 2026, und der Geschäftsbericht 2024/2025 vom 24. März 2026. Am Ende entscheidest du selbst.

Was die sino AG eigentlich macht — ein Spezialist für die lautesten 300 Depots

Die sino AG ist kein Broker für dich und mich. Sie ist ein Nischenanbieter für sogenannte Heavy Trader — Privatanleger, die nicht einmal im Monat einen Sparplan besparen, sondern hunderte Orders pro Woche in den Markt legen. Der Lagebericht formuliert es selbst: gegründet 1998, „ein Spezialanbieter für Heavy-Trader in Deutschland“, spezialisiert auf „die aktivsten und anspruchsvollsten Trader“. Das Herzstück ist die eigene Handelsoberfläche MX-PRO, über die im Geschäftsjahr 2024/2025 mehr als 99 Prozent aller Orders liefen. Konten und Depots führt die sino AG nicht selbst — das übernimmt die Baader Bank AG als Kooperationspartner; die sino AG darf laut ihrer Erlaubnis nach dem Wertpapierinstitutsgesetz gar kein Kundengeld und keine Kundenpapiere in Besitz nehmen. Übersetzt in ein Alltagsbild: Die sino AG ist der Fahrlehrer mit dem sehr guten Wagen, die Bank ist die Garage, in der das Auto steht.

Die Größenordnung ist bewusst klein. Zum 31. März 2026 beschäftigte der Konzern 25 Mitarbeiter (ohne Vorstand), im Halbjahresdurchschnitt 27. Zum 30. September 2025 betreute die sino AG 300 Depots, zum 30. Juni 2026 waren es 308. Dreihundert Depots — das ist keine Bank, das ist ein Handwerksbetrieb mit außergewöhnlich fleißigen Kunden. Und genau deshalb ist die zweite Hälfte des Unternehmens so wichtig: Über die 100-prozentige Tochter sino Beteiligungen GmbH hält der Konzern Minderheitsanteile an jungen Finanzfirmen. Die mit Abstand wichtigste davon ist die Trade Republic Bank GmbH — jener Neo-Broker, der heute nach Angaben im Halbjahresbericht in 18 europäischen Ländern aktiv ist, per September 2025 mehr als 10 Millionen Kunden betreute und über 150 Milliarden Euro Vermögen verwaltete. Dazu kommen 9,83 Prozent an der QUIN Technologies GmbH (Plattform getquin), 5,43 Prozent an der CAPTIQ GmbH und eine kleine Position an beatvest (Wisefolio GmbH) mit einem Buchwert von 276 Tausend Euro (alle Angaben zum 31. März 2026).

Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Die sino AG ist ein kleiner, ordentlich wachsender Broker — aber ihr Ergebnis wird seit Jahren von etwas ganz anderem bestimmt: von den Anteilen an einem Wettbewerber, der genau das Geschäft groß gemacht hat, das die sino AG klein hält. Ein Detail dazu solltest du dir gleich merken, weil es sonst jede Jahreszahl verrutschen lässt: Das Geschäftsjahr der sino AG endet nicht am 31. Dezember, sondern am 30. September. Das Geschäftsjahr 2025/2026 läuft also vom 1. Oktober 2025 bis zum 30. September 2026, und der Halbjahresbericht deckt die sechs Monate bis zum 31. März 2026 ab.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Nicht über einen Kennzahlenfilter, sondern über das Gespräch: Die sino AG stand am 4. August 2026 in der Hitliste der meistdiskutierten Werte deutscher Privatanleger bei wallstreet-online. Das ist ein ehrlicher, aber schwacher Aufhänger — Foren-Aufmerksamkeit ist kein Qualitätsmerkmal, sie ist ein Hinweis darauf, dass eine Zahl Aufsehen erregt hat. Welche Zahl das war, ist schnell erklärt: der Halbjahresgewinn. Wichtig ist deshalb, was unser hauseigener Aktien-Scanner an dieser Stelle nicht leisten kann. Die sino AG ist ein sehr kleiner, sehr eng gehandelter Wert im Primärmarkt der Börse Düsseldorf, einem Qualitätssegment des dortigen Freiverkehrs. Klassische Kennzahlen laufen hier ins Leere: Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis des Halbjahresgewinns misst einen Verkaufserlös, ein Kurs-Buchwert-Verhältnis misst eine Bilanz, in der der wichtigste Vermögenswert zu historischen Anschaffungskosten steht. Merke dir den Befund gleich zu Beginn: Bei der sino AG muss man die Kennzahl auseinandernehmen, bevor man sie benutzt. Genau das machen wir jetzt.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Zuerst das, was wirklich beeindruckt, und das ist mehr, als die Jackpot-Erzählung vermuten lässt. Das Kerngeschäft der sino AG wächst tatsächlich, und zwar kräftig. Im ersten Halbjahr 2025/2026 wickelte sie 863.496 Orders ab, nach 450.690 im Vorjahreszeitraum — ein Plus von rund 92 Prozent oder 412.806 Orders. Die Provisionserträge des Konzerns stiegen um rund 71 Prozent auf 7,16 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum: 4,18 Millionen). Und das ist kein Ausreißer: Schon im Geschäftsjahr 2024/2025 waren die Orders um 66,8 Prozent von 637.547 auf 1.063.491 gestiegen. Auch nach dem Bilanzstichtag lief es weiter — im Juni 2026 führte die sino AG nach eigener Mitteilung vom 7. Juli 2026 146.630 Orders aus, 69,34 Prozent mehr als im Juni 2025.

