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Freightos: 422 Millionen Dollar Buchungswert im Quartal — und 7,7 Millionen Umsatz

Freightos: 422 Millionen Dollar Buchungswert im Quartal — und 7,7 Millionen Umsatz

Über die Plattform von Freightos wurden im zweiten Quartal 2026 Frachtaufträge im Wert von 422 Millionen US-Dollar gebucht, ein Rekord und 33 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Beim Unternehmen selbst kamen davon 7,7 Millionen an — 3 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Der Zwischenbericht zum 30. Juni 2026 zeigt außerdem, dass der auf 1,6 Millionen geschrumpfte Verlust zu einem großen Teil aus der Neubewertung von Optionsscheinen stammt, nicht aus dem Betrieb. Und der Gründer, im Januar 2026 als Vorstandschef ausgeschieden, fordert seit dem 29. Juni 2026 mit 6,1 Prozent der Aktien den Umbau des Verwaltungsrats. Keine Anlageberatung — nur die Frage, wie viel von einer Rekordzahl am Ende in der Kasse ankommt.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 19 Min. Lesezeit

Stand heute

Stand: 21. August 2026

Schlusskurs
1,40 $ -2,20 %
Marktkapitalisierung
0,1 Mrd. $
Wachstums-Score
6/10
AAQS
4/10

Kursentwicklung seit 21. August 2026: +2,9 %

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

Freightos: 422 Millionen Dollar Buchungswert im Quartal — und 7,7 Millionen Umsatz
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahres- und Zwischenberichte, 20-F/6-K)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 1,20 $ bis 4,10 $ · Letzter Kurs: 1,40 $ (Stand: 21. August 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Schwäche, die ausgerechnet dann zuschlägt, wenn man sich Mühe gibt: die Mautstellen-Falle. Sie funktioniert so — du liest eine große Zahl, die eine Firma stolz meldet, und dein Kopf macht daraus automatisch Geschäft. „422 Millionen Dollar“ klingt nach einem Unternehmen mit 422 Millionen Dollar Größe. Nur rollt diese Summe an der Firma vorbei wie die Ladung eines Lastwagens an einer Mautstelle — was bleibt, ist die Gebühr für die Durchfahrt. Bei Freightos Limited (Nasdaq: CRGO) waren diese Gebühren im zweiten Quartal 2026 exakt 7,691 Millionen US-Dollar. Machen wir also einen Deal: Wir lesen gemeinsam den Zwischenbericht zum 30. Juni 2026, den Jahresbericht für 2025 und alles, was seither bei der US-Börsenaufsicht SEC eingegangen ist — und sortieren, welche Zahl das Rohr beschreibt und welche die Kasse. Am Ende entscheidest du selbst.

Was Freightos eigentlich macht — die Buchungsmaschine für Fracht

Wenn du ein Paket verschickst, klickst du auf einer Webseite, siehst einen Preis und buchst. In der internationalen Fracht — also dort, wo Container über Ozeane und Paletten in Flugzeugbäuche gehen — funktionierte das jahrzehntelang nicht so. Dort wurden Preise per E-Mail erfragt, in Excel-Tabellen verschickt und am Telefon verhandelt. Genau in diese Lücke ist Freightos gegangen: Das Unternehmen betreibt einen herstellerneutralen Marktplatz, auf dem Fluggesellschaften, Reedereien und Speditionen ihre Preise und freien Kapazitäten einstellen — und auf dem andere sie in Echtzeit buchen können. Im Alltagsbild ist das ein Buchungsportal für Fracht, ungefähr das, was Reiseportale für Flugtickets sind. „Herstellerneutral“ heißt dabei: Freightos gehört keiner Fluggesellschaft und keiner Reederei, sondern verkauft die Angebote aller — und verdient nur am Vermitteln, nicht am Transportieren. Eigene Flugzeuge, Schiffe oder Lastwagen besitzt die Firma nicht.

Der Marktplatz besteht aus mehreren Marken. WebCargo verbindet Speditionen mit Fluggesellschaften und ist das Herzstück; Freightos.com richtet sich an Importeure und Exporteure; Shipsta (im August 2024 zugekauft, Sitz Luxemburg) organisiert die jährlichen Ausschreibungen großer Verlader; Clearit erledigt die digitale Zollabfertigung in Nordamerika; die Indizes FBX und FAX liefern Preis-Benchmarks für Container- und Luftfracht. Zum 31. Dezember 2025 waren laut Jahresbericht mehr als 3.500 Speditionsunternehmen in rund 10.000 Büros angebunden.

Das Geld kommt aus zwei Töpfen, und dieser Unterschied ist der Schlüssel zu allem Weiteren:

  • Platform — Gebühren je Buchung, oft ein Prozentsatz des Buchungswerts oder eine feste Gebühr je Transaktion. 2025: 9,881 Millionen US-Dollar oder 34 Prozent des Umsatzes.
  • Solutions — Software-Abonnements und Datenpakete, meist je Nutzer oder je Standort und Zeitraum. 2025: 19,579 Millionen US-Dollar oder 66 Prozent des Umsatzes.

Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Die Plattform wächst im Rekordtempo — der Umsatz nicht. Und über die Frage, was daraus folgt, streiten inzwischen der neue Vorstand und der im Januar 2026 ausgeschiedene Gründer öffentlich.

Ein Wort zur Rechtsform, weil sie die Aktenlage bestimmt: Freightos ist eine auf den Cayman-Inseln registrierte Gesellschaft mit Hauptverwaltung in Barcelona und Standorten unter anderem in Modi’in (Israel), Ramallah, Nablus, Luxemburg, Montreal und Chennai. An der SEC gilt sie damit als ausländischer Emittent. Das bedeutet praktisch: Es gibt keinen Geschäftsbericht 10-K und keinen Quartalsbericht 10-Q. Der Jahresbericht heißt 20-F, Zwischenzahlen kommen als 6-K. Wer bei der SEC nach „10-K Freightos“ sucht, findet nichts und schließt daraus womöglich, es gebe keine Berichte. Es gibt sie — sie heißen nur anders und werden nach IFRS in US-Dollar aufgestellt.

Die Firmengeschichte für Anleger

  1. 2023

    Börsengang über eine Mantelgesellschaft

    Im Januar 2023 kam Freightos über den Zusammenschluss mit Gesher I an die Nasdaq. Die einmalige, nicht zahlungswirksame Buchung dafür kostete 46,7 Mio. US-Dollar und prägte das Jahresergebnis 2023.

  2. 2024

    Zukauf des Ausschreibungsanbieters Shipsta

    Im August 2024 kaufte Freightos den Luxemburger Anbieter Shipsta. Ein großer Teil des Umsatzplus von 2025 kam daher — Wachstum, das sich im Folgejahr nicht von selbst wiederholt.

