Safe Bulkers: Aus 1,7 Millionen Quartalsgewinn wurden 35,2 — mit fast derselben Flotte
Safe Bulkers, Inc. (NYSE und seit Juni 2026 auch Euronext Athen: SB) fährt 46 Frachter für Getreide, Kohle und Eisenerz. Im zweiten Quartal 2026 verdiente die Reederei 35,2 Millionen US-Dollar — ein Jahr zuvor waren es im selben Quartal 1,7 Millionen. Verändert hat sich nicht die Flotte, sondern der Preis: 20.642 statt 14.857 US-Dollar je Schiff und Tag. Die Bilanz ist auffallend konservativ (Verschuldung rund 30 Prozent der Schiffs-Marktwerte, Zinsdeckung 7,7-fach im ersten Halbjahr 2026), die Dividende wurde auf 7,5 Cent erhöht. Und trotzdem sind für 2027 erst 10 Prozent der Schiffstage verchartert. Keine Anlageberatung — sondern die schlichte Frage, bis wann der Preis gilt, der diesen Gewinn gemacht hat.
Stand heute
Stand: 21. August 2026
- Schlusskurs
- 8,50 $ +3,00 %
- Marktkapitalisierung
- 0,9 Mrd. $
- Wachstums-Score
- 4/10
- AAQS
- 3/10
Kursentwicklung seit 21. August 2026: -0,4 %
Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
52-Wochen-Spanne: 4,10 $ bis 8,50 $ · Letzter Kurs: 8,50 $ (Stand: 21. August 2026)
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt eine Anleger-Schwäche, die ausgerechnet dann zuschlägt, wenn die Zahlen richtig gut aussehen: der Rückspiegel-Reflex. Er funktioniert so — du liest ein starkes Quartal, dein Kopf legt eine Linie durch die letzten Punkte und verlängert sie nach rechts. Aus „hat 35 Millionen verdient“ wird lautlos „verdient 35 Millionen“. Bei Safe Bulkers, Inc. (NYSE und seit Juni 2026 auch Euronext Athen: SB) lässt sich dieser Reflex besonders sauber beobachten. Die Reederei verdiente im zweiten Quartal 2026 35,2 Millionen US-Dollar. Im selben Quartal des Vorjahres waren es mit praktisch derselben Flotte 1,7 Millionen. An den Schiffen hat sich nichts geändert — nur der Preis, den jemand für einen Schiffstag zahlt: 20.642 statt 14.857 US-Dollar. Machen wir also einen Deal: Wir lesen gemeinsam, was Safe Bulkers der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Jahresbericht (20-F) für 2025 vom 4. März 2026 und den Zwischenbericht (6-K) vom 29. Juli 2026 mit den Zahlen zum 30. Juni 2026 — und schauen, wie lange der Preis gilt, der diesen Gewinn gemacht hat. Am Ende entscheidest du selbst.
Was Safe Bulkers eigentlich macht — 46 Schiffe, kein einziger eigener Angestellter
Safe Bulkers ist eine Trockenschüttgut-Reederei. Ihre Schiffe transportieren alles, was man schütten und nicht in Container packen kann: Getreide, Kohle, Eisenerz. Das Geschäftsmodell ist im Alltagsbild ein Vermietgeschäft. Die Gesellschaft besitzt die Schiffe, stellt die Besatzung, hält sie instand — und vermietet sie tageweise an Rohstoffhändler, Stahlkonzerne und Energieversorger. Der Mieter („Charterer“) zahlt eine Tagesrate und übernimmt Treibstoff, Hafengebühren und Kanalabgaben selbst. Alles hängt also an zwei Zahlen: Wie viel bekommt ein Schiff pro Tag — und was kostet es pro Tag?
Zum 24. Juli 2026 bestand die Flotte aus 46 Schiffen, von denen zwei zum Verkauf standen: acht Panamax, 14 Kamsarmax, 17 Post-Panamax und sieben Capesize. Die Klassennamen sagen nur, wie groß ein Schiff ist und durch welchen Kanal es noch passt — ein Panamax ist so bemessen, dass er die alten Panamakanal-Schleusen schafft, ein Capesize ist zu groß dafür und muss um das Kap der Guten Hoffnung. Zusammen bringt die Flotte 4,5 Millionen Tonnen Tragfähigkeit auf das Wasser, bei einem Durchschnittsalter von 10,4 Jahren. 14 Schiffe erfüllen die schärfsten Abgasstufen der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation IMO und wurden ab 2022 gebaut, 20 Schiffe haben Abgaswäscher an Bord — darunter alle sieben Capesize, die dafür zusätzlich vergütet werden. Bestellt sind zehn weitere Neubauten, davon neun Kamsarmax (zwei mit Methanol-Doppelantrieb) und ein Capesize, mit Ablieferungen von 2026 bis 2029.
Und jetzt die Eigenart, die man bei einer Firma dieser Größe erst zweimal lesen muss: Safe Bulkers hat selbst keine Angestellten — auch keine eigenen Vorstände. Der Jahresbericht formuliert es nüchtern:
„Our Managers, pursuant to the terms of the applicable Management Agreements, have historically provided to us our executive officers. For the year ended December 31, 2025, none of the executive officers and senior management were employed directly by us.“
Übersetzung: „Unsere Manager haben uns gemäß den Bestimmungen der jeweiligen Managementverträge in der Vergangenheit unsere leitenden Organe gestellt. Im Geschäftsjahr zum 31. Dezember 2025 war keiner der leitenden Angestellten und keiner aus dem oberen Management unmittelbar bei uns beschäftigt.“
— Safe Bulkers, Inc., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 6.B
Die Arbeit machen drei externe Gesellschaften — Safety Management Overseas S.A., Safe Bulkers Management Monaco Inc. und Safe Bulkers Management Limited —, die zum 31. Dezember 2025 rund 933 Seeleute und 174 Beschäftigte an Land auf ihren Lohnlisten hatten. Kontrolliert werden diese Manager laut Jahresbericht von Polys Hajioannou, dem Vorstandsvorsitzenden und größten Aktionär von Safe Bulkers. Dazu kommen wir gleich ausführlich. Damit ist auch das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Die Bilanz ist so vorsichtig geführt, wie man eine Reederei führen kann — und die Erlösseite so ungesichert, wie man sie lassen kann.
