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AEVEX: Ein einziger Auftrag vervierfachte den Quartalsumsatz — und derselbe Auftrag halbiert gerade den Auftragsbestand

AEVEX: Ein einziger Auftrag vervierfachte den Quartalsumsatz — und derselbe Auftrag halbiert gerade den Auftragsbestand

AEVEX Corp. baut unbemannte Systeme und Autonomie-Software für das US-Militär und ging am 20. April 2026 an die New Yorker Börse. Sechs Wochen später meldete das Unternehmen sein erstes Quartal als börsennotierte Firma: 216,7 Millionen US-Dollar Umsatz nach 53,3 Millionen im Vorjahresquartal, 21,0 Millionen Gewinn nach 27,3 Millionen Verlust. Wer das mit vier multipliziert, landet bei fast 870 Millionen — das Unternehmen selbst stellt für 2026 nur 600 bis 620 Millionen in Aussicht. Der Quartalsbericht erklärt beides mit demselben Namen: dem Programm „EUCOM AOR Deep Strike“. Und er zeigt, was dieser Auftrag im Auftragsbestand hinterlässt: ein Minus von 146,5 Millionen in drei Monaten. Keine Anlageberatung — nur die Frage, was von einem Rekordquartal übrig bleibt, wenn der Auftrag dahinter abgearbeitet ist.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit
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AEVEX: Ein einziger Auftrag vervierfachte den Quartalsumsatz — und derselbe Auftrag halbiert gerade den Auftragsbestand
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Börsenprospekt und Quartalsberichte, 424B4/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

In jedem von uns sitzt ein kleiner Buchhalter mit einem Taschenrechner, und er hat eine Lieblingsrechnung: mal vier. Eine Firma meldet ein starkes Quartal — und schon tippt er den Umsatz ein, multipliziert mit vier und legt uns das Ergebnis auf den Tisch, als wäre es eine Prognose. Bei AEVEX Corp. (NYSE: AVEX) rechnet er so: 216,7 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2026, mal vier, macht 867 Millionen im Jahr — nach 432,9 Millionen im gesamten Vorjahr. Verdoppelung! Das Unternehmen selbst stellt für 2026 allerdings nur 600 bis 620 Millionen US-Dollar in Aussicht. Irgendjemand irrt sich hier um ein Viertel Milliarde, und es ist nicht die Firma. Machen wir also einen Deal: Bevor der Taschenrechner weiterrechnet, lesen wir gemeinsam, was AEVEX der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Börsenprospekt vom 20. April 2026 mit den geprüften Jahreszahlen, den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026, die Ergebnismitteilung vom 20. Mai 2026 und den zweiten Prospekt vom 5. Juni 2026. Ein Bericht an die SEC ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erklärt das Rekordquartal mit einem einzigen Programmnamen — und zeigt im selben Atemzug, was dieser Auftrag im Auftragsbestand hinterlässt.

Was AEVEX eigentlich macht — Fluggeräte für den Ernstfall, Software als Kern

AEVEX baut unbemannte Systeme: Flugzeuge ohne Piloten und Boote ohne Besatzung, dazu die Software, mit der sie sich selbst zurechtfinden. Gekauft werden sie fast ausschließlich von staatlichen Stellen — dem US-Verteidigungsressort, den Spezialkräften und den Nachrichtendiensten. Das Unternehmen sitzt in Solana Beach bei San Diego, beschäftigte zum 31. Dezember 2025 rund 650 Menschen und arbeitet nach eigenen Angaben seit 2007 für die nationale Sicherheit der USA. Zwei Geschäftsbereiche teilen sich die Arbeit: Tactical Systems (2025 rund 74,4 Prozent des Umsatzes) entwickelt und fertigt die Fluggeräte selbst; Global Solutions liefert Aufklärungsflüge, Abwehrtechnik gegen fremde Drohnen, 3-D-Druck im Feld und den Umbau von Spezialflugzeugen.

Der eigentliche Unterschied zu einem Modellflugzeug mit Kamera steckt in der Software. AEVEX nennt sie CompassX — im Prospekt als „proprietary AI-based CompassX sensor-fusion engine“ beschrieben. Übersetzt in ein Alltagsbild: Sensorfusion heißt, dass das Fluggerät nicht auf ein einzelnes Signal hört, sondern mehrere Sinne gleichzeitig auswertet — Kamerabilder, Lagesensoren, Funkempfang — und daraus selbst entscheidet, wo es ist und wohin es fliegt. Genau das ist wichtig, wenn der Gegner das Satellitensignal stört: Ein Gerät, das ohne GPS auskommt, funktioniert dort weiter, wo ein normales stehen bleibt. Das ist auch der Grund, warum wir AEVEX in unserer KI-Einstufung in die Kategorie „verkauft KI“ eingeordnet haben — die künstliche Intelligenz ist hier kein Marketing-Aufkleber, sondern Bestandteil des verkauften Produkts.

Das größte Einzelvorhaben trägt einen sperrigen Namen und ist der heimliche Hauptdarsteller dieser Analyse. Der Prospekt beschreibt es so:

„We are the sole provider on the EUCOM AOR Deep Strike program, an over $645.7 million contract to deliver over 4,800 UAS across seven platforms and have approximately $5.0 billion in UxS-specific pipeline as of December 2025.“

Übersetzung: „Wir sind der alleinige Anbieter im Programm EUCOM AOR Deep Strike, einem Auftrag über mehr als 645,7 Millionen US-Dollar zur Lieferung von über 4.800 unbemannten Flugsystemen auf sieben Plattformen, und verfügen zum Dezember 2025 über eine Projektpipeline von rund 5,0 Milliarden US-Dollar im Bereich unbemannter Systeme.“

