Five9: Der erste Gewinn nach 13 Jahren — und die KI, die den eigenen Umsatz kostet
Five9 verkauft Callcenter-Software aus der Cloud. 2025 blieben erstmals seit der Börsennotierung 39,4 Millionen US-Dollar Gewinn übrig — nach 13 Verlustjahren in Folge. Der Geschäftsbericht vom 20. Februar 2026 erklärt aber auch, warum das keine neue Ära sein muss: Das Wachstum ist von 40,2 auf 10,3 Prozent gefallen, die Kundenbindung von 108 auf 105 Prozent — und in den Risikofaktoren steht, dass ausgerechnet die verkaufte KI die eigenen Lizenzumsätze schrumpfen lassen wird. Keine Anlageberatung — nur die Frage, wer eine Software bezahlt, die ihre eigenen Arbeitsplätze ersetzt.
Supertiefe Analyse — die letzte Prüfung vor dem Kauf
Die Supertiefe Analyse ist unsere gründlichste Untersuchung — gedacht als letzte Entscheidungsgrundlage, bevor Du wirklich kaufst. Wir recherchieren die letzten 10 Geschäftsberichte (10-K), sämtliche Quartalsberichte (10-Q) aus diesem Zeitraum, alle relevanten Insider-Transaktionen, prüfen die Liquiditätslage inklusive Warnsignalen der letzten 5 Jahre und werten eine kuratierte Auswahl relevanter Nachrichten aus — ohne Spam- und Schrottmeldungen. Preis: einmalig 49 €.
Deine Supertiefe Analyse bekommst Du zuerst exklusiv; 30 Tage nach Lieferung veröffentlichen wir sie auch auf Börsenlotse.
Nach der Bestellung melden wir uns per E-Mail mit den Zahlungsdetails. Erstellt wird die Analyse nach Zahlungseingang — reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung.
Chart
Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).
Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.
Es gibt einen Moment, in dem das Gehirn einen Schalter umlegt, ohne dass jemand ihn berührt hat: den ersten Gewinn. Nennen wir es die Endlich-Falle. Jahrelang liest du bei einer Firma nur rote Zahlen, du hast dich an den Satz „verdient noch kein Geld“ gewöhnt — und dann steht da plötzlich ein Plus. Sofort schreibt der Kopf die Geschichte um: Ab jetzt läuft es. Der Haken ist, dass ein erster Gewinn kein einziges Wort darüber sagt, warum er da ist. Bei Five9, Inc. (Nasdaq: FIVN), dem Anbieter von Callcenter-Software aus der Cloud aus San Ramon in Kalifornien, ist genau das die spannende Frage. Machen wir also einen Deal: Bevor wir uns über 39,4 Millionen US-Dollar Gewinn freuen, lesen wir gemeinsam, was die Firma selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 vom 20. Februar 2026 und den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 vom 30. April 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser hier enthält neben der guten Nachricht einen Risikofaktor, den man zweimal lesen muss, um ihn zu glauben.
Was Five9 eigentlich macht — Miete statt Telefonanlage
Stell dir das Kundenservice-Center einer Bank vor: hunderte Mitarbeiter mit Headset, dazu die Technik, die Anrufe verteilt, Wartschleifen verwaltet, Gespräche aufzeichnet und alles ins Kundensystem schreibt. Früher stand diese Technik als Anlage im Keller der Bank. Five9 vermietet sie stattdessen aus dem Rechenzentrum — der Kunde bucht Lizenzen, zahlt monatlich und bekommt Updates, ohne selbst etwas zu installieren. Im Fachjargon heißt das Software as a Service; im Alltagsbild: nicht mehr Anlage kaufen, sondern Arbeitsplätze mieten.
Zum 31. Dezember 2025 nutzten das mehr als 3.000 Organisationen, von der Regionalbank bis zum Handelskonzern. Die Abhängigkeit von Einzelkunden ist gering: In den Jahren 2025, 2024 und 2023 stand kein einziger Kunde für mehr als zehn Prozent des Umsatzes. Rund 89 Prozent des Umsatzes 2025 kamen von Kunden mit Rechnungsanschrift in den USA. Bei Five9 arbeiteten zum Jahresende 2.910 Vollzeitkräfte, davon 43 Prozent in der Leistungserbringung und 25 Prozent in der Entwicklung.
Auf der Produktseite steht heute überall KI: Die Genius-AI-Suite fasst Gespräche zusammen, schlägt Antworten vor, wertet Anrufgründe aus und übernimmt einfache Vorgänge komplett. Und damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, das sich durch jedes Kapitel zieht: Five9 rechnet im Kern je Arbeitsplatz ab — und verkauft zugleich die Technik, die Arbeitsplätze überflüssig macht. Das ist nicht unsere Zuspitzung. Es steht so in den Risikofaktoren des eigenen Geschäftsberichts, und wir kommen gleich wörtlich darauf zurück.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam
Der Aufhänger ist keine Kursbewegung, sondern eine Bilanzliste. Der hauseigene Aktien-Scanner führt Five9 in der US-Auswahl der Liste „Fundamental Rank (A / A+)“ — jener Auswahl, die Firmen nach der Güte ihrer Zahlen sortiert, nicht nach ihrem Chartbild (Stand 26. Juli 2026; die Seite listet derzeit 38 US-Treffer, und die Listen werden täglich neu berechnet). Nachmachen kannst du das in drei Klicks: Aktien-Scanner öffnen, die Liste „Fundamental Rank (A / A+)“ wählen, Markt USA.
