East West Bancorp: 1,3 Milliarden Gewinn — und ein Risiko, das kein Filter misst
Ein hauseigener Filter sucht Qualität zu einem vernünftigen Preis und listet East West Bancorp auf Platz 14 der US-Auswahl. Die Bank aus Pasadena verdiente 2025 1,325 Milliarden US-Dollar bei einer Eigenkapitalrendite von 16,0 Prozent und einer Aufwandsquote von 35,7 Prozent — Werte, von denen die meisten Regionalbanken nur träumen. Sie ist außerdem die einzige US-Regionalbank mit eigener Geschäftsbanklizenz in China. Genau daraus entsteht die Frage dieser Analyse: Warum bekommt man so viel Ertragskraft für rund das 13-Fache des Gewinns? Wir lesen den Geschäftsbericht (10-K) für 2025 und die Ergebnismeldung zum 30. Juni 2026 — und finden drei Konzentrationen und eine Kreditkennzahl, die sich in zwölf Monaten fast verzehnfacht hat. Keine Anlageberatung — nur die Frage, was ein Qualitätsfilter bei einer Bank übersieht.
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Es gibt eine Anleger-Falle, die genau die Leute erwischt, die es besonders gut machen wollen: die Filter-Falle. Sie geht so. Du baust dir einen Qualitätsfilter — hohe Rendite, solide Bilanz, vernünftiger Preis —, lässt ihn über tausende Aktien laufen und vertraust der Liste, die herauskommt. Bei Industriebetrieben funktioniert das gut. Bei einer Bank misst derselbe Filter Dinge, die es dort gar nicht gibt. East West Bancorp, Inc. (Nasdaq: EWBC) aus Pasadena, Kalifornien, ist dafür das Lehrstück. Die Bank steht am 28. Juli 2026 auf Platz 14 der US-Auswahl unseres hauseigenen QARP-Scanners „Qualität zum fairen Preis“ — und sie verdient das auch: 1,325 Milliarden US-Dollar Gewinn im Jahr 2025, 16,01 Prozent Eigenkapitalrendite, eine Aufwandsquote von 35,69 Prozent. Im zweiten Quartal 2026 legte sie 364 Millionen US-Dollar nach, bei einer Gesamtkapitalrendite von 1,75 Prozent — dem 1,75-Fachen dessen, was in der Branche als solide gilt. Und trotzdem bekommt man diese Ertragskraft für rund das 13-Fache des Gewinns. Machen wir also einen Deal: Bevor wir dem Filter glauben, lesen wir gemeinsam, was die Bank selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für 2025, den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 und die Ergebnismeldung (8-K) vom 21. Juli 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt von einem Alleinstellungsmerkmal, das kein anderer US-Regionalbanker hat, von drei Konzentrationen, die alle in dieselbe Richtung zeigen, und von einer Kreditkennzahl, die sich in zwölf Monaten fast verzehnfacht hat. Am Ende entscheidest Du selbst.
Was East West Bancorp eigentlich macht — eine Bank als Brücke zwischen zwei Wirtschaftsräumen
East West Bancorp ist eine Bankholding: eine Dachgesellschaft, die eine Bank besitzt. Die Bank heißt East West Bank, ihr Hauptsitz liegt in Kalifornien, und sie ist nach eigener Angabe die größte unabhängige Geschäftsbank mit Sitz in Südkalifornien. Zum 31. Dezember 2025 hatte sie 96 US-Filialen in Kalifornien, Texas, New York, Washington, Georgia, Massachusetts und Nevada. Beschäftigt waren 3.350 Vollzeitkräfte, davon rund 300 in China, Hongkong und Singapur.
Der entscheidende Satz steht aber nicht in der Filialliste, sondern eine Zeile weiter unten — und er ist der Grund, warum diese Bank keiner anderen gleicht:
„East West Bank has a commercial banking license in China through its subsidiary, East West Bank (China) Limited (‚EWCN’), which makes it unique among U.S.-based regional banks. This license allows the Bank to have branches, make loans and accept deposits in China.“
Übersetzung: „East West Bank besitzt über ihre Tochtergesellschaft East West Bank (China) Limited eine Geschäftsbanklizenz in China, was sie unter den US-amerikanischen Regionalbanken einzigartig macht. Diese Lizenz erlaubt der Bank, in China Filialen zu betreiben, Kredite zu vergeben und Einlagen anzunehmen.“
— East West Bancorp, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1. Business
Übersetzt in ein Alltagsbild: East West ist keine Regionalbank mit einem Asien-Schreibtisch, sondern eine Bank mit zwei Standbeinen in zwei Rechtsordnungen. Sie begleitet US-Firmen nach Asien und asiatische Firmen in die USA, wickelt Akkreditive und Handelsfinanzierungen ab und hat Repräsentanzen in China und Singapur. Zum 30. Juni 2026 lagen 4,13 Milliarden US-Dollar Einlagen bei den Auslandsniederlassungen in Hongkong und den Filialen der China-Tochter — ein Plus von 15,5 Prozent binnen eines Jahres und damit der am schnellsten wachsende Einlagenblock der Bank.
Bei einer Bank zählen andere Kennzahlen als bei einem Industriebetrieb — das ist der erste Schritt zum Verständnis. Der Zinsüberschuss ist das, was von den Kreditzinsen übrig bleibt, nachdem die Sparer bezahlt sind: 2025 waren das 2,553 Milliarden US-Dollar. Die Nettozinsmarge setzt diesen Überschuss ins Verhältnis zu den zinstragenden Aktiva — sie ist die Handelsspanne des Bankgeschäfts und lag im zweiten Quartal 2026 bei 3,43 Prozent. Die Risikovorsorge ist das Geld, das die Bank für erwartete Kreditausfälle zurücklegt: im zweiten Quartal 2026 33 Millionen US-Dollar. Und die Kernkapitalquote (CET1) sagt, wie viel echtes Eigenkapital hinter den risikogewichteten Geschäften steht — zum 30. Juni 2026 15,44 Prozent, wo die Aufsicht deutlich weniger verlangt.
Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Was diese Bank einzigartig macht, macht sie zugleich abhängig — von einer Handelsbeziehung, die weder sie noch ihre Kunden steuern.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — und was der Filter bei einer Bank misst
Gefunden hat die Aktie unser hauseigener Aktien-Scanner „QARP — Qualität zum fairen Preis“. Der Gedanke dahinter stammt aus der quantitativen Faktor-Forschung: Qualität allein ist meist teuer, Billiges allein ist oft Schrott — der Filter verlangt deshalb beides gleichzeitig. Fünf Bedingungen müssen zusammen erfüllt sein, und East West Bancorp erfüllt sie alle:
- Piotroski-F-Score mindestens 7 — East West: 8 von 9. Der F-Score prüft neun Ja/Nein-Fragen zu Ertrag, Bilanz und Effizienz; acht Treffer sind ein sehr guter Wert.
- Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent — East West: 16,5 Prozent im Datenbestand. Die Filings bestätigen die Größenordnung: 16,01 Prozent im Geschäftsjahr 2025 und ebenfalls 16,01 Prozent im zweiten Quartal 2026.
- Operative Marge mindestens 10 Prozent — bei East West rechnerisch rund 59 Prozent (Vorsteuerergebnis 1.725,5 Millionen zu Gesamterträgen 2.931,9 Millionen US-Dollar im Jahr 2025).
- Verschuldungsgrad höchstens 1 — erfüllt.
- Positives Kurs-Gewinn-Verhältnis bis 20 — East West: 12,9. Dazu ein Fundamental-Rating von 64 (Note B) und ein Börsenwert von rund 17,6 Milliarden US-Dollar.
Und jetzt die ehrliche Einordnung, die man dazusagen muss: Zwei dieser fünf Bedingungen bedeuten bei einer Bank etwas völlig anderes als bei einem Industrieunternehmen. Die „operative Marge“ ist bei einem Maschinenbauer der Abstand zwischen Verkaufspreis und Herstellkosten — eine Bank hat keine Herstellkosten. Ihre Aufwandsquote von 35,69 Prozent im Jahr 2025 sagt dasselbe präziser: Sie wendet 36 Cent Kosten für einen Dollar Ertrag auf. Eine Zehn-Prozent-Hürde ist für jede halbwegs funktionierende Bank keine Hürde.
Noch deutlicher beim Verschuldungsgrad. Eine Bank ist ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell aus Verschuldung besteht: Sie leiht sich Geld von Einlegern und verleiht es weiter. Zählt man die 70,1 Milliarden US-Dollar Kundeneinlagen vom 30. Juni 2026 als Schulden, steht diesen 9,2 Milliarden Eigenkapital gegenüber — das 7,6-Fache. Der Filter kommt trotzdem auf einen Wert unter 1, weil er Einlagen nicht als Schulden wertet, sondern nur aufgenommene Fremdmittel. Das ist für Banken die übliche Rechnung, aber es heißt eben auch: Die Bedingung „Verschuldungsgrad höchstens 1“ prüft bei East West nichts, was für das Risiko dieser Bank entscheidend wäre. Entscheidend sind die Kapitalquoten — und die stehen weiter unten.
Dasselbe gilt für den Altman-Z″-Score, den wir in Industrieanalysen zur Insolvenzferne heranziehen (unter 1,1 gilt als Gefahrenzone, ab 2,6 als sicher). Wir deuten ihn hier bewusst nicht. Die Formel wurde an Industriebilanzen geeicht, und ihr am stärksten gewichteter Bestandteil ist das Nettoumlaufvermögen — die Differenz aus kurzfristigem Vermögen und kurzfristigen Schulden. Eine Bankbilanz kennt diese Trennung gar nicht: Ihre Aktiva sind fast vollständig Kredite und Wertpapiere, ihre Passiva fast vollständig Einlagen. Wer die Formel trotzdem anwendet, landet bei praktisch jeder Bank in der Gefahrenzone, unabhängig von ihrer tatsächlichen Verfassung. Genau dieser Effekt hat bei First BanCorp aus Puerto Rico und bei der Banner Corporation dazu geführt, dass ein Scanner sie als Sanierungsfälle einsortierte, obwohl sie beide zweistellige Eigenkapitalrenditen liefern. Aussagekräftig sind stattdessen Kernkapitalquote, Rückstellungsquote und notleidende Kredite — bei East West zum 30. Juni 2026: 15,44 Prozent CET1, 1,43 Prozent Risikovorsorge auf das Kreditbuch, 0,29 Prozent notleidende Vermögenswerte an der Bilanzsumme.
Eine letzte Scanner-Zahl verdient eine Fußnote: Die Spalte „Ø/J 3J“ weist für East West 62,6 Prozent aus, also eine durchschnittliche Jahresrendite über drei Jahre. Diese Kennzahl hängt vollständig am Startpunkt — und der liegt im Sommer 2023, also unmittelbar nach der US-Regionalbankenkrise, die im März 2023 mit dem Zusammenbruch der Silicon Valley Bank begann und die Kurse der gesamten Branche nach unten riss. Ein solcher Wert sagt deshalb mindestens ebenso viel über die Tiefe des damaligen Einbruchs wie über die Bank. Zum Selbst-Nachmachen: Scanner öffnen, Länderfilter auf „US“ stellen — diese Listen werden täglich neu gerechnet, eine Platzierung ist eine datierte Momentaufnahme und keine Eigenschaft der Firma.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Fangen wir mit dem an, was wirklich beeindruckt. East West Bancorp hat den Gewinn in fünf Jahren mehr als verdoppelt — und zwar ohne Zukauf, ohne Sondereffekt und ohne Aktienrückkauf-Kosmetik.
Die jüngsten drei Jahre im Detail: Der Zinsüberschuss stieg von 2.312,3 Millionen US-Dollar (2023) über 2.278,7 Millionen (2024) auf 2.552,6 Millionen (2025). Der verwässerte Gewinn je Aktie kletterte von 8,18 über 8,33 auf 9,52 US-Dollar. Und im laufenden Jahr geht es schneller weiter: Im ersten Halbjahr 2026 verdiente East West 721,5 Millionen US-Dollar oder 5,21 US-Dollar je Aktie, nach 600,5 Millionen und 4,32 US-Dollar im Vorjahreszeitraum — ein Plus von 20 Prozent.