— AEVEX Corp., SEC-Börsenprospekt 424B4 vom 20. April 2026, Abschnitt „Business — Tactical Systems“

Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Ein einziger, sehr großer Auftrag verwandelt AEVEX innerhalb eines Jahres von einem Verlustbringer in eine profitable Firma — und derselbe Auftrag ist zu großen Teilen bereits abgearbeitet.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam — über die Liste der Börsenneulinge

AEVEX kam nicht über einen unserer Scanner auf die Rechercheliste, sondern über die laufende Beobachtung frisch notierter US-Aktien. Der Grund dafür ist selbst schon ein Befund. Zum Datenstand 28. Juli 2026 taucht AEVEX in keiner Liste unseres hauseigenen Aktien-Scanners auf — und das liegt nicht an der Qualität der Firma, sondern an der Rechenweise. Relative Stärke misst den Kursverlauf über zwölf Monate; AEVEX wird erst seit dem 17. April 2026 gehandelt. Der Piotroski-Score, unser Neun-Punkte-Bilanzcheck, vergleicht zwei geprüfte Jahresabschlüsse als börsennotiertes Unternehmen; AEVEX hat null davon. Auch ein Analystenkonsens fehlt in unserem Datenbestand. Unsere Scanner-Listen werden täglich neu berechnet — dieser Satz gilt also für den genannten Tag und kann sich mit der Zeit von selbst erledigen.

Das ist keine Nebensächlichkeit, sondern die wichtigste Vorbemerkung dieser Analyse: Bei einem Börsenneuling fehlt fast alles, womit man Aktien sonst prüft. Es gibt keinen Geschäftsbericht (10-K), weil das Geschäftsjahr 2025 endete, bevor die Aktie überhaupt notiert war. Die geprüften Jahreszahlen für 2024 und 2025 stehen deshalb nicht in einem Jahresbericht, sondern im Börsenprospekt — dem Dokument, mit dem eine Firma sich vor dem Börsengang bei der SEC vorstellen muss. Es ist eine belastbare Primärquelle, aber es ist eben ein Verkaufsdokument mit Prüfvermerk und kein Rechenschaftsbericht. Und es gibt genau einen Quartalsbericht als börsennotierte Firma. Wer hier eine lange Historie vortäuscht, täuscht. Wir tun das nicht: Diese Analyse steht auf zwei Jahresabschlüssen aus dem Prospekt und einem einzigen Quartal.

Merke dir den Satz für jeden Börsenneuling: Kurze Historie heißt nicht wenig Risiko, sondern wenig Vergleichsmaterial. Wie sehr das den Blick verzerren kann, haben wir bei einem anderen Drohnenhersteller gesehen — in unserer Analyse zu Red Cat Holdings liegen Auftragsmeldungen und tatsächlich verbuchter Umsatz ebenfalls weit auseinander.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich beeindruckt. AEVEX ist keine Firma mit Umsatzhoffnung und ohne Umsatz: 2024 lag der Umsatz bei 392,2 Millionen US-Dollar, 2025 bei 432,9 Millionen (plus 10,4 Prozent). Das erste Quartal 2026 brachte dann 216,7 Millionen in drei Monaten — mehr als in den ersten beiden Quartalen 2025 zusammen. Der Rohertrag, also was nach den direkten Herstellkosten übrig bleibt, sprang von 3,1 auf 56,5 Millionen; die Rohertragsmarge stieg von 5,7 auf 26,1 Prozent. Aus einem Betriebsverlust von 20,3 Millionen wurde ein Betriebsgewinn von 29,6 Millionen, aus einem Nettoverlust von 27,3 Millionen ein Nettogewinn von 21,0 Millionen US-Dollar. Das ist keine Kosmetik, das ist ein echter Umschwung.

Balkendiagramm des Quartalsumsatzes von AEVEX in Millionen US-Dollar: 122,4 (Q1 2024), 137,8, 80,7, 51,4, 53,3 (Q1 2025), 101,1, 121,2, 157,3 und 216,7 im ersten Quartal 2026 — der letzte Balken ist mehr als viermal so hoch wie der Vorjahresbalken.
Neun Quartale, kein glatter Trend: Der Umsatz fiel 2024 von 137,8 auf 51,4 Millionen US-Dollar, stieg dann acht Quartale lang bis auf 216,7 Millionen im ersten Quartal 2026. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Börsenprospekt und Quartalsberichte, 424B4/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die Kurve zeigt auch, was der Taschenrechner vom Anfang übersieht: Diese Firma hatte schon einmal einen Absturz. Von 137,8 Millionen im zweiten Quartal 2024 fiel der Umsatz binnen zweier Quartale auf 51,4 Millionen — ein Minus von 63 Prozent. Der Grund war derselbe wie beim heutigen Aufschwung, nur mit umgekehrtem Vorzeichen: Das damalige Großprogramm Phoenix Ghost war laut Prospekt „substantially completed as of December 31, 2024“ — im Wesentlichen abgeschlossen. Danach kam ein Jahr mit einem Nettoverlust von 16,8 Millionen US-Dollar, bevor der Nachfolgeauftrag Deep Strike zu greifen begann. Bei AEVEX bewegt sich der Umsatz nicht in einer Linie, sondern in Wellen — und jede Welle heißt nach einem Programm.