  3. 2025

    Bestes Umsatzjahr und neuer Chairman

    Der Umsatz stieg 2025 um 24 Prozent auf 29,5 Mio. US-Dollar. Am 28.07.2025 übernahm Udo Lange den unabhängigen Vorsitz des Verwaltungsrats — Vorstand und Vorsitz blieben bewusst getrennt.

  4. 2026

    Gründer geht, neuer Vorstandschef übernimmt

    Zvi Schreiber schied zum 31.01.2026 aus, im Februar auch aus dem Verwaltungsrat. Seit 16.03.2026 führt Pablo Pinillos die Firma — und bis auf Weiteres zugleich die Finanzen.

  5. 2026

    Sparprogramm mit bis zu 15 Prozent weniger Stellen

    Am 26.03.2026 angekündigt: rund 1,3 Mio. US-Dollar Einmalkosten, ab dem vierten Quartal 2026 etwa 4,5 Mio. jährliche Ersparnis. Ziel ist ein ausgeglichenes bereinigtes EBITDA zum Jahresende.

  6. 2026

    Der Gründer meldet 6,1 Prozent — aktivistisch

    Am 29.06.2026 wechselte Schreiber vom passiven Schedule 13G zum Schedule 13D. Für Aktionäre heißt das: Über Strategie und Verwaltungsrat wird ab sofort öffentlich gestritten.

  7. 2026

    Rekord-Buchungswert, Umsatz fast unverändert

    Am 17.08.2026 gemeldet: 422 Mio. US-Dollar Buchungswert (+33 %) und 7,691 Mio. Umsatz (+3 %). Die Prognose für 2026 schreibt diese Schere fort.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Nicht über einen unserer Bewertungs- oder Momentum-Scanner: Für die klassischen Value-Raster fehlt Freightos schlicht der Gewinn, und für Momentum-Listen läuft der Kurs in die falsche Richtung. Auf die Liste kam die Aktie über den hauseigenen Reddit-Hype-Scanner, der einsammelt, über welche Aktien in Privatanleger-Foren gerade besonders viel geschrieben wird (Lauf vom 22. August 2026, wenige Tage nach den Quartalszahlen vom 17. August). Das ist ein Aufmerksamkeitssignal und ausdrücklich kein Kaufargument. Für uns ist es ein Themenradar: Wenn viele gleichzeitig über einen Wert reden, lohnt der nüchterne Blick in die Originalberichte besonders — weil im Lärm genau die Zeilen untergehen, auf die es ankommt.

Und im Fall Freightos gibt es davon einige. Die Pressemitteilung zum zweiten Quartal 2026 trägt in der Kopfzeile zwei Erfolgsmeldungen — „Record Revenue“ und „Well-Capitalized“ — und darunter, in derselben Aufzählung, die Zahl 3 Prozent. Beides stimmt. Nur erzählen sie verschiedene Geschichten.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Fangen wir mit dem an, was wirklich beeindruckt. Freightos hat in fünf Jahren seinen Umsatz mehr als verzweieinhalbfacht: von 11,1 Millionen US-Dollar (2021) auf 29,5 Millionen (2025). Allein 2025 waren es 24 Prozent Zuwachs. Die Bruttomarge — also der Anteil des Umsatzes, der nach den direkten Kosten übrig bleibt — lag 2025 bei 67 Prozent und im zweiten Quartal 2026 bei 67,6 Prozent. Das ist ein Software-Wert und kein Speditionswert; er zeigt, dass hier tatsächlich ein Plattformgeschäft betrieben wird und keine Frachtvermittlung mit dünnen Handelsspannen. Dazu kommt ein Detail, das man bei kleinen Firmen selten sieht und das ausdrücklich für Freightos spricht: Kein einziger Kunde stand 2023, 2024 oder 2025 für 10 Prozent oder mehr der Erlöse. Wer wissen will, wie unangenehm das Gegenteil aussieht, findet es in unserer Analyse zu Zebra Technologies, wo ein Turnaround an der Kreditlinie hing.

Balkendiagramm Umsatz und Jahresergebnis von Freightos 2021 bis 2025 in Millionen US-Dollar: Umsatz 11,1 / 19,1 / 20,3 / 23,8 / 29,5 in Blau, Jahresergebnis minus 16,4 / minus 24,7 / minus 65,5 / minus 22,5 / minus 17,5 in Rot. Der Umsatz steigt in jedem Jahr, das Ergebnis ist in jedem Jahr negativ.
Der Umsatz steigt von 2021 bis 2025 von 11,1 auf 29,5 Millionen US-Dollar — das Jahresergebnis ist in jedem einzelnen dieser fünf Jahre negativ, zuletzt mit 17,5 Millionen. Der Ausreißer 2023 (minus 65,5 Millionen) enthält 46,7 Millionen einmalige, nicht zahlungswirksame Kosten des Börsengangs. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahres- und Zwischenberichte, 20-F/6-K). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zwei Dinge stehen in dieser Grafik nebeneinander. Erstens: Der blaue Balken wird jedes Jahr größer — das ist echtes Wachstum, kein Rechentrick. Zweitens: Der rote Balken ist nie verschwunden. Freightos hat in seiner Geschichte noch kein Jahr mit Gewinn abgeschlossen. Die kumulierten Verluste seit Gründung standen zum 30. Juni 2026 bei 232,3 Millionen US-Dollar — mehr als das Dreifache des heutigen Börsenwerts. Der Ausreißer 2023 verdient eine Erklärung, damit er nicht falsch wirkt: In den 65,5 Millionen Verlust jenes Jahres stecken 46,7 Millionen „share listing expense“ — eine einmalige, nicht zahlungswirksame Buchung aus dem Börsengang über eine Mantelgesellschaft (SPAC) im Januar 2023. Ohne sie hätte 2023 bei rund 18,8 Millionen Verlust gelegen, also im Rahmen der übrigen Jahre.

