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Flutter Entertainment: 16,4 Milliarden Umsatz, 407 Millionen Verlust — und ein Quartalsgewinn, der entsteht, wenn FanDuel weniger wert wird

Flutter Entertainment: 16,4 Milliarden Umsatz, 407 Millionen Verlust — und ein Quartalsgewinn, der entsteht, wenn FanDuel weniger wert wird

Die Bank gewinnt immer — das weiß jeder, der einmal in einem Wettbüro stand. Flutter Entertainment (NYSE: FLUT) ist die größte Bank dieser Art auf der Welt: FanDuel, Paddy Power, Betfair, Sky Bet, PokerStars, Sportsbet, Sisal, Snai — 15,9 Millionen Spieler im Monatsschnitt und 16,4 Milliarden US-Dollar Umsatz 2025. Trotzdem stand unter dem Strich ein Verlust von 407 Millionen. Und im ersten Quartal 2026 kamen von 209 Millionen Nettogewinn allein 293 Millionen aus einem Bewertungsgewinn auf die Fox-Option — einer Kaufoption über 18,6 Prozent von FanDuel, die genau dann billiger in den Büchern steht, wenn FanDuel weniger wert ist. Dazu ein Land, das über Nacht wegfiel, und eine Steuer, die sich ab April 2026 fast verdoppelt. Keine Anlageberatung — nur die Frage, wem der Hausvorteil am Ende wirklich zugutekommt.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 19 Min. Lesezeit
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Flutter Entertainment: 16,4 Milliarden Umsatz, 407 Millionen Verlust — und ein Quartalsgewinn, der entsteht, wenn FanDuel weniger wert wird
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

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Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt einen Satz, den fast jeder Anleger für eine Naturkonstante hält: „Die Bank gewinnt immer." Er stimmt sogar — an der Wettannahme. Der Hausvorteil ist Mathematik, nicht Glück, und wer ihn kassiert, verdient auf Dauer. Genau deshalb greift bei Glücksspielaktien eine sehr spezielle Denkfalle, nennen wir sie die Hausvorteil-Falle: Weil die Bank am Tisch immer gewinnt, unterstellen wir automatisch, dass auch der Konzern hinter der Bank immer gewinnt. Flutter Entertainment (NYSE: FLUT) ist die größte Bank dieser Art auf der Welt — FanDuel in den USA, Paddy Power und Betfair in Irland und Großbritannien, Sky Bet, PokerStars, Sportsbet in Australien, Sisal und Snai in Italien, Betnacional in Brasilien. 15,9 Millionen Spieler im Monatsschnitt, 16.383 Millionen US-Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2025. Und unter dem Strich? Ein Verlust von 407 Millionen US-Dollar. Machen wir also einen Deal: Wir lassen die Schlagzeilen weg und lesen gemeinsam, was der Konzern selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 und den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und er erzählt von drei Kassierern, die vor dem Aktionär an der Reihe sind: dem Finanzamt, dem Gesetzgeber — und einem Optionsvertrag aus dem Jahr 2020.

Was Flutter eigentlich macht — 15,9 Millionen Spieler und 1.127 Wettbüros

Flutter ist im Kern ein Buchmacher im Weltmaßstab. Übersetzt in ein Alltagsbild: Der Konzern ist der Wirt, der die Wetten annimmt — er tippt nicht selbst, sondern stellt die Quoten so, dass am Ende ein Anteil des Einsatzes bei ihm hängen bleibt. Dieser Anteil heißt Hausvorteil, in der Bilanz taucht er als Umsatz auf. 2025 stammten 53 Prozent des Umsatzes aus Sportwetten, 44 Prozent aus Online-Casino, Poker und Lotterie (im Konzernjargon „iGaming") und 3 Prozent aus sonstigen Produkten; 88 Prozent des Geschäfts läuft online, ergänzt um 1.127 Wettbüros in Großbritannien, Irland, Italien und Serbien.

Seit Anfang 2025 berichtet der Konzern in nur noch zwei Segmenten. Das US-Segment besteht aus FanDuel und dem Pferdewett-Sender TVG: Ende 2025 war FanDuels Online-Sportwette in 25 Bundesstaaten oder Territorien verfügbar, das Online-Casino in 5, das Pferdewett-Angebot in 32 und das neue Prognosemarkt-Produkt „FanDuel Predicts" in 5 Bundesstaaten. Das Segment International bündelt rund 100 Märkte: Sky Betting & Gaming, Paddy Power, Betfair, tombola und PokerStars (Großbritannien/Irland), Sportsbet (Australien), Sisal und Snai (Italien), Adjarabet (Georgien/Armenien), MaxBet (Serbien und Nachbarländer) sowie Betnacional (Brasilien). Umsatz 2025: 6.967 Millionen US-Dollar in den USA (+20,2 Prozent) und 9.416 Millionen international (+14,1 Prozent).

Das Spannungsfeld dieser Analyse steht damit schon fest, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Der Hausvorteil funktioniert — der Umsatz wächst seit Jahren zweistellig. Aber zwischen dem Hausvorteil und dem Aktionär stehen drei Kassierer, die Flutter nicht kontrolliert: der Steuergesetzgeber, der Regulierer und ein Optionsvertrag über 4,8 Milliarden US-Dollar auf das wertvollste Geschäft des Konzerns.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Nicht über einen unserer Momentum- oder Value-Scanner, sondern über eine Pflichtmeldung. Der Londoner Hedgefonds Helikon Investments Ltd muss der SEC quartalsweise offenlegen, welche US-gelisteten Aktien er hält — das Formular heißt 13F-HR. In der Meldung zum Stichtag 31. März 2026 (eingereicht am 8. Mai 2026) steht Flutter mit 1.439.750 Aktien im Wert von 146.782.513 US-Dollar. Das Bemerkenswerte: In den drei Meldungen davor — 30. Juni, 30. September und 31. Dezember 2025 — stand dort jeweils null. Es ist also eine komplett neue Position, und mit 5,5 Prozent des gemeldeten Portfolios von 2.648.555.113 US-Dollar der größte Neuzugang außerhalb des Rohstoffsektors. Im selben Quartal stieg der Fonds in sechs Werte neu ein und verkaufte sechs andere vollständig.

