Copart: 30 Jahre Ausnahme-Aktie, 56 Prozent Kurssturz — und mitten im Fall der größte Rückkauf der Firmengeschichte
Copart versteigert, was die Autoversicherer abschreiben — ein Duopol-Geschäft mit 36 Prozent operativer Marge, 4,2 Milliarden US-Dollar Liquidität und null Bankschulden (30.04.2026). Doch erstmals seit über einem Jahrzehnt wächst der Umsatz nicht mehr (neun Monate GJ 2026: −0,2 Prozent), das US-Volumen sinkt, der Großkunde Progressive lädt laut Branchenberichten zunehmend beim Konkurrenten IAA ab, und der CEO geht zum Geschäftsjahresende von Bord. Die Antwort des Konzerns: 1.632,5 Millionen US-Dollar Aktienrückkäufe in neun Monaten — nach drei Jahren Stillstand. Keine Anlageberatung — nur die Frage, ob hier ein Zyklus durchhängt oder ein Burggraben Wasser verliert.
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Der Heiligenschein-Effekt: Wenn 30 gute Jahre das Denken übernehmen
Es gibt eine Anleger-Falle, die ausgerechnet die geduldigsten Investoren trifft: den Heiligenschein-Effekt. Er funktioniert so: Eine Aktie hat dich — oder die Legenden, denen du folgst — über Jahrzehnte reich gemacht. Irgendwann prüfst du nicht mehr die Firma, du prüfst nur noch den Rabatt. Fällt so eine Aktie um die Hälfte, meldet sich sofort der Reflex: „So ein Qualitätsunternehmen kommt immer zurück. Das ist ein Geschenk." Vielleicht. Aber der Heiligenschein beantwortet die einzige Frage nicht, auf die es jetzt ankommt: Ist der Gegenwind vorübergehend — oder hat sich am Geschäft selbst etwas verändert?
Copart (Nasdaq: CPRT) ist der perfekte Testfall für diesen Reflex. Wer Anfang 2000 einen US-Dollar in die Aktie steckte, hatte am Hoch im Mai 2025 rund 79 US-Dollar — selbst nach dem Absturz sind es noch rund 34 (Kurshistorie, bereinigt, Stand 24.07.2026). Und jetzt das: Vom Schlusskurs-Hoch bei 63,84 US-Dollar (16.05.2025) ging es bis zum 24.07.2026 auf 27,94 US-Dollar hinab — minus 56 Prozent, am Zwischentief sogar minus 57. Einen tieferen Absturz gab es zuletzt 2001 bis 2003; selbst in der Finanzkrise 2008 verlor die Aktie „nur" 52 Prozent. Machen wir also einen Deal: Wir hängen den Heiligenschein an die Garderobe und lesen gemeinsam, was Copart selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für das Geschäftsjahr 2025, die drei Quartalsberichte (10-Q) des laufenden Jahres und die Pflichtmitteilungen (8-K) der letzten Monate. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Am Ende entscheidest du selbst, ob 56 Prozent Rabatt ein Geschenk sind — oder ein fairer Preis für ein Geschäft, das gerade seine erste ernste Frage seit langem gestellt bekommt.
Was in dieser Analyse steht
- Was Copart eigentlich macht: der Bestatter des Autos
- Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
- Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
- Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Das US-Volumen sinkt — und der wichtigste Kunde der Branche lädt woanders ab
- Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Drei Jahre kein Rückkauf — dann 1,6 Milliarden mitten im Absturz
- Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der Kapitän geht von Bord — und der Schwiegersohn des Gründers übernimmt wieder
- Bewertung: so günstig wie seit über zehn Jahren nicht — aus einem Grund
- Chancen und Risiken auf einen Blick
- Ein menschliches Fazit
- Quellen
Was Copart eigentlich macht: der Bestatter des Autos
Wenn ein Auto nach einem Unfall mehr kostet, als es wert ist, schreibt die Versicherung es ab — „Totalschaden". Genau dann beginnt Coparts Geschäft. Der Konzern aus Dallas holt das Fahrzeug ab, lagert es auf einem seiner Plätze und versteigert es über die hauseigene Online-Plattform VB3 an Verwerter, Werkstätten, Händler und Exporteure in aller Welt. Gründer Willis Johnson, der 1982 mit einem einzigen Schrottplatz in Kalifornien anfing, hat das Geschäftsmodell in seinem Buch „Junk to Gold" (2014) so beschrieben: „We are like the septic tanks of the sewer system. You can't have the system without us." — sinngemäß: Wir sind die Klärgrube des Systems; ohne uns funktioniert es nicht. Charmant ist anders. Aber es trifft den Kern: Copart ist der Bestatter des Autos — ein Geschäft, das niemand beneidet und fast niemand nachbauen kann.
Die Größenordnung, Stand der jüngsten Berichte: 281 Betriebsstandorte weltweit (10-K für das Geschäftsjahr 2025, das am 31.07.2025 endete), nach eigener Angabe „über 250 Standorte in 11 Ländern" mit mehr als 4 Millionen verkauften Fahrzeugen in den letzten zwölf Monaten (Presse-Mitteilung zum dritten Quartal, Mai 2026). Rund 1 Million registrierte Bieter aus über 185 Ländern steigern mit — und weil die Nachfrage global ist, gingen im Geschäftsjahr 2025 69,8 Prozent der US-Fahrzeuge an Käufer außerhalb des jeweiligen Bundesstaats; 38,8 Prozent aller verkauften US-Fahrzeuge kauften internationale Bieter. Das Land unter den Lagerplätzen gehört zu großen Teilen dem Konzern selbst: Der Buchwert des Grundbesitzes stieg binnen eines Jahres um 18 Prozent auf 2.394,6 Millionen US-Dollar (31.07.2025). Merke dir dieses Detail — wer die Plätze besitzt, auf denen eine ganze Branche ihre Wracks zwischenlagert, hat einen Burggraben aus Beton und Bauland. In Deutschland ist Copart übrigens seit 2012 aktiv (Übernahme der Restwertbörse WOM) und betreibt inzwischen ein eigenes Standortnetz von Hannover bis Mannheim; größter Auslandsmarkt ist Großbritannien.
