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Allegiant: Der Flugbetrieb hat nie aufgehört zu verdienen — verloren hat immer etwas anderes

Allegiant: Der Flugbetrieb hat nie aufgehört zu verdienen — verloren hat immer etwas anderes

Allegiant Travel Company fliegt Amerikaner aus kleinen Städten an den Strand, und zwar profitabel: Das Flugsegment wies 2023, 2024 und 2025 jedes Jahr ein positives Betriebsergebnis aus (251,5, 142,2 und 143,9 Millionen US-Dollar). Trotzdem stand 2024 ein Konzernverlust von 240,2 Millionen in den Büchern und 2025 einer von 44,7 Millionen. Schuld war ein Ferienresort in Florida, das der Konzern am 4. September 2025 an Gesellschaften von Blackstone verkaufte — nach 321,8 Millionen Wertminderung und 100,4 Millionen Abwertung. Seit dem 13. Mai 2026 gehört Sun Country Airlines dazu, bezahlt mit Bargeld, neuen Aktien und im Juni mit einer 650-Millionen-Anleihe zu 7,125 Prozent. Keine Empfehlung — nur die Rechnung, die in den Berichten an die US-Börsenaufsicht SEC wirklich steht.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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Die Supertiefe Analyse ist unsere gründlichste Untersuchung — gedacht als letzte Entscheidungsgrundlage, bevor Du wirklich kaufst. Wir recherchieren die letzten 10 Geschäftsberichte (10-K), sämtliche Quartalsberichte (10-Q) aus diesem Zeitraum, alle relevanten Insider-Transaktionen, prüfen die Liquiditätslage inklusive Warnsignalen der letzten 5 Jahre und werten eine kuratierte Auswahl relevanter Nachrichten aus — ohne Spam- und Schrottmeldungen. Preis: einmalig 49 €.

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Allegiant: Der Flugbetrieb hat nie aufgehört zu verdienen — verloren hat immer etwas anderes
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Geschichte, die Anleger fast immer kaufen, bevor sie sie geprüft haben: die Turnaround-Geschichte. Sie hat einen unwiderstehlichen Bauplan — unten war es schlimm, jetzt wird alles besser —, und ihr Ende steht schon fest, bevor es eingetreten ist. Psychologen nennen das den Erzählbogen-Fehler: Wir halten eine Entwicklung für wahrscheinlicher, wenn sie sich gut erzählen lässt. Allegiant Travel Company (Nasdaq: ALGT) erzählt sich hervorragend. Also machen wir einen Deal: Wir lesen gemeinsam den Geschäftsbericht (10-K) für 2025, den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 und sechs Pflichtmitteilungen (8-K) aus den Monaten danach — und schauen, was von der Geschichte übrig bleibt.

Vorweg das Spannungsfeld dieser Analyse, das sich durch jedes Kapitel zieht: Der Flugbetrieb dieser Firma hat nie aufgehört, Geld zu verdienen. Verloren hat immer etwas anderes — erst ein Ferienresort in Florida, und die nächste Wette ist bereits platziert: eine ganze Fluggesellschaft, bezahlt mit Bargeld, neuen Aktien und einer Anleihe zu 7,125 Prozent.

Balkendiagramm des Betriebsergebnisses nach Segmenten: Flugbetrieb 251,5, 142,2 und 143,9 Millionen US-Dollar in den Jahren 2023 bis 2025, Sunseeker Resort minus 30,5, minus 382,2 und minus 106,7 Millionen US-Dollar
Zwei Geschäfte, zwei Vorzeichen: Das Flugsegment war in allen drei Jahren profitabel, das Ferienresort in allen drei Jahren defizitär. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q), Segmentangaben. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Inhaltsübersicht

Was Allegiant eigentlich macht — der Reiseveranstalter, der zufällig Flugzeuge besitzt

Allegiant, gegründet 1997 und seit dem 8. Dezember 2006 an der Nasdaq notiert, fliegt Menschen aus kleinen und mittelgroßen amerikanischen Städten direkt an den Strand. Kein Umsteigen, keine Drehkreuze, keine Geschäftsreisenden. Zum 1. Februar 2026 waren es 539 aktive Strecken zwischen 88 Abflugstädten und 33 Urlaubszielen in 42 Bundesstaaten, dazu 39 angekündigte neue Strecken für 2026. Auf drei Vierteln der über 1.400 weiteren identifizierten Strecken fliegt heute niemand ohne Umsteigen.

Das Geschäftsmodell steht auf zwei Beinen, und nur eines davon heißt Flugticket. Der durchschnittliche Gesamtpreis lag 2025 bei 133,25 US-Dollar — davon entfielen nur 56,89 Dollar auf den eigentlichen Flug, 68,62 Dollar auf Zusatzleistungen wie Gepäck, Sitzplatz und Reiseschutz und 7,73 Dollar auf Fremdprodukte wie Mietwagen und Hotels. Übersetzt: Allegiant verkauft den Flug fast zum Selbstkostenpreis und verdient am Rest. Diese Zusatzerlöse sind von 5,87 Dollar je Passagier im Jahr 2004 auf 76,35 Dollar je Passagier im Jahr 2025 gestiegen. Dazu kommt ein Geschäft, das gar nichts mit Fliegen zu tun hat: Die Kreditkarte mit dem Allegiant-Logo, ausgegeben von der Bank of America, spülte 2025 139,6 Millionen US-Dollar in die Kasse — 3,6 Prozent mehr als im Vorjahr, bei 21 Millionen Mitgliedern im Bonusprogramm. Der Vertrag läuft bis 2031.

