ACADIA Pharmaceuticals: 391 Millionen Gewinn — und 252 davon kamen vom Finanzamt
Nach acht Verlustjahren meldete ACADIA Pharmaceuticals 2024 und 2025 Gewinne — und beide kamen von außen. 2024 hoben 146,5 Millionen US-Dollar aus dem Verkauf eines FDA-Gutscheins das Betriebsergebnis, 2025 machte eine Steuergutschrift über 252,1 Millionen aus 138,9 Millionen Vorsteuergewinn die gemeldeten 391,0 Millionen. Im ersten Quartal 2026 stand operativ wieder ein Minus von 4,6 Millionen. Darunter wächst trotzdem ein echtes Geschäft mit zwei Medikamenten — nur läuft für das wichtigere davon eine Patentuhr, die vor einem Gericht in Delaware gestellt wird. Wir sortieren deshalb Zeile für Zeile, was dieses Unternehmen selbst verdient hat — und was ihm zugeflogen ist.
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Es gibt eine Anleger-Falle, die genau deshalb funktioniert, weil sie so vernünftig aussieht: die Schlusszeilen-Falle. Wir lesen eine Gewinn- und Verlustrechnung von unten nach oben. Ganz unten steht der Nettogewinn, und weil er am Ende steht, wirkt er wie das Fazit — als hätte jemand die ganze Arbeit des Jahres zu einer einzigen ehrlichen Zahl zusammengefasst. Bei ACADIA Pharmaceuticals Inc. (NASDAQ: ACAD) aus San Diego steht dort für 2025 eine sehr schöne Zahl: 391,0 Millionen US-Dollar Gewinn, nach einem Verlust von 61,3 Millionen im Jahr 2023. Zwei Zeilen darüber steht die unschönere Wahrheit: Vor Steuern waren es 138,9 Millionen. Die Differenz ist keine Leistung, sondern eine Buchung.
Machen wir also einen Deal: Bevor wir uns von einer Schlusszeile überzeugen lassen, lesen wir gemeinsam nach, was ACADIA der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Geschäftsbericht (10-K) für 2025, den Quartalsbericht (10-Q) zum 31. März 2026 und jede Meldung danach. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich; er muss auch das erzählen, was in einer Pressemitteilung nie vorkommt. Und dieser erzählt von zwei Medikamenten, die wirklich wachsen, von zwei Gewinnjahren, die zwei Einmaleffekten gehören, und von einer Uhr, die in einem Gerichtssaal in Delaware gestellt wird.
Was ACADIA Pharmaceuticals eigentlich macht — zwei Medikamente, kein drittes
Das Geschäftsmodell passt in einen Satz, und dieser Satz ist zugleich der wichtigste Befund der Analyse: ACADIA verkauft genau zwei zugelassene Medikamente, beide für Erkrankungen des Nervensystems, beide fast ausschließlich in Nordamerika.
Das erste heißt NUPLAZID (Wirkstoff Pimavanserin). Es behandelt Halluzinationen und Wahnvorstellungen, die bei Parkinson-Patienten auftreten — nach Angaben des Unternehmens erleben rund die Hälfte aller Parkinson-Kranken im Verlauf ihrer Erkrankung solche Psychosen. NUPLAZID war das erste und ist bis heute das einzige Präparat, das die US-Arzneimittelbehörde FDA für genau diese Indikation zugelassen hat. 2025 brachte es 680,1 Millionen US-Dollar Nettoumsatz.
Das zweite heißt DAYBUE (Wirkstoff Trofinetide) und behandelt das Rett-Syndrom, eine sehr seltene genetische Erkrankung, die fast nur Mädchen trifft und schwere Behinderungen verursacht. DAYBUE ist seit 2023 in den USA zugelassen und brachte 2025 391,4 Millionen US-Dollar. Wichtig für das Verständnis der Marge: DAYBUE gehört ACADIA nicht allein. Der Wirkstoff ist vom australischen Unternehmen Neuren Pharmaceuticals einlizenziert — ACADIA darf ihn verkaufen und zahlt dafür laufend Lizenzgebühren.
Gegründet wurde die Firma 1993 in Vermont unter dem Namen Receptor Technologies, Inc.; seit 1997 ist sie eine Delaware-Gesellschaft mit Hauptsitz in San Diego, dazu Standorte in Princeton (New Jersey) und ein europäisches Hauptquartier in Zug in der Schweiz. Zum 31. Dezember 2025 arbeiteten dort 798 Menschen, davon 796 in Vollzeit. Abgerechnet wird nach dem Kalenderjahr, geprüft von Ernst & Young LLP.
Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Das Geschäft dreht wirklich — aber die Zahl, an der man den Turnaround am liebsten festmachen würde, misst ihn nicht. Zweimal hintereinander hat ein Einmaleffekt die Schlusszeile gemacht, und der wichtigere der beiden Umsatzträger verteidigt seinen Patentschutz derzeit vor Gericht.
