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Allegro-Aktie: Umsatz plus 23 Prozent, zweites Verlustjahr in Folge — und ein Großaktionär mit 32 Prozent

Allegro-Aktie: Umsatz plus 23 Prozent, zweites Verlustjahr in Folge — und ein Großaktionär mit 32 Prozent

In fast jedem neuen Auto der Welt stecken Chips von Allegro MicroSystems: winzige Magnetsensoren, die Lenkung, Bremse und Elektromotor sagen, wo sie gerade stehen. Im Geschäftsjahr 2026 stieg der Umsatz um 22,8 Prozent auf 890,1 Millionen US-Dollar, die Bruttomarge erholte sich von 44,3 auf 46,3 Prozent — und trotzdem blieb ein Verlust von 14,9 Millionen. 70,6 Prozent des Umsatzes hängen weiter am Auto, das gefeierte Rechenzentrumsgeschäft war zuletzt 14 Prozent eines einzigen Quartals, und der japanische Konzern Sanken Electric hält immer noch 59.732.782 Aktien. Wir lesen die Berichte in der Reihenfolge, in der sie eingereicht wurden — und schauen, wo die Erholung endet und die Erwartung anfängt.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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Allegro-Aktie: Umsatz plus 23 Prozent, zweites Verlustjahr in Folge — und ein Großaktionär mit 32 Prozent
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die besonders freundlich aussieht, weil sie nach Vernunft klingt: die Aufholjagd-Falle. Sie geht so: Du siehst eine Kurve, die zwei Jahre lang gefallen ist und jetzt wieder steigt, und dein Kopf ergänzt von selbst: „Der schlimmste Teil ist vorbei.“ Das Wort „wieder“ macht dabei die ganze Arbeit — wieder Wachstum, wieder bessere Margen, wieder Zuversicht. Nur prüft niemand, ob „wieder“ auch „wie früher“ bedeutet. Allegro MicroSystems, Inc. (NASDAQ: ALGM) aus Manchester in New Hampshire ist ein Lehrstück dafür. Der Umsatz sprang im Geschäftsjahr 2026 um 22,8 Prozent auf 890,1 Millionen US-Dollar, die Bruttomarge kletterte von 44,3 auf 46,3 Prozent, das Betriebsergebnis kehrte ins Plus zurück. Und trotzdem liegt der Umsatz noch 15,2 Prozent unter dem Rekordjahr 2024, unter dem Strich steht das zweite Verlustjahr in Folge, und im vergangenen Geschäftsjahr trugen Zulieferer der Autoindustrie 70,6 Prozent des Geschäfts. Machen wir also einen Deal: Bevor du der Kurve glaubst, lesen wir gemeinsam nach, was Allegro der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für das Geschäftsjahr 2026, den Quartalsbericht (10-Q) zum 26. Dezember 2025, die Ad-hoc-Meldungen (8-K) und die Einladung zur Hauptversammlung (DEF 14A) vom Juni 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt von einem echten Weltmarktführer, von einem Großaktionär mit 32 Prozent, von einem Übernahmeangebot, das es nicht mehr gibt — und von einer Rechnung, die noch nicht aufgeht.

Was Allegro eigentlich macht — die Sinnesorgane im Auto

Allegro baut zwei Sorten Chips, und beide lassen sich ohne Fachsprache erklären. Die erste Sorte sind magnetische Sensor-Chips. Stell dir vor, dein Auto müsste ständig wissen, wie weit das Lenkrad eingeschlagen ist, wie schnell sich ein Rad dreht, wie viel Strom gerade durch das Batteriekabel fließt. Ein Sensor, der das über einen mechanischen Kontakt misst, nutzt sich ab. Ein Magnetsensor misst berührungslos das Magnetfeld — nichts reibt, nichts verschleißt. Allegro nennt sein Portfolio das breiteste der Branche und bezeichnet sich als weltgrößten Anbieter magnetischer Sensor-ICs nach Marktanteil. Die zweite Sorte sind Leistungs-Chips: Bauteile, die Motoren ansteuern, Spannungen regeln und Strom umwandeln — vom Lüfter im Rechenzentrum bis zum Ladegerät im Elektroauto.

Die Größenordnungen aus dem Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2026: mehr als 1.500 Produkte, rund 2,1 Milliarden ausgelieferte Bauteile pro Jahr, mehr als 15.000 Kunden, rund 1.860 aktive Patente (davon 1.005 in den USA), 27 Standorte auf vier Kontinenten und rund 4.250 Beschäftigte zum 27. März 2026 — davon 760 in der Entwicklung und 2.950 in Fertigung und Qualitätssicherung, die meisten davon im eigenen Montage- und Testwerk auf den Philippinen. Die Wafer selbst lässt Allegro fertigen: bei UMC, Polar Semiconductor, Tower Semiconductor und TSMC. Das nennt sich „fabless“ — man entwirft den Chip, andere backen ihn. Der Vorteil: wenig gebundenes Kapital. Der Preis: Abhängigkeit von wenigen Werken.