Der zweite Baustein ist die Kostenseite. Allegiant besitzt seine Flugzeuge überwiegend selbst, fliegt sie wenig (2025: 7,2 Blockstunden je Flugzeug und Tag) und verkauft 92,3 Prozent der Tickets über die eigene Website — ohne Reservierungssysteme, ohne Reisebüro-Provisionen. Das Ergebnis sind Betriebskosten von 8,04 Cent je angebotenem Sitzmeile ohne Treibstoff und Sondereffekte (2024: 8,56 Cent). Zum Vergleich: Das ist der Bereich, in dem in den USA nur Billigflieger unterwegs sind. Zum 31. Dezember 2025 bestand die Flotte aus 123 Flugzeugen — 79 Airbus A320, 28 A319 und 16 Boeing 737-8200 —, geflogen von 5.616 Vollzeitkräften.

Und dann war da noch das Resort. 2021 begann Allegiant, in Charlotte Harbor an der Golfküste Floridas ein eigenes Ferienresort zu bauen — Hotel, Golfplatz, Restaurants —, um die eigenen Passagiere gleich mit unterzubringen. Die Idee klang schlüssig. Was daraus wurde, steht weiter unten.

Wo die Aktie auf unseren Tisch kam

Auf die Rechercheliste kam Allegiant über unseren hauseigenen Aktien-Scanner Turnaround-Kandidaten. Der Scanner sucht abgestürzte Aktien, bei denen das Geschäft messbar dreht: mindestens 50 Prozent unter dem Allzeithoch, Überleben gesichert, und mindestens 6 von 8 Punkten in einer Checkliste, die er „Wende-Check" nennt. Wer das nachmachen will: Scanner öffnen, oben rechts den Marktfilter auf USA stellen, Spalte „Wende-Check" ansehen.

Jetzt die ehrliche Version, denn Ranglisten verführen. Zum 27. Juli 2026 listet der Scanner in der US-Auswahl 60 Treffer — auf beiden unserer Marken identisch. Allegiant erreicht im Wende-Check 6 von 8 Punkten. Das ist die Eintrittskarte, aber es ist auch das untere Ende: 44 der 60 Treffer haben ebenfalls genau 6 Punkte, 15 haben 7, ein einziger hat 8. Innerhalb dieser Gleichstands-Gruppe ist die Reihenfolge eine Zufallssortierung der Datenbank und wechselt bei jeder nächtlichen Neuberechnung. Sichtbar sind auf der Seite nur die 25 stärksten Titel — Allegiant steht derzeit nicht darunter. Die Aktie kam über die vollständige Trefferliste auf unseren Tisch, nicht über die erste Seite. Wer sie dort sucht, findet sie womöglich nicht; die Listen werden täglich neu berechnet.

Was der Scanner konkret gesehen hat, lässt sich nachrechnen. Der Kurs stand am 24. Juli 2026 bei 98,08 US-Dollar; das Allzeithoch war am 15. März 2021 mit einem Schlusskurs von 268,81 US-Dollar erreicht — knapp zwei Drittel darunter, die 50-Prozent-Hürde also klar genommen (der Scanner selbst misst mit dividendenbereinigten Kursen und weist 58,7 Prozent aus). Das Eigenkapital ist positiv, die Eigenkapitalquote lag zum 31. März 2026 bei 24,8 Prozent. In den vergangenen zwölf Monaten bis zum 24. Juli 2026 pendelte die Aktie zwischen 42,56 und 123,63 US-Dollar. Zusätzlich taucht Allegiant in unserem KCF-Ranking auf: Der Börsenwert entspricht rund dem 6,3-fachen des operativen Cashflows der letzten vier Quartale (Datenstand 24. Juli 2026) — für einen Kapitalfresser wie eine Fluglinie eine niedrige Zahl.

Zwei Kennzahlen aus dem Datenbestand haben wir gegen den Jahresabschluss gehalten und dabei etwas gefunden — dazu unbequeme Wahrheit Nr. 5.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Beginnen wir mit dem, was wirklich beeindruckt. Der Umsatz ist in jedem der letzten drei Jahre gestiegen: 2.509,9 Millionen US-Dollar (2023), 2.512,6 Millionen (2024), 2.606,6 Millionen (2025). 2025 flog Allegiant 18,74 Millionen Passagiere — 10,3 Prozent mehr als im Vorjahr —, und zwar mit derselben Flottengröße: Die durchschnittliche Zahl betriebener Flugzeuge lag bei 124,8 gegenüber 124,7 im Vorjahr. Die Auslastung je Flugzeug stieg von 6,3 auf 7,2 Blockstunden pro Tag. Das ist keine Kosmetik, das ist harte operative Arbeit: mehr Umsatz aus demselben Kapital.

Der Blick aufs Segment macht es noch deutlicher. Das Flugsegment allein erwirtschaftete 2025 ein Betriebsergebnis von 143,9 Millionen US-Dollar, nach 142,2 Millionen 2024 und 251,5 Millionen 2023. Vor Steuern blieben in der Fluglinie 2025 immer noch 75,3 Millionen übrig (2024: 94,3 Millionen, 2023: 188,1 Millionen). Und im ersten Quartal 2026 — dem ersten Quartal ohne Resort — meldete der Konzern einen Umsatz von 732,4 Millionen US-Dollar (plus 4,8 Prozent), ein Betriebsergebnis von 81,1 Millionen und einen Nettogewinn von 42,5 Millionen beziehungsweise 2,30 US-Dollar je verwässerter Aktie, obwohl der Treibstoff mit 3,04 Dollar je Gallone 16,5 Prozent teurer war als ein Jahr zuvor.