Und jetzt die Einordnung, die zu jeder 13F-Geschichte gehört — sonst wird aus einer Pflichtmeldung ein Geheimtipp, der keiner ist. Ein 13F zeigt nur US-gelistete Long-Positionen, mit 35 bis 45 Tagen Verzug, ohne Leerverkäufe, ohne die meisten Derivate und ohne Europa-Bestände. Er ist ein Rückspiegel, kein Fahrplan: Bis die Meldung erscheint, kann die Position längst wieder verkauft sein, und ob sie eine Wette auf steigende Kurse oder die Absicherung einer ganz anderen Position ist, steht nirgends. Was ein 13F liefert, ist eine Rechercheliste — nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Ehrlich bleiben müssen wir auch beim hauseigenen Aktien-Scanner. Klassische Kennzahlen führen bei Flutter in die Irre: Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich für 2025 gar nicht bilden, weil unter dem Strich ein Verlust steht; Bilanzscores wie der Piotroski-F-Score oder Altman-Z sind für Industriebilanzen gebaut und bewerten einen Konzern, dessen größter Aktivposten aus 15,8 Milliarden US-Dollar Firmenwert besteht, systematisch schief. Merke dir den Befund gleich zu Beginn: Flutter misst man nicht mit dem Kennzahlen-Thermometer, sondern mit der Lupe am Anhang. Also nehmen wir die Lupe.

Vom irischen Buchmacher zum US-Pflichtberichterstatter

Bevor wir in die Zahlen gehen, eine kurze Erklärung, warum wir hier überhaupt so tief lesen können — denn das war nicht immer so. Die Firma entstand 1988 als Paddy Power aus dem Zusammenschluss dreier irischer Buchmacher, ging im Dezember 2000 in Dublin und London an die Börse, fusionierte am 2. Februar 2016 mit Betfair und heißt seit dem 28. Mai 2019 Flutter Entertainment. Der Konzern war damit ein europäisches Unternehmen mit europäischen Berichtspflichten. Dann kam der Umzug:

„On January 29, 2024, the Company completed its registration process with the United States Securities and Exchange Commission (“SEC”), and listed on the New York Stock Exchange (“NYSE”) for public trading. Since listing on the NYSE, the Company has maintained its status on the LSE and delisted from the Irish Stock Exchange. On May 31, 2024, the Company moved its primary listing to the NYSE following the approval of shareholders at the Company’s Annual General Meeting held on May 1, 2024.“

Übersetzung: „Am 29. Januar 2024 schloss das Unternehmen sein Registrierungsverfahren bei der US-Börsenaufsicht SEC ab und wurde zum öffentlichen Handel an der New Yorker Börse (NYSE) zugelassen. Seit der NYSE-Notierung hat das Unternehmen seinen Status an der Londoner Börse beibehalten und die Notierung an der Irischen Börse beendet. Am 31. Mai 2024 verlegte das Unternehmen seine Hauptnotierung an die NYSE, nachdem die Aktionäre auf der Hauptversammlung am 1. Mai 2024 zugestimmt hatten."

— Flutter Entertainment plc, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1 „Business — Company Information"

Der zweite Schritt folgte still, aber er ist für Anleger der wichtigere. Als Gesellschaft aus Irland galt Flutter zunächst als „Foreign Private Issuer" — ein ausländischer Emittent, der bei der SEC nach erleichterten Regeln berichten darf. Für 2023 reichte der Konzern zwar freiwillig schon einen 10-K ein, blieb formal aber Ausländer. Das änderte sich:

„In addition, during 2024, we determined that the Company no longer qualifies as a foreign private issuer, as defined under the Exchange Act. As a result, effective as of January 1, 2025, the Company is no longer eligible to use the rules designed for foreign private issuers and is instead considered a U.S. domestic issuer.“

Übersetzung: „Darüber hinaus haben wir im Jahr 2024 festgestellt, dass das Unternehmen nicht mehr als ausländischer Privatemittent im Sinne des Exchange Act gilt. Mit Wirkung zum 1. Januar 2025 darf das Unternehmen die für ausländische Privatemittenten geschaffenen Regeln daher nicht mehr nutzen und wird stattdessen als US-Inlandsemittent behandelt."

— Flutter Entertainment plc, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2024, Item 1A „Risk Factors"

Was das praktisch heißt: Seit dem 1. Januar 2025 gelten für Flutter dieselben Offenlegungspflichten wie für eine amerikanische Aktiengesellschaft — Quartalsberichte (10-Q), Ad-hoc-Meldungen (8-K), US-Regeln zur Hauptversammlung, das Gleichbehandlungsgebot bei Informationen (Regulation FD) und vor allem: Insider müssen jeden Aktienkauf und -verkauf binnen zwei Werktagen melden (Form 4). Für dich als Leser ist das ein echter Zugewinn an Durchblick — bei einem 20-F-Berichterstatter aus Europa gäbe es diese Meldungen schlicht nicht. Ein Kuriosum am Rande, das die Geschichte rund macht: Die EDGAR-Akte, unter der Flutter heute meldet, gehörte ursprünglich Amaya Inc. und danach The Stars Group Inc. — jener Firma, die Flutter im Mai 2020 übernahm. Das Abmeldeformular der alten Notierung wurde damals „mit Bezug auf die Stammaktien von The Stars Group Inc. nach deren Übernahme durch Flutter Entertainment plc als Rechtsnachfolger" eingereicht. Dieselbe Übernahme brachte auch die Fox-Option ins Haus — dazu gleich mehr.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt, und das ist bei Flutter die Umsatzkurve. 9.463 Millionen US-Dollar (2022), 11.790 (2023), 14.048 (2024), 16.383 (2025) — drei Jahre in Folge zweistelliges Wachstum, im ersten Quartal 2026 nochmals 4.304 Millionen (+17,4 Prozent). Der Rohertrag lag 2025 bei 7.404 Millionen, also 45,2 Prozent vom Umsatz. Und das bereinigte Betriebsergebnis, das der Konzern selbst in den Vordergrund stellt, wuchs ebenfalls: Adjusted EBITDA 1.875 (2023), 2.357 (2024), 2.845 Millionen (2025), die Marge von 15,9 auf 17,4 Prozent. Der operative Mittelzufluss betrug 2025 1.184 Millionen. Das ist kein Luftschloss, das ist ein arbeitendes Geschäft.

