Here Group: Vom Kursanbieter für Senioren zur Sammelfiguren-Firma – und die Prognose, die im März rechnerisch nicht mehr aufging
Es gibt eine Anleger-Schwäche, die sich wie Aufbruch anfühlt: die Sehnsucht nach dem sauberen Neuanfang. Ein Unternehmen legt seinen alten Namen ab, verkauft sein altes Geschäft, wählt einen neuen Ticker – und wir behandeln es, als hätte es keine Vergangenheit und nur noch Zukunft. Here Group Limited (Nasdaq: HERE) hieß bis zum 10. November 2025 QuantaSing Group Limited und verkaufte Online-Kurse an ältere Erwachsene in China. Heute verkauft dieselbe Firma Sammelfiguren. Am 17. September 2025 stellte das Unternehmen für das Geschäftsjahr 2026 einen Umsatz von 750 bis 800 Millionen Yuan in Aussicht, am 2. Dezember 2025 bekräftigte sie der Finanzvorstand, am 12. März 2026 blieb sie unverändert – und am 5. Juni 2026 senkte das Unternehmen die Spanne auf 600 bis 610 Millionen. Machen wir einen Deal: Wir lesen gemeinsam den Geschäftsbericht (20-F) für das Geschäftsjahr 2025 und die drei Zwischenberichte (6-K) des Geschäftsjahres 2026 und rechnen nach, was in der Prognose eigentlich stecken musste. Am Ende entscheidest du selbst – aber du wirst wissen, wann diese Rechnung zum ersten Mal nicht mehr aufging.
Stand heute
Stand: 20. August 2026
- Schlusskurs
- 1,80 $ 0,00 %
- Marktkapitalisierung
- 0,1 Mrd. $
- KGV
- 2,7
Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
52-Wochen-Spanne: 1,50 $ bis 11,70 $ · Letzter Kurs: 1,80 $ (Stand: 20. August 2026)
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt eine Anleger-Schwäche, die sich nicht wie eine Schwäche anfühlt, sondern wie Aufbruch: die Sehnsucht nach dem sauberen Neuanfang. Ein Unternehmen legt seinen alten Namen ab, verkauft sein altes Geschäft, wählt einen neuen Ticker – und plötzlich lesen wir seine Zahlen, als hätte es keine Vergangenheit und nur noch Zukunft. Here Group Limited (Nasdaq: HERE) hieß bis zum 10. November 2025 QuantaSing Group Limited und verkaufte Online-Lernangebote an ältere Erwachsene in China. Heute verkauft dieselbe Gesellschaft Sammelfiguren. Zwischen diesen beiden Sätzen liegen ein Zukauf, ein Verkauf, ein Namenswechsel – und eine Umsatzprognose, die zweimal bestätigt und dann um rund ein Fünftel gekappt wurde. Machen wir einen Deal: Wir lesen gemeinsam den Geschäftsbericht (20-F) für das Geschäftsjahr 2025 und die drei Zwischenberichte (6-K) des Geschäftsjahres 2026 – und rechnen dabei die Prognose selbst nach, statt sie zu glauben.
Was Here Group eigentlich macht
„Pop Toys“ klingt nach Spielzeug, ist aber ein eigener Markt. Gemeint sind Sammelfiguren: kleine Plüsch- oder Kunststofffiguren mit einem eigenen Charakter, einem Namen und einer Geschichte, verkauft in Serien und häufig in Überraschungsverpackungen, bei denen man vorher nicht weiß, welche Figur der Serie man bekommt. Gekauft werden sie überwiegend von jungen Erwachsenen, nicht von Kindern – als Dekoration, als Anhänger an der Tasche, als Sammelobjekt. Der wirtschaftliche Kern ist nicht das Material, sondern die Figur selbst: die Rechte an einem Charakter, im Fachjargon IP (englisch intellectual property, geistiges Eigentum). Wer eine beliebte Figur besitzt, kann sie in immer neuen Serien, Größen und Kooperationen verkaufen.
Genau darum dreht sich Here Group. Zum 31. März 2026 zählte das Unternehmen nach eigenen Angaben 20 solcher Figuren-Familien, davon 12 eigene und 8 exklusiv lizenzierte – im Geschäftsbericht (20-F) für das Geschäftsjahr 2025, eingereicht Ende Oktober 2025, waren es noch 11 eigene, 4 exklusiv und 2 nicht-exklusiv lizenzierte. Die drei umsatzstärksten heißen WAKUKU, SIINONO und ZIYULI; dazu kommen kleinere Familien wie MEMIMO, FUNII, FIILA, impopo pix und YEAOHUA. Produziert wird nicht selbst: Der Geschäftsbericht beschreibt die Zusammenarbeit mit spezialisierten fremden Fabriken, die aus Entwurf und Design das fertige Produkt machen. Verkauft wird über chinesische und internationale Online-Plattformen, über eigene Läden und über Händler; beworben wird vor allem über soziale Netzwerke wie Douyin und RedNote, über Auftritte auf Spielzeugmessen und über Kooperationen.
