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Rush Street Interactive: 26,2 Millionen Gewinn — und 17,1 davon gehören nicht der Börse

Rush Street Interactive: 26,2 Millionen Gewinn — und 17,1 davon gehören nicht der Börse

Rush Street Interactive wächst rasant: 370,4 Millionen US-Dollar Umsatz im ersten Quartal 2026, plus 41 Prozent, und ein Nettogewinn von 26,2 Millionen. Nur landen davon 17,1 Millionen bei Eigentümern, deren Anteile gar nicht an der NYSE gehandelt werden. Der Quartalsbericht vom 29. April 2026 schreibt es in einem Satz auf: 55,57 Prozent der Firma gehören nicht den Aktionären der Klasse A. Keine Anlageberatung — nur die Frage, wem dieses Wachstum eigentlich gehört.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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Rush Street Interactive: 26,2 Millionen Gewinn — und 17,1 davon gehören nicht der Börse
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die im Supermarkt jeder kennt und an der Börse fast niemand: die Packungsgrößen-Falle. Zwei Gläser stehen nebeneinander, eines kostet 2,49 Euro, das andere 3,99. Du greifst zum billigen — und übersiehst, dass im teuren doppelt so viel drin ist. An der Börse funktioniert das genauso, nur dass die Packungsgröße Aktienzahl heißt. Bei Rush Street Interactive, Inc. (NYSE: RSI) ist sie die halbe Geschichte. Machen wir also einen Deal: Bevor wir über Wachstum, Marge und Bewertung reden, zählen wir gemeinsam nach, wie viele Anteile diese Firma eigentlich hat. Die Quelle dafür ist keine Analystenstudie, sondern das, was das Unternehmen selbst unter Strafandrohung an die US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat: den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 vom 18. Februar 2026 und den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 vom 29. April 2026.

Was Rush Street Interactive eigentlich macht

Rush Street Interactive betreibt Online-Casinos und Sportwetten. Wer in Pennsylvania am Handy Roulette spielt oder in Illinois auf ein Football-Spiel wettet, tut das mit einiger Wahrscheinlichkeit in einer App dieser Firma. In den USA und Kanada laufen die Angebote unter den Marken BetRivers und PlaySugarHouse, in Lateinamerika unter RushBet. Dazu kommt ein kleines Geschäft mit Wett-Terminals in stationären Casinos und ein „Social Gaming“-Angebot, bei dem ohne echtes Geld gespielt wird.

Der Sitz ist Chicago, gearbeitet wird weltweit: Zum 17. Februar 2026 zählte das Unternehmen rund 912 Beschäftigte und Auftragnehmer, davon etwa 35 Prozent in technischen Rollen und 44 Prozent in den USA; der Rest verteilt sich unter anderem auf Kanada, Kolumbien, Estland und Serbien. Aktiv ist die Firma in 16 US-Bundesstaaten sowie in Kolumbien, Ontario, Mexiko und Peru.

Wichtig für das Verständnis des Geschäfts: Glücksspiel ist in den USA kein Bundes-, sondern ein Landesthema. Online-Casino — das lukrative Geschäft — ist nur in neun Bundesstaaten erlaubt: Connecticut, Delaware, Maine (dort noch nicht in Betrieb), Michigan, New Jersey, Pennsylvania, West Virginia, Rhode Island und Nevada (dort nur eingeschränkt). Sportwetten sind weiter verbreitet: 39 Staaten und der District of Columbia erlauben sie, 32 davon landesweit online. Das ist die Wachstumsrechnung dieser Firma — und zugleich ihre Deckelung.

Und damit sind wir beim Spannungsfeld dieser Analyse, das sich durch jedes Kapitel zieht: Rush Street Interactive wächst schnell und verdient inzwischen Geld — aber weniger als die Hälfte dieser Firma ist überhaupt an der Börse. Wer die Aktie bewertet, bewertet einen Minderheitsanteil. Wie ein Wettbewerber in derselben Branche aussieht, der diesen Konstruktionsfehler nicht hat, haben wir in unserer Analyse zu Flutter Entertainment auseinandergenommen.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam

Der Aufhänger ist keine Kursbewegung, sondern eine Bilanzliste. Der hauseigene Aktien-Scanner führt Rush Street Interactive in der US-Auswahl des Fundamental-Rankings — jener Liste, die Firmen nach der Güte ihrer Zahlen sortiert, nicht nach ihrem Chartbild (Stand 26. Juli 2026; die Listen werden täglich neu berechnet). Zum selben Stichtag erfüllen 38 US-Titel die Kriterien dieser Liste; die Seite zeigt die ersten 25. Nachmachen kannst du das in drei Klicks: Aktien-Scanner öffnen, die Liste „Fundamental Rank (A / A+)“ wählen, Markt USA.

Interessanter als die eine Liste ist die Konfluenz. Am 26. Juli 2026 stand RSI in 22 Listen unseres Scanners gleichzeitig — und die Mischung ist ungewöhnlich, weil sie zwei Lager vereint. Aus dem Qualitätslager: Buffett-Kriterien, Qualitäts-Wachstum, Fundamental Rank, Institutionelle Akkumulation. Aus dem Trendlager: Stan Weinstein: Stage 2, William O’Neil, Mark Minervini: Trendkriterien, Nahe 52-Wochen-Hoch. Wenn eine Aktie gleichzeitig als fundamental solide und als im Aufwärtstrend befindlich gilt, lohnt der zweite Blick. Genau den machen wir jetzt.

