Börsenlotse
Kauftag heute: Schlecht Neutral (54 ) Gut Gemischte Marktbreite · Breite seitwärts (±0 zum 10-Tage-Schnitt) · kein Makro-Großtermin

DHI Group: Zehn Quartale über der Erwartung — und elf Quartale weniger Umsatz

DHI Group: Zehn Quartale über der Erwartung — und elf Quartale weniger Umsatz

DHI Group betreibt die Jobbörsen Dice und ClearanceJobs und schlägt seit zehn Quartalen in Folge die Analystenschätzung. Genau das bringt die Aktie in unser Big-Earnings-Surprise-Ranking, wo DHX auf Platz 20 der US-Auswahl steht (Stand 25. Juli 2026). Nur: In denselben Jahren ist der Umsatz elf Quartale in Folge gefallen, 2025 stand unter dem Strich ein Verlust von 13,5 Millionen US-Dollar, und die Firma hat 9,6 Millionen auf ihre eigene Marke Dice abgeschrieben — Begründung im Geschäftsbericht: KI-Modelle senken die Nachfrage nach Technologie-Fachkräften. Keine Anlageberatung — nur die Frage, wer hier eigentlich wen überrascht.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
Unternehmensprofil ansehen (DHX)

Supertiefe Analyse — die letzte Prüfung vor dem Kauf

Die Supertiefe Analyse ist unsere gründlichste Untersuchung — gedacht als letzte Entscheidungsgrundlage, bevor Du wirklich kaufst. Wir recherchieren die letzten 10 Geschäftsberichte (10-K), sämtliche Quartalsberichte (10-Q) aus diesem Zeitraum, alle relevanten Insider-Transaktionen, prüfen die Liquiditätslage inklusive Warnsignalen der letzten 5 Jahre und werten eine kuratierte Auswahl relevanter Nachrichten aus — ohne Spam- und Schrottmeldungen. Preis: einmalig 49 €.

Deine Supertiefe Analyse bekommst Du zuerst exklusiv; 30 Tage nach Lieferung veröffentlichen wir sie auch auf Börsenlotse.

Nach der Bestellung melden wir uns per E-Mail mit den Zahlungsdetails. Erstellt wird die Analyse nach Zahlungseingang — reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung.

DHI Group: Zehn Quartale über der Erwartung — und elf Quartale weniger Umsatz
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die genau dann zuschlägt, wenn eine Firma etwas richtig macht: die Latten-Falle. Stell dir einen Hochspringer vor. Er springt, die Latte bleibt liegen, das Publikum jubelt. Zehn Wettkämpfe hintereinander. Was niemand im Blick hat: Vor jedem Sprung hat der Kampfrichter die Latte ein Stück tiefer gelegt. Der Sprung ist echt, der Jubel ist echt — nur die Höhe wird von Mal zu Mal kleiner. An der Börse heißt der Kampfrichter „Analystenkonsens", und ein Unternehmen, das seine eigene Prognose Quartal für Quartal übertrifft, kann trotzdem jedes Quartal ein Stück kleiner werden. DHI Group (NYSE: DHX) aus Centennial, Colorado, ist das Lehrbuchbeispiel. Machen wir also einen Deal: Bevor du dich von einer Serie von Gewinnüberraschungen überzeugen lässt, lesen wir gemeinsam, was die Firma selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für 2025, den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 und die aktuellen Ad-hoc-Meldungen (Form 8-K). Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt von zwei Marken, die in entgegengesetzte Richtungen laufen, von einer Bilanz, die zu drei Vierteln aus Firmenwert besteht — und von einer Abschreibung, für die das Unternehmen selbst die künstliche Intelligenz verantwortlich macht.

Was DHI Group eigentlich macht — zwei Jobbörsen, zwei Welten

DHI Group betreibt keine Software, die man kauft, sondern zwei Marktplätze, auf denen man Zugang mietet. Übersetzt in ein Alltagsbild: Es sind zwei sehr spezielle Wochenmärkte für Arbeitskraft. Arbeitgeber zahlen einen Jahresbeitrag für einen Stand — im Fachjargon „Recruitment Package" — und dürfen dafür Stellen ausschreiben und in der Lebenslauf-Datenbank suchen. Rund 90 Prozent des Umsatzes beider Marken kamen 2025 aus diesen Paketen. Das ist das ganze Geschäftsmodell, und es erklärt auch, warum die Zahlen so träge reagieren: Wer im Frühjahr einen Jahresvertrag unterschreibt, taucht noch zwölf Monate im Umsatz auf.

ClearanceJobs ist der kleinere und der bessere Markt. Hier treffen sich Fachkräfte mit gültiger US-Sicherheitsüberprüfung und die Unternehmen, die für Verteidigung, Nachrichtendienste und Behörden arbeiten. Zum 31. Dezember 2025 lagen dort rund 56.000 Stellenanzeigen, im Jahresmittel besuchten 967.000 Menschen pro Monat die Seite. Der Zugang ist von Natur aus knapp: Eine Sicherheitsüberprüfung bekommt man nicht bei der Anmeldung, sondern nach Monaten Prüfung. Genau das ist der Burggraben.

Dice ist seit 35 Jahren die Adresse für Technik-Jobs in den USA — rund 83.000 Stellenanzeigen zum 31. Dezember 2025 und im Schnitt 1,5 Millionen Nutzer pro Monat. Hier ist der Zugang gerade nicht knapp, sondern hart umkämpft: Jede große Suchmaschine, jedes soziale Netzwerk und jedes Bewerbermanagement-System spielt mit. Und hier arbeitet die Technik, mit der DHI wirbt:

„Candidate Match and Search on Dice is powered by IntelliSearch, a proprietary machine-learning technology that is foundational to many Dice products and services. Approximately 90% of Dice revenue was derived from recruitment packages in 2025."

Übersetzung: „Kandidaten-Matching und Suche auf Dice laufen über IntelliSearch, eine eigene Machine-Learning-Technik, die für viele Dice-Produkte und -Dienste grundlegend ist. Rund 90 Prozent des Dice-Umsatzes stammten 2025 aus Recruitment-Paketen."