Wo die Aktie auf unseren Tisch kam — Wende-Check 6 von 8, aber nicht in den sichtbaren 25
ACADIA ist uns nicht über eine Pressemitteilung aufgefallen, sondern über eine Rangliste unseres hauseigenen Aktien-Scanners. In der Liste Turnaround-Kandidaten (US-Auswahl) ist der Titel am 27. Juli 2026 ein Treffer und erreicht im sogenannten Wende-Check 6 von 8 Punkten. Und hier gleich die erste ehrliche Einschränkung, bevor irgendjemand den Eindruck bekommt, wir hätten einen Spitzenreiter gefunden: Die Detailseite zeigt nur die 25 stärksten Treffer — ACADIA steht darunter und ist dort nicht zu sehen.
Wir haben deshalb selbst gezählt, getrennt für beide Ausgaben unseres Magazins: 60 US-Treffer auf beiden Marken — und einen exakten Platz nennen wir bewusst nicht. Der Grund ist präzise: 44 der 60 Treffer haben exakt dieselben 6 Punkte. Innerhalb dieser Gleichstandsgruppe entscheidet nur noch die Sortierreihenfolge der Datenbank, und die ändert sich mit jeder nächtlichen Neuberechnung. Ehrlich ist deshalb keine einzelne Platzziffer, sondern: ACADIA liegt in der Spanne Platz 17 bis 60 — im großen Mittelfeld, gemeinsam mit fast drei Vierteln der Liste. Die Listen werden täglich neu berechnet.
Wie die Liste funktioniert, lohnt sich in Alltagssprache, weil sie zwei sehr unterschiedliche Dinge prüft. Zuerst kommen die beiden Pflicht-Säulen, und wer eine davon reißt, fliegt sofort heraus. Säule 1 — der Absturz: Die Aktie muss mindestens 50 Prozent unter ihrem Allzeithoch notieren. Ohne echten Absturz kein Turnaround. Säule 2 — das Überleben: Der Altman-Z-Score muss außerhalb der Gefahrenzone liegen, es darf höchstens ein Bilanz-Warnsignal geben, und das Eigenkapital muss positiv sein. Erst danach zählt der Wende-Check, eine Checkliste mit acht Punkten: vier für die operative Wende (Umsatz nicht mehr rückläufig, Nettomarge über dem Stand von vor drei Quartalen, Mittelfluss dreht, Bilanz heilt) und vier für die Markt-Bestätigung (Kurs über der 50-Tage-Linie, relative Stärke der letzten drei Monate besser als die der letzten zwölf, Insider kaufen netto, große Fonds stocken auf).
Bei ACADIA sitzen die zwei fehlenden Punkte genau dort, wo man sie nach dem bisher Gelesenen erwarten würde. Die Nettomarge fiel von 10,1 Prozent im zweiten Quartal 2025 auf 1,4 Prozent im ersten Quartal 2026 — kein Punkt. Und die Insider kaufen nicht: Im gespeicherten Datenbestand stehen null Käufe gegen neun Verkäufe, zuletzt am 7. April 2026 durch zwei Führungskräfte zu 22,20 US-Dollar. Die sechs Punkte, die ACADIA holt, sind Umsatzwachstum (plus 9,7 Prozent im jüngsten Quartal), positiver operativer Mittelfluss (34,0 Millionen US-Dollar), heilende Bilanz, Kurs über der 50-Tage-Linie, relative Stärke der letzten drei Monate über der der letzten zwölf und institutionelle Zuflüsse.
Weil die Pflicht-Säulen Tatsachenbehauptungen über unseren eigenen Datenbestand sind, haben wir sie gegengerechnet. Der gespeicherte Abstand zum Allzeithoch beträgt −59,02 Prozent. Wir haben die vollständige Kurshistorie seit dem Börsengang 2004 nachgemessen: Der höchste je erreichte Schlusskurs lag am 7. Juli 2020 bei 57,00 US-Dollar; gegen den Schlusskurs vom 24. Juli 2026 von 24,84 US-Dollar sind das −56,4 Prozent. Beide Werte liegen deutlich jenseits der 50-Prozent-Schwelle, die Abweichung erklärt sich aus unterschiedlichen Stichtagen und daraus, dass die gespeicherte Reihe Höchstkurse innerhalb des Tages berücksichtigt. Der Befund ändert sich nicht.
Auch den Altman-Z-Score von 6,96 haben wir am Jahresabschluss 2025 nachgerechnet und kommen mit der klassischen Formel auf 6,95 — bestätigt. Interessant ist, woher dieser gute Wert kommt. Er lebt zu großen Teilen vom Börsenwert: Der Marktwert des Eigenkapitals ist fast das Zwölffache aller Verbindlichkeiten. Die Bilanzsubstanz zieht dagegen kräftig nach unten, denn der aufgelaufene Verlustvortrag von 1.813,4 Millionen US-Dollar ist größer als die gesamte Bilanzsumme. Merke: Ein Altman-Z, der vom Kurs getragen wird, fällt mit dem Kurs.
Und noch ein Befund, den wir nicht unterschlagen: ACADIA steht am selben Stichtag auch auf der Risiko-Liste Beneish M-Score. Der Wert liegt bei −0,81 und damit über der Warnschwelle von −1,78. Das ist kein Beweis für irgendetwas — der M-Score misst acht Bilanz-Verhältnisse zweier Jahresabschlüsse und schlägt bei sprunghaften Veränderungen an. Genau die hatte ACADIA 2025, und wir wissen inzwischen, warum. Aber es ist ein guter Grund, die Bilanz besonders genau zu lesen. Also tun wir das.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Erst das, was wirklich für ACADIA spricht, und es ist mehr, als die Diskussion um Einmaleffekte vermuten lässt. Der Umsatz ist in sechs Jahren von 441,8 Millionen US-Dollar (2020) auf 1.071,5 Millionen (2025) gestiegen — mehr als eine Verdoppelung, ohne einen einzigen Rückschlag dazwischen: 484,1, 517,2, 726,4, 957,8, 1.071,5. Das ist kein Strohfeuer, das ist eine Kurve.
