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Nordic American Tankers: 115 Quartalsdividenden in Folge — bezahlt aus dem Topf, in den die Aktionäre einzahlten

Nordic American Tankers: 115 Quartalsdividenden in Folge — bezahlt aus dem Topf, in den die Aktionäre einzahlten

Nordic American Tankers (NYSE: NAT) fährt Suezmax-Tanker mit je einer Million Barrel Rohöl an Bord, und der Markt läuft so gut wie seit Jahrzehnten nicht: Im ersten Quartal 2026 verdiente die Reederei 46,3 Millionen US-Dollar — mehr als im gesamten Jahr 2025 mit 12,3 Millionen. Die Dividende läuft seit 115 Quartalen ohne Unterbrechung. Nur stammt sie laut Jahresbericht nicht aus dem Gewinn, sondern aus dem Contributed-Surplus-Konto, dem Einzahlungstopf der Aktionäre: 404,8 Millionen Dollar Ende 2023, 245,0 Millionen Ende 2025. Und je Schiffstag verdiente NAT 2025 mit 27.681 Dollar nur gut die Hälfte dessen, was die Marktindikation mit 54.709 Dollar auswies. Keine Anlageberatung — sondern die Frage, aus welchem Topf die 115. Dividende in Folge eigentlich kam.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 20 Min. Lesezeit

Stand heute

Stand: 21. August 2026

Schlusskurs
6,97 $ -0,29 %
Marktkapitalisierung
1,5 Mrd. $
KGV
26,8
Wachstums-Score
3/10
AAQS
2/10

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

Nordic American Tankers: 115 Quartalsdividenden in Folge — bezahlt aus dem Topf, in den die Aktionäre einzahlten
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahres- und Zwischenberichte, 20-F/6-K)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 3,00 $ bis 7,00 $ · Letzter Kurs: 6,97 $ (Stand: 21. August 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Schwäche, die so alt ist wie die Aktie selbst und trotzdem jedes Jahr neue Opfer findet: der Zins-Trugschluss. Er funktioniert so — du liest „12,6 Prozent Dividendenrendite“, und dein Kopf übersetzt das lautlos in „12,6 Prozent Zinsen“. Zinsen aber schuldet dir jemand. Eine Dividende schuldet dir niemand: Sie ist eine Entscheidung, kein Anspruch, und sie kann aus dem Gewinn kommen — oder aus einem Topf, in den du selbst einmal eingezahlt hast. Nordic American Tankers Limited (NYSE: NAT) ist der Lehrfall dafür. Die Reederei aus Hamilton auf den Bermudas hat seit ihrer Börsennotierung am 15. September 1996 115 Quartalsdividenden in Folge gezahlt, ohne eine einzige auszulassen. Und der Markt läuft gerade so gut wie seit Jahrzehnten nicht: Im ersten Quartal 2026 verdiente die Gesellschaft 46,3 Millionen US-Dollar — mehr als im gesamten Jahr 2025 mit 12,3 Millionen. Machen wir also einen Deal: Wir lesen gemeinsam, was Nordic American Tankers der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Jahresbericht auf Formular 20-F für 2025 vom 29. April 2026 und den Zwischenbericht auf Formular 6-K vom 1. Juni 2026 mit den Zahlen zum 31. März 2026 — und schauen nach, woher das Geld für diese Serie tatsächlich kam. Am Ende entscheidest du selbst.

Was Nordic American Tankers eigentlich macht — 18 Angestellte, ein Schiffstyp, ein Spotmarkt

NAT ist eine Rohöltanker-Reederei mit einer bewusst simplen Bauart. Sie besitzt genau eine Schiffsklasse: den Suezmax. Der Name sagt nur, wie groß das Schiff sein darf, um noch durch den Sueskanal zu passen — rund 157.000 bis 164.000 Tonnen Tragfähigkeit, in der Praxis etwa eine Million Barrel Rohöl je Ladung. Weil alle Schiffe fast baugleich sind, kann die Reederei sie gegeneinander austauschen; für einen Ölkonzern, der kurzfristig eine Ladung von A nach B braucht, ist das ein echter Vorteil.

Das Geschäftsmodell ist ein Vermietgeschäft auf Zeit. Die meisten Schiffe fahren im Spotmarkt, also von Einzelreise zu Einzelreise, zum jeweiligen Tagespreis. Übersetzt in ein Alltagsbild: NAT ist kein Vermieter mit Zehnjahresvertrag, sondern ein Taxifahrer. Wenn viele Fahrgäste warten, steigt der Fahrpreis stündlich; wenn keiner am Straßenrand steht, steht auch das Taxi. Die Kennzahl, an der in dieser Branche alles hängt, heißt TCE-Rate („Time Charter Equivalent“) — das ist schlicht der Nettoerlös, der nach Abzug von Treibstoff, Hafen- und Kanalgebühren je Schiff und Tag übrig bleibt.

Die Flotte schrumpfte und verjüngte sich zuletzt in schneller Folge: 20 Suezmaxe zum 31. Dezember 2025 (Baujahre 2003 bis 2022), 18 zum 31. März 2026 und 17 zum Datum des Jahresberichts Ende April 2026, weil die ältesten Einheiten — die 2003 gebaute Nordic Pollux und die 2005 gebaute Nordic Skier unter anderem — verkauft wurden. Im Januar 2026 unterschrieb die Gesellschaft dafür den Bau zweier neuer Suezmaxe auf einer südkoreanischen Werft, Ablieferung 2028.

Und jetzt die Zahl, die man bei einer Firma mit rund 900 Millionen Dollar Bilanzsumme zweimal lesen muss: Zum 31. Dezember 2025 hatte Nordic American Tankers rund 18 Landbeschäftigte. Die Besatzungen kommen über drei technische Manager, die die Schiffe im Auftrag der Reederei fahren. Geführt wird das Ganze seit der Gründung 1995 von einem Mann: Herbjørn Hansson, Gründer, Verwaltungsratsvorsitzender, Präsident und Vorstandschef in einer Person; sein Sohn Alexander Hansson ist seit Februar 2024 stellvertretender Vorsitzender. Damit ist auch das Spannungsfeld dieser Analyse gesetzt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Der Tankermarkt liefert gerade das beste Umfeld seit Jahrzehnten — und trotzdem kam die berühmte Dividendenserie in den vergangenen Jahren nicht aus dem Betrieb, sondern aus einem Konto, das die Aktionäre selbst gefüllt haben.

