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Red Cat: Der Auftrag der US-Armee ist da — die Marge nicht

Red Cat: Der Auftrag der US-Armee ist da — die Marge nicht

Seit November 2024 hat Red Cat, was jede kleine Rüstungsfirma will: ein Programm of Record der US-Armee. Der Umsatz sprang im Geschäftsjahr 2025 auf 40,7 Millionen US-Dollar. Nur blieben davon 1,3 Millionen als Bruttoergebnis übrig — 3,1 Prozent —, während die Betriebskosten bei 67,9 Millionen lagen und der Nettoverlust bei 72,1 Millionen. Drei Viertel des Umsatzes kamen von einem einzigen Kunden, die eigenen Kontrollen stuft der Vorstand als „nicht wirksam“ ein, und im Mai 2026 holte sich das Unternehmen rund 245 Millionen Dollar frisches Eigenkapital. Keine Anlageberatung — nur die Rechnung hinter dem Auftrag.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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Red Cat: Der Auftrag der US-Armee ist da — die Marge nicht
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die besonders gern bei kleinen Rüstungsfirmen zuschnappt, und sie hat einen sehr menschlichen Kern: die Auftrags-Falle. Sie funktioniert so. Du liest, dass eine winzige Firma einen Auftrag von der US-Armee bekommen hat — nicht irgendeinen, sondern ein „Program of Record“, also einen dauerhaft im Haushalt verankerten Beschaffungsposten. In deinem Kopf passiert dann etwas, das nichts mit Rechnen zu tun hat: Der große Name des Kunden ersetzt die Kalkulation. Wenn die US-Armee kauft, denkst du, muss das Produkt gut sein, das Geld sicher und der Gewinn nur noch eine Frage der Zeit. Red Cat Holdings (NASDAQ: RCAT) aus South Salt Lake in Utah ist der Lehrfall dafür: Die Tochter Teal Drones wurde im November 2024 als Gewinner des Short-Range-Reconnaissance-Programms der US-Armee ausgewählt, und seither hat die Aktie eine Geschichte, die sich in einem Satz erzählen lässt. Machen wir also einen Deal: Bevor du dieser Geschichte glaubst, lesen wir gemeinsam nach, was das Unternehmen selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für 2025, den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 und alles, was danach kam. Diese Berichte sind unter Strafandrohung ehrlich. Und sie erzählen eine zweite Geschichte neben der ersten: von einem Auftrag, der wirklich da ist — und einer Marge, die es nicht ist.

Was Red Cat eigentlich baut — Drohnen für die Truppe, made in Utah

Red Cat Holdings ist ein Drohnenhersteller, und zwar einer, dessen wichtigstes Verkaufsargument nicht die Technik ist, sondern die Herkunft. Seit die USA die Einfuhr chinesischer Drohnen und Bauteile für Behörden stark eingeschränkt haben, ist „amerikanisch gebaut“ ein Marktzugang für sich. Der Geschäftsbericht beschreibt das Unternehmen als Anbieter von Drohnen- und Robotiklösungen „für alle Domänen“ — Luft, Land, See — für Verteidigung, nationale Sicherheit und zivile Anwendungen. Unter dem Dach stehen mehrere Töchter. Teal Drones ist das Herzstück: kleine taktische Fluggeräte für Soldaten, Polizei und Feuerwehr, darunter die Black Widow (das Gerät für das Armee-Programm), die ältere Teal 2 und die günstige Kamera-Drohne FANG. FlightWave baut die Edge 130, ein Fluggerät, das senkrecht startet und dann wie ein Flugzeug weiterfliegt — für lange Aufklärungsflüge. Blue Ops, im August 2025 gegründet, entwickelt unbemannte Boote; das erste wurde im vierten Quartal 2025 an den Ausstellungsraum in Florida geliefert. Dazu kamen im März 2026 die Schwarm-Software von Apium und im Mai 2026 die kanadische Quaze Technologies. Die Patente liegen gebündelt in einer Tochter namens UAVPatent Corp: 34 erteilte Patente und eingetragene Designs, 13 weitere in Prüfung, keines davon lizenziert.

Ein Wort zur Vergangenheit, weil sie im Handelsregister steht und im Artikel nicht fehlen soll: Die Firma wurde 1984 in Colorado als Oravest International gegründet, hieß später Peacock Financial, Broadleaf Capital Partners, EnergyTEK und ab November 2016 TimefireVR — eine Firma für virtuelle Realität. Erst im Mai 2019 übernahmen die Gesellschafter von Propware 83 Prozent der Anteile, und aus TimefireVR wurde Red Cat. Wer also eine Firmenhistorie „seit 1984“ liest, sollte wissen: Das Drohnengeschäft ist sieben Jahre alt, die Hülle ist älter. Und damit steht das Spannungsfeld dieser Analyse im Raum, das sich durch jedes Kapitel zieht: Red Cat hat den Auftrag, auf den alle gewartet haben. Die Frage ist nicht mehr, ob die Firma verkaufen kann — sondern ob sie jemals mit Gewinn produzieren kann.

Wer sehen will, wie die Nachbarschaft aussieht, findet zwei Vergleichsfälle in unserem Archiv: Ondas Holdings verkauft ebenfalls Drohnen an Behörden und kämpft mit derselben Frage nach der Marge, und Castellum zeigt, wie sich Abhängigkeit von US-Regierungsaufträgen auf eine ganze Bilanz auswirkt.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Red Cat kam nicht über einen Qualitätsfilter zu uns, sondern über die Aufmerksamkeit: Der Ticker landete über unseren Reddit-Hype-Scanner auf der Rechercheliste — jenem Werkzeug, das misst, worüber in den Aktienforen gerade auffällig oft geschrieben wird. Die Daten dazu haben wir am 25. Juli 2026 gezogen. Das ist ein Aufmerksamkeitssignal, kein Qualitätsurteil — und genau deshalb schauen wir hin.