Zwei Kennzahlen aus dem Datenstand vom 24. Juli 2026 gehören dazu — und beide werden hier bewertet, nicht nur genannt. Der Beneish-M-Wert, ein Frühwarnindikator für geschönte Bilanzen, liegt bei minus 2,94; alles unter minus 1,78 gilt als unauffällig, das ist also ein sauberer Wert. Die Verschuldungsquote von 0,035 heißt schlicht: Diese Firma hat praktisch keine Bankschulden. Auffällig ist dagegen die dritte Zahl: 10,3 Prozent des Streubesitzes sind leerverkauft. Ein Zehntel der frei handelbaren Aktien wettet also auf fallende Kurse — bei einer Firma, die gerade Rekordzahlen meldet. Merk dir den Widerspruch, wir kommen darauf zurück.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt. Der Umsatz stieg 2025 auf 1.134,4 Millionen US-Dollar — nach 924,1 Millionen (2024) und 691,2 Millionen (2023). Das sind in zwei Jahren 64 Prozent mehr, ohne Zukauf. Und das Tempo hat sich nicht verlangsamt, sondern beschleunigt: Im ersten Quartal 2026 kamen 370,4 Millionen US-Dollar herein nach 262,4 Millionen im Vorjahresquartal — ein Plus von 41 Prozent.

Noch bemerkenswerter ist der Weg vom Umsatz zum Ergebnis. 2023 stand ein Betriebsverlust von 51,6 Millionen US-Dollar. 2024 wurden daraus 25,0 Millionen Gewinn, 2025 dann 87,4 Millionen. Im ersten Quartal 2026 verdiente die Firma operativ 42,8 Millionen nach 14,9 Millionen im Vorjahresquartal — die operative Marge kletterte von 5,7 auf 11,6 Prozent. Das ist ein echter Skaleneffekt: Der Umsatz stieg um 41 Prozent, die Kosten des Umsatzes nur um 39 Prozent, die Marketingausgaben um 12 Prozent.

Balkendiagramm Umsatz und Adjusted EBITDA von Rush Street Interactive 2023 bis 2025 in Millionen US-Dollar: Umsatz 691,2 / 924,1 / 1.134,4 in Blau, Adjusted EBITDA 8,2 / 92,5 / 153,7 in Grün.
Der Umsatz wächst stetig, die vom Unternehmen berichtete Ergebniskennzahl Adjusted EBITDA schneller: von 8,2 Millionen US-Dollar (2023) über 92,5 Millionen (2024) auf 153,7 Millionen (2025). Achtung, das ist kein Gewinn nach Rechnungslegung — Zinsen, Steuern, Abschreibungen und aktienbasierte Vergütung sind herausgerechnet. Geschäftsjahr endet am 31. Dezember. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der zweite Wachstumstreiber ist geografisch. Lateinamerika — Kolumbien, Mexiko, Peru — brachte im ersten Quartal 2026 87,8 Millionen US-Dollar nach 37,5 Millionen im Vorjahresquartal. Der Anteil am Gesamtumsatz stieg damit von 14,3 auf 23,7 Prozent. Das Kerngeschäft USA und Kanada wuchs im selben Zeitraum von 224,9 auf 282,6 Millionen. Beide Beine tragen also — aber das kleinere legte um 134 Prozent zu, das große um 26 Prozent.

Und die Bilanz? Unauffällig solide. Zum 31. März 2026 lagen 330,6 Millionen US-Dollar in der Kasse, Finanzschulden gibt es keine. Die größten Verbindlichkeiten sind operativer Natur: 47,2 Millionen Spielerguthaben — Geld, das den Kunden gehört —, 81,0 Millionen Rückstellungen und 42,7 Millionen Lieferantenverbindlichkeiten. Der operative Cashflow lag 2025 bei 165,0 Millionen US-Dollar nach 106,4 Millionen im Jahr zuvor. So weit die gute Nachricht. Jetzt die Packungsgröße.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: An der NYSE notiert weniger als die halbe Firma

Auf dem Deckblatt jedes Quartalsberichts muss ein US-Unternehmen angeben, wie viele Aktien jeder Gattung im Umlauf sind. Bei Rush Street Interactive steht dort nicht eine Zahl, sondern zwei — und das ist der Kern dieser Analyse.

Gelb markierte Textstelle vom Deckblatt des Quartalsberichts: Zum 28. April 2026 waren 103.800.112 Aktien der Klasse A und 128.899.014 Aktien der Klasse V ausstehend.
Die markierte Stelle im Original: 103.800.112 Aktien der Klasse A — und 128.899.014 Aktien der Klasse V. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Hintergrund ist die Konstruktion des Börsengangs von 2020. Das operative Geschäft steckt bis heute in einer Personengesellschaft, der Rush Street Interactive, L.P. Die börsennotierte Rush Street Interactive, Inc. hält davon nur einen Teil. Die Altgesellschafter halten den Rest direkt an der Personengesellschaft — und dazu Aktien der Klasse V, die ausschließlich Stimmrecht geben, ohne wirtschaftlichen Anteil an der Aktiengesellschaft. Im Alltagsbild: Die Aktiengesellschaft ist nicht der Laden, sondern ein Gesellschafter des Ladens.

Wie groß dieser Anteil ist, sagt der Quartalsbericht selbst:

Gelb markierte Textstelle aus dem Quartalsbericht: Zum 31. März 2026 hielten die Gesellschaft 44,43 Prozent und die Fremdanteile 55,57 Prozent an der Rush Street Interactive, L.P.
Die markierte Stelle im Original: 44,43 Prozent für die börsennotierte Gesellschaft, 55,57 Prozent für die übrigen Eigentümer. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das ist keine Formalie, sondern bare Münze. Im ersten Quartal 2026 verdiente der Konzern 26,2 Millionen US-Dollar netto. Davon wurden 17,1 Millionen den Fremdanteilen zugerechnet und nur 9,1 Millionen der Rush Street Interactive, Inc. — also den Aktionären, die an der NYSE gekauft haben. Im Gesamtjahr 2025 lautete die Teilung 40,7 zu 33,3 Millionen.