Das operative Herzstück einer Bank ist die Zinsmarge. Bei East West erzählt sie eine Geschichte über den Zinszyklus:
Wie gut die Zahlen des zweiten Quartals 2026 wirklich sind, zeigt der Vergleich mit dem, was in der Branche üblich ist. Eine Gesamtkapitalrendite von 1,75 Prozent gilt bei Regionalbanken als sehr stark — 1,0 Prozent ist der klassische Anstandswert. Eine Eigenkapitalrendite von 16,01 Prozent liegt weit über dem Branchenschnitt. Und eine Aufwandsquote von 36,7 Prozent bedeutet, dass die Bank für einen Dollar Ertrag nur 37 Cent Kosten aufwendet — je niedriger, desto besser, und alles unter 50 gilt als gut. Der Vorstandsvorsitzende Dominic Ng, seit 1992 im Amt, formulierte es in der Ergebnismeldung so:
„East West delivered another strong quarter of balanced growth, resulting in record levels of net interest income, revenue, loans, and deposits. Over the past year our relationship-focused strategy continued to drive the business forward, with noninterest-bearing deposits increasing significantly.“
Übersetzung: „East West hat ein weiteres starkes Quartal mit ausgewogenem Wachstum geliefert, das zu Höchstständen bei Zinsüberschuss, Erträgen, Krediten und Einlagen geführt hat. Im vergangenen Jahr hat unsere beziehungsorientierte Strategie das Geschäft weiter vorangebracht, wobei die zinslosen Einlagen deutlich zugenommen haben.“
— Dominic Ng, Vorstandsvorsitzender, Exhibit 99.1 zur SEC-Ergebnismeldung 8-K vom 21. Juli 2026
Der Hinweis auf die zinslosen Einlagen ist keine Nebensache, sondern die wichtigste Zahl der Einlagenseite. Zinslose Sichteinlagen sind für eine Bank kostenloses Geld: Sie stiegen binnen eines Jahres um 18,7 Prozent auf 18,36 Milliarden US-Dollar und machten zum 30. Juni 2026 26 Prozent aller Einlagen aus. Zum Vergleich: 2023 lag ihr Anteil im Jahresdurchschnitt noch bei rund 31 Prozent, 2025 nur noch bei rund 24 Prozent. Sie kommen also zurück — aber nicht auf das Vorkrisenniveau. Entsprechend fielen die durchschnittlichen Kosten der verzinsten Einlagen im zweiten Quartal 2026 auf 2,81 Prozent und die gesamten Refinanzierungskosten auf 2,19 Prozent.
Auch die Bilanz sieht aufgeräumt aus. Zum 30. Juni 2026 lag die Bilanzsumme bei 84,8 Milliarden US-Dollar, die Einlagen bei 70,1 Milliarden, die Kredite bei 59,0 Milliarden — Kredite und Einlagen jeweils auf Höchststand. Das Verhältnis von Krediten zu Einlagen betrug 84,15 Prozent: Die Bank verleiht also weniger, als ihre Kunden ihr geben, und muss sich nicht am Kapitalmarkt refinanzieren. Das Kapital ist üppig: 15,44 Prozent Kernkapitalquote (CET1), 16,75 Prozent Gesamtkapitalquote, 11,00 Prozent Verschuldungsquote. Und anders als bei vielen Regionalbanken ist das Bewertungsloch aus dem Anleihebuch überschaubar: Der Posten der kumulierten Bewertungsverluste (AOCI) lag zum 31. Dezember 2025 bei minus 345,6 Millionen US-Dollar — 3,9 Prozent des Eigenkapitals von 8,899 Milliarden, nach 585,3 Millionen ein Jahr zuvor. Er schrumpft also.
Und trotzdem gibt es Dinge, die man wissen sollte, bevor man das für eine reine Erfolgsgeschichte hält.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: 37 Milliarden Dollar Einlagen ohne Sicherungsnetz
Seit dem Frühjahr 2023 weiß jeder Bankanleger, welche Zahl im Ernstfall zählt: der Anteil der Einlagen, die über den Grenzen der staatlichen Einlagensicherung liegen. Denn genau dieses Geld läuft weg, wenn Vertrauen kippt. Bei East West Bancorp steht die Antwort im Geschäftsbericht — und sie ist nicht klein.
Bei Einlagen von insgesamt 67,1 Milliarden US-Dollar sind das 55 Prozent. Die Bank rechnet in ihrem Bericht selbst eine mildere Variante vor: Zieht man besicherte Einlagen (4,46 Milliarden) und konzerninterne Einlagen (0,13 Milliarden) ab, bleiben 28,84 Milliarden US-Dollar oder 45 Prozent der inländischen Einlagen — nach 46 Prozent im Vorjahr. Beide Lesarten sind zulässig. Und beide sind hoch.
Man muss dabei fair bleiben: Ein hoher Anteil ungesicherter Einlagen ist bei einer Firmenkundenbank normal, weil Unternehmen betriebsnotwendige Beträge halten, die eine 250.000-Dollar-Grenze naturgemäß sprengen. East Wests Einlagen verteilen sich zum 30. Juni 2026 auf 36,95 Milliarden Privat- und Geschäftskunden, 24,91 Milliarden Firmenkunden, 4,13 Milliarden Auslandsniederlassungen und 4,10 Milliarden Treasury-Gelder. Und die Bank hält dagegen: Das Verhältnis von Krediten zu Einlagen liegt bei nur 84 Prozent, das Wertpapierbuch wuchs 2025 um 2,4 Milliarden US-Dollar. Trotzdem bleibt der Satz stehen: Mehr als die Hälfte dieser Bilanz steht auf Geld, das im Ernstfall keine Sicherung hat. Merke Dir das: Bei Banken ist die Passivseite die interessantere Seite.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die notleidenden Gewerbeimmobilienkredite haben sich fast verzehnfacht
Jetzt die Zahl, die in keiner Schlagzeile stand. Notleidende Kredite („nonaccrual loans“) sind Kredite, für die eine Bank keine Zinsen mehr vereinnahmt, weil sie mit der Rückzahlung nicht mehr sicher rechnet. Bei den Gewerbeimmobilien von East West sah diese Zahl zwölf Monate lang so aus:
Die Bank sagt selbst, woher der Anstieg kommt:
Dazu passen drei weitere Zahlen aus demselben Bericht. Die Nettoausbuchungen verdoppelten sich im zweiten Quartal 2026 auf 27 Millionen US-Dollar oder annualisiert 0,19 Prozent des Kreditbuchs, nach 12 Millionen und 0,09 Prozent im Vorquartal. Die Kredite unter besonderer Beobachtung („special mention“) stiegen von 316,2 auf 433,3 Millionen US-Dollar, ein Plus von 37 Prozent in drei Monaten. Und die notleidenden Vermögenswerte insgesamt kletterten von 171,7 Millionen (30. Juni 2025) auf 247,0 Millionen US-Dollar.
