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Innoviva: 271 Millionen Dollar Gewinn — und rund die Hälfte hat niemand überwiesen

Innoviva: 271 Millionen Dollar Gewinn — und rund die Hälfte hat niemand überwiesen

Innoviva kassiert Lizenzgebühren auf zwei Asthma- und COPD-Medikamente von GSK und verkauft fünf eigene Krankenhaus-Präparate. Das Geschäft brachte 2025 einen Umsatz von 411,3 Millionen US-Dollar und 196,9 Millionen operativen Mittelzufluss. Der ausgewiesene Gewinn lag jedoch bei 271,2 Millionen — davon 161,6 Millionen aus der Neubewertung von Beteiligungen, vor allem des Börsenkurses von Armata Pharmaceuticals. Im ersten Quartal 2026 stammten 191,2 von 234,6 Millionen Vorsteuerergebnis aus derselben Zeile. Und Armata wird von Innoviva selbst finanziert: zuletzt am 12. Mai 2026 mit weiteren 25,0 Millionen US-Dollar Kredit. Keine Anlageberatung — nur die Frage, welcher Zeile in diesem Abschluss du eigentlich glaubst.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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Innoviva: 271 Millionen Dollar Gewinn — und rund die Hälfte hat niemand überwiesen
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt einen Satz, den wir alle irgendwann gelernt haben und seither nie wieder hinterfragen: „Unterm Strich zählt, was übrig bleibt.“ Die letzte Zeile einer Gewinn- und Verlustrechnung gilt als die ehrlichste — sie ist geprüft, sie ist testiert, sie steht in einem Bericht, den ein Unternehmen der US-Börsenaufsicht SEC unter Strafandrohung einreicht. Nennen wir es die Unter-dem-Strich-Falle: Wir glauben der letzten Zeile, weil sie die letzte ist.

Bei Innoviva, Inc. (Nasdaq: INVA) ist ausgerechnet diese Zeile die unzuverlässigste des ganzen Abschlusses. 2025 stand dort ein Gewinn von 271,2 Millionen US-Dollar. Ein Jahr zuvor, bei fast identischem Geschäft, waren es 23,4 Millionen. Das Geschäft hat sich in diesen zwölf Monaten kaum verändert — das Betriebsergebnis fiel sogar leicht, von 166,9 auf 163,7 Millionen US-Dollar. Machen wir also einen Deal: Bevor du diesem Gewinn glaubst, lesen wir gemeinsam, wo er herkommt. Grundlage sind der Geschäftsbericht (10-K) für 2025 vom 25. Februar 2026, der Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 vom 6. Mai 2026 und zwei Meldungen, die danach kamen. Am Ende entscheidest du selbst.

Was Innoviva eigentlich macht — drei Etagen in einem Haus

Innoviva sitzt in Burlingame südlich von San Francisco und beschäftigte zum 31. Dezember 2025 gerade einmal 159 Menschen. Für ein Unternehmen mit 411,3 Millionen US-Dollar Jahresumsatz ist das erstaunlich wenig — und der erste Hinweis darauf, wie diese Firma gebaut ist. Sie besteht aus drei Etagen.

Etage eins: die Mieteinnahme. Innoviva besitzt Rechte an zwei Atemwegsmedikamenten, die der britische Pharmakonzern GSK entwickelt, herstellt und verkauft: RELVAR/BREO ELLIPTA und ANORO ELLIPTA, beides einmal täglich anzuwendende Inhalatoren gegen die Lungenkrankheit COPD und gegen Asthma. Innoviva stellt nichts her und verkauft nichts. Sie kassiert einen Anteil am Umsatz — im Alltagsbild: Sie ist der Grundstückseigentümer, nicht der Bäcker im Laden. Die Sätze stehen im Vertrag: 15 Prozent auf die ersten 3,0 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz von RELVAR/BREO ELLIPTA, 5 Prozent auf alles darüber, und aufsteigend 6,5 bis 10 Prozent auf ANORO ELLIPTA. 2025 brachte das 250,3 Millionen US-Dollar brutto. In der Gewinnrechnung stehen davon 236,5 Millionen, weil jährlich 13,8 Millionen an alten Meilensteinzahlungen abgeschrieben werden — Innoviva hatte GSK 2014 einmalig 220,0 Millionen US-Dollar überwiesen und verteilt diese Kosten seither über die Jahre.

Etage zwei: das eigene Geschäft. Seit einigen Jahren kauft Innoviva zu und verkauft selbst — unter dem Namen Innoviva Specialty Therapeutics fünf zugelassene Krankenhausmedikamente: GIAPREZA (hebt den Blutdruck bei septischem Schock), XACDURO und XERAVA (Antibiotika gegen schwer behandelbare Keime), ZEVTERA (seit dem dritten Quartal 2025 im Markt) und NUZOLVENCE, das am 12. Dezember 2025 von der US-Arzneimittelbehörde FDA gegen unkomplizierte Gonorrhoe zugelassen wurde und im zweiten Halbjahr 2026 in den Markt kommen soll. Diese Etage wächst schnell: 172,1 Millionen US-Dollar Produktumsatz 2025 nach 97,5 Millionen im Jahr 2024, ein Plus von 77 Prozent.

Etage drei: das Depot. Innoviva hält Beteiligungen an anderen Gesundheitsfirmen — zum 31. März 2026 im Zeitwert von 773,3 Millionen US-Dollar. Das ist mehr als die Bilanzsumme mancher börsennotierter Mittelständler und ungefähr die Hälfte dessen, was die ganze Innoviva an der Börse kostet. Und genau hier beginnt die Geschichte dieser Analyse.

