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Edenor: 239 Milliarden Pesos Gewinn — und die Inflationsbuchung im selben Abschluss ist noch größer

Edenor: 239 Milliarden Pesos Gewinn — und die Inflationsbuchung im selben Abschluss ist noch größer

Auf dem Papier ist Edenor ein Schnäppchen: Argentiniens größter Stromverteiler versorgt 3,4 Millionen Kunden im Großraum Buenos Aires, hält eine Konzession bis 2087 und kommt auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 5,5. Im Jahresbericht an die US-Börsenaufsicht SEC steht allerdings, woraus dieser Gewinn besteht: 239.236 Millionen Pesos Jahresergebnis 2025 — bei einer reinen Inflationsbuchung von 307.317 Millionen Pesos und einem einmaligen Schuldenerlass von 218.114 Millionen im selben Abschluss. Das Betriebsergebnis aus dem eigentlichen Netzgeschäft betrug 143.139 Millionen. Dazu kommen drei Dinge, die man in Argentinien nie vergessen darf: Der Strompreis ist eine politische Entscheidung, die Einnahmen kommen in Pesos und die Anleihen lauten auf Dollar. Der Londoner Fonds Helikon Investments hält 6,02 Prozent der Hinterlegungsscheine und hat die Position binnen zwei Quartalen um 16,8 Prozent verkleinert. Keine Anlageberatung — nur die Frage, wer diesen Gewinn eigentlich überwiesen hat.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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Edenor: 239 Milliarden Pesos Gewinn — und die Inflationsbuchung im selben Abschluss ist noch größer
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahres- und Zwischenberichte, 20-F/6-K)

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Stell dir vor, ein Bekannter will dir sein Wirtshaus verkaufen und legt die Zahlen auf den Tisch: 100.000 Euro Gewinn im letzten Jahr. Klingt gut. Beim zweiten Hinsehen stellst du fest, dass 60.000 davon entstanden sind, weil der Verpächter auf alte Mietschulden verzichtet hat, und weitere 70.000, weil ein alter Kredit durch die Inflation real leichter geworden ist. Aus dem Verkauf von Schnitzeln blieben 30.000. Würdest du das Wirtshaus immer noch mit dem Zehnfachen von 100.000 bewerten? Der Denkfehler dahinter ist so selbstverständlich, dass er kaum auffällt: Wir nehmen automatisch an, dass hinter jedem Euro Gewinn ein Kunde steht, der ihn überwiesen hat. Nennen wir es die Falle des unsichtbaren Zahlers. Sie steht zwischen dir und Empresa Distribuidora y Comercializadora Norte S.A., kurz Edenor (NYSE: EDN), dem größten Stromverteiler Argentiniens. Die Aktie sieht spottbillig aus: ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 5,5, ein Kurs unter dem Buchwert, dazu 3,4 Millionen Kunden und eine Konzession, die bis 2087 läuft. Machen wir also einen Deal: Bevor du „günstiger Versorger“ denkst, schauen wir gemeinsam in das, was das Unternehmen selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Jahresbericht 20-F für 2025 vom 15. April 2026 und die Quartalsmitteilungen als 6-K. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt von einem Gewinn, den zum größten Teil niemand überwiesen hat, von einem Verkaufspreis, den eine Behörde festlegt, und von Pesos, die je nach Berichtsdatum verschieden viel wert sind. Am Ende entscheidest du selbst.

Was Edenor eigentlich macht — Strom verteilen, nicht erzeugen

Edenor produziert keinen Strom. Das Unternehmen kauft ihn im argentinischen Großhandelsmarkt ein und bringt ihn über Umspannwerke, Mittel- und Niederspannungsnetze bis in die Wohnung. Übersetzt in ein Alltagsbild: Edenor ist nicht die Molkerei, sondern der Milchmann — und der Milchpreis wird nicht von ihm bestimmt, sondern vom Staat. Das Geschäft steht auf einer Konzession vom 5. August 1992, entstanden aus der Privatisierung des Staatsbetriebs SEGBA. Sie gilt exklusiv für den Nordwesten des Großraums Buenos Aires und den Norden der Hauptstadt: 4.637 Quadratkilometer, rund neun Millionen Menschen, zum 31. März 2026 exakt 3.396.632 Kunden. Die Laufzeit beträgt 95 Jahre und endet am 31. August 2087, verlängerbar um zehn Jahre, wenn Edenor den Antrag mindestens 18 Monate vorher stellt.

Verdient wird an der Differenz zwischen Einkauf und Verkauf — genauer: an der Vertriebsmarge VAD (spanisch valor agregado de distribución, „Verteilungs-Mehrwert“). Das ist der Teil der Stromrechnung, der nicht an den Erzeuger geht, sondern beim Netzbetreiber bleibt und Betrieb, Instandhaltung, Abschreibungen und Rendite decken soll. Diese Marge setzt nicht Edenor fest, sondern die Regulierungsbehörde ENRE. Merke dir diesen einen Satz, er trägt die ganze Analyse: Bei einem regulierten Verteilnetz ist der Verkaufspreis keine unternehmerische Entscheidung, sondern eine politische.

Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt: Die Aktie ist nach jeder gängigen Kennzahl billig — aber sowohl der Gewinn, durch den man teilt, als auch das Eigenkapital, mit dem man vergleicht, sind Größen aus einer Hochinflations-Buchhaltung, und der Preis, aus dem der Gewinn entsteht, wird in Buenos Aires beschlossen, nicht in der Zentrale.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Nicht über einen Treffer in unserem hauseigenen Aktien-Scanner, sondern über zwei Pflichtformulare. Am 8. Mai 2026 reichte die Londoner Helikon Investments Ltd ihr 13F-HR zum Stichtag 31. März 2026 ein — jenes Formular, mit dem größere US-Vermögensverwalter ihre Bestände offenlegen müssen. Von 17 Positionen im Gesamtwert von 2.648.555.113 US-Dollar ist Edenor die zweitkleinste: 1.331.614 Hinterlegungsscheine (ADR) im Wert von 39.975.052 US-Dollar. Interessant ist nicht die Größe, sondern die Richtung. Über vier Quartale sieht die Position so aus: 1.788.285 Stück (30. Juni 2025) → 1.788.285 (30. September) → 1.601.316 (31. Dezember) → 1.331.614 (31. März 2026). Das sind minus 16,8 Prozent in einem Quartal und minus 25,5 Prozent seit dem Sommer. Im selben Quartal verkaufte der Fonds Pampa Energía komplett (50,0 Millionen US-Dollar) — ebenfalls ein argentinischer Energiewert. Wer Argentinien-Energie im Depot hatte, hat im ersten Quartal 2026 offenbar Gewicht herausgenommen.