Eine Zahl aus 2024 verdient dabei ein Sternchen: Der ausgewiesene Nettogewinn von 78,6 Millionen US-Dollar war kein operativer Gewinn dieser Größe. Er enthielt eine Auflösung von 61,6 Millionen aus einer Kaufpreisverpflichtung für die 2022 erworbene Tribe Aerospace — Geld, das nicht mehr gezahlt werden musste und deshalb den Gewinn erhöhte. Das bereinigte operative Ergebnis (Adjusted EBITDA) lag 2024 bei 77,0 Millionen und 2025 bei 37,6 Millionen. Für 2026 stellt das Unternehmen 88,0 bis 94,5 Millionen in Aussicht.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Rekordumsatz und der Bestandsschwund sind dieselbe Bewegung

Der Auftragsbestand ist bei Rüstungsfirmen die wichtigste Zahl nach dem Umsatz — er sagt, wie viel Arbeit schon bezahlt in den Büchern liegt. AEVEX weist den finanzierten Auftragsbestand aus, also nur Aufträge, für die das Geld bereits bewilligt ist. Und der ist im Rekordquartal eingebrochen: von 503,1 Millionen US-Dollar zum 31. Dezember 2025 auf 356,6 Millionen zum 31. März 2026. Minus 146,5 Millionen in drei Monaten. Der Quartalsbericht erklärt beide Bewegungen mit einem Satz:

„The decrease of $146.5 million in funded backlog for the three months ended March 31, 2026 was primarily due to revenue recognized for the EUCOM AOR Deep Strike program during the three months ended March 31, 2026. We expect to convert approximately 93.0% of the total $356.6 million of funded backlog as of March 31, 2026 into revenue during the remainder of 2026.“

Übersetzung: „Der Rückgang des finanzierten Auftragsbestands um 146,5 Millionen US-Dollar in den drei Monaten bis zum 31. März 2026 war im Wesentlichen auf die Umsatzverbuchung des Programms EUCOM AOR Deep Strike in diesem Zeitraum zurückzuführen. Wir erwarten, rund 93,0 Prozent des gesamten Auftragsbestands von 356,6 Millionen US-Dollar zum 31. März 2026 im weiteren Verlauf des Jahres 2026 in Umsatz umzuwandeln.“

— AEVEX Corp., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026, Abschnitt „Funded Backlog“

Markierte Stelle aus dem AEVEX-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026: Tabelle mit finanziertem Auftragsbestand von 356.623 Tausend US-Dollar zum 31. März 2026 gegenüber 503.123 Tausend zum 31. Dezember 2025, darunter der gelb hervorgehobene Erklärungsabsatz zum Rückgang um 146,5 Millionen.
Die markierte Stelle im Original: 356.623 gegen 503.123 Tausend US-Dollar — und der Satz, der beides erklärt. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Lies die zweite Zahl noch einmal: 93,0 Prozent des verbliebenen Auftragsbestands sollen noch 2026 verbraucht werden, nur 7,0 Prozent bleiben für 2027 und danach — das sind rund 25 Millionen US-Dollar. Übersetzt in ein Alltagsbild: Der Handwerksbetrieb hat einen vollen Terminkalender bis Silvester und danach eine leere Seite. Das muss kein Problem sein, wenn neue Aufträge kommen — AEVEX nennt eine Projektpipeline von 8,1 Milliarden US-Dollar und hat im Prospekt einen neuen Zuschlag für das Armeeprogramm „Launched Effects — Short Range“ dokumentiert. Aber eine Pipeline ist ein Wunschzettel, kein Auftragsbuch. Bezahlt ist nur, was im finanzierten Auftragsbestand steht.

Der eigene Ausblick bestätigt die Rechnung. Am 20. Mai 2026 nannte AEVEX für 2026 einen Umsatz von 600 bis 620 Millionen US-Dollar. Nach 216,7 Millionen im ersten Quartal bleiben für die restlichen neun Monate 383 bis 403 Millionen — im Durchschnitt rund 128 bis 134 Millionen je Quartal. Das erste Quartal war also nicht der Startpunkt einer Steigerung, sondern nach Einschätzung des Unternehmens selbst der Höhepunkt. Der Taschenrechner vom Anfang lag um rund 250 Millionen daneben.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Der Gewinn steht auf dem Papier, das Geld ist aus der Kasse geflossen

Es gibt eine Zahl, die im ersten Quartal 2026 in die andere Richtung zeigt als der Gewinn. Trotz 21,0 Millionen US-Dollar Nettogewinn flossen 10,4 Millionen aus dem laufenden Geschäft ab. Der Grund steht in der Kapitalflussrechnung: Die Forderungen stiegen um 30,4 Millionen, die Vertragsvermögenswerte — also bereits geleistete, aber noch nicht abgerechnete Arbeit — um weitere 41,0 Millionen. Zusammen 71,4 Millionen an Arbeit, die geliefert, verbucht, aber noch nicht bezahlt ist. Von den 85,8 Millionen offener Forderungen waren zum 31. März 2026 63,8 Millionen noch nicht einmal in Rechnung gestellt.

Und das ist kein Ausrutscher eines Quartals. Im Gesamtjahr 2025 war es dramatischer:

„Net cash used in operating activities for the year ended December 31, 2025 was $97.6 million, compared to net cash provided by operating activities of $64.9 million for the year ended December 31, 2024.“

Übersetzung: „Der Mittelabfluss aus laufender Geschäftstätigkeit betrug im Geschäftsjahr 2025 97,6 Millionen US-Dollar, verglichen mit einem Mittelzufluss aus laufender Geschäftstätigkeit von 64,9 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2024.“

— AEVEX Corp., SEC-Börsenprospekt 424B4 vom 20. April 2026, Abschnitt „Liquidity and Capital Resources — Operating Activities“