Damit ist das Spannungsfeld benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Innoviva verdient in den Etagen eins und zwei echtes, kassenwirksames Geld — der ausgewiesene Gewinn entsteht aber überwiegend in Etage drei, und dort misst er den Börsenkurs einer Firma, die Innoviva selbst am Leben hält.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Der Anstoß kam aus dem hauseigenen Aktien-Scanner. Innoviva steht dort in der US-Auswahl der Liste „Fundamental Rank (A / A+)“ — einer Rangliste, die Firmen nach der Güte ihrer Fundamentaldaten sortiert. Am 26. Juli 2026 zählte diese Liste 38 US-Treffer, von denen die Seite höchstens 25 anzeigt. Wichtig zu wissen: Diese Listen werden täglich neu berechnet; was heute gilt, kann in einer Woche anders aussehen.

Interessant wurde es beim Blick auf die Konfluenz. Am selben Tag stand INVA in 15 Listen gleichzeitig — und deren Mischung erzählt bereits die halbe Geschichte. Da sind die Trendlisten, die nur das Kursverhalten beschreiben: Stan Weinstein: Stage 2 (die Phase nach einer Bodenbildung, in der ein Aufwärtstrend beginnt), Power Trend, Über 50- & 200-SMA, 21-EMA-Trend, Tight & Near High. Da sind die Günstigkeitslisten: KCF-Ranking und K-FCF-Ranking, die den Kurs ins Verhältnis zum Mittelzufluss setzen. Und da sind die Qualitätslisten: EBIT-Margen-Ranking, Levermann, Profis 80 % und eben Fundamental Rank.

Auf dem Papier ist das die Traumkombination: günstig, profitabel, im Aufwärtstrend. Zwei Kennzahlen aus dem Datenblatt (Datenstand 24. Juli 2026) sollte man dabei allerdings gegeneinanderhalten. Der Piotroski-F-Score, ein Neun-Punkte-Test für die Gesundheit der Bücher, steht bei 6 von 9 — das ist ordentlich, aber nicht gut; eine kerngesunde Firma steht bei 8 oder 9. Und die Nettomarge beträgt 119,9 Prozent. Lies das noch einmal: Das Unternehmen verdient mehr, als es umsetzt. Rechnerisch geht das nur, wenn ein großer Teil des Gewinns gar nicht aus dem Umsatz stammt. Merke dir diese Zahl — sie ist der Fingerabdruck der ganzen Geschichte. Wie stark eine einzelne Beteiligung das Bild einer Holding prägen kann, haben wir in der Analyse zu Acacia Research auseinandergenommen.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Zuerst das, was wirklich für Innoviva spricht, und das ist einiges. Der Umsatz steigt drei Jahre in Folge: 310,5 Millionen US-Dollar (2023), 358,7 Millionen (2024) und 411,3 Millionen (2025) — ein Plus von 15 Prozent im letzten Jahr. Getragen wird das Wachstum inzwischen nicht mehr von den Lizenzen, sondern vom eigenen Produktgeschäft: Es wuchs von 60,6 über 97,5 auf 172,1 Millionen US-Dollar, hat sich also in zwei Jahren fast verdreifacht. Der Anfang des Jahres 2026 setzt das fort: 98,0 Millionen US-Dollar Umsatz im ersten Quartal nach 88,6 Millionen im Vorjahresquartal, davon 41,4 Millionen aus eigenen Produkten (+37 Prozent).

Noch wichtiger als der Gewinn ist bei dieser Firma der operative Mittelzufluss — also das Geld, das der laufende Betrieb tatsächlich in die Kasse spült. Er betrug 196,9 Millionen US-Dollar im Jahr 2025, nach 188,7 Millionen (2024) und 141,1 Millionen (2023). Diese Reihe kennt keine Sprünge und keine Neubewertungen. Sie ist die ehrlichste Zahlenreihe des Unternehmens, und sie sieht gut aus.

Auch die Bilanz ist unangefochten. Zum 31. März 2026 lagen 603,1 Millionen US-Dollar in der Kasse. Dem steht eine einzige Finanzverbindlichkeit gegenüber: eine Wandelanleihe über 261,0 Millionen US-Dollar nominal, verzinst mit lächerlichen 2,125 Prozent und erst im März 2028 fällig. Die Eigenkapitalquote lag bei 73,05 Prozent, der Altman-Z-Wert — eine Kennzahl für die Insolvenzferne, bei der alles über 3 als sicher gilt — bei 11,75 (Datenstand 24. Juli 2026). An dieser Firma wird nicht gerüttelt.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Gewinn misst zur Hälfte einen Aktienkurs

Jetzt lösen wir die Unter-dem-Strich-Falle auf. Zwischen dem Betriebsergebnis und dem Nettogewinn stehen bei Innoviva zwei Zeilen, die in den meisten Unternehmen kaum jemand liest: „Changes in fair values of equity method investments“ und „Changes in fair values of equity and long-term investments“ — Änderungen der Zeitwerte von Beteiligungen. Übersetzt: Der Buchhalter schaut nach, was die Beteiligungen heute wert wären, und schreibt die Differenz in die Gewinnrechnung. Es fließt dabei kein einziger Dollar.

Die folgende Grafik legt drei Zahlenreihen nebeneinander: das Betriebsergebnis, diese Neubewertungen und den Nettogewinn.