Das zweite Formular ist die eigentliche Fundstelle. Einen Tag vor dem 13F, am 7. Mai 2026, meldete Helikon dieselbe Position als Schedule 13G/A — die Beteiligungsmeldung, die ab fünf Prozent einer Gattung Pflicht wird. Darin steht die Zahl, die im 13F fehlt: Die 1.331.614 ADR entsprechen 6,02 Prozent aller 22.110.519 ausstehenden Hinterlegungsscheine. Umgerechnet auf Aktien — ein ADR steht für 20 Class-B-Aktien — sind das 26.632.280 Stück und damit rund 2,9 Prozent des gesamten Grundkapitals von 906.455.100 Aktien. Klein im Konzern, groß in der Gattung: Der Streubesitz beträgt insgesamt nur 18,62 Prozent. Nebenbei zeigt dieselbe Meldung, wie solche Formulare entstehen: In der Beschreibung der Anmelderin steht als Emittentin nicht Edenor, sondern „Skeena Resources Ltd., a Vancouver corporation“ — ein anderer Wert aus demselben Depot, offenkundig aus der Vorlage stehen geblieben.

Markierte Gewinn- und Verlustrechnung aus dem Edenor-Jahresbericht 20-F 2025: Monetary gain (RECPAM) 307.317 Millionen Pesos, Income before taxes 291.332 Millionen, Income for the year 239.236 Millionen — die Inflationsbuchung ist größer als das Vorsteuerergebnis.
Die markierten Zeilen im Original: Die Inflationsbuchung RECPAM (307.317 Mio. Pesos) übertrifft das gesamte Vorsteuerergebnis (291.332 Mio.) — in allen drei gezeigten Jahren. Quelle: SEC-Jahresbericht 20-F für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Bevor daraus eine Kaufidee wird, gehört die Grenze des Formulars dazu: Ein 13F zeigt nur US-gelistete Long-Positionen, es erscheint mit 35 bis 45 Tagen Verzug, es enthält keine Leerverkäufe, keine Derivate außer gemeldeten Optionen und keine europäischen Bestände. Es ist ein Rückspiegel, kein Fahrplan. Und zur Ehrlichkeit gehört auch, was unsere eigenen Kennzahlen können und was nicht. Der Scanner führt für Edenor acht Quartale und zeigt (Datenstand 24. Juli 2026) einen Piotroski-F-Score von 5 von 9 — ein Neun-Punkte-Test für die Gesundheit der Bücher, bei dem 8 oder 9 „kerngesund“ heißt und 5 schlicht „mittelmäßig“ —, eine Eigenkapitalquote von 0,383 und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,55. Altman-Z, NCAV und Kassenbestand fehlen, und zwar nicht aus Nachlässigkeit: Die Bilanz ist in argentinischen Pesos aufgestellt, die Notierung läuft in US-Dollar. Wer beides in eine Formel wirft, bekommt eine Zahl, die niemandem hilft. Deshalb steht dort lieber nichts als etwas Falsches — und deshalb lesen wir jetzt die Originaldokumente.

Die Zahlen über die Jahre — und warum man sie nicht nebeneinanderlegen darf

Erst der Befund, der wirklich beeindruckt. Operativ war 2025 ein Wendejahr. Der Umsatz stieg um 11,3 Prozent auf 2.990.891 Millionen Pesos (2024: 2.687.708; 2023: 2.008.401). Das Betriebsergebnis drehte von einem Verlust von 343.145 Millionen (2023) über 55.346 Millionen (2024) auf 143.139 Millionen (2025). Die Verteilmarge legte auf 1.253.263 Millionen zu. Das erste Quartal 2026 setzte den Trend fort: EBITDA 190.579 Millionen Pesos, ein Plus von 127 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, bei einem Periodenergebnis von 117.854 Millionen (+147 Prozent). Auch die Netzqualität verbesserte sich deutlich: Die durchschnittliche Ausfalldauer je Kunde (SAIDI) fiel auf 6,1 Stunden im Jahr und die Zahl der Unterbrechungen (SAIFI) auf 2,9 — 78 beziehungsweise 67 Prozent besser als 2017 und die besten Werte seit damals. Die Ratingagenturen honorierten das: Am 25. März 2026 hob Fix SCR das langfristige Emittentenrating von „A“ auf „A+“, am 29. Juni 2026 hob S&P das nationale Emittentenrating von „raA+“ auf „raAA−“ und den Ausblick von positiv auf stabil.