Und jetzt die Kurve, die alles andere erklärt:

Diagramm zu Flutter Entertainment 2022 bis 2025: blaue Umsatzlinie steigt von 9,5 über 11,8 und 14,0 auf 16,4 Milliarden US-Dollar; die Balken des Nettoergebnisses zeigen −370, −1.211, +162 und −407 Millionen US-Dollar.
Der Umsatz kennt nur eine Richtung, das Nettoergebnis nicht: In drei von vier Jahren stand unter dem Strich ein Verlust. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Woran liegt das? 2025 lässt sich das Zeile für Zeile nachrechnen. Vom Rohertrag von 7.404 Millionen US-Dollar gingen 3.678 Millionen in Vertrieb und Marketing (allein die Werbeausgaben betrugen 2.053 Millionen), 991 Millionen in Technik und Entwicklung, 2.182 Millionen in Verwaltung — und dann noch 517 Millionen Firmenwert-Abschreibung. Übrig blieb ein operatives Ergebnis von 36 Millionen, nach 869 Millionen im Vorjahr. Danach kommen die Zinsen (515 Millionen netto) und die Steuern. Und hier steht der erste Satz, bei dem man kurz innehält: Auf einen Vorsteuerverlust von 121 Millionen US-Dollar zahlte Flutter 286 Millionen Ertragsteuern. Das ist kein Rechenfehler, sondern Alltag in einem Konzern, der in vielen Ländern zugleich Gewinne und Verluste macht — verrechnen lassen sie sich nicht. Übersetzt in ein Alltagsbild: Stell dir vor, dein Zweitjob wirft Verlust ab, dein Hauptjob Gewinn — das Finanzamt kassiert trotzdem auf den Hauptjob, und der Verlust hilft dir erst einmal nicht.

Ein zweites Detail zeigt, warum das kein Zufall ist: Die Abschreibungen sind 2025 auf 1.517 Millionen US-Dollar gestiegen (2024: 1.097). Das ist die verzögerte Rechnung für die Übernahmen — jede gekaufte Marke, jede erworbene Kundenbeziehung wird über Jahre abgeschrieben und drückt so lange das Ergebnis, wie sie in der Bilanz steht. Merke dir das Muster: Wachstum durch Zukäufe erscheint sofort im Umsatz, aber erst mit Verzögerung in den Kosten.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Quartalsgewinn entsteht, wenn FanDuel weniger wert wird

Das erste Quartal 2026 sah nach einer Wende aus: 209 Millionen US-Dollar Nettogewinn, ein Ergebnis je Aktie von 1,23 US-Dollar. Wer nur die Schlusszeile liest, sieht einen profitablen Weltmarktführer. Die Zerlegung erzählt etwas anderes:

Balkendiagramm zum ersten Quartal 2026 von Flutter Entertainment in Millionen US-Dollar: operativer Gewinn +79, Fox-Options-Bewertungsgewinn +293, Währung und Sonstiges +18, Zinsaufwand −156, Steuern −25, Nettoergebnis 209.
Von 209 Millionen US-Dollar Quartalsgewinn stammen 293 Millionen aus einem reinen Bewertungseffekt: dem Rückgang der bilanzierten Fox-Options-Schuld. Ohne ihn wäre das Quartal rot gewesen. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der operative Gewinn des Quartals betrug 79 Millionen US-Dollar — nach 223 Millionen im Vorjahresquartal. Der Zinsaufwand lag bei 156 Millionen, die Steuern bei 25 Millionen. Rechnerisch wäre das ein Minus gewesen. Ins Plus gehoben hat das Quartal ein einziger Posten aus dem Anhang:

„Fair value gain on Fox Option liability … 293“

Übersetzung: „Bewertungsgewinn auf die Fox-Options-Verbindlichkeit … 293 (Millionen US-Dollar)."

— Flutter Entertainment plc, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Note 4 „Other income (expense), net"

Markierte Zeile aus dem Flutter-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Note 4: Fair value gain on Fox Option liability 293 (Vorjahresquartal 205), Gesamtposten sonstige Erträge 311 gegenüber 216 Millionen US-Dollar.
Die markierte Zeile im Original: 293 Millionen US-Dollar Bewertungsgewinn auf die Fox-Options-Verbindlichkeit — der größte Einzelposten des Quartals. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Um zu verstehen, warum das paradox ist, braucht es die Geschichte dahinter. Als Flutter 2020 The Stars Group kaufte, erbte der Konzern eine Vereinbarung mit dem US-Medienhaus Fox: Fox darf 18,6 Prozent von FanDuel kaufen — zu einem Preis, der jedes Jahr um 5 Prozent steigt und zum 31. Dezember 2025 bei 4,8 Milliarden US-Dollar lag (Vorjahr: 4,5 Milliarden). Ausgeübt werden kann bis Dezember 2030, in bar, nur vollständig, und nur wenn Fox eine Glücksspiellizenz erhält.

