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BRC Group (früher B. Riley): Geprüfte Zahlen aus einem beanstandeten Apparat

BRC Group (früher B. Riley): Geprüfte Zahlen aus einem beanstandeten Apparat

Die Gesellschaft, die an der Börse noch RILY heißt, firmiert bei der US-Börsenaufsicht seit Kurzem als BRC Group Holdings. Sie steht in unserem hauseigenen Aktien-Scanner auf Platz 22 — wegen einer Zahl, die in keinem ihrer Berichte steht. Und ihr Wirtschaftsprüfer hat den Abschluss zwar bestätigt, die interne Kontrolle zum selben Stichtag aber ausdrücklich als nicht wirksam beurteilt. Wir sortieren beides auseinander — und schauen, was das Geschäft darunter wirklich verdient hat.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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BRC Group (früher B. Riley): Geprüfte Zahlen aus einem beanstandeten Apparat
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Falle, die besonders gern erfahrene Anleger erwischt, und sie heißt Vertrauen in die eigene Quelle. Du hast dir ein Werkzeug gebaut, es hat dich schon oft zu guten Funden geführt, und irgendwann hörst du auf, seine Ausgabe zu hinterfragen. Dann steht dort eine Zahl — und du liest sie als Tatsache statt als Behauptung.

Diese Analyse ist der zweite Fall innerhalb weniger Tage, in dem wir genau das an unserer eigenen Liste vorführen müssen. Der Titel heißt an der Börse RILY, bei der US-Börsenaufsicht SEC aber inzwischen BRC Group Holdings, Inc. Er steht bei uns auf Platz 22 der US-Auswahl — wegen einer Zahl, die in keinem seiner Berichte vorkommt. Und wenn man den Berichten folgt, findet man dort etwas viel Interessanteres: ein Testat, das in zwei Hälften zerfällt.

Zuerst der Name: Wer ist BRC Group Holdings?

Wer nach dieser Firma sucht, muss drei Namen kennen. Bei der SEC heißt sie heute BRC Group Holdings, Inc. Davor firmierte sie als B. Riley Financial, Inc. — unter diesem Namen kennen die meisten sie —, und davor als Great American Group, Inc. Das Aktienkürzel an der Nasdaq blieb durch alle Umbenennungen hindurch RILY.

Das Geschäft ist eine Mischung aus Investmentbank, Vermögensverwaltung und Beteiligungsholding: Unternehmensberatung und Emissionsbegleitung, Vermögensverwaltung für Privatkunden, dazu operative Beteiligungen an Telekommunikations- und Konsumgüterfirmen. Zum 31. Dezember 2025 beschäftigte der Konzern rund 1.380 Menschen, die Zentrale sitzt in Los Angeles.

Und gleich eine Entwarnung, die man aus dem Register sonst falsch liest. Im SEC-Register liegen zu dieser Gesellschaft acht Formulare 25 — die Anzeige, dass ein Wertpapier von der Börse genommen wird. Die jüngste stammt vom 30. März 2026. Wer das sieht, hält es leicht für eine bevorstehende Börsenrücknahme der Aktie. Das ist sie nicht: Die Anzeige betrifft wörtlich die „5.50% Senior Notes Due 2026" — eine Anleihe, die schlicht fällig wurde. Der Quartalsbericht bestätigt, dass die Gesellschaft diese 96,0 Millionen US-Dollar am Tag vor dem Fälligkeitstermin vollständig zurückzahlte. Die Stammaktie ist davon nicht berührt und wird weiter an der Nasdaq gehandelt.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam

Wir lassen täglich rund 3.500 Aktien durch unseren hauseigenen Aktien-Scanner laufen. Eine dieser Listen ist das K-FCF-Ranking: Es sortiert nach dem Verhältnis von Börsenwert zu freiem Mittelzufluss, günstig zuerst.

Der Befund, gemessen am 27. Juli 2026: In der US-Auswahl bestehen 545 Titel die Kriterien. RILY steht mit einem angezeigten Verhältnis von 1,2 auf Platz 22 — innerhalb der 25 Zeilen, die die Detailseite zeigt. Auf beiden unserer Marken identisch gemessen; die Listen werden täglich neu berechnet.

