Highlander Silver meldet den ersten Gewinn seiner Geschichte — 28,5 der 20,4 Millionen sind eine Buchung
Zwanzig Tage nach dem Handelsstart an der NYSE American baut ein Londoner Milliardenfonds bei Highlander Silver eine komplett neue Position auf. Kurz darauf meldet die Gesellschaft für das erste Quartal 2026 einen Gewinn von 20,4 Millionen US-Dollar — den ersten überhaupt. In der Zeile darüber steht eine Neubewertung des alten Bear-Creek-Anteils über 28,5 Millionen, die kein Geld bewegt hat; das Betriebsergebnis desselben Quartals ist minus 10,0 Millionen. Auf der Aktionärsliste stehen Richard Warke, Eric Sprott und die Familie Lundin — eingestiegen zwischen 10 kanadischen Cent und 6,80 kanadischen Dollar. Keine Empfehlung, sondern eine Frage: Was kaufst du eigentlich, wenn du eine Gästeliste kaufst?
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Es gibt eine Abkürzung, die fast jeder Anleger irgendwann nimmt, und sie fühlt sich nicht nach Leichtsinn an, sondern nach gesundem Menschenverstand — nennen wir sie die Gästelisten-Falle. Sie funktioniert so: Ein Unternehmen zu prüfen ist mühsam. Nachzusehen, wer sonst noch investiert ist, dauert zwei Minuten. Stehen dort Namen, die man kennt, entspannt sich etwas im Kopf: Die werden schon wissen, was sie tun. Bei Highlander Silver Corp. (NYSE American: HSLV; Toronto: HSLV) ist diese Liste außergewöhnlich gut besetzt — Richard Warke, Eric Sprott, die Familie Lundin, und seit dem Frühjahr 2026 ein Londoner Fonds mit 2,6 Milliarden US-Dollar in US-Aktien. Machen wir trotzdem einen Deal: Wir lesen nicht die Gästeliste, sondern die Rechnung. Also das, was das Unternehmen der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Jahresbericht auf Formular 40-F für die fünfzehn Monate bis zum 31. Dezember 2025, eingereicht am 31. März 2026, und den Zwischenbericht zum 31. März 2026. Ein Bericht an die SEC ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt von einer Firmenhülle, die einmal Cannabis hieß, von 568 Prozent mehr Aktien in 31 Monaten, von einem Gewinn, der kein Geld ist — und von drei Projekten, an denen schon andere mitverdienen. Was du daraus machst, entscheidest am Ende du.
Was Highlander Silver eigentlich macht — zwei Baustellen in Peru, ein Bergwerk in Mexiko
Highlander Silver ist kein Produzent, der Erz verkauft und davon lebt. Der Konzern ist ein Entwickler: Er besitzt Vorkommen, bohrt sie ab, rechnet sie durch und will sie irgendwann in Bergwerke verwandeln. Drei Anlagen tragen das Ganze. Erstens San Luis, ein Gold-Silber-Projekt im Departement Ancash in Zentralperu, rund 513 Kilometer nordnordwestlich von Lima, 32 Schürfrechte auf etwa 23.298 Hektar. Es ist laut Jahresbericht das einzige wesentliche Bergbauprojekt der Gesellschaft. Zweitens Corani, ein großes Silbervorkommen im Departement Puno, das Highlander seit Ende Februar 2026 besitzt und das die Firma selbst als das größte vollständig genehmigte Silberprojekt der Welt bezeichnet. Und drittens Mercedes, eine laufende Gold-Silber-Mine im mexikanischen Sonora, die 2025 rund 30.000 Unzen Gold förderte.
Der Unterschied zwischen einem Entwickler und einem Produzenten ist der Unterschied zwischen einem Bauplan und einem Haus — und er bestimmt, welche Kennzahlen bei dieser Aktie überhaupt etwas bedeuten. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt es nicht, weil es über Jahre keinen Gewinn gab. Eine Umsatzreihe gibt es nicht, weil bis Februar 2026 nichts verkauft wurde. Was zählt, sind vier andere Größen: wie viel Geld in der Kasse liegt, wie schnell es abfließt, wie viele Aktien es inzwischen gibt und was im Berg steckt. Genau diese vier nehmen wir uns vor.
Und damit steht das Spannungsfeld dieser Analyse, das sich durch jedes Kapitel zieht: Highlander Silver hat in dreißig Monaten aus einer Hülle mit 307.983 kanadischen Dollar Bilanzsumme einen Konzern mit 580 Millionen US-Dollar Bilanzsumme gemacht — bezahlt fast vollständig mit neuen Aktien, und der einzige Gewinn, der je in den Büchern stand, hat nie das Haus verlassen.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Diese Analyse beginnt nicht mit einem Treffer im hauseigenen Aktien-Scanner, sondern mit einem Formular. Am 8. Mai 2026 reichte Helikon Investments Ltd aus London bei der SEC ihr Formular 13F-HR zum Stichtag 31. März 2026 ein (Aktenzeichen 0001839497-26-000002). Ein 13F ist die Pflichtmeldung großer US-Vermögensverwalter: Wer mehr als 100 Millionen US-Dollar in US-gelisteten Aktien verwaltet, muss vierteljährlich offenlegen, was er hält. In Helikons Tabelle stehen 17 Positionen im Gesamtwert von 2.648.555.113 US-Dollar — und ganz unten, neu und vorher nicht vorhanden, 5.171.822 Highlander-Aktien im Wert von 30.410.313 US-Dollar. Zu den drei vorangegangenen Stichtagen (30. Juni, 30. September und 31. Dezember 2025) meldete derselbe Fonds jeweils null Stück.