„The Fox Option is measured at fair value with changes in fair value recognized in earnings. As of December 31, 2025 and December 31, 2024, the fair value of the Fox Option amounts to $560 million and $810 million, respectively, which was determined using an option pricing model.“

Übersetzung: „Die Fox-Option wird zum beizulegenden Zeitwert bewertet; Wertänderungen werden erfolgswirksam erfasst. Zum 31. Dezember 2025 bzw. 31. Dezember 2024 beträgt der beizulegende Zeitwert der Fox-Option 560 Millionen bzw. 810 Millionen US-Dollar, ermittelt mit einem Optionspreismodell."

— Flutter Entertainment plc, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 7 „Critical Accounting Policies and Estimates — Fox Option Liability"

Markierte Textstelle aus dem Flutter-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Der Optionspreis betrug zum 31.12.2025 4,8 Milliarden US-Dollar, der beizulegende Zeitwert der Fox-Option 560 Millionen nach 810 Millionen im Vorjahr, ermittelt mit einem Optionspreismodell.
Die markierte Stelle im Original: 4,8 Milliarden Optionspreis, Zeitwert der Verbindlichkeit 560 statt 810 Millionen US-Dollar — daraus entsteht der Buchgewinn. Darunter die Bandbreite: 57 bis 1.814 Millionen bei plus/minus 10 Prozent FanDuel-Wert. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Und hier schließt sich der Kreis. Der Bericht erklärt selbst, wovon der Wert dieser Verbindlichkeit abhängt: unter anderem vom „equity value of the investor units", also vom Wert der FanDuel-Anteile. Sinkt dieser Wert, wird die Option für Fox weniger attraktiv, die bilanzierte Schuld schrumpft — und der Rückgang landet als Ertrag in Flutters Gewinn- und Verlustrechnung. Steigt FanDuels Wert, passiert das Gegenteil: 2024 kostete derselbe Posten 426 Millionen US-Dollar Aufwand, 2023 waren es 165 Millionen. Übersetzt in ein Alltagsbild: Du hast deinem Nachbarn versprochen, ihm dein Haus zu einem festen Preis zu verkaufen, falls er will. Fällt der Immobilienmarkt, wird dieses Versprechen für dich weniger gefährlich — buchhalterisch geht es dir besser, obwohl dein Haus weniger wert ist. Genau das passiert hier. Merke dir diesen Mechanismus: Ein Teil von Flutters ausgewiesenem Gewinn ist ein Spiegelbild sinkender Erwartungen an FanDuel — kein eingenommenes Geld. Wie groß der Hebel ist, sagt der Bericht ebenfalls: Bei plus oder minus 10 Prozent FanDuel-Wert schwankt der Zeitwert der Option zwischen 57 und 1.814 Millionen US-Dollar.

Zur Fairness gehört die andere Seite: Flutter hat 2025 die letzte fremde Minderheit an FanDuel herausgekauft — Boyds 5-Prozent-Anteil für 1.553 Millionen US-Dollar. Rechnerisch bewertet das FanDuel mit gut 31 Milliarden. Der Konzern hält seither 100 Prozent — „subject to the Fox Option", wie der Bericht in Klammern anfügt. Die Option ist also kein Buchhaltungsdetail, sondern ein realer Anspruch auf fast ein Fünftel des Kronjuwels.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Ein Gesetz, ein Tag — und ein ganzes Landesgeschäft war weg

Am 22. August 2025 unterschrieb Indiens Präsident ein Gesetz, das jede Form des Online-Echtgeldspiels im Land verbietet. Flutters indische Tochter Junglee stellte den Betrieb noch am selben Tag ein. Was das bilanziell bedeutete, steht so im Bericht:

„During the third quarter of 2025, the Group recognized a goodwill impairment of $517 million attributable to the Junglee reporting unit. The Act, which was passed by the Indian Parliament and received Presidential assent on August 22, 2025, bans all forms of online real money gaming in India. As a result of the Act, from August 22, 2025, Junglee ceased offering all real-money games in India. Given there were no other viable commercial operations in the Junglee reporting unit at this time, the goodwill balance related to the Junglee reporting unit was fully impaired.“

Übersetzung: „Im dritten Quartal 2025 erfasste der Konzern eine Firmenwert-Abschreibung von 517 Millionen US-Dollar auf die Berichtseinheit Junglee. Das vom indischen Parlament beschlossene und am 22. August 2025 vom Präsidenten unterzeichnete Gesetz verbietet jede Form des Online-Echtgeldspiels in Indien. Infolge des Gesetzes stellte Junglee ab dem 22. August 2025 sämtliche Echtgeldspiele in Indien ein. Da zu diesem Zeitpunkt keine anderen tragfähigen Geschäftsaktivitäten in der Berichtseinheit Junglee bestanden, wurde der Firmenwert dieser Einheit vollständig abgeschrieben."

— Flutter Entertainment plc, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Note 10 „Goodwill"

Markierte Fußnote aus dem Flutter-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Abschreibung von 561 Millionen US-Dollar, im Wesentlichen Junglee — 517 Millionen Firmenwert und 32 Millionen immaterielle Vermögenswerte, steuerlich nicht abzugsfähig; darüber die Überleitung von Nettoverlust 407 auf Adjusted EBITDA 2.845 Millionen.
Die markierte Fußnote im Original: 561 Millionen US-Dollar Abschreibung, im Wesentlichen Junglee — davon 517 Millionen Firmenwert und 32 Millionen immaterielle Vermögenswerte, ausdrücklich nicht steuerlich abzugsfähig. Darüber die Überleitung vom Nettoverlust zum bereinigten Ergebnis. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das ist die Schlüsselstelle für das Verständnis dieser Branche. Ein Glücksspielkonzern besitzt nicht seine Märkte, er besitzt Lizenzen — und Lizenzen sind widerrufbar. Kein Umsatzeinbruch, kein Managementfehler, kein Wettbewerber: eine Unterschrift, und 549 Millionen US-Dollar Buchwert waren an einem Tag Geschichte. Zur Einordnung des Ausmaßes: Der Konzern hatte 2023 rund 95 Millionen und 2025 noch einmal 67 Millionen US-Dollar ausgegeben, um seinen Anteil an Junglee aufzustocken. Und die Abschreibung war steuerlich wertlos — der Bericht hält ausdrücklich fest, dass das abgeschriebene Firmenwertvolumen nicht abzugsfähig ist und deshalb kein Steuervorteil entsteht.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Steuerschraube dreht sich weiter — und zwar in beiden Kernmärkten