Die Bruttomarge ist die eines Pharmaunternehmens mit patentgeschützten Präparaten: Die Herstellkosten lagen 2025 bei 89,0 Millionen US-Dollar auf 1.071,5 Millionen Umsatz — 91,7 Prozent Bruttomarge. Im ersten Quartal 2026 waren es 90,8 Prozent. Jeder zusätzlich verkaufte Karton kostet fast nichts; teuer sind Forschung (328,8 Millionen im Jahr 2025, 30,7 Prozent vom Umsatz) und Vertrieb (548,9 Millionen, 51,2 Prozent).
Und der Turnaround selbst ist echt, das soll ausdrücklich so stehen bleiben. Bis 2023 verbrannte ACADIA Geld: minus 281,6 Millionen US-Dollar Nettoverlust im Jahr 2020, minus 167,9 (2021), minus 216,0 (2022), minus 61,3 (2023). Der operative Mittelfluss war in allen diesen Jahren negativ — 2022 flossen 114,0 Millionen ab. Seit 2024 kommt Geld herein: plus 157,7 Millionen (2024) und plus 109,8 Millionen (2025) operativ, dazu 34,0 Millionen allein im ersten Quartal 2026. Der Bestand an Kasse und Wertpapieren stieg von 819,7 Millionen zum Jahresende 2025 auf 851,5 Millionen zum 31. März 2026. Das ist eine Firma, die sich selbst trägt — und das war sie vor drei Jahren nicht.
Wer diese Kurve mit einem Nachbarn vergleichen will: In unserer Analyse zu Neurocrine Biosciences steht ein sehr ähnliches Muster — ein Konzern für Nervenerkrankungen, dessen Umsatz an wenigen Präparaten hängt und dessen wichtigste Frage ebenfalls lautet, was nach dem Patentablauf kommt.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Zwei Gewinnjahre, zwei Einmaleffekte
Fangen wir mit 2025 an, weil dort die Zahl steht, die alle zitieren. Der Weg vom Umsatz zum gemeldeten Gewinn sieht so aus:
Der Mechanismus dahinter ist erklärbar und völlig regelkonform. Wer jahrelang Verluste macht, sammelt latente Steueransprüche an — vereinfacht: Gutschriften, die man später mit Gewinnen verrechnen darf. Solange unklar ist, ob je Gewinne kommen, muss man diese Ansprüche in der Bilanz abwerten. Kommen die Gewinne, darf man die Abwertung auflösen. Genau das ist Ende 2025 passiert, und ACADIA schreibt es selbst:
„As of December 31, 2025, in part because in the current year the Company achieved three years of cumulative pretax income, management determined that there is sufficient positive evidence to conclude that it is more likely than not that deferred taxes of $249.9 million are realizable. Accordingly, the valuation allowance was reduced by $340.4 million.“
Übersetzung: „Zum 31. Dezember 2025 kam das Management — auch weil das Unternehmen im laufenden Jahr drei Jahre kumulierte Vorsteuergewinne erreicht hat — zu dem Schluss, dass ausreichend positive Belege dafür vorliegen, dass latente Steuern von 249,9 Millionen US-Dollar realisierbar sind. Die Wertberichtigung wurde entsprechend um 340,4 Millionen US-Dollar verringert.“
— ACADIA Pharmaceuticals Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Note 13 Income Taxes
Und 2024? Auch dieses Jahr war kein reines Betriebsjahr. Im Betriebsergebnis von 230,8 Millionen US-Dollar steckt ein Posten namens „Gain on sale of non-financial asset" über 146,5 Millionen. Dahinter steht ein Gutschein: Wer in den USA ein Medikament gegen eine seltene Kinderkrankheit zugelassen bekommt, erhält von der FDA einen Priority Review Voucher — das Recht, ein beliebiges anderes Zulassungsverfahren beschleunigen zu lassen. Diese Gutscheine sind handelbar, und ACADIA hat seinen verkauft.
Rechnen wir die beiden Jahre also ohne Einmaleffekte. 2024: 230,8 Millionen Betriebsergebnis minus 146,5 Millionen Gutscheinerlös = 84,3 Millionen aus dem laufenden Geschäft. 2025: 104,8 Millionen, ohne jeden Sonderposten. Das ist ein Zuwachs von 24,4 Prozent — solide, aber eben etwas völlig anderes als der Sprung von 226,5 auf 391,0 Millionen, den die Schlusszeile suggeriert. Merke: Wenn zwei Jahre hintereinander von einem anderen Einmaleffekt getragen werden, ist die Vergleichbarkeit nicht gestört, sondern aufgehoben.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Das erste Quartal 2026 war operativ rot
Vom 1. Januar bis zum 31. März 2026 setzte ACADIA 268,1 Millionen US-Dollar um, nach 244,3 Millionen im Vorjahresquartal — plus 9,7 Prozent, getragen vor allem von DAYBUE (101,1 nach 84,6 Millionen, plus 19,6 Prozent), während NUPLAZID mit 166,9 nach 159,7 Millionen nur um 4,5 Prozent zulegte. Trotzdem stand unter dem Betriebsergebnis ein Minus von 4,6 Millionen, nach einem Plus von 19,3 Millionen ein Jahr zuvor. Unter dem Strich blieben 3,6 Millionen Gewinn — und die nur, weil Zinserträge von 8,1 Millionen den operativen Verlust auffingen.