Die Erzählung, die den Kurs 2026 getragen hat, heißt allerdings nicht „Auto“, sondern KI-Rechenzentrum. Und sie ist nicht erfunden — sie steht so im Geschäftsbericht:

„The emergence of AI data centers is driving increased demand for our sensor and power ICs in both cooling and power supply applications. Our motor drivers are widely used in data center cooling systems, including fans and pumps, to provide air or liquid cooling of digital processors, power supplies, or network switches.“

Übersetzung: „Das Aufkommen von KI-Rechenzentren treibt die Nachfrage nach unseren Sensor- und Leistungs-ICs sowohl in Kühl- als auch in Stromversorgungsanwendungen. Unsere Motortreiber werden vielfach in Rechenzentrums-Kühlsystemen eingesetzt, darunter Lüfter und Pumpen, um digitale Prozessoren, Netzteile oder Netzwerk-Switches mit Luft oder Flüssigkeit zu kühlen.“

— Allegro MicroSystems, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 1 Business

Wichtig für die Einordnung: Allegro baut keine KI-Chips. Der Konzern verkauft die Bauteile, die im Rechenzentrum die Lüfter drehen und den Strom messen — profitabel, real, wachsend, aber technologisch etwas völlig anderes als ein Rechenbeschleuniger. Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Der Kurs bezahlt eine Rechenzentrums-Geschichte, während die Gewinn- und Verlustrechnung noch immer vom Automobilzyklus geschrieben wird — und dieser Zyklus hat dem Konzern gerade zwei Verlustjahre in Folge beschert.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — Platz 22 in der Wochenliste

Allegro ist uns nicht über eine Pressemitteilung aufgefallen, sondern über eine Rangliste unseres hauseigenen Aktien-Scanners. In der Liste Richard Moglen: 1 Week Top Performers (US-Auswahl) steht der Titel auf Platz 22 von 28, mit einem Relative-Stärke-Rating von 92 von 100, Stand 25. Juli 2026. Diese Liste wird täglich neu gerechnet — die Platzierung ist eine Momentaufnahme dieses Tages, kein Dauerzustand.

Die drei Bedingungen dieser Liste übersetzt und bewertet: Mindestens 15 Prozent Kursgewinn über vier Handelstage — ein reines Momentum-Kriterium; es sagt nichts über die Firma, nur über die Nachfrage nach ihren Aktien in dieser Woche. Durchschnittliches Handelsvolumen von mindestens 10 Millionen US-Dollar am Tag — dieser Filter hält Papiere heraus, aus denen man im Zweifel nicht mehr herauskommt; bei Allegro wechselten in den Wochen vor dem 24. Juli 2026 regelmäßig ein bis vier Millionen Aktien täglich den Besitzer, das ist echte Liquidität. Relative-Stärke-Rating von mindestens 70 — die Kennzahl misst, wie sich ein Kurs im Vergleich zum Gesamtmarkt geschlagen hat, auf einer Skala bis 100. Ein Wert von 92 heißt: Nur acht Prozent aller beobachteten Aktien liefen besser. Beeindruckend — und zugleich das Einzige an dieser Liste, was ohne einen Blick in die Bücher auskommt. Merke dir den Satz gleich zu Beginn: Ein Momentum-Scanner findet Bewegung, keine Qualität. Wie stark solche Listen schwanken, zeigt der Blick auf ein anderes Halbleiterhaus in unserer Analyse zu Lattice Semiconductor. Also schauen wir in die Bücher.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich für Allegro spricht, und es ist mehr als die rote Zahl unter dem Strich vermuten lässt. Das Geschäftsjahr 2026 war eine handfeste Erholung: Der Umsatz stieg um 22,8 Prozent auf 890,1 Millionen US-Dollar, das Bruttoergebnis um 28,1 Prozent auf 412,0 Millionen, und aus einem Betriebsverlust von 19,8 Millionen wurde ein Betriebsgewinn von 18,5 Millionen. Fünf Quartale in Folge legte der Umsatz zu; das Schlussquartal brachte 243,2 Millionen US-Dollar, ein Plus von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

Balkendiagramm mit zwei Serien für die Geschäftsjahre 2023 bis 2026 in Millionen US-Dollar. Umsatz (blau): 973,7 / 1.049,4 / 725,0 / 890,1. Nettoergebnis (dunkel): plus 187,4 / plus 152,7 / minus 73,0 / minus 14,9.
Der Umsatz fiel vom Rekordjahr 2024 mit 1.049,4 Millionen US-Dollar auf 725,0 Millionen und erholte sich 2026 auf 890,1 Millionen; das Nettoergebnis drehte im Geschäftsjahr 2025 ins Minus und lag 2026 bei minus 14,9 Millionen. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Noch wichtiger als die Gewinn- und Verlustrechnung ist bei einem Halbleiterhaus der Blick auf das Geld. Und der fällt gut aus: Der operative Mittelzufluss stieg im Geschäftsjahr 2026 auf 163,1 Millionen US-Dollar (Vorjahr 61,9 Millionen). Die Investitionen in Anlagen blieben mit 38,2 Millionen niedrig, weil Allegro seine Chips fertigen lässt statt eigene Fabriken zu bauen. Übrig bleibt ein freier Mittelzufluss von 124,9 Millionen US-Dollar — nach 22,0 Millionen im Vorjahr. Merksatz: Allegros Bücher zeigen einen Verlust, die Kasse zeigt Zufluss. Das ist kein Widerspruch, sondern die Folge hoher Abschreibungen auf zugekaufte Technologien und aktienbasierter Vergütung — beides kostet Ergebnis, aber kein Bargeld.