Nun die andere Seite derselben Tabelle. Auf Konzernebene stand 2024 ein Nettoverlust von 240,2 Millionen US-Dollar, 2025 einer von 44,7 Millionen — nach einem Gewinn von 117,6 Millionen im Jahr 2023. Das Betriebsergebnis des Konzerns kippte 2024 auf minus 240,0 Millionen und erholte sich 2025 nur auf plus 37,2 Millionen. Die Lücke zwischen Segment und Konzern hat einen Namen, und er steht im nächsten Kapitel.

Was in den Berichten steht — fünf unbequeme Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Das Ferienresort hat in drei Jahren 562 Millionen US-Dollar vor Steuern gekostet

Sunseeker Resort am Charlotte Harbor war Allegiants Versuch, die eigene Wertschöpfungskette zu verlängern. Das Ergebnis lässt sich in den Segmentangaben des Geschäftsberichts (10-K) auf den Dollar nachlesen: Betriebsverlust von 30,5 Millionen US-Dollar (2023), 382,2 Millionen (2024) und 106,7 Millionen (2025). Vor Steuern — also inklusive der Zinsen für den Baukredit — waren es 29,1, 402,7 und 130,2 Millionen: zusammen 562,0 Millionen US-Dollar in drei Jahren. Zum Vergleich: Das Eigenkapital des gesamten Konzerns lag Ende 2025 bei 1.052,7 Millionen. Ein Ferienresort hat also gut die Hälfte des Buchwerts aufgezehrt, während das Fluggeschäft daneben unbeirrt verdiente. Erlöse brachte das Resort dabei kaum: 60,7 Millionen im Jahr 2025, 71,8 Millionen 2024.

Der Ausstieg selbst war noch einmal teuer. Im vierten Quartal 2024 schrieb Allegiant 321,8 Millionen US-Dollar ab, im zweiten Quartal 2025 folgten weitere 100,4 Millionen, als das Resort auf „zum Verkauf gehalten" umgestellt wurde.

Markierte Fundstelle aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025: Sunseeker-Sonderaufwendungen von 94,2 Millionen US-Dollar mit einer Abwertung von 100,4 Millionen
„Sunseeker Resort special charges were $94.2 million in 2025 … This included an asset write-down charge of $100.4 million." Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 7 (MD&A, Special charges). Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Verkauft ist verkauft — zurück kamen 189,9 von 200 Millionen, gebaut wurde für ein Vielfaches

Am 3. Juli 2025 unterschrieb Allegiant den Kaufvertrag, am 4. September 2025 floss das Geld. Käufer waren Gesellschaften von Blackstone Real Estate Group, der Preis 200,0 Millionen US-Dollar vor Anpassungen.

Markierte Fundstelle aus der Pflichtmitteilung 8-K vom 5. September 2025: Verkauf des Sunseeker Resort an Blackstone-Gesellschaften mit Barzufluss von 200.000.000 US-Dollar abzüglich Anpassungen
„At closing, the Company received cash proceeds of $200,000,000 less various closing adjustments." Quelle: SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 05.09.2025, Item 2.01. Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Nach Anpassungen blieben laut Anhang des Geschäftsberichts 189,9 Millionen US-Dollar übrig. Dem gegenüber stand ein Baukredit über 350,0 Millionen US-Dollar, den Allegiant im Oktober 2021 aufgenommen und in zwei Schritten getilgt hatte — 250,0 Millionen im Jahr 2024, die letzten 100,0 Millionen im Februar 2025. Allein 2023 flossen 321,0 Millionen US-Dollar an Investitionen ins Resort. Die gute Nachricht: Diese Baustelle ist geschlossen. Seit September 2025 führt der Konzern nur noch ein einziges Segment.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der freie Mittelzufluss deckt die Investitionen — mit 2,2 Millionen Puffer

Eine Fluglinie ist ein Geschäft, das laufend Kapital frisst. Bei Allegiant sah die Rechnung 2025 so aus: 389,8 Millionen US-Dollar operativer Mittelzufluss gegen 387,6 Millionen Investitionen inklusive Anzahlungen auf bestellte Flugzeuge. Bleiben 2,2 Millionen. 2024 war es ähnlich knapp (338,5 gegen 335,2 Millionen), und 2023 klaffte eine große Lücke: 423,1 Millionen Zufluss gegen 870,5 Millionen Investitionen — das war das Jahr, in dem parallel das Resort gebaut wurde.

Balkendiagramm: operativer Mittelzufluss 423,1, 338,5 und 389,8 Millionen US-Dollar gegen Investitionen inklusive Anzahlungen von 870,5, 335,2 und 387,6 Millionen US-Dollar in den Jahren 2023 bis 2025
Zwei Jahre in Folge deckt der operative Mittelzufluss die Investitionen — aber nur knapp. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (10-K/10-Q), Kapitalflussrechnung. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Merke: Ein Puffer von 0,6 Prozent ist kein Puffer, sondern eine Punktlandung. Und die nächsten Landungen sind schon terminiert.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: 3,71 Milliarden US-Dollar Verpflichtungen gegen 1,05 Milliarden Eigenkapital

Im Geschäftsbericht steht eine Tabelle, die viele überblättern: die vertraglichen Verpflichtungen. Zum 31. Dezember 2025 summierten sie sich auf 3.713,8 Millionen US-Dollar — Anleihen und Kredite inklusive Zinsen 1.824,1 Millionen, Finanzierungsleasing 504,3 Millionen, Mietleasing 82,1 Millionen und 1.303,3 Millionen für bestellte Flugzeuge. Davon werden allein 632,2 Millionen im Jahr 2026 fällig, weitere 601,1 Millionen 2027 und 70,1 Millionen 2028.

