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QIAGEN nennt es „deutlich gewachsen“ — vier Jahre nach dem Gipfel liegt der Umsatz immer noch darunter

QIAGEN nennt es „deutlich gewachsen“ — vier Jahre nach dem Gipfel liegt der Umsatz immer noch darunter

QIAGEN sieht aus wie die sicherste Aktie im Labor: DAX-40-Konzern, 62 Prozent Bruttomarge, 90 Prozent wiederkehrende Erlöse, über 500.000 Kunden. Der Geschäftsbericht (20-F) für 2025 schreibt sogar, man sei „in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen“ — von 1,87 Milliarden US-Dollar (2020) auf 2,09 Milliarden (2025). Diese Rechnung überspringt das Jahr 2021, in dem 2,25 Milliarden in den Büchern standen: Der Umsatz liegt vier Jahre nach dem Corona-Gipfel noch immer 7 Prozent darunter. Am 27. April 2026 kappte QIAGEN die eigene Jahresprognose von mindestens 5 auf 1 bis 2 Prozent, weil bei QuantiFERON — 503 Millionen Umsatz, ein Viertel des Konzerns — die Einwanderungstests in den USA wegbrachen. Wenige Wochen zuvor war ein Londoner Hedgefonds neu eingestiegen. Am Ende steht kein Anlagerat, sondern eine Rechnung: Was bleibt von „deutlich gewachsen“, wenn man das Jahr 2021 nicht überspringt?

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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QIAGEN nennt es „deutlich gewachsen“ — vier Jahre nach dem Gipfel liegt der Umsatz immer noch darunter
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (20-F/6-K)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die nichts mit Gier zu tun hat, sondern mit Respekt — nennen wir sie die Weiße-Kittel-Falle. Sie funktioniert so: Ein Unternehmen trägt sinnbildlich einen Laborkittel. Es macht etwas Ernstes, etwas Medizinisches, etwas mit DNA. Und schon springt im Kopf ein Schalter um: Das hier ist keine Zockerei, das ist Substanz. Der Kittel ist eine Uniform der Glaubwürdigkeit — und wir prüfen Uniformen selten nach. QIAGEN N.V. (NYSE: QGEN; Frankfurt Prime Standard: QIA) trägt diesen Kittel so gut wie kaum ein anderes Unternehmen im DAX: Der Konzern liefert die Werkzeuge, mit denen Labore weltweit Erbmaterial aus Blut, Gewebe und Abstrichen herausholen und lesbar machen. 62,2 Prozent Bruttomarge im Jahr 2025, 90 Prozent wiederkehrende Erlöse, über 500.000 Kunden. Machen wir also einen Deal: Bevor du dem Kittel glaubst, lesen wir gemeinsam, was die Firma selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (20-F) für 2025 vom 20. März 2026 und die Quartalsmitteilung zum ersten Quartal 2026, eingereicht am 8. Mai 2026. Ein Bericht an die SEC ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt von einem Umsatz, der seit vier Jahren unter seinem eigenen Gipfel liegt, von einem einzelnen Test, an dem ein Viertel des Konzerns hängt, und von einem Gewinn je Aktie, der zu einem guten Teil dadurch wächst, dass es immer weniger Aktien gibt. Am Ende entscheidest du selbst.

Was QIAGEN eigentlich macht — der Werkzeugkasten hinter jedem Gentest

QIAGEN verkauft keine Medikamente und stellt keine Diagnosen. Der Konzern verkauft die Werkzeugkette, mit der andere das tun — das Unternehmen nennt es „Sample to Insight“, von der Probe zur Erkenntnis. Übersetzt in ein Alltagsbild: QIAGEN ist nicht der Koch, sondern der Ausstatter der Küche. Die Firma liefert die Messer, die Waagen, die Kochbücher — und vor allem das Verbrauchsmaterial, das jede Woche neu gebraucht wird. Vier Schritte, vier Produktgruppen: Sample technologies (661,3 Millionen US-Dollar Umsatz 2025, 32 Prozent) holen DNA, RNA und Proteine aus der Probe heraus. Diagnostic solutions (803,1 Millionen, 38 Prozent) sind die zugelassenen klinischen Tests. PCR und Nukleinsäure-Vervielfältigung (309,0 Millionen, 15 Prozent) vermehren das Erbmaterial, bis man es messen kann. Genomics/NGS (241,8 Millionen, 12 Prozent) umfasst Sequenzier-Zubehör und die Auswertungssoftware QIAGEN Digital Insights. Dazu kommen 74,9 Millionen „Sonstiges“.

Das Geschäftsmodell nennt der Geschäftsbericht selbst beim Namen: ein „razor-razorblade model“ — Rasierer und Klinge. Das Gerät wird einmal verkauft (oder fast verschenkt), das Geld verdient man an den Kartuschen, Kits und Röhrchen, die danach jede Woche nachbestellt werden. Genau daher stammen die 90 Prozent wiederkehrenden Erlöse: 1.876,4 der 2.090,0 Millionen US-Dollar Umsatz 2025 waren Verbrauchsmaterial und damit verbundene Erlöse, nur 213,6 Millionen waren Geräte. Das ist eine sehr angenehme Umsatzstruktur — sie ist träge im Abschwung und träge im Aufschwung. Und damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, das sich durch jedes Kapitel zieht: QIAGEN ist ein qualitativ hervorragendes Geschäft, das seit vier Jahren kaum noch wächst — und ein wachsender Teil des Gewinns je Aktie entsteht nicht im Labor, sondern in der Kapitalstruktur.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Diese Analyse beginnt nicht mit einem Treffer im hauseigenen Aktien-Scanner, sondern mit einem Formular. Am 8. Mai 2026 reichte Helikon Investments Ltd aus London bei der SEC ihr Formular 13F-HR zum Stichtag 31. März 2026 ein (Aktenzeichen 0001839497-26-000002). Ein 13F ist die Pflichtmeldung großer US-Vermögensverwalter: Wer mehr als 100 Millionen US-Dollar in US-gelisteten Aktien verwaltet, muss vierteljährlich offenlegen, was er hält. In Helikons Tabelle stehen 17 Positionen im Gesamtwert von 2.648.555.113 US-Dollar — und darin, neu und vorher nicht vorhanden, 1.807.989 QIAGEN-Aktien im Wert von 72.391.880 US-Dollar. Zu den drei vorangegangenen Stichtagen (30. Juni, 30. September und 31. Dezember 2025) meldete derselbe Fonds jeweils null Stück.