Balkendiagramm der ausgeführten Orders der sino-Kunden je Geschäftsjahr: 511.498 (2022/23), 637.547 (2023/24), 1.063.491 (2024/25) und 863.496 allein im ersten Halbjahr 2025/26. Das Geschäftsjahr endet am 30. September.
Das Kerngeschäft wächst wirklich: 511.498 Orders im Geschäftsjahr 2022/23, 1.063.491 im Geschäftsjahr 2024/25 — und schon 863.496 im ersten Halbjahr 2025/26. Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Halbjahresbericht, Primärmarkt Börse Düsseldorf). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Auch die Effizienz verbessert sich messbar. Die Kosten-Ertrags-Relation — der Anteil der Verwaltungskosten an den operativen Erträgen, im Bankjargon Cost-Income-Ratio — sank im Berichtshalbjahr auf 0,69 nach 0,85 im Vorjahreszeitraum. Übersetzt: Von einem Euro Ertrag bleiben nach Verwaltungskosten 31 Cent übrig statt 15. Im Geschäftsjahr 2024/2025 lag die Quote bei 0,82, ein Jahr davor bei 0,97 — da fraßen die Kosten also fast den gesamten Ertrag. Der Vorstand hat seine Prognose für 2025/2026 im Halbjahresbericht angehoben: operative Erträge nun 12,2 bis 13,8 Millionen Euro (vorher 11,1 bis 13,4), Verwaltungsaufwendungen 8,7 bis 9,4 Millionen (vorher 9,2 bis 10,7), operatives Ergebnis vor Steuern 3,4 bis 4,6 Millionen (vorher 2,9 bis 4,1) und eine Kosten-Ertrags-Relation zwischen 0,63 und 0,77. Das ist eine echte, saubere operative Verbesserung — und sie verdient, ausdrücklich gewürdigt zu werden, bevor die unbequemen Kapitel kommen.

Jetzt aber die Kurve, die alles erklärt. Sie zeigt das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit des Konzerns, also den Gewinn vor Steuern, über fünf Perioden:

Balkendiagramm des Ergebnisses der normalen Geschäftstätigkeit des sino-Konzerns in Millionen Euro: plus 0,95 (2021/22), minus 1,48 (2022/23, rot), plus 1,29 (2023/24), plus 1,29 (2024/25) und plus 27,70 im ersten Halbjahr 2025/26.
Vier Jahre zwischen minus 1,48 und plus 1,29 Millionen Euro — und dann 27,70 Millionen in nur sechs Monaten. Der letzte Balken ist kein Wachstumssprung, sondern ein Verkauf. Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Jahres-/Halbjahresbericht, Primärmarkt Börse Düsseldorf). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Vier Balken auf Bodenhöhe, ein Balken im Himmel. Und das Bemerkenswerte: Es ist nicht der erste Ausschlag dieser Art. Im Geschäftsjahr 2020/2021 wies der sino-Konzern ein Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit von 143,02 Millionen Euro aus — nachzulesen in der Fünf-Jahres-Übersicht des Geschäftsberichts 2023/2024. Auch damals war die Ursache dieselbe: der Verkauf von Anteilen an der Trade Republic Bank GmbH. Zwei Ausschläge, ein Grund. Dazwischen liegt ein Geschäft, das im besten Jahr 1,29 Millionen Euro vor Steuern verdiente und 2022/2023 mit 1,48 Millionen Euro Verlust abschloss. Wer die Ertragskraft der sino AG verstehen will, muss also beide Kurven getrennt lesen: die ruhige, langsam steigende Kurve des Brokerage — und die zwei Blitze aus dem Beteiligungsdepot. Ähnlich haben wir das schon einmal seziert, als der Gewinn eines Rückversicherers gar nicht im Versicherungsgeschäft entstand, sondern im Wertpapierdepot: in unserer Analyse zu Greenlight Capital Re.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Rekordgewinn ist ein Verkaufserlös, kein Geschäftsergebnis

Der Halbjahresbericht macht daraus kein Geheimnis — er sagt es in einem einzigen Satz. Von den sonstigen betrieblichen Erträgen des Halbjahres stammt praktisch alles aus einer Quelle:

„Die sonstigen betrieblichen Erträge betragen insgesamt 25.748 TEUR. Sie resultieren im Wesentlichen aus den Erträgen der Veräußerung von Anteilen an der Trade Republic Bank GmbH (25.547 TEUR).“

— sino AG, Halbjahresfinanzbericht zum 31.03.2026, verkürzter Konzernanhang, Seite 8

Gelb markierte und rot umrandete Textstelle aus dem sino-Halbjahresfinanzbericht zum 31.03.2026: Die sonstigen betrieblichen Erträge betragen 25.748 Tausend Euro und resultieren im Wesentlichen aus der Veräußerung von Anteilen an der Trade Republic Bank GmbH mit 25.547 Tausend Euro.
Die markierte Stelle im Original: 25.547 von 25.748 Tausend Euro sonstiger betrieblicher Erträge kommen aus einem einzigen Verkauf. Quelle: sino AG, Halbjahresfinanzbericht zum 31.03.2026, Seite 8 (sino.de), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rechnen wir es sauber nach. Das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit lag im Halbjahr bei 27.700.194,78 Euro, nach Steuern blieben 26.581.288,88 Euro Konzernjahresüberschuss. Auf die 2.337.500 ausgegebenen Aktien verteilt sind das rechnerisch rund 11,37 Euro je Aktie in sechs Monaten. Ohne den Verkaufserlös bliebe von den 27,7 Millionen Euro vor Steuern eine gute Million übrig — genau die Größenordnung, in der sich die sino AG seit Jahren bewegt. Der Lagebericht beziffert den Ergebnisbeitrag der ersten Verkaufstranche selbst mit rund 25,16 Millionen Euro nach Steuern.

