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Rakuten: Der erste Quartalsgewinn seit sechs Jahren — und woher die 27 Milliarden Yen wirklich kamen

Rakuten: Der erste Quartalsgewinn seit sechs Jahren — und woher die 27 Milliarden Yen wirklich kamen

Am 10. August 2026 meldete Rakuten für das zweite Quartal einen Nettogewinn von 27,2 Milliarden Yen — den ersten Gewinn für die eigenen Aktionäre seit sechs Jahren. Vor Steuern blieben davon 0,5 Milliarden Yen übrig. Die restlichen 26,7 Milliarden waren ein Steuerertrag, den ein Aktienverkauf ausgelöst hat, dessen Verlauf Tag für Tag in Unterlagen der US-Börsenaufsicht nachlesbar ist. Im ganzen ersten Halbjahr steht für die Aktionäre weiterhin ein Minus von 10,9 Milliarden Yen. Wir lesen nach, was der Bericht wirklich hergibt — und was die Überschrift verschweigt.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 21 Min. Lesezeit

Stand heute

Stand: 17. August 2026

Schlusskurs
4,80 $ 0,00 %
Marktkapitalisierung
10,5 Mrd. $
Wachstums-Score
4/10

Kursentwicklung seit 14. August 2026: -0,2 %

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

Rakuten: Der erste Quartalsgewinn seit sechs Jahren — und woher die 27 Milliarden Yen wirklich kamen
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Quartals- und Jahresbericht der Tokioter Börse) sowie SEC-Pflichtmeldungen (Schedule 13D/A, Form 4, 13F-HR)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 4,20 $ bis 7,00 $ · Letzter Kurs: 4,80 $ (Stand: 17. August 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die uns alle erwischt, weil sie so bequem ist: die Schlagzeilen-Falle. Eine Überschrift liefert ein fertiges Gefühl — „erster Gewinn seit sechs Jahren“ —, und das Gehirn hakt den Vorgang ab, bevor die erste Zahl gelesen ist. Besonders wirksam ist sie bei Wörtern wie „erstmals“, „endlich“ oder „seit sechs Jahren“: Sie erzählen von einer Wende, und Wenden verkaufen sich gut. Am 10. August 2026 lieferte Rakuten genau so eine Überschrift. Der Konzern meldete für das zweite Quartal 2026 einen Nettogewinn von 27,2 Milliarden Yen und den ersten Gewinn für die eigenen Aktionäre seit dem zweiten Quartal 2020.

Machen wir also einen Deal: Wir lassen die Überschrift stehen und lesen stattdessen den Bericht, aus dem sie stammt — den Quartalsbericht an die Tokioter Börse vom 10. August 2026, die Ergebnispräsentation desselben Tages und ein paar Unterlagen, die Rakuten in den USA einreichen musste. Daraus ergibt sich das Spannungsfeld, um das sich diese Analyse dreht: Das Geschäft von Rakuten wird seit Jahren besser — und trotzdem entstand der gefeierte Gewinn fast vollständig außerhalb des Geschäfts.

Was Rakuten eigentlich macht — Kaufhaus, Bank und Mobilfunknetz unter einem Dach

Rakuten Group, Inc. mit Sitz im Rakuten Crimson House in Setagaya-ku, Tokio, ist am ehesten als japanisches Gegenstück zu einer Mischung aus Amazon, einer Direktbank und einem Mobilfunkanbieter zu verstehen — nur dass in Japan alles drei demselben Konzern gehört und über ein gemeinsames Punktesystem verbunden ist. Gegründet 1997 von Hiroshi Mikitani, der das Unternehmen bis heute als Chairman und CEO führt, hieß der Konzern bis zum 31. März 2021 schlicht „Rakuten, Inc.“; die Hauptversammlung beschloss die Umfirmierung am 30. März 2021, wirksam zum 1. April 2021 — seither trägt er das „Group“ im Namen.

Berichtet wird in drei Segmenten. Internet Services ist der Ursprung: der Marktplatz Rakuten Ichiba, auf dem Händler ihre eigenen Shops betreiben, dazu Reisebuchung, Werbung, Logistik und im Ausland unter anderem der E-Book-Anbieter Kobo und der Messenger Viber. 2025 brachte das Segment 1.369.697 Millionen Yen Umsatz und 88.943 Millionen Yen operativen Gewinn nach eigener Rechnung. FinTech ist der Gewinnbringer: Rakuten Card, Rakuten Bank, Rakuten Securities, Zahlungsdienste und Versicherungen — 975.931 Millionen Yen Umsatz und 199.922 Millionen Yen operativer Gewinn im selben Jahr. Mobile ist das Projekt, das alles überschattet: Rakuten Mobile baut seit 2020 ein eigenes landesweites Mobilfunknetz gegen die drei etablierten Anbieter NTT Docomo, KDDI und SoftBank — 482.838 Millionen Yen Umsatz und ein operativer Verlust von 161.841 Millionen Yen im Jahr 2025.

Der Klebstoff zwischen den Teilen sind die Rakuten-Punkte. Wer online einkauft, mit der Rakuten-Karte zahlt, beim Rakuten-Mobilfunk ist und sein Konto bei der Rakuten-Bank führt, bekommt mehr Punkte — und wird dadurch teurer im Wechsel zu einem Wettbewerber. Rakuten nennt das „Ökosystem“; im Segmentbericht taucht es als eigene Zeile auf, die dem Mobilfunk einen Beitrag der übrigen Geschäfte gutschreibt (im ersten Halbjahr 2026: 21.155 Millionen Yen). Zum 31. Dezember 2025 beschäftigte der Konzern 29.419 Menschen.

Die Firmengeschichte für Anleger

  1. 2020

    Start des eigenen Mobilfunknetzes

    Rakuten tritt als vierter Netzbetreiber gegen NTT Docomo, KDDI und SoftBank an. Für Aktionäre beginnt damit eine Verlustserie, die bis Mitte 2026 rund 1,86 Bio. ¥ kostet.

  2. 2023

    Börsengang der Rakuten Bank und Kapitalerhöhung

    Die Bank geht im April an die Börse, im Mai kommen 542.306.800 neue Aktien zu 566 ¥ hinzu. Der Anteil der Altaktionäre sinkt, und ein Teil des Gewinns gehört seither Fremden.

  3. 2024

    Betriebsergebnis erstmals wieder positiv

    Nach drei Verlustjahren weist Rakuten 52.975 Mio. ¥ Betriebsgewinn nach IFRS aus. Für die Aktionäre bleibt es dennoch bei einem Verlust von 162.442 Mio. ¥.

  4. 2025

    Erstes positives Mobilfunk-EBITDA und 10 Millionen Verträge

    Der Mobilfunk verdient erstmals vor Abschreibungen Geld, am 25. Dezember fällt die Marke von 10 Millionen Verträgen. Der operative Verlust schrumpft auf 161.841 Mio. ¥.

  5. 2026

    Verkauf des halben AST-SpaceMobile-Pakets

    Zwischen 14. April und 5. Mai fließen rund 1,256 Mrd. US-$ zu. Das Geld finanziert den Mobilfunk — und der Verkauf löst den Steuerertrag aus, der das Quartalsergebnis ins Plus dreht.

  6. 2026

    Erster Quartalsgewinn seit sechs Jahren

    Am 10. August meldet Rakuten 7,7 Mrd. ¥ Gewinn für die Aktionäre. Über das gesamte Halbjahr bleibt für sie dennoch ein Verlust von 10.941 Mio. ¥ stehen.