Balkendiagramm zu Innoviva 2023 bis 2025 in Millionen US-Dollar: Betriebsergebnis 113,9 / 166,9 / 163,7 (blau), Neubewertungen der Beteiligungen +88,5 / −123,4 / +161,6 (orange), Nettogewinn 179,7 / 23,4 / 271,2 (grün). Der Nettogewinn folgt den Neubewertungen, nicht dem Betriebsergebnis.
Das Betriebsergebnis liegt seit 2024 nahezu konstant bei rund 165 Millionen US-Dollar — der Nettogewinn schwankt zwischen 23,4 und 271,2 Millionen. Den Ausschlag gibt die orange Reihe: Neubewertungen der Beteiligungen, die kein Geld bewegen. Geschäftsjahr endet am 31. Dezember. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Zahlen sind eindeutig. 2025 trugen die Neubewertungen +161,6 Millionen US-Dollar zu einem Vorsteuerergebnis von 326,9 Millionen bei — knapp die Hälfte. 2024 zogen sie mit −123,4 Millionen in die andere Richtung und drückten den Gewinn von 166,9 Millionen Betriebsergebnis auf 23,4 Millionen unter dem Strich. 2023 halfen sie mit +88,5 Millionen.

Noch klarer wird es im laufenden Jahr. Im ersten Quartal 2026 erwirtschaftete Innoviva ein Betriebsergebnis von 38,2 Millionen US-Dollar — und meldete einen Nettogewinn von 186,6 Millionen beziehungsweise 2,52 US-Dollar je Aktie. Von 234,6 Millionen Vorsteuerergebnis stammten 191,2 Millionen aus Neubewertungen. Im Vorjahresquartal, dem ersten Quartal 2025, lief dieselbe Mechanik rückwärts: Betriebsergebnis 41,4 Millionen, Neubewertungen −78,8 Millionen, unter dem Strich ein Verlust von 46,6 Millionen US-Dollar oder 0,74 US-Dollar je Aktie. Zwei Quartale, praktisch dasselbe Geschäft, ein Unterschied von über 233 Millionen US-Dollar in der letzten Zeile.

Das Unternehmen selbst benennt das Risiko dieser Bewertungen im Geschäftsbericht bemerkenswert deutlich:

„Once an investment is made, we may fail to value it accurately, properly account for it in our consolidated financial statements, or successfully divest it or otherwise realize the value which we originally invested or have subsequently reflected in our consolidated financial statements.“

Übersetzung: „Ist eine Investition einmal getätigt, kann es uns misslingen, sie zutreffend zu bewerten, sie in unserem Konzernabschluss ordnungsgemäß abzubilden oder sie erfolgreich zu veräußern beziehungsweise auf andere Weise den Wert zu realisieren, den wir ursprünglich investiert oder anschließend in unserem Konzernabschluss ausgewiesen haben.“

— Innoviva, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A „Risk Factors“

Gelb markierter Risikohinweis aus dem Innoviva-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Das Unternehmen räumt ein, eine getätigte Investition möglicherweise nicht zutreffend zu bewerten oder den im Abschluss ausgewiesenen Wert nicht realisieren zu können.
Die markierte Stelle im Original: Innoviva schreibt selbst, dass der im Abschluss ausgewiesene Wert einer Beteiligung möglicherweise nie realisiert wird. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Merksatz: Ein Gewinn, der aus einer Bewertung stammt, ist ein Versprechen — kein Beleg.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der Aufgewertete lebt vom Aufwertenden

Jetzt zur entscheidenden Frage: Wessen Kurs steigt da eigentlich? Die Berichte nennen den Namen offen. Es ist Armata Pharmaceuticals, ein klinisches Biotech-Unternehmen, das Bakteriophagen entwickelt — Viren, die gezielt Bakterien angreifen und dadurch bei antibiotikaresistenten Infektionen helfen sollen. Was Armata genau macht und wie weit die Entwicklung ist, haben wir in der Analyse zu Armata Pharmaceuticals ausführlich beschrieben.

Innoviva ist dort nicht einfach Aktionär. Sie ist Großaktionär und Hauptgläubiger in einer Person. Der Quartalsbericht listet die Positionen zum 31. März 2026 einzeln auf:

Gelb markierte Textstelle aus dem Innoviva-Quartalsbericht zum 31. März 2026: Zeitwerte der Armata-Positionen von 256,8 Millionen US-Dollar für 25.076.769 Aktien, 94,6 Millionen für 10.653.847 Optionsscheine, 148,3 Millionen für ein Wandeldarlehen über 30,1 Millionen und 103,7 Millionen für Kredite über 85,1 Millionen.
Die markierte Stelle im Original: 603,4 Millionen US-Dollar Zeitwert in einer einzigen Adresse — und der Vergleichswert vom 31. Dezember 2025 gleich daneben. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rechnen wir zusammen, was da steht: 25.076.769 Aktien im Zeitwert von 256,8 Millionen US-Dollar, 10.653.847 Optionsscheine (94,6 Millionen), ein Wandeldarlehen über 30,1 Millionen nominal, das mit 148,3 Millionen bewertet wird, und Kredite über 85,1 Millionen nominal zu 14 Prozent Zins, bewertet mit 103,7 Millionen. Zusammen: 603,4 Millionen US-Dollar. Die Beteiligungsquote betrug zum selben Stichtag 68,4 Prozent. Ein Jahr zuvor, zum 31. Dezember 2024, waren dieselben Positionen mit 163,9 Millionen bewertet. Der Wert hat sich in fünfzehn Monaten fast vervierfacht — ohne dass Innoviva eine einzige Aktie verkauft hätte.

Und wie geht es Armata? Innoviva berichtet die Zahlen ihrer Beteiligung mit einem Quartal Verzögerung mit. Für das Quartal bis zum 31. Dezember 2025 weist sie für Armata einen Umsatz von 1,1 Millionen US-Dollar und einen Nettoverlust von 124,3 Millionen aus. Zum 30. September 2025 standen bei Armata kurzfristige Vermögenswerte von 16,9 Millionen kurzfristigen Verbindlichkeiten von 140,0 Millionen gegenüber. Der größte Teil dieser Verbindlichkeiten ist — Innoviva.

