Börsenlotse
Kauftag heute: Schlecht Neutral (54 ) Gut Gemischte Marktbreite · Breite seitwärts (±0 zum 10-Tage-Schnitt) · kein Makro-Großtermin

Erasca-Aktie: 57 Prozent bei sieben Patienten — und am selben Tag 550 Millionen Dollar neue Aktien

Erasca-Aktie: 57 Prozent bei sieben Patienten — und am selben Tag 550 Millionen Dollar neue Aktien

Erasca steht auf Platz 2 unseres hauseigenen Moglen-Wochen-Rankings (US-Auswahl, Stand 25. Juli 2026). Am 13. Juli 2026 meldete die Krebsforschungsfirma aus San Diego neue Phase-1-Daten zu ihrem Hauptwirkstoff — und unterschrieb noch am selben Tag den Vertrag über 31.428.572 neue Aktien zu 17,50 US-Dollar. Wir haben den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 und jede Einreichung danach gelesen: null Umsatz seit der Gründung, 1,1 Milliarden US-Dollar aufgelaufener Verlust, ein Anwaltsbrief gegen genau das eine Molekül, an dem alles hängt. Lies mit, bevor Du eine Prozentzahl für eine Bewertung hältst.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
Unternehmensprofil ansehen (ERAS)

Supertiefe Analyse — die letzte Prüfung vor dem Kauf

Die Supertiefe Analyse ist unsere gründlichste Untersuchung — gedacht als letzte Entscheidungsgrundlage, bevor Du wirklich kaufst. Wir recherchieren die letzten 10 Geschäftsberichte (10-K), sämtliche Quartalsberichte (10-Q) aus diesem Zeitraum, alle relevanten Insider-Transaktionen, prüfen die Liquiditätslage inklusive Warnsignalen der letzten 5 Jahre und werten eine kuratierte Auswahl relevanter Nachrichten aus — ohne Spam- und Schrottmeldungen. Preis: einmalig 49 €.

Deine Supertiefe Analyse bekommst Du zuerst exklusiv; 30 Tage nach Lieferung veröffentlichen wir sie auch auf Börsenlotse.

Nach der Bestellung melden wir uns per E-Mail mit den Zahlungsdetails. Erstellt wird die Analyse nach Zahlungseingang — reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung.

Erasca-Aktie: 57 Prozent bei sieben Patienten — und am selben Tag 550 Millionen Dollar neue Aktien
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die bei Medikamenten-Aktien fast immer zuschnappt: die Prozent-ohne-N-Falle. Eine Schlagzeile meldet „57 Prozent Ansprechrate“, unser Kopf hört „mehr als jeder Zweite wird gesund“ — und übersieht die Zahl daneben. Bei Erasca, Inc. (NASDAQ: ERAS) lautet diese Zahl N = 7. Sieben Menschen. Vier von ihnen sprachen an. Wäre einer weniger dabei gewesen, stünde in der Meldung 43 Prozent.

Das ist kein Vorwurf an die Firma — so beginnt jede Medikamentenentwicklung, und die Zahlen sind sauber offengelegt. Es ist eine Warnung an uns. Bevor wir aus einer Prozentzahl einen Börsenwert von rund 6,6 Milliarden US-Dollar ableiten, machen wir einen Deal: Wir lesen gemeinsam, was Erasca selbst unter Strafandrohung bei der US-Börsenaufsicht SEC hinterlegt hat — den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 und jede einzelne Einreichung danach.

Was Erasca eigentlich macht — ein Schalter, der nicht mehr ausgeht

In jeder Zelle gibt es Schaltkreise, die sagen: „Jetzt teilen.“ Einer der wichtigsten heisst RAS/MAPK-Signalweg. Bei Krebs ist dieser Schalter oft kaputt — er klemmt auf „an“, und die Zelle teilt sich weiter, obwohl niemand mehr das Signal gibt. RAS ist das am häufigsten veränderte Krebs-Gen überhaupt; die Firma beziffert die weltweite Zahl der Neuerkrankungen mit Veränderungen in diesem Signalweg auf mehr als fünf Millionen Menschen pro Jahr.

Erasca versucht nichts anderes, als diesen Schalter wieder auszuknipsen — und zwar an allen Stellen gleichzeitig. Die Firma nennt das ihre „singuläre“ Ausrichtung.

„We are a clinical-stage precision oncology company singularly focused on discovering, developing, and commercializing therapies for patients with RAS/MAPK pathway-driven cancers.“

Übersetzung: „Wir sind ein Unternehmen der Präzisionsonkologie in der klinischen Phase, das sich ausschliesslich darauf konzentriert, Therapien für Patienten mit Krebserkrankungen zu entdecken, zu entwickeln und zu vermarkten, die vom RAS/MAPK-Signalweg getrieben werden.“

— Erasca, Inc., SEC-Prospektnachtrag 424B5 vom 13. Juli 2026, Prospectus supplement summary

Die Pipeline besteht aus drei Namen. ERAS-0015 ist ein sogenannter molekularer Kleber gegen alle RAS-Varianten — das Alltagsbild: kein Schlüssel, der ins Schloss passt, sondern ein Tropfen Sekundenkleber, der zwei Bauteile der Zelle so aneinanderheftet, dass der Schalter nicht mehr umlegen kann. ERAS-4001 ist ein Hemmstoff gegen die KRAS-Varianten, ebenfalls in der klinischen Prüfung. ERAS-12 ist ein Antikörper-Vorhaben im Entdeckungsstadium. Ein viertes Programm, naporafenib, hat die Firma eingestellt: Im März 2026 kündigte sie die Lizenz von Novartis, wirksam zum 3. Juni 2026; die Patienten aus den laufenden Studien SEACRAFT-1 und SEACRAFT-2 werden weiterbehandelt.