Interessanter als die eine Liste ist die Konfluenz. Zum 26. Juli 2026 stand FIVN in zwölf Listen gleichzeitig, und ihre Mischung erzählt die Geschichte schon vor der ersten Zahl: Turnaround-Kandidaten und GpA-Beschleunigung stehen für die Ertragswende, K-FCF-Ranking und KCF-Ranking für die Bewertung am Mittelzufluss, Power Trend und Über 50- & 200-SMA für den Kursverlauf. Eine Aktie, die gleichzeitig als Turnaround und als günstig gemessen am Cashflow gilt, ist meistens eine, bei der etwas Wichtiges strittig ist. Genau das sehen wir uns an.
Zwei Kennzahlen aus dem Datenstand vom 24. Juli 2026 gehören dazu, und beide werden hier bewertet, nicht nur genannt. Die Eigenkapitalrendite von 7,7 Prozent ist für ein Softwarehaus dürftig — gute Softwarefirmen liegen im zweistelligen Bereich, oft weit darüber; sie zeigt, wie frisch der Gewinn noch ist. Der Verschuldungsgrad von 0,97 klingt hoch, ist aber irreführend: Er misst die Wandelanleihe gegen das Eigenkapital und ignoriert, dass fast dieselbe Summe als Kasse und Wertpapiere danebenliegt. Merk dir den Satz: Bei Five9 sagen Kennzahlen ohne Blick in die Bilanz das Falsche.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Erst das, was wirklich beeindruckt. Five9 hat den Umsatz in neun Jahren versiebenfacht: von 162,1 Millionen US-Dollar (2016) auf 1.149,1 Millionen (2025). Kein einziges Jahr dazwischen war ein Rückschritt. Und 2025 blieb erstmals etwas übrig: 39,4 Millionen US-Dollar Nettogewinn oder 0,45 US-Dollar je verwässerter Aktie, nach einem Verlust von 12,8 Millionen im Vorjahr.
Wie groß dieser Bruch ist, sieht man erst mit der langen Reihe. In den 13 Jahren von 2012 bis 2024 stand jedes Mal ein Verlust unter dem Strich: 53,0 Millionen (2021), 94,7 Millionen (2022), 81,8 Millionen (2023), 12,8 Millionen (2024). Der aufgelaufene Bilanzverlust betrug zum 31. März 2026 immer noch 359,8 Millionen US-Dollar — so viel hat die Firma in ihrer Geschichte netto verbrannt, bevor sie anfing zu verdienen.
Der Mittelzufluss war dabei schon länger positiv, und das ist die stärkste Zahl im ganzen Bericht. Der operative Cashflow — das Geld, das der laufende Betrieb tatsächlich in die Kasse spült — stieg von 88,9 Millionen US-Dollar (2022) über 128,8 (2023) und 143,2 (2024) auf 226,2 Millionen (2025). Im ersten Quartal 2026 waren es 63,9 Millionen nach 48,4 Millionen im Vorjahresquartal. Merke: Bei Softwarefirmen kommt der Cashflow oft Jahre vor dem Gewinn — weil die Kunden im Voraus zahlen und ein Teil der Vergütung in Aktien beglichen wird.
Auch die Bilanz ist in Ordnung. Zum 31. März 2026 lagen 273,0 Millionen US-Dollar Bargeld und 450,9 Millionen in Wertpapieren in der Kasse, zusammen 723,9 Millionen. Dem steht genau eine Finanzverbindlichkeit gegenüber: die Wandelanleihe mit einem Buchwert von 736,4 Millionen. Netto sind das rund 12,5 Millionen US-Dollar Schulden — bei einer Firma, die im Jahr 226 Millionen operativ einnimmt, praktisch eine schwarze Null. Das Eigenkapital von 829,6 Millionen entspricht 44,5 Prozent der Bilanzsumme von 1.865,3 Millionen.