Und es geht weiter: Eine zweite Tranche desselben Geschäfts wurde nach dem Bilanzstichtag, am 28. Mai 2026, vollzogen. Der Vorstand rechnet daraus mit einem weiteren Ergebnisbeitrag von rund 13,31 Millionen Euro nach Steuern. Er nennt in seiner Prognose auch die Summe:

„Unter Berücksichtigung des gesamten Ergebnisbeitrags aus der Secondary-Share-Sale-Transaktion (erste und zweite Tranche) von rund 38,47 Mio. EUR nach Steuern, der mit Vollzug der zweiten Tranche vollständig realisiert wurde, erwartet der Vorstand für das Geschäftsjahr 2025/2026 einen Konzernjahresüberschuss von rund 40,8 bis 41,6 Mio. EUR nach Steuern.“

— sino AG, Halbjahresfinanzbericht zum 31.03.2026, Konzernzwischenlagebericht „Erwartete Geschäfts- und Ertragslage“, Seite 20

Das ist die entscheidende Zeile der ganzen Analyse, und sie stammt vom Unternehmen selbst. Von 40,8 bis 41,6 Millionen Euro erwartetem Jahresüberschuss sind 38,47 Millionen ein Verkaufserlös. Was das laufende Geschäft beisteuert, sagt derselbe Absatz: ein erwartetes Ergebnis vor Steuern von 3,4 bis 4,6 Millionen Euro und nach Steuern 2,3 bis 3,1 Millionen Euro. Merke dir dieses Zahlenpaar — es ist der Maßstab für alles Weitere: Das Unternehmen verdient operativ rund 2,3 bis 3,1 Millionen Euro im Jahr. Alles darüber ist verkauftes Tafelsilber.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Sieben Millionen Euro gingen als Darlehen an den eigenen Vorstand — und der Bericht nennt zwei verschiedene Zahlen

Wohin fließt das Geld aus dem Verkauf? Ein Teil in Geldmarktfonds (16,7 Millionen Euro), ein Teil auf Bankkonten. Und ein Teil in eine Position, die man in der Bilanz eines Wertpapierinstituts nicht erwartet. In den sonstigen Vermögensgegenständen, die von 1,79 auf 8,84 Millionen Euro sprangen, steht unter „Darlehen an Dritte“ ein Betrag von 7.716 Tausend Euro. Der Anhang löst auf, wer dieser Dritte ist:

„Unter Darlehen an Dritte wird eine Darlehensforderung in Höhe von 7.000 TEUR an den Vorstand ausgewiesen, Rückzahlungen waren bis zum Stichtag nicht fällig und wurden daher bislang nicht geleistet.“

— sino AG, Halbjahresfinanzbericht zum 31.03.2026, verkürzter Konzernanhang, Seite 6

Gelb markierte und rot umrandete Textstelle aus dem sino-Halbjahresfinanzbericht zum 31.03.2026: Unter Darlehen an Dritte wird eine Darlehensforderung in Höhe von 7.000 Tausend Euro an den Vorstand ausgewiesen; Rückzahlungen waren bis zum Stichtag nicht fällig.
Die markierte Stelle im Original: 7.000 Tausend Euro Darlehen an den Vorstand, keine Rückzahlung bis zum Stichtag. Quelle: sino AG, Halbjahresfinanzbericht zum 31.03.2026, Seite 6 (sino.de), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Sieben Millionen Euro sind bei diesem Unternehmen keine Randnotiz: Das sind rund 16 Prozent der Bilanzsumme von 43,5 Millionen Euro und rund 18 Prozent des Eigenkapitals von 39,9 Millionen — und ein Vielfaches dessen, was der Konzern in einem normalen Jahr verdient. Und hier kommt ein Detail, das man beim schnellen Lesen übersieht: Der Bericht nennt an zwei Stellen zwei verschiedene Beträge. Der Anhang auf Seite 6 schreibt 7.000 Tausend Euro. Der Lagebericht auf Seite 18 schreibt:

„Wesentlicher Treiber dieser Entwicklung war die Vergabe eines Darlehens an ein Mitglied des Vorstands, das zum Bilanzstichtag mit 7,04 Mio. EUR ausgewiesen wird.“

— sino AG, Halbjahresfinanzbericht zum 31.03.2026, Konzernzwischenlagebericht „Vermögenslage“, Seite 18

7,00 gegen 7,04 Millionen Euro. Die Differenz von 40 Tausend Euro ist klein und lässt sich plausibel als aufgelaufene Zinsen erklären — nur steht das nirgends. Der Bericht sagt weder, zu welchem Zinssatz das Darlehen vergeben wurde, noch wie lange es läuft, noch ob es besichert ist, noch welchem der beiden Vorstände es gewährt wurde. Er sagt nur, dass es an den Vorstand ging und dass bis zum 31. März 2026 nichts zurückgezahlt wurde. Und er sagt, dass genau solche Geschäfte das Risikoprofil verändert haben:

„Durch den Aufbau eines Wertpapierbestands sowie die Vergabe von Darlehen haben Marktpreis- und Adressausfallrisiken im Konzern jedoch an Bedeutung gewonnen.“

— sino AG, Halbjahresfinanzbericht zum 31.03.2026, Risiko-, Chancen- und Prognosebericht, Seite 19

Zwei Dinge gehören zur Fairness. Erstens: Das Ganze ist offengelegt, und zwar an zwei Stellen — Verschleierung sieht anders aus. Zweitens gibt es einen Zusammenhang, den man kennen sollte: Am 22. Juli 2026 meldete die sino AG ein Directors-Dealings-Geschäft. Die MMI Leisure & Capital Management GmbH, eine dem Vorstandsvorsitzenden Ingo Hillen eng verbundene Gesellschaft, kaufte sino-Aktien zum Preis von 90,00 Euro je Stück mit einem Volumen von 2.700.000,00 Euro — das entspricht 30.000 Aktien oder rund 1,3 Prozent aller ausgegebenen Aktien, gehandelt außerhalb eines Handelsplatzes. Bereits am 24. Juni 2026 hatte dieselbe Gesellschaft einen Kauf gemeldet. Ein Vorstand, der im großen Stil eigene Aktien kauft, ist grundsätzlich ein gutes Zeichen. Dass dieselbe Firma demselben Vorstand kurz zuvor sieben Millionen Euro geliehen hat, ohne Konditionen zu nennen, macht es zu einer Frage, die du dir selbst beantworten musst. Ein dritter Punkt kommt dazu, und er gilt für den gesamten Halbjahresbericht: Er ist ausdrücklich weder geprüft noch von einem Wirtschaftsprüfer durchgesehen worden — die Gesellschaft nennt das im Anhang auf Seite 4 selbst. Für den Jahresabschluss gilt das nicht, für alle Halbjahreszahlen dieser Analyse schon.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der größte Teil des Gewinns gehört gar nicht der Firma — die Satzung zwingt zur Ausschüttung

