Börsenlotse
Kauftag heute: Schlecht (58 ) Neutral Gut Gemischte Marktbreite · Breite steigend (+3 zum 10-Tage-Schnitt) · heute FOMC-Zinsentscheid

AMD-Aktie: 7,7 Milliarden Segmentgewinn — und 3,7 Milliarden kommen unten an

AMD-Aktie: 7,7 Milliarden Segmentgewinn — und 3,7 Milliarden kommen unten an

AMDs drei Segmente wiesen 2025 zusammen 7.701 Millionen US-Dollar Betriebsergebnis aus. Im Konzernabschluss standen 3.694 Millionen. Dazwischen liegt ein Sammelposten aus Kaufpreis-Abschreibungen und Aktienvergütung — und im Anhang stehen Bezugsrechte über 320 Millionen Aktien zu je einem Cent. Wir lesen beides Zeile für Zeile nach.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 19 Min. Lesezeit
Unternehmensprofil ansehen (AMD)

Supertiefe Analyse — die letzte Prüfung vor dem Kauf

Die Supertiefe Analyse ist unsere gründlichste Untersuchung — gedacht als letzte Entscheidungsgrundlage, bevor Du wirklich kaufst. Wir recherchieren die letzten 10 Geschäftsberichte (10-K), sämtliche Quartalsberichte (10-Q) aus diesem Zeitraum, alle relevanten Insider-Transaktionen, prüfen die Liquiditätslage inklusive Warnsignalen der letzten 5 Jahre und werten eine kuratierte Auswahl relevanter Nachrichten aus — ohne Spam- und Schrottmeldungen. Preis: einmalig 49 €.

Deine Supertiefe Analyse bekommst Du zuerst exklusiv; 30 Tage nach Lieferung veröffentlichen wir sie auch auf Börsenlotse.

Nach der Bestellung melden wir uns per E-Mail mit den Zahlungsdetails. Erstellt wird die Analyse nach Zahlungseingang — reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung.

AMD-Aktie: 7,7 Milliarden Segmentgewinn — und 3,7 Milliarden kommen unten an
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Die Brutto-Netto-Falle

Machen wir einen Deal. Bevor wir über einen der interessantesten Halbleiterkonzerne der Welt reden, gestehe ich dir einen Denkfehler, den wir beide schon gemacht haben. Du bekommst ein Jobangebot. Da steht eine Zahl. Und noch bevor der Kopf rechnet, hat das Gefühl die Zahl schon ausgegeben — Urlaub, Auto, neue Küche.

Dann kommt die erste Abrechnung. Unten steht eine andere Zahl. Nicht falsch, nicht heimlich, sauber aufgeschlüsselt. Nur eben eine andere.

Bei AMD steht die Brutto-Zahl in der Segmenttabelle des Geschäftsberichts. Die drei Segmente Data Center, Client and Gaming und Embedded wiesen für 2025 zusammen 7.701 Millionen US-Dollar Betriebsergebnis aus. Eine Seite weiter, im Konzernabschluss, steht: 3.694 Millionen.

Dazwischen liegt ein Posten, den AMD selbst „All Other" nennt — 4.007 Millionen US-Dollar, also rund 4,0 Milliarden. Er ist kein Trick und kein Versteck. Er hat nur zwei Bestandteile, über die man reden sollte: die Abschreibung auf einen Kaufpreis von 2022 und die Bezahlung der Belegschaft in eigenen Aktien.

Merk dir dieses Spannungsfeld, es zieht sich durch jedes Kapitel: Der Rechenzentrums-Motor läuft — aber ein großer Teil des Gewinns ist rechnerisch bereits vergeben, und ein Fünftel des Unternehmens ist zwei Kunden versprochen. Wir lesen das jetzt gemeinsam nach, Zeile für Zeile.

Inhaltsübersicht

Was AMD eigentlich macht — und warum das Geschäftsjahr an einem Samstag endet

Advanced Micro Devices baut Rechenchips. Das Unternehmen wurde 1969 in Kalifornien gegründet, ist seit 1972 börsennotiert und beschäftigte zum 27. Dezember 2025 rund 31.000 Menschen. Es besitzt keine eigenen Chipfabriken — dazu gleich mehr, denn genau das ist eine der unbequemen Wahrheiten.

Zuerst eine Kleinigkeit, die viele Auswertungen durcheinanderbringt: AMDs Geschäftsjahr endet nicht am 31. Dezember, sondern am letzten Samstag im Dezember. Es umfasst deshalb 52 oder 53 Wochen. Die Jahre 2023, 2024 und 2025 endeten am 30. Dezember 2023, 28. Dezember 2024 und 27. Dezember 2025 und hatten je 52 Wochen; 2026 endet am 26. Dezember 2026. Für dich heißt das: Diese drei Jahre sind ohne Umrechnung vergleichbar. Wäre irgendwo eine 53. Woche eingeschoben, hätte ein Jahr rund zwei Prozent mehr Verkaufstage — und ein Vergleich ohne Hinweis wäre schief.

Berichtet wird in drei Segmenten. Der Reihe nach, mit den Zahlen des Geschäftsjahres 2025:

  • Data Center: 16.635 Millionen US-Dollar Umsatz, 48 Prozent des Konzerns. Hier sitzen die KI-Beschleuniger der Reihe AMD Instinct, die EPYC-Serverprozessoren, Grafikprozessoren, Netzwerkkarten und programmierbare Logikbausteine für Rechenzentren. Segmentergebnis 3.603 Millionen, Marge 21,7 Prozent.
  • Client and Gaming: 14.550 Millionen, 42 Prozent. Darin steckt das klassische PC-Geschäft mit den Ryzen-Prozessoren (Client: 10.640 Millionen) und das Spielegeschäft mit Radeon-Grafikkarten und den Chips für Spielkonsolen (Gaming: 3.910 Millionen). Segmentergebnis 2.855 Millionen, Marge 19,6 Prozent.
  • Embedded: 3.454 Millionen, 10 Prozent. Eingebettete Prozessoren und programmierbare Bausteine für Autos, Industrieanlagen, Medizintechnik, Speicher und Netzwerke — im Kern das 2022 übernommene Xilinx-Geschäft. Segmentergebnis 1.243 Millionen, Marge 36,0 Prozent — die höchste im Konzern.

Halten wir das kurz fest, weil es der Erzählung widerspricht, die man überall hört: Das margenstärkste Segment ist nicht das Rechenzentrum, sondern Embedded. Nur schrumpft es. Auch dazu gleich mehr.