Die Ursache steht in einer einzigen Zeile, und das Unternehmen benennt sie selbst:
44,6 Millionen US-Dollar mehr Vertriebs- und Verwaltungsaufwand in einem einzigen Quartal — das ist ein Plus von 35,3 Prozent, während der Umsatz um 9,7 Prozent wuchs. Der Anteil dieser Kosten am Quartalsumsatz stieg von 51,7 auf 63,8 Prozent. Die Gegenprobe im Vorjahr zeigt, dass es kein Saisoneffekt ist: Im ersten Quartal 2025 lag der Anteil bei 51,7 Prozent, im gesamten Jahr 2025 bei 51,2 Prozent. Die Forschungsausgaben sanken im selben Zeitraum sogar leicht, von 78,3 auf 76,9 Millionen.
Das kann eine gute Investition sein — ACADIA nennt als Grund ausdrücklich „increased investments to support continued growth of NUPLAZID and DAYBUE". Es kann aber auch bedeuten, dass Wachstum inzwischen teurer eingekauft werden muss als früher. Welche der beiden Erklärungen stimmt, entscheidet sich in den nächsten Quartalsberichten an einer einzigen Frage: Wächst der Umsatz schneller als diese Kostenzeile — oder nicht?
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Die Patentuhr läuft, und ein Gericht stellt sie
Für ein Pharmaunternehmen mit zwei Produkten ist der Patentschutz keine Fußnote, sondern das Geschäftsmodell. Bei NUPLAZID sieht der Fahrplan so aus, wörtlich aus dem Geschäftsbericht:
„The composition of matter patent covering pimavanserin and salts thereof currently has an expiration date in 2030, including a patent term extension approved by the U.S. Patent and Trademark Office. The patents covering the polymorph form and the use of pimavanserin or NUPLAZID for our approved indication are currently set to expire between 2026 and 2028.“
Übersetzung: „Das Stoffpatent, das Pimavanserin und seine Salze abdeckt, läuft derzeit 2030 ab, einschließlich einer vom US-Patentamt genehmigten Laufzeitverlängerung. Die Patente auf die polymorphe Form und auf die Anwendung von Pimavanserin beziehungsweise NUPLAZID in unserer zugelassenen Indikation laufen derzeit zwischen 2026 und 2028 aus.“
— ACADIA Pharmaceuticals Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1 Business, Intellectual Property
Jetzt kommt die Wendung, die man kennen muss, sonst versteht man die Aktie falsch: Die Patentlaufzeit ist nicht dasselbe wie der Zeitpunkt, an dem Nachahmer auf den Markt dürfen. Seit 2020 verklagt ACADIA Generikahersteller, die eine verkürzte Zulassung (ANDA) für Pimavanserin beantragt haben. Zwei dieser Verfahren endeten mit Vergleichen, und diese Vergleiche nennen konkrete Starttermine:
„The agreement allows Hetero to launch its generic pimavanserin product on February 27, 2038, subject to certain triggers for earlier launch.“
Übersetzung: „Die Vereinbarung erlaubt Hetero, sein generisches Pimavanserin-Produkt am 27. Februar 2038 auf den Markt zu bringen, vorbehaltlich bestimmter Auslöser für einen früheren Marktstart.“
— ACADIA Pharmaceuticals Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 3 Legal Proceedings
Für Zydus gilt seit dem Vergleich vom 31. März 2023 der 23. September 2036 für 10-Milligramm-Tabletten und der 27. Februar 2038 für 34-Milligramm-Kapseln. Gegen MSN Laboratories und Aurobindo hat ACADIA vor Gericht gewonnen — am 11. Januar 2024 und erneut am 9. Juni 2025 —, doch beide sind in Berufung gegangen; die Schriftsätze waren am 19. Dezember 2025 vollständig, ein Verhandlungstermin stand zum 7. Mai 2026 noch aus. Und am 2. November 2026 beginnt ein neuer Prozess gegen Zydus wegen einer 34-Milligramm-Tablette, die der Vergleich von 2023 nach Ansicht von ACADIA nicht abdeckt.