Im Alltagsbild: Du leihst deinem Nachbarn Geld, damit er sein Haus weiterbauen kann. Weil der Bau vorangeht, steigt der Schätzwert des Hauses. Diesen höheren Schätzwert buchst du dir als Gewinn — und leihst ihm davon die nächste Rate. Genau das geschah zuletzt am 12. Mai 2026, also nach dem letzten Quartalsbericht:

Gelb markierte Textstelle aus der Beteiligungsmeldung Schedule 13D/A Nr. 15 vom 13. Mai 2026: Armata nahm am 12. Mai 2026 unter einem neuen Kreditvertrag 25.000.000 US-Dollar von der Innoviva-Tochter auf.
Die markierte Stelle im Original: weitere 25,0 Millionen US-Dollar Kredit an Armata am 12. Mai 2026; darunter die wirtschaftliche Beteiligung aus Aktien, Optionsscheinen und Wandlungsrechten. Quelle: SEC-Beteiligungsmeldung Schedule 13D/A Nr. 15 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Dieselbe Meldung beziffert die wirtschaftliche Beteiligung inklusive Optionsscheinen und Wandlungsrechten auf 55.467.459 Aktien beziehungsweise 82,7 Prozent — gerechnet auf 36.695.155 Armata-Aktien zum 17. April 2026. Zur Ehrlichkeit gehört die Gegenseite: Innoviva stellt im Geschäftsbericht ausdrücklich fest, Armata zwar zu beeinflussen, aber nicht zu beherrschen; das Unternehmen wird deshalb nicht konsolidiert. Die Konstruktion ist offengelegt, geprüft und legal. Sie ist nur eben kein normales Beteiligungsverhältnis — und wer den Gewinn von Innoviva fortschreibt, schreibt den Kurs von Armata fort.

Wie eng Beteiligungen und Unternehmensführung bei Innoviva verwoben sind, zeigt eine zweite Meldung aus demselben Monat. Am 12. Mai 2026 legten zwei Mitglieder des Verwaltungsrats ihr Mandat nieder, um sich auf Syndeio BioSciences zu konzentrieren — ein Unternehmen, in das Innoviva selbst 30,0 Millionen US-Dollar in Form von Wandeldarlehen investiert hat und das sie laut der Meldung 8-K vom 18. Mai 2026 „weiter zu unterstützen beabsichtigt“. Die Meldung stellt ausdrücklich klar, dass die Rücktritte nicht auf Meinungsverschiedenheiten beruhten; am 18. Mai 2026 rückte Josephine Linden nach, zuvor über 25 Jahre bei Goldman Sachs, zuletzt als Partnerin. Nichts daran ist ungewöhnlich für eine Beteiligungsgesellschaft. Aber es beschreibt gut, was Innoviva neben dem Lizenzgeschäft inzwischen auch ist.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die verlässlichste Einnahme wächst nicht mehr

Zurück in Etage eins. Die Lizenzerlöse von GSK sind die stabilste Einnahme des Unternehmens — und sie schrumpfen leicht. Brutto 250,3 Millionen US-Dollar im Jahr 2025 nach 255,6 Millionen im Jahr 2024. Im ersten Quartal 2026 waren es 58,6 Millionen nach 61,3 Millionen im Vorjahresquartal. Das gesamte Umsatzwachstum kommt inzwischen aus dem eigenen Produktgeschäft.

Das wäre halb so wichtig, wenn Innoviva Einfluss hätte. Hat sie aber nicht, und sie sagt es selbst:

„Currently, we derive the majority of our revenues from GSK and our near-term success depends in large part on GSK’s ability to successfully develop and commercialize the products in the respiratory programs partnered with GSK.“

Übersetzung: „Derzeit erzielen wir die Mehrheit unserer Erlöse von GSK, und unser kurzfristiger Erfolg hängt in großem Umfang von der Fähigkeit GSKs ab, die Produkte in den gemeinsam betriebenen Atemwegsprogrammen erfolgreich zu entwickeln und zu vermarkten.“

— Innoviva, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A „Risk Factors“

Gelb markierter Risikohinweis aus dem Innoviva-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Die Mehrheit der Erlöse stammt von GSK, und der kurzfristige Erfolg hängt maßgeblich von GSKs Vermarktung der gemeinsamen Atemwegsprodukte ab.
Die markierte Stelle im Original: Innoviva benennt die Abhängigkeit von einem einzigen Partner als eigenständiges Risiko. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Dazu kommt der Wettbewerb: Der Bericht verweist darauf, dass die FDA bereits 2016 und 2020 Leitlinien für generische Nachahmer der Wirkstoffkombinationen beider Medikamente veröffentlicht hat. Und Etage zwei hat ihre eigene Konzentration — auf die drei größten Abnehmer entfielen 2025 24, 22 und 22 Prozent des Produktumsatzes. Das sind Spezialgroßhändler, über die Krankenhäuser einkaufen; Innoviva hält den Verlust eines einzelnen für verkraftbar, weil die Mengen zu anderen wandern würden. Aber es sind eben drei Adressen für zwei Drittel eines Geschäfts.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Der Nenner wächst schneller als der Zähler

Der Gewinn je Aktie hat zwei Bestandteile, und der zweite bekommt selten Aufmerksamkeit. Zum 31. Dezember 2024 gab es 62.665.000 Innoviva-Aktien. Ein Jahr später waren es 74.636.000 — ein Zuwachs von rund 19 Prozent in zwölf Monaten. Grund war die Wandelanleihe 2025, die im August 2025 fällig wurde und überwiegend in Aktien getilgt wurde. Im Alltagsbild: Der Kuchen ist derselbe, es wurden nur zusätzliche Stücke abgeschnitten.