Balkendiagramm Nettoergebnis von Rush Street Interactive 2023 bis 2025 in Millionen US-Dollar: Konzern minus 60,1 / plus 7,2 / plus 74,0 in Blau, davon auf die börsennotierte Gesellschaft entfallend minus 18,3 / plus 2,4 / plus 33,3 in Grün.
Der blaue Balken ist das, was die Firma verdient. Der grüne ist das, was davon den Aktionären der Klasse A zugerechnet wird — 2025 waren das 33,3 von 74,0 Millionen US-Dollar. Der Rest entfällt auf die Anteile an der Rush Street Interactive, L.P. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Bevor jetzt der Reflex kommt, das sei doch ein Grund, die Aktie für günstig zu halten: Nein, ist es nicht — und zwar in beide Richtungen. Denn jeder Anteil an der Personengesellschaft lässt sich in eine Aktie der Klasse A tauschen. Das Unternehmen rechnet in seinem verwässerten Ergebnis je Aktie für 2025 deshalb selbst mit 236.118.275 Aktien — und kommt so auf 0,31 US-Dollar je Aktie statt der 0,35, die sich aus dem unverwässerten Ergebnis ergeben. Die Firma zählt also selbst alle Anteile mit, sobald es rechnerisch sauber ist. Wer nur die 103,8 Millionen an der NYSE notierten Aktien nimmt, rechnet arithmetisch richtig und wirtschaftlich falsch.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der Rekordgewinn 2025 entstand in der Steuerzeile

„Nettogewinn verzehnfacht“ — so würde man 2025 zusammenfassen, wenn man nur die letzte Zeile liest: 74,0 Millionen US-Dollar nach 7,2 Millionen. Der Weg dorthin ist ein anderer. Das Betriebsergebnis lag bei 87,4 Millionen. Dann kam eine Zeile, die es in den meisten Gewinn-und-Verlust-Rechnungen gar nicht gibt: „Change in tax receivable agreement liability“, minus 107,8 Millionen US-Dollar. Vor Steuern stand deshalb ein Verlust von 11,1 Millionen. Ins Plus drehte das Ergebnis erst der Steuerposten — statt eines Aufwands ein Ertrag von 85,1 Millionen.

Beide Posten haben denselben Ursprung, und der führt uns zur nächsten unbequemen Wahrheit. Festhalten lässt sich schon hier: Ein Gewinn, der aus zwei sich fast aufhebenden Sonderposten entsteht, sagt über die Ertragskraft nichts. Das erste Quartal 2026 zeigt, wie das Geschäft ohne diese Mechanik aussieht: 45,8 Millionen US-Dollar vor Steuern, 19,6 Millionen Steueraufwand, 26,2 Millionen Gewinn. Ordentlich — aber eben keine Verzehnfachung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: 85 Prozent der Steuerersparnis gehören den Altgesellschaftern

Der Grund für beide Sonderposten heißt Tax Receivable Agreement, auf Deutsch etwa Steuererstattungsvereinbarung. Sie stammt aus dem Börsengang von 2020 und verpflichtet eine Tochtergesellschaft von RSI, 85 Prozent bestimmter Steuerersparnisse an die Altgesellschafter auszuzahlen. Immer wenn ein Altgesellschafter seine Anteile in Aktien der Klasse A tauscht, entsteht bei der Aktiengesellschaft ein steuerlicher Vorteil — und 85 Prozent davon wandern per Vertrag zurück an die Verkäufer.

Was das kostet, schreibt das Unternehmen selbst in den Geschäftsbericht:

„While many of the factors that will determine the amount of payments that the Special Limited Partner will make under the TRA are outside of our control, we expect that the payments the Special Limited Partner will make under the TRA will be substantial and could have a material adverse effect on our financial condition.“

Übersetzung: „Zwar liegen viele der Faktoren, die die Höhe der Zahlungen des Special Limited Partner unter der Steuervereinbarung bestimmen, außerhalb unserer Kontrolle. Wir erwarten aber, dass diese Zahlungen substanziell sein und sich wesentlich nachteilig auf unsere Finanzlage auswirken werden.“

— Rush Street Interactive, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A Risikofaktoren

Gelb markierter Risikofaktor aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025: 85 Prozent bestimmter Steuervorteile fließen an die Altgesellschafter, und die Zahlungen werden als substanziell und potenziell wesentlich nachteilig beschrieben.
Die markierte Stelle im Original: 85 Prozent der Steuervorteile gehen an die Altgesellschafter, die Zahlungen werden „substanziell“ sein. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

In Zahlen: Zum 31. März 2026 stand die Verbindlichkeit aus dieser Vereinbarung bei 133,4 Millionen US-Dollar, davon 132,1 Millionen langfristig und 1,2 Millionen in den nächsten zwölf Monaten fällig. Zum 31. Dezember 2024 waren es erst 0,7 Millionen, zum 31. Dezember 2025 dann 130,1 Millionen — der Sprung geht überwiegend auf jene Zeile über 107,8 Millionen zurück, der Rest auf spätere Anteilstausche, die direkt im Eigenkapital verbucht werden. Bezahlt wurde davon bislang nichts Nennenswertes; der Quartalsbericht schreibt, es seien „keine wesentlichen Zahlungen“ geleistet worden. Die Rechnung liegt also noch auf dem Tisch.

