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AvePoint: der erste Gewinn nach 35,1 Millionen — und die 27,6 Millionen Aktien, die noch dazukommen dürfen

AvePoint: der erste Gewinn nach 35,1 Millionen — und die 27,6 Millionen Aktien, die noch dazukommen dürfen

AvePoint hat 2025 zum ersten Mal Geld verdient: 35,1 Millionen US-Dollar nach zwei Verlustjahren. Der hauseigene Aktien-Scanner führt die Aktie deshalb in seiner Fundamental-Rangliste — Piotroski-Note 8 von 9, 444,1 Millionen US-Dollar Kasse, keine Finanzschulden. Der Geschäftsbericht vom 26. Februar 2026 zeigt aber auch, woher mehr als die Hälfte dieses Sprungs kam: Ein Bewertungsposten aus der Börsenmantel-Zeit hatte 2024 noch 35,8 Millionen gekostet. Und im Quartalsbericht vom 7. Mai 2026 stehen 18,4 Millionen Optionen zu durchschnittlich 4,95 US-Dollar sowie 9,2 Millionen Mitarbeiteraktien, die auf ihren Anteil warten. Ein Blick darauf, wie viel von einem ersten Gewinn beim Aktionär ankommt.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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AvePoint: der erste Gewinn nach 35,1 Millionen — und die 27,6 Millionen Aktien, die noch dazukommen dürfen
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt einen Moment, in dem im Kopf ein Schalter umlegt: die Schwellen-Illusion. Eine Firma schreibt jahrelang Verluste, und dann steht plötzlich eine schwarze Zahl in der Zeile. Rot wird schwarz. Und schon fühlt es sich an, als sei ein Zustand gewechselt worden — als hätte jemand einen Hebel gefunden und ihn umgelegt. Genau das ist bei AvePoint, Inc. (Nasdaq: AVPT) im Jahr 2025 passiert: 35,1 Millionen US-Dollar Gewinn, nachdem 2024 noch 29,1 Millionen Verlust und 2023 noch 21,5 Millionen Verlust dastanden. Der hauseigene Aktien-Scanner hat die Aktie deshalb am 26. Juli 2026 in seiner Fundamental-Rangliste. Machen wir also einen Deal: Bevor du der schwarzen Zahl glaubst, lesen wir gemeinsam, was das Unternehmen selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 vom 26. Februar 2026 und den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, eingereicht am 7. Mai 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt von einem schnell wachsenden Abo-Geschäft, von einer wirklich starken Bilanz, von einem Buchungsposten aus der Vergangenheit, der den Umschwung größer aussehen lässt, als er ist — und von 27,6 Millionen Aktien, die es heute noch gar nicht gibt.

Was AvePoint eigentlich macht — der Hausmeister für Firmendaten in der Cloud

Stell dir ein Unternehmen vor, das über Nacht sein Papierarchiv in ein Großraumbüro gekippt hat. Alles ist da, aber nichts ist beschriftet, jede Tür steht offen, und niemand weiß mehr, welcher Ordner Gehaltslisten enthält und welcher die Kantinen-Speisekarte. Genau das ist der Zustand vieler Firmen, seit ihre Dokumente, Chats, Aufnahmen und Tabellen in Cloud-Diensten liegen. AvePoint verkauft den Hausmeister dafür: Software, die diese Daten erfasst, klassifiziert, Zugriffsrechte kontrolliert, Sicherungskopien anlegt und im Ernstfall alles wiederherstellt.

Die Produkte laufen unter dem Namen AvePoint Confidence Platform und greifen dafür in die großen Cloud-Ökosysteme hinein — Microsoft, Google, Salesforce, Amazon Web Services, Box und Dropbox, dazu Dienste wie Docusign, GitHub, Jira oder Okta. Verkauft wird überwiegend indirekt: über Vertriebspartner in einem zweistufigen Modell und über die Marktplätze der Cloud-Anbieter selbst. Zum 31. Dezember 2025 zählte AvePoint mehr als 28.000 Endkunden in über 100 Ländern, und der Geschäftsbericht hält ausdrücklich fest, dass kein einziger Kunde für mehr als 10 Prozent der Rechnungsstellung oder der Forderungen stand. Wer schon einmal eine Software-Firma gesehen hat, die an drei Großkunden hängt, weiß, wie wertvoll dieser Satz ist.

Die Börsen-Story darüber heißt seit zwei Jahren Künstliche Intelligenz — und ausnahmsweise ist sie nicht aufgesetzt. Die Logik: Wer eine KI auf seine Firmendaten loslässt, vervielfacht damit auch den Schaden, den schlecht sortierte oder falsch freigegebene Daten anrichten. Der Geschäftsbericht bringt es auf den Punkt:

„In an era where trusted data is a prerequisite for AI adoption, data protection is no longer a back-office IT function, it is a strategic business imperative.“

Übersetzung: „In einer Zeit, in der vertrauenswürdige Daten die Voraussetzung für den Einsatz von KI sind, ist Datenschutz keine IT-Funktion im Hintergrund mehr, sondern ein strategisches Gebot für das Geschäft.“

— AvePoint, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Lagebericht (Item 7), Abschnitt „Overview“

Zwei Dinge zur Herkunft, die man kennen sollte. Erstens: AvePoint ist über einen Börsenmantel an die Börse gekommen. Bis zum 21. Juli 2021 hieß die SEC-Akte Apex Technology Acquisition Corp — eine Mantelgesellschaft, die Geld einsammelt und sich dann eine echte Firma sucht. Diese Herkunft erklärt einige der Posten, die später in dieser Analyse auftauchen. Zweitens: Die Aktie ist seit 2025 zusätzlich an der Börse Singapur notiert, dort unter dem Kürzel AVP. Das ist ungewöhnlich für einen amerikanischen Software-Anbieter und kostete 2025 allein 2,9 Millionen US-Dollar an Zweitnotierungs-Aufwand.

Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Das Geschäft von AvePoint funktioniert nachweislich — wächst schnell, ist bilanziell kerngesund und verdient inzwischen Geld. Aber der Gewinn je Aktie muss durch eine Zahl geteilt werden, die das Unternehmen nur teilweise selbst in der Hand hat.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Der Weg führte über die Fundamental-Rangliste des hauseigenen Aktien-Scanners. Diese Liste sortiert Unternehmen nach einer zusammengesetzten Fundamental-Note, in die Bilanzqualität, Ertragskraft und Wachstum einfließen. AvePoint steht dort am 26. Juli 2026 in der US-Auswahl — von 38 US-Treffern zeigt die Seite die besten 25, und AvePoint ist darunter. Wichtig, damit dieser Satz nicht still veraltet: Diese Listen werden täglich neu berechnet. Was am 26. Juli 2026 galt, kann eine Woche später anders aussehen.

Interessanter als die Platzierung ist die Konfluenz — welche weiteren Listen dieselbe Aktie am selben Tag führen. Es sind vier: Fallen Angels (Aktien, die weit unter ihrem Hoch notieren, aber fundamental intakt sind), Power Trend, Profis 80 % (hoher Anteil institutioneller Eigentümer) und Qualitäts-Wachstum. Diese Mischung erzählt bereits die halbe Geschichte: gute Firma, gefallener Kurs.

Zwei Kennzahlen aus dem Scanner verdienen eine Übersetzung, weil sie den Aufhänger tragen. Die erste ist der Piotroski-F-Score, ein Neun-Punkte-Test für die Gesundheit der Bücher: Er fragt unter anderem, ob die Firma Gewinn macht, ob der operative Mittelzufluss über dem Gewinn liegt, ob die Verschuldung sinkt und ob die Margen steigen. AvePoint steht bei 8 von 9 — das ist sehr gut. Eine Firma mit 5 oder 6 ist Mittelmaß; erst ab 8 wird es interessant. Die zweite ist der Altman-Z-Wert, ein Frühwarnmaß für Zahlungsunfähigkeit. Unter 1,8 gilt als Gefahrenzone, über 3 als sicher. AvePoint liegt bei 5,63. Übersetzt: Diese Firma geht so schnell nicht pleite.

Und jetzt die Gegenseite derselben Medaille: Das relative Stärke-Rating, das die Kursentwicklung gegen den Gesamtmarkt misst, liegt bei 14 von 100. Der Kurs hat also gegen fast alle anderen Aktien verloren. Zum Datenstand 26. Juli 2026 notierte die Aktie rund 39 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 19,95 US-Dollar und rund 39 Prozent über ihrem Tief von 8,84 US-Dollar. Merke dir diesen Widerspruch — er ist der Grund, warum diese Analyse existiert: Die Bücher sagen „gesund“, der Kurs sagt „enttäuscht“. Beides kann stimmen, wenn der Markt etwas einpreist, das nicht in der Piotroski-Formel steckt.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt. Und das ist eine Menge. Der Umsatz ist 2025 um 27 Prozent auf 419,5 Millionen US-Dollar gestiegen — nach 330,5 Millionen (2024) und 271,8 Millionen (2023). Das ist kein Ausreißer, sondern das dritte Jahr in Folge mit zweistelligem Wachstum. Noch wichtiger ist, welcher Umsatz da wächst.

Balkendiagramm Umsatz und SaaS-Umsatz von AvePoint 2023 bis 2025 in Millionen US-Dollar: Gesamtumsatz 271,8 / 330,5 / 419,5 (blau), davon SaaS 161,0 / 230,7 / 319,2 (grün). Der SaaS-Anteil wächst schneller als der Gesamtumsatz.
Der SaaS-Umsatz wächst schneller als das Ganze: von 161,0 Millionen US-Dollar (2023) auf 319,2 Millionen (2025). Sein Anteil am Gesamtumsatz stieg damit von 59 auf 76 Prozent. Geschäftsjahr endet am 31. Dezember. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

SaaS steht für Software as a Service — Software, die man nicht kauft, sondern mietet, und die beim Anbieter läuft. Im Alltagsbild: nicht der Kauf einer Waschmaschine, sondern das Abo im Waschsalon. Für den Anbieter ist das die wertvollste Umsatzart, weil sie sich jedes Jahr von selbst wiederholt. Bei AvePoint stieg dieser Teil 2025 um 38 Prozent auf 319,2 Millionen US-Dollar und macht damit 76 Prozent des Umsatzes aus, nach 70 Prozent im Vorjahr. Im ersten Quartal 2026 waren es bereits 80 Prozent. Dass gleichzeitig die alten Umsatzarten schrumpfen — Wartung für Altlizenzen fiel von 11,2 auf 5,1 Millionen —, ist gewollt und gesund.

Die passende Steuerungsgröße dazu heißt ARR, wiederkehrender Jahresumsatz: die auf zwölf Monate hochgerechnete Summe aller laufenden Verträge zum Stichtag. Sie lag zum 31. Dezember 2025 bei 416,8 Millionen US-Dollar (2024: 327,0 Millionen) und zum 31. März 2026 bei 435,2 Millionen. Im Alltagsbild: Das ist die Miete, die schon unterschrieben ist, bevor das Jahr anfängt.

Auch die Ertragsseite hat sich gedreht. Das operative Ergebnis — also das, was vom Umsatz nach allen Betriebskosten übrig bleibt — stieg von einem Verlust von 15,4 Millionen US-Dollar (2023) auf 7,2 Millionen Gewinn (2024) und dann auf 33,0 Millionen (2025). Die operative Marge kletterte von 2,2 auf 7,9 Prozent; im ersten Quartal 2026 lag sie bei 10,9 Prozent nach 3,5 Prozent im Vorjahresquartal. Der operative Mittelzufluss — das Geld, das der laufende Betrieb tatsächlich in die Kasse spült — betrug 2025 85,3 Millionen US-Dollar, das sind 20 Prozent vom Umsatz. Ehrlicherweise gehört dazu: Im Vorjahr waren es 88,9 Millionen und damit 27 Prozent — die Quote ist also gefallen, nicht gestiegen.