Woher die Ware kommt, sagt der Geschäftsbericht mit einer Klarheit, die man selten bekommt:
„We process vehicles from hundreds of different vehicle sellers. No single customer accounted for more than 10% of our consolidated revenues for fiscal 2025, 2024, or 2023 and our business does not depend on any particular customer to remain profitable. We obtained 81%, 81%, and 83% of the total number of vehicles processed during fiscal 2025, 2024, and 2023, respectively, from insurance company sellers."
Übersetzung: „Wir verarbeiten Fahrzeuge von Hunderten verschiedener Einlieferer. Kein einzelner Kunde stand in den Geschäftsjahren 2025, 2024 oder 2023 für mehr als 10 Prozent unseres Konzernumsatzes, und unser Geschäft hängt nicht von einem bestimmten Kunden ab, um profitabel zu bleiben. 81, 81 beziehungsweise 83 Prozent aller verarbeiteten Fahrzeuge erhielten wir in den Geschäftsjahren 2025, 2024 und 2023 von Versicherungsgesellschaften."
— Copart, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, Item 1
Beide Hälften dieses Zitats sind wahr — und genau dazwischen liegt das Risiko. Kein Kunde bringt mehr als 10 Prozent des Umsatzes, stimmt. Aber vier von fünf Fahrzeugen kommen von einer einzigen Branche, und der erste Risikofaktor im Geschäftsbericht warnt vor der Abhängigkeit von einer begrenzten Zahl großer Fahrzeug-Einlieferer („a limited number of major vehicle sellers"). Übersetzt in ein Alltagsbild: Der Bäcker hat Hunderte Kunden — aber vier von fünf Brötchen kauft dieselbe Großkantine. Der Rückenwind der Branche war dabei jahrzehntelang Coparts bester Verbündeter: Autos werden komplexer und teurer zu reparieren, also wird häufiger abgeschrieben. Die Totalschadenquote der US-Schadenbranche lag 2025 nach Daten des Schadendaten-Spezialisten CCC bei rund 23 Prozent aller gemeldeten Fälle — Rekord; der scheidende Copart-CEO Jeff Liaw bezifferte den Stand um 1980 einmal auf etwa 4 Prozent. Aus „einer von 25" wurde „fast einer von 4". Den Datenlieferanten dieser Quote, CCC Intelligent Solutions, haben wir hier im Detail analysiert. Das Spannungsfeld dieser Analyse ist damit benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Ein Jahrzehnte alter struktureller Rückenwind trifft zum ersten Mal auf einen doppelten Gegenwind — einen Versicherungszyklus, der Volumen kostet, und einen Wettbewerber, der den wichtigsten Kunden der Branche umwirbt.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Diesmal war es kein Scanner, sondern die Marktbeobachtung: Im Juli 2026 riss Coparts Serie neuer 52-Wochen-Tiefs nicht ab — am 23.07.2026 markierte die Aktie mit 26,81 US-Dollar den tiefsten Stand des Jahres, der Schlusskurs am 24.07.2026 lag bei 27,94 US-Dollar. Wir haben daraufhin die komplette Kurshistorie seit 2000 nachgerechnet (Fundamentaldaten, bereinigte Schlusskurse, Stand 24.07.2026): Vom Hoch bei 63,84 US-Dollar (16.05.2025) sind das minus 56,2 Prozent; am Zwischentief vom 21./22.07.2026 (27,17) waren es minus 57,4 Prozent. Zum Vergleich die großen Einbrüche davor: 2001 bis 2003 minus 72,5 Prozent, Finanzkrise 2008 minus 51,8 Prozent, Corona-Crash 2020 minus 43,7 Prozent, Zinsjahr 2021/22 minus 35,4 Prozent. Der laufende Absturz ist damit der tiefste seit über 20 Jahren. Wenn eine Aktie, die zwei Jahrzehnte lang fast nur eine Richtung kannte, so fällt, gibt es zwei Möglichkeiten: Der Markt übertreibt — oder er hat etwas verstanden. Sehen wir nach, welche.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Erst das, was wirklich beeindruckt — und bei Copart ist das eine Menge. Der Umsatz stieg von 457,1 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2005 auf 4.647,0 Millionen im Geschäftsjahr 2025 (das am 31. Juli 2025 endete) — verzehnfacht in zwei Jahrzehnten, mit nur zwei kleinen Dellen (2009 und 2015). Zuletzt: +10,5 Prozent (GJ 2023), +9,5 Prozent (GJ 2024), +9,7 Prozent (GJ 2025).