Gelb markierter Absatz aus dem AEVEX-Börsenprospekt vom 20. April 2026: 97,6 Millionen US-Dollar Mittelabfluss aus laufender Geschäftstätigkeit 2025 gegenüber 64,9 Millionen Zufluss 2024, begründet mit dem Zahlungsverlauf des Programms EUCOM AOR Deep Strike.
Die markierte Stelle im Original: 97,6 Millionen US-Dollar Mittelabfluss 2025 — begründet unter anderem mit dem zeitlichen Auseinanderfallen von Zahlungen und Zahlungseingängen im Deep-Strike-Programm. Quelle: SEC-Börsenprospekt 424B4 vom 20.04.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.
Gruppiertes Balkendiagramm in Millionen US-Dollar: Nettoergebnis +78,6 (2024), −16,8 (2025) und +21,0 (Q1 2026) gegen operativen Cashflow +64,9 (2024), −97,6 (2025) und −10,4 (Q1 2026). In 2025 und im ersten Quartal 2026 liegt der Geldfluss deutlich unter dem ausgewiesenen Ergebnis.
Gewinn ist nicht Geld: 2025 stand einem Nettoverlust von 16,8 Millionen US-Dollar ein Mittelabfluss von 97,6 Millionen gegenüber; im ersten Quartal 2026 flossen trotz 21,0 Millionen Gewinn 10,4 Millionen ab. 2024 und 2025 sind Geschäftsjahre, Q1 2026 ist ein Quartal. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Börsenprospekt und Quartalsberichte, 424B4/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Übersetzt in ein Alltagsbild: Der Betrieb hat ein volles Auftragsbuch, kauft Material auf eigene Rechnung, baut, liefert — und wartet dann auf das Geld einer Behörde. Der Gewinn steht schon in der Buchhaltung, das Geld noch nicht auf dem Konto. Für eine Firma mit 27,4 Millionen US-Dollar Kassenbestand zum 31. März 2026 war das eng. Genau deshalb war der Börsengang mehr als eine Trophäe: Von den 345,9 Millionen Nettoerlös und einem neuen Terminkredit über 100,0 Millionen wurden laut Quartalsbericht rund 258,5 Millionen alte Kredite zurückgezahlt, 3,3 Millionen Refinanzierungskosten und 10,3 Millionen Kosten des Börsengangs beglichen — rechnerisch blieben rund 174 Millionen für allgemeine Unternehmenszwecke. Der alte Kredit kostete zum 31. März 2026 9,67 Prozent Zinsen; für 2026 rechnet das Unternehmen insgesamt nur noch mit rund 13,2 Millionen Zinsaufwand nach 32,3 Millionen im Jahr 2025. Das ist die stärkste Verbesserung in dieser ganzen Analyse — und sie ist noch nicht durch einen geprüften Abschluss bestätigt, sondern steht bislang nur in der Anhangangabe zu Ereignissen nach dem Bilanzstichtag.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Ein Kunde, der jederzeit kündigen darf

Kundenkonzentration ist bei Rüstungsfirmen normal — bei AEVEX ist sie extrem. Im ersten Quartal 2026 kamen 88 Prozent des Umsatzes direkt vom US-Staat und seinen Behörden (Vorjahresquartal 68 Prozent, Gesamtjahr 2025: 78 Prozent, 2024: 81 Prozent). Bei den offenen Forderungen ist die Konzentration noch schärfer: Auf Kunde A entfielen zum 31. März 2026 71 Prozent aller Forderungen, auf Kunde B weitere 13 Prozent. Ein Jahr zuvor lag Kunde A bei 42 Prozent.

Gelb markierter Absatz aus dem AEVEX-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026: 88 Prozent des Umsatzes von der US-Regierung im ersten Quartal 2026 gegenüber 68 Prozent im Vorjahresquartal; Kunde A steht für 71 Prozent und Kunde B für 13 Prozent der Forderungen.
Die markierte Stelle im Original: 88 Prozent Umsatzanteil des US-Staats und 71 Prozent der Forderungen bei einem einzigen Kunden. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026, Anhang Note 2 „Concentrations“ (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Wichtiger als die Prozentzahl ist die Vertragslage. Der Prospekt formuliert sie ungeschminkt:

„The U.S. military funds a portion of our contracts through operational needs statements, and to a lesser extent, through programs of record, which provides us with less visibility and certainty on future funding allocations for our contracts. Furthermore, all of our contracts with the U.S. Government are terminable by the U.S. Government at will, and the increasing government spending reviews may result in revocation of previously awarded contracts.“

Übersetzung: „Das US-Militär finanziert einen Teil unserer Verträge über Bedarfsmeldungen aus dem laufenden Einsatz und in geringerem Umfang über fest etatisierte Programme, was uns weniger Einblick und weniger Sicherheit über künftige Mittelzuweisungen für unsere Verträge gibt. Darüber hinaus können sämtliche unserer Verträge mit der US-Regierung von dieser jederzeit nach eigenem Ermessen beendet werden, und die zunehmenden Überprüfungen der Staatsausgaben können zum Widerruf bereits erteilter Aufträge führen.“

— AEVEX Corp., SEC-Börsenprospekt 424B4 vom 5. Juni 2026, Abschnitt „Risk Factors — We rely heavily on sales to certain customers“

Zwei Dinge stecken darin. Erstens: Ein großer Teil des Geschäfts hängt an Bedarfsmeldungen aus dem laufenden Einsatz statt an mehrjährig etatisierten Programmen. Das ist gut, solange irgendwo ein Konflikt Nachschub verlangt, und schlecht, sobald sich die Lage beruhigt — der Umsatzeinbruch nach dem Ende von Phoenix Ghost war genau das. Zweitens: Der Kunde kann jederzeit aussteigen. Das ist bei US-Regierungsaufträgen üblich (die Firma bekommt dann angefallene Kosten plus einen angemessenen Gewinn ersetzt), aber es bedeutet, dass ein Auftragsbestand von 356,6 Millionen US-Dollar keine Garantie ist, sondern eine Absichtserklärung mit Kündigungsrecht. Wie stark einzelne Programme das Ergebnis eines Zulieferers treiben können, zeigt auch unsere Analyse zu Mercury Systems — dort war es das Auslaufen einzelner Programme, das jahrelang die Marge drückte.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die Hälfte der Firma taucht in der üblichen Börsenkennzahl nicht auf