Und dann die Bilanz, die den Fundamental-Aufhänger trägt. Zum 31. März 2026 standen 444,1 Millionen US-Dollar Kasse in den Büchern, dazu keine Finanzschulden, ein Eigenkapital von 438,8 Millionen und eine ungenutzte Kreditlinie bei der HSBC über 30,0 Millionen. Auch der Auftragsbestand ist belegt: Der noch nicht als Umsatz erfasste Vertragswert lag bei 542,5 Millionen US-Dollar, davon sollen 59 Prozent innerhalb von zwölf Monaten realisiert werden. Das ist, kurz gesagt, das Bilanzbild einer Firma, die sich Zeit kaufen kann. Wie stark eine solche Kasse wirkt, haben wir bei einem anderen Datenschutz-Anbieter auseinandergenommen — nachzulesen in unserer Analyse zu Rubrik.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Mehr als die Hälfte des Umschwungs ist Bewertungstechnik

Jetzt lösen wir die Schwellen-Illusion vom Anfang auf. Der Sprung von 29,1 Millionen US-Dollar Verlust (2024) auf 35,1 Millionen Gewinn (2025) beträgt 64,2 Millionen US-Dollar. Das operative Ergebnis hat sich in derselben Zeit aber nur um 25,9 Millionen verbessert, von 7,2 auf 33,0 Millionen. Die Differenz steckt in einer Zeile, die kaum jemand liest: Sonstiges Ergebnis, netto. Sie war 2024 mit minus 31,6 Millionen US-Dollar belastet und lag 2025 bei plus 7,5 Millionen.

Der Grund liegt in der Börsenmantel-Vergangenheit. Beim Zusammenschluss mit Apex Technology Acquisition Corp im Jahr 2021 wurde bestimmten Alt-Aktionären und Optionsinhabern zugesagt, dass sie zusätzliche Aktien bekommen, sobald der Kurs bestimmte Schwellen erreicht — je eine Million Stücke bei 12,50, bei 15,00 und bei 17,50 US-Dollar. Solche Zusagen werden bilanziell als Schuld geführt und bei jedem Stichtag neu bewertet. Steigt der Kurs, steigt die Schuld — und der Anstieg landet als Aufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung. Genau das passierte:

„In December 2024, the required provisions were met, leading to the issuance of 2,964,658 Company Earn-Out Shares and a payment of $0.6 million to certain holders of common stock and options. […] This resulted in a $35.8 million increase in liability recognized during the year ended December 31, 2024, recorded as other income (expense), net in the consolidated statements of income (loss).“

Übersetzung: „Im Dezember 2024 waren die erforderlichen Bedingungen erfüllt, was zur Ausgabe von 2.964.658 Nachbesserungs-Aktien der Gesellschaft und zu einer Zahlung von 0,6 Millionen US-Dollar an bestimmte Inhaber von Stammaktien und Optionen führte. […] Daraus ergab sich ein Anstieg der Verbindlichkeit um 35,8 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr zum 31. Dezember 2024, erfasst im sonstigen Ergebnis, netto, in der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung.“

— AvePoint, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Note 13 „Company Earn-Out and Warrant Liabilities“

Gelb markierte Textstelle aus dem AvePoint-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Im Dezember 2024 wurden 2.964.658 Nachbesserungs-Aktien ausgegeben, der Anstieg der Verbindlichkeit von 35,8 Millionen US-Dollar wurde 2024 als Aufwand im sonstigen Ergebnis erfasst.
Die markierte Stelle im Original: 2.964.658 neue Aktien und 35,8 Millionen US-Dollar Aufwand — beides fiel 2024 an, weil der Kurs die vereinbarten Schwellen erreichte. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Man muss das fair lesen: Der Aufwand von 2024 war nicht zahlungswirksam — es floss kein Geld ab, es wurden Aktien ausgegeben. Und ausgelöst wurde er dadurch, dass der Kurs gestiegen ist. Ein Verlust, der entsteht, weil die Aktie gut lief, ist eine seltsame Sorte Verlust. Aber genau deshalb gilt der Umkehrschluss: Der Verlust von 2024 war zu einem großen Teil Buchhaltung, und damit ist es der Gewinnsprung von 2025 ebenfalls. Wer die operative Entwicklung sehen will, schaut auf die Zeile darüber — und die sagt: 2,2 Prozent Marge (2024), 7,9 Prozent (2025), 10,9 Prozent (erstes Quartal 2026). Das ist eine echte, aber unspektakuläre Verbesserung. Merksatz: Ein Umschwung, den man nur in der untersten Zeile sieht, ist selten ein operativer.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Vorne kauft die Firma Aktien zurück, hinten kommen neue herein

Hier wird es für Aktionäre konkret. AvePoint kauft eigene Aktien zurück — und zwar in beachtlichem Umfang. Im ersten Quartal 2026 waren es 5.412.958 Stück zu einem Durchschnittspreis von 11,29 US-Dollar, in Summe 59,8 Millionen US-Dollar. Zur Einordnung: Der operative Mittelzufluss desselben Quartals betrug 24,3 Millionen. Die Firma gab also das 2,5-Fache dessen für eigene Aktien aus, was der Betrieb einbrachte — bezahlt aus der Kasse, die von 481,1 auf 444,1 Millionen US-Dollar sank.

Rückkäufe sind für Aktionäre grundsätzlich eine gute Nachricht: Weniger Stücke bedeuten mehr Gewinn je Stück. Nur bleibt bei AvePoint weniger davon übrig, als die Rückkaufsumme vermuten lässt. Im selben Quartal kamen nämlich 2.190.661 neue Aktien herein: 581.088 aus ausgeübten Optionen und 1.609.573 aus zugeteilten Mitarbeiteraktien. Unter dem Strich sank die Aktienzahl von 215.076.033 auf 211.853.736 — ein Rückgang von 1,5 Prozent, für den 59,8 Millionen US-Dollar bezahlt wurden.