Ein Hinweis zur Fundstellensuche, der bei dieser Firma Zeit spart: Nordic American Tankers ist auf den Bermudas errichtet und gilt der SEC deshalb als ausländischer Emittent (Foreign Private Issuer). Es gibt hier keinen Geschäftsbericht 10-K und keine Quartalsberichte 10-Q. Der Jahresbericht heißt 20-F, die Zwischenberichte heißen 6-K. Bilanziert wird trotzdem nach US-Rechnungslegung (US-GAAP) in US-Dollar, das Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr. Wer nach einem 10-Q sucht, sucht vergeblich — und übersieht dabei die eigentlichen Zahlen.

Die Firmengeschichte für Anleger

  1. 1996

    Börsennotierung und erste Quartalsdividende

    Am 15. September 1996 wurde die Gesellschaft börsennotiert. Seither folgte Quartal für Quartal eine Bardividende — bis zum ersten Quartal 2026 die 115. in ununterbrochener Folge.

  2. 2011

    Umfirmierung zu Nordic American Tankers Limited

    Bis zum 29. Juni 2011 hieß die Gesellschaft „Nordic American Tanker Shipping Ltd“. Für Aktionäre änderte sich nichts, für die Suche in älteren SEC-Dokumenten sehr wohl.

  3. 2021

    Das Verlustjahr — und trotzdem Dividende

    Bei 195,8 Millionen US-Dollar Erlösen stand ein Verlust von 171,3 Millionen und ein operativer Mittelabfluss von 44,5 Millionen. Ausgeschüttet wurden trotzdem 9,7 Millionen US-Dollar.

  4. 2025

    Neue Bankfinanzierung und ein ruhendes Aktienprogramm

    Im Februar 2025 kam der fünfjährige Beal-Bank-Kredit über 150 Millionen US-Dollar, im März ein Aktienausgabeprogramm über 60 Millionen — das bis Ende April 2026 ungenutzt blieb.

  5. 2026

    Ratensprung nach der Schließung der Straße von Hormus

    Das erste Quartal 2026 brachte 46,3 Millionen US-Dollar Gewinn, mehr als das ganze Jahr 2025. Die Quartalsdividende stieg auf 22 US-Cent, zwei Neubauten für 2028 wurden bestellt.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Auf unsere Rechercheliste kam NAT nicht über ein Kennzahlensignal, sondern über einen Widerspruch. Rechnet man die zuletzt erklärte Quartalsdividende von 22 US-Cent (erklärt am 28. Mai 2026, zahlbar am 24. Juni 2026) auf ein Jahr hoch, ergeben sich beim Schlusskurs von 6,97 US-Dollar am 21. August 2026 rund 12,6 Prozent Dividendenrendite. Nimmt man stattdessen die vier tatsächlich zuletzt erklärten Dividenden zusammen — 10, 13, 17 und 22 Cent, also 62 Cent —, sind es 8,9 Prozent. Beides sind Rechnungen, keine Zusagen. Und beide stehen neben einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 27 auf die letzten zwölf berichteten Monate (Datenstand 22. August 2026). Eine zweistellige Ausschüttungsrendite und ein KGV von 27 gehören eigentlich nicht in dieselbe Zeile — genau deshalb haben wir hingesehen.

Der Kurs selbst hat die Bewegung schon vorweggenommen: Die 52-Wochen-Spanne reichte zum Datenstand 22. August 2026 von 2,575 bis 7,20 US-Dollar. Wer den Tiefpunkt erwischt hat, sitzt auf einer Verdreifachung; wer im Sommer 2026 einsteigt, kauft ein Unternehmen, dessen Geschäft von einem geopolitischen Ereignis lebt, das im eigenen Jahresbericht steht — der zeitweiligen Schließung der Straße von Hormus. Merke dir den Befund gleich zu Beginn: Bei einer Spot-Reederei misst du nicht das Unternehmen, sondern den Preis, den gerade jemand für einen Schiffstag zahlt. Wie schnell dieser Preis dreht, zeigt das nächste Kapitel. Wer sehen will, wie derselbe Mechanismus bei einer Massengut-Reederei aussieht, findet ihn in unserer Analyse zu Safe Bulkers, wo das Quartalsergebnis binnen eines Jahres von 1,7 auf 35,2 Millionen US-Dollar sprang — bei praktisch unveränderter Flotte.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt. Das erste Quartal 2026 war für Nordic American Tankers ein Ausnahmequartal: 106,5 Millionen US-Dollar Reiseerlöse, davon 77,5 Millionen netto nach Treibstoff, Hafen- und Kanalkosten, ein bereinigtes EBITDA von 54,0 Millionen und ein Nettogewinn von 46,3 Millionen US-Dollar oder 22 Cent je Aktie. Im Vorjahresquartal waren es 4,2 Millionen, im vierten Quartal 2025 11,7 Millionen. Die Gesellschaft schreibt dazu selbst, das Ergebnis des ersten Quartals 2026 habe das gesamte Jahresergebnis 2025 übertroffen — und das stimmt: 2025 blieben unterm Strich 12,3 Millionen US-Dollar.

Getrieben hat das ausschließlich der Preis. Die Tagesrate stieg von 27.490 US-Dollar je Schiff im dritten und 35.000 US-Dollar im vierten Quartal 2025 auf 47.600 US-Dollar im ersten Quartal 2026. Für das zweite Quartal 2026 meldete die Reederei, rund 90 Prozent der Flotte zu etwa 68.000 US-Dollar je Tag gebucht zu haben — bei Betriebskosten von unter 10.000 US-Dollar je Schiff und Tag. Wer den Hebel verstehen will: Jeder zusätzliche Dollar Tagesrate landet fast vollständig im Ergebnis, weil die Kosten eines Schiffstags kaum mitwandern. Bei 17 Schiffen und 90 Tagen im Quartal bewegen 10.000 Dollar Ratenunterschied grob 15 Millionen Dollar Quartalsergebnis.

Auch die Bilanz hat sich in diesem einen Quartal sichtbar gebessert. Zum 31. März 2026 standen 901,3 Millionen US-Dollar Bilanzsumme, 455,9 Millionen Eigenkapital (nach 445,5 Millionen zum Jahresende 2025) und 81,1 Millionen US-Dollar Kasse in den Büchern — fast eine Verdopplung gegenüber den 45,9 Millionen zum 31. Dezember 2025. Die Gesellschaft beziffert ihre Nettoverschuldung auf 250,4 Millionen US-Dollar, umgerechnet 13,9 Millionen je Schiff. Bei den Zweitmarktpreisen, die moderne Suezmaxe derzeit erzielen, ist das eine komfortable Zahl.