Jetzt der Teil, den man zweimal lesen muss. AEVEX ist als sogenannte Up-C-Struktur aufgebaut — ein Modell, bei dem die börsennotierte Gesellschaft nur ein Teilhaber der eigentlichen operativen Gesellschaft ist, während die Altgesellschafter ihre Anteile direkt an dieser operativen Gesellschaft halten. Diese Anteile können sie jederzeit eins zu eins in Class-A-Aktien tauschen. Für dich als Anleger heißt das: Die Aktienzahl, die du in Kursportalen siehst, ist nicht die Aktienzahl der Firma. Der Prospekt vom 5. Juni 2026 rechnet es vor:

„56,470,333 shares (or 57,329,256 shares if the underwriters’ option is exercised in full). If all outstanding LLC Units held by the LLC Unitholders were exchanged for newly-issued shares of Class A common stock on a one-for-one basis, 114,041,700 shares of Class A common stock would be outstanding.“

Übersetzung: „56.470.333 Aktien (oder 57.329.256 Aktien bei vollständiger Ausübung der Mehrzuteilungsoption durch die Konsortialbanken). Würden sämtliche ausstehenden Beteiligungsanteile der Anteilseigner eins zu eins in neu ausgegebene Class-A-Aktien getauscht, wären 114.041.700 Class-A-Aktien im Umlauf.“

— AEVEX Corp., SEC-Börsenprospekt 424B4 vom 5. Juni 2026, Abschnitt „The Offering“

Gelb markierte Zeile aus dem AEVEX-Börsenprospekt vom 5. Juni 2026: 56.470.333 Class-A-Aktien unmittelbar nach der Platzierung — und 114.041.700 Aktien, falls alle ausstehenden Beteiligungsanteile eins zu eins getauscht würden.
Die markierte Stelle im Original: 56.470.333 Class-A-Aktien im Umlauf — 114.041.700 bei vollständigem Tausch aller Beteiligungsanteile. Quelle: SEC-Börsenprospekt 424B4 vom 05.06.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Zu dieser Struktur gehört ein zweiter Vertrag, der neuen Aktionären Geld kostet: das Tax Receivable Agreement. Es verpflichtet AEVEX, 85 Prozent der Steuervorteile, die durch den Anteilstausch entstehen, in bar an die Altgesellschafter auszuzahlen. Nur 15 Prozent bleiben im Unternehmen. Der Prospekt rechnet vor, dass bei einem vollständigen Tausch zum Platzierungspreis von 27,00 US-Dollar eine Verbindlichkeit von rund 392,1 Millionen US-Dollar entstünde — und sagt dazu wörtlich: „We expect that the payments we may make under the Tax Receivable Agreement will be substantial.“ („Wir erwarten, dass die Zahlungen, die wir unter dem Tax Receivable Agreement leisten müssen, erheblich sein werden.“) Dazu kommt die Machtfrage: Nach der Zweitplatzierung kontrolliert der Finanzinvestor Madison Dearborn Partners rund 70,0 Prozent der Stimmrechte. AEVEX gilt damit als „controlled company“ und darf auf eine unabhängige Mehrheit im Verwaltungsrat und auf unabhängig besetzte Ausschüsse verzichten.

Bewertung: Welche Aktienzahl du nimmst, entscheidet über die halbe Bewertung

Hier wird es praktisch. Ein Datenanbieter, der nur die 56.470.333 Class-A-Aktien zählt, kommt am 28. Juli 2026 auf einen Börsenwert von rund 0,85 Milliarden US-Dollar. Das ist nicht falsch gerechnet — es beschreibt nur die eine Hälfte der Firma. Rechnet man mit allen 114.041.700 Aktien, die bei vollständigem Tausch entstünden, sieht die Größenordnung anders aus. Wir verwenden deshalb die Anbieterzahl nicht und rechnen mit datierten Ankerpreisen aus den SEC-Unterlagen selbst:

  • 20,00 US-Dollar — Ausgabepreis beim Börsengang, vollzogen am 20. April 2026 → rund 2,28 Milliarden US-Dollar
  • 27,00 US-Dollar — Preis der Zweitplatzierung vom 5. Juni 2026 (Schlusskurs am 3. Juni laut Prospekt: 27,66) → rund 3,08 Milliarden
  • 15,21 US-Dollar — Schlusskurs am 28. Juli 2026, unserem Datenstand → rund 1,73 Milliarden

Gemessen am eigenen Umsatzausblick für 2026 (600 bis 620 Millionen US-Dollar) entspricht das einem Kurs-Umsatz-Verhältnis zwischen etwa 2,8 und 5,0 — je nachdem, an welchem der drei Tage man rechnet. Gemessen am in Aussicht gestellten bereinigten Ergebnis (88,0 bis 94,5 Millionen) liegt der Faktor zwischen rund 19 und 34. Für einen Rüstungszulieferer mit zweistelligem Wachstum ist das kein Schnäppchenpreis, aber auch keine Blase — es ist ein Preis, der davon ausgeht, dass nach Deep Strike der nächste Großauftrag kommt.