Bleiben wir fair: Das sind winzige Beträge für eine Bank mit 84,8 Milliarden Bilanzsumme. Die notleidenden Vermögenswerte machen 0,29 Prozent der Bilanzsumme aus — ein Wert, um den die meisten Regionalbanken East West beneiden. Die Risikovorsorge deckt 1,43 Prozent des Kreditbuchs, bei den Büroimmobilien sogar 2,85 Prozent. Aber der Frühindikator ist die Richtung, nicht die Höhe. Wer diese Bank beurteilen will, schaut nicht auf die heutige Ausfallquote, sondern darauf, ob der Sprung des zweiten Quartals 2026 ein Ausreißer war.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Das Gewerbeimmobilienbuch hängt zu zwei Dritteln an Kalifornien
Gewerbeimmobilien sind seit 2023 das Kernthema jeder Regionalbank-Analyse, und East West ist hier tiefer drin als der Durchschnitt: 21,3 Milliarden US-Dollar zum 31. Dezember 2025, das sind 37 Prozent des gesamten Kreditbuchs. Die gute Nachricht steht in der Zusammensetzung:
Das ist ein deutlich besseres Bild, als der Ruf der Branche erwarten lässt: Die größten Blöcke sind Mehrfamilienhäuser (24 Prozent), Einzelhandel (21 Prozent) und Industrie- beziehungsweise Logistikimmobilien (20 Prozent). Büro macht nur 11 Prozent aus, und der durchschnittliche Kredit ist mit 3 Millionen US-Dollar klein — Klumpenrisiken einzelner Großobjekte gibt es also kaum. Der gewichtete Beleihungsauslauf liegt bei 49 Prozent: Auf jeden Dollar Kredit kommen rechnerisch gut zwei Dollar Immobilienwert.
Die unbequeme Seite ist die Landkarte. 68 Prozent des gesamten Gewerbeimmobilienbuchs liegen in Kalifornien, allein 50 Prozent in Südkalifornien. Texas folgt mit 8 Prozent, New York mit 6 Prozent. Übersetzt in ein Alltagsbild: Diese Bank hat ein gut sortiertes Immobilienportfolio — aber es steht fast vollständig in einem einzigen Bundesstaat, dessen Wirtschaft, Immobilienpreise und Naturgefahren (der Geschäftsbericht nennt Waldbrände und Erdbeben ausdrücklich) sich gemeinsam bewegen. Wer bei First BanCorp das Klumpenrisiko Puerto Rico gesehen hat, erkennt hier dasselbe Muster in einer wohlhabenderen Region.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Das Alleinstellungsmerkmal ist zugleich das Risiko
Kommen wir zurück zur China-Lizenz. Sie ist der Grund, warum East West Kunden hat, die keine andere US-Regionalbank so bedienen kann. Sie ist aber auch der Grund, warum diese Bank an einer politischen Beziehung hängt, die sie nicht beeinflusst. Der Risikoteil des Geschäftsberichts trägt dafür einen eigenen Abschnitt mit der Überschrift „We face risks associated with international operations.“
„The imposition of tariffs, retaliatory tariffs, export controls or other trade restrictions on products, materials or other goods that our customers import or export could impact prices, reduce demand, or otherwise negatively impact our customers’ businesses and their ability to service debt.“
Übersetzung: „Die Verhängung von Zöllen, Vergeltungszöllen, Exportkontrollen oder anderen Handelsbeschränkungen auf Produkte, Materialien oder sonstige Güter, die unsere Kunden ein- oder ausführen, könnte die Preise beeinflussen, die Nachfrage senken oder die Geschäfte unserer Kunden und deren Fähigkeit, ihre Schulden zu bedienen, anderweitig beeinträchtigen.“
— East West Bancorp, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A. Risk Factors
Wer das für eine Pflichtfloskel hält, sollte weiterlesen. Derselbe Abschnitt nennt Beschränkungen des Datenzugriffs durch Personen außerhalb der USA, Währungs- und Zahlungsrisiken sowie die Gefahr, dass Mitarbeiter oder verbundene Unternehmen gegen US-amerikanische oder ausländische Vorschriften verstoßen — ausdrücklich genannt wird der Foreign Corrupt Practices Act, das US-Antikorruptionsgesetz. Und die China-Tochter EWCN unterliegt zusätzlich dem chinesischen Datenschutz- und Cybersicherheitsrecht: dem Personal Information Protection Law, dem Cybersecurity Law in der ab 1. Januar 2026 geänderten Fassung, dem Data Security Law und der seit 1. Januar 2025 geltenden Network Data Security Management Regulation. Der Bericht hält fest, dass EWCN und die Bank Zugriffe von Tochtergesellschaften, verbundenen Unternehmen und Dienstleistern eingeschränkt haben, um einer US-Vorschrift zu Daten in „Ländern besonderer Sorge“ zu genügen — genannt werden dort unter anderem die Volksrepublik China einschließlich Hongkong und Macau.
Zusammengefasst: East West betreibt ein Geschäftsmodell, das gleichzeitig zwei Aufsichtsregimen genügen muss, die einander zunehmend misstrauen. Das ist kein Vorwurf an die Bank — sie hat es 27 Jahre lang gut gemacht. Es ist aber der Grund, warum ein Filter, der Bilanzkennzahlen liest, den entscheidenden Faktor dieser Aktie gar nicht sehen kann.