Zwei Dinge machen diesen Einstieg bemerkenswert — und beide schneiden in zwei Richtungen. Erstens der Zeitpunkt. Highlander Silver wird erst seit dem 11. März 2026 an der NYSE American gehandelt. Zum Stichtag des 13F war die Aktie in den USA also gerade einmal zwanzig Handelstage alt. Ein Fonds dieser Größe hat sich hier nicht langsam herangetastet, er war praktisch von Anfang an da. Zweitens die Größe. Mit 30,4 Millionen US-Dollar ist Highlander die kleinste der 17 Positionen und macht rund 1,1 Prozent des Portfolios aus — gemessen an den 203.286.668 Aktien, die am 9. März 2026 ausstanden, sind es aber rund 2,5 Prozent der Gesellschaft. Das ist die unbequeme Seite dieser Zahl: Was für den Fonds eine Randnotiz ist, ist für die Aktie ein großer Block. Und ein großer Block ist leichter aufgebaut als abgebaut. Wenn ein Milliardenfonds bei einem Wert dieser Größe aussteigen will, trifft der Verkaufsdruck nicht ihn, sondern die Kleinanleger auf der anderen Seite des Handels.
Jetzt die Grenze, die zu jedem 13F gehört, damit aus einer Pflichtmeldung keine Legende wird: Ein 13F zeigt ausschließlich US-gelistete Long-Positionen, gemeldet mit 35 bis 45 Tagen Verzug, ohne Leerverkäufe, ohne Derivate und ohne alles, was außerhalb der USA notiert. Er ist ein Rückspiegel, kein Fahrplan. Bei Highlander kommt eine Besonderheit dazu: Weil die Aktie auch in Toronto notiert, sagt das Formular nicht einmal, ob der Fonds vorher schon über die kanadische Notierung investiert war. Es sagt nur, was am 31. März 2026 im US-Depot lag.
Ein Wort zum Scanner, weil es zur Ehrlichkeit gehört — und dieses Wort ist kurz. Für Highlander Silver ist unsere Kennzahlenbasis dünn und teilweise unbrauchbar, Datenstand 24. Juli 2026: Es liegen nur sechs Quartale vor, das vierte Quartal 2025 fehlt ganz. Der Piotroski-F-Score, ein Neun-Punkte-Test für die Gesundheit der Bücher, steht bei 3 von 9 — bei einer kerngesunden Firma sind es 8 oder 9, aber bei einem Explorer ohne Umsatz misst dieser Test schlicht die falsche Sache. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt es nicht. Ein Altman-Z-Wert und ein Kassenwert fehlen ebenfalls, und der Grund ist keine Datenlücke, sondern ein Buchhaltungsvorgang, den wir gleich auseinandernehmen. Die Eigenkapitalquote von 96,4 Prozent stammt noch aus der Bilanz vor der Bear-Creek-Übernahme; nach dem Zwischenbericht zum 31. März 2026 sind es 71,2 Prozent. Beide Werte sagen dasselbe: Diese Firma hat keine Finanzschulden. Kein Momentum-, Value- oder Qualitätsfilter hätte diese Aktie nach vorne gespült. Genau das ist die Lücke, die ein Formular manchmal füllt.
Zwei Zahlenfallen, die man vor allem anderen kennen muss
Bevor wir eine einzige Zahl bewerten, müssen zwei Dinge auf den Tisch, sonst vergleicht man Äpfel mit Birnen — und in beiden Fällen ist das Unternehmen selbst die Quelle der Verwirrung.
Falle 1: Der Jahresbericht rechnet in kanadischen Dollar, der Quartalsbericht in US-Dollar
Der geprüfte Jahresabschluss für die fünfzehn Monate bis zum 31. Dezember 2025 ist vollständig in kanadischen Dollar aufgestellt. Der Zwischenbericht zum 31. März 2026 ist vollständig in US-Dollar aufgestellt. Das ist kein Fehler, sondern eine Umstellung — und sie steht wörtlich im Bericht:
„On January 1, 2026, the Company elected to change its presentation currency from Canadian dollars to United States dollars. The change in presentation currency is to better reflect the Company’s business activities and to improve comparability of the Company’s financial results with peer companies in the mining industry.“
Übersetzung: „Zum 1. Januar 2026 hat die Gesellschaft beschlossen, ihre Berichtswährung von kanadischen Dollar auf US-Dollar umzustellen. Die Umstellung der Berichtswährung soll die Geschäftstätigkeit der Gesellschaft besser abbilden und die Vergleichbarkeit ihrer Finanzergebnisse mit Wettbewerbern der Bergbaubranche verbessern.“
— Highlander Silver Corp., Zwischenbericht zum 31. März 2026, Note 3 „Change in Presentation Currency“ (6-K-Anhang 99.1 vom 13.05.2026)
Die Umstellung erfolgte nach IAS 21 und IAS 8 vollständig rückwirkend: Alle Vorjahreswerte im Zwischenbericht sind umgerechnet, und die Gesellschaft stellt sogar eine dritte Bilanz zum 1. Oktober 2024 daneben. Das ist sauber gemacht — aber es bedeutet für jeden Leser: Wer die Zahlen des Jahresberichts direkt neben die des Quartalsberichts legt, vergleicht zwei Währungen. Zum 31. Dezember 2025 galt ein US-Dollar 1,3706 kanadische Dollar. Aus 108,2 Millionen kanadischen Dollar in der Kasse werden so 78,9 Millionen US-Dollar — dieselbe Kasse, zwei Zahlen. In diesem Artikel gilt deshalb durchgängig: Jahreszahlen bis zum 31. Dezember 2025 sind kanadische Dollar, alles ab dem ersten Quartal 2026 sind US-Dollar, und es steht jedes Mal dabei.
Falle 2: Die 18,3 Millionen „Umsatz" sind fünf Wochen Mercedes
Im ersten Quartal 2026 taucht bei Highlander Silver erstmals eine Umsatzzeile auf: 18,330 Millionen US-Dollar. Wer daraus schließt, das eigene Geschäft habe zu laufen begonnen, liegt falsch. Der Erwerb von Bear Creek Mining wurde am 26. Februar 2026 vollzogen; von diesem Tag an wird die Gold-Silber-Mine Mercedes mitkonsolidiert. Der Bericht rechnet es selbst vor: Bear Creek steuerte 18,330 Millionen Umsatz und einen Verlust vor Steuern von 2,865 Millionen bei — der gesamte Konzernumsatz des Quartals stammt also aus rund fünf Wochen Mexiko. Und die Gesellschaft nennt sogar, wie das Quartal ausgesehen hätte, wenn Bear Creek schon am 1. Januar dabei gewesen wäre: 40,521 Millionen Umsatz und 15,735 Millionen Ergebnis vor Steuern.