Auch die Qualität dieser Umsätze ist außergewöhnlich. Im Geschäftsjahr 2025 blieben vom Umsatz 1.696,7 Millionen US-Dollar als operatives Ergebnis — eine operative Marge von 36,5 Prozent — und 1.552,4 Millionen als Nettogewinn (Marge: 33,4 Prozent). Zum Vergleich: Von 100 Euro Umsatz behält ein typischer Autohändler zwei bis drei Euro, Copart über 33. Der operative Mittelzufluss lag bei 1.799,8 Millionen, nach Investitionen von 569,0 Millionen blieb ein freier Mittelzufluss von 1.230,8 Millionen US-Dollar (GJ 2025; GJ 2024: 961,6; GJ 2023: 847,6). Und die Bilanz zum 30.04.2026 ist eine Festung: 4.199,7 Millionen US-Dollar an Zahlungsmitteln und kurzlaufenden US-Staatsanleihen, null Bank- und Anleiheschulden (nur 93,1 Millionen Leasingverbindlichkeiten), 8.774,3 Millionen Eigenkapital bei 9.649,0 Millionen Bilanzsumme — eine Eigenkapitalquote von 91 Prozent. Dazu eine im Januar 2026 neu abgeschlossene, unbesicherte Kreditlinie über 1.250 Millionen US-Dollar (Laufzeit bis 2031) — ungenutzt.
Und jetzt der Riss in der Fassade. Die drei Quartale des laufenden Geschäftsjahres 2026: Umsatz +0,7 Prozent (Q1 bis 31.10.2025), −3,6 Prozent (Q2 bis 31.01.2026), +2,1 Prozent (Q3 bis 30.04.2026). Nach neun Monaten stehen 3.513,8 Millionen US-Dollar in den Büchern — 0,2 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das klingt nach nichts, ist aber historisch: Der Analysten-Konsens erwartet für das Gesamtjahr 2026 (endet am 31.07.2026) 4.644,8 Millionen — knapp unter dem Vorjahreswert von 4.647,0 Millionen (Datenstand 26.07.2026). Jedes einzelne Jahr der letzten Dekade wuchs um mindestens 8 Prozent; zuletzt schrumpfte der Umsatz im Geschäftsjahr 2015 (−1,5 Prozent). Das Geschäftsjahr 2026 wird damit aller Voraussicht nach das schwächste seit über einem Jahrzehnt. Der Gewinn hält sich besser: 1.156,8 Millionen Nettogewinn nach neun Monaten (Vorjahr: 1.156,1), das Ergebnis je Aktie stieg von 1,18 auf 1,20 US-Dollar — wozu wir gleich noch kommen, denn diese kleine Schere hat einen Namen: Aktienrückkauf.
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Das US-Volumen sinkt — und der wichtigste Kunde der Branche lädt woanders ab
Warum stockt der Umsatz? Der Quartalsbericht zum 30.04.2026 benennt es nüchtern: Der US-Service-Umsatz — das Kerngeschäft — fiel im dritten Quartal auf 895,5 Millionen US-Dollar (Vorjahr: 898,6; −0,4 Prozent), nach neun Monaten steht er bei 2.570,5 Millionen (Vorjahr: 2.626,7; −2,1 Prozent). Dass der Konzernumsatz im Quartal trotzdem um 2,1 Prozent auf 1.237,1 Millionen wuchs, verdankt Copart allein dem Ausland: Das internationale Segment legte um 14,1 Prozent auf 234,2 Millionen zu (Service-Umsatz sogar +17,9 Prozent auf 160,6 Millionen). Zur Ursache im US-Geschäft schreibt der Bericht zum Quartal:
„The decrease in the U.S. compared to the same period last year was primarily driven by a decrease in volume, partially offset by an increase in revenue per car."
Übersetzung: „Der Rückgang in den USA gegenüber dem Vorjahreszeitraum war vor allem durch ein geringeres Volumen getrieben, teilweise ausgeglichen durch einen höheren Umsatz je Fahrzeug."
— Copart, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.04.2026, MD&A „Service Revenues"
Hinter dem dürren Wort „Volumen" stecken zwei Geschichten. Die erste ist der Versicherungszyklus: Nach Jahren drastischer Prämienerhöhungen sparen die Amerikaner an ihrer Autoversicherung — die durchschnittliche Vollkaskoprämie fiel 2025 um 6 Prozent, und nach Branchendaten stufte 2025 rund jeder zwölfte Fahrer von Vollkasko auf reine Haftpflicht herab. Wer nur haftpflichtversichert ist, dessen Wrack landet nach dem Unfall aber nicht bei der Versicherung — und damit nicht bei Copart. Das Management bezifferte im Earnings-Call zum dritten Quartal (Mai 2026) die versicherten Fahrzeugjahre der Branche auf minus 4 Prozent zum Vorjahr und sprach von einem von sechs Versicherungsnehmern, der seinen Schutz reduziert hat — Einordnung des Managements: zyklisch, nicht strukturell. Wie brutal dieser Prämienzyklus auf alle wirkt, die an der Autoversicherung hängen, hatten wir schon in unserer EverQuote-Analyse seziert — dort als Rückenwind, hier als Gegenwind.