Seit dem ersten Quartal 2025 fasst AMD Client und Gaming zu einem Segment zusammen und hat die Vorjahre angepasst. Wenn du also ältere Auswertungen mit vier Segmenten findest: Sie sind nicht falsch, nur nicht direkt vergleichbar.

Und noch eine Einordnung, die man leicht falsch macht: Die 2025 übernommene ZT Systems ist nur zum Teil im Konzern geblieben. AMD kaufte sie im März 2025 für 3,2 Milliarden US-Dollar in bar plus 8,3 Millionen eigene Aktien, verkaufte das Fertigungsgeschäft im Oktober 2025 für 2,4 Milliarden an Sanmina und behielt die Entwicklungsmannschaft. Das verkaufte Geschäft läuft in den Zahlen als aufgegebener Geschäftsbereich mit — 66 Millionen Ergebnisbeitrag 2025, 11 Millionen im ersten Quartal 2026.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Diesmal war es kein Treffer aus unseren hauseigenen Aktien-Scannern. Die filtern nach Kennzahlen — günstige Bewertung, hohe Bilanzqualität, Momentum —, und genau deshalb fallen die bekanntesten Schwergewichte systematisch durch: Sie sind selten billig. Als wir am 28. Juli 2026 nachzählten, welche der 100 größten US-Aktien nach Börsenwert bei uns bereits eine Tiefenanalyse haben, standen 88 ohne. AMD stand davon auf Rang 14 der Gesamtliste.

Das ist eine ehrliche Auskunft über unsere eigene Methode: Ein Scanner, der nach Schnäppchen sucht, findet keine Kursraketen. Deshalb arbeiten wir die Liste jetzt von oben ab.

Bei AMD lohnt der Blick besonders, weil die Firma in einem Dreieck steht, das wir schon einzeln vermessen haben. Auf der einen Seite Nvidia, der Maßstab im Geschäft mit KI-Beschleunigern und AMDs direkter Gegner im Rechenzentrum. Auf der anderen Seite Broadcom, das denselben Kunden maßgeschneiderte Chips baut, statt fertige Beschleuniger zu verkaufen. Und dazwischen die Kunden selbst: Meta Platforms ist seit Februar 2026 nicht nur Abnehmer, sondern hält Bezugsrechte auf AMD-Aktien — eine Konstruktion, die wir uns weiter unten genau ansehen. Wie eng die ganze Branche am Speicher hängt, haben wir bei Micron nachgerechnet; AMD nennt die Knappheit inzwischen selbst im Risikoteil.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Fangen wir mit dem an, was wirklich beeindruckt. Alle Werte in Millionen US-Dollar, alle aus dem Geschäftsbericht für 2025:

GeschäftsjahrUmsatzRohertragForschungBetriebsergebnisNettoergebnisErgebnis je Aktie
2023 (bis 30.12.)22.68010.4605.8724018540,53 $
2024 (bis 28.12.)25.78512.7256.4561.9001.6411,00 $
2025 (bis 27.12.)34.63917.1528.0913.6944.3352,65 $

Vier Dinge lohnen einen zweiten Blick. Erstens: Der Umsatz stieg in zwei Jahren um 11,96 Milliarden US-Dollar oder 53 Prozent. Zweitens: Das Betriebsergebnis verneunfachte sich von 401 auf 3.694 Millionen — der operative Hebel ist real. Drittens: Die Forschungsausgaben stiegen um 38 Prozent auf 8.091 Millionen, das sind 23,4 Prozent vom Umsatz. Diese Firma investiert mehr in Entwicklung, als sie verdient. Viertens: Das Nettoergebnis von 4.335 Millionen liegt über dem Betriebsergebnis. Das ist ungewöhnlich und hat einen Grund: 2025 wies AMD einen Steuerertrag von 103 Millionen aus statt eines Steueraufwands, dazu 577 Millionen sonstige Erträge. Wer die Ergebnisreihe fortschreibt, sollte wissen, dass sie diesen Rückenwind enthält.

Das erste Quartal 2026 setzte den Trend fort: 10.253 Millionen US-Dollar Umsatz, 38 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Betriebsergebnis 1.476 Millionen, Nettoergebnis 1.383 Millionen, Ergebnis je Aktie 0,84 US-Dollar. Der operative Mittelzufluss lag bei 2.955 Millionen, der freie Mittelzufluss laut Unternehmen bei 2.566 Millionen — dreieinhalbmal so viel wie ein Jahr zuvor.

Ein ehrlicher Zusatz, den man in Wachstumsgeschichten selten liest: Gegenüber dem Vorquartal stand der Umsatz still. Q4 2025 waren 10.270 Millionen, Q1 2026 sind es 10.253. Das Betriebsergebnis fiel dabei von 1.752 auf 1.476 Millionen. Halbleiter sind ein zyklisches Geschäft, und AMD sagt das im eigenen Risikoteil. Wer die Jahresrate aus einem einzelnen Quartal hochrechnet, rechnet die Zyklik weg.

Bevor wir zur Gewinnfrage kommen, lohnt der Blick darauf, wo das Wachstum entstand. Data Center legte von 6.496 Millionen US-Dollar (2023) über 12.579 auf 16.635 Millionen zu — plus 156 Prozent in zwei Jahren. Client and Gaming ging erst von 10.863 auf 9.649 Millionen zurück und stieg dann auf 14.550. Und Embedded fiel von 5.321 über 3.557 auf 3.454 Millionen — minus 35 Prozent. Das ganze Wachstum dieser Firma kommt aus zwei Segmenten; das dritte hat sich in zwei Jahren um mehr als ein Drittel verkleinert.

Jetzt die Frage, um die es in diesem Artikel geht: Wo genau bleibt der Gewinn?

Balkendiagramm AMD, Umsatz je Segment in Millionen US-Dollar: Data Center 6.496 (2023), 12.579 (2024), 16.635 (2025); Client and Gaming 10.863, 9.649, 14.550; Embedded 5.321, 3.557, 3.454.
Data Center wuchs von 6.496 auf 16.635 Millionen US-Dollar (plus 156 Prozent), Embedded fiel von 5.321 auf 3.454 Millionen (minus 35 Prozent). Die Vorjahre sind an die seit 2025 geltende Segmentgliederung angepasst. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Von 7,7 Milliarden Segmentgewinn kommen 3,7 unten an

AMD rechnet einen Teil der Kosten keinem Segment zu. Der Bericht nennt diese Restkategorie ausdrücklich „All Other" und stellt klar, dass sie kein berichtspflichtiges Segment ist. 2025 stand dort ein operativer Verlust von 4.007 Millionen US-Dollar. Aufgeschlüsselt sieht er so aus:

  • 2.254 Millionen Abschreibung auf immaterielle Werte aus Übernahmen
  • 1.638 Millionen aktienbasierte Vergütung
  • 228 Millionen Übernahmekosten und Sonstiges
  • minus 67 Millionen Erstattung eines Bestandsverlusts beim Auftragsfertiger
  • minus 67 Millionen Lizenzgewinn
  • 21 Millionen sonstiger Aufwand

Das ist keine Buchhaltungsakrobatik. Beide großen Posten sind echter Aufwand. Der eine zahlt eine Übernahme ab, die längst gelaufen ist; der andere bezahlt Menschen in Aktien statt in Geld.