Die Firmengeschichte für Anleger
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2008
Börsengang an der New Yorker Börse
Safe Bulkers ging 2008 an die NYSE — im Jahr des Allzeithochs des Baltic Dry Index von 11.793 Punkten. Wer damals einstieg, kaufte am oberen Ende eines Zyklus.
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2016
Tiefpunkt des Frachtzyklus
Der Baltic Dry Index fiel 2016 auf sein Allzeittief von 290 Punkten, das Nettoergebnis auf −56,0 Millionen US-Dollar. Ein Jahr später standen weitere 84,7 Millionen Verlust in den Büchern.
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2021
Bestes Jahr der Firmengeschichte
Mit 174,3 Millionen US-Dollar Nettogewinn verdiente Safe Bulkers 2021 mehr als in den acht Jahren davor zusammen. Der Index erreichte am 7. Oktober 2021 sein Fünfjahreshoch von 5.650 Punkten.
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2022
Anleihe über 100 Millionen Euro und Rückkehr zur Dividende
Im Februar 2022 begab die Gesellschaft eine unbesicherte Anleihe zu 2,95 Prozent mit Fälligkeit Februar 2027; im März 2022 floss die erste Quartalsdividende seit Jahren, zunächst 5 US-Cent.
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2025
Schwächstes Gewinnjahr seit 2020 — und ein neues Rückkaufprogramm
Der Nettogewinn fiel auf 38,6 Millionen US-Dollar, 60 Prozent unter 2024. Im Dezember 2025 beschloss der Verwaltungsrat den Rückkauf von bis zu 10 Millionen eigenen Aktien.
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2026
Zweitnotierung in Athen und höhere Dividende
Seit Juni 2026 notiert die Stammaktie zusätzlich an der Euronext Athen. Nach einem Quartalsgewinn von 35,2 Millionen US-Dollar wurde die Dividende am 28. Juli 2026 auf 7,5 US-Cent erhöht.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Der Ausgangspunkt war ein Treffer unseres Reddit-Hype-Scanners am 22. August 2026 — also ein Aufmerksamkeitssignal aus Anlegerforen, ausdrücklich keine Kennzahl und kein Kaufargument. Eine belastbare Erwähnungszahl aus einer öffentlichen Messquelle lag zum Redaktionsschluss nicht vor; inhaltliche Grundlage dieser Analyse sind ausschließlich die SEC-Berichte der Gesellschaft und daraus abgeleitete Kennzahlen.
Vor der ersten Zahl stand deshalb die Pflichtübung, die bei diesem Kürzel besonders wichtig ist. „SB“ an der NYSE ist die Stammaktie. Daneben notieren an derselben Börse zwei Vorzugsaktien, SB.PR.C und SB.PR.D, jeweils mit einem festen Kupon von 8,00 Prozent auf einen Nennwert von 25 US-Dollar. Wer eine Rendite von acht Prozent bei Safe Bulkers liest, hat vermutlich diese Papiere vor sich und nicht die Stammaktie. Und noch etwas ist wichtig: Safe Bulkers ist eine Gesellschaft nach dem Recht der Republik der Marshallinseln mit Verwaltungssitz in Monaco und gilt der SEC deshalb als Foreign Private Issuer, als ausländischer Emittent. Solche Gesellschaften reichen kein 10-K und kein 10-Q ein. Der Jahresbericht kommt als Formular 20-F, die Zwischenberichte als Formular 6-K. Bilanziert wird trotzdem nach US-Rechnungslegung (US-GAAP), das Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr. Wer im SEC-Archiv nach einem Quartalsbericht sucht, findet keinen — und darf daraus nicht auf Intransparenz schließen. Ähnliche Übersetzungsarbeit war auch bei anderen stark zyklischen Zulieferern nötig, etwa in unserer Analyse zu RPC, Inc., wo der Umsatz 2025 ein Sieben-Jahres-Hoch erreichte und vom Gewinn trotzdem weniger übrig blieb als 2021.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Erst das, was wirklich für Safe Bulkers spricht — und das ist einiges. Die Gesellschaft hat in sieben der letzten zehn Jahre einen Gewinn ausgewiesen. Sie zahlt seit März 2022 in jedem Quartal eine Dividende, zuletzt erhöht: 5 US-Cent je Aktie im Februar 2026, 6 Cent im Juni 2026 und 7,5 Cent, beschlossen am 28. Juli 2026. Sie kauft eigene Aktien zurück und zieht sie ein. Sie erneuert die Flotte aus dem laufenden Geschäft, verkauft alte Schiffe in guten Märkten — 2026 etwa die 2012 gebaute Michalis H für 35,2 Millionen US-Dollar brutto mit 4,1 Millionen Buchgewinn — und hält die Betriebskosten im Griff: 5.445 US-Dollar je Schiff und Tag im zweiten Quartal 2026 ohne Werftaufenthalte, drei Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Und sie ist selten voll ausgeliefert: Die Verschuldung lag zum 30. Juni 2026 bei rund 30 Prozent, gemessen an den Marktwerten der Schiffe.
Jetzt die Kurve, die alles andere erklärt — das Nettoergebnis über zehn Jahre:
Diese Kurve hat keinen Trend, sie hat einen Takt. In den Jahren 2016 und 2017 verlor Safe Bulkers zusammen 140,7 Millionen US-Dollar, 2020 noch einmal 12,9 Millionen; 2021 und 2022 verdiente dieselbe Firma zusammen 346,9 Millionen. Und der jüngste Wert ist keine Rückkehr auf ein Plateau: 38,6 Millionen im Jahr 2025 waren 60 Prozent weniger als 2024 (97,4 Millionen). Erst 2026 dreht es wieder — im ersten Halbjahr standen 57,4 Millionen US-Dollar Nettogewinn nach 8,9 Millionen im Vorjahreszeitraum.