Was sich zuletzt tatsächlich verbessert hat, ist das Tempo des Geldverbrauchs. In den ersten sechs Monaten 2026 flossen aus dem laufenden Geschäft 5,985 Millionen US-Dollar ab, im zweiten Quartal allein nur noch 1,522 Millionen nach 2,822 Millionen im Vorjahresquartal. Das bereinigte EBITDA — die Kennzahl, an der das Unternehmen selbst gemessen werden will — verbesserte sich im zweiten Quartal 2026 von minus 2,897 auf minus 2,031 Millionen US-Dollar. Und die Kasse ist für ein Unternehmen dieser Größe ordentlich gefüllt: 13,311 Millionen US-Dollar Kasse plus 8,058 Millionen Festgeld zum 30. Juni 2026, ein Eigenkapital von 36,6 Millionen — und keine Finanzschulden, nur Leasingverbindlichkeiten von 2,166 Millionen. Der Jahresbericht formuliert das nüchtern:

„The Company’s management concluded that the Company has sufficient funds to continue its operations and meet its obligations for a period of at least twelve months from the date the financial statements were authorized for issuance.“

Übersetzung: „Die Geschäftsleitung des Unternehmens kam zu dem Schluss, dass das Unternehmen über ausreichende Mittel verfügt, um seinen Betrieb fortzuführen und seinen Verpflichtungen für einen Zeitraum von mindestens zwölf Monaten ab dem Tag der Freigabe des Jahresabschlusses nachzukommen.“

— Freightos Limited, SEC-Jahresbericht Form 20-F für 2025, Anhangangabe 1(e)

Das ist keine Selbstverständlichkeit. Ein Warnhinweis zur Unternehmensfortführung — bei kleinen, verlustreichen Firmen der Normalfall — fehlt hier. Merke dir das für die Einordnung später: Freightos hat kein akutes Geldproblem. Freightos hat ein Ertragsproblem. Und das führt uns zu den unbequemen Wahrheiten.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Rekord im Schaufenster kommt an der Kasse nicht an

Die Pressemitteilung vom 17. August 2026 nennt für das zweite Quartal 2026 einen Rekord beim Buchungswert. Der Fachbegriff dafür lautet Gross Booking Value, kurz GBV, und er misst den Gesamtwert aller Frachtaufträge, die über die Plattform abgewickelt wurden — Fracht, Nebenkosten, sogar durchgereichte Zölle:

„The total value of transactions processed on the Freightos platform, or GBV, reached a record of $422 million for Q2 2026, up 33% from Q2 last year and above management’s expectations.“

Übersetzung: „Der Gesamtwert der über die Freightos-Plattform abgewickelten Transaktionen (GBV) erreichte im zweiten Quartal 2026 mit 422 Millionen US-Dollar einen Rekord, 33 Prozent mehr als im zweiten Quartal des Vorjahres und über den Erwartungen des Managements.“

— Freightos Limited, SEC-Bericht Form 6-K vom 17. August 2026, Anlage 99.1

Gelb markierte Textstelle aus der Freightos-Quartalsmitteilung vom 17. August 2026: Der Buchungswert erreichte im zweiten Quartal 2026 mit 422 Millionen US-Dollar einen Rekord, 33 Prozent über dem Vorjahresquartal; die Luftfrachtraten liegen rund 25 Prozent über dem Niveau vor dem Nahost-Konflikt.
Die markierte Stelle im Original: Rekord-Buchungswert von 422 Millionen US-Dollar, plus 33 Prozent — getragen auch davon, dass die Luftfrachtraten rund 25 Prozent über dem Niveau vor dem Nahost-Konflikt liegen. Quelle: SEC-Bericht Form 6-K vom 17.08.2026, Anlage 99.1 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zwei Zeilen weiter oben, in derselben Mitteilung, steht die Zahl, die für dich als Aktionär zählt:

„Revenue of $7.7 million for the second quarter of 2026, up 3% compared to $7.4 million in the second quarter of 2025.“

Übersetzung: „Umsatz von 7,7 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal 2026, 3 Prozent mehr als die 7,4 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal 2025.“

— Freightos Limited, SEC-Bericht Form 6-K vom 17. August 2026, Anlage 99.1

Gelb markierte Textstelle aus der Freightos-Quartalsmitteilung vom 17. August 2026: Umsatz von 7,7 Millionen US-Dollar im zweiten Quartal 2026, 3 Prozent mehr als die 7,4 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal.
Dieselbe Mitteilung, wenige Zeilen darüber: Der Umsatz stieg um 3 Prozent auf 7,7 Millionen US-Dollar — bei einem Buchungswert, der um 33 Prozent zulegte. Quelle: SEC-Bericht Form 6-K vom 17.08.2026, Anlage 99.1 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Schere lässt sich in vier Balken zeigen — und sie geht nicht nur zwischen Buchungswert und Umsatz auf, sondern auch innerhalb des Umsatzes:

Balkendiagramm der Veränderung im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem Vorjahresquartal in Prozent: Buchungswert plus 33, Transaktionen plus 15, Umsatz gesamt plus 3 in Grün, Umsatz Solutions minus 4 in Rot.
Vier Kennzahlen, ein Quartal, dieselbe Firma: Der Buchungswert legte um 33 Prozent zu, die Zahl der Buchungen um 15 Prozent, der Gesamtumsatz um 3 Prozent — und der größere der beiden Umsatztöpfe, das Abo-Geschäft „Solutions“, ging um 4 Prozent zurück. Quelle: SEC-Bericht Form 6-K vom 17.08.2026, Anlage 99.1. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Warum klaffen die Balken so weit auseinander? Weil der Buchungswert im Wesentlichen die Frachtpreise misst, nicht die Leistung von Freightos. Die Mitteilung sagt das selbst: Der Rekord spiegele auch, dass die Luftfrachtraten „approximately 25% above pre-Middle East conflict levels“ — rund 25 Prozent über dem Niveau vor dem Nahost-Konflikt — liegen. Der Jahresbericht beziffert, was dort passiert ist: Die Sperrung großer Lufträume und der Ausfall der Drehkreuze Dubai, Doha und Abu Dhabi hätten Anfang 2026 16 bis 22 Prozent der weltweiten Luftfrachtkapazität aus dem Markt genommen; auf der Strecke Europa–Nahost seien die Raten binnen weniger Tage um 73 Prozent gesprungen. Wenn dieselbe Palette plötzlich das Doppelte kostet, verdoppelt sich der Buchungswert — die Buchungsgebühr aber nur, soweit sie prozentual ist. Und ein erheblicher Teil ist es nicht: Bei Buchungen von Speditionen bei Fluggesellschaften zahlen die Verkäufer nach Angabe des Unternehmens „a pre-negotiated flat fee per transaction“, eine vorab ausgehandelte Pauschale je Transaktion.

Übersetzt in ein Alltagsbild: Freightos ist der Notar beim Hauskauf. Steigen die Immobilienpreise um ein Drittel, steigt die Summe in seinen Akten um ein Drittel — seine Gebühr nicht unbedingt. Wer die Akten mit dem Einkommen verwechselt, kauft die falsche Zahl.

Und noch ein Punkt, der schwerer wiegt als der Preiseffekt: Der größere Umsatztopf schrumpft. Die Software-Abonnements („Solutions“), die 2025 noch 66 Prozent des Umsatzes ausmachten und um 27 Prozent gewachsen waren, gingen im zweiten Quartal 2026 um 4 Prozent auf 4,8 Millionen US-Dollar zurück. Das Unternehmen nennt als Grund eine „lower-than-expected performance in SaaS“. Dabei war genau dieses Geschäft der erklärte Wachstumsmotor — der Zuwachs von 2025 stammte laut Jahresbericht zu einem großen Teil daraus, dass der im August 2024 gekaufte Anbieter Shipsta erstmals ein volles Jahr mitzählte. Wachstum, das aus einem Zukauf kommt, wiederholt sich nicht von selbst. Auch das kennen wir aus einer anderen Analyse: Bei SOPHiA GENETICS wuchs die Plattform ebenfalls schneller als das, was am Ende in der Kasse ankam.