Für DAYBUE ist die Uhr kürzer: Das Anwendungspatent für die Behandlung des Rett-Syndroms läuft 2032 aus und könnte auf Antrag bis Januar 2036 verlängert werden. Und die Frage, wovon ACADIA nach dem Patentende leben soll, hat bisher keine belegte Antwort. Der aussichtsreichste Kandidat ist Remlifanserin (früher ACP-204) gegen Psychosen bei Alzheimer und Lewy-Body-Demenz — Stand Quartalsbericht in Phase 2, mit einem Stoffpatent bis 2038. Der zweite große Hoffnungsträger ist bereits gescheitert: Die Phase-3-Studie COMPASS PWS mit ACP-101 gegen Heißhunger beim Prader-Willi-Syndrom verfehlte im September 2025 ihren primären Endpunkt und wurde eingestellt. Zwischen dem letzten geschützten Umsatzjahr und dem ersten Jahr, in dem ein neues Präparat trägt, klafft nach heutigem Stand eine Lücke. Wie so eine Lücke aussieht, wenn sie erst einmal da ist, haben wir in unserer Analyse zu Biogen beschrieben — ein Konzern, dessen alte Umsatzträger von Nachahmern eingeholt wurden, bevor die neuen groß genug waren.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Europa hat vorerst Nein gesagt
DAYBUE ist bisher fast ausschließlich ein nordamerikanisches Geschäft. Der Weg nach Europa sollte die zweite Wachstumsstufe werden — im Januar 2025 reichte ACADIA einen Zulassungsantrag für Trofinetide in der EU ein. Er wurde abgelehnt:
ACADIA hat eine erneute Prüfung beantragt und schrieb im Geschäftsbericht 2025, man bereite sich auf einen möglichen Marktstart im dritten Quartal 2026 vor. Ob das gelingt, war zum jüngsten geprüften Bericht offen; das Unternehmen selbst schreibt, das Ergebnis der erneuten Prüfung könne ungünstig ausfallen. Anderswo läuft es besser: Kanada erteilte im Oktober 2024 eine Zulassung, Israel im Dezember 2025, in Japan läuft eine Phase-3-Studie mit Ergebnissen für das vierte Quartal 2026 oder das erste Quartal 2027.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Von jedem DAYBUE-Dollar geht ein zweistelliger Anteil nach Australien
DAYBUE steht 2025 für 36,5 Prozent des Konzernumsatzes — aber nicht für 36,5 Prozent des Ertrags. Der Wirkstoff ist von Neuren Pharmaceuticals einlizenziert, und die Lizenzstaffel steht im Geschäftsbericht: In Nordamerika zahlt ACADIA 10 Prozent auf die ersten 250 Millionen US-Dollar Jahresumsatz, 12 Prozent bis 500 Millionen, 14 Prozent bis 750 Millionen und 15 Prozent darüber. Bei 391,4 Millionen Jahresumsatz 2025 liegt DAYBUE damit in der 12-Prozent-Stufe. Außerhalb Nordamerikas wird es deutlich teurer:
„we will be required to pay Neuren tiered royalties from the mid-teens to low-twenties percent based on net sales of trofinetide and NNZ-2591.“
Übersetzung: „Wir werden verpflichtet sein, Neuren gestaffelte Lizenzgebühren von mittleren Zehner- bis niedrigen Zwanziger-Prozentsätzen auf die Nettoumsätze von Trofinetide und NNZ-2591 zu zahlen.“
— ACADIA Pharmaceuticals Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für 2025, Item 1 Business, Lizenzvereinbarung mit Neuren
Dazu kommen Meilensteinzahlungen: bis zu 426,3 Millionen US-Dollar für Trofinetide außerhalb Nordamerikas und bis zu 831,3 Millionen für den Entwicklungskandidaten NNZ-2591, dazu die nach Umsatzschwellen gestaffelten Beträge — 50 Millionen ab 500 Millionen Jahresumsatz, 100 Millionen ab 750 Millionen, 150 Millionen ab einer Milliarde. Das ist keine versteckte Falle, sondern der Preis dafür, dass ACADIA das Präparat nicht selbst erfunden hat. Aber es erklärt, warum ein europäischer Markterfolg für ACADIA weniger wert wäre als eine gleich große Umsatzsteigerung in den USA.
Bewertung — was die Börse gerade bezahlt
Zum Schlusskurs vom 24. Juli 2026 von 24,84 US-Dollar und 171.235.870 ausstehenden Aktien lag der Börsenwert bei rund 4,25 Milliarden US-Dollar. Das ist ein Kurs-Umsatz-Verhältnis von rund 4,0 auf den Jahresumsatz 2025 und rund das 3,4-Fache des Buchwerts (Eigenkapital 1.248,1 Millionen zum 31. März 2026).
Beim Kurs-Gewinn-Verhältnis wird es lehrreich. Auf Basis der letzten zwölf Monate liegt es bei rund 11 — das sieht sehr günstig aus. Nur steckt in diesem Gewinn die Steuergutschrift von 252,1 Millionen. Rechnet man stattdessen mit der Analystenschätzung für das laufende Geschäftsjahr, ergibt sich ein Vielfaches von rund 74. Zwischen diesen beiden Zahlen liegt kein Rechenfehler, sondern genau der Einmaleffekt, um den es in dieser Analyse geht. Ein KGV von 11, das auf einer Steuerbuchung beruht, ist kein Schnäppchen — es ist ein Messfehler.
Ein zweiter Anker: Zieht man die 851,5 Millionen US-Dollar Kasse und Wertpapiere ab, bewertet die Börse das operative Geschäft mit rund 3,4 Milliarden US-Dollar — beim Betriebsergebnis 2025 von 104,8 Millionen also mit dem gut 32-Fachen. Das ist kein Preis für ein Unternehmen, dem man Stillstand zutraut; darin steckt eine Erwartung an Remlifanserin, an Europa und daran, dass die Patente halten.