Die Gegenprobe im eigenen Bestand haben wir am 27. Juli 2026 gemacht: In den Listen unseres hauseigenen Aktien-Scanners taucht Red Cat an diesem Tag in genau einer Liste auf — „GpA-Beschleunigung“, einer Liste mit 29 Titeln, die Firmen sammelt, deren Wachstum des Gewinns je Aktie sich von Quartal zu Quartal beschleunigt. Bei einem Unternehmen, das Verluste schreibt, muss man wissen, was da eigentlich beschleunigt: Red Cats Verlust je Aktie schrumpfte im ersten Quartal 2026 von 0,27 auf 0,22 US-Dollar. Eine Beschleunigung ist das durchaus — nur eben die eines kleiner werdenden Minus, nicht die eines wachsenden Gewinns. In keiner unserer Value-, Bilanz- oder Qualitätslisten steht die Aktie an diesem Tag. Wichtig für später: Diese Listen werden täglich neu berechnet; der Befund gilt für den 27. Juli 2026 und kann morgen anders aussehen.

Merk dir den Befund gleich zu Beginn: Red Cat ist bei uns kein Fundamental-Fund, sondern ein Aufmerksamkeits-Fund. Umso wichtiger ist, was in den Berichten steht.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt, und das ist nicht wenig. Red Cat hat geliefert — im Wortsinn. Der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2025 auf 40,7 Millionen US-Dollar. Der Geschäftsbericht führt den Sprung ausdrücklich auf den Beginn und die Ausweitung der Drohnenlieferungen an die US-Armee im Rahmen des SRR-Programms zurück. Im ersten Quartal 2026 ging es genauso weiter: 15,5 Millionen US-Dollar Umsatz gegenüber 1,6 Millionen im Vorjahresquartal — ein Plus von 849 Prozent. Am 8. Mai 2026 ging bei der Tochter Teal eine Nachbestellung über 9,5 Millionen US-Dollar für weitere Geräte aus demselben Programm ein, gemeldet am 11. Mai, Lieferung im zweiten Quartal 2026. Und die Firma ist gewachsen: 244 Vollzeitkräfte zum 31. Dezember 2025, eine eigene Fertigung in Salt Lake City, seit Juli 2025 nach dem Luftfahrt-Qualitätsstandard AS9100 zertifiziert.

Ein Hinweis, bevor die Grafik kommt, denn ohne ihn führen die Balken in die Irre: Red Cat hat sein Geschäftsjahr umgestellt. Früher endete es am 30. April, heute am 31. Dezember. Dazwischen liegt eine Rumpfperiode von nur acht Monaten (1. Mai bis 31. Dezember 2024). Die drei Balkenpaare zeigen deshalb Perioden unterschiedlicher Länge — vergleichbar sind sie nur im Trend, nicht Zahl für Zahl.

Balkendiagramm mit Umsatz (blau) und Nettoergebnis der fortgeführten Geschäfte (rot) in Millionen US-Dollar für drei Berichtsperioden: Jahr bis 30.04.2024 mit 17,8 Umsatz und minus 21,5 Ergebnis, acht Monate bis 31.12.2024 mit 4,9 und minus 43,6, Jahr 2025 mit 40,7 und minus 72,1.
Der Umsatz steigt — der Verlust schneller: 40,7 Millionen US-Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2025 stehen 72,1 Millionen Verlust gegenüber. Die mittlere Säule ist eine Rumpfperiode von nur acht Monaten. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Grafik zeigt in einem Bild, worum es in dieser Analyse geht. Der blaue Balken wächst — von 17,8 über 4,9 (acht Monate) auf 40,7 Millionen US-Dollar. Der rote wächst schneller: von 21,5 über 43,6 auf 72,1 Millionen US-Dollar Verlust. Ein Hinweis zur Vergleichbarkeit, den wir dir schuldig sind: Alle drei roten Balken zeigen das Ergebnis der fortgeführten Geschäfte. Für 2025 und die Rumpfperiode ist das zugleich der Nettoverlust; im Geschäftsjahr bis 30. April 2024 kamen noch 2,5 Millionen aus dem verkauften Konsumgeschäft dazu, sodass der Nettoverlust dort bei 24,1 Millionen lag. Wir zeigen bewusst durchgehend dieselbe Berechnungsgrundlage, statt zwei Definitionen zu mischen. Merk dir den Merksatz: Bei Red Cat wächst der Umsatz — und der Verlust wächst mit ihm, nicht gegen ihn. Warum das so ist, steht in den Berichten. Gehen wir sie durch.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Ein einziger Kunde trägt drei Viertel des Umsatzes

Der Anhang des Geschäftsberichts (10-K) für 2025 enthält einen Absatz, den man zweimal lesen sollte. Er steht im Abschnitt über Kreditrisiko-Konzentration und beziffert, wie viel Umsatz von wie wenigen Kunden kommt:

„For the year ended December 31, 2025, one customer accounted for equal to or greater than 10% of total revenue, totaling 73%.“

Übersetzung: „Für das am 31. Dezember 2025 endende Geschäftsjahr entfiel auf einen Kunden ein Anteil von 10 Prozent oder mehr am Gesamtumsatz, insgesamt 73 Prozent.“

— Red Cat Holdings, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Anhang „Concentration of Credit Risk“

Markierte Passage aus dem Red-Cat-Geschäftsbericht 10-K für 2025 mit der Tabelle der Forderungskonzentration: Kunde A 88 Prozent zum 31.12.2025, darunter der gelb hervorgehobene Satz, dass ein Kunde 73 Prozent des Gesamtumsatzes des Jahres 2025 ausmachte.
Die markierte Stelle im Original: 73 Prozent des Jahresumsatzes 2025 von einem Kunden. Die Tabelle darüber zeigt die Forderungsseite — 88 Prozent der offenen Rechnungen entfielen zum 31. Dezember 2025 auf denselben einen Kunden (2024: 36, 17 und 15 Prozent auf drei andere). Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Und jetzt die Zahl, die den Satz erst gefährlich macht: Diese Konzentration ist neu. In der Rumpfperiode bis Ende 2024 brachten es die drei größten Kunden zusammen auf 19, 19 und 11 Prozent — keiner war beherrschend. Im Geschäftsjahr bis 30. April 2024 waren es 28, 23 und 10 Prozent. Erst 2025 rutschte alles auf eine einzige Adresse: 73 Prozent. Der Auftrag, der die Umsatzkurve gerettet hat, ist zugleich das Klumpenrisiko, das die Firma vorher nicht hatte.