Wasserfalldiagramm AMD, Geschäftsjahr 2025 in Millionen US-Dollar: Data Center 3.603, plus Client and Gaming 2.855, plus Embedded 1.243, minus Sammelposten All Other 4.007, ergibt ein Betriebsergebnis von 3.694.
Die drei Segmente verdienen 7.701 Millionen US-Dollar. Der Sammelposten „All Other" nimmt 4.007 Millionen davon weg. Übrig bleiben 3.694 Millionen ausgewiesenes Betriebsergebnis — 48,0 Prozent. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der Unterschied zwischen den beiden Posten ist der entscheidende Punkt. Die Abschreibung läuft aus. AMD nennt den Plan Jahr für Jahr: 2.153 Millionen im Jahr 2026, dann 2.036, 1.923, 1.691, 1.454 Millionen und danach noch 7.448 Millionen — zusammen die 16.705 Millionen, die zum 27. Dezember 2025 in der Bilanz standen. Jedes Jahr wird dieser Gegenwind ein Stück schwächer.

Die Aktienvergütung läuft nicht aus. Sie stieg von 1.384 (2023) über 1.407 auf 1.638 Millionen (2025), und im Quartal bis 28. März 2026 auf 487 Millionen nach 364 Millionen im Vorjahresquartal — ein Plus von 34 Prozent.

Genau an dieser Stelle entsteht der Unterschied zwischen den beiden Zahlenwelten, die du in jeder Meldung über AMD siehst. Im Quartal bis 28. März 2026 wies das Unternehmen nach den amtlichen US-Bilanzregeln (GAAP) ein Ergebnis je Aktie von 0,84 US-Dollar aus. Bereinigt waren es 1,37 US-Dollar. Die Differenz von 0,53 stammt fast vollständig aus zwei Zeilen: 0,33 US-Dollar Abschreibung und 0,30 US-Dollar Aktienvergütung, gegengerechnet mit Steuer- und Beteiligungseffekten.

Beide Darstellungen haben ihre Berechtigung. Nur sollte man wissen, welche man gerade liest — und dass die Aktienvergütung kein Buchungstrick ist, sondern jedes Jahr neue Aktien in Umlauf bringt.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: 84 Prozent des Firmenwerts liegen im Segment, das schrumpft

Firmenwert (englisch Goodwill) ist der Betrag, den ein Käufer über den Wert der einzelnen erworbenen Vermögensgegenstände hinaus bezahlt hat. Er steht als Buchwert in der Bilanz und wird nicht planmäßig abgeschrieben, sondern jährlich darauf geprüft, ob er noch gerechtfertigt ist. Umgangssprachlich: Es ist der Preis für die Hoffnung.

AMD trug zum 27. Dezember 2025 25.126 Millionen US-Dollar Firmenwert in der Bilanz. Das Unternehmen weist ihn nach Berichtseinheiten aus:

  • Embedded: 21.072 Millionen — 83,9 Prozent
  • Data Center: 3.690 Millionen
  • Client and Gaming: 364 Millionen

Zusammen mit den immateriellen Werten aus Übernahmen von 16.705 Millionen ergibt das 41.831 Millionen54,4 Prozent der Bilanzsumme von 76.926 Millionen und 66,4 Prozent des Eigenkapitals. Mehr als die Hälfte dessen, was AMD besitzt, ist ein Buchwert aus Zukäufen.

Und nun die Zahl, an der es hakt. Das Segment, in dem fast der gesamte Firmenwert liegt, ist das einzige, dessen Umsatz gefallen ist: von 5.321 Millionen (2023) über 3.557 auf 3.454 Millionen (2025). Das Segmentergebnis sank im gleichen Zeitraum von 2.628 auf 1.243 Millionen — minus 52,7 Prozent.

Der Werthaltigkeitstest fand im vierten Quartal 2025 statt und war rein qualitativ: AMD kam zu dem Schluss, es sei nicht überwiegend wahrscheinlich, dass der Buchwert einer Berichtseinheit ihren beizulegenden Zeitwert übersteige. Eine Abschreibung gab es nicht. Das ist zulässig und gängig. Es heißt aber auch: Der Buchwert von 21 Milliarden wurde zuletzt nicht gegen eine ausgerechnete Bewertung gehalten.

Zur Fairness gehört die Gegenrichtung: Im ersten Quartal 2026 wuchs Embedded erstmals wieder — um 6 Prozent auf 873 Millionen, mit einem Segmentergebnis von 338 Millionen und einer Marge von 38,7 Prozent. Ein Quartal ist keine Wende. Aber es ist die Zahl, auf die man jetzt schauen sollte.

Ein Blick auf die Eigenkapitalseite rundet das Bild ab. Zum 27. Dezember 2025 stehen dort 63.365 Millionen US-Dollar Kapitalrücklage gegen nur 6.699 Millionen einbehaltene Gewinne. Auf gut Deutsch: Das Eigenkapital dieser Firma stammt fast vollständig aus eingezahltem Kapital — vor allem aus den Aktien, mit denen 2022 Xilinx bezahlt wurde —, nicht aus über Jahre erwirtschafteten Gewinnen. Das ist keine Anklage, sondern eine Einordnung: AMD ist als Ertragsmaschine sehr jung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Zwei Kunden dürfen 320 Millionen Aktien für je einen Cent kaufen

Das ist der Fund, der uns beim Lesen des Quartalsberichts am längsten beschäftigt hat. Er steht nicht im Kleingedruckten, sondern im Anhang unter der Überschrift „Warrants" — auf Deutsch: Bezugsrechte.

„In October 2025 and February 2026, the Company issued warrants to OpenAI OpCo, LLC (OpenAI) and Meta Platforms, Inc. (Meta) (the OpenAI Warrant and the Meta Warrant, respectively). Each warrant provides the holder the right to purchase up to an aggregate of 160 million shares of the Company's common stock at an exercise price of $0.01 per share."