Und das erste Quartal 2026 setzte den Trend fort: 305,3 Millionen US-Dollar Umsatz nach 279,7 Millionen und 18,4 Millionen Gewinn nach 0,6 Millionen. So weit die gute Hälfte. Jetzt die andere.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Five9 verkauft die Technik, die den eigenen Umsatz schrumpft
Der wichtigste Satz dieser Analyse steht nicht in einer Analystenstudie, sondern im Risikokapitel des eigenen Geschäftsberichts. Er beschreibt in vier Zeilen, warum ein Anbieter, der je Arbeitsplatz abrechnet, ein Problem bekommt, wenn Arbeitsplätze durch Software ersetzt werden:
„AI solutions will likely perform an increasing proportion of contact center interactions, particularly for customer self-service, slowing the growth of interactions handled by live agents. This will result in a decrease in our license revenues from our installed base, as well as a decrease in license revenue opportunities from new customers, that may not be offset by additional revenue from our AI solutions.“
Übersetzung: „KI-Lösungen werden voraussichtlich einen wachsenden Anteil der Kontakte im Kundenservice übernehmen, insbesondere in der Selbstbedienung, und dadurch das Wachstum der von menschlichen Mitarbeitern bearbeiteten Kontakte bremsen. Das wird zu einem Rückgang unserer Lizenzerlöse im Bestandsgeschäft führen sowie zu weniger Lizenzchancen bei Neukunden — was möglicherweise nicht durch zusätzliche Erlöse aus unseren KI-Lösungen ausgeglichen wird.“
— Five9, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A Risikofaktoren
Lies den Satz noch einmal und ersetze „KI-Lösungen“ durch „unser bestverkauftes Produkt“. Genau das ist gemeint. Der Bericht schreibt an anderer Stelle ausdrücklich, die Branche stehe erst am Anfang dieses Übergangs, weshalb sich das Kundenverhalten und die Wirkung auf den Umsatz nur sehr schwer vorhersagen ließen. Zur Fairness gehört: Five9 verschweigt nichts, sondern investiert offensiv in genau dieses Feld — die KI-Produkte sind das erklärte Wachstumsversprechen. Aber die Rechnung ist eine Subtraktion, keine Addition: Was an KI dazukommt, muss erst einmal ersetzen, was an Lizenzen wegfällt. Ob unterm Strich etwas übrig bleibt, weiß heute niemand, das Unternehmen eingeschlossen.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Das Wachstum viertelt sich — und die Kundenbindung bröckelt
Die Zahl, die den Bericht am besten zusammenfasst, ist keine Umsatzzahl, sondern eine Wachstumsrate. Sie fällt seit vier Jahren, und zwar ohne Ausrutscher nach oben.
Ein Nachlassen des Tempos ist bei wachsender Basis normal — aus 609,6 Millionen US-Dollar (2021) 40 Prozent mehr zu machen ist leichter als aus 1.041,9 Millionen (2024). Deshalb lohnt der Blick auf die Kennzahl, die diesen Effekt herausrechnet: die Netto-Umsatzbindung. Sie misst nur die Kunden, die schon vor einem Jahr da waren, und beantwortet die Frage: Zahlt dieselbe Kundschaft heute mehr als damals? Im Alltagsbild: Wächst dein Garten, oder pflanzt du nur schneller nach, als es hinten hinausrieselt?
Die Antwort steht im Geschäftsbericht: 105 Prozent für 2025 nach 108 Prozent für 2024. Der Bestand wächst also noch — aber langsamer, und jeder Punkt weniger muss durch Neukunden ersetzt werden. Die Begründung liefert das Unternehmen gleich mit:
Bemerkenswert ist noch eine Kleinigkeit aus dem Wettbewerbskapitel: Die Verträge sind zwar langfristig, doch die Kunden können die Zahl der Lizenzen oder die genutzte Kapazität mit 30 Tagen Vorlauf reduzieren. Wenn KI also Arbeitsplätze überflüssig macht, muss niemand ein Vertragsende abwarten. Merk dir das Bild: Der Mietvertrag läuft, aber die Zahl der gemieteten Schreibtische ist monatlich kündbar.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der Gewinn kam von der Kostenbremse, nicht vom Umsatz
Zwischen 2024 und 2025 stieg der Umsatz um 107,2 Millionen US-Dollar. Das Nettoergebnis verbesserte sich im selben Zeitraum um 52,2 Millionen — von minus 12,8 auf plus 39,4. Der Rest der Verbesserung kam aus zwei Quellen, die beide mit Sparen zu tun haben.
Erstens die Aktienvergütung. Sie fiel von 206,3 Millionen US-Dollar (2023) über 166,3 (2024) auf 148,1 Millionen (2025) — gemessen am Umsatz von 22,7 auf 12,9 Prozent. Aktienvergütung ist der Aufwand dafür, dass Mitarbeiter einen Teil ihres Gehalts in Aktien bekommen. Im Alltagsbild: Das Unternehmen bezahlt mit frisch ausgegebenen Anteilen — dein Stück vom Kuchen wird dabei kleiner, ohne dass Geld die Kasse verlässt. Wie schnell aus dieser Praxis eine echte Verwässerung wird, haben wir in unserer Analyse zu Backblaze auseinandergenommen.
Zweitens der Stellenabbau. Im August 2024 beschloss der Verwaltungsrat ein Programm, das rund 6 Prozent der weltweiten Vollzeitstellen strich und 9,6 Millionen US-Dollar kostete. Am 31. März 2025 folgte das nächste über rund 4 Prozent für 7,9 Millionen. Beides ist betriebswirtschaftlich nachvollziehbar. Beides lässt sich aber nur einmal machen.