Markierte Fundstelle aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025: feste Kaufverpflichtungen für 34 Flugzeuge mit Auslieferung von 2026 bis 2028
„As of December 31, 2025, the Company had outstanding purchase commitments for 34 aircraft which are expected to deliver from 2026 through 2028." Quelle: SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Anhang Note 13. Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Diese 34 Flugzeuge sind der Rest einer Bestellung über 50 Boeing 737 MAX aus dem Dezember 2021; zwölf davon kamen 2025. Sie sind der Grund, warum die Flotte trotz Ausmusterungen jung wird — und der Grund, warum die Kasse nicht zur Ruhe kommt. Die Verschuldung selbst hat Allegiant zuletzt reduziert: Die Nettoschuld aus Anleihen, Krediten und Finanzierungsleasing sank von 2,08 Milliarden US-Dollar Ende 2024 auf 1,82 Milliarden Ende 2025; 2025 nahm der Konzern 638,9 Millionen neu auf und zahlte 906,3 Millionen zurück. Das ist echte Entschuldung. Sie hielt allerdings nur bis Juni 2026.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Zwei Kennzahlen im Datenbestand halten dem Jahresabschluss nicht stand

Ein Turnaround-Scanner beurteilt das Überleben unter anderem mit dem Altman-Z-Score — einem Frühwarnsystem aus mehreren Bilanzkennzahlen, das ursprünglich für Industriebetriebe entwickelt wurde — und mit dem Piotroski-F-Score, einer Neun-Punkte-Checkliste für Bilanzqualität. In unserem Datenbestand stehen für Allegiant ein Altman-Z von 4,30 und ein Piotroski-Wert von 8 von 9 (Datenstand 24. Juli 2026). Beide Zahlen haben wir gegen den Jahresabschluss nachgerechnet, und beide sind zu freundlich.

Beim Piotroski-Score scheitert schon der erste der neun Punkte: Er verlangt einen positiven Jahresüberschuss — Allegiant wies 2025 einen Nettoverlust von 44,7 Millionen US-Dollar aus, und auch über die letzten vier Quartale steht ein Verlust von 1,92 US-Dollar je Aktie. Ebenso scheitert der Punkt für eine sinkende langfristige Verschuldungsquote (39,9 Prozent der Bilanzsumme Ende 2025 gegenüber 36,4 Prozent Ende 2024). Unser eigener Nachbau aus dem Jahresabschluss kommt auf 6 von 9 — ordentlich, aber nicht „kerngesund", das wären 8 oder 9. Beim Altman-Z ist der Unterschied größer: Rechnet man die klassische Formel mit den Bilanzzahlen zum 31. März 2026 durch, ergeben sich rund 1,6 statt 4,30. Der Grund ist keine Manipulation, sondern eine Variantenfrage — die im Datenbestand geführte Fassung enthält einen festen Zuschlag von 3,25 Punkten, der für Nicht-Industriebetriebe gedacht ist.

Und hier kommt die wichtigere Einordnung: Bei einer Fluggesellschaft taugt der Altman-Z ohnehin nur eingeschränkt. Die Formel bestraft negatives Umlaufvermögen — und genau das ist bei Airlines der Normalfall, weil die Kunden Monate im Voraus bezahlen: Zum 31. März 2026 standen allein 488,8 Millionen US-Dollar als Verbindlichkeit für verkaufte, aber noch nicht geflogene Tickets in der Bilanz. Was wir stattdessen selbst gerechnet haben und was belastbar ist: Die Eigenkapitalquote lag bei 25,0 Prozent zum 31. Dezember 2025 und 24,8 Prozent zum 31. März 2026, das Eigenkapital ist positiv und zuletzt gestiegen (1.052,7 auf 1.096,1 Millionen), und Kasse plus kurzfristige Anlagen beliefen sich zum 31. März 2026 auf 902,2 Millionen US-Dollar. Das Überleben ist nicht die Frage. Die Frage ist die Rendite auf das eingesetzte Kapital.

Was seit dem letzten Quartalsbericht passiert ist — und alles verändert

Der jüngste Quartalsbericht datiert vom 6. Mai 2026. Sieben Tage später war Allegiant eine andere Firma.

„On May 13, 2026 (the ‚Closing Date'), Allegiant Travel Company, a Nevada corporation (‚Allegiant'), completed the previously announced acquisition of Sun Country Airlines Holdings, Inc., a Delaware corporation (‚Sun Country')."

Übersetzung: „Am 13. Mai 2026 (dem ‚Vollzugstag') hat die Allegiant Travel Company, eine Gesellschaft nach dem Recht von Nevada, die zuvor angekündigte Übernahme der Sun Country Airlines Holdings, Inc., einer Gesellschaft nach dem Recht von Delaware, abgeschlossen."

— Allegiant Travel Company, SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 13.05.2026, Item 2.01

Die Rechnung dazu steht in der Pro-forma-Unterlage vom 9. Juni 2026: Für 54.208.163 Sun-Country-Aktien zahlte Allegiant je 4,10 US-Dollar bar und gab je 0,1557 eigene Aktien aus — zusammen 222,6 Millionen US-Dollar in bar und rund 8,45 Millionen neue Allegiant-Aktien, bewertet mit dem Schlusskurs von 75,21 US-Dollar am Vollzugstag. Inklusive der Ablösung einer Steuerverbindlichkeit über 80,5 Millionen, übernommener Mitarbeiteraktien und der Abfindung eines Amazon-Optionsrechts betrug die vorläufig übertragene Gegenleistung 976,0 Millionen US-Dollar. Die Aktienzahl stieg damit von 18.437.290 (Stand 29. April 2026) auf gut 27 Millionen — rund 47 Prozent mehr Aktien. Dein Stück vom Kuchen ist also kleiner geworden; dafür ist der Kuchen größer: Pro forma hätten beide Fluglinien 2025 zusammen 3.738,4 Millionen US-Dollar Umsatz gemacht statt 2.606,6 Millionen allein.

