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LiveRamp: Die Wende ist geschafft — und das Unternehmen schon verkauft

LiveRamp: Die Wende ist geschafft — und das Unternehmen schon verkauft

Sechs Jahre lang schrieb LiveRamp Verluste, dann kam das Rekordjahr: 812,9 Millionen US-Dollar Umsatz, 83,5 Millionen Betriebsergebnis, 166,4 Millionen freier Mittelzufluss. Drei Wochen vor der Vorlage dieser Zahlen unterschrieb der Vorstand den Verkauf an die französische Publicis Groupe — 38,50 US-Dollar bar je Aktie. Wer jetzt in die Berichte an die US-Börsenaufsicht SEC schaut, findet zwei Dinge, die zusammengehören: Fast die Hälfte des Rekordgewinns von 146,0 Millionen stammt aus einer Steuergutschrift von 46,7 Millionen, und das gesamte Betriebsergebnis entspricht fast auf den Dollar der aktienbasierten Vergütung von 83,0 Millionen. Keine Anlageberatung — nur die Frage, was du kaufst, wenn der Kurs am Angebotspreis klebt.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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LiveRamp: Die Wende ist geschafft — und das Unternehmen schon verkauft
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die genau dann zuschnappt, wenn man endlich Recht bekommen hat: die Zielgeraden-Falle. Sie funktioniert so. Du hast eine Firma jahrelang beobachtet, wie sie sich aus den Verlusten herausarbeitet. Irgendwann kommt das Jahr, in dem alles stimmt — der Umsatz wächst, die Kosten sitzen, der Gewinn ist da. Der Kurs zieht an, der Chart sieht aus wie ein Lehrbuch. Und weil sich das so richtig anfühlt, kaufst du. Was du dabei übersiehst: Auf der Zielgeraden steht schon jemand anderes und hält das Zielband in der Hand. LiveRamp Holdings (NYSE: RAMP) aus San Francisco ist im Sommer 2026 genau diese Firma. Das Geschäftsjahr 2026 war das beste der Unternehmensgeschichte. Drei Wochen bevor diese Zahlen veröffentlicht wurden, unterschrieb der Vorstand den Verkauf an die französische Publicis Groupe. Machen wir also einen Deal: Bevor du einen Turnaround kaufst, lesen wir gemeinsam, was die Firma selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für das Geschäftsjahr 2026, den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. Dezember 2025 und die Übernahme-Unterlage (DEFM14A) vom 6. Juli 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt von einem echten Turnaround, von einem Gewinn, der zu einem erheblichen Teil aus der Steuerzeile stammt, von einem Betriebsergebnis in exakt der Größe der Aktienvergütung — und von 38,50 US-Dollar, die am 17. August 2026 zur Abstimmung stehen. Am Ende entscheidest du selbst.

Was LiveRamp eigentlich macht — der Übersetzer zwischen Datentöpfen

Stell dir zwei Unternehmen vor, die beide etwas über denselben Kunden wissen: Ein Handelskonzern weiß, dass Frau Schmidt letzte Woche Laufschuhe gekauft hat. Ein Fernsehsender weiß, dass ein bestimmtes Gerät gestern einen Sportfilm gestreamt hat. Beide würden gern wissen, ob das dieselbe Person ist — dürfen sich aber gegenseitig keine Namen, Adressen oder E-Mail-Adressen zeigen. Genau diese Lücke füllt LiveRamp: Das Unternehmen ersetzt die persönlichen Angaben durch eine pseudonyme Kennung, die RampID heißt, und lässt beide Seiten über diese Kennung abgleichen. Der Fachbegriff dafür ist Datenkollaboration — in Alltagssprache: ein Übersetzer, der zwei Datentöpfe zusammenbringt, ohne den Inhalt preiszugeben.

Das Geschäft steht auf vier Beinen, die der Geschäftsbericht so benennt: Live/Identity (die Identitätsauflösung selbst, aufgebaut auf zwei Datengraphen), Live/Access (der Datenmarktplatz mit mehr als 225 Datenanbietern), Live/Connectivity (die Anbindung an über 500 Partner — Werbeplattformen, Verlage, soziale Netzwerke, vernetztes Fernsehen) und Live/Insights (Auswertung in sogenannten Datenreinräumen, in denen zwei Partner rechnen können, ohne die Rohdaten zu tauschen). Bezahlt wird überwiegend im Abonnement, gestaffelt nach Datenmenge: 614,4 Millionen US-Dollar der 812,9 Millionen Jahresumsatz des Geschäftsjahres 2026 kamen aus Abos, 198,6 Millionen aus dem Datenmarktplatz und Sonstigem. Rund 76 Prozent des Umsatzes stammen aus Abo-Verträgen mit ein- oder mehrjähriger Laufzeit.

Ein Punkt, der die ganze Analyse begleitet: Das Geschäft ist fast vollständig amerikanisch. Von 812,9 Millionen US-Dollar Umsatz entfielen im Geschäftsjahr 2026 763,2 Millionen auf die USA, 41,4 Millionen auf Europa, 6,2 Millionen auf den asiatisch-pazifischen Raum und 2,2 Millionen auf den Rest der Welt. Ein europäischer Käufer kauft hier also im Kern ein US-Geschäft mit US-Kunden und US-Daten — und genau deshalb steht am Ende dieser Analyse eine Behörde, mit der Anleger sonst wenig zu tun haben.

Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: LiveRamp hat die operative Wende erreicht — aber der ausgewiesene Gewinn trägt sich nicht allein aus dem Betrieb, und der Ertrag, den der Betrieb tatsächlich abwirft, fließt seit Jahren fast vollständig in die eigene Belegschaft und in Aktienrückkäufe, die diese Vergütung ausgleichen.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam

LiveRamp erschien in unserem Scanner „Turnaround-Kandidaten“ — einer Liste, die Firmen sucht, deren Aktie mindestens die Hälfte ihres Allzeithochs verloren hat, deren Bilanz die Durststrecke aber übersteht und bei denen sich die Geschäftszahlen über die letzten Quartale erkennbar drehen. Nachmachen kannst du das so: Rubrik Scanner öffnen, „Turnaround-Kandidaten“ wählen, Land auf USA stellen. Die Listen werden täglich neu berechnet.