Markierte Zeile aus dem AvePoint-Quartalsbericht zum 31. März 2026, Eigenkapitalspiegel: Von 215.076.033 Aktien zum 31. Dezember 2025 kamen 581.088 aus Optionsausübungen und 1.609.573 aus Mitarbeiteraktien hinzu, 5.412.958 wurden zurückgekauft und eingezogen — Endstand 211.853.736 Aktien.
Die Drehtür in einer Tabelle: 5.412.958 Aktien zurückgekauft, 2.190.661 neu ausgegeben — Endstand 211.853.736 zum 31. März 2026. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Im Jahr davor war das Verhältnis noch deutlicher: 2025 kaufte AvePoint 3.409.119 Aktien für 49,8 Millionen US-Dollar zurück — und trotzdem stieg die Aktienzahl im selben Jahr von 194.070.512 auf 215.076.033, also um 21,0 Millionen Stück oder 10,8 Prozent. Der Grund waren vor allem ausgeübte Optionsscheine aus der Börsenmantel-Zeit, die dem Unternehmen 168,2 Millionen US-Dollar frisches Geld einbrachten. Fairerweise: Diese Verwässerung war bezahlt. Sie hat die Kasse gefüllt, aus der jetzt zurückgekauft wird. Aber sie hat eben auch die Zahl der Miteigentümer erhöht.

Der Blick nach vorn ist der wichtigere. Zum 31. März 2026 waren neben den ausstehenden Aktien bereits weitere Stücke fest zugesagt — an Beschäftigte und Führungskräfte, über Optionen und Mitarbeiteraktien:

Wasserfalldiagramm zur Aktienzahl von AvePoint zum 31. März 2026 in Millionen: 212 ausstehende Aktien plus 18 Millionen Optionen plus 9 Millionen RSU und PSU ergeben 239 Millionen potenzielle Aktien.
Aus 212 werden 239: Zu den 211.853.736 ausstehenden Aktien kommen 18.414.381 Optionen und 9.160.384 noch nicht zugeteilte Mitarbeiteraktien. Stand 31. März 2026, Rundung auf volle Millionen. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (eingereicht 7. Mai 2026). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das sind rund 27,6 Millionen zusätzliche Stücke oder 13 Prozent auf die heutige Aktienzahl. Im Alltagsbild: Der Kuchen ist noch gar nicht angeschnitten, aber 13 Prozent der Stücke sind schon versprochen. Besonders bemerkenswert sind die Optionen: Der durchschnittliche Ausübungspreis liegt bei 4,95 US-Dollar, und 17.187.597 der 18.414.381 Stücke sind bereits ausübbar, diese zu durchschnittlich 4,62 US-Dollar. Deren inneren Wert beziffert der Quartalsbericht zum 31. März 2026 selbst mit 84,8 Millionen US-Dollar, über alle 18.414.381 Optionen zusammen mit 86,4 Millionen. Zum Kursanker von 12,24 US-Dollar am 24. Juli 2026 wären es rund 131 Millionen — eigene Rechnung auf Basis der Zahlen aus dem Quartalsbericht.

Markierte Zeile aus der Optionstabelle im AvePoint-Quartalsbericht zum 31. März 2026: 18.414.381 ausstehende Optionen zu einem Durchschnitts-Ausübungspreis von 4,95 US-Dollar, davon 17.187.597 ausübbar zu 4,62 US-Dollar.
Die markierte Zeile im Original: 17.187.597 der 18.414.381 Optionen sind zum 31. März 2026 sofort ausübbar — zum Durchschnittspreis von 4,62 US-Dollar. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Auch hier die faire Gegenseite: Wer eine Option zu 4,95 US-Dollar ausübt, zahlt diese 4,95 US-Dollar in die Firmenkasse — bei allen 18,4 Millionen Stücken wären das gut 91 Millionen US-Dollar. Verwässerung ist also nicht gleich Enteignung. Sie ist eher ein Rabatt: Die neuen Miteigentümer kommen zu einem Preis herein, den die alten so nicht mehr bekommen. Und genau deshalb zeigt der Geschäftsbericht zwei Gewinne je Aktie: 0,17 US-Dollar unverwässert, 0,15 US-Dollar verwässert — gerechnet auf 207,6 beziehungsweise 229,3 Millionen Aktien im Jahresdurchschnitt 2025. Das ist ein Abschlag von 12 Prozent, allein durch die Zählweise.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Elf von hundert Dollar wiederkehrendem Umsatz verschwinden jedes Jahr

Der schönste Satz über ein Abo-Geschäft lautet: „Der Umsatz kommt von allein wieder.“ Er stimmt nur teilweise. In der Quartalsmitteilung zum ersten Quartal 2026, eingereicht als Anlage zur SEC-Meldung 8-K vom 7. Mai 2026, nennt AvePoint zwei Quoten, die in keinem Geschäftsbericht stehen: Die Bruttoerhaltungsquote lag bei 89 Prozent, die Nettoerhaltungsquote bei 111 Prozent (110 Prozent währungsbereinigt).

Übersetzt: Von 100 US-Dollar wiederkehrendem Umsatz, die zu Jahresbeginn im Bestand waren, sind ein Jahr später noch 89 übrig — 11 Dollar sind gekündigt oder verkleinert worden. Dass die Nettoquote trotzdem bei 111 Prozent liegt, heißt: Die verbliebenen Kunden kaufen so viel dazu, dass der Bestand unter dem Strich um 11 Prozent wächst. Beides zusammen ergibt ein Bild, das man kennen sollte — AvePoint muss jedes Jahr erst ein Elftel seines Bestands ersetzen, bevor überhaupt Wachstum beginnt. Im Alltagsbild: ein Eimer, der oben schneller gefüllt wird, als er unten leckt. Er wird voller. Aber er leckt.

Zur Einordnung, ohne fremde Firmen zu benennen: Bei Unternehmenssoftware, die tief in Arbeitsabläufen steckt, gelten Bruttoerhaltungsquoten von über 90 Prozent als solide, Werte über 95 Prozent als stark. 89 Prozent ist okay, nicht gut. Der Grund liegt vermutlich im Kundenzuschnitt: AvePoint verkauft zu einem erheblichen Teil an kleine und mittlere Unternehmen, und zwar über Vertriebspartner — dort ist die Kündigungsschwelle naturgemäß niedriger als bei einem Konzern, der seine Datenhoheit an eine Plattform gebunden hat.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: 340 Millionen US-Dollar, zugesagt an einen einzigen Lieferanten

Diese Fundstelle steht in beiden jüngsten Berichten und liest sich beim ersten Durchgang wie Verwaltungsprosa. Sie ist aber die größte Einzelzahl, die AvePoint je unterschrieben hat:

„In December 2025, the Company entered into a five-year agreement under which the Company committed to consume $340.0 million of eligible IT services from December 1, 2025 through November 30, 2030. The agreement includes a Year 1 minimum consumption milestone of $50.0 million, for which the vendor may invoice the Company for any shortfall as a prepayment that will be applied against future consumption.“

Übersetzung: „Im Dezember 2025 schloss die Gesellschaft einen Fünfjahresvertrag, in dem sie sich verpflichtete, vom 1. Dezember 2025 bis zum 30. November 2030 anrechenbare IT-Leistungen im Wert von 340,0 Millionen US-Dollar abzunehmen. Der Vertrag enthält für das erste Jahr eine Mindestabnahme von 50,0 Millionen US-Dollar; für eine Unterdeckung darf der Anbieter der Gesellschaft eine Vorauszahlung in Rechnung stellen, die auf künftige Abnahmen angerechnet wird.“

— AvePoint, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Note 12 „Commitments and Contingencies“

Gelb markierte Textstelle aus dem AvePoint-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Im Dezember 2025 verpflichtete sich das Unternehmen, bis 30. November 2030 IT-Leistungen im Wert von 340,0 Millionen US-Dollar abzunehmen, mit einer Mindestabnahme von 50,0 Millionen im ersten Vertragsjahr.
Die markierte Stelle im Original: 340,0 Millionen US-Dollar Abnahmeverpflichtung über fünf Jahre, 50,0 Millionen Mindestabnahme im ersten Jahr. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rechnen wir das gegen die Firma. AvePoint setzte 2025 419,5 Millionen US-Dollar um, bei 108,8 Millionen Gesamt-Umsatzkosten. Die Zusage über 340,0 Millionen entspricht damit rund 81 Prozent eines Jahresumsatzes und über dem Dreifachen des jährlichen Umsatzkostenblocks. Verteilt auf fünf Jahre sind es 68 Millionen im Schnitt — pro Jahr also mehr, als das Unternehmen 2025 für den gesamten SaaS-Betrieb ausgab (57,3 Millionen).

Zwei Lesarten sind möglich, und beide sind legitim. Die freundliche: Wer eine solche Menge zusagt, bekommt Mengenrabatt — genau deshalb macht man das. AvePoint kauft günstiger ein, weil es sich früh festlegt, und traut sich das Wachstum zu, das die Menge rechtfertigt. Die unfreundliche: Der Vertrag ist ein Fixkostenblock, der nicht mitschrumpft, wenn das Wachstum nachlässt. Die Tabelle der Mindestzahlungen zeigt zudem, wie stark die Last nach hinten geschoben wurde: Zum 31. März 2026 entfielen von 344,2 Millionen US-Dollar Gesamtverpflichtung 290,0 Millionen allein auf das Jahr 2030. Im ersten Quartal 2026 flossen darauf bereits 20,0 Millionen ab. Was du im Auge behalten kannst, ist die Bruttomarge: Sie sank im ersten Quartal 2026 auf 72,8 Prozent nach 74,3 Prozent im Vorjahresquartal.

Bewertung — was der Markt für diesen Turnaround zahlt

Weil Tageskurse nichts über den Wert einer Firma sagen, hier die Größenordnungen mit sichtbarem Datum. Zum Datenstand 26. Juli 2026 lag der Börsenwert bei rund 2,6 Milliarden US-Dollar — gerechnet auf 212.017.196 Aktien (Stand 6. Mai 2026) und den Schlusskurs von 12,24 US-Dollar am 24. Juli 2026. Zieht man die Kasse von 444,1 Millionen ab und rechnet die Schulden hinzu, von denen es keine gibt, bleibt ein Unternehmenswert von rund 2,2 Milliarden US-Dollar.

Daraus ergeben sich drei Anker. Erstens das Kurs-Umsatz-Verhältnis: rund 5,8 auf den Umsatz der letzten zwölf Monate von 443,7 Millionen US-Dollar, rund 4,9 auf den Unternehmenswert. Zweitens das Kurs-Gewinn-Verhältnis: rund 61 auf den Gewinn der letzten zwölf Monate — eine Zahl, die im ersten Gewinnjahr wenig aussagt, weil die Basis so klein ist. Drittens der Blick nach vorn: Das Unternehmen erwartet für 2026 einen Umsatz von 509,4 bis 515,4 Millionen US-Dollar und ein bereinigtes Betriebsergebnis von 91,5 bis 94,5 Millionen. Auf die Mitte dieser Spanne fällt das Kurs-Umsatz-Verhältnis auf rund 5,1, und der Unternehmenswert entspricht etwa dem 23-Fachen des bereinigten Betriebsergebnisses.

Das ist keine Schnäppchen-Bewertung. Es ist eine normale Bewertung für ein Abo-Geschäft, das um gut 20 Prozent im Jahr wächst — und genau das ist die Botschaft. Die Aktie ist nicht billig, weil das Geschäft schlecht wäre; sie ist billiger geworden, weil die Erwartungen gefallen sind. Das Kurs-Umsatz-Verhältnis von 5,8 steht einem 52-Wochen-Hoch von 19,95 US-Dollar gegenüber, das ein deutlich höheres Vielfaches bedeutete.

Der Blick der Profis: Acht Analystenschätzungen ergeben zum Datenstand 26. Juli 2026 ein durchschnittliches Kursziel von 16,13 US-Dollar — rund 32 Prozent über dem Schlusskurs vom 24. Juli 2026. Bei acht Schätzungen ist das eher ein Stimmungsbild als ein Konsens; zum Vergleich verfolgen große Standardwerte oft dreißig Häuser. Institutionelle Anleger halten laut Datenstand 26. Juli 2026 rund 66 Prozent der Aktien, Insider rund 19 Prozent, und 7 Prozent des Streubesitzes sind leerverkauft.