Gelb markierter Auszug aus der 13F-Informationstabelle der Helikon Investments Ltd zum 31. März 2026: QIAGEN NV, ORD SHARES, CUSIP N72482156, Wert 72.391.880 US-Dollar, 1.807.989 Aktien, alleinige Stimmrechte.
Die markierte Position im Original: QIAGEN N.V., 1.807.989 Stück, 72.391.880 US-Dollar. Quelle: 13F-HR der Helikon Investments Ltd zum 31.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Warum das interessant ist, zeigt der Rest der Liste. Gut die Hälfte des Portfolios steckt in Gold- und Silberminen (Skeena Resources allein 18,5 Prozent, Allied Gold 14,4 Prozent, dazu Collective Mining, Silvercorp, Solaris Resources, New Pacific Metals, Highlander Silver), ein weiteres Fünftel in lateinamerikanischen Werten — Flughäfen, eine Gaspipeline, ein Immobilienkonzern, ein Stromnetzbetreiber. In diesem Depot ist ein niederländischer Laborausrüster mit 2,73 Prozent Gewicht der Fremdkörper. Genau deshalb lohnt der zweite Blick.

Und jetzt die Grenze, die zu jedem 13F gehört, damit aus einer Pflichtmeldung keine Legende wird: Ein 13F zeigt ausschließlich US-gelistete Long-Positionen, gemeldet mit 35 bis 45 Tagen Verzug, ohne Leerverkäufe, ohne Derivate und ohne alles, was außerhalb der USA notiert. Er ist ein Rückspiegel, kein Fahrplan. Bei QIAGEN wird das besonders greifbar: Der Stichtag ist der 31. März 2026, unterschrieben wurde die Meldung am 8. Mai 2026 — und dazwischen, am 27. April 2026, kappte QIAGEN die eigene Jahresprognose. Ob der Fonds die Position da noch hielt, sagt das Formular nicht. Es sagt nur, was am Quartalsende im Depot lag.

Ein Wort zum Scanner, weil es zur Ehrlichkeit gehört: QIAGEN ist kein Kandidat, den unsere Momentum-, Tiefstwert- oder Insolvenzrisiko-Filter nach vorne spülen. Ein Konzern mit 22,3 Prozent operativer Marge, ohne Bilanznot und mit ein bis zwei Prozent Wachstumserwartung löst weder ein Kaufsignal aus Kursstärke noch einen Warnruf aus Verschuldung aus. Er fällt durch das Raster — und ist trotzdem eine Analyse wert. Genau das ist die Lücke, die ein Formular manchmal füllt.

Warum es bei QIAGEN keinen Quartalsbericht gibt — und was das für dich heißt

Bevor wir in die Zahlen gehen, ein Punkt, den die meisten Anleger übersehen: Von QIAGEN gibt es kein 10-K und kein 10-Q. Der Konzern ist bei der SEC ein Foreign Private Issuer — ein ausländischer Emittent. Für ihn gelten andere Formulare, und der Unterschied steckt im Verb:

„We file reports, including annual reports on Form 20-F, furnish periodic reports on Form 6-K and other information with the SEC, pursuant to the rules and regulations of the SEC that apply to foreign private issuers.“

Übersetzung: „Wir reichen Berichte ein, darunter Jahresberichte auf Formular 20-F, übermitteln unterjährige Berichte auf Formular 6-K und weitere Informationen an die SEC, gemäß den Vorschriften der SEC für ausländische Emittenten.“

— QIAGEN N.V., SEC-Geschäftsbericht 20-F für 2025, Abschnitt „Documents on Display“

Im Original stehen zwei verschiedene Wörter: der Jahresbericht wird eingereicht („file“), die Quartalszahlen werden nur übermittelt („furnish“). Praktisch heißt das für dich: Einmal im Jahr bekommst du ein vollständiges, geprüftes Werk mit Anhang, Risikoteil und Wirtschaftsprüfer-Testat — 20-F, für 2025 eingereicht am 20. März 2026. Dreimal im Jahr bekommst du dagegen nur eine ungeprüfte Quartalsmitteilung als Anhang zu einem 6-K, wie sie ein europäisches Unternehmen auch per Pressemitteilung veröffentlicht. Kein Quartalsanhang mit Segmentaufriss, keine detaillierten Fußnoten, keine Prüferdurchsicht. Das ist völlig legal und bei europäischen Konzernen mit US-Notierung der Normalfall — aber es ist eine schlechtere Datenlage als bei einer US-Firma. Wer QIAGEN kauft, kauft mit: neun Monate im Jahr weißt du weniger, als du bei einem US-Wettbewerber wüsstest. Merke dir das: Die Prüftiefe eines Jahres, die Aktualität eines Quartals — beides gibt es hier nicht gleichzeitig.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt, denn davon gibt es reichlich. Die Bruttomarge lag 2025 bei 62,2 Prozent — von 100 US-Dollar Umsatz bleiben nach allen Herstellkosten 62 übrig. Das Betriebsergebnis erreichte 465,9 Millionen US-Dollar, eine operative Marge von 22,3 Prozent; bereinigt um Sonderposten meldet QIAGEN sogar 29,5 Prozent. Der operative Cashflow lag bei 654 Millionen US-Dollar, abzüglich 201,0 Millionen Investitionen bleiben rund 453 Millionen freier Mittelzufluss. Die Bilanz zum 31. Dezember 2025: 6.281,2 Millionen Bilanzsumme, 3.778,2 Millionen Eigenkapital, 839,0 Millionen Kasse plus 259,9 Millionen kurzfristige Anlagen. Und die Kundenstruktur ist das Gegenteil eines Klumpenrisikos — der Anhang formuliert es so: „For 2025, 2024, and 2023, no single customer represented more than ten percent of accounts receivable or consolidated net sales.“ Kein einziger Kunde über zehn Prozent. Wer schon einmal eine Firma analysiert hat, bei der drei Abnehmer die Hälfte des Umsatzes stellen, weiß, was dieser Satz wert ist.