Was passiert, wenn der Zyklus dreht — die Rechnung
Bankgewinne leben von zwei Dingen: einer Zinskurve und einem Kreditzyklus. Beide sind gerade freundlich. Damit Du weißt, wie viel Puffer in der heutigen Bewertung steckt, rechnen wir die beiden wichtigsten Gegenszenarien einmal durch. Grundlage sind die Zahlen der vergangenen zwölf Monate (drittes Quartal 2025 bis zweites Quartal 2026): 1.446 Millionen US-Dollar Gewinn und 10,41 US-Dollar verwässerter Gewinn je Aktie — errechnet aus dem Geschäftsjahr 2025 (1.325,2 Millionen, 9,52 US-Dollar) abzüglich des ersten Halbjahres 2025 (600,5 Millionen, 4,32 US-Dollar) und zuzüglich des ersten Halbjahres 2026 (721,5 Millionen, 5,21 US-Dollar).
Szenario 1 — die Risikovorsorge steigt auf Rezessionsniveau. Aktuell legt East West rund 33 Millionen US-Dollar je Quartal zurück, also etwa 132 Millionen im Jahr oder 0,22 Prozent des Kreditbuchs von 59,0 Milliarden. Die Bank selbst hält Rückstellungen von 842 Millionen US-Dollar bereit — das entspricht 1,43 Prozent des Kreditbuchs und ist damit ihre eigene Vorstellung davon, was über die Laufzeit ausfallen kann. Nehmen wir an, die Ausfälle steigen ein Jahr lang auf dieses Niveau von 1,0 Prozent und die Bank muss entsprechend nachlegen: 590 Millionen statt 132 Millionen Vorsorge, also 458 Millionen US-Dollar zusätzlich vor Steuern. Beim Steuersatz von 22,2 Prozent bleiben davon 356 Millionen nach Steuern hängen. Der Gewinn fiele von 1.446 auf rund 1.090 Millionen US-Dollar, der Gewinn je Aktie von 10,41 auf rund 7,88 US-Dollar — und aus einem KGV von rund 12 würde eines von rund 16.
Szenario 2 — die Zinsmarge kommt zurück. Der Geschäftsbericht beziffert die Zinssensitivität selbst: Bei einem sofortigen Zinsrückgang um 200 Basispunkte würde der Zinsüberschuss über zwölf Monate um 5,9 Prozent sinken, bei 100 Basispunkten um 3,2 Prozent (Stand 31. Dezember 2025). Auf den annualisierten Zinsüberschuss von rund 2,74 Milliarden US-Dollar gerechnet sind das 162 Millionen weniger vor Steuern, nach Steuern rund 126 Millionen — ein Gewinn je Aktie von etwa 9,50 statt 10,41 US-Dollar. Fiele die Nettozinsmarge zusätzlich auf das Niveau von 2024 zurück (3,27 statt 3,43 Prozent), kämen bei 80,1 Milliarden zinstragenden Aktiva noch einmal rund 128 Millionen vor Steuern dazu.
Und wenn beides zusammenkommt — Rezessionsvorsorge und schwächere Marge —, landet der Gewinn je Aktie im Bereich von 7 US-Dollar, und die Aktie handelt schlagartig zum 18-Fachen statt zum 12-Fachen. Das ist die ehrliche Antwort auf die Frage, warum diese Bank trotz 16 Prozent Eigenkapitalrendite kein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis trägt: Der Markt bezahlt Bankgewinne nie so, als wären sie dauerhaft — weil sie es nie sind. Zwei Dinge sprechen dagegen, dass es so schlimm kommt: East West ist aktivseitig zinssensitiv, das heißt, steigende Zinsen helfen ihr (plus 5,6 Prozent Zinsüberschuss bei 200 Basispunkten mehr), und rund 58 Prozent der Kredite sind variabel verzinst. Und der Kapitalpuffer von 15,44 Prozent Kernkapital verträgt einen Kreditzyklus, ohne dass die Bank Kapital aufnehmen müsste.
Bewertung — was 17,6 Milliarden für diese Bank bedeuten
Der Datenbestand weist für East West Bancorp einen Börsenwert von rund 17,6 Milliarden US-Dollar aus (Stand 28. Juli 2026). Machen wir die Gegenprobe. Die Ergebnismeldung nennt zum 30. Juni 2026 genau 137,011 Millionen ausstehende Aktien. Bei diesem Börsenwert entspricht das einem Kurs von rund 128,50 US-Dollar. Die Probe geht damit auf, und sie ist bei dieser Aktie auch belastbar: Die Aktienzahl hat sich binnen eines Jahres um lediglich 0,6 Prozent verändert (30. Juni 2025: 137,816 Millionen), weil East West im zweiten Quartal 2026 keine einzige eigene Aktie zurückgekauft hat, obwohl 117 Millionen US-Dollar Rückkaufvolumen freigegeben sind.
Bei Banken ist die tragende Bewertungsgröße nicht das Kurs-Gewinn-Verhältnis allein, sondern das Kurs-Buchwert-Verhältnis — weil der Buchwert einer Bank aus bewerteten Vermögenswerten besteht und nicht aus Fabriken. Der Buchwert je Aktie lag zum 30. Juni 2026 bei 67,48 US-Dollar (plus 13 Prozent binnen zwölf Monaten), der materielle Buchwert bei 64,06 US-Dollar (plus 14 Prozent). Zum errechneten Kurs von 128,50 US-Dollar ergibt das:
- Kurs-Buchwert-Verhältnis: rund 1,9 — für eine Bank mit 16 Prozent Eigenkapitalrendite ist das vertretbar; die Faustregel lautet, dass ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,0 einer Eigenkapitalrendite in Höhe der Eigenkapitalkosten entspricht.
- Kurs zu materiellem Buchwert: rund 2,0.
- Kurs-Gewinn-Verhältnis: rund 12,3 auf die vergangenen zwölf Monate (10,41 US-Dollar je Aktie) beziehungsweise 13,5 auf das Geschäftsjahr 2025 (9,52 US-Dollar). Der Scanner nennt 12,9 — die Abweichung entsteht durch die zugrunde gelegte Gewinnperiode, nicht durch die Aktienzahl.