Und jetzt der Haken, der jede dieser Reihen relativiert. Argentinien gilt seit dem 1. Juli 2018 als Hochinflationsland; nach dem internationalen Standard IAS 29 müssen alle Peso-Beträge auf die Kaufkraft des Stichtags hochgerechnet werden. Der Jahresbericht sagt das gleich auf den ersten Seiten:

„Argentina has been considered a high-inflation economy for accounting purposes according to the IAS 29 ‚Financial reporting in hyperinflationary economies‘ since July 1, 2018. Therefore, the financial information included in this annual report for all the periods reported are presented on the basis of constant Argentine Pesos as of December 31, 2025, unless expressed otherwise.“

Übersetzung: „Argentinien gilt für Zwecke der Rechnungslegung seit dem 1. Juli 2018 nach IAS 29 ‚Rechnungslegung in Hochinflationsländern‘ als Hochinflationswirtschaft. Deshalb werden die Finanzinformationen dieses Jahresberichts für alle berichteten Zeiträume auf Basis konstanter argentinischer Pesos zum 31. Dezember 2025 dargestellt, sofern nichts anderes angegeben ist.“

— Empresa Distribuidora y Comercializadora Norte S.A., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Einleitung „Presentation of Financial Information“

Was das praktisch bedeutet, sieht man am besten an einem Trick, den man selten anwendet: Man vergleicht denselben Bilanzstichtag in zwei verschiedenen Berichten. Zum 31. Dezember 2025 weist der Jahresbericht ein Eigenkapital von 2.222.906 Millionen Pesos und eine Bilanzsumme von 5.759.383 Millionen aus. Die Quartalsmitteilung vom Mai 2026 nennt für exakt denselben Tag 2.432.801 Millionen Eigenkapital und 6.303.198 Millionen Bilanzsumme. Nichts ist passiert — nur der Maßstab ist ein anderer, weil jetzt in Pesos vom 31. März 2026 gemessen wird. Das Verhältnis bleibt in beiden Fällen identisch: eine Eigenkapitalquote von 38,6 Prozent. Merke dir daraus die praktische Regel: In Argentinien sind Verhältnisse belastbar, absolute Peso-Beträge über mehrere Jahre nicht. Dasselbe Quartal zeigt es noch schärfer: Der Umsatz des ersten Quartals 2026 betrug in konstanten Pesos 846.710 Millionen — nach 846.740 Millionen im Vorjahresquartal. Also praktisch null Wachstum. In historischen, also nicht angepassten Pesos meldet dasselbe Unternehmen für denselben Zeitraum 819.959 gegenüber 618.399 Millionen — ein Plus von 33 Prozent. Beide Zahlen sind richtig. Sie sind nur in verschiedenen Pesos gemessen.

Wenn Geldgrößen wackeln, hilft die Menge. Kilowattstunden lassen sich nicht inflationsbereinigen:

Balkendiagramm für 2023 bis 2025 in GWh: eingekaufte Energie 27.676 / 26.826 / 27.256, verkaufte Energie 23.542 / 22.726 / 22.951, Netzverluste 4.134 / 4.100 / 4.305; gestrichelte Linie markiert die von der Konzession erstatteten rund 10 Prozent der Einkaufsmenge.
Drei Jahre ohne Mengenwachstum: Die verkaufte Energie liegt 2025 unter dem Wert von 2023, die Netzverluste steigen — und nur der gestrichelte Anteil wird über die Tarife erstattet. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahres- und Zwischenberichte, 20-F/6-K). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das Bild ist ernüchternd und ehrlich zugleich: 2025 wurden 22.951 GWh verkauft — weniger als die 23.542 GWh des Jahres 2023. Die Kundenzahl wuchs um gut ein Prozent, der Verbrauch je Kunde sank. Wer bei Edenor Wachstum sucht, findet es im Tarif, nicht im Zähler.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Gewinn 2025 stammt zum größten Teil nicht aus dem Netz

Das ist die Stelle, an der aus einem billigen Kurs-Gewinn-Verhältnis eine Frage wird. Zerlegen wir das Jahresergebnis 2025 in seine Bestandteile — alle Zahlen in Millionen Pesos, konstante Kaufkraft zum 31. Dezember 2025:

Wasserfalldiagramm des Edenor-Konzernergebnisses 2025 in Milliarden Pesos: Betriebsergebnis +143,1, Einmaleffekt Schuldenplan +218,1, Finanzergebnis −377,2, Inflationsbuchung RECPAM +307,3, Ergebnis vor Steuern 291,3, Steuern −52,1, Jahresergebnis 239,2.
Vier Bausteine, ein Gewinn: Ohne die Inflationsbuchung (+307,3 Mrd. Pesos) und den einmaligen Schuldenplan (+218,1 Mrd.) bliebe vom Vorsteuerergebnis nichts übrig. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Jahres- und Zwischenberichte, 20-F/6-K). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zwei Posten verdienen einen eigenen Namen. Der erste heißt RECPAM und ist im Abkürzungsverzeichnis des Jahresberichts als „Gewinn (Verlust) aus der Veränderung der Kaufkraft des Geldes“ definiert. Übersetzt in ein Alltagsbild: Wer 100.000 Euro Schulden hat und über Nacht wird alles doppelt so teuer, dem ist die Schuld real halb so schwer geworden — dieser Vorteil wird bei IAS 29 als Ertrag gebucht. Edenor hat mehr Geldschulden als Geldforderungen, also fällt dieser Posten positiv aus: 307.317 Millionen Pesos im Jahr 2025, nach 802.994 (2024) und 1.302.235 (2023). In allen drei Jahren war diese eine Zeile größer als das gesamte Vorsteuerergebnis.

Der zweite Posten heißt im Abschluss „Agreement on the Regularization of Obligations“ und ist ein einmaliger Ertrag von 218.114 Millionen Pesos aus der Umschuldung gegenüber CAMMESA — der Gesellschaft, die den argentinischen Stromgroßhandel verwaltet und damit Edenors größter Lieferant ist. Der Jahresbericht beziffert den Effekt und die verbleibende Schuld in einem Satz:

„The combined effect of the signed agreements amounts to Ps.218,114 million, which has been disclosed in the Agreement on the Regularization of Payment Obligations line item of the Statement of Comprehensive Income.“

Übersetzung: „Der kombinierte Effekt der unterzeichneten Vereinbarungen beläuft sich auf 218.114 Millionen Pesos und wurde in der Zeile ‚Vereinbarung über die Regularisierung von Zahlungsverpflichtungen‘ der Gesamtergebnisrechnung ausgewiesen.“

— Empresa Distribuidora y Comercializadora Norte S.A., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 3 „Risk Factors“ — commercial debt with CAMMESA