Zur Fairness gehört: Diese Konstruktion ist bei US-Börsengängen dieses Typs üblich, sie ist vollständig offengelegt, und der Steuervorteil, der die Zahlungen auslöst, entsteht überhaupt erst durch die Vereinbarung. Aber sie verschiebt Geld — dauerhaft und in eine Richtung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Jeder Markt hängt an einer fremden Lizenz

Rush Street Interactive besitzt in den meisten US-Bundesstaaten keine eigene Konzession. Die Lizenzen sind dort an eine begrenzte Zahl lokaler Einrichtungen gebunden — Casinos, Indianerstämme, Rennbahnen, Sportvereine —, die jeweils eine begrenzte Zahl von „Skins“ vergeben dürfen: Untererlaubnisse, unter denen ein Online-Anbieter arbeiten darf. Ohne einen solchen Partner ist der Markt zu.

„In most jurisdictions where we offer online casino and sports betting, we currently rely on a casino, tribe, track or professional sports team to get a ‚skin.‘ If we cannot establish, renew or manage our relationships with our local partners, our relationships could terminate, and we would not be allowed to operate in those jurisdictions until we enter into new ones.“

Übersetzung: „In den meisten Rechtsordnungen, in denen wir Online-Casino und Sportwetten anbieten, sind wir derzeit auf ein Casino, einen Stamm, eine Rennbahn oder ein Profisportteam angewiesen, um eine ‚Skin‘ zu erhalten. Können wir unsere Beziehungen zu diesen lokalen Partnern nicht aufbauen, verlängern oder pflegen, können sie enden — und wir dürften in diesen Rechtsordnungen nicht mehr tätig sein, bis wir neue Beziehungen eingehen.“

— Rush Street Interactive, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A Risikofaktoren

Gelb markierter Risikofaktor aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025 zum Marktzugang über sogenannte Skins: In den meisten Rechtsordnungen ist die Firma auf ein Casino, einen Stamm, eine Rennbahn oder ein Sportteam angewiesen.
Die markierte Stelle im Original: Ohne lokalen Lizenzpartner darf die Firma in den meisten US-Staaten nicht arbeiten. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Und hier wird es besonders: Ein Teil dieser Partner gehört der eigenen Familie. Der Quartalsbericht führt unter „Related Parties“ aus, dass Neil Bluhm, seine erwachsenen Kinder — zwei davon sitzen im Verwaltungsrat — und Greg Carlin Eigentümer, Direktoren oder Geschäftsführer bestimmter stationärer Casinos sind, mit denen RSI Verträge über den Marktzugang geschlossen hat. Die Lizenzgebühren an diese verbundenen Casinos betrugen im ersten Quartal 2026 18,8 Millionen US-Dollar (Vorjahresquartal: 17,4 Millionen); offene Forderungen gegen sie standen bei 19,2 Millionen. Das ist ein doppelter Boden: Der Zugang ist gesichert, solange die Familie will — und die Konditionen werden zwischen Vater und Firma verhandelt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Steuern und Verbote sind das Geschäftsrisiko Nummer eins

Glücksspiel ist für Bundesstaaten eine Einnahmequelle, und Einnahmequellen werden erhöht. Der Geschäftsbericht für 2025 zählt selbst auf, wo das gerade passiert: Illinois, Louisiana, Maryland, New Jersey und Ohio haben die Spielsteuern erhöht, Arizona, Indiana, Pennsylvania, Michigan und West Virginia haben Erhöhungen vorgeschlagen. Dazu kommt eine Bundessteuer von 0,25 Prozent auf jeden in den USA platzierten Sportwetten-Einsatz.

In Lateinamerika ist es dasselbe Muster, nur schneller. In Kolumbien verhängte der Präsident 2025 gleich zweimal per Notstandsdekret eine befristete Mehrwertsteuer auf Online-Wetten. Das erste Dekret traf im ersten Quartal 2025 die Kundeneinzahlungen; das kolumbianische Verfassungsgericht erklärte es für verfassungswidrig. Das zweite vom Dezember 2025 belegt die Erlöse der Anbieter mit 19 Prozent und wurde im Januar 2026 vorläufig ausgesetzt — die endgültige Prüfung stand zum Geschäftsbericht vom 18. Februar 2026 noch aus. Dass die Erlöse je aktivem Nutzer in Lateinamerika im ersten Quartal 2026 stiegen, führt die Firma ausdrücklich darauf zurück, dass nach dem Gerichtsurteil weniger Bonusgeld an Spieler ausgeschüttet werden musste. Ein Steuerdekret kann bei diesem Geschäftsmodell also innerhalb eines Quartals die Marge drehen — in beide Richtungen.

Und ein neuer Wettbewerber taucht in den Risikofaktoren auf, den es vor drei Jahren noch nicht gab: Prognosemärkte. Das sind Börsen, an denen auf Ereignisse — auch Sportergebnisse — gewettet wird, die aber der US-Terminmarktaufsicht CFTC unterstehen statt den Glücksspielbehörden der Bundesstaaten. Der Geschäftsbericht sagt offen, dass diese Anbieter anderen Regeln und anderen Steuern unterliegen, „was für sie einen Wettbewerbsvorteil bedeuten könnte“. Eine Firma, deren Kostenblock zu einem guten Teil aus Spielsteuern besteht, hat gegen einen Wettbewerber ohne Spielsteuern strukturell schlechte Karten. Vergleichbare Sorgen kennst du aus unserer Analyse zu Super Group (SGHC), wo Regulierung ebenfalls die Hauptvariable ist.