Jetzt die Kurve, um die es geht — der Umsatz seit 2019:

Balkendiagramm des QIAGEN-Umsatzes 2019 bis 2025 in Millionen US-Dollar: 1.526,4 (2019), 1.870,3 (2020, +22,5 %), 2.251,7 (2021, +20,4 %), 2.141,5 (2022, −4,9 %), 1.965,3 (2023, −8,2 %), 1.978,2 (2024, +0,7 %), 2.090,0 (2025, +5,7 %). Eine gestrichelte Linie markiert den Gipfel von 2021, den keiner der folgenden Balken erreicht.
Der Gipfel liegt hinten: 2021 standen 2.251,7 Millionen US-Dollar in den Büchern — 2025 sind es 2.090,0 Millionen, rund 7 Prozent weniger. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (20-F/6-K); XBRL-Kennzahlenreihe der SEC, CIK 1015820. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zur Fairness gehört die Erklärung: Die Jahre 2020 und 2021 waren Corona-Jahre. QIAGEN lieferte Testmaterial in einer Pandemie, der Umsatz sprang binnen zwei Jahren um 47 Prozent. Dass diese Nachfrage wieder verschwand, ist kein Managementfehler. Aber es ändert nichts an der Ausgangslage für dich als Käufer heute: Seit fünf Jahren hat sich der Umsatz per saldo um 11,7 Prozent bewegt — von 1.870,3 Millionen (2020) auf 2.090,0 Millionen (2025), gut 2,2 Prozent im Jahr. Das ist die Wachstumsgeschwindigkeit einer Volkswirtschaft, nicht die eines Wachstumsunternehmens.

Und noch eine Zahl gehört ehrlich dazu, weil sie zeigt, wie schnell es hier auch anders herum gehen kann: 2024 fiel das Nettoergebnis auf 83,6 Millionen US-Dollar — nach 341,3 Millionen im Jahr davor. Grund war das „2024 Efficiency Program“: QIAGEN stellte das klinische PCR-System NeuMoDx ein und schrieb dessen langfristige Vermögenswerte von 166,1 Millionen vollständig ab; weitere 34,7 Millionen an Anlagen und Software wurden abgeschrieben, 93,5 Millionen Vorräte wertberichtigt. Der Bericht nennt für 2024 Restrukturierungsaufwendungen von insgesamt 295,1 Millionen US-Dollar — in einem einzigen Jahr. 2025 folgte gleich das nächste Programm mit geschätzt 60,0 Millionen Gesamtkosten, davon rund 25,0 Millionen erst 2026 — und der Bericht schreibt dazu: „We expect to identify further actions.“ Ein Konzern im Dauerumbau.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: „Deutlich gewachsen“ — gemessen an einem Jahr, das den Gipfel überspringt

Im Risikoteil des Geschäftsberichts beschreibt QIAGEN die eigene Entwicklung. Der Satz ist kurz und er ist wörtlich so nachlesbar:

„We have grown significantly in recent years, with total net sales increasing from $1.87 billion in 2020 to $2.09 billion in 2025.“

Übersetzung: „Wir sind in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen; der Gesamtumsatz stieg von 1,87 Milliarden US-Dollar im Jahr 2020 auf 2,09 Milliarden im Jahr 2025.“

— QIAGEN N.V., SEC-Geschäftsbericht 20-F für 2025, Abschnitt „Risks and Risk Management“

Gelb markierter Absatz im QIAGEN-Geschäftsbericht 20-F für 2025: Wir sind in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen, der Gesamtumsatz stieg von 1,87 Milliarden US-Dollar 2020 auf 2,09 Milliarden 2025.
Die markierte Stelle im Original: „grown significantly“ — gemessen ab dem Jahr 2020, nicht ab dem Rekordjahr 2021. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 20-F für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Jede einzelne Zahl in diesem Satz stimmt. Nur der Startpunkt ist gewählt. Zwischen 2020 und 2025 liegt das Jahr 2021 mit 2.251,7 Millionen US-Dollar — dem höchsten Umsatz der Firmengeschichte. Wer dort misst, kommt nicht auf „deutlich gewachsen“, sondern auf minus 7,2 Prozent in vier Jahren. Beim Gewinn ist es dasselbe Bild: 512,6 Millionen US-Dollar Nettoergebnis im Jahr 2021, 424,9 Millionen im Jahr 2025. Übersetzt in ein Alltagsbild: Das ist, als würde ein Läufer seine Bestzeit von 2021 aus der Statistik nehmen und dann verkünden, er sei schneller geworden als 2020. Nicht gelogen — aber eben auch nicht die ganze Strecke.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Ein Viertel des Konzerns hängt an einem Test — und der hängt mit an der US-Einwanderung

QuantiFERON ist QIAGENs erfolgreichstes Produkt: ein Bluttest, der eine latente Tuberkulose erkennt — also eine Ansteckung, die (noch) keine Symptome macht. Er ersetzt zunehmend den alten Hauttest. 2025 brachte QuantiFERON rund 503 Millionen US-Dollar, ein Plus von 11 Prozent und 24 Prozent des Konzernumsatzes. Ein Test, ein Viertel der Firma. Was viele Anleger nicht auf dem Zettel haben: Ein spürbarer Teil dieser Tests wird nicht aus medizinischer Not durchgeführt, sondern weil eine Behörde sie verlangt — bei Einwanderungs- und Visaverfahren. Und Behördenpolitik ändert sich schneller als Krankheiten. Im ersten Quartal 2026 schrieb QIAGEN:

„QuantiFERON sales declined 5% CER from Q1 2025, mainly due to a significant decline in immigration testing demand in the United States and the Middle East.“

Übersetzung: „Die QuantiFERON-Erlöse gingen gegenüber dem ersten Quartal 2025 währungsbereinigt um 5 Prozent zurück, vor allem wegen eines deutlichen Rückgangs der Nachfrage nach Einwanderungstests in den Vereinigten Staaten und im Nahen Osten.“

— QIAGEN N.V., Quartalsmitteilung zum ersten Quartal 2026 (6-K, Anhang 99.1 vom 6. Mai 2026)

Die Folge steht im selben Dokument — und sie betrifft nicht nur ein Produkt, sondern den ganzen Konzern:

„QIAGEN updated on April 27 its full-year 2026 outlook for net sales to grow about 1-2% CER (previously at least 5% CER growth) … Adjusted diluted EPS are now expected to be at least $2.43 CER (previously at least $2.50 CER).“

Übersetzung: „QIAGEN hat am 27. April seine Prognose für das Gesamtjahr 2026 aktualisiert: Der Umsatz soll währungsbereinigt um etwa 1 bis 2 Prozent wachsen (zuvor: mindestens 5 Prozent) … Das bereinigte verwässerte Ergebnis je Aktie wird nun bei mindestens 2,43 US-Dollar erwartet (zuvor: mindestens 2,50).“

— QIAGEN N.V., Quartalsmitteilung zum ersten Quartal 2026 (6-K, Anhang 99.1 vom 6. Mai 2026), Abschnitt „Outlook“

Gelb markierter Absatz der QIAGEN-Quartalsmitteilung zum ersten Quartal 2026: Die Jahresprognose 2026 wurde am 27. April auf etwa 1 bis 2 Prozent währungsbereinigtes Umsatzwachstum gesenkt, zuvor mindestens 5 Prozent; bereinigtes Ergebnis je Aktie mindestens 2,43 statt 2,50 US-Dollar.
Die markierte Stelle im Original: aus „mindestens 5 Prozent“ wurden „etwa 1 bis 2 Prozent“. Quelle: 6-K-Quartalsmitteilung zum 31.03.2026, Anhang 99.1 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rechne kurz mit: Am 4. Februar 2026 stellte der Konzern für 2026 noch mindestens 5 Prozent Wachstum in Aussicht. Elf Wochen später waren daraus 1 bis 2 Prozent geworden. Im ersten Quartal 2026 lag der Umsatz mit 492,3 Millionen US-Dollar zwar 2 Prozent über dem Vorjahr — aber währungsbereinigt 1 Prozent darunter. Das Betriebsergebnis fiel um 27 Prozent auf 84,4 Millionen, der Nettogewinn um 25 Prozent auf 68,0 Millionen, der freie Mittelzufluss um 44 Prozent auf 53,7 Millionen. Merke dir das Bild: Je größer ein einzelnes Produkt im Umsatz ist, desto mehr entscheidet es über die Prognose des gesamten Konzerns.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der Gewinn je Aktie wächst auch dann, wenn der Gewinn nicht wächst

Jetzt zur Mechanik, die man verstehen muss, um QIAGENs Zahlen richtig zu lesen. Der Gewinn je Aktie ist ein Bruch: oben der Gewinn, unten die Aktienzahl. Man kann ihn erhöhen, indem man oben mehr verdient — oder indem man unten kleiner wird. QIAGEN tut beides, und das Zweite sehr konsequent:

Diagramm der verwässerten QIAGEN-Aktienzahl in Millionen Stück: 232,0 (2021), 230,1 (2022), 230,6 (2023), 224,7 (2024), 218,9 (2025), 208,9 (erstes Quartal 2026). Darunter drei Kapitalrückzahlungen: Januar 2024 295,2 Millionen, Januar 2025 280,1 Millionen, Januar 2026 496,7 Millionen US-Dollar.
Der Nenner schrumpft: von 232,0 Millionen verwässerten Aktien (2021) auf 208,9 Millionen im ersten Quartal 2026 — minus 10 Prozent. Finanziert über drei Kapitalrückzahlungen im Januar 2024, 2025 und 2026. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (20-F/6-K); XBRL-Kennzahlenreihe der SEC, CIK 1015820. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das Verfahren dahinter heißt im Bericht „synthetic share repurchase“ und ist eine niederländische Besonderheit: Statt Aktien an der Börse zurückzukaufen, zahlt der Konzern allen Aktionären Kapital aus und führt gleichzeitig einen umgekehrten Aktiensplit durch — aus 100 Aktien werden zum Beispiel 95, dafür gibt es Geld aufs Konto. Übersetzt in ein Alltagsbild: Beim klassischen Rückkauf kauft die Firma einzelnen Aktionären ihre Stücke ab; hier bekommt jeder gleichzeitig etwas Geld und ein etwas kleineres Stück Papier. Im Januar 2026 wurden so 496,7 Millionen US-Dollar ausgeschüttet und die Aktienzahl um rund 5 Prozent auf 206,8 Millionen Stück gesenkt; im Januar 2025 waren es 280,1 Millionen (−2,8 Prozent), im Januar 2024 295,2 Millionen (−3 Prozent). Dazu kam 2025 die erste Dividende der Firmengeschichte: 0,25 US-Dollar je Aktie, zusammen 54,2 Millionen, beschlossen auf der Hauptversammlung am 26. Juni 2025.