Übersetzt in ein Alltagsbild: Stell dir einen Handwerksbetrieb vor, der drei von vier Rechnungen an denselben Auftraggeber schreibt. Solange der bestellt, läuft alles. Sagt er ab, steht der Betrieb. Genau in dieser Lage ist Red Cat — mit dem Unterschied, dass der Auftraggeber die US-Regierung ist. Der Geschäftsbericht sagt es selbst: Rund 73 Prozent der Erlöse des Jahres 2025 stammten aus Verträgen mit der US-Regierung, und das Unternehmen erwartet, weiterhin den größten Teil seiner Erlöse dort zu erwirtschaften. Das ist Fluch und Segen zugleich: Ein zahlungsfähigerer Kunde ist schwer zu finden — aber ein Programm kann gekürzt, verschoben oder neu ausgeschrieben werden, und ein Regierungsstillstand hält Zahlungen an. Im ersten Quartal 2026 hat sich die Lage leicht entspannt: Kunde A brachte 56 Prozent, Kunde B 19 Prozent des Umsatzes; auf der Forderungsseite fiel Kunde A von 88 auf 50 Prozent. Entspannt ist die Konzentration damit nicht — nur etwas weniger extrem.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Von 100 Dollar Umsatz bleiben 3 Dollar

Hier liegt der eigentliche Befund dieser Analyse, und er ist nüchtern nachzurechnen. Von den 40,7 Millionen US-Dollar Umsatz des Jahres 2025 gingen 39,5 Millionen für die Herstellung drauf. Übrig blieben 1,3 Millionen Bruttoergebnis — eine Bruttomarge von 3,1 Prozent. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr bis 30. April 2024, als Red Cat noch weniger, aber teurere Geräte verkaufte, lag die Bruttomarge bei 20,6 Prozent; in der Rumpfperiode bis Ende 2024 war sie mit minus 28 Prozent sogar negativ. Der Bericht erklärt das offen: Die Fertigung laufe unterhalb ihrer Auslegungskapazität, die niedrigen Stückzahlen träfen auf hohe Fixkosten. Steigen die Stückzahlen, so die Erwartung, verteilen sich die Fixkosten und die Marge steigt. Im ersten Quartal 2026 ist genau das ein Stück weit passiert: 2,0 Millionen Bruttoergebnis auf 15,5 Millionen Umsatz, also 12,7 Prozent.

Nur reicht das nirgends hin. Denn unter dem Bruttoergebnis stehen die Betriebskosten, und die haben eine völlig andere Größenordnung: 67,9 Millionen US-Dollar im Jahr 2025, aufgeteilt in 17,9 Millionen Forschung und Entwicklung, 13,1 Millionen Vertrieb und Marketing — und 36,9 Millionen allgemeine Verwaltung. Lies die letzte Zahl noch einmal neben der ersten: Die Verwaltung allein kostete 2025 fast so viel, wie das Unternehmen im ganzen Jahr umgesetzt hat. Im ersten Quartal 2026 setzt sich das fort: 16,7 Millionen Verwaltungskosten gegen 15,5 Millionen Umsatz. Ein Teil davon ist Bezahlung in eigenen Aktien — 4,8 Millionen US-Dollar allein im ersten Quartal 2026 nach 1,6 Millionen im Vorjahresquartal. Und die Rechnung ist noch nicht zu Ende: Zum 31. März 2026 waren 21,5 Millionen US-Dollar Aktienvergütung noch gar nicht als Aufwand erfasst — 10,8 Millionen aus Optionen (verteilt über 1,39 Jahre) und 10,7 Millionen aus zugeteilten Aktien (1,48 Jahre). Das ist kein Geldabfluss, aber es ist auch nicht gratis: Es wird in Anteilen bezahlt, also von allen Aktionären gemeinsam.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Das Geld fließt schneller ab, als es hereinkommt

Was aus dem Verlust praktisch folgt, zeigt der Blick auf die Kasse. Im Geschäftsjahr 2025 flossen aus dem laufenden Betrieb 89,1 Millionen US-Dollar ab. Im ersten Quartal 2026 waren es 31,9 Millionen — mehr als doppelt so viel wie im Vorjahresquartal (15,9 Millionen). Das Unternehmen erklärt den Anstieg vor allem mit Lagerkäufen: Der Vorratsbestand stieg von 23,5 auf 50,5 Millionen US-Dollar, weil für die Auslieferungen vorproduziert wird. Das ist eine gute Erklärung — Vorräte werden später zu Umsatz. Aber es ist eben auch Geld, das jetzt gebunden ist.

Wasserfalldiagramm der Kassenbewegung im ersten Quartal 2026 in Millionen US-Dollar: Startwert 167,9 zum 31.12.2025, minus 31,9 laufender Betrieb, minus 6,8 Investitionen, plus 2,8 Finanzierung, Endwert 131,9 zum 31.03.2026.
36 Millionen US-Dollar weniger in drei Monaten: Aus 167,9 Millionen zum 31. Dezember 2025 wurden 131,9 Millionen zum 31. März 2026 — der laufende Betrieb allein zog 31,9 Millionen. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Und hier kommt die gute Nachricht, die das Bild deutlich entschärft: Im Mai 2026 hat sich Red Cat frisches Geld geholt — und zwar reichlich. Am 12. Mai unterschrieb das Unternehmen einen Übernahmevertrag mit Evercore und BofA Securities über 23.936.171 neue Aktien zu 9,40 US-Dollar; am 14. Mai zogen die Banken ihre Mehrzuteilungsoption über weitere 3.590.425 Aktien vollständig, geliefert am 18. Mai. Netto flossen dem Unternehmen dadurch rund 245,4 Millionen US-Dollar zu. Rechnet man das auf die Kasse vom 31. März 2026, standen dem Unternehmen danach grob 377 Millionen US-Dollar zur Verfügung — bei einem Quartalsabfluss von rund 32 Millionen also rechnerisch Reserven für rund zwölf Quartale, knapp drei Jahre. Wer über Red Cat urteilt, sollte das nicht übersehen: Ein Liquiditätsproblem hat diese Firma nach dem Mai 2026 nicht. Ein Margenproblem hat sie sehr wohl.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die eigenen Kontrollen sind nach eigener Aussage „nicht wirksam“

Jetzt der Absatz, den viele Anleger überblättern, weil er hinten steht und technisch klingt. Am Ende jedes Quartals- und Jahresberichts müssen Vorstandschef und Finanzvorstand persönlich erklären, ob die internen Kontrollen des Unternehmens funktionieren. Bei Red Cat lautet die Antwort seit dem Jahresabschluss 2025 Nein — und im Quartalsbericht drei Monate später erneut Nein:

„Based on that evaluation, the Company’s Chief Executive Officer and the Company’s Chief Financial Officer have concluded that, as a result of the material weakness discussed below, the Company’s disclosure controls and procedures were not effective.“

Übersetzung: „Auf Grundlage dieser Bewertung sind der Vorstandsvorsitzende und der Finanzvorstand des Unternehmens zu dem Schluss gekommen, dass die Offenlegungskontrollen und -verfahren des Unternehmens infolge der nachfolgend erörterten wesentlichen Schwäche nicht wirksam waren.“

— Red Cat Holdings, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Item 4 „Controls and Procedures“

Gelb markierte Textstelle aus dem Red-Cat-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026: Vorstandschef und Finanzvorstand kommen zu dem Schluss, dass die Offenlegungskontrollen und -verfahren wegen einer wesentlichen Schwäche nicht wirksam waren.
Die markierte Stelle im Original: „were not effective“ — die Kontrollen sind zum 31. März 2026 nicht wirksam. Dieselbe Feststellung steht im Geschäftsbericht zum 31. Dezember 2025. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Was steckt dahinter? Der Bericht nennt den Grund konkret: zu wenige Fachkräfte im Rechnungswesen, dadurch zu wenig Aufsicht, zu wenig Vier-Augen-Prinzip und zu wenig Funktionstrennung. Eine „wesentliche Schwäche“ (material weakness) bedeutet in der Sprache der Bilanzprüfer: Es besteht eine vernünftige Möglichkeit, dass ein wesentlicher Fehler im Abschluss nicht rechtzeitig entdeckt würde. Übersetzt in ein Alltagsbild: In der Buchhaltung sitzen zu wenige Leute, und niemand prüft zuverlässig nach, was der andere gebucht hat. Zwei Dinge gehören der Fairness halber dazu. Erstens: Das Unternehmen sagt ausdrücklich, dass daraus keine falschen Abschlüsse entstanden sind. Zweitens: Es arbeitet an der Behebung, hat zusätzliches Personal eingestellt und Prozesse formalisiert — nur gilt eine Schwäche erst dann als behoben, wenn die neuen Kontrollen lange genug funktioniert haben und das getestet wurde. Bis dahin gilt: Jede Zahl in dieser Analyse kommt aus Büchern, deren Kontrollsystem das Unternehmen selbst als nicht wirksam bezeichnet.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Vier Verfahren, ein durchgefallener Vergütungsbeschluss, ein entlassener Vertriebsvorstand

Der Geschäftsbericht für 2025 nennt in seinem Kapitel zu Rechtsstreitigkeiten kein einziges Verfahren namentlich. Der Quartalsbericht sieben Wochen später nennt vier. Da ist zum einen ein Vertragsstreit, den die Firma Autonodyne 2025 gegen die Tochter Teal angestrengt hat. Und da ist zum anderen ein Paket aus einer Sammelklage von Aktionären vom Mai 2025 (Olsen v. Red Cat Holdings, New Jersey) und zwei abgeleiteten Klagen vom August 2025 und Januar 2026 (Fuchs und Henderson, Nevada). Der Vorwurf trifft ins Zentrum der Börsenstory:

„Each lawsuit alleges that, among other items, the defendants made false and/or misleading statements related to the production capacity of the Company’s manufacturing facility in Salt Lake City and the potential value of the Company’s contract for the U.S. Army’s SRR Program of Record.“

Übersetzung: „Jede der Klagen macht unter anderem geltend, die Beklagten hätten falsche und/oder irreführende Angaben zur Produktionskapazität der Fertigungsstätte des Unternehmens in Salt Lake City und zum potenziellen Wert des Vertrags des Unternehmens für das SRR-Beschaffungsprogramm der US-Armee gemacht.“

— Red Cat Holdings, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Item 1A „Risk Factors“

Rot umrandete und gelb hinterlegte Passage aus dem Red-Cat-Quartalsbericht zum 31. März 2026: Sammelklage von Mai 2025 und zwei abgeleitete Klagen von August 2025 und Januar 2026 wegen angeblich falscher Angaben zur Produktionskapazität in Salt Lake City und zum potenziellen Wert des SRR-Vertrags.
Die markierte Stelle im Original: Der Vorwurf betrifft genau die zwei Punkte, auf denen die Börsenstory ruht — Produktionskapazität und Vertragswert. Das Unternehmen hält die Klagen für unbegründet und will sich verteidigen; zum 31. März 2026 hat es dafür keine Rückstellung gebildet. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Auf der Hauptversammlung am 18. Juni 2026 haben die Aktionäre dann ihre Meinung gesagt. Vertreten waren 71.433.137 der 122.051.175 Aktien, die zum Stichtag 23. April 2026 stimmberechtigt waren. Der beratende Beschluss über die Vorstandsvergütung — im angelsächsischen Raum „Say on Pay“ genannt — fiel durch:

Markierte Passage aus dem Red-Cat-8-K vom 25. Juni 2026: Abstimmungstabelle zum Vergütungsbeschluss mit 15.194.017 Ja-, 21.304.013 Nein-Stimmen, 761.422 Enthaltungen und 34.173.685 Broker-Non-Votes, darunter der hervorgehobene Satz, dass der Beschluss keine Mehrheit der abgegebenen Stimmen erhielt.
Die markierte Stelle im Original: 15.194.017 Ja gegen 21.304.013 Nein — der Vergütungsbeschluss erhielt keine Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Die 34.173.685 „Broker Non-Votes“ in der letzten Spalte sind Aktien, die bei Depotbanken liegen und ohne Weisung des Kunden bei diesem Punkt nicht abgestimmt werden dürfen. Quelle: SEC-Meldung 8-K vom 25. Juni 2026, Item 5.07 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Bei der Wahl des Verwaltungsrats wiederholte sich das Muster. Vier der fünf Kandidaten bekamen mehr zurückgehaltene als zustimmende Stimmen: Nicholas Liuzza Jr. (14.348.726 zu 22.910.726), General a. D. Paul E. Funk II (14.585.509 zu 22.673.943), Christopher R. Moe (17.592.054 zu 19.667.398) und Joseph Freedman (17.225.491 zu 20.033.961). Nur Vorstandschef Jeffrey M. Thompson lag mit 21.607.419 zu 15.652.033 vorn. Weil die Direktoren mit einfacher Mehrheit der abgegebenen Stimmen gewählt werden, sind trotzdem alle fünf im Amt — der Protest ist aber aktenkundig. Zum Vergleich: Die Bestellung des Abschlussprüfers KPMG ging im selben Termin mit 70.445.245 zu 613.920 Stimmen durch. Es lag also nicht an der Beteiligung.