Übersetzung: „Im Oktober 2025 und im Februar 2026 hat die Gesellschaft Bezugsrechte an OpenAI OpCo, LLC (OpenAI) und Meta Platforms, Inc. (Meta) ausgegeben (das OpenAI-Bezugsrecht beziehungsweise das Meta-Bezugsrecht). Jedes Bezugsrecht gibt dem Inhaber das Recht, insgesamt bis zu 160 Millionen Stammaktien der Gesellschaft zu einem Ausübungspreis von 0,01 US-Dollar je Aktie zu erwerben."

— Advanced Micro Devices, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 28.03.2026, Note 12

Markierte Fundstelle aus AMDs Quartalsbericht 10-Q zum 28.03.2026, Note 12: Bezugsrechte an OpenAI und Meta über je bis zu 160 Millionen Aktien zu einem Ausübungspreis von 0,01 US-Dollar, ausübbar bis 5. Oktober 2030 beziehungsweise 23. Februar 2031.
Die Fundstelle im Original: zwei Bezugsrechte über je bis zu 160 Millionen Aktien zu 0,01 US-Dollar. Hervorhebung von uns. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 28.03.2026. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rechnen wir das durch. 320 Millionen Aktien stehen gegen 1.630.600.639 ausstehende Aktien zum 29. April 2026. Das sind 19,6 Prozent. Bei voller Ausübung flössen AMD dafür 3,2 Millionen US-Dollar zu — ein Betrag, den der Konzern in etwa an einem Vormittag umsetzt.

Was das für dich als Aktionär bedeutet, ist der Alltagsbegriff hinter dem Wort Verwässerung: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, ohne dass der Kuchen dafür größer wird. Werden alle Rechte ausgeübt, steigt die Aktienzahl auf rund 1.951 Millionen. Bei gleichem Gewinn sänke das Ergebnis je Aktie um 16,4 Prozent.

Jetzt die andere Seite, denn die gehört genauso dazu. Die Rechte sind nicht geschenkt. Sie werden nur fällig, wenn OpenAI und Meta bestimmte Abnahmemengen bei AMD-Instinct-Beschleunigern erreichen und der Aktienkurs bestimmte Marken überschreitet; beim OpenAI-Rechte kommt eine Kursentwicklungsschwelle hinzu. Jede fällige Tranche steht zusätzlich unter technischen und geschäftlichen Bedingungen. Im Hintergrund stehen zwei Liefervereinbarungen über je 6 Gigawatt GPU-Kapazität — das erste Gigawatt jeweils mit der Reihe AMD Instinct MI450.

Das ist, nüchtern betrachtet, ein Tauschgeschäft: AMD gibt Eigentum ab und bekommt dafür Planbarkeit im Auftragsbuch. Ob das ein guter Tausch war, entscheidet sich daran, wie viel Umsatz und Marge die 12 Gigawatt tatsächlich bringen.

Für die Beurteilung heute zählt vor allem eines: Zum 28. März 2026 war keine einzige Tranche fällig. Deshalb taucht bislang nichts davon im Zahlenwerk auf — auch nicht in der verwässerten Aktienzahl von 1.650 Millionen. AMD wird die Bezugsrechte zunächst als Verbindlichkeit führen, bis die Bedingungen für eine Einordnung ins Eigenkapital erfüllt sind. Wer heute Kennzahlen je Aktie hochrechnet, sollte diesen Nenner im Hinterkopf behalten.

Und die Verwässerung hat noch eine zweite, unspektakuläre Quelle. Auf der Hauptversammlung am 13. Mai 2026 stimmten die Aktionäre zu, den Aktienvergütungsplan um 65 Millionen Aktien auf insgesamt 153 Millionen zu erweitern. Der Rückkauf hält dagegen nur begrenzt mit: 2025 kaufte AMD 12,4 Millionen Aktien für 1,3 Milliarden US-Dollar zurück, während die Aktienvergütung 1.638 Millionen kostete. Die Zahl der ausstehenden Aktien stieg im Jahr 2025 trotzdem von 1.622 auf 1.630 Millionen. Von der Rückkaufermächtigung über 14 Milliarden waren zum 28. März 2026 noch 9,2 Milliarden offen.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Ein einziger Auftragsfertiger — und ein Fünftel des Umsatzes in China

AMD besitzt keine Chipfabriken. Das war lange vor allem ein Vorteil: keine Milliardeninvestitionen, keine Fabriken, die bei schwacher Nachfrage leer stehen. Die Kehrseite steht im Risikoteil des Geschäftsberichts, und sie ist erstaunlich deutlich formuliert:

„We rely on Taiwan Semiconductor Manufacturing Company Limited (TSMC) for the production of all wafers for microprocessor and GPU products at 7 nanometer (nm) or smaller nodes, and we rely primarily on GLOBALFOUNDRIES Inc. (GF) for wafers for microprocessor and GPU products manufactured at process nodes larger than 7 nm."

Übersetzung: „Wir sind für die Produktion sämtlicher Wafer für Mikroprozessoren und Grafikprozessoren mit Strukturbreiten von 7 Nanometern und darunter auf Taiwan Semiconductor Manufacturing Company Limited (TSMC) angewiesen, und für Wafer für Mikroprozessoren und Grafikprozessoren mit Strukturbreiten über 7 Nanometern überwiegend auf GLOBALFOUNDRIES Inc. (GF)."

— Advanced Micro Devices, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, Item 1A

Markierte Fundstelle aus AMDs Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1A: AMD ist für alle Wafer für Prozessoren und Grafikprozessoren ab 7 Nanometer auf TSMC angewiesen und für größere Strukturbreiten überwiegend auf GLOBALFOUNDRIES.
AMD benennt die Abhängigkeit von einem einzigen Auftragsfertiger für alle modernen Chips selbst. Hervorhebung von uns. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Sämtliche Wafer. Nicht die meisten, nicht ein Großteil — alle. Dazu kommt: Montage, Test und Verpackung laufen bei Dritten in Festlandchina, Malaysia und Taiwan. Der Bericht nennt die geopolitische Lage zwischen China und Taiwan ausdrücklich als Risiko für die Lieferfähigkeit. AMD hält zudem 15 Prozent an zwei Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Verpackungsdienstleister Tongfu und kaufte dort 2025 Leistungen für 2,0 Milliarden US-Dollar ein.