Warum es hier keinen SEC-Geschäftsbericht gibt — und was trotzdem bei der SEC liegt

Ein Punkt vorab, weil er die Beleglage dieser Analyse prägt: Von Rakuten gibt es kein 10-K und kein 10-Q — und auch kein 20-F, das ausländische Unternehmen mit US-Notierung sonst einreichen. Rakuten ist bei der US-Börsenaufsicht SEC nicht als berichtspflichtiges Unternehmen registriert; der Konzern nutzt eine Ausnahme, die ausländischen Emittenten erlaubt, statt US-Berichten nur die Veröffentlichungen ihres Heimatmarktes bereitzustellen. Die Pflichtberichte laufen deshalb über die Tokioter Börse: eine Quartals- und Jahresmitteilung (決算短信, Kessan Tanshin) und einmal jährlich der ausführliche Wertpapierbericht (有価証券報告書, Yūka Shōken Hōkokusho), das japanische Gegenstück zum Geschäftsbericht. Beides veröffentlicht Rakuten auch auf Englisch. Unter jeder Zahl dieser Analyse steht deshalb „Quelle: Fundamentaldaten & Geschäftsberichte (Quartals- und Jahresbericht der Tokioter Börse)“ und nicht „SEC-Berichte“.

Ein Detail ist dabei wichtig: Der Quartalsbericht zum 30. Juni 2026 trägt den Satz „This financial report is not subject to an audit firm's interim review.“ — er wurde also nicht einmal prüferisch durchgesehen, geschweige denn testiert. Das ist in Japan für die Quartalsmitteilung üblich und kein Vorwurf, aber es ist ein anderer Härtegrad als ein geprüfter Jahresabschluss.

Interessant wird es trotzdem bei der SEC. Denn dort liegt sehr wohl eine Akte zu Rakuten, unter der Kennung CIK 0001294591, geführt in der Abteilung „International Corp Fin“ und bis Februar 2021 unter dem alten Namen „Rakuten, Inc.“. Sie enthält keine Geschäftszahlen, aber drei Arten von Unterlagen, die für Anleger relevant sind: Formulare F-6 für das amerikanische Hinterlegungsschein-Programm, vierteljährliche 13F-HR-Meldungen über Rakutens eigene US-Wertpapierbestände — und, eingereicht über die persönliche Kennung von Hiroshi Mikitani, Schedule 13D/A und Form 4 zur Beteiligung an einem US-Satellitenunternehmen. Genau diese letzte Gruppe wird in dieser Analyse noch eine tragende Rolle spielen.

RKUNF, RKUNY, 4755 — drei Kürzel, ein Unternehmen

Wer „Rakuten“ in eine Ordermaske tippt, bekommt je nach Broker etwas anderes. Sortieren wir das, weil der Unterschied Geld kostet.

Die Stammaktie notiert an der Tokioter Börse im Prime Market unter dem Code 4755 (ISIN JP3967200001). Dort findet der eigentliche Handel statt. In den USA gibt es zwei Nebenschauplätze im außerbörslichen Handel („Pink Sheets“): RKUNF ist die unmittelbare Repräsentation derselben Stammaktie, RKUNY ein amerikanischer Hinterlegungsschein (ADR). Für den Hinterlegungsschein hat JPMorgan Chase Bank, N.A. bei der SEC ein Formular F-6 eingereicht — dort steht das Umtauschverhältnis wörtlich:

„American Depositary Shares evidenced by American Depositary Receipts, each American Depositary Share representing one common share of Rakuten Group Inc.“

Übersetzung: „Amerikanische Hinterlegungsanteile, verbrieft durch amerikanische Hinterlegungsscheine, wobei jeder Hinterlegungsanteil eine Stammaktie der Rakuten Group Inc. repräsentiert.“

— Rakuten Group Inc., Formular F-6 POS (Post-Effective Amendment No. 2) an die SEC, eingereicht am 4. Dezember 2023, Registrierungsnummer 333-192545

Ausschnitt aus dem SEC-Formular F-6 POS von Rakuten: Die Gebührentabelle nennt als registrierte Gattung amerikanische Hinterlegungsanteile, wobei jeder Anteil eine Stammaktie der Rakuten Group Inc. repräsentiert.
Das Umtauschverhältnis steht in der Gebührentabelle des Registrierungsformulars: ein Hinterlegungsanteil entspricht einer Stammaktie — es findet also keine Bündelung statt, wie sie bei vielen anderen ADR-Programmen üblich ist. Depotbank ist JPMorgan Chase Bank, N.A. Quelle: SEC EDGAR, Formular F-6 POS vom 4. Dezember 2023; Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Praktisch heißt das: Ein Papier, drei Preisschilder, ein Unternehmen. Wichtiger als die Feinheit des Umtauschverhältnisses ist die Handelbarkeit. Die amerikanische Nebennotierung RKUNF ist extrem dünn: In den 39 Handelstagen zwischen dem 1. Juni und dem 14. August 2026 lag das mittlere Tagesvolumen bei 600 Stück — bei einem Kurs von 4,81 US-Dollar sind das rund 2.900 Dollar Umsatz an einem durchschnittlichen Tag. An einzelnen Tagen wechselten 30 Aktien den Besitzer. Wer über eine solche Linie kauft oder verkauft, bewegt den Kurs mit der eigenen Order und zahlt eine Spanne zwischen An- und Verkauf, die man in Tokio nicht sähe. Dasselbe Muster — bekannter Auslandskonzern, papierdünne US-Nebenlinie — haben wir in unserer Analyse zu Haier Smart Home beschrieben.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Nicht über einen unserer Kennzahlen-Scanner: Ein Konzern mit fünf Verlustjahren in Folge und einer Eigenkapitalquote von 4,2 Prozent fällt durch die meisten Qualitätsraster. Auf die Rechercheliste kam Rakuten über die Diskussions-Rangliste des Forums wallstreet-online, wo der Wert im August 2026 zu den viel besprochenen Titeln deutscher Privatanleger gehörte. Das ist ein Aufhänger, kein Kaufsignal — Foren-Aufmerksamkeit misst Begeisterung, nicht Qualität.

Der zweite Grund, genauer hinzusehen, ist die Meldung selbst. Wenn ein Konzern dieser Größe nach sechs Jahren erstmals wieder einen Quartalsgewinn ausweist, ist das eine Nachricht, die durch jeden Nachrichtenkanal läuft. Genau dann lohnt sich die Frage, was unterhalb der Überschrift steht. Und die Antwort steht in einem einzigen Absatz der Ergebnispräsentation.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt — und das ist mehr, als die Verlustreihe vermuten lässt. Rakuten wächst zuverlässig: Der Konzernumsatz stieg von 1.681.757 Millionen Yen (2021) über 1.920.894 (2022), 2.071.315 (2023) und 2.279.233 (2024) auf 2.496.575 Millionen Yen im Jahr 2025, ein Plus von 9,5 Prozent. Das Unternehmen bezeichnet 2025 als 29. Rekordjahr in Folge — eine Serie, die in dieser Länge nur wenige Unternehmen weltweit vorweisen können.