Wichtig für alles Weitere: Beide klinischen Wirkstoffe sind zugekauft. ERAS-0015 stammt von Guangzhou Joyo Pharmatech aus China, ERAS-4001 von Medshine Discovery — beide Lizenzen wurden im Mai 2024 geschlossen. Erasca hat die Moleküle nicht selbst erfunden; die Firma finanziert, entwickelt und vermarktet sie. Wie schwer der Weg von der guten Studie zur zugelassenen Therapie ist, haben wir bei einem anderen Krebsforscher aufgeschrieben — die Analyse zu Arcus Biosciences zeigt, was passiert, wenn ein Partner die Prioritäten ändert.

Und damit sind wir beim Spannungsfeld dieser Analyse, das sich durch jedes Kapitel zieht: Erasca hat seit der Gründung 2018 keinen einzigen Dollar Umsatz erzielt. Die Firma lebt ausschliesslich davon, dass Anleger ihr Geld geben. Jede gute Nachricht steigert den Preis, zu dem sie neue Aktien ausgeben kann — und wird deshalb sofort in neue Aktien umgesetzt. Der Kurs steigt, Dein Anteil schrumpft.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam

Wir lassen täglich rund 3.500 Aktien durch unsere Scanner laufen. Erasca steht zum Datenstand 25. Juli 2026 auf Platz 2 der US-Auswahl unseres Moglen-Wochen-Rankings (28 Treffer). Zum Selbst-Nachmachen: Scanner öffnen, Länderfilter auf „US“ stellen — die Liste zeigt die stärksten Wochengewinner in Scanner-Reihenfolge. Sie wird täglich neu berechnet, der Platz kann sich also verschieben.

Dieses Ranking hat drei Bedingungen, und alle drei sind reine Kursmechanik: mindestens 15 Prozent Plus über die letzten vier Handelstage, ein durchschnittliches Handelsvolumen von mindestens 10 Millionen US-Dollar pro Tag und ein Relative-Stärke-Rating von mindestens 70. Erasca erfüllt die beiden messbaren Hürden mit grossem Abstand: Das durchschnittliche Handelsvolumen der letzten 50 Tage lag bei rund 103 Millionen US-Dollar je Tag, das Relative-Stärke-Rating bei 99 — die Aktie hat also 99 Prozent aller anderen geschlagen (Datenstand 25. Juli 2026).

Merke Dir gleich hier den wichtigsten Satz dieses Kapitels: Dieser Scanner misst Kursbewegung, nicht Unternehmensqualität. Er sagt, dass viele Menschen diese Aktie gerade kaufen. Er sagt nichts darüber, ob das Medikament wirkt. Die Fundamental-Brille derselben Datenbasis zeigt genau das (Datenstand 25. Juli 2026): ein Piotroski-F-Score von 3 von 9 — ein Neun-Punkte-Test für die Richtung der Bilanz, bei dem eine kerngesunde Firma bei 8 oder 9 steht und alles unter 3 als Warnsignal gilt. Bei einer Firma ohne Umsatz ist dieser Test allerdings kaum aussagekräftig: Vier seiner neun Kriterien setzen Gewinn oder Umsatzrendite voraus. Der Altman-Z-Score von 52,6 wiederum, ein Insolvenz-Frühwarner, ist nach oben verzerrt, weil Erasca praktisch keine Schulden hat — die Eigenkapitalquote lag bei 82,1 Prozent. Beide Werte sagen dasselbe: Diese Firma geht so schnell nicht pleite. Sie sagen nichts darüber, ob sie je Geld verdient.

Die Zahlen über die Jahre — was wirklich beeindruckt

Fangen wir mit dem an, was gut ist. Und es ist mehr, als man einer verlustreichen Firma zutraut.

Erstens die Kasse. Zum 31. März 2026 lagen 408,5 Millionen US-Dollar an Kasse, Zahlungsmitteln und Wertpapieren im Haus (47,3 Millionen Bargeld, 196,5 Millionen kurzfristige und 164,7 Millionen langfristige Wertpapiere). Verbindlichkeiten standen dem nur 67,7 Millionen gegenüber — davon 46,0 Millionen Mietverpflichtungen. Zinstragende Schulden hat Erasca nicht. Das Eigenkapital betrug 393,5 Millionen US-Dollar bei einer Bilanzsumme von 461,2 Millionen.

Zweitens der Geldverbrauch, und der ist bemerkenswert diszipliniert: Im ersten Quartal 2026 flossen aus dem laufenden Geschäft nur 27,4 Millionen US-Dollar ab, im Vorjahresquartal 31,6 Millionen. Die eigenen Forschungsaufwendungen lagen bei 27,3 Millionen, die Verwaltung bei 10,6 Millionen. Über das Gesamtjahr 2025 waren es 92,9 Millionen Forschung und 38,6 Millionen Verwaltung — beides weniger als 2024 (115,4 und 41,7 Millionen). Eine Firma, die Ausgaben senkt, während die Studien laufen, geht mit fremdem Geld sorgfältig um.

Drittens die Studiendaten selbst. Am 27. April 2026 meldete Erasca erstmals Ergebnisse der Dosisfindung: Bei Lungenkrebs (NSCLC) in der Zweitlinie oder später sprachen 62 Prozent von 37 Patienten an, bei den vorbehandelten Untergruppen sogar 75 Prozent von 16. Besonders aussagekräftig war ein Laborwert: Bei allen 14 untersuchten Patienten sank die Menge der Krebs-Erbsubstanz im Blut um mindestens 75 Prozent, bei fünf von ihnen auf null. Das ist ein harter, objektiver Beleg dafür, dass der Wirkstoff im Körper tut, was er soll.

Viertens das Urteil der Profis: Zum Datenstand 25. Juli 2026 lagen acht Analystenstimmen vor — fünfmal „Strong Buy“, dreimal „Buy“, kein einziges Halten oder Verkaufen. Das mittlere Kursziel lag bei 22,80 US-Dollar. Wer daraus Sicherheit ableitet, sollte wissen: Genau diese Einmütigkeit ist bei Medikamenten-Aktien der Normalfall, weil ein Analyst hier keine Gewinne bewertet, sondern Wahrscheinlichkeiten schätzt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die Daten kamen am Montag — die Kapitalerhöhung auch

Am 13. Juli 2026 veröffentlichte Erasca aktualisierte Phase-1-Daten. Noch am selben Tag unterschrieb die Firma den Übernahmevertrag mit vier Investmentbanken über eine Kapitalerhöhung. Das ist kein Zufall und kein Skandal — es ist das Geschäftsmodell.