Wie es weitergehen soll, sagt das Unternehmen selbst — und die Prognose ist die eigentliche Nachricht. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet die Geschäftsleitung einen Umsatz von 30,4 bis 31,0 Millionen US-Dollar, das wären 3 bis 5 Prozent Wachstum nach 24 Prozent im Jahr 2025. Beim Buchungswert dagegen sollen es 19 bis 21 Prozent Zuwachs auf 1,533 bis 1,560 Milliarden werden. Die Schere schließt sich also nicht — sie ist Plan.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Zwei Drittel der Ergebnisverbesserung sind Buchhaltung

Die Schlagzeile des zweiten Quartals 2026 lautet: Verlust von 4,278 auf 1,628 Millionen US-Dollar gesunken, also um 62 Prozent. Das klingt nach einem Durchbruch. Die Gewinn- und Verlustrechnung im selben Dokument erzählt es genauer. Der Betriebsverlust — alles, was mit dem eigentlichen Geschäft zu tun hat — verbesserte sich von 4,514 auf 3,546 Millionen US-Dollar. Das sind 0,968 Millionen. Die restlichen rund 1,7 Millionen der Verbesserung kommen aus einer einzigen Zeile darunter: „Change in fair value of warrants“, plus 1,822 Millionen im zweiten Quartal 2026 gegenüber minus 0,285 Millionen im Vorjahresquartal.

Was ist da passiert? Beim Börsengang 2023 wurden Optionsscheine ausgegeben — Papiere, die ihren Inhaber berechtigen, später eine Aktie zu einem festen Preis zu kaufen, hier zu 11,50 US-Dollar. Solche Optionsscheine stehen als Verbindlichkeit in der Bilanz und werden jedes Quartal neu bewertet. Und hier kommt die Pointe: Je tiefer der Aktienkurs fällt, desto wertloser werden sie — und desto größer ist der Buchgewinn. Die Position sank von 2,223 Millionen US-Dollar (31. Dezember 2025) auf 0,702 Millionen (30. Juni 2026). Im Alltagsbild: Du hast jemandem versprochen, ihm dein Auto für 11.500 Euro zu verkaufen, falls er will. Sinkt der Wert des Autos, wird dein Versprechen billiger — und dein Buchhalter verbucht einen Gewinn. Reicher bist du davon nicht geworden.

Deshalb ist das bereinigte EBITDA in diesem Fall ausnahmsweise die ehrlichere Zahl: Es rechnet die Optionsschein-Bewertung heraus und kam im zweiten Quartal 2026 auf minus 2,031 Millionen US-Dollar nach minus 2,897 Millionen. Das ist eine echte Verbesserung um 0,866 Millionen — solide, aber eben kein Sprung um 62 Prozent. Und für das Gesamtjahr 2026 erwartet das Unternehmen selbst weiterhin ein bereinigtes EBITDA von minus 6,9 bis minus 6,4 Millionen US-Dollar. Der Vorstandschef formuliert das Ziel so:

„We remain committed to our profitability targets by exiting the year at Adjusted EBITDA breakeven and expect to become cash generative by mid-2027.“

Übersetzung: „Wir halten an unseren Profitabilitätszielen fest, das Jahr beim bereinigten EBITDA ausgeglichen zu beenden, und erwarten, ab Mitte 2027 Geld zu erwirtschaften.“

— Pablo Pinillos, Vorstands- und Finanzchef, SEC-Bericht Form 6-K vom 17. August 2026, Anlage 99.1

Getragen werden soll das vom Sparprogramm vom 26. März 2026: bis zu 15 Prozent weniger Stellen weltweit, dafür rund 1,3 Millionen US-Dollar einmalige Kosten und ab dem vierten Quartal 2026 etwa 4,5 Millionen US-Dollar jährliche Ersparnis. Im ersten Halbjahr 2026 sind davon bereits 1,488 Millionen Restrukturierungsaufwand angefallen. Rechne einmal grob mit: 4,5 Millionen Ersparnis gegen ein bereinigtes EBITDA von rund minus 10,2 Millionen US-Dollar in den zwölf Monaten bis zum 30. Juni 2026 — die Zahl ergibt sich aus dem Geschäftsjahr 2025 (minus 11,243 Millionen) abzüglich des ersten Halbjahres 2025 (minus 5,943) zuzüglich des ersten Halbjahres 2026 (minus 4,867). Das Sparprogramm allein schließt die Lücke also nicht. Ohne Umsatzwachstum wird der Ausgleich knapp. Genau deshalb ist die 3-Prozent-Prognose keine Randnotiz.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der Gründer ist raus — und kämpft jetzt gegen seinen eigenen Verwaltungsrat

Freightos wurde 2012 von Zvi Schreiber gegründet, der die Firma bis Januar 2026 als Vorstandschef führte. Der Jahresbericht beschreibt den Abgang so, wie man es in Pflichtdokumenten tut — nüchtern und trotzdem deutlich: Man habe „mutually determined to part ways“ im Dezember 2025, wirksam zum 31. Januar 2026. Aus dem Verwaltungsrat schied er im Februar 2026 aus. Neuer Vorstandschef ist seit dem 16. März 2026 Pablo Pinillos, der im März 2025 als Finanzchef zur Firma gekommen war.

Am 11. März 2026 meldete Schreiber seine Beteiligung noch auf dem Formular Schedule 13G — dem Formular für Aktionäre, die ausdrücklich keinen Einfluss auf die Leitung nehmen wollen. Am 29. Juni 2026 reichte er für dieselbe Beteiligung ein Schedule 13D nach. Dieser Formularwechsel ist in den USA ein Signal, das jeder Profi sofort liest: aus einem stillen Anteilseigner ist ein aktivistischer geworden. Gemeldet sind 3.131.931 Aktien oder 6,1 Prozent. Was er will, steht in Item 4:

„The Reporting Person believes that the strategic direction and execution being pursued by the Board, particularly since the first quarter of 2026, are impairing the Issuer’s performance and short-term and long-term shareholder value, and that substantial value can be created for all shareholders by returning the Issuer to a platform-first, high-growth strategy and by making changes to the composition and leadership of the Board, including the role of chairman.“