Wer glaubt, Indien sei ein Einzelfall, sollte den Blick auf die beiden wichtigsten Märkte richten. In Großbritannien kündigte die Regierung am 26. November 2025 an, die Abgabe auf Online-Glücksspiel zum 1. April 2026 von 21 auf 40 Prozent zu erhöhen und die Abgabe auf Online-Sportwetten (außer Pferderennen) zum 1. April 2027 von 15 auf 25 Prozent. In den USA kommt der Druck von den Bundesstaaten:

„For example, Illinois imposed a progressive tax on sports betting revenue (up to 40%) from July 2024 and per-wager fee from July 2025, which has contributed to a decline in legal betting volume.“

Übersetzung: „So führte Illinois ab Juli 2024 eine progressive Steuer auf Sportwetten-Erlöse (bis zu 40 Prozent) und ab Juli 2025 eine Gebühr je Wette ein, was zu einem Rückgang des legalen Wettvolumens beigetragen hat."

— Flutter Entertainment plc, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1 „Business — Regulation"

Markierte Textstelle aus dem Flutter-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Ankündigung der britischen Regierung vom 26. November 2025, die Fernspielabgabe ab 1. April 2026 von 21 auf 40 Prozent und die Wettabgabe ab 1. April 2027 von 15 auf 25 Prozent zu erhöhen; darunter die Annahmen des Werthaltigkeitstests für die Einheit UKI.
Die markierte Stelle im Original: 21 auf 40 Prozent ab April 2026, 15 auf 25 Prozent ab April 2027 — und der daraus abgeleitete außerplanmäßige Werthaltigkeitstest für das britisch-irische Geschäft. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die britische Erhöhung trifft ein Geschäft, das ohnehin nicht mehr wächst: Der Umsatz der Einheit UKI lag 2025 bei 3.547 Millionen US-Dollar — leicht unter den 3.599 Millionen des Vorjahres. Flutter musste den Firmenwert dieser Einheit deshalb außerplanmäßig prüfen. Das Ergebnis war beruhigend (der Zeitwert übertraf den Buchwert um 3.802 Millionen US-Dollar, keine Abschreibung nötig) — aber der Weg dorthin ist bemerkenswert: Das Modell unterstellt in der zweiten Stufe ausdrücklich einen schrumpfenden Gesamtmarkt bei gleichzeitig steigendem Marktanteil von Flutter. Auf gut Deutsch: Die Rechnung geht auf, weil man davon ausgeht, dass Wettbewerber die Steuer schlechter verkraften. Das mag stimmen. Aber es ist eine Annahme, keine Zahl.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Das Wachstum ist gekauft — und die Schulden haben sich fast verdoppelt

Ein großer Teil des Umsatzsprungs 2025 kam nicht aus mehr Spielern, sondern aus mehr Firmen. Am 30. April 2025 übernahm Flutter Snai in Italien für 2,3 Milliarden Euro (2,6 Milliarden US-Dollar), dazu 56 Prozent an NSX/Betnacional in Brasilien für 674 Millionen US-Dollar; für die restlichen Anteile bestehen Kauf- und Verkaufsoptionen im fünften und zehnten Jahr. Hinzu kamen 1.553 Millionen für Boyds FanDuel-Anteil und 1.123 Millionen für eigene Aktienrückkäufe. Bezahlt wurde das überwiegend mit Fremdkapital: Die Finanzschulden stiegen 2025 von 6.736 auf 12.266 Millionen US-Dollar, der Zinsaufwand von 419 auf 515 Millionen. Der Firmenwert in der Bilanz wuchs auf 15.825 Millionen — mehr als das Eigenkapital von 9.038 Millionen.

Was daraus folgt, ist keine Katastrophe, aber eine klare Verengung des Handlungsspielraums. Dem operativen Mittelzufluss von 1.184 Millionen US-Dollar standen 2025 rund 777 Millionen Investitionen in Sachanlagen, Software und Lizenzen gegenüber — es blieben also gut 400 Millionen freier Mittelzufluss, während gleichzeitig über 5 Milliarden für Zukäufe, Anteilskäufe und Rückkäufe ausgegeben wurden. Das Rückkaufprogramm über bis zu 5 Milliarden US-Dollar (beschlossen am 25. September 2024) war Ende 2025 erst zu gut einem Fünftel ausgeschöpft; 3.879 Millionen sind noch offen. Merke dir die Rechnung: Ein Konzern, der mehr ausgibt, als er verdient, finanziert die Differenz — und der Preis dafür heißt Zins. Wie eng es zugleich im Kerngeschäft geworden ist, zeigt das erste Quartal 2026: Der US-Sportwettenumsatz lag mit 1.144 Millionen US-Dollar nur 0,9 Prozent über dem Vorjahresquartal (1.134 Millionen); das Wachstum kam aus dem US-Online-Casino (+19,5 Prozent auf 564 Millionen) und aus den frisch gekauften internationalen Geschäften (+27,1 Prozent auf 2.541 Millionen).