Das operative Herz des Konzerns ist die chinesische Gesellschaft Shenzhen Yiqi Culture Co., Ltd., kurz Letsvan, gegründet 2020 von Huiyu Zhan. QuantaSing kaufte sich ab Dezember 2024 schrittweise ein und konnte Letsvan zum 31. März 2025 erstmals in den Konzernabschluss einbeziehen. Rechtlich sitzt der Konzern auf den Cayman-Inseln, die Hauptverwaltung wanderte im Lauf des Geschäftsjahres 2026 von Peking nach Hongkong – im Zwischenbericht vom 2. Dezember 2025 steht noch eine Pekinger Adresse, in dem vom 12. März 2026 bereits eine an der Two Exchange Square in Hongkong.
Die Firmengeschichte für Anleger
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2023
Börsengang an der Nasdaq als QuantaSing
Am 27. Januar 2023 kamen 3.250.000 ADS an die Börse, Nettoerlös rund 37,2 Millionen US-Dollar. Das Geschäft waren damals Online-Kurse für ältere Erwachsene in China.
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2024
Sonderdividende von 0,201 US-Dollar je ADS
Im Oktober 2024 beschlossen, im November gezahlt, insgesamt rund 10,9 Millionen US-Dollar – ausgeschüttet aus dem Kapitalkonto, finanziert vom später verkauften Altgeschäft.
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2025
Kontrolle über den Sammelfiguren-Hersteller Letsvan
Zum 31. März 2025 wurde Shenzhen Letsvan erstmals konsolidiert. Kaufpreis 243,1 Millionen Yuan, davon 187,6 Millionen Firmenwert – rund drei Viertel des Preises waren Erwartung.
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2025
Verkauf des Altgeschäfts und Ende der VIE-Struktur
Am 30. September 2025 ging das gesamte Lerngeschäft für 162 Millionen Yuan plus 2,5 Millionen US-Dollar an einen Käufer. Der Veräußerungsgewinn von 284,7 Millionen Yuan prägt das Konzernergebnis bis heute.
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2025
Neuer Name, neuer Ticker: aus QSG wird HERE
Die Hauptversammlung beschloss am 6. November 2025 den Namen Here Group Limited; seit dem 11. November 2025 läuft die Aktie unter HERE. Ältere Kursdaten stehen bei manchen Anbietern noch unter QSG.
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2026
Prognose um rund ein Fünftel gesenkt
Am 5. Juni 2026 wurde die Jahresspanne von 750 bis 800 auf 600 bis 610 Millionen Yuan gekappt. Der Kurs fiel am selben Handelstag von 2,37 auf 1,78 US-Dollar.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Nicht über einen Treffer in unserem hauseigenen Aktien-Scanner, sondern über eine einzelne Zeile in einem Zwischenbericht. Am 5. Juni 2026 veröffentlichte Here Group die Zahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 – und darin diesen Satz:
„The Company is revising its revenue guidance from the previously announced range of RMB750.0 million to RMB800.0 million to a new range of RMB600.0 million to RMB610.0 million for FY 2026 (which refers to the year from July 1, 2025 to June 30, 2026).“
Übersetzung: „Das Unternehmen ändert seine Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2026 von der zuvor bekanntgegebenen Spanne von 750,0 bis 800,0 Millionen Yuan auf eine neue Spanne von 600,0 bis 610,0 Millionen Yuan (womit das Jahr vom 1. Juli 2025 bis zum 30. Juni 2026 gemeint ist).“
— Here Group Limited, Zwischenbericht (6-K) vom 5. Juni 2026, Anlage 99.1
Der Markt reagierte deutlich: Der Schlusskurs fiel am 5. Juni 2026 von 2,37 auf 1,78 US-Dollar, ein Minus von rund 25 Prozent an einem Tag; am 8. Juni 2026 wurde mit 1,53 US-Dollar der tiefste Schlusskurs des Jahres erreicht. Zum Vergleich: Am 18. Juni 2025, als der Markt für Sammelfiguren weltweit im Rampenlicht stand, schloss dieselbe Aktie bei 13,49 US-Dollar. Vom Hoch blieb bis zum 18. August 2026 mit 1,80 US-Dollar rund ein Achtel übrig.
Das allein wäre nur eine Kursgeschichte. Interessant wird es durch die Frage, wann diese Prognose eigentlich zum ersten Mal praktisch unerreichbar wurde – und die lässt sich mit den Zahlen aus den Berichten selbst beantworten. Wer sehen will, wie stark eine Sammler-Erzählung eine Aktie tragen und dann fallen lassen kann, findet bei uns dazu auch die Analyse zu GameStop, einem Händler, der sein Geschäft ebenfalls stark auf Sammelware ausgerichtet hat. Und wer sich für kleine, in Hongkong verwurzelte Nasdaq-Notierungen interessiert, findet die Analyse zu Diginex.
Die Zahlen seit dem Umbau — ehrlich gewürdigt
Zuerst das, was tatsächlich beeindruckt. Das Sammelfiguren-Geschäft ist in kurzer Zeit stark gewachsen: von 65,781 Millionen Yuan im Quartal April bis Juni 2025 auf 127,147 Millionen im Quartal Juli bis September 2025 – ein Plus von 93,3 Prozent – und weiter auf 177,257 Millionen Yuan im Quartal Oktober bis Dezember 2025. Das ist innerhalb von zwei Quartalen fast eine Verdreifachung. Auch die Bilanz sieht auf den ersten Blick gesund aus: Zum 31. März 2026 standen Zahlungsmittel (77,976 Millionen Yuan), verfügungsbeschränkte Mittel (1,092 Millionen) und kurzfristige Geldanlagen (591,227 Millionen) zusammen bei 670,295 Millionen Yuan – rund 97,2 Millionen US-Dollar –, und die kurzfristigen Bankschulden waren von 11,100 Millionen Yuan auf null zurückgeführt.
Und dann kam das Quartal Januar bis März 2026 mit 164,744 Millionen Yuan – erstmals weniger als im Vorquartal. Das Unternehmen erklärt den Rückgang mit dem Zeitpunkt neuer Produkteinführungen und mit dem chinesischen Neujahrsfest, das Arbeitstage kostet und Lieferketten bremst. Beides ist plausibel. Nur reicht es nicht, um die Jahresprognose zu retten.
Bemerkenswert ist auch die Bruttomarge, also der Anteil des Umsatzes, der nach den reinen Herstellkosten übrig bleibt: 34,7 Prozent (April bis Juni 2025), dann 41,2 Prozent (Juli bis September 2025), dann 31,0 Prozent (Oktober bis Dezember 2025) und zuletzt 34,5 Prozent (Januar bis März 2026). Den Einbruch im Weihnachtsquartal erklärt das Unternehmen mit dem Ausbau der eigenen Läden, die je Stück weniger Marge bringen als der direkte Online-Verkauf. Das ist eine ehrliche Erklärung – und zugleich eine, die für die Zukunft gilt: Wer mehr Läden eröffnet, holt sich strukturell niedrigere Margen ins Haus.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die Prognose konnte rechnerisch nicht mehr aufgehen
Rechnen wir gemeinsam nach. Die Spanne stand schon am 17. September 2025 im Bericht zum Geschäftsjahr 2025: 750 bis 800 Millionen Yuan für das Geschäftsjahr 2026, dazu 100 bis 110 Millionen für das erste Quartal. Damals war noch kein einziges Quartal des neuen Geschäftsjahres bekannt – eine Vorschau, kein Zwischenstand. Am 2. Dezember 2025 wiederholte Finanzvorstand Dong Xie die Jahresspanne. Zu diesem Zeitpunkt war ein Quartal bekannt: 127,147 Millionen. Für die restlichen drei Quartale mussten also 623 bis 673 Millionen Yuan zusammenkommen – im Schnitt 208 bis 224 Millionen je Quartal, bei einem bis dahin besten Quartal von 127,1 Millionen. Ambitioniert, aber nicht von vornherein unmöglich.
Interessant wird der 12. März 2026. Da lagen zwei Quartale vor: 127,147 plus 177,257 gleich 304,404 Millionen Yuan. Für das dritte Quartal nannte das Unternehmen im selben Bericht eine Spanne von 140 bis 150 Millionen. Und trotzdem blieb die Jahresprognose unverändert bei 750 bis 800 Millionen. Wer das zusammenzählt, sieht sofort, was im Schlussquartal hätte passieren müssen: 750 minus 304,404 minus 150 ergibt 295,6 Millionen; 800 minus 304,404 minus 140 ergibt 355,6 Millionen. Das Schlussquartal hätte also zwischen 296 und 356 Millionen Yuan liefern müssen – das 1,7- bis 2,0-Fache des bis dahin besten Quartals, und das ohne jede bekannte Sondereinnahme.
Diese Rechnung stand jedem offen, der die beiden Zahlen im selben Dokument nebeneinanderlegte. Am 5. Juni 2026 löste sich der Widerspruch dann auf die einzige verbleibende Weise: Die Jahresprognose sank auf 600 bis 610 Millionen, das Schlussquartal auf 130 bis 140 Millionen. Zusammengezählt ergeben die drei bekannten Quartale 469,148 Millionen Yuan; plus 130 bis 140 landet man bei 599 bis 609 Millionen – die neue Spanne ist also schlicht die alte Rechnung, nachträglich an die Wirklichkeit angepasst. Für Anlegerinnen und Anleger ist das die eigentliche Lehre dieses Falls: Eine bestätigte Prognose ist kein Beleg, sondern eine Behauptung. Nachrechnen kostet drei Minuten.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Eine Figur trägt fast alles
Der Zwischenbericht vom 5. Juni 2026 enthält eine Tabelle, die man leicht überliest: die Aufteilung des Umsatzes nach Figuren-Familien. Sie zeigt, wie schmal die Basis dieses Geschäfts ist. Im Quartal Oktober bis Dezember 2025 kamen 129,414 von 177,257 Millionen Yuan aus der Figur WAKUKU – rund 73 Prozent. Im Quartal Januar bis März 2026 waren es 102,404 von 164,744 Millionen, also rund 62 Prozent. Der Anteil sank also, aber nicht, weil die anderen Figuren explodiert wären, sondern weil WAKUKU selbst um rund 21 Prozent nachgab.
Das Unternehmen beschreibt dieses Risiko in seinem Geschäftsbericht (20-F) selbst, und zwar ungewöhnlich klar:
„The success of our pop toys is heavily reliant on the recognition and popularity of the IPs in our IP portfolio. However, whether such IPs will remain popular among the consumers is beyond our control, as consumer preferences may shift and unforeseen negative publicity surrounding these IPs may arise.“
Übersetzung: „Der Erfolg unserer Sammelfiguren hängt stark von der Bekanntheit und Beliebtheit der Figuren in unserem Portfolio ab. Ob diese Figuren bei den Verbrauchern beliebt bleiben, liegt jedoch außerhalb unserer Kontrolle, da sich Verbrauchervorlieben verschieben können und unvorhergesehene negative Berichterstattung über diese Figuren auftreten kann.“
— QuantaSing Group Limited (heute Here Group Limited), Geschäftsbericht (20-F) für das Geschäftsjahr 2025, Risikofaktoren
An anderer Stelle desselben Berichts steht der Satz, der das Geschäftsmodell in einem Bild zusammenfasst: „Consumer demand for pop culture products can and does shift rapidly and without warning.“ Auf Deutsch: „Die Verbrauchernachfrage nach Pop-Kultur-Produkten kann sich schnell und ohne Vorwarnung verschieben – und tut das auch.“ Ein Unternehmen, das rund 62 Prozent seines Quartalsumsatzes aus einer einzigen Figur zieht, hat gegen diese Verschiebung wenig in der Hand.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Das Marketing kostet mehr, als der Verkauf einbringt
Jetzt zur Gewinn-und-Verlust-Rechnung des Quartals Januar bis März 2026, und zwar Zeile für Zeile. Umsatz: 164,744 Millionen Yuan. Herstellkosten: 107,884 Millionen. Bleibt ein Bruttogewinn von 56,860 Millionen Yuan. Und dann kommen die Betriebskosten: Vertrieb und Marketing 57,722 Millionen, Forschung und Entwicklung 9,452 Millionen, Verwaltung 33,646 Millionen – zusammen 100,820 Millionen Yuan.
Lies die erste dieser drei Zahlen noch einmal. Allein die Marketingausgaben lagen mit 57,722 Millionen Yuan über dem gesamten Bruttogewinn von 56,860 Millionen. Das heißt: Jeder Yuan, der nach Abzug der Herstellkosten übrig blieb, war schon vom Werbebudget verbraucht – Forschung und Verwaltung kamen komplett obendrauf. Entsprechend stand am Ende ein operativer Verlust von 43,960 Millionen Yuan. Und dieser Verlust wächst: 29,128 Millionen im Quartal Juli bis September 2025, 38,215 Millionen im Quartal Oktober bis Dezember 2025, 43,960 Millionen im Quartal Januar bis März 2026.
Auch der Anteil des Marketings am Umsatz zieht an: 21,7 Prozent (Juli bis September 2025), 29,8 Prozent (Oktober bis Dezember 2025), 35,0 Prozent (Januar bis März 2026). Das ist der Punkt, an dem eine Geschichte über „IP-Momentum“ und „Nutzerbindung“ auf eine harte Frage trifft: Wenn die Figuren so beliebt sind, warum braucht der Verkauf dann von Quartal zu Quartal einen größeren Anteil des Umsatzes an Werbung? Der Nettoverlust des Quartals lag bei 34,135 Millionen Yuan; bereinigt um Aktienvergütungen von 11,202 Millionen nennt das Unternehmen 22,933 Millionen. Auch diese bereinigte Zahl war schlechter als im Vorquartal (16,143 Millionen).
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Der Konzerngewinn stammt aus dem Verkauf, nicht aus dem Verkaufen
In der Bilanz zum 31. März 2026 steht eine Zeile, die auf den ersten Blick nach Wende aussieht: Der Posten „Gewinnvortrag“ – also die Summe aller je erwirtschafteten und nicht ausgeschütteten Gewinne – drehte von minus 225,431 Millionen Yuan zum 30. Juni 2025 auf plus 6,631 Millionen. Ein Unternehmen, das seit Jahren Verluste sammelte, steht plötzlich im Plus.
Die Erklärung steht ein paar Seiten weiter in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung des Quartals Juli bis September 2025. Dort weist Here Group aus dem aufgegebenen Altgeschäft einen Ertrag von 318,451 Millionen Yuan aus, darin enthalten ein Veräußerungsgewinn von 284,737 Millionen Yuan aus dem Verkauf des Lerngeschäfts am 30. September 2025. Das fortgeführte Geschäft – also die Sammelfiguren – schrieb im selben Quartal einen Verlust von 25,757 Millionen. Zusammengerechnet ergab das einen Quartalsgewinn von 292,694 Millionen Yuan, der den gesamten alten Verlustberg abtrug.
Das ist buchhalterisch völlig korrekt und wird vom Unternehmen auch klar so dargestellt. Für die Beurteilung des laufenden Geschäfts ist es trotzdem entscheidend: Der Gewinn des Geschäftsjahres 2026 kommt aus einem einmaligen Verkauf, nicht aus dem Verkaufen von Figuren. Wer in Datenbanken auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 3 stößt, sieht genau diesen Einmaleffekt – nicht die Ertragskraft. Die drei Quartale des Geschäftsjahres 2026 summierten sich im fortgeführten Geschäft auf einen Verlust von 85,306 Millionen Yuan.
Ein zweiter Posten verdient Aufmerksamkeit. Zwischen dem 30. Juni 2025 und dem 31. März 2026 stieg das sogenannte Mezzanine-Kapital – Minderheitsanteile mit Vorzugsrechten, die unter bestimmten Bedingungen zurückgekauft werden müssen und deshalb nicht als normales Eigenkapital gelten – von 40,999 auf 221,372 Millionen Yuan. Im selben Zeitraum sank das eingezahlte Kapital („additional paid-in capital“) von 1.066,860 auf 893,340 Millionen Yuan. Diese 221,4 Millionen Yuan (rund 32,1 Millionen US-Dollar) stehen im Rang vor den Aktionären – wer den Börsenwert gegen die Kasse rechnet, sollte sie nicht vergessen.
Zum Firmenwert selbst: Der Kaufpreis für Letsvan betrug insgesamt 243,109 Millionen Yuan – 200,000 Millionen in bar plus 43,109 Millionen als Zeitwert des zuvor gehaltenen Anteils. Davon entfielen 187,598 Millionen auf den Firmenwert, dazu 49,000 Millionen auf Figurenrechte und 19,000 Millionen auf Vertriebsbeziehungen. Rund drei Viertel des Preises waren also Erwartung. Firmenwert wird nicht planmäßig abgeschrieben, sondern jährlich auf Werthaltigkeit geprüft – bleiben Umsatz und Ergebnis hinter den Annahmen zurück, ist er der erste Kandidat für eine Wertberichtigung.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Rund 81 Prozent der Stimmen liegen in einer Hand
Wer eine Aktie von Here Group kauft, kauft in der Regel eine ADS – ein an der Nasdaq handelbares Hinterlegungszertifikat, das drei Klasse-A-Stammaktien repräsentiert. Jede Klasse-A-Aktie hat eine Stimme. Daneben existieren Klasse-B-Aktien, und über sie sagt der Geschäftsbericht:
„each Class B ordinary share shall be entitled to ten votes on all matters subject to the vote at general meetings of the Company“
Übersetzung: „jede Klasse-B-Stammaktie berechtigt zu zehn Stimmen in allen Angelegenheiten, die auf Hauptversammlungen der Gesellschaft zur Abstimmung stehen“
— QuantaSing Group Limited (heute Here Group Limited), Geschäftsbericht (20-F) für das Geschäftsjahr 2025, Anhang 20
Rechnen wir das durch. Zum 21. Oktober 2025 gab es 113.294.797 Klasse-A-Aktien und 49.859.049 Klasse-B-Aktien, zusammen 163.153.846 Stammaktien. Die Klasse-A-Aktien bringen 113.294.797 Stimmen, die Klasse-B-Aktien 498.590.490 – zusammen 611.885.287. Der Anteil des Vorstandsvorsitzenden Peng Li an den Stimmen liegt damit bei rund 81 Prozent, sein Anteil am Kapital bei rund 31 Prozent. Dazu kommt, dass Here Group als Gesellschaft der Cayman-Inseln nach den Nasdaq-Regeln in Governance-Fragen die Praxis ihres Heimatlands anwenden darf – der Geschäftsbericht weist ausdrücklich darauf hin, dass Aktionäre dadurch weniger Schutz genießen können als bei einer US-Gesellschaft.
Bewertung: Was die Börse für ein Geschäft zahlt, das noch nichts verdient
Rechnen wir den Börsenwert selbst nach, statt ihn abzuschreiben. 163.153.846 Stammaktien geteilt durch drei ergeben 54.384.615 ADS. Multipliziert mit dem Schlusskurs von 1,80 US-Dollar am 18. August 2026 sind das rund 98 Millionen US-Dollar. Die Fundamentaldaten weisen zum selben Datenstand rund 100 Millionen aus – eine Abweichung von rund zwei Prozent, die Rechnung trägt also.
Und jetzt das Bemerkenswerte: Zum 31. März 2026 hielt Here Group 670,295 Millionen Yuan an Zahlungsmitteln, verfügungsbeschränkten Mitteln und kurzfristigen Geldanlagen. Beim im Bericht genannten Umrechnungskurs von 6,8980 Yuan je US-Dollar sind das rund 97,2 Millionen US-Dollar – praktisch der gesamte Börsenwert. Wer heute die Aktie kauft, zahlt rechnerisch für die Kasse und bekommt das operative Geschäft, den Firmenwert von 187,6 Millionen Yuan und die 20 Figuren-Familien obendrauf.
Bevor daraus ein Schnäppchen wird, drei Einschränkungen, jede belegt. Erstens steht das Mezzanine-Kapital von 221,372 Millionen Yuan (rund 32,1 Millionen US-Dollar) im Rang vor den Aktionären – zieht man es ab, bleiben von der Kasse rechnerisch rund 65 Millionen US-Dollar. Zweitens schmilzt die Kasse: Am 30. September 2025 lagen dieselben drei Posten noch bei 789,4 Millionen Yuan, ein halbes Jahr später bei 670,3 Millionen – rund 119 Millionen Yuan weniger in zwei Quartalen, wobei ein Teil davon in Aktienrückkäufe floss. Drittens ist ein Geschäft, das Quartal für Quartal mehr operativen Verlust produziert, kein neutraler Zusatz zur Kasse, sondern ein Verbraucher.
Beim Buchwert wird es klarer: 800,272 Millionen Yuan Eigenkapital, geteilt durch 54.384.615 ADS, ergeben rund 14,7 Yuan oder rund 2,13 US-Dollar je ADS – der Kurs von 1,80 US-Dollar liegt also rund 15 Prozent darunter, ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 0,84. Vorsicht ist dagegen bei zwei populären Kennzahlen geboten: Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 3, wie es Datenbanken zeitweise ausweisen, entsteht ausschließlich aus dem Veräußerungsgewinn des Altgeschäfts. Und ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von unter 0,1 entsteht, wenn ein in Yuan bilanzierter Umsatz gegen einen in US-Dollar gerechneten Börsenwert gestellt wird. Sauber gerechnet: 605 Millionen Yuan erwarteter Jahresumsatz sind rund 87,7 Millionen US-Dollar – gegen 98 Millionen Börsenwert ergibt das ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 1,1.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was dafür spricht. Die Bilanz ist zum 31. März 2026 frei von Bankschulden, und mit 670,3 Millionen Yuan Liquidität gegen einen Quartalsverlust von 34,1 Millionen hat das Unternehmen viel Zeit, sein neues Geschäft zu entwickeln – eine Lage, die viele kleine Wachstumsfirmen nicht haben. Die Figuren-Familie wächst: von 17 (30. September 2025) über 18 (31. Dezember 2025) auf 20 (31. März 2026). Und die kleineren Familien liefern erste Belege, dass die Fabrik hinter den Figuren funktioniert: SIINONO stieg von 19,229 auf 33,293 Millionen Yuan, ZIYULI von 9,504 auf 14,300 Millionen. Dazu kauft das Unternehmen eigene Anteile zurück – 2,3 Millionen ADS für 12,8 Millionen US-Dollar bis zum 1. Juni 2026, und am 5. Juni 2026 wurde ein neues Programm über bis zu 20 Millionen US-Dollar für die Zeit vom 1. Juli 2026 bis 30. Juni 2027 beschlossen.
Was dagegen spricht. Das Geschäft verdient nichts: drei Verlustquartale, ein von 29,1 auf 44,0 Millionen Yuan wachsender operativer Verlust, Marketingausgaben über dem Bruttogewinn. Die Umsatzbasis ist schmal – rund 62 Prozent aus einer Figur, deren Umsatz gerade um rund 21 Prozent nachgab. Das Lager wuchs von 16,229 auf 129,099 Millionen Yuan, während der Umsatz zurückging. Der Firmenwert von 187,598 Millionen Yuan hängt an Annahmen, die die Prognosesenkung gerade in Zweifel gezogen hat. Die Prognosetreue ist beschädigt: Eine Spanne, die im März 2026 nur noch mit einem Schlussquartal vom 1,7- bis 2,0-Fachen des besten je erreichten Quartals aufgegangen wäre, wurde trotzdem bestätigt. Und in Abstimmungsfragen haben Außenstehende mit rund 19 Prozent der Stimmen wenig Gewicht. Dazu kommt das allgemeine Umfeld chinesischer Nasdaq-Notierungen: Der Geschäftsbericht widmet der Möglichkeit, dass US-Aufsichtsbehörden den Zugang zu Prüfungsunterlagen in China verlieren, einen eigenen Risikoabschnitt.
Fazit: Ein neuer Name macht noch kein neues Geschäft
Kehren wir zum Anfang zurück, zur Sehnsucht nach dem sauberen Neuanfang. Sie ist verständlich: Ein Unternehmen, das sein altes Geschäft verkauft hat und mit voller Kasse und neuem Namen antritt, wirkt wie ein Start ohne Altlasten. Und tatsächlich hat Here Group etwas geschafft, was selten gelingt – den vollständigen Austausch eines Geschäfts innerhalb von rund einem Jahr, ohne Schulden und mit Geld in der Kasse.
Nur ändert ein neuer Name nichts an den Zahlen, die das neue Geschäft produziert. Und die sagen bislang: Der Umsatz ist im Quartal Januar bis März 2026 erstmals gesunken. Der operative Verlust ist in jedem Quartal gewachsen. Das Marketing kostet mehr, als der Verkauf nach Herstellkosten einbringt. Rund 62 Prozent des Umsatzes hängen an einer einzigen Figur, deren Verkäufe gerade nachgeben. Das Lager hat sich verachtfacht, während der Umsatz fiel. Und der einzige Gewinn, den dieses Geschäftsjahr ausweist, kam aus dem Verkauf des alten Geschäfts.
Was diese Analyse nicht kann: dir sagen, ob 1,80 US-Dollar ein guter oder ein schlechter Preis für eine Kasse plus einer Wette auf Figuren sind. Was sie kann: dir zeigen, an welcher Stelle diese Geschichte nachprüfbar wird. Der nächste Prüfstein ist das Schlussquartal des Geschäftsjahres 2026 mit den angekündigten 130 bis 140 Millionen Yuan – und die Frage, ob die Vorräte dabei abgebaut werden oder liegen bleiben. Die Sehnsucht nach dem Neuanfang ist kein Fehler. Sie wird erst einer, wenn sie das Nachrechnen ersetzt.
Dieser Beitrag ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unternehmensunterlagen und keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren. Die Entscheidung liegt bei dir.
Quellen und Datenstand
- SEC EDGAR, Here Group Limited (vormals QuantaSing Group Limited), CIK 0001932770 – Übersicht aller Einreichungen
- Geschäftsbericht (20-F) für das Geschäftsjahr zum 30. Juni 2025, eingereicht am 31. Oktober 2025 – Geschäftsmodell, Risikofaktoren, Anhang 3 (Unternehmenszusammenschluss), Anhang 19 (Minderheitsanteile) und Anhang 20 (Stammaktien)
- Zwischenbericht (6-K) vom 5. Juni 2026, Anlage 99.1 – Zahlen zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026, Bilanz zum 31. März 2026, Umsatz je Figuren-Familie und die gesenkte Jahresprognose
- Zwischenbericht (6-K) vom 12. März 2026, Anlage 99.1 – Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 und Bestätigung der Jahresprognose von 750 bis 800 Millionen Yuan
- Zwischenbericht (6-K) vom 2. Dezember 2025, Anlage 99.1 – Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 und Bestätigung der Jahresprognose von 750 bis 800 Millionen Yuan
- Zwischenbericht (6-K) vom 17. September 2025, Anlage 99.1 – Zahlen zum Geschäftsjahr 2025 und die erste Jahresprognose für das Geschäftsjahr 2026 (750 bis 800 Millionen Yuan) samt Quartalsprognose (100 bis 110 Millionen Yuan)
- Zwischenbericht (6-K) vom 1. Oktober 2025, Anlage 99.1 – Umbau des Konzerns, Verkauf des Altgeschäfts, Ende der VIE-Struktur und geplante Umbenennung
- Zwischenbericht (6-K) vom 6. November 2025, Anlage 99.1 – Beschlüsse der außerordentlichen Hauptversammlung zu Name und Ticker; nennt das Verhältnis von einer ADS zu drei Klasse-A-Aktien
- Zwischenbericht (6-K) vom 31. Juli 2025, Anlage 99.1 – Ausgabe von 18.219.330 Klasse-A-Aktien an den Letsvan-Gründer
- Fundamentaldaten (Kurs, Börsenwert, Kurshistorie) – Datenstand 18. August 2026
Alle Beträge in Yuan stammen aus den genannten SEC-Berichten. Umrechnungen in US-Dollar folgen dem im Zwischenbericht vom 5. Juni 2026 genannten Kurs von 6,8980 Yuan je US-Dollar (Stichtag 31. März 2026, Statistik H.10 der US-Notenbank); Kursangaben zur Aktie sind Schlusskurse der Nasdaq mit dem jeweils genannten Datum.
Unser Fazit auf einen Blick
- Prognosetreue negativ
- Die Spanne 750 bis 800 Mio. Yuan wurde am 17.09.2025 gesetzt, am 02.12.2025 und am 12.03.2026 bestätigt, obwohl nach zwei Quartalen erst 304,4 Mio. standen und die eigene Q3-Prognose bei 140 bis 150 Mio. lag. Am 05.06.2026 folgte die Senkung auf 600 bis 610 Mio.
- Umsatzkonzentration negativ
- Im Quartal bis 31.03.2026 kamen 102,4 von 164,7 Mio. Yuan aus einer einzigen Figur (WAKUKU) – rund 62 Prozent, nach rund 73 Prozent im Vorquartal. Der Umsatz dieser Figur fiel binnen eines Quartals um rund 21 Prozent.
- Kostenstruktur negativ
- Im Quartal bis 31.03.2026 lagen allein die Marketingausgaben mit 57,722 Mio. Yuan über dem gesamten Bruttogewinn von 56,860 Mio.; der operative Verlust stieg von 29,128 (Q1) über 38,215 (Q2) auf 43,960 Mio. Yuan.
- Bilanz und Liquidität positiv
- Zum 31.03.2026 standen 670,295 Mio. Yuan (97,2 Mio. US-Dollar) an Zahlungsmitteln, verfügungsbeschränkten Mitteln und kurzfristigen Geldanlagen ohne jede Bankschuld gegen einen Quartalsverlust von 34,135 Mio. – die Kasse reicht nach heutigem Stand für viele Quartale.
- Ergebnisqualität negativ
- Der Gewinnvortrag drehte von minus 225,431 Mio. Yuan (30.06.2025) auf plus 6,631 Mio. (31.03.2026) – getragen vom Veräußerungsgewinn des Altgeschäfts von 284,737 Mio. Yuan im Quartal bis 30.09.2025, nicht vom Sammelfiguren-Geschäft.
- Stimmrechte negativ
- Jede der 49.859.049 Klasse-B-Aktien trägt zehn Stimmen. Bei 163.153.846 Stammaktien zum 21.10.2025 hält der Vorstandsvorsitzende damit rund 81 Prozent der Stimmen bei rund 31 Prozent des Kapitals.
Here Group hat sich in weniger als zwei Jahren vom Anbieter von Online-Kursen zur Sammelfiguren-Firma umgebaut und dabei eine gut gefüllte Kasse ohne Bankschulden behalten. Das neue Geschäft trägt sich bislang aber nicht selbst: In jedem der drei Quartale des Geschäftsjahres 2026 stand ein Verlust, der operative Verlust wuchs von Quartal zu Quartal, rund 62 Prozent des Umsatzes hängen an einer einzigen Figur, und die Jahresprognose wurde nach zweimaliger Bestätigung um rund ein Fünftel gesenkt. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Eine wesentliche operative Frage bleibt offen: Ob das Sammelfiguren-Geschäft aus eigener Kraft profitabel werden kann, ist nach drei Verlustquartalen mit steigendem operativem Verlust und einer um rund ein Fünftel gesenkten Jahresprognose nicht belegt – zumal rund 62 Prozent des Umsatzes im Quartal bis 31. März 2026 an einer einzigen Figur hingen. Ein Substanzrisiko sehen wir dagegen nicht: Zum 31. März 2026 standen 670,3 Millionen Yuan Liquidität ohne Bankschulden in der Bilanz. Das ist ein Qualitätsurteil zum Unternehmen, kein Urteil über den aktuellen Kurs.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger dieser Analyse war die Prognosesenkung vom 5. Juni 2026 im Zwischenbericht (6-K) – kein Treffer in unserem hauseigenen Aktien-Scanner.
- Als Foreign Private Issuer legt Here Group keinen Quartalsbericht (10-Q) vor; die Quartalszahlen stammen aus freiwilligen Zwischenberichten (6-K), der Jahresabschluss aus dem Geschäftsbericht (20-F). Umrechnungen in US-Dollar folgen dem im Bericht genannten Kurs von 6,8980 Yuan je US-Dollar (31. März 2026).
- Verwechslungsgefahr: Der Ticker HERE gehört seit dem 11. November 2025 zu Here Group Limited und hat nichts mit dem Kartendienst HERE Technologies zu tun. Kursdaten vor diesem Datum laufen bei manchen Anbietern noch unter QuantaSing bzw. QSG.
- Bewertungskennzahlen aus Fundamentaldaten sind bei diesem Titel mit Vorsicht zu lesen: Sie stellen einen in Yuan bilanzierten Umsatz einem in US-Dollar gerechneten Börsenwert gegenüber und rechnen den Veräußerungsgewinn des Altgeschäfts in das Kurs-Gewinn-Verhältnis ein.
Aktien-Wächter
Diese Analyse ist Stand 19. August 2026. Was sich seitdem bei HERE geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.
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Die komplette Analyse als PDF für später
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Häufige Fragen
Here Group (Nasdaq: HERE) entwirft und verkauft Sammelfiguren – im Fachjargon „Pop Toys“: Plüsch- und Kunststofffiguren mit eigenen Charakteren, die in Serien und oft in Überraschungsverpackungen verkauft werden. Zum 31. März 2026 hatte das Unternehmen 20 solcher Figuren-Familien im Portfolio, davon 12 eigene und 8 exklusiv lizenzierte. Verkauft wird über Online-Plattformen, eigene Läden und Händler, überwiegend in China.
Weil sie ihr Geschäft komplett getauscht hat. QuantaSing verkaufte Online-Lernangebote an ältere Erwachsene in China. Ab Dezember 2024 kaufte sich das Unternehmen in den Sammelfiguren-Hersteller Shenzhen Letsvan ein, übernahm zum 31. März 2025 die Kontrolle und verkaufte am 30. September 2025 das komplette Altgeschäft. Die Hauptversammlung beschloss am 6. November 2025 den neuen Namen; seit dem 11. November 2025 wird die Aktie unter dem Ticker HERE gehandelt.
Nach eigenen Angaben wegen der „kurzfristigen Marktrealität“. Die Rechnung dahinter: Nach drei Quartalen des Geschäftsjahres 2026 standen 469,1 Millionen Yuan Umsatz zu Buche. Für die alte Spanne von 750 bis 800 Millionen hätte das Schlussquartal 281 bis 331 Millionen bringen müssen – fast das Doppelte des besten bisherigen Quartals. Am 5. Juni 2026 senkte das Unternehmen auf 600 bis 610 Millionen und nannte für das Schlussquartal 130 bis 140 Millionen.
Sehr. Im Quartal bis 31. März 2026 entfielen 102,4 von 164,7 Millionen Yuan Umsatz auf die Figur WAKUKU – rund 62 Prozent. Im Vorquartal waren es sogar rund 73 Prozent (129,4 von 177,3 Millionen). Der Umsatz mit WAKUKU sank damit binnen eines Quartals um rund 21 Prozent, während die kleineren Familien SIINONO und ZIYULI zulegten. Der Geschäftsbericht nennt diese Abhängigkeit selbst als Risiko.
Aus dem laufenden Geschäft nicht. In allen drei Quartalen des Geschäftsjahres 2026 stand ein Nettoverlust: 25,8, dann 25,4 und zuletzt 34,1 Millionen Yuan; der operative Verlust – also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und sonstigen Posten – wuchs von 29,1 über 38,2 auf 44,0 Millionen. Der ausgewiesene Konzerngewinn des Geschäftsjahres stammt aus dem Verkauf des Altgeschäfts – allein daraus ein Veräußerungsgewinn von 284,7 Millionen Yuan im Quartal bis 30. September 2025.
Die Aktien sind in zwei Klassen geteilt. Vorstandsvorsitzender Peng Li hält 49.859.049 Klasse-B-Aktien, und jede davon trägt laut Geschäftsbericht zehn Stimmen. Bei insgesamt 163.153.846 Stammaktien zum 21. Oktober 2025 ergibt das rund 81 Prozent der Stimmrechte bei rund 31 Prozent des Kapitals. Wer eine ADS kauft, kauft drei Klasse-A-Aktien mit je einer Stimme – wirtschaftlich beteiligt, bei Abstimmungen praktisch ohne Gewicht.
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