Auch operativ dreht das Bild. Das Betriebsergebnis nach IFRS — also nach den Regeln, an die Rakuten gebunden ist — lag 2021 bei minus 194.726 Millionen Yen, 2022 bei minus 371.612 und 2023 bei minus 212.857 Millionen. Seit 2024 ist es positiv: plus 52.975 Millionen (2024) und plus 14.382 Millionen Yen (2025). Und das Ergebnis vor Steuern war laut Quartalsbericht im ersten Halbjahr 2026 zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder positiv:

„Notably, during this interim period, both income before income tax and net income turned profitable for the first time in seven years, since the six months ended June 30, 2019.“

Übersetzung: „Bemerkenswerterweise waren in diesem Zwischenzeitraum sowohl das Ergebnis vor Ertragsteuern als auch das Nettoergebnis zum ersten Mal seit sieben Jahren wieder positiv, seit dem Halbjahr zum 30. Juni 2019.“

— Rakuten Group, Inc., Quartalsbericht (決算短信) zum 30. Juni 2026, veröffentlicht am 10. August 2026, Abschnitt 1 (1)

Nur: Positiv war das Ergebnis vor Steuern im ersten Halbjahr mit 17.883 Millionen Yen — bei einem Umsatz von 1.309.052 Millionen. Das ist eine Vorsteuermarge von 1,4 Prozent. Und eine Ebene tiefer, dort, wo der Aktionär steht, bleibt es rot. Die folgende Grafik zeigt beide Linien nebeneinander, und sie ist der eigentliche Kern dieser Analyse.

Balkendiagramm: Rakutens Betriebsergebnis nach IFRS steigt von minus 194,7 Milliarden Yen (2021) über minus 371,6 und minus 212,9 auf plus 53,0 (2024) und plus 14,4 Milliarden Yen (2025), während das Ergebnis für die Aktionäre in allen fünf Jahren negativ bleibt: minus 133,8, minus 377,2, minus 339,5, minus 162,4 und minus 177,9 Milliarden Yen.
Die blauen Balken kippen 2024 ins Plus, die roten bleiben in jedem der fünf Jahre unter der Nulllinie: Das Betriebsergebnis nach IFRS erholt sich von minus 194,7 auf plus 14,4 Milliarden Yen, das Ergebnis für die Aktionäre liegt 2025 mit minus 177,9 Milliarden Yen sogar tiefer im Minus als 2024 mit minus 162,4. Quelle: Konzern-Geschäftsberichte (Datenblatt zum Quartalsbericht, Tokioter Börse, 10. August 2026). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zwischen dem operativen Ergebnis und dem, was beim Aktionär ankommt, liegen zwei Etagen: die Finanzierungskosten und die Minderheitsgesellschafter. Beide sind bei Rakuten außergewöhnlich groß, und beide bekommen gleich ihr eigenes Kapitel.

Ehrlich gewürdigt gehört auch der Mobilfunk. Er war jahrelang das Loch, in das alles floss — und er wird messbar besser. Der operative Segmentverlust schrumpfte von 475.916 Millionen Yen (2022) über 314.570 (2023) und 208.933 (2024) auf 161.841 Millionen Yen (2025); 2025 war zudem das erste Jahr, in dem der Mobilfunk auf Ebene des Ergebnisses vor Abschreibungen (EBITDA) einen Gewinn auswies. Zum 30. Juni 2026 zählte Rakuten Mobile 10,75 Millionen Verträge, 1,78 Millionen mehr als ein Jahr zuvor; die Kündigungsquote lag bei 1,38 Prozent, der Umsatz je Kunde bei 2.921 Yen im Monat. Die 10-Millionen-Marke fiel am 25. Dezember 2025.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Gewinn kam vom Finanzamt, nicht aus dem Geschäft

Der gefeierte Quartalsgewinn hat einen sehr genauen Ursprung. Rakutens Vize-Finanzchef Eiichi Kaga erklärt ihn in der Ergebnispräsentation selbst:

„In addition, income before tax was positive for the fourth consecutive quarter since the third quarter of last year. Furthermore, as I will explain later, a reversal of tax expense arose in connection with the sale of shares we held, and as a result, quarterly net income attributable to owners of the parent returned to profit for the first time in six years, since the second quarter of 2020.“

Übersetzung: „Zudem war das Ergebnis vor Steuern das vierte Quartal in Folge seit dem dritten Quartal des Vorjahres positiv. Darüber hinaus ist, wie ich später erläutern werde, im Zusammenhang mit dem Verkauf von Aktien, die wir hielten, eine Auflösung von Steueraufwand entstanden, und infolgedessen kehrte das den Anteilseignern der Muttergesellschaft zurechenbare Quartalsergebnis zum ersten Mal seit sechs Jahren, seit dem zweiten Quartal 2020, in die Gewinnzone zurück.“

— Rakuten Group, Inc., Ergebnispräsentation zum zweiten Quartal 2026 mit Sprechernotizen, 10. August 2026

Und weiter, im selben Dokument:

„Please understand that this negative tax expense reflects the fact that no actual tax payment was incurred. This accounting treatment highlights the fact that, as a result of past strategic investments, the Company holds tax loss carryforwards exceeding one trillion yen.“

Übersetzung: „Bitte beachten Sie, dass dieser negative Steueraufwand den Umstand widerspiegelt, dass keine tatsächliche Steuerzahlung angefallen ist. Diese buchhalterische Behandlung verdeutlicht, dass die Gesellschaft infolge früherer strategischer Investitionen über steuerliche Verlustvorträge von mehr als einer Billion Yen verfügt.“

— Rakuten Group, Inc., Ergebnispräsentation zum zweiten Quartal 2026 mit Sprechernotizen, 10. August 2026

Rechnen wir den Weg vom Betriebsgewinn bis zum Aktionär einmal komplett durch — Rakuten liefert die Brücke in der Präsentation selbst mit:

Wasserfalldiagramm für das zweite Quartal 2026: Vom Non-GAAP-Betriebsgewinn von 42,0 Milliarden Yen führen minus 22,0 Milliarden Bereinigungen zum IFRS-Betriebsgewinn von 20,0 Milliarden, minus 19,4 Milliarden Finanzergebnis und minus 0,1 Milliarden Beteiligungsergebnis zum Ergebnis vor Steuern von 0,5 Milliarden, plus 26,7 Milliarden Steuerertrag zum Konzern-Nettogewinn von 27,2 Milliarden und minus 19,5 Milliarden Anteil der Minderheiten zu 7,7 Milliarden Yen für die Rakuten-Aktionäre.
Von 42,0 Milliarden Yen selbst definiertem Betriebsgewinn bleiben nach Bereinigungen 20,0 Milliarden nach IFRS, nach Finanzierungskosten von 19,4 Milliarden und 0,1 Milliarden Beteiligungsergebnis noch 0,5 Milliarden vor Steuern. Erst der Steuerertrag von 26,7 Milliarden hebt das Ergebnis auf 27,2 Milliarden — und von denen gehen 19,5 Milliarden an die Minderheitsgesellschafter der börsennotierten Töchter. Für die Rakuten-Aktionäre bleiben 7,7 Milliarden Yen. Quelle: Quartalsbericht zum 30. Juni 2026 und Ergebnispräsentation vom 10. August 2026. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Übersetzt in ein Alltagsbild: Ein Handwerksbetrieb macht im Quartal 500 Euro Gewinn, bekommt dann 26.700 Euro Steuern aus früheren Verlustjahren gutgeschrieben — und meldet 27.200 Euro Gewinn. Nichts daran ist falsch oder unzulässig; Verlustvorträge sind ein normales, legitimes Instrument, und Rakuten sagt vollkommen offen, dass keine Zahlung geflossen ist. Aber diese Art Gewinn wiederholt sich nicht von selbst. Sie hängt daran, dass Aktien verkauft werden. Für die Bewertung einer Aktie ist der Unterschied entscheidend: Ein Gewinn, der aus dem laufenden Geschäft kommt, ist eine Prognose für kommende Jahre. Ein Gewinn aus einem Verkauf ist ein einmaliger Vorgang, dem im nächsten Quartal die verkaufte Beteiligung fehlt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Kennzahl in der Überschrift ist selbst gemacht