Und jetzt die Kurve, um die es in dieser Analyse eigentlich geht. Sie stellt zwei Dinge nebeneinander, die man selten nebeneinander sieht: was in fünf Jahren tatsächlich aus dem Betrieb an Geld hereinkam — und was in denselben Jahren an die Aktionäre hinausging.

Gruppiertes Balkendiagramm 2021 bis 2025 in Millionen US-Dollar: operativer Mittelzufluss −44,5 / +24,1 / +139,4 / +128,2 / +19,8 in Blau, ausgezahlte Dividende 9,7 / 22,7 / 89,8 / 87,7 / 84,7 in Rot. In drei von fünf Jahren liegt der rote Balken über dem blauen.
Fünf Jahre nebeneinander: Der operative Mittelzufluss (blau) schwankt von −44,5 Millionen US-Dollar im Jahr 2021 bis +139,4 Millionen 2023, die ausgezahlte Dividende (rot) bleibt seit 2023 bei rund 85 bis 90 Millionen. In den Jahren 2021, 2022 und 2025 lag die Ausschüttung über dem, was der Betrieb hergab — 2025 mit 84,7 gegen 19,8 Millionen um mehr als das Vierfache. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahres- und Zwischenberichte, 20-F/6-K). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Auch das erste Quartal 2026 hat daran nichts geändert: Dem operativen Mittelzufluss von 29,7 Millionen US-Dollar standen 36,0 Millionen ausgezahlte Dividende gegenüber. Dass die Kasse trotzdem wuchs, lag an den 50,4 Millionen US-Dollar Verkaufserlösen aus abgegebenen Schiffen. Womit wir bei den unbequemen Wahrheiten wären.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die Dividende kommt aus dem Einzahlungstopf, nicht aus dem Gewinn

Die meisten Unternehmen zahlen ihre Dividende aus den Gewinnrücklagen — dem, was über die Jahre verdient und nicht ausgeschüttet wurde. Nordic American Tankers tut etwas anderes, und der Jahresbericht sagt es ohne Umschweife: Die Dividende wird dem Contributed-Surplus-Konto belastet. Das ist, im Alltagsbild, kein Sparbuch aus verdientem Geld, sondern die Vereinskasse aus früheren Einzahlungen der Mitglieder: Kapital, das Aktionäre bei Aktienausgaben einbezahlt haben und das nach dem Recht der Bermudas ausgeschüttet werden darf, ganz gleich, ob die Firma Gewinn macht.

„As indicated by the laws governing the Company, the Contributed Surplus Account can be used for dividend distribution and to cover accumulated losses from its operations. There are no legal or regulatory restrictions, other than approval by the Board of Directors, that limit the Company’s ability to authorize dividend distributions from contributed surplus.“

Übersetzung: „Nach dem für die Gesellschaft geltenden Recht kann das Contributed-Surplus-Konto für Dividendenausschüttungen und zur Deckung aufgelaufener Verluste aus dem Geschäftsbetrieb verwendet werden. Außer der Zustimmung des Verwaltungsrats gibt es keine gesetzlichen oder aufsichtsrechtlichen Beschränkungen, die die Möglichkeit der Gesellschaft begrenzen, Dividendenausschüttungen aus dem Contributed Surplus zu beschließen.“

— Nordic American Tankers Limited, SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Note 12 „Shareholders’ Equity“

Gelb markierte Textstelle aus dem Jahresbericht 20-F für 2025: Für das Geschäftsjahr 2025 erklärte die Gesellschaft Dividenden von 76,2 Millionen US-Dollar oder 0,36 je Aktie, die dem Contributed-Surplus-Konto belastet wurden; darunter die entsprechenden Angaben für 2024 mit 83,6 Millionen und für 2023 mit 102,3 Millionen.
Die markierte Stelle im Original: 76,2 Millionen US-Dollar für 2025, dem Einzahlungstopf belastet — darunter dieselbe Formulierung für 2024 (83,6 Millionen) und 2023 (102,3 Millionen). Quelle: SEC-Jahresbericht 20-F für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Was das über die Jahre anrichtet, sieht man am Kontostand. Er schrumpft Jahr für Jahr fast exakt um die Dividende:

Gruppiertes Balkendiagramm für 2023, 2024 und 2025 in Millionen US-Dollar: Contributed-Surplus-Konto zum Jahresende 404,8 / 321,2 / 245,0 in Blau, daraus belastete Dividende 102,3 / 83,6 / 76,2 in Rot. Der blaue Balken fällt in zwei Jahren um rund 40 Prozent.
Der Einzahlungstopf sinkt von 404,8 Millionen US-Dollar zum 31. Dezember 2023 über 321,2 Millionen (2024) auf 245,0 Millionen (2025) — in zwei Jahren um rund 40 Prozent, und zwar jeweils fast genau um die daraus belastete Jahresdividende von 102,3, 83,6 und 76,2 Millionen. Quelle: SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Note 12. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Bei der zuletzt belasteten Jahresdividende von 76,2 Millionen US-Dollar reicht der Rest von 245,0 Millionen rechnerisch für etwa drei weitere Jahre. Das ist keine Prognose — steigt der Gewinn wie im ersten Quartal 2026, füllt sich die Kasse aus dem Betrieb, und die Frage entschärft sich. Aber es erklärt, warum diese Dividende kein Zins ist. Die Gesellschaft selbst sagt es in ihrer Dividendenpolitik übrigens ganz offen:

„The dividend to shareholders could be higher than the operating cash flow or the dividend to shareholders could be lower than the operating cash flow after reserves as the Board of Directors may from time to time determine are required.“

Übersetzung: „Die Dividende an die Aktionäre kann höher ausfallen als der operative Cashflow, oder sie kann niedriger ausfallen als der operative Cashflow nach den Rücklagen, die der Verwaltungsrat von Zeit zu Zeit für erforderlich hält.“

— Nordic American Tankers Limited, SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 8.A „Dividend Policy“

Gelb markierter Abschnitt „Dividend Policy“ aus dem Jahresbericht 20-F für 2025: Die Dividende wird vom Verwaltungsrat beschlossen und kann höher oder niedriger ausfallen als der operative Cashflow.
Die Dividendenpolitik im Original: Der Verwaltungsrat entscheidet, und die Ausschüttung darf ausdrücklich über dem operativen Cashflow liegen. Quelle: SEC-Jahresbericht 20-F für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Je Schiffstag verdient NAT weniger, als der Markt hergibt

Wenn eine Reederei nur einen Schiffstyp fährt und den fast ausschließlich im Spotmarkt einsetzt, sollte ihre Tagesrate ungefähr das machen, was der Markt macht. Bei Nordic American Tankers lief es 2025 gegenläufig — und der Jahresbericht rechnet es selbst vor: Die eigene Tagesrate fiel um 12,4 Prozent auf 27.681 US-Dollar, während die Marktindikation von Clarkson Research um 15,2 Prozent auf 54.709 US-Dollar stieg. Das ist nicht ein bisschen Abstand, das ist ungefähr die Hälfte.