„On July 13, 2026, Erasca, Inc. (the “Company”) entered into an underwriting agreement (the “Underwriting Agreement”) with J.P. Morgan Securities LLC, Morgan Stanley & Co. LLC, Jefferies LLC and Evercore Group L.L.C., as representatives of the several underwriters named therein (collectively, the “Underwriters”), relating to the issuance and sale of 31,428,572 shares (the “Shares”) of the Company’s common stock, par value $0.0001 per share (the “Common Stock”) at an offering price to the public of $17.50 per Share.“

Übersetzung: „Am 13. Juli 2026 hat Erasca, Inc. (die ‚Gesellschaft‘) einen Übernahmevertrag mit J.P. Morgan Securities LLC, Morgan Stanley & Co. LLC, Jefferies LLC und Evercore Group L.L.C. als Vertretern der darin genannten Konsortialbanken geschlossen, der die Ausgabe und den Verkauf von 31.428.572 Aktien der Stammaktien der Gesellschaft mit einem Nennwert von 0,0001 US-Dollar je Aktie zu einem öffentlichen Angebotspreis von 17,50 US-Dollar je Aktie betrifft.“

— Erasca, Inc., SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 14. Juli 2026, Item 8.01

Gelb markierte Textstelle aus der Erasca-Pflichtmitteilung 8-K vom 14. Juli 2026: Übernahmevertrag über 31.428.572 Aktien zu 17,50 US-Dollar, Übernahmepreis 16,45 US-Dollar je Aktie, Mehrzuteilungsoption über 4.714.285 Aktien, erwarteter Nettoerlös rund 516,0 Millionen US-Dollar, Abschluss am 15. Juli 2026.
Ein Absatz, vier Zahlen: 31.428.572 Aktien, 17,50 US-Dollar Ausgabepreis, 16,45 US-Dollar Übernahmepreis der Banken, rund 516,0 Millionen US-Dollar Nettoerlös. Quelle: SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 14. Juli 2026, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rechnen wir das durch. Brutto kamen 550,0 Millionen US-Dollar herein. Die Banken behielten 1,05 US-Dollar je Aktie — zusammen 33,0 Millionen US-Dollar Provision. Nach Abzug aller Kosten erwartete die Firma rund 516,0 Millionen US-Dollar, mit voller Ausübung der Mehrzuteilungsoption über weitere 4.714.285 Aktien rund 593,5 Millionen. Der Abschluss war für den 15. Juli 2026 vorgesehen.

Was in derselben Unterlage steht und selten zitiert wird, ist die Verwässerungsrechnung. Der greifbare Buchwert je Aktie lag zum 31. März 2026 bei 1,27 US-Dollar. Nach der Platzierung stieg er auf 2,66 US-Dollar. Wer die neuen Aktien zu 17,50 US-Dollar kaufte, zahlte also 14,84 US-Dollar je Aktie mehr, als an handfestem Vermögen dahintersteht — rund 85 Prozent des Kaufpreises. Das ist bei Forschungsfirmen normal und trotzdem eine Zahl, die man einmal gesehen haben sollte.

Ein Detail zur Einordnung des Zeitpunkts: Im Prospektnachtrag nennt Erasca den letzten festgestellten Kurs vor der Platzierung mit 17,90 US-Dollar am 13. Juli 2026. Ein Jahr zuvor, am 30. Juni 2025, bezifferte der Geschäftsbericht den Marktwert aller nicht von Insidern gehaltenen Aktien auf 316,4 Millionen US-Dollar bei einem Kurs von 1,27 US-Dollar. Merksatz: Eine Forschungsfirma verkauft keine Medikamente, sie verkauft Aktien — und sie tut es dann, wenn der Preis am höchsten ist.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Aus 119 Millionen Aktien wurden 342 Millionen

Verwässerung ist das Wort, das jeder kennt und kaum jemand nachrechnet. Das Alltagsbild: Der Kuchen bleibt gleich gross, wird aber in immer mehr Stücke geschnitten. Dein Stück wird kleiner, ohne dass Du etwas getan hast.

Balkendiagramm der umlaufenden Erasca-Aktien: 119,1 Millionen zum 31.12.2021, 149,3 Millionen 2022, 151,1 Millionen 2023, 283,2 Millionen 2024, 284,2 Millionen 2025, 310,8 Millionen zum 31.03.2026 und rund 342,2 Millionen nach der Platzierung vom 15. Juli 2026.
Sieben Stichtage, eine Richtung: Die Zahl der Erasca-Aktien hat sich seit Ende 2021 fast verdreifacht. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q) sowie Prospektnachtrag 424B5 vom 13.07.2026. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Reihe im Klartext: 119,1 Millionen Aktien zum 31. Dezember 2021, 149,3 Millionen ein Jahr später, 151,1 Millionen Ende 2023 — und dann der Sprung auf 283,2 Millionen Ende 2024. Ende 2025 waren es 284,2 Millionen, zum 31. März 2026 bereits 310,8 Millionen, und nach der Juli-Platzierung rund 342,2 Millionen. Die Fundamentaldaten weisen zum Datenstand 25. Juli 2026 sogar 347,1 Millionen aus — das deckt sich mit einer vollständigen Ausübung der Mehrzuteilungsoption über 4.714.285 Aktien.