Sechs Wochen später kam die Finanzierung. Am 9. Juni 2026 kündigte Allegiant eine Anleihe über 500 Millionen an, platzierte am selben Tag 650,0 Millionen zu 7,125 Prozent und löste damit den Großteil einer alten Anleihe zu 7,25 Prozent ab.

Markierte Fundstelle aus der Pflichtmitteilung 8-K vom 29. Juni 2026: Verzinsung der neuen Anleihe mit 7,125 Prozent und Fälligkeit am 1. Juli 2031
„The Notes bear interest at a rate of 7.125% per annum … The Notes will mature on July 1, 2031." Quelle: SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 29.06.2026, Item 1.01. Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Mit der Anleihe kam eine Auflage, die in keiner Schlagzeile stand:

„… at the end of each calendar quarter, it will maintain a minimum aggregate amount of liquidity of $300.0 million. If the Company fails to deliver such quarterly compliance certificate within the prescribed time period or the certificate demonstrates that such liquidity is less than $300.0 million, then the Company will be required to pay additional interest on all outstanding Notes in an amount equal to 2.0% per annum."

Übersetzung: „… zum Ende jedes Kalenderquartals wird die Gesellschaft eine Mindestliquidität von insgesamt 300,0 Millionen US-Dollar vorhalten. Versäumt sie die fristgerechte Vorlage der Quartalsbescheinigung oder weist die Bescheinigung eine Liquidität von weniger als 300,0 Millionen aus, muss die Gesellschaft auf alle ausstehenden Anleihen zusätzliche Zinsen in Höhe von 2,0 Prozentpunkten pro Jahr zahlen."

— Allegiant Travel Company, SEC-Pflichtmitteilung 8-K vom 29.06.2026, Item 1.01 (Indenture)

Zwischen April und Mai 2026 nahm Allegiant zusätzlich vier Flugzeugfinanzierungen auf: 25,1 Millionen als letzte Ziehung einer Anzahlungslinie, 115,0 Millionen über drei Jahre, 44,0 Millionen aus einer 176-Millionen-Linie über zehn Jahre und 40,6 Millionen aus einer 85,6-Millionen-Linie über zwölf Jahre — alle variabel verzinst. Die 150-Millionen-Kreditlinie bleibt ungezogen.

Und dann kam am 30. Juni 2026 die Zahl, die zeigt, warum die Aktie 2026 gelaufen ist: Allegiant erwartet für das zweite Quartal ein bereinigtes Ergebnis von mindestens 1,25 US-Dollar je Aktie für die kombinierte Einheit — nach einer am 30. April genannten Erwartung von rund 0,50 US-Dollar Verlust je Aktie für Allegiant allein. Begründung des Konzerns: anhaltend gute Nachfrage bei beiden Fluglinien und ein günstigerer Treibstoffpreis im Juni.

Bewertung: Was du für dein Geld bekommst

Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich für Allegiant derzeit nicht sinnvoll bilden — über die letzten vier Quartale steht ein Verlust von 1,92 US-Dollar je Aktie. Bleiben drei Anker, alle mit Datenstand 24. Juli 2026.

Erstens der Umsatz. Bei rund 27 Millionen Aktien und einem Kurs von 98,08 US-Dollar liegt der Börsenwert bei etwa 2,66 Milliarden US-Dollar. Gemessen am Umsatz der letzten vier Quartale (2,64 Milliarden) ist das ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 1,0; gemessen am kombinierten Pro-forma-Umsatz für 2025 (3,74 Milliarden) sind es rund 0,7. Für eine Fluggesellschaft ist beides nicht billig und nicht teuer — es ist die Bandbreite, in der US-Billigflieger üblicherweise gehandelt werden.

Zweitens der Buchwert. Bei einem bilanziellen Eigenkapital von 59,97 US-Dollar je Aktie zahlt man rund das 2,3-fache des Buchwerts. Bei einem Unternehmen, dessen wichtigstes Anlagegut — Flugzeuge — einen liquiden Gebrauchtmarkt hat, ist das ein Aufschlag, der erst durch die künftige Ertragskraft gerechtfertigt wird.

Drittens der Cashflow. Das Verhältnis von Börsenwert zu operativem Cashflow der letzten vier Quartale liegt bei 6,3. Das ist die Zahl, die die Aktie überhaupt erst in unser Bewertungs-Ranking gebracht hat — und sie ist ehrlicher als jedes Gewinn-Vielfache, weil sie die hohen Abschreibungen einer Flugzeugflotte nicht ausblendet, sondern durchlässt.