Und jetzt der Teil, den wir ehrlich benennen müssen, weil er die Einordnung verändert. Der Scanner prüft acht Punkte — vier zur operativen Wende, vier zur Bestätigung durch den Markt; die Spalte heißt „Wende-Check“. LiveRamp erreicht 6 von 8 Punkten (Stand 27. Juli 2026). Das ist genau die Eintrittsschwelle. Von den 60 US-Treffern der Liste erreichen 44 ebenfalls exakt 6 Punkte — LiveRamp liegt also in einer Gleichstands-Gruppe, die sich die Ränge 17 bis 60 teilt; nur 16 Titel stehen mit 7 oder 8 Punkten davor. Angezeigt werden auf der Seite die 25 stärksten Treffer, und LiveRamp gehört nicht dazu. Wer also einen exakten Rang liest, liest eine Zufallszahl aus der Sortierung der Datenbank. Merke dir das als Regel für jede Rangliste: Bei Gleichstand ist die Reihenfolge Zierde, nicht Information.

Ein zweiter Treffer ist aussagekräftiger, weil er nicht auf Punkten, sondern auf harten Bilanzrelationen beruht: LiveRamp steht auch auf der Liste „Altman-Z: Bilanz-Festung“. Der Altman-Z-Score ist ein Pleite-Frühwarnwert aus mehreren Bilanzkennzahlen; alles über 2,6 gilt als sichere Zone. Unsere Datenreihe weist für LiveRamp 12,55 aus (Datenstand 24. Juli 2026). Wir haben das gegen den Jahresabschluss nachgerechnet: Bei einer Eigenkapitalquote von 75,1 Prozent, keinen Finanzschulden (Zinsaufwand im Geschäftsjahr 2026: 32.000 US-Dollar), 379,5 Millionen Kasse gegen 322,2 Millionen Gesamtschulden und einem Umlaufvermögen, das die kurzfristigen Schulden um das 2,5-Fache deckt, kommt man je nach Rechenweg auf einen Wert zwischen 9 und 14 — die Größenordnung stimmt in jedem Fall, die Nachkommastelle ist streitbar. Auch der Piotroski-F-Score von 7 von 9 ließ sich Punkt für Punkt nachvollziehen: Gewinn positiv, operativer Mittelzufluss positiv und größer als der Gewinn, Gesamtkapitalrendite gestiegen, keine neuen Schulden, Aktienzahl gesunken, Kapitalumschlag gestiegen — Punkte verloren gehen nur bei der Bruttomarge (70,7 gegen 71,0 Prozent im Vorjahr) und beim Liquiditätsgrad. 7 von 9 ist gut, aber nicht makellos; eine kerngesunde Firma steht bei 8 oder 9.

Und der Absturz, den der Scanner voraussetzt, ist real: Die Aktie notierte am 24. Juli 2026 rund 56 Prozent unter ihrem Allzeithoch — bei einem Kurs von 37,70 US-Dollar entspricht das einem historischen Höchststand von gut 86 US-Dollar. Der Turnaround, den der Scanner sucht, hat also stattgefunden; nur ist er inzwischen an einen Käufer weitergereicht worden.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt, und das ist eine ganze Menge. Im Geschäftsjahr 2020 (Ende 31. März 2020) verbrannte LiveRamp Geld: 180,9 Millionen US-Dollar Betriebsverlust bei 380,6 Millionen Umsatz, dazu ein negativer freier Mittelzufluss von 40,3 Millionen. Sechs Jahre später steht dieselbe Firma bei 812,9 Millionen Umsatz, einem Betriebsergebnis von 83,5 Millionen und einer operativen Marge von 10,3 Prozent — nach 0,7 Prozent im Vorjahr. Der Umsatz hat sich in sechs Jahren mehr als verdoppelt, ohne dass die Firma dafür Schulden aufgenommen hätte.

Auch die Betriebskennzahlen, die man bei einem Abo-Geschäft anschaut, zeigen nach oben: Die jährlich wiederkehrenden Erlöse stiegen auf 545 Millionen US-Dollar (Vorjahr 504), die Netto-Bindungsrate im Abo auf 107 Prozent (Vorjahr 104) — das heißt, Bestandskunden gaben im Schnitt 7 Prozent mehr aus als ein Jahr zuvor, Kündigungen bereits eingerechnet. Der noch nicht erlöste Auftragsbestand lag bei 760,4 Millionen US-Dollar, davon 518,5 Millionen mit Erlösrealisierung in den nächsten zwölf Monaten. 133 Kunden zahlen mehr als eine Million US-Dollar Abo-Umsatz im Jahr; insgesamt betreut LiveRamp 846 Direktkunden.

Gruppiertes Balkendiagramm für die Geschäftsjahre 2022 bis 2026 in Millionen US-Dollar: Ergebnis vor Steuern −35,1 / −118,9 / +34,4 / +22,8 / +98,1; Ergebnis nach Steuern −33,8 / −124,1 / +10,1 / −2,5 / +144,8. Im Geschäftsjahr 2026 liegt der Balken nach Steuern höher als der davor.
Der Turnaround in einem Bild — und zugleich die Auffälligkeit: In den Geschäftsjahren 2024 und 2025 blieb vom Vorsteuerergebnis nach Steuern deutlich weniger übrig, im Geschäftsjahr 2026 dagegen mehr (144,8 gegen 98,1 Millionen US-Dollar). Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Reihe im Einzelnen, in Millionen US-Dollar: Vor Steuern lief das Ergebnis von −35,1 (Geschäftsjahr 2022) über −118,9 und +34,4 auf +22,8 und schließlich +98,1; nach Steuern von −33,8 über −124,1 und +10,1 auf −2,5 und +144,8. In vier von fünf Jahren blieb nach Steuern weniger übrig als davor — im Geschäftsjahr 2026 mehr. Warum, dazu gleich mehr.