Der eigentliche Schmerz steckt aber nicht in der Zahl, sondern im Preis. Sieh Dir an, zu welchen Kursen Erasca die neuen Aktien ausgegeben hat:

Balkendiagramm der Ausgabepreise von Erasca-Aktien: 6,50 US-Dollar im Dezember 2022, 2,06 US-Dollar in der Privatplatzierung vom April 2024, 1,85 US-Dollar im Mai 2024, 10,00 US-Dollar im Januar 2026 und 17,50 US-Dollar im Juli 2026.
Im Dezember 2022 zahlten Anleger 6,50 US-Dollar je Aktie — anderthalb Jahre später gab dieselbe Firma 99,5 Millionen Aktien zu 1,85 US-Dollar aus. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 und Prospektnachtrag 424B5 vom 13.07.2026. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Im Dezember 2022 platzierte Erasca 15.384.616 Aktien zu 6,50 US-Dollar und nahm netto 94,9 Millionen ein. Im April 2024 folgte eine Privatplatzierung über 21.844.660 Aktien zu 2,06 US-Dollar (netto 43,6 Millionen), im Mai 2024 die grosse Runde: 99.459.458 Aktien zu 1,85 US-Dollar, netto 174,4 Millionen. Wer 2022 zu 6,50 US-Dollar eingestiegen war, sah anderthalb Jahre später zu, wie die Firma zwei Drittel mehr Aktien zu einem Bruchteil des eigenen Einstands ausgab. Im Januar 2026 kamen 25.875.000 Aktien zu 10,00 US-Dollar hinzu (netto 242,7 Millionen), im Juli 2026 die 31.428.572 Aktien zu 17,50 US-Dollar.

Und es ist noch nicht vorbei: Zum 31. März 2026 waren 78.234.040 weitere Aktien für Optionen, Zuteilungen und das Belegschaftsprogramm reserviert — rund ein Viertel des damaligen Bestands. Genehmigt sind insgesamt 800 Millionen Aktien. Der Kuchen kann also noch deutlich feiner geschnitten werden.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ein Anwaltsbrief zielt auf genau das eine Molekül

Am 27. April 2026 meldete Erasca die ersten Phase-1-Daten. Am selben Tag reichte die Firma eine zweite Pflichtmitteilung ein, die von einem Brief handelt, den sie drei Tage zuvor bekommen hatte.

„On April 24, 2026, we received a letter from legal counsel for Revolution Medicines, Inc. (RevMed). In the letter, RevMed alleged that (1) ERAS-0015 is “substantially equivalent” to certain compositions claimed in RevMed’s U.S. Patent No. 12,409,225 (the ‘225 Patent) and that ERAS-0015 infringes the ‘225 Patent under the doctrine of equivalents (…). RevMed demanded that, among other things, we immediately cease all making, using, offering for sale, selling, and importation of ERAS-0015 in the United States for any purpose not protected by the Hatch-Waxman safe harbor (…).“

Übersetzung: „Am 24. April 2026 erhielten wir ein Schreiben der Rechtsvertreter von Revolution Medicines, Inc. (RevMed). Darin behauptete RevMed, dass (1) ERAS-0015 ‚im Wesentlichen gleichwertig‘ zu bestimmten Zusammensetzungen sei, die im US-Patent Nr. 12.409.225 beansprucht werden, und dass ERAS-0015 dieses Patent nach der Äquivalenzlehre verletze (…). RevMed forderte unter anderem, dass wir Herstellung, Nutzung, Angebot, Verkauf und Einfuhr von ERAS-0015 in den Vereinigten Staaten unverzüglich einstellen, soweit sie nicht durch den Hatch-Waxman-Schutzbereich gedeckt sind (…).“

— Erasca, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Teil II Item 1A

Gelb markierte Textstelle aus dem Erasca-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026: Revolution Medicines wirft Erasca vor, ERAS-0015 verletze das US-Patent Nr. 12.409.225 nach der Äquivalenzlehre, ein Dritter habe Geschäftsgeheimnisse verwertet und Erasca habe Vergleichsdaten unzulässig dargestellt; gefordert wird die sofortige Einstellung von Herstellung und Verkauf in den USA.
Der vollständige Risikohinweis nennt drei Vorwürfe und die möglichen Folgen: gerichtliche Unterlassung, Schadenersatz, Zwangslizenz. Erasca hält die Vorwürfe für unbegründet. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der dritte Vorwurf ist der pikanteste: RevMed wirft Erasca vor, vorklinische Daten von ERAS-0015 und dem eigenen Wirkstoff RMC-6236 in öffentlichen Mitteilungen unzulässig verglichen zu haben. Und tatsächlich — in der Datenmeldung vom 27. April 2026 taucht RMC-6236 in den Fussnoten als „Comparator“ auf, gegen den Erasca die eigene Ansprechrate um 24 Prozentpunkte höher rechnete. In der aktualisierten Meldung vom 13. Juli 2026 fehlt dieser Vergleich.

Warum das mehr wiegt als ein üblicher Patentstreit: Erasca hat neben ERAS-0015 nur einen weiteren klinischen Wirkstoff. Ein gerichtliches Verbot träfe nicht ein Produkt von vielen, sondern das Herzstück. Die Firma schreibt selbst, mögliche Folgen wären „injunctive relief or monetary damages“ — Unterlassung oder Schadenersatz — und nennt als Ausweg unter anderem eine Lizenz. Zum Stand des Quartalsberichts vom 11. Mai 2026 lag allerdings keine Klage vor: „We are not currently a party to any material proceedings.“ Es ist eine Drohung, kein Verfahren. Aber eine, die man im Kalender haben sollte.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: 150 Millionen Dollar für ein Stück Landkarte

Der Quartalsverlust des ersten Quartals 2026 beträgt 183,4 Millionen US-Dollar — nach 31,0 Millionen im Vorjahresquartal. Das ist eine Versechsfachung, und sie hat nichts mit gestiegenen Forschungskosten zu tun. Die eigenen Forschungsaufwendungen stiegen nur von 26,0 auf 27,3 Millionen.

Der Grund steht in Note 7 des Berichts. Als Erasca 2024 den Wirkstoff ERAS-0015 vom chinesischen Lizenzgeber Joyo übernahm, galt die Lizenz weltweit — ausser für Festlandchina, Hongkong und Macau. Für diese drei Gebiete gab es eine Option mit einer eingebauten Uhr: 50,0 Millionen US-Dollar, wenn Erasca vor der ersten Verabreichung an einen Patienten in einer Phase-2-Studie zahlt, 150,0 Millionen, wenn danach. Und die auslösende Studie musste nicht einmal Erascas eigene sein.