Eine Woche vor dieser Abstimmung ist noch etwas passiert, das man kennen sollte: Am 11. Juni 2026 verkaufte Verwaltungsratsmitglied Paul E. Funk II — General a. D. der US-Armee — 165.028 Aktien zu durchschnittlich 11,50 US-Dollar und hielt danach laut eigener Insider-Meldung (Form 4) keine einzige Aktie des Unternehmens mehr. Sieben Tage später stellte er sich zur Wiederwahl und bekam 14.585.509 Ja- gegen 22.673.943 zurückgehaltene Stimmen. Auch beim Vorstandschef läuft Verkaufsprogramm: Die Ankündigung (Form 144) vom 15. Juli 2026 nennt 450.000 Aktien, von denen bis zur Meldung vom 16. Juli erst 150.000 ausgeführt waren.

Vier Wochen später kam der nächste Vorgang. Am 17. Juli 2026 beschloss der Verwaltungsrat, den Vertriebsvorstand Geoffrey Hitchcock zum 23. Juli fristlos zu entlassen — mit der Feststellung, es lägen Gründe für eine Kündigung „aus wichtigem Grund“ vor, weshalb ihm weder Abfindung noch vorzeitiges Vesting seiner Aktienpakete zustehe. Am 21. Juli reichte Hitchcock Klage ein: Er wirft dem Unternehmen unter anderem Vergeltungskündigung nach dem Recht von New York und Oregon vor, dazu Vertragsbruch und einen Verstoß gegen das Gebot von Treu und Glauben, und verlangt Schadensersatz in unbezifferter Höhe. Red Cat hält die Ansprüche für unbegründet, will sich entschieden verteidigen und prüft Gegenansprüche. Wie das ausgeht, weiß heute niemand. Aber halte kurz inne und schau dir das Muster an: eine Sammelklage über die Darstellung von Kapazität und Vertragswert, ein durchgefallener Vergütungsbeschluss, vier von fünf Direktoren mit mehr zurückgehaltenen als zustimmenden Stimmen — und ein Vertriebsvorstand, der binnen vier Tagen vom Amt in den Gerichtssaal wechselt. Das sind vier unabhängige Signale aus derselben Richtung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 6: Aus 85 Millionen Aktien wurden 152 Millionen

Verwässerung ist der Fachbegriff für etwas sehr Einfaches: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, weil neue Stücke geschnitten werden. Bei Red Cat ist der Kuchen in kurzer Zeit oft neu geschnitten worden. Im ersten Quartal 2025 lagen im Schnitt 85,5 Millionen Aktien im Umlauf; zum 31. Dezember 2025 waren es 120,07 Millionen, zum 31. März 2026 121,84 Millionen und zum 5. Mai 2026 laut Deckblatt des Quartalsberichts 122,74 Millionen. Dann kam der Mai: 27.526.596 neue Aktien aus der Kapitalerhöhung, dazu am 19. Mai 1.923.308 Aktien als Kaufpreis für die kanadische Quaze Technologies — ein Paket im Wert von rund 21 Millionen US-Dollar, gemessen am 20-Tage-Durchschnittskurs vom 18. Mai 2026, mit einer möglichen Nachzahlung von bis zu 5 Millionen, ebenfalls in Aktien. Nach diesen Schritten standen 152.192.265 Aktien aus.

Und es kann weitergehen. Der Prospektnachtrag vom 14. Mai 2026 listet auf, was zum 31. März 2026 zusätzlich im Raum stand: 1.853.808 Aktien aus Optionen des Plans von 2019 (Durchschnittspreis 1,28 US-Dollar), 2.451.355 aus Optionen des Plans von 2024 (6,72 US-Dollar), 18.569.096 Aktien als Reserve für künftige Zuteilungen aus demselben Plan, 206.100 aus Optionsscheinen (7,56 US-Dollar) und 3.896 aus wandelbaren Vorzugsaktien. Zusammen rund 23 Millionen Stück — gut 15 Prozent auf die heutige Basis obendrauf. Genehmigt sind insgesamt 500 Millionen Aktien; Platz nach oben ist also reichlich. Dazu kommen die Nachzahlungen für Apium und Quaze, die ebenfalls in Aktien beglichen werden. Merk dir den Satz: Wer bei Red Cat auf Sicht von Jahren rechnet, muss nicht nur den Umsatz je Aktie schätzen, sondern auch die Zahl der Aktien.

Was die Aktie kostet — und was dahintersteckt

Wir nennen hier keine Tageskurse; sie wären morgen falsch. Stattdessen rechnen wir mit Zahlen, die in einem SEC-Dokument stehen und ein Datum tragen. Der jüngste in einem Filing dokumentierte Kurs stammt aus einer Insider-Meldung (Form 4) vom 16. Juli 2026: Vorstandschef Jeffrey Thompson verkaufte am 15. Juli 150.000 Aktien im Rahmen eines vorab festgelegten Verkaufsplans, den er am 31. März 2026 aufgesetzt hatte. Der ausgewiesene Preis von 8,51 US-Dollar ist der gewichtete Durchschnitt dieser Verkäufe; die Einzelabschlüsse lagen zwischen 8,18 und 9,04. Danach hielt Thompson noch 12.762.202 Aktien direkt. Zwei Monate früher, am 12. Mai 2026, lag der letzte gemeldete Börsenkurs laut Prospektnachtrag bei 11,03 US-Dollar, die Kapitalerhöhung wurde zu 9,40 platziert.

Mit 152,2 Millionen Aktien ergibt das eine Größenordnung von rund 1,3 Milliarden US-Dollar Börsenwert (auf Basis 8,51) beziehungsweise rund 1,4 Milliarden (auf Basis 9,40). Setzt man das ins Verhältnis zum Umsatz, wird die Erwartung sichtbar, die im Kurs steckt: Gemessen am Jahresumsatz 2025 von 40,7 Millionen sind das etwa das 32-Fache; gemessen an den letzten vier berichteten Quartalen (54,6 Millionen US-Dollar: Geschäftsjahr 2025 plus erstes Quartal 2026 minus erstes Quartal 2025) rund das 24-Fache; und selbst wenn man das starke erste Quartal 2026 auf ein volles Jahr hochrechnet (61,9 Millionen), bleibt es beim rund 21-Fachen. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich nicht bilden — es gibt keinen Gewinn.