Und das dritte Pfund: die Bilanz. Zum 27. März 2026 standen 168,8 Millionen US-Dollar Kasse gegen 285,0 Millionen US-Dollar Kredit, der zu Term SOFR plus 1,75 Prozent verzinst wird, erst am 31. Oktober 2030 fällig ist und bis dahin keine laufende Tilgung verlangt. Dazu kommt eine ungenutzte Kreditlinie über 256,0 Millionen. Die Nettoverschuldung von rund 116 Millionen US-Dollar steht einem Eigenkapital von 954,7 Millionen gegenüber. Das ist keine angespannte Bilanz, das ist eine ruhige.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Betriebsgewinn reicht nicht bis zur Zinszeile

Das Betriebsergebnis kehrte im Geschäftsjahr 2026 mit 18,5 Millionen US-Dollar ins Plus zurück — das entspricht einer operativen Marge von 2,1 Prozent. Im selben Jahr zahlte Allegro 22,1 Millionen US-Dollar Zinsen. Rechnerisch deckt der Betriebsgewinn den Zinsaufwand also nur zu 84 Prozent. Dazu kamen 9,4 Millionen Verlust aus einer Beteiligung und 3,2 Millionen Währungsverluste. Ergebnis: ein Verlust vor Steuern von 14,9 Millionen, ein Nettoverlust von 14,7 Millionen und, den Allegro-Aktionären zurechenbar, minus 14,9 Millionen US-Dollar beziehungsweise 0,08 US-Dollar je verwässerter Aktie.

Zur Einordnung — und das ist der ehrliche Teil: Diese Kennzahl ist ein Ergebnis-, kein Liquiditätsproblem. Den 22,1 Millionen Zinsen stehen 163,1 Millionen operativer Mittelzufluss gegenüber, das ist Faktor sieben. Eine Firma mit 168,8 Millionen Kasse, 256 Millionen ungenutzter Kreditlinie und keiner Tilgungspflicht bis Oktober 2030 hat kein Finanzierungsproblem. Aber sie hat ein Rentabilitätsproblem: Der Konzern verdiente im Geschäftsjahr 2024 noch 152,7 Millionen US-Dollar. Zwei Jahre später ist daraus ein Minus geworden — bei einem Umsatz, der nur 15 Prozent niedriger liegt. Der Hebel wirkt in beide Richtungen, und im Abschwung wirkt er brutal.

Ein zweiter Blick lohnt auf den Unterschied zwischen den offiziellen und den bereinigten Zahlen. Nach US-Bilanzregeln lag die operative Marge im Geschäftsjahr 2026 bei 2,1 Prozent; in der eigenen Mitteilung vom 7. Mai 2026 weist Allegro 14,1 Prozent aus — bereinigt um Abschreibungen auf zugekaufte Technologien, aktienbasierte Vergütung und Restrukturierungskosten. Beide Zahlen sind richtig, beide erzählen etwas anderes: Die eine sagt, was am Ende übrig blieb, die andere, was das laufende Geschäft ohne Altlasten abwerfen würde. Wer nur eine davon liest, liest die Firma falsch.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Sieben von zehn Dollar kommen weiter aus dem Auto

Die Rechenzentrums-Erzählung ist echt, aber sie ist klein. Der Geschäftsbericht beziffert die Abhängigkeit vom Automobilgeschäft im Risikoteil selbst — und zwar deutlich:

„Our customers that supply various systems and components to automotive OEMs accounted for 70.6%, 73.8%, and 72.4% of our total net sales in fiscal years 2026, 2025, and 2024, respectively. This concentration of sales exposes us to the risks associated with the automotive market and automotive industry.“

Übersetzung: „Unsere Kunden, die verschiedene Systeme und Komponenten an Automobilhersteller liefern, standen in den Geschäftsjahren 2026, 2025 und 2024 für 70,6 Prozent, 73,8 Prozent beziehungsweise 72,4 Prozent unseres gesamten Nettoumsatzes. Diese Umsatzkonzentration setzt uns den Risiken des Automobilmarkts und der Automobilindustrie aus.“

— Allegro MicroSystems, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 1A Risk Factors

Markierter Absatz aus dem Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026: Kunden, die an Automobilhersteller liefern, standen für 70,6 Prozent, 73,8 Prozent und 72,4 Prozent des Nettoumsatzes der Geschäftsjahre 2026, 2025 und 2024.
Der Risikoteil des Geschäftsberichts benennt die Abhängigkeit vom Auto in Zahlen — Hervorhebung von uns. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 1A. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

In absoluten Zahlen: 628,6 Millionen US-Dollar Automobilumsatz gegen 261,5 Millionen aus Industrie und Sonstigem im Geschäftsjahr 2026. Das Industriegeschäft wuchs mit 37,8 Prozent zwar deutlich schneller als das Automobilgeschäft mit 17,4 Prozent — aber es startet von einem Viertel der Basis. Und das Rechenzentrumsgeschäft, das die Fantasie befeuert, ist nur ein Teil dieses Viertels: Im Schlussquartal des Geschäftsjahres 2026 erreichte es nach Unternehmensangaben einen Rekordanteil von 14 Prozent am Quartalsumsatz von 243,2 Millionen US-Dollar, also rund 34 Millionen US-Dollar in diesem einen Quartal. Über das ganze Geschäftsjahr lag der Anteil niedriger — 14 Prozent war ausdrücklich als Rekord gemeldet, nicht als Durchschnitt.

Balkendiagramm mit zwei Serien für die Geschäftsjahre 2024 bis 2026 in Millionen US-Dollar. Automobil (blau): 759,5 / 535,2 / 628,6. Industrie und Sonstiges (grün): 289,9 / 189,8 / 261,5.
Der Automobilumsatz sank vom Geschäftsjahr 2024 bis 2025 von 759,5 auf 535,2 Millionen US-Dollar und erholte sich 2026 auf 628,6 Millionen; Industrie und Sonstiges wuchs 2026 um 37,8 Prozent auf 261,5 Millionen. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Anhang Note 4. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Dazu kommt eine geografische Schlagseite: 89,7 Prozent des Umsatzes gingen im Geschäftsjahr 2026 an Kunden außerhalb der USA, allein 249,4 Millionen US-Dollar nach Greater China — 28 Prozent des Konzernumsatzes. Wie schnell das zum Thema wird, zeigt der Geschäftsbericht selbst: Chinesische Ausfuhrbeschränkungen auf Seltene Erden und Magnete, darunter Samarium, haben nach Angaben des Konzerns die Materialversorgung gestört. Wer die Elektroauto-Seite dieser Gleichung sehen will, findet sie in unserer Analyse zum chinesischen E-Auto-Bauer XPeng.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ein Aktionär hält ein Drittel — und darf mitbestimmen