Übersetzung: „Die meldende Person ist der Auffassung, dass die vom Verwaltungsrat verfolgte strategische Ausrichtung und Umsetzung, insbesondere seit dem ersten Quartal 2026, die Leistung des Emittenten und den kurz- wie langfristigen Wert für die Aktionäre beeinträchtigen, und dass erheblicher Wert für alle Aktionäre geschaffen werden kann, indem der Emittent zu einer plattform-zuerst ausgerichteten Wachstumsstrategie zurückkehrt und Zusammensetzung sowie Führung des Verwaltungsrats geändert werden, einschließlich der Rolle des Vorsitzenden.“

— Zvi Schreiber, SEC-Meldung Schedule 13D vom 29. Juni 2026, Item 4

Gelb markierter Abschnitt Item 4 der Schedule-13D-Meldung von Zvi Schreiber vom 29. Juni 2026: Der Gründer hält die Strategie des Verwaltungsrats für wertmindernd, will zur plattform-zuerst-Strategie zurückkehren, Zusammensetzung und Vorsitz des Verwaltungsrats ändern, Anträge zur Hauptversammlung stellen und hat mit möglichen Käufern gesprochen.
Item 4 der Schedule-13D-Meldung im Original: Der Gründer will die Strategie zurückdrehen, Zusammensetzung und Vorsitz des Verwaltungsrats ändern, notfalls Stimmrechtsvollmachten sammeln oder klagen — und hat nach eigener Angabe bereits mit möglichen strategischen oder finanziellen Käufern gesprochen. Quelle: SEC-Meldung Schedule 13D vom 29.06.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Für dich als Anleger ist das eine zweischneidige Sache. Auf der einen Seite ist ein Streit an der Spitze Gift für die Umsetzung — die Firma listet „disruptions and instability caused by Freightos’ CEO transition, changes to its board of directors, and its other leadership changes“ inzwischen selbst unter den Risiken ihrer Prognose. Auf der anderen Seite kann Druck von einem 6-Prozent-Aktionär Bewegung in eine festgefahrene Lage bringen, und Schreiber erwähnt ausdrücklich Gespräche mit möglichen Käufern des Unternehmens.

Dazu kommt eine zweite Personalfrage, die im Risikoteil des Jahresberichts erstaunlich offen benannt wird: Pablo Pinillos ist Vorstandschef und Finanzchef in einer Person. Der Bericht schreibt, er habe zuvor „not previously served as the chief executive officer of a principal operating business or a publicly traded company“ — er war also noch nie Vorstandschef eines operativen oder börsennotierten Unternehmens. Die Suche nach einem dauerhaften Finanzchef sei erst kürzlich eingeleitet worden. In einer Firma, die gerade ihre Strategie umbaut, 15 Prozent der Stellen streicht und öffentlich mit ihrem Gründer streitet, hängen damit Steuerrad und Kassenbuch an derselben Hand.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: 7,2 Millionen Anrechte auf neue Aktien — und eine Ein-Dollar-Marke am Horizont

Verwässerung ist einer der Begriffe, die man am besten mit einem Kuchen erklärt: Dein Stück wird kleiner, wenn ständig neue Stücke abgeschnitten werden, ohne dass der Kuchen größer wird. Bei Freightos sind zum 31. Dezember 2025 7.208.918 Optionen, noch nicht unverfallbare Aktienzusagen (RSUs) und Leistungsaktien ausstehend — gemessen an den 51.683.498 Aktien (Stand 1. März 2026) rund 14 Prozent. Und die Zahl wächst planmäßig weiter: Der Vergütungsplan von 2022 füllt sich jeden 1. Januar automatisch um bis zu 5 Prozent der ausstehenden Aktien nach; zum 1. Januar 2026 kamen so 2.568.845 Aktien in den Topf.

„7,208,918 options, unvested RSUs and unearned performance shares to employees, directors and consultants outstanding as of December 31, 2025 under the share-based compensation plan (6,718,602 and 5,828,733 as of December 31, 2024 and 2023, respectively).“

Übersetzung: „7.208.918 Optionen, noch nicht unverfallbare Aktienzusagen und noch nicht verdiente Leistungsaktien für Beschäftigte, Verwaltungsratsmitglieder und Berater, ausstehend zum 31. Dezember 2025 im Rahmen des aktienbasierten Vergütungsplans (6.718.602 bzw. 5.828.733 zum 31. Dezember 2024 und 2023).“

— Freightos Limited, SEC-Jahresbericht Form 20-F für 2025, Anhangangabe 23 „Loss per Ordinary Share“

Gelb markierte Textstelle aus dem Freightos-Jahresbericht Form 20-F für 2025: 7.208.918 Optionen, noch nicht unverfallbare Aktienzusagen und Leistungsaktien ausstehend zum 31. Dezember 2025, nach 6.718.602 und 5.828.733 in den beiden Vorjahren.
Die markierte Stelle im Original: Die Zahl der ausstehenden Anrechte auf neue Aktien ist von 5,83 Millionen (2023) über 6,72 Millionen (2024) auf 7,21 Millionen zum 31. Dezember 2025 gestiegen — rund 14 Prozent der ausstehenden Aktien. Quelle: SEC-Jahresbericht Form 20-F für 2025, Anhangangabe 23 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zur Fairness gehört die Gegenrechnung: Zusätzlich stehen 14.850.000 Optionsscheine aus, die auf den ersten Blick nach massiver Verwässerung aussehen. Sie berechtigen zum Kauf einer Aktie für 11,50 US-Dollar — bei einem Kurs von 1,36 US-Dollar (Schlusskurs 21. August 2026) sind sie praktisch wertlos. Sie werden erst zum Thema, wenn sich der Kurs vervielfacht; dann allerdings brächten sie dem Unternehmen auch rund 171 Millionen US-Dollar frisches Geld ein. Die realistische Verwässerung sind heute die 14 Prozent aus der Mitarbeitervergütung, nicht die Optionsscheine.

Ein zweiter Punkt gehört an dieselbe Stelle, weil er dieselbe Ursache hat: den niedrigen Kurs. Der Jahresbericht führt die Notierungsregeln der Nasdaq ausdrücklich als Risiko auf:

„To maintain our listing, we are required to comply with certain continued listing requirements, including a minimum bid price of $1.00 per share. As of early March 2026, the market price of our shares has been volatile and has traded at levels approaching this threshold.“

Übersetzung: „Um unsere Notierung aufrechtzuerhalten, müssen wir bestimmte fortlaufende Notierungsanforderungen erfüllen, darunter einen Mindestgeldkurs von 1,00 US-Dollar je Aktie. Seit Anfang März 2026 war der Marktpreis unserer Aktien volatil und hat auf Niveaus gehandelt, die sich dieser Schwelle nähern.“

— Freightos Limited, SEC-Jahresbericht Form 20-F für 2025, Item 3.D Risikofaktoren

Zur Einordnung, ohne Dramatik: Fällt der Schlusskurs an 30 aufeinanderfolgenden Handelstagen unter 1,00 US-Dollar, folgt eine förmliche Mängelrüge und danach in der Regel eine Frist zur Heilung. Die Aktie stand am 21. August 2026 bei 1,36 US-Dollar, das Zwölf-Monats-Tief lag bei 1,14, das Hoch bei 4,24 US-Dollar. Es ist also kein akutes, aber ein reales Thema — und der Bericht nennt als mögliche Antwort ausdrücklich einen Aktienzusammenlegungs-Beschluss („reverse stock split“). Merke dir den Zusammenhang: Beim Optionsschein-Gewinn hilft ein fallender Kurs der Buchhaltung — bei der Notierung schadet er. Beides ist dieselbe Zahl.