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Die Zahl im Nenner steht in keinem Bericht

Ein Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis hat zwei Bestandteile. Oben der Börsenwert, unten der freie Mittelzufluss der letzten zwölf Monate. Beim Nenner wird es hier interessant.

Der Datenbestand, aus dem sich unsere Liste speist, führt für das erste Quartal 2026 einen operativen Mittelzufluss von 224,1 Millionen US-Dollar. Weil dieses eine Quartal die Zwölfmonats-Summe beherrscht, trägt es fast allein den niedrigen Wert von 1,2.

Der Quartalsbericht des Unternehmens sagt etwas anderes — und zwar zweimal. Einmal als Zeile in der Kapitalflussrechnung, und einmal ausgeschrieben im Lagebericht:

Markierter Ausschnitt aus dem SEC-Quartalsbericht 10-Q von BRC Group Holdings: Der Lagebericht nennt einen operativen Mittelzufluss von 38,1 Millionen US-Dollar für das erste Quartal 2026.
Der Lagebericht nennt den Mittelzufluss im Klartext — 38,1 Millionen US-Dollar. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Item 2. Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

„Net cash provided by operating activities was $38.1 million inclusive of a balance sheet increase in Securities and other investments owned of $192.8 million in operating assets.“

Übersetzung: „Der Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit betrug 38,1 Millionen US-Dollar, einschließlich einer bilanziellen Zunahme der gehaltenen Wertpapiere und sonstigen Anlagen um 192,8 Millionen US-Dollar im Umlaufvermögen.“

— BRC Group Holdings, SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Item 2

Die Gegenprobe über die Kasse. Eine Kapitalflussrechnung muss aufgehen: Was oben hineinfließt und unten hinausfließt, muss die Veränderung des Kassenbestands erklären. Genau das tut sie hier — mit 38,1 Millionen, nicht mit 224,1:

  • laufende Geschäftstätigkeit: +38,1 Millionen
  • Investitionstätigkeit: +8,3 Millionen
  • Finanzierungstätigkeit: −96,8 Millionen
  • Summe: −50,4 Millionen Veränderung der Kasse
  • Kasse zu Jahresbeginn 229,3 Millionen, Kasse zum 31. März 178,0 Millionen — die Rechnung geht auf.

Mit 224,1 Millionen im ersten Posten würde diese Überleitung um rund 186 Millionen daneben liegen. Der Wert aus dem Datenbestand ist also nicht nur anders — er ist mit dem Rest des Berichts unvereinbar.

Eine Beobachtung zum Zustandekommen. Der Nettogewinn des Quartals betrug 222,2 Millionen US-Dollar. Der Wert im Datenbestand liegt mit 224,1 Millionen auffällig nah daran — deutlich näher am Gewinn als am tatsächlichen Mittelzufluss. Das legt nahe, dass an dieser Stelle das Ergebnis statt des Mittelzuflusses eingespeist wurde. Beweisen können wir das nicht; auffällig ist es.

Was daraus für den Platz folgt. Rechnet man die Zwölfmonats-Summe mit dem Wert aus dem Bericht, bleiben rund 30,3 Millionen US-Dollar freier Mittelzufluss. Bei einem Börsenwert von rund 270 Millionen ergibt das:

Ein Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis von rund 8,9 — nicht 1,2.

Balkendiagramm: Das Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis von BRC Group beträgt 1,2 mit dem Wert aus dem Datenbestand und rund 8,9 mit dem Wert aus dem Quartalsbericht.
Derselbe Titel, derselbe Börsenwert — einmal mit dem Wert aus dem Datenbestand, einmal mit dem aus dem Bericht. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Quartalsbericht 10-Q. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zweiter Fall, andere Ursache. Wir haben kürzlich schon einmal eine Rangposition auflösen müssen: Bei XP Inc. steht die Aktie ebenfalls zu weit oben in derselben Liste — dort aber, weil ein Börsenwert in US-Dollar durch einen Mittelzufluss in brasilianischen Real geteilt wurde. Das ist ein Währungsbruch. Hier ist es etwas anderes: ein schlicht falscher Zahlenwert. Zwei verschiedene Mechanismen, dasselbe Ergebnis — eine Position, die der Nachprüfung nicht standhält.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der Abschluss ist testiert, der Apparat dahinter nicht

Wenn eine Zahl aus dem Datenbestand nicht trägt, liegt die nächste Frage auf der Hand: Wie verlässlich sind denn die Zahlen im Bericht selbst? Die Antwort steht im Geschäftsbericht — und sie ist zweigeteilt.