Das ist nichts Anrüchiges — es ist eine legitime, in den Niederlanden übliche und steuerlich effiziente Form der Ausschüttung. Aber die Größenordnung sollte man kennen: Die drei Kapitalrückzahlungen summieren sich auf 1.072,0 Millionen US-Dollar. Der Nettogewinn der Jahre 2023, 2024 und 2025 zusammen betrug 849,8 Millionen. Der Konzern hat in drei Januaren also rund 26 Prozent mehr ausgeschüttet, als er in drei Jahren verdient hat — möglich gemacht durch die Kasse und durch neue Anleihen. Und noch ein Detail für die Ergebnisqualität: Die effektive Steuerquote lag 2025 bei nur 13,3 Prozent statt der niederländischen 25,8 Prozent, weil die Abwicklung der eingestellten US-Tochter NeuMoDx einen einmaligen Steuervorteil von 29,0 Millionen brachte. Für 2026 plant QIAGEN wieder mit 18 Prozent. Wie sehr ein Steuereffekt einen Rekordgewinn schmücken kann, haben wir schon bei TG Therapeutics gesehen — dort war es sogar der größere Teil des Gewinns.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Das Nullzins-Geld ist zurückgefordert worden — und wurde teuer ersetzt

QIAGEN hat sich jahrelang extrem günstig finanziert: Im Dezember 2020 begab der Konzern eine Wandelanleihe über 500,0 Millionen US-Dollar zu 0,000 Prozent Zinsen. Wandelanleihen sind Kredite mit Umtauschrecht — der Gläubiger verzichtet auf Zinsen und bekommt dafür die Chance, später in Aktien zu tauschen. Steigt die Aktie nicht, bleibt es ein zinsloser Kredit. Genau das trat ein, und deshalb zogen die Gläubiger am ersten möglichen Rückgabetermin die Reißleine:

„During the year on the December 17, 2025, put date, $474.0 million of the 2027 Notes was repaid at the election of the bondholders, after which the remaining $26.0 million was reclassified to long-term debt.“

Übersetzung: „Im Verlauf des Jahres wurden am Rückgabetermin des 17. Dezember 2025 auf Verlangen der Anleihegläubiger 474,0 Millionen US-Dollar der 2027er Anleihe zurückgezahlt; die verbleibenden 26,0 Millionen wurden anschließend in langfristige Finanzverbindlichkeiten umgegliedert.“

— QIAGEN N.V., SEC-Geschäftsbericht 20-F für 2025, Abschnitt „Other factors affecting liquidity and capital resources“

Gelb markierter Absatz im QIAGEN-Geschäftsbericht 20-F für 2025: Am Rückgabetermin 17. Dezember 2025 wurden 474,0 Millionen US-Dollar der Null-Prozent-Wandelanleihe von 2027 auf Verlangen der Gläubiger zurückgezahlt, 26,0 Millionen blieben stehen.
Die markierte Stelle im Original: 474,0 von 500,0 Millionen US-Dollar gingen zurück — 94,8 Prozent. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 20-F für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Ersetzt wurde das kostenlose Geld durch teureres: im September 2024 eine Wandelanleihe über 500,0 Millionen zu 2,500 Prozent (fällig 2031), im September 2025 eine über 750,0 Millionen zu 2,000 Prozent (fällig 2032). Man sieht es bereits in der Erfolgsrechnung: Im ersten Quartal 2026 lag der Zinsaufwand bei 11,1 Millionen US-Dollar nach 7,3 Millionen im Vorjahresquartal, während die Zinserträge von 15,4 auf 10,6 Millionen fielen. Die Finanzschulden summieren sich auf 1.646,6 Millionen US-Dollar (31. März 2026), denen 646,3 Millionen Kasse gegenüberstehen; die Nettoverschuldung stieg damit auf das 1,3-Fache des bereinigten EBITDA, nach dem 0,7-Fachen zum Jahresende 2025.

Und dann ist da noch eine Fußnote, die man erst beim zweiten Lesen glaubt. Weil die 2027er Anleihe diesen Rückgabetermin hatte, hätten die 498,4 Millionen schon in der Bilanz zum 31. Dezember 2024 als kurzfristige Schuld stehen müssen. Sie standen dort nicht:

„In 2025, we corrected the classification of $498.4 million of debt previously reported as long-term as of December 31, 2024 that should have been classified as current under U.S. GAAP due to the December 17, 2025 bondholder put date …“

Übersetzung: „Im Jahr 2025 haben wir die Ausweisung von 498,4 Millionen US-Dollar Finanzverbindlichkeiten korrigiert, die zum 31. Dezember 2024 als langfristig ausgewiesen waren und nach US-GAAP wegen des Rückgabetermins am 17. Dezember 2025 als kurzfristig hätten ausgewiesen werden müssen …“

— QIAGEN N.V., SEC-Geschäftsbericht 20-F für 2025, Note 1.1 „Revision of Previously Issued Financial Statements“

Auf dem Deckblatt des 20-F ist entsprechend das Kästchen angekreuzt, das eine Korrektur eines Fehlers in früher veröffentlichten Abschlüssen anzeigt. QIAGEN stuft den Fehler als unwesentlich ein, und die Gewinn- und Verlustrechnung war nicht betroffen — das stimmt. Wer aber Ende 2024 auf die kurzfristige Verschuldung geschaut hat, um die Zahlungsfähigkeit zu beurteilen, hat eine halbe Milliarde an der falschen Stelle gesehen. Für die Zukunft ist dieselbe Konstruktion wieder eingebaut: Die 2031er Anleihe kann am 10. September 2029 zurückgegeben werden, die 2032er am 4. September 2030 — zusammen 1,25 Milliarden US-Dollar, deren Rückgabe allein davon abhängt, ob die Aktie bis dahin über den Wandlungspreisen von 63,7571 beziehungsweise 64,7028 US-Dollar notiert.