Was sich seit dem letzten Quartalsbericht geändert hat

Zwischen dem Quartalsbericht vom 29. April 2026 und heute liegt ein Vorgang, der das Bild verändert — und er hat nichts mit dem operativen Geschäft zu tun.

5. und 6. Mai 2026 — die Altgesellschafter verkaufen für 287 Millionen US-Dollar. Über einen Prospektnachtrag platzierten die Altgesellschafter 10.000.000 Aktien der Klasse A zu 26,00 US-Dollar bei Investoren; die Mehrzuteilungsoption über weitere 1.500.000 Aktien wurde am Folgetag vollständig ausgeübt. Die Verkäufer erhielten 24,96 US-Dollar je Aktie, zusammen rund 287,0 Millionen US-Dollar. Der Prospekt hält ausdrücklich fest: „We will not receive any proceeds from the sale of the stock to be offered by the selling holders“ — die Firma bekam davon keinen Cent.

Wer verkauft hat, steht in derselben Urkunde. Auf Neil G. Bluhm, den Vorsitzenden des Verwaltungsrats, entfielen 10.512.150 Aktien oder rund 262,4 Millionen US-Dollar; auf Vorstandschef Richard Schwartz 816.500 Aktien. Bluhms Stimmrechtsanteil sank dadurch von 47,5 auf 43,0 Prozent, er hält weiter 99.289.627 Aktien der Klasse V. Zum Vergleich: Der letzte im Prospekt genannte Börsenschlusskurs betrug am 5. Mai 2026 29,17 US-Dollar — verkauft wurde also mit Abschlag.

Ein Detail, das man nicht überliest, wenn man es einmal gesehen hat: Möglich wurde die Platzierung durch ein Regalprospekt — eine Vorratsanmeldung bei der SEC, unter der Aktien später jederzeit und ohne neues Genehmigungsverfahren verkauft werden dürfen; gewissermaßen ein gefüllter Vorrat im Regal. Dieses Regalprospekt aus dem Jahr 2021 deckt insgesamt bis zu 168.321.808 Aktien der Klasse A ab. Zum 28. April 2026 waren überhaupt nur 103.800.112 solcher Aktien im Umlauf. Der mögliche Nachschub ist größer als der gesamte heutige Börsenbestand. Das erklärt vermutlich auch die 10,3 Prozent Leerverkaufsquote aus dem Scanner-Kapitel besser als jede These über das operative Geschäft.

Im selben Zug kaufte die Gesellschaft 1.153.846 eigene Aktien zum selben Preis von 24,96 US-Dollar zurück, für rund 28,8 Millionen. Das Rückkaufprogramm läuft seit dem 24. Oktober 2024 über bis zu 50 Millionen US-Dollar; im ersten Quartal 2025 waren darunter 498.622 Aktien zu durchschnittlich 10,35 US-Dollar gekauft worden.

Bewertung — was du für 7,3 Milliarden bekommst

Zum Datenstand 24. Juli 2026 lag der Börsenwert bei rund 7,28 Milliarden US-Dollar. Wichtig: Diese Zahl bezieht sich auf alle 232.699.126 Anteile beider Klassen, nicht nur auf die börsennotierten. Rechnerisch entspricht das rund 31 US-Dollar je Aktie. Gegenprobe an den Filings: 232.699.126 Aktien mal dem letzten dort dokumentierten Schlusskurs von 29,17 US-Dollar (5. Mai 2026) ergeben 6,79 Milliarden — eine Abweichung von rund sieben Prozent, die Größenordnung stimmt also.

Daraus ergibt sich folgendes Bild, gemessen an den vier Quartalen bis zum 31. März 2026 (Umsatz 1.242,4 Millionen US-Dollar, Adjusted EBITDA 180,6 Millionen, Betriebsergebnis 115,3 Millionen):

  • Kurs-Umsatz-Verhältnis: rund 5,9.
  • Kurs-Gewinn-Verhältnis: rund 92 auf das verwässerte Ergebnis je Aktie. Misst man stattdessen den gesamten Konzerngewinn dieser vier Quartale von 89,0 Millionen US-Dollar gegen den Börsenwert, kommt man auf rund 82 — beides ist hoch, und beides ist zusätzlich vom Steuerertrag des Jahres 2025 geschönt.
  • Unternehmenswert: Zieht man die Kasse von 330,6 Millionen ab (Stand 31. März 2026, keine Finanzschulden), bleiben rund 6,95 Milliarden US-Dollar. Das ist das 38-Fache des Adjusted EBITDA und das 60-Fache des Betriebsergebnisses. Rechnet man die Verbindlichkeit aus der Steuervereinbarung von 133,4 Millionen hinzu, sind es rund 7,08 Milliarden und das 39-Fache.

Und jetzt die Rechnung, um die es in diesem Artikel geht. Wer die Firma mit den 103.800.112 an der NYSE notierten Aktien bewertet, kommt bei rund 31 US-Dollar auf einen Börsenwert von etwa 3,2 Milliarden — und damit auf ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 2,6 statt 5,9. Dieselbe Firma, dieselben Zahlen, ein halb so hoher Preis. Das ist die Packungsgrößen-Falle in Reinform. Die richtige Zahl ist die größere, weil jeder Anteil an der Personengesellschaft eintauschbar ist und die Firma selbst so rechnet.