Der Blick der Profis, eingeordnet und nicht als Wahrheit verstanden: 20 Analystenhäuser führen den Titel mit einem Konsens-Kursziel von 32,80 US-Dollar — 7-mal starkes Kaufen, 6-mal Kaufen, 6-mal Halten, 1-mal Verkaufen (Datenstand 26. Juli 2026). Dem stehen rund 11,0 Millionen leerverkaufte Aktien gegenüber, gut 10 Prozent des Streubesitzes. Institutionelle halten 98,9 Prozent, Insider 0,3 Prozent. Beim Piotroski-Score, der neun Bilanz- und Ertragskriterien abfragt, weist unser Datenbestand 5 von 9 aus; unsere eigene Nachrechnung am Jahresabschluss 2025 gegen 2024 kommt auf 6 von 9. Nicht bestanden haben in beiden Fällen dieselben Punkte: Der operative Mittelfluss lag unter dem Nettogewinn, die Aktienzahl stieg, und die Kapitalumschlagsgeschwindigkeit sank. 6 von 9 ist Mittelfeld — eine kerngesunde Firma steht bei 8 oder 9.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was dafür spricht:
- Der Umsatz wächst ohne Unterbrechung: von 441,8 Millionen US-Dollar (2020) auf 1.071,5 Millionen (2025), im ersten Quartal 2026 weitere 9,7 Prozent.
- Das Geschäft trägt sich selbst: operativ plus 157,7 Millionen (2024), plus 109,8 Millionen (2025) und plus 34,0 Millionen im ersten Quartal 2026 — nach vier Jahren mit Mittelabfluss.
- Marge einer Pharmafirma: 91,7 Prozent Bruttomarge 2025, 90,8 Prozent im ersten Quartal 2026.
- Bilanz ohne Sorgen: 1.248,1 Millionen US-Dollar Eigenkapital gegen 357,2 Millionen Verbindlichkeiten, 851,5 Millionen Kasse und Wertpapiere, Eigenkapitalquote 77,8 Prozent, Altman-Z 6,96 (alles 31. März 2026 beziehungsweise Datenstand 26. Juli 2026).
- Konkurrenzloses Hauptprodukt: NUPLAZID ist nach Unternehmensangaben das einzige von der FDA für Psychosen bei Parkinson zugelassene Präparat.
- Zwei Nachahmer sind bis 2036/2038 gebunden: Vergleiche mit Hetero und Zydus legen Marktstarttermine fest, gegen MSN und Aurobindo hat ACADIA in erster Instanz gewonnen.
Was dagegen spricht:
- Beide Gewinnjahre hängen an Einmaleffekten: 146,5 Millionen US-Dollar Gutscheinverkauf 2024, 252,1 Millionen Steuergutschrift 2025 — 2025 ohne Sonderposten blieben 104,8 Millionen Betriebsergebnis.
- Das jüngste Quartal war operativ rot: minus 4,6 Millionen US-Dollar, weil die Vertriebs- und Verwaltungskosten um 35,3 Prozent auf 171,0 Millionen sprangen.
- Zwei Produkte, kein drittes: NUPLAZID und DAYBUE stehen für 100 Prozent des Umsatzes; der Phase-3-Kandidat ACP-101 scheiterte im September 2025.
- Patentuhr mit Gerichtstermin: Stoffpatent bis 2030, Anwendungspatente 2026 bis 2028; Prozess gegen Zydus ab 2. November 2026, Berufung von MSN und Aurobindo offen.
- Europa vorerst verschlossen: negative CHMP-Stellungnahme im Februar 2026, erneute Prüfung beantragt, Ausgang offen.
- Lizenzabfluss: 10 bis 15 Prozent der DAYBUE-Umsätze in Nordamerika gehen an Neuren, außerhalb Nordamerikas mittlere Zehner- bis niedrige Zwanziger-Prozentsätze.
- Ein Steuerguthaben in der Bilanz: 249,6 Millionen US-Dollar latente Steueransprüche zum 31. März 2026 — 15,6 Prozent der Bilanzsumme, werthaltig nur bei künftigen Gewinnen.
- Verkaufsdruck möglich: 43.576.075 Aktien der Baker Entities sind seit dem 23. Mai 2025 für den Weiterverkauf registriert, rund 26 Prozent des Unternehmens.
Ein menschliches Fazit
Zurück zur Schlusszeilen-Falle vom Anfang. Sie ist deshalb so hartnäckig, weil sie nicht auf Gier beruht, sondern auf einem völlig gesunden Bedürfnis: Wir wollen eine Zahl, die alles sagt. Bei ACADIA gibt es diese Zahl nicht. Es gibt 391,0 Millionen US-Dollar Nettogewinn, und es gibt 104,8 Millionen Betriebsergebnis, und beide sind wahr — sie messen nur verschiedene Dinge.
Das Ehrliche an diesem Fall ist, dass die Wende trotzdem stattgefunden hat. Ein Unternehmen, das 2022 noch 114 Millionen US-Dollar operativ verbrannte und heute Geld ansammelt, hat wirklich etwas geschafft. Nur ist es eine langsamere, unspektakulärere Wende als die, die die Schlusszeile erzählt — und sie kommt jetzt an die Stelle, an der die einfachen Wachstumsjahre vorbei sind: Der Vertrieb wird teurer, Europa hat Nein gesagt, und die Patente sind Verhandlungsmasse in Delaware geworden.