Die Bilanz zum 31. März 2026 ist die eines Unternehmens ohne Existenzsorgen: 1.294,2 Millionen US-Dollar Bilanzsumme, davon 379,5 Millionen Kasse (26,2 Millionen davon außerhalb der USA), 972,0 Millionen Eigenkapital — und keine Finanzschulden. Die Zinserträge (14,8 Millionen) übersteigen den Zinsaufwand (32.000 US-Dollar) um das Vierhundertfache. Wer sich fragt, warum LiveRamp trotz sechs Verlustjahren nie in Bedrängnis kam: genau deshalb. Merke dir das Bild: Die Firma hat den Marathon nicht gewonnen, weil sie schnell war, sondern weil sie nie stehenbleiben musste.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Ein Drittel des Rekordgewinns kommt aus der Steuerzeile

Der Nettogewinn des Geschäftsjahres 2026 beträgt 146,0 Millionen US-Dollar oder 2,24 US-Dollar je verwässerter Aktie — nach einem Verlust von 0,01 US-Dollar je Aktie im Vorjahr. Das Ergebnis vor Steuern aus fortgeführten Geschäften lag jedoch bei nur 98,1 Millionen. Normalerweise schrumpft ein Gewinn durch die Steuer; hier wuchs er. Der Grund steht im Geschäftsbericht:

„Income tax benefit was $46.7 million on income from continuing operations before income taxes of $98.1 million for the twelve months ended March 31, 2026, resulting in a (47.6)% effective tax rate. … In fiscal 2026, a valuation allowance release was recorded based on all available evidence, including sustained profitability in recent years, improved expectations of future taxable income, and the absence of significant negative evidence.“

Übersetzung: „Der Steuerertrag betrug 46,7 Millionen US-Dollar bei einem Ergebnis aus fortgeführten Geschäften vor Steuern von 98,1 Millionen für die zwölf Monate bis zum 31. März 2026, was einer effektiven Steuerquote von minus 47,6 Prozent entspricht. … Im Geschäftsjahr 2026 wurde eine Wertberichtigung aufgelöst, gestützt auf alle verfügbaren Anhaltspunkte, darunter nachhaltige Profitabilität in den vergangenen Jahren, verbesserte Erwartungen an künftig zu versteuerndes Einkommen und das Fehlen wesentlicher negativer Anhaltspunkte.“

— LiveRamp Holdings, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Lagebericht (MD&A)

Markierte Passage aus dem LiveRamp-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026: Steuerertrag 46,7 Millionen US-Dollar auf ein Vorsteuerergebnis von 98,1 Millionen, effektive Steuerquote minus 47,6 Prozent, Auflösung einer Wertberichtigung von 53,8 Millionen.
Die Steuerzeile im Original: aus 98,1 Millionen US-Dollar vor Steuern werden durch einen Ertrag von 46,7 Millionen deutlich mehr danach. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Was ist eine Wertberichtigung auf aktive latente Steuern? Alltagsbild: Eine Firma, die jahrelang Verluste macht, sammelt Verlustvorträge — Gutscheine, mit denen sie künftige Gewinne steuerfrei stellen kann. Solange unklar ist, ob je Gewinne kommen, muss sie diese Gutscheine in der Bilanz abwerten. Kommen die Gewinne doch, wird die Abwertung zurückgenommen — und das schlägt in einem Rutsch als Ertrag durchs Ergebnis. Genau das ist hier passiert: 53,8 Millionen US-Dollar auf Bundesebene, dazu 28,9 Millionen aus Bundesstaaten, überwiegend Kalifornien. Übrig bleibt eine Wertberichtigung von nur noch 20,6 Millionen auf ausländische Verlustvorträge.

Zwei Dinge folgen daraus. Erstens: Der Effekt wiederholt sich nicht. Wer das Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 17 (Datenstand 24. Juli 2026) fortschreibt, rechnet mit einem Gewinn, der so nicht wiederkommt. Zweitens, und das ist die schärfere Beobachtung: Die gesamte Wirkung fiel ins Schlussquartal. Im Quartal zum 31. März 2026 standen einem Vorsteuerergebnis von 19,3 Millionen ein Steuerertrag von 50,5 Millionen und damit ein Nettogewinn von 70,9 Millionen US-Dollar gegenüber — fast die Hälfte des Jahresgewinns in einem Quartal, in dem operativ 19,3 Millionen verdient wurden. Zur Einordnung die Gegenprobe im Vorjahresquartal: Dort lag das Vorsteuerergebnis bei minus 6,7 Millionen. Der Sprung ist also echt operativ und steuerlich überzeichnet.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Das Betriebsergebnis entspricht fast auf den Dollar der Aktienvergütung

Jetzt der Vergleich, der die Ertragskraft dieses Geschäfts am ehrlichsten beschreibt. Betriebsergebnis Geschäftsjahr 2026: 83,5 Millionen US-Dollar. Aktienbasierte Vergütung im selben Jahr: 83,0 Millionen US-Dollar. Aktienbasierte Vergütung heißt: Die Firma bezahlt einen Teil der Gehälter nicht in Geld, sondern in eigenen Aktien. In der Gewinn- und Verlustrechnung ist das ein Aufwand, in der Kapitalflussrechnung wird er wieder hinzugerechnet, weil kein Geld abfließt. Der Preis dafür wird an anderer Stelle bezahlt — vom Aktionär, dessen Stück vom Kuchen kleiner wird.