Warum das so ist, zeigt die zweite Grafik. Sie stellt die Tagesrate, die ein Schiff einbringt, den Betriebskosten gegenüber, die es am selben Tag verursacht:
Merke dir dieses Bild, es ist der Kern der Firma: Die graue Seite kann das Management steuern. Die blaue Seite nicht. Und weil die graue Seite ziemlich starr ist, schlägt jede Bewegung der blauen Seite fast ungebremst bis unten durch. Im zweiten Quartal 2026 stiegen die Nettoerlöse um 33 Prozent auf 87,5 Millionen US-Dollar — das Betriebsergebnis stieg im selben Zeitraum von 10,5 auf 40,0 Millionen, also um 281 Prozent. Diese Hebelwirkung arbeitet in beide Richtungen.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Fahrplan reicht knapp fünf Monate
Wenn der Preis über das Ergebnis entscheidet, ist die wichtigste Frage: Wie lange ist er festgeschrieben? Die Antwort steht in Tabelle 1 des Zwischenberichts vom 29. Juli 2026, und sie ist unbequem. Zum 24. Juli 2026 betrug die durchschnittliche Restlaufzeit aller Charterverträge 0,4 Jahre — knapp fünf Monate. Beschäftigt oder vertraglich zur Beschäftigung vorgesehen waren 14 Schiffe im Spotmarkt, also für Zeiträume bis zu drei Monaten, und 33 in längerfristigen Verträgen, von denen nur sechs ursprünglich über zwei Jahre liefen — die Summe liegt über den 46 Schiffen der Flotte, weil einzelne Schiffe im selben Zeitraum nacheinander in beiden Formen fahren.
Noch deutlicher wird es beim Blick nach vorn. Der Bericht gibt an, welcher Anteil der Schiffstage bereits vertraglich belegt ist: 79 Prozent für das Gesamtjahr 2026, 10 Prozent für 2027 und 3 Prozent für 2028. Übersetzt heißt das: Für das übernächste Jahr steht bei neun von zehn Schiffstagen noch kein Preis fest. Die kontrahierten Erlöse belaufen sich auf rund 164,2 Millionen US-Dollar netto — davon entfallen 105,4 Millionen allein auf die sieben Capesize-Schiffe, die zu einer durchschnittlichen Tagesrate von 24.580 US-Dollar und mit einer Restlaufzeit von 1,7 Jahren die einzige wirklich abgesicherte Ecke der Flotte bilden.
Das ist keine Nachlässigkeit, sondern eine bewusste Wette: Wer im Spotmarkt bleibt, verdient in einem steigenden Markt mehr — und in einem fallenden weniger. Das Unternehmen selbst schreibt seinen Aktionären genau das ins Stammbuch, in einer Deutlichkeit, die man in Quartalsberichten selten findet:
„The maritime dry bulk shipping industry is inherently volatile and cyclical in nature, subject to significant market fluctuations and geopolitical disruptions … and accordingly, past financial performance should not be considered indicative of, or relied upon as a basis for, future results, projections, or investment decisions.“
Übersetzung: „Die Trockenschüttgut-Seeschifffahrt ist ihrem Wesen nach schwankungsanfällig und zyklisch, ausgesetzt erheblichen Marktbewegungen und geopolitischen Störungen … und dementsprechend sollte die vergangene finanzielle Entwicklung nicht als Hinweis auf künftige Ergebnisse, Prognosen oder Anlageentscheidungen verstanden oder als Grundlage dafür herangezogen werden.“
— Safe Bulkers, Inc., SEC-Zwischenbericht 6-K vom 29. Juli 2026, Abschnitt „Market trend information“
Wie groß die Ausschläge sein können, zeigt der Jahresbericht am Baltic Dry Index (BDI), dem Standard-Fieberthermometer für Frachtraten: Allzeithoch 11.793 Punkte im Jahr 2008, Allzeittief 290 Punkte im Jahr 2016. Allein 2025 lag die Spanne zwischen 715 Punkten am 30. Januar und 2.845 Punkten am 3. Dezember — ein Faktor von fast vier innerhalb eines Kalenderjahres.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die drittgrößte Kostenzeile ist an die Familie des Vorstandschefs adressiert
Weil Safe Bulkers niemanden selbst beschäftigt, kauft die Gesellschaft ihre komplette Betriebsführung ein — bei drei Manager-Gesellschaften, die laut Jahresbericht von Vorstandschef Polys Hajioannou kontrolliert werden. Der Preis dafür steht im Vertrag: 950 Euro je Schiff und Tag plus eine Jahrespauschale von 5,0 Millionen Euro, dazu eine Kommission von 1,0 Prozent auf jeden An- und Verkaufspreis eines Schiffes und eine Bauaufsichtsgebühr von 550.000 US-Dollar je Neubau. In Summe waren das 24,1 Millionen US-Dollar im Jahr 2025, nach 21,4 Millionen im Jahr davor. Zum Vergleich: Der Nettogewinn desselben Jahres 2025 betrug 38,6 Millionen US-Dollar. Die Manager-Gebühren entsprachen also rund 62 Prozent des Jahresüberschusses — und knapp neun Prozent der Nettoerlöse.
Der entscheidende Satz steht bei den Risikofaktoren:
„The management fees are payable whether or not our vessels are employed, and regardless of our profitability, and we have no ability to require our Managers to reduce the management fees if our profitability decreases, which could have a material adverse effect on our business, financial condition and results of operations.“
Übersetzung: „Die Managementgebühren sind zu zahlen, ob unsere Schiffe beschäftigt sind oder nicht, und unabhängig von unserer Ertragslage; wir haben keine Möglichkeit, von unseren Managern eine Senkung der Managementgebühren zu verlangen, wenn unsere Ertragskraft sinkt — was sich wesentlich nachteilig auf unser Geschäft, unsere Finanzlage und unser Ergebnis auswirken könnte.“
— Safe Bulkers, Inc., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 3.D Risikofaktoren
Der Vertrag kennt also kein schlechtes Jahr. In einem Zyklus, in dem das Nettoergebnis zwischen −84,7 und +174,3 Millionen US-Dollar schwankt, ist das ein struktureller Vorteil für die eine Seite und ein strukturelles Risiko für die andere. Zwei weitere Details gehören dazu. Erstens: Die Managementverträge laufen am 29. Mai 2027 aus, und der Bericht schreibt ausdrücklich, die Bedingungen der Nachfolgeverträge seien noch unbekannt und könnten für die Gesellschaft ungünstiger ausfallen als die heutigen. Zweitens gibt es eine Klausel, die man sich merken sollte: Ändert sich der Verwaltungsrat so, dass auch nur ein Mitglied kein „fortgeführter Direktor“ im Sinne der Verträge mehr ist, darf der Manager kündigen — und die Gesellschaft muss ihm dann die Managementgebühren der vorangegangenen 36 Monate in bar auszahlen. Bei zuletzt rund 24 Millionen US-Dollar im Jahr ist das eine Abfindung in der Größenordnung von etwa 70 Millionen US-Dollar. Eine unfreundliche Übernahme oder ein Aktionärsaufstand wird damit sehr teuer.