„With regards to ii), the TCE rate per day decreased by $3,922 or 12.4%, from $31,603 in 2024 to $27,681 in 2025. The indicative rates presented by Clarkson Research increased by 15.2% for the twelve months of 2025 compared to the same twelve months in 2024 to $54,709 from $47,473, respectively.“

Übersetzung: „Zu ii): Die TCE-Rate je Tag sank um 3.922 US-Dollar oder 12,4 Prozent, von 31.603 US-Dollar im Jahr 2024 auf 27.681 US-Dollar im Jahr 2025. Die von Clarkson Research ausgewiesenen indikativen Raten stiegen für die zwölf Monate des Jahres 2025 gegenüber denselben zwölf Monaten 2024 um 15,2 Prozent, von 47.473 auf 54.709 US-Dollar.“

— Nordic American Tankers Limited, SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 5.A „Operating Results“

Gelb markierter Absatz aus dem Jahresbericht 20-F für 2025: Die eigene TCE-Rate je Tag sank von 31.603 auf 27.681 US-Dollar, während die indikativen Raten von Clarkson Research von 47.473 auf 54.709 US-Dollar stiegen; darüber der Hinweis auf 565 zusätzliche Off-Hire-Tage durch Werftaufenthalte von sechs Schiffen.
Die markierte Stelle im Original: eigene Tagesrate 27.681 US-Dollar, Marktindikation 54.709 US-Dollar — und direkt darüber die Erklärung der Gesellschaft für 565 zusätzliche Off-Hire-Tage. Quelle: SEC-Jahresbericht 20-F für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zur Fairness gehören die Gründe, und NAT nennt sie: Erstens ein Zeitversatz — Reisen werden Wochen im Voraus fixiert, gute Raten aus dem vierten Quartal 2025 landeten deshalb erst 2026 in der Gewinn- und Verlustrechnung. Zweitens ein Vergleichsproblem: In die Clarkson-Durchschnitte gehen laut Gesellschaft auch Routen mit russischem Öl ein, die NAT nicht fährt. Drittens die Werft: Die Off-Hire-Tage stiegen von 197 (2024) auf 744 (2025), weil sechs statt drei Schiffe in die planmäßige Instandhaltung mussten. Ein Schiff in der Werft verdient nichts — 744 Tage sind bei 7.312 Kalendertagen der Flotte rund jeder zehnte Schiffstag.

Alle drei Erklärungen sind plausibel. Sie ändern nur nichts an dem, was für dich als Aktionär zählt: Über drei Jahre lag die eigene Tagesrate bei 40.522 (2023), 31.603 (2024) und 27.681 US-Dollar (2025) — ein durchgehender Rückgang in einem Markt, der 2025 wieder anzog. Merke dir das Bild: Der Markttarif ist die Obergrenze, nicht die Einnahme.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ein Teil des Gewinns stammt aus dem Verkauf der eigenen Schiffe

Der ausgewiesene Jahresgewinn 2025 von 12,3 Millionen US-Dollar sieht schmal, aber positiv aus. Er enthält allerdings 16,6 Millionen US-Dollar Buchgewinn aus dem Verkauf zweier Schiffe — der 2003 gebauten Nordic Apollo und der 2004 gebauten Nordic Castor. Rechnet man ihn heraus, bleibt für das Jahr 2025 ein Verlust von rund 4,4 Millionen US-Dollar. Dasselbe Muster im ersten Quartal 2025: 4,2 Millionen ausgewiesener Gewinn, darin 9,5 Millionen Verkaufsgewinn — ohne ihn ein Minus von 5,3 Millionen. Und selbst im starken ersten Quartal 2026 sind von den 46,3 Millionen Gewinn 14,4 Millionen ein Buchgewinn aus Schiffsverkäufen; operativ bleiben rund 31,9 Millionen.

Das ist kein Vorwurf: Alte Schiffe zu verkaufen, wenn die Zweitmarktpreise gut sind, ist genau das, was eine Reederei tun soll — die verkauften Einheiten waren zwischen 2003 und 2005 gebaut, die Flotte ist danach jünger. Aber ein Gewinn aus dem Verkauf von Substanz ist Ernte, nicht Ertrag: Er lässt sich nicht wiederholen, weil jedes verkaufte Schiff auch ein Schiff weniger ist, das Fracht fährt. Wer die Ertragskraft dieser Firma einschätzen will, muss die Verkaufsgewinne herausrechnen — die Gesellschaft macht es beim bereinigten EBITDA selbst so (54,0 Millionen im ersten Quartal 2026 nach Abzug der 14,4 Millionen).

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die halbe Flotte hängt an teuren Sale-and-Leaseback-Verträgen

Nordic American Tankers hat genau zwei Geldgeber. Der eine ist die Beal Bank mit einem am 6. Februar 2025 abgeschlossenen, fünfjährigen besicherten Kredit über 150 Millionen US-Dollar mit Fälligkeit im Februar 2029, besichert durch sieben Schiffe; ausstehend waren daraus zum 31. März 2026 140,9 Millionen. Der Vertrag verlangt mindestens 20 Millionen US-Dollar Liquidität, höchstens 70 Prozent Beleihungsquote auf die Schiffswerte und schöpft überschüssige Barmittel halbjährlich anteilig zur Tilgung ab.