— DHI Group, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1 Business

Gelb markierter Absatz aus dem DHI-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Kandidaten-Matching und Suche auf Dice laufen über IntelliSearch, eine eigene Machine-Learning-Technik, die für viele Dice-Produkte grundlegend ist; rund 90 Prozent des Dice-Umsatzes stammten 2025 aus Recruitment-Paketen.
Die markierte Stelle im Original: IntelliSearch als Grundlage vieler Dice-Produkte, 90 Prozent des Dice-Umsatzes aus Recruitment-Paketen. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: DHI verkauft KI-gestützte Werkzeuge an Personalabteilungen — und verliert gleichzeitig Umsatz, weil dieselbe Technik den Bedarf an den Fachkräften senkt, die DHI vermittelt. Der Konzern beschreibt sich im Geschäftsbericht selbst als „leading provider of artificial intelligence-powered software products" — als führenden Anbieter KI-gestützter Softwareprodukte. Beide Sätze stehen im selben Dokument.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam

DHI Group steht auf Platz 20 im hauseigenen Big-Earnings-Surprise-Ranking (US-Auswahl mit 81 Treffern, Stand 25. Juli 2026). Die vollständige Liste findest du in unserem Aktien-Scanner „Big Earnings Surprise" — der Filter sucht Unternehmen, deren berichteter Gewinn deutlich über der Erwartung lag. Wichtig zu wissen: Diese Listen werden täglich neu berechnet; Platz und Zusammensetzung können sich mit dem nächsten Lauf verschieben.

Was den Filter ausgelöst hat, ist eindrucksvoll. Für das erste Quartal 2026 lag die Erwartung bei 0,03 US-Dollar je Aktie, gemeldet wurden 0,08 US-Dollar — eine Überraschung von rund 167 Prozent. Und das war kein Ausrutscher: Nach den Fundamentaldaten (Datenstand 25. Juli 2026) hat DHI in den zehn Quartalen von Ende 2023 bis zum ersten Quartal 2026 jedes Mal über der Erwartung gelegen, in einem Quartal um 600 Prozent. Dazu ein relatives Stärke-Rating von 88: Die Aktie hat sich besser entwickelt als 88 Prozent des Vergleichsfelds (Stand 25. Juli 2026).

Jetzt die Gegenrechnung, und sie steht in denselben Daten. In genau diesem Zeitraum ist der Umsatz elf Quartale in Folge gefallen — vom dritten Quartal 2023 bis zum ersten Quartal 2026, zuletzt um 8,1 Prozent auf 29,693 Millionen US-Dollar. Merke dir den Befund gleich zu Beginn: Eine Gewinnüberraschung misst den Abstand zur Erwartung, nicht die Richtung des Geschäfts. Beides zusammen ergibt erst ein Bild — und dieses Bild sehen wir uns jetzt an.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich für DHI spricht, und das ist mehr, als die Verlustzeile vermuten lässt. Der wichtigste Punkt: Diese Firma verdient Geld, auch wenn sie Verlust ausweist. 2025 flossen aus dem laufenden Geschäft 21,102 Millionen US-Dollar zu — praktisch gleich viel wie 2024 (21,045 Millionen). Weil die Investitionen von 13,932 auf 7,309 Millionen fast halbiert wurden, blieben 13,793 Millionen US-Dollar frei verfügbar, nach 7,113 Millionen im Vorjahr und 1,093 Millionen im Jahr 2023. Im ersten Quartal 2026 waren es 8,4 Millionen operativ und 6,8 Millionen frei — gegenüber 0,1 Millionen im Vorjahresquartal.

Der Grund liegt im Geschäftsmodell: Kunden zahlen im Voraus. Zum 31. März 2026 standen 44,275 Millionen US-Dollar kurzfristige Vorauszahlungen in der Bilanz — Geld, das schon auf dem Konto liegt, aber erst später als Umsatz zählt. Ein Verlust, der überwiegend aus Abschreibungen und Wertminderungen besteht, kostet kein Bargeld.

Zweitens hält sich die Ertragskraft, wenn man die Sonderposten herausrechnet: Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag 2025 bei 35,103 Millionen US-Dollar nach 35,313 Millionen im Vorjahr — bei 10 Prozent weniger Umsatz. Die bereinigte Marge stieg dadurch von 25 auf 27 Prozent. Für einen Anbieter, dessen Hauptmarkt wegbricht, ist das eine bemerkenswerte Kostendisziplin. Sie hat allerdings einen Preis, auf den wir gleich zurückkommen.

Drittens — und das ist die eigentliche gute Nachricht — funktioniert eine der beiden Marken:

Gruppiertes Balkendiagramm der DHI-Umsätze in Millionen US-Dollar für 2023 bis 2025: ClearanceJobs grün mit 50,3, 54,1 und 54,9; Dice rot mit 101,5, 87,8 und 72,9. ClearanceJobs wächst leicht, Dice fällt in zwei Jahren um mehr als ein Viertel.
Zwei Marken, zwei Richtungen: ClearanceJobs legte von 50,3 auf 54,9 Millionen US-Dollar zu, Dice fiel von 101,5 auf 72,9 Millionen. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

ClearanceJobs verdient prächtig. 2025 kam die Marke auf 54,889 Millionen US-Dollar Umsatz und ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 23,746 Millionen — eine Marge von 43 Prozent. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 4,6 Prozent auf 13,996 Millionen, die Buchungen sogar um 7 Prozent auf 18,0 Millionen. Der durchschnittliche Jahresumsatz je Paketkunde legte um 6 Prozent auf 27.286 US-Dollar zu. Die Verlängerungsquote lag 2025 bei 89 Prozent, die Umsatzbindung bestehender Kunden bei 106 Prozent — die Bestandskunden zahlten also mehr als im Vorjahr. Und DHI baut hier zu: AgileATS (Bewerbermanagement für Regierungsauftragnehmer, 31. Juli 2025, 1,9 Millionen US-Dollar Gesamtpreis) und Point Solutions Group (Ingenieur- und Technologiedienstleister für Verteidigungsaufträge, 27. Februar 2026, 5,4 Millionen).