Die nächste Runde steht bereits im Bericht. Die Wandelanleihe 2028 über 261,0 Millionen US-Dollar ist mit 38,1432 Aktien je 1.000 US-Dollar wandelbar — rund 9,96 Millionen zusätzliche Aktien, gut 13 Prozent mehr als die 73.808.749 Stück vom 30. April 2026. Der anfängliche Wandlungspreis liegt bei etwa 26,22 US-Dollar und kann sich durch Verwässerungsschutz verschieben. Der Quartalsbericht zeigt die Rechnung längst offen: 84.849.000 verwässerte gegenüber 74.160.000 unverwässerten Aktien im ersten Quartal 2026. Deshalb steht dort neben 2,52 US-Dollar Gewinn je Aktie auch der verwässerte Wert von 2,22.

Dagegen läuft ein Rückkaufprogramm, das der Verwaltungsrat am 3. November 2025 über bis zu 125,0 Millionen US-Dollar beschloss. Bis zum 31. März 2026 waren daraus 1.198.921 Aktien für 25,0 Millionen zurückgekauft, davon 971.066 Aktien für 20,4 Millionen allein im ersten Quartal 2026. Das ist ein echtes Gegengewicht — aber ein kleineres als der Zuwachs, der aus der Anleihe kommen kann.

Bewertung — welchem Gewinn glaubst du?

Bei Innoviva ist die Bewertung keine Rechenfrage, sondern eine Entscheidungsfrage. Setzt du den ausgewiesenen Gewinn je Aktie von 4,02 US-Dollar (2025) an, ist die Aktie spottbillig. Setzt du an, was das Geschäft ohne Neubewertungen verdient, ist sie normal bewertet.

Weil Tageskurse nichts über den Wert einer Firma sagen, nehmen wir einen datierten Anker aus einer Pflichtmeldung: Innoviva kaufte im ersten Quartal 2026 971.066 eigene Aktien für 20,4 Millionen US-Dollar zurück — laut Bericht im Schnitt zu 21,06 US-Dollar je Aktie. Auf den ausgewiesenen Gewinn von 4,02 US-Dollar ergibt das ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,2. Auf die Analystenschätzung für 2026 von 1,91 US-Dollar je Aktie (Datenstand 24. Juli 2026) sind es 11,0. Beide Zahlen stimmen; sie beantworten nur verschiedene Fragen.

Bemerkenswert ist die Schätzung selbst. Sie liegt weit unter dem, was 2025 tatsächlich ausgewiesen wurde — weil sie nur das Geschäft modelliert und die Neubewertungen weglässt. Der Blick der Profis auf diese Aktie sagt also im Kern dasselbe wie diese Analyse. Nur muss man dazusagen, wie schmal dieser Blick ist: Es liegt laut Fundamentaldaten genau eine Analystenschätzung vor (Kursziel 35,50 US-Dollar, Datenstand 24. Juli 2026). Ein Konsens aus einer Stimme ist kein Konsens, sondern eine Meinung.

Es gibt einen dritten Weg, und er ist für diese Firma der aufschlussreichste: Man zerlegt den Börsenwert in seine Teile. Innoviva besitzt Kasse und ein Beteiligungsdepot, deren Werte in der Bilanz stehen. Zieht man beides ab und rechnet die Schulden hinzu, bleibt der Preis übrig, den der Markt für das operative Geschäft zahlt.

Wasserfalldiagramm zu Innoviva in Millionen US-Dollar: Börsenwert 1.582,5, plus Finanzschulden 261,0, minus Kasse 603,1, minus strategische Beteiligungen 773,3, ergibt 467,1 Millionen für das operative Geschäft.
Vom Börsenwert zum Preis für das Geschäft: Aus rund 1.582,5 Millionen US-Dollar Börsenwert werden nach Abzug von Kasse (603,1) und Beteiligungen (773,3) und Hinzurechnung der Wandelanleihe (261,0) rund 467,1 Millionen für das operative Geschäft. Börsenwert Datenstand 26. Juli 2026, Bilanzposten per 31. März 2026. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das Ergebnis ist bemerkenswert: Rund 467 Millionen US-Dollar für ein Geschäft, das 2025 ein Betriebsergebnis von 163,7 Millionen erwirtschaftete — also knapp das Dreifache des Betriebsergebnisses. Das klingt sehr günstig, und es ist günstig, aber es steckt eine Annahme darin: dass die 773,3 Millionen Beteiligungen wirklich 773,3 Millionen wert sind. Fällt der Armata-Kurs, fällt diese Zahl mit — und der scheinbar günstige Preis für das Geschäft ist plötzlich ein normaler. Genau davor warnt das oben zitierte Kleingedruckte im Geschäftsbericht.

Ein letzter Hinweis zur Vorsicht: Kennzahlen, die auf dem Gewinn beruhen, sind bei dieser Firma systematisch verzerrt. Nicht nur die Nettomarge von 119,9 Prozent, auch Eigenkapitalrendite (50,7 Prozent) und Kurs-Gewinn-Verhältnis enthalten die Neubewertungen. Belastbar sind bei Innoviva nur Umsatz, Betriebsergebnis, operativer Mittelzufluss und Bilanz.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Innoviva spricht:

  • Ein Lizenzgeschäft ohne eigene Kosten: 250,3 Millionen US-Dollar brutto von GSK im Jahr 2025, bei 159 Mitarbeitern im ganzen Konzern und einer Bruttomarge von 74,1 Prozent (Datenstand 24. Juli 2026).
  • Das eigene Produktgeschäft wächst schnell: 172,1 Millionen US-Dollar Umsatz 2025 nach 97,5 Millionen (2024) und 60,6 Millionen (2023); im ersten Quartal 2026 weitere 37 Prozent Zuwachs auf 41,4 Millionen.
  • Echtes Geld statt Buchgewinn im laufenden Betrieb: 196,9 Millionen US-Dollar operativer Mittelzufluss 2025, davor 188,7 und 141,1 Millionen — eine Reihe ohne Ausschläge.
  • Eine Bilanz, die kaum angreifbar ist: 603,1 Millionen US-Dollar Kasse zum 31. März 2026, als einzige Finanzverbindlichkeit 261,0 Millionen Wandelanleihe zu 2,125 Prozent mit Fälligkeit erst im März 2028, Eigenkapitalquote 73,05 Prozent, Altman-Z 11,75.
  • Neue Produkte in der Pipeline der Vermarktung: ZEVTERA seit dem dritten Quartal 2025 im Markt, NUZOLVENCE am 12. Dezember 2025 zugelassen und für das zweite Halbjahr 2026 angekündigt.
  • Kapitalrückgabe hat begonnen: Rückkaufprogramm über 125,0 Millionen US-Dollar seit dem 3. November 2025, davon 25,0 Millionen bis Ende März 2026 eingesetzt.

Was dagegen spricht:

  • Der ausgewiesene Gewinn misst überwiegend Kurse: 161,6 von 326,9 Millionen US-Dollar Vorsteuerergebnis 2025 und 191,2 von 234,6 Millionen im ersten Quartal 2026 stammen aus Neubewertungen, die kein Geld bewegen.
  • Ein Klumpenrisiko von 603,4 Millionen US-Dollar in einer einzigen Adresse (Stand 31. März 2026) — bei 68,4 Prozent Beteiligung an einem Unternehmen, das im Quartal bis 31. Dezember 2025 bei 1,1 Millionen Umsatz 124,3 Millionen Verlust auswies.
  • Innoviva ist dort zugleich Gläubiger und Eigentümer: 30,1 Millionen US-Dollar Wandeldarlehen und 85,1 Millionen Kredite zu 14 Prozent, dazu weitere 25,0 Millionen am 12. Mai 2026 — die Aufwertung und die Finanzierung stammen aus derselben Hand.
  • Die stabilste Einnahme wächst nicht mehr: Bruttolizenzerlöse 250,3 Millionen US-Dollar 2025 nach 255,6 Millionen 2024; im ersten Quartal 2026 58,6 nach 61,3 Millionen. Auf Marketing und Vertrieb hat Innoviva keinen Einfluss.
  • Verwässerung: Die Aktienzahl stieg 2025 um rund 19 Prozent; die Wandelanleihe 2028 kann weitere rund 9,96 Millionen Aktien bringen, gut 13 Prozent über dem Bestand vom 30. April 2026.
  • Abnehmerkonzentration im Produktgeschäft: Die drei größten Kunden standen 2025 für 24, 22 und 22 Prozent des Produktumsatzes.
  • Die Leerverkaufsquote lag bei 12,05 Prozent des Streubesitzes (Datenstand 24. Juli 2026) — ein Teil des Marktes wettet ausdrücklich gegen diese Konstruktion.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Unter-dem-Strich-Falle vom Anfang. Ihr Problem ist nicht, dass die letzte Zeile lügt — sie tut es nicht. Innovivas Abschluss ist geprüft, die Bewertungen sind offengelegt, das Risiko ist im Bericht benannt, und die Konstruktion mit Armata steht in jeder Meldung. Das Problem der Falle ist, dass sie eine Frage beantwortet, die wir gar nicht gestellt haben. „Was ist übrig geblieben?“ heißt eben nicht „Was hat die Firma verdient?“. Bei Innoviva klaffen diese beiden Fragen weiter auseinander als bei fast jedem anderen Unternehmen dieser Größe.

Und dann ist da die andere Hälfte, die in der Aufregung um die Buchgewinne fast untergeht: Innoviva ist ein ausgesprochen ordentliches Geschäft. 411,3 Millionen US-Dollar Umsatz, 163,7 Millionen Betriebsergebnis, 196,9 Millionen echter Mittelzufluss, 603,1 Millionen in der Kasse, 261,0 Millionen billige Schulden — und 159 Menschen, die das alles stemmen. Wer nur die Neubewertungen sieht, übersieht diese Firma genauso, wie wer nur den Gewinn sieht sie überschätzt.

Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,2 billig?“, sondern: Willst du gleichzeitig einen Lizenzgeber, einen Krankenhaus-Pharmahändler und einen Wagniskapitalgeber besitzen — und traust du dem Wagniskapitalgeber zu, dass aus 603,4 Millionen US-Dollar Buchwert eines Tages Geld wird? Wenn ja, hast du eine These, und die Berichte geben dir vier klare Messpunkte: Produktumsatz, Bruttolizenzerlöse, verwässerte Aktienzahl und die Zeile der Neubewertungen. Wenn nein, hattest du eine schöne letzte Zeile. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Innoviva-Aktien.