Und der Sprung von 5,4 auf 83,5 Millionen? Der Geschäftsbericht beantwortet die Frage selbst:

„Income from operations was $83.5 million for the twelve months ended March 31, 2026 compared to income from operations of $5.4 million in the same period a year ago. Operating margin was 10.3% compared to 0.7% in the same period a year ago. Margins in the current year were positively impacted by the leverage from a $32.9 million decrease in total operating expenses, which was significantly impacted by a $23.7 million decrease in stock-based compensation.“

Übersetzung: „Das Betriebsergebnis betrug 83,5 Millionen US-Dollar für die zwölf Monate bis zum 31. März 2026 gegenüber 5,4 Millionen im Vorjahreszeitraum. Die operative Marge lag bei 10,3 Prozent gegenüber 0,7 Prozent im Vorjahreszeitraum. Die Margen des laufenden Jahres wurden positiv beeinflusst durch den Hebel aus einem Rückgang der gesamten Betriebsaufwendungen um 32,9 Millionen, der wesentlich von einem Rückgang der aktienbasierten Vergütung um 23,7 Millionen geprägt war.“

— LiveRamp Holdings, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Lagebericht (MD&A)

Markierte Passage aus dem LiveRamp-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026: Betriebsergebnis 83,5 Millionen US-Dollar gegenüber 5,4 Millionen im Vorjahr, operative Marge 10,3 statt 0,7 Prozent, Kostenrückgang 32,9 Millionen davon 23,7 Millionen weniger aktienbasierte Vergütung.
Der Gewinnsprung, erklärt von der Firma selbst: von 32,9 Millionen US-Dollar Kostenrückgang entfielen 23,7 Millionen auf geringere Aktienvergütung. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rund drei Viertel des Kostenrückgangs, der die Marge gerettet hat, sind also nicht Effizienz im Betrieb, sondern eine kleinere Rechnung fürs eigene Personal in Aktien. Das ist keine Kritik an der Zahl — es ist eine Warnung vor der Fortschreibung. Ein Kostenblock, der um 23,7 Millionen fällt, fällt nicht jedes Jahr um 23,7 Millionen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: 1,2 Milliarden Dollar Rückkäufe — und 54 Millionen Aktien für die Vergütung

Bleiben wir beim Geld, das der Betrieb tatsächlich abwirft. Der operative Mittelzufluss lag im Geschäftsjahr 2026 bei 167,8 Millionen US-Dollar, die Investitionen bei mageren 1,4 Millionen — das Geschäft braucht kaum Anlagen. Bleibt ein freier Mittelzufluss von 166,4 Millionen. Wohin fließt er?

Gruppiertes Balkendiagramm für die Geschäftsjahre 2024 bis 2026 in Millionen US-Dollar: freier Mittelzufluss 101,4 / 152,9 / 166,4; aktienbasierte Vergütung 71,3 / 108,0 / 83,0; Aktienrückkäufe 60,5 / 101,2 / 194,5. Im Geschäftsjahr 2026 übersteigen die Rückkäufe den freien Mittelzufluss.
Drei Balken, eine Geschichte: Der freie Mittelzufluss steigt (166,4 Millionen US-Dollar), die Aktienvergütung bleibt mit 83,0 Millionen die Hälfte davon — und die Rückkäufe (194,5 Millionen) übersteigen im Geschäftsjahr 2026 den gesamten Mittelzufluss. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Reihe zeigt, dass das kein Ausrutscher eines einzelnen Jahres ist. Der freie Mittelzufluss stieg von 101,4 (Geschäftsjahr 2024) über 152,9 auf 166,4 Millionen US-Dollar. Die aktienbasierte Vergütung lag im selben Zeitraum bei 71,3, 108,0 und 83,0 Millionen — also jedes Jahr zwischen der Hälfte und zwei Dritteln des gesamten freien Mittelzuflusses. Und die Rückkäufe stiegen von 60,5 über 101,2 auf 194,5 Millionen.

Im Geschäftsjahr 2026 kaufte LiveRamp 7,1 Millionen eigene Aktien zurück; die Kapitalflussrechnung weist dafür 194,5 Millionen US-Dollar aus, der Lagebericht 194,4 Millionen — der Unterschied ist die einprozentige US-Abgabe auf Aktienrückkäufe, die in der Kapitalflussrechnung mitläuft. Dazu kamen 13,0 Millionen für Aktien, die bei der Zuteilung von Mitarbeiter-Anteilen gleich für Steuern einbehalten wurden. Zusammen rund 207,6 Millionen — mehr, als der Betrieb in diesem Jahr an freiem Geld erwirtschaftet hat. Der Rest kam aus der Kasse, die entsprechend von 413,9 auf 379,5 Millionen fiel.

Und jetzt die Zahl, die man sich merken sollte:

„Through March 31, 2026, the Company had repurchased 48.6 million shares of its common stock for $1.2 billion, leaving remaining capacity of $261.8 million under the stock repurchase program. In accordance with the Merger Agreement, the Company has paused repurchases under its stock repurchase program through the completion of the Merger.“

Übersetzung: „Bis zum 31. März 2026 hatte die Gesellschaft 48,6 Millionen eigene Aktien für 1,2 Milliarden US-Dollar zurückgekauft; unter dem Rückkaufprogramm verbleibt eine Kapazität von 261,8 Millionen. Gemäß dem Zusammenschlussvertrag hat die Gesellschaft die Rückkäufe bis zum Vollzug des Zusammenschlusses ausgesetzt.“

— LiveRamp Holdings, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 5

Markierte Passage aus dem LiveRamp-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026: seit 2011 wurden 48,6 Millionen Aktien für 1,2 Milliarden US-Dollar zurückgekauft, Restkapazität 261,8 Millionen, Rückkäufe wegen des Zusammenschlussvertrags ausgesetzt.
Rückkäufe seit August 2011 im Original — 48,6 Millionen Aktien für 1,2 Milliarden US-Dollar, Restkapazität 261,8 Millionen, seit dem Übernahmevertrag pausiert. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

48,6 Millionen zurückgekaufte Aktien klingen gewaltig — bei rund 60,8 Millionen ausstehenden Aktien (Stand 18. Juni 2026) wäre das fast die halbe Firma. Ist es aber nicht, denn auf der anderen Seite steht die Ausgabe: Für die Aktien- und Beteiligungsprogramme sind seit deren Auflegung 54,0 Millionen Aktien reserviert, davon waren am 31. März 2026 noch 7,3 Millionen frei vergebbar. Anders gesagt: Über die gesamte Programmlaufzeit hat die Firma ungefähr so viele Aktien für die Belegschaft bereitgestellt, wie sie am Markt zurückgekauft hat. Das ist kein Rückgabe-Kanal an die Aktionäre, sondern zu großen Teilen ein Reparaturbetrieb für die eigene Verwässerung. Auch das erklärt, warum die Aktienzahl trotz 1,2 Milliarden US-Dollar Rückkäufen von 67,8 Millionen (31. März 2020) nur auf 60,1 Millionen (15. Mai 2026) gefallen ist.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Aktie ist keine Aktie mehr, sondern eine Wette auf drei Freigaben

Am 16. Mai 2026 unterschrieb LiveRamp den Zusammenschlussvertrag mit MMS USA Holdings, Inc., einer Tochter der französischen Publicis Groupe S.A., dem drittgrößten Werbekonzern der Welt. Jede Aktie wird in das Recht auf 38,50 US-Dollar in bar umgewandelt.