Der andere Geldgeber ist Ocean Yield, und dort steht keine klassische Hypothek, sondern ein Sale-and-Leaseback: NAT verkauft das Schiff und chartert es für acht oder zehn Jahre zurück, mit der Verpflichtung, es am Ende zu einem festen Preis wieder zu erwerben. Im Alltagsbild ist das ein Leasing mit Restkaufpflicht — man fährt das Auto, aber es gehört einem erst wieder nach der letzten Rate. Acht der Schiffe hängen daran, mit einem ausstehenden Betrag von 277,9 Millionen US-Dollar zum 31. März 2026. Der Preis dafür steht im Jahresbericht: SOFR plus eine Marge von 4,50 bis 4,76 Prozent, dazu ein Kreditaufschlag von 0,26 Prozent — bei den 2025 abgelieferten Schiffen Nordic Galaxy und Nordic Moon immerhin nur 3,70 Prozent Marge.

Was das kostet, zeigt eine einzige Zeile der Gewinn- und Verlustrechnung: Der Zinsaufwand betrug 2025 35,8 Millionen US-Dollar — fast das Dreifache des Jahresgewinns von 12,3 Millionen. Anders gerechnet: Das Betriebsergebnis von 46,3 Millionen deckte den Zinsaufwand 2025 nur 1,3-fach. Im ersten Quartal 2026 sah es mit 54,6 Millionen Betriebsergebnis gegen 8,6 Millionen Zinsen sehr viel besser aus, nämlich rund 6,3-fach. Genau darin liegt die Spannung: Diese Finanzierung ist in einem starken Markt bequem und in einem schwachen Markt eng.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Fünf Personen kosteten 2025 mehr als die Hälfte des Gewinns

Zum Schluss ein Satz aus dem Jahresbericht, der eine Größenordnung öffnet. Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte die Gesellschaft 7,8 Millionen US-Dollar Barvergütung an fünf Personen — Verwaltungsrat und Vorstand zusammen. Der Konzern verdiente im selben Jahr 12,3 Millionen. Das sind rund 64 Prozent des Jahresergebnisses für fünf Menschen, in einem Unternehmen mit rund 18 Landbeschäftigten und einer Verwaltungskostenzeile von 28,1 Millionen US-Dollar.

„During the year ended December 31, 2025, we have paid aggregate cash compensation of $7.8 million to our directors and executive officers (five persons). The amount includes the cash compensation paid for managing our operations in Monaco.“

Übersetzung: „Im Geschäftsjahr zum 31. Dezember 2025 haben wir eine Barvergütung von insgesamt 7,8 Millionen US-Dollar an unsere Verwaltungsratsmitglieder und leitenden Organe (fünf Personen) gezahlt. Der Betrag enthält die Barvergütung für die Führung unserer Geschäftstätigkeit in Monaco.“

— Nordic American Tankers Limited, SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 6.B „Compensation“

Gelb markierter Abschnitt „Compensation“ aus dem Jahresbericht 20-F für 2025: 7,8 Millionen US-Dollar Barvergütung an fünf Personen; direkt darunter der Absatz über die Vereinbarung von 2020, nach der der Vorstandschef sein Amt bis 2027 hält und danach lebenslang Verwaltungsratsvorsitzender ohne operative Rolle werden kann.
Die markierte Stelle im Original: 7,8 Millionen US-Dollar Barvergütung an fünf Personen im Jahr 2025 — direkt darunter steht die Vereinbarung von 2020, nach der Herbjørn Hansson sein Amt bis 2027 innehat und danach „non-executive Chairman as long as he lives“ werden kann. Quelle: SEC-Jahresbericht 20-F für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Dazu passt der zweite Teil des Befunds: Der Prüfungsausschuss besteht laut demselben Bericht aus einer einzigen unabhängigen Direktorin, und als ausländischer Emittent darf die Gesellschaft ausdrücklich auf zahlreiche Governance-Anforderungen der NYSE verzichten, die für US-Emittenten gelten. Das ist alles offengelegt und nicht zu beanstanden. Für dich als Minderheitsaktionär bleibt trotzdem die Frage, wer die Zahlen im Zweifel hinterfragt.

Bewertung: das Dreifache des Buchwerts für eine Flotte gebrauchter Tanker

Beim Schlusskurs von 6,97 US-Dollar vom 21. August 2026 und 211.750.663 ausstehenden Aktien liegt der Börsenwert bei rund 1,48 Milliarden US-Dollar. Zur Gegenprobe: Der Jahresbericht nennt für den 17. April 2026 einen Kurs von 6,03 US-Dollar, was 1,28 Milliarden ergäbe — beide Größen liegen 15,6 Prozent auseinander und passen zueinander.

Dem Börsenwert steht ein Eigenkapital von 455,9 Millionen US-Dollar (31. März 2026) gegenüber, also 2,15 US-Dollar je Aktie. Der Markt zahlt damit rund das 3,2-Fache des Buchwerts. Bei einem Industrieunternehmen wäre das unauffällig; bei einer Reederei ist es eine Ansage. Denn der Buchwert einer Reederei ist im Wesentlichen ihre Flotte — 703,4 Millionen US-Dollar Schiffe netto plus 30,6 Millionen zum Verkauf stehende Einheiten. Wer heute 3,2-fachen Buchwert bezahlt, kauft also nicht die Schiffe, sondern die Erwartung, dass die aktuellen Tagesraten anhalten.

Die übrigen Kennzahlen zum Datenstand 22. August 2026 zeichnen dasselbe Bild: ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 27 auf die letzten zwölf berichteten Monate — die aber die beiden Verlustquartale des Jahres 2025 enthalten — und ein erwartetes KGV von rund 8 auf die Analystenschätzung von 0,835 US-Dollar Gewinn je Aktie für 2026. Für 2027 erwarten dieselben Schätzungen nur noch 0,375 US-Dollar, also gut die Hälfte. Der Blick der Profis ist entsprechend verhalten: Drei Analysten decken den Wert ab (ein „Strong Buy“, zwei „Hold“), das durchschnittliche Kursziel liegt bei 6,00 US-Dollarunter dem Ankerkurs. Auffällig auch: 7,84 Prozent des Streubesitzes waren leerverkauft, es gibt also eine sichtbare Gegenwette.