Bewertung: was der Markt für 30 Millionen Umsatz zahlt

Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich nicht bilden — es gab nie einen Jahresgewinn. Bleiben Umsatz und Substanz. Der Börsenwert lag am 21. August 2026 bei rund 70 Millionen US-Dollar (Datenstand desselben Tages). Gegengeprüft an einem in einem Filing dokumentierten Kurs — im Form 144 vom 17. Juli 2026 wurden 1.760 Aktien mit einem Gesamtwert von 2.411,20 US-Dollar angemeldet, also rund 1,37 je Aktie — ergeben 51.683.498 Aktien rund 70,8 Millionen. Die beiden Zahlen liegen weniger als ein Prozent auseinander; wir können mit ihnen rechnen.

Daraus folgt eine Bewertung von rund dem 2,3-Fachen des Zwölf-Monats-Umsatzes (rund 29,9 Millionen US-Dollar). Zieht man die 21,4 Millionen an Kasse und Festgeld ab und lässt die 0,7 Millionen Optionsschein-Verbindlichkeit stehen, bleibt ein Unternehmenswert von rund 49 Millionen US-Dollar oder etwa dem 1,6-Fachen des Umsatzes. Auf den Buchwert bezogen liegt die Aktie beim rund 1,9-Fachen des Eigenkapitals von 36,6 Millionen. Zur Einordnung: Ein Software- und Marktplatzgeschäft mit 67 Prozent Bruttomarge wird an der Börse üblicherweise deutlich höher bewertet — aber üblicherweise wächst es auch. Bei 3 bis 5 Prozent erwartetem Umsatzwachstum ist ein Umsatzvielfaches von 2,3 kein offensichtliches Schnäppchen, sondern ein Preis, der irgendwo zwischen „Softwarefirma“ und „Sanierungsfall“ liegt.

Die zweite Rechnung ist die Kassenreichweite, und sie fällt beruhigender aus. Bei 21,4 Millionen US-Dollar an Kasse und Festgeld (30. Juni 2026) und einem operativen Mittelabfluss von 5,985 Millionen im ersten Halbjahr 2026 reicht das Geld rechnerisch rund sieben Quartale — und der Abfluss sinkt: Im zweiten Quartal allein waren es nur noch 1,522 Millionen. Freightos ist also nicht gezwungen, morgen neue Aktien auszugeben. Das ist bei einer verlustreichen Kleinfirma der wichtigste einzelne Unterschied.

Und eine dritte Zahl gehört dazu, damit das Bild vollständig ist: Der Kurs hat seit dem Börsengang im Januar 2023, als die Aktie um die 10 US-Dollar startete, rund 87 Prozent verloren. Wer heute einsteigt, kauft nicht die Story von 2023, sondern eine Firma, die den Beweis erst noch antreten muss.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Freightos spricht:

  • Echtes Plattformgeschäft mit Software-Margen: 67,6 Prozent Bruttomarge im zweiten Quartal 2026, 67 Prozent im Jahr 2025 — und ein Netzwerk aus mehr als 3.500 Speditionsunternehmen in rund 10.000 Büros sowie 75 aktiven Fluggesellschaften und Reedereien (Q2 2026).
  • Keine Kundenkonzentration: In den Jahren 2023, 2024 und 2025 stand kein einzelner Kunde für 10 Prozent oder mehr der Erlöse — bei einer Firma dieser Größe ungewöhnlich.
  • Solide Bilanz ohne Finanzschulden: 13,311 Millionen US-Dollar Kasse plus 8,058 Millionen Festgeld, 36,6 Millionen Eigenkapital (30. Juni 2026); die Geschäftsleitung bestätigt ausreichende Mittel für mindestens zwölf Monate, ein Fortführungshinweis fehlt.
  • Der Geldverbrauch sinkt sichtbar: operativer Mittelabfluss im zweiten Quartal 2026 nur noch 1,522 nach 2,822 Millionen US-Dollar; bereinigtes EBITDA minus 2,031 nach minus 2,897 Millionen; das Sparprogramm soll ab dem vierten Quartal 2026 rund 4,5 Millionen jährlich bringen.
  • Mengenwachstum ist da, wo es zählt: 458.000 Buchungen im zweiten Quartal 2026 (plus 15 Prozent) — und ohne die vom Nahost-Konflikt betroffenen Strecken wuchs die Zahl nach Unternehmensangabe im Rahmen des Langfristmodells von 20 bis 30 Prozent.

Was dagegen spricht:

  • Der Umsatz steht seit sechs Quartalen praktisch still, und die eigene Prognose schreibt das fort: 30,4 bis 31,0 Millionen US-Dollar für 2026 sind 3 bis 5 Prozent Wachstum nach 24 Prozent im Vorjahr — während der Buchungswert um 19 bis 21 Prozent zulegen soll.
  • Der größere Umsatztopf schrumpft: Die Software-Abonnements („Solutions“) gingen im zweiten Quartal 2026 um 4 Prozent zurück, obwohl sie der erklärte Wachstumsmotor sind; ihr Plus von 27 Prozent im Jahr 2025 stammte zu einem guten Teil aus dem Zukauf Shipsta.
  • Noch nie ein Gewinnjahr: kumulierte Verluste von 232,3 Millionen US-Dollar zum 30. Juni 2026; die Verbesserung des Quartalsergebnisses um 62 Prozent geht zu rund zwei Dritteln auf die Neubewertung von Optionsscheinen zurück, nicht auf den Betrieb.
  • Führung und Strategie sind offen umstritten: Gründerabgang im Januar 2026, ein Vorstandschef, der zugleich Finanzchef ist und noch nie ein börsennotiertes Unternehmen geführt hat, und seit dem 29. Juni 2026 ein aktivistischer 6,1-Prozent-Aktionär, der Vorsitz und Zusammensetzung des Verwaltungsrats ändern will.
  • Verwässerung und Notierungsschwelle: 7.208.918 ausstehende Optionen und Aktienzusagen (rund 14 Prozent der Aktien), ein Vergütungstopf, der sich jährlich um bis zu 5 Prozent nachfüllt — und ein Kurs von 1,36 US-Dollar (21. August 2026) über einer Nasdaq-Mindestschwelle von 1,00, die der Jahresbericht selbst als Risiko benennt.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Mautstellen-Falle vom Anfang. Ihr Kern ist nicht, dass die große Zahl gelogen wäre — über die Plattform von Freightos sind im zweiten Quartal 2026 tatsächlich Frachtaufträge für 422 Millionen US-Dollar gelaufen, und das ist eine beachtliche Leistung für eine Firma mit 382 Beschäftigten. Ihr Kern ist, dass die große Zahl dir die Frage erspart, die du dir eigentlich stellen müsstest: Wie viel davon bleibt hier hängen — und wächst dieser Anteil? Bei Freightos lautet die Antwort für das zweite Quartal 2026: 7,691 Millionen, plus 3 Prozent. Und für 2026 insgesamt, nach der eigenen Prognose des Unternehmens: 3 bis 5 Prozent.