Im März 2026 teilte Joyo mit, den ersten Patienten in einer Phase-2-Studie bereits dosiert zu haben. Erasca zog die Option — und zahlte den dreifachen Preis. 100 Millionen US-Dollar Unterschied hingen an einer Studie, die eine andere Firma durchführte.

„In March 2026, the Company sent Joyo notice that the Company was exercising its option to expand its territory under the Joyo License Agreement to include mainland China, Hong Kong, and Macau, and based upon feedback from Joyo that Joyo had dosed the first patient in a Phase 2 clinical trial, the Company made the corresponding $150.0 million payment (less applicable withholding amounts) to Joyo.“

Übersetzung: „Im März 2026 teilte die Gesellschaft Joyo mit, dass sie ihre Option zur Ausweitung des Vertragsgebiets auf Festlandchina, Hongkong und Macau ausübt; auf Grundlage der Mitteilung von Joyo, dass Joyo den ersten Patienten in einer klinischen Phase-2-Studie dosiert habe, leistete die Gesellschaft die entsprechende Zahlung von 150,0 Millionen US-Dollar (abzüglich anfallender Quellensteuern) an Joyo.“

— Erasca, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Note 7

Buchhalterisch landet der Betrag als In-process research and development — Forschungsaufwand aus Zukauf — sofort vollständig in der Gewinn- und Verlustrechnung. Er ist also kein Vermögenswert in der Bilanz, sondern ein Verlust. Deshalb sprang der Quartalsverlust je Aktie von 0,11 auf 0,60 US-Dollar. Und es bleiben Verpflichtungen offen: bis zu 57,5 Millionen US-Dollar an Entwicklungs- und Zulassungsmeilensteinen, bis zu 125,0 Millionen an Vertriebsmeilensteinen, dazu Lizenzgebühren im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich vom Umsatz. Aus der zweiten Lizenz mit Medshine kommen weitere 30,0 und 130,0 Millionen dazu. Zum 31. März 2026 war davon kein einziger Meilenstein zurückgestellt, weil keiner als wahrscheinlich galt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: In der Sicherheitstabelle steht ein Todesfall

Die Meldung vom 13. Juli 2026 betont, der Wirkstoff sei „generally well-tolerated“ — insgesamt gut verträglich. Das stimmt, und es steht in derselben Unterlage wie das Gegenteil. Von 72 behandelten Patienten bekamen 72 Prozent Hautausschlag (51 Prozent davon leicht), 32 Prozent Durchfall, 19 Prozent Schleimhautentzündungen im Mund. Bei 13 Prozent musste die Dosis unterbrochen, bei 8 Prozent gesenkt werden. Kein einziger Patient brach die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab. Das ist für ein Krebsmedikament ein gutes Bild.

In der Fussnote derselben Tabelle steht dieser Satz:

„One Grade 3 TRAE of pneumonitis progressed to Grade 5 after withdrawal of supportive care per patient decision.“

Übersetzung: „Eine behandlungsbedingte Nebenwirkung vom Grad 3, eine Lungenentzündung, verschlechterte sich zu Grad 5, nachdem die unterstützende Behandlung auf Wunsch des Patienten beendet worden war.“

— Erasca, Inc., SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 13. Juli 2026, Item 8.01

Grad 5 bedeutet in der Sprache der Onkologie: Der Patient ist an dieser Nebenwirkung gestorben. Die Firma schildert den Fall vollständig — ein 66-jähriger Mann mit stark vorbehandeltem Bauchspeicheldrüsenkrebs und Lungenmetastasen, 24 Milligramm Dosis, sofortiger Abbruch des Wirkstoffs, hochdosierte Kortison-Behandlung; der Patient entschied sich gegen die Fortsetzung der unterstützenden Behandlung. Das ist keine verschwiegene Information, im Gegenteil: Die Offenlegung ist vorbildlich. Aber sie gehört neben die 57 Prozent — denn beides steht in derselben Meldung, und nur eines davon war in den Schlagzeilen.

Was die Firma wert ist — und was drinsteckt

Bei einer Firma ohne Umsatz und ohne Gewinn gibt es weder ein Kurs-Gewinn- noch ein Kurs-Umsatz-Verhältnis. Man kann nur zwei Grössen nebeneinanderlegen.

Auf der einen Seite der Börsenwert: rund 6,6 Milliarden US-Dollar (Datenstand 25. Juli 2026, bei rund 347,1 Millionen Aktien). Zur Plausibilitätsprobe: Der letzte im Prospektnachtrag dokumentierte Kurs von 17,90 US-Dollar am 13. Juli 2026 ergibt mit den dann rund 342,2 Millionen Aktien etwa 6,1 Milliarden — dieselbe Grössenordnung.

Auf der anderen Seite das handfeste Vermögen: Der greifbare Buchwert lag nach der Platzierung bei rund 909,5 Millionen US-Dollar (auf Basis der Bilanz zum 31. März 2026, fortgeschrieben um den Nettoerlös). Die Börse bewertet Erasca also mit rund dem Siebenfachen des Geldes im Haus. Alles darüber ist eine Wette auf ein Medikament, das die Zulassung noch nicht einmal beantragt hat.

Zum Einordnen des Zeitplans: Erasca will die erste möglicherweise zulassungsrelevante Studie bei Lungenkrebs im ersten Halbjahr 2027 starten, die Phase-3-Studie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs in der Erstlinie 2027 und die Phase-3-Studie bei RAS-mutiertem Lungenkrebs im zweiten Halbjahr 2027 oder ersten Halbjahr 2028. Bis dahin fliesst kein Umsatz — es fliesst nur Geld ab.