Wenn Rakuten sein Ergebnis nennt, nennt es zuerst den „Non-GAAP-Betriebsgewinn“. Das ist keine gesetzlich definierte Größe, sondern eine Rechnung des Unternehmens. Der Quartalsbericht erklärt sie wörtlich:

„Non-GAAP operating income is operating income under IFRS Accounting Standards (hereinafter ‚IFRS operating income‘) after deducting unusual items and other adjustments as prescribed by the Rakuten Group. […] Note: For disclosure of Non-GAAP financial measures, the Rakuten Group refers to the rules specified by the U.S. Securities and Exchange Commission but does not fully comply with such rules.“

Übersetzung: „Der Non-GAAP-Betriebsgewinn ist das Betriebsergebnis nach den IFRS-Rechnungslegungsstandards (nachfolgend ‚IFRS-Betriebsergebnis‘) nach Abzug ungewöhnlicher Posten und weiterer Anpassungen, wie sie die Rakuten-Gruppe festlegt. […] Hinweis: Für die Angabe von Non-GAAP-Finanzkennzahlen orientiert sich die Rakuten-Gruppe an den Regeln der US-Börsenaufsicht SEC, erfüllt diese Regeln aber nicht vollständig.“

— Rakuten Group, Inc., Quartalsbericht (決算短信) zum 30. Juni 2026, veröffentlicht am 10. August 2026, Abschnitt 1 (1)

Ein Unternehmen, das selbst schreibt, es orientiere sich an den Regeln der Aufsicht, erfülle sie aber nicht vollständig, hat den Leser fair gewarnt. Man muss die Warnung nur ernst nehmen. Wie groß der Unterschied ist, zeigt das Geschäftsjahr 2025: Der Non-GAAP-Betriebsgewinn betrug 106.277 Millionen Yen, das Betriebsergebnis nach IFRS 14.382 Millionen. Dazwischen liegen 91.895 Millionen Yen, die sich so aufteilen: 5.172 Millionen Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte, 15.645 Millionen aktienbasierte Vergütung — und 71.078 Millionen Yen „Einmaleffekte“.

Der Punkt ist nicht, dass es solche Posten gibt. Der Punkt ist die Richtung. Im Jahr 2024 wirkten dieselben Anpassungen positiv: Aus 7.048 Millionen Yen Non-GAAP-Betriebsgewinn wurden 52.975 Millionen nach IFRS, weil Einmaleffekte 68.658 Millionen hinzufügten. Ein Jahr später zogen sie 71.078 Millionen ab. Eine Kennzahl, die in einem Jahr 69 Milliarden Yen an Gewinnen ausblendet und im nächsten 71 Milliarden an Kosten, ist als Vergleichsmaßstab über die Jahre nur eingeschränkt brauchbar. Im zweiten Quartal 2026 steckten in den Einmaleffekten unter anderem 17,0 Milliarden Yen aus dem Logistikgeschäft, davon 15,7 Milliarden Wertberichtigungen: Rakuten hat die eigenen Lagerhäuser in Matsudo, Kohoku und Ibaraki vollständig abgeschrieben.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Vom Konzerngewinn gehört den Rakuten-Aktionären der kleinere Teil

Rakuten hat seine Finanztöchter teilweise an die Börse gebracht und teilweise an Partner verkauft. Rakuten Bank ging im April 2023 an die Tokioter Börse, an Rakuten Securities hält Mizuho Securities 49 Prozent, an Rakuten Card hält die Mizuho-Gruppe knapp 15 Prozent. Rakuten konsolidiert diese Gesellschaften weiterhin voll — der Umsatz und der Gewinn tauchen also zu 100 Prozent im Konzernabschluss auf. Der Teil, der den fremden Anteilseignern gehört, wird erst ganz am Ende der Gewinn- und Verlustrechnung abgezogen.

Und dieser Teil ist groß geworden. Im zweiten Quartal 2026 entfielen von 27,2 Milliarden Yen Konzern-Nettogewinn 19,5 Milliarden auf Minderheitsgesellschafter — 72 Prozent. Über das gesamte erste Halbjahr 2026 ist der Effekt noch deutlicher: Der Konzern verdiente 25.429 Millionen Yen, für die Rakuten-Aktionäre blieb ein Verlust von 10.941 Millionen Yen. Das Ergebnis je Aktie lag bei minus 5,03 Yen.

Für die Jahresreihe heißt das: Während der Konzern-Nettoverlust 2025 bei 123.213 Millionen Yen lag, betrug der Verlust für die Aktionäre 177.886 Millionen — die Minderheiten verdienten in diesem Jahr 54.673 Millionen Yen. Wer als Rakuten-Aktionär die Konzernzahl liest, liest also eine Zahl, die ihn nur teilweise betrifft. Zum 1. Oktober 2026 baut Rakuten die Finanzsparte zudem um: Rakuten Bank wird Muttergesellschaft von Rakuten Card und der Wertpapier-Holding. Rakuten beschreibt den Vorgang in der Präsentation ausdrücklich als Transaktion mit Netto-Kapitalabfluss für den Konzern, nicht als Mittelbeschaffung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Das Geld für den Mobilfunk kam aus dem Verkauf des Satellitenpartners

Hier schließt sich der Kreis zur SEC-Akte. Rakuten Mobile hält seit 2021 eine Beteiligung an AST SpaceMobile, Inc., einem an der Nasdaq notierten US-Unternehmen, das Satelliten baut, mit denen gewöhnliche Handys direkt kommunizieren können — für einen Mobilfunker mit Netzlücken ein strategischer Partner. Weil Rakuten dort mehr als fünf Prozent hält, muss der Konzern jede Änderung an dieser Position bei der SEC melden. Am 16. April 2026 kam diese Meldung:

„On April 14, 2026, Rakuten Mobile entered into a trading plan with BofA Securities, Inc. […] Pursuant to the Trading Plan, BofA will use commercially reasonable efforts to sell, on Rakuten's behalf and on an agency basis, up to 15,510,077 shares of Class A Common Stock […]. The Sale Shares represent approximately 5.3% of the outstanding Class A Common Stock and approximately half of Rakuten's total holdings of Class A Common Stock.“

Übersetzung: „Am 14. April 2026 schloss Rakuten Mobile einen Handelsplan mit BofA Securities, Inc. […] Nach diesem Handelsplan wird BofA wirtschaftlich zumutbare Anstrengungen unternehmen, um im Namen und für Rechnung von Rakuten bis zu 15.510.077 Aktien der Stammaktien der Klasse A zu verkaufen […]. Die zu verkaufenden Aktien entsprechen rund 5,3 Prozent der ausstehenden Stammaktien der Klasse A und ungefähr der Hälfte des gesamten Bestands von Rakuten an Stammaktien der Klasse A.“

— Rakuten Mobile, Inc. / Rakuten Group, Inc. / Hiroshi Mikitani, Schedule 13D/A (Amendment No. 2) an die SEC zu AST SpaceMobile, Inc., eingereicht am 16. April 2026, Item 4