Die entscheidende Frage steht in den nächsten Quartalsberichten, und sie ist erfreulich einfach: Kommt das Betriebsergebnis ohne Sonderposten und ohne Zinserträge wieder ins Plus — und wächst der Umsatz schneller als die Vertriebskosten? Wenn ja, war das erste Quartal 2026 eine Investition. Wenn nein, war es der Moment, in dem sichtbar wurde, was ein Zwei-Produkt-Portfolio kostet, wenn es älter wird. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
- ACADIA Pharmaceuticals Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2025 (eingereicht am 26. Februar 2026), CIK 0001070494 — Item 1 Business (Produkte, Pipeline, Patente, Lizenzvereinbarung mit Neuren, Beschäftigte), Item 1A Risk Factors, Item 3 Legal Proceedings, Item 7 MD&A sowie Anhang Note 9 und Note 13.
- ACADIA Pharmaceuticals Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 31. März 2026 (eingereicht am 7. Mai 2026) — Zwischenbilanz, Gewinn- und Verlustrechnung, Item 1A Risk Factors, Item 2 MD&A und Anhang Note 9; Aktienzahl vom Deckblatt (Stand 29. April 2026).
- ACADIA Pharmaceuticals Inc., SEC-Geschäftsbericht 10-K für das Geschäftsjahr 2024 (eingereicht am 27. Februar 2025) — Vergleichszahlen der Jahre 2022 bis 2024 und Produktumsätze 2023.
- ACADIA Pharmaceuticals Inc., SEC-Ad-hoc-Meldung 8-K vom 29. Mai 2026 — Item 5.02 und 5.07, Ergebnisse der Hauptversammlung: Wahl von drei Verwaltungsräten, Bestätigung von Ernst & Young LLP als Abschlussprüfer für 2026 und Aufstockung des Aktienvergütungsplans 2024 um 5.209.670 Aktien.
- ACADIA Pharmaceuticals Inc., SEC-Registrierung S-8 vom 10. Juni 2026 — Registrierung der auf der Hauptversammlung freigegebenen Aktien für den Vergütungsplan.
- Ranglisten des hauseigenen Aktien-Scanners: Turnaround-Kandidaten (US-Auswahl, Wende-Check 6 von 8, 60 US-Treffer auf beiden Marken, davon 44 punktgleich — kein exakter Platz, sondern die Spanne Platz 17 bis 60) und Beneish M-Score (Wert −0,81 gegen eine Warnschwelle von −1,78), Stand 27. Juli 2026; die Listen werden täglich neu berechnet.
- Fundamentaldaten (Börsenwert, Bewertungskennzahlen, Analystenkonsens, Zwölf-Monats-Spanne, Leerverkaufsstand, Aktionärsstruktur, Insider-Geschäfte, Altman-Z- und Piotroski-Score), Datenstand 26. Juli 2026, Schlusskurs vom 24. Juli 2026.
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Unternehmensdaten und ausdrücklich keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Aufforderung zum Erwerb oder zur Veräußerung von Wertpapieren. Aktien können jederzeit erheblich an Wert verlieren; ein Totalverlust ist möglich. Alle Zahlen stammen aus den oben verlinkten Originalquellen und tragen den dort genannten Stichtag. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in der besprochenen Aktie.
Unser Fazit auf einen Blick
- Umsatz und Marge positiv
- Der Umsatz stieg ohne Unterbrechung von 441,8 Millionen US-Dollar (2020) auf 1.071,5 Millionen (2025) und legte im ersten Quartal 2026 um weitere 9,7 Prozent auf 268,1 Millionen zu. Die Bruttomarge lag 2025 bei 91,7 Prozent und im ersten Quartal 2026 bei 90,8 Prozent — das Niveau eines Pharmaunternehmens mit patentgeschützten Präparaten.
- Qualität des Gewinns negativ
- Beide Gewinnjahre hängen an Einmaleffekten: 2024 an 146,5 Millionen US-Dollar aus dem Verkauf eines FDA-Gutscheins, 2025 an einer Steuergutschrift von 252,1 Millionen aus der Auflösung einer Wertberichtigung über 340,4 Millionen. Ohne Sonderposten blieben 2024 ein Betriebsergebnis von 84,3 und 2025 von 104,8 Millionen; im ersten Quartal 2026 waren es minus 4,6 Millionen.
- Produktkonzentration negativ
- NUPLAZID und DAYBUE stehen für 100 Prozent des Umsatzes, NUPLAZID allein für 63,5 Prozent (2025). Ein drittes zugelassenes Produkt gibt es nicht; der Phase-3-Kandidat ACP-101 verfehlte im September 2025 seinen primären Endpunkt und wurde eingestellt. Der aussichtsreichste Nachfolger Remlifanserin stand zum Quartalsbericht vom 7. Mai 2026 in Phase 2.
- Patentschutz neutral
- Das Stoffpatent auf Pimavanserin endet 2030, Polymorph- und Anwendungspatente zwischen 2026 und 2028. Vergleiche binden Hetero bis zum 27. Februar 2038 und Zydus bis zum 23. September 2036 beziehungsweise 27. Februar 2038. Offen sind die Berufung von MSN und Aurobindo, deren Schriftsätze seit dem 19. Dezember 2025 vollständig sind, und ein Prozess gegen Zydus ab dem 2. November 2026.