Unser Fazit auf einen Blick

Lizenzgeschäft positiv
Die GSK-Lizenzen sind ein Geschäft ohne Fabrik: Innoviva trägt weder Vertriebs- noch Produktionskosten und kassiert 15 Prozent auf die ersten 3,0 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz von RELVAR/BREO ELLIPTA sowie 6,5 bis 10 Prozent auf ANORO ELLIPTA. 2025 kamen daraus 236,5 Millionen US-Dollar nach Abschreibungen. Die Bruttomarge des Konzerns lag bei 74,1 Prozent, die operative Marge bei 40,1 Prozent (Datenstand 24. Juli 2026).
Ergebnisqualität negativ
Der ausgewiesene Gewinn misst überwiegend Börsenkurse, nicht Geschäft. 2025 stammten 161,6 von 326,9 Millionen US-Dollar Vorsteuerergebnis aus Neubewertungen, im ersten Quartal 2026 sogar 191,2 von 234,6 Millionen. Im Vorjahresquartal drehte dieselbe Zeile mit minus 78,8 Millionen und machte aus 41,4 Millionen Betriebsergebnis einen Nettoverlust von 46,6 Millionen US-Dollar. Wer den Gewinn je Aktie fortschreibt, schreibt einen Aktienkurs fort.
Klumpenrisiko Armata negativ
Zum 31. März 2026 steckten 603,4 von 773,3 Millionen US-Dollar Beteiligungsbuchwert in einer einzigen Adresse — bei einer Beteiligungsquote von 68,4 Prozent. Armata selbst meldete für das Quartal bis 31. Dezember 2025 einen Umsatz von 1,1 Millionen US-Dollar und einen Nettoverlust von 124,3 Millionen. Innoviva ist dort zugleich Hauptgläubiger und reichte am 12. Mai 2026 weitere 25,0 Millionen US-Dollar Kredit nach; die wirtschaftliche Beteiligung stieg damit auf 82,7 Prozent.
Abhängigkeit von GSK negativ
Der Geschäftsbericht für 2025 sagt es selbst: Die Mehrheit der Erlöse stammt von GSK, und der kurzfristige Erfolg hängt maßgeblich an GSKs Vermarktung. Innoviva hat auf Marketing und Vertrieb keinen Einfluss. Die Bruttolizenzerlöse gingen 2025 auf 250,3 Millionen US-Dollar zurück (2024: 255,6 Millionen), im ersten Quartal 2026 auf 58,6 Millionen nach 61,3 Millionen im Vorjahresquartal — der Wachstumsbeitrag kam zuletzt allein aus dem eigenen Produktgeschäft.
Bilanz und Liquidität positiv
Zum 31. März 2026 standen 603,1 Millionen US-Dollar Kasse einer einzigen Finanzverbindlichkeit gegenüber: der Wandelanleihe 2028 über 261,0 Millionen nominal zu 2,125 Prozent Zins, fällig erst im März 2028. Das Eigenkapital lag bei 1.341,7 Millionen, die Eigenkapitalquote bei 73,05 Prozent und der Altman-Z-Wert bei 11,75 (Datenstand 24. Juli 2026). Der operative Mittelzufluss betrug 2025 196,9 Millionen US-Dollar.
Bewertung neutral
Auf den ausgewiesenen Gewinn je Aktie von 4,02 US-Dollar für 2025 ergibt der im Quartalsbericht dokumentierte Rückkauf-Durchschnittspreis von 21,06 US-Dollar ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,2 — auf die einzige vorliegende Analystenschätzung von 1,91 US-Dollar für 2026 aber 11,0. Zieht man vom Börsenwert von rund 1.582,5 Millionen US-Dollar (Datenstand 26. Juli 2026) Kasse und Beteiligungen ab und rechnet die Schulden hinzu, bleiben rund 467 Millionen für das operative Geschäft, das 2025 163,7 Millionen Betriebsergebnis brachte.

Innoviva ist zwei Firmen in einer Hülle: ein sehr profitables Lizenz- und Medikamentengeschäft mit 411,3 Millionen US-Dollar Umsatz, 163,7 Millionen Betriebsergebnis und 196,9 Millionen operativem Mittelzufluss im Jahr 2025 — und eine Beteiligungsgesellschaft, deren größte Position 603,4 Millionen US-Dollar in einem klinischen Biotech-Unternehmen ist, das Innoviva selbst finanziert. Die erste Firma liefert Geld, die zweite liefert die Schlagzeile: 161,6 der 326,9 Millionen Vorsteuerergebnis 2025 und 191,2 der 234,6 Millionen im ersten Quartal 2026 stammen aus Neubewertungen. Die Bilanz ist mit 603,1 Millionen Kasse und nur 261,0 Millionen Wandelanleihe unangefochten solide. Wer hier kauft, muss sich entscheiden, welche der beiden Firmen er bewertet. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Das operative Geschäft trägt zweifelsfrei: Lizenzerlöse ohne eigene Vertriebskosten, 74,1 Prozent Bruttomarge, 196,9 Millionen US-Dollar operativer Mittelzufluss 2025 und eine Bilanz mit 603,1 Millionen Kasse gegen 261,0 Millionen Wandelanleihe — das ist keine wacklige Firma. Offen bleibt trotzdem eine wesentliche operative Frage, und sie ist ungewöhnlich groß: Der ausgewiesene Erfolg entsteht überwiegend außerhalb des Geschäfts. 2025 kamen 161,6 von 326,9 Millionen Vorsteuerergebnis aus Zeitwertänderungen, im ersten Quartal 2026 waren es 191,2 von 234,6 Millionen, und der Treiber ist mit Armata eine Gesellschaft, die im Quartal bis 31. Dezember 2025 bei 1,1 Millionen Umsatz 124,3 Millionen Verlust auswies und deren Kredite Innoviva selbst stellt. Das ist keine Existenzfrage für Innoviva — die Kasse deckt die einzige Anleihe mehr als doppelt —, aber es macht die Ertragskraft schwer messbar. Deshalb Gelb: belegte operative Stärke, unbelegbare Wiederholbarkeit des ausgewiesenen Gewinns. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Innoviva über den hauseigenen Aktien-Scanner: Die Aktie steht in der US-Auswahl der Liste „Fundamental Rank (A / A+)“, die am 26. Juli 2026 insgesamt 38 US-Treffer zählte und höchstens 25 davon anzeigt. Am selben Tag stand INVA in 15 Scanner-Listen, darunter „Stan Weinstein: Stage 2“, „Power Trend“, „Über 50- & 200-SMA“ und das „EBIT-Margen-Ranking“. Diese Listen werden täglich neu berechnet.
  • Verwechslungsgefahr: Innoviva, Inc. (CIK 1080014) hieß bis Januar 2016 Theravance, Inc. und davor Advanced Medicine, Inc. Sie ist nicht identisch mit Theravance Biopharma, einer 2014 verselbstständigten Gesellschaft mit eigenem SEC-Aktenzeichen. Auch die Kennzahlen sind mit Vorsicht zu lesen: Weil Neubewertungen im Gewinn stecken, lag die Nettomarge zum Datenstand 24. Juli 2026 bei 119,9 Prozent — ein rechnerischer Nebeneffekt, kein Geschäftserfolg.
  • Bewertungsangaben datiert und evergreen: Der Kursanker von 21,06 US-Dollar ist kein Tageskurs, sondern der im Quartalsbericht ausgewiesene Durchschnittspreis der Aktienrückkäufe im ersten Quartal 2026 (971.066 Aktien für 20,4 Mio. US-Dollar). Das Deckblatt des Geschäftsberichts nennt als zweiten Anker den Marktwert der von Nicht-Verbundenen gehaltenen Aktien zum 30. Juni 2025: 1,26 Milliarden US-Dollar. Analysen sind evergreen; Tageskurse sind kein Kaufargument.