Merke dir diesen Mechanismus, er kommt bei jeder Übernahme wieder: Im Quartal des Vollzugs ist die Umsatzzeile ein Zufallsprodukt des Kalenders. Sie sagt nichts über Wachstum — nur darüber, an welchem Tag ein Vertrag unterschrieben wurde.
Die Entstehungsgeschichte — von der Cannabis-Hülle zum Milliarden-Explorer
Bei einem so jungen Titel ist die Vorgeschichte die halbe Analyse, und sie steht komplett im Annual Information Form. Die Gesellschaft wurde am 19. Oktober 2016 in British Columbia gegründet — unter dem Namen „1093684 B.C. Ltd.". Danach folgten vier Namenswechsel: Blue Aqua Holdings Ltd. (28. März 2018), Commonwealth Cannabis Corp. (14. Dezember 2018), Lido Minerals Ltd. (11. Februar 2020) und schließlich am 12. August 2021, im Zuge des Zusammenschlusses mit der CAPPEX Mineral Ventures Inc., Highlander Silver Corp.
Das ist keine Anklage — Hüllen, die den Zweck wechseln, sind an kanadischen Kleinbörsen üblich, und mit dem heutigen Geschäft hat die Cannabis-Episode nichts zu tun. Aber es erklärt, warum diese Firma keine Zehnjahresreihe hat, an der man irgendetwas messen könnte. Der eigentliche Anfang ist der 29. November 2023: An diesem Tag unterschrieb Highlander mit SSR Mining den Kaufvertrag über das San-Luis-Projekt. Der Preis: 5 Millionen US-Dollar sofort, dazu bis zu 37,5 Millionen US-Dollar Nachzahlung in sechs an Projektfortschritte geknüpften Stufen und eine 4-prozentige Förderabgabe für SSR Mining. Der Vollzug wurde am 23. Mai 2024 gemeldet.
Danach ging es Schlag auf Schlag — und jede Station war eine Kapitalerhöhung. Alle folgenden Preise sind kanadische Dollar:
- 19. Oktober 2023: 30.000.000 Einheiten zu 0,10 — 3 Millionen eingesammelt.
- 8. Mai 2024: 20.514.222 Aktien zu 0,45 — 9,2 Millionen, gezeichnet von der Familie Lundin, Richard Warke und Eric Sprott.
- 22. Oktober 2024: Highlander schließt sich der Augusta-Gruppe an; Richard Warke wird Direktor und übergangsweise Vorstandschef. Am 7. Januar 2025 übernimmt Daniel Earle als Präsident und Vorstandschef.
- 11. März 2025: 23.000.000 Aktien zu 1,40 — 32,2 Millionen.
- 13. Mai 2025: Wechsel von der Canadian Securities Exchange an die Börse Toronto.
- 29. September und 17. Oktober 2025: 25.330.000 Aktien zu 3,75 — zusammen 94,99 Millionen.
- 30. Januar 2026: 8.060.226 Aktien zu 6,80 an Eric Sprott — 40 Millionen US-Dollar brutto.
- 26. Februar 2026: Vollzug der Bear-Creek-Übernahme; 36.225.457 neue Aktien.
- 11. März 2026: Handelsstart an der NYSE American.
Halte diese Preisleiter fest — 0,10 / 0,45 / 1,40 / 3,75 / 6,80 kanadische Dollar —, wir brauchen sie im Fazit wieder. Und noch eine Zahl aus derselben Quelle: Am 25. Februar 2026 schloss die Aktie in Toronto bei 9,71 kanadischen Dollar. Im September 2024, keine achtzehn Monate zuvor, lag die Spanne an der alten Börse zwischen 0,58 und 0,83.
Der Kauf, der alles verändert hat — Bear Creek Mining
Am 18. Dezember 2025 vereinbarte Highlander die Übernahme der Bear Creek Mining Corporation, die das Silberprojekt Corani in Peru und die Mercedes-Mine in Mexiko hält. Gleichzeitig zeichnete Highlander 50.000.000 Bear-Creek-Aktien zu 0,36 kanadischen Dollar — 18 Millionen kanadische Dollar für rund 14 Prozent. Am 26. Februar 2026 wurde der Rest übernommen: 0,1175 Highlander-Aktien je Bear-Creek-Aktie, insgesamt 36.225.457 neue Highlander-Aktien. Nach dem Vollzug hielten die Altaktionäre rund 82 Prozent, die früheren Bear-Creek-Aktionäre rund 18 Prozent.
Bezahlt wurde also nicht mit Geld, sondern mit Papier. Bewertet zum Schlusskurs vom 25. Februar 2026 ergibt das einen Kaufpreis von 351,7 Millionen kanadischen Dollar; zusammen mit dem Zeitwert des schon gehaltenen Anteils von 57,0 Millionen sind es 408,8 Millionen kanadische Dollar oder 298,7 Millionen US-Dollar. Auf der anderen Seite kamen 532,2 Millionen US-Dollar Vermögenswerte und 233,5 Millionen US-Dollar Schulden ins Haus — darunter allein 117,5 Millionen latente Steuern. Das Reinvermögen entspricht exakt dem Kaufpreis: kein Firmenwert, kein Erwerbsgewinn.