Damit steht diese Aktie an einer sehr klaren Weggabelung, und beide Wege sind belegbar. Auf dem einen Weg gelingt, was der Vorstand verspricht: Die Software wird tiefer in den Alltag der Speditionen eingebaut, das Abo-Geschäft dreht wieder ins Plus, das Sparprogramm greift, und Ende 2026 steht das bereinigte EBITDA bei null. Dann sitzt du in einer schuldenfreien Plattformfirma mit 67 Prozent Bruttomarge, die zum 2,3-Fachen ihres Umsatzes gehandelt wird. Auf dem anderen Weg bleibt der Umsatz, wo er seit sechs Quartalen steht, der Streit an der Spitze frisst die Aufmerksamkeit, und die Firma verbrennt weiter jedes Jahr ein Fünftel ihrer Kasse — bis die Frage nach frischem Geld wieder auf dem Tisch liegt.

Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist Freightos billig?“, sondern: Glaubst du, dass diese Firma aus einem wachsenden Warenstrom endlich einen wachsenden Umsatz macht — und zwar unter einer Führung, über die ihr eigener Gründer öffentlich streitet? Wenn ja, hast du eine These und einen Zeitplan, an dem du sie messen kannst: die Quartalszahlen im November 2026 und der Jahresbericht im Frühjahr 2027. Wenn nein, hattest du eine große Zahl. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; der Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Freightos-Aktien.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2021 2022 2023 2024 2025
Umsatz 11,1 19,1 20,3 23,8 29,5
Betriebsergebnis (EBIT) -16,3 -22,3 -28,1 -19,9 -19,2
Nettogewinn -16,4 -24,7 -65,5 -22,5 -17,5
Nettomarge -147,1 % -129,4 % -322,8 % -94,6 % -59,5 %
Gewinn je Aktie -7,47 $ -1,69 $ -1,46 $ -0,46 $ -0,35 $

Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Unser Fazit auf einen Blick

Geschäftsmodell und Marge positiv
Ein echtes Plattformgeschäft mit Software-Marge: 67,6 Prozent Bruttomarge im zweiten Quartal 2026 und 67 Prozent im Jahr 2025, ein Netzwerk aus mehr als 3.500 Speditionsunternehmen und 75 aktiven Fluggesellschaften und Reedereien (Q2 2026). Kein einziger Kunde stand 2023 bis 2025 für 10 Prozent oder mehr der Erlöse.
Umsatzdynamik negativ
Der Umsatz steht seit sechs Quartalen bei 7,0 bis 7,7 Millionen US-Dollar je Quartal. Im zweiten Quartal 2026 wuchs er um 3 Prozent, während der Buchungswert um 33 Prozent auf 422 Millionen zulegte; das Abo-Geschäft „Solutions“ ging um 4 Prozent zurück. Die eigene Prognose für 2026 nennt 3 bis 5 Prozent nach 24 Prozent im Vorjahr.
Ergebnisqualität neutral
Der IFRS-Verlust fiel im zweiten Quartal 2026 von 4,278 auf 1,628 Millionen US-Dollar — der Betriebsverlust aber nur von 4,514 auf 3,546 Millionen. Rund 1,7 Millionen der Verbesserung stammen aus der Neubewertung der Optionsscheine. Das bereinigte EBITDA verbesserte sich echt, aber moderat: von minus 2,897 auf minus 2,031 Millionen.
Bilanz und Liquidität positiv
Zum 30. Juni 2026: 13,311 Millionen US-Dollar Kasse plus 8,058 Millionen Festgeld, 36,6 Millionen Eigenkapital, keine Finanzschulden. Der operative Mittelabfluss sank im zweiten Quartal 2026 auf 1,522 nach 2,822 Millionen. Die Geschäftsleitung bestätigt ausreichende Mittel für mindestens zwölf Monate; ein Fortführungshinweis fehlt.
Führung und Eigentümer negativ
Gründer Zvi Schreiber schied zum 31. Januar 2026 aus und meldete am 29. Juni 2026 über ein Schedule 13D 6,1 Prozent der Aktien mit der Forderung, Strategie, Zusammensetzung und Vorsitz des Verwaltungsrats zu ändern. Vorstandschef Pablo Pinillos führt seit 16. März 2026 zugleich die Finanzen und hatte laut Jahresbericht zuvor nie ein börsennotiertes Unternehmen geleitet.
Verwässerung und Notierung negativ
7.208.918 ausstehende Optionen, Aktienzusagen und Leistungsaktien zum 31. Dezember 2025 entsprechen rund 14 Prozent der 51.683.498 Aktien, und der Vergütungstopf füllt sich jährlich um bis zu 5 Prozent nach. Dazu nennt der Jahresbericht die Nasdaq-Mindestschwelle von 1,00 US-Dollar als Risiko; die Aktie stand am 21. August 2026 bei 1,36 US-Dollar.