Zur Fairness gehört die Gegenrechnung: Externes Management ist in der griechischen Reederei-Tradition der Normalfall, nicht die Ausnahme; die Verträge sind vollständig offengelegt; und die operative Leistung spricht nicht gegen die Manager — die Betriebskosten je Schiff und Tag lagen im ersten Halbjahr 2026 mit 5.297 US-Dollar (ohne Werftaufenthalte) fünf Prozent unter dem Vorjahr. Man kauft hier keine schlechte Betriebsführung ein. Man kauft eine Betriebsführung ein, deren Preis nicht mitatmet.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Kreditverträge verlangen, dass die Familie an Bord bleibt
Kommen wir zu den Eigentumsverhältnissen. Zum 15. Mai 2026 hielten sechs Gesellschaften, die Polys Hajioannou gehören oder von ihm kontrolliert werden, zusammen 48.381.427 Aktien oder 47,5 Prozent des Grundkapitals. Das allein ist eine normale Eigentümerstruktur. Ungewöhnlich ist, was in den Kreditverträgen steht. Neben den üblichen Finanzauflagen — ein Reinvermögen von mindestens 150 Millionen US-Dollar, eine Zinsdeckung von mindestens 2,0 auf Zwölfmonatssicht — verlangen die besicherten Kredite Folgendes:
„a minimum of 30% or 35%, as the case may be, of our voting and ownership rights shall remain directly or indirectly beneficially owned by the Hajioannou family for the duration of the relevant credit facilities and in the case of one facility, Polys Hajioannou is required to beneficially hold a minimum of 20% of the voting and ownership rights (the “Control Covenant”)“
Übersetzung: „Mindestens 30 beziehungsweise 35 Prozent unserer Stimm- und Eigentumsrechte müssen für die Laufzeit der jeweiligen Kreditfazilitäten unmittelbar oder mittelbar wirtschaftlich der Familie Hajioannou gehören; bei einer Fazilität muss Polys Hajioannou wirtschaftlich mindestens 20 Prozent der Stimm- und Eigentumsrechte halten (die „Kontrollklausel“)."
— Safe Bulkers, Inc., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 3.D, Auflagen der Kreditverträge
Übersetzt in ein Alltagsbild: Die Bank finanziert das Haus nur, solange dieselbe Familie darin wohnt. Für dich als Aktionär hat das zwei Seiten. Die freundliche: Die Familie kann ihr Paket nicht einfach abladen, ohne die Finanzierung zu gefährden — der größte Aktionär ist vertraglich an das Unternehmen gekettet. Die unfreundliche: Ein Kontrollwechsel, eine Übernahme mit Aufschlag, ein Aktivist, der etwas ändern will — all das ist praktisch ausgeschlossen. Verstärkt wird das durch einen Übernahmeschutz („Shareholders Rights Plan“), der bei zehn Prozent Beteiligung auslöst — mit Polys Hajioannou und seinem Bruder Nicolaos Hadjioannou als ausdrücklich ausgenommenen Personen. Und weil Safe Bulkers als ausländischer Emittent gilt, darf die Gesellschaft auf mehrere NYSE-Governance-Regeln verzichten, darunter die Anforderung, dass die Mehrheit des Verwaltungsrats unabhängig sein muss. Nach der Erweiterung von neun auf elf Sitze am 15. April 2026 sind fünf der elf Mitglieder als unabhängig eingestuft; zu den beiden neuen Mitgliedern zählt neben dem unabhängigen Banker Jeffrey Bunzel auch Vassilis Hajioannou.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Im Februar 2027 werden 100 Millionen Euro auf einen Schlag fällig
Ein Blick in die Bilanz zeigt eine Verschiebung, die man leicht übersieht. Zum 31. Dezember 2025 lag der kurzfristige Teil der Finanzschulden bei 42,4 Millionen US-Dollar. Ein halbes Jahr später, zum 30. Juni 2026, waren es 171,6 Millionen — viermal so viel. Der Grund ist kein neuer Kredit, sondern der Kalender: Die im Februar 2022 begebene unbesicherte Anleihe über 100 Millionen Euro mit einem Festkupon von 2,95 Prozent wird im Februar 2027 fällig und ist damit in die kurzfristigen Verbindlichkeiten gerutscht. In US-Dollar entspricht das 114,1 Millionen; zusammen mit den planmäßigen Tilgungen der besicherten Kredite werden 2027 insgesamt 180,4 Millionen US-Dollar fällig — mehr als in jedem anderen Jahr des Tilgungsplans.
Ist das gefährlich? Nach Aktenlage nicht akut. Dem stehen zum 30. Juni 2026 142,9 Millionen US-Dollar Kasse (inklusive Termingeldern und verfügungsbeschränkter Mittel) und 200,1 Millionen freie, bereits zugesagte Kreditlinien gegenüber; zum 24. Juli 2026 waren es 153,2 und 204,5 Millionen. Zwei Schiffe sind unbelastet, neun Neubauten können nach Ablieferung beliehen werden, und die beiden zum Verkauf gestellten Schiffe bringen 27,5 Millionen brutto. Die Zinsdeckung lag im ersten Halbjahr 2026 beim 7,7-Fachen (EBITDA 97,0 Millionen gegen 12,6 Millionen Zinsaufwand) — weit über der vertraglichen Untergrenze von 2,0. Aber: Ein 2,95-Prozent-Kredit aus dem Jahr 2022 wird sich 2027 nicht zu 2,95 Prozent ersetzen lassen. Der gewichtete Durchschnittszins der Gesellschaft lag im zweiten Quartal 2026 bereits bei 5,10 Prozent. Und parallel liegen für die neun noch nicht abgelieferten Neubauten 277,2 Millionen US-Dollar Restzahlungen an, davon 61,4 Millionen im Jahr 2026 und 81,5 Millionen im Jahr 2027. Die Flexibilität, die die Bilanz heute ausweist, hat also für 2027 bereits Termine.