Bewertung: solide bezahlt für ein Geschäft ohne Wachstum

Für eine evergreen-taugliche Einordnung brauchen wir einen datierten Anker statt eines Tageskurses — und den liefert ausgerechnet das Formular vom Anfang. Aus 72.391.880 US-Dollar für 1.807.989 Aktien ergibt sich zum Stichtag 31. März 2026 ein rechnerischer Kurs von rund 40 US-Dollar je Aktie. Bei den zu diesem Zeitpunkt ausstehenden rund 206,3 Millionen Aktien entspricht das einem Börsenwert in der Größenordnung von 8,3 Milliarden US-Dollar. Gemessen am Nettoergebnis 2025 (424,9 Millionen) ist das ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 19, gemessen am Umsatz (2.090,0 Millionen) ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 4. Legt man die eigene bereinigte Gewinnprognose für 2026 von mindestens 2,43 US-Dollar je Aktie zugrunde, sind es rund 16. Rechnet man die Nettoverschuldung von etwa 1,0 Milliarden hinzu, liegt der Unternehmenswert bei ungefähr 9,3 Milliarden.

Ist das teuer? Für ein Qualitätsgeschäft mit 62 Prozent Bruttomarge und 90 Prozent wiederkehrenden Erlösen ist ein 19er-Gewinnvielfaches historisch eher unauffällig — vergleichbare Zulieferer der Pharma- und Laborwelt werden oft höher bewertet; wie hoch der Markt Verlässlichkeit bepreist, zeigt zum Beispiel West Pharmaceutical. Der Haken liegt woanders: Diese Bewertung unterstellt Wachstum, und die eigene Prognose des Unternehmens lautet 1 bis 2 Prozent. Für einen Anleger heißt das: Du zahlst den Preis für Qualität und bekommst vorerst die Rendite eines Anleihe-Ersatzes — plus die Hoffnung, dass die Wachstums-Pfeiler (Sample technologies mit der Übernahme Parse Biosciences, QIAcuity, QIAstat-Dx, die Bioinformatik QIAGEN Digital Insights) das Gesamtbild in der zweiten Jahreshälfte 2026 drehen, wie es der Konzern selbst erwartet. Alle Bewertungsangaben mit Datenstand 23. Juli 2026; Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für QIAGEN spricht:

  • Erstklassige Ertragsqualität: 62,2 Prozent Bruttomarge und 22,3 Prozent operative Marge (2025, bereinigt 29,5 Prozent), 654 Millionen US-Dollar operativer Cashflow bei 201,0 Millionen Investitionen.
  • Wiederkehrende Erlöse als Fundament: 1.876,4 von 2.090,0 Millionen US-Dollar (90 Prozent) sind Verbrauchsmaterial und damit verbundene Umsätze, verteilt auf über 500.000 Kunden in mehr als 160 Ländern — kein einziger Kunde kommt auf zehn Prozent.
  • Solide Bilanz: 3.778,2 Millionen US-Dollar Eigenkapital bei 6.281,2 Millionen Bilanzsumme (31. Dezember 2025), Nettoverschuldung zum 31. März 2026 beim 1,3-Fachen des bereinigten EBITDA, keine Inanspruchnahme der 400-Millionen-Euro-Kreditlinie.
  • Wachstumsträger mit eigener Dynamik: QIAstat-Dx legte 2025 um 27 Prozent auf 139 Millionen US-Dollar zu, QuantiFERON um 11 Prozent auf 503 Millionen; die Übernahmen Genoox (Mai 2025) und Parse Biosciences (Dezember 2025) erweitern Bioinformatik und Einzelzell-Analytik.
  • Kapitalrückführung mit System: 1.072,0 Millionen US-Dollar über drei Kapitalrückzahlungen (Januar 2024 bis Januar 2026) plus die erste Dividende der Firmengeschichte (0,25 US-Dollar je Aktie, Juli 2025) — die Aktienzahl sank in fünf Jahren um 10 Prozent.

Was dagegen spricht:

  • Kein Wachstum seit vier Jahren: Der Umsatz 2025 (2.090,0 Millionen US-Dollar) liegt 7,2 Prozent unter dem Gipfel von 2021 (2.251,7 Millionen), das Nettoergebnis 17 Prozent darunter; der Bericht beschreibt die Entwicklung dennoch als „deutlich gewachsen“, gemessen ab 2020.
  • Prognose frisch gekappt: am 27. April 2026 von mindestens 5 auf etwa 1 bis 2 Prozent währungsbereinigtes Umsatzwachstum und von mindestens 2,50 auf mindestens 2,43 US-Dollar bereinigtes Ergebnis je Aktie; im ersten Quartal 2026 fiel das Betriebsergebnis um 27 Prozent, der freie Mittelzufluss um 44 Prozent.
  • Produkt- und Politikrisiko: QuantiFERON steht für 24 Prozent des Umsatzes, und ein Teil der Nachfrage hängt an Einwanderungs- und Visaverfahren in den USA und im Nahen Osten — ein Kanal, den kein Vertrieb der Welt steuert.
  • Dauerumbau und große Differenz zwischen berichtetem und bereinigtem Gewinn: 295,1 Millionen US-Dollar Restrukturierungsaufwand 2024, ein weiteres Programm über rund 60,0 Millionen ab Ende 2025 („We expect to identify further actions“); 2024 stand ein berichtetes Ergebnis je Aktie von 0,37 US-Dollar einem bereinigten von 2,18 gegenüber, im ersten Quartal 2026 0,33 gegenüber 0,54.
  • Teurere Finanzierung und schlechtere Datenlage: Die Null-Prozent-Anleihe wurde zu 94,8 Prozent zurückgefordert und durch 2,0- und 2,5-Prozent-Papiere ersetzt (Rückgabetermine 2029 und 2030 über zusammen 1,25 Milliarden US-Dollar); als ausländischer Emittent veröffentlicht QIAGEN keine geprüften Quartalsberichte (kein 10-Q), und die Bilanz 2024 musste um 498,4 Millionen umgegliedert werden.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Weiße-Kittel-Falle vom Anfang. Ihr Kern ist nicht, dass der Kittel eine Lüge wäre — QIAGEN ist ein exzellent geführtes Unternehmen mit einem Geschäft, um das andere Firmen es beneiden: hohe Margen, treue Kunden, kein Klumpenrisiko, eine Bilanz ohne Sorgenfalten. Ihr Kern ist, dass der Kittel eine Frage beantwortet, die du gar nicht gestellt hast. Er sagt dir, dass die Firma seriös ist. Er sagt dir nicht, ob sie wächst, was sie kostet und wo ihr Gewinn je Aktie herkommt. Diese drei Antworten stehen nicht auf dem Kittel, sondern im 20-F: Der Umsatz liegt vier Jahre nach seinem Gipfel noch darunter. Die eigene Prognose für 2026 wurde im April auf 1 bis 2 Prozent gekürzt, weil bei einem Test die Einwanderungsnachfrage wegbrach. Und ein spürbarer Teil des Gewinns je Aktie entsteht, weil der Konzern mehr ausschüttet, als er verdient, und dabei die Aktienzahl verkleinert. Der Londoner Fonds, der im ersten Quartal 2026 eingestiegen ist, hat all das gewusst oder in Kauf genommen — sein Formular sagt nur, dass er gekauft hat, nicht warum und nicht, ob er noch dabei ist. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist QIAGEN ein gutes Unternehmen?“ — das ist es. Sondern: Bist du bereit, für Qualität den vollen Preis zu zahlen, während das Wachstum an einer Behördenentscheidung hängt und der Fortschritt je Aktie zum Teil aus dem Taschenrechner kommt? Wenn ja, hast du eine These. Wenn nein, hattest du einen Eindruck. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in QIAGEN-Aktien.