Ein Wort zur Kursentwicklung, weil sie zum ehrlichen Bild gehört: Zum Datenstand 28. Juli 2026 notierte die Aktie rund 62 Prozent unter ihrem bisherigen Höchstkurs, den sie am 20. April 2026 erreicht hatte, und unter dem Ausgabepreis von 20,00 US-Dollar. Ein Kurs ist kein Qualitätsurteil, und ein gefallener Kurs ist kein Kaufargument. Aber er zeigt, dass der Markt die Hochrechnung aus dem ersten Quartal inzwischen selbst korrigiert hat.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für AEVEX spricht:

  • Echtes, großes Geschäft mit Ertragskraft: 432,9 Millionen US-Dollar Umsatz 2025 (plus 10,4 Prozent), 216,7 Millionen allein im ersten Quartal 2026, Rohertragsmarge dort 26,1 nach 5,7 Prozent, Betriebsgewinn 29,6 Millionen nach 20,3 Millionen Verlust.
  • Die Bilanz wurde mit dem Börsengang entlastet: rund 258,5 Millionen alte Kredite zurückgezahlt, an ihre Stelle trat ein Terminkredit über 100,0 Millionen aus einer Gesamtlinie von 375,0 Millionen; der Zinsaufwand soll 2026 auf rund 13,2 Millionen sinken nach 32,3 Millionen 2025.
  • Technische Alleinstellung mit belegter Nachfrage: alleiniger Anbieter im Deep-Strike-Programm (über 645,7 Millionen Auftragswert, mehr als 4.800 Fluggeräte), über 6.200 gelieferte Systeme, Primärauftragnehmer bei 84 Prozent aller Programme, Produktionskapazität über 1.000 Systeme im Monat.
  • Die Software ist der Burggraben-Kandidat: CompassX liefert Navigation und Autonomie ohne Satellitensignal — genau die Fähigkeit, die in gestörten Umgebungen über Erfolg oder Ausfall entscheidet, und sie soll bis Ende 2026 in 100 Prozent der eigenen Systeme stecken.
  • Rückenwind aus der Verteidigungspolitik: AEVEX beziffert den erreichbaren Markt für unbemannte Systeme auf rund 11,0 Milliarden US-Dollar in den USA und 26,0 Milliarden weltweit bis 2030 und nennt eine eigene Projektpipeline von 8,1 Milliarden (Stand Dezember 2025).

Was dagegen spricht:

  • Programmabhängigkeit statt Serienfertigung: Ein Auftrag erklärt den Sprung von 53,3 auf 216,7 Millionen US-Dollar — und derselbe Auftrag hat den finanzierten Auftragsbestand von 503,1 auf 356,6 Millionen gedrückt, von denen 93,0 Prozent noch 2026 verbraucht werden sollen.
  • Der eigene Ausblick beschreibt einen Rückgang: 600 bis 620 Millionen für 2026 bedeuten nach dem ersten Quartal rund 128 bis 134 Millionen je Restquartal — deutlich weniger als die 216,7 Millionen zum Auftakt.
  • Geld und Gewinn laufen auseinander: 97,6 Millionen US-Dollar Mittelabfluss aus dem laufenden Geschäft 2025 (freier Mittelabfluss 105,1 Millionen), weitere 10,4 Millionen im ersten Quartal 2026 trotz 21,0 Millionen Gewinn; 63,8 der 85,8 Millionen Forderungen waren zum 31. März 2026 noch nicht in Rechnung gestellt.
  • Ein Kunde, ein Kündigungsrecht: 88 Prozent Umsatzanteil des US-Staats im ersten Quartal 2026, 71 Prozent der Forderungen bei einem einzigen Kunden — und alle Regierungsverträge sind laut Prospekt jederzeit beendbar.
  • Struktur zulasten neuer Aktionäre: 114.041.700 statt 56.470.333 Aktien bei vollständigem Tausch, rund 70,0 Prozent Stimmenkontrolle bei Madison Dearborn Partners, „controlled company“-Status, eine Steuerzusage über beispielhaft 392,1 Millionen US-Dollar an die Altgesellschafter — und ein Aktienprogramm über weitere 11.404.170 Aktien mit jährlicher Aufstockung um bis zu 3 Prozent ab 2027.
  • Sehr dünne Berichtshistorie: kein Geschäftsbericht (10-K), ein einziger Quartalsbericht als börsennotiertes Unternehmen, Status als „emerging growth company“ mit erleichterten Berichtspflichten — und die Sperrfrist für Altaktionäre läuft laut Prospekt am 13. Oktober 2026 aus.

Ein menschliches Fazit

Zurück zum Taschenrechner vom Anfang. Er hat nichts falsch gemacht — er hat nur getan, wofür er gebaut ist: multiplizieren. Sein Fehler war nicht die Rechnung, sondern die Annahme dahinter: dass ein Quartal ein Viertel eines Jahres beschreibt. Bei AEVEX beschreibt ein Quartal einen Auftrag. Das ist der ganze Unterschied, und er ist in den SEC-Unterlagen offen dokumentiert: derselbe Programmname erklärt den Rekordumsatz, den Margensprung, den Einbruch des Auftragsbestands und den Mittelabfluss von 2025. Wer AEVEX kauft, kauft keine Umsatzkurve, sondern eine Wette darauf, dass auf Phoenix Ghost und Deep Strike ein drittes Programm folgt — und dass die 8,1 Milliarden Pipeline mehr sind als ein Wunschzettel.

Das kann gut ausgehen. Die Firma liefert, sie ist nach dem Börsengang deutlich weniger verschuldet, ihre Software löst ein Problem, das auf modernen Gefechtsfeldern real ist, und der politische Rückenwind ist kein Marketing. Aber es sind eben zwei sehr verschiedene Investitionsthesen, und du musst wissen, welche du kaufst. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Wie schnell wächst AEVEX?“, sondern: Traust du dir zu, eine Firma zu halten, deren Umsatz in Wellen kommt — und deren nächste Welle noch keinen Namen hat? Wenn ja, dann prüfe in jedem Quartalsbericht dieselbe eine Zeile: den finanzierten Auftragsbestand. Wenn nein, ist Zuschauen eine vollkommen respektable Antwort. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in AEVEX-Aktien.

