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Bladex: Platz 35 im Schnäppchen-Ranking — und die Kennzahl misst nur, wie ein Kreditbuch atmet

Bladex: Platz 35 im Schnäppchen-Ranking — und die Kennzahl misst nur, wie ein Kreditbuch atmet

Bladex finanziert seit 1979 den Außenhandel Lateinamerikas und gehört zu einem Sechstel den Zentralbanken der Region. Unser K-FCF-Ranking führt die Aktie mit 1,9 auf Platz 35 — das klingt nach zwei Jahresgewinnen für die ganze Firma. Nur schwankte der operative Mittelzufluss 2025 zwischen plus 874,8 und minus 599,7 Millionen US-Dollar, während der Quartalsgewinn ruhig zwischen 51,7 und 64,2 Millionen lag. Wir rechnen nach, was diese Kennzahl bei einer Handelsfinanzierungsbank wirklich zählt — und was sie schlicht nicht kann.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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Bladex: Platz 35 im Schnäppchen-Ranking — und die Kennzahl misst nur, wie ein Kreditbuch atmet
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Zwischenberichte, 20-F/6-K)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die genau dann zuschlägt, wenn eine Zahl besonders eindeutig aussieht. Nennen wir sie die Etiketten-Falle. Sie funktioniert so: Auf einer Kennzahl steht ein Name — „freier Mittelzufluss“ —, und weil wir wissen, was dieser Name bedeutet, hören wir auf zu fragen, was darunter gemessen wurde. Bei Banco Latinoamericano de Comercio Exterior, S.A. (NYSE: BLX), die sich seit dem 4. Juni 2026 offiziell Bladex, Inc. nennt, steht auf diesem Etikett ein Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis von 1,9. Das wäre der Preis von knapp zwei Jahren Geldzufluss für ein ganzes Bankhaus.

Machen wir also einen Deal: Wir feiern das Etikett nicht, wir schauen darunter. Die Quellen sind die Berichte, die Bladex bei der US-Börsenaufsicht SEC einreicht. Weil die Bank in Panama sitzt und als ausländischer Emittent gilt, heißen diese Berichte nicht 10-K und 10-Q, sondern Geschäftsbericht 20-F und Zwischenbericht 6-K. Wir haben den Geschäftsbericht für 2025 (eingereicht am 20. April 2026) und alle Einreichungen danach gelesen, bis zum Zwischenabschluss zum 31. März 2026.

Und die erzählen von einer Bank, deren Geldrechnung innerhalb eines Jahres um 1,47 Milliarden US-Dollar hin und her schlägt, während der Gewinn so ruhig liegt wie ein Brett. Was du daraus machst, entscheidest am Ende du.

Inhaltsübersicht

Was Bladex eigentlich macht — eine Bank, die den Zentralbanken gehört

Bladex ist keine Bank, bei der man ein Girokonto eröffnet. Sie nimmt keine Einlagen von Privatpersonen an und betreibt kein Filialgeschäft. Ihr Geschäft ist Außenhandelsfinanzierung: Wenn ein guatemaltekischer Zuckerproduzent seine Ernte nach Europa verkauft, wenn eine kolumbianische Bank Akkreditive für ihre Importeure braucht, wenn ein brasilianischer Stromversorger eine Anlage im Ausland bestellt — dann steht zwischen Käufer und Verkäufer jemand, der die Zeit zwischen Lieferung und Zahlung überbrückt. Diesen Zwischenraum finanziert Bladex.

Die Entstehungsgeschichte erklärt, warum es diese Bank überhaupt gibt. Im Mai 1975 legte man der Versammlung der Zentralbank-Gouverneure der Region den Vorschlag vor, eine multinationale Einrichtung zu schaffen, die die Außenhandelsfinanzierung Lateinamerikas stärkt. 1977 organisiert, 1978 nach panamaischem Recht gegründet, am 2. Januar 1979 Betriebsaufnahme. Ein Vertragsgesetz zwischen der Republik Panama und der Bank aus dem Jahr 1978 stellt sie bis heute von der panamaischen Einkommensteuer frei.

Der Apparat ist klein geblieben: 372 fest angestellte Menschen zum 31. Dezember 2025, davon 335 in der Zentrale in Panama-Stadt, neun in der New Yorker Agentur und der Rest in Repräsentanzen in Argentinien, Brasilien, Kolumbien und Mexiko. 20 Nationalitäten, 97 Prozent davon aus lateinamerikanischen Ländern. Zum Vergleich: Diese 372 Menschen verwalten eine Bilanzsumme von 13,7 Milliarden US-Dollar (31. März 2026). Das sind rund 37 Millionen Dollar Bilanzsumme je Mitarbeiter.

Verdient wird an zwei Dingen. Erstens am Zinsunterschied zwischen dem, was Kreditnehmer zahlen, und dem, was Einleger bekommen — 271,2 Millionen US-Dollar Zinsüberschuss im Jahr 2025. Zweitens an Gebühren für Akkreditive, Garantien, Kreditzusagen und die Strukturierung von Konsortialkrediten — 59,0 Millionen im selben Jahr, ein Plus von 33 Prozent. Zusammen ergaben sich 339,6 Millionen Gesamterträge.

Balkendiagramm des Bladex-Kreditportfolios nach Ländern zum 31. Dezember 2025 in Millionen US-Dollar: Guatemala 1.535, Brasilien 1.126, Mexiko 1.120, Kolumbien 1.074, Dominikanische Republik 956, Panama 568, Chile 497, Costa Rica 456, übrige Länder zusammen 1.849.
Das Kreditbuch zum 31. Dezember 2025: 9.181 Millionen US-Dollar auf mehr als 20 Länder verteilt. Das größte Einzelland, Guatemala, trägt 16,7 Prozent. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Zwischenberichte, 20-F/6-K). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Das Besondere steht in der Eigentümerliste. Die Klasse-A-Aktien dürfen ausschließlich Zentralbanken, mehrheitlich staatliche Banken und andere Regierungsstellen lateinamerikanischer Länder halten. Anders gesagt: Die Institutionen, deren Volkswirtschaften die Bank finanziert, sind gleichzeitig ihre Miteigentümer und ihre größten Geldgeber. Das ist der Grund, warum Bladex im Geschäftsbericht einen faktischen Vorrang-Gläubiger-Status für sich reklamiert — bei Umschuldungen in der Region wurde sie in der Vergangenheit von Zahlungsbeschränkungen ausgenommen. Die Bank schreibt aber selbst dazu, dass sie nicht garantieren kann, dass das so bleibt.