Und genau hier entsteht die Zahl, um die es im nächsten Kapitel geht. Wer, wie Highlander, schon vorher ein Stück an der übernommenen Firma hält, muss dieses alte Stück nach den Rechnungslegungsregeln zum Übernahmezeitpunkt neu bewerten — und die Differenz zum Buchwert landet in der Erfolgsrechnung.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der erste Gewinn der Firmengeschichte hat nie Geld bewegt
Das erste Quartal 2026 ist das erste, in dem unter dem Strich ein Plus steht: 20,408 Millionen US-Dollar Gewinn, 0,14 US-Dollar je Aktie. Sieh dir an, wie diese Zahl entsteht. Ganz oben: 18,330 Millionen Umsatz, davon gehen 12,461 Millionen Herstellungskosten und 5,795 Millionen Abschreibungen ab — es bleibt ein Bruttogewinn von 74.000 US-Dollar. Nicht Millionen. Vierundsiebzigtausend. Danach ziehen 1,954 Millionen Erkundungsaufwand und 8,115 Millionen Verwaltungskosten ab, und das Betriebsergebnis steht bei minus 9,995 Millionen. Erst darunter kommt die Zeile, die alles dreht:
„Remeasurement gain on previously held equity interest in Bear Creek … 28,466“
Übersetzung: „Neubewertungsgewinn auf den zuvor gehaltenen Eigenkapitalanteil an Bear Creek … 28.466 [Tausend US-Dollar]“
— Highlander Silver Corp., Zwischenbericht zum 31. März 2026, Gewinn- und Verlustrechnung (6-K-Anhang 99.1 vom 13.05.2026)
Was dort passiert, lässt sich in einem Alltagsbild erzählen. Du hast vor Jahren ein Zehntel am Haus deines Nachbarn gekauft, für 10.000 Euro. Jetzt kaufst du den Rest — und dabei stellt sich heraus, dass dein altes Zehntel inzwischen 40.000 Euro wert ist. Nach den Regeln musst du diese 30.000 Euro als Ertrag verbuchen, obwohl niemand dir einen Cent überwiesen hat. Genau das ist hier geschehen: Der zuvor gehaltene Bear-Creek-Anteil wurde zum Übernahmezeitpunkt neu bewertet, und die Differenz von 28,466 Millionen US-Dollar landete als Ertrag in der Erfolgsrechnung. Ohne diese eine Buchung hätte das Quartal mit einem Verlust von rund 8 Millionen US-Dollar geendet.
Zur Fairness gehört: Das ist keine Trickserei, sondern eine vorgeschriebene Buchung, und Highlander weist sie in einer eigenen, klar benannten Zeile aus. Merke dir trotzdem den Mechanismus, er begegnet dir bei jeder stufenweisen Übernahme wieder: Ein Gewinn, der aus einer Neubewertung stammt, erhöht das Eigenkapital, aber nicht die Kasse. Und noch eine Nebenwirkung: Der aufgelaufene Verlustvortrag der Gesellschaft schrumpfte dadurch von 20,563 Millionen auf 0,155 Millionen US-Dollar. Auf dem Papier ist Highlander damit fast schuldenfrei gegenüber der eigenen Vergangenheit — verdient hat sie dieses Geld nicht.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Aus 30 Millionen Aktien wurden 203 Millionen
Verwässerung heißt: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, weil ständig neue Stücke abgeschnitten werden. Bei Highlander Silver ist das kein Detail, sondern die Finanzierungsmethode. Zum 1. Oktober 2023 gab es 30.460.475 Aktien. Zum 30. September 2024 waren es 81.221.620, zum 31. Dezember 2025 130.910.687 — und zum 12. Mai 2026 stehen 203.423.418 Aktien in den Büchern, dazu 12.180.000 Optionen und 2.909.943 Optionsscheine.
Das sind 568 Prozent mehr Aktien in 31 Monaten. Zur Fairness: Verwässerung ist nicht automatisch schlecht. Wer für frisches Geld etwas kauft, das mehr wert ist als der ausgegebene Anteil, macht Altaktionäre reicher, nicht ärmer — und die Preisleiter von 0,10 auf 6,80 kanadische Dollar zeigt, dass jede Runde teurer verkauft wurde als die vorige. Aber die Rechnung geht nur auf, solange der Markt mitspielt. Merke dir den Satz: Wachstum, das mit frischen Aktien bezahlt wird, ist nie ganz gratis. Und bei dieser Firma ist es die einzige Zahlungsart, die sie bisher kennt — Umsätze aus eigenem Bergbau gab es bis Februar 2026 nicht.
Ein Nebenposten, der leicht übersehen wird: Die alten Optionsscheine von Bear Creek laufen weiter und werden an der TSX Venture Exchange unter „BCM.WT" gehandelt. Sie sind heute in Highlander-Aktien ausübbar — rechnerisch zu rund 3,57 kanadischen Dollar je ganzer Highlander-Aktie.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Am künftigen Erz verdienen schon drei andere mit
Eine Förderabgabe auf den Nettoschmelzerlös ist ein Anteil am Umsatz, nicht am Gewinn — sie fällt an, ob die Mine verdient oder nicht. Bei Highlander liegen davon inzwischen drei Lagen übereinander. Auf San Luis hält SSR Mining 4 Prozent, davon die Hälfte für 15 Millionen US-Dollar rückkaufbar. Auf Corani liegen seit der Bear-Creek-Übernahme 2,75 Prozent für Royal Gold und 0,5 Prozent für Equinox Gold, zusammen 3,25 Prozent. Auf Mercedes liegen 2 Prozent für Royal Gold. Diese Rechte wurden nicht vom Himmel geschenkt, sondern als Preis für die Ablösung der Bear-Creek-Schulden ausgegeben; ihren Zeitwert beziffert der Bericht auf 42,6 Millionen US-Dollar.