Ein Wirtschaftsprüfer gibt bei einer US-Gesellschaft dieser Größe zwei getrennte Urteile ab: eines über den Abschluss und eines über die interne Kontrolle, also über den Apparat aus Prozessen und Kontrollen, der die Zahlen erzeugt. Beide stammen hier von BDO USA, P.C., beide tragen das Datum 31. März 2026 — und sie fallen unterschiedlich aus.

Der Abschluss: uneingeschränkt bestätigt.

Markierter Ausschnitt aus dem SEC-Geschäftsbericht 10-K von BRC Group Holdings: Der Prüfer bestätigt, dass der Konzernabschluss die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage in allen wesentlichen Belangen zutreffend darstellt.
Das Testat zum Abschluss ist uneingeschränkt — im selben Absatz steht bereits der Hinweis auf das gegenteilige Urteil zur internen Kontrolle. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025. Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

„In our opinion, the consolidated financial statements present fairly, in all material respects, the financial position of the Company at December 31, 2025, and the results of its operations and its cash flows for the year ended December 31, 2025, in conformity with accounting principles generally accepted in the United States of America.“

Übersetzung: „Nach unserer Beurteilung stellt der Konzernabschluss die Vermögens- und Finanzlage der Gesellschaft zum 31. Dezember 2025 sowie die Ertragslage und die Zahlungsströme für das zum 31. Dezember 2025 endende Geschäftsjahr in allen wesentlichen Belangen zutreffend dar, in Übereinstimmung mit den allgemein anerkannten Rechnungslegungsgrundsätzen der Vereinigten Staaten.“

— BDO USA, P.C., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Prüfervermerk

Die interne Kontrolle: ausdrücklich als nicht wirksam beurteilt.

Markierter Ausschnitt aus dem SEC-Geschäftsbericht 10-K von BRC Group Holdings: Der Prüfer stellt fest, dass die Gesellschaft zum 31. Dezember 2025 keine wirksame interne Kontrolle über die Rechnungslegung unterhielt.
Dasselbe Prüfungsunternehmen, derselbe Stichtag, gegenteiliges Urteil. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Prüfervermerk zur internen Kontrolle. Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

„In our opinion, the Company did not maintain, in all material respects, effective internal control over financial reporting as of December 31, 2025, based on the COSO criteria.“

Übersetzung: „Nach unserer Beurteilung unterhielt die Gesellschaft zum 31. Dezember 2025 in allen wesentlichen Belangen keine wirksame interne Kontrolle über die Rechnungslegung, gemessen an den COSO-Kriterien.“

— BDO USA, P.C., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Prüfervermerk zur internen Kontrolle

Wie passt das zusammen? So: Der Prüfer hat den Abschluss so gründlich nachgerechnet, dass er ihn bestätigen kann — aber er sagt zugleich, dass der Apparat, der ihn erzeugt, aus eigener Kraft keine Gewähr für Richtigkeit bietet. Die Gesellschaft selbst räumt im Risikoteil wesentliche Schwächen ein. Als besonders kritischen Prüfungssachverhalt nennt der Prüfer die Bilanzierung der neuen Anleihen samt Optionsscheinen aus fünf privaten Umtauschgeschäften des Jahres 2025.

Der Berichtsrückstand gehört ins selbe Bild — als Tatsache, nicht als Vorwurf. Der Geschäftsbericht für 2024 wurde erst am 19. September 2025 eingereicht, der Quartalsbericht für das dritte Quartal 2025 erst am 14. Januar 2026. Inzwischen ist der Rückstand aufgeholt: Der Geschäftsbericht 2025 kam am 31. März 2026, der Quartalsbericht zum 31. März 2026 am 7. Mai 2026 — beide fristgerecht. Worauf sich diese Analyse stützt: auf den testierten Abschluss 2025 und den ungeprüften, aber vollständigen Quartalsbericht zum 31. März 2026. Ungeprüft ist bei Quartalsberichten der Normalfall.