„If the Merger is completed, you will be entitled to receive $38.50 in cash, without interest, for each Eligible Share owned by you …, which represents a premium of approximately 30% to the closing price of $29.66 per share of Common Stock on May 15, 2026, the last trading day prior to the execution of the Merger Agreement.“

Übersetzung: „Wird der Zusammenschluss vollzogen, hast du Anspruch auf 38,50 US-Dollar in bar, ohne Zinsen, für jede berechtigte Aktie in deinem Besitz …, was einem Aufschlag von rund 30 Prozent auf den Schlusskurs von 29,66 US-Dollar je Aktie am 15. Mai 2026 entspricht, dem letzten Handelstag vor der Unterzeichnung des Zusammenschlussvertrags.“

— LiveRamp Holdings, Inc., SEC-Übernahme-Unterlage DEFM14A vom 6. Juli 2026

Markierte Passage aus der LiveRamp-Übernahme-Unterlage DEFM14A vom 6. Juli 2026: 38,50 US-Dollar in bar je Aktie, ein Aufschlag von rund 30 Prozent auf den Schlusskurs von 29,66 US-Dollar am 15. Mai 2026.
Das Angebot im Original: 38,50 US-Dollar bar je Aktie, rund 30 Prozent über dem Schlusskurs vom 15. Mai 2026. Quelle: SEC-Übernahme-Unterlage DEFM14A vom 6. Juli 2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Damit ändert sich, was man beim Kauf dieser Aktie eigentlich kauft. Drei Hürden stehen zwischen heute und den 38,50 US-Dollar. Erstens die Aktionäre: Am 17. August 2026 stimmen sie virtuell ab; nötig ist die Zustimmung von zwei Dritteln aller ausstehenden Aktien (66 2/3 Prozent), nicht nur der abgegebenen Stimmen. Wer nicht abstimmt, stimmt faktisch mit Nein. Stichtag für die Stimmberechtigung war der 18. Juni 2026 mit 60.786.315 Aktien. Zweitens die Kartellbehörden in den USA und im Ausland samt Freigaben für ausländische Direktinvestitionen. Drittens der CFIUS — der US-Ausschuss, der Übernahmen amerikanischer Firmen durch ausländische Käufer auf Risiken für die nationale Sicherheit prüft. Bei einem Unternehmen, dessen Kerngeschäft die Verknüpfung von Verbraucherdaten in den USA ist und das 94 Prozent seines Umsatzes dort erzielt, ist das keine Formalie: Der Vertrag räumt beiden Seiten sogar ausdrücklich ein Kündigungsrecht ein, falls der CFIUS dem Präsidenten empfiehlt, den Zusammenschluss zu untersagen.

Scheitert der Vertrag, zahlt die verantwortliche Seite der anderen 32,35 Millionen US-Dollar Ausstiegsgebühr. Der äußerste Termin für den Vollzug ist der 16. Mai 2027, verlängerbar um drei Monate, falls nur noch Freigaben fehlen. Erwartet wird der Vollzug laut Geschäftsbericht bis zum Ende des Kalenderjahres 2026.

Bewertung — was 38,50 Dollar wirklich bedeuten

Klassische Kennzahlen sind hier nur noch die halbe Miete, aber der Vollständigkeit halber: Beim Kurs von 37,70 US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) liegt der Börsenwert bei rund 2,25 bis 2,29 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 2,8, einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 17 (verzerrt durch den Steuerertrag, siehe oben) und — rechnet man die Nettokasse heraus — einem Unternehmenswert von 2,35-mal dem Jahresumsatz und dem 17-Fachen des operativen Ergebnisses vor Abschreibungen. Für ein Abo-Geschäft mit 9 Prozent Wachstum, 70 Prozent Bruttomarge und schuldenfreier Bilanz ist das weder billig noch teuer — es ist normal.

Interessanter ist, was der Vorstand selbst rechnen ließ. Die Investmentbank Evercore, Beraterin des Verwaltungsrats, zinste die eigenen Planzahlen des Unternehmens ab — mit Kapitalkosten von 13 bis 15 Prozent und einem ewigen Wachstum von 4 bis 6 Prozent — und kam auf eine Spanne des Werts je Aktie von 33,83 bis 49,38 US-Dollar. Das Angebot von 38,50 liegt im unteren Drittel dieser Spanne. Die zugrunde liegende Planung ist dabei nicht bescheiden: Sie unterstellt für das Kalenderjahr 2027 einen Umsatz von 997 Millionen US-Dollar und bis 2030 einen Anstieg auf 1.426 Millionen.

Und dort steht auch die eleganteste Bestätigung unserer zweiten unbequemen Wahrheit: Die Planung weist das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen zweimal aus — einmal vor und einmal nach aktienbasierter Vergütung. Für 2027 lauten die Zahlen 277 Millionen gegenüber 194 Millionen US-Dollar. Die Differenz von 83 Millionen ist exakt die Größenordnung, die LiveRamp heute pro Jahr in Aktien an die eigene Belegschaft zahlt. Wer eine Software-Firma nur nach der Kennzahl vor Aktienvergütung bewertet, überschätzt sie hier um rund 30 Prozent.

Der Blick der Profis fällt entsprechend gedämpft aus: Sieben Analysten führen im Schnitt ein Kursziel von 40,58 US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) — knapp über dem Angebot, was in solchen Lagen normal ist. Der Markt selbst hat das Urteil längst gefällt: Am 1. Juli 2026 lag der Schlusskurs bei 37,68 US-Dollar, also 2,1 Prozent unter dem Angebot. Diese 2,1 Prozent sind der Preis, den der Markt dafür verlangt, das Restrisiko aus Abstimmung, Kartellrecht und CFIUS zu tragen — hochgerechnet auf eine erwartete Wartezeit von wenigen Monaten eine ordentliche Jahresrendite, wenn alles gut geht, und ein Rückfall in Richtung des Kurses vor der Ankündigung (29,66 US-Dollar), wenn nicht.