- Dividendenrendite: rund 2,5 Prozent, gerechnet mit der für das dritte Quartal 2026 beschlossenen Dividende von 0,80 US-Dollar je Aktie auf das Jahr hochgerechnet. Die Ausschüttungsquote lag 2025 bei 25,3 Prozent — es bleibt also reichlich Spielraum.
Zum Vergleich in unserem eigenen Bestand: Pathward Financial ist eine Spezialbank mit einem völlig anderen Geschäftsmodell und wird ebenfalls im niedrigen Zehnerbereich gehandelt, Carter Bankshares zeigt, wie eine Regionalbank aussieht, deren Kreditqualität wirklich Probleme macht. Und Affiliated Managers Group, der Spitzenreiter desselben QARP-Filters, ist ein Beispiel dafür, dass eine gute Filterplatzierung immer eine Einladung zur Recherche ist und kein Urteil.
Was das für Dich heißt
East West Bancorp ist keine Wette auf eine Wende, sondern eine Bank, die seit Jahren liefert — und deren Kurs das weitgehend abbildet. Wer hier kauft, kauft drei Dinge zusammen: eine außergewöhnlich profitable Regionalbank, ein Geschäftsmodell, das kein US-Wettbewerber kopieren kann, und eine Abhängigkeit von der Handelsbeziehung zwischen den USA und China, die keine Bilanzkennzahl abbildet.
Drei Zahlen, die Du in jedem Quartalsbericht in weniger als einer Minute nachschlagen kannst, entscheiden darüber, ob die These trägt: Erstens die notleidenden Gewerbeimmobilienkredite in Tabelle 11 der Ergebnismeldung — zuletzt 89,1 Millionen US-Dollar nach 9,4 Millionen ein Jahr zuvor. Zweitens die Nettozinsmarge — zuletzt 3,43 Prozent nach 3,49 Prozent im Vorquartal. Drittens der Anteil der zinslosen Sichteinlagen an den Gesamteinlagen — zuletzt 26 Prozent und steigend, denn sie sind das billigste Geld, das eine Bank bekommen kann.
Und eine Lehre bleibt über diese Aktie hinaus: Ein Filter ist ein Suchwerkzeug, kein Urteil. Bei East West Bancorp hat er eine wirklich gute Bank gefunden — aber zwei seiner fünf Bedingungen messen bei einer Bank etwas anderes, als ihr Name verspricht, und die Kennzahl zur Insolvenzferne funktioniert hier überhaupt nicht. Wer die Liste liest, ohne den Geschäftsbericht daneben zu legen, kauft eine Zahlenreihe statt eines Unternehmens. Die Entscheidung liegt bei Dir. Keine Anlageberatung.
Unser Fazit auf einen Blick
- Ertragskraft positiv
- Im Geschäftsjahr 2025 verdiente East West Bancorp 1.325,2 Millionen US-Dollar (plus 14 Prozent) bei 1,70 Prozent Gesamtkapitalrendite, 16,01 Prozent Eigenkapitalrendite und einer Aufwandsquote von 35,69 Prozent. Im zweiten Quartal 2026 folgten 364 Millionen US-Dollar oder 2,63 US-Dollar je Aktie bei 1,75 Prozent Gesamtkapitalrendite und 36,7 Prozent Aufwandsquote. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Gewinn um 20 Prozent auf 721,5 Millionen.
- Geschäftsmodell & Wettbewerbsstellung positiv
- East West Bank hat über die Tochter East West Bank (China) Limited eine eigene Geschäftsbanklizenz in China — laut Geschäftsbericht 2025 „unique among U.S.-based regional banks“. Das Auslandsgeschäft wächst am schnellsten: Die Einlagen der Niederlassungen in Hongkong und China stiegen binnen eines Jahres um 15,5 Prozent auf 4,13 Milliarden US-Dollar. Zinslose Sichteinlagen legten um 18,7 Prozent auf 18,36 Milliarden zu und machen 26 Prozent aller Einlagen aus.
- Kapital & Liquidität positiv
- Kernkapitalquote (CET1) 15,44 Prozent, Gesamtkapitalquote 16,75 Prozent und Verschuldungsquote 11,00 Prozent zum 30. Juni 2026, alle deutlich über den Anforderungen. Das Verhältnis von Krediten zu Einlagen liegt bei 84,15 Prozent — die Bank braucht keine Kapitalmarktrefinanzierung. Die kumulierten Bewertungsverluste aus dem Anleihebuch schrumpften von 585,3 auf 345,6 Millionen US-Dollar, also auf 3,9 Prozent des Eigenkapitals.
- Einlagenstruktur negativ
- Zum 31. Dezember 2025 lagen 37,19 von 67,1 Milliarden US-Dollar Einlagen über den Sicherungsgrenzen — 55 Prozent, davon 3,76 Milliarden in China und Hongkong unter fremdem Aufsichtsrecht. Auch in der milderen Rechnung der Bank selbst (ohne besicherte und konzerninterne Einlagen) sind 28,84 Milliarden oder 45 Prozent der inländischen Einlagen ungesichert. Für eine Firmenkundenbank ist das nicht ungewöhnlich, es bleibt aber die verwundbarste Stelle der Bilanz.
- Kreditqualität neutral
- Das Niveau ist ausgezeichnet — notleidende Vermögenswerte 0,29 Prozent der Bilanzsumme, Risikovorsorge 1,43 Prozent des Kreditbuchs —, aber die Richtung hat gedreht: Die notleidenden Gewerbeimmobilienkredite stiegen von 9,4 Millionen US-Dollar (30. Juni 2025) auf 89,1 Millionen (30. Juni 2026), die Nettoausbuchungen verdoppelten sich im zweiten Quartal 2026 auf annualisiert 0,19 Prozent, die Kredite unter besonderer Beobachtung von 316,2 auf 433,3 Millionen.
- Geopolitisches Klumpenrisiko negativ
- Der Geschäftsbericht 2025 führt „We face risks associated with international operations“ als eigenen Risikofaktor: Zölle, Vergeltungszölle, Exportkontrollen und Handelsbeschränkungen könnten die Geschäfte der Kunden und deren Schuldendienstfähigkeit treffen. Dazu kommen Beschränkungen des Datenzugriffs aus dem Ausland, der Foreign Corrupt Practices Act und für die China-Tochter EWCN das chinesische Datenschutz- und Cybersicherheitsrecht. Auch das Kreditbuch ist konzentriert: 68 Prozent der Gewerbeimmobilien liegen in Kalifornien.