Wie sehen es die Profis? Zum Datenstand 24. Juli 2026 folgen der Aktie sieben Analysten, ihr mittleres Kursziel liegt bei 30,18 US-Dollar — also unter dem rechnerischen Kurs von rund 31 US-Dollar. Übersetzt: Die Profis sehen keine Unterbewertung mehr. Auf der Gegenseite waren zum selben Stichtag 10,3 Prozent des Streubesitzes leerverkauft, das Beta lag bei 1,56 — die Aktie schwankt also deutlich stärker als der Gesamtmarkt.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Rush Street Interactive spricht:

  • Wachstum, das sich beschleunigt: 691,2 Millionen US-Dollar Umsatz (2023), 924,1 Millionen (2024), 1.134,4 Millionen (2025) — und plus 41 Prozent auf 370,4 Millionen im ersten Quartal 2026.
  • Der Übergang in die Profitabilität ist geschafft: aus 51,6 Millionen US-Dollar Betriebsverlust (2023) wurden 87,4 Millionen Gewinn (2025), die operative Marge stieg im Jahresvergleich von 5,7 auf 11,6 Prozent.
  • Eine Bilanz ohne Finanzschulden: 330,6 Millionen US-Dollar Kasse zum 31. März 2026, Verschuldungsquote 0,035 (Datenstand 24. Juli 2026).
  • Echter Mittelzufluss statt Buchgewinn: 165,0 Millionen US-Dollar operativer Cashflow 2025 nach 106,4 Millionen.
  • Ein zweites Standbein, das trägt: Lateinamerika wuchs im ersten Quartal 2026 auf 87,8 Millionen US-Dollar nach 37,5 Millionen und steht nun für 23,7 Prozent des Umsatzes.
  • Wachstumsreserve durch Regulierung: Online-Casino ist bislang nur in neun US-Bundesstaaten erlaubt — jeder weitere Staat ist ein zusätzlicher Markt ohne zusätzliche Plattformkosten.

Was dagegen spricht:

  • Weniger als die Hälfte der Firma ist börsennotiert: 44,43 Prozent zum 31. März 2026. Vom Quartalsgewinn von 26,2 Millionen US-Dollar wurden nur 9,1 Millionen den Aktionären der Klasse A zugerechnet.
  • Die Steuervereinbarung von 2020 leitet 85 Prozent bestimmter Steuerersparnisse an die Altgesellschafter — zum 31. März 2026 mit 133,4 Millionen US-Dollar in der Bilanz, laut Geschäftsbericht künftig „substanziell“.
  • Der Rekordgewinn 2025 ist keine Betriebsleistung: 87,4 Millionen Betriebsergebnis, minus 107,8 Millionen aus der Steuervereinbarung, plus 85,1 Millionen Steuerertrag.
  • Der Marktzugang gehört zum Teil fremden Partnern — und zum Teil der Familie des Verwaltungsratsvorsitzenden: 18,8 Millionen US-Dollar Lizenzgebühren an verbundene Casinos allein im ersten Quartal 2026.
  • Steuerrisiko in beiden Regionen: Erhöhungen der Spielsteuern in fünf US-Staaten umgesetzt und in fünf weiteren vorgeschlagen, in Kolumbien zwei Notstandsdekrete zu einer Mehrwertsteuer auf Online-Wetten, das jüngste über 19 Prozent.
  • Angebotsüberhang: Das Regalprospekt deckt bis zu 168.321.808 Aktien der Klasse A ab — mehr als die 103.800.112, die zum 28. April 2026 überhaupt notiert waren. Im Mai 2026 wurden davon 11.500.000 platziert.
  • Die Bewertung lässt wenig Spielraum: rund 5,9-faches Kurs-Umsatz-Verhältnis, 38-facher Unternehmenswert zum Adjusted EBITDA, mittleres Analystenkursziel von 30,18 US-Dollar unter dem rechnerischen Kurs (Datenstand 24. Juli 2026).

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Packungsgrößen-Falle vom Anfang. Ihr Problem ist nicht, dass sie dich zu schlechten Firmen führt — Rush Street Interactive ist eine gute Firma. Sie wächst um 41 Prozent, sie verdient operativ Geld, sie hat keine Schulden, und sie schreibt ihre Konstruktion so offen in die Berichte, dass man sie nicht suchen muss. Das Problem der Falle ist, dass sie dich den Preis mit der falschen Menge vergleichen lässt.

Wenn du hier kaufst, kaufst du kein Unternehmen. Du kaufst einen Anteil an einer Aktiengesellschaft, die selbst nur Gesellschafterin des Unternehmens ist — mit einem Mitgesellschafter, der 43,0 Prozent der Stimmen hält, dessen Familie einen Teil der Lizenzen kontrolliert, dem vertraglich 85 Prozent der Steuerersparnisse zustehen und der im Mai 2026 für 262 Millionen US-Dollar verkauft hat. Nichts davon ist verboten, verschwiegen oder ungewöhnlich für eine Firma, die über einen SPAC an die Börse kam. Alles davon gehört in deine Rechnung.

Die ehrliche Frage lautet deshalb nicht „Ist ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von 5,9 zu viel?“, sondern: Bist du bereit, als Minderheitsgesellschafter neben einem Mehrheitseigner zu sitzen, der andere Interessen haben kann als du — und traust du dem operativen Geschäft zu, in den nächsten Quartalen ohne Steuertricks zu liefern, was der Preis schon unterstellt? Wenn ja, hast du eine These, und jeder Quartalsbericht gibt dir klare Messpunkte: Betriebsergebnis, Fremdanteilsquote, Lateinamerika-Umsatz. Wenn nein, hast du ein hübsches Wachstum gesehen und den Kassenzettel nicht zu Ende gelesen. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien der Rush Street Interactive, Inc.