Bewertung: knapp über Buchwert, deutlich unter Schiffswert
Als datierter Bewertungsanker dient der Schlusskurs vom 21. August 2026: 8,53 US-Dollar. Mit 101.833.473 ausstehenden Aktien (Stand 24. Juli 2026) ergibt das einen Börsenwert von rund 868,6 Millionen US-Dollar — praktisch deckungsgleich mit dem Wert aus den Fundamentaldaten. Auf das Ergebnis der letzten zwölf berichteten Monate (rund 87 Millionen US-Dollar Nettogewinn, davon 8 Millionen an die Vorzugsaktionäre) gerechnet, entspricht das einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund elf. Klingt moderat — ist aber bei einer zyklischen Firma die unzuverlässigste aller Kennzahlen: Am Zyklushoch sieht ein KGV von acht billig aus und ist es nicht, am Zyklustief existiert es gar nicht.
Der ehrlichere Maßstab ist die Substanz, und da gibt es zwei Lesarten. Die Buchwert-Lesart: Das ausgewiesene Eigenkapital lag zum 30. Juni 2026 bei 870,3 Millionen US-Dollar. Davon gehören 100,0 Millionen den Vorzugsaktionären (4.000.000 Papiere mit je 25 US-Dollar Liquidationsvorrang), sodass auf die Stammaktien rund 770 Millionen entfallen — etwa 7,56 US-Dollar je Aktie. Zum Ankerkurs entspricht das dem 1,13-Fachen des Buchwerts.
Die Schiffswert-Lesart kommt zu einem anderen Ergebnis, und sie stammt aus einer Angabe der Gesellschaft selbst. Safe Bulkers beziffert die Verschuldung auf „ungefähr 30 Prozent“, gemessen an einer Bilanzsumme, in der die Schiffe nicht mit ihrem Buchwert, sondern mit dem Marktwert unabhängiger Schiffsmakler zum Quartalsende stehen. Die Verbindlichkeiten sind bekannt: 558,9 Millionen US-Dollar. Rechnet man damit zurück, ergibt sich eine Bilanzsumme zu Marktwerten von rund 1,86 Milliarden — gut 430 Millionen über dem Buchwert der Bilanz. Nach Abzug der Schulden und des Vorzugskapitals bliebe ein Substanzwert von grob 11 bis 12,50 US-Dollar je Stammaktie. Diese Spanne ist bewusst weit, denn die ganze Rechnung hängt an der Rundung auf „ungefähr 30 Prozent“: Wären es 31 Prozent, läge das Ergebnis am unteren Rand, bei 29 Prozent am oberen. Belastbar ist nicht der Punktwert, sondern die Richtung — die Aktie notiert unter dem, was die Schiffe im Markt wert sein dürften. Das ist bei Reedereien nicht ungewöhnlich, es ist der übliche Abschlag für Zyklik und Fremdbestimmung; einen ähnlichen Abstand zwischen Substanz und Kurs haben wir in der Analyse zu Smart Sand gesehen, wo fünf Jahre Umsatzrekorde ebenfalls nicht in einen Bewertungsaufschlag mündeten.
Zwei weitere Anhaltspunkte runden das Bild. Erstens der Schrottwert: Der Bericht beziffert ihn für die Flotte ohne die zum Verkauf gestellten Schiffe auf 313,6 Millionen US-Dollar. Die Nettoverschuldung je Schiff lag bei 8,0 Millionen — der reine Stahlwert deckt also rund 85 Prozent der Nettoverschuldung von 368,5 Millionen ab. Selbst im Katastrophenfall stünde dieser Bilanz also kein Loch gegenüber. Zweitens die Ausschüttung: Auf das Jahr hochgerechnet ergeben 7,5 Cent je Quartal 30 Cent, das wären beim Ankerkurs rund 3,5 Prozent. Nur ist diese Zahl keine Zusage — der Verwaltungsrat beschließt jedes Quartal neu, und in den mageren Jahren 2016 bis 2021 gab es auf die Stammaktie überhaupt keine Dividende. Wer hier eine Ausschüttungsrendite kauft, kauft sie zum Zyklus mit. Die Analystenabdeckung ist dünn: In den Fundamentaldaten sind zum Stand 21. August 2026 lediglich zwei Voten mit einem mittleren Kursziel von 8,50 US-Dollar erfasst — also praktisch auf Höhe des Ankerkurses.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Safe Bulkers spricht:
- Solide Bilanz für eine Reederei: 870,3 Millionen US-Dollar Eigenkapital, Verschuldung rund 30 Prozent der Schiffs-Marktwerte, Zinsdeckung im ersten Halbjahr 2026 beim 7,7-Fachen bei einer vertraglichen Untergrenze von 2,0 — und 142,9 Millionen Kasse plus 200,1 Millionen zugesagte freie Linien zum 30. Juni 2026.
- Moderne, systematisch erneuerte Flotte: Durchschnittsalter 10,4 Jahre, 14 Schiffe nach den schärfsten IMO-Abgasstufen ab Baujahr 2022, 20 Schiffe mit Abgaswäschern (alle Capesize), zehn Neubauten in Auftrag und 25 umgerüstete Schiffe zum 24. Juli 2026.
- Voller Zyklus-Hebel nach oben: Weil 90 Prozent der Schiffstage für 2027 offen sind, schlägt eine steigende Charterrate fast ungebremst durch — im zweiten Quartal 2026 wurden aus 33 Prozent mehr Nettoerlösen 281 Prozent mehr Betriebsergebnis.
- Kapitalrückgabe läuft: Dividende in jedem Quartal seit März 2022, zuletzt erhöht auf 7,5 US-Cent (beschlossen am 28. Juli 2026), dazu ein Rückkaufprogramm über bis zu 10 Millionen Aktien seit Dezember 2025, aus dem bis zum 24. Juli 2026 bereits 515.469 Aktien eingezogen wurden.