Der Blick der Profis. Elf Analysten führen die Aktie mit einem durchschnittlichen Kursziel von 137 US-Dollar (Datenstand 24. Juli 2026) und erwarten für das laufende Geschäftsjahr ein Ergebnis von rund 7,56 US-Dollar je Aktie, für das folgende rund 12,12. Diese Schätzungen unterstellen, dass die Integration von Sun Country ohne größere Reibung gelingt — genau das ist die offene Frage. Wer eine Zahl aus einer Konsens-Schätzung übernimmt, übernimmt auch deren Annahmen. Bemerkenswert nebenbei: Nach den Insider-Meldungen der letzten zwölf Monate stehen sechs Verkäufen null Käufe gegenüber; rund 7,2 Prozent des Streubesitzes sind leerverkauft.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Chancen

  • Die Ablenkung ist weg: Seit September 2025 gibt es nur noch ein Segment. Das Flugsegment verdiente 2025 143,9 Millionen US-Dollar Betriebsergebnis und vor Steuern 75,3 Millionen — ohne jede Resort-Belastung.
  • Größe hilft im Fluggeschäft. Pro forma hätten beide Fluglinien 2025 zusammen 3.738,4 Millionen US-Dollar Umsatz und 79,2 Millionen Betriebsergebnis erwirtschaftet; im ersten Quartal 2026 wären es kombiniert 1.072,3 Millionen Umsatz und 125,5 Millionen Betriebsergebnis gewesen.
  • Sun Country bringt Geschäfte mit, die Allegiant nicht hat: Frachtflüge und langfristige Charterverträge — 155,0 Millionen US-Dollar Fracht- und 224,2 Millionen Charterumsatz im Jahr 2025. Das dämpft die Saisonalität eines reinen Urlaubsfliegers.
  • Der Kostenvorteil ist real und gemessen: 8,04 Cent Betriebskosten je Sitzmeile ohne Treibstoff und Sondereffekte (2025), 92,3 Prozent Direktvertrieb, 139,6 Millionen US-Dollar aus der Kreditkarten-Kooperation.
  • Die Nachfrage zog zuletzt an: Der Konzern hob am 30. Juni 2026 die Erwartung für das zweite Quartal auf mindestens 1,25 US-Dollar bereinigtes Ergebnis je Aktie an, nach zuvor rund 0,50 US-Dollar Verlust je Aktie für Allegiant allein.

Risiken

  • Integration zweier Fluglinien ist die schwierigste Übung der Branche — ein gemeinsames Betriebszeugnis, zusammengeführte Seniorenlisten der Piloten, ein System. Der Konzern nennt das Scheitern der erwarteten Synergien selbst als Risiko.
  • Die Verschuldung ist zurück: rund 247 Millionen US-Dollar mehr Anleiheschuld nach dem Juni-Tausch, zu 7,125 Prozent, dazu eine Auflage von 300,0 Millionen Mindestliquidität je Quartalsende.
  • 1.303,3 Millionen US-Dollar für 34 bestellte Flugzeuge stehen an, davon 632,2 Millionen im Jahr 2026 — bei einem freien Mittelzufluss, der zuletzt 2,2 Millionen betrug.
  • Der Tarifvertrag mit den Piloten ist seit 2021 nachverhandelbar; 23,6 Prozent der Vollzeitkräfte sind Piloten. Ein Abschluss kostet Geld, ein Nichtabschluss kostet Ruhe.
  • Treibstoff bleibt der unberechenbare Posten: 3,04 US-Dollar je Gallone im ersten Quartal 2026 gegenüber 2,61 ein Jahr zuvor; für das zweite Quartal 2026 rechnet der Konzern mit rund 4,20 US-Dollar.
  • Ein Ferienflieger lebt vom verfügbaren Einkommen seiner Kunden. Die Auslastung ist bereits von 85,9 Prozent (2023) auf 82,0 Prozent (2025) gesunken, der Durchschnittspreis von 142,15 auf 133,25 US-Dollar.

Ein menschliches Fazit

Erinnerst du dich an den Erzählbogen vom Anfang — unten war es schlimm, jetzt wird alles besser? Bei Allegiant stimmt die erste Hälfte des Satzes, aber nicht so, wie sie meistens erzählt wird. Es war nie das Fliegen, das schlecht lief. Die Fluglinie hat in jedem einzelnen Jahr verdient, auch 2024, als der Konzern 240 Millionen US-Dollar Verlust auswies. Was schlecht lief, war eine Nebenwette — ein Ferienresort, das 562 Millionen vor Steuern verschlang und für 189,9 Millionen wieder abgegeben wurde.

Genau das macht die Aktie interessant und riskant zugleich. Interessant, weil ein gesunder Betriebskern jetzt zum ersten Mal seit Jahren allein in der Bilanz steht. Riskant, weil das Management den frei gewordenen Platz sofort wieder gefüllt hat: mit einer ganzen Fluggesellschaft, 47 Prozent mehr Aktien, einer 650-Millionen-Anleihe zu 7,125 Prozent und 34 bestellten Flugzeugen. Die Frage ist nicht, ob Allegiant Flugzeuge füllen kann — das kann die Firma seit zwanzig Jahren. Die Frage ist, ob dieselben Leute, die das Resort gebaut haben, mit dem nächsten großen Einsatz besser umgehen.

Ein Vergleich hilft beim Einordnen: Wer wissen will, wie eine Freizeitfirma nach einer Bilanzkrise wieder auf die Beine kommt, findet in unserer Analyse zu Carnival denselben Mechanismus in größerem Maßstab. Und wer sich fragt, wer eigentlich an alternden Flugzeugflotten verdient, wird in unserer Analyse zu AAR Corp. fündig — dem Wartungs- und Ersatzteilgeschäft auf der anderen Seite derselben Rechnung.

Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Journalistische Einordnung, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien können erheblich schwanken; ein Totalverlust ist möglich. Alle Zahlen stammen aus den oben verlinkten Originaldokumenten und tragen den dort genannten Stichtag. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Allegiant Travel Company.