Ein Merksatz für den Rest des Textes: Bei einer Bank ist die Bilanz nicht das Beiwerk des Geschäfts — sie ist das Geschäft. Deshalb funktionieren Kennzahlen, die für Fabriken gebaut wurden, hier nicht.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — Platz 35 und ein K/FCF von 1,9

Wir lassen täglich rund 3.500 Aktien durch unsere Scanner laufen. Bladex kam über das K-FCF-Ranking auf die Rechercheliste. Dieses Ranking teilt den Börsenwert durch den freien Mittelzufluss der jüngsten zwölf Monate und sortiert aufsteigend: die günstigsten zuerst. Die Leitfrage lautet: Wie viele Jahre müsste die Firma so weiterwirtschaften, um ihren eigenen Börsenwert zu erwirtschaften?

So findest du die Zeile selbst: Scanner-Übersicht öffnen, Rubrik „Bewertung“, Filter „K-FCF-Ranking“ wählen, Marktfilter auf USA stellen. Am 28. Juli 2026 prüfte diese Liste 837 US-Aktien und zeigte davon die 100 stärksten Treffer. Bladex stand auf Platz 35 — mit einem angezeigten Verhältnis von 1,9, einem Piotroski-Wert von 5 von 9, dem Fundamental-Rating C (52 von 100) und einer Dreijahres-Rendite von 86 Prozent pro Jahr. Die Listen werden täglich neu berechnet; der Lauf, auf dem diese Messung beruht, stammt vom 27. Juli 2026.

Bladex ist dabei kein Einzelfund. Auf der Firmenseite bestand die Aktie am selben Tag zwölf unserer geprüften Scanner-Strategien, darunter „Stan Weinstein: Stage 2“, „Power Trend“, „Mark Minervini: Trend Criteria — 1 Month“, „Nahe 52-Wochen-Hoch“, „ATH“, „Pocket Pivot“, „Chowder Rule“, „US Dividenden-Raketen“ und „James O’Shaughnessy: Trending Value“. Das ist eine ungewöhnlich breite Übereinstimmung aus Trend-, Dividenden- und Value-Filtern.

Übersetzt heißt das: Der Kurs läuft (plus 42,5 Prozent seit Jahresbeginn, 1,9 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch, Stand 24. Juli 2026), die Ausschüttung wächst, und die Bewertung sieht niedrig aus. Genau bei diesem letzten Punkt lohnt das Nachrechnen — denn die Kennzahl, die den Einstieg lieferte, ist ausgerechnet die, die bei einer Bank am wenigsten aussagt.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt. Der Gewinn steigt seit Jahren und ohne Zickzack: 166,2 Millionen US-Dollar im Jahr 2023, 205,9 Millionen 2024, 226,9 Millionen 2025 — ein Plus von 10 Prozent im letzten Jahr und von 37 Prozent über zwei Jahre. Der Gewinn je Aktie folgte: 4,55, dann 5,60, dann 6,11 US-Dollar. Im ersten Quartal 2026 kamen 56,4 Millionen dazu, 9 Prozent mehr als im Vorjahresquartal.

Die Eigenkapitalrendite lag 2025 bei 15,43 Prozent, 2024 bei 16,20, 2023 bei 14,68. Für eine Bank ist das gut; der Durchschnitt großer Geschäftsbanken liegt eher bei 10 bis 12 Prozent. Noch bemerkenswerter ist die Aufwandsquote von 26,5 Prozent im ersten Quartal 2026: Von einem Dollar Ertrag gehen 26,5 Cent für den gesamten Betrieb weg. Viele europäische Universalbanken liegen bei 60 bis 70 Cent. Das ist der Vorteil einer Bank ohne Filialnetz.

Das Geschäft wächst dabei nicht nur auf dem Papier. Das Kreditportfolio erreichte zum 31. März 2026 mit 13.487 Millionen US-Dollar einen Höchststand (plus 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr), die Einlagen stiegen um 25 Prozent auf 7.307 Millionen und stellen inzwischen 63 Prozent der Refinanzierung. Am 22. Juni 2026 hob S&P Global Ratings die langfristige Emittentenbewertung von „BBB“ auf „BBB+“ an, mit stabilem Ausblick.

Und die Kreditqualität? Sie ist auffallend sauber. Zum 31. Dezember 2025 waren 39 Millionen US-Dollar an Krediten wertgemindert — 0,42 Prozent des Kreditbuchs. Zum Vergleich: In der Region liegen zweistellige Millionenbeträge bei einer Bilanzsumme von 12,8 Milliarden im Bereich des Unauffälligen. Auf diese 39 Millionen hat Bladex 29,0 Millionen einzeln zurückgestellt, also 75 Prozent des Nominalvolumens. Über alle Vorsorgetöpfe hinweg ist der Bestand zum 31. März 2026 2,9-fach gedeckt.

Ehrlich dazugesagt: Die 39 Millionen sind gegenüber 17 Millionen (2024) und 10 Millionen (2023) deutlich gestiegen. Der Grund steht im Bericht — ein neues Einzelengagement über 20,0 Millionen US-Dollar aus dem vorgelagerten Gasgeschäft und eines über 1,7 Millionen aus der Eisen- und Stahlerzeugung. Beides ist zurückgestellt, beides ist offengelegt, und beides ändert die Größenordnung nicht.

Jetzt zum Aufhänger. Denn hier trennt sich, was diese Bank verdient, von dem, was ihre Geldrechnung ausweist.

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der „freie Mittelzufluss“ misst die Atembewegung des Kreditbuchs

Bladex bilanziert nach den internationalen Rechnungslegungsstandards IFRS. Und dort gilt für Banken eine Regel, die den Unterschied macht: Die Vergabe von Krediten und der Zufluss von Einlagen stehen in der laufenden Geschäftstätigkeit — nicht, wie bei einem Industrieunternehmen, in der Investitions- oder Finanzierungstätigkeit. Was jedes Quartal an neuen Krediten hinausgeht und an Einlagen hereinkommt, landet also mitten im „operativen Cashflow“.

Sieh dir an, was das anrichtet.