Allegro gehörte lange mehrheitlich dem japanischen Konzern Sanken Electric Co., Ltd. Im Juli und August 2024 baute Sanken den Anteil deutlich ab: Allegro kaufte in zwei Tranchen 38.767.315 eigene Aktien von Sanken zurück — für zusammen 853,8 Millionen US-Dollar — und finanzierte das über eine Kapitalerhöhung von 28.750.000 Aktien zu 24,00 US-Dollar (665,9 Millionen netto) und einen neuen Kredit. Sanken steuerte dafür eine Gebühr von 35,0 Millionen US-Dollar bei.

Verschwunden ist Sanken damit nicht. In der Einladung zur Hauptversammlung vom 24. Juni 2026 steht der Konzern mit 59.732.782 Aktien oder 32,1 Prozent als mit Abstand größter Aktionär — mehr als doppelt so viel wie der nächstgrößere Halter (FMR mit 14,7 Prozent). Über einen Aktionärsvertrag vom 23. Juli 2024 darf Sanken Mitglieder des Verwaltungsrats benennen; zuletzt hat der Konzern am 17. Juni 2026 von diesem Recht Gebrauch gemacht. Was ein solches Paket für den Kurs bedeuten kann, schreibt Allegro selbst in den Risikoteil:

„Future sales of substantial amounts of our common stock in the public market by our largest stockholders, or the perception that these sales could occur, could cause the market price of our common stock to decline and impair our ability to raise capital through the sale of additional shares.“

Übersetzung: „Künftige Verkäufe erheblicher Mengen unserer Stammaktien am Markt durch unsere größten Aktionäre — oder allein die Erwartung, dass solche Verkäufe stattfinden könnten — könnten den Marktpreis unserer Stammaktien fallen lassen und unsere Fähigkeit beeinträchtigen, über die Ausgabe weiterer Aktien Kapital aufzunehmen.“

— Allegro MicroSystems, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 1A Risk Factors

Markierter Risikohinweis aus dem Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026: Künftige Verkäufe erheblicher Aktienmengen durch die größten Aktionäre könnten den Kurs fallen lassen.
Der Konzern benennt das Risiko großer Aktienpakete selbst — Hervorhebung von uns. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 1A. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Übersetzt heißt das: Ein Paket von 59,7 Millionen Aktien ist zum Schlusskurs vom 24. Juli 2026 rund 2,75 Milliarden US-Dollar wert und entspricht rund 32 Prozent aller Aktien. Der frei handelbare Bestand liegt bei rund 124,9 Millionen Aktien (Datenstand 25. Juli 2026). Ob und wann Sanken weiter verkauft, weiß niemand außer Sanken. Aber die Möglichkeit steht immer im Raum — und sie steht schwarz auf weiß im Geschäftsbericht.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Das Übernahmeangebot ist Geschichte — und lag unter dem heutigen Kurs

Am 5. März 2025 bestätigte der Wettbewerber ON Semiconductor in einer eigenen SEC-Meldung, dem Verwaltungsrat von Allegro ein Angebot über 35,10 US-Dollar je Aktie in bar für alle ausstehenden Aktien vorgelegt zu haben. Die Meldung wurde als Formular 425 eingereicht — das Formular, mit dem Übernahmekommunikation registriert wird — und nennt Allegro ausdrücklich als Zielgesellschaft. Am 14. April 2025 zog ON Semiconductor das Angebot mit der Begründung zurück, es gebe keinen gangbaren Weg nach vorn.

Für die Gegenwart ist die Lage eindeutig, und wir haben sie geprüft: Seit dieser einen Meldung vom März 2025 gibt es in Allegros SEC-Einreichungen kein weiteres Formular 425, keine Übernahmevereinbarung, keine Fusionsvollmacht. Die nächste Übernahmekampagne von ON Semiconductor, dokumentiert in einer Serie von Formularen 425 im Juni 2026, betrifft ein anderes Unternehmen. Wer heute Allegro kauft, kauft also keine laufende Übernahmefantasie — sondern ein Unternehmen, das ein Angebot von 35,10 US-Dollar hinter sich hat und dessen Aktie am 24. Juli 2026 mit 46,03 US-Dollar rund 31 Prozent darüber schloss. Der Markt hat das damalige Gebot inzwischen überholt. Ob das ein Kompliment an das Management ist oder eine Warnung an den Käufer, entscheidet die Ertragslage der nächsten Jahre.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Der Konzern warnt selbst vor der KI-Übertreibung

Das Bemerkenswerteste am Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2026 ist ein Satz, den man von einem Profiteur der KI-Welle nicht erwartet. Allegro schreibt in den Risikoteil, dass ausgerechnet die vorgezogenen KI-Investitionen die Halbleiterzyklen heftiger machen:

„Moreover, expectations and front-loaded investment related to AI Technologies may increase the magnitude and volatility of semiconductor industry cycles, making downturns more abrupt, and if customer spending on AI Technologies moderates, is delayed, or declines more rapidly than anticipated, we could face a more pronounced downturn.“