Ausschnitt aus der SEC-Meldung Schedule 13D/A vom 16. April 2026: Rakuten Mobile schließt am 14. April 2026 einen Handelsplan mit BofA Securities über den Verkauf von bis zu 15.510.077 AST-SpaceMobile-Aktien, was rund 5,3 Prozent der ausstehenden Aktien und etwa der Hälfte des Rakuten-Bestands entspricht.
Die Ankündigung des Verkaufsprogramms: bis zu 15.510.077 Aktien, „ungefähr die Hälfte“ des Rakuten-Bestands. Quelle: SEC EDGAR, Schedule 13D/A vom 16. April 2026; Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Drei Wochen später war die Sache erledigt. Die Nachtragsmeldung vom 5. Mai 2026 besteht in der Sache aus zwei Sätzen: „The Trading Plan has been completed. All Sale Shares have been sold pursuant to the Trading Plan.“ — „Der Handelsplan ist abgeschlossen. Alle zum Verkauf bestimmten Aktien wurden gemäß dem Handelsplan verkauft.“

Ausschnitt aus der SEC-Meldung Schedule 13D/A vom 5. Mai 2026 mit dem markierten Satz, dass der Handelsplan abgeschlossen und alle zum Verkauf bestimmten Aktien verkauft wurden.
Vollzugsmeldung vom 5. Mai 2026: Das gesamte Verkaufsprogramm über 15.510.077 Aktien wurde in gut drei Wochen abgewickelt. Quelle: SEC EDGAR, Schedule 13D/A vom 5. Mai 2026; Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Weil jede einzelne Transaktion in den Meldungen mit Datum, Stückzahl und Durchschnittspreis steht, lässt sich der Verkauf komplett nachrechnen. Über 16 Handelstage zwischen dem 14. April und dem 5. Mai 2026 kamen genau 15.510.077 Aktien zusammen — exakt die angekündigte Menge — zu einem Bruttoerlös von rund 1,256 Milliarden US-Dollar und einem Durchschnittspreis von 80,99 Dollar je Aktie. Bemerkenswert ist der Verlauf: Am ersten Verkaufstag lag der Durchschnittspreis bei 91,42 Dollar, am letzten bei 65,33 Dollar. Rakuten hat also in einen fallenden Markt hinein verkauft — und mit einem Programm dieser Größe zu diesem Fallen beigetragen.

Ausschnitt aus der SEC-Meldung Schedule 13D/A vom 5. Mai 2026: Die Aufstellung der Verkäufe vom 27. April bis 5. Mai 2026 zeigt fallende Durchschnittspreise von 76,3098 über 73,9463, 70,3395, 73,2644, 72,0739 und 69,2240 bis 65,3255 US-Dollar je Aktie.
Die letzten sieben Verkaufstage in der Pflichtmeldung: Der Durchschnittspreis fällt von 76,31 auf 65,33 US-Dollar je Aktie, während Rakuten weiter verkauft. Am 5. Mai gingen die restlichen 969.577 Aktien zum tiefsten Preis der gesamten Serie über den Markt. Quelle: SEC EDGAR, Schedule 13D/A vom 5. Mai 2026, Item 5(c); Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Wofür das Geld gedacht war, sagt Rakuten selbst — im Anhang zur Ergebnispräsentation steht der Verkauf unter der Überschrift „Self-Funding“, also Eigenfinanzierung: „In May 2026, we raised approximately 200 B JPY through the sale of held securities.“ — „Im Mai 2026 haben wir durch den Verkauf gehaltener Wertpapiere rund 200 Milliarden Yen aufgenommen.“ Auf derselben Seite nennt Rakuten als Ziel der Eigenfinanzierung, den Kapitalbedarf des Mobilfunks ohne externe Finanzierung zu decken. Die Kapitalflussrechnung des Halbjahresberichts bestätigt die Größenordnung: 199.311 Millionen Yen Zufluss aus Verkauf und Tilgung von Wertpapieren.

Damit fügen sich die Teile zusammen: Der Verkauf des Satellitenpartners finanzierte den Mobilfunk, löste den Steuerertrag aus und der Steuerertrag brachte die Überschrift. Was danach übrig blieb, meldete Rakuten selbst bei der SEC — zum 30. Juni 2026 noch 15.510.078 Aktien im Wert von 1.378.225.531 US-Dollar. Das ist, gemessen am eigenen Börsenwert von rund 10,5 Milliarden Dollar, weiterhin ein sehr großer Posten in fremden Aktien.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Das eigene Netz reicht nicht — und der Vertrag mit dem Rivalen wird zurückgefahren

Rakuten Mobile wirbt mit landesweiter Abdeckung. Ein Teil davon ist gemietet: Wo das eigene Netz nicht hinreicht, funken Rakuten-Kunden über das Netz des Wettbewerbers KDDI — ein Verfahren, das Roaming heißt und Geld kostet. Im August 2026 erklärte KDDI öffentlich, dieses Roaming zurückzufahren. Mikitani nahm dazu in der Ergebnispräsentation Stellung:

„We have entered into a proper agreement with KDDI regarding this matter. First, regarding areas where Rakuten Mobile requires coverage, we will continue roaming services beyond October in accordance with the contract. On the other hand, regarding areas where Rakuten provides its own coverage, we understand the policy is to gradually scale back roaming services.“

Übersetzung: „Wir haben in dieser Sache eine ordnungsgemäße Vereinbarung mit KDDI getroffen. Erstens werden wir in Gebieten, in denen Rakuten Mobile Abdeckung benötigt, das Roaming vertragsgemäß über den Oktober hinaus fortführen. Andererseits ist unser Verständnis, dass in Gebieten, in denen Rakuten eine eigene Abdeckung bereitstellt, die Roaming-Leistungen schrittweise zurückgefahren werden.“

— Hiroshi Mikitani, Chairman und CEO, Ergebnispräsentation zum zweiten Quartal 2026 mit Sprechernotizen, 10. August 2026

Im Anhang derselben Präsentation, auf der Seite zur Frequenzausstattung, steht es nüchterner: „Roaming provision from October 1, 2026 onward to be decided upon consultation between the two companies.“ — die Roaming-Bereitstellung ab dem 1. Oktober 2026 soll zwischen den beiden Unternehmen abgestimmt werden. Ein Vertrag, dessen Fortsetzung „abgestimmt werden soll“, ist kein abgeschlossener Vertrag.

Warum das zählt: Eine aktuelle Zahl zur Bevölkerungsabdeckung des eigenen Netzes weist Rakuten in seinen Investorenunterlagen gar nicht mehr aus — man erfährt also nicht, wie groß die Lücke ist, die das Roaming schließt. Beim sogenannten Platinband — den tiefen Frequenzen um 700 Megahertz, die Gebäude und Bergtäler besser durchdringen — genehmigte das Ministerium für Inneres und Kommunikation im Oktober 2023 den Ausbauplan, der kommerzielle Betrieb begann laut Wertpapierbericht am 27. Juni 2024, allerdings mit nur 6 Megahertz Bandbreite gegenüber 40 Megahertz im 1,7-Gigahertz-Band. Ein schmales Band an guter Stelle ersetzt kein flächendeckendes Netz. Falls das Roaming schneller schrumpft, als Rakuten eigene Masten baut, trifft das die Netzqualität — und damit die Kündigungsquote, die zuletzt bei 1,38 Prozent lag.