Die zweite Abhängigkeit ist der Absatzmarkt. So verteilte sich der Umsatz 2025 nach Rechnungsadresse des Kunden:

Region2025Anteil20242023
USA11.36332,8 %8.6937.837
China (einschl. Hongkong)7.75122,4 %6.2313.417
Taiwan5.18615,0 %3.3011.841
Singapur4.28412,4 %3.6142.231
Übrige Regionen6.05517,5 %3.9467.354

Was passiert, wenn die Politik in diesen Markt eingreift, hat AMD 2025 vorgeführt bekommen. Im April 2025 führte die US-Regierung eine Genehmigungspflicht für bestimmte Halbleiter nach China ein, die den Beschleuniger MI308 traf:

„During the second quarter of fiscal year 2025, the Company recorded approximately $800 million of inventory and related charges on AMD Instinct MI308 Data Center GPU products due to new U.S. export restrictions on certain semiconductors to China."

Übersetzung: „Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2025 verbuchte die Gesellschaft rund 800 Millionen US-Dollar an Bestands- und damit verbundenen Belastungen auf Rechenzentrums-Grafikprozessoren der Reihe AMD Instinct MI308 aufgrund neuer US-Ausfuhrbeschränkungen für bestimmte Halbleiter nach China."

— Advanced Micro Devices, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, Item 7

Im vierten Quartal 2025 nahm AMD davon rund 360 Millionen zurück, weil Ausfuhrgenehmigungen erteilt wurden. Netto blieben rund 440 Millionen US-Dollar — das sind 11,9 Prozent des Betriebsergebnisses jenes Jahres. Im Februar 2026 kamen Genehmigungen für den Nachfolger MI325 hinzu, allerdings mit einer bemerkenswerten Auflage: Die Ware muss zunächst in den USA eine Prüfung durchlaufen und wird dabei mit einem Einfuhrzoll von 25 Prozent belegt. Ob China die Chips überhaupt einführen lässt, weiß AMD nach eigener Angabe nicht. Und im August 2025 äußerten US-Regierungsvertreter die Erwartung, 15 Prozent der Erlöse aus genehmigten MI308-Verkäufen nach China zu erhalten — eine Regelung dazu wurde bis heute nicht veröffentlicht.

Bleibt die Kundenseite. Beim Umsatz sieht sie entspannt aus: Weder 2024 noch 2025 kam ein einzelner Kunde auf 10 Prozent des Konzernumsatzes (2023 war es ein Kunde aus Client and Gaming mit 18 Prozent). Bei den offenen Forderungen ist das Bild ein anderes:

„One customer accounted for approximately 11% and another customer accounted for 24% of the total consolidated accounts receivable balance as of December 27, 2025 and December 28, 2024, respectively."

Übersetzung: „Ein Kunde stand für rund 11 Prozent und ein anderer Kunde für 24 Prozent des gesamten konsolidierten Forderungsbestands zum 27. Dezember 2025 beziehungsweise zum 28. Dezember 2024."

— Advanced Micro Devices, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025, Note 14

Markierte Fundstelle aus AMDs Geschäftsbericht 10-K für 2025, Note 14: Ein Kunde stand zum 27. Dezember 2025 für rund 11 Prozent des Forderungsbestands, ein anderer Kunde zum 28. Dezember 2024 für 24 Prozent.
Die Konzentration im Forderungsbestand: 11 Prozent bei einem Kunden zum 27.12.2025, im Vorjahr 24 Prozent bei einem anderen. Hervorhebung von uns. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Bei einem Forderungsbestand von 6.315 Millionen US-Dollar zum 27. Dezember 2025 sind 11 Prozent rund 695 Millionen, die an einer einzigen Adresse hängen. AMD hält das Ausfallrisiko für gering und verweist auf die bisherige Zahlungsmoral. Das ist plausibel — es bleibt trotzdem eine Zahl, die man kennen sollte.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Die Bestellverpflichtungen haben sich in einem Quartal mehr als verdoppelt

Diese Zahl ist uns beim Vergleich zweier Berichte aufgefallen. Im Geschäftsbericht zum 27. Dezember 2025 nennt AMD unbedingte Verpflichtungen von rund 12,2 Milliarden US-Dollar, davon 8,5 Milliarden fällig im Jahr 2026. Drei Monate später, im Quartalsbericht zum 28. März 2026, stehen dort rund 25,7 Milliarden — davon 18,3 Milliarden für den Rest des Geschäftsjahres 2026.

Es geht dabei vor allem um Wafer, Substrate und Bauteile von Auftragsfertigern sowie um mehrjährige Verträge mit Cloud-Anbietern. Parallel stiegen die noch nicht begonnenen Leasingverpflichtungen von 1,3 auf 4,4 Milliarden.

Zur Größenordnung: 25,7 Milliarden entsprechen 74 Prozent des Jahresumsatzes 2025 und dem 2,1-Fachen der liquiden Mittel samt kurzfristiger Geldanlagen von 12.347 Millionen zum 28. März 2026. Das ist kein Alarmzeichen — bei 38 Prozent Umsatzwachstum bestellt man mehr. Aber es ist eine Wette darauf, dass die Nachfrage bleibt. AMD schreibt das im Risikoteil selbst: Wer die Kundennachfrage überschätze, ende mit Überbeständen und höheren Produktionskosten, „zumal wir mit bestimmten Lieferanten Vorauszahlungsvereinbarungen haben".

Im selben Quartalsbericht steht ein Posten, den es im Jahresbericht so noch nicht gab:

„As of March 28, 2026, the Company had a maximum gross exposure of $4.1 billion from guarantees issued in connection with certain commercial partner data center lease obligations with a term of up to 15 years. Guarantees typically become payable in the event of a commercial partner's default and may be issued in exchange for warrants."

Übersetzung: „Zum 28. März 2026 hatte die Gesellschaft eine maximale Bruttobelastung von 4,1 Milliarden US-Dollar aus Bürgschaften, die im Zusammenhang mit bestimmten Rechenzentrums-Mietverpflichtungen von Geschäftspartnern mit einer Laufzeit von bis zu 15 Jahren übernommen wurden. Bürgschaften werden typischerweise fällig, wenn ein Geschäftspartner ausfällt, und können im Austausch gegen Bezugsrechte ausgegeben werden."

— Advanced Micro Devices, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 28.03.2026, Note 8

Markierte Fundstelle aus AMDs Quartalsbericht 10-Q zum 28.03.2026, Note 8: maximale Bruttobelastung von 4,1 Milliarden US-Dollar aus Bürgschaften für Rechenzentrums-Mietverpflichtungen von Geschäftspartnern mit bis zu 15 Jahren Laufzeit.
4,1 Milliarden US-Dollar Bürgschaften für Mietverpflichtungen von Geschäftspartnern — laut Anhang teilweise im Austausch gegen Bezugsrechte ausgegeben. Hervorhebung von uns. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 28.03.2026. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

AMD bürgt also dafür, dass Kunden ihre Rechenzentrumsmieten zahlen — über Laufzeiten von bis zu 15 Jahren, mit einer Höchstbelastung von 4,1 Milliarden US-Dollar. Das entspricht 6,4 Prozent des Eigenkapitals und dem 1,3-Fachen aller Finanzverbindlichkeiten. Verbucht wird das als Kreditderivat unter den sonstigen langfristigen Schulden; die Wertänderungen waren bislang nach eigener Angabe nicht wesentlich.