- Bewertung neutral
- Der Börsenwert von rund 17,6 Milliarden US-Dollar entspricht bei 137,011 Millionen Aktien einem Kurs von rund 128,50 US-Dollar — rund das 1,9-Fache des Buchwerts von 67,48 US-Dollar je Aktie und rund das 12,3-Fache des Gewinns der vergangenen zwölf Monate (10,41 US-Dollar). Für 16 Prozent Eigenkapitalrendite ist das fair, aber ohne Sicherheitsmarge: Steigt die Risikovorsorge auf 1,0 Prozent des Kreditbuchs, fällt der Gewinn je Aktie rechnerisch auf rund 7,88 US-Dollar und das KGV auf rund 16.
East West Bancorp ist die profitabelste Bank, die unser QARP-Filter derzeit in der US-Auswahl führt, und zugleich der Beleg dafür, dass ein Filter bei einer Bank etwas anderes misst, als sein Name verspricht: „Operative Marge“ und „Verschuldungsgrad“ bedeuten hier nichts Vergleichbares, und der Altman-Z″-Score funktioniert auf Bankbilanzen gar nicht. Die Substanz ist unstrittig — 1,325 Milliarden US-Dollar Gewinn 2025, 16,01 Prozent Eigenkapitalrendite, 35,69 Prozent Aufwandsquote, 15,44 Prozent Kernkapital, ein Buchwert je Aktie, der binnen zwölf Monaten um 13 Prozent auf 67,48 US-Dollar stieg. Der Preis dafür sind drei Konzentrationen, die alle in dieselbe Richtung zeigen: 55 Prozent ungesicherte Einlagen, 68 Prozent des Gewerbeimmobilienbuchs in Kalifornien und ein Geschäftsmodell, das an der Handelsbeziehung zwischen den USA und China hängt. Dazu eine Kreditkennzahl, die zum ersten Mal seit Jahren in die falsche Richtung zeigt. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Für Rot fehlt jeder Substanzbefund, und zwar deutlich: 9,2 Milliarden US-Dollar Eigenkapital, Kernkapitalquote (CET1) 15,44 Prozent gegen deutlich niedrigere aufsichtsrechtliche Anforderungen, Risikovorsorge 842,1 Millionen oder 1,43 Prozent des Kreditbuchs, notleidende Vermögenswerte nur 0,29 Prozent der Bilanzsumme, ein Verhältnis von Krediten zu Einlagen von 84 Prozent und fünf Jahre steigender Gewinne bis auf 1.325,2 Millionen US-Dollar im Jahr 2025. Auch das Anleihebuch belastet kaum: Die kumulierten Bewertungsverluste schrumpften auf 345,6 Millionen oder 3,9 Prozent des Eigenkapitals. Für Grün fehlen zwei Antworten, die sich aus den Berichten nicht geben lassen. Erstens die Refinanzierung: 37,19 von 67,1 Milliarden US-Dollar Einlagen liegen über den Sicherungsgrenzen, davon 3,76 Milliarden in China und Hongkong — bei einer Bank ist die Passivseite substanzrelevant, wie das Frühjahr 2023 gezeigt hat. Zweitens die Kreditqualität: Die notleidenden Gewerbeimmobilienkredite stiegen binnen zwölf Monaten von 9,4 auf 89,1 Millionen US-Dollar, die Nettoausbuchungen verdoppelten sich im zweiten Quartal 2026 auf annualisiert 0,19 Prozent, die Kredite unter besonderer Beobachtung stiegen um 37 Prozent auf 433,3 Millionen — in einem Buch, das zu 37 Prozent aus Gewerbeimmobilien besteht und zu 68 Prozent in Kalifornien liegt. Beides sind offene Fragen an eine sehr gute Bank, keine Substanzrisiken — also Gelb.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam East West Bancorp über den hauseigenen Aktien-Scanner „QARP — Qualität zum fairen Preis“ (Rang 14 der US-Auswahl, Datenstand 28. Juli 2026). Der Filter verlangt fünf Bedingungen gleichzeitig: Piotroski-F-Score mindestens 7 (EWBC: 8 von 9), Eigenkapitalrendite mindestens 15 Prozent (16,5), operative Marge mindestens 10 Prozent, Verschuldungsgrad höchstens 1 und ein positives KGV bis 20 (12,9). Dazu Fundamental-Rating 64 (Note B) und ein Börsenwert von rund 17,6 Milliarden US-Dollar. Die Scanner-Listen werden täglich neu berechnet; eine Platzierung ist eine datierte Momentaufnahme und keine Eigenschaft der Firma.
- Wichtige Einordnung zum Filter: Zwei der fünf Bedingungen messen bei einer Bank etwas anderes als bei einem Industrieunternehmen. Die „operative Marge“ hat bei einer Bank keinen Herstellkosten-Gegenpart — aussagekräftig ist stattdessen die Aufwandsquote (2025: 35,69 Prozent). Und der „Verschuldungsgrad höchstens 1“ prüft nicht das, was bei einer Bank zählt: Zählte man die 70,1 Milliarden US-Dollar Kundeneinlagen vom 30. Juni 2026 als Schulden, ergäbe sich gegen 9,2 Milliarden Eigenkapital das 7,6-Fache. Maßgeblich sind stattdessen die Kapitalquoten (CET1 15,44 Prozent, Gesamtkapital 16,75 Prozent). Der Altman-Z″-Score (Schwellen: unter 1,1 Gefahrenzone, ab 2,6 sicher) wird in dieser Analyse bewusst nicht gedeutet — er wurde an Industriebilanzen geeicht und setzt ein Nettoumlaufvermögen voraus, das eine Bankbilanz mangels Trennung in kurz- und langfristig gar nicht bildet.