Bewertung: was der Markt für den Umbau zahlt

Fangen wir mit dem an, was nicht geht. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich für Rakuten nicht bilden, weil das Ergebnis für die Aktionäre in jedem der letzten fünf Geschäftsjahre negativ war. Auch die üblichen Bilanz-Sicherheitskennzahlen — Altman-Z zur Insolvenzferne, Nettoumlaufvermögen je Aktie — bleiben in unserer Datenbank leer, und zwar aus einem sachlichen Grund: Rakuten bilanziert in Yen, die hier geführte Notierung RKUNF läuft in US-Dollar. Kennzahlen, die einen Börsenwert in einer Währung durch Bilanzposten in einer anderen teilen, wären schlicht falsch. Wir zeigen sie deshalb nicht, statt eine Zahl zu erfinden.

Was sich sagen lässt, sind Größenordnungen. Bei einem Kurs von 777,40 Yen an der Tokioter Börse (17. August 2026) und 2.181.203.900 ausgegebenen Aktien liegt der Börsenwert bei rund 1,70 Billionen Yen — das entspricht etwa 10,5 Milliarden US-Dollar. Gemessen am Konzernumsatz 2025 von 2,50 Billionen Yen ergibt das ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 0,7. Gemessen am Eigenkapital, das den Aktionären zusteht (915.291 Millionen Yen zum 30. Juni 2026), liegt das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei rund 1,9.

Beide Zahlen sagen im Kern dasselbe: Der Markt bezahlt Rakuten wie einen Einzelhändler mit dünner Marge, nicht wie ein Technologieunternehmen. Das ist nachvollziehbar — bei 1,4 Prozent Vorsteuermarge im ersten Halbjahr 2026 ist die Marge dünn. Zugleich steckt in dem Konzern eine Bank mit 13,1 Billionen Yen Kundeneinlagen, ein Kreditkartengeschäft und ein Wertpapierhaus, die zusammen 2025 rund 199 Milliarden Yen operativen Gewinn erwirtschafteten. Wer Rakuten kauft, kauft eine Wette darauf, dass der Mobilfunk aufhört, diesen Gewinn aufzuzehren.

Zur Einordnung gehört die Finanzierung. Die Ratingagentur S&P Global Ratings bestätigte am 29. Juli 2026 die Note BB mit stabilem Ausblick — das ist unterhalb der Schwelle zum Investment Grade, also im spekulativen Bereich. Die japanischen Agenturen R&I (BBB+) und JCR (A−) sehen Rakuten günstiger; das ist bei japanischen Emittenten ein bekanntes Muster. Rakuten hat im April 2026 nachrangige Dollar-Anleihen über 81,7 Milliarden Yen und im Juni 2026 Yen-Anleihen über 20,0 Milliarden Yen aus vorhandenen Mitteln getilgt und erklärt, die Rückzahlungen des Jahres 2026 seien vollständig gedeckt. Die eigentliche Hürde liegt danach: Im Februar 2027 wird eine Dollar-Anleihe über 1,8 Milliarden US-Dollar fällig, und zwar mit einem Kupon von 11,250 Prozent. Im Jahresabschluss zum 31. Dezember 2025 steht sie mit 278.285 Millionen Yen in den Büchern.

Und eine Zahl, die deutsche Anleger oft übersehen: Rakuten zahlt keine Dividende. Für das Geschäftsjahr 2025 wurden 0,00 Yen je Aktie ausgeschüttet, für 2026 ist laut Quartalsbericht noch nichts beschlossen. Wer die Aktie für die Ausschüttung kauft, kauft das falsche Papier. Wie stark sich Ausschüttungspolitik und Ergebnisqualität unterscheiden können, zeigt im Vergleich unsere Analyse zu PayPal — ein Zahlungsdienstleister, der ebenfalls kein Geld ausschüttet, aber aus dem laufenden Geschäft verdient.

Zum Bild gehört schließlich die Verwässerung. Ende 2020 gab es rund 1,43 Milliarden Rakuten-Aktien, zum 30. Juni 2026 waren es 2.181.203.900 — ein Plus von gut 52 Prozent in fünfeinhalb Jahren. Der größte Sprung war die Kapitalerhöhung vom Mai 2023: 542.306.800 neue Aktien zu 566 Yen, zusammen rund 296 Milliarden Yen. Verwässerung heißt im Alltagsbild: Der Kuchen wird nicht kleiner, aber er wird in mehr Stücke geschnitten — dein Stück schrumpft, auch wenn du nichts verkauft hast.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Chancen

  • Der Mobilfunkverlust schrumpft belegbar: von 475.916 Millionen Yen (2022) über 314.570 und 208.933 auf 161.841 Millionen Yen (2025), im ersten Halbjahr 2026 auf 71.080 Millionen nach 88.457 Millionen im Vorjahreszeitraum.
  • Das Finanzgeschäft wächst kräftig und verdient Geld: 570.751 Millionen Yen Umsatz im ersten Halbjahr 2026 (plus 25,1 Prozent) und 127.708 Millionen Yen Segmentgewinn (plus 46,9 Prozent).
  • Der Kundenbestand im Mobilfunk wächst weiter: 10,75 Millionen Verträge zum 30. Juni 2026 nach 8,97 Millionen ein Jahr zuvor, bei einem gestiegenen Umsatz je Kunde von 2.921 Yen.
  • Steuerliche Verlustvorträge von mehr als einer Billion Yen können künftige Gewinne über Jahre von der Steuer entlasten — laut Unternehmen ein Beitrag zur Maximierung des Mittelzuflusses.
  • Die Refinanzierung läuft geordnet: Rückzahlungen 2026 aus eigenen Mitteln geleistet und nach eigener Aussage vollständig gedeckt, Rating von S&P am 29. Juli 2026 mit stabilem Ausblick bestätigt.

Risiken

  • Fünf Verlustjahre in Folge für die Aktionäre (2021 bis 2025) und ein Halbjahresverlust von 10.941 Millionen Yen im ersten Halbjahr 2026 — die Gewinnwende ist auf Ebene der Anteilseigner nicht belegt.
  • Das Betriebsergebnis deckt die Finanzierungskosten nicht: 14.382 Millionen Yen Betriebsgewinn nach IFRS stand 2025 ein Zinsergebnis von minus 82.423 Millionen Yen gegenüber.
  • Der Quartalsgewinn beruht auf einem Steuerertrag von 26,7 Milliarden Yen aus einem Aktienverkauf und ist in dieser Form nicht wiederholbar; vor Steuern blieben 0,5 Milliarden Yen.
  • Die Eigenkapitalquote lag zum 30. Juni 2026 bei 4,2 Prozent, bezogen nur auf die Anteilseigner bei 2,9 Prozent; die Gewinnrücklagen sind mit minus 971.240 Millionen Yen tief negativ.
  • Im Februar 2027 wird eine Dollar-Anleihe über 1,8 Milliarden US-Dollar mit einem Kupon von 11,250 Prozent fällig — im Abschluss zum 31. Dezember 2025 mit 278.285 Millionen Yen bilanziert; das Rating von S&P liegt mit BB im spekulativen Bereich.
  • Die Roaming-Bereitstellung durch KDDI ab dem 1. Oktober 2026 ist laut Rakutens eigenem Anhang noch abzustimmen — ein Rückbau träfe Netzqualität und Kündigungsquote.
  • Die US-Notierung RKUNF ist mit einem mittleren Tagesvolumen von 600 Stück (1. Juni bis 14. August 2026) praktisch illiquide; die Aktienzahl stieg seit Ende 2020 um gut 52 Prozent.
  • Keine Dividende für 2025, keine beschlossene Dividende für 2026.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Schlagzeilen-Falle vom Anfang. „Erster Gewinn seit sechs Jahren“ ist keine falsche Überschrift. Sie ist wahr, sie stammt aus einem Pflichtbericht, und Rakuten hat in derselben Präsentation offen erklärt, woher der Gewinn kam — man musste nur bis Seite 51 lesen. Die Falle ist nicht, dass jemand lügt. Die Falle ist, dass die Überschrift ein Gefühl erzeugt, das die Zahlen darunter nicht tragen: das Gefühl, hier sei etwas abgeschlossen.