Konsolidierte Kapitalflussrechnung von Bladex aus dem Geschäftsbericht 20-F für 2025 in Tausend US-Dollar, gelb markiert die Zeile Cash flows provided by operating activities mit 503.868 für 2025: Jahresgewinn 226.882, Kreditvergabe minus 1.057.639, Einlagenzufluss 1.191.246, Netto-Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit 780.242 für 2025 gegenüber minus 122.659 für 2024 und 1.062.114 für 2023.
Die markierte Zeile im Original — und darüber die beiden Posten, die sie erzeugen: 1.057.639 Tausend US-Dollar neue Kredite gegen 1.191.246 Tausend Einlagenzufluss. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 20-F für das Geschäftsjahr 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Drei Jahre, dieselbe Bank, ein stetig steigender Gewinn — und ein Netto-Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit von 1.062,1 Millionen US-Dollar (2023), minus 122,7 Millionen (2024) und 780,2 Millionen (2025). Im Jahr 2024, dem Jahr mit dem zweitbesten Gewinn der Firmengeschichte, weist die Kapitalflussrechnung einen Abfluss aus. Nicht weil etwas schiefging, sondern weil die Bank in diesem Jahr 1.301,6 Millionen mehr Kredite vergab, als an Einlagen hereinkam.

Quartalsweise ist es noch drastischer.

Balkendiagramm mit Quartalsgewinn und operativem Mittelzufluss von Bladex in Millionen US-Dollar: Gewinn 51,7 im ersten Quartal 2025, 64,2 im zweiten, 55,0 im dritten, 56,0 im vierten und 56,4 im ersten Quartal 2026; operativer Mittelzufluss 196,6 dann 874,8 dann 308,6 dann minus 599,7 und schließlich 214,2.
Fünf Quartale, zwei Kurven: Der Gewinn (blau) bewegt sich zwischen 51,7 und 64,2 Millionen US-Dollar, der operative Mittelzufluss (grün) zwischen plus 874,8 und minus 599,7 Millionen. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Zwischenberichte, 20-F/6-K). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Übersetzt in ein Alltagsbild: Stell dir einen Geldwechsler auf einem Marktplatz vor. Morgens legt er 1.000 Euro in die Kasse, den ganzen Tag wechselt er, abends sind 1.200 Euro drin. Verdient hat er die Differenz — 200 Euro. Wer aber nur die Kasse zählt und schreibt „heute sind 1.200 Euro hereingekommen“, hat den Umschlag mit dem Ertrag verwechselt. Genau das passiert hier: Beim Handelsfinanzierer misst der freie Mittelzufluss, wie viel Geld gerade durch die Kasse läuft, nicht wie viel darin bleibt.

Und dass es wirklich um Umschlag geht, steht schwarz auf weiß im Bericht.

„As of December 31, 2025, the Loan Portfolio had an average remaining maturity term of 504 days, and 65% of the Bank’s Loan Portfolio was scheduled to mature within one year, compared to an average remaining maturity of 395 days, or 61% maturing within one year as of December 31, 2024, and 424 days, or 56% maturing within one year as of December 31, 2023.“

Übersetzung: „Zum 31. Dezember 2025 hatte das Kreditportfolio eine durchschnittliche Restlaufzeit von 504 Tagen, und 65 Prozent des Kreditportfolios der Bank waren fällig innerhalb eines Jahres — verglichen mit einer durchschnittlichen Restlaufzeit von 395 Tagen beziehungsweise 61 Prozent Fälligkeit binnen eines Jahres zum 31. Dezember 2024 und 424 Tagen beziehungsweise 56 Prozent zum 31. Dezember 2023.“

— Banco Latinoamericano de Comercio Exterior, S.A., SEC-Geschäftsbericht 20-F für 2025, Item 4.B „Business Overview — Loan Portfolio“

Gelb markierte Textstelle aus dem Bladex-Geschäftsbericht 20-F für 2025: Zum 31. Dezember 2025 betrug die durchschnittliche Restlaufzeit des Kreditportfolios 504 Tage, 65 Prozent waren binnen eines Jahres fällig, nach 395 Tagen und 61 Prozent im Vorjahr.
Die markierte Stelle im Original: 65 Prozent des Kreditbuchs sind binnen zwölf Monaten fällig — dieses Buch dreht sich, und jede Umdrehung läuft durch die Kapitalflussrechnung. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 20-F für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rechnen wir es sauber nach. Vom Netto-Mittelzufluss 2025 über 780,2 Millionen US-Dollar ziehen wir alle reinen Bilanzbewegungen ab, die nichts über die Ertragskraft aussagen: die Kreditvergabe (minus 1.057,6), den Verkauf von Krediten (plus 210,0), den Einlagenzufluss (plus 1.191,2), verpfändete Guthaben (plus 63,0) sowie sonstige Aktiva und Passiva (minus 20,2 und plus 5,2). Zusammen machen diese Posten plus 391,5 Millionen aus. Was übrig bleibt — Gewinn, Abschreibungen, Risikovorsorge, Zinszahlungen —, sind 388,8 Millionen US-Dollar.

Das ist die Zahl, mit der man rechnen sollte. Bei einem Börsenwert von rund 2,3 Milliarden US-Dollar (Datenstand 27. Juli 2026) ergibt sich daraus ein Verhältnis in der Größenordnung von 5,9 statt 1,9. Immer noch nicht teuer — aber eine völlig andere Hausnummer. Und selbst diese 5,9 ist nur ein Hilfsmaß: Bei einer Bank ist die richtige Frage nicht, wie viel Geld durchfließt, sondern wie viel Eigenkapital wie stark verzinst wird.

Denselben Effekt haben wir bei einem Ratenkreditgeber beschrieben, nur mit anderer Buchungsmechanik: In der Analyse zu OneMain Holdings entsteht der scheinbar riesige Mittelzufluss aus der Rückbuchung der Risikovorsorge, hier aus der Umschlagsbewegung des Kreditbuchs. Das Ergebnis ist dasselbe: Bei Finanzunternehmen gehört diese Kennzahl eingeordnet, nicht gefeiert.

Eine Falle können wir hier immerhin ausschließen. Bei XP Inc. haben wir belegt, dass ein Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis von 0,6 nur deshalb entsteht, weil ein Börsenwert in US-Dollar durch einen Mittelzufluss in brasilianischen Real geteilt wird. Bei Bladex gibt es diesen Bruch nicht:

„All amounts presented in the consolidated financial statements and notes are expressed in United States dollars (US dollars), which is the functional currency of the Bank.“

Übersetzung: „Alle in den konsolidierten Abschlüssen und Anhangangaben dargestellten Beträge sind in US-Dollar ausgedrückt, der funktionalen Währung der Bank.“

— Banco Latinoamericano de Comercio Exterior, S.A., SEC-Geschäftsbericht 20-F für 2025, Anhang 2.2 „Functional and presentation currency“

Bilanz, Ergebnisrechnung und Notierung stehen in derselben Währung. Der Fehler, den die Kennzahl hier macht, ist also kein Währungsfehler — sie misst schlicht das Falsche.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Altman-Z und Zinsdeckung sind hier keine Warnsignale — sie sind gar nichts

Wer sich das Datenblatt zu BLX ansieht, stolpert über zwei Zahlen, die nach Alarm aussehen: ein Altman-Z″-Wert von 1,07 — auf dieser Skala gilt alles unter 1,1 als Gefahrenzone — und eine Zinsdeckung von 0,47, also weniger als das Einfache. Bei einem Industrieunternehmen wäre das ein Grund, den Text hier zu beenden.