Bewertung: Was der Markt für den Marktführer zahlt

Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich für 2025 nicht bilden — es gab keinen Gewinn. Der ehrlichste datierte Anker steht auf dem Deckblatt des Geschäftsberichts selbst: Zum 30. Juni 2025 war der von Nicht-Insidern gehaltene Aktienbestand nach dem NYSE-Schlusskurs 50,37 Milliarden US-Dollar wert. Setzt man das ins Verhältnis, ergibt sich für den Jahresumsatz 2025 (16.383 Millionen) grob ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 3. Rechnet man die Nettoverschuldung zum selben Stichtag hinzu (Finanzschulden 10.013 Millionen minus 1.691 Millionen Kasse), kommt man auf einen Unternehmenswert in der Größenordnung von 59 Milliarden US-Dollar — das entspricht etwa dem Zwanzigfachen des bereinigten Betriebsergebnisses (Adjusted EBITDA) von 2.845 Millionen.

Was heißt das? Es ist der Preis für einen Weltmarktführer mit zweistelligem Wachstum — kein Schnäppchen und keine Blase, sondern eine Bewertung, die davon ausgeht, dass aus dem bereinigten Ergebnis irgendwann ein ausgewiesener Gewinn wird. Genau darin liegt die Wette. Zwischen den 2.845 Millionen Adjusted EBITDA und dem Nettoverlust von 407 Millionen liegen 1.517 Millionen Abschreibungen, 561 Millionen Wertminderungen, 515 Millionen Zinsen, 286 Millionen Steuern, 260 Millionen aktienbasierte Vergütung, 247 Millionen Restrukturierung und 224 Millionen Transaktionskosten. Ein Teil davon verschwindet mit der Zeit (Restrukturierung, Transaktionskosten), ein Teil nicht (Zinsen, Steuern, aktienbasierte Vergütung). Wer Flutter kauft, kauft die Behauptung, dass der erste Teil größer ist als der zweite. Wie unterschiedlich Kapitalmärkte solche Übergänge bewerten, haben wir auch bei anderen Anbietern rund um Sport und Unterhaltung gesehen — etwa in unserer Analyse zu Monarch Casino, wo ein deutlich kleinerer Betreiber Jahr für Jahr echten Gewinn ausweist, oder in weiteren Aktienanalysen unserer Redaktion. Eine Dividende zahlt Flutter im Übrigen nicht: Die 27 Millionen US-Dollar Dividendenzahlungen des Jahres 2025 gingen an Minderheitsgesellschafter von Töchtern, nicht an die Flutter-Aktionäre.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Flutter Entertainment spricht:

  • Klarer Weltmarktführer mit echter Größe: 16.383 Millionen US-Dollar Umsatz 2025 (+16,6 Prozent), 15,9 Millionen Spieler im Monatsschnitt, 88 Prozent des Geschäfts online — und in den USA mit FanDuel die Nummer eins in einem Markt, der Bundesstaat für Bundesstaat noch geöffnet wird.
  • Das bereinigte Betriebsergebnis wächst schneller als der Umsatz: Adjusted EBITDA von 1.875 (2023) über 2.357 (2024) auf 2.845 Millionen US-Dollar (2025), Marge von 15,9 auf 17,4 Prozent — Skaleneffekte im Marketing sind messbar.
  • Der operative Mittelzufluss ist positiv und stabil (1.184 Millionen US-Dollar 2025, 330 Millionen allein im ersten Quartal 2026); die Kasse lag Ende 2025 bei 1.828 Millionen.
  • Breite Streuung über rund 100 Märkte und viele Marken: Fällt ein Land aus — wie Indien 2025 —, trägt der Rest weiter; das US-Online-Casino wuchs 2025 um 37,5 Prozent auf 2.095 Millionen US-Dollar.
  • Kapitalrückgabe läuft: 1.123 Millionen US-Dollar Aktienrückkäufe 2025, die Aktienzahl sank von 177,9 auf 175,2 Millionen; vom 5-Milliarden-Programm sind 3.879 Millionen noch offen.

Was dagegen spricht:

  • Unter dem Strich steht in drei von vier Jahren ein Verlust (2022 bis 2025: −370, −1.211, +162, −407 Millionen US-Dollar); das operative Ergebnis fiel 2025 von 869 auf 36 Millionen.
  • Ein wesentlicher Teil des ausgewiesenen Gewinns ist ein Bewertungseffekt: Im ersten Quartal 2026 stammten 293 von 209 Millionen US-Dollar Nettogewinn aus dem Rückgang der Fox-Options-Schuld — ein Posten, der zulegt, wenn FanDuel weniger wert wird, und 2024 mit 426 Millionen Aufwand in die Gegenrichtung wirkte.
  • Die Fox-Option selbst: ein Anspruch auf 18,6 Prozent von FanDuel zu 4,8 Milliarden US-Dollar (Stand 31.12.2025, +5 Prozent jährlich), ausübbar bis Dezember 2030 — und Fox hat laut Bericht in der Vergangenheit bereits Schiedsverfahren angestrengt.
  • Regulierungs- und Steuerrisiko ist Existenzrisiko: Indien verbot Online-Echtgeldspiel über Nacht (517 Millionen Firmenwert abgeschrieben), Großbritannien hebt die Fernspielabgabe ab April 2026 von 21 auf 40 Prozent, Illinois hat laut Bericht bereits das legale Wettvolumen gedrückt.
  • Wachstum auf Pump: Finanzschulden 2025 von 6.736 auf 12.266 Millionen US-Dollar, Firmenwert 15.825 Millionen bei 9.038 Millionen Eigenkapital, Abschreibungen auf 1.517 Millionen gestiegen — und im ersten Quartal 2026 wuchs der US-Sportwettenumsatz nur noch um 0,9 Prozent.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Hausvorteil-Falle. Sie ist deshalb so hartnäckig, weil ihr Kern stimmt: Die Bank gewinnt tatsächlich immer. Flutters Spieler verlieren im Aggregat verlässlich, und daraus werden 16,4 Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahr. Der Denkfehler steckt eine Ebene tiefer: Zwischen dem Gewinn der Bank und dem Gewinn des Aktionärs stehen Kassierer, die vorher bedient werden. Das Finanzamt nimmt 286 Millionen, auch wenn vor Steuern ein Verlust steht. Der Gesetzgeber kann mit einer Unterschrift 549 Millionen Buchwert löschen — in Indien hat er es getan — und hebt in Großbritannien ab April 2026 die Abgabe von 21 auf 40 Prozent. Die Banken nehmen 515 Millionen Zinsen für das Geld, mit dem Snai, Betnacional und der letzte FanDuel-Anteil bezahlt wurden. Und irgendwo im Anhang wartet Fox mit einem Vertrag, der bis Dezember 2030 auf fast ein Fünftel von FanDuel zugreifen darf.