Am ehrlichsten aber ist eine Rechnung, die das Unternehmen selbst aufgemacht hat. Im Prospektnachtrag vom 14. Mai 2026 steht, was die neuen Aktionäre für ihre 9,40 US-Dollar an harter Substanz bekamen: einen materiellen Buchwert von 2,80 US-Dollar je Aktie. Die Differenz beziffert Red Cat selbst — „an immediate dilution to purchasers in this offering of $6.60 per share“, also eine sofortige Verwässerung von 6,60 US-Dollar je Aktie für die Käufer. Für die Altaktionäre stieg der materielle Buchwert im selben Zug um 1,20 US-Dollar. Übersetzt: Wer im Mai 2026 zugekauft hat, hat für einen Dollar Substanz gut drei Dollar bezahlt — und den Rest für die Erwartung, dass aus dem Armee-Programm eines Tages ein Serienauftrag mit auskömmlicher Marge wird. Diese Erwartung kann aufgehen. Sie steht aber in keiner der bisher veröffentlichten Zahlen.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Chancen

  • Das Programm ist echt und läuft. Die Auswahl im November 2024 für das SRR-Programm der US-Armee ist ein dauerhaft im Haushalt verankerter Beschaffungsposten, kein Einzelauftrag. Der Umsatzsprung von 4,9 (acht Monate 2024) auf 40,7 Millionen US-Dollar (2025) und weiter auf 15,5 Millionen allein im ersten Quartal 2026 zeigt, dass wirklich geliefert wird; am 8. Mai 2026 kam eine Nachbestellung über 9,5 Millionen.
  • Rückenwind aus dem Verteidigungshaushalt. Der Bericht verweist auf das im Juli 2025 verabschiedete Gesetzespaket mit zusätzlich 156 Milliarden US-Dollar für Verteidigung und nationale Sicherheit sowie auf ein Budgetgesuch des US-Verteidigungsministeriums von rund 961,6 Milliarden für das Haushaltsjahr 2026 — mit ausdrücklichem Schwerpunkt auf autonomen Systemen.
  • Die Kasse ist gefüllt. Nach der Kapitalerhöhung im Mai 2026 (netto rund 245,4 Millionen US-Dollar) stehen dem Unternehmen grob 377 Millionen zur Verfügung, gemessen an der Kasse vom 31. März 2026. Finanzschulden gibt es praktisch keine: 350.000 US-Dollar kurzfristig zum 31. März 2026.
  • Die Marge dreht in die richtige Richtung. Von 3,1 Prozent brutto im Jahr 2025 auf 12,7 Prozent im ersten Quartal 2026 — das ist genau der Skaleneffekt, den das Management angekündigt hat.
  • Amerikanische Fertigung als Marktzugang. Die Einfuhrbeschränkungen für chinesische Drohnen sind ein struktureller Vorteil, den der Bericht selbst als Wachstumstreiber benennt — und ein Wettbewerbsvorteil, den Software nicht ersetzt.

Risiken

  • Ein Kunde, 73 Prozent. Fällt oder verschiebt sich das Programm, fällt der größte Teil des Geschäfts mit. Der Bericht nennt Regierungsstillstände, Budgetkürzungen und Einsprüche unterlegener Bieter ausdrücklich als Risiken.
  • Die Marge trägt die Kostenbasis nicht. 1,3 Millionen US-Dollar Bruttoergebnis gegen 67,9 Millionen Betriebskosten (2025) — selbst eine Verdopplung des Umsatzes bei heutiger Marge schlösse die Lücke nicht.
  • Nicht wirksame interne Kontrollen. Die wesentliche Schwäche besteht zum 31. Dezember 2025 und zum 31. März 2026 unverändert fort. Sie gilt erst als behoben, wenn die neuen Kontrollen getestet und für wirksam befunden wurden.
  • Rechtsstreit über die Kernaussagen der Story. Sammelklage und zwei abgeleitete Klagen betreffen Produktionskapazität und Vertragswert; das Unternehmen erwartet, dass die Verfahren das restliche Jahr 2026 andauern. Rückstellungen wurden zum 31. März 2026 keine gebildet.
  • Verwässerung. Von 85,5 Millionen gewichteten Aktien (erstes Quartal 2025) auf 152.192.265 nach dem 19. Mai 2026, dazu rund 23 Millionen Stück aus Optionen, Optionsscheinen und Planreserven sowie Nachzahlungen für Apium und Quaze, die in Aktien beglichen werden.
  • Führung unter Druck. Durchgefallener Vergütungsbeschluss, vier von fünf Direktoren mit mehr zurückgehaltenen als zustimmenden Stimmen, fristlose Entlassung des Vertriebsvorstands und dessen Klage wegen Vergeltung — alles zwischen dem 18. Juni und dem 22. Juli 2026.

Ein menschliches Fazit

Erinnerst du dich an die Auftrags-Falle vom Anfang? An den Moment, in dem der große Name des Kunden im Kopf die Kalkulation ersetzt? Red Cat ist der ehrlichste Test dafür, den man sich wünschen kann — weil hier beides gleichzeitig wahr ist. Der Auftrag ist echt. Die US-Armee kauft wirklich, die Drohnen werden wirklich gebaut, in einer wirklich zertifizierten Fabrik in Utah, und der Umsatz ist wirklich um das Achtfache gestiegen. Nichts davon ist Fantasie. Und trotzdem hat das Unternehmen im selben Jahr 72,1 Millionen US-Dollar verloren, weil von 100 Dollar Umsatz nur 3 Dollar Bruttoergebnis übrig blieben und die Verwaltung allein fast so viel kostete wie der gesamte Jahresumsatz.

Was daraus folgt, ist keine Empfehlung, sondern eine Frage, die du dir selbst beantworten musst: Kaufst du eine Firma, die verkaufen kann, aber noch nicht mit Gewinn produzieren kann — zum 32-Fachen ihres Jahresumsatzes? Wer Ja sagt, wettet darauf, dass Stückzahlen und Erfahrungskurve die Marge tragen, bevor die rund 377 Millionen aus der Kasse aufgebraucht sind. Wer Nein sagt, verweist auf die Bruttomarge, den einen Kunden, die nicht wirksamen Kontrollen und darauf, dass die eigenen Aktionäre im Juni 2026 der Führung die Zustimmung verweigert haben. Beide Seiten stützen sich auf denselben Aktenstapel — sie gewichten ihn nur anders.