Übersetzung: „Darüber hinaus können Erwartungen und vorgezogene Investitionen im Zusammenhang mit KI-Technologien Ausmaß und Schwankungsbreite der Halbleiterzyklen erhöhen und Abschwünge abrupter machen; sollten die Kundenausgaben für KI-Technologien nachlassen, sich verzögern oder schneller zurückgehen als erwartet, könnten wir einem ausgeprägteren Abschwung gegenüberstehen.“

— Allegro MicroSystems, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 1A Risk Factors

Markierter Risikoabsatz aus dem Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026: Erwartungen und vorgezogene KI-Investitionen können die Halbleiterzyklen heftiger machen und Abschwünge abrupter.
Allegro benennt das KI-Zyklusrisiko im eigenen Risikoteil — Hervorhebung von uns. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 1A. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Man muss das zweimal lesen: Ein Zulieferer für KI-Rechenzentren schreibt seinen Aktionären ins Buch, dass die KI-Euphorie den nächsten Abschwung schlimmer machen kann. Das ist keine Floskel — es ist die nüchterne Beschreibung eines Zyklusgeschäfts. Und der Geschäftsbericht listet gleich weitere Bruchstellen auf: Ausfuhrbeschränkungen Chinas auf Seltene Erden, zwei der vier Auftragsfertiger auf Erdbeben-gefährdetem Gebiet in Taiwan, und die Eskalation des bewaffneten Konflikts zwischen den Vereinigten Staaten, Israel und Iran ab Anfang 2026, die die Frachtkosten erhöht und in den Philippinen — wo Allegros wichtigstes Montagewerk steht — zu einem ausgerufenen Energienotstand geführt hat.

Unbequeme Wahrheit Nr. 6: Ein Beteiligungsverlust frisst zwei Drittel des Jahresergebnisses

Allegro hält rund 10,2 Prozent an Polar Semiconductor — einem Chipwerk, das gleichzeitig einer der vier Auftragsfertiger des Konzerns ist. Weil die Beteiligung nach der Equity-Methode bilanziert wird, landet Allegros Anteil am Ergebnis dieses Werks direkt in der eigenen Gewinn- und Verlustrechnung:

„(Loss) income in earnings of equity investment reflected loss of $9.4 million and income of $1.2 million in the fiscal years ended March 27, 2026 and March 28, 2025, respectively, related to our equity investment in PSL (PSL Parent following its recapitalization in September 2024).“

Übersetzung: „Der Verlust beziehungsweise Gewinn aus dem Ergebnis der Beteiligung betrug in den Geschäftsjahren zum 27. März 2026 und zum 28. März 2025 einen Verlust von 9,4 Millionen US-Dollar beziehungsweise einen Gewinn von 1,2 Millionen US-Dollar und bezieht sich auf unsere Beteiligung an PSL (nach der Rekapitalisierung im September 2024: PSL Parent).“

— Allegro MicroSystems, Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 7 MD&A

Markierter Abschnitt aus dem Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026: Verlust von 9,4 Millionen US-Dollar aus der Beteiligung im Geschäftsjahr 2026 nach einem Gewinn von 1,2 Millionen im Vorjahr.
Die Beteiligung an Polar Semiconductor drehte im Geschäftsjahr 2026 von plus 1,2 auf minus 9,4 Millionen US-Dollar — Hervorhebung von uns. Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026, Item 7. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Der ausgewiesene Nettoverlust des Konzerns betrug 14,7 Millionen US-Dollar. Rund zwei Drittel davon stammen damit aus einer Beteiligung, die mit dem laufenden Chipgeschäft nichts zu tun hat. Ihr Buchwert sank binnen eines Jahres von 31,7 auf 22,3 Millionen US-Dollar; zusätzlich stehen erstmals 15,0 Millionen US-Dollar Vorauszahlungen an Polar in der Bilanz. Das ist kein Skandal — aber es ist eine Zeile, die man kennen sollte, bevor man den Verlust dem operativen Geschäft anlastet.

Bewertung — was der Kurs bereits bezahlt

Zur Einordnung vorab die Größenordnung, nicht der Tageskurs: Mit 186,3 Millionen Aktien und einem Schlusskurs von 46,03 US-Dollar am 24. Juli 2026 lag der Börsenwert bei rund 8,58 Milliarden US-Dollar. Gegenprobe mit der Aktienzahl aus dem Deckblatt des Geschäftsberichts — 186.222.406 Aktien zum 18. Mai 2026 — ergibt 8,57 Milliarden; die Abweichung liegt unter einem Prozent, die Größenordnung ist also belastbar.

Daraus folgen drei Anker. Erstens das Kurs-Umsatz-Verhältnis: rund 9,6, gerechnet auf den Umsatz des Geschäftsjahres 2026 von 890,1 Millionen US-Dollar. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2024 mit 1.049,4 Millionen Umsatz und 152,7 Millionen Gewinn hätte derselbe Börsenwert einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 8,2 entsprochen. Der Markt zahlt heute also mehr je Umsatzdollar als im besten Jahr der Firmengeschichte. Zweitens das Kurs-Gewinn-Verhältnis: Es lässt sich nicht bilden, weil das Geschäftsjahr 2026 mit einem Verlust endete. Auf Basis der Analystenschätzungen für das laufende Geschäftsjahr ergibt sich ein vorausschauendes Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 49 (Datenstand 25. Juli 2026) — und das ist eine Schätzung, kein Ist-Wert. Drittens der Buchwert: rund 5,12 US-Dollar je Aktie, das Kurs-Buchwert-Verhältnis liegt damit bei etwa 9,0.