Unser Fazit auf einen Blick

Geschäft und Wachstum positiv
Der Umsatz stieg von 691,2 Millionen US-Dollar (2023) über 924,1 Millionen (2024) auf 1.134,4 Millionen (2025) — und im ersten Quartal 2026 um 41 Prozent auf 370,4 Millionen. Das Tempo nimmt zu statt ab. Getragen wird das zunehmend von Lateinamerika: 87,8 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2026 nach 37,5 Millionen im Vorjahresquartal.
Profitabilität positiv
Aus dem Betriebsverlust von 51,6 Millionen US-Dollar (2023) wurden 25,0 Millionen Gewinn (2024) und 87,4 Millionen (2025); im ersten Quartal 2026 waren es 42,8 Millionen nach 14,9 Millionen. Die operative Marge kletterte im Jahresvergleich von 5,7 auf 11,6 Prozent. Der operative Cashflow lag 2025 bei 165,0 Millionen nach 106,4 Millionen.
Eigentümerstruktur negativ
Zum 31. März 2026 gehörten der börsennotierten Gesellschaft nur 44,43 Prozent des operativen Geschäfts. Vom Quartalsgewinn von 26,2 Millionen US-Dollar entfielen deshalb 17,1 Millionen auf die Fremdanteile und 9,1 Millionen auf die Aktionäre der Klasse A. Dazu kommt die Steuervereinbarung von 2020: 85 Prozent bestimmter Steuerersparnisse gehen an die Altgesellschafter, zum 31. März 2026 mit 133,4 Millionen US-Dollar in der Bilanz.
Ergebnisqualität neutral
Der Nettogewinn 2025 von 74,0 Millionen US-Dollar ist keine Betriebsleistung: Vor Steuern stand ein Verlust von 11,1 Millionen, weil die Steuervereinbarung 107,8 Millionen kostete; erst ein Steuerertrag von 85,1 Millionen drehte das Vorzeichen. Das erste Quartal 2026 kam ohne solche Posten aus — 45,8 Millionen vor Steuern, 19,6 Millionen Steueraufwand, 26,2 Millionen Gewinn.
Regulierung und Marktzugang negativ
Online-Casino ist in den USA nur in neun Bundesstaaten erlaubt. In den meisten Märkten braucht RSI laut Geschäftsbericht für 2025 einen lokalen Lizenzinhaber; fällt die Partnerschaft weg, darf die Firma dort nicht arbeiten. Mehrere Staaten haben die Spielsteuern erhöht oder Erhöhungen vorgeschlagen, und in Kolumbien wurden 2025 zwei Notstandsdekrete zu einer Mehrwertsteuer auf Online-Wetten erlassen, das jüngste über 19 Prozent.
Bewertung negativ
Bei rund 7,28 Milliarden US-Dollar Börsenwert (Datenstand 24. Juli 2026) und 1.242,4 Millionen Umsatz der letzten vier Quartale liegt das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei rund 5,9. Nach Abzug der Kasse entspricht der Unternehmenswert dem 38-Fachen des Adjusted EBITDA und dem 60-Fachen des Betriebsergebnisses derselben vier Quartale. Das mittlere Analystenkursziel von 30,18 US-Dollar liegt unter dem rechnerischen Kurs von rund 31 US-Dollar.

Rush Street Interactive ist eine schnell wachsende, inzwischen profitable Firma mit einem Konstruktionsdetail, das man kennen muss: An der NYSE notiert weniger als die Hälfte des Unternehmens. 1.134,4 Millionen US-Dollar Umsatz 2025, plus 41 Prozent im ersten Quartal 2026, 165,0 Millionen operativer Cashflow und keine Finanzschulden stehen gegen 55,57 Prozent Fremdanteile, eine Steuervereinbarung über 133,4 Millionen zugunsten der Altgesellschafter, eine Umplatzierung über 287,0 Millionen im Mai 2026 und ein Geschäft, das in jedem einzelnen Bundesstaat an einer Lizenz hängt. Wer hier kauft, kauft einen Minderheitsanteil an einer Personengesellschaft — und einen Mitgesellschafter, der 43,0 Prozent der Stimmen hält. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Das Geschäft trägt — daran gibt es nach dem ersten Quartal 2026 wenig zu deuteln: 41 Prozent Umsatzwachstum, 42,8 Millionen US-Dollar Betriebsergebnis, 330,6 Millionen in der Kasse und keine Finanzschulden. Auch die Bilanz ist unauffällig; die größten Verbindlichkeiten sind Spielerguthaben und Rückstellungen aus dem laufenden Betrieb. Offen bleiben zwei wesentliche operative Fragen. Erstens die Ertragsqualität: Der ausgewiesene Rekordgewinn 2025 entstand in der Steuerzeile, nicht im Betrieb, und ein einziges volles Jahr mit sauberem Betriebsgewinn ist noch keine Serie. Zweitens der Marktzugang: In den meisten US-Staaten hängt die Erlaubnis an einem lokalen Lizenzpartner, und ein Teil dieser Partner gehört der Familie des Verwaltungsratsvorsitzenden. Das ist keine Existenzfrage — eine schuldenfreie Firma mit positivem Cashflow geht daran nicht zugrunde. Es ist aber mehr als eine Formalie. Deshalb Gelb. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Rush Street Interactive über den hauseigenen Aktien-Scanner: Die Aktie steht in der US-Auswahl der Liste „Fundamental Rank (A / A+)“, die Firmen nach der Güte ihrer Zahlen sortiert (Stand 26. Juli 2026; 38 US-Titel erfüllen die Kriterien, die Seite zeigt die ersten 25). Zum selben Stichtag stand RSI in 22 Listen gleichzeitig, darunter Buffett-Kriterien, Qualitäts-Wachstum, Institutionelle Akkumulation und Stan Weinstein: Stage 2. Die Listen werden täglich neu berechnet.
  • Aktualitätsstand: Ausgewertet sind der Geschäftsbericht 10-K für 2025 (18.02.2026), der Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (29.04.2026) sowie alle danach eingereichten Meldungen — insbesondere der Prospektnachtrag 424B4 vom 05.05.2026, die Meldung 8-K vom 07.05.2026 zur Umplatzierung und die Meldung 8-K vom 03.06.2026 zur Hauptversammlung. Die Aktienzahlen im Text stammen deshalb vom 28.04.2026 beziehungsweise aus dem Prospektnachtrag vom 05.05.2026 (Stichtag der dortigen Aktienzahlen: 04.05.2026), nicht aus dem Jahresabschluss.
  • Bewertungsangaben datiert und evergreen: Der rechnerische Kurs von rund 31 US-Dollar ergibt sich aus dem Börsenwert von 7,28 Milliarden US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) geteilt durch die 232.699.126 Aktien beider Klassen. Gegenprobe gegen den letzten in einem Filing dokumentierten Schlusskurs von 29,17 US-Dollar (05.05.2026): 6,79 Milliarden, Abweichung rund 7 Prozent. Analysen sind evergreen; Tageskurse sind kein Kaufargument.
  • Verwechslungsgefahr: Die börsennotierte Rush Street Interactive, Inc. ist nicht identisch mit der Rush Street Gaming, LLC — dem stationären Casino-Geschäft der Familie Bluhm, das nicht an der Börse ist, aber Geschäftspartner der RSI ist.