Jetzt die gute Nachricht, die zugleich eine unbequeme ist. Das Geld aus dem Trade-Republic-Verkauf darf die sino AG nämlich zum allergrößten Teil nicht behalten. Das steht so in ihrer eigenen Satzung:

„Die Satzung der sino AG sieht ein Ausschüttungsgebot vor, wonach Gewinne aus der Veräußerung von Anteilen an der Trade Republic Bank GmbH grundsätzlich zu mindestens 90 % an die Aktionäre ausgeschüttet werden sollen.“

— sino AG, Halbjahresfinanzbericht zum 31.03.2026, Konzernzwischenlagebericht „Vermögenslage“, Seite 18

Gelb markierte und rot umrandete Textstelle aus dem sino-Halbjahresfinanzbericht zum 31.03.2026: Die Satzung sieht ein Ausschüttungsgebot vor, wonach Gewinne aus der Veräußerung von Anteilen an der Trade Republic Bank GmbH grundsätzlich zu mindestens 90 Prozent an die Aktionäre ausgeschüttet werden sollen.
Die markierte Stelle im Original: ein Ausschüttungsgebot in der Satzung, das mindestens 90 Prozent der Trade-Republic-Verkaufsgewinne den Aktionären zuweist. Quelle: sino AG, Halbjahresfinanzbericht zum 31.03.2026, Seite 18 (sino.de), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Direkt im Anschluss nennt der Bericht die Größenordnung: Die Verwaltung plant, der Hauptversammlung, die über die Gewinnverwendung für 2025/2026 beschließt, eine Dividende von mindestens 14,80 Euro je Aktie vorzuschlagen. Bei 2.337.500 Aktien wären das rund 34,6 Millionen Euro — also fast der gesamte erwartete Jahresüberschuss. Zum Vergleich: Die Hauptversammlung vom 4. Mai 2026 beschloss eine Dividende von 1,46 Euro je Aktie, und in den beiden Jahren davor gab es überhaupt keine Ausschüttung.

Für dich als Anleger hat das zwei Seiten, und beide sind wichtig. Die gute: Ein Ausschüttungsgebot in der Satzung ist ein starker Schutz. Es verhindert, dass ein einmaliger Geldsegen im Unternehmen versickert, in Zukäufe fließt, die niemand gebraucht hat, oder in Darlehen, deren Konditionen nirgends stehen. Das Geld kommt bei dir an, und die Regel steht nicht in einer Pressemitteilung, sondern in der Satzung. Die unbequeme: Genau deshalb darfst du den Rekordgewinn nicht als Substanzaufbau verbuchen. Nach der Ausschüttung ist die sino AG wieder die Firma, die sie vorher war — ein kleiner Broker mit rund 300 Depots und einem Jahresergebnis im niedrigen einstelligen Millionenbereich, nur mit einer kleineren Trade-Republic-Beteiligung als zuvor. Das Kapital wandert einmal durch die Bilanz und dann heraus.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Der wichtigste Vermögenswert steht mit einem Buchwert in der Bilanz, der nichts über seinen Wert sagt

Wenn ein Verkauf von rund einem halben Prozentpunkt Beteiligung 38,47 Millionen Euro nach Steuern bringt, liegt die nächste Frage auf der Hand: Was ist der Rest wert? Die Bilanz hilft dabei nicht — und das ist kein Vorwurf, sondern deutsche Rechnungslegung. Der Geschäftsbericht 2024/2025 sagt es klar:

„Die Anteile an der Trade Republic Bank GmbH, werden zum 30. September 2025 als Beteiligung zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanziert.“

— sino AG, Geschäftsbericht 2024/2025, Beteiligungen, Seite 14

Gelb markierte und rot umrandete Textstelle aus dem sino-Geschäftsbericht 2024/2025: Die Anteile an der Trade Republic Bank GmbH werden zum 30. September 2025 als Beteiligung zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanziert.
Die markierte Stelle im Original: Bewertung zu fortgeführten Anschaffungskosten — der Buchwert zeigt, was die Anteile einmal gekostet haben, nicht was sie heute wert sind. Quelle: sino AG, Geschäftsbericht 2024/2025, Seite 14 (sino.de), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Übersetzt in ein Alltagsbild: Es ist, als stünde dein 1998 gekauftes Reihenhaus mit dem damaligen Kaufpreis in deiner Vermögensaufstellung. Der Wert ist völlig richtig gebucht — und völlig unbrauchbar, um dein Vermögen einzuschätzen. Konkret: Der gesamte Bilanzposten „Beteiligungen“ stand zum 31. März 2026 bei 6,50 Millionen Euro — für alle Beteiligungen zusammen, Trade Republic eingeschlossen. Ein Kurs-Buchwert-Verhältnis, das auf dieser Bilanz aufbaut, misst also nicht, was du bekommst. Merke dir das Prinzip: Wenn der wichtigste Vermögenswert zu Anschaffungskosten in der Bilanz steht, ist der Buchwert eine Untergrenze, keine Bewertung.

Wie groß der Rest ist, sagt der Halbjahresbericht dagegen präzise:

„Unter Berücksichtigung von Beteiligungsprogrammen für Gründer, Mitarbeiter und die Geschäftsleitung der Trade Republic Bank GmbH geht die Geschäftsführung der sino AG derzeit von einer wirtschaftlichen Beteiligung (fully diluted) der sino an der Trade Republic Bank GmbH von 1,77 % aus.“

— sino AG, Halbjahresfinanzbericht zum 31.03.2026, verkürzter Konzernanhang, Anteilsbesitzliste, Seite 10

Der wirtschaftliche Anteil ist also von 2,27 Prozent über 2,05 Prozent auf 1,77 Prozent voll verwässert gesunken. „Voll verwässert“ heißt: Es sind schon alle Anteile mitgezählt, die Gründer, Mitarbeiter und Geschäftsleitung von Trade Republic noch bekommen können — dein Stück vom Kuchen wird also nicht noch einmal kleiner, wenn diese Programme ausgeübt werden. Was diese 1,77 Prozent wert sind, sagt der Bericht bewusst nicht. Er nennt nur eine einzige Teilzahl, und die ist bemerkenswert konkret: Für treuhänderisch gehaltene Anteile aus Managementoptionsvereinbarungen, deren vollständige Ausübung der Vorstand bis August 2029 für „sehr wahrscheinlich“ hält, erwartet er einen weiteren Veräußerungsgewinn von rund 4,9 Millionen Euro nach Steuern. Mehr Anhaltspunkte gibt es nicht — und wer daraus einen Gesamtwert hochrechnet, rechnet mit Annahmen, nicht mit Belegen. Genau das tun wir hier nicht.