Dazu kommen zwei weitere Verpflichtungen, die in keiner Schlagzeile stehen. Erstens die bis zu 37,5 Millionen US-Dollar Nachzahlung an SSR Mining, gestaffelt nach Projektfortschritt bis zwei Jahre nach Produktionsbeginn. Zweitens der Rahmenvertrag von Corani: Seit 2013 zahlt die Projektgesellschaft der Distriktverwaltung und fünf Gemeinden jährlich 4 Millionen peruanische Sol in einen Treuhandfonds für Gemeindeprojekte. Zum 31. März 2026 stand die verbleibende, nicht abgezinste Verpflichtung bei 13,7 Millionen US-Dollar. Das ist kein Skandal, sondern der Preis der sozialen Lizenz in den Anden — aber es gehört in jede Projektrechnung.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Ein wirtschaftlich abbaubarer Vorrat ist noch gar nicht festgestellt
Diese Wahrheit steht nicht im Kleingedruckten, sondern gleich in der ersten Anmerkung des Zwischenberichts — und sie ist der ehrlichste Satz des ganzen Dokuments:
„The Company has not yet determined whether its mineral property interests contain mineral reserves that are economically viable. The Company’s continued operations, and the underlying value and recoverability of the amounts shown for mineral properties, are dependent upon the existence of economically recoverable mineral reserves in the mineral properties in which the Company holds an interest. The continued exploration and development of projects will depend primarily on the Company’s ability to obtain additional financing, including through share capital financing, as required, and on its ability to generate cash flows from operations.“
Übersetzung: „Die Gesellschaft hat noch nicht festgestellt, ob ihre Bergbaurechte wirtschaftlich abbaubare Vorräte enthalten. Der Fortbestand der Geschäftstätigkeit sowie der Wert und die Werthaltigkeit der für die Bergbaurechte ausgewiesenen Beträge hängen davon ab, dass in den Rechten, an denen die Gesellschaft beteiligt ist, wirtschaftlich gewinnbare Vorräte vorhanden sind. Die weitere Erkundung und Entwicklung der Projekte wird in erster Linie davon abhängen, dass die Gesellschaft bei Bedarf zusätzliche Finanzierung erhält, auch über die Ausgabe von Aktien, und dass sie aus dem operativen Geschäft Mittelzuflüsse erwirtschaftet.“
— Highlander Silver Corp., Zwischenbericht zum 31. März 2026, Note 1 „Nature of Operations and Going Concern“ (6-K-Anhang 99.1 vom 13.05.2026)
Wichtig ist der Unterschied zwischen zwei Wörtern, die im Alltag gleich klingen. Eine Ressource ist ein Vorkommen, von dem man weiß, dass es da ist. Ein Vorrat — im Fachjargon „Reserve" — ist der Teil davon, von dem man nachgerechnet hat, dass er sich zu heutigen Preisen mit Gewinn herausholen lässt. Für San Luis liegt eine Ressourcenschätzung mit Stichtag 15. Januar 2025 vor: 453.784 Tonnen der Kategorie „angezeigt" mit 24,42 Gramm Gold und 578,9 Gramm Silber je Tonne — das sind 356.000 Unzen Gold und 8,4 Millionen Unzen Silber. Die Gehalte sind außergewöhnlich, die Menge ist es nicht; zum Vergleich fördert ein mittelgroßer Silberproduzent wie Silvercorp Metals knapp sieben Millionen Unzen Silber in einem einzigen Jahr. Der begleitende technische Bericht empfiehlt denn auch kein Bergwerk, sondern ein zweistufiges Erkundungsprogramm für 10 Millionen US-Dollar.
Für Corani steht der entscheidende Termin noch aus: Eine aktualisierte Machbarkeitsstudie auf Basis eines stufenweisen Ausbaus soll bis Ende des dritten Quartals 2026 vorliegen. Erst sie wird sagen, was der Bau kostet — und woher das Geld kommen soll.
Die Kasse und die Uhr
Damit sind wir bei der Kennzahl, die bei einem Entwickler alles andere ersetzt: Wie lange reicht das Geld? Zum 31. März 2026 lagen 103,199 Millionen US-Dollar in der Kasse, dazu kommen Vorräte und Forderungen; Finanzschulden gibt es keine. Anderthalb Jahre zuvor, zum 1. Oktober 2024, waren es umgerechnet 1,853 Millionen. Im ersten Quartal 2026 flossen aus dem laufenden Geschäft 9,015 Millionen ab (Vorjahresquartal: 1,061 Millionen), aus Investitionen weitere 8,155 Millionen; hereingekommen sind 42,276 Millionen, praktisch vollständig aus der Sprott-Platzierung.
Die spannendste Zahl liefert das Unternehmen selbst. In der Mitteilung vom 7. April 2026 nennt Vorstandschef Daniel Earle einen ungeprüften Kassenbestand von rund 100 Millionen US-Dollar ohne Schulden — und im selben Absatz die Erwartung, dass zum Jahresende 2026 noch rund 60 Millionen übrig sein werden. Das ist eine Ansage über 40 Millionen US-Dollar Mittelabfluss in neun Monaten, bei einer als bewusst diszipliniert beschriebenen Ausgabenplanung. Am 25. Juni 2026 bestätigte das Unternehmen einen ungeprüften Kassenbestand von rund 100 Millionen und wies darauf hin, dass die Mercedes-Mine inzwischen einen Teil der Ausgaben trägt.
Rechne selbst weiter: Ein Bergwerk vom Zuschnitt Coranis kostet Hunderte Millionen. Mit 60 Millionen in der Kasse und ohne Schulden ist das nicht zu bauen. Es gibt drei Wege — eine weitere Kapitalerhöhung, Fremdkapital oder den Verkauf künftiger Produktion an einen Finanzierer. Alle drei kosten die Altaktionäre etwas. Welchen davon das Unternehmen wählt, wird man frühestens mit der Machbarkeitsstudie erfahren.
Bewertung — was hier eigentlich bezahlt wird
Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis wäre bei dieser Firma eine Lüge, und ein Kurs-Umsatz-Verhältnis auch. Wir nehmen deshalb den einzigen sauber datierten Anker, den wir haben: Helikons 13F-Meldung nennt für 5.171.822 Aktien einen Wert von 30.410.313 US-Dollar zum 31. März 2026 — rechnerisch 5,88 US-Dollar je Aktie. Bei 203.286.668 Aktien ergibt das einen Börsenwert von rund 1,2 Milliarden US-Dollar, bei 103,2 Millionen Kasse also einen Unternehmenswert von rund 1,1 Milliarden.
Dem stehen gegenüber: ein bilanzielles Eigenkapital von 413,5 Millionen US-Dollar — der Markt zahlte zum Stichtag also etwa das Dreifache des Buchwerts, und dieser Buchwert besteht zu großen Teilen aus vorläufigen Wertansätzen aus der Bear-Creek-Übernahme. Dazu eine Mine, die 2025 rund 30.000 Unzen Gold förderte und im ersten Quartal 2026 einen Bruttogewinn von 74.000 US-Dollar erwirtschaftete. Dazu eine angezeigte Ressource in San Luis von 356.000 Unzen Gold und 8,4 Millionen Unzen Silber. Und dazu Corani, dessen Wert am 31. März 2026 in der Bilanz in den 284,8 Millionen Bergbaurechten steckt — mit einer Projektrechnung, die es in aktualisierter Form noch nicht gibt.