Häufige Fragen

Innoviva, Inc. (Nasdaq: INVA) hat drei Einnahmequellen. Erstens Lizenzgebühren von GSK auf die Atemwegsmedikamente RELVAR/BREO ELLIPTA und ANORO ELLIPTA: 2025 brachten sie 236,5 Millionen US-Dollar nach Abschreibungen. Zweitens den Verkauf eigener Krankenhaus-Medikamente wie GIAPREZA, XACDURO und XERAVA: 172,1 Millionen US-Dollar Produktumsatz 2025. Drittens ein Beteiligungsportfolio, das im Zeitwert bewertet wird.

Weil zwei Zeilen darunter etwas steht, das kein Geld ist. Das Betriebsergebnis betrug 2025 163,7 Millionen US-Dollar. Dazu kamen 161,6 Millionen aus der Neubewertung von Beteiligungen zum Zeitwert — überwiegend aus dem gestiegenen Börsenkurs von Armata Pharmaceuticals. Nach Steuern blieb ein Nettogewinn von 271,2 Millionen US-Dollar. Im Vorjahr wirkte dieselbe Zeile mit minus 123,4 Millionen genau umgekehrt.

Innoviva ist dort Großaktionär und Hauptgläubiger zugleich. Zum 31. März 2026 hielt sie 68,4 Prozent der Armata-Aktien; die Positionen aus Aktien, Optionsscheinen, einem Wandeldarlehen und Krediten waren zusammen mit 603,4 Millionen US-Dollar bewertet. Am 12. Mai 2026 kam laut Beteiligungsmeldung ein weiterer Kredit über 25,0 Millionen US-Dollar hinzu. Die wirtschaftliche Beteiligung liegt damit bei 82,7 Prozent.

Sehr. Der Geschäftsbericht für 2025 formuliert es selbst so, dass die Mehrheit der Erlöse von GSK stammt und der kurzfristige Erfolg maßgeblich davon abhängt, wie gut GSK die Partnerprodukte vermarktet. Die Lizenzsätze stehen fest: 15 Prozent auf die ersten 3,0 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz von RELVAR/BREO ELLIPTA, 5 Prozent darüber, und 6,5 bis 10 Prozent auf ANORO ELLIPTA. Innoviva hat auf Marketing und Vertrieb keinen Einfluss.

Nein. Die letzte Ausschüttung liegt laut Fundamentaldaten im September 2015 (Datenstand 7. Juli 2026). Kapital fließt stattdessen über Aktienrückkäufe zurück: Am 3. November 2025 beschloss der Verwaltungsrat ein Programm über bis zu 125,0 Millionen US-Dollar. Bis zum 31. März 2026 waren daraus 1.198.921 Aktien für 25,0 Millionen zurückgekauft, davon 971.066 Aktien für 20,4 Millionen allein im ersten Quartal 2026.

Die Wandelanleihe 2028 über 261,0 Millionen US-Dollar nominal ist mit 38,1432 Aktien je 1.000 US-Dollar wandelbar, was rund 9,96 Millionen Aktien entspricht — gut 13 Prozent zusätzliche Anteile über den 73.808.749 Aktien vom 30. April 2026. Der Quartalsbericht zeigt die Rechnung bereits: 84.849.000 verwässerte gegenüber 74.160.000 unverwässerten Aktien im ersten Quartal 2026.

Ja, zweimal. Laut Geschäftsbericht für 2025 wurde die Gesellschaft im November 1996 in Delaware gegründet, nahm den Betrieb im Mai 1997 als Advanced Medicine, Inc. auf, hieß ab April 2002 Theravance, Inc. und seit Januar 2016 Innoviva, Inc. Das Aktenzeichen bei der US-Börsenaufsicht SEC blieb dabei unverändert: CIK 1080014. Nicht zu verwechseln ist Innoviva mit Theravance Biopharma — einer 2014 verselbstständigten Gesellschaft, mit der Innoviva bis heute vertraglich verbunden ist.

Das hängt davon ab, welchen Gewinn man ansetzt. Auf den ausgewiesenen Gewinn je Aktie von 4,02 US-Dollar für 2025 ergibt der im Quartalsbericht dokumentierte Rückkauf-Durchschnittspreis von 21,06 US-Dollar ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,2. Auf die einzige vorliegende Analystenschätzung von 1,91 US-Dollar für 2026 sind es 11,0. Der Börsenwert lag bei rund 1,58 Milliarden US-Dollar (Datenstand 26. Juli 2026).

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