Bewertung: Das billigste Kurs-Gewinn-Verhältnis der Analyse ist auch das unbrauchbarste

Jetzt wird die Jackpot-Falle rechnerisch sichtbar. Der Börsenwert der sino AG lag laut Fundamentaldaten bei rund 252 Millionen Euro (Datenstand 3. August 2026), verteilt auf 2.337.500 Aktien — rechnerisch also rund 108 Euro je Aktie. Die Handelsspanne der zurückliegenden 52 Wochen reichte von 85 bis 113 Euro (gleicher Datenstand); die Directors-Dealings-Meldung vom 22. Juli 2026 nennt für ein außerbörsliches Paket 90,00 Euro je Aktie, und am Tag der Hauptversammlung 2025, dem 6. Mai 2025, notierte die Aktie laut Geschäftsbericht bei 86,40 Euro. Das sind die belegten Anker; Tageskurse spielen in dieser Analyse bewusst keine Rolle.

Setzt man diesen Börsenwert gegen die eigene Prognose des Vorstands für 2025/2026 — 40,8 bis 41,6 Millionen Euro Konzernjahresüberschuss —, ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 6. Das sieht nach einem Schnäppchen aus, und genau so wird es in Foren zitiert. Nun dieselbe Rechnung mit der operativen Zahl, die derselbe Bericht nennt: 2,3 bis 3,1 Millionen Euro nach Steuern. Daraus wird ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 81 bis 110. Es ist dieselbe Firma, derselbe Tag, dieselbe Quelle — nur einmal mit und einmal ohne den Verkaufserlös. Merke dir diesen Satz: Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis ist nur so belastbar wie die Wiederholbarkeit des Gewinns darunter.

Fair ist eine Gegenrechnung, und sie fällt zugunsten der Aktie aus. Ein erheblicher Teil des Börsenwerts ist Geld, das satzungsgemäß zu dir zurückfließen soll: Bei mindestens 14,80 Euro je Aktie sind das rund 34,6 Millionen Euro, gemessen am rechnerischen Kurs von 108 Euro also rund 14 Prozent. Zieht man diese geplante Ausschüttung vom Börsenwert ab, bleiben rechnerisch rund 218 Millionen Euro für ein Geschäft, das operativ 2,3 bis 3,1 Millionen Euro nach Steuern verdient — plus die verbliebenen 1,77 Prozent an Trade Republic, deren Wert die Bilanz nicht zeigt. Ob dieser Rest den Aufschlag rechtfertigt, ist die eigentliche Anlagefrage. Sie ist keine Rechenfrage, sondern eine Einschätzungsfrage: Du kaufst zu einem großen Teil eine nicht bewertete Beteiligung an einem Wettbewerber.

Zwei Zahlen zur Substanz gehören noch dazu, und sie sind ungewöhnlich gut. Das Eigenkapital stieg vom 30. September 2025 bis zum 31. März 2026 von 13,3 auf 39,9 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote auf rund 91,5 Prozent — bei einer Bilanzsumme von 43,5 Millionen Euro. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten weist die Bilanz zum Stichtag gar keine mehr aus (30. September 2025: 300.000 Euro). Liquide oder liquiditätsähnliche Mittel machen mit 10,69 Millionen Euro rund ein Viertel der Bilanzsumme aus, dazu kommen 16,7 Millionen Euro in Geldmarktfonds. Diese Firma hat kein Finanzierungsproblem. Sie hat ein Ertragskraftproblem — was etwas völlig anderes ist als das, was ein hoch verschuldeter Anbieter unter Druck durchmacht; wie so etwas aussieht, haben wir in der Analyse zu Western Union beschrieben.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für die sino AG spricht:

  • Das Kerngeschäft wächst real und schnell: 863.496 Orders im ersten Halbjahr 2025/2026 (plus 92 Prozent), Provisionserträge 7,16 Millionen Euro (plus 71 Prozent), im Juni 2026 allein 146.630 Orders (plus 69,34 Prozent gegenüber Juni 2025).
  • Die Effizienz verbessert sich messbar: Kosten-Ertrags-Relation 0,69 im Halbjahr nach 0,85 im Vorjahreszeitraum und 0,97 im Geschäftsjahr 2023/2024; die eigene Prognose sieht 0,63 bis 0,77 für das Gesamtjahr.
  • Außergewöhnlich solide Bilanz: 91,5 Prozent Eigenkapitalquote, 39,9 Millionen Euro Eigenkapital, keine Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten mehr, 10,69 Millionen Euro liquide Mittel plus 16,7 Millionen in Geldmarktfonds (alle Werte zum 31. März 2026).
  • Aktionärsfreundliche Satzung: mindestens 90 Prozent der Trade-Republic-Verkaufsgewinne sollen ausgeschüttet werden; geplant ist ein Vorschlag von mindestens 14,80 Euro je Aktie, was rund 34,6 Millionen Euro entspricht.
  • Es bleibt Substanz im Depot: 1,77 Prozent an Trade Republic voll verwässert, dazu 9,83 Prozent an der QUIN Technologies GmbH (getquin) — und aus den Managementoptionen erwartet der Vorstand bis August 2029 einen weiteren Gewinn von rund 4,9 Millionen Euro nach Steuern.
  • Kontinuität an der Spitze: Der Aufsichtsrat bestellte am 3. August 2026 beide Vorstände vorzeitig wieder — Ingo Hillen bis August 2030, Karsten Müller bis August 2031.