Zwei datierte Anker aus Pflichtmeldungen, weil sie mehr sagen als jeder Tageskurs. Erstens: Das Unternehmen kaufte im ersten Quartal 2026 eigene Aktien im Schnitt zu 12,90 US-Dollar (Januar), 10,62 (Februar) und 10,45 (März) — und es kaufte umso mehr Stücke, je tiefer der Kurs fiel: 1,60 Millionen im Januar, 1,60 Millionen im Februar, 2,21 Millionen im März. Zweitens: Der Chefjustiziar des Unternehmens verkaufte am 14. Juli 2026 8.369 Aktien zu 13,00 US-Dollar und am 15. Juli 2026 weitere 31.631 Aktien zu 13,18 US-Dollar; danach hielt er noch 819.664 Stücke. Das ist kein Alarmsignal — Führungskräfte verkaufen regelmäßig Teile ihrer Vergütung. Bemerkenswert ist eher das Muster, das sich durch diese Analyse zieht: Das Unternehmen kauft Aktien, einzelne Verantwortliche verkaufen sie. Ähnliche Drehtür-Effekte haben wir bei einem anderen Cloud-Speicher-Anbieter beschrieben — nachzulesen in unserer Analyse zu Backblaze.

Eine letzte Zahl gehört in dieses Kapitel: Vom Rückkaufrahmen über 150 Millionen US-Dollar, den der Verwaltungsrat am 25. Februar 2025 für weitere drei Jahre erneuert hat, waren zum 31. Dezember 2025 noch 100,5 Millionen übrig — und zum 31. März 2026 nur noch 39,8 Millionen. Im Tempo des ersten Quartals 2026 wäre der Rahmen binnen zwei Quartalen aufgebraucht. Wer darauf setzt, dass der größte Käufer der Aktie das Unternehmen selbst bleibt, sollte diese Zeile im nächsten Quartalsbericht suchen.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für AvePoint spricht:

  • Das Abo-Geschäft wächst schnell und sauber: SaaS-Umsatz 2025 plus 38 Prozent auf 319,2 Millionen US-Dollar, Anteil am Gesamtumsatz von 70 auf 76 Prozent gestiegen, im ersten Quartal 2026 bereits 80 Prozent.
  • Der wiederkehrende Jahresumsatz (ARR) stieg 2025 um 27 Prozent auf 416,8 Millionen US-Dollar und zum 31. März 2026 weiter auf 435,2 Millionen; der noch nicht erfasste Vertragswert lag bei 542,5 Millionen.
  • Die Bilanz ist eine Festung: 444,1 Millionen US-Dollar Kasse zum 31. März 2026, keine Finanzschulden, 438,8 Millionen Eigenkapital, ungenutzte Kreditlinie über 30,0 Millionen, Altman-Z-Wert 5,63 (Datenstand 26. Juli 2026).
  • Keine Klumpenrisiken bei den Kunden: mehr als 28.000 Endkunden in über 100 Ländern zum 31. Dezember 2025, kein Kunde über 10 Prozent der Rechnungsstellung; die Erlöse verteilen sich mit 164,8 / 134,3 / 120,4 Millionen US-Dollar recht gleichmäßig auf Nordamerika, EMEA und Asien-Pazifik.
  • Die Ertragskraft verbessert sich messbar: operative Marge von 2,2 Prozent (2024) auf 7,9 Prozent (2025) und 10,9 Prozent im ersten Quartal 2026; die Firma erwartet für 2026 ein bereinigtes Betriebsergebnis von 91,5 bis 94,5 Millionen US-Dollar.
  • Das Unternehmen kauft eigene Aktien zurück und tut es antizyklisch: 59,8 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2026, mit steigenden Stückzahlen bei fallenden Kursen.

Was dagegen spricht:

  • Der Gewinnsprung ist zu einem großen Teil Bewertungstechnik: Von 64,2 Millionen US-Dollar Ergebnisverbesserung entfallen nur 25,9 Millionen auf das operative Geschäft; 2024 war mit 35,8 Millionen Aufwand für Nachbesserungs-Aktien belastet.
  • Verwässerung von 13 Prozent liegt bereit: 18.414.381 Optionen zu durchschnittlich 4,95 US-Dollar (davon 17.187.597 ausübbar) plus 9.160.384 noch nicht zugeteilte Mitarbeiteraktien, gegen 211.853.736 ausstehende Aktien zum 31. März 2026.
  • Die Bruttoerhaltungsquote von 89 Prozent (Quartalsmitteilung zum 31. März 2026) bedeutet, dass jedes Jahr rund ein Elftel des Bestands ersetzt werden muss, bevor Wachstum beginnt.
  • Die Bewertung lässt wenig Spielraum: Kurs-Umsatz-Verhältnis rund 5,8, Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 61 auf die letzten zwölf Monate (Datenstand 26. Juli 2026).
  • Eine Abnahmeverpflichtung über 340,0 Millionen US-Dollar bis November 2030 bindet das Unternehmen an einen einzigen Anbieter; davon entfallen laut Quartalsbericht 290,0 Millionen auf das Jahr 2030, und im ersten Vertragsjahr gilt eine Mindestabnahme von 50,0 Millionen.
  • Rund 64 Prozent der Erlöse fielen 2025 außerhalb des US-Dollar an, während nur die Hälfte der Kosten in Dollar entsteht — Währungsschwankungen schlagen deshalb ungleich auf Umsatz und Ergebnis durch; das Unternehmen führt sie im Ausblick 2026 ausdrücklich als Gegenwind an.
  • Der operative Mittelzufluss ist gemessen am Umsatz gefallen: 85,3 Millionen US-Dollar oder 20 Prozent (2025) nach 88,9 Millionen oder 27 Prozent (2024).

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Schwellen-Illusion vom Anfang. Ihr Problem ist nicht, dass sie dich zu schlechten Firmen führt — AvePoint ist keine schlechte Firma. Im Gegenteil: schnelles Wachstum, ein Abo-Anteil von 80 Prozent, 28.000 Kunden ohne Klumpenrisiko, 444,1 Millionen US-Dollar Kasse und keine Schulden. Das ist mehr Substanz, als die meisten Aktien in dieser Größenordnung mitbringen. Das Problem der Illusion ist, dass sie einen Zustandswechsel behauptet, wo nur eine Zeile gewechselt hat. Der Betrieb war schon 2024 profitabel; die schwarze Zahl von 2025 kam auch deshalb zustande, weil ein Buchungsposten aus der Vergangenheit endlich abgeräumt war.