Zur Einordnung, weil der Posten leicht dramatisiert wird: Solange die Partner zahlen, passiert nichts. Und die Belastung sinkt mit jeder geleisteten Mietrate. Aber es ist eine Verpflichtung außerhalb der Bilanzsumme, die vor einem Jahr noch nicht existierte — und sie hängt an derselben Kundengruppe, die auch die Bezugsrechte hält.

Bewertung: Was du für diese Firma bezahlst

Zuerst die Vorsichtsmaßnahme, die zu dieser Aktie gehört. AMD schwankt heftig: Die 52-Wochen-Spanne reichte zum Datenstand 29. Juli 2026 von 149,22 bis 584,73 US-Dollar, das Beta lag bei 2,47 — die Aktie bewegt sich also grob zweieinhalbmal so stark wie der Gesamtmarkt. Deshalb steht hier kein Tageskurs, sondern eine Größenordnung mit Datum.

Der Börsenwert lag zum Datenstand 29. Juli 2026 bei rund 741 Milliarden US-Dollar. Gegen die letzten vier ausgewiesenen Quartale gerechnet ergibt das:

  • Umsatz 37.454 Millionen → rund das 20-Fache
  • Nettoergebnis 5.009 Millionen → rund das 148-Fache
  • Eigenkapital 64.462 Millionen → rund das 11,5-Fache

Auf den Analystenkonsens für das laufende Jahr (7,45 US-Dollar je Aktie) sind es rund das 61-Fache. Eine Dividende zahlt AMD nicht.

Das ist, in jeder Betrachtung, ein Preis für sehr viel Zukunft. Zum Vergleich: Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 148 heißt, dass du 148 Jahre lang den heutigen Gewinn brauchst, um den Kaufpreis zu verdienen — vorausgesetzt, er wüchse nie. Genau darum geht es bei dieser Aktie: um Wachstum. Und Wachstum ist da. Nur bezahlst du es eben schon.

Der Blick der Profis fällt einhellig aus. Zum Datenstand 29. Juli 2026 lagen 49 Analystenstimmen vor: 32-mal „Strong Buy", 4-mal „Buy", 13-mal „Hold", keine einzige Verkaufsempfehlung. Das mittlere Kursziel lag bei 575,49 US-Dollar. So etwas ist ein Stimmungsbild, keine Prognose — und eine Konsenslage ohne einen einzigen Gegner ist historisch eher ein Warn- als ein Gütezeichen.

Was das Unternehmen selbst sagt, ist konkreter und kürzer terminiert. Für das zweite Quartal 2026 erwartet AMD rund 11,2 Milliarden US-Dollar Umsatz plus/minus 300 Millionen — der Mittelwert entspräche einem Plus von rund 46 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal — bei einer bereinigten Rohertragsmarge von rund 56 Prozent. Eine Jahresprognose gibt AMD nicht ab.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für AMD spricht:

  • Das Wachstum ist echt und breit: plus 34 Prozent Umsatz 2025, plus 38 Prozent im Quartal bis 28. März 2026, alle drei Segmente im Plus.
  • Der operative Hebel wirkt: Das Betriebsergebnis stieg von 401 (2023) auf 3.694 Millionen US-Dollar (2025) — bei 53 Prozent mehr Umsatz.
  • Die Bilanz ist robust: 12.347 Millionen liquide Mittel und kurzfristige Geldanlagen gegen 3.224 Millionen Finanzverbindlichkeiten zum 28. März 2026, dazu seit 14. Mai 2026 ein ungenutzter Kreditrahmen über 5 Milliarden ohne Finanzkennzahlen-Auflagen.
  • Der Gegenwind aus der Xilinx-Abschreibung nimmt planmäßig ab: von 2.153 Millionen (2026) auf 1.454 Millionen (2030).
  • Zwei der größten Rechenzentrumsbetreiber der Welt haben sich mit je 6 Gigawatt Kapazität langfristig gebunden.
  • Forschung und Entwicklung mit 8.091 Millionen oder 23,4 Prozent vom Umsatz — mehr als das Doppelte des Betriebsergebnisses.

Was dagegen spricht:

  • Mehr als die Hälfte des Segmentgewinns kommt nicht im ausgewiesenen Betriebsergebnis an, und die aktienbasierte Vergütung als größter dauerhafter Teil davon steigt weiter.
  • 320 Millionen Aktien Bezugsrechte zu je einem Cent entsprechen 19,6 Prozent der Aktienzahl; dazu darf der Aktienplan 153 Millionen Aktien ausgeben.
  • 21.072 Millionen US-Dollar Firmenwert liegen im Segment mit der schwächsten Umsatzentwicklung; der letzte Werthaltigkeitstest war rein qualitativ.
  • Alle Wafer ab 7 Nanometer kommen von einem einzigen Auftragsfertiger; Montage und Test laufen in Festlandchina, Malaysia und Taiwan.
  • 22,4 Prozent des Umsatzes 2025 entfielen auf China einschließlich Hongkong — ein Markt, in den die US-Regierung 2025 direkt eingegriffen hat, mit netto rund 440 Millionen Belastung.
  • Unbedingte Bestellverpflichtungen von rund 25,7 Milliarden und Mietbürgschaften von bis zu 4,1 Milliarden binden Spielraum, falls der Zyklus dreht.
  • Der Preis ist hoch: rund das 148-Fache des Gewinns der letzten vier Quartale und rund das 20-Fache des Umsatzes (Datenstand 29. Juli 2026).

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Gehaltsabrechnung. Die Brutto-Zahl war nicht gelogen. Sie war nur nicht die Zahl, die am Monatsende auf dem Konto liegt. Und wer den Unterschied kennt, plant besser — nicht ängstlicher, nur genauer.

Bei AMD ist die Brutto-Zahl die Segmenttabelle: 7.701 Millionen US-Dollar, drei Segmente, alle profitabel, eines davon mit 57 Prozent Wachstum im letzten Quartal. Die Netto-Zahl ist das ausgewiesene Betriebsergebnis: 3.694 Millionen. Der Unterschied hat zwei Namen und beide sind ehrlich benannt — eine Übernahme, die abbezahlt wird, und eine Belegschaft, die in Aktien bezahlt wird.