Die zweite Geschichte ist unbequemer, und sie steht nicht in Coparts Berichten: der Wettbewerb. Der US-Markt für Unfallwagen-Auktionen ist ein Duopol — Copart verarbeitet rund 4 Millionen Fahrzeuge im Jahr, der Konkurrent IAA (seit 2023 Teil von RB Global, dessen Seite der Geschichte wir hier analysiert haben) rund 2,5 Millionen. Jahrelang verlor IAA Marktanteile an Copart; seit 2025 dreht das Bild. Branchenberichte (Transportation Today, Dezember 2025, gestützt auf Analysen der Bank of America) beziffern, dass RB Global seinen Anteil am Totalschaden-Volumen von Progressive — einem der größten US-Autoversicherer — von rund 75 auf rund 90 Prozent ausgebaut hat; ein Progressive-Schadenmanager hatte den Copart-Anteil Mitte 2025 in einem Experteninterview (In Practise) noch auf rund 20 Prozent beziffert. Zum Jahresende 2025 meldete RB Global steigende US-Stückzahlen (+4,7 Prozent zum Vorjahr), während Coparts Volumen sank. Wichtig für die Einordnung: Progressive und IAA tauchen in keinem einzigen Copart-Filing namentlich auf — der Konzern nennt keine Kundennamen, und kein Kunde überschreitet die 10-Prozent-Schwelle. Aber die Richtung der belegbaren Zahlen — US-Service-Umsatz −2,1 Prozent in neun Monaten, während der Wettbewerber wächst und die Gesamtnachfrage stagniert — passt exakt zu dem, was die Branchenberichte beschreiben. Fairerweise gehört dazu: Für die neun Monate führt der Quartalsbericht als Hauptgrund die Vorjahres-Basis an — im Geschäftsjahr 2025 steckten dort Einmalumsätze aus den Hurrikanen Helene und Milton. Merke dir den Unterschied: Der Zyklus kostet die ganze Branche Volumen. Eine Kundenverlagerung kostet nur einen — und sie kommt selten allein.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Drei Jahre kein Rückkauf — dann 1,6 Milliarden mitten im Absturz
Jetzt zur bemerkenswertesten Zahl des laufenden Jahres. Copart hat ein Aktienrückkaufprogramm, das seit 2003 besteht und zuletzt 2011 aufgestockt wurde — und hat darunter in den Geschäftsjahren 2023, 2024 und 2025 keine einzige Aktie zurückgekauft. Der Konzern saß auf seiner wachsenden Kasse und ließ den Kurs steigen. Dann kam der Absturz — und Copart drehte auf:
„The Company repurchased 43,433,164 shares of its common stock during the nine months ended April 30, 2026 at a weighted average price of $37.63 per share totaling $1,632.5 million. The Company did not repurchase any common stock under the program during the nine months ended April 30, 2025."
Übersetzung: „Das Unternehmen kaufte in den neun Monaten bis zum 30. April 2026 43.433.164 eigene Aktien zu einem gewichteten Durchschnittspreis von 37,63 US-Dollar je Aktie zurück, zusammen 1.632,5 Millionen US-Dollar. In den neun Monaten bis zum 30. April 2025 kaufte das Unternehmen unter dem Programm keine Aktien zurück."
— Copart, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.04.2026, Note 6 „Stock Repurchases"
Das Tempo dieser Käufe ist die eigentliche Botschaft. Im Quartal bis Januar 2026 begann es mit 218,2 Millionen US-Dollar (5,5 Millionen Aktien zu Ø 39,82). Dann, als der Kurs weiter fiel, folgte im Quartal bis April der Rekord: rund 1.414 Millionen US-Dollar in einem einzigen Quartal — 22,4 Millionen Aktien im Februar zu Ø 37,01 und 15,6 Millionen im März zu Ø 37,69. Die Aktienzahl sank binnen neun Monaten um 4,3 Prozent auf 925,8 Millionen (Stand 27.05.2026). Genau daher kommt die kleine Schere aus dem Zahlen-Kapitel: Der Nettogewinn stagnierte nach neun Monaten, das Ergebnis je Aktie stieg trotzdem von 1,18 auf 1,20 US-Dollar — weniger Aktien, gleicher Gewinn, mehr je Aktie. Finanziert wurde das aus der prall gefüllten Kasse: Der Bestand kurzlaufender US-Staatsanleihen fiel von 2.008,5 auf 845,6 Millionen US-Dollar, die Gesamtliquidität von 4.789,1 auf 4.199,7 Millionen. Zwei Fußnoten gehören zur Ehrlichkeit dazu: Erstens kaufte Copart im April 2026 keine einzige Aktie — ob Pause oder Kurswechsel, zeigt erst der nächste Bericht; die Ermächtigung hätte noch Spielraum für 282,4 Millionen Aktien. Zweitens ist ein Rückkauf keine Wachstumsstrategie: Er sagt, dass das Management die eigene Aktie für unterbewertet hält — und dass es für 1,6 Milliarden US-Dollar gerade keinen besseren Verwendungszweck sah. Eine Dividende hat Copart seit dem Börsengang 1994 übrigens nie gezahlt.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der Kapitän geht von Bord — und der Schwiegersohn des Gründers übernimmt wieder
Fünfeinhalb Wochen nach den Q3-Zahlen, am 29.06.2026, kam die Pflichtmitteilung, die den Kurs am Tag der Ankündigung um rund 8 Prozent drückte und kurz darauf neue 52-Wochen-Tiefs auslöste:
„On June 29, 2026, Copart, Inc. (the "Company") announced that its Board of Directors (the "Board") appointed A. Jayson Adair, the Company's current Executive Chairman, as Chief Executive Officer and principal executive officer (the "CEO Transition"), effective as of July 31, 2026 (the "Transition Date"). Mr. Adair succeeds Jeffrey Liaw, who will step down as Chief Executive Officer and principal executive officer and will resign from the Board, each effective as of the Transition Date."
Übersetzung: „Am 29. Juni 2026 gab Copart, Inc. bekannt, dass der Verwaltungsrat A. Jayson Adair, den derzeitigen Executive Chairman des Unternehmens, mit Wirkung zum 31. Juli 2026 zum Chief Executive Officer ernannt hat. Herr Adair folgt auf Jeffrey Liaw, der zum selben Stichtag als Chief Executive Officer zurücktritt und auch aus dem Verwaltungsrat ausscheidet."