Wenn du in den nächsten Berichten nur auf drei Zahlen schauen willst, dann auf diese: die Bruttomarge (zuletzt 12,7 Prozent im ersten Quartal 2026 nach 3,1 Prozent im Jahr 2025), den operativen Mittelabfluss (zuletzt 31,9 Millionen US-Dollar im Quartal) und den Satz zu den internen Kontrollen ganz hinten im Bericht. Ändern sich diese drei, ändert sich die ganze Geschichte. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Hinweis: Dieser Beitrag ist journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unterlagen und keine Anlageberatung, keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren und keine individuelle Empfehlung. Aktien kleiner Rüstungs- und Technologiefirmen sind besonders schwankungsanfällig; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Alle Zahlen stammen aus den genannten SEC-Berichten und tragen deren Stichtag. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Red Cat Holdings, Inc.

Unser Fazit auf einen Blick

Auftragslage und Wachstum positiv
Die Auswahl von Teal Drones für das Short-Range-Reconnaissance-Programm der US-Armee im November 2024 ist ein dauerhaft verankerter Beschaffungsposten, kein Einzelauftrag. Der Umsatz stieg von 4,850 Millionen US-Dollar in der achtmonatigen Rumpfperiode bis 31. Dezember 2024 auf 40,729 Millionen im Geschäftsjahr 2025 und auf 15,471 Millionen allein im ersten Quartal 2026 (Vorjahresquartal: 1,630 Millionen). Am 8. Mai 2026 kam eine Nachbestellung über 9,5 Millionen dazu.
Ertragskraft und Marge negativ
Von 40,729 Millionen US-Dollar Umsatz blieben 2025 nur 1,274 Millionen Bruttoergebnis übrig — 3,1 Prozent. Dem standen 67,871 Millionen Betriebskosten gegenüber, davon 36,875 Millionen allein für die Verwaltung. Der Nettoverlust lag bei 72,075 Millionen. Im ersten Quartal 2026 stieg die Bruttomarge auf 12,7 Prozent, doch 16,718 Millionen Verwaltungskosten übertrafen weiterhin die 15,471 Millionen Umsatz.
Kundenkonzentration negativ
Im Geschäftsjahr 2025 entfielen 73 Prozent des Gesamtumsatzes auf einen einzigen Kunden, zum 31. Dezember 2025 zusätzlich 88 Prozent der offenen Forderungen. Rund 73 Prozent der Erlöse stammten aus Verträgen mit der US-Regierung. Im ersten Quartal 2026 entspannte sich das leicht (Kunde A 56 Prozent, Kunde B 19 Prozent), bleibt aber eine Abhängigkeit von einem einzigen Beschaffungsprogramm.
Bilanz und Liquidität positiv
Zum 31. März 2026 standen 131,919 Millionen US-Dollar Kasse, 238,739 Millionen Eigenkapital und praktisch keine Finanzschulden in den Büchern (0,350 Millionen kurzfristig). Im Mai 2026 kamen netto rund 245,4 Millionen aus einer Kapitalerhöhung dazu. Gemessen am operativen Mittelabfluss des ersten Quartals 2026 von 31,945 Millionen reicht das rechnerisch für rund zwölf Quartale, also knapp drei Jahre — sofern das Abflusstempo nicht steigt.
Rechnungswesen und Führung negativ
Die Offenlegungskontrollen wurden zum 31. Dezember 2025 und erneut zum 31. März 2026 als nicht wirksam eingestuft; die wesentliche Schwäche bei Personal, Aufsicht und Funktionstrennung besteht fort. Dazu kommen eine Sammelklage und zwei abgeleitete Klagen zu Produktionskapazität und Vertragswert, ein am 18. Juni 2026 durchgefallener Vergütungsbeschluss (15.194.017 zu 21.304.013), vier von fünf Verwaltungsratsmitgliedern mit mehr zurückgehaltenen als zustimmenden Stimmen und die fristlose Entlassung des Vertriebsvorstands am 17. Juli 2026 samt dessen Klage vom 21. Juli.
Verwässerung und Bewertung negativ
Aus 85,5 Millionen gewichteten Aktien im ersten Quartal 2025 wurden 152.192.265 nach dem 19. Mai 2026; zum 31. März 2026 standen weitere rund 23 Millionen Aktien aus Optionen, Optionsscheinen und Planreserven im Raum. Bei 8,51 US-Dollar (gewichteter Durchschnitt der CEO-Verkäufe, Form 4 vom 16. Juli 2026) entspricht das rund 1,3 Milliarden Börsenwert und dem etwa 32-Fachen des Jahresumsatzes 2025. Den materiellen Buchwert nach der Kapitalerhöhung beziffert das Unternehmen selbst mit 2,80 US-Dollar je Aktie.