Der Blick der Profis, als Einordnung und nicht als Urteil: Elf Analystenhäuser decken die Aktie ab, das Konsens-Kursziel liegt bei 56,55 US-Dollar (Datenstand 25. Juli 2026), die Empfehlungen verteilen sich auf acht starke Kaufvoten, zwei Kaufen und ein Halten — kein einziges Verkaufen. Das ist bemerkenswert einmütig für ein Unternehmen, das zwei Verlustjahre hintereinander gemeldet hat. Zwei weitere Anker sind aussagekräftiger als jedes Kursziel: Der Wettbewerber ON Semiconductor hielt im März 2025 einen Preis von 35,10 US-Dollar für angemessen genug, um ein öffentliches Angebot zu machen. Und die Aktie schwankte in den zwölf Monaten bis zum 24. Juli 2026 zwischen 22,41 und 71,77 US-Dollar — ein Faktor von mehr als drei. Wer hier einsteigt, sollte diese Spannbreite aushalten können.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Allegro spricht:

  • Echte Marktführerschaft: nach eigenen Angaben weltgrößter Anbieter magnetischer Sensor-Chips nach Marktanteil, rund 2,1 Milliarden ausgelieferte Bauteile pro Jahr, mehr als 15.000 Kunden, rund 1.860 aktive Patente (Stand 27. März 2026).
  • Die Erholung ist real: plus 22,8 Prozent Umsatz im Geschäftsjahr 2026, fünf Quartale in Folge Wachstum, Bruttomarge von 44,3 auf 46,3 Prozent, Betriebsergebnis zurück im Plus.
  • Das Geld fließt: 163,1 Millionen US-Dollar operativer und 124,9 Millionen freier Mittelzufluss im Geschäftsjahr 2026, nach 61,9 beziehungsweise 22,0 Millionen im Vorjahr.
  • Ruhige Bilanz: 954,7 Millionen Eigenkapital, 168,8 Millionen Kasse, 285,0 Millionen Kredit ohne laufende Tilgung bis 31. Oktober 2030, 256,0 Millionen ungenutzte Kreditlinie.
  • Der zweite Standbein-Markt wächst schneller: Industrie und Sonstiges plus 37,8 Prozent auf 261,5 Millionen US-Dollar, Leistungs-Chips plus 40,4 Prozent auf 351,6 Millionen, Rechenzentrum im Schlussquartal mit einem Rekordanteil von 14 Prozent.
  • Wenig gebundenes Kapital: fabless-Modell mit nur 38,2 Millionen US-Dollar Sachinvestitionen im Geschäftsjahr 2026 bei 890,1 Millionen Umsatz.

Was dagegen spricht:

  • Zwei Verlustjahre in Folge: minus 73,0 Millionen US-Dollar (Geschäftsjahr 2025) und minus 14,9 Millionen (2026), den Allegro-Aktionären zurechenbar; das Betriebsergebnis von 18,5 Millionen deckt den Zinsaufwand von 22,1 Millionen nicht.
  • Umsatz weit unter dem Hoch: 890,1 Millionen gegenüber 1.049,4 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2024 — 15,2 Prozent Rückstand, drei Jahre später.
  • Klumpenrisiko Auto: 70,6 Prozent des Umsatzes im Geschäftsjahr 2026; der Konzern nennt dieses Risiko im Geschäftsbericht selbst.
  • Geopolitik in der Lieferkette: 89,7 Prozent Auslandsumsatz, 249,4 Millionen US-Dollar nach Greater China, zwei von vier Auftragsfertigern in Taiwan, Hauptmontagewerk auf den Philippinen, chinesische Ausfuhrbeschränkungen auf Seltene Erden.
  • Ein Aktionär mit 32,1 Prozent: Sanken Electric hält 59.732.782 Aktien und darf Verwaltungsratsmitglieder benennen; der Geschäftsbericht warnt ausdrücklich vor Kursfolgen großer Verkäufe.
  • Beteiligungsrisiko: 9,4 Millionen US-Dollar Verlust aus der Polar-Beteiligung im Geschäftsjahr 2026 nach 1,2 Millionen Gewinn im Vorjahr; Buchwert von 31,7 auf 22,3 Millionen gefallen.
  • Der Preis: Kurs-Umsatz-Verhältnis rund 9,6 und Kurs-Buchwert-Verhältnis rund 9,0 für ein Unternehmen ohne ausgewiesenen Jahresgewinn; Zwölf-Monats-Spanne 22,41 bis 71,77 US-Dollar.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Aufholjagd-Falle vom Anfang. Bei Allegro ist die Aufholjagd echt — daran gibt es nach dieser Lektüre nichts zu deuteln. Der Umsatz wächst wieder, die Marge steigt, das Geld fließt, die Bilanz trägt. Wer 2025 hingeschaut hat, sah eine Firma im Sturzflug; wer heute hinschaut, sieht eine Firma im Steigflug. Beides stimmte zu seiner Zeit.

Was die Falle so gemein macht, ist der zweite Teil des Satzes, den unser Kopf gern verschluckt: „wieder besser“ heißt nicht „gut“. Drei Jahre nach dem Rekordjahr liegt der Umsatz noch 15 Prozent darunter, die Bruttomarge noch achteinhalb Prozentpunkte darunter, und unter dem Strich steht ein Minus. Gleichzeitig zahlt die Börse mehr je Umsatzdollar als jemals im besten Jahr dieser Firma. Die Erholung ist bereits eingepreist — und ein gutes Stück von dem, was danach kommen soll, auch.