Für die Einordnung hilft der Blick auf einen Nachbarn im selben Gewerbe: Wie eine breiter aufgestellte Tankergruppe mit demselben Zyklus umgeht, haben wir in der Analyse zu Teekay aufgeschrieben.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Nordic American Tankers spricht:

  • Ein Markt wie lange nicht. Rund 90 Prozent der Flotte waren für das zweite Quartal 2026 zu etwa 68.000 US-Dollar je Tag gebucht, bei Betriebskosten unter 10.000 US-Dollar je Schiff und Tag. Der Hebel nach oben ist gewaltig, weil die Kosten kaum mitwandern.
  • Der Beweis liegt schon vor. 46,3 Millionen US-Dollar Nettogewinn im ersten Quartal 2026 — mehr als im gesamten Jahr 2025. Die Kasse stieg im selben Quartal von 45,9 auf 81,1 Millionen.
  • Übersichtliche Schulden. Nettoverschuldung nach eigener Angabe 250,4 Millionen US-Dollar oder 13,9 Millionen je Schiff zum 31. März 2026, bei 455,9 Millionen Eigenkapital.
  • Verjüngte, einheitliche Flotte. Die 2003 bis 2005 gebauten Schiffe sind verkauft oder verkauft gemeldet, zwei südkoreanische Neubauten kommen 2028. Die Baugleichheit ist für Ölkonzerne ein echtes Argument — rund die Hälfte der Schiffe wird laut Gesellschaft von großen Ölkonzernen gechartert.
  • Die Familie kauft zu. Herbjørn Hansson meldete am 4. Juni 2026 den Zuerwerb von 100.000 Aktien zu 5,26 US-Dollar, Alexander Hansson am 29. Mai 2026 300.000 Stück zu 5,16 und am 25. Juni 2026 weitere 145.000 zu 6,44 US-Dollar (Insider-Meldungen Form 4). Zusammen halten beide danach 11,6 Millionen Aktien.
  • Das Aktienausgabeprogramm liegt still. Das im März 2025 aufgelegte Programm über 60 Millionen US-Dollar war bis zum Jahresbericht Ende April 2026 nicht genutzt; die Aktienzahl steht seit dem 31. Dezember 2024 unverändert bei 211.750.663.

Was dagegen spricht:

  • Die Dividende ist keine Rendite auf Ertrag. 76,2 Millionen US-Dollar wurden 2025 dem Einzahlungstopf belastet, der dadurch von 321,2 auf 245,0 Millionen sank. Bei diesem Tempo reicht der Rest rechnerisch rund drei Jahre.
  • Zwei Verlustquartale im Jahr 2025. Im zweiten Quartal 2025 standen 0,9 Millionen US-Dollar Verlust, im dritten 2,8 Millionen — mit derselben Flotte, die ein halbes Jahr später 46,3 Millionen verdiente.
  • Die eigene Tagesrate blieb hinter der Marktindikation zurück, 2025 mit 27.681 gegen 54.709 US-Dollar. Selbst mit allen Erklärungen der Gesellschaft bleibt ein struktureller Abstand sichtbar.
  • Werftzeiten fressen Tage. 744 Off-Hire-Tage im Jahr 2025 nach 197 im Vorjahr — jeder zehnte Schiffstag ohne Erlös.
  • Teure Finanzierung mit Restkaufpflicht. Acht Schiffe im Sale-and-Leaseback zu SOFR plus 4,50 bis 4,76 Prozent Marge, 277,9 Millionen US-Dollar ausstehend, dazu feste Rückkaufverpflichtungen am Ende der Charterlaufzeiten. Zinsaufwand 2025: 35,8 Millionen.
  • Governance im Familienformat. 7,8 Millionen US-Dollar Barvergütung an fünf Personen im Jahr 2025, ein Prüfungsausschuss mit einer einzigen unabhängigen Direktorin und die Ausnahme von zahlreichen NYSE-Governance-Regeln, die ausländischen Emittenten offensteht.
  • Das Auftragsbuch der Branche wächst. Zur Wochenmitte des Mai 2026 zählte die Weltflotte laut Gesellschaft 622 konventionelle Suezmaxe bei einem Orderbuch von 178 Schiffen — 28 Prozent des Bestands. Neue Schiffe drücken irgendwann auf die Raten.
  • Die Rate hängt an der Geopolitik. Der Ratensprung des ersten Quartals 2026 geht laut Unternehmensbericht auf die Schließung der Straße von Hormus zurück. Was ein Ereignis gebracht hat, kann ein Ereignis wieder nehmen.

Ein menschliches Fazit

Zurück zum Anfang, zum Zins-Trugschluss. Die 115 Quartalsdividenden in Folge sind eine echte Leistung — kaum eine börsennotierte Reederei der Welt kann das vorweisen, und niemand hält eine solche Serie durch, ohne sie ernst zu nehmen. Nur ist sie eben kein Zins. Sie ist eine Entscheidung des Verwaltungsrats, gedeckt in guten Jahren durch den Betrieb und in schwachen Jahren durch einen Topf, in den Aktionäre bei früheren Aktienausgaben eingezahlt haben. Der Jahresbericht schreibt das nicht im Kleingedruckten, sondern in der Dividendenpolitik: Die Ausschüttung darf höher sein als der operative Cashflow.

Was du heute kaufst, ist also zweierlei zugleich: eine ordentlich gewartete, junge und einheitliche Flotte von Suezmax-Tankern mit einer überschaubaren Nettoverschuldung — und eine Wette darauf, dass der Preis für einen Schiffstag hoch bleibt. Läuft der Markt weiter wie im ersten Quartal 2026, füllt der Betrieb den Topf von selbst wieder auf, und aus der Ausschüttung wird eine echte Gewinnbeteiligung. Kippt er zurück auf das Niveau von 2025, zahlt die Firma weiter — nur eben aus der Substanz, und die 3,2-fache Bewertung des Buchwerts hätte dann wenig Boden unter sich.

Beides ist möglich, beides ist belegt, und keine der beiden Möglichkeiten ist von der Firma steuerbar. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien von Nordic American Tankers.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2021 2022 2023 2024 2025
Umsatz 195,8 339,3 391,7 349,7 292,4
Betriebsergebnis (EBIT) -84,2 36,2 127,9 77,3 29,0
Nettogewinn -119,4 15,1 98,7 46,6 12,3
Nettomarge -61,0 % 4,5 % 25,2 % 13,3 % 4,2 %
Gewinn je Aktie -0,73 $ 0,07 $ 0,47 $ 0,22 $ 0,06 $

Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Unser Fazit auf einen Blick

Marktumfeld & operativer Hebel positiv
Die Tagesrate stieg von 27.490 US-Dollar im dritten und 35.000 im vierten Quartal 2025 auf 47.600 im ersten Quartal 2026; für das zweite Quartal 2026 meldete die Gesellschaft rund 90 Prozent der Flotte zu etwa 68.000 US-Dollar je Tag gebucht, bei Betriebskosten unter 10.000 US-Dollar je Schiff und Tag. Ergebnis: 46,3 Millionen US-Dollar Gewinn im ersten Quartal 2026 nach 12,3 Millionen im gesamten Jahr 2025.
Bilanz & Verschuldung neutral
Zum 31. März 2026 standen 455,9 Millionen US-Dollar Eigenkapital und 81,1 Millionen Kasse gegen 415,4 Millionen Finanzschulden; die Gesellschaft beziffert die Nettoverschuldung auf 250,4 Millionen oder 13,9 Millionen je Schiff. Der Zinsaufwand betrug 2025 aber 35,8 Millionen und wurde vom Betriebsergebnis nur 1,3-fach gedeckt — im ersten Quartal 2026 dagegen 6,3-fach.
Ergebnisqualität negativ
Im Jahresergebnis 2025 von 12,3 Millionen US-Dollar stecken 16,6 Millionen Buchgewinn aus Schiffsverkäufen; ohne sie wäre ein Verlust von 4,4 Millionen geblieben. Zwei der vier Quartale 2025 schlossen negativ (−0,9 und −2,8 Millionen). Die eigene Tagesrate fiel drei Jahre in Folge von 40.522 (2023) auf 27.681 US-Dollar (2025), während die Marktindikation 2025 auf 54.709 US-Dollar stieg.
Dividende & Kapitalrückgabe negativ
Die 115 Quartalsdividenden in Folge seit 1996 sind eine echte Leistung, aber die Deckung fehlt: 2025 wurden 84,7 Millionen US-Dollar ausgezahlt bei 19,8 Millionen operativem Mittelzufluss, und die erklärten 76,2 Millionen wurden dem Contributed-Surplus-Konto belastet, das dadurch von 404,8 (2023) auf 245,0 Millionen (2025) fiel. Auch im ersten Quartal 2026 lagen 36,0 Millionen Ausschüttung über 29,7 Millionen operativem Zufluss.
Eigentümer & Governance negativ
Gründer Herbjørn Hansson ist Verwaltungsratsvorsitzender, Präsident und CEO in einer Person, sein Sohn stellvertretender Vorsitzender. 2025 flossen 7,8 Millionen US-Dollar Barvergütung an fünf Personen bei 12,3 Millionen Konzerngewinn; der Prüfungsausschuss besteht laut Jahresbericht aus einer einzigen unabhängigen Direktorin, und als ausländischer Emittent darf die Gesellschaft auf zahlreiche NYSE-Governance-Regeln verzichten.
Bewertung neutral
Beim Ankerkurs von 6,97 US-Dollar (21. August 2026) liegt der Börsenwert bei rund 1,48 Milliarden US-Dollar und damit beim 3,2-Fachen des Eigenkapitals von 455,9 Millionen — viel für eine Reederei, deren Buchwert im Wesentlichen die Flotte ist. Das KGV beträgt rund 27 auf zwölf berichtete Monate und rund 8 auf die Analystenschätzung für 2026; das durchschnittliche Kursziel von drei Analysten lag bei 6,00 US-Dollar.

Nordic American Tankers fährt Suezmax-Rohöltanker fast ausschließlich im Spotmarkt und profitiert derzeit von einem außergewöhnlich starken Markt: 46,3 Millionen US-Dollar Gewinn im ersten Quartal 2026 nach 12,3 Millionen im gesamten Jahr 2025, rund 90 Prozent der Flotte für das zweite Quartal 2026 zu etwa 68.000 US-Dollar je Tag gebucht. Die berühmte Dividendenserie über 115 Quartale ist dabei nicht aus dem Betrieb gedeckt: 2025 flossen 84,7 Millionen Ausschüttung gegen 19,8 Millionen operativen Mittelzufluss, und die erklärten 76,2 Millionen wurden dem Einzahlungstopf der Aktionäre belastet, der von 404,8 auf 245,0 Millionen fiel. Dazu kommen eine Tagesrate unter der Marktindikation, 16,6 Millionen Verkaufsgewinne im Jahresergebnis 2025 und acht Schiffe im Sale-and-Leaseback zu SOFR plus 4,50 bis 4,76 Prozent Marge. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Gelb — und zwar wegen einer operativen Frage, nicht wegen des Kurses. Für Rot fehlt der Anlass: kein Fortführungshinweis, ein positives und im ersten Quartal 2026 auf 455,9 Millionen US-Dollar gewachsenes Eigenkapital, eine von 45,9 auf 81,1 Millionen gestiegene Kasse, eine von der Gesellschaft mit 250,4 Millionen bezifferte Nettoverschuldung auf einer Flotte von zuletzt 17 Suezmaxen und eine Zinsdeckung, die selbst im schwachen Jahr 2025 mit dem 1,3-Fachen über eins lag. Für Grün fehlt die Verlässlichkeit der Ertragskraft: Im Jahresergebnis 2025 steckten 16,6 Millionen US-Dollar Buchgewinn aus Schiffsverkäufen — ohne sie ein Verlust von 4,4 Millionen —, zwei von vier Quartalen 2025 waren negativ, und die eigene Tagesrate fiel drei Jahre in Folge auf 27.681 US-Dollar, während die Marktindikation auf 54.709 stieg. Dazu tritt ein Ausschüttungsmuster, das nicht aus dem Betrieb gedeckt ist: 84,7 Millionen ausgezahlte Dividende gegen 19,8 Millionen operativen Mittelzufluss im Jahr 2025, belastet auf ein Einzahlungskonto, das binnen zwei Jahren von 404,8 auf 245,0 Millionen schrumpfte. Das ist kein Substanzrisiko, sondern eine offene operative Frage — und zwischen zwei Stufen gilt die vorsichtigere. Ob die Aktie zu diesem Preis teuer oder billig ist, spielt für diese Einstufung bewusst keine Rolle.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Aufhänger war die auffällige Kombination aus einer auf die zuletzt erklärte Quartalsdividende hochgerechneten Rendite von rund 12,6 Prozent und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 27 (Datenstand 22.08.2026) — kein Scanner-Kriterium. Inhaltliche Grundlage der Analyse sind ausschließlich die SEC-Berichte der Gesellschaft und daraus abgeleitete Kennzahlen.
  • Nordic American Tankers ist ein ausländischer Emittent (Foreign Private Issuer) mit Sitz auf den Bermudas und reicht deshalb kein 10-K und kein 10-Q ein. Grundlage sind der Jahresbericht auf Formular 20-F für 2025 (eingereicht 29.04.2026), der Zwischenbericht auf Formular 6-K vom 01.06.2026 mit den Zahlen zum 31.03.2026 sowie die Jahresberichte für 2024 und 2023. Bilanziert wird nach US-GAAP in US-Dollar, das Geschäftsjahr entspricht dem Kalenderjahr.
  • Namenswechsel: Bis zum 29.06.2011 firmierte die Gesellschaft als „Nordic American Tanker Shipping Ltd“. Ältere SEC-Dokumente stehen unter diesem Namen, die SEC-Kennung (CIK 0001000177) ist unverändert. Verwechslungsgefahr besteht zudem mit der früheren Schwestergesellschaft Nordic American Offshore, die nicht Gegenstand dieser Analyse ist.
  • Datenstand und Gegenprobe: Der Kurs-Anker von 6,97 US-Dollar ist der Schlusskurs vom 21.08.2026; multipliziert mit 211.750.663 Aktien ergibt das 1,476 Milliarden US-Dollar und deckt sich mit dem Börsenwert aus den Fundamentaldaten. Der im Jahresbericht für den 17.04.2026 dokumentierte Kurs von 6,03 US-Dollar ergäbe 1,277 Milliarden — 15,6 Prozent Abstand. Die Flottengröße ist ein bewegliches Ziel: 20 Schiffe zum 31.12.2025, 18 zum 31.03.2026, 17 zum Datum des Jahresberichts.
  • Der Bericht für das zweite Quartal 2026 stand zum Redaktionsschluss noch aus; das jüngste Filing mit Zahlen ist der Zwischenbericht 6-K vom 01.06.2026. Nach diesem Datum wurden bis zum 23.08.2026 nur drei Insider-Meldungen auf Formular 4 eingereicht — kein Form 15, kein Form 25 und kein weiterer Periodenbericht.