Wer wissen will, wie eine Firma aussieht, die denselben Werbemarkt bedient, aber ohne Übernahmeangebot dasteht, findet das in unserer Analyse zu Digital Turbine. Und wer sehen möchte, wie stark aktienbasierte Vergütung die Ergebnisse eines Abo-Softwarehauses prägen kann, liest die Zahlen zu AvePoint daneben.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Chancen

  • Der Turnaround ist belegt, nicht behauptet: Umsatz 812,9 Millionen US-Dollar (+9,0 Prozent), Betriebsergebnis 83,5 Millionen nach 5,4 Millionen, operative Marge 10,3 statt 0,7 Prozent, freier Mittelzufluss 166,4 Millionen — alles Geschäftsjahr 2026.
  • Bilanz ohne Bruchstellen: keine Finanzschulden, 379,5 Millionen Kasse, 972,0 Millionen Eigenkapital, Eigenkapitalquote 75,1 Prozent (31. März 2026). Die Firma kann jede Verzögerung des Verfahrens aussitzen.
  • Ein fester Preis nach oben und unten: 38,50 US-Dollar bar, rund 30 Prozent über dem Kurs vor der Ankündigung. Der Abstand zum Kurs am 1. Juli 2026 (37,68) betrug 2,1 Prozent.
  • Ein zweiter Bieter ist nicht ausgeschlossen: Der Vertrag erlaubt dem Verwaltungsrat, ein besseres unaufgefordertes Angebot zu prüfen und die Empfehlung zu ändern — gegen Zahlung der 32,35 Millionen US-Dollar Ausstiegsgebühr.
  • Das Abo-Fundament trägt: 545 Millionen US-Dollar wiederkehrende Erlöse, 107 Prozent Netto-Bindungsrate, 760,4 Millionen noch nicht erlöster Auftragsbestand (31. März 2026).

Risiken

  • Die CFIUS-Prüfung ist die eigentliche Unbekannte: Ein französischer Konzern kauft ein US-Unternehmen, dessen Geschäft die Verknüpfung amerikanischer Verbraucherdaten ist. Der Vertrag sieht für diesen Fall ein ausdrückliches Kündigungsrecht vor.
  • Die Zwei-Drittel-Hürde: Nötig ist die Zustimmung von 66 2/3 Prozent aller ausstehenden Aktien am 17. August 2026 — jede nicht abgegebene Stimme wirkt wie eine Ablehnung.
  • Der Gewinn ist steuerlich überzeichnet: 46,7 Millionen US-Dollar des Ergebnisses stammen aus der Auflösung einer Wertberichtigung; übrig bleiben davon nur noch 20,6 Millionen Wertberichtigung auf ausländische Verlustvorträge. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis auf dieser Basis führt in die Irre.
  • Die Ertragskraft hängt an der Aktienvergütung: 83,0 Millionen US-Dollar Aktienvergütung gegen 83,5 Millionen Betriebsergebnis; drei Viertel des Kostenrückgangs kamen aus diesem Posten.
  • Kundenkonzentration: Die zehn größten Kunden standen im Geschäftsjahr 2026 für rund 30 Prozent des Umsatzes; kein einzelner Kunde überschritt 10 Prozent.
  • Bilanzielles Klumpenrisiko: Der Firmenwert aus früheren Zukäufen beträgt 502,1 Millionen US-Dollar — 38,8 Prozent der Bilanzsumme und mehr als die Hälfte des Eigenkapitals.
  • Scheitert der Vertrag, fällt der Bewertungsanker weg: Der Kurs vor der Ankündigung lag bei 29,66 US-Dollar (15. Mai 2026).

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Zielgeraden-Falle vom Anfang. Das Verlockende an LiveRamp ist echt: Hier hat eine Firma sechs Jahre lang an sich gearbeitet, hat aus 380,6 Millionen Umsatz 812,9 gemacht, aus 180,9 Millionen Betriebsverlust 83,5 Millionen Gewinn, und sie hat es ohne einen Dollar Schulden geschafft. Wer solche Wenden sucht, hat hier eine gefunden. Nur: Der Lohn dafür ist bereits ausgezahlt — an alle, die vor dem 16. Mai 2026 dabei waren und die 30 Prozent Aufschlag bekommen haben.

Was heute übrig bleibt, ist ein anderes Geschäft als das, was der Chart verspricht. Wer bei 37 oder 38 US-Dollar kauft, kauft keinen Turnaround und keine Abo-Software mit 107 Prozent Bindungsrate. Er kauft die Wahrscheinlichkeit, dass drei Freigaben kommen und zwei Drittel der Aktionäre am 17. August 2026 zustimmen — für einen Aufschlag von gut zwei Prozent. Das kann eine vernünftige Rechnung sein. Es ist nur eine völlig andere Rechnung als die, die man aufmacht, wenn man ein Unternehmen kauft.

Und falls der Vertrag scheitert, kommt die Firma zurück auf den Tisch — dann aber ohne den Preisanker und mit den beiden Fragen, die diese Analyse durchzogen haben: Was verdient LiveRamp, wenn die Steuerzeile wieder normal aussieht? Und was bleibt vom Betriebsergebnis übrig, wenn man es an der Aktienvergütung misst, die es fast vollständig aufwiegt? Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Diese Analyse ist journalistische Einordnung und ausdrücklich keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren. Aktien können jederzeit erheblich an Wert verlieren; ein Totalverlust ist möglich, und bei einem Zusammenschluss, der nicht vollzogen wird, kann der Kurs auf das Niveau vor der Ankündigung zurückfallen. Alle Zahlen stammen aus den genannten Originalquellen und tragen den dort angegebenen Stichtag. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in der besprochenen Aktie.