Wer AvePoint heute kauft, kauft deshalb nicht in erster Linie einen Turnaround. Er kauft ein solides, schnell wachsendes Abo-Geschäft zum 5,8-Fachen des Umsatzes — und er kauft es zusammen mit 27,6 Millionen Aktien, die noch entstehen dürfen, und einer Zusage über 340 Millionen US-Dollar an einen einzigen Lieferanten. Nichts davon ist versteckt, nichts davon ist verboten, und nichts davon macht die Firma schlecht. Es steht nur alles in Fußnoten, und Fußnoten liest niemand, wenn die unterste Zeile schwarz ist.

Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Verdient AvePoint jetzt Geld?“, sondern: Wächst das Geschäft schnell genug, dass der Gewinn je Aktie steigt, obwohl der Kuchen in mehr Stücke geschnitten wird — und obwohl 11 von 100 Bestandsdollar jedes Jahr ersetzt werden müssen? Wenn du darauf ein begründetes Ja hast, gibt dir jeder Quartalsbericht drei Messpunkte, an denen du dich überprüfen kannst: die verwässerte Aktienzahl, die Bruttoerhaltungsquote und die operative Marge. Wenn du kein Ja hast, hattest du eine schwarze Zahl. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in AvePoint-Aktien.

Unser Fazit auf einen Blick

Geschäftsmodell und Wachstum positiv
Der Umsatz stieg 2025 um 27 Prozent auf 419,5 Millionen US-Dollar, der SaaS-Anteil von 70 auf 76 Prozent und im ersten Quartal 2026 auf 80 Prozent. Der wiederkehrende Jahresumsatz erreichte zum 31. März 2026 435,2 Millionen. Mehr als 28.000 Kunden in über 100 Ländern, kein Kunde über 10 Prozent der Rechnungsstellung — ein Geschäft ohne Klumpenrisiko.
Bilanz positiv
Zum 31. März 2026 standen 444,1 Millionen US-Dollar Kasse ohne jede Finanzschuld in den Büchern, dazu 438,8 Millionen Eigenkapital und eine ungenutzte Kreditlinie über 30,0 Millionen. Der Altman-Z-Wert von 5,63 und der Piotroski-F-Score von 8 von 9 (Datenstand 26. Juli 2026) bilden genau diese Lage ab.
Qualität des Gewinnsprungs neutral
Von der Ergebnisverbesserung um 64,2 Millionen US-Dollar zwischen 2024 und 2025 entfallen nur 25,9 Millionen auf das operative Geschäft. Der Rest steckt im sonstigen Ergebnis, das 2024 mit 35,8 Millionen Aufwand für Nachbesserungs-Aktien aus der Börsenmantel-Zeit belastet war. Operativ verbessert sich die Marge real, aber unspektakulär: 2,2 Prozent (2024), 7,9 Prozent (2025), 10,9 Prozent (Q1 2026).
Verwässerung negativ
Zum 31. März 2026 lagen 18.414.381 Optionen zu durchschnittlich 4,95 US-Dollar aus, davon 17.187.597 sofort ausübbar, dazu 9.160.384 noch nicht zugeteilte Mitarbeiteraktien — rund 13 Prozent auf 211.853.736 ausstehende Stücke. Der Gewinn je Aktie 2025 sinkt dadurch von 0,17 auf 0,15 US-Dollar. 2025 stieg die Aktienzahl trotz 49,8 Millionen US-Dollar Rückkauf um 10,8 Prozent.
Kundenbindung neutral
Die Bruttoerhaltungsquote lag zum 31. März 2026 bei 89 Prozent: Jedes Jahr müssen rund elf von hundert Bestandsdollar ersetzt werden, bevor Wachstum beginnt. Die Nettoerhaltungsquote von 111 Prozent zeigt, dass die verbliebenen Kunden das mehr als ausgleichen — aber 89 Prozent brutto sind für Unternehmenssoftware okay, nicht gut.
Bewertung und Verpflichtungen neutral
Zum Datenstand 26. Juli 2026 kostet die Aktie rund das 5,8-Fache des Zwölfmonatsumsatzes und das 61-Fache des Zwölfmonatsgewinns; auf den Unternehmensausblick für 2026 fällt das Kurs-Umsatz-Verhältnis auf rund 5,1. Dazu kommt eine Abnahmeverpflichtung über 340,0 Millionen US-Dollar bis November 2030, von der 290,0 Millionen erst 2030 fällig werden.

AvePoint ist kein Turnaround, sondern eine bereits funktionierende Firma, deren Ergebniszeile 2025 nur endlich zeigt, was operativ schon 2024 begann. Dafür sprechen 419,5 Millionen US-Dollar Umsatz (+27 Prozent), 76 Prozent Abo-Anteil, 435,2 Millionen wiederkehrender Jahresumsatz zum 31. März 2026, 444,1 Millionen Kasse ohne Schulden und ein Kundenstamm ohne Klumpenrisiko. Dagegen stehen 27,6 Millionen Aktien, die aus Optionen und Mitarbeiterprogrammen noch entstehen dürfen, eine Bruttoerhaltungsquote von 89 Prozent, eine Abnahmezusage über 340,0 Millionen US-Dollar bis 2030 und ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 5,8. Wer hier kauft, kauft Qualität zu einem Preis, der Wachstum voraussetzt. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Qualität belegt

Geschäftsmodell, Zahlen und Bilanz halten unserer Prüfung stand. Ob der aktuelle Kurs einen Einstieg trägt, ist eine eigene Frage — sie hängt am Preis, nicht am Unternehmen.