Unser Fazit auf einen Blick

Ertragskraft des Kerngeschäfts positiv
Das Flugsegment war in jedem der Jahre 2023 bis 2025 profitabel: 251,5, 142,2 und 143,9 Millionen US-Dollar Betriebsergebnis, vor Steuern 188,1, 94,3 und 75,3 Millionen. Im ersten Quartal 2026 — dem ersten ohne Resort — kamen 81,1 Millionen Betriebsergebnis und 42,5 Millionen Nettogewinn zusammen, trotz 16,5 Prozent teurerem Treibstoff.
Kostenposition und Geschäftsmodell positiv
Betriebskosten von 8,04 Cent je Sitzmeile ohne Treibstoff und Sondereffekte (2025, nach 8,56 Cent 2024), 92,3 Prozent Direktvertrieb über die eigene Website und 76,35 US-Dollar Zusatzerlöse je Passagier machen das Modell belastbar. Die Kreditkarten-Kooperation brachte 2025 zusätzlich 139,6 Millionen US-Dollar bei 21 Millionen Programm-Mitgliedern.
Kapitalallokation negativ
Das Ferienresort Sunseeker kostete 2023 bis 2025 zusammen 562,0 Millionen US-Dollar vor Steuern, nach einem 350-Millionen-Baukredit und 321,8 Millionen Wertminderung; zurück kamen beim Verkauf am 04.09.2025 nur 189,9 Millionen. Kaum war der Platz frei, folgte die nächste große Wette — die Übernahme von Sun Country für vorläufig 976,0 Millionen.
Bilanz und Verpflichtungen negativ
Den 1.096,1 Millionen US-Dollar Eigenkapital (31.03.2026, Quote 24,8 Prozent) stehen vertragliche Verpflichtungen von 3.713,8 Millionen gegenüber (31.12.2025), darunter 1.303,3 Millionen für 34 bestellte Flugzeuge mit 632,2 Millionen Fälligkeit allein 2026. Der freie Mittelzufluss betrug 2025 nur 2,2 Millionen; die Juni-Anleihe erhöht die Anleiheschuld um rund 247 Millionen zu 7,125 Prozent.
Datenlage und Kennzahlen neutral
Der im Datenbestand geführte Piotroski-Wert von 8 von 9 und der Altman-Z von 4,30 (Stand 24.07.2026) halten dem Jahresabschluss nicht stand: Unser Nachbau ergibt 6 von 9 beziehungsweise klassisch gerechnet rund 1,6. Belastbar sind Eigenkapitalquote (24,8 Prozent), Liquidität (902,2 Millionen US-Dollar) und Cashflow — bei Fluglinien ist der Altman-Z durch die Vorauszahlungen der Kunden ohnehin verzerrt.
Integration von Sun Country neutral
Der Zusammenschluss ist seit 13.05.2026 vollzogen, drei Sun-Country-Vertreter sitzen im auf elf Personen erweiterten Verwaltungsrat, und der Ausblick vom 30.06.2026 (mindestens 1,25 US-Dollar bereinigtes Ergebnis je Aktie für das zweite Quartal 2026) fiel deutlich besser aus als die Allegiant-Einzelprognose vom 30.04.2026. Belegt ist bislang der Start, nicht die Synergie — ein gemeinsames Betriebszeugnis steht noch aus.

Allegiant ist die Turnaround-Geschichte, bei der man genau hinsehen muss, was eigentlich gedreht hat. Das Fluggeschäft lief nie schlecht — es verdiente 2023 bis 2025 durchgehend Geld (251,5, 142,2 und 143,9 Millionen US-Dollar Betriebsergebnis). Verloren hat ein Ferienresort, das vor Steuern 562,0 Millionen kostete und am 4. September 2025 für 189,9 Millionen an Blackstone-Gesellschaften ging. Seither steht der gesunde Kern erstmals allein da — allerdings nur wenige Monate: Seit dem 13. Mai 2026 gehört Sun Country Airlines dazu, bezahlt mit 222,6 Millionen bar, rund 47 Prozent mehr Aktien und einer 650-Millionen-Anleihe zu 7,125 Prozent. Wer hier investiert, wettet nicht auf die Fluglinie, sondern darauf, dass dieselbe Führung mit dem nächsten großen Einsatz besser umgeht als mit dem letzten. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Das Geschäft trägt sich nachweislich selbst: Das Flugsegment war 2023, 2024 und 2025 durchgehend profitabel (251,5, 142,2 und 143,9 Millionen US-Dollar Betriebsergebnis), der operative Mittelzufluss lag 2025 bei 389,8 Millionen, die Kostenposition ist mit 8,04 Cent je Sitzmeile ohne Treibstoff und Sondereffekte belegt, und Kasse plus kurzfristige Anlagen beliefen sich zum 31. März 2026 auf 902,2 Millionen bei positivem und gestiegenem Eigenkapital (1.096,1 Millionen, Quote 24,8 Prozent). Offen bleiben zwei echte Fragen: die Kapitalverwendung — das Ferienresort kostete 2023 bis 2025 zusammen 562,0 Millionen vor Steuern und brachte beim Verkauf nur 189,9 Millionen zurück — und die Last aus 3.713,8 Millionen vertraglichen Verpflichtungen (31. Dezember 2025), darunter 1.303,3 Millionen für 34 bestellte Flugzeuge, bei einem freien Mittelzufluss von zuletzt 2,2 Millionen. Für Rot fehlt jeder Substanzbefund: keine Auflagenverletzung, keine Zweifel an der Fortführung, ein ungezogener Kreditrahmen über 150,0 Millionen. Für Grün ist die Bilanz noch nicht weit genug, zumal die Anleiheschuld im Juni 2026 wieder um rund 247 Millionen zu 7,125 Prozent gestiegen ist und die Integration von Sun Country erst begonnen hat. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Allegiant über den hauseigenen Aktien-Scanner „Turnaround-Kandidaten" (US-Auswahl, Stand 27. Juli 2026, 60 Treffer). Die Aktie erreicht im Wende-Check 6 von 8 Punkten — genau wie 44 der 60 Treffer; 15 liegen bei 7, einer bei 8. Innerhalb der Gleichstands-Gruppe ist die Reihenfolge eine Zufallssortierung der Datenbank, und sichtbar sind nur die 25 stärksten Titel: Allegiant steht derzeit nicht darunter. Die Listen werden täglich neu berechnet.
  • Kennzahlen-Vorbehalt: Piotroski-Score (8 von 9) und Altman-Z (4,30) aus dem Datenbestand ließen sich nicht gegen den Jahresabschluss bestätigen; im Text werden deshalb selbst gerechnete Bilanzrelationen verwendet (Eigenkapitalquote 25,0 Prozent zum 31.12.2025 und 24,8 Prozent zum 31.03.2026, klassischer Altman-Z rund 1,6, Piotroski-Nachbau 6 von 9). Bei Fluggesellschaften ist der Altman-Z strukturell verzerrt, weil Kunden ihre Tickets Monate im Voraus bezahlen.
  • Zeitliche Einordnung: Der jüngste Periodenbericht ist der Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, eingereicht am 6. Mai 2026. Die Übernahme von Sun Country (13.05.2026), die Anleihe-Emission (24.06.2026) und der angehobene Ausblick (30.06.2026) liegen danach und stammen aus Pflichtmitteilungen (8-K). Nicht zu verwechseln: Sun Country Airlines Holdings (vormals Nasdaq: SNCY) ist seit dem 13. Mai 2026 eine hundertprozentige Tochter und wird nicht mehr eigenständig gehandelt.