Abgeschlossen ist nichts. Rakuten ist ein Konzern, der drei Dinge gleichzeitig tut: Er betreibt ein sehr großes, funktionierendes Handels- und Finanzgeschäft. Er baut daneben seit 2020 ein Mobilfunknetz, das bis Mitte 2026 rund 1,86 Billionen Yen an operativen Verlusten gekostet hat. Und er finanziert diesen Bau inzwischen aus dem Verkauf von Beteiligungen, während im Februar 2027 eine Milliardenanleihe zu 11,25 Prozent fällig wird. Alle drei Bewegungen laufen parallel, und keine davon ist zu Ende.

Es gibt einen ehrlichen Fall für diese Aktie: Der Mobilfunkverlust drittelt sich, der Kundenbestand wächst, das Finanzgeschäft verdient prächtig, und wenn der Mobilfunk irgendwann die Null erreicht, bleibt ein Konzern mit 2,5 Billionen Yen Umsatz und einer Billion Yen Verlustvorträgen übrig, die künftige Gewinne steuerfrei stellen. Es gibt auch einen ehrlichen Fall dagegen: fünf Verlustjahre, ein Betriebsergebnis, das die Zinsen nicht deckt, eine Eigenkapitalquote von 2,9 Prozent auf Ebene der Aktionäre, ein spekulatives Rating und ein Roaming-Vertrag, dessen Fortsetzung noch verhandelt wird.

Was diese Analyse leisten kann, ist, beide Fälle mit denselben Zahlen zu belegen und dir zu ersparen, die Überschrift für das Ergebnis zu halten. Der nächste Prüfstein ist konkret und terminiert: der Quartalsbericht für das dritte Quartal 2026, voraussichtlich im November. Dann zeigt sich, ob das Ergebnis vor Steuern ohne Steuergeschenk trägt — und was aus dem Roaming geworden ist. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Hinweis zur Einordnung: Dieser Beitrag ist journalistische Einordnung und ausdrücklich keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren. Aktien können erheblich schwanken; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Bei Rakuten kommen zwei besondere Risiken hinzu: das Währungsrisiko zwischen Yen, US-Dollar und Euro sowie die sehr geringe Handelbarkeit der US-Nebennotierung RKUNF. Alle Zahlen stammen aus den genannten Originalquellen und tragen den jeweils angegebenen Stichtag; spätere Entwicklungen sind nicht berücksichtigt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Rakuten Group, Inc. oder AST SpaceMobile, Inc.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen JPY, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2021 2022 2023 2024 2025
Umsatz 1.681.757,0 1.927.878,0 2.071.315,0 2.279.233,0 2.498.753,5
Betriebsergebnis (EBIT) -284.662,0 -326.240,0 -163.644,0 52.975,0 97.493,0
Nettogewinn -133.828,0 -375.911,0 -339.473,0 -162.442,0 -178.041,2
Nettomarge -8,0 % -19,5 % -16,4 % -7,1 % -7,1 %
Gewinn je Aktie -87,62 JPY -236,91 JPY -177,27 JPY -75,66 JPY -82,31 JPY

Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Unser Fazit auf einen Blick

Wachstum positiv
Der Konzernumsatz stieg von 1.681.757 Mio. ¥ (2021) auf 2.496.575 Mio. ¥ (2025) und im ersten Halbjahr 2026 um weitere 12,9 Prozent auf 1.309.052 Mio. ¥. Rakuten bezeichnet 2025 als 29. Rekordjahr in Folge. Alle drei Segmente wuchsen im ersten Halbjahr 2026, das Finanzgeschäft mit 25,1 Prozent am stärksten.
Ergebnisqualität negativ
Der Quartalsgewinn vom 10. August 2026 entstand nicht im Geschäft: Vor Steuern blieben rund 0,5 Mrd. ¥, erst ein Steuerertrag von rund 26,7 Mrd. ¥ aus Verlustvorträgen hob das Ergebnis auf 27,2 Mrd. ¥ — laut Unternehmen ohne jede Steuerzahlung. Zwischen dem selbst definierten Non-GAAP-Betriebsgewinn und dem Betriebsergebnis nach IFRS lagen 2025 zudem 91.895 Mio. ¥.
Verschuldung und Zinsdeckung negativ
Dem Betriebsgewinn nach IFRS von 14.382 Mio. ¥ stand 2025 ein Zinsergebnis (netto) von −82.423 Mio. ¥ gegenüber; das operative Geschäft deckte seine Zinslast also nicht. Die Eigenkapitalquote lag am 30. Juni 2026 bei 4,2 Prozent, bezogen nur auf die Anteilseigner bei 2,9 Prozent. S&P bewertet die Bonität seit dem 29. Juli 2026 unverändert mit BB, also im spekulativen Bereich.
Mobilfunk-Turnaround neutral
Die Richtung stimmt: Der operative Segmentverlust fiel von 475.916 Mio. ¥ (2022) auf 161.841 Mio. ¥ (2025) und im ersten Halbjahr 2026 auf 71.080 Mio. ¥ nach 88.457 Mio. ¥ im Vorjahreszeitraum; 2025 war das erste Jahr mit positivem Mobilfunk-EBITDA. Ein Termin für den operativen Ausgleich nennt das Management nicht, und die Roaming-Bereitstellung durch KDDI ab dem 1. Oktober 2026 ist noch abzustimmen.
Anteil der Aktionäre am Ergebnis negativ
Rakuten konsolidiert Bank, Kreditkarte und Wertpapierhaus voll, obwohl erhebliche Teile Dritten gehören. Im zweiten Quartal 2026 entfielen 19,5 von 27,2 Mrd. ¥ Konzerngewinn auf Minderheiten. Im ersten Halbjahr 2026 verdiente der Konzern 25.429 Mio. ¥, während für die Rakuten-Aktionäre ein Verlust von 10.941 Mio. ¥ blieb — das fünfte Verlustjahr in Folge zeichnet sich damit ab.
Handelbarkeit und Ausschüttung negativ
Die hier geführte US-Notierung RKUNF wies zwischen dem 1. Juni und dem 14. August 2026 ein mittleres Tagesvolumen von 600 Stück auf — bei 4,81 US-$ rund 2.900 US-$ Umsatz je Tag. Eine Dividende zahlte Rakuten für 2025 nicht (0,00 ¥), für 2026 ist keine beschlossen. Die Aktienzahl stieg seit Ende 2020 um gut 52 Prozent auf 2.181.203.900.