Gelb markierte Textstelle aus dem Erasca-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026: Die Mittel sollen nach eigener Planung bis in die zweite Hälfte des Jahres 2028 reichen; Umsätze aus Produktverkäufen erwartet die Firma erst nach erfolgreicher Entwicklung und Zulassung, was Jahre dauern und nie eintreten kann.
Die eigene Reichweiten-Aussage — und im Absatz darüber der Quartalsverlust von 183,4 Millionen US-Dollar sowie der aufgelaufene Bilanzverlust von 1,1 Milliarden. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Reichweiten-Aussage der Firma bezieht sich auf die Mittel zum 31. März 2026 und lautet: „will be sufficient to fund our operations into the second half of 2028“ — bis in die zweite Hälfte des Jahres 2028. Die 516,0 Millionen US-Dollar aus der Juli-Platzierung sind darin noch nicht enthalten. Rechnet man mit dem Quartalsverbrauch von 27,4 Millionen US-Dollar, reicht das eingesammelte Geld rechnerisch weit über 2028 hinaus. Nur wird der Verbrauch steigen, sobald drei Phase-3-Studien gleichzeitig laufen — Zulassungsstudien kosten ein Vielfaches der Dosisfindung. Genau deshalb wurde das Geld jetzt geholt. Wie eine solche Rechnung aussieht, wenn alles an einem einzigen Studienergebnis hängt, haben wir in der Analyse zu Abivax aufgeschrieben.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was dafür spricht:

  • Der Wirkstoff wirkt messbar: Bei allen 14 untersuchten Patienten sank die Krebs-Erbsubstanz im Blut um mindestens 75 Prozent, bei fünf auf null (Meldung vom 27.04.2026).
  • Die Ansprechraten der Dosisfindung liegen hoch: 62 Prozent bei 37 Lungenkrebs-Patienten in der Zweitlinie, 57 Prozent bei sieben Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs an der empfohlenen Dosis (Datenschnitte 04.04. und 25.05.2026).
  • Die Verträglichkeit ist für ein Krebsmedikament günstig: keine dosislimitierenden Toxizitäten, kein einziger Behandlungsabbruch wegen Nebenwirkungen bei 72 Patienten.
  • Die Kasse ist voll und schuldenfrei: 408,5 Millionen US-Dollar zum 31.03.2026 plus rund 516,0 Millionen aus der Juli-Platzierung, Eigenkapitalquote 82,1 Prozent, keine zinstragenden Verbindlichkeiten.
  • Der Geldverbrauch ist diszipliniert: 27,4 Millionen US-Dollar operativer Abfluss im ersten Quartal 2026, Forschungs- und Verwaltungsaufwand 2025 unter dem Vorjahr.
  • Das eingestellte naporafenib-Programm zeigt, dass die Firma bereit ist, Vorhaben zu beenden, statt Geld hinterherzuwerfen.

Was dagegen steht:

  • Seit der Gründung 2018 wurde kein Dollar Umsatz erzielt; der aufgelaufene Bilanzverlust liegt bei 1,1 Milliarden US-Dollar (31.03.2026), ein zugelassenes Produkt gibt es nicht.
  • Die Aktienzahl hat sich von 119,1 Millionen (31.12.2021) auf rund 342,2 Millionen (nach dem 15.07.2026) fast verdreifacht; weitere 78,2 Millionen Aktien waren zum 31.03.2026 reserviert.
  • Ein Wettbewerber fordert per Anwaltsschreiben vom 24.04.2026 die sofortige Einstellung von Herstellung und Verkauf des wichtigsten Wirkstoffs in den USA.
  • Beide klinischen Wirkstoffe sind zugekauft; offen stehen Meilensteine von bis zu 57,5 plus 125,0 Millionen US-Dollar (Joyo) und 30,0 plus 130,0 Millionen (Medshine).
  • Die Datenbasis ist klein: Die viel zitierten 57 Prozent stammen von sieben Patienten, und es handelt sich um bestätigte und unbestätigte Ansprechraten.
  • Ein Patient starb an einer behandlungsbedingten Lungenentzündung (Grad 5), nachdem er die unterstützende Behandlung auf eigenen Wunsch beendet hatte.
  • Rund 6,6 Milliarden US-Dollar Börsenwert stehen etwa 909,5 Millionen greifbarem Buchwert gegenüber; acht von acht Analystenstimmen sind bereits positiv.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Prozent-ohne-N-Falle vom Anfang. Sieben Patienten sind sieben Menschen, und für jeden Einzelnen von ihnen bedeutet ein Ansprechen mehr, als eine Tabelle je zeigen kann. Erasca macht etwas, das Respekt verdient: Die Firma greift den schwierigsten Schaltkreis der Krebsmedizin an, legt ihre Daten vollständig offen — inklusive des Todesfalls — und geht mit dem Geld ihrer Anleger sparsamer um als die meisten Wettbewerber.

Nur ist eine Ansprechrate keine Bewertung. Zwischen dem, was heute an Daten vorliegt, und einem Medikament, für das eine Krankenkasse Geld überweist, liegen drei Phase-3-Studien, mindestens zwei Jahre und eine ungeklärte Patentfrage, die genau dieses eine Molekül betrifft. Und dazwischen liegt etwas, das man vorher wissen sollte: Jede gute Nachricht wird bei dieser Firma binnen Stunden in neue Aktien umgesetzt. Am 13. Juli 2026 lagen zwischen der Studienmeldung und dem Übernahmevertrag nicht einmal ein Werktag.

Beides steht in denselben Unterlagen, unterschrieben von denselben Vorständen. Ob für Dich die 57 Prozent schwerer wiegen oder die 550 Millionen, hängt davon ab, ob Du auf 2028 schaust oder auf das nächste Quartal. Was Du daraus machst, ist Deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Journalistische Einordnung, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien können ihren gesamten Wert verlieren; ein Totalverlust ist möglich. Alle Zahlen stammen aus den oben verlinkten Originaldokumenten und tragen den dort genannten Stichtag. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Erasca, Inc.