Was dagegen spricht:

  • Die Ertragskraft ist klein und schwankend: 1.004 Tausend Euro Konzernüberschuss im Geschäftsjahr 2024/2025 (0,43 Euro je Aktie), 888 Tausend im Jahr davor, 1,48 Millionen Euro Verlust vor Steuern 2022/2023 — die eigene Prognose für 2025/2026 nennt operativ 2,3 bis 3,1 Millionen Euro nach Steuern.
  • Der Rekordgewinn ist einmalig und teilweise schon verplant: 38,47 der erwarteten 40,8 bis 41,6 Millionen Euro stammen aus den beiden Verkaufstranchen, und mindestens 90 Prozent davon sollen das Unternehmen als Dividende wieder verlassen.
  • Sieben Millionen Euro Darlehen an den Vorstand — rund 16 Prozent der Bilanzsumme —, ohne Angabe zu Zins, Laufzeit oder Sicherheiten, mit zwei unterschiedlichen Beträgen im selben Bericht (7.000 Tausend Euro im Anhang, 7,04 Millionen Euro im Lagebericht) und ohne Rückzahlung bis zum 31. März 2026.
  • Der Halbjahresbericht ist ausdrücklich weder geprüft noch von einem Wirtschaftsprüfer durchgesehen — alle Halbjahreszahlen dieser Analyse tragen dieses Prüfungsniveau.
  • Strukturelle Konkurrenz: Das Wachstum des mobilen Brokerage nennt der Vorstand selbst als Herausforderung. Ausgerechnet Trade Republic, die Quelle des Gewinns, betreute per September 2025 mehr als 10 Millionen Kunden — die sino AG rund 308 Depots.
  • Klumpen- und Bewertungsrisiken im Beteiligungsdepot: Zur CAPTIQ GmbH (5,43 Prozent) schreibt der Halbjahresbericht wörtlich, die Lage sei „sehr herausfordernd“; das Ergebnis aus at Equity bewerteten Beteiligungen lag im Halbjahr bei minus 116.569,74 Euro. Zudem wuchsen laut Bericht durch Wertpapierbestand und Darlehen die Marktpreis- und Adressausfallrisiken.
  • Sehr enger Markt: 2.337.500 Aktien, Primärmarkt der Börse Düsseldorf — schon kleine Orders können den Kurs bewegen, und die Handelsspanne von 85 bis 113 Euro in 52 Wochen (Datenstand 3. August 2026) zeigt das.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Jackpot-Falle vom Anfang. Ihr Kern ist nicht, dass der Gewinn unecht wäre — er ist vollkommen echt, das Geld ist geflossen, und ein großer Teil davon soll satzungsgemäß bei dir landen. Ihr Kern ist, dass dein Kopf aus einem Ereignis eine Eigenschaft macht. „26,6 Millionen Euro in sechs Monaten“ fühlt sich an wie eine Aussage über die Firma. In Wirklichkeit ist es eine Aussage über einen Verkauf. Die Aussage über die Firma steht zwei Absätze weiter im selben Bericht und lautet: 2,3 bis 3,1 Millionen Euro nach Steuern im laufenden Geschäftsjahr.

Das Faire daran: Die sino AG versteckt nichts. Sie schreibt den Sondereffekt hin, sie rechnet ihn in ihrer Prognose sogar ausdrücklich heraus, sie legt das Vorstandsdarlehen an zwei Stellen offen, und sie hat sich per Satzung selbst verpflichtet, den Erlös weiterzugeben. Das ist mehr Offenheit, als man bei vielen deutlich größeren Unternehmen findet. Das Unfaire wäre, wenn du daraus die falsche Zahl mitnimmst. Deshalb die drei Fragen, die du dir vor einer Entscheidung ehrlich beantworten solltest — nicht als Empfehlung, sondern als Prüfliste: Erstens: Wächst das Kerngeschäft weiter, wenn keine Beteiligung mehr verkauft wird? Der nächste harte Beleg dafür kommt am 31. August 2026 mit den Neunmonatszahlen für 2025/2026. Zweitens: Was passiert mit dem Vorstandsdarlehen? Steht im nächsten Bericht eine Rückzahlung, ein Zinssatz, eine Sicherheit — oder wieder nur ein Betrag ohne Konditionen? Drittens: Wie viel ist dir eine Beteiligung wert, die in keiner Bilanz mit ihrem Wert auftaucht? Denn genau die kaufst du zu einem erheblichen Teil mit.

Und ein Bild zum Mitnehmen, weil es die ganze Geschichte in einem Satz erzählt: Die sino AG verdient das meiste Geld mit Anteilen an dem Unternehmen, das ihr Geschäftsmodell am stärksten unter Druck setzt. Das ist keine Ironie, das ist ihre Lage — und es war die klügste Kapitalentscheidung ihrer Geschichte. Ob daraus eine gute Aktie wird, hängt daran, ob der Broker groß genug wird, bevor das Depot leer ist. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; der Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt — jüngster ausgewerteter Periodenbericht ist der Halbjahresfinanzbericht zum 31. März 2026, die Neunmonatszahlen für 2025/2026 erscheinen am 31. August 2026. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien der sino AG.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen €, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2021 2022 2023 2024 2025
Umsatz 15,3 8,1 5,4 8,8 9,5
Betriebsergebnis (EBIT) 6,8 0,3 -1,4 1,2 1,3
Nettogewinn 139,4 1,0 -1,0 0,9 1,0
Nettomarge 911,2 % 11,8 % -18,5 % 10,1 % 10,6 %
Gewinn je Aktie 59,65 € 0,41 € -0,43 € 0,38 € 0,43 €

Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Unser Fazit auf einen Blick

Kerngeschäft positiv
Das Brokerage wächst real: 863.496 Orders im ersten Halbjahr 2025/2026 nach 450.690 im Vorjahreszeitraum (plus 92 Prozent), Provisionserträge 7,16 Millionen Euro (plus 71 Prozent), 308 betreute Depots zum 30. Juni 2026. Auch nach dem Bilanzstichtag hielt der Trend an: 146.630 Orders im Juni 2026, 69,34 Prozent mehr als im Juni 2025.
Ergebnisqualität negativ
Der Halbjahresüberschuss von 26.581.288,88 Euro ist fast vollständig ein Verkaufserlös: 25.547 von 25.748 Tausend Euro sonstiger betrieblicher Erträge stammen laut Anhang aus dem Verkauf von Trade-Republic-Anteilen. Die eigene Prognose vom 30. Juni 2026 trennt es sauber — 38,47 der erwarteten 40,8 bis 41,6 Millionen Euro sind Einmalertrag, operativ bleiben 2,3 bis 3,1 Millionen Euro nach Steuern.
Bilanz & Substanz positiv
Zum 31. März 2026 stand das Eigenkapital bei 39,9 Millionen Euro nach 13,3 Millionen ein halbes Jahr zuvor, die Eigenkapitalquote bei rund 91,5 Prozent, die Bilanzsumme bei 43,5 Millionen Euro. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten weist die Bilanz keine mehr aus; 10,69 Millionen Euro liquide Mittel und 16,7 Millionen Euro in Geldmarktfonds stehen bereit. Ein Finanzierungsrisiko ist nicht erkennbar.
Kapitalrückfluss positiv
Die Satzung schreibt vor, dass Gewinne aus der Veräußerung von Trade-Republic-Anteilen grundsätzlich zu mindestens 90 Prozent an die Aktionäre ausgeschüttet werden sollen. Geplant ist ein Vorschlag von mindestens 14,80 Euro je Aktie, bei 2.337.500 Aktien rund 34,6 Millionen Euro. Zugleich heißt das: Der Sondererlös baut keine dauerhafte Substanz auf, er wandert durch die Bilanz und wieder hinaus.
Governance & Transparenz negativ
Der Halbjahresbericht weist ein Darlehen an den Vorstand aus — 7.000 Tausend Euro im Anhang (Seite 6), 7,04 Millionen Euro im Lagebericht (Seite 18), rund 16 Prozent der Bilanzsumme —, ohne Angaben zu Zins, Laufzeit oder Sicherheiten, ohne Rückzahlung bis zum 31. März 2026. Der Bericht ist zudem ausdrücklich weder geprüft noch prüferisch durchgesehen. Positiv gegengerechnet: Alles ist offengelegt, und eine dem Vorstandsvorsitzenden verbundene Gesellschaft kaufte am 22. Juli 2026 Aktien für 2.700.000,00 Euro zu 90,00 Euro je Stück.
Bewertung neutral
Bei einem Börsenwert von rund 252 Millionen Euro (Fundamentaldaten, Datenstand 3. August 2026) ergibt sich auf die Gesamtprognose ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 6, auf das operative Ergebnis nach Steuern von rund 81 bis 110. Ein erheblicher Teil des Preises entfällt damit auf die verbliebenen 1,77 Prozent an Trade Republic — die zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanziert sind und deren Wert kein Bericht beziffert.

Die sino AG ist die Jackpot-Falle im Lehrbuchformat: Ein Konzernüberschuss von 26.581.288,88 Euro im ersten Halbjahr 2025/2026 sieht aus wie Ertragskraft, stammt aber laut eigenem Anhang mit 25.547 von 25.748 Tausend Euro aus dem Verkauf von Trade-Republic-Anteilen. Das Kerngeschäft wächst dabei wirklich — 863.496 Orders (plus 92 Prozent), Kosten-Ertrags-Relation 0,69 —, liefert nach der eigenen Prognose aber nur 2,3 bis 3,1 Millionen Euro nach Steuern. Die Bilanz ist mit 91,5 Prozent Eigenkapitalquote außergewöhnlich solide, und die Satzung zwingt zur Ausschüttung von mindestens 90 Prozent des Verkaufsgewinns. Offen bleiben die Ertragskraft ohne Sondereffekt und ein Darlehen von rund sieben Millionen Euro an den eigenen Vorstand ohne genannte Konditionen. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Gelb steht hier für eine offene operative Frage, nicht für ein Substanzrisiko. Die Substanz ist ungewöhnlich gut belegt: 39,9 Millionen Euro Eigenkapital und 91,5 Prozent Eigenkapitalquote zum 31. März 2026, keine Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten, 10,69 Millionen Euro liquide Mittel plus 16,7 Millionen Euro in Geldmarktfonds, ein wachsendes Kerngeschäft und ein Vorstand, der den Bestand des Unternehmens ausdrücklich nicht gefährdet sieht. Offen ist die Ertragskraft selbst: Das ausgewiesene Ergebnis hängt an einem einzigen Ereignis — dem Verkauf von Trade-Republic-Anteilen, der laut Prognose 38,47 von 40,8 bis 41,6 Millionen Euro beisteuert —, während das laufende Geschäft nach Steuern 2,3 bis 3,1 Millionen Euro erwirtschaftet und 2022/2023 noch 1,48 Millionen Euro Verlust vor Steuern auswies. Dazu kommt ein Governance-Punkt, der beobachtet gehört: ein Darlehen an den Vorstand von 7.000 Tausend Euro laut Anhang beziehungsweise 7,04 Millionen Euro laut Lagebericht, ohne Angaben zu Zins, Laufzeit oder Sicherheiten. Dass die Aktie gemessen am Sondergewinn billig und gemessen am operativen Gewinn teuer wirkt, ist ein Preisargument und bestimmt diese Einstufung nicht.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam die sino AG über die Hitliste der meistdiskutierten Werte deutscher Privatanleger bei wallstreet-online (Stand 4. August 2026), nicht über einen Kennzahlenfilter. Foren-Aufmerksamkeit ist kein Qualitätsmerkmal — sie war hier der Hinweis darauf, dass eine einzelne Gewinnzahl Aufsehen erregt hat.
  • Datenstand und Prüfungsniveau: Jüngster ausgewerteter Periodenbericht ist der Halbjahresfinanzbericht zum 31. März 2026, veröffentlicht am 30. Juni 2026 und ausdrücklich weder nach § 317 HGB geprüft noch prüferisch durchgesehen. Alle Mitteilungen danach wurden berücksichtigt (Tradezahlen 07.07.2026, Directors Dealings 22.07.2026, Vorstandswiederbestellung 03.08.2026). Die Ergebniszahlen für die ersten neun Monate 2025/2026 erscheinen laut Finanzkalender am 31. August 2026.
  • Vorsicht bei Vergleichen: Das Geschäftsjahr endet am 30. September, nicht am 31. Dezember. Zudem ist der Buchwert wenig aussagekräftig, weil die Trade-Republic-Anteile zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanziert werden; der gesamte Bilanzposten Beteiligungen stand zum 31. März 2026 bei 6,50 Millionen Euro. Nicht zu verwechseln ist die sino AG mit gleichnamigen Gesellschaften in Asien.