Merke dir das Bild: In diesem Konzern stecken zwei Firmen. Eine wächst mit 43 Prozent Marge, die andere schrumpft seit drei Jahren. Damit sind wir bei den unbequemen Wahrheiten.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Dice verliert in zwei Jahren mehr als ein Viertel

Das ist der Kern dieser Analyse. Dice setzte 2023 noch 101,530 Millionen US-Dollar um, 2024 waren es 87,783 Millionen, 2025 nur noch 72,937 Millionen. Das sind 28,2 Prozent weniger in zwei Jahren. Der Geschäftsbericht wird deutlich:

„In a year shaped by unprecedented macroeconomic volatility and a softened technology hiring market coupled with headwinds in government hiring, the Company experienced a revenue decline of 10% year-over-year."

Übersetzung: „In einem Jahr, das von beispielloser gesamtwirtschaftlicher Schwankung und einem erlahmten Markt für Technik-Einstellungen geprägt war, verbunden mit Gegenwind bei staatlichen Einstellungen, verzeichnete das Unternehmen einen Umsatzrückgang von 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr."

— DHI Group, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1 Business

Hinter dem Rückgang steckt ein Kundenschwund. Zum 31. März 2026 hatte Dice noch 3.832 Paketkunden nach 4.490 ein Jahr zuvor — 15 Prozent weniger. Gleichzeitig sank der durchschnittliche Jahresumsatz je Kunde um 6 Prozent auf 15.466 US-Dollar. Beides zusammen ist die gefährliche Kombination: weniger Kunden, die auch noch weniger zahlen. Die Verlängerungsquote lag 2025 bei 72 Prozent, die Umsatzbindung bei 94 Prozent — jeder verlängerte Vertrag war also im Schnitt kleiner als der alte.

Und der Vorlauf zeigt nach unten: Die Buchungen von Dice fielen im ersten Quartal 2026 um 20 Prozent auf 20,2 Millionen US-Dollar. Buchungen sind das, was künftig als Umsatz ankommt — sie laufen dem Umsatz voraus. Der gesamte Auftragsbestand des Konzerns (Vorauszahlungen plus vertraglich zugesagte, noch nicht abgerechnete Leistungen) sank zum 31. Dezember 2025 um 5 Prozent auf 99,571 Millionen US-Dollar, die Vorauszahlungen allein um 12 Prozent auf 39,939 Millionen. Die Unternehmensprognose vom 5. Mai 2026 sieht für Dice im Jahr 2026 62 bis 64 Millionen US-Dollar vor — noch einmal rund 13 Prozent weniger. Damit wäre Dice erstmals nicht mehr die größere der beiden Marken.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Firma beziffert die KI-Wirkung selbst — mit 9,6 Millionen

Über künstliche Intelligenz und Jobbörsen wird viel gemutmaßt. DHI Group muss man nicht mutmaßen lassen: Das Unternehmen hat die Wirkung in einer geprüften Bilanzposition festgehalten. Im dritten Quartal 2025 senkte es den Buchwert der Marke Dice um 9,6 Millionen US-Dollar auf 14,2 Millionen. Die Begründung steht wörtlich im Geschäftsbericht:

„During the third quarter of 2025, because of the continuing impacts of tariffs, DOGE, and artificial intelligence (AI) models lowering the demand for technology professionals, when combined with the demand impacts of uncertainty surrounding the U.S. federal budget during the quarter, and the subsequent shut-down of the U.S. government, the Company recorded an impairment charge of $9.6 million, reducing the carrying value of the Dice trademarks and brand name to $14.2 million."

Übersetzung: „Im dritten Quartal 2025 erfasste das Unternehmen wegen der anhaltenden Auswirkungen von Zöllen, DOGE und Modellen der künstlichen Intelligenz (KI), die die Nachfrage nach Technologie-Fachkräften senken, zusammen mit den Nachfragewirkungen der Unsicherheit um den US-Bundeshaushalt und der anschließenden Schließung der US-Regierung, eine Wertminderung von 9,6 Millionen US-Dollar und senkte den Buchwert der Dice-Marken und des Markennamens auf 14,2 Millionen US-Dollar."

— DHI Group, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Kritische Bilanzierungsschätzungen

Gelb markierter Absatz aus dem DHI-Geschäftsbericht 10-K für 2025: Wegen Zöllen, DOGE und KI-Modellen, die die Nachfrage nach Technologie-Fachkräften senken, erfasste das Unternehmen im dritten Quartal 2025 eine Wertminderung von 9,6 Millionen US-Dollar und senkte den Buchwert der Dice-Marken auf 14,2 Millionen.
Die markierte Stelle im Original: 9,6 Millionen US-Dollar Wertminderung, Restbuchwert der Dice-Marke 14,2 Millionen — mit künstlicher Intelligenz als ausdrücklich genanntem Grund. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Dasselbe Dokument führt den Punkt unter den Risikofaktoren noch einmal in einem Satz, den man sich merken sollte, weil er das Geschäftsmodell im Kern trifft: „AI models may reduce the demand for technology professionals in the workforce." — KI-Modelle können die Nachfrage nach Technologie-Fachkräften am Arbeitsmarkt senken. Wer Stellenanzeigen für Programmierer verkauft, verkauft am Ende genau diese Nachfrage.