— Copart, Inc., SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 29.06.2026, Item 5.02
Man kann diese Rochade auf zwei Arten lesen. Die beruhigende: Jay Adair ist kein Fremder, sondern der Schwiegersohn des Gründers Willis Johnson, seit 1989 im Unternehmen und bereits von 2010 bis 2022 CEO — es übernimmt der Mann, unter dem ein Großteil des historischen Aufstiegs stattfand, und mit Jane Pocock rückt zum 01.08.2026 die Chefin des erfolgreichen UK-Geschäfts als President nach. Das Filing betont zudem ausdrücklich, Liaws Rückzug sei „nicht das Ergebnis einer Meinungsverschiedenheit". Die unbequeme Lesart steht in den Details derselben Mitteilung: Liaw geht mitten im tiefsten Kurssturz seit 20 Jahren, zum Ende des ersten Geschäftsjahres ohne Wachstum — und sein Übergangsvertrag ist bemerkenswert großzügig: Beraterrolle bis Juli 2027 gegen Zahlungen von zusammen 900.000 US-Dollar, Bonus für 2026, 20 Stunden Privatjet-Nutzung und vor allem die Erleichterung seiner Aktienoptionen — die Kurshürden der Optionspakete von 2021/2022 entfallen, ebenso die zehnjährige Haltefrist seiner 2022er-Aktienzusagen. Wer solche Bedingungen aushandelt, verabschiedet sich nicht im Streit — aber er verabschiedet sich endgültig. Für dich als Anleger bleibt die nüchterne Frage: Ein Unternehmen, dessen Gründerfamilie samt Führungskreis mehr als 10 Prozent der Aktien hält (Angabe im 10-Q zum 30.04.2026), holt in der ersten echten Krise seit langem den alten Kapitän zurück. Das kann Stabilität bedeuten — oder dass die Familie das Steuer nur jemandem anvertraut, der ihr nahesteht. Beides gehört in deine Rechnung. Der Vollständigkeit halber: Seit Oktober 2023 läuft zudem eine Untersuchung des US-Justizministeriums zu möglichen Geldwäsche-Sachverhalten rund um die Auktionsplattform; Copart kann den Ausgang nach eigener Angabe nicht abschätzen (10-K für das Geschäftsjahr 2025; 10-Q zum 30.04.2026, Note 9).
Bewertung: so günstig wie seit über zehn Jahren nicht — aus einem Grund
Was kostet diese Firma jetzt? Am 24.07.2026 schloss die Aktie bei 27,94 US-Dollar, der Börsenwert lag bei rund 25,9 Milliarden US-Dollar (925,8 Millionen Aktien laut Quartalsbericht mal Kursanker) (alle Bewertungszahlen: Datenstand 24.–26.07.2026, sie dienen als datierter Anker, nicht als Tageskurs-Argument). Das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf die letzten zwölf Monate liegt bei rund 17 — der Zehnjahresschnitt lag bei rund 29. Der Unternehmenswert (Börsenwert abzüglich Nettoliquidität) entspricht etwa dem 13-Fachen des operativen Jahresergebnisses; das Verhältnis von Unternehmenswert zu EBITDA notiert unterhalb seiner gesamten Zehnjahresspanne. Der freie Mittelzufluss der letzten zwölf Monate (1.339,2 Millionen US-Dollar) ergibt eine Rendite von rund 5 Prozent auf den Börsenwert. Kurz: Copart ist so günstig wie seit über einem Jahrzehnt nicht — gemessen an der eigenen Historie. Absolut betrachtet ist ein KGV von 17 mit einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 5,6 aber immer noch der Preis eines Qualitätsunternehmens, kein Ramschpreis: Der Markt bezahlt weiterhin Duopol, Marge und Bilanz — er bezahlt nur kein Wachstum mehr. Der „Blick der Profis" dazu (Datenstand 26.07.2026): 5 von 11 Analysten raten zum Kauf, 6 zum Halten, keiner zum Verkauf; das mittlere Kursziel von 40,30 US-Dollar liegt rund 44 Prozent über dem Kursanker. Analystenziele sind Meinungen, keine Ansprüche — aber sie zeigen, dass die Profis mehrheitlich auf „Zyklus" tippen, nicht auf „Bruch". Zur Erinnerung, warum diese Unterscheidung alles ist: Wächst Copart ab dem Geschäftsjahr 2027 wieder — der Konsens erwartet +3,9 Prozent auf 4.826,6 Millionen US-Dollar Umsatz und 1,68 US-Dollar je Aktie —, war das hier eine seltene Kaufgelegenheit im Rückblick. Bleibt das US-Volumen dauerhaft weg, ist ein KGV von 17 für eine Ex-Wachstumsaktie kein Schnäppchen, sondern angemessen.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Copart spricht:
- Ein Duopol-Geschäft mit Netzwerkeffekt: rund 4 Millionen verkaufte Fahrzeuge im Jahr, 1 Million registrierte Bieter in über 185 Ländern, 281 eigene Standorte — und ein Grundbesitz von 2.394,6 Millionen US-Dollar Buchwert (31.07.2025), den kein Angreifer schnell nachbauen kann.
- Außergewöhnliche Ertragskraft: 36,5 Prozent operative Marge und 1.230,8 Millionen US-Dollar freier Mittelzufluss im Geschäftsjahr 2025; selbst im Stagnationsjahr 2026 blieben nach neun Monaten 988,4 Millionen frei.
- Festungsbilanz: 4.199,7 Millionen US-Dollar Liquidität, null Bank- und Anleiheschulden, 91 Prozent Eigenkapitalquote (30.04.2026) — dazu eine ungenutzte Kreditlinie über 1.250 Millionen.
- Der strukturelle Rückenwind ist intakt: Die Totalschadenquote erreichte 2025 mit rund 23 Prozent der US-Schadenfälle einen Rekord (CCC), und Copart selbst erwartet laut Geschäftsbericht eine Fortsetzung des langfristigen Trends.
- Das Ausland wächst zweistellig (+14,1 Prozent im Q3 bis 30.04.2026), das Management kauft mit 1.632,5 Millionen US-Dollar in neun Monaten so aggressiv eigene Aktien wie nie zuvor in der jüngeren Firmengeschichte, und die Bewertung liegt so tief wie seit über zehn Jahren nicht (KGV rund 17, Stand 26.07.2026).
Was dagegen spricht:
- Erstmals seit über einem Jahrzehnt kein Wachstum: Umsatz nach neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 −0,2 Prozent, US-Service-Umsatz −2,1 Prozent; der Konsens sieht das Gesamtjahr knapp unter Vorjahr.
- Konzentration auf eine Branche: 81 Prozent der Fahrzeuge kommen von Versicherern, und der erste Risikofaktor des Geschäftsberichts warnt vor der Abhängigkeit von wenigen großen Einlieferern — Branchenberichte zufolge verlagert Progressive sein Volumen zunehmend zum Konkurrenten IAA (Copart-Anteil laut Analystenschätzung von Ende 2025: nur noch rund 10 Prozent).
- Der Versicherungszyklus drückt: sinkende Prämien, rund jeder zwölfte US-Fahrer 2025 von Vollkasko auf Haftpflicht heruntergestuft, versicherte Fahrzeugjahre laut Management −4 Prozent — weniger Kaskoverträge bedeuten weniger Wracks für die Auktion.
- Führungsumbruch zur Unzeit: CEO Jeff Liaw geht zum 31.07.2026 mitten im Kurssturz samt großzügigem Übergangspaket; der zurückkehrende Jay Adair steht für Kontinuität der Gründerfamilie (Insider halten über 10 Prozent), aber nicht für einen unabhängigen Neuanfang. Dazu läuft seit Oktober 2023 eine Geldwäsche-Untersuchung des US-Justizministeriums mit offenem Ausgang.
- Die Bewertung ist nur relativ günstig: KGV rund 17 und Kurs-Umsatz-Verhältnis 5,6 (Stand 26.07.2026) preisen weiterhin ein Qualitätsunternehmen — kehrt das Wachstum nicht zurück, fehlt der Bewertung das Argument.
Ein menschliches Fazit
Zurück zum Heiligenschein vom Anfang. Er ist nicht unverdient: Copart hat drei Jahrzehnte lang bewiesen, dass sich mit den Wracks der Autowelt ein Weltklasse-Geschäft führen lässt — mit Margen, Bilanz und Marktstellung, von denen die meisten Unternehmen träumen. Nichts davon ist verschwunden. Aber der Heiligenschein darf dir nicht die Reihenfolge der Prüfung diktieren. Die ehrliche Bestandsaufnahme aus den Berichten lautet: Das Wachstum ist zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt weg, das US-Volumen sinkt, der wichtigste Kundentyp der Firma kauft gerade weniger Kaskoschutz, ein Großkunde lädt laut Branchenberichten zunehmend beim einzigen echten Konkurrenten ab, und der CEO verlässt zum Jahresende Schiff und Verwaltungsrat. Dagegen stehen eine Festungsbilanz, ein intakter Jahrzehnte-Trend zur Abschreibung statt Reparatur, ein zweistellig wachsendes Auslandsgeschäft — und ein Management, das mit 1,6 Milliarden US-Dollar eigenes Geld auf „zyklisch" gewettet hat, im April aber auch erst einmal pausierte. Ob du dieser Wette folgst, hängt nicht vom Rabatt ab, sondern von deiner Antwort auf eine einzige Frage: Glaubst du, dass die Versicherer zurückkommen und das Duopol hält — oder dass Copart gerade lernt, dass auch Klärgruben Konkurrenz bekommen können? Der nächste Geschäftsbericht (erwartet im September 2026) wird die ersten Antworten liefern: das erste volle Jahresergebnis ohne Wachstum, das Rückkauf-Raster nach der April-Pause und die ersten Monate des neuen alten CEO. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- Copart, Inc. — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 30.04.2026 (eingereicht 29.05.2026) — jüngster Periodenbericht, vollständig ausgewertet
- Copart, Inc. — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.01.2026 (eingereicht 03.03.2026)
- Copart, Inc. — SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.10.2025 (eingereicht 24.11.2025)
- Copart, Inc. — SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (eingereicht 26.09.2025)
- Copart, Inc. — SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2024 (eingereicht 30.09.2024)
- Copart, Inc. — SEC-Pflichtmitteilung 8-K zur CEO-Rochade (eingereicht 29.06.2026) und 8-K zur Ernennung von Jane Pocock als President (eingereicht 08.07.2026)
- Copart, Inc. — SEC-Pflichtmitteilung 8-K zum neuen Kreditvertrag über 1.250 Mio. US-Dollar (eingereicht 26.01.2026)
- Copart, Inc. — Presse-Mitteilung zum dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 (8-K EX-99.1, 21.05.2026)
- Vollständige SEC-Einreichungshistorie von Copart, Inc.: EDGAR-Übersicht (sec.gov)
- Fundamentaldaten (Kennzahlen, Analysten-Konsens, Kurshistorie seit 2000; Datenstand 26.07.2026, Kurse bis 24.07.2026), abgeglichen mit den SEC-Berichten.
- Branchenquellen, jeweils im Text datiert: CCC-Totalschadenquote (Crash-Course-Daten 2025/2026), Transportation Today zur Progressive-Verlagerung (15.12.2025), In-Practise-Experteninterview (Juni 2025), Earnings-Call-Mitschriften von Copart und RB Global (Mai 2026, The Motley Fool).
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Copart-Aktien.
Unser Fazit auf einen Blick
- Marktstellung & Geschäftsmodell positiv
- Duopol mit Netzwerkeffekt und Bodenbesitz: rund 4 Millionen verkaufte Fahrzeuge in zwölf Monaten (Stand Mai 2026) gegenüber rund 2,5 Millionen beim einzigen großen Wettbewerber IAA, 1 Million registrierte Bieter in über 185 Ländern, 281 eigene Standorte, Grundbesitz mit 2.394,6 Millionen US-Dollar Buchwert (31.07.2025). Der strukturelle Rückenwind — Totalschadenquote 2025 auf Rekordniveau von rund 23 Prozent (CCC) — ist intakt.
- Bilanz & Ertragskraft positiv
- Festungsbilanz und Weltklasse-Margen: 4.199,7 Millionen US-Dollar Liquidität bei null Bank- und Anleiheschulden, 91 Prozent Eigenkapitalquote (30.04.2026); operative Marge 36,5 Prozent und 1.230,8 Millionen US-Dollar freier Mittelzufluss im Geschäftsjahr 2025.
- Wachstum negativ
- Erstmals seit über einem Jahrzehnt kein Wachstum: Umsatz nach neun Monaten des Geschäftsjahres 2026 −0,2 Prozent auf 3.513,8 Millionen US-Dollar, US-Service-Umsatz −2,1 Prozent; der Analysten-Konsens sieht das Gesamtjahr 2026 mit 4.644,8 Millionen knapp unter Vorjahr (Datenstand 26.07.2026). Nur das Ausland wächst zweistellig (+14,1 Prozent im Q3).
- Einlieferer-Konzentration & Wettbewerb negativ
- 81 Prozent der Fahrzeuge kommen von Versicherern (GJ 2025), der erste Risikofaktor des Geschäftsberichts warnt vor der Abhängigkeit von wenigen großen Einlieferern — und Branchenberichte (Dezember 2025) beziffern, dass Progressive rund 90 Prozent seines Totalschaden-Volumens inzwischen zum Konkurrenten IAA steuert. Der Versicherungszyklus (versicherte Fahrzeugjahre −4 Prozent laut Management) drückt zusätzlich.
- Führung & Kapitalallokation neutral
- CEO Jeff Liaw geht zum 31.07.2026 mitten im Kurssturz — mit großzügigem Übergangspaket; der zurückkehrende Jay Adair (CEO 2010–2022, Schwiegersohn des Gründers) steht für Kontinuität der Gründerfamilie, die über 10 Prozent der Aktien hält. Gleichzeitig kaufte das Management nach drei Nulljahren eigene Aktien für 1.632,5 Millionen US-Dollar in neun Monaten zurück — pausierte im April 2026 aber vollständig. Seit Oktober 2023 läuft eine DOJ-Geldwäsche-Untersuchung mit offenem Ausgang.
Copart ist der Testfall für den Heiligenschein-Effekt: ein nachweislich herausragendes Geschäft — Duopol, 36,5 Prozent operative Marge, 4,2 Milliarden US-Dollar Liquidität ohne Bankschulden — im tiefsten Kurssturz seit über 20 Jahren (−56 Prozent vom Hoch, Stand 24.07.2026). Die Gegenwinde sind real: erstes Jahr ohne Umsatzwachstum seit über einem Jahrzehnt, sinkendes US-Volumen im Versicherungszyklus, die Progressive-Verlagerung zu IAA und ein abrupter CEO-Wechsel. Das Management hat mit 1.632,5 Millionen US-Dollar Rückkäufen in neun Monaten auf „zyklisch" gewettet; ob es recht behält, zeigt sich ab dem Geschäftsbericht im September 2026. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Die Substanz ist über jeden Zweifel erhaben: Duopol-Marktstellung mit eigenem Grundbesitz, 36,5 Prozent operative Marge, 1.230,8 Millionen US-Dollar freier Mittelzufluss im Geschäftsjahr 2025, 4,2 Milliarden Liquidität und null Bankschulden (30.04.2026) — von Substanzgefahr keine Spur, deshalb kein Rot. Für Grün ist eine wesentliche operative Frage offen: 81 Prozent der Fahrzeuge kommen von einer einzigen Branche, der Geschäftsbericht selbst warnt vor der Abhängigkeit von wenigen großen Einlieferern, und während der Umsatz erstmals seit über einem Jahrzehnt stagniert, verlagert der Großkunde Progressive sein Volumen laut Branchenberichten zunehmend zum einzigen Konkurrenten. Dazu kommen der abrupte CEO-Wechsel zum 31.07.2026 und die laufende DOJ-Untersuchung. Erst wenn das US-Volumen dreht, ist der Burggraben wieder bewiesen statt behauptet. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Aufhänger: Marktbeobachtung des Kurssturzes — Serie neuer 52-Wochen-Tiefs im Juli 2026 (zuletzt 26,81 US-Dollar am 23.07.2026), Drawdown-Rechnung aus der bereinigten Kurshistorie seit 2000 (Fundamentaldaten, Stand 24.07.2026). Kein Scanner-Treffer als Quelle behauptet.
- Die Progressive/IAA-Verlagerung stammt aus Branchenberichten (Transportation Today 15.12.2025, In-Practise-Interview Juni 2025, RB-Global-Earnings-Calls) — Copart selbst nennt in keinem Filing Kundennamen; belegt aus den Filings sind nur der US-Volumenrückgang und der Risikofaktor der Einlieferer-Abhängigkeit. Die im Text zitierte Zahl „versicherte Fahrzeugjahre −4 Prozent" stammt aus der Earnings-Call-Mitschrift (Mai 2026), nicht aus einem SEC-Filing.
- Datenstand: 10-Q zum 30.04.2026 (eingereicht 29.05.2026) als jüngster Periodenbericht vollständig ausgewertet; alle Filings danach geprüft (8-K vom 29.06. und 08.07.2026, Form 4/144 im Juli 2026 — keine 424B*, S-3, SC 13D, Form 25/15). Aktienzahl 925.811.482 vom 10-Q-Deckblatt (27.05.2026); Kennzahlen-Datenstand 26.07.2026, Kurse bis 24.07.2026. Analysen sind evergreen, Tageskurse sind kein Kaufargument.
- Verwechslungsgefahr: Copart (CPRT, Online-Auktionen für Unfallfahrzeuge) ist nicht CarParts.com (PRTS, Autoteile-Händler) und nicht der Wettbewerber IAA (Teil von RB Global, Ticker RBA). Das Geschäftsjahr endet am 31. Juli — „Geschäftsjahr 2026" deckt im Wesentlichen August 2025 bis Juli 2026 ab.
- Die Ampel dieser Analyse beurteilt das Unternehmen, nicht den Einstiegszeitpunkt.
Häufige Fragen
Copart, Inc. (Nasdaq: CPRT) aus Dallas versteigert Unfall- und Totalschadenfahrzeuge über die eigene Online-Plattform VB3 — im Auftrag vor allem von Autoversicherern, die abgeschriebene Fahrzeuge verwerten müssen. Der Konzern betreibt 281 Standorte weltweit, verkaufte in den letzten zwölf Monaten (Stand Mai 2026) mehr als 4 Millionen Fahrzeuge und zählt rund 1 Million registrierte Bieter in über 185 Ländern. 81 Prozent der Fahrzeuge kamen im Geschäftsjahr 2025 von Versicherungen.
Vom Schlusskurs-Hoch bei 63,84 US-Dollar (16.05.2025) fiel die Aktie bis zum 24.07.2026 auf 27,94 US-Dollar — minus 56 Prozent, der tiefste Absturz seit 2001–2003. Dahinter stehen drei Belastungen: Der Umsatz wächst erstmals seit über einem Jahrzehnt nicht mehr (neun Monate GJ 2026: −0,2 Prozent), das US-Volumen sinkt im Versicherungszyklus, und Ende Juni 2026 kündigte der Konzern überraschend den Rücktritt von CEO Jeff Liaw an — die Aktie verlor am Tag der Ankündigung rund 8 Prozent.
Beides ist im Spiel. Zyklisch: Nach Jahren steigender Prämien reduzieren US-Fahrer ihren Versicherungsschutz (versicherte Fahrzeugjahre laut Management −4 Prozent, Stand Mai 2026) — weniger Kaskoverträge bedeuten weniger Totalschäden für die Auktion. Möglicherweise strukturell: Branchenberichte (Dezember 2025) zufolge verlagert der Großversicherer Progressive sein Volumen zunehmend zum Konkurrenten IAA — auf zuletzt geschätzt rund 90 Prozent. Der langfristige Rückenwind, die steigende Totalschadenquote (2025: Rekord von rund 23 Prozent, CCC), ist dagegen intakt.
Außergewöhnlich solide: Zum 30.04.2026 standen 4.199,7 Millionen US-Dollar an Zahlungsmitteln und kurzlaufenden US-Staatsanleihen null Bank- und Anleiheschulden gegenüber; das Eigenkapital von 8.774,3 Millionen entspricht 91 Prozent der Bilanzsumme (9.649,0 Millionen). Dazu kommt eine im Januar 2026 neu abgeschlossene, unbesicherte und ungenutzte Kreditlinie über 1.250 Millionen US-Dollar mit Laufzeit bis 2031. Im Geschäftsjahr 2025 erwirtschaftete Copart 1.230,8 Millionen US-Dollar freien Mittelzufluss.
CEO Jeff Liaw tritt zum 31.07.2026 — dem Geschäftsjahresende — zurück und verlässt auch den Verwaltungsrat; Executive Chairman Jay Adair, Schwiegersohn des Gründers Willis Johnson und bereits CEO von 2010 bis 2022, übernimmt erneut. Die UK-Chefin Jane Pocock wird zum 01.08.2026 President. Laut 8-K vom 29.06.2026 beruht der Rückzug nicht auf Meinungsverschiedenheiten; Liaw erhält einen Übergangsvertrag bis Juli 2027 mit Zahlungen, Bonus und der Erleichterung seiner Aktienoptionen.
Eine Dividende hat Copart seit dem Börsengang 1994 nie gezahlt. Dafür kaufte der Konzern nach drei Jahren völliger Zurückhaltung massiv eigene Aktien: 43,4 Millionen Stück für 1.632,5 Millionen US-Dollar in den neun Monaten bis zum 30.04.2026 (Ø 37,63 US-Dollar) — die Aktienzahl sank um 4,3 Prozent auf 925,8 Millionen. Im April 2026 pausierten die Käufe; die Ermächtigung von 2011 erlaubt noch den Rückkauf von 282,4 Millionen weiteren Aktien.
Gemessen an der eigenen Historie ja: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der letzten zwölf Monate lag am 26.07.2026 bei rund 17 gegenüber einem Zehnjahresschnitt von rund 29, das Verhältnis von Unternehmenswert zu operativem Ergebnis bei rund 13 — so günstig wie seit über einem Jahrzehnt nicht. Absolut bleibt es der Preis eines Qualitätsunternehmens (Kurs-Umsatz-Verhältnis 5,6). Das mittlere Analysten-Kursziel von 40,30 US-Dollar lag rund 44 Prozent über dem Kursanker von 27,94 US-Dollar (24.07.2026).
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