Unser Fazit auf einen Blick

Geschäftsqualität positiv
Ein Ausrüstergeschäft nach dem Rasierer-und-Klinge-Prinzip: 1.876,4 von 2.090,0 Millionen US-Dollar Umsatz 2025 (90 Prozent) sind Verbrauchsmaterial und damit verbundene Erlöse, verteilt auf über 500.000 Kunden in mehr als 160 Ländern; kein Kunde erreichte 2023 bis 2025 zehn Prozent. Bruttomarge 62,2 Prozent, operative Marge 22,3 Prozent (bereinigt 29,5 Prozent).
Wachstum negativ
Der Umsatz liegt vier Jahre nach dem Gipfel von 2.251,7 Millionen US-Dollar (2021) mit 2.090,0 Millionen noch 7,2 Prozent darunter; über fünf Jahre sind es 2,2 Prozent Zuwachs pro Jahr. Am 27. April 2026 senkte QIAGEN die Jahresprognose von mindestens 5 auf etwa 1 bis 2 Prozent währungsbereinigtes Wachstum, im ersten Quartal 2026 lag der Umsatz währungsbereinigt 1 Prozent unter Vorjahr.
Produktabhängigkeit negativ
QuantiFERON stand 2025 für rund 503 Millionen US-Dollar und damit 24 Prozent des Konzernumsatzes. Ein Teil dieser Nachfrage entsteht durch Einwanderungs- und Visaverfahren; deren Rückgang in den USA und im Nahen Osten war der Hauptgrund der Prognosesenkung. Ein Absatzkanal, der von Behördenentscheidungen abhängt, ist vertrieblich nicht steuerbar.
Ergebnisqualität & Kapitalstruktur neutral
Der Gewinn je Aktie profitiert vom schrumpfenden Nenner: verwässerte Aktienzahl von 232,0 Millionen (2021) auf 208,9 Millionen (Q1 2026), finanziert über Kapitalrückzahlungen von zusammen 1.072,0 Millionen US-Dollar gegenüber 849,8 Millionen Nettogewinn der Jahre 2023 bis 2025. Dazu eine Steuerquote von 13,3 Prozent (2025) inklusive eines Einmaleffekts von 29,0 Millionen und ein großer Abstand zwischen berichtetem und bereinigtem Ergebnis (2024: 0,37 gegenüber 2,18 US-Dollar).
Bilanz & Finanzierung neutral
Solide Basis mit 3.778,2 Millionen US-Dollar Eigenkapital und 646,3 Millionen Kasse (31. März 2026), aber steigende Kosten: Die Null-Prozent-Wandelanleihe wurde zu 94,8 Prozent (474,0 Millionen) zurückgefordert und durch 2,0- und 2,5-Prozent-Papiere ersetzt; Rückgabetermine am 10. September 2029 und 4. September 2030 betreffen zusammen 1,25 Milliarden. Die Nettoverschuldung stieg auf das 1,3-Fache des bereinigten EBITDA, und die Bilanz 2024 musste um 498,4 Millionen umgegliedert werden.