Unser Fazit auf einen Blick

Wirkstoff & Studienlage positiv
Die Dosisfindung lieferte objektive Signale: Bei allen 14 untersuchten Patienten sank die Krebs-Erbsubstanz im Blut um mindestens 75 Prozent, bei fünf auf null (Meldung vom 27.04.2026). Die Ansprechraten lagen bei 62 Prozent von 37 Lungenkrebs-Patienten in der Zweitlinie und 57 Prozent von sieben Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs an der empfohlenen Dosis (Datenschnitte 04.04. und 25.05.2026).
Bilanz & Kassenlage positiv
Zum 31.03.2026 lagen 408,5 Millionen US-Dollar an Kasse und Wertpapieren im Haus, ohne eine einzige zinstragende Verbindlichkeit; die Eigenkapitalquote betrug 82,1 Prozent. Aus der Platzierung vom Juli 2026 kamen rund 516,0 Millionen hinzu. Der operative Geldabfluss lag im ersten Quartal 2026 bei nur 27,4 Millionen.
Ertragskraft negativ
Seit der Gründung 2018 wurde kein Dollar Umsatz erzielt; der aufgelaufene Bilanzverlust lag zum 31.03.2026 bei 1,1 Milliarden US-Dollar. Die erste möglicherweise zulassungsrelevante Studie soll erst im ersten Halbjahr 2027 beginnen, die Phase-3-Studien 2027 und 2028 — Produktumsatz ist vor Ende des Jahrzehnts nicht zu erwarten.
Verwässerung negativ
Die Aktienzahl stieg von 119,1 Millionen (31.12.2021) über 310,8 Millionen (31.03.2026) auf rund 342,2 Millionen nach der Platzierung vom 13.07.2026. Zum 31.03.2026 waren weitere 78,2 Millionen Aktien reserviert und ein Verkaufsprogramm über 200,0 Millionen US-Dollar unangetastet — bei 800 Millionen genehmigten Aktien.
Rechtslage am Hauptwirkstoff negativ
Revolution Medicines forderte am 24.04.2026 per Anwaltsschreiben die sofortige Einstellung von Herstellung, Nutzung und Verkauf von ERAS-0015 in den USA und stützt sich dabei auf das US-Patent Nr. 12.409.225 sowie auf angeblich verwertete Geschäftsgeheimnisse. Erasca hält die Vorwürfe für unbegründet; zum 11.05.2026 war keine Klage anhängig.
Bewertung neutral
Rund 6,6 Milliarden US-Dollar Börsenwert (19,11 US-Dollar am 24.07.2026) stehen einem greifbaren Buchwert von etwa 909,5 Millionen nach der Platzierung gegenüber — das Siebenfache. Kurs-Gewinn- und Kurs-Umsatz-Verhältnis existieren mangels Gewinn und Umsatz nicht. Acht von acht Analystenstimmen waren zum 25.07.2026 positiv, mittleres Kursziel 22,80 US-Dollar.

Erasca entwickelt Krebsmedikamente, die den RAS/MAPK-Signalweg abschalten sollen, und hat dafür seit 2018 rund 1,3 Milliarden US-Dollar eingesammelt — ohne je einen Dollar Umsatz zu erzielen. Die Phase-1-Daten des Hauptwirkstoffs ERAS-0015 sind vielversprechend: 62 Prozent Ansprechrate bei 37 Lungenkrebs-Patienten in der Zweitlinie, 57 Prozent bei sieben Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs an der empfohlenen Dosis. Am Tag der jüngsten Datenmeldung, dem 13. Juli 2026, unterschrieb die Firma den Vertrag über 31.428.572 neue Aktien zu 17,50 US-Dollar — brutto 550,0 Millionen. Die Aktienzahl hat sich damit seit Ende 2021 fast verdreifacht. Dazu kommen ein Anwaltsschreiben von Revolution Medicines gegen genau diesen Wirkstoff, eine Einmalzahlung von 150,0 Millionen US-Dollar an den Lizenzgeber Joyo und ein Quartalsverlust von 183,4 Millionen. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Die Bilanz ist für ein forschendes Unternehmen ungewöhnlich solide: 408,5 Millionen US-Dollar an Kasse und Wertpapieren zum 31.03.2026, keine einzige zinstragende Verbindlichkeit, eine Eigenkapitalquote von 82,1 Prozent — dazu rund 516,0 Millionen aus der Platzierung vom Juli 2026. Schon vor dieser Platzierung reichten die Mittel nach eigener Planung bis in die zweite Jahreshälfte 2028, ein Hinweis auf eine gefährdete Unternehmensfortführung steht in keinem Bericht, und bei einem operativen Geldabfluss von 27,4 Millionen je Quartal ist die Substanz damit nicht in Frage gestellt. Was fehlt, ist der Beweis, dass daraus je ein Geschäft wird: Seit der Gründung 2018 wurde kein Dollar Umsatz erzielt, der aufgelaufene Bilanzverlust liegt bei 1,1 Milliarden US-Dollar, und alles hängt an einem einzigen Wirkstoff, dessen erste möglicherweise zulassungsrelevante Studie erst im ersten Halbjahr 2027 beginnen soll. Die Phase-1-Zahlen — 62 Prozent Ansprechen bei 37 Lungenkrebs-Patienten, 57 Prozent bei sieben Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs — sind ein Signal, kein Nachweis, und mit dem Anwaltsschreiben von Revolution Medicines vom 24.04.2026 steht auch die Rechtslage an genau diesem Wirkstoff offen, ohne dass bisher eine Klage anhängig wäre. Dass die Aktienzahl seit Ende 2021 von 119,1 Millionen auf rund 342,2 Millionen gestiegen ist, ist der Preis dafür, Forschung ohne Umsatz zu finanzieren. Volle Kasse, aber die Kernfrage des Geschäfts ist offen — deshalb Gelb.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam ERAS als Platz 2 von 28 US-Treffern im hauseigenen Moglen-Wochen-Ranking (Stand 25. Juli 2026, Relative-Stärke-Rating 99) — Teil unserer Serie, die die Top 50 dieses Rankings mit Analysen füllt. Die Scanner-Listen werden täglich neu berechnet.
  • Was der Scanner misst: mindestens 15 Prozent Kursplus über vier Handelstage, mindestens 10 Millionen US-Dollar durchschnittlichen Tagesumsatz und ein Relative-Stärke-Rating ab 70. Das sind reine Kurskriterien und keine Aussage über die Qualität des Unternehmens.
  • Kennzahlen-Falle: Piotroski-F-Score und Altman-Z-Score sind bei einer Firma ohne Umsatz und ohne Schulden kaum aussagekräftig — der eine wird nach unten gedrückt (3 von 9), weil vier seiner Kriterien Gewinn oder Umsatzrendite voraussetzen, der andere nach oben verzerrt (52,6), weil keine Verbindlichkeiten gegenzurechnen sind.
  • Aktualitäts-Hinweis: Der jüngste Quartalsbericht (10-Q) datiert vom 11. Mai 2026. Danach eingereichte Unterlagen sind ausgewertet — die Pflichtmitteilung 8-K vom 1. Juli 2026 (Item 5.07, Hauptversammlung), die Regalregistrierung S-3ASR vom 13. Juli 2026, die Prospektnachträge 424B5 vom 13. und 14. Juli 2026 sowie die Pflichtmitteilungen 8-K vom 13. und 14. Juli 2026. Die Platzierung über 550,0 Millionen US-Dollar verändert das Bild und ist in dieser Analyse durchgängig berücksichtigt. Es liegt keine Übernahme, kein Zusammenschluss und kein Rückzug von der Börse vor.
  • Zahlen-Falle: Die vielzitierten Ansprechraten sind „uORR“ — sie zählen bestätigte und unbestätigte Ansprechen zusammen. Ein unbestätigtes Ansprechen kann sich bei der nächsten Kontrolle auflösen. Die Firma weist selbst darauf hin, dass vorläufige Ergebnisse sich mit mehr Patienten und längerer Nachbeobachtung wesentlich ändern können.