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Aktien-Wächter

Diese Analyse ist Stand 4. August 2026. Was sich seitdem bei XTP.DE geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

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Wir bestätigen Deine Adresse zuerst per Mail (Double-Opt-in). Du kannst Dich jederzeit mit einem Klick wieder abmelden.

Häufige Fragen

Die sino AG aus Düsseldorf ist ein Spezialbroker für sehr aktive Privatanleger, sogenannte Heavy Trader. Kern des Angebots ist die eigene Handelsoberfläche MX-PRO, über die im Geschäftsjahr 2024/2025 mehr als 99 Prozent aller Orders liefen. Konten und Depots führt die Baader Bank AG als Kooperationspartner. Daneben hält die Tochter sino Beteiligungen GmbH Minderheitsanteile an Finanzfirmen, darunter 1,77 Prozent voll verwässert an der Trade Republic Bank GmbH (Stand 31. März 2026).

Weil er fast vollständig aus einem Verkauf stammt. Der Halbjahresfinanzbericht zum 31. März 2026 weist 26.581.288,88 Euro Konzernjahresüberschuss aus. Von den sonstigen betrieblichen Erträgen in Höhe von 25.748 Tausend Euro entfallen laut Anhang 25.547 Tausend Euro auf die Veräußerung von Anteilen an der Trade Republic Bank GmbH. Der Lagebericht beziffert den Ergebnisbeitrag der ersten Tranche mit rund 25,16 Millionen Euro nach Steuern.

Am 30. September. Das Geschäftsjahr 2025/2026 läuft vom 1. Oktober 2025 bis zum 30. September 2026; der Halbjahresfinanzbericht deckt die sechs Monate bis zum 31. März 2026 ab und wurde am 30. Juni 2026 veröffentlicht. Die Ergebniszahlen für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2025/2026 sind laut Finanzkalender für den 31. August 2026 angekündigt. Wer sino-Zahlen mit Kalenderjahren vergleicht, vergleicht deshalb verschobene Zeiträume.

Das Unternehmen nennt die Zahl selbst. In der Prognose vom 30. Juni 2026 erwartet der Vorstand für 2025/2026 ein operatives Ergebnis vor Steuern von 3,4 bis 4,6 Millionen Euro und nach Steuern von 2,3 bis 3,1 Millionen Euro — ausdrücklich ohne den Buchgewinn aus dem Anteilsverkauf. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2024/2025 lag der Konzernüberschuss bei 1.004 Tausend Euro (0,43 Euro je Aktie), im Jahr davor bei 888 Tausend Euro.

Der Halbjahresbericht nennt die Absicht, der Hauptversammlung, die über die Gewinnverwendung für 2025/2026 beschließt, eine Dividende von mindestens 14,80 Euro je Aktie vorzuschlagen. Bei 2.337.500 Aktien wären das rund 34,6 Millionen Euro. Hintergrund ist ein Ausschüttungsgebot in der Satzung: Gewinne aus der Veräußerung von Trade-Republic-Anteilen sollen zu mindestens 90 Prozent an die Aktionäre gehen. Die Hauptversammlung vom 4. Mai 2026 hatte 1,46 Euro je Aktie beschlossen.

Das lässt sich aus den Berichten nicht ableiten, und die sino AG nennt keinen Wert. Die Anteile werden zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanziert; der gesamte Bilanzposten Beteiligungen stand zum 31. März 2026 bei 6,50 Millionen Euro. Der wirtschaftliche Anteil beträgt voll verwässert 1,77 Prozent, nach 2,27 Prozent vor dem Verkauf. Genannt wird nur eine Teilzahl: Aus Managementoptionen erwartet der Vorstand bis August 2029 einen weiteren Veräußerungsgewinn von rund 4,9 Millionen Euro nach Steuern.

Der Halbjahresbericht weist unter den sonstigen Vermögensgegenständen ein Darlehen an den Vorstand aus — im Anhang mit 7.000 Tausend Euro, im Lagebericht mit 7,04 Millionen Euro. Das sind rund 16 Prozent der Bilanzsumme von 43,5 Millionen Euro. Rückzahlungen waren bis zum 31. März 2026 nicht fällig und wurden nicht geleistet. Angaben zu Zinssatz, Laufzeit oder Sicherheiten enthält der Bericht nicht. Er hält allerdings fest, dass Marktpreis- und Adressausfallrisiken durch Wertpapierbestand und Darlehen an Bedeutung gewonnen haben.

Die Aktien sind zum Handel im Primärmarkt der Börse Düsseldorf zugelassen, einem Qualitätssegment des dortigen Freiverkehrs, und werden daneben an weiteren Börsen gehandelt. Es gibt 2.337.500 Inhaber-Stückaktien. Der Börsenwert lag bei rund 252 Millionen Euro (Fundamentaldaten, Datenstand 3. August 2026), die 52-Wochen-Spanne bei 85 bis 113 Euro. Der Markt ist also sehr eng — ein außerbörsliches Paket von 30.000 Aktien wechselte am 22. Juli 2026 zu 90,00 Euro den Besitzer.

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