Red Cat hat den Auftrag, auf den kleine Rüstungsfirmen jahrelang hinarbeiten: ein Programm of Record der US-Armee, das den Umsatz im Geschäftsjahr 2025 auf 40,729 Millionen US-Dollar getrieben hat. Bezahlt wird dieser Erfolg bisher aber vom Kapitalmarkt, nicht vom Kunden: 1,274 Millionen Bruttoergebnis standen 67,871 Millionen Betriebskosten gegenüber, der Nettoverlust lag bei 72,075 Millionen, und drei Viertel des Umsatzes kamen von einem einzigen Auftraggeber. Die Bruttomarge zieht im ersten Quartal 2026 auf 12,7 Prozent an, die Kasse ist nach der Kapitalerhöhung vom Mai 2026 gut gefüllt — aber die eigenen Kontrollen gelten als nicht wirksam, vier Verfahren laufen, und die Aktionäre haben im Juni 2026 den Vergütungsbeschluss abgelehnt. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich — die Drohnen werden gebaut, abgenommen und bezahlt, der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2025 auf 40,729 Millionen US-Dollar, die Bilanz ist nach der Kapitalerhöhung vom Mai 2026 mit rund 377 Millionen Liquidität und praktisch ohne Finanzschulden robust, und es gibt weder einen Hinweis auf gefährdete Unternehmensfortführung noch ein negatives Eigenkapital. Offen ist eine operative Kernfrage, und sie ist groß: Bei 3,1 Prozent Bruttomarge im Jahr 2025 und 12,7 Prozent im ersten Quartal 2026 trägt der Umsatz die Kostenbasis von 67,871 Millionen bei weitem nicht, und drei Viertel davon hängen an einem einzigen Beschaffungsprogramm. Dazu kommen nicht wirksame interne Kontrollen und ein Vertrauensverlust der eigenen Aktionäre. Das ist kein Substanzbefund, aber es ist auch keine belegte Qualität — deshalb gelb.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Red Cat über den Reddit-Hype-Scanner, der misst, worüber in den Aktienforen auffällig oft geschrieben wird; die Daten dazu stammen vom 25. Juli 2026. Die Gegenprobe im eigenen Bestand am 27. Juli 2026 ergab: In den Listen unseres hauseigenen Aktien-Scanners steht Red Cat an diesem Tag in genau einer Liste, „GpA-Beschleunigung“ (29 Titel). Diese Listen werden täglich neu berechnet.
  • Aktualitäts-Stand: Grundlage sind der Geschäftsbericht (10-K) für 2025 vom 19. März 2026 und der Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 vom 7. Mai 2026. Alle danach eingereichten Dokumente wurden durchgesehen — Kapitalerhöhung (424B5/8-K, Mai 2026), Vollzug des Quaze-Zukaufs (8-K, 20. Mai 2026), Hauptversammlung (8-K, 25. Juni 2026), Insider-Meldungen (Form 4) vom 15. Juni und 16. Juli 2026, Verkaufsankündigung (Form 144) vom 15. Juli 2026 und die Meldung (8-K) vom 22. Juli 2026 zur Entlassung des Vertriebsvorstands.
  • Vorsicht bei Zeitreihen: Red Cat hat sein Geschäftsjahresende vom 30. April auf den 31. Dezember verlegt. Zwischen dem Geschäftsjahr bis 30. April 2024 und dem Kalenderjahr 2025 liegt eine Rumpfperiode von acht Monaten. Prozentuale Veränderungen zwischen diesen Perioden vergleichen unterschiedlich lange Zeiträume. Der Börsenwert ist keine Feed-Zahl, sondern gerechnet aus 152,2 Millionen Aktien und 8,51 US-Dollar je Aktie — dem gewichteten Durchschnittspreis der Verkäufe des Vorstandschefs laut Form 4 vom 16. Juli 2026. Die Aktienzahl auf dem Deckblatt der Verkaufsankündigung (Form 144) vom 15. Juli 2026 nennt noch 122.742.361 Stück; das ist erkennbar der unveränderte Stand vom 5. Mai 2026, also vor der Kapitalerhöhung, und deshalb hier nicht verwendet.

Häufige Fragen

Red Cat baut in den USA taktische Drohnen und unbemannte Boote für Militär, Behörden und Rettungsdienste. Wichtigste Tochter ist Teal Drones mit der Black Widow, dem Gerät für das Short-Range-Reconnaissance-Programm der US-Armee. Dazu kommen FlightWave (Langstrecken-Fluggeräte), Blue Ops (unbemannte Boote), Apium (Schwarm-Software) und Quaze. Zum 31. Dezember 2025 hatte der Konzern 244 Vollzeitkräfte.

Der Geschäftsbericht für 2025 nennt den Grund selbst: Die Fertigung läuft unter ihrer Auslegungskapazität, sodass hohe Fixkosten auf zu wenige Geräte verteilt werden. Steigen die Stückzahlen, sollen die Stückkosten sinken. Im ersten Quartal 2026 ist das teilweise eingetreten: 2,0 Millionen US-Dollar Bruttoergebnis auf 15,5 Millionen Umsatz, also 12,7 Prozent.

Die Berichte nennen keinen Namen. Sie sagen aber, dass rund 73 Prozent der Erlöse im Geschäftsjahr 2025 aus Verträgen mit der US-Regierung stammten und dass der Umsatzsprung auf Drohnenlieferungen an die US-Armee im SRR-Programm zurückgeht. Zum 31. Dezember 2025 entfielen zudem 88 Prozent der offenen Forderungen auf einen einzigen Kunden.

Das Unternehmen hat sein Geschäftsjahresende vom 30. April auf den 31. Dezember verlegt. Deshalb steht zwischen dem Geschäftsjahr bis 30. April 2024 und dem Kalenderjahr 2025 eine Rumpfperiode von acht Monaten (1. Mai bis 31. Dezember 2024). Wachstumsraten zwischen diesen Perioden sind rechnerisch korrekt, aber nicht gleich lang und deshalb nur eingeschränkt vergleichbar.

Vorstandschef und Finanzvorstand haben die Offenlegungskontrollen zum 31. Dezember 2025 und zum 31. März 2026 als nicht wirksam eingestuft. Grund ist zu wenig Personal im Rechnungswesen und damit zu wenig Aufsicht und Funktionstrennung. Es besteht dadurch die Möglichkeit, dass ein wesentlicher Fehler nicht rechtzeitig entdeckt wird. Falsche Abschlüsse sind nach Angaben des Unternehmens nicht entstanden.

Im ersten Quartal 2025 lagen im Schnitt 85,5 Millionen Aktien im Umlauf, zum 31. März 2026 waren es 121,8 Millionen, zum 5. Mai 2026 laut Deckblatt des Quartalsberichts 122,7 Millionen; nach Kapitalerhöhung und Quaze-Zukauf im Mai 2026 sind es 152.192.265. Zum 31. März 2026 standen zusätzlich rund 23 Millionen Aktien aus Optionen, Optionsscheinen und Planreserven im Raum. Genehmigt sind insgesamt 500 Millionen Aktien.

Zum 31. März 2026 lagen 131,9 Millionen US-Dollar in der Kasse; im Mai 2026 kamen aus der Kapitalerhöhung netto rund 245,4 Millionen dazu. Gemessen am operativen Mittelabfluss des ersten Quartals 2026 von 31,9 Millionen entspricht das rechnerisch rund zwölf Quartalen, also knapp drei Jahren — vorausgesetzt, das Abflusstempo steigt nicht weiter. Finanzschulden bestehen praktisch keine: 350.000 US-Dollar kurzfristig zum 31. März 2026.

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