Die entscheidende Frage steht in den nächsten Quartalsberichten und ist erfreulich einfach: Wächst das Industrie- und Rechenzentrumsgeschäft schnell genug, um aus der operativen Marge von 2,1 Prozent eine zweistellige zu machen, bevor der nächste Automobilzyklus dreht? Wenn ja, war der Kurssprung im Nachhinein begründet. Wenn nein, hat die Börse eine Erholung mit einer Wende verwechselt. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Hinweis: Dieser Beitrag ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unternehmensdaten und ausdrücklich keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren. Aktien können jederzeit erheblich an Wert verlieren; ein Totalverlust ist möglich. Alle Zahlen stammen aus den oben verlinkten Originalquellen und tragen den dort genannten Stichtag. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in der besprochenen Aktie.

Unser Fazit auf einen Blick

Marktstellung und Technologie positiv
Allegro bezeichnet sich im Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2026 als weltgrößten Anbieter magnetischer Sensor-Chips nach Marktanteil: mehr als 1.500 Produkte, rund 2,1 Milliarden ausgelieferte Bauteile pro Jahr, mehr als 15.000 Kunden und rund 1.860 aktive Patente zum 27. März 2026. Kunden sind praktisch alle großen Automobilhersteller und Zulieferer der ersten Reihe.
Ertragskraft negativ
Zweites Verlustjahr in Folge: minus 14,9 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2026 nach minus 73,0 Millionen im Vorjahr, jeweils den Allegro-Aktionären zurechenbar. Das Betriebsergebnis von 18,5 Millionen deckt den Zinsaufwand von 22,1 Millionen nicht, und der Umsatz liegt 15,2 Prozent unter dem Rekordjahr 2024, in dem noch 152,7 Millionen Gewinn anfielen.
Mittelzufluss und Bilanz positiv
Der operative Mittelzufluss stieg im Geschäftsjahr 2026 auf 163,1 Millionen US-Dollar, der freie auf 124,9 Millionen. Zum 27. März 2026 standen 168,8 Millionen Kasse und 954,7 Millionen Eigenkapital gegen 285,0 Millionen Kredit zu Term SOFR plus 1,75 Prozent, fällig erst am 31. Oktober 2030 und ohne laufende Tilgung, dazu eine ungenutzte Kreditlinie über 256,0 Millionen.
Klumpen- und Lieferkettenrisiko negativ
Im Geschäftsjahr 2026 stammten 70,6 Prozent des Umsatzes von Zulieferern der Autoindustrie und 89,7 Prozent von Kunden außerhalb der USA, davon 249,4 Millionen US-Dollar aus Greater China. Die Wafer kommen von vier Auftragsfertigern, zwei davon in Taiwan; die Montage läuft überwiegend im eigenen Werk auf den Philippinen, für das der Geschäftsbericht einen ausgerufenen Energienotstand nennt.
Eigentümerstruktur neutral
Sanken Electric hielt zum Stichtag der Einladung zur Hauptversammlung vom 24. Juni 2026 noch 59.732.782 Aktien oder 32,1 Prozent und darf über den Aktionärsvertrag vom 23. Juli 2024 Verwaltungsratsmitglieder benennen — zuletzt am 17. Juni 2026. Der Geschäftsbericht warnt selbst vor Kursfolgen großer Verkäufe. Das Übernahmeangebot von ON Semiconductor über 35,10 US-Dollar wurde am 14. April 2025 zurückgezogen.
Bewertung negativ
Zum Schlusskurs vom 24. Juli 2026 von 46,03 US-Dollar lag der Börsenwert bei rund 8,58 Milliarden US-Dollar — ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 9,6 und ein Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 9,0 für ein Unternehmen ohne ausgewiesenen Jahresgewinn. Im Rekordjahr 2024 hätte derselbe Börsenwert einem Kurs-Umsatz-Verhältnis von 8,2 entsprochen.

Allegro ist die Aufholjagd-Falle in Reinform: Alles, was sich verbessert hat, hat sich wirklich verbessert — plus 22,8 Prozent Umsatz auf 890,1 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2026, Bruttomarge von 44,3 auf 46,3 Prozent, freier Mittelzufluss von 22,0 auf 124,9 Millionen, Betriebsergebnis zurück im Plus. Und alles, was noch fehlt, fehlt weiterhin: Der Umsatz liegt 15,2 Prozent unter dem Rekordjahr 2024, unter dem Strich steht das zweite Verlustjahr in Folge, und der Betriebsgewinn von 18,5 Millionen reicht nicht bis zur Zinszeile von 22,1 Millionen. Dazu kommen 70,6 Prozent Umsatzanteil aus dem Auto, ein Großaktionär mit 32,1 Prozent und ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 9,6. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Das Geschäft trägt: eine belegte Weltmarktführerschaft bei magnetischen Sensor-Chips, 163,1 Millionen US-Dollar operativer Mittelzufluss im Geschäftsjahr 2026, 954,7 Millionen Eigenkapital gegen 285,0 Millionen Kredit ohne Tilgungspflicht bis Oktober 2030 und eine ungenutzte Kreditlinie über 256,0 Millionen — von einer Bestandsgefährdung ist nichts zu sehen. Offen ist eine klar operative Frage, und sie wiegt: Zwei Geschäftsjahre in Folge endeten mit einem Verlust, und das wiedergewonnene Betriebsergebnis von 18,5 Millionen deckt den Zinsaufwand von 22,1 Millionen rechnerisch nur zu 84 Prozent. Dass daraus kein Substanzrisiko wird, liegt an der Kasse, nicht an der Gewinn- und Verlustrechnung: Den Zinsen stehen 163,1 Millionen operativer Mittelzufluss gegenüber. Dazu kommt die Abhängigkeit von einem einzigen Endmarkt mit 70,6 Prozent Umsatzanteil. Das ist keine belegte Qualität, aber auch kein Substanzbefund — deshalb Gelb.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Allegro über den hauseigenen Aktien-Scanner: Platz 22 von 28 in der Liste „Richard Moglen: 1 Week Top Performers“ (US-Auswahl) mit einem Relative-Stärke-Rating von 92, Stand 25. Juli 2026. Diese Liste wird täglich neu berechnet; sie misst Kursmomentum über vier Handelstage, Liquidität und relative Stärke — also Nachfrage nach der Aktie, nicht Qualität des Unternehmens.
  • Alle Zahlen tragen ihren eigenen Stichtag: Jahreszahlen aus dem Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2026 (Periode bis 27.03.2026, eingereicht 21.05.2026), Quartals- und bereinigte Zahlen aus der Ad-hoc-Meldung 8-K vom 07.05.2026, Aktionärsstruktur aus der Einladung zur Hauptversammlung DEF 14A vom 24.06.2026, Aktienzahl vom Deckblatt des Geschäftsberichts (18.05.2026). Bewertungskennzahlen mit Datenstand 25. Juli 2026 auf Basis des Schlusskurses vom 24. Juli 2026 — evergreen gemeint, kein Tageskurs als Kaufargument.
  • Verwechslungsgefahr: Der Ticker ALGM gehört Allegro MicroSystems, Inc. aus Manchester in New Hampshire (CIK 0000866291), nicht dem japanischen Großaktionär Sanken Electric Co., Ltd. und auch nicht dem Auftragsfertiger Polar Semiconductor, an dem Allegro rund 10,2 Prozent hält. Das Geschäftsjahr endet am letzten Freitag im März: Das „Geschäftsjahr 2026“ deckt im Wesentlichen das Kalenderjahr 2025 ab.