- Bilanz positiv
- Zum 31. März 2026 standen 1.248,1 Millionen US-Dollar Eigenkapital gegen 357,2 Millionen Verbindlichkeiten, dazu 851,5 Millionen Kasse und Wertpapiere nach 819,7 Millionen zum Jahresende 2025. Die Eigenkapitalquote beträgt 77,8 Prozent, der Altman-Z-Score 6,96 (eigene Nachrechnung 6,95). Einschränkung: 249,6 Millionen der Aktiva sind latente Steueransprüche, die künftige Gewinne voraussetzen.
- Bewertung neutral
- Zum Schlusskurs vom 24. Juli 2026 von 24,84 US-Dollar lag der Börsenwert bei rund 4,25 Milliarden US-Dollar — rund das 4,0-Fache des Jahresumsatzes 2025 und rund das 3,4-Fache des Buchwerts. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 11 auf die letzten zwölf Monate ist durch die Steuergutschrift verzerrt; auf die Schätzung für das laufende Jahr sind es rund 74. Konsens-Kursziel 32,80 US-Dollar.
ACADIA Pharmaceuticals ist die Schlusszeilen-Falle in Reinform: Für 2025 stehen 391,0 Millionen US-Dollar Nettogewinn in den Büchern, vor Steuern waren es 138,9 Millionen — die Differenz ist eine Steuergutschrift von 252,1 Millionen aus der Auflösung einer Wertberichtigung. Ein Jahr zuvor hatte ein FDA-Gutschein für 146,5 Millionen das Betriebsergebnis getragen. Darunter arbeitet ein Geschäft, das wirklich gedreht hat: Der Umsatz stieg seit 2020 von 441,8 auf 1.071,5 Millionen, operativ kamen 2025 109,8 Millionen herein, die Bilanz trägt mit 1.248,1 Millionen Eigenkapital und 851,5 Millionen Kasse. Aber das erste Quartal 2026 war mit minus 4,6 Millionen operativ rot, weil die Vertriebskosten um 35,3 Prozent sprangen, Europa hat den DAYBUE-Antrag abgelehnt, und der Patentschutz des Hauptprodukts wird ab dem 2. November 2026 erneut vor Gericht verhandelt. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Das Geschäft ist belegbar da: zwei zugelassene Medikamente, davon eines ohne zugelassenen Wettbewerber in seiner Indikation, 91,7 Prozent Bruttomarge im Jahr 2025, sechs Jahre ununterbrochenes Umsatzwachstum von 441,8 auf 1.071,5 Millionen US-Dollar und eine Bilanz ohne jede Bestandsfrage — 1.248,1 Millionen Eigenkapital gegen 357,2 Millionen Verbindlichkeiten, 851,5 Millionen Kasse und Wertpapiere, Eigenkapitalquote 77,8 Prozent, Altman-Z 6,96. Offen sind zwei klar operative Fragen, und beide wiegen. Erstens die Ertragsqualität: Die beiden Gewinnjahre 2024 und 2025 wurden von zwei verschiedenen Einmaleffekten getragen — 146,5 Millionen Gutscheinverkauf und 252,1 Millionen Steuergutschrift —, und das erste Quartal 2026 endete operativ bei minus 4,6 Millionen, weil die Vertriebs- und Verwaltungskosten von 51,7 auf 63,8 Prozent des Umsatzes stiegen. Zweitens die Haltbarkeit: 63,5 Prozent des Umsatzes hängen an einem Wirkstoff, dessen Stoffpatent 2030 endet und dessen Schutz gegen Nachahmer in zwei laufenden Verfahren verteidigt wird; der Phase-3-Kandidat ACP-101 scheiterte im September 2025, und der EU-Zulassungsantrag für DAYBUE bekam im Februar 2026 eine negative Stellungnahme. Zur Existenzfrage wird davon nichts: Die Vergleiche mit Hetero und Zydus reichen bis 2036 und 2038, das Unternehmen finanziert sich aus eigener Kraft, und es gibt keine nennenswerten Finanzschulden. Das ist keine belegte Qualität, aber auch kein Substanzbefund — deshalb Gelb.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf die Rechercheliste kam ACADIA Pharmaceuticals über den hauseigenen Aktien-Scanner: Treffer in der Liste „Turnaround-Kandidaten" (US-Auswahl) mit einem Wende-Check von 6 von 8 Punkten, Stand 27. Juli 2026. Wir haben die Liste für beide Ausgaben getrennt gemessen: je 60 US-Treffer, davon 44 punktgleich bei 6. Weil die Reihenfolge innerhalb des Gleichstands nicht definiert ist und sich mit jeder Neuberechnung ändert, nennen wir keinen exakten Platz — aussagekräftig ist nur die Spanne Platz 17 bis 60. Die Detailseite zeigt nur die 25 stärksten Treffer — ACADIA ist dort nicht sichtbar. Die Listen werden täglich neu berechnet.
- Eigene Gegenrechnungen zu den Scanner-Kennzahlen: Der Altman-Z-Score von 6,96 wurde am Jahresabschluss 2025 nachgerechnet und mit 6,95 bestätigt; er wird allerdings überwiegend vom