Unser Fazit auf einen Blick

Marktstellung & Technik positiv
AEVEX ist alleiniger Anbieter im Programm EUCOM AOR Deep Strike (Auftragswert über 645,7 Millionen US-Dollar, mehr als 4.800 Fluggeräte), hat über 6.200 Systeme ausgeliefert und ist nach eigenen Angaben bei 84 Prozent aller Programme Primärauftragnehmer. Die hauseigene Software CompassX liefert Navigation und Autonomie ohne Satellitensignal — die Fähigkeit, die in gestörten Umgebungen den Unterschied macht (Börsenprospekt vom 20.04.2026).
Ergebnisentwicklung positiv
Der Umschwung ist echt: Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz auf 216,7 Millionen US-Dollar (Vorjahresquartal 53,3 Millionen), die Rohertragsmarge von 5,7 auf 26,1 Prozent, das Nettoergebnis von minus 27,3 auf plus 21,0 Millionen. Auch das Gesamtjahr 2025 wuchs mit 432,9 Millionen um 10,4 Prozent (Quartalsbericht zum 31.03.2026, Börsenprospekt vom 20.04.2026).
Auftragslage & Planbarkeit negativ
Der finanzierte Auftragsbestand fiel im Rekordquartal von 503,1 auf 356,6 Millionen US-Dollar; 93,0 Prozent davon sollen noch 2026 verbraucht werden, nur 7,0 Prozent verbleiben für 2027 und später. Der eigene Ausblick (600 bis 620 Millionen für 2026) lässt für die restlichen neun Monate im Schnitt 128 bis 134 Millionen je Quartal — das erste Quartal war der Höhepunkt, nicht der Startpunkt (Stand 20.05.2026).
Geldfluss & Bilanz neutral
2025 flossen 97,6 Millionen US-Dollar aus dem laufenden Geschäft ab, im ersten Quartal 2026 weitere 10,4 Millionen trotz Gewinn — Ursache sind Forderungen und noch nicht abgerechnete Arbeit von zusammen 71,4 Millionen Zuwachs. Dem steht eine deutlich entlastete Bilanz gegenüber: rund 258,5 Millionen alte Kredite abgelöst, ein Terminkredit über 100,0 Millionen an ihrer Stelle, Zinsaufwand 2026 erwartet bei rund 13,2 Millionen nach 32,3 Millionen 2025.
Kundenkonzentration negativ
88 Prozent des Umsatzes im ersten Quartal 2026 kamen direkt vom US-Staat, 71 Prozent aller offenen Forderungen entfielen zum 31. März 2026 auf einen einzigen Kunden. Der Prospekt hält fest, dass sämtliche Regierungsverträge jederzeit beendet werden können und ein Teil der Aufträge über kurzfristige Bedarfsmeldungen statt fest etatisierter Programme läuft.
Struktur & Aktionärsrechte negativ
Aus 56.470.333 Class-A-Aktien werden bei vollständigem Tausch 114.041.700; Madison Dearborn Partners kontrolliert rund 70,0 Prozent der Stimmen, AEVEX gilt als „controlled company“ mit erleichterten Aufsichtsregeln. Dazu kommen eine Steuerzusage an die Altgesellschafter über beispielhaft 392,1 Millionen US-Dollar, ein Aktienprogramm über 11.404.170 Aktien und eine Sperrfrist, die am 13. Oktober 2026 ausläuft (Börsenprospekt vom 05.06.2026).

AEVEX ist ein echtes, technisch starkes Rüstungsunternehmen mit einem sehr kurzen Börsenlebenslauf: Erstnotiz am 17. April 2026, ein einziger Quartalsbericht, geprüfte Jahreszahlen nur aus dem Börsenprospekt. Das erste Quartal 2026 war spektakulär — 216,7 Millionen US-Dollar Umsatz nach 53,3 Millionen, 21,0 Millionen Gewinn nach 27,3 Millionen Verlust — und geht laut Bericht im Wesentlichen auf ein einziges Programm zurück, das im selben Quartal den finanzierten Auftragsbestand von 503,1 auf 356,6 Millionen gedrückt hat. Dazu kommen 97,6 Millionen Mittelabfluss im Jahr 2025, 88 Prozent Umsatzanteil eines jederzeit kündigungsberechtigten Kunden und eine Beteiligungsstruktur, in der die halbe Firma außerhalb der gehandelten Aktie liegt. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Offene Fragen

Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.