Gelb markierter Risikofaktor aus dem DHI-Geschäftsbericht 10-K für 2025 unter der Überschrift, dass Entwicklung und Einsatz künstlicher Intelligenz zu Reputationsschaden oder Haftung führen können; in der Mitte des Absatzes steht der Satz, dass KI-Modelle die Nachfrage nach Technologie-Fachkräften am Arbeitsmarkt senken können.
Der komplette Risikofaktor zur künstlichen Intelligenz, gelb markiert; der zitierte Satz steht in der Mitte des Absatzes. Der Absatz bricht am Seitenende des Originals ab und wird darunter fortgesetzt. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A Risikofaktoren (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Ehrlicherweise gehört die Gegenseite dazu: Derselbe Absatz sagt auch „We envision a future in which AI's incorporation into our products helps our customers be more productive in their work" — das Unternehmen sieht KI in den eigenen Produkten als Produktivitätsgewinn für seine Kunden. Und der Vorstandsvorsitzende Art Zeile verwies am 5. Mai 2026 auf „increasing demand for AI-related skills", also auf steigende Nachfrage nach KI-Fähigkeiten, die Dice zugutekomme. Beide Lesarten sind möglich. Nur hat bisher genau eine davon einen Betrag in der Bilanz: minus 9,6 Millionen. Wie unterschiedlich die andere Seite dieser Medaille aussieht, zeigt der Blick auf den Konzern, der die Suchmaschine besitzt, über die viele dieser Stellenanzeigen überhaupt gefunden werden — nachzulesen in unserer Analyse von Alphabet.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Überraschung ist eine bereinigte Zahl

Zurück zur Latte. Die 0,08 US-Dollar je Aktie, die im ersten Quartal 2026 die Erwartung von 0,03 übertrafen, sind eine Nicht-GAAP-Kennzahl — eine vom Unternehmen definierte Größe, die bestimmte Kosten ausklammert. Nach den offiziellen Rechnungslegungsvorschriften verdiente DHI im selben Quartal 1,532 Millionen US-Dollar oder 0,04 US-Dollar je verwässerter Aktie. Das ist die Hälfte. Beide Zahlen stehen in derselben Mitteilung vom 5. Mai 2026, aber nur eine davon wird mit der Erwartung verglichen.

Im Gesamtjahr 2025 klafft die Lücke weiter auseinander. Der Geschäftsbericht weist ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 35,103 Millionen US-Dollar aus — und einen Nettoverlust von 13,510 Millionen. Dazwischen liegen 32,8 Millionen US-Dollar an herausgerechneten Posten, nach Steuern 26,7 Millionen oder 0,59 US-Dollar je verwässerter Aktie. Die Brücke sieht so aus:

Wasserfalldiagramm für das Jahr 2025 in Millionen US-Dollar: Start beim bereinigten EBITDA der Segmente mit 42,7, davon ab Konzernkosten 7,6, Abschreibungen 14,6, Wertminderungen 19,7, Umbau und Abfindungen 13,1 sowie Zinsen und Beteiligung 2,4 — Endwert Ergebnis vor Steuern minus 14,7.
Vom bereinigten Segmentergebnis zum Verlust: 42,7 Millionen US-Dollar minus Konzernkosten, Abschreibungen, Wertminderungen und Umbaukosten ergeben ein Ergebnis vor Steuern von minus 14,7 Millionen. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Brücke beginnt beim bereinigten Ergebnis der beiden Segmente von 42,7 Millionen US-Dollar. Davon gehen ab: 7,6 Millionen Konzernkosten, die keinem Segment zugeordnet werden, 14,6 Millionen Abschreibungen auf selbst entwickelte Software und Sachanlagen, 19,7 Millionen Wertminderungen, 13,1 Millionen für Umbau und Abfindungen sowie 2,4 Millionen für Zinsen und die Beteiligung an eFinancialCareers. Am Ende steht ein Ergebnis vor Steuern von minus 14,7 Millionen US-Dollar, nach Steuerentlastung ein Nettoverlust von 13,510 Millionen.

Zwei Posten verdienen einen eigenen Blick. Die Wertminderungen von 19,7 Millionen US-Dollar setzen sich zusammen aus 7,8 Millionen auf den Firmenwert von Dice (erstes Quartal 2025), 9,6 Millionen auf die Dice-Marke (drittes Quartal), 1,4 Millionen auf ein Mietrecht (viertes Quartal) und 0,9 Millionen auf die Beteiligung an eFinancialCareers. Und die 13,1 Millionen für Umbau und Abfindungen haben ein Gesicht: Im Januar 2025 baute DHI rund 8 Prozent der Belegschaft ab, im Juni 2025 noch einmal rund 25 Prozent, überwiegend bei Dice. Zum Jahresende blieben rund 270 Beschäftigte. Ein Teil der schönen Marge von 27 Prozent ist schlicht die Abwesenheit von Menschen.

Fair ist zu sagen: Nicht-GAAP-Kennzahlen sind erlaubt, üblich und werden von der SEC verlangt, mit den offiziellen Zahlen abgestimmt zu werden — was DHI auch tut. Es geht nicht um Trickserei. Es geht darum, dass die Latte, über die gesprungen wird, aus bereinigten Zahlen gebaut ist, während die Bilanz mit den unbereinigten arbeitet.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Materiell ist die Bilanz 47,5 Millionen im Minus

Zum 31. März 2026 wies DHI Group ein Eigenkapital von 92,519 Millionen US-Dollar aus — bei einer Bilanzsumme von 191,996 Millionen eine Quote von 48 Prozent. Klingt solide. Nur besteht die Aktivseite zu großen Teilen aus Buchwerten früherer Zukäufe: 122,741 Millionen Firmenwert plus 17,232 Millionen weitere immaterielle Werte. Zieht man beides ab, bleibt ein materieller Buchwert von minus 47,5 Millionen US-Dollar. In der Kasse lagen 3,012 Millionen, an Bankschulden 33,0 Millionen.

Das ist bei einem Software-Marktplatz nicht ungewöhnlich — Server und Schreibtische sind nun einmal nicht das Kapital dieser Firma. Es bedeutet aber, dass jede weitere Abschreibung direkt ins Eigenkapital schneidet. Und der Quartalsbericht hält die Tür ausdrücklich offen: „If future cash flows that are attributable to the Dice reporting unit are not achieved, the Company could realize a further impairment in a future period" — werden die dem Segment Dice zugerechneten künftigen Zahlungsströme nicht erreicht, kann eine weitere Wertminderung folgen. Der Dice-Firmenwert steht nach der Abschreibung von 2025 noch bei 22,9 Millionen US-Dollar. Die Prognose für 2026 sieht für Dice weniger Umsatz vor als 2025. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, worauf der Werthaltigkeitstest zum 1. Oktober 2026 schaut.