Dazu kommt der Unterschied zwischen zwei Ergebniszahlen, den man kennen sollte. Five9 weist für 2025 ein bereinigtes EBITDA von 269,7 Millionen US-Dollar aus (2024: 196,0). Das ausgewiesene Betriebsergebnis nach US-Bilanzrecht liegt bei 28,9 Millionen (2024: minus 51,3). Die Lücke von rund 241 Millionen besteht überwiegend aus drei Posten, die alle echt sind: 148,1 Millionen Aktienvergütung, rund 61,8 Millionen Abschreibungen und 7,9 Millionen Restrukturierung. Merke: Bereinigte Zahlen sind kein Betrug — aber sie rechnen etwas heraus, das den Aktionär trotzdem etwas kostet.
Zur Einordnung, wie eine Software-Marge aussehen kann, wenn das Geschäft trägt: Die Bruttomarge von Five9 lag 2025 bei 55,1 Prozent (632,9 Millionen Bruttoergebnis auf 1.149,1 Millionen Umsatz), die Betriebsmarge bei 2,5 Prozent. In unserer Analyse zu Fortinet steht dieselbe Branche mit 80 Prozent Bruttomarge und 30,7 Prozent operativer Marge. Der Unterschied hat einen Grund: Five9 verkauft nicht nur Software, sondern trägt auch Telefonie- und Rechenzentrumskosten mit.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Verwässerung kommt nicht — die Rechnung schon
Wer bei Five9 nach Risiken sucht, landet schnell bei der Wandelanleihe. Eine Wandelanleihe ist ein Kredit mit eingebautem Umtauschrecht: Der Gläubiger bekommt Zinsen und kann seine Forderung stattdessen in Aktien tauschen, wenn der Kurs eine vereinbarte Schwelle überschreitet. Im März 2024 hat Five9 davon 747,5 Millionen US-Dollar begeben, Kupon 1,00 Prozent, fällig 2029. Die Umtauschbedingung steht wörtlich im Geschäftsbericht:
„Each $1,000 principal amount of the 2029 convertible senior notes is initially convertible into 12.5918 shares of the Company’s common stock (the ‚2029 Conversion Option‘), which is equivalent to an initial conversion price of approximately $79.42 per share of common stock, subject to adjustment upon the occurrence of specified events.“
Übersetzung: „Je 1.000 US-Dollar Nennbetrag sind die 2029er Wandelschuldverschreibungen zunächst in 12,5918 Stammaktien der Gesellschaft wandelbar (das ‚Wandlungsrecht 2029‘), was einem anfänglichen Wandlungspreis von rund 79,42 US-Dollar je Stammaktie entspricht, vorbehaltlich einer Anpassung beim Eintritt bestimmter Ereignisse.“
— Five9, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Anhang zu den Wandelschuldverschreibungen
Und jetzt die Gegenprobe aus dem jüngsten Quartalsbericht — dieselbe Firma, dieselbe Aktie, zwei Jahre später:
Zwischen 17,28 und 79,42 US-Dollar liegen Welten. Solange der Abstand so bleibt, tauscht niemand freiwillig Anleihen gegen Aktien — die vielbeschworene Verwässerung findet also nicht statt. Stattdessen passieren zwei andere Dinge. Erstens rechnet der Gewinn je Aktie trotzdem mit den Aktien, die es vielleicht nie geben wird: Im ersten Quartal 2026 standen 76,823 Millionen unverwässerten Aktien 86,298 Millionen verwässerte gegenüber. Die Differenz von rund 9,5 Millionen stammt zum überwiegenden Teil aus dieser Anleihe. Deshalb weist Five9 für das Quartal 0,24 US-Dollar Gewinn je Aktie unverwässert aus, aber nur 0,21 verwässert.
Zweitens, und wichtiger: Die 747,5 Millionen US-Dollar werden dann in Geld fällig. Zum 31. März 2026 lagen dafür 723,9 Millionen in Kasse und Wertpapieren bereit — es geht sich also aus, wenn nichts dazwischenkommt. Nur hat der Verwaltungsrat seit Oktober 2025 beschlossen, aus genau dieser Kasse 350,0 Millionen US-Dollar für eigene Aktien auszugeben: 150,0 Millionen im Programm vom Oktober 2025 und weitere 200,0 Millionen im Programm vom 30. April 2026. Am 4. Mai 2026 startete ein beschleunigter Rückkauf über 90,0 Millionen mit einer Ersteinlieferung von rund 3,1 Millionen Aktien; die Schlussabrechnung wird bis zum 30. September 2026 erwartet. Er schöpft den Rest des älteren Programms aus — zum 31. März 2026 waren von den 150,0 Millionen noch genau 90,0 Millionen offen. Die 200,0 Millionen vom 30. April 2026 sind damit noch komplett unangetastet. Zum Vergleich mit der Aktienvergütung von 148,1 Millionen im Jahr 2025 heißt das: Die beiden Rückkaufprogramme entsprechen ungefähr zwei Jahresrationen dessen, was an neuen Aktien an Mitarbeiter ausgegeben wird. Rückkauf ist hier weniger Kapitalrückgabe als nachträgliche Barzahlung von Gehältern.