- Substanzabschlag: Bei einem Ankerkurs von 8,53 US-Dollar (21. August 2026) liegt die Aktie beim 1,13-Fachen des Stammaktien-Buchwerts von 7,56 US-Dollar — und rechnerisch klar unter dem aus den Marktwerten der Schiffe abgeleiteten Substanzwert von grob 11 bis 12,50 US-Dollar.
Was dagegen spricht:
- Das Ergebnis ist nicht planbar: Nettoergebnis 2016 bis 2025 zwischen −84,7 und +174,3 Millionen US-Dollar, allein 2025 ein Rückgang um 60 Prozent auf 38,6 Millionen. Der Baltic Dry Index schwankte 2025 zwischen 715 und 2.845 Punkten.
- Kaum Absicherung nach unten: durchschnittliche Restlaufzeit der Charterverträge 0,4 Jahre zum 24. Juli 2026, nur 10 Prozent der Schiffstage für 2027 und 3 Prozent für 2028 vertraglich belegt.
- Fixe Managementgebühren an eine vom Vorstandschef kontrollierte Gegenpartei: 24,1 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 gegen 38,6 Millionen Nettogewinn, zahlbar unabhängig von Beschäftigung und Ertragslage; die Verträge laufen am 29. Mai 2027 aus, die Nachfolgekonditionen sind offen.
- Kontrollstruktur ohne Ausweg: 47,5 Prozent bei der Familie, eine Kreditklausel, die 30 bis 35 Prozent Familienbesitz erzwingt, ein Übernahmeschutz mit Ausnahme für die Brüder Hajioannou, Governance-Ausnahmen als ausländischer Emittent und eine Abfindungsklausel von 36 Monatsgebühren bei Wechsel im Verwaltungsrat.
- Termine im Jahr 2027: 180,4 Millionen US-Dollar Tilgungen, darin die im Februar 2027 fällige Anleihe über 100 Millionen Euro zu 2,95 Prozent, die sich beim aktuellen Zinsniveau (gewichteter Durchschnitt zuletzt 5,10 Prozent) nicht zu denselben Konditionen ersetzen lassen wird — dazu 81,5 Millionen Restzahlungen für Neubauten.
Ein menschliches Fazit
Zurück zum Rückspiegel-Reflex. Sein Kern ist nicht, dass die Zahl im Rückspiegel falsch wäre — 35,2 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal 2026 sind echt, geprüft und nachlesbar. Sein Kern ist, dass wir eine Momentaufnahme mit einem Zustand verwechseln. Safe Bulkers macht es einem dabei nicht einmal schwer: Die Firma schreibt selbst in ihren Bericht, man solle aus der Vergangenheit nicht auf die Zukunft schließen, und sie legt in derselben Tabelle offen, dass für 2027 erst zehn Prozent der Schiffstage einen Preis haben. Wer diese Aktie kauft, kauft eine gut geführte, konservativ finanzierte, modern ausgestattete Flotte — und dazu, unvermeidlich, eine Wette auf den Frachtmarkt der nächsten Jahre, garniert mit einer Betriebsführung, deren Rechnung auch dann kommt, wenn die Schiffe leer liegen.
Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „War das ein gutes Quartal?“ — das war es zweifellos. Sie lautet: Kannst du ein Unternehmen halten, dessen wichtigste Zahl niemand im Unternehmen bestimmt, und bleibst du auch dann an Bord, wenn dieselbe Flotte plötzlich wieder 56 Millionen Verlust schreibt wie 2016? Wenn ja, hast du eine These und einen Zeithorizont. Wenn nein, hattest du ein gutes Quartal. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- Safe Bulkers, Inc. — SEC-Zwischenbericht Form 6-K vom 29. Juli 2026 (Ergebnisse zum 30. Juni 2026, Tabellen 1 bis 9)
- Safe Bulkers, Inc. — SEC-Jahresbericht Form 20-F für 2025 (eingereicht 4. März 2026)
- Safe Bulkers, Inc. — SEC-Jahresbericht Form 20-F für 2024 (eingereicht 10. März 2025)
- Safe Bulkers, Inc. — SEC-Zwischenbericht Form 6-K vom 18. Juni 2026 (Ergebnisse des ersten Quartals 2026)
- Safe Bulkers, Inc. — SEC-Zwischenbericht Form 6-K vom 16. April 2026 (Erweiterung des Verwaltungsrats auf elf Sitze)
- Vorini Holdings Inc. u. a. — SEC-Beteiligungsmeldung SCHEDULE 13D/A Nr. 7 vom 18. Mai 2026
- Vollständige SEC-Einreichungshistorie von Safe Bulkers, Inc.: EDGAR-Übersicht (sec.gov)
- Fundamentaldaten (Kurs, Börsenwert, Bewertungskennzahlen, Analystenvoten; Datenstand 21. August 2026), abgeglichen mit den SEC-Berichten und den XBRL-Kennzahlenreihen der SEC.
- Aufhänger: Reddit-Hype-Scanner der Redaktion, Lauf vom 22. August 2026; Aufruf über den hauseigenen Aktien-Scanner.
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Safe-Bulkers-Aktien.
Die Kennzahlen im Überblick
Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.
| Kennzahl | 2021 | 2022 | 2023 | 2024 | 2025 |
|---|---|---|---|---|---|
| Umsatz | 329,0 | 349,7 | 284,4 | 307,6 | 275,7 |
| Betriebsergebnis (EBIT) | 172,4 | 184,6 | 93,8 | 111,9 | 69,2 |
| Nettogewinn | 174,3 | 172,6 | 77,4 | 97,4 | 38,6 |
| Nettomarge | 53,0 % | 49,3 % | 27,2 % | 31,7 % | 14,0 % |
| Gewinn je Aktie | 1,53 $ | 1,43 $ | 0,68 $ | 0,91 $ | 0,37 $ |
Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)
Unser Fazit auf einen Blick
- Bilanz & Finanzierung positiv
- Zum 30. Juni 2026 standen 870,3 Millionen US-Dollar Eigenkapital, 142,9 Millionen Kasse und 200,1 Millionen freie zugesagte Kreditlinien in den Büchern; die Verschuldung lag bei rund 30 Prozent der Schiffs-Marktwerte, die Zinsdeckung im ersten Halbjahr 2026 beim 7,7-Fachen bei einer vertraglichen Untergrenze von 2,0. Selbst der reine Schrottwert der Flotte (313,6 Millionen) deckt rund 85 Prozent der Nettoverschuldung von 368,5 Millionen.