Gelb markierte Textstelle aus dem Edenor-Jahresbericht 20-F 2025: Der kombinierte Effekt der unterzeichneten Schuldenvereinbarungen beträgt 218.114 Millionen Pesos; die verbleibenden Zahlungspläne belaufen sich zum 31. Dezember 2025 auf 87.035, 120.041 und 180.777 Millionen Pesos.
Die markierte Stelle im Original: 218.114 Millionen Pesos Einmalertrag — und zum 31. Dezember 2025 immer noch 87.035 plus 120.041 plus 180.777 Millionen Pesos an Ratenschulden in den sonstigen Verbindlichkeiten. Quelle: SEC-Jahresbericht 20-F für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zur Fairness gehört: Das Unternehmen versteckt nichts. Es weist die Zeile getrennt aus, und die eigene Quartalsmitteilung rechnet den Effekt sogar vor — ohne den CAMMESA-Ertrag lag das EBITDA 2025 bei rund 354 Milliarden Pesos statt 572 Milliarden, ein Plus von 30 statt 110 Prozent. Aber die Schuld ist damit nicht verschwunden, sondern gestreckt: Aus der Vereinbarung vom 22. Mai 2025 über 129.970 Millionen Pesos wurden 72 Monatsraten mit zwölf Monaten tilgungsfreier Zeit; zum 14. April 2026 stand der fortgeschriebene Restbetrag laut Jahresbericht bei 240.755 Millionen Pesos. Merke dir den Mechanismus: Ein Schuldenplan verwandelt eine Verbindlichkeit in einen Buchgewinn — bezahlt wird sie trotzdem, nur später.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der Verkaufspreis ist eine politische Entscheidung

Ein Möbelhaus kann die Preise erhöhen, wenn das Holz teurer wird. Edenor kann das nicht. Wie brutal das werden kann, steht als Geschichtsstunde im Jahresbericht: Nach dem Notstandsgesetz von 2002 wurden alle Anpassungsklauseln gestrichen, und Edenor musste von Januar 2002 bis Januar 2007 — fünf Jahre — dieselbe Peso-Marge berechnen wie 2002, ohne jeden Inflations- oder Währungsausgleich. Der Bericht nennt die Folge nüchtern: erhebliche negative Auswirkungen auf Finanzlage, Ertragslage und Zahlungsströme, bis hin zu Nettoverlusten. Wer wissen will, warum eine Aktie mit Konzession bis 2087 zum Bruchteil des Buchwerts notiert, findet hier einen guten Teil der Antwort.

Seit April 2025 gilt eine neue Ordnung, und sie ist ein echter Fortschritt: Die ENRE genehmigte eine Fünfjahres-Tarifrevision für 2025 bis 2030 mit einer automatischen Monatsanpassung nach einer Formel aus Verbraucherpreisindex (33 Prozent) und Großhandelspreisindex (67 Prozent) — plus zusätzlich 0,42 Prozent je Monat zwischen Juni 2025 und November 2027. In der Praxis funktioniert das bisher: 2025 stiegen die Tarife um 37 Prozent bei 32 Prozent Verbraucherpreisinflation, im ersten Quartal 2026 um 9 Prozent bei 9 Prozent Inflation. Nur: Diese Ordnung ist nicht in Stein gemeißelt. Der Energienotstand, unter dem die Regulierungsbehörde ENRE seit 2023 unter staatlicher Intervention steht, wurde per Dekret bis zum 9. Juli 2026 verlängert — was danach gilt, steht in keinem der bis Ende Juni 2026 eingereichten Berichte. Und Edenor selbst hält den Rahmen für unvollständig: Das Unternehmen hat eine Forderung wegen der Tarif-Einfrierungen der Vergangenheit angemeldet, den sogenannten „Regulatory Asset“, dessen Höhe unabhängige Dritte berechnet haben und den das Energiesekretariat noch prüft; laut Quartalsmitteilung vom Mai 2026 hat die Regierung dem Kongress dazu einen Gesetzentwurf vorgelegt. Der Ausgang ist offen — und er kann in beide Richtungen dreistellige Milliardenbeträge in Pesos bewegen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Einnahmen in Pesos, Anleihen in Dollar — und kein Hedge

Diese Wahrheit ist die gefährlichste, weil sie so technisch klingt. Der Jahresbericht schreibt sie in einen einzigen Absatz:

„Our revenues are collected in Pesos pursuant to tariffs that are not indexed to the U.S. Dollar, while a significant portion of our existing financial indebtedness is denominated in U.S. Dollars, which exposes us to the risk of loss from devaluation of the Peso. […] The Argentine Government does not allow companies, including us, to access the market to acquire U.S. Dollars to hedge our financial position.“

Übersetzung: „Unsere Erlöse werden in Pesos vereinnahmt, auf Grundlage von Tarifen, die nicht an den US-Dollar gebunden sind, während ein erheblicher Teil unserer bestehenden Finanzverbindlichkeiten auf US-Dollar lautet. Das setzt uns dem Verlustrisiko aus einer Abwertung des Peso aus. […] Die argentinische Regierung erlaubt es Unternehmen, uns eingeschlossen, nicht, am Markt US-Dollar zu erwerben, um unsere Finanzposition abzusichern.“

— Empresa Distribuidora y Comercializadora Norte S.A., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 3 „Risk Factors“