Nichts davon macht Flutter zu einem schlechten Unternehmen — im Gegenteil, es ist ein Marktführer mit echtem Cashflow, wachsendem bereinigtem Ergebnis und einer Position in den USA, um die ihn jeder Wettbewerber beneidet. Aber es macht die einfache Erzählung kaputt. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht: „Gewinnt die Bank?" Sondern: Bleibt vom Hausvorteil genug übrig, nachdem Finanzamt, Gesetzgeber, Zinsen und ein Optionsvertrag aus dem Jahr 2020 sich bedient haben — und bist du bereit, auf einen ausgewiesenen Gewinn zu warten, den es in drei von vier Jahren nicht gab? Wenn ja, hast du eine These. Wenn nein, hattest du ein Sprichwort. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Flutter-Entertainment-Aktien.

Unser Fazit auf einen Blick

Marktstellung & Wachstum positiv
Flutter ist der größte Wett- und Glücksspielkonzern der Welt: 16.383 Millionen US-Dollar Umsatz 2025 (+16,6 Prozent), 15,9 Millionen Spieler im Monatsschnitt, mit FanDuel die Nummer eins im wachsenden US-Markt (Segmentumsatz +20,2 Prozent auf 6.967 Millionen). Auch das erste Quartal 2026 wuchs um 17,4 Prozent auf 4.304 Millionen.
Ergebnisqualität negativ
Unter dem Strich stand in drei von vier Jahren ein Verlust (2022 bis 2025: −370, −1.211, +162, −407 Millionen US-Dollar), das operative Ergebnis fiel 2025 von 869 auf 36 Millionen. Der Quartalsgewinn von 209 Millionen im ersten Quartal 2026 stammt zu 293 Millionen aus dem Bewertungsgewinn auf die Fox-Options-Schuld — ein Posten, der steigt, wenn FanDuel weniger wert wird.
Regulierung & Steuern negativ
Das Geschäft steht und fällt mit Lizenzen. Indien verbot am 22. August 2025 jedes Online-Echtgeldspiel, Flutter schrieb den Firmenwert der Einheit Junglee mit 517 Millionen US-Dollar vollständig ab. Großbritannien hebt die Fernspielabgabe zum 1. April 2026 von 21 auf 40 Prozent und die Sportwettenabgabe zum 1. April 2027 von 15 auf 25 Prozent; in Illinois hat die Abgabenerhöhung laut Bericht bereits das legale Wettvolumen gedrückt.
Bilanz & Finanzierung negativ
Die Finanzschulden stiegen 2025 von 6.736 auf 12.266 Millionen US-Dollar, der Zinsaufwand von 419 auf 515 Millionen. Bezahlt wurden damit Snai (2,6 Milliarden), NSX/Betnacional (674 Millionen), Boyds FanDuel-Anteil (1.553 Millionen) und Aktienrückkäufe (1.123 Millionen). Der Firmenwert von 15.825 Millionen übersteigt das Eigenkapital von 9.038 Millionen deutlich.
Cashflow & Kapitalrückgabe neutral
Der operative Mittelzufluss ist solide (1.184 Millionen US-Dollar 2025, 330 Millionen im ersten Quartal 2026), nach Investitionen von rund 777 Millionen bleiben aber nur gut 400 Millionen frei — bei gleichzeitig über 5 Milliarden für Zukäufe und Rückkäufe. Die Aktienzahl sinkt (177,9 → 175,2 Millionen), eine Dividende an Flutter-Aktionäre gibt es nicht.

Flutter Entertainment ist die Hausvorteil-Falle in Reinform: Der weltgrößte Buchmacher wächst zweistellig, betreut 15,9 Millionen Spieler im Monat und meldet für 2025 ein bereinigtes Betriebsergebnis von 2.845 Millionen US-Dollar — und weist trotzdem 407 Millionen Nettoverlust aus. Dazwischen stehen 1.517 Millionen Abschreibungen, 515 Millionen Zinsen auf fast verdoppelte Schulden, 286 Millionen Steuern trotz Vorsteuerverlust und eine Firmenwert-Abschreibung von 517 Millionen, weil Indien Online-Echtgeldspiel über Nacht verbot. Der Quartalsgewinn Anfang 2026 wiederum entsteht zu großen Teilen aus einem Bewertungseffekt, der zulegt, wenn FanDuel weniger wert wird. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Wenn Du die Aktie nicht hast
Solange die im Fazit genannte Frage offen ist, sehen wir keine Grundlage für einen Einstieg.
Wenn Du sie im Depot hast
Unsere Befunde liefern keinen akuten Verkaufsgrund — entscheidend bleiben die genannten Prüfpunkte.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Kategorien bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Flutter Entertainment nicht über einen Kennzahlen-Scanner, sondern über eine Pflichtmeldung: Der Londoner Fonds Helikon Investments Ltd meldete im SEC-Formular 13F-HR zum Stichtag 31. März 2026 (eingereicht 8. Mai 2026) 1.439.750 Flutter-Aktien im Wert von 146.782.513 US-Dollar — eine komplett neue Position. Ein 13F zeigt nur US-gelistete Long-Positionen mit 35 bis 45 Tagen Verzug, ohne Leerverkäufe und Derivate: ein Rückspiegel, kein Fahrplan.
  • Klassische Kennzahlen greifen bei Flutter nur eingeschränkt: Für 2025 lässt sich mangels Gewinn kein Kurs-Gewinn-Verhältnis bilden, und Bilanzscores wie Piotroski oder Altman-Z bewerten einen Konzern mit 15.825 Millionen US-Dollar Firmenwert systematisch schief. Die aussagekräftigen Größen sind Segmentumsatz, Adjusted EBITDA und die Überleitung zum ausgewiesenen Ergebnis.
  • Bewertungsangaben datiert und evergreen: Aktienwert im Streubesitz 50,37 Milliarden US-Dollar zum 30. Juni 2025 (Deckblatt des Geschäftsberichts), daraus ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 3 und ein Unternehmenswert von etwa dem Zwanzigfachen des Adjusted EBITDA 2025. Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument.