- Flotte & operative Führung positiv
- Durchschnittsalter 10,4 Jahre zum 24. Juli 2026, 14 Schiffe nach den schärfsten IMO-Abgasstufen ab Baujahr 2022, 20 mit Abgaswäschern, zehn Neubauten in Auftrag und 25 nachgerüstete Schiffe. Die Betriebskosten je Schiff und Tag sanken im ersten Halbjahr 2026 ohne Werftaufenthalte um fünf Prozent auf 5.297 US-Dollar.
- Ergebnisqualität & Planbarkeit negativ
- Das Nettoergebnis schwankte 2016 bis 2025 zwischen −84,7 und +174,3 Millionen US-Dollar und fiel allein 2025 um 60 Prozent auf 38,6 Millionen. Zum 24. Juli 2026 betrug die durchschnittliche Restlaufzeit der Charterverträge 0,4 Jahre; für 2027 waren 10 Prozent der Schiffstage vertraglich belegt, für 2028 3 Prozent.
- Kostenstruktur der Betriebsführung negativ
- Die Gesellschaft beschäftigt niemanden selbst und zahlte 2025 24,1 Millionen US-Dollar Managementgebühren (2024: 21,4 Millionen) an drei vom Vorstandschef kontrollierte Gesellschaften — rund 62 Prozent des Jahresüberschusses. Die Gebühr fällt laut Jahresbericht unabhängig von Beschäftigung und Ertragslage an; die Verträge enden am 29. Mai 2027, die Nachfolgekonditionen sind offen.
- Eigentümerstruktur & Governance negativ
- Die Familie Hajioannou hielt zum 15. Mai 2026 47,5 Prozent; die Kreditverträge verlangen dauerhaft 30 bis 35 Prozent Familienbesitz, ein Übernahmeschutz bei zehn Prozent nimmt die Brüder Hajioannou ausdrücklich aus, und als ausländischer Emittent darf die Gesellschaft auf die NYSE-Anforderung eines mehrheitlich unabhängigen Verwaltungsrats verzichten. Ein Kontrollwechsel ist praktisch ausgeschlossen.
- Bewertung & Kapitalrückgabe neutral
- Beim Ankerkurs von 8,53 US-Dollar (21. August 2026) liegt der Börsenwert bei rund 868,6 Millionen US-Dollar, das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf zwölf Monate bei etwa elf und der Kurs beim 1,13-Fachen des Stammaktien-Buchwerts von 7,56 US-Dollar — rechnerisch unter dem aus den Schiffs-Marktwerten abgeleiteten Substanzwert von grob 11 bis 12,50 US-Dollar. Dividende seit März 2022 in jedem Quartal, zuletzt 7,5 US-Cent.
Safe Bulkers betreibt 46 Trockenschüttgut-Frachter mit einer für die Branche konservativen Bilanz: rund 30 Prozent Verschuldung auf Schiffs-Marktwerte, 7,7-fache Zinsdeckung im ersten Halbjahr 2026, Dividende in jedem Quartal seit März 2022. Das Ergebnis bleibt trotzdem unplanbar, weil es fast vollständig an der Charterrate hängt: 35,2 Millionen US-Dollar Quartalsgewinn im zweiten Quartal 2026 nach 1,7 Millionen im Vorjahresquartal, und über zehn Jahre eine Spanne von −84,7 bis +174,3 Millionen. Abgesichert ist davon wenig — die durchschnittliche Restlaufzeit der Charterverträge lag bei 0,4 Jahren, für 2027 waren erst 10 Prozent der Schiffstage verchartert. Dazu kommen 24,1 Millionen US-Dollar fixe Managementgebühren an eine vom Vorstandschef kontrollierte Gegenpartei und eine Kreditklausel, die die Familienkontrolle festschreibt. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Gelb, und zwar wegen einer operativen Frage, nicht wegen des Kurses. Für Rot fehlt jeder Anlass: kein Fortführungshinweis, positives und im ersten Halbjahr 2026 gewachsenes Eigenkapital (870,3 Millionen US-Dollar), eine Zinsdeckung vom 7,7-Fachen gegen eine vertragliche Untergrenze von 2,0, 142,9 Millionen Kasse plus 200,1 Millionen zugesagte freie Linien und ein Schrottwert der Flotte von 313,6 Millionen, der die Nettoverschuldung fast allein trägt. Für Grün fehlt dagegen die Verlässlichkeit der Ertragskraft: Das Nettoergebnis schwankte in zehn Jahren zwischen −84,7 und +174,3 Millionen US-Dollar auf einer Flotte, die sich kaum verändert hat, und die Gesellschaft hat diese Schwankung bewusst nicht abgesichert — die durchschnittliche Restlaufzeit der Charterverträge betrug zum 24. Juli 2026 0,4 Jahre, für 2027 waren 10 Prozent der Schiffstage belegt. Dazu tritt eine Kostenzeile, die nicht mitatmet: 24,1 Millionen US-Dollar Managementgebühren im Jahr 2025 an eine vom Vorstandschef kontrollierte Gegenpartei, zahlbar auch in Verlustjahren, mit offenem Ausgang der Vertragsverlängerung im Mai 2027. Das ist kein Substanzrisiko, sondern eine offene operative Frage — und zwischen zwei Stufen gilt die vorsichtigere. Ob die Aktie zu diesem Preis teuer oder billig ist, spielt für diese Einstufung bewusst keine Rolle.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger war ein Treffer unseres Reddit-Hype-Scanners am 22.08.2026. Eine belastbare Erwähnungszahl aus einer öffentlichen Messquelle lag zum Redaktionsschluss nicht vor; inhaltliche Grundlage der Analyse sind ausschließlich die SEC-Berichte der Gesellschaft und daraus abgeleitete Kennzahlen.