Unser Fazit auf einen Blick

Operative Wende positiv
Aus 180,9 Millionen US-Dollar Betriebsverlust im Geschäftsjahr 2020 wurden 83,5 Millionen Betriebsergebnis im Geschäftsjahr 2026, aus 380,6 Millionen Umsatz 812,9 Millionen. Die operative Marge stieg von 0,7 auf 10,3 Prozent, der freie Mittelzufluss auf 166,4 Millionen. Wiederkehrende Erlöse 545 Millionen, Netto-Bindungsrate 107 Prozent (31. März 2026).
Ergebnisqualität negativ
Der Nettogewinn von 146,0 Millionen US-Dollar steht auf einem Vorsteuerergebnis von 98,1 Millionen: 46,7 Millionen kamen als Steuer-Ertrag aus der Auflösung einer Wertberichtigung (effektive Quote −47,6 Prozent), fast vollständig im Schlussquartal des Geschäftsjahres 2026. Übrig bleiben 20,6 Millionen Wertberichtigung — der Effekt wiederholt sich nicht.
Aktienvergütung und Rückkäufe negativ
Die aktienbasierte Vergütung von 83,0 Millionen US-Dollar entspricht fast genau dem Betriebsergebnis von 83,5 Millionen; drei Viertel des Kostenrückgangs von 32,9 Millionen kamen aus diesem Posten. Seit 2011 wurden 48,6 Millionen Aktien für 1,2 Milliarden zurückgekauft, während für die Vergütungsprogramme 54,0 Millionen Aktien reserviert sind — Rückkauf als Reparatur der Verwässerung.
Bilanz positiv
Keine Finanzschulden, 379,5 Millionen US-Dollar Kasse, 972,0 Millionen Eigenkapital, Eigenkapitalquote 75,1 Prozent (31. März 2026); Zinserträge von 14,8 Millionen gegen 32.000 US-Dollar Zinsaufwand. Piotroski-F-Score 7 von 9, Altman-Z 12,55 (Datenstand 24. Juli 2026). Belastung: 502,1 Millionen Firmenwert, 38,8 Prozent der Bilanzsumme.
Übernahme und Verfahrensrisiko neutral
Publicis bietet 38,50 US-Dollar bar (rund 30 Prozent über 29,66 US-Dollar vom 15. Mai 2026). Offen sind die Zustimmung von zwei Dritteln aller ausstehenden Aktien am 17. August 2026, Kartellfreigaben und die CFIUS-Prüfung — bei einem US-Datengeschäft und einem französischen Käufer keine Formalie. Am 1. Juli 2026 lag der Kurs bei 37,68 US-Dollar, 2,1 Prozent unter dem Angebot.
Bewertung und Interessenlage neutral
Die Bewertungsspanne der Beraterbank Evercore reicht von 33,83 bis 49,38 US-Dollar je Aktie; das Angebot liegt im unteren Drittel. Für fünf Vorstände stehen im Zusammenhang mit dem Verkauf 82,7 Millionen US-Dollar bereit, mehr als das Doppelte der Ausstiegsgebühr von 32,35 Millionen; der Vorstandschef hat für die Zeit danach bereits bei Publicis unterschrieben.

LiveRamp ist die Zielgeraden-Falle in Reinform: eine Firma, die den Turnaround wirklich geschafft hat — 812,9 Millionen US-Dollar Umsatz, 83,5 Millionen Betriebsergebnis, 166,4 Millionen freier Mittelzufluss im Geschäftsjahr 2026, ohne einen Dollar Schulden — deren Belohnung dafür aber bereits am 16. Mai 2026 verteilt wurde, als Publicis 38,50 US-Dollar bar je Aktie bot. Was heute gekauft wird, ist deshalb kein Geschäft, sondern eine Wette auf zwei Drittel Zustimmung am 17. August 2026 sowie auf Kartell- und CFIUS-Freigaben, honoriert mit gut zwei Prozent Abstand zum Angebot. Wer die Firma dennoch als Firma bewerten will, muss zwei Zahlen nebeneinanderlegen: Von 146,0 Millionen Nettogewinn stammen 46,7 Millionen aus einer einmaligen Steuergutschrift, und das gesamte Betriebsergebnis entspricht mit 83,5 Millionen fast auf den Dollar der Aktienvergütung von 83,0 Millionen. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Das Geschäft ist belegbar da und die Bilanz ohne Bestandsfrage: 812,9 Millionen US-Dollar Umsatz im Geschäftsjahr 2026 (+9,0 Prozent), 545 Millionen wiederkehrende Jahreserlöse, 107 Prozent Netto-Bindungsrate im Abo, 760,4 Millionen Auftragsbestand, dazu 972,0 Millionen Eigenkapital, 379,5 Millionen Kasse, keine Finanzschulden und eine Eigenkapitalquote von 75,1 Prozent (Piotroski-F-Score 7 von 9). Zwei operative Fragen bleiben offen, und beide wiegen. Erstens die Ertragsqualität: Von 146,0 Millionen Nettogewinn stammen 46,7 Millionen aus der einmaligen Auflösung einer Wertberichtigung auf aktive latente Steuern (effektive Steuerquote −47,6 Prozent), fast vollständig im Schlussquartal; übrig bleiben nur 20,6 Millionen Wertberichtigung. Zweitens die Ertragskraft selbst: Das Betriebsergebnis von 83,5 Millionen entspricht fast auf den Dollar der aktienbasierten Vergütung von 83,0 Millionen, und drei Viertel des Kostenrückgangs von 32,9 Millionen kamen aus genau diesem Posten. Dazu kommen 502,1 Millionen Firmenwert (38,8 Prozent der Bilanzsumme) und eine Kundenkonzentration von rund 30 Prozent auf die zehn größten Kunden. Belegte Qualität mit offener Ergebnisqualität — das ist Gelb, nicht Grün.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam LiveRamp über den hauseigenen Aktien-Scanner „Turnaround-Kandidaten“ (US-Auswahl). Wichtig für die Einordnung: Der Wende-Check ergab 6 von 8 Punkten — denselben Wert erreichen 44 der 60 US-Treffer, die Gruppe teilt sich die Ränge 17 bis 60. Angezeigt werden nur die 25 stärksten Treffer, LiveRamp gehört nicht dazu. Ein exakter Rang wäre bei diesem Gleichstand eine Zufallszahl. Ein zweiter Treffer liegt in der Liste „Altman-Z: Bilanz-Festung“. Beide Listen werden täglich neu berechnet (Messung 27. Juli 2026).
  • Datengrundlage sind der Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026 (eingereicht 21.05.2026, jüngster Periodenbericht), der Quartalsbericht 10-Q zum 31.12.2025, die Übernahme-Unterlage DEFM14A vom 06.07.2026 sowie die 8-K-Meldungen vom 18.05.2026 und 20.07.2026. Marktdaten mit Datenstand 24. Juli 2026. Die Aktienzahl stammt aus der jüngsten Quelle, die eine nennt (60.786.315 zum Stichtag 18.06.2026); die Gegenprobe Aktienzahl mal dokumentiertem Kurs (37,68 US-Dollar am 01.07.2026) bestätigt den Börsenwert von rund 2,29 Milliarden US-Dollar.
  • Verwechslungsgefahr: LiveRamp Holdings hieß bis September 2018 Acxiom Corporation — die SEC-Kennnummer (CIK 0000733269) und damit die Zeitreihen sind durchgängig. Nicht zu verwechseln mit Ramp Business Corporation, einem nicht börsennotierten Ausgabenmanagement-Anbieter. Das Geschäftsjahr endet am 31. März: Das Geschäftsjahr 2026 deckt im Wesentlichen das Kalenderjahr 2025 ab.