Aktien-Wächter

Diese Analyse ist Stand 23. August 2026. Was sich seitdem bei NAT geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

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Häufige Fragen

Nordic American Tankers Limited (NYSE: NAT) mit Sitz in Hamilton auf den Bermudas besitzt und betreibt ausschließlich Suezmax-Rohöltanker mit rund einer Million Barrel Ladekapazität je Schiff. Die Flotte umfasste zum 31.12.2025 20 Schiffe der Baujahre 2003 bis 2022, zum 31.03.2026 noch 18 und zum Datum des Jahresberichts Ende April 2026 17. Die meisten Schiffe fahren im Spotmarkt, also von Einzelreise zu Einzelreise.

Sie ist eine Entscheidung des Verwaltungsrats, kein Anspruch. Für 2025 wurden 76,2 Millionen US-Dollar oder 0,36 je Aktie erklärt und laut Jahresbericht 20-F dem Contributed-Surplus-Konto belastet — dem Einzahlungstopf der Aktionäre, nicht den Gewinnrücklagen. Dieses Konto sank von 404,8 Millionen US-Dollar (31.12.2023) auf 245,0 Millionen (31.12.2025). Die Gesellschaft schreibt ausdrücklich, die Dividende könne höher ausfallen als der operative Cashflow.

Das hängt von der Rechnung ab. Die zuletzt erklärte Quartalsdividende betrug 22 US-Cent (erklärt am 28.05.2026, zahlbar am 24.06.2026). Auf ein Jahr hochgerechnet sind das 88 Cent und beim Ankerkurs von 6,97 US-Dollar (21.08.2026) rund 12,6 Prozent. Nimmt man die vier zuletzt erklärten Dividenden zusammen (10, 13, 17 und 22 Cent = 62 Cent), sind es 8,9 Prozent. In den Jahren 2021 und 2022 lagen die Jahresdividenden bei 6 und 11 Cent.

Weil die Gesellschaft auf den Bermudas errichtet ist und der US-Börsenaufsicht SEC deshalb als ausländischer Emittent (Foreign Private Issuer) gilt. Solche Unternehmen reichen statt eines Geschäftsberichts (10-K) ein Formular 20-F ein und statt der Quartalsberichte (10-Q) Zwischenberichte auf Formular 6-K. Bilanziert wird trotzdem nach US-Rechnungslegung (US-GAAP) in US-Dollar, das Geschäftsjahr entspricht dem Kalenderjahr.

Ja. Bis zum 29. Juni 2011 firmierte die Gesellschaft unter dem Namen „Nordic American Tanker Shipping Ltd“, danach unter „Nordic American Tankers Limited“. Die Rechtsperson und die SEC-Kennung (CIK 0001000177) sind dieselben geblieben; wer in älteren Dokumenten sucht, findet sie unter dem alten Namen. Die Aktie notiert seit dem 16. November 2004 an der New York Stock Exchange unter dem Kürzel NAT, börsennotiert ist sie seit dem 15. September 1996.

Weil fast alles am Tagespreis für einen Schiffstag hängt, den das Unternehmen nicht beeinflusst. Die Tagesrate (TCE) lag 2023 bei 40.522, 2024 bei 31.603 und 2025 bei 27.681 US-Dollar, im ersten Quartal 2026 dann bei 47.600. Entsprechend reichte das Nettoergebnis von −171,3 Millionen US-Dollar (2021) über +98,7 Millionen (2023) bis +12,3 Millionen (2025); allein im ersten Quartal 2026 waren es 46,3 Millionen.

Zum 31.03.2026 standen 380,0 Millionen US-Dollar langfristige Finanzschulden und 35,4 Millionen kurzfristiger Anteil in der Bilanz; die Gesellschaft beziffert ihre Nettoverschuldung auf 250,4 Millionen oder 13,9 Millionen je Schiff. 140,9 Millionen entfallen auf den Beal-Bank-Kredit über 150 Millionen (fällig Februar 2029), 277,9 Millionen auf Sale-and-Leaseback-Verträge mit Ocean Yield zu SOFR plus 4,50 bis 4,76 Prozent Marge.

Beim Ankerkurs von 6,97 US-Dollar (21.08.2026) und 211.750.663 Aktien liegt der Börsenwert bei rund 1,48 Milliarden US-Dollar. Das ist das 3,2-Fache des Eigenkapitals von 455,9 Millionen (2,15 US-Dollar je Aktie) — bei einer Reederei, deren Buchwert im Wesentlichen die Flotte ist. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf zwölf Monate beträgt rund 27, auf die Analystenschätzung für 2026 rund 8. Das durchschnittliche Kursziel von drei Analysten lag bei 6,00 US-Dollar, also unter dem Ankerkurs.

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