Häufige Fragen

Rush Street Interactive, Inc. (NYSE: RSI) aus Chicago betreibt Online-Casinos und Sportwetten. In den USA und Kanada laufen die Angebote unter den Marken BetRivers und PlaySugarHouse, in Lateinamerika unter RushBet. Zum Geschäftsbericht für 2025 war die Firma in 16 US-Bundesstaaten, Kolumbien, Ontario, Mexiko und Peru aktiv und setzte 1.134,4 Millionen US-Dollar um.

Weil die Firma 2020 über einen SPAC an die Börse kam. Das operative Geschäft liegt bis heute in der Rush Street Interactive, L.P. Die börsennotierte Rush Street Interactive, Inc. hält davon nur einen Teil; die Altgesellschafter halten den Rest direkt an der Personengesellschaft und dazu Aktien der Klasse V, die nur Stimmrecht ohne wirtschaftlichen Anteil geben. Zum 31. März 2026 lag das Verhältnis bei 44,43 zu 55,57 Prozent.

Zum 28. April 2026 waren 103.800.112 Aktien der Klasse A und 128.899.014 Aktien der Klasse V ausstehend, zusammen 232.699.126. An der NYSE gehandelt wird nur die Klasse A. Für die Bewertung zählt trotzdem die Gesamtzahl: Jeder Anteil an der Personengesellschaft lässt sich in eine Aktie der Klasse A tauschen. Das Unternehmen rechnet in seinem verwässerten Ergebnis je Aktie 2025 selbst mit 236.118.275 Stück.

Nur zur Hälfte. Der Nettogewinn 2025 betrug 74,0 Millionen US-Dollar nach 7,2 Millionen im Vorjahr. Das Betriebsergebnis lag aber bei 87,4 Millionen; eine Belastung von 107,8 Millionen aus der Steuervereinbarung mit den Altgesellschaftern drückte das Vorsteuerergebnis auf minus 11,1 Millionen, und erst ein Steuerertrag von 85,1 Millionen führte zum ausgewiesenen Gewinn.

Ein Vertrag aus dem Börsengang von 2020. Er verpflichtet eine Tochtergesellschaft von RSI, 85 Prozent bestimmter Steuerersparnisse an die Altgesellschafter auszuzahlen. Zum 31. März 2026 stand dafür eine Verbindlichkeit von 133,4 Millionen US-Dollar in der Bilanz, davon 132,1 Millionen langfristig. Der Geschäftsbericht nennt die künftigen Zahlungen selbst „substanziell“.

Keine Finanzschulden. Zum 31. März 2026 lagen 330,6 Millionen US-Dollar in der Kasse, die Bilanzsumme betrug 677,3 Millionen und das Eigenkapital 318,6 Millionen — davon allerdings 159,4 Millionen Fremdanteile. Die größten Verbindlichkeiten sind operativer Natur: 47,2 Millionen Spielerguthaben, 81,0 Millionen Rückstellungen und die 133,4 Millionen aus der Steuervereinbarung.

Sehr stark. Online-Casino ist in den USA nur in neun Bundesstaaten erlaubt. In den meisten Märkten braucht RSI zusätzlich einen lokalen Partner — ein Casino, einen Stamm, eine Rennbahn oder ein Sportteam —, der die Lizenz hält. Der Geschäftsbericht für 2025 schreibt, ohne solche Partnerschaften dürfe die Firma in diesen Staaten nicht arbeiten. Ein Teil dieser Partner gehört der Familie des Verwaltungsratsvorsitzenden.

Nein. Zum Datenstand 24. Juli 2026 weist die Aktie keine laufende Dividende aus. Kapital gibt das Unternehmen über ein Rückkaufprogramm zurück, das der Verwaltungsrat am 24. Oktober 2024 über bis zu 50 Millionen US-Dollar beschlossen hat. Im Mai 2026 kaufte die Firma im Rahmen der Umplatzierung zusätzlich 1.153.846 Aktien für rund 28,8 Millionen US-Dollar zurück.

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