Was uns länger beschäftigt hat als der Sammelposten, ist die Sache mit den Bezugsrechten. Zwei Kunden dürfen ein Fünftel dieses Unternehmens für insgesamt 3,2 Millionen US-Dollar kaufen, wenn sie genug bestellen und der Kurs stimmt. Das ist eine der bemerkenswertesten Konstruktionen, die wir in einem Anhang gefunden haben. Sie kann sich als kluger Tausch erweisen — Eigentum gegen Planbarkeit. Sie kann sich auch als teuer erweisen, wenn die Bestellungen kommen und der Kurs mitläuft.

Und dann ist da die Bilanz. 12,3 Milliarden liquide Mittel gegen 3,2 Milliarden Schulden, ein freier Mittelzufluss von 2,6 Milliarden in einem einzigen Quartal, ein Kreditrahmen, den niemand zieht. Diese Firma hat keine Substanzprobleme. Sie hat offene Fragen — und die stehen alle in ihren eigenen Berichten, für jeden nachlesbar, der die Fußnoten aufschlägt.

Wir haben sie dir aufgeschlagen. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle Zahlen dieser Analyse stammen aus den genannten Originaldokumenten und wurden am 29. Juli 2026 gegen die Filings geprüft. Die Aktienzahl stammt aus dem Deckblatt des jüngsten Quartalsberichts (1.630.600.639 Stück zum 29.04.2026). Der Börsenwert wurde gegen den letzten in einem Filing dokumentierten Kurs von 556,43 US-Dollar (Form 4 vom 17.07.2026, Handelstag 15.07.2026) gegengeprüft; die Abweichung von 18,3 Prozent liegt innerhalb der von uns akzeptierten Bandbreite.

Dieser Beitrag ist journalistische Einordnung, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien können jederzeit erheblich an Wert verlieren, bis hin zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Halbleiterwerte sind besonders schwankungsanfällig — AMDs 52-Wochen-Spanne reichte zum Datenstand 29. Juli 2026 von 149,22 bis 584,73 US-Dollar. Jede Anlageentscheidung triffst du eigenverantwortlich und im Zweifel nach Rücksprache mit einer zugelassenen Beratung. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in der besprochenen Aktie.

Unser Fazit auf einen Blick

Marktstellung und Wachstum positiv
Der Umsatz stieg 2025 um 34 Prozent auf 34.639 Mio. US-Dollar, im Quartal bis 28.03.2026 um 38 Prozent auf 10.253 Mio. Das Segment Data Center wuchs 2025 um 32 Prozent auf 16.635 Mio. und im ersten Quartal 2026 um 57 Prozent auf 5.775 Mio. Alle drei Segmente verdienen Geld; Embedded wuchs nach zwei Rückgangsjahren erstmals wieder (10-K Geschäftsjahr 2025, 10-Q zum 28.03.2026).
Ergebnisstruktur neutral
Von 7.701 Mio. US-Dollar Segmentergebnis 2025 kamen 3.694 Mio. als Betriebsergebnis an. Die Differenz von 4.007 Mio. besteht zu 2.254 Mio. aus Abschreibung auf Kaufpreisanteile und zu 1.638 Mio. aus aktienbasierter Vergütung. Die Abschreibung läuft planmäßig aus — 2026 noch 2.153 Mio., 2030 nur noch 1.454 Mio. Die Aktienvergütung nicht: Sie stieg im Quartal bis 28.03.2026 auf 487 Mio. nach 364 Mio. im Vorjahresquartal (10-K 2025, Note 4 und Note 6).
Bilanz und Liquidität positiv
Zum 28.03.2026 stehen 12.347 Mio. US-Dollar liquide Mittel und kurzfristige Geldanlagen gegen 3.224 Mio. Finanzverbindlichkeiten; das Eigenkapital beträgt 64.462 Mio. Der operative Mittelzufluss lag im Quartal bei 2.955 Mio., der freie Mittelzufluss laut Unternehmen bei 2.566 Mio. Seit 14.05.2026 gibt es zusätzlich einen ungenutzten Kreditrahmen über 5.000 Mio. ohne Finanzkennzahlen-Auflagen (10-Q zum 28.03.2026, 8-K vom 15.05.2026).
Werthaltigkeit der Übernahmen negativ
Firmenwert und immaterielle Werte aus Übernahmen machen zum 28.03.2026 mit 41.498 Mio. US-Dollar 52,1 Prozent der Bilanzsumme aus. 21.072 Mio. des Firmenwerts — 83,9 Prozent — liegen in der Berichtseinheit Embedded, deren Umsatz von 5.321 Mio. (2023) auf 3.454 Mio. (2025) fiel. Der Werthaltigkeitstest im vierten Quartal 2025 war rein qualitativ (10-K Geschäftsjahr 2025, Note 6).
Verwässerung negativ
OpenAI und Meta Platforms halten Bezugsrechte über je 160 Mio. Aktien zu 0,01 US-Dollar — zusammen 19,6 Prozent der 1.630.600.639 Aktien vom 29.04.2026. Dazu darf der Aktienplan seit dem 13.05.2026 insgesamt 153 Mio. Aktien ausgeben. Der Rückkauf hält dagegen kaum mit: 1,3 Mrd. US-Dollar im Jahr 2025 gegen 1.638 Mio. Aktienvergütung, 221 Mio. im Quartal bis 28.03.2026 gegen 487 Mio. (10-Q zum 28.03.2026, Note 12; 8-K vom 15.05.2026).
Abhängigkeiten negativ
AMD ist laut eigenem Bericht für alle Wafer ab 7 Nanometer auf einen einzigen Auftragsfertiger angewiesen, montiert und testet in Festlandchina, Malaysia und Taiwan und erzielte 2025 22,4 Prozent des Umsatzes in China einschließlich Hongkong. Die Ausfuhrbeschränkung für MI308 kostete 2025 netto rund 440 Mio. US-Dollar — 11,9 Prozent des Betriebsergebnisses (10-K Geschäftsjahr 2025, Item 1A und Item 7).