Anders gesagt: Was hier bezahlt wird, ist zum weitaus größten Teil ein Plan. Das ist bei Entwicklern normal und nicht ehrenrührig — bei einem produzierenden Wettbewerber wie Allied Gold kann man Fördermengen und Kosten je Unze gegenrechnen, hier kann man das nicht. Man kann nur prüfen, ob der Plan glaubwürdig ist und wer ihn ausführt. Analystenschätzungen zu Ergebnis oder Umsatz liegen für Highlander Silver nicht vor; auch das gehört zur Ehrlichkeit über die Datenlage.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Highlander Silver spricht:
- Zum 31. März 2026 103,2 Millionen US-Dollar Kasse und keine Finanzschulden; die Eigenkapitalquote liegt bei 71,2 Prozent, und die einzige große Verbindlichkeit ist eine latente Steuerschuld, die kein Geld kostet.
- Mit Corani gehört ein vollständig genehmigtes Silberprojekt zum Bestand — Genehmigungen sind in den Anden oft der teuerste und langwierigste Teil eines Projekts.
- San Luis ist außergewöhnlich hochgradig: 24,42 Gramm Gold und 578,9 Gramm Silber je Tonne in der angezeigten Kategorie. Hohe Gehalte verzeihen viele Fehler in der Kostenrechnung.
- Mit Mercedes gibt es seit Februar 2026 erstmals eine Einnahmequelle, die einen Teil der Ausgaben trägt; die Altlast eines Gold-Liefervertrags wurde bei der Übernahme abgelöst.
- Die Mannschaft ist einschlägig: Verwaltungsratschef Richard Warke und Vorstandschef Daniel Earle kommen beide von Solaris Resources; für Corani und Mercedes wurden Betriebsleiter mit Erfahrung an großen Minen in Peru und Ecuador geholt.
- Ein datierter Prüfstein steht bevor: Die aktualisierte Machbarkeitsstudie für Corani soll bis Ende des dritten Quartals 2026 vorliegen, die ersten Bohrergebnisse seit über einem Jahrzehnt ab Juli 2026.
Was dagegen spricht:
- Kein Vorrat festgestellt. Der Zwischenbericht sagt ausdrücklich, dass noch nicht geklärt ist, ob die Bergbaurechte wirtschaftlich abbaubare Vorräte enthalten.
- Der einzige Gewinn ist eine Buchung. Von den 20,4 Millionen US-Dollar des ersten Quartals 2026 stammen 28,5 Millionen aus einer Neubewertung; das Betriebsergebnis ist minus 10,0 Millionen.
- 568 Prozent mehr Aktien in 31 Monaten — und der Bau von Corani ist mit den geplanten 60 Millionen US-Dollar Jahresendkasse nicht zu finanzieren.
- Vorläufige Bilanz: Die Wertansätze aus der Bear-Creek-Übernahme dürfen bis zum 26. Februar 2027 rückwirkend geändert werden; latente Steueransprüche sind bisher mit null angesetzt.
- Länderrisiko in zwei Ländern. Der Jahresbericht widmet Peru einen eigenen Risikoabschnitt zu Genehmigungs-, Konsultations- und Gerichtsverfahren, dazu kommen Gemeindebeziehungen, Kriminalität und in Mexiko eine gewerkschaftlich organisierte Belegschaft mit Tarifverträgen.
- Dünne Berichtslage. Kein 10-K, kein 10-Q; Zwischenzahlen nur als ungeprüfter 6-K-Anhang. Für die interne Kontrolle über die Rechnungslegung gibt es wegen der Übergangsfrist für neu notierte Gesellschaften weder einen Managementbericht noch ein Prüferurteil.
- Eigentümerkonzentration. Rund 30 Prozent liegen bei Richard Warke und Eric Sprott; Warke meldete auf einem Schedule 13D ausdrücklich die Absicht, Kontrolle auszuüben.
Ein menschliches Fazit
Zurück zur Gästeliste. Sie ist bei Highlander Silver wirklich beeindruckend, und sie ist auch kein Zufall: Leute, die ihr Geld seit Jahrzehnten mit Rohstoffprojekten verdienen, haben hier früh und groß investiert. Nur steht neben jedem dieser Namen ein Preis, und der ist die entscheidende Information. Die Familie Lundin, Richard Warke und Eric Sprott zeichneten im Mai 2024 zu 0,45 kanadischen Dollar. Die Runde im März 2025 lief zu 1,40, die im September 2025 zu 3,75, die Sprott-Platzierung im Januar 2026 zu 6,80. Ende Februar 2026 stand der Kurs bei 9,71.
Das heißt nicht, dass diese Investoren im Unrecht sind — es heißt, dass sie ein anderes Geschäft gemacht haben als jemand, der heute an der Börse kauft. Sie haben eine Wette auf eine Firmenhülle mit einem peruanischen Bohrprojekt abgeschlossen und dafür einen Preis bezahlt, der diesem Risiko entsprach. Wer heute kauft, bezahlt einen Preis, in dem der Erfolg dieser Wette bereits steckt: die Übernahme, die Genehmigungen, der Handelsstart in New York, die Mannschaft. Übrig bleibt die Ausführung — und die ist der schwerste Teil im Bergbau.
Die drei Zahlen, an denen sich das in den kommenden Monaten entscheidet, sind nicht schwer zu merken. Erstens: Was steht in der aktualisierten Machbarkeitsstudie für Corani, die bis Ende des dritten Quartals 2026 kommen soll — vor allem, was kostet der Bau? Zweitens: Bleibt der Kassenbestand zum Jahresende tatsächlich bei rund 60 Millionen US-Dollar, oder wird früher Geld gebraucht? Drittens: Wie entwickelt sich die Aktienzahl, die zuletzt bei 203.423.418 stand? Wer auf alle drei eine Antwort hat, weiß, was er kauft. Wer auf keine eine Antwort hat, kauft eine Gästeliste.
Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
- Highlander Silver Corp., Jahresbericht auf Formular 40-F für die fünfzehn Monate bis 31. Dezember 2025 (eingereicht 31.03.2026, Aktenzeichen 0001213900-26-036688)
- Annual Information Form für die fünfzehn Monate bis 31. Dezember 2025 (40-F-Anhang 99.1, datiert 30.03.2026)
- Geprüfter Konzernabschluss für die fünfzehn Monate bis 31. Dezember 2025 und das Geschäftsjahr bis 30. September 2024 (40-F-Anhang 99.2, in kanadischen Dollar)
- Lagebericht (MD&A) für die fünfzehn Monate bis 31. Dezember 2025 (40-F-Anhang 99.3)
- Zwischenabschluss zum 31. März 2026 (6-K vom 13.05.2026, Anhang 99.1, in US-Dollar)
- Lagebericht (MD&A) zum ersten Quartal 2026 (6-K vom 13.05.2026, Anhang 99.2)
- Mitteilung vom 7. April 2026: Portfolio-Update, Bohrbeginn in Corani, Kassenbestand und Jahresendprognose (6-K-Anhang 99.1)
- Mitteilung vom 25. Juni 2026: Geophysik-Programm in Corani, ungeprüfter Kassenbestand (6-K-Anhang 99.1)
- Mitteilung vom 7. Juli 2026: Baufortschritt in Corani (6-K-Anhang 99.1)
- Early Warning Report vom 3. März 2026 zur Übernahme von Bear Creek Mining (6-K-Anhang 99.1)
- Schedule 13D vom 11. März 2026 (Augusta Ozama Investment LP, Augusta Investments Inc., Richard W. Warke)
- Schedule 13G vom 13. Mai 2026 (Eric Sprott, 2176423 Ontario Ltd.)
- Helikon Investments Ltd, Formular 13F-HR zum Stichtag 31. März 2026 (eingereicht 08.05.2026, Aktenzeichen 0001839497-26-000002)
Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich verfügbarer Informationen und keine Anlageberatung, keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren und keine Empfehlung für eine bestimmte Anlagestrategie. Aktien von Explorations- und Entwicklungsgesellschaften im Bergbau schwanken stark; ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals ist möglich. Alle Angaben beruhen auf den genannten Originalquellen mit dem jeweils angegebenen Stichtag und wurden nach bestem Wissen geprüft; für Vollständigkeit und Richtigkeit wird keine Haftung übernommen. Triff deine Anlageentscheidung eigenständig und ziehe im Zweifel eine unabhängige Beratung hinzu.
Unser Fazit auf einen Blick
- Bilanz & Liquidität positiv
- Zum 31. März 2026 standen 103,199 Millionen US-Dollar in der Kasse, Finanzschulden gibt es keine; die Eigenkapitalquote beträgt 71,2 Prozent, und die größte Verbindlichkeit ist eine latente Steuerschuld von 117,5 Millionen, die kein Geld kostet. Damit ist die Gesellschaft für die nächsten Arbeitsschritte durchfinanziert — das Unternehmen selbst erwartet zum Jahresende 2026 noch rund 60 Millionen US-Dollar (Mitteilung vom 7. April 2026).
- Qualität des ausgewiesenen Gewinns negativ
- Der erste Gewinn der Firmengeschichte — 20,408 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2026 — stammt aus einer nicht zahlungswirksamen Neubewertung des zuvor gehaltenen Bear-Creek-Anteils über 28,466 Millionen. Das Betriebsergebnis desselben Quartals liegt bei minus 9,995 Millionen, der Bruttogewinn aus dem Bergbau bei 74.000 US-Dollar. Kein Cent dieses Gewinns hat das Haus betreten.
- Projektsubstanz neutral
- San Luis ist außergewöhnlich hochgradig (24,42 Gramm Gold und 578,9 Gramm Silber je Tonne, Stichtag 15. Januar 2025), aber klein: 356.000 Unzen Gold und 8,4 Millionen Unzen Silber in der angezeigten Kategorie. Corani gilt als vollständig genehmigt und ist die eigentliche Wertquelle — die aktualisierte Machbarkeitsstudie steht jedoch noch aus. Der Zwischenbericht hält ausdrücklich fest, dass wirtschaftlich abbaubare Vorräte noch nicht festgestellt sind.
- Kapitalstruktur & Verwässerung negativ
- Aus 30.460.475 Aktien zum 1. Oktober 2023 wurden 203.423.418 zum 12. Mai 2026 — 568 Prozent mehr in 31 Monaten, dazu 12,18 Millionen Optionen und 2,91 Millionen Optionsscheine. Jede Finanzierungsrunde und der Bear-Creek-Tausch wurden in Aktien bezahlt. Der Bau von Corani ist mit der geplanten Jahresendkasse von rund 60 Millionen US-Dollar nicht zu stemmen; eine weitere Finanzierungsrunde ist der wahrscheinlichste Weg.
- Berichtslage & Datenqualität negativ
- Kein 10-K, kein 10-Q; Zwischenzahlen nur als ungeprüfter 6-K-Anhang. Der Jahresabschluss rechnet in kanadischen Dollar, der Zwischenbericht in US-Dollar — die Berichtswährung wurde zum 1. Januar 2026 umgestellt. Die Bilanz aus der Bear-Creek-Übernahme ist ausdrücklich vorläufig und darf bis zum 26. Februar 2027 rückwirkend geändert werden. Für die interne Kontrolle über die Rechnungslegung fehlt wegen der Übergangsfrist für neu notierte Gesellschaften jedes Urteil.
- Eigentümer & Länderrisiko neutral
- Rund 30 Prozent der Gesellschaft liegen bei Richard Warke (23,2 Prozent, Schedule 13D mit erklärter Kontrollabsicht) und Eric Sprott (6,5 Prozent). Das bringt Erfahrung und Kapital, konzentriert aber die Macht; auf der Hauptversammlung vom 25. Juni 2026 wurden bei Warke 14,58 Prozent der Stimmen zurückgehalten. Dazu kommt Länderrisiko in Peru (Genehmigungs- und Konsultationsverfahren, Gemeindebeziehungen) und Mexiko (Tarifbindung an der Mercedes-Mine).