Dazu passt der Altman-Z-Wert von 1,49 (Datenstand 25. Juli 2026), ein gängiger Insolvenz-Frühindikator: Alles unter 1,81 gilt als Warnbereich. Man sollte ihn hier nicht überinterpretieren — die Formel bestraft genau die immateriellen Bilanzen, die bei Software-Firmen normal sind, und ein Unternehmen mit 13,8 Millionen US-Dollar freiem Mittelzufluss steht nicht am Abgrund. Aber zusammen mit dem Piotroski-Score von 4 von 9 Punkten — eine kerngesunde Firma steht bei 8 oder 9 — ergibt sich ein nüchternes Bild von der Substanz.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Die neue Kreditlinie ist größer, teurer und verpfändet das gute Geschäft

Am 1. April 2026 schloss DHI einen neuen Kreditvertrag mit der Bank of America als Konsortialführerin: eine revolvierende Linie über 70 Millionen US-Dollar mit einer Erweiterungsoption über weitere 37,5 Millionen, fällig am 1. April 2030. Rund 33 Millionen wurden sofort gezogen, um die alte Linie vollständig abzulösen. Der Rahmen ist damit mehr als doppelt so groß wie die zuvor gezogene Summe — das ist Handlungsspielraum für weitere Zukäufe.

Zwei Details stehen im Kleingedruckten. Erstens ist Geld teurer geworden: Die Zinsmarge auf SOFR-Darlehen liegt jetzt bei 2,50 bis 3,25 Prozent, unter dem alten Vertrag waren es 2,00 bis 2,75 Prozent. Zweitens die Sicherheiten:

„The Facility and the loans made under the Facility are guaranteed by two of the Company's subsidiaries, ClearanceJobs, LLC and Point Solutions Group, LLC and secured by substantially all of the personal property of the Company, Dice, DCS and the guarantors."

Übersetzung: „Die Kreditlinie und die darunter ausgereichten Darlehen werden von zwei Tochtergesellschaften des Unternehmens garantiert, ClearanceJobs, LLC und Point Solutions Group, LLC, und sind besichert durch im Wesentlichen das gesamte bewegliche Vermögen des Unternehmens, von Dice, von DCS und der Garanten."

— DHI Group, Inc., SEC-Meldung Form 8-K vom 6. April 2026, Item 1.01

Gelb markierter Absatz aus der DHI-Meldung Form 8-K vom 6. April 2026: Die Kreditlinie wird von ClearanceJobs, LLC und Point Solutions Group, LLC garantiert und ist durch praktisch das gesamte bewegliche Vermögen besichert; Fälligkeit 1. April 2030, vorzeitige Rückzahlung jederzeit ohne Strafe.
Die markierte Stelle im Original: ClearanceJobs und Point Solutions Group garantieren die Linie, besichert ist praktisch das gesamte bewegliche Vermögen. Quelle: SEC-Meldung Form 8-K vom 06.04.2026, Item 1.01 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Übersetzt: Ausgerechnet die Marke, die wächst und 43 Prozent Marge bringt, haftet für die Schulden des Konzerns. Solange die Bedingungen eingehalten werden, ist das reine Vertragstechnik. Zwei Grenzen gehören trotzdem in den Kalender: Neue Ziehungen sind nur zulässig, solange der Verschuldungsgrad höchstens das 2,50-Fache und die Zinsdeckung mindestens das 1,20-Fache beträgt — Aktienrückkäufe und Dividenden sogar nur bis zum 2,00-Fachen. Bei 33 Millionen Schulden und 35,1 Millionen bereinigtem Jahresergebnis liegt der Verschuldungsgrad derzeit deutlich darunter. Fällt das bereinigte Ergebnis aber Richtung 17 Millionen, ist der Rückkauf zuerst weg.

Zum Bild gehört noch ein Vorgang, der in die Personalakte des Unternehmens gehört: Am 24. Februar 2026 trennte sich der Prüfungsausschuss von Deloitte & Touche LLP und bestellte RSM US LLP als neuen Abschlussprüfer. Die Meldung nennt ausdrücklich keine Meinungsverschiedenheiten und keine berichtspflichtigen Ereignisse; die Hauptversammlung bestätigte RSM am 15. Mai 2026 mit über 37 Millionen Ja-Stimmen. Ein Prüferwechsel nach einem Verlustjahr ist trotzdem ein Vorgang, den man registriert.

Bewertung: bezahlt wird das Bargeld, nicht das Wachstum

Wie teuer ist die Aktie? Wir rechnen mit einem datierten Anker statt mit einem Tageskurs: 43.198.507 ausstehende Aktien (Deckblatt des Quartalsberichts, Stand 30. April 2026) mal 3,85 US-Dollar (Datenstand 25. Juli 2026) ergeben rund 166 Millionen US-Dollar Börsenwert. Die Fundamentaldaten weisen zum selben Stand 166,3 Millionen aus — die Gegenprobe stimmt auf den Punkt.

Daraus ergeben sich diese Verhältnisse: ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 1,3 (auf 127,8 Millionen Umsatz 2025), ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 1,8 und ein Unternehmenswert von rund 196 Millionen (166 plus 33 Millionen Schulden minus 3 Millionen Kasse). Gemessen am bereinigten Jahresergebnis von 35,1 Millionen ist das das rund 5,6-Fache — für einen Marktplatz mit 27 Prozent bereinigter Marge kein hoher Preis. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt es nicht, weil 2025 ein Verlustjahr war.

Die zweite Rechnung ist noch aussagekräftiger: Bei 13,8 Millionen US-Dollar freiem Mittelzufluss im Jahr 2025 zahlt man für die Firma rund das 12-Fache dessen, was sie an Bargeld übrig lässt. Das ist der eigentliche Grund, warum die Aktie seit Jahresbeginn um rund 148 Prozent gestiegen ist (Datenstand 25. Juli 2026) und sich in einer 52-Wochen-Spanne von 1,44 bis 4,33 US-Dollar bewegt hat: Der Markt hat aufgehört, DHI als Wachstumswert zu betrachten, und bewertet es als Bargeldmaschine im Rückbau.