- Safe Bulkers ist ein ausländischer Emittent (Foreign Private Issuer) nach dem Recht der Marshallinseln und reicht deshalb kein 10-K und kein 10-Q ein. Grundlage dieser Analyse sind der Jahresbericht auf Formular 20-F für 2025 (eingereicht 04.03.2026), der Zwischenbericht auf Formular 6-K vom 29.07.2026 mit den Zahlen zum 30.06.2026 sowie weitere Formulare 6-K aus 2026. Bilanziert wird nach US-GAAP in US-Dollar, das Geschäftsjahr entspricht dem Kalenderjahr.
- Verwechslungsgefahr: An der NYSE notieren unter demselben Namen drei Papiere — die Stammaktie SB sowie die Vorzugsaktien SB.PR.C und SB.PR.D mit einem festen Kupon von 8,00 Prozent auf 25 US-Dollar Nennwert. Eine achtprozentige Rendite bezieht sich auf die Vorzugsaktien, nicht auf die Stammaktie. Seit Juni 2026 wird die Stammaktie zusätzlich an der Euronext Athen unter demselben Kürzel gehandelt (ISIN MHY7388L1039).
- Bewertungsangaben datiert und evergreen: Der Kurs-Anker von 8,53 US-Dollar ist der Schlusskurs vom 21.08.2026; multipliziert mit 101.833.473 Aktien (Stand 24.07.2026) ergibt das 868,6 Mio. US-Dollar und deckt sich mit dem Börsenwert aus den Fundamentaldaten. Der abgeleitete Substanzwert von grob 11 bis 12,50 US-Dollar je Aktie ist eine eigene Rückrechnung aus der Unternehmensangabe „Verschuldung rund 30 Prozent auf Schiffs-Marktwerte“ und reagiert empfindlich auf diese Rundung — er ist eine Größenordnung, kein Kursziel.
Aktien-Wächter
Diese Analyse ist Stand 22. August 2026. Was sich seitdem bei SB geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.
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Häufige Fragen
Safe Bulkers, Inc. (NYSE: SB) ist eine Reederei für Trockenschüttgut mit Verwaltungssitz in Monaco, eingetragen in der Republik der Marshallinseln. Ihre Schiffe transportieren vor allem Getreide, Kohle und Eisenerz. Zum 24. Juli 2026 umfasste die Flotte 46 Schiffe — acht Panamax, 14 Kamsarmax, 17 Post-Panamax und sieben Capesize — mit 4,5 Millionen Tonnen Tragfähigkeit und einem Durchschnittsalter von 10,4 Jahren. Zehn weitere Neubauten sind bis 2029 bestellt.
Weil das Ergebnis fast vollständig an der Charterrate hängt, die das Unternehmen nicht beeinflussen kann. Die Betriebskosten je Schiff und Tag lagen über fünf Quartale zwischen 5.104 und 6.607 US-Dollar, die Tagesrate dagegen stieg von 14.857 auf 20.642 US-Dollar. Über zehn Jahre reicht das Nettoergebnis deshalb von −84,7 Millionen US-Dollar (2017) bis +174,3 Millionen (2021); 2025 waren es 38,6 Millionen, 60 Prozent weniger als 2024.
Der Verwaltungsrat beschloss am 28. Juli 2026 eine Quartalsdividende von 7,5 US-Cent je Stammaktie, zahlbar am 26. August 2026. Zuvor waren es 6 Cent (Juni 2026) und 5 Cent (Februar 2026). Auf ein Jahr hochgerechnet wären 7,5 Cent je Quartal 30 Cent, beim Kursanker von 8,53 US-Dollar vom 21. August 2026 also rund 3,5 Prozent. Eine Zusage ist das nicht: Zwischen 2016 und 2021 zahlte die Gesellschaft auf die Stammaktie gar keine Dividende.
Zum 15. Mai 2026 hielten sechs Gesellschaften im Eigentum oder unter Kontrolle von Vorstandschef Polys Hajioannou zusammen 48.381.427 Aktien oder 47,5 Prozent (SEC-Meldung SCHEDULE 13D/A Nr. 7). Die Kreditverträge verlangen zusätzlich, dass mindestens 30 beziehungsweise 35 Prozent der Stimm- und Eigentumsrechte dauerhaft bei der Familie Hajioannou bleiben; bei einer Fazilität muss Polys Hajioannou persönlich mindestens 20 Prozent halten.
Weil die Gesellschaft nach dem Recht der Marshallinseln errichtet ist und der US-Börsenaufsicht SEC deshalb als ausländischer Emittent (Foreign Private Issuer) gilt. Solche Unternehmen reichen statt eines Geschäftsberichts (10-K) ein Formular 20-F ein und statt der Quartalsberichte (10-Q) Zwischenberichte auf Formular 6-K. Bilanziert wird trotzdem nach US-Rechnungslegung (US-GAAP) in US-Dollar, das Geschäftsjahr entspricht dem Kalenderjahr.
Zum 30. Juni 2026 lagen die Finanzschulden vor Abzug von Finanzierungskosten bei 519,2 Millionen US-Dollar, davon 405,1 Millionen besichert und 114,1 Millionen unbesichert. Dem standen 142,9 Millionen Kasse und 200,1 Millionen freie Kreditlinien gegenüber. Der kurzfristige Teil stieg von 42,4 auf 171,6 Millionen, weil die im Februar 2022 begebene Anleihe über 100 Millionen Euro zu 2,95 Prozent im Februar 2027 fällig wird.
Beim Kursanker von 8,53 US-Dollar (21. August 2026) und 101.833.473 Aktien liegt der Börsenwert bei rund 868,6 Millionen US-Dollar, das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf die letzten zwölf berichteten Monate bei etwa elf. Der Buchwert je Stammaktie beträgt rund 7,56 US-Dollar; aus der Angabe des Unternehmens zur Verschuldung von rund 30 Prozent auf Schiffs-Marktwerte lässt sich ein Substanzwert von grob 11 bis 12,50 US-Dollar ableiten. Bei einer zyklischen Reederei sind solche Kennzahlen jedoch stark vom Zeitpunkt abhängig.
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