Das Geschäft trägt sich nachweislich selbst: 419,5 Millionen US-Dollar Umsatz 2025 mit 27 Prozent Wachstum, 76 Prozent davon wiederkehrend, 85,3 Millionen operativer Mittelzufluss, mehr als 28.000 Kunden ohne einen einzigen, der über 10 Prozent der Rechnungsstellung ausmacht. Die Bilanz ist zum 31. März 2026 schuldenfrei, mit 444,1 Millionen Kasse und 438,8 Millionen Eigenkapital. Es gibt keinen Going-Concern-Hinweis, keine Zinslast, keinen Bilanz- oder Governance-Bruch. Die offenen Punkte, die diese Analyse benennt — die 13 Prozent Verwässerungspotenzial, die Bruttoerhaltungsquote von 89 Prozent und die Abnahmezusage über 340,0 Millionen US-Dollar bis 2030 — betreffen die Verteilung des Gewinns und die künftige Kostenstruktur, nicht die Substanz des Unternehmens. Deshalb Grün: belegte Qualität, teuer bezahlt. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam AvePoint über die Fundamental-Rangliste des hauseigenen Aktien-Scanners (Fundamental-Note 59, Piotroski 8 von 9, Altman-Z 5,63; Stand 26. Juli 2026). Am selben Tag stand die Aktie außerdem in den Listen Fallen Angels, Power Trend, Profis 80 % und Qualitäts-Wachstum. Diese Listen werden täglich neu berechnet.
  • Verwechslungsgefahr: Die SEC-Akte mit dem Aktenzeichen CIK 1777921 lief bis zum 21. Juli 2021 unter dem Namen Apex Technology Acquisition Corp — der Mantelgesellschaft, über die AvePoint an die Börse kam. Ältere Unterlagen unter diesem Namen betreffen dieselbe Gesellschaft. Die Aktie ist zusätzlich an der Börse Singapur notiert (Kürzel AVP); Kurse und Umsätze der beiden Handelsplätze sind nicht deckungsgleich.
  • Bewertungsangaben datiert und evergreen: Der Kursanker von 12,24 US-Dollar ist der Schlusskurs vom 24. Juli 2026 (Datenstand 26. Juli 2026). Zum Vergleich dokumentieren die Pflichtmeldungen eigene Rückkäufe zu durchschnittlich 10,45 US-Dollar im März 2026 sowie Insider-Verkäufe zu 13,00 US-Dollar am 14. Juli und 13,18 US-Dollar am 15. Juli 2026. Analysen sind evergreen; Tageskurse sind kein Kaufargument.

Häufige Fragen

AvePoint, Inc. (Nasdaq: AVPT) aus Jersey City in New Jersey verkauft Software, mit der Unternehmen ihre Daten in Cloud-Diensten sichern, ordnen und wiederherstellen — vor allem in Microsoft 365, Google Workspace, Salesforce und Amazon Web Services. Die Produkte laufen unter dem Namen AvePoint Confidence Platform. Zum 31. Dezember 2025 nutzten mehr als 28.000 Kunden in über 100 Ländern die Plattform; der Umsatz lag 2025 bei 419,5 Millionen US-Dollar.

Ja. Das Nettoergebnis lag 2025 bei 35,1 Millionen US-Dollar, nach 29,1 Millionen Verlust (2024) und 21,5 Millionen Verlust (2023). Wichtig für die Einordnung: Das operative Ergebnis war mit 7,2 Millionen bereits 2024 positiv. Der Verlust jenes Jahres entstand vor allem durch einen Bewertungsposten aus der Börsenmantel-Zeit, der 35,8 Millionen US-Dollar Aufwand verursachte, ohne dass Geld abfloss.

Zum 31. März 2026 standen 211.853.736 Aktien aus. Dazu kommen 18.414.381 Optionen mit einem Durchschnitts-Ausübungspreis von 4,95 US-Dollar — davon 17.187.597 sofort ausübbar — sowie 9.160.384 noch nicht zugeteilte Mitarbeiteraktien. Zusammen sind das rund 27,6 Millionen zusätzliche Stücke oder 13 Prozent. Der Geschäftsbericht 2025 weist deshalb 0,17 US-Dollar Gewinn je Aktie unverwässert aus, aber nur 0,15 US-Dollar verwässert.

Ja, und zwar deutlich. Im ersten Quartal 2026 erwarb das Unternehmen 5.412.958 Aktien zu durchschnittlich 11,29 US-Dollar, in Summe 59,8 Millionen — das 2,5-Fache des operativen Mittelzuflusses von 24,3 Millionen im selben Quartal. Vom Rückkaufrahmen über 150 Millionen US-Dollar, am 25. Februar 2025 für drei weitere Jahre erneuert, waren zum 31. März 2026 noch 39,8 Millionen übrig.

Sehr solide. Zum 31. März 2026 standen 444,1 Millionen US-Dollar Kasse in den Büchern, es gab keine Finanzschulden, das Eigenkapital betrug 438,8 Millionen bei einer Bilanzsumme von 734,2 Millionen. Eine Kreditlinie bei der HSBC über 30,0 Millionen war nicht in Anspruch genommen. Der Piotroski-F-Score, ein Neun-Punkte-Test für die Gesundheit der Bücher, liegt bei 8 von 9 (Datenstand 26. Juli 2026).

Sie sagt, wie viel des bestehenden wiederkehrenden Umsatzes ein Jahr später noch da ist, bevor Zukäufe bestehender Kunden gerechnet werden. Von 100 US-Dollar Bestand bleiben bei AvePoint also 89 übrig; 11 werden gekündigt oder verkleinert. Weil die verbliebenen Kunden aufstocken, lag die Nettoerhaltungsquote zum 31. März 2026 dennoch bei 111 Prozent. Werte über 90 Prozent brutto gelten bei Unternehmenssoftware als solide.

Im Dezember 2025 schloss das Unternehmen einen Fünfjahresvertrag über die Abnahme von 340,0 Millionen US-Dollar anrechenbarer IT-Leistungen bis zum 30. November 2030 — üblicherweise sichert man sich damit Mengenrabatte beim Cloud-Betrieb. Für das erste Vertragsjahr gilt eine Mindestabnahme von 50,0 Millionen. Zum Vergleich: Der gesamte Jahresumsatz betrug 2025 419,5 Millionen, die gesamten Umsatzkosten 108,8 Millionen.

Teilweise. KI ist bei AvePoint nicht die verkaufte Technik, sondern der Anlass: Wer eine KI auf schlecht sortierte Firmendaten loslässt, vergrößert den Schaden. Der Geschäftsbericht für 2025 führt eigene Anwendungsfälle wie „AI Confidence and Readiness“ und „Agentic AI Governance“ als Bestandteil der verkauften Plattform. Die Firma verdient also an der Ordnung, die KI voraussetzt — nicht an Modellen selbst.

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