Gelb markierte Textstelle aus dem Edenor-Jahresbericht 20-F 2025: Die Erlöse kommen in Pesos aus Tarifen, die nicht an den Dollar gebunden sind, während ein erheblicher Teil der Finanzschulden auf Dollar lautet; eine vollständige Absicherung des Währungsrisikos ist nicht möglich.
Die markierte Stelle im Original: Peso-Einnahmen gegen Dollar-Schulden, ohne die Möglichkeit, das Risiko vollständig abzusichern. Quelle: SEC-Jahresbericht 20-F für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Größenordnung: Zum 31. März 2026 lagen 832 Millionen US-Dollar Finanzschulden in den Büchern, netto 763 Millionen. Ende April 2026 platzierte Edenor eine neue Anleihe der Klasse 10 über 550 Millionen US-Dollar zu 9,5 Prozent Kupon mit Tilgung in drei Raten 2031, 2032 und 2033 — das Orderbuch der ersten Serie lag bei 1.151 Millionen Dollar, also mehr als dem Doppelten. Mit dem Erlös kaufte das Unternehmen 175 Millionen Dollar der teureren Klasse-7-Anleihe zurück; nach dieser Runde standen zum 30. April 2026 pro forma 1.017 Millionen US-Dollar an Anleihen aus. Der Kapitalmarkt traut Edenor also wieder. Aber der Peso wertete allein 2025 nominal um 41 Prozent gegenüber dem Dollar ab, bei 31,5 Prozent Inflation — der Umrechnungskurs zum 31. Dezember 2025 lag bei 1.455,00 Pesos je Dollar. Jede weitere Abwertung macht dieselbe Dollar-Schuld in Pesos schwerer, während die Einnahmen einer Formel folgen, die den Dollar nicht kennt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Jede sechste Kilowattstunde kommt nicht an — erstattet wird jede zehnte

2025 kaufte Edenor 27.256 GWh ein und verkaufte 22.951 GWh. Die Lücke von 4.305 GWh sind Netzverluste: 8,7 Prozentpunkte technisch, 7,0 Prozentpunkte nicht-technisch — Stromdiebstahl und illegale Anschlüsse. Zusammen 15,7 Prozent, nach 15,2 Prozent (2024) und 14,9 Prozent (2023). Und hier liegt der Konstruktionsfehler:

„Our concession does not allow us to pass through to our users the cost of additional energy purchased to cover any energy losses that exceed the loss factor contemplated by our concession, which is, on average, 10%. […] Our energy losses amounted to 4,305 GWh in 2025, showing a slight increase of 5% compared to 2024.“

Übersetzung: „Unsere Konzession erlaubt es uns nicht, den Kunden die Kosten des zusätzlich eingekauften Stroms weiterzureichen, soweit die Netzverluste den in der Konzession vorgesehenen Verlustfaktor von durchschnittlich 10 Prozent übersteigen. […] Unsere Netzverluste beliefen sich 2025 auf 4.305 GWh, ein leichter Anstieg um 5 Prozent gegenüber 2024.“

— Empresa Distribuidora y Comercializadora Norte S.A., SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 3 „Risk Factors“

Gelb markierte Textstelle aus dem Edenor-Jahresbericht 20-F 2025: Die Konzession erstattet Netzverluste nur bis zu einem Verlustfaktor von durchschnittlich 10 Prozent; die tatsächlichen Verluste lagen 2025 bei 4.305 GWh und werden kurzfristig nicht sinken.
Die markierte Stelle im Original: 10 Prozent erstattet die Konzession — und das Unternehmen erwartet ausdrücklich keinen kurzfristigen Rückgang der Verluste. Quelle: SEC-Jahresbericht 20-F für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rechne es einmal durch: Erstattet werden rund 2.726 GWh, verloren gehen 4.305 — bleiben rund 1.579 GWh, die Edenor bezahlt und nie in Rechnung stellen darf. Bei Energieeinkäufen von 1.737.628 Millionen Pesos für 27.256 GWh, also rund 63,8 Millionen Pesos je GWh, sind das etwa 100 Milliarden Pesos pro Jahr — gut zwei Drittel des gesamten Betriebsergebnisses. Zum Vergleich: Bei der Privatisierung 1992 lagen die Verluste bei 26,59 Prozent, bis zum Jahr 2000 hatte Edenor sie auf 10 Prozent gedrückt. Seither steigen sie wieder, und das Unternehmen begründet es offen mit Armut, wachsenden informellen Siedlungen und Betrug. Immerhin: Nach dem ersten Quartal 2026 sank die Quote auf Zwölfmonatssicht leicht auf 15,3 Prozent, und 2025 kamen 26.087 Zähler mit integrierter Messtechnik (MIDE) dazu, insgesamt sind nun 260.233 installiert.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Der Staat sitzt auf beiden Seiten des Tisches — ausgeschüttet wird nichts

Zum Schluss die Eigentümerfrage, und sie ist bemerkenswert. Die Kontrollmehrheit hält mit 462.292.111 Class-A-Aktien oder 51,0 Prozent die Empresa de Energía del Cono Sur S.A. („Edelcos“), die wiederum der britischen South American Energy LLP gehört und seit dem 30. Juni 2021 die Kontrolle ausübt. Zweitgrößter Aktionär ist mit 242.999.553 Aktien oder 26,81 Prozent der FGS ANSES — der Nachhaltigkeitsgarantiefonds der staatlichen argentinischen Sozialversicherung. Damit ist der Staat gleichzeitig Konzessionsgeber, Tarifbehörde, größter Lieferant über CAMMESA und zweitgrößter Anteilseigner. Der Jahresbericht hält ausdrücklich fest, dass Regierung und ANSES gemeinsam praktisch alle zustimmungspflichtigen Beschlüsse bestimmen könnten. Übrig bleiben für den Streubesitz 168.793.998 Aktien oder 18,62 Prozent; weitere 3,39 Prozent liegen als eigene Aktien im Bestand.

Und ausgezahlt wird davon nichts: Seit dem 14. August 2001 hat Edenor keine Dividende erklärt oder gezahlt. Der Bericht formuliert immerhin eine Absicht — man wolle „in umsichtiger Weise“ eine förmliche Dividendenpolitik prüfen, unter Berücksichtigung des Investitionsbedarfs und des Schuldendienstes. Die regulatorische Sperre ist seit Februar 2017 aufgehoben; es fehlt also nicht am Recht, sondern am Entschluss. Für dich als Kleinaktionär heißt das: Du wettest ausschließlich auf den Kurs, nicht auf eine Ausschüttung — und über den Kurs entscheidet zu einem guten Teil ein Tarifbescheid.