Was das Geschäft wirklich verdient hat

Jetzt zu der Frage, die unter beiden Befunden liegt: Womit verdient diese Firma eigentlich Geld? Die Antwort steht in der Gewinn- und Verlustrechnung des ersten Quartals — und sie ist unbequem.

Balkendiagramm: Die Quartalserlöse von BRC Group bestehen 2026 aus 152,1 Millionen Dienstleistungen, 145,1 Millionen Handelsgewinnen, 45,4 Millionen Warenverkauf und 9,5 Millionen übrigen Erträgen; im Vorjahresquartal standen bei den Handelsgewinnen minus 16,2 Millionen.
Der Sprung der Erlöse kommt fast vollständig aus den Handelsgewinnen. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Erlöse des ersten Quartals 2026 betrugen 352,1 Millionen US-Dollar nach 186,1 Millionen im Vorjahresquartal — fast eine Verdoppelung. Nur: Das echte Kundengeschäft ist dabei leicht geschrumpft. Dienstleistungen und Gebühren fielen von 158,8 auf 152,1 Millionen, der Warenverkauf von 47,5 auf 45,4 Millionen.

Der gesamte Zuwachs steckt in einer Zeile: Handelsgewinne von 145,1 Millionen US-Dollar, nach einem Verlust von 16,2 Millionen im Vorjahresquartal. Das sind 41 Prozent der ausgewiesenen Erlöse — und es ist kein Umsatz im landläufigen Sinn, sondern die Bewertungsänderung des eigenen Wertpapierbuchs.

Unterhalb der Erlöse geht es weiter: Dort stehen zusätzlich 105,1 Millionen US-Dollar realisierte und unrealisierte Gewinne auf Beteiligungen. Zusammen sind das rund 250 Millionen US-Dollar Buchgewinne, die den Quartalsgewinn von 222,2 Millionen tragen — bei tatsächlichen 38,1 Millionen Mittelzufluss.

Merksatz: Wenn der Gewinn sechsmal so groß ist wie das Geld, das hereinkommt, misst er Bewertungen und keine Zahlungen.

Wir sind diesem Muster in dieser Serie schon begegnet — bei OneMain Holdings, wo der operative Mittelzufluss die Zinsmarge vor den Kreditausfällen misst. Bei einer Investmentbank mit Handels- und Beteiligungsbuch gilt dasselbe in verschärfter Form: Der Mittelzufluss bildet die Bewegung des Buches ab, nicht verteilbares Geld.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Das Eigenkapital kam nicht vom Verdienen

Zum 31. Dezember 2025 war das Eigenkapital der Gesellschaft negativ: minus 171,5 Millionen US-Dollar. Drei Monate später steht dort ein Plus von 77,3 Millionen. Ein Sprung von rund 249 Millionen in einem Quartal.

Der kam nicht aus dem Geschäft. Er kam daher, dass Anleihen in Aktien getauscht wurden: Im ersten Quartal 2026 tauschte die Gesellschaft 36,1 Millionen US-Dollar Nennwert an Anleihen gegen 4.553.866 eigene Aktien. Schulden verschwinden aus der Bilanz, neue Aktien entstehen — das Eigenkapital steigt, ohne dass ein Dollar verdient wurde.

Für dich als Aktionär heißt das: dein Stück vom Kuchen wird kleiner. Die Aktienzahl stieg von 30.597.066 zu Jahresbeginn auf 37.130.592 zum 5. Mai 2026 — rund 21 Prozent mehr Aktien in vier Monaten.

Und dann ist da noch die Rangfolge. Neben den Stammaktien gibt es Vorzugsaktien: 4.563 Stück, die im Fall einer Abwicklung vorrangig 124,2 Millionen US-Dollar beanspruchen.