Highlander Silver ist die Gästelisten-Falle in Reinform: Auf der Aktionärsliste stehen Richard Warke, Eric Sprott und die Familie Lundin, seit dem 31. März 2026 auch ein Londoner Milliardenfonds — eingestiegen sind diese Namen zwischen 0,10 und 6,80 kanadischen Dollar je Aktie. In den Büchern steht dagegen eine Gesellschaft, die aus einer Firmenhülle von 2016 entstand, ihre Aktienzahl in 31 Monaten um 568 Prozent erhöht hat und deren einziger je ausgewiesener Gewinn — 20,408 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2026 — zu 28,466 Millionen aus einer Neubewertung besteht, während das Betriebsergebnis bei minus 9,995 Millionen liegt. Dagegen stehen 103,2 Millionen US-Dollar Kasse ohne Schulden, ein vollständig genehmigtes Silberprojekt und eine einschlägig erfahrene Mannschaft. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
- Wenn Du die Aktie nicht hast
- Die belegten Risiken überwiegen aus unserer Sicht deutlich — wir sehen keine Grundlage für einen Einstieg.
- Wenn Du sie im Depot hast
- Die Befunde sind aus unserer Sicht gewichtig genug, das eigene Engagement kritisch zu hinterfragen.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Kategorien bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam Highlander Silver nicht über einen Scanner-Treffer, sondern über das Formular 13F-HR der Helikon Investments Ltd (London) zum Stichtag 31. März 2026: 5.171.822 Aktien im Wert von 30.410.313 US-Dollar, eine komplett neue Position, die kleinste von 17 — und rund 2,5 Prozent der Gesellschaft. Ein 13F zeigt nur US-gelistete Long-Positionen mit 35 bis 45 Tagen Verzug, ohne Leerverkäufe und Derivate: ein Rückspiegel, kein Fahrplan.
- Highlander Silver ist ein kanadischer Emittent im grenzüberschreitenden Verfahren mit den USA: Es gibt kein 10-K und kein 10-Q. Geprüft wird einmal jährlich im Formular 40-F, Zwischenzahlen erscheinen nur als ungeprüfter Anhang zu einem Formular 6-K. Das Geschäftsjahresende wurde zum 31. Oktober 2025 vom 30. September auf den 31. Dezember verschoben, weshalb der letzte Jahresabschluss fünfzehn Monate umfasst. Berichtet wird nach IFRS.
- Alle Geldbeträge dieses Artikels stammen aus dem 40-F beziehungsweise den 6-K-Anhängen, nicht aus dem Kennzahlenbestand: Dort mischen sich zwei Berichtswährungen, weshalb Altman-Z-Wert, NCAV und Kassenwert fehlen. Jahreszahlen bis zum 31. Dezember 2025 sind kanadische Dollar, alle Quartalszahlen ab 2026 US-Dollar. Der rechnerische Kurs von 5,88 US-Dollar je Aktie stammt aus der 13F-Meldung zum 31. März 2026 und dient als datierte Größenordnung, nicht als Tageskurs. Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument.
Häufige Fragen
Highlander Silver Corp. (NYSE American und Toronto: HSLV) entwickelt Bergbauprojekte in Peru: das hochgradige Gold-Silber-Projekt San Luis im Departement Ancash und das Silberprojekt Corani im Departement Puno. Seit dem 26. Februar 2026 gehört zusätzlich die produzierende Gold-Silber-Mine Mercedes im mexikanischen Sonora dazu, die 2025 rund 30.000 Unzen Gold förderte. Sitz der Gesellschaft ist Toronto.
Der Gewinn von 20,408 Millionen US-Dollar entsteht fast vollständig aus einer nicht zahlungswirksamen Neubewertung des zuvor gehaltenen Anteils an Bear Creek Mining über 28,466 Millionen. Sie wurde beim Vollzug der Übernahme am 26. Februar 2026 fällig. Das Betriebsergebnis desselben Quartals liegt bei minus 9,995 Millionen US-Dollar, der Bruttogewinn aus dem Bergbau bei 74.000 US-Dollar.
Seit dem 1. Januar 2026 in US-Dollar. Zuvor war die Berichtswährung der kanadische Dollar; der geprüfte Jahresabschluss für die fünfzehn Monate bis 31. Dezember 2025 ist deshalb noch vollständig in kanadischen Dollar aufgestellt. Die Umstellung erfolgte nach IAS 21 rückwirkend, Vergleichszahlen wurden umgerechnet. Zum 31. Dezember 2025 galt ein Kurs von 1,3706 kanadischen Dollar je US-Dollar.
Zum 31. März 2026 lagen 103,199 Millionen US-Dollar in der Kasse, Finanzschulden gibt es keine. Im ersten Quartal 2026 flossen aus dem laufenden Geschäft 9,015 Millionen ab. Das Unternehmen selbst erwartet laut Mitteilung vom 7. April 2026 zum Jahresende 2026 einen Kassenbestand von rund 60 Millionen US-Dollar — also rund 40 Millionen Abfluss in neun Monaten.
Highlander Silver ist eine kanadische Gesellschaft und nutzt das grenzüberschreitende Meldeverfahren zwischen Kanada und den USA. Der Jahresbericht erscheint deshalb als Formular 40-F mit den kanadischen Originaldokumenten, Zwischenzahlen nur als ungeprüfter Anhang zu einem Formular 6-K. Gerechnet wird nach IFRS. Ein Bericht zur internen Kontrolle fehlt wegen der Übergangsfrist für neu notierte Gesellschaften.
Laut Schedule 13D vom 11. März 2026 werden Richard Warke über die Gesellschaften Augusta Ozama Investment LP und Augusta Investments Inc. 47.333.334 Aktien oder 23,2 Prozent zugerechnet; er ist zugleich Verwaltungsratsvorsitzender. Eric Sprott meldete am 13. Mai 2026 auf einem Schedule 13G 13.304.671 Aktien oder 6,5 Prozent. Basis sind 203.286.668 Aktien zum 9. März 2026.
Ein 13F ist die vierteljährliche Pflichtmeldung großer US-Vermögensverwalter. Helikon Investments Ltd aus London meldete zum Stichtag 31. März 2026 erstmals 5.171.822 Highlander-Aktien im Wert von 30.410.313 US-Dollar — rund 2,5 Prozent der Gesellschaft, aber die kleinste von 17 Positionen. Ein 13F zeigt nur US-gelistete Long-Positionen mit 35 bis 45 Tagen Verzug, ohne Leerverkäufe und Derivate.
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