Bewertung: warum das KGV einstellig ist — und was das wirklich heißt

Für einen datierten Bewertungsanker brauchen wir keinen Tageskurs: Die eigene Quartalsmitteilung nennt zum 7. Mai 2026 einen Börsenwert von 1.603.374.329.751 Pesos beziehungsweise 1.070.959.478 US-Dollar bei einem Kurs von 1.831 Pesos je Aktie und 24,46 Dollar je ADR. Damit ergibt sich in Größenordnungen: ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 6,7 auf das Jahresergebnis 2025 (Ergebnis je Aktie 273,41 Pesos) — unser Scanner weist auf rollierender Basis 5,55 aus —, ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 0,7 (Eigenkapital 2.222.906 Millionen Pesos auf 875,7 Millionen Aktien außerhalb des Eigenbestands, also rund 2.538 Pesos je Aktie) und eine Marktkapitalisierung, die etwa dem 1,4-Fachen der Netto-Dollarschulden entspricht. Für einen Netzbetreiber mit Monopolgebiet und Laufzeit bis 2087 klingt das nach einem Fehler im Kurszettel.

Ist es aber nicht — es ist ein Preis für drei Dinge, die man mitkauft. Erstens für einen Gewinn, dessen größter Baustein die Inflationsbuchung ist: Fällt die Inflation weiter (2023: 211,4 Prozent, 2024: 117,8 Prozent, 2025: 31,5 Prozent), schrumpft die RECPAM-Zeile mechanisch, und das Kurs-Gewinn-Verhältnis steigt, ohne dass ein einziger Kunde weniger Strom bezogen hätte. Zweitens für ein Eigenkapital, dessen Peso-Betrag mit jedem Stichtag neu skaliert wird — der Buchwert je Aktie ist keine feste Größe, sondern eine Funktion des Preisindex. Drittens für ein Land, dessen Regierung die Tarife schon einmal fünf Jahre lang eingefroren hat. Wie stark eine Vertrags- und Regulierungsstruktur die Bewertung dominieren kann, haben wir zuletzt bei einem anderen Argentinien-Wert aus demselben Depot gesehen — der Analyse zu Corporación América Airports, wo ebenfalls IAS 29 die Ergebnisreihen unlesbar macht und ein Staat den Vertrag beenden darf. Weitere Fälle, in denen die Buchhaltung wichtiger ist als die Geschichte, sammeln wir in unseren Analysen.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Edenor spricht:

  • Ein echtes Monopol mit sehr langer Laufzeit: exklusive Konzession für 4.637 Quadratkilometer und rund neun Millionen Menschen bis zum 31. August 2087, verlängerbar um zehn Jahre; 3.396.632 Kunden zum 31. März 2026 (+1,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal).
  • Die Tarifordnung funktioniert erstmals seit Jahren: Fünfjahres-Revision seit April 2025 mit automatischer Monatsanpassung nach Preisindex-Formel plus 0,42 Prozent monatlich bis November 2027; Tarife 2025 +37 Prozent gegen 32 Prozent Inflation, erstes Quartal 2026 +9 Prozent gegen 9 Prozent.
  • Operative Wende: Betriebsergebnis von −343.145 (2023) auf +143.139 Millionen Pesos (2025); EBITDA im ersten Quartal 2026 +127 Prozent auf 190.579 Millionen; Betriebskosten −9 Prozent; Inkassoquote 95,68 Prozent.
  • Netzqualität auf dem besten Stand seit 2017: SAIDI 6,1 Stunden und SAIFI 2,9 Ausfälle je Kunde und Jahr, 78 beziehungsweise 67 Prozent besser als 2017 und unter den Vorgaben des Regulierers.
  • Der Kapitalmarkt ist zurück: 550 Millionen US-Dollar neue Anleihe im April 2026 bei mehr als doppelt überzeichnetem Orderbuch, Rückkauf von 175 Millionen Dollar teurerer Altschuld; Rating-Anhebungen durch Fix SCR (März 2026) und S&P National (Juni 2026 auf „raAA−“).

Was dagegen spricht:

  • Der Gewinn ist zum größten Teil Buchhaltung: 2025 standen einer Inflationsbuchung von 307.317 Millionen Pesos und einem Einmalertrag von 218.114 Millionen ein Betriebsergebnis von 143.139 Millionen und ein Finanzergebnis von −377.238 Millionen gegenüber. Ohne die Inflationszeile hätte vor Steuern ein Minus gestanden — in allen drei berichteten Jahren.
  • Die Jahresreihen sind nicht vergleichbar: Nach IAS 29 zeigt derselbe Stichtag 31. Dezember 2025 im Jahresbericht 2.222.906 und im Quartalsbericht 2.432.801 Millionen Pesos Eigenkapital. Wer Peso-Beträge über mehrere Jahre nebeneinanderlegt, vergleicht Einheiten, die nur denselben Namen tragen.
  • Der Preis ist Politik: Von Januar 2002 bis Januar 2007 galt dieselbe Peso-Marge ohne Inflationsausgleich; der Energienotstand mit staatlicher Intervention der Regulierungsbehörde ist per Dekret bis zum 9. Juli 2026 verlängert, und die Forderung wegen der alten Einfrierungen („Regulatory Asset“) ist unbeziffert und ungeklärt.
  • Peso-Einnahmen gegen Dollar-Schulden ohne vollständige Absicherung: 832 Millionen US-Dollar Finanzschulden zum 31. März 2026, während der Peso 2025 nominal um 41 Prozent abwertete; laut Jahresbericht ist der Zugang zum Devisenmarkt zu Absicherungszwecken nicht erlaubt.
  • Strukturelle Verlustlücke und keine Ausschüttung: 15,7 Prozent Netzverluste gegen rund 10 Prozent erstattete Menge kosten überschlägig 100 Milliarden Pesos im Jahr; eine Dividende gab es zuletzt am 14. August 2001, und der Streubesitz beträgt nur 18,62 Prozent.