Markierter Ausschnitt aus dem SEC-Quartalsbericht 10-Q von BRC Group Holdings: Die Bilanz weist 4.563 Vorzugsaktien mit einem Liquidationsvorrang von 124.157 Tausend US-Dollar aus.
4.563 Vorzugsaktien mit einem Vorrang von 124,2 Millionen US-Dollar — bei einem Gesamt-Eigenkapital von 136,3 Millionen. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Bilanz. Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rechne das gegeneinander: Das gesamte Eigenkapital beträgt 136,3 Millionen US-Dollar. Davon sind 124,2 Millionen für die Vorzugsaktien reserviert, bevor ein Stammaktionär etwas sieht. Wer über den Buchwert dieser Aktie nachdenkt, muss diesen Vorrang abziehen — sonst rechnet er mit Geld, das ihm im Ernstfall nicht zusteht.

Bewertung: Was du für dein Geld bekommst

Zur Größenordnung, alle Werte mit Datenstand 24. bis 27. Juli 2026 und ohne Tageskurse: Wir rechnen den Börsenwert selbst, mit der Aktienzahl vom Deckblatt des Quartalsberichts — 37.130.592 Stammaktien zum 5. Mai 2026. Daraus ergibt sich ein Stamm-Börsenwert in der Größenordnung von 255 Millionen US-Dollar. Die Vorzugsaktien bleiben dabei ausdrücklich draußen; sie sind ein eigenes Papier mit eigenem Vorrang.

Zur Verschuldung. Den 255 Millionen Börsenwert stehen zum 31. März 2026 Verbindlichkeiten von 1.717,9 Millionen US-Dollar gegenüber, davon 1.171,5 Millionen Anleihen, 116,7 Millionen Darlehen und 10,7 Millionen aus einer Kreditlinie. Die Bilanzsumme beträgt 1.854,2 Millionen. Anders gesagt: Auf jeden Dollar Eigenkapital kommen rund 12,6 Dollar Schulden. Bei einer Gesellschaft, deren Ergebnis zu großen Teilen aus Bewertungen besteht, ist das der zentrale Risikofaktor.

Dazu die Fälligkeiten: In den zwölf Monaten nach dem Quartalsstichtag werden rund 337,3 Millionen US-Dollar an Anleihen fällig. Dem stehen 178,0 Millionen Kasse gegenüber.

Warum wir hier keinen Altman-Z nennen. Der Altman-Z schätzt die Insolvenznähe und wurde für Industrieunternehmen entwickelt. Er setzt Umlaufvermögen, einbehaltene Gewinne und Umsatz ins Verhältnis zur Bilanzsumme — bei einer Investmentbank mit Handelsbuch bedeuten diese Größen etwas anderes, und ein kumulierter Verlustvortrag von 550,0 Millionen verzerrt die Formel zusätzlich. Unser Datenbestand führt für RILY einen Wert von 3,92, der auf der hier maßgeblichen Skala mit den Schwellen 1,1 und 2,6 als unauffällig gälte. Wir verwenden ihn bewusst nicht. Wer die Belastbarkeit dieser Bilanz beurteilen will, schaut auf Eigenkapital nach Vorzugsvorrang, Verschuldungsgrad, Fälligkeiten und Kasse.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für BRC Group spricht:

  • Der Berichtsrückstand ist aufgeholt: Geschäftsbericht 2025 am 31. März 2026, Quartalsbericht am 7. Mai 2026 — beide fristgerecht.
  • Der Abschluss 2025 ist uneingeschränkt testiert; der Prüfer hat ihn trotz der Kontrollmängel nachvollziehen können.
  • Die Schuldenlast sinkt: Anleihen von 1.301,8 auf 1.171,5 Millionen US-Dollar binnen eines Quartals, das Eigenkapital drehte ins Plus.
  • Das Kundengeschäft trägt eine Grundlast: 152,1 Millionen US-Dollar Dienstleistungen und 45,4 Millionen Warenverkauf im ersten Quartal 2026.

Was dagegen spricht:

  • Der Aufhänger trägt nicht: Das angezeigte Verhältnis von 1,2 beruht auf einem Wert von 224,1 Millionen, dem der Bericht 38,1 Millionen entgegensetzt — gerechnet sind es rund 8,9.
  • Der Prüfer beurteilt die interne Kontrolle zum 31. Dezember 2025 als nicht wirksam; die Gesellschaft räumt wesentliche Schwächen ein.
  • 41 Prozent der Quartalserlöse sind Handelsgewinne; zusammen mit den Beteiligungsgewinnen tragen rund 250 Millionen Buchgewinne den Quartalsgewinn.
  • Verwässerung: rund 21 Prozent mehr Aktien in vier Monaten, weil Anleihen in Aktien getauscht wurden.
  • Rangfolge und Verschuldung: 124,2 Millionen Vorzugsvorrang auf 136,3 Millionen Eigenkapital, rund 12,6 Dollar Schulden je Dollar Eigenkapital, 337,3 Millionen Fälligkeiten in zwölf Monaten gegen 178,0 Millionen Kasse.

Ein menschliches Fazit

Am Anfang stand das Vertrauen in die eigene Quelle. Diese Analyse ist innerhalb weniger Tage der zweite Fall, in dem uns die eigene Liste einen Titel nach oben gespült hat, der dort nicht hingehört — beim ersten war es ein Währungsbruch, hier ein falscher Zahlenwert. Beide Male hat erst das Nachlesen im Originalbericht die Lage geklärt.

Was bleibt, wenn man die 1,2 wegräumt? Eine hoch verschuldete Investmentbank, die gerade aus einem negativen Eigenkapital herausgeklettert ist — nicht durch Verdienen, sondern durch Umwandlung von Schulden in Aktien. Ein Quartalsgewinn, der zu weit über 100 Prozent aus Bewertungen besteht. Ein Prüfer, der den Abschluss bestätigt und den Apparat dahinter beanstandet. Und 337 Millionen Dollar Fälligkeiten im kommenden Jahr.

Das ist keine Firma, über die man in zwei Sätzen urteilen kann. Es ist aber sehr wohl eine, bei der man die eigene Kennzahl zweimal ansehen sollte, bevor man sie für einen Preis hält.

Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

  • BRC Group Holdings, SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025 (eingereicht am 31. März 2026) — Prüfervermerke zum Abschluss und zur internen Kontrolle, Risikofaktoren, Deckblatt (Streubesitz, Aktienzahl); dazu der Nachtrag 10-K/A vom 1. April 2026
  • SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (eingereicht am 7. Mai 2026) — Gewinn- und Verlustrechnung, Bilanz, Kapitalflussrechnung, Item 2 (Mittelzufluss, Fälligkeiten, Umtauschgeschäfte)
  • Form 25-NSE vom 30. März 2026 zur Rücknahme der „5.50% Senior Notes Due 2026" vom Handel
  • Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q), Datenstand 24. bis 27. Juli 2026
  • Hauseigener Aktien-Scanner, K-FCF-Ranking, US-Auswahl, Messung vom 27. Juli 2026

Diese Analyse ist journalistische Einordnung und keine Anlageberatung. Sie enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und ist keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren. Aktienanlagen bergen das Risiko des Totalverlusts. Alle Zahlen stammen aus den genannten Originalquellen und tragen den jeweils angegebenen Stichtag; Kennzahlen aus Datenbeständen können Fehler enthalten — dieser Artikel zeigt genau das an einem Beispiel. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in der besprochenen Aktie.

Unser Fazit auf einen Blick

Aufhänger hält nicht negativ
Das angezeigte Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis von 1,2 stützt sich auf einen operativen Mittelzufluss von 224,1 Mio. US-Dollar für das erste Quartal 2026. Der Quartalsbericht nennt 38,1 Mio. — in der Kapitalflussrechnung und im Lagebericht; die Kassenüberleitung geht damit auf. Gerechnet ergeben sich rund 8,9; Platz 22 der US-Auswahl ist ein Artefakt (Messung 27.07.2026).
Interne Kontrolle beanstandet negativ
BDO USA testiert den Abschluss 2025 uneingeschränkt, beurteilt die interne Kontrolle über die Rechnungslegung zum 31.12.2025 aber als nicht wirksam; die Gesellschaft räumt wesentliche Schwächen ein. Als besonders kritischer Prüfungssachverhalt gilt die Bilanzierung der neuen Anleihen samt Optionsscheinen aus fünf Umtauschgeschäften.
Ergebnis aus Bewertungen negativ
41 Prozent der Quartalserlöse sind Handelsgewinne (145,1 von 352,1 Mio. US-Dollar, Vorjahresquartal −16,2 Mio.). Zusammen mit 105,1 Mio. Beteiligungsgewinnen tragen rund 250 Mio. Buchgewinne den Quartalsgewinn von 222,2 Mio. — bei 38,1 Mio. tatsächlichem Mittelzufluss.
Verschuldung und Fälligkeiten negativ
Verbindlichkeiten von 1.717,9 Mio. US-Dollar gegen 136,3 Mio. Eigenkapital — rund 12,6 Dollar Schulden je Dollar Eigenkapital. In den zwölf Monaten nach dem 31.03.2026 werden rund 337,3 Mio. an Anleihen fällig, dem stehen 178,0 Mio. Kasse gegenüber.
Rückstand aufgeholt, Schulden gesunken neutral
Der Berichtsrückstand ist beendet: Geschäftsbericht 2025 am 31.03.2026, Quartalsbericht am 07.05.2026. Die Anleihen sanken binnen eines Quartals von 1.301,8 auf 1.171,5 Mio. US-Dollar und das Eigenkapital drehte von −171,5 auf +77,3 Mio. — allerdings durch Umwandlung in Aktien, bei rund 21 Prozent mehr Stammaktien in vier Monaten.

BRC Group Holdings — an der Börse weiterhin RILY — steht in unserer Liste auf Platz 22, weil ein Wert im Datenbestand dem eigenen Quartalsbericht widerspricht: 224,1 gegen 38,1 Millionen US-Dollar Mittelzufluss. Gerechnet ist der Titel nicht billig, sondern normal bewertet. Darunter liegt eine hoch verschuldete Investmentbank, deren Quartalsgewinn zu weit über 100 Prozent aus Bewertungen besteht, deren Eigenkapital durch Umwandlung von Anleihen ins Plus kam und deren interne Kontrolle der Prüfer als nicht wirksam beurteilt hat. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Substanzrisiko

Wir haben mindestens einen belegten Befund, der das Unternehmen selbst gefährdet — unabhängig davon, wie die Aktie gerade bewertet ist.

Für Rot sprechen vier belegte Substanzbefunde, die zusammenwirken. Erstens die Bilanz: 1.717,9 Mio. US-Dollar Verbindlichkeiten gegen 136,3 Mio. Eigenkapital, davon 124,2 Mio. vorrangig den Vorzugsaktien zugewiesen — für die Stammaktionäre bleibt rechnerisch fast nichts. Zweitens die Fälligkeiten: rund 337,3 Mio. an Anleihen in den kommenden zwölf Monaten gegen 178,0 Mio. Kasse und 38,1 Mio. Quartalszufluss. Drittens die Ergebnisqualität: 41 Prozent der Erlöse sind Handelsgewinne, rund 250 Mio. Buchgewinne tragen einen Quartalsgewinn von 222,2 Mio.; das Eigenkapital drehte nicht durch Verdienen, sondern durch Umwandlung von Anleihen in Aktien bei 21 Prozent Verwässerung in vier Monaten. Viertens das Prüfurteil: Die interne Kontrolle über die Rechnungslegung wurde zum 31.12.2025 ausdrücklich als nicht wirksam beurteilt, mit eingeräumten wesentlichen Schwächen und einem vorangegangenen Berichtsrückstand von mehreren Monaten. Für Gelb wäre eine dieser vier Ebenen zu verkraften; alle vier zusammen beschreiben ein Substanzrisiko. Nicht für Rot herangezogen wurde der Scanner-Aufhänger selbst — dass die Kennzahl 1,2 auf einem falschen Wert beruht, ist ein Datenfehler, kein Befund über das Unternehmen.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Aufhänger: hauseigener Aktien-Scanner, K-FCF-Ranking, US-Auswahl (545 Treffer), Platz 22 bei angezeigtem Wert 1,2 — gemessen am 27. Juli 2026 auf beiden Marken identisch. Die Listen werden täglich neu berechnet.
  • Der Börsenwert ist selbst gerechnet über die Aktienzahl vom Deckblatt des Quartalsberichts (37.130.592 Stück zum 05.05.2026) und nicht aus dem Datenbestand übernommen, der 40,19 Mio. Aktien führt. Die Vorzugsaktien sind nicht eingerechnet.
  • Kein Altman-Z als Bonitätsurteil: Die Formel ist für Industrieunternehmen gebaut; bei einer Investmentbank mit Handelsbuch und 550,0 Mio. US-Dollar Verlustvortrag ohne Aussage. Der Datenbestand führt 3,92; der Wert wird bewusst nicht verwendet.
  • Verwechslungsgefahr: BRC Group Holdings, Inc. firmierte früher als B. Riley Financial, Inc. und davor als Great American Group, Inc. Neben der Stammaktie RILY notieren mehrere Vorzugs- und Anleihegattungen (RILYG, RILYL, RILYN, RILYP, RILYT, RILYZ); sie gehören nicht zum Stamm-Börsenwert.

Häufige Fragen

Die Gesellschaft hat sich umbenannt. Bei der US-Börsenaufsicht SEC firmiert sie als BRC Group Holdings, Inc., davor als B. Riley Financial, Inc. und ursprünglich als Great American Group, Inc. Das Aktienkürzel an der Nasdaq blieb durch alle Umbenennungen hindurch RILY, weshalb beide Namen weiter nebeneinander auftauchen.

Nein. Die jüngste Anzeige vom 30. März 2026 betrifft wörtlich die „5.50% Senior Notes Due 2026" — eine Anleihe, die fällig wurde und die die Gesellschaft laut Quartalsbericht am Tag vor dem Fälligkeitstermin vollständig zurückzahlte. Die Stammaktie ist davon nicht berührt und wird weiter an der Nasdaq gehandelt.

Weil der Nenner auf einem Wert von 224,1 Millionen US-Dollar operativem Mittelzufluss für das erste Quartal 2026 beruht. Der Quartalsbericht nennt 38,1 Millionen — in der Kapitalflussrechnung und im Lagebericht. Mit dem Wert aus dem Bericht ergibt sich ein Verhältnis von rund 8,9 statt 1,2.

Der Abschluss für 2025 ist von BDO USA uneingeschränkt testiert. Für die interne Kontrolle über die Rechnungslegung gab derselbe Prüfer zum selben Stichtag jedoch ein negatives Urteil ab; die Gesellschaft räumt wesentliche Schwächen ein. Der Abschluss gilt also als zutreffend, der Apparat dahinter als nicht wirksam.

Im ersten Quartal 2026 kamen von 352,1 Millionen US-Dollar Erlösen 152,1 Millionen aus Dienstleistungen und Gebühren, 45,4 Millionen aus Warenverkauf und 145,1 Millionen aus Handelsgewinnen. Der Zuwachs gegenüber dem Vorjahresquartal stammt fast vollständig aus den Handelsgewinnen — im Vorjahr stand dort ein Verlust von 16,2 Millionen.

Die Zahl der Stammaktien stieg von 30.597.066 zum 1. Januar 2026 auf 37.130.592 zum 5. Mai 2026 — rund 21 Prozent in vier Monaten. Ursache sind Umtauschgeschäfte, bei denen Anleihen im Nennwert von 36,1 Millionen US-Dollar gegen 4.553.866 neue Aktien getauscht wurden.

Die 4.563 Vorzugsaktien beanspruchen im Fall einer Abwicklung vorrangig 124,2 Millionen US-Dollar. Das gesamte Eigenkapital betrug zum 31. März 2026 136,3 Millionen. Wer den Buchwert je Stammaktie berechnet, muss diesen Vorrang abziehen, sonst rechnet er mit Vermögen, das den Stammaktionären nicht zusteht.

Weil die Formel für Industrieunternehmen entwickelt wurde. Bei einer Investmentbank mit Handelsbuch bedeuten Umlaufvermögen und Umsatz etwas anderes, und ein kumulierter Verlustvortrag von 550,0 Millionen US-Dollar verzerrt das Ergebnis zusätzlich. Aussagekräftiger sind Verschuldungsgrad, Fälligkeiten, Kasse und das Eigenkapital nach Abzug des Vorzugsvorrangs.

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