Bei einer Bank ist es keiner. Und zwar nicht, weil man bei Banken großzügiger sein müsste, sondern weil beide Formeln für ein anderes Geschäftsmodell gebaut wurden.

Der Altman-Z-Wert wurde Ende der 1960er Jahre an Industrieunternehmen entwickelt. Zwei seiner Bausteine bestrafen ein Bankgeschäftsmodell automatisch. Der eine setzt den Umsatz ins Verhältnis zur Bilanzsumme: Eine Fabrik setzt pro Jahr das Ein- bis Zweifache ihrer Bilanzsumme um, Bladex kam 2025 auf 339,6 Millionen Erträge bei 12,8 Milliarden Bilanzsumme — also auf rund 2,7 Prozent. Der andere misst das Eigenkapital gegen die Verbindlichkeiten: Eine Bank ist per Konstruktion achtfach gehebelt (Bilanzsumme geteilt durch Eigenkapital: 8,0 zum 31. März 2026), eine Fabrik selten mehr als zweifach. Beides ist bei einer Bank nicht ungesund, sondern definitionsgemäß so. Unser eigenes Datenblatt weist im Erklärtext übrigens genau darauf hin: Für Banken, Versicherer und Immobilienwerte passt die Formel nicht.

Bei der Zinsdeckung ist es noch eindeutiger. Sie misst, wie oft das operative Ergebnis den Zinsaufwand abdeckt — und unterstellt dabei, dass Zinsen eine Finanzierungslast sind. Bei einer Bank sind sie der Wareneinsatz. Bladex zahlte 2025 497,3 Millionen US-Dollar Zinsen an Einleger und Anleihegläubiger und nahm 768,5 Millionen ein. Die Differenz ist nicht das, was nach den Zinsen übrig bleibt — sie ist das Produkt. Eine Zinsdeckung von 0,47 bedeutet hier nichts anderes, als dass die Bank ihr Geschäft betreibt.

Womit misst man dann? Mit diesen sechs Zahlen (alle zum 31. März 2026, sofern nicht anders angegeben):

  • Kernkapitalquote (Tier 1) nach Basel III: 17,9 Prozent — das Eigenkapital im Verhältnis zu den risikogewichteten Aktiva. Der regulatorische Mindestwert liegt je nach Regel bei 6 bis 8,5 Prozent; solide europäische Banken bewegen sich bei 13 bis 16. 17,9 ist deutlich mehr als ausreichend. Zum 31. Dezember 2025 waren es 17,4 Prozent, ein Jahr zuvor 15,1.
  • Regulatorische Kapitalquote nach panamaischem Bankengesetz: 14,7 Prozent (31.12.2025: 15,5 Prozent).
  • Eigenkapitalquote: 12,4 Prozent — 1.708 Millionen Eigenkapital auf 13.739 Millionen Bilanzsumme. Für eine Bank ein hoher Wert; viele Großbanken liegen bei 5 bis 8 Prozent.
  • Wertgeminderte Kredite: 0,3 Prozent des Kreditportfolios (38,7 Millionen US-Dollar), mit einer Gesamtdeckung durch Wertberichtigungen vom 2,9-Fachen. 97,5 Prozent des Portfolios stehen in der niedrigsten Risikostufe.
  • Zinsmarge (NIM): 2,34 Prozent — und hier ist der Gegenwind sichtbar: 2023 waren es 2,49, 2024 dann 2,47, 2025 im Schnitt 2,36 Prozent. Sinkende Leitzinsen und viel Dollar-Liquidität drücken die Preise.
  • Eigenkapitalrendite: 13,5 Prozent (bereinigt um das neue Hybridkapital 14,2 Prozent) nach 15,4 Prozent im Vorjahresquartal.

Merke dir den Satz: Eine Kennzahl, die für das falsche Geschäftsmodell gerechnet wurde, ist kein schwaches Signal — sie ist überhaupt kein Signal. Das gilt in beide Richtungen: Sie darf weder als Warnung noch als Entwarnung gelesen werden.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Fünf Einleger, 48 Tage Restlaufzeit, keine Einlagensicherung

Wenn diese Bank ein echtes Klumpenrisiko hat, dann steht es nicht auf der Kreditseite, sondern auf der Refinanzierungsseite. Und die Bank benennt es selbst.

„As of December 31, 2025, deposits from the Bank’s five largest depositors, all except three of which were central and state-owned banks in the Region, represented 35% of the Bank’s total deposits, compared to 37% as of December 31, 2024. All of the Bank’s deposits are uninsured.“

Übersetzung: „Zum 31. Dezember 2025 machten die Einlagen der fünf größten Einleger der Bank — mit Ausnahme von dreien allesamt Zentral- und Staatsbanken der Region — 35 Prozent der gesamten Einlagen aus, gegenüber 37 Prozent zum 31. Dezember 2024. Sämtliche Einlagen der Bank sind unversichert.“

— Banco Latinoamericano de Comercio Exterior, S.A., SEC-Geschäftsbericht 20-F für 2025, Item 4.B „Business Overview — Deposits“

Gelb markierte Textstelle aus dem Bladex-Geschäftsbericht 20-F für 2025: Die fünf größten Einleger stellten zum 31. Dezember 2025 35 Prozent der gesamten Einlagen nach 37 Prozent im Vorjahr, und sämtliche Einlagen der Bank sind unversichert; im Satz davor stehen 38 Prozent Anteil der Zentral- und Staatsbanken der Region und eine durchschnittliche Restlaufzeit von 48 Tagen.
Die markierte Stelle im Original — und im Satz davor die zweite wichtige Zahl: 48 Tage durchschnittliche Restlaufzeit der Einlagen von Zentral- und Staatsbanken der Region. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 20-F für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Aufgeschlüsselt sieht die Einlagenbasis zum 31. Dezember 2025 so aus: 35 Prozent von Zentralbanken oder deren Beauftragten (das sind exakt die Klasse-A-Aktionäre), 34 Prozent von privaten Geschäftsbanken, Brokern und Finanzinstituten, 25 Prozent von staatlichen und privaten Unternehmen sowie internationalen Organisationen, 6 Prozent von Staatsbanken. Die Einlagen machen inzwischen 63 Prozent der gesamten Refinanzierung aus (31. März 2026) nach 51 Prozent der Verbindlichkeiten Ende 2024 — die Bank hat sich bewusst stärker auf Einlagen verlagert.