Für „grün“ fehlt die Wiederholbarkeit, für „rot“ fehlt der Substanzbefund. Das Geschäft funktioniert erkennbar: Der Umsatz wuchs 2025 um 10,4 Prozent auf 432,9 Millionen US-Dollar, das erste Quartal 2026 brachte 216,7 Millionen und 21,0 Millionen Gewinn, das Eigenkapital ist mit 222,1 Millionen positiv, und mit dem Börsengang wurden rund 258,5 Millionen alte Kredite durch einen Terminkredit über 100,0 Millionen ersetzt — der Zinsaufwand soll 2026 auf rund 13,2 Millionen sinken. Offen ist die entscheidende operative Frage: Das Ergebnis hängt an einem einzelnen Großauftrag, dessen Abarbeitung den finanzierten Auftragsbestand im selben Quartal um 146,5 Millionen auf 356,6 Millionen gedrückt hat, von denen 93,0 Prozent noch 2026 verbraucht werden sollen. Dass der eigene Ausblick von 600 bis 620 Millionen für die Restquartale im Schnitt 128 bis 134 Millionen vorsieht, bestätigt das. Dazu kommen der Mittelabfluss von 97,6 Millionen im Jahr 2025 und 10,4 Millionen im ersten Quartal 2026 sowie ein Kunde, der 88 Prozent des Umsatzes stellt und jederzeit kündigen darf. Ein Geschäftsbericht (10-K), der all das über ein volles Jahr als börsennotiertes Unternehmen zeigt, existiert noch nicht — solange bleibt es bei Gelb.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam AEVEX über die Beobachtung frisch notierter US-Aktien, nicht über einen Scanner: Zum Datenstand 28. Juli 2026 steht die Aktie in keiner Liste unseres hauseigenen Aktien-Scanners, weil relative Stärke zwölf Monate Kurshistorie und der Neun-Punkte-Bilanzcheck zwei geprüfte Jahresabschlüsse als börsennotiertes Unternehmen voraussetzen. Die Listen werden täglich neu berechnet.
  • Datenlage und ihre Grenzen: Es gibt noch keinen Geschäftsbericht (10-K), weil das Geschäftsjahr 2025 vor der Erstnotiz endete. Die geprüften Jahreszahlen für 2024 und 2025 stammen aus dem Börsenprospekt 424B4 vom 20.04.2026, die Quartalszahlen aus dem 10-Q zum 31.03.2026 — dem bislang einzigen Periodenbericht. Bilanzzahlen zum 31.03.2026 beziehen sich auf die operative Gesellschaft vor dem Börsengang.
  • Bewertungsangaben datiert und evergreen: Wir rechnen mit 114.041.700 Aktien (vollständiger Tausch aller Beteiligungsanteile) und den drei in SEC-Unterlagen dokumentierten Ankerpreisen 20,00 US-Dollar (20.04.2026), 27,00 US-Dollar (05.06.2026) und dem Schlusskurs 15,21 US-Dollar (28.07.2026). Ein Börsenwert, der nur die 56.470.333 Class-A-Aktien zählt, erfasst rund die Hälfte des Unternehmens nicht und wird hier bewusst nicht verwendet.

Häufige Fragen

AEVEX Corp. (NYSE: AVEX) mit Sitz in Solana Beach, Kalifornien, entwickelt und baut unbemannte Flug- und Wasserfahrzeuge sowie die zugehörige Autonomie-Software CompassX. Kunden sind fast ausschließlich das US-Verteidigungsressort, Spezialkräfte, Nachrichtendienste und verbündete Streitkräfte. Das Unternehmen führt zwei Geschäftsbereiche: Tactical Systems (2025 rund 74,4 Prozent des Umsatzes) und Global Solutions. Zum 31. Dezember 2025 arbeiteten dort rund 650 Menschen.

Weil ein einziges Programm den Sprung erklärt. Der Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 führt den Anstieg von 53,3 auf 216,7 Millionen US-Dollar im Wesentlichen auf das Programm EUCOM AOR Deep Strike zurück — einen Auftrag über mehr als 645,7 Millionen US-Dollar für über 4.800 unbemannte Flugsysteme, bei dem AEVEX alleiniger Anbieter ist. Der Umsatz im Produktgeschäft stieg dadurch um 624,3 Prozent, der Dienstleistungsumsatz ging um 7,2 Prozent zurück.

Weil das Geschäftsjahr 2025 am 31. Dezember 2025 endete und AEVEX erst am 17. April 2026 an der New Yorker Börse zu handeln begann. Für ein Jahr vor der Erstnotiz muss kein Jahresbericht bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht werden. Die geprüften Abschlüsse für 2024 und 2025 stehen deshalb im Börsenprospekt 424B4 vom 20. April 2026. Der erste eigene Geschäftsbericht wird der für das Jahr 2026 sein; bis dahin ist der Quartalsbericht zum 31. März 2026 der einzige Periodenbericht.

Nach der Zweitplatzierung vom 5. Juni 2026 waren 56.470.333 Class-A-Aktien im Umlauf. Weil AEVEX als Up-C-Struktur aufgebaut ist, halten die Altgesellschafter ihre Anteile aber direkt an der operativen Gesellschaft und können sie eins zu eins in Class-A-Aktien tauschen. Bei vollständigem Tausch wären es laut Prospekt 114.041.700 Aktien. Wer den Börsenwert nur aus den Class-A-Aktien berechnet, erfasst rund die Hälfte des Unternehmens nicht.

Es ist eine Vereinbarung, mit der sich AEVEX verpflichtet, 85 Prozent der Steuervorteile, die durch den Anteilstausch der Altgesellschafter entstehen, in bar an genau diese Altgesellschafter auszuzahlen; nur 15 Prozent bleiben im Unternehmen. Der Prospekt vom 5. Juni 2026 rechnet vor, dass bei vollständigem Tausch zum damaligen Platzierungspreis von 27,00 US-Dollar eine Verbindlichkeit von rund 392,1 Millionen US-Dollar entstünde, und nennt die Zahlungen ausdrücklich „substantial“.

Sehr stark. Im ersten Quartal 2026 kamen 88 Prozent des Umsatzes direkt vom US-Staat und seinen Behörden, im Vorjahresquartal 68 Prozent, im Gesamtjahr 2025 78 Prozent. Auf einen einzigen Kunden entfielen zum 31. März 2026 71 Prozent aller offenen Forderungen. Der Prospekt hält außerdem fest, dass sämtliche Verträge mit der US-Regierung von dieser jederzeit beendet werden können und ein Teil der Aufträge über kurzfristige Bedarfsmeldungen statt fester Programme läuft.

Der Börsengang wurde am 20. April 2026 vollzogen: 18.400.000 Class-A-Aktien zu 20,00 US-Dollar, Nettoerlös rund 345,9 Millionen nach 22,1 Millionen Bankprovision. Das Geld floss überwiegend in die Ablösung alter Kredite von rund 258,5 Millionen. Am 5. Juni 2026 folgte eine Zweitplatzierung von 8.000.000 Aktien zu 27,00 US-Dollar; die dem Unternehmen zufließenden rund 148,8 Millionen wurden laut Prospekt vollständig für den Rückkauf von Anteilen der Altgesellschafter verwendet.

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