Der Blick der Profis fällt schmal, aber freundlich aus: Der Aktie folgen drei Analysten mit einem durchschnittlichen Kursziel von 5,83 US-Dollar (Datenstand 25. Juli 2026), alle drei mit positiver Einstufung. Bei drei Stimmen ist das kein Konsens, sondern eine Meinung — du bist auf die eigenen Zahlen angewiesen. Wie schnell sich ein Personaldienstleister-Markt drehen kann, wenn die Nachfrage zurückkehrt, haben wir am Beispiel eines anderen Vermittlers in unserer Analyse von AMN Healthcare durchgerechnet.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für DHI Group spricht:

  • ClearanceJobs ist ein echtes Nischenmonopol: 54,889 Millionen US-Dollar Umsatz 2025 bei 23,746 Millionen bereinigtem Ergebnis (43 Prozent Marge), 89 Prozent Verlängerungsquote, 106 Prozent Umsatzbindung, im ersten Quartal 2026 plus 4,6 Prozent Umsatz und plus 7 Prozent Buchungen.
  • Das Geschäft wirft trotz Verlust Bargeld ab: 21,102 Millionen US-Dollar operativer Mittelzufluss 2025, nach Investitionen 13,793 Millionen frei — mehr als in den beiden Vorjahren; im ersten Quartal 2026 bereits 6,8 Millionen frei nach 0,1 Millionen im Vorjahresquartal.
  • Kostendisziplin wirkt: bereinigtes Jahresergebnis 2025 mit 35,103 Millionen US-Dollar praktisch unverändert gegenüber 35,313 Millionen, die bereinigte Marge stieg von 25 auf 27 Prozent — bei 10 Prozent weniger Umsatz.
  • Bewertung mit Bodensatz: rund 166 Millionen US-Dollar Börsenwert entsprechen dem rund 5,6-Fachen des bereinigten Jahresergebnisses und dem rund 12-Fachen des freien Mittelzuflusses 2025; dazu ein Rückkaufprogramm über 10 Millionen bis Februar 2027.
  • Finanzierung bis 2030 gesichert: neue revolvierende Linie über 70 Millionen US-Dollar (plus 37,5 Millionen Option) vom 1. April 2026, Fälligkeit 1. April 2030, jederzeit straffrei rückzahlbar; Zukäufe wie AgileATS und Point Solutions Group bauen ClearanceJobs weiter aus.

Was dagegen spricht:

  • Dice bricht weg: 101,530 Millionen US-Dollar Umsatz 2023, 72,937 Millionen 2025, Prognose 62 bis 64 Millionen für 2026; 15 Prozent weniger Paketkunden und 6 Prozent weniger Umsatz je Kunde zum 31.03.2026, Buchungen im ersten Quartal 2026 minus 20 Prozent.
  • Die Firma nennt künstliche Intelligenz selbst als Grund für 9,6 Millionen US-Dollar Wertminderung auf die Marke Dice; der Restbuchwert von 14,2 Millionen und der Dice-Firmenwert von 22,9 Millionen stehen beim nächsten Werthaltigkeitstest zum 1. Oktober 2026 erneut auf dem Prüfstand.
  • Materiell negative Substanz: 122,741 Millionen Firmenwert plus 17,232 Millionen immaterielle Werte gegen 92,519 Millionen Eigenkapital ergeben minus 47,5 Millionen materiellen Buchwert (Stand 31.03.2026); Altman-Z 1,49, Piotroski 4 von 9 (Datenstand 25.07.2026).
  • Die Gewinnüberraschungen entstehen an bereinigten Zahlen: 0,08 gegen 0,04 US-Dollar je Aktie im ersten Quartal 2026, im Gesamtjahr 2025 herausgerechnete Posten von 32,8 Millionen (0,59 US-Dollar je Aktie) gegen einen Nettoverlust von 13,510 Millionen.
  • Der Umbau ist tief eingeschnitten: rund 8 Prozent Personalabbau im Januar 2025, rund 25 Prozent im Juni 2025, zum Jahresende noch rund 270 Beschäftigte; ein Teil der Margenverbesserung ist eingespartes Personal, nicht besseres Geschäft. Dazu ein Prüferwechsel von Deloitte zu RSM im Februar 2026.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Latten-Falle vom Anfang. Ihr Kern ist nicht, dass die zehn Gewinnüberraschungen erfunden wären — sie stehen so in den Meldungen. Ihr Kern ist, dass eine Überraschung immer nur den Abstand zu einer fremden Schätzung misst und nie die Richtung des Geschäfts. Bei DHI Group lautet die ehrliche Antwort für 2025: 127,8 Millionen US-Dollar Umsatz nach 151,9 Millionen zwei Jahre zuvor, ein Nettoverlust von 13,5 Millionen, 19,7 Millionen Wertminderungen, ein Drittel weniger Personal — und trotzdem 13,8 Millionen US-Dollar, die am Ende des Jahres frei zur Verfügung standen. Das ist keine Katastrophe. Es ist auch keine Wachstumsgeschichte. Es sind zwei Firmen in einem Mantel: eine wachsende Nische mit 43 Prozent Marge und eine schrumpfende Jobbörse, deren wichtigster Gegenwind laut Geschäftsbericht die Technologie ist, mit der die Firma selbst wirbt.

Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Wie oft hat DHI die Erwartung geschlagen?", sondern: Kaufst du hier eine Bargeldmaschine zum 5,6-Fachen ihres bereinigten Ergebnisses — oder eine Firma, deren größere Hälfte gerade von einer Technologie eingeholt wird, die sie selbst verkauft? Wenn ClearanceJobs 2026 tatsächlich an Dice vorbeizieht und der freie Mittelzufluss hält, ist die erste Lesart richtig. Wenn Dice weiter im zweistelligen Bereich fällt, wird aus dem billigen Preis nur ein Preis, der zu Recht niedrig war. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Der jüngste ausgewertete Periodenbericht ist der Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026; die Zahlen für 2026 sind ungeprüft. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in DHI-Group-Aktien.

Unser Fazit auf einen Blick

ClearanceJobs positiv
Die kleinere Marke ist die bessere: 54,889 Millionen US-Dollar Umsatz 2025 (+1 Prozent) bei 23,746 Millionen bereinigtem Ergebnis — eine Marge von 43 Prozent. Verlängerungsquote 89 Prozent, Umsatzbindung 106 Prozent; im ersten Quartal 2026 plus 4,6 Prozent Umsatz, plus 7 Prozent Buchungen und plus 6 Prozent Umsatz je Kunde. Die Zukäufe AgileATS und Point Solutions Group bauen genau dieses Segment aus.
Dice negativ
Der Umsatz fiel von 101,530 Millionen US-Dollar (2023) auf 72,937 Millionen (2025), die Prognose für 2026 lautet 62 bis 64 Millionen. Zum 31.03.2026 waren es 15 Prozent weniger Paketkunden und 6 Prozent weniger Umsatz je Kunde; die Buchungen fielen im ersten Quartal 2026 um 20 Prozent. Damit wäre Dice 2026 erstmals nicht mehr die größere Marke.
Bargeldstärke positiv
Trotz Nettoverlust flossen 2025 aus dem laufenden Geschäft 21,102 Millionen US-Dollar zu; nach Investitionen von 7,309 Millionen blieben 13,793 Millionen frei — mehr als 2024 (7,113 Millionen) und 2023 (1,093 Millionen). Im ersten Quartal 2026 waren es 6,8 Millionen frei nach 0,1 Millionen im Vorjahresquartal. Kunden zahlen im Voraus: 44,275 Millionen Vorauszahlungen zum 31.03.2026.
Bilanzsubstanz negativ
Zum 31.03.2026 stehen 122,741 Millionen US-Dollar Firmenwert und 17,232 Millionen weitere immaterielle Werte einem Eigenkapital von 92,519 Millionen gegenüber — materiell also minus 47,5 Millionen. Altman-Z 1,49 und Piotroski 4 von 9 (Datenstand 25.07.2026). Der Quartalsbericht hält eine weitere Abschreibung auf den Dice-Firmenwert (22,9 Millionen) ausdrücklich für möglich.
Qualität der Gewinnüberraschung neutral
Die Serie ist echt — zehn Quartale in Folge über der Erwartung (Datenstand 25.07.2026) —, aber sie wird an bereinigten Zahlen gemessen: 0,08 gegen 0,04 US-Dollar je Aktie im ersten Quartal 2026. Im Jahr 2025 rechnete das Unternehmen 32,8 Millionen US-Dollar an Sonderposten heraus (0,59 US-Dollar je Aktie), während der Umsatz elf Quartale in Folge fiel.
Bewertung positiv
Rund 166 Millionen US-Dollar Börsenwert (43.198.507 Aktien × 3,85 US-Dollar, Datenstand 25.07.2026) entsprechen dem rund 5,6-Fachen des bereinigten Jahresergebnisses von 35,1 Millionen und dem rund 12-Fachen des freien Mittelzuflusses von 13,8 Millionen. Kurs-Umsatz-Verhältnis rund 1,3. Für eine schrumpfende, aber bargeldstarke Firma ist das kein hoher Preis — 52-Wochen-Spanne 1,44 bis 4,33 US-Dollar.

DHI Group ist die Latten-Falle in Reinform: Zehn Quartale in Folge über der Analystenerwartung — und elf Quartale in Folge weniger Umsatz. Beides stimmt, weil die Überraschung an bereinigten Zahlen gemessen wird und die Erwartung mitgeschrumpft ist. Im Konzern stecken zwei Firmen: ClearanceJobs wächst mit 43 Prozent Marge, Dice verlor in zwei Jahren 28 Prozent Umsatz und soll 2026 weiter fallen. Das Unternehmen hat die Ursache selbst beziffert: 9,6 Millionen US-Dollar Wertminderung auf die Marke Dice, ausdrücklich auch wegen KI-Modellen, die die Nachfrage nach Technologie-Fachkräften senken. Dem stehen 13,8 Millionen freier Mittelzufluss und ein Börsenwert von rund 166 Millionen gegenüber — bei materiell negativer Substanz von 47,5 Millionen. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Der Preis ist niedrig, die Frage ist, ob er zu Recht niedrig ist. Drei Prüfsteine sind konkret und terminiert. Erstens der Quartalsbericht für das zweite Quartal 2026: Hält ClearanceJobs den Wachstumspfad in Richtung der Jahresprognose von 62 bis 64 Millionen US-Dollar, und fällt Dice weiter im zweistelligen Bereich? Die Buchungen von Dice (zuletzt minus 20 Prozent) sagen es früher als der Umsatz. Zweitens der Geschäftsbericht für 2026: Was ergibt der Werthaltigkeitstest zum 1. Oktober 2026 für die Dice-Marke (Restbuchwert 14,2 Millionen) und den Dice-Firmenwert (22,9 Millionen)? Drittens die Aktienzahl: Sinkt sie durch das 10-Millionen-Rückkaufprogramm netto weiter, oder holen die am 15. Mai 2026 genehmigten 2,8 Millionen Planaktien den Effekt wieder ein? Fällt der erste Prüfstein positiv aus, ist das rund 5,6-Fache des bereinigten Ergebnisses ein Argument. Bis dahin ist Beobachten die ehrlichere Haltung — die Entscheidung liegt bei Dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam DHI Group über Platz 20 im hauseigenen Big-Earnings-Surprise-Ranking (US-Auswahl mit 81 Treffern), Stand 25. Juli 2026, bei einem relativen Stärke-Rating von 88. Diese Listen werden täglich neu berechnet; Rang und Zusammensetzung können sich mit dem nächsten Lauf verschieben.
  • Verwechslungsgefahr: DHX steht an der NYSE für DHI Group, Inc. (CIK 0001393883), nicht für das kanadische Animationsstudio DHX Media, das heute WildBrain heißt. Bis zum 20. April 2015 firmierte DHI Group als Dice Holdings, Inc. — daher das Kürzel.
  • Datenstand und Prüfungsstatus: Jüngster ausgewerteter Periodenbericht ist der Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (eingereicht 5. Mai 2026); die Zahlen für 2026 sind ungeprüft. Alle danach eingereichten Dokumente bis zum 25. Juli 2026 wurden durchgesehen — Form 8-K vom 19. Mai 2026 (Hauptversammlung) und Form S-8 vom 26. Mai 2026 (Registrierung der 2,8 Millionen Planaktien) sind eingearbeitet.
  • Zwei Zustände aus dem Geschäftsbericht 2025 sind überholt und wurden korrigiert übernommen: Der Kreditvertrag wurde am 1. April 2026 durch eine neue revolvierende Linie über 70 Millionen US-Dollar (Fälligkeit 1. April 2030) ersetzt, und der Abschlussprüfer wechselte am 24. Februar 2026 von Deloitte & Touche LLP zu RSM US LLP.
  • Zur Übernahme-Frage: Es liegt keine laufende Transaktion über DHI Group selbst vor — weder Form 15 oder Form 25 noch SC 13E-3, PREM14A oder DEFM14A. Das Unternehmen tritt als Käufer auf (AgileATS am 31.07.2025, Point Solutions Group am 27.02.2026). Der Geschäftsbericht führt allerdings sowohl eine mögliche Prüfung strategischer Alternativen als auch unaufgeforderte Kaufangebote als Risikofaktoren; das Section-382-Rights-Agreement vom 28.01.2025 wirkt bei einem Erwerb ab 4,99 Prozent als Übernahmehürde.

Häufige Fragen

DHI Group, Inc. (NYSE: DHX) aus Centennial, Colorado, betreibt zwei Karriere-Marktplätze. ClearanceJobs vermittelt Fachkräfte mit gültiger US-Sicherheitsüberprüfung an Unternehmen aus Verteidigung und Behördenumfeld (54,889 Millionen US-Dollar Umsatz 2025). Dice ist seit 35 Jahren eine Jobbörse für Technologie-Fachkräfte in den USA (72,937 Millionen). Rund 90 Prozent des Umsatzes beider Marken stammen aus jährlichen Zugangspaketen für Arbeitgeber.

Nein. Das Kürzel DHX steht an der New York Stock Exchange für DHI Group, Inc. (CIK 0001393883), ein US-Unternehmen für Karriere-Marktplätze. DHX Media war ein kanadisches Animationsstudio, das heute WildBrain heißt und in Toronto notiert ist. Bis zum 20. April 2015 firmierte DHI Group unter dem Namen Dice Holdings, Inc. — daher das Kürzel.

Weil das gemeldete Ergebnis regelmäßig deutlich über der Analystenerwartung lag. Im ersten Quartal 2026 standen 0,08 US-Dollar je Aktie einer Erwartung von 0,03 gegenüber — rund 167 Prozent Überraschung. Nach den Fundamentaldaten (Datenstand 25. Juli 2026) lag DHI in zehn Quartalen in Folge über der Erwartung. DHX steht damit auf Platz 20 der US-Auswahl mit 81 Treffern, Stand 25. Juli 2026; die Listen werden täglich neu berechnet.

Nach den Rechnungslegungsvorschriften stand ein Nettoverlust von 13,510 Millionen US-Dollar oder 0,30 US-Dollar je verwässerter Aktie — nach einem Gewinn von 0,253 Millionen im Jahr 2024. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen lag dagegen bei 35,103 Millionen (Vorjahr 35,313 Millionen). Dazwischen liegen 32,8 Millionen an herausgerechneten Posten, vor allem 19,7 Millionen Wertminderungen und 13,1 Millionen für Umbau und Abfindungen.

Eine doppelte. Das Unternehmen bezeichnet sich im Geschäftsbericht 2025 als führenden Anbieter KI-gestützter Softwareprodukte und betreibt mit IntelliSearch eine eigene Machine-Learning-Technik als Grundlage vieler Dice-Produkte. Gleichzeitig nennt derselbe Bericht KI-Modelle, die die Nachfrage nach Technologie-Fachkräften senken, als einen Grund für eine Wertminderung von 9,6 Millionen US-Dollar auf die Marke Dice im dritten Quartal 2025.

Der Umsatz fiel von 101,530 Millionen US-Dollar (2023) über 87,783 Millionen (2024) auf 72,937 Millionen (2025) — 28,2 Prozent in zwei Jahren. Zum 31. März 2026 hatte Dice 3.832 Paketkunden nach 4.490 im Vorjahr (minus 15 Prozent), der Umsatz je Kunde sank um 6 Prozent auf 15.466 US-Dollar. Die Buchungen fielen im ersten Quartal 2026 um 20 Prozent. Für 2026 erwartet das Unternehmen 62 bis 64 Millionen US-Dollar (Stand 5. Mai 2026).

Gerechnet mit 43.198.507 ausstehenden Aktien (Quartalsbericht, Stand 30. April 2026) und 3,85 US-Dollar je Aktie (Datenstand 25. Juli 2026) liegt der Börsenwert bei rund 166 Millionen US-Dollar. Das entspricht einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 1,3, einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 1,8 und dem rund 5,6-Fachen des bereinigten Jahresergebnisses. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis gibt es nicht, weil 2025 ein Verlustjahr war. 52-Wochen-Spanne: 1,44 bis 4,33 US-Dollar.

Eine Dividende gibt es nicht. Stattdessen kauft das Unternehmen eigene Aktien zurück: Das Programm vom November 2025 über 5,0 Millionen US-Dollar wurde im Januar 2026 mit 2,9 Millionen Aktien abgeschlossen, im Februar 2026 folgte ein neues Programm über 10 Millionen bis Februar 2027. Im ersten Quartal 2026 wurden 2,0 Millionen Aktien für 4,7 Millionen eingezogen. Gegenläufig genehmigte die Hauptversammlung am 15. Mai 2026 2,8 Millionen zusätzliche Aktien für den Mitarbeiter-Aktienplan.

Fehler gefunden?

Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.

Deine Angaben werden nur zur Prüfung Deiner Meldung verwendet und nicht weitergegeben.

Das könnte Sie interessieren

War diese Seite hilfreich für Dich?