Ein menschliches Fazit

Zurück zum Wirtshaus und zur Falle des unsichtbaren Zahlers. Ihr Kern ist nicht, dass argentinische Zahlen gefälscht wären — im Gegenteil, Edenor rechnet nach einem international anerkannten Standard, weist jeden Sonderposten in einer eigenen Zeile aus und benennt die eigenen Risiken deutlicher, als es manches deutsche Unternehmen tut. Ihr Kern ist, dass wir zu einem Gewinn nie den Absender mitlesen. 5,5 klingt nach Schnäppchen, aber hinter dem größten Teil dieses Nenners steht kein Kunde, sondern ein Preisindex und ein Gläubiger, der auf etwas verzichtet hat. Was bleibt, ist trotzdem ein reales Geschäft: ein Netz, das 22.951 GWh ausgeliefert und dabei erstmals seit Jahren wieder operativ verdient hat, mit besseren Ausfallzeiten als je zuvor und einem Tarifmechanismus, der bislang hält. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Ist die Aktie billig?“, sondern: Traust du dir zu, in fünf Jahren noch beurteilen zu können, wie viel von diesem Gewinn aus dem Netz kommt — und wie viel aus der Buchhaltung und aus einem Tarifbescheid? Wer darauf eine belegte Antwort hat, hat eine These. Wer keine hat, hat eine niedrige Zahl. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien von Edenor.

Unser Fazit auf einen Blick

Operatives Geschäft positiv
Nach Jahren im Minus verdient das Netz wieder: Das Betriebsergebnis drehte von −343.145 Millionen Pesos (2023) über 55.346 Millionen (2024) auf 143.139 Millionen (2025), das EBITDA im ersten Quartal 2026 stieg um 127 Prozent auf 190.579 Millionen. Die Netzqualität ist mit 6,1 Stunden Ausfall (SAIDI) und 2,9 Unterbrechungen (SAIFI) je Kunde und Jahr die beste seit 2017.
Qualität des Gewinns negativ
Das Jahresergebnis 2025 von 239.236 Millionen Pesos trägt zwei Posten, die kein Kunde bezahlt hat: die Inflationsbuchung RECPAM mit 307.317 Millionen und einen Einmalertrag aus dem CAMMESA-Schuldenplan mit 218.114 Millionen. In allen drei berichteten Jahren war die RECPAM-Zeile größer als das gesamte Vorsteuerergebnis — und sie schrumpft mit der Inflation, die von 211,4 auf 31,5 Prozent gefallen ist.
Aussagekraft der Zahlen negativ
Die Hochinflations-Rechnungslegung nach IAS 29 macht Peso-Reihen zwischen den Jahren unlesbar. Zum selben Stichtag 31. Dezember 2025 nennt der Jahresbericht 2.222.906 und der Quartalsbericht 2.432.801 Millionen Pesos Eigenkapital; der Umsatz des ersten Quartals 2026 liegt in konstanten Pesos bei 846.710 gegenüber 846.740 Millionen — und in historischen Pesos 33 Prozent höher als im Vorjahr.
Regulierung & Länderrisiko neutral
Die Fünfjahres-Tarifrevision seit April 2025 funktioniert bisher: automatische Monatsanpassung nach Preisindex-Formel plus 0,42 Prozent bis November 2027, Tarife 2025 +37 Prozent gegen 32 Prozent Inflation. Historisch war der Tarif jedoch von Januar 2002 bis Januar 2007 eingefroren, der Energienotstand ist per Dekret bis zum 9. Juli 2026 verlängert und die Forderung „Regulatory Asset“ ist unbeziffert und ungeklärt.
Bilanz & Währung neutral
Die Eigenkapitalquote liegt bei 38,6 Prozent, die Kasse stieg auf 207.180 Millionen Pesos, und der Kapitalmarkt ist zurück: 550 Millionen US-Dollar neue Anleihe im April 2026 bei mehr als doppelt überzeichnetem Buch, Rating-Anhebungen im März und Juni 2026. Dem stehen 832 Millionen US-Dollar Finanzschulden gegenüber, während die Erlöse in Pesos anfallen und laut Jahresbericht nicht vollständig abgesichert werden dürfen.
Eigentümer & Ausschüttung negativ
51,0 Prozent liegen bei Edelcos, weitere 26,81 Prozent beim staatlichen Sozialversicherungsfonds FGS ANSES — der Staat ist damit Konzessionsgeber, Tarifbehörde, größter Lieferant und zweitgrößter Aktionär zugleich. Der Streubesitz beträgt 18,62 Prozent. Eine Dividende gab es zuletzt am 14. August 2001; die Kontrollmehrheit muss vor jedem Ende einer Verwaltungsperiode international ausgeschrieben werden.