Rakuten wächst seit Jahren zuverlässig und hat den Mobilfunkverlust seit 2022 gedrittelt — das ist echter Fortschritt. Der gefeierte Quartalsgewinn vom 10. August 2026 stammt jedoch fast vollständig aus einem Steuerertrag, den ein Aktienverkauf auslöste, und im gesamten ersten Halbjahr 2026 steht für die Aktionäre weiterhin ein Verlust. Entscheidend bleiben drei Größen, die alle terminiert nachprüfbar sind: das Ergebnis vor Steuern ohne Sondereffekte, die Fälligkeit der Dollar-Anleihe im Februar 2027 und die Roaming-Vereinbarung mit KDDI ab Oktober 2026. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Substanzrisiko

Wir haben mindestens einen belegten Befund, der das Unternehmen selbst gefährdet — unabhängig davon, wie die Aktie gerade bewertet ist.

Wir vergeben Rot, und zwar an einer klar belegbaren Stelle: Das Betriebsergebnis deckt die Finanzierungskosten nicht. 14.382 Mio. ¥ Betriebsgewinn nach IFRS stand 2025 ein Zinsergebnis (netto) von −82.423 Mio. ¥ gegenüber; 2024 war das Verhältnis mit 52.975 zu −81.897 Mio. ¥ ebenfalls negativ. Genau daraus folgt die Verlustserie von fünf Jahren für die Aktionäre. Dazu kommen eine Eigenkapitalquote von 2,9 Prozent auf Ebene der Anteilseigner, tief negative Gewinnrücklagen von −971.240 Mio. ¥ und ein Rating von S&P im spekulativen Bereich. Das ist ausdrücklich kein Urteil über den Preis der Aktie und kein Zweifel an der Substanz des Handels- und Finanzgeschäfts: Rakuten hat weder einen Hinweis auf eine Bestandsgefährdung im Bericht noch ein Liquiditätsproblem, die Refinanzierung 2026 ist geleistet und der Mobilfunkverlust schrumpft messbar. Sollte das Ergebnis vor Steuern ohne Steuergeschenk tragen und die Zinsdeckung dauerhaft über eins steigen, ist eine bessere Einstufung fällig. Die Entscheidung liegt bei dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Rakuten über die Diskussions-Rangliste des Forums wallstreet-online (August 2026), nicht über einen Kennzahlen-Scanner. Foren-Aufmerksamkeit ist ein Aufhänger, kein Kaufsignal.
  • Datenstand dieser Fassung: 17. August 2026. Jüngster Periodenbericht ist der Quartalsbericht zum 30. Juni 2026, veröffentlicht am 10. August 2026; er enthält weder Angaben zu Zweifeln an der Fortführung noch berichtspflichtige Nachtragsereignisse. Alle Filings danach wurden durchgesehen.
  • Verwechslungsgefahr: 4755 (Tokio), RKUNF (US-Stammaktie außerbörslich) und RKUNY (US-Hinterlegungsschein) bezeichnen dasselbe Unternehmen. Nicht zu verwechseln mit der separat börsennotierten Tochter Rakuten Bank, Ltd. Zu unterscheiden ist außerdem der selbst definierte Non-GAAP-Betriebsgewinn vom Betriebsergebnis nach IFRS.
  • Währungsbruch: Rakuten bilanziert in Yen, die hier geführte Notierung RKUNF läuft in US-Dollar. Kennzahlen, die beide Währungen mischen würden — Altman-Z und Nettoumlaufvermögen je Aktie —, bleiben deshalb bewusst leer.

Aktien-Wächter

Diese Analyse ist Stand 17. August 2026. Was sich seitdem bei RKUNF geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

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Häufige Fragen

Auf Konzernebene ja, für die Aktionäre nein. Das Betriebsergebnis nach IFRS war 2024 mit 52.975 und 2025 mit 14.382 Millionen Yen positiv. Das Ergebnis, das den Rakuten-Aktionären zusteht, war jedoch in den Geschäftsjahren 2021 bis 2025 jedes Mal negativ, zuletzt mit 177.886 Millionen Yen. Auch im ersten Halbjahr 2026 stand für sie ein Verlust von 10.941 Millionen Yen.

Rakuten ist bei der US-Börsenaufsicht SEC nicht als berichtspflichtiges Unternehmen registriert und nutzt eine Ausnahme für ausländische Emittenten. Es gibt deshalb weder einen Geschäftsbericht (10-K) noch Quartalsberichte (10-Q) oder das Auslandsformular 20-F. Die Pflichtberichte laufen über die Tokioter Börse: der Quartals- und Jahresbericht (決算短信) sowie der jährliche Wertpapierbericht (有価証券報告書), beide auch auf Englisch.

Alle drei stehen für dasselbe Unternehmen. 4755 ist die Stammaktie an der Tokioter Börse (ISIN JP3967200001) und der eigentliche Handelsplatz. RKUNF ist die außerbörsliche US-Repräsentation derselben Stammaktie, RKUNY ein amerikanischer Hinterlegungsschein, bei dem laut SEC-Formular F-6 ein Schein einer Stammaktie entspricht. Beide US-Linien sind sehr dünn gehandelt.

Nein. Für das Geschäftsjahr 2025 schüttete Rakuten 0,00 Yen je Aktie aus; für das zweite Quartal 2026 weist der Bericht ebenfalls 0,00 Yen aus, für das erste Quartal ist kein Ausschüttungsstichtag vorgesehen. Der Quartalsbericht vom 10. August 2026 hält ausdrücklich fest, dass über eine Dividende für das Geschäftsjahr 2026 noch nicht entschieden ist. Rakuten ist damit kein Titel für Anleger, die laufende Ausschüttungen suchen.

Vom Start des eigenen Netzes 2020 bis zum 30. Juni 2026 summieren sich die operativen Verluste des Mobilfunk-Segments nach Rakutens eigener Rechnung auf rund 1,86 Billionen Yen. Der jährliche Verlust schrumpft allerdings deutlich: von 475.916 Millionen Yen im Jahr 2022 auf 161.841 Millionen im Jahr 2025. Zum 30. Juni 2026 hatte Rakuten Mobile 10,75 Millionen Verträge.

Es ist eine selbst definierte Kennzahl: das Betriebsergebnis nach IFRS, bereinigt um Posten, die Rakuten als ungewöhnlich einstuft, sowie um aktienbasierte Vergütung und bestimmte Abschreibungen. Der Quartalsbericht weist ausdrücklich darauf hin, dass sich Rakuten dabei an den Regeln der US-Börsenaufsicht orientiert, diese aber nicht vollständig erfüllt. 2025 lagen zwischen beiden Größen 91.895 Millionen Yen.

Gründer Hiroshi Mikitani kontrolliert zum 31. Dezember 2025 rund 27,5 Prozent, verteilt auf sich selbst (8,14 Prozent), die Crimson Group LLC (10,43 Prozent), seine Ehefrau Haruko Mikitani (5,19 Prozent) sowie Mikitani Kosan und Spirit Inc. (je 1,88 Prozent). Größter institutioneller Aktionär ist ein Treuhandkonto der Master Trust Bank of Japan mit 10,84 Prozent, Japan Post Holdings hält 6,04 Prozent.

Rakuten Mobile nutzt in Gebieten ohne eigenes Netz das Netz des Wettbewerbers KDDI. Im August 2026 erklärte Mikitani, das Roaming werde dort, wo Rakuten Abdeckung benötigt, vertragsgemäß über den Oktober hinaus fortgeführt, in Gebieten mit eigener Abdeckung aber schrittweise zurückgefahren. Der Anhang zur Ergebnispräsentation formuliert vorsichtiger: Die Bereitstellung ab dem 1. Oktober 2026 sei zwischen beiden Unternehmen noch abzustimmen.

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