Häufige Fragen

Allegro entwickelt zwei Sorten Chips: magnetische Sensor-Chips, die berührungslos Position, Drehzahl, Winkel und Stromstärke messen, und anwendungsspezifische Leistungs-Chips, die Motoren ansteuern und Strom umwandeln. Die Bauteile stecken in Lenkung, Bremse und Antrieb von Autos sowie in Kühlung und Netzteilen von Rechenzentren. Im Geschäftsjahr 2026 lieferte der Konzern rund 2,1 Milliarden Bauteile an mehr als 15.000 Kunden.

Allegro rechnet in einem 52- oder 53-Wochen-Jahr, das am letzten Freitag im März endet. Das Geschäftsjahr 2026 umfasste 52 Wochen vom 29. März 2025 bis zum 27. März 2026, deckt also im Wesentlichen das Kalenderjahr 2025 ab. Wer Allegro mit Halbleiterfirmen vergleicht, die nach dem Kalenderjahr abrechnen, vergleicht deshalb um rund ein Quartal versetzte Zeiträume.

Der Umsatz stieg im Geschäftsjahr 2026 um 22,8 Prozent auf 890,1 Millionen US-Dollar, das Betriebsergebnis kehrte mit 18,5 Millionen ins Plus zurück. Darunter fielen jedoch 22,1 Millionen Zinsaufwand, 9,4 Millionen Verlust aus der Beteiligung an Polar Semiconductor und 3,2 Millionen Währungsverluste an. Unter dem Strich blieb ein Verlust von 14,9 Millionen US-Dollar, den Allegro-Aktionären zurechenbar.

Sanken Electric Co., Ltd. aus Japan hielt laut der Einladung zur Hauptversammlung vom 24. Juni 2026 noch 59.732.782 Aktien oder 32,1 Prozent — mehr als doppelt so viel wie der zweitgrößte Halter. Im Sommer 2024 hatte Allegro 38.767.315 Aktien von Sanken zurückgekauft. Über einen Aktionärsvertrag vom 23. Juli 2024 darf Sanken weiterhin Mitglieder des Verwaltungsrats benennen.

Der Konzern nennt keinen Jahreswert, sondern einen Quartalsanteil: Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erreichte das Rechenzentrumsgeschäft einen Rekordanteil von 14 Prozent am Quartalsumsatz von 243,2 Millionen US-Dollar, also rund 34 Millionen. Über das gesamte Geschäftsjahr lag der Anteil niedriger. Zum Vergleich: 70,6 Prozent des Jahresumsatzes stammten von Zulieferern der Autoindustrie.

Nein. ON Semiconductor bestätigte am 5. März 2025 in einem SEC-Formular 425 ein Angebot über 35,10 US-Dollar je Aktie in bar und zog es am 14. April 2025 zurück. Seither enthalten Allegros SEC-Einreichungen kein weiteres Formular 425, keine Übernahmevereinbarung und keine Fusionsvollmacht. Die Formulare 425, die ON Semiconductor im Juni 2026 einreichte, betreffen ein anderes Zielunternehmen.

Nach den US-Bilanzregeln lag die operative Marge im Geschäftsjahr 2026 bei 2,1 Prozent. In der eigenen Mitteilung vom 7. Mai 2026 nennt Allegro zusätzlich 14,1 Prozent auf bereinigter Basis: Dort sind Abschreibungen auf zugekaufte Technologien, aktienbasierte Vergütung und Restrukturierungskosten herausgerechnet. Die erste Zahl zeigt, was übrig blieb, die zweite, was das laufende Geschäft ohne Altlasten abwerfen würde.

Im Geschäftsjahr 2026 gingen 89,7 Prozent des Umsatzes an Kunden außerhalb der USA, davon 249,4 Millionen US-Dollar nach Greater China — rund 28 Prozent des Konzernumsatzes. Zwei der vier Auftragsfertiger sitzen in Taiwan. Der Geschäftsbericht nennt zudem chinesische Ausfuhrbeschränkungen auf Seltene Erden wie Samarium als konkrete Störung der eigenen Materialversorgung.

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