- Alle Zahlen sind datiert und evergreen: Jahreszahlen aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025 (eingereicht 27.02.2026), Quartalszahlen aus dem 10-Q zum 31.03.2026 und der Ergebnismeldung 8-K vom 21.07.2026 (Quartal zum 30.06.2026); Bewertungs- und Scanner-Angaben mit Datenstand 28. Juli 2026. Der genannte Kurs von rund 128,50 US-Dollar ist kein Tageskurs, sondern die Gegenprobe aus dem hinterlegten Börsenwert von rund 17,6 Milliarden US-Dollar und den 137,011 Millionen Aktien, die die Ergebnismeldung zum 30.06.2026 ausweist. Die Aktienzahl veränderte sich binnen eines Jahres um nur 0,6 Prozent, die Probe ist also belastbar.
- Aktualitätsprüfung: Der jüngste Periodenbericht ist der Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (eingereicht 08.05.2026). Alle Einreichungen danach wurden durchgesehen — Hauptversammlungsergebnisse (8-K vom 19.05.2026, Item 5.07), drei Registrierungen für Mitarbeiterprogramme (S-8 vom 20.05.2026), der Belegschaftsplan-Bericht (11-K vom 25.06.2026), mehrere Meldungen zu Insidergeschäften und Beteiligungen sowie die Ergebnismeldung 8-K vom 21.07.2026. Kein 8-K Item 1.01, kein DEFM14A oder PREM14A, kein SC 13E-3: kein Anhaltspunkt für Fusion, Übernahme oder Rückzug von der Börse.
Häufige Fragen
East West Bank besitzt über die Tochtergesellschaft East West Bank (China) Limited eine eigene Geschäftsbanklizenz in China. Der Geschäftsbericht für 2025 nennt das ausdrücklich „unique among U.S.-based regional banks“. Die Lizenz erlaubt Filialen, Kreditvergabe und Einlagengeschäft in China. Dazu kommen Niederlassungen in Hongkong und Repräsentanzen in China und Singapur. Die Bank betreibt über 110 Standorte in den USA und Asien, davon 96 US-Filialen.
Deutlich überdurchschnittlich. Im zweiten Quartal 2026 erreichte die Bank eine Gesamtkapitalrendite von 1,75 Prozent und eine Eigenkapitalrendite von 16,01 Prozent; bei Regionalbanken gilt 1,0 Prozent Gesamtkapitalrendite als solider Durchschnitt. Die Aufwandsquote lag bei 36,7 Prozent — die Bank wendet also 37 Cent Kosten für einen Dollar Ertrag auf. Im Geschäftsjahr 2025 waren es 1,70 Prozent, 16,01 Prozent und 35,69 Prozent.
Zum 31. Dezember 2025 lagen 37,19 Milliarden US-Dollar von 67,1 Milliarden Einlagen über den Sicherungsgrenzen — 55 Prozent. Davon entfielen 33,43 Milliarden auf die USA, 1,53 Milliarden auf China und 2,23 Milliarden auf Hongkong. Rechnet man besicherte und konzerninterne Einlagen heraus, wie die Bank es selbst tut, bleiben 28,84 Milliarden US-Dollar oder 45 Prozent der inländischen Einlagen ungesichert, nach 46 Prozent im Vorjahr.
Zum 31. Dezember 2025 umfasste das Gewerbeimmobilienbuch 21,3 Milliarden US-Dollar oder 37 Prozent aller Kredite. Die Zusammensetzung ist günstiger als der Branchenruf: 24 Prozent Mehrfamilienhäuser, 21 Prozent Einzelhandel, 20 Prozent Industrie, 12 Prozent Hotel und nur 11 Prozent Büro. Der gewichtete Beleihungsauslauf beträgt 49 Prozent, der durchschnittliche Kredit 3 Millionen US-Dollar. Die Konzentration liegt in der Geografie: 68 Prozent des Buchs liegen in Kalifornien.
Am Rand ja, auf sehr niedrigem Niveau. Die notleidenden Gewerbeimmobilienkredite stiegen von 9,4 Millionen US-Dollar (30. Juni 2025) auf 89,1 Millionen (30. Juni 2026), die Nettoausbuchungen verdoppelten sich im zweiten Quartal 2026 auf annualisiert 0,19 Prozent, und die Kredite unter besonderer Beobachtung stiegen von 316 auf 433 Millionen US-Dollar. Die notleidenden Vermögenswerte machen aber weiterhin nur 0,29 Prozent der Bilanzsumme aus, die Risikovorsorge deckt 1,43 Prozent des Kreditbuchs.
Der Altman-Z″-Score wurde an Industriebilanzen geeicht; sein am stärksten gewichteter Bestandteil ist das Nettoumlaufvermögen. Eine Bankbilanz trennt gar nicht in kurz- und langfristig — ihre Aktiva sind Kredite und Wertpapiere, ihre Passiva Einlagen. Angewendet landet praktisch jede Bank unterhalb der Schwelle von 1,1, unabhängig von ihrer Verfassung. Aussagekräftig sind stattdessen Kernkapitalquote (15,44 Prozent), Rückstellungsquote (1,43 Prozent) und notleidende Vermögenswerte (0,29 Prozent).
Der Börsenwert von rund 17,6 Milliarden US-Dollar entspricht bei 137,011 Millionen Aktien (30. Juni 2026) einem Kurs von rund 128,50 US-Dollar. Gemessen am Buchwert von 67,48 US-Dollar je Aktie ist das rund das 1,9-Fache, gemessen am Gewinn der vergangenen zwölf Monate von 10,41 US-Dollar rund das 12,3-Fache. Die Dividende von 0,80 US-Dollar je Quartal ergibt rund 2,5 Prozent Rendite bei einer Ausschüttungsquote von 25,3 Prozent (Datenstand 28. Juli 2026).
Dafür gibt es in den SEC-Unterlagen keinen Anhaltspunkt. Zwischen dem Quartalsbericht zum 31. März 2026 und dem 28. Juli 2026 reichte die Gesellschaft ausschließlich übliche Meldungen ein: Hauptversammlungsergebnisse, drei Registrierungen für Mitarbeiterprogramme, den Bericht zum Belegschaftsplan und die Ergebnismeldung vom 21. Juli 2026. Es gibt keine Mitteilung über einen wesentlichen Vertrag (8-K Item 1.01), kein Fusions-Proxy (DEFM14A oder PREM14A) und keine Erklärung zum Delisting (SC 13E-3). Die Aktie ist an der Nasdaq notiert.
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