Häufige Fragen

LiveRamp Holdings, Inc. (NYSE: RAMP) aus San Francisco betreibt ein Datenkollaborations-Netz. Marken, Verlage und Werbeplattformen verbinden darüber ihre Kundendaten, ohne Klarnamen, Adressen oder E-Mail-Adressen auszutauschen: Persönliche Angaben werden durch eine pseudonyme Kennung namens RampID ersetzt. Im Geschäftsjahr 2026 (Ende 31. März 2026) setzte das Unternehmen 812,9 Millionen US-Dollar um, davon 614,4 Millionen aus Abonnements und 198,6 Millionen aus dem Datenmarktplatz.

Ja, ein Vertrag liegt vor. Am 16. Mai 2026 unterschrieb LiveRamp einen Zusammenschlussvertrag mit MMS USA Holdings, Inc., einer Tochter der französischen Publicis Groupe S.A. Jede Aktie soll in 38,50 US-Dollar in bar umgewandelt werden — rund 30 Prozent über dem Schlusskurs von 29,66 US-Dollar am 15. Mai 2026. Die Aktionäre stimmen am 17. August 2026 ab; nötig sind zwei Drittel aller ausstehenden Aktien. Offen sind zudem Kartellfreigaben und die CFIUS-Prüfung.

Weil ein erheblicher Teil aus der Steuerzeile stammt. Auf ein Ergebnis vor Steuern von 98,1 Millionen US-Dollar kam ein Steuer-Ertrag von 46,7 Millionen, also eine effektive Steuerquote von minus 47,6 Prozent. Grund ist die Auflösung einer Wertberichtigung auf aktive latente Steuern (53,8 Millionen auf Bundesebene, davon 28,9 Millionen aus Bundesstaaten). Der Effekt ist einmalig und fiel fast vollständig ins Schlussquartal, in dem 19,3 Millionen Vorsteuerergebnis einem Nettogewinn von 70,9 Millionen gegenüberstanden.

Am 31. März. Das Geschäftsjahr 2026 umfasst deshalb den 1. April 2025 bis zum 31. März 2026 und deckt im Wesentlichen das Kalenderjahr 2025 ab. Der Geschäftsbericht (10-K) für dieses Jahr wurde am 21. Mai 2026 bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Wer LiveRamp mit Wettbewerbern vergleicht, die zum 31. Dezember abschließen, verschiebt die Zeitreihen also um ein Quartal.

Im Geschäftsjahr 2026 lag sie bei 83,0 Millionen US-Dollar, nach 108,0 Millionen im Vorjahr und 71,3 Millionen im Geschäftsjahr 2024. Das entspricht gut 10 Prozent des Umsatzes und fast genau dem Betriebsergebnis von 83,5 Millionen. Der Rückgang um 23,7 Millionen erklärt laut Geschäftsbericht den größten Teil des Kostenrückgangs von 32,9 Millionen, der die operative Marge von 0,7 auf 10,3 Prozent hob.

Dann entfällt der Preisanker von 38,50 US-Dollar. Vor der Ankündigung schloss die Aktie am 15. Mai 2026 bei 29,66 US-Dollar. Die im Vertrag vereinbarte Ausstiegsgebühr von 32,35 Millionen US-Dollar ginge je nach Grund an die eine oder andere Seite. Zudem lebte das Rückkaufprogramm mit 261,8 Millionen US-Dollar Restkapazität wieder auf, das seit dem Vertrag ruht — gemessen am Börsenwert von rund 2,29 Milliarden US-Dollar sind das 11,4 Prozent.

Beim Kurs von 37,70 US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) liegt das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei rund 2,8, der Unternehmenswert beim 2,35-Fachen des Jahresumsatzes. Das ist für ein schuldenfreies Abo-Geschäft mit 9 Prozent Wachstum weder billig noch teuer. Aussagekräftiger ist die Spanne, die die Investmentbank Evercore für den Verwaltungsrat errechnete: 33,83 bis 49,38 US-Dollar je Aktie. Das Angebot von 38,50 liegt im unteren Drittel dieser Spanne.

Ja. Die Gesellschaft firmierte bis zum 20. September 2018 als Acxiom Corporation, danach kurz als Acxiom Holdings und seit dem 1. Oktober 2018 als LiveRamp Holdings, Inc. Die SEC-Kennnummer (CIK 0000733269) blieb unverändert, Zeitreihen sind also durchgängig. Das frühere Marketing-Dienstleistungsgeschäft Acxiom Marketing Solutions wurde im Geschäftsjahr 2019 verkauft und wird seither als eingestelltes Geschäft geführt.

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