Häufige Fragen

Allegiant ist eine US-Ferienfluglinie mit Sitz in Las Vegas. Sie fliegt Menschen aus kleinen und mittelgroßen Städten ohne Umsteigen an Urlaubsziele — zum 1. Februar 2026 auf 539 Strecken zwischen 88 Abflugstädten und 33 Zielen. Der eigentliche Flugpreis lag 2025 bei durchschnittlich 56,89 US-Dollar; das Geld verdient die Firma mit Zusatzleistungen, Fremdprodukten und einer eigenen Kreditkarte.

Der Verlust kam vom Ferienresort Sunseeker in Florida. Das Flugsegment wies 2024 ein Betriebsergebnis von 142,2 Millionen US-Dollar aus, 2025 eines von 143,9 Millionen. Das Resort verlor im selben Zeitraum 382,2 beziehungsweise 106,7 Millionen — inklusive einer Wertminderung von 321,8 Millionen im vierten Quartal 2024 und einer Abwertung von 100,4 Millionen im zweiten Quartal 2025.

Verloren. Vor Steuern kostete das Resort in den Jahren 2023 bis 2025 zusammen 562,0 Millionen US-Dollar. Der Baukredit belief sich auf 350,0 Millionen und wurde bis Februar 2025 vollständig zurückgezahlt. Verkauft wurde das Resort am 4. September 2025 an Gesellschaften von Blackstone Real Estate für vertraglich 200,0 Millionen; nach Anpassungen flossen 189,9 Millionen zu.

Für jede der 54.208.163 Sun-Country-Aktien gab es 4,10 US-Dollar in bar und 0,1557 neue Allegiant-Aktien. Das entspricht 222,6 Millionen US-Dollar Bargeld und rund 8,45 Millionen neuen Aktien zum Schlusskurs von 75,21 US-Dollar am Vollzugstag. Inklusive der Ablösung einer Steuerverbindlichkeit über 80,5 Millionen und übernommener Mitarbeiteraktien betrug die vorläufig übertragene Gegenleistung 976,0 Millionen US-Dollar.

Deutlich. Zum 29. April 2026 waren 18.437.290 Allegiant-Aktien ausstehend; durch die Übernahme kamen rund 8,45 Millionen neue Aktien hinzu, sodass es nun gut 27 Millionen sind — rund 47 Prozent mehr. Dein Anteil am Unternehmen ist also kleiner geworden. Dafür wäre der gemeinsame Umsatz 2025 pro forma bei 3.738,4 Millionen US-Dollar gelegen statt bei 2.606,6 Millionen für Allegiant allein.

Zum 31. Dezember 2025 summierten sich die vertraglichen Verpflichtungen auf 3.713,8 Millionen US-Dollar: 1.824,1 Millionen Anleihen und Kredite inklusive Zinsen, 504,3 Millionen Finanzierungsleasing, 82,1 Millionen Mietleasing und 1.303,3 Millionen für 34 bestellte Flugzeuge. Davon werden 632,2 Millionen im Jahr 2026 fällig — bei einem Eigenkapital von 1.052,7 Millionen.

Gerade eben. 2025 standen 389,8 Millionen US-Dollar operativer Mittelzufluss 387,6 Millionen Investitionen inklusive Flugzeug-Anzahlungen gegenüber — ein Überschuss von 2,2 Millionen. 2024 waren es 338,5 gegen 335,2 Millionen. 2023 klaffte dagegen eine Lücke von rund 447 Millionen, weil parallel das Resort gebaut wurde.

Nur eingeschränkt. Der im Datenbestand geführte Piotroski-Wert von 8 von 9 lässt sich mit dem Jahresabschluss nicht nachvollziehen — schon der erste Punkt verlangt einen positiven Jahresüberschuss, und 2025 stand ein Verlust von 44,7 Millionen US-Dollar. Unser Nachbau kommt auf 6 von 9. Der Altman-Z von 4,30 enthält einen festen Zuschlag; klassisch gerechnet ergeben sich rund 1,6. Bei Fluglinien ist die Kennzahl ohnehin verzerrt, weil Kunden Monate im Voraus zahlen.

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