QIAGEN ist die Weiße-Kittel-Falle in Reinform: ein tatsächlich exzellentes Geschäft — 62,2 Prozent Bruttomarge, 90 Prozent wiederkehrende Erlöse, über 500.000 Kunden ohne Klumpenrisiko —, dessen Umsatzkurve seit dem Corona-Gipfel 2021 (2.251,7 Millionen US-Dollar) nicht mehr über ihren alten Stand gekommen ist und 2025 bei 2.090,0 Millionen lag. Der Geschäftsbericht nennt das „deutlich gewachsen“, gemessen ab 2020. Am 27. April 2026 wurde die Jahresprognose von mindestens 5 auf 1 bis 2 Prozent gekappt, weil bei QuantiFERON (24 Prozent des Umsatzes) die Einwanderungstests einbrachen. Der Gewinn je Aktie wächst zugleich über den schrumpfenden Nenner: 232,0 Millionen Aktien (2021) gegen 208,9 Millionen (Q1 2026). Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Wenn Du die Aktie nicht hast
Solange die im Fazit genannte Frage offen ist, sehen wir keine Grundlage für einen Einstieg.
Wenn Du sie im Depot hast
Unsere Befunde liefern keinen akuten Verkaufsgrund — entscheidend bleiben die genannten Prüfpunkte.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Kategorien bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam QIAGEN nicht über einen Scanner-Treffer, sondern über das Formular 13F-HR der Helikon Investments Ltd (London) zum Stichtag 31. März 2026: 1.807.989 Aktien im Wert von 72.391.880 US-Dollar, eine komplett neue Position in einem Portfolio, das zu gut der Hälfte aus Gold- und Silberminen besteht. Ein 13F zeigt nur US-gelistete Long-Positionen mit 35 bis 45 Tagen Verzug, ohne Leerverkäufe und Derivate — ein Rückspiegel, kein Fahrplan.
  • QIAGEN ist bei der SEC ein ausländischer Emittent (Foreign Private Issuer): Es gibt kein 10-K und kein 10-Q. Geprüft wird einmal jährlich im Formular 20-F (für 2025 eingereicht am 20. März 2026), die Quartalszahlen werden nur als ungeprüfte Anlage zu einem Formular 6-K übermittelt. Die Datenlage zwischen den Jahresberichten ist damit dünner als bei einem US-Wettbewerber.
  • Bewertungsangaben datiert und evergreen: Der rechnerische Kurs von rund 40 US-Dollar je Aktie stammt aus der 13F-Meldung zum 31. März 2026 (72.391.880 US-Dollar für 1.807.989 Aktien) und dient als Größenordnung, nicht als Tageskurs. Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument.

Häufige Fragen

QIAGEN N.V. (NYSE: QGEN, Frankfurt: QIA) mit Sitz in Venlo/Niederlande liefert die Werkzeugkette für molekulare Tests: Kits, die DNA, RNA und Proteine aus Blut, Gewebe oder Abstrichen herauslösen, Geräte zur Vervielfältigung und Messung sowie Auswertungssoftware. 2025 entfielen 661,3 Millionen US-Dollar Umsatz auf Sample technologies, 803,1 Millionen auf Diagnostik, 309,0 Millionen auf PCR und 241,8 Millionen auf Genomics/NGS. 90 Prozent der Erlöse sind wiederkehrend.

Nur langsam. Der Umsatz stieg 2025 um 6 Prozent auf 2.090,0 Millionen US-Dollar, liegt damit aber weiterhin unter dem Gipfel von 2.251,7 Millionen aus dem Corona-Jahr 2021. Für 2026 erwartet QIAGEN selbst nur noch etwa 1 bis 2 Prozent währungsbereinigtes Wachstum, nachdem die Prognose am 27. April 2026 von mindestens 5 Prozent gesenkt wurde. Im ersten Quartal 2026 lag der Umsatz währungsbereinigt 1 Prozent unter dem Vorjahr.

Hauptgrund ist ein Nachfrageeinbruch bei QuantiFERON, dem Bluttest auf latente Tuberkulose. Die Quartalsmitteilung nennt einen deutlichen Rückgang der Einwanderungstests in den USA und im Nahen Osten; dazu kommen zurückhaltende US-Kunden aus der Forschung, Auftragszeitpunkte im OEM-Geschäft und geopolitische Unsicherheit. QuantiFERON stand 2025 für rund 503 Millionen US-Dollar Umsatz und damit für 24 Prozent des Konzerns.

Weil QIAGEN bei der US-Börsenaufsicht SEC als ausländischer Emittent (Foreign Private Issuer) geführt wird. Für diese Unternehmen gibt es kein 10-K und kein 10-Q. Der geprüfte Jahresbericht erscheint als Formular 20-F (für 2025 eingereicht am 20. März 2026), die Quartalszahlen werden nur als ungeprüfte Anlage zu einem Formular 6-K übermittelt. Für Anleger bedeutet das weniger Prüftiefe und weniger Details zwischen den Jahresberichten.

Ein 13F ist die vierteljährliche Pflichtmeldung großer US-Vermögensverwalter. Helikon Investments Ltd aus London meldete zum Stichtag 31. März 2026 erstmals 1.807.989 QIAGEN-Aktien im Wert von 72.391.880 US-Dollar — 2,73 Prozent eines Portfolios von 2,65 Milliarden, das ansonsten von Gold- und Silberminen geprägt ist. Ein 13F zeigt nur US-gelistete Long-Positionen mit 35 bis 45 Tagen Verzug, ohne Leerverkäufe und Derivate: ein Rückspiegel, kein Fahrplan.

Über sogenannte synthetische Aktienrückkäufe: Der Konzern zahlt allen Aktionären Kapital aus und führt zugleich einen umgekehrten Aktiensplit durch. Im Januar 2024 flossen so 295,2 Millionen US-Dollar zurück, im Januar 2025 280,1 Millionen und im Januar 2026 496,7 Millionen. Die verwässerte Aktienzahl sank dadurch von 232,0 Millionen (2021) auf 208,9 Millionen im ersten Quartal 2026. Das hebt den Gewinn je Aktie, auch wenn der Gewinn selbst nicht steigt.

Zum 31. März 2026 standen 1.646,6 Millionen US-Dollar Finanzverbindlichkeiten einer Kasse von 646,3 Millionen gegenüber; die Nettoverschuldung entsprach dem 1,3-Fachen des bereinigten EBITDA (Jahresende 2025: 0,7-Fache). Der größte Teil sind Wandelanleihen: 500,0 Millionen zu 2,5 Prozent (fällig 2031, Rückgabetermin 10. September 2029) und 750,0 Millionen zu 2,0 Prozent (fällig 2032, Rückgabetermin 4. September 2030) sowie zwei deutsche Schuldscheindarlehen.

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