Häufige Fragen

Erasca entwickelt Krebsmedikamente, die den RAS/MAPK-Signalweg abschalten — jenen Schaltkreis in der Zelle, der bei vielen Tumoren dauerhaft auf „Teilen“ klemmt. In der klinischen Prüfung sind der pan-RAS-Wirkstoff ERAS-0015 und der pan-KRAS-Hemmer ERAS-4001, dazu kommt das Antikörper-Vorhaben ERAS-12 im Entdeckungsstadium. Ein zugelassenes Produkt gibt es nicht.

Weder noch. Der Quartalsbericht zum 31. März 2026 hält fest: „We do not have any products approved for sale and have not generated any revenue.“ Der Verlust des ersten Quartals 2026 betrug 183,4 Millionen US-Dollar, der Jahresverlust 2025 lag bei 124,5 Millionen. Aufgelaufen sind seit der Gründung 2018 rund 1,1 Milliarden US-Dollar Verlust.

Weil das Ranking Kursbewegung misst: mindestens 15 Prozent Plus über vier Handelstage, mindestens 10 Millionen US-Dollar Tagesumsatz und ein Relative-Stärke-Rating ab 70. Erasca lag zum 25. Juli 2026 bei einem Rating von 99 und rund 103 Millionen US-Dollar durchschnittlichem Handelsvolumen — Platz 2 von 28 US-Treffern. Über die Qualität des Unternehmens sagt der Scanner nichts.

Die Firma schreibt im Quartalsbericht, die Mittel zum 31. März 2026 in Höhe von 408,5 Millionen US-Dollar sollten nach eigener Planung bis in die zweite Hälfte des Jahres 2028 reichen. Darin sind die rund 516,0 Millionen US-Dollar aus der Platzierung vom Juli 2026 noch nicht enthalten. Der operative Geldabfluss lag im ersten Quartal 2026 bei 27,4 Millionen.

Erasca gab am 13. Juli 2026 insgesamt 31.428.572 neue Aktien zu 17,50 US-Dollar aus, brutto 550,0 Millionen US-Dollar. Die Aktienzahl stieg damit von 310.806.888 auf rund 342,2 Millionen — jeder Altaktionär hält danach rund neun Prozent weniger Anteil am Unternehmen. Der greifbare Buchwert je Aktie stieg im Gegenzug von 1,27 auf 2,66 US-Dollar.

Revolution Medicines forderte Erasca am 24. April 2026 per Anwaltsschreiben auf, Herstellung und Verkauf von ERAS-0015 in den USA sofort einzustellen. Der Vorwurf: Der Wirkstoff verletze das US-Patent Nr. 12.409.225 nach der Äquivalenzlehre, ein Dritter habe Geschäftsgeheimnisse verwertet, und Erasca habe Vergleichsdaten unzulässig dargestellt. Erasca hält die Vorwürfe für unbegründet; eine Klage war zum 11. Mai 2026 nicht anhängig.

Sie beruhen auf sieben Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs an der empfohlenen Dosis von 32 Milligramm, Datenschnitt 25. Mai 2026, und umfassen bestätigte wie unbestätigte Ansprechraten. Bei Lungenkrebs war die Basis breiter: 62 Prozent bei 37 Patienten, Datenschnitt 4. April 2026. Vorläufige Phase-1-Ergebnisse können sich mit mehr Patienten und längerer Nachbeobachtung deutlich verändern.

Nein, beide klinischen Wirkstoffe sind lizenziert: ERAS-0015 seit Mai 2024 von Guangzhou Joyo Pharmatech, ERAS-4001 von Medshine Discovery. Für die Ausweitung des Joyo-Vertragsgebiets auf China, Hongkong und Macau zahlte Erasca im März 2026 einmalig 150,0 Millionen US-Dollar. Offen stehen weitere Meilensteine von bis zu 57,5 und 125,0 Millionen US-Dollar sowie Lizenzgebühren vom künftigen Umsatz.

Fehler gefunden?

Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.

Deine Angaben werden nur zur Prüfung Deiner Meldung verwendet und nicht weitergegeben.

Das könnte Sie interessieren

War diese Seite hilfreich für Dich?