Edenor ist die Falle des unsichtbaren Zahlers in Reinform: Auf dem Kurszettel ein Monopolist mit Konzession bis 2087, 3,4 Millionen Kunden und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 5,5 — im Jahresbericht ein Ergebnis, dessen größter Baustein eine Inflationsbuchung von 307.317 Millionen Pesos ist, ergänzt um einen einmaligen Schuldenerlass von 218.114 Millionen. Das Netz selbst verdiente 143.139 Millionen. Operativ ist die Wende echt, die Netzqualität so gut wie nie und die Tarifordnung erstmals seit Jahren berechenbar; zugleich bleiben der Preis eine politische Größe, die Schulden in Dollar und die Verluste im Netz über der erstatteten Grenze. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Wenn Du die Aktie nicht hast
Die belegten Risiken überwiegen aus unserer Sicht deutlich — wir sehen keine Grundlage für einen Einstieg.
Wenn Du sie im Depot hast
Die Befunde sind aus unserer Sicht gewichtig genug, das eigene Engagement kritisch zu hinterfragen.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Kategorien bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Edenor über das 13F-HR der Londoner Helikon Investments Ltd zum Stichtag 31. März 2026 (eingereicht 8. Mai 2026): 1.331.614 Hinterlegungsscheine im Wert von 39.975.052 US-Dollar, zweitkleinste von 17 Positionen und binnen zweier Quartale um 25,5 Prozent verkleinert. Das Schedule 13G/A vom 7. Mai 2026 beziffert die Beteiligung auf 6,02 Prozent aller 22.110.519 ADR. Ein 13F zeigt nur US-gelistete Long-Positionen, erscheint mit 35 bis 45 Tagen Verzug und enthält keine Leerverkäufe oder Derivate — Rückspiegel, kein Fahrplan.
  • Edenor ist ein Foreign Private Issuer: Es gibt kein 10-K und kein 10-Q. Belegkette dieser Analyse sind der Jahresbericht 20-F für 2025 (eingereicht 15.04.2026) sowie die Mitteilungen als 6-K (Quartalszahlen Q1 2026 vom 08.05.2026, Jahres- und Quartalszahlen Q4 2025 vom 06.03.2026, Rating-Anhebung vom 29.06.2026). Unser hauseigener Aktien-Scanner führt acht Quartale mit einem Piotroski-F-Score von 5 von 9, einer Eigenkapitalquote von 0,383 und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 5,55; Altman-Z, NCAV und Kassenbestand fehlen bewusst, weil die Bilanz in Pesos und die Notierung in US-Dollar geführt wird.
  • Bewertungsangaben datiert und evergreen: Börsenwert und Kurs stammen aus der Quartalsmitteilung zum 7. Mai 2026 (1.603.374.329.751 Pesos bzw. 1.070.959.478 US-Dollar) und sind kein Tageskurs; Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument. Wegen der Hochinflations-Rechnungslegung nach IAS 29 sind Peso-Reihen zwischen den Jahren nur eingeschränkt vergleichbar — verkaufte Energie in GWh, Kundenzahl, Netzverlustquote und Verhältniszahlen wie die Eigenkapitalquote sind die belastbareren Größen.

Häufige Fragen

Empresa Distribuidora y Comercializadora Norte S.A. (NYSE: EDN) verteilt Strom — sie erzeugt ihn nicht. Auf Grundlage einer Konzession vom 5. August 1992 versorgt das Unternehmen exklusiv den Nordwesten des Großraums Buenos Aires und den Norden der Hauptstadt: 4.637 Quadratkilometer, rund neun Millionen Menschen und 3.396.632 Kunden zum 31. März 2026. Nach eigener Angabe ist es der größte Stromverteiler Argentiniens.

Weil der Gewinn zum größten Teil aus Buchungen besteht. 2025 wies Edenor ein Jahresergebnis von 239.236 Millionen Pesos aus — darin eine reine Inflationsbuchung (RECPAM) von 307.317 Millionen und ein einmaliger Ertrag aus dem CAMMESA-Schuldenplan von 218.114 Millionen. Das Betriebsergebnis betrug 143.139 Millionen, das Finanzergebnis −377.238 Millionen. Ohne die Inflationszeile hätte vor Steuern ein Minus gestanden.

Argentinien gilt seit dem 1. Juli 2018 als Hochinflationsland. Nach IAS 29 werden alle Peso-Beträge auf die Kaufkraft des jeweiligen Stichtags hochgerechnet. Deshalb zeigt derselbe Bilanzstichtag 31. Dezember 2025 im Jahresbericht ein Eigenkapital von 2.222.906 Millionen Pesos und im Quartalsbericht drei Monate später 2.432.801 Millionen. Verhältnisse wie die Eigenkapitalquote (38,6 Prozent) bleiben gleich, absolute Beträge nicht.

RECPAM ist der Gewinn oder Verlust aus der Veränderung der Kaufkraft des Geldes. Wer mehr Geldschulden als Geldforderungen hält, gewinnt in einer Hochinflation, weil die Schuld real leichter wird; dieser Vorteil wird nach IAS 29 als Ertrag gebucht. Bei Edenor betrug er 307.317 Millionen Pesos (2025), 802.994 Millionen (2024) und 1.302.235 Millionen (2023) — jedes Mal mehr als das gesamte Vorsteuerergebnis desselben Jahres.

Die Regulierungsbehörde ENRE. Sie bestimmt die Vertriebsmarge VAD, also den Teil der Rechnung, der beim Netzbetreiber bleibt. Seit April 2025 gilt eine Fünfjahres-Tarifrevision für 2025 bis 2030 mit automatischer Monatsanpassung nach einer Formel aus Verbraucherpreis- (33 Prozent) und Großhandelspreisindex (67 Prozent) plus 0,42 Prozent monatlich zwischen Juni 2025 und November 2027. Von Januar 2002 bis Januar 2007 waren die Tarife eingefroren.

Sie lagen 2025 bei 15,7 Prozent der eingekauften Menge oder 4.305 GWh — 8,7 Prozentpunkte technisch, 7,0 Prozentpunkte nicht-technisch, also überwiegend Diebstahl. 2024 waren es 15,2 Prozent, 2023 14,9 Prozent. Die Konzession erstattet die Kosten aber nur bis zu einem Verlustfaktor von durchschnittlich 10 Prozent. Auf Zwölfmonatssicht sank die Quote bis März 2026 leicht auf 15,3 Prozent.

Nein. Nach Angabe des Jahresberichts hat Edenor seit dem 14. August 2001 keine Dividende erklärt oder gezahlt. Die regulatorische Sperre dafür entfiel bereits im Februar 2017; das Unternehmen erklärt, es wolle eine förmliche Dividendenpolitik umsichtig prüfen und dabei Investitionsbedarf und Schuldendienst berücksichtigen. Eine Zusage oder ein Zeitplan steht nicht im Bericht.

Zum 31. Dezember 2025 hielt die Empresa de Energía del Cono Sur S.A. („Edelcos“) 462.292.111 Class-A-Aktien und damit 51,0 Prozent; Edelcos gehört der britischen South American Energy LLP. Zweitgrößter Aktionär ist mit 242.999.553 Aktien oder 26,81 Prozent der staatliche Sozialversicherungsfonds FGS ANSES. Der Streubesitz beträgt 168.793.998 Aktien oder 18,62 Prozent, dazu kommen 3,39 Prozent eigene Aktien.

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