Was die Aktie kostet — Bewertung in Größenordnungen
Bei einem Börsenwert von rund 1,5 Milliarden US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) zahlst du für den Umsatz des Jahres 2025 von 1.149,1 Millionen etwa das 1,3-Fache — für ein Softwarehaus mit über 50 Prozent Bruttomarge ist das nicht teuer. Gemessen am Gewinn 2025 von 39,4 Millionen ist es dagegen rund das 38-Fache, und das ist teuer. Beide Zahlen stimmen; sie messen nur unterschiedliche Dinge — die eine die Größe des Geschäfts, die andere seine derzeitige Ertragskraft.
Weil die Nettoverschuldung mit rund 12,5 Millionen US-Dollar praktisch null ist, entspricht der Unternehmenswert hier ungefähr dem Börsenwert. Gemessen am Mittelzufluss sieht die Aktie günstig aus: Das Verhältnis von Kurs zu freiem Mittelzufluss lag bei rund 7,5 (Datenstand 24. Juli 2026). Genau daher kommen auch die Scanner-Treffer in den beiden Cashflow-Listen.
Der Blick der Profis ist ungewöhnlich weit auseinander. Das mittlere Kursziel von 24 Analysten lag bei 27,81 US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) — rund 42 Prozent über dem rechnerischen Kurs, der sich aus Börsenwert und Aktienzahl ergibt. Gleichzeitig waren 10,2 Prozent des Streubesitzes leerverkauft: Ein Zehntel der frei handelbaren Aktien ist von Anlegern geliehen und verkauft worden, die auf fallende Kurse setzen. Merke: Wenn Analysten 42 Prozent Aufschlag sehen und Leerverkäufer ein Zehntel des Streubesitzes short sind, ist das keine Meinungsverschiedenheit über den Preis, sondern über das Geschäftsmodell. Und genau darüber geht es hier.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Five9 spricht:
- Die Ertragswende ist da und bestätigt: 39,4 Millionen US-Dollar Gewinn 2025 nach 13 Verlustjahren, 18,4 Millionen im ersten Quartal 2026 nach 0,6 Millionen im Vorjahresquartal.
- Der operative Mittelzufluss wächst schneller als der Umsatz: 226,2 Millionen US-Dollar 2025 nach 143,2 Millionen 2024 — ein Plus von 58 Prozent bei 10,3 Prozent Umsatzwachstum.
- Netto schuldenfrei: 723,9 Millionen US-Dollar Kasse und Wertpapiere gegen 736,4 Millionen Wandelanleihe zum 31. März 2026, Eigenkapitalquote 44,5 Prozent, keine Bankkredite, keine Covenants im Bericht.
- Breite Kundenbasis ohne Klumpenrisiko: mehr als 3.000 Organisationen, kein Kunde über zehn Prozent des Umsatzes in 2025, 2024 oder 2023.
- Die Aktienvergütung sinkt seit zwei Jahren — von 22,7 Prozent des Umsatzes (2023) auf 12,9 Prozent (2025) und zuletzt 32,7 Millionen im ersten Quartal 2026 nach 39,2 Millionen.
- Das Unternehmen kauft eigene Aktien zurück, statt neue auszugeben: 350,0 Millionen US-Dollar sind seit Oktober 2025 beschlossen, davon 90,0 Millionen seit dem 4. Mai 2026 in Umsetzung.
Was dagegen spricht:
- Der eigene Geschäftsbericht nennt KI als Grund für sinkende Lizenzerlöse im Bestandsgeschäft — bei einem Modell, das je Arbeitsplatz abrechnet, trifft das den Kern.
- Das Umsatzwachstum ist von 40,2 Prozent (2021) auf 10,3 Prozent (2025) und 9,2 Prozent im ersten Quartal 2026 gefallen, ohne Gegenbewegung.
- Die Netto-Umsatzbindung sank von 108 auf 105 Prozent; Kunden können Lizenzen und Kapazität laut Bericht mit 30 Tagen Vorlauf reduzieren.
- Der Gewinn kam aus Kostensenkungen: 58,2 Millionen US-Dollar weniger Aktienvergütung gegenüber 2023 und zwei Entlassungsrunden über rund 6 und rund 4 Prozent der Belegschaft.
- Zwischen bereinigtem EBITDA (269,7 Millionen) und ausgewiesenem Betriebsergebnis (28,9 Millionen) liegen rund 241 Millionen — überwiegend Aktienvergütung, Abschreibungen und Restrukturierung.