Und noch ein Satz aus dem Bericht, der es in sich hat: Panama hat keine Zentralbank, Einlagen sind von keiner staatlichen Stelle versichert, und im panamaischen Bankensystem gibt es keinen Kreditgeber letzter Instanz für den Fall einer systemweiten Liquiditätsstörung. Bladex begegnet dem mit eigenen Mitteln: 1.988 Millionen US-Dollar liquide Mittel zum 31. März 2026 — 14,5 Prozent der Bilanzsumme, davon 80 Prozent als Guthaben bei der Federal Reserve Bank of New York. Über ihre New Yorker Agentur hat die Bank zudem Zugang zum Diskontfenster der Fed und hält dafür ein Portfolio hochwertiger Wertpapiere bereit.

Wie ernst man das nimmt, hängt an einer Einschätzung, die niemand für dich treffen kann: Wie wahrscheinlich ist es, dass mehrere Zentralbanken Lateinamerikas gleichzeitig ihre Dollar-Liquiditätsstrategie ändern? In 47 Jahren ist es nicht passiert — auch nicht in der Schuldenkrise der 1980er Jahre, die die Bank überstand. Aber „ist noch nie passiert“ ist keine Garantie, sondern eine Erfahrung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Drei Aktienklassen — und wer nichts zu sagen hat

Bladex hat vier Aktienklassen, von denen drei ausstehen. Wer an der New Yorker Börse BLX kauft, kauft Klasse E.

„Class A shares may be issued only as registered shares in the name of the following entities in Latin American countries: (i) central banks, (ii) banks in which the State is the majority shareholder or (iii) other government agencies. Class B shares may be issued only in the name of banks or financial institutions. Class E shares and preferred shares may be issued in the name of any person, whether a natural person or a legal entity.“

Übersetzung: „Klasse-A-Aktien dürfen nur als Namensaktien auf folgende Einrichtungen in lateinamerikanischen Ländern ausgegeben werden: (i) Zentralbanken, (ii) Banken, an denen der Staat Mehrheitsaktionär ist, oder (iii) andere Regierungsstellen. Klasse-B-Aktien dürfen nur auf Banken oder Finanzinstitute ausgegeben werden. Klasse-E-Aktien und Vorzugsaktien dürfen auf jede Person ausgegeben werden, gleich ob natürliche oder juristische Person.“

— Banco Latinoamericano de Comercio Exterior, S.A., SEC-Geschäftsbericht 20-F für 2025, Item 10.B „Memorandum and Articles of Association“

Gelb markierte Textstelle aus dem Bladex-Geschäftsbericht 20-F für 2025: Klasse-A-Aktien dürfen nur an Zentralbanken, mehrheitlich staatliche Banken und andere Regierungsstellen lateinamerikanischer Länder ausgegeben werden, Klasse-B-Aktien nur an Banken und Finanzinstitute, Klasse-E-Aktien an jede Person.
Die markierte Stelle im Original: Wer Klasse-A-Aktien halten darf, ist in der Satzung abschließend aufgezählt. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 20-F für 2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zum 31. Dezember 2025 waren 37.230.208 Aktien im Umlauf: 6.342.189 der Klasse A (17,0 Prozent), 827.573 der Klasse B (2,2 Prozent) und 30.060.446 der Klasse E (80,7 Prozent). Klasse F, reserviert für staatliche Stellen außerhalb Lateinamerikas und multilaterale Institutionen, ist unbesetzt. Vorzugsaktien gibt es keine.

Interessant wird es bei der Verteilung der Sitze im Verwaltungsrat. Die Klasse-A-Aktionäre wählen drei Direktoren, obwohl sie nur 17 Prozent des Kapitals halten. Die Klasse-E-Aktionäre — vier Fünftel des Kapitals — wählen fünf. Für vier grundlegende Beschlüsse, darunter die Änderung der Satzung und die Verschmelzung mit einem anderen Unternehmen, ist zusätzlich die Zustimmung von drei Vierteln der ausstehenden Klasse-A-Aktien nötig. Anders gesagt: Ohne die Zentralbanken der Region wird diese Bank nicht verkauft und nicht umgebaut.

Für dich als Anleger ist das eine Doppelnatur: Dieselbe Konstruktion, die den Vorrang-Gläubiger-Status und die stabile Refinanzierung begründet, begrenzt auch, was mit dieser Aktie jemals passieren kann. Eine Übernahmefantasie gibt es hier nicht.

Und noch eine Zeile am Rande: Ein Rückkaufprogramm über 50 Millionen US-Dollar läuft seit Februar 2024 — im gesamten Jahr 2025 wurde daraus keine einzige Aktie zurückgekauft. Die Aktienzahl stieg 2025 stattdessen um 439.388 Stück, im Wesentlichen durch Vergütungsaktien.

Bewertung: Womit man eine Bank wirklich misst

Vergiss für einen Moment das Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis. Bei einer Bank misst man mit zwei Größen: dem Preis je Gewinn und dem Preis je Buchwert — und ordnet beides an der Eigenkapitalrendite ein.

Zum Bewertungsanker vom 24. Juli 2026 — Schlusskurs 59,60 US-Dollar, Börsenwert rund 2,3 Milliarden — ergibt sich (Datenstand des Datenblatts: 27. Juli 2026):

  • Kurs-Gewinn-Verhältnis rund 10,3, auf den erwarteten Gewinn der nächsten zwölf Monate rund 8,4.
  • Kurs-Buchwert-Verhältnis rund 1,4 bei einer Eigenkapitalrendite von 13,5 bis 15,4 Prozent. Faustregel: Ein Kurs-Buchwert von 1,4 ist gerechtfertigt, wenn die Bank dauerhaft deutlich mehr verdient, als sie an Eigenkapitalkosten hat — bei 13 bis 15 Prozent Rendite ist das plausibel.
  • Dividendenrendite rund 4,4 Prozent bei 2,63 US-Dollar Ausschüttung je Aktie in den letzten zwölf Monaten und einer Ausschüttungsquote von 43,6 Prozent. Für 2025 erklärte die Bank insgesamt 93,0 Millionen US-Dollar, das entspricht 2,56 je Aktie nach 2,00 im Jahr 2024. Die Dividende wurde in vier Jahren nicht gesenkt und in zwei Jahren in Folge erhöht.