Häufige Fragen

Flutter Entertainment plc (NYSE: FLUT) ist der weltgrößte Anbieter für Sportwetten und Online-Glücksspiel. Zum Konzern gehören FanDuel und TVG in den USA sowie Sky Betting & Gaming, Paddy Power, Betfair, tombola, PokerStars, Sportsbet, Sisal, Snai, MaxBet, Adjarabet und Betnacional. 2025 setzte der Konzern 16.383 Millionen US-Dollar um — 53 Prozent mit Sportwetten, 44 Prozent mit Online-Casino, Poker und Lotterie —, betreute 15,9 Millionen Spieler im Monatsschnitt und beschäftigte 28.518 Menschen in 27 Ländern.

Weil zwischen Umsatz und Schlusszeile viel liegt. 2025 blieben vom Umsatz (16.383 Millionen US-Dollar) nach Vertrieb und Marketing (3.678 Millionen), Technik, Verwaltung und einer Firmenwert-Abschreibung von 517 Millionen nur 36 Millionen operatives Ergebnis übrig. Danach kamen 515 Millionen Zinsen und 286 Millionen Ertragsteuern — obwohl vor Steuern ein Verlust von 121 Millionen stand. Unter dem Strich blieben −407 Millionen US-Dollar. Das bereinigte Ergebnis (Adjusted EBITDA) lag im selben Jahr bei 2.845 Millionen.

Eine Kaufoption des US-Medienhauses Fox auf 18,6 Prozent von FanDuel, entstanden bei Flutters Übernahme von The Stars Group im Jahr 2020. Der Ausübungspreis lag zum 31. Dezember 2025 bei 4,8 Milliarden US-Dollar (Vorjahr 4,5 Milliarden) und steigt jährlich um 5 Prozent; ausgeübt werden kann bis Dezember 2030, nur in bar, nur vollständig und nur mit Glücksspiellizenz. In der Bilanz steht dafür eine Verbindlichkeit, deren Zeitwert zum 31. Dezember 2025 560 Millionen betrug (Vorjahr 810 Millionen); Wertänderungen laufen durch die Gewinn- und Verlustrechnung.

Im ersten Quartal 2026 erzielte Flutter 209 Millionen US-Dollar Nettogewinn. Der operative Gewinn betrug jedoch nur 79 Millionen, der Zinsaufwand 156 Millionen. Ins Plus gehoben hat das Quartal ein Bewertungsgewinn von 293 Millionen auf die Fox-Options-Verbindlichkeit: Sinkt der erwartete Wert der FanDuel-Anteile, sinkt die bilanzierte Schuld — und der Rückgang wird als Ertrag gebucht. 2024 wirkte derselbe Posten mit 426 Millionen Aufwand in die Gegenrichtung.

Weil Flutter seit dem 1. Januar 2025 als US-Inlandsemittent gilt. Der Konzern notiert seit dem 29. Januar 2024 an der NYSE und verlegte am 31. Mai 2024 nach Zustimmung der Hauptversammlung seine Hauptnotierung dorthin; die Notierung an der Irischen Börse wurde beendet, die operative Konzernzentrale liegt in New York. Im Lauf des Jahres 2024 stellte das Unternehmen fest, dass es nicht mehr als ausländischer Privatemittent gilt — seither gelten die vollen US-Pflichten einschließlich Quartalsberichten, Regulation FD und Insider-Meldungen (Form 4).

Großbritannien erhöht die Abgabe auf Online-Glücksspiel zum 1. April 2026 von 21 auf 40 Prozent und die Abgabe auf Online-Sportwetten (ohne Pferderennen) zum 1. April 2027 von 15 auf 25 Prozent. Betroffen ist die Einheit UKI (Sky Bet, Paddy Power, tombola, Betfair, PokerStars) mit 3.547 Millionen US-Dollar Umsatz 2025. Flutter musste deshalb außerplanmäßig den Firmenwert prüfen; der Zeitwert übertraf den Buchwert um 3.802 Millionen — allerdings unter der Annahme eines schrumpfenden Gesamtmarktes bei steigendem eigenen Marktanteil.

Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich für 2025 mangels Gewinn nicht bilden. Der datierte Anker aus dem Geschäftsbericht: Zum 30. Juni 2025 war der von Nicht-Insidern gehaltene Aktienbestand 50,37 Milliarden US-Dollar wert. Gemessen am Jahresumsatz 2025 (16.383 Millionen) ergibt das ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 3; inklusive Nettoverschuldung entspricht der Unternehmenswert etwa dem Zwanzigfachen des bereinigten Betriebsergebnisses von 2.845 Millionen. Eine Dividende zahlt Flutter nicht.

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