AMD ist 2025 und im ersten Quartal 2026 kräftig gewachsen, verdient in allen drei Segmenten Geld und sitzt auf einer Bilanz mit 12,3 Mrd. US-Dollar liquiden Mitteln gegen 3,2 Mrd. Schulden. Die offenen Fragen sind operativer Natur und stehen alle in den eigenen Berichten: Mehr als die Hälfte des Segmentgewinns verschwindet in einem Sammelposten, 83,9 Prozent des Firmenwerts liegen in dem Segment mit der schwächsten Umsatzentwicklung, und zwei Kunden halten Bezugsrechte auf ein Fünftel des Unternehmens. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Das Geschäft trägt und die Bilanz ist robust — kein Substanzrisiko, keine Zweifel an der Fortführung, kein Bilanz- oder Führungsbruch. Offen bleiben zwei operative Fragen mit Gewicht: ob die 21.072 Mio. US-Dollar Firmenwert im schrumpfenden Segment Embedded ihren Buchwert behalten, und ob AMD die Fertigung ab 7 Nanometer je auf mehr als einen Auftragsfertiger verteilen kann. Dass die Aktie zum Datenstand 29.07.2026 mit rund dem 148-Fachen des Gewinns der letzten vier Quartale bezahlt wird, ist ein Preisargument und geht in diese Einordnung nicht ein — dafür sind unsere Scanner da. Zwischen zwei Stufen gilt die vorsichtigere.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Aufhänger: Rangliste der 100 größten US-Aktien nach Börsenwert (Stand 28.07.2026), AMD auf Rang 14 ohne bestehende Analyse. Kein Scanner-Treffer.
  • Datenstand: Geschäftsbericht 10-K für 2025 (Stichtag 27.12.2025, eingereicht 04.02.2026), Quartalsbericht 10-Q zum 28.03.2026 (eingereicht 06.05.2026), Ergebnismitteilung 8-K vom 05.05.2026. Bewertungskennzahlen und Analystenkonsens: 29.07.2026.
  • Verwechslungsgefahr: Das Segment „Client and Gaming" wird erst seit dem ersten Quartal 2025 zusammen berichtet; ältere Auswertungen mit vier Segmenten sind nicht direkt vergleichbar. AMD hat die Vorjahre selbst angepasst.
  • Verwechslungsgefahr: Das 2025 übernommene ZT Systems ist nur teilweise im Konzern geblieben — das Fertigungsgeschäft ging im Oktober 2025 an Sanmina und läuft in den Zahlen als aufgegebener Geschäftsbereich.

Häufige Fragen

AMD verwendet ein 52- oder 53-Wochen-Geschäftsjahr, das am letzten Samstag im Dezember endet. Die Jahre 2023, 2024 und 2025 endeten am 30. Dezember 2023, 28. Dezember 2024 und 27. Dezember 2025 und umfassten je 52 Wochen; das Jahr 2026 endet am 26. Dezember 2026. Weil im Vergleichszeitraum kein 53-Wochen-Jahr liegt, sind die drei Jahre ohne Umrechnung vergleichbar. Bei Firmen mit einem eingeschobenen 53. Woche wäre das anders.

Weil AMD einen Teil der Kosten keinem Segment zurechnet. Data Center (3.603 Mio. US-Dollar), Client and Gaming (2.855) und Embedded (1.243) ergaben 2025 zusammen 7.701 Millionen. Davon geht der Sammelposten „All Other" mit 4.007 Millionen ab: 2.254 Millionen Abschreibung auf Kaufpreisanteile aus Übernahmen, 1.638 Millionen aktienbasierte Vergütung, dazu Übernahmekosten und kleinere Posten. Übrig bleiben die ausgewiesenen 3.694 Millionen.

AMD hat OpenAI im Oktober 2025 und Meta Platforms im Februar 2026 je ein Bezugsrecht über bis zu 160 Millionen Aktien zum Ausübungspreis von 0,01 US-Dollar eingeräumt — zusammen 320 Millionen Stück oder 19,6 Prozent der Aktienzahl vom 29. April 2026. Die Tranchen werden fällig, wenn beide Kunden bestimmte Abnahmemengen erreichen und der Aktienkurs bestimmte Marken überschreitet. Zum 28. März 2026 war keine Tranche fällig.

Sehr stark. Der Geschäftsbericht sagt es wörtlich: AMD ist für die Produktion aller Wafer für Prozessoren und Grafikprozessoren mit Strukturbreiten von 7 Nanometern und darunter auf TSMC angewiesen. Für größere Strukturbreiten kommt vor allem GLOBALFOUNDRIES zum Zug, für programmierbare Logikbausteine zusätzlich UMC und Samsung. Montage, Test und Verpackung laufen über Dritte in Festlandchina, Malaysia und Taiwan.

Eine unmittelbar bezifferbare. Im zweiten Quartal 2025 buchte AMD rund 800 Millionen US-Dollar Bestandsabwertung auf MI308-Beschleuniger, nachdem die US-Regierung im April 2025 eine Genehmigungspflicht eingeführt hatte; im vierten Quartal wurden rund 360 Millionen zurückgenommen, netto blieben rund 440 Millionen. China einschließlich Hongkong stand 2025 für 7.751 Millionen US-Dollar oder 22,4 Prozent des Konzernumsatzes.

Weil 21.072 Millionen US-Dollar davon — 83,9 Prozent — auf die Berichtseinheit Embedded entfallen, im Wesentlichen das 2022 übernommene Xilinx-Geschäft. Genau dieses Segment schrumpfte: von 5.321 Millionen Umsatz (2023) auf 3.454 Millionen (2025), das Segmentergebnis von 2.628 auf 1.243 Millionen. Der Werthaltigkeitstest im vierten Quartal 2025 war rein qualitativ und führte zu keiner Abschreibung.

Im Quartal bis 28. März 2026 wies AMD nach GAAP 0,84 US-Dollar Ergebnis je Aktie aus, bereinigt 1,37 US-Dollar. Die Differenz von 0,53 stammt fast vollständig aus zwei Posten: 0,33 US-Dollar Abschreibung auf Kaufpreisanteile und 0,30 US-Dollar aktienbasierte Vergütung, gegengerechnet mit Steuer- und Beteiligungseffekten. Beide Posten sind echter Aufwand — der eine zahlt eine alte Übernahme ab, der andere die Belegschaft in Aktien.

Für das zweite Quartal 2026 nennt die Ergebnismitteilung vom 5. Mai 2026 einen Umsatz von rund 11,2 Milliarden US-Dollar plus/minus 300 Millionen. Der Mittelwert entspricht einem Plus von rund 46 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und rund 9 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die bereinigte Rohertragsmarge soll bei rund 56 Prozent liegen. Eine Prognose für das Gesamtjahr gibt AMD nicht ab.

Fehler gefunden?

Dir ist in dieser Analyse ein sachlicher Fehler, eine veraltete Zahl oder ein Tippfehler aufgefallen? Schreib es kurz rein — Deine Meldung geht direkt an die Redaktion.

Deine Angaben werden nur zur Prüfung Deiner Meldung verwendet und nicht weitergegeben.

Das könnte Sie interessieren

War diese Seite hilfreich für Dich?