Ein Hinweis zur Vorsicht beim Kurs-Umsatz-Verhältnis: Wir verwenden es hier bewusst nicht. Der Grund ist eine Definitionsänderung in der Datenreihe. Bis zum dritten Quartal 2025 wies das Datenblatt als „Umsatz“ die Bruttoerträge aus (202,1 Millionen im ersten Quartal 2025, 216,7 im zweiten, 209,0 im dritten), ab dem vierten Quartal die Gesamterträge nach Zinsaufwand (88,8 Millionen, dann 83,1 im ersten Quartal 2026). Der scheinbare Umsatzeinbruch von 53 beziehungsweise 59 Prozent ist deshalb ein Definitionswechsel, kein Geschäftseinbruch — der Zinsüberschuss stieg im ersten Quartal 2026 tatsächlich um 8 Prozent.

Zum Blick der Profis: Die Analystenabdeckung ist dünn. Zwei Häuser folgen dem Wert; das erklärt einen Teil des Bewertungsabschlags gegenüber US-Regionalbanken ebenso wie das Länderrisiko. Wer eine Bank kauft, deren gesamtes Geschäft an Lateinamerika hängt, bekommt dafür einen Abschlag — und trägt das Risiko, für das er ihn bekommt.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was dafür spricht:

  • Ein Geschäftsmodell mit Burggraben aus Eigentümerstruktur: gegründet von den Zentralbanken der Region, die bis heute die Klasse-A-Aktien halten und 35 Prozent der Einlagen stellen — daraus leitet sich der faktische Vorrang-Gläubiger-Status ab, der die Bank durch mehrere regionale Krisen getragen hat.
  • Verlässlich steigende Ergebnisse: Gewinn 166,2 (2023), 205,9 (2024), 226,9 Millionen US-Dollar (2025) und 56,4 Millionen im ersten Quartal 2026 — bei einer Eigenkapitalrendite von 13,5 bis 16,2 Prozent.
  • Eine Aufwandsquote von 26,5 Prozent (Q1 2026): Diese Bank ist strukturell billiger im Betrieb als praktisch jede Universalbank mit Filialnetz.
  • Kapitalausstattung mit Puffer: Kernkapitalquote 17,9 Prozent nach Basel III, Eigenkapitalquote 12,4 Prozent, Eigenkapital binnen eines Jahres um 25 Prozent auf 1.708 Millionen US-Dollar gewachsen (31. März 2026).
  • Kreditqualität mit Reserve: wertgeminderte Kredite 0,3 Prozent des Portfolios, 2,9-fach durch Wertberichtigungen gedeckt, 97,5 Prozent des Portfolios in der niedrigsten Risikostufe.
  • Externe Bestätigung: S&P Global Ratings hob die Bank am 22. Juni 2026 auf „BBB+“ mit stabilem Ausblick an; der Abschluss 2025 wurde ohne Einschränkung testiert, ebenso die internen Kontrollen.

Was dagegen spricht:

  • Der Aufhänger trägt nicht: Das Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis von 1,9 (Messung 28. Juli 2026) misst die Umschlagsbewegung des Kreditbuchs. Um die Bilanzbewegungen bereinigt blieben 2025 rund 388,8 Millionen US-Dollar — daraus wird eine Größenordnung von 5,9.
  • Refinanzierungs-Klumpen: Fünf Einleger stellen 35 Prozent aller Einlagen, die Einlagen der regionalen Zentral- und Staatsbanken haben 48 Tage durchschnittliche Restlaufzeit, sämtliche Einlagen sind unversichert — und Panama hat weder Zentralbank noch Kreditgeber letzter Instanz.
  • Sinkende Zinsmarge: 2,49 Prozent (2023), 2,47 (2024), 2,36 (2025), 2,34 im ersten Quartal 2026. Der durchschnittliche Kreditzins fiel binnen eines Jahres um 0,82 Prozentpunkte auf 6,71 Prozent.
  • Länderrisiko ohne Ausweichmöglichkeit: Das gesamte Kreditbuch hängt an Lateinamerika und der Karibik; nur 34 Prozent des kommerziellen Portfolios entfallen auf Länder mit Investment-Grade-Bewertung (31. März 2026).
  • Steigende Einzelfälle: Die wertgeminderten Kredite wuchsen von 10 (2023) über 17 (2024) auf 39 Millionen US-Dollar (2025) — getrieben von zwei Einzelengagements aus dem Gas- und dem Stahlsektor.
  • Keine Übernahmefantasie und wenig Aktionärsmacht: Drei Viertel der Klasse-A-Aktien müssen jeder Satzungsänderung und jeder Verschmelzung zustimmen; das Rückkaufprogramm über 50 Millionen US-Dollar wurde 2025 nicht genutzt, während die Aktienzahl durch Vergütungsaktien um 439.388 Stück stieg.

Ein menschliches Fazit

Zurück zum Anfang, zur Etiketten-Falle. Auf der Kennzahl, die uns zu dieser Aktie geführt hat, steht „freier Mittelzufluss“ — und darunter steckt bei einer Handelsfinanzierungsbank etwas ganz anderes: die Bewegung eines Kreditbuchs, das sich zu zwei Dritteln binnen eines Jahres dreht. Wer das nicht auseinanderhält, hält plus 874,8 Millionen im zweiten Quartal 2025 für einen Geldsegen und minus 599,7 Millionen im vierten für einen Einbruch. In Wahrheit hat die Bank in beiden Quartalen ungefähr dasselbe verdient: 64,2 und 56,0 Millionen US-Dollar.

Das Ironische daran: Die Kennzahl war falsch — die Firma darunter ist ordentlich. Eine Bank, die seit 47 Jahren Außenhandel finanziert, in jedem der letzten drei Jahre mehr verdient hat, 17,9 Prozent Kernkapital hält, 0,3 Prozent Problemkredite ausweist und ihre Dividende zwei Jahre in Folge erhöht hat, ist kein Blender. Sie ist ein solider, kleiner, sehr spezialisierter Kreditgeber mit einem sauberen Abschluss.

Die ehrliche Frage lautet deshalb nicht „Ist ein K/FCF von 1,9 nicht spottbillig?“, sondern: Traust du dir zu, das Länderrisiko Lateinamerikas einzuschätzen — und akzeptierst du, dass fünf Einleger ein Drittel der Refinanzierung stellen, bei 48 Tagen Restlaufzeit und ohne Einlagensicherung? Wer diese Frage beantworten kann, hat eine These. Wer nur auf die 1,9 geschaut hat, hatte ein Etikett.

Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Aktien von Bladex.