Freightos betreibt einen funktionierenden, herstellerneutralen Frachtmarktplatz mit 67 Prozent Bruttomarge, ohne Kundenkonzentration und ohne Finanzschulden. Das Problem steht eine Zeile tiefer: Im zweiten Quartal 2026 stieg der über die Plattform gebuchte Wert um 33 Prozent auf einen Rekord von 422 Millionen US-Dollar, der Umsatz aber nur um 3 Prozent auf 7,691 Millionen — und das Abo-Geschäft, der erklärte Wachstumsmotor, schrumpfte um 4 Prozent. Die Ergebnisverbesserung des Quartals stammt zu rund zwei Dritteln aus der Neubewertung von Optionsscheinen. Kasse und Festgeld von 21,4 Millionen reichen rechnerisch rund sieben Quartale, sodass kein akuter Geldbedarf besteht; gleichzeitig streitet der ausgeschiedene Gründer mit 6,1 Prozent der Aktien öffentlich über Strategie und Verwaltungsrat. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Gelb, weil die entscheidende Frage operativer Natur und offen ist: Kann Freightos aus einem wachsenden Warenstrom endlich wachsenden Umsatz machen? Der Buchungswert legte im zweiten Quartal 2026 um 33 Prozent zu, der Umsatz um 3 Prozent, das Abo-Geschäft ging um 4 Prozent zurück — und die eigene Prognose für 2026 nennt 3 bis 5 Prozent nach 24 Prozent im Vorjahr. Für Rot fehlen die Belege: Das Eigenkapital ist mit 36,6 Millionen US-Dollar positiv, es gibt keine Finanzschulden, keinen Fortführungshinweis, keine Kundenkonzentration; 21,4 Millionen an Kasse und Festgeld reichen bei einem zuletzt auf 1,522 Millionen je Quartal gesunkenen Mittelabfluss rechnerisch rund sieben Quartale. Für Grün fehlt der Beweis, dass das Geschäft aus eigener Kraft trägt: Es gab noch kein Gewinnjahr, die Verbesserung des Quartalsergebnisses stammt zu rund zwei Dritteln aus einer Bewertungsbuchung, und über die Strategie streiten Vorstand und Gründer öffentlich, während ein dauerhafter Finanzchef fehlt. Dass die Aktie mit dem 2,3-Fachen ihres Zwölf-Monats-Umsatzes gehandelt wird und seit dem Börsengang rund 87 Prozent verloren hat, ist ein Preisargument und ändert an dieser Einstufung nichts.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Freightos über den hauseigenen Reddit-Hype-Scanner (Lauf vom 22. August 2026), nicht über einen Bewertungs- oder Momentum-Scanner. Ein Aufmerksamkeitssignal ist kein Kaufargument.
  • Freightos ist bei der SEC ein ausländischer Emittent: Jahresbericht Form 20-F, Zwischenzahlen Form 6-K — es gibt kein 10-K und kein 10-Q. Bilanziert wird nach IFRS in US-Dollar; das Geschäftsjahr entspricht dem Kalenderjahr.
  • Der Buchungswert (Gross Booking Value) ist keine Umsatzgröße: Er misst den Gesamtwert der über die Plattform gebuchten Frachtaufträge einschließlich durchgereichter Zölle und steigt mit den Frachtpreisen. Bewertungs- und Kursangaben tragen den Datenstand 21. August 2026 und sind kein Kaufargument.

Aktien-Wächter

Diese Analyse ist Stand 22. August 2026. Was sich seitdem bei CRGO geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

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Häufige Fragen

Freightos Limited (Nasdaq: CRGO) betreibt einen herstellerneutralen Marktplatz für internationale Fracht. Fluggesellschaften, Reedereien und Speditionen stellen dort Preise und freie Kapazitäten ein, mehr als 3.500 Speditionsunternehmen buchen darüber. Zum Angebot gehören WebCargo, Freightos.com, das Ausschreibungswerkzeug Shipsta, die Zollabfertigung Clearit und die Frachtpreis-Indizes FBX und FAX. Eigene Flugzeuge, Schiffe oder Lastwagen besitzt das Unternehmen nicht.

Der Buchungswert (Gross Booking Value) misst den Gesamtwert der über die Plattform gebuchten Frachtaufträge, nicht die Einnahmen von Freightos. Im zweiten Quartal 2026 stieg er um 33 Prozent auf 422 Millionen US-Dollar, der Umsatz nur um 3 Prozent auf 7,691 Millionen. Zwei Gründe: Der Buchungswert steigt mit den Frachtpreisen — die Luftfrachtraten lagen rund 25 Prozent über dem Niveau vor dem Nahost-Konflikt —, und ein Teil der Gebühren ist eine feste Pauschale je Buchung statt eines Prozentsatzes.

Nein. Freightos hat seit der Gründung kein Jahr mit Gewinn abgeschlossen; die kumulierten Verluste lagen zum 30. Juni 2026 bei 232,3 Millionen US-Dollar. Im zweiten Quartal 2026 betrug der IFRS-Verlust 1,628 Millionen nach 4,278 Millionen im Vorjahresquartal, das bereinigte EBITDA minus 2,031 Millionen. Das Unternehmen will das Jahr 2026 beim bereinigten EBITDA ausgeglichen beenden und ab Mitte 2027 Geld erwirtschaften.

Weil Freightos bei der US-Börsenaufsicht SEC als ausländischer Emittent (Foreign Private Issuer) geführt wird: Die Gesellschaft ist auf den Cayman-Inseln registriert und wird von Barcelona aus geleitet. Für diese Gruppe heißt der Jahresbericht Form 20-F, Zwischenzahlen kommen als Form 6-K. Der Abschluss wird nach IFRS in US-Dollar aufgestellt, das Geschäftsjahr entspricht dem Kalenderjahr.

Zum 30. Juni 2026 standen 13,311 Millionen US-Dollar Kasse und 8,058 Millionen US-Dollar Festgeld in der Bilanz, zusammen rund 21,4 Millionen, dazu ein Eigenkapital von 36,6 Millionen und keine Finanzschulden. Im ersten Halbjahr 2026 flossen 5,985 Millionen aus dem operativen Geschäft ab, im zweiten Quartal allein 1,522 Millionen. Rechnerisch reicht das Geld damit rund sieben Quartale; die Geschäftsleitung bestätigt ausreichende Mittel für mindestens zwölf Monate.

Zvi Schreiber gründete Freightos 2012 und führte das Unternehmen bis Januar 2026. Am 29. Juni 2026 meldete er über ein Schedule 13D einen Anteil von 3.131.931 Aktien oder 6,1 Prozent — nachdem er am 11. März 2026 noch passiv gemeldet hatte. Er hält die seit Anfang 2026 verfolgte Strategie für wertmindernd, will zu einer plattform-zuerst ausgerichteten Wachstumsstrategie zurückkehren und Zusammensetzung sowie Vorsitz des Verwaltungsrats ändern.

Akut nicht, aber der Jahresbericht nennt es als Risiko. Die Nasdaq verlangt einen Mindestgeldkurs von 1,00 US-Dollar je Aktie; fällt der Schlusskurs an 30 aufeinanderfolgenden Handelstagen darunter, folgt eine förmliche Mängelrüge samt Frist zur Heilung. Die Aktie stand am 21. August 2026 bei 1,36 US-Dollar, das Zwölf-Monats-Tief bei 1,14. Als mögliche Antwort nennt der Bericht ausdrücklich eine Aktienzusammenlegung.

Ja, allerdings als Anwender und nicht als Anbieter. Der Jahresbericht Form 20-F für 2025 nennt den Einsatz fremder KI-Modelle von Anthropic (Claude-Reihe) in internen Abläufen und in Angeboten des Solutions-Segments, etwa für Buchungs- und Preisprognosen. Der Verwaltungsrat hat dafür einen eigenen Ausschuss für Produkt, KI und Technologie eingerichtet. Ein eigenes KI-Produkt verkauft Freightos nicht.

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