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Friedman-Industries-Aktie: verdoppelter Umsatz — gemessen vom Verlust-Tief des Stahlzyklus

Friedman-Industries-Aktie: verdoppelter Umsatz — gemessen vom Verlust-Tief des Stahlzyklus

Der Scanner meldet dreistelliges Umsatzwachstum, doch bei dem kleinen Stahlverarbeiter Friedman Industries ist das die Aufwärtsphase eines Preiszyklus — gemessen ausgerechnet vom Verlust-Tief — plus ein Zukauf. Wir haben den Jahresbericht gelesen: ein Gewinn, der fast ganz an der Stahlpreis-Spanne hängt, ein Vorjahr, das nur dank Termingeschäften schwarz war, und ein billiges Kurs-Gewinn-Verhältnis genau am Gewinngipfel. Keine Anlageberatung, nur ein ehrlicher Blick unter die Haube.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 16 Min. Lesezeit

Stand heute

Stand: 21. August 2026

Schlusskurs
41,70 $ -2,00 %
Marktkapitalisierung
0,3 Mrd. $
KGV
15,4
Wachstums-Score
3/10
AAQS
2/10

Kursentwicklung seit 4. August 2026: +22,3 %

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

Friedman-Industries-Aktie: verdoppelter Umsatz — gemessen vom Verlust-Tief des Stahlzyklus
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

52-Wochen-Spanne: 17,00 $ bis 48,10 $ · Letzter Kurs: 41,70 $ (Stand: 21. August 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Kennzahl, die Anleger magisch anzieht: ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis. Wenn eine Aktie nur das Zwölffache ihres Jahresgewinns kostet und der Umsatz sich gerade verdoppelt hat, klingelt es im Kopf: »billig und wächst — das muss man haben.« Genau dieser Reflex — nennen wir ihn die KGV-Falle — ist bei Zyklikern besonders teuer, weil er eine simple Frage überspringt: Steht dieser Gewinn am Anfang eines Aufschwungs oder am Gipfel? Denn bei einer Stahlfirma ist ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis oft kein Kaufsignal, sondern ein Warnsignal — es erscheint genau dann, wenn der Gewinn sein zyklisches Hoch erreicht hat und als Nächstes fällt. Deshalb machen wir einen Deal: Bevor du auch nur eine Aktie von Friedman Industries (Nasdaq: FRD) anfasst, lesen wir gemeinsam, was in den Berichten an die US-Börsenaufsicht SEC steht. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Am Ende entscheidest du selbst.

Was Friedman eigentlich macht

Friedman Industries ist ein kleiner Stahl-Zwischenhändler und -verarbeiter aus Texas. Man kann sich das Geschäft wie eine Sägerei für Stahl vorstellen: Friedman kauft große, warmgewalzte Stahlrollen (im Fachjargon »Hot-Rolled Coil«) von wenigen großen Stahlwerken, richtet und schneidet sie zu Blechen und Platten und schweißt aus einem Teil Rohre für Öl-, Gas- und Bauanwendungen. Verkauft wird an Stahlhändler und Weiterverarbeiter. Der entscheidende Punkt: Friedman verdient nicht am Stahl selbst, sondern an der Spanne zwischen dem, was es für eine Rolle bezahlt, und dem, was es für die zugeschnittenen Produkte bekommt. Und diese Spanne schwankt mit dem Stahlpreis wild auf und ab. Der Jahresbericht beschreibt das Kerngeschäft nüchtern:

„Friedman Industries, Incorporated is a manufacturer and processor of metals and operates in two reportable segments: flat-roll products and tubular products.“

Übersetzung: „Friedman Industries, Incorporated ist ein Hersteller und Verarbeiter von Metallen und ist in zwei berichtspflichtigen Segmenten tätig: Flachwalzprodukte und Rohrprodukte.“

— Friedman Industries, Inc., SEC-Jahresbericht 10-K Geschäftsjahr 2026, Exhibit 13.1

Weil der Gewinn so eng am Stahlpreis hängt, sichert sich Friedman zusätzlich mit Termingeschäften (Futures) ab — deren Gewinne und Verluste landen direkt in der Erfolgsrechnung. Merk dir diese zwei Hebel: der Stahlpreiszyklus und die Termingeschäfte. Sie erklären fast alles, was jetzt kommt. Das Geschäftsjahr von Friedman endet übrigens am 31. März — »Geschäftsjahr 2026« meint also April 2025 bis März 2026.

Wo die Aktie in unserem Scanner auftaucht

Wir lassen täglich rund 3.500 Aktien durch unsere Scanner laufen. Friedman schlägt in 13 Filtern an (Datenstand 8. Juli 2026), darunter »Dreistelliges Umsatzwachstum«. Und formal stimmt der Treffer: Der Quartalsumsatz stieg lückenlos von 94 Millionen US-Dollar (viertes Quartal 2024) auf 192 Millionen (erstes Quartal 2026) — mehr als eine Verdopplung.

Der Haken steckt im Startpunkt. Das vierte Quartal 2024 war kein normaler Ausgangswert, sondern das Zyklustief mit Verlust: Der Stahlpreis war zuvor um rund 40 Prozent eingebrochen, und Friedman schrieb in diesem Quartal rote Zahlen. Die »Verdopplung« misst also vom Boden eines Preiszyklus nach oben — das sieht nach Wachstum aus, ist aber Erholung. Merk dir dieses Spannungsfeld: Der Scanner misst einen Zyklus-Aufschwung, kein strukturelles Wachstum. So kommst du selbst dorthin: auf boersenlotse.de im Menü „Scanner“ den Filter »Dreistelliges Umsatzwachstum« öffnen und die Zeile FRD suchen.

Die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Das »Wachstum« ist Stahlzyklus plus Zukauf

Der Jahresbericht selbst benennt, was den Umsatz getrieben hat — und es ist nicht struktureller Erfolg, sondern der Preiszyklus:

„Entering fiscal 2026, HRC price had reached the top of a price cycle. Prices declined approximately 15% from April 2025 until October 2025 when prices increased approximately 28% by the end of fiscal 2026.“

Übersetzung: „Zu Beginn des Geschäftsjahres 2026 hatte der Preis für warmgewalzte Rollen die Spitze eines Preiszyklus erreicht. Die Preise fielen von April 2025 bis Oktober 2025 um rund 15 Prozent, bevor sie bis zum Ende des Geschäftsjahres 2026 um rund 28 Prozent stiegen.“

— Friedman Industries, Inc., SEC-Jahresbericht 10-K Geschäftsjahr 2026, Exhibit 13.1, MD&A

Markierter Ausschnitt aus dem 10-K: die gelb hinterlegte Passage über den Stahlpreiszyklus — Preishoch zu Beginn des Geschäftsjahres, dann minus 15 Prozent, dann plus 28 Prozent bis Jahresende.
Der Stahlpreiszyklus im Original-Geschäftsbericht (10-K), gelb markiert: Der Umsatz folgt der Preisbewegung, nicht einem Wachstumspfad. Quelle: SEC-10-K Geschäftsjahr 2026, Exhibit 13.1. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Dazu kommt ein Zukauf: Ende August 2025 übernahm Friedman den Metallhändler Century Metals, der allein 61,5 der 202 Millionen US-Dollar Umsatzzuwachs beisteuerte. Wie sehr das Geschäft ein Zyklus und kein Wachstumspfad ist, zeigt der Blick über die Jahre — der Gewinn ist eine Achterbahn mit zwei Verlustjahren:

Balkendiagramm des Friedman-Nettoergebnisses je Geschäftsjahr von 2015 bis 2026: eine Achterbahn zwischen tiefroten Verlustjahren (2017, 2020) und starken Jahren wie 2023 (plus 21,3 Millionen US-Dollar).
Kein Wachstumspfad, sondern eine Achterbahn: Friedmans Jahresgewinn schwankt mit dem Stahlpreiszyklus, inklusive zweier Verlustjahre. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Nur ein Teil des Zuwachses war echte operative Leistung: 100.500 Tonnen mehr Volumen kamen aus bestehenden Werken, 26.000 Tonnen aus dem Zukauf. Schon im Sommer 2022 lag der Quartalsumsatz mit rund 162 Millionen US-Dollar fast auf heutigem Niveau — gefolgt von acht Quartalen Rückgang. Merke: Bei einem Zykliker ist der Umsatz von heute keine Garantie für den von morgen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Ohne Termingeschäfte wäre das Vorjahr fast eine Null gewesen

Hier wird es unbequem. Friedman sichert sich mit Stahl-Futures ab — und im Geschäftsjahr 2025 kam fast der gesamte Gewinn aus genau diesen Termingeschäften, nicht aus dem Stahlgeschäft:

„The Company recognized hedging related gains of approximately $3.4 million in fiscal 2026 compared to hedging related gains of approximately $7.6 million in fiscal 2025.“

Übersetzung: „Das Unternehmen erfasste im Geschäftsjahr 2026 hedgingbezogene Gewinne von rund 3,4 Millionen US-Dollar, verglichen mit hedgingbezogenen Gewinnen von rund 7,6 Millionen im Geschäftsjahr 2025.“

— Friedman Industries, Inc., SEC-Jahresbericht 10-K Geschäftsjahr 2026, Exhibit 13.1, MD&A

Markierter Ausschnitt aus dem 10-K: die gelb hinterlegte Passage über die hedgingbezogenen Gewinne von 3,4 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2026 und 7,6 Millionen im Geschäftsjahr 2025.
Die Hedging-Gewinne im Original-Geschäftsbericht (10-K), gelb markiert: Im Geschäftsjahr 2025 kamen 7,6 der nur 7,7 Millionen US-Dollar Vorsteuergewinn aus Termingeschäften. Quelle: SEC-10-K Geschäftsjahr 2026, Exhibit 13.1. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rechne es nach: Im Geschäftsjahr 2025 lag der gesamte Vorsteuergewinn bei 7,7 Millionen US-Dollar — davon stammten 7,6 Millionen, also rund 99 Prozent, aus dem Termingeschäft. Ohne diese Wetten auf den Stahlpreis wäre das Jahr fast eine schwarze Null gewesen. Auch im starken Geschäftsjahr 2026 kamen 3,4 der 26,4 Millionen US-Dollar Vorsteuergewinn aus Hedging, plus 1,4 Millionen aus einer Buchgewinn-Neubewertung des Zukauf-Kaufpreises. Das Absichern ist ausdrücklich gewollt (es soll das Ergebnis über die Zyklen glätten) — aber es bedeutet auch: Ein Teil des »Gewinns« ist eine gelungene Preiswette, kein verdientes Geld aus dem Kerngeschäft.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Papiergewinn, dünne Kasse, wachsender Kredithebel

Der gemeldete Gewinn von 19,5 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2026 klingt stark. Doch als echtes Geld kam davon wenig an: Der operative Cashflow lag bei nur 8,5 Millionen US-Dollar (im Vorjahr sogar minus 4,4 Millionen). Der Grund ist typisch für einen Aufschwung — steigende Preise blähen Vorräte und Forderungen auf und binden Kapital. Um den Century-Zukauf zu stemmen, hat Friedman zudem seine Kreditlinie kräftig gezogen: Die mit praktisch allen Vermögenswerten besicherte Fazilität stieg von 47,7 auf 92,6 Millionen US-Dollar, während in der Kasse nur 2,45 Millionen liegen. »Schuldenarm«, wie Friedman lange galt, ist die Firma seit dem Zukauf nicht mehr. Und ein Klumpenrisiko bleibt: Ein einziger Kunde, der Stahlhändler O'Neal Steel, steht für 15 Prozent des Umsatzes:

„Flat-roll segment sales to O'Neal Steel accounted for approximately 15% and 16% of total Company sales in fiscal 2026 and fiscal 2025, respectively. No other customers accounted for 10% or more of total Company sales for either fiscal year.“

Übersetzung: „Die Verkäufe des Flachwalz-Segments an O'Neal Steel machten im Geschäftsjahr 2026 rund 15 Prozent und im Geschäftsjahr 2025 rund 16 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Kein anderer Kunde erreichte in einem der beiden Geschäftsjahre 10 Prozent oder mehr.“

— Friedman Industries, Inc., SEC-Jahresbericht 10-K Geschäftsjahr 2026, Exhibit 13.1, Note 1

Markierter Ausschnitt aus dem 10-K: die gelb hinterlegte Passage, wonach der Kunde O'Neal Steel rund 15 bis 16 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht.
Das Kunden-Klumpenrisiko im Original-Geschäftsbericht (10-K), gelb markiert: Ein einziger Händler steht für rund 15 Prozent des Umsatzes. Quelle: SEC-10-K Geschäftsjahr 2026, Exhibit 13.1, Note 1. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Bewertung — die Peak-Earnings-Falle

Jetzt zurück zur KGV-Falle vom Anfang. Friedman kostet rund das 12,5-Fache seines Gewinns im Geschäftsjahr 2026 — optisch billig. Aber dieser Gewinn ist ein zyklisches Hoch. Rechnet man das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf den Gewinn des Vorjahres (6,1 Millionen US-Dollar), läge es bei rund 39. Und der beste Beleg, dass der Markt selbst mit sinkenden Gewinnen rechnet: Das Vorwärts-Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt mit 14,4 über dem aktuellen von 12,5 — ein klares Zeichen für erwartete rückläufige Gewinne. Dazu ist der Kurs der Story bereits weit vorausgelaufen: Er notiert rund 37 Prozent über dem höchsten Kurs des gesamten Geschäftsjahres 2026; die Rally kam erst nach den Zahlen. Substanzseitig ist Friedman nicht teuer (Kurs-Umsatz 0,37, Kurs-Buchwert 1,6, solides Eigenkapital) — aber genau das ist die Falle: Ein Zykliker sieht am Gewinngipfel immer billig aus.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Friedman spricht:

  • Substanzstarke Bewertung: Kurs-Umsatz 0,37, Kurs-Buchwert 1,6, Eigenkapital rund 151 Millionen US-Dollar, hohe Liquidität im Umlaufvermögen, sehr guter Altman-Z-Score.
  • Auch organisch geliefert: 100.500 Tonnen mehr Volumen aus bestehenden Werken; das Rohrsegment drehte von Verlust auf Gewinn; die bereinigte Bruttomarge stieg leicht.
  • Der Century-Zukauf diversifiziert real (Edelstahl, Nichteisen-Metalle, Florida und Lateinamerika) und war 2026 schon profitabel; ein Earn-out koppelt den Kaufpreis an die Leistung.
  • Kleiner, aber verlässlicher Dividendenzahler mit niedriger Ausschüttungsquote und kaum Verwässerung; das Hedging-Programm hat 2025 vor roten Zahlen bewahrt.

Was dagegen spricht:

  • Das »Wachstum« ist ein Stahlpreis-Aufschwung vom Verlust-Tief plus Zukauf, kein struktureller Trend; die Jahresgewinne sind eine Achterbahn mit Verlustjahren.
  • Im Geschäftsjahr 2025 kamen rund 99 Prozent des Vorsteuergewinns aus Termingeschäften, nicht aus dem Stahlgeschäft.
  • Papiergewinn statt Kasse (operativer Cashflow deutlich unter Gewinn), dünne Barmittel und eine für den Zukauf fast verdoppelte, voll besicherte Kreditlinie.
  • Klumpenrisiken (ein Kunde 15 Prozent, wenige Lieferanten), Micro-Cap-Illiquidität und ein Kurs, der 37 Prozent über dem Jahreshoch steht; das Vorwärts-KGV signalisiert sinkende Gewinne.

Ein menschliches Fazit

Erinnerst du dich an die KGV-Falle vom Anfang — den Reflex, bei »billig und wächst« sofort zuzugreifen? Nach dem Blick in die Berichte weißt du jetzt, warum genau diese Kombination bei einem Stahlwert gefährlich ist. Das niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnis erscheint nicht, weil die Aktie unterschätzt wird, sondern weil der Gewinn am zyklischen Hoch steht — und das »dreistellige Wachstum« ist die Erholung von einem Verlust-Tief, verstärkt durch einen Zukauf und eine gelungene Preiswette an den Terminmärkten. Das ist die eine Hälfte der Wahrheit.

Die andere: Friedman ist ein grundsolides kleines Unternehmen. Es ist substanzstark bewertet, hat organisch tatsächlich mehr Stahl bewegt, sein Rohrgeschäft gedreht und sich mit dem Century-Zukauf breiter aufgestellt. Wer den Stahlzyklus versteht und bewusst auf ein weiter freundliches Preisumfeld setzt — und den Einstieg nicht ausgerechnet am Gewinngipfel sucht —, für den kann das ein durchdachtes zyklisches Investment sein. Nur eben keine Wachstumsaktie, als die die verdoppelte Umsatzzahl sich verkleidet.

Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so. Wichtig ist nur, dass du weißt, worauf du wettest — auf den Stahlpreis, nicht auf strukturelles Wachstum. Wie ein Rohstoffzyklus eine Umsatzzahl aufbläht, haben wir übrigens auch bei Viper Energy gesehen, und wie gekauftes Wachstum echtes Wachstum vortäuscht, bei Uniti Group.

Quellen

Disclaimer: Dieser Beitrag ist eine journalistische Analyse und keine Anlageberatung. Er stellt keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Aktien unterliegen Kursschwankungen; ein Totalverlust ist möglich. Triff deine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und ziehe im Zweifel unabhängigen Rat hinzu.

Die Kennzahlen im Überblick

Alle Geldbeträge in Millionen $, Gewinn je Aktie wie berichtet.

Die Kennzahlen im Überblick
Kennzahl 2022 2023 2024 2025 2026
Umsatz 285,2 547,5 516,3 444,6 646,9
Betriebsergebnis (EBIT) 28,5 21,1 24,5 2,8 25,7
Nettogewinn 14,1 21,3 17,3 6,1 19,5
Nettomarge 4,9 % 3,9 % 3,4 % 1,4 % 3,0 %
Gewinn je Aktie 2,12 $ 2,96 $ 2,41 $ 0,88 $ 2,80 $

Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Unser Fazit auf einen Blick

Substanz & Bilanz positiv
Substanzstark bewertet (Kurs-Umsatz 0,37, Kurs-Buchwert 1,6), rund 151 Millionen US-Dollar Eigenkapital, hohe Liquidität im Umlaufvermögen, sehr guter Altman-Z-Score. Kleiner, aber verlässlicher Dividendenzahler mit niedriger Ausschüttungsquote.
Umsatz-»Wachstum« negativ
Die Verdopplung wird vom Verlust-Tief des Stahlpreiszyklus (viertes Quartal 2024) gemessen und durch den Century-Zukauf (61,5 Millionen US-Dollar) verstärkt. Die Jahresgewinne sind eine Achterbahn zwischen 78 und 647 Millionen US-Dollar Umsatz mit zwei Verlustjahren — kein struktureller Trend.
Gewinnqualität negativ
Im Geschäftsjahr 2025 kamen rund 99 Prozent des Vorsteuergewinns (7,6 von 7,7 Millionen US-Dollar) aus Termingeschäften, nicht aus dem Stahlgeschäft; auch 2026 stammen 3,4 von 26,4 Millionen daher plus 1,4 Millionen Buchgewinn. Operativer Cashflow (8,5 Millionen) deutlich unter dem gemeldeten Gewinn.
Bilanzrisiko negativ
Dünne Kasse (2,45 Millionen US-Dollar), die mit praktisch allen Vermögenswerten besicherte Kreditlinie für den Zukauf von 47,7 auf 92,6 Millionen fast verdoppelt. Klumpenrisiken: ein Kunde 15 Prozent des Umsatzes, wenige Lieferanten mit »material adverse effect«-Warnung.
Bewertung & Kurs negativ
Optisch billiges Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,5 steht am Gewinngipfel (auf Vorjahresgewinn rund 39); das Vorwärts-KGV von 14,4 signalisiert erwartete sinkende Gewinne. Der Kurs liegt rund 37 Prozent über dem Jahreshoch, die Aktie ist als Micro-Cap illiquide.

Friedman Industries ist ein grundsolider kleiner Stahlverarbeiter mit substanzstarker Bilanz — aber die verdoppelte Umsatzzahl, die den Scanner auslöst, ist ein Stahlpreis-Aufschwung vom Verlust-Tief plus ein Zukauf, kein strukturelles Wachstum. Der Gewinn hängt am Preiszyklus und teils an Termingeschäften, das billige Kurs-Gewinn-Verhältnis steht am Gipfel, und der Kurs ist der Story weit vorausgelaufen. Ein durchdachtes zyklisches Investment für Kenner, keine Wachstumsaktie. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Bei einem Zykliker entscheidet der Einstiegszeitpunkt im Preiszyklus mehr als jede Kennzahl — und Friedman zeigt gerade alle Zeichen eines Gewinngipfels: billiges Kurs-Gewinn-Verhältnis, Vorwärts-KGV darüber, Kurs 37 Prozent über dem Jahreshoch. Wer bewusst auf ein weiter freundliches Stahlpreisumfeld setzt, kann das eingehen; wer die verdoppelte Umsatzzahl für strukturelles Wachstum hält, kauft am Zyklushoch. Die nächsten Zahlen kommen am 6. August 2026.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Das Geschäftsjahr endet am 31. März; »GJ 2026« ist April 2025 bis März 2026. Die Quartalszahlen für Januar bis März 2026 sind aus dem Geschäftsbericht (10-K) abgeleitet (kein separates Quartals-Filing).
  • Friedman ist als Smaller Reporting Company von der Pflicht zum Risikofaktoren-Kapitel befreit (»Item 1A. Risk Factors — Not required«); die Transparenz ist entsprechend dünner als bei größeren Unternehmen.
  • Kurs- und Bewertungsangaben datiert auf den 6.–8. Juli 2026; Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument.

Aktien-Wächter

Diese Analyse ist Stand 9. Juli 2026. Was sich seitdem bei FRD geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

Später 0,99 € im Monat je Aktie — die Vormerkung ist kostenlos, und als Vormerker erfährst Du als Erster vom Start.

Die komplette Analyse als PDF für später

Wir schicken Dir diese Analyse als PDF — zum Ausdrucken, Ablegen und in Ruhe Nachlesen. Und wir merken Dich zugleich kostenlos für den Aktien-Wächter zu Friedman Industries Inc. (FRD) vor: Damit erfährst Du, wenn sich an dieser Analyse etwas Wesentliches ändert.

Wir bestätigen Deine Adresse zuerst per Mail (Double-Opt-in). Du kannst Dich jederzeit mit einem Klick wieder abmelden.

Häufige Fragen

Friedman Industries ist ein kleiner US-Stahlverarbeiter aus Texas. Es kauft warmgewalzte Stahlrollen, richtet und schneidet sie zu Blechen und Platten (Segment Flachwalzprodukte) und schweißt aus einem Teil Rohre für Öl-, Gas- und Bauanwendungen (Segment Rohrprodukte). Verdient wird vor allem an der Spanne zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis des Stahls.

Vor allem durch den Stahlpreiszyklus und einen Zukauf, nicht durch strukturelles Wachstum. Der Ausgangspunkt (viertes Quartal 2024) war das Zyklustief mit Verlust; danach stieg der Stahlpreis ab Oktober 2025 wieder um rund 28 Prozent. Zusätzlich steuerte die im August 2025 übernommene Century Metals 61,5 der 202 Millionen US-Dollar Umsatzzuwachs bei.

Bei einem Zykliker ist Vorsicht geboten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,5 steht am Gewinngipfel; auf den Vorjahresgewinn gerechnet läge es bei rund 39. Das Vorwärts-Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt mit 14,4 sogar über dem aktuellen — der Markt selbst rechnet also mit sinkenden Gewinnen. Ein billiges KGV ist bei Stahlwerten oft ein Warn-, kein Kaufsignal.

Im Geschäftsjahr 2025 erstaunlich wenig: 7,6 der nur 7,7 Millionen US-Dollar Vorsteuergewinn stammten aus Termingeschäften (Hedging), also rund 99 Prozent. Ohne diese Preiswetten wäre das Jahr fast eine schwarze Null gewesen. Auch im starken Geschäftsjahr 2026 kamen 3,4 der 26,4 Millionen US-Dollar Vorsteuergewinn aus Hedging plus 1,4 Millionen aus einer Buchgewinn-Neubewertung.

Substanzseitig ja (solides Eigenkapital, hohe Liquidität im Umlaufvermögen, guter Altman-Z-Score), aber die Kasse ist mit 2,45 Millionen US-Dollar dünn, und für den Century-Zukauf wurde die mit fast allen Vermögenswerten besicherte Kreditlinie von 47,7 auf 92,6 Millionen fast verdoppelt. Der operative Cashflow (8,5 Millionen) lag zudem deutlich unter dem gemeldeten Gewinn.

Friedman Industries ist am Nasdaq Global Select Market notiert (Ticker FRD; früher an der NYSE American). Es ist ein Micro-Cap mit rund 240 Millionen US-Dollar Börsenwert und nur etwa 7,1 Millionen Aktien; der tägliche Handel ist entsprechend gering und die Aktie schwankt stark.

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