Unser Fazit auf einen Blick

Geschäftsmodell & Stellung positiv
Eine 1979 von den Zentralbanken Lateinamerikas gegründete Spezialbank für Außenhandelsfinanzierung, deren Klasse-A-Aktionäre bis heute dieselben Zentral- und Staatsbanken sind — daraus leitet die Bank einen faktischen Vorrang-Gläubiger-Status ab, der sie durch mehrere regionale Krisen getragen hat. Das Kreditbuch verteilt sich zum 31. Dezember 2025 auf mehr als 20 Länder, das größte trägt 16,7 Prozent.
Ertragskraft positiv
Der Gewinn stieg 2023 bis 2025 von 166,2 über 205,9 auf 226,9 Millionen US-Dollar und im ersten Quartal 2026 um weitere 9 Prozent auf 56,4 Millionen. Die Eigenkapitalrendite lag 2025 bei 15,43 Prozent, die Aufwandsquote im ersten Quartal 2026 bei 26,5 Prozent — ein Wert, den kaum eine Bank mit Filialnetz erreicht.
Bilanz & Kapital positiv
Kernkapitalquote nach Basel III von 17,9 Prozent, Eigenkapitalquote 12,4 Prozent, wertgeminderte Kredite 0,3 Prozent des Portfolios bei 2,9-facher Deckung (alle zum 31. März 2026). Der Abschluss 2025 wurde von KPMG Cárdenas Dosal ohne Einschränkung testiert, ebenso die internen Kontrollen; S&P Global Ratings stufte am 22. Juni 2026 auf „BBB+“ hoch.
Refinanzierung negativ
Fünf Einleger stellten zum 31. Dezember 2025 zusammen 35 Prozent aller Einlagen, die Einlagen der regionalen Zentral- und Staatsbanken hatten 48 Tage durchschnittliche Restlaufzeit, und sämtliche Einlagen sind unversichert. Panama hat weder eine Zentralbank noch einen Kreditgeber letzter Instanz — die Bank puffert das mit 1.988 Millionen US-Dollar Liquidität, davon 80 Prozent bei der Federal Reserve Bank of New York.
Marge & Länderrisiko neutral
Die Zinsmarge sinkt seit drei Jahren: 2,49 Prozent (2023), 2,47 (2024), 2,36 (2025), 2,34 im ersten Quartal 2026; der durchschnittliche Kreditzins fiel binnen eines Jahres um 0,82 Punkte auf 6,71 Prozent. Gleichzeitig hängt das gesamte Buch an Lateinamerika, nur 34 Prozent des kommerziellen Portfolios liegen in Ländern mit Investment-Grade-Bewertung. Das Volumenwachstum von 13 Prozent hat den Margendruck bisher überkompensiert.
Aufhänger-Kennzahl negativ
Das Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis von 1,9 (Platz 35, Messung 28. Juli 2026) misst bei dieser Bank die Umschlagsbewegung des Kreditbuchs, nicht erwirtschaftete Liquidität: 2025 flossen 1.057,6 Millionen US-Dollar in neue Kredite und 1.191,2 Millionen an Einlagen zu. Um diese Bilanzbewegungen bereinigt blieben 388,8 Millionen — daraus wird eine Größenordnung von 5,9. Auch Altman Z″ (1,07) und Zinsdeckung (0,47) tragen bei einer Bank keine Aussage.

Bladex ist der Testfall für die Etiketten-Falle: Die Kennzahl, die zur Aktie führte, misst etwas anderes, als ihr Name sagt — bei einer Handelsfinanzierungsbank nach IFRS steht die Bewegung des Kreditbuchs mitten im operativen Cashflow, und der schwankte 2025 zwischen plus 874,8 und minus 599,7 Millionen US-Dollar bei einem Quartalsgewinn zwischen 51,7 und 64,2 Millionen. Die Firma dahinter ist solide: 47 Jahre Außenhandelsfinanzierung, drei Jahre steigende Gewinne, 17,9 Prozent Kernkapital, 0,3 Prozent Problemkredite, seit dem 22. Juni 2026 mit „BBB+“ bewertet. Das echte Risiko steht auf der Refinanzierungsseite: fünf Einleger, 35 Prozent der Einlagen, 48 Tage Restlaufzeit, keine Einlagensicherung. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Qualität belegt

Geschäftsmodell, Zahlen und Bilanz halten unserer Prüfung stand. Ob der aktuelle Kurs einen Einstieg trägt, ist eine eigene Frage — sie hängt am Preis, nicht am Unternehmen.

Grün steht hier für belegte Unternehmensqualität, nicht für einen Kaufzeitpunkt. Dafür spricht die Beleglage: 226,9 Millionen US-Dollar Jahresgewinn 2025 nach 205,9 und 166,2 in den beiden Vorjahren, 56,4 Millionen im ersten Quartal 2026, eine Eigenkapitalrendite von 13,5 bis 16,2 Prozent, eine Kernkapitalquote von 17,9 Prozent, wertgeminderte Kredite von 0,3 Prozent des Portfolios mit 2,9-facher Deckung, eine Aufwandsquote von 26,5 Prozent, ein uneingeschränktes Testat für Abschluss und interne Kontrollen sowie die Hochstufung durch S&P Global Ratings auf „BBB+“ am 22. Juni 2026. Kein Befund berührt die Substanz: Der Altman-Z″-Wert von 1,07 und die Zinsdeckung von 0,47 sind für eine Bank keine Kennzahlen, sondern Formeln aus einem anderen Geschäftsmodell. Offen bleiben zwei Punkte, die wir bewusst nicht als operative Zweifelsfrage werten, weil sie zum Modell gehören und vollständig offengelegt sind: die Konzentration der Refinanzierung auf fünf Einleger mit 35 Prozent der Einlagen bei 48 Tagen Restlaufzeit ohne Einlagensicherung und das Länderrisiko Lateinamerikas. Ausdrücklich nicht Teil dieses Urteils ist die Bewertung: Der Aufhänger, ein Kurs-Free-Cashflow-Verhältnis von 1,9, trägt nicht — sauber gerechnet liegt er in der Größenordnung von 5,9.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Aufhänger: K-FCF-Ranking der US-Auswahl, Platz 35 von 100 angezeigten Treffern bei 837 geprüften Aktien, angezeigtes Verhältnis 1,9 — Trefferliste gemessen am 28. Juli 2026, zugrunde liegender Scanner-Lauf vom 27. Juli 2026. Die Listen werden täglich neu berechnet.
  • Datenstand: Der Geschäftsbericht 20-F für 2025 (eingereicht 20.04.2026) ist vollständig ausgewertet; sämtliche Einreichungen danach wurden durchgesehen — 6-K zur Hauptversammlung (24.04.2026), zur Dividende (28.04.2026), zu den Zahlen des ersten Quartals 2026 (30.04. und 05.05.2026), zur Umfirmierung (08.06.2026) und zur S&P-Hochstufung (23.06.2026), dazu eine Insider-Meldung Form 4 vom 09.06.2026. Kein Form 15, kein Form 25, keine SC 13D. Kurse bis 24.07.2026, Kennzahlen-Datenstand 27.07.2026.
  • Definitionsbruch in der Umsatzreihe des Datenblatts: Bis zum dritten Quartal 2025 wurden die Bruttoerträge ausgewiesen (202,1 / 216,7 / 209,0 Mio. US-$), ab dem vierten Quartal 2025 die Gesamterträge nach Zinsaufwand (88,8 und 83,1 Mio.). Der angezeigte Umsatzrückgang von 53 bzw. 59 Prozent ist ein Definitionswechsel, kein Geschäftseinbruch. Kurs-Umsatz-Verhältnisse auf dieser Reihe sind deshalb nicht belastbar und werden hier nicht verwendet.
  • Nicht verwechseln: Banco Latinoamericano de Comercio Exterior, S.A. („Bladex", NYSE: BLX) ist weder die brasilianische Banco do Brasil noch die Interamerikanische Entwicklungsbank. Der frühere Name im SEC-Register lautet „Latin American Export Bank" (bis 22.06.2009); die englische Übersetzung „Foreign Trade Bank of Latin America, Inc." steht noch in vielen Datenbanken, obwohl die Bank seit dem 04.06.2026 „Bladex, Inc." heißt.
  • Die Qualitäts-Ampel dieser Analyse beurteilt das Unternehmen, nicht den Einstiegszeitpunkt.