- 2029 werden 747,5 Millionen US-Dollar voraussichtlich in bar fällig, weil die Wandlung bei 79,42 US-Dollar weit außerhalb liegt; parallel fließen 350,0 Millionen in Rückkäufe.
- Der Markt ist tief gespalten: 42 Prozent Abstand zum mittleren Analystenkursziel bei gleichzeitig 10,2 Prozent leerverkauftem Streubesitz (Datenstand 24. Juli 2026).
Ein menschliches Fazit
Zurück zur Endlich-Falle vom Anfang. Sie ist keine Schwäche für Dummköpfe — im Gegenteil, sie erwischt vor allem geduldige Anleger, die eine Firma jahrelang beobachtet und auf genau diesen Moment gewartet haben. Der erste Gewinn fühlt sich an wie eine Belohnung für das Warten. Nur ist er keine Prognose. Er ist ein Messwert für ein Jahr, das vorbei ist.
Bei Five9 lohnt sich deshalb die nüchterne Frage: Was genau ist 2025 passiert? Antwort: Der Umsatz wuchs so langsam wie nie seit dem Börsengang, die Bestandskunden zahlten weniger dazu als im Vorjahr — und trotzdem stand am Ende ein Plus, weil das Unternehmen die Aktienvergütung um 18,2 Millionen US-Dollar gesenkt und in zwei Runden Personal abgebaut hat. Das ist solide Arbeit. Es ist aber eine andere Geschichte als „Ab jetzt läuft es“.
Die eigentliche Wette steht in den Risikofaktoren, und sie ist ehrlich formuliert: Five9 verkauft eine Technologie, die die Zahl der bezahlten Arbeitsplätze in Kundenservice-Centern senkt. Ob der Verkauf dieser Technologie mehr einbringt als die Lizenzen, die sie kostet, weiß heute niemand — das Unternehmen schreibt selbst, die Branche stehe erst am Anfang. Deshalb lautet die ehrliche Frage an dich nicht „Ist ein Umsatzvielfaches von 1,3 billig?“, sondern: Glaubst du, dass ein Anbieter, der je Arbeitsplatz abrechnet, mit dem Verkauf von KI mehr verdient als er an Arbeitsplätzen verliert — und bist du bereit, das über mehrere Quartale zu prüfen statt zu hoffen? Wenn ja, gibt dir jeder Quartalsbericht die Messpunkte dafür: Wachstumsrate, Netto-Umsatzbindung, Aktienvergütung, Aktienzahl. Wenn nein, hast du einen schönen Wendepunkt gesehen, mehr nicht. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- Five9, Inc. — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (eingereicht 30. April 2026)
- Five9, Inc. — SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (eingereicht 20. Februar 2026)
- Five9, Inc. — Meldung 8-K vom 5. Mai 2026 (beschleunigter Aktienrückkauf über 90,0 Mio. US-Dollar)
- Five9, Inc. — Meldung 8-K vom 20. Februar 2026 (Nachtrag zur Vereinbarung mit Anson Funds) sowie die Meldung 8-K vom 12. November 2025 (Rückkauf über 50,0 Mio. US-Dollar)
- Sämtliche Einreichungen inklusive Insider-Meldungen (Form 4) und Beteiligungsmeldungen: EDGAR-Übersicht zu CIK 0001288847 (sec.gov)
- Fundamentaldaten (Kennzahlen, Bewertung, Analystenschätzungen; Datenstand 24. Juli 2026), abgeglichen mit den SEC-Berichten.
- Scanner-Listen: hauseigener Aktien-Scanner, Stand 26. Juli 2026; die Listen werden täglich neu berechnet.
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Five9-Aktien.
Unser Fazit auf einen Blick
- Ertragswende positiv
- Nach 13 Verlustjahren von 2012 bis 2024 stand 2025 erstmals ein Gewinn in den Büchern: 39,4 Millionen US-Dollar nach minus 12,8 Millionen im Vorjahr. Das Betriebsergebnis drehte von minus 51,3 auf plus 28,9 Millionen. Das erste Quartal 2026 bestätigte den Trend mit 18,4 Millionen Gewinn nach 0,6 Millionen im Vorjahresquartal.
- Mittelzufluss und Bilanz positiv
- Der operative Cashflow stieg 2025 auf 226,2 Millionen US-Dollar nach 143,2 Millionen (2024) und 128,8 Millionen (2023); im ersten Quartal 2026 waren es 63,9 Millionen nach 48,4 Millionen. Zum 31. März 2026 standen 723,9 Millionen US-Dollar Kasse und Wertpapiere einer einzigen Finanzverbindlichkeit von 736,4 Millionen gegenüber — netto rund 12,5 Millionen Schulden.
- Wachstum negativ
- Das Umsatzwachstum fällt seit vier Jahren: 40,2 Prozent (2021), 27,8 (2022), 16,9 (2023), 14,4 (2024), 10,3 Prozent (2025) und 9,2 Prozent im ersten Quartal 2026. Parallel sank die Netto-Umsatzbindung bestehender Kunden von 108 auf 105 Prozent; der Bericht nennt dafür unter anderem den Wegfall eines einzelnen Großkunden-Hochlaufs aus 2024.
- Herkunft des Gewinns neutral
- Der Gewinn 2025 stammt aus der Kostenseite, nicht aus mehr Umsatz. Die Aktienvergütung fiel von 206,3 Millionen US-Dollar (2023) über 166,3 (2024) auf 148,1 Millionen, zwei Entlassungsrunden nahmen 2024 rund 6 und 2025 rund 4 Prozent der Belegschaft. Das ist diszipliniert — aber jeder dieser Hebel lässt sich nur einmal ziehen.
- Die eigene KI als Risiko negativ
- Der Geschäftsbericht für 2025 schreibt in den Risikofaktoren, KI werde einen wachsenden Teil der Kundenkontakte übernehmen, das Wachstum der von Menschen bearbeiteten Kontakte bremsen und die Lizenzerlöse aus dem Bestandsgeschäft sinken lassen — offen sei, ob der Verkauf eigener KI-Lösungen das ausgleicht. Bei einem Modell, das je Arbeitsplatz abrechnet, ist das kein Nebensatz.
- Kapitalverwendung neutral
- Seit Oktober 2025 sind Rückkaufprogramme über zusammen 350,0 Millionen US-Dollar beschlossen — bei rund 1,5 Milliarden US-Dollar Börsenwert (Datenstand 24. Juli 2026) fast ein Viertel des Unternehmens. Gekauft wurde im März 2026 zu durchschnittlich 17,28 US-Dollar. Dem stehen 148,1 Millionen jährliche Aktienvergütung und 747,5 Millionen entgegen, die 2029 fällig werden.
Five9 ist keine kaputte Firma — 2025 stand nach 13 Verlustjahren erstmals ein Gewinn in den Büchern, der operative Mittelzufluss lag bei 226,2 Millionen US-Dollar, und die Bilanz ist netto schuldenfrei. Dagegen steht ein Wachstum, das sich seit vier Jahren viertelt, eine Kundenbindung, die von 108 auf 105 Prozent gefallen ist, und ein Gewinn, der aus gestrichenen Kosten kommt statt aus mehr Umsatz. Und über allem der Satz aus dem eigenen Geschäftsbericht: Die KI, die Five9 verkauft, schrumpft die Lizenzerlöse, von denen Five9 lebt. Wer hier kauft, wettet nicht auf die Kostenbremse, sondern darauf, dass der Verkauf von KI mehr einbringt, als die KI an Arbeitsplätzen wegnimmt. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Substanziell ist hier nichts faul: 723,9 Millionen US-Dollar Kasse und Wertpapiere gegen 736,4 Millionen Wandelanleihe, 44,5 Prozent Eigenkapitalquote, 226,2 Millionen operativer Mittelzufluss 2025 und mehr als 3.000 Kunden, von denen keiner mehr als zehn Prozent des Umsatzes stellt. Für Grün fehlt der Nachweis, dass das Geschäftsmodell die eigene Technologie überlebt: Das Wachstum ist von 40,2 auf 10,3 Prozent gefallen, die Netto-Umsatzbindung von 108 auf 105 Prozent, und der erste Gewinn kam aus 58,2 Millionen weniger Aktienvergütung und zwei Entlassungsrunden, nicht aus mehr Nachfrage. Die entscheidende operative Frage steht im eigenen Geschäftsbericht — ob der Verkauf von KI ersetzt, was KI an Lizenzen kostet — und sie ist unbeantwortet. Das ist keine Existenzfrage; eine netto schuldenfreie Firma mit 226 Millionen Jahres-Cashflow geht daran nicht zugrunde. Deshalb Gelb: belegte Zahlen, offene Zukunft. Die Entscheidung liegt bei Dir.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam Five9 über den hauseigenen Aktien-Scanner: Die Aktie steht in der US-Auswahl der Liste „Fundamental Rank (A / A+)“, die Firmen nach der Güte ihrer Zahlen sortiert (Stand 26. Juli 2026; die Seite listet derzeit 38 US-Treffer, die Listen werden täglich neu berechnet). Zum selben Stichtag stand FIVN in zwölf Listen gleichzeitig, darunter „Turnaround-Kandidaten“, „GpA-Beschleunigung“, „K-FCF-Ranking“ und „Power Trend“.
- Aktualitätsstand: Ausgewertet sind der Geschäftsbericht 10-K für 2025 (20.02.2026), der Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (30.04.2026) sowie alle danach eingereichten Meldungen — insbesondere die 8-K vom 05.05.2026 (beschleunigter Rückkauf über 90,0 Mio. US-Dollar), vom 20.05.2026 (Ergebnisse der Hauptversammlung: Entklassifizierung des Verwaltungsrats, Streichung der Supermehrheitserfordernisse, Wahl von Amit Mathradas und Sagar Gupta), vom 27.05.2026 (Eintragung der neuen Satzung in Delaware und angepasste Geschäftsordnung) und vom 22.06.2026 (Wechsel im Produktentwicklungs-Vorstand) sowie die Registrierung S-8 vom 08.06.2026. Der nächste Quartalsbericht wurde für den 30. Juli 2026 erwartet; er liegt dieser Analyse nicht zugrunde.
- Bewertungsangaben datiert und evergreen: Der Börsenwert von rund 1,5 Milliarden US-Dollar hat den Datenstand 24. Juli 2026 und beruht auf 76,6 Millionen Aktien. Gegenprobe mit dem letzten in einem Filing dokumentierten Kurs: 76.563.988 Aktien (27.04.2026) mal 17,28 US-Dollar (Durchschnittspreis der Rückkäufe im März 2026) ergeben rund 1,32 Milliarden — die Abweichung liegt bei rund 11 Prozent. Nicht berücksichtigt ist die Ersteinlieferung von rund 3,1 Millionen Aktien aus dem Rückkauf vom 5. Mai 2026. Analysen sind evergreen; Tageskurse sind kein Kaufargument.
Häufige Fragen
Five9, Inc. (Nasdaq: FIVN) aus San Ramon in Kalifornien vermietet Callcenter-Software aus der Cloud. Unternehmen buchen die Plattform statt eigener Telefonanlagen und bezahlen sie je Lizenz und je Nutzung — für Anrufe, Chats, E-Mails und inzwischen auch für KI-Assistenten. 2025 setzte Five9 damit 1.149,1 Millionen US-Dollar um und beschäftigte zum 31. Dezember 2025 2.910 Menschen.
Ja, gemessen am ausgewiesenen Nettoergebnis nach US-Bilanzrecht. 2025 blieben 39,4 Millionen US-Dollar Gewinn übrig. In den 13 Jahren davor — von 2012 bis 2024 — stand jedes Mal ein Verlust unter dem Strich, am tiefsten 2022 mit 94,7 Millionen. Der aufgelaufene Bilanzverlust betrug zum 31. März 2026 noch 359,8 Millionen US-Dollar.
Weil Five9 im Kern je Arbeitsplatz abrechnet. Übernimmt ein KI-Assistent die Gespräche, braucht der Kunde weniger Lizenzen für menschliche Mitarbeiter. Genau das steht in den Risikofaktoren des Geschäftsberichts für 2025: KI werde einen wachsenden Teil der Kontakte übernehmen, das führe zu sinkenden Lizenzerlösen im Bestandsgeschäft — und es sei offen, ob der Verkauf von KI-Lösungen das ausgleicht.
Sie misst, wie sich der Umsatz mit den Kunden entwickelt, die schon vor einem Jahr da waren. 105 Prozent heißt: Diese Gruppe zahlte 2025 fünf Prozent mehr als im Vorjahr — Zuwächse abzüglich Kündigungen und Verkleinerungen. 2024 waren es noch 108 Prozent. Jeder Punkt weniger bedeutet, dass mehr Neugeschäft nötig ist, um dasselbe Wachstum zu halten.
Es gibt genau eine Finanzverbindlichkeit: eine Wandelanleihe über 747,5 Millionen US-Dollar Nennwert mit 1,00 Prozent Zins, fällig 2029. Zum 31. März 2026 stand sie mit 736,4 Millionen in der Bilanz. Dagegen standen 273,0 Millionen Kasse und 450,9 Millionen Wertpapiere. Netto sind das rund 12,5 Millionen US-Dollar Schulden — praktisch eine schwarze Null.
Rechnerisch ja, praktisch eher nicht. Die Anleihe wandelt bei 79,42 US-Dollar je Aktie; dieser Preis ist seit der Emission im März 2024 unverändert. Im März 2026 kaufte Five9 eigene Aktien zu durchschnittlich 17,28 US-Dollar zurück. Bei diesem Abstand bleibt die Wandlung unattraktiv — dafür werden 2029 voraussichtlich 747,5 Millionen US-Dollar in bar fällig.
Nicht vom Umsatz: Der wuchs 2025 nur um 10,3 Prozent nach 14,4 Prozent im Vorjahr. Der Sprung kam von der Kostenseite. Die Aktienvergütung fiel von 166,3 auf 148,1 Millionen US-Dollar, zwei Entlassungsrunden nahmen 2024 rund 6 und 2025 rund 4 Prozent der Belegschaft, und das Betriebsergebnis drehte von minus 51,3 auf plus 28,9 Millionen US-Dollar.
Nein. Zum Datenstand 24. Juli 2026 weist die Aktie keine laufende Dividende aus, die Ausschüttungsquote liegt bei null. Kapital gibt das Unternehmen ausschließlich über Aktienrückkäufe zurück: 150,0 Millionen US-Dollar aus dem Programm vom Oktober 2025 und weitere 200,0 Millionen aus dem Programm vom 30. April 2026.
Fehler gefunden?
Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.