Häufige Fragen

Bladex finanziert den Außenhandel Lateinamerikas: Akkreditive, Garantien, kurz- und mittelfristige Kredite für Banken, Unternehmen und staatliche Stellen der Region. Privatkundengeschäft gibt es nicht. Die Bank hieß bis zum 4. Juni 2026 offiziell „Banco Latinoamericano de Comercio Exterior, S.A.“; die Hauptversammlung vom 21. April 2026 beschloss die Umfirmierung in „Bladex, Inc.“. An Geschäft, Verträgen und ausstehenden Wertpapieren ändert das nichts.

Weil der Börsenwert von rund 2,3 Milliarden US-Dollar durch einen Zwölfmonats-Mittelzufluss von rund 1,2 Milliarden geteilt wird. Bei einer Bank, die nach IFRS bilanziert, stehen Kreditvergabe und Einlagenzufluss aber in der laufenden Geschäftstätigkeit: 2025 flossen 1.057,6 Millionen in neue Kredite und 1.191,2 Millionen an Einlagen zu. Bereinigt man diese Bilanzbewegungen, bleiben rund 388,8 Millionen — daraus wird eine Größenordnung von 5,9 statt 1,9.

Nein. Der Altman-Z-Wert wurde an Industrieunternehmen entwickelt und bestraft ein Bankgeschäftsmodell doppelt: Eine Bank setzt nur einen Bruchteil ihrer Bilanzsumme um (bei Bladex rund 2,7 Prozent im Jahr 2025) und ist konstruktionsbedingt hoch gehebelt (Bilanzsumme geteilt durch Eigenkapital: 8,0 zum 31. März 2026). Die passenden Maße sind Kernkapitalquote (17,9 Prozent), notleidende Kredite (0,3 Prozent) und Deckungsgrad (2,9-fach).

Das ist das eigentliche Klumpenrisiko. Zum 31. Dezember 2025 stellten die fünf größten Einleger 35 Prozent aller Einlagen, überwiegend Zentral- und Staatsbanken der Region. Deren Einlagen hatten eine durchschnittliche Restlaufzeit von 48 Tagen, und sämtliche Einlagen sind unversichert; Panama hat weder eine Zentralbank noch einen Kreditgeber letzter Instanz. Als Puffer hält Bladex 1.988 Millionen US-Dollar liquide Mittel, davon 80 Prozent bei der Federal Reserve Bank of New York.

Weil die Bank in Panama sitzt und bei der US-Börsenaufsicht SEC als ausländischer Emittent geführt wird. Solche Unternehmen reichen einmal jährlich einen Geschäftsbericht auf Formular 20-F ein — für 2025 am 20. April 2026 — und melden Zwischenzahlen sowie wesentliche Ereignisse auf Formular 6-K. Der jüngste Zwischenabschluss zum 31. März 2026 wurde am 5. Mai 2026 eingereicht.

Klasse-A-Aktien dürfen ausschließlich Zentralbanken, mehrheitlich staatliche Banken und andere Regierungsstellen lateinamerikanischer Länder halten (6.342.189 Stück, 17,0 Prozent). Klasse B ist Banken und Finanzinstituten vorbehalten (827.573, 2,2 Prozent). Klasse E ist frei handelbar und das, was an der NYSE unter BLX läuft (30.060.446, 80,7 Prozent). Die Klasse-A-Aktionäre wählen drei Direktoren, die Klasse-E-Aktionäre fünf; Satzungsänderungen und Verschmelzungen brauchen drei Viertel der Klasse-A-Aktien.

Für 2025 erklärte die Bank 93,0 Millionen US-Dollar Dividende, das sind 2,56 US-Dollar je Aktie nach 2,00 im Jahr 2024. In den letzten zwölf Monaten wurden 2,63 US-Dollar je Aktie ausgezahlt, was auf den Schlusskurs vom 24. Juli 2026 rund 4,4 Prozent Rendite ergibt. Die Ausschüttungsquote liegt bei 43,6 Prozent, die Dividende wurde vier Jahre lang nicht gesenkt und zwei Jahre in Folge erhöht. Seit September 2025 geht zusätzlich ein Kupon von 7,50 Prozent auf 200 Millionen US-Dollar Hybridkapital ab.

Zum 31. März 2026 lagen die wertgeminderten Kredite bei 38,7 Millionen US-Dollar oder 0,3 Prozent des Kreditportfolios, gedeckt durch das 2,9-Fache an Wertberichtigungen; 97,5 Prozent des Portfolios standen in der niedrigsten Risikostufe. Der Bestand ist allerdings gestiegen: von 10 Millionen (2023) über 17 (2024) auf 39 Millionen US-Dollar (2025), verursacht durch zwei Einzelengagements aus dem Gas- und dem Stahlsektor, auf die 75 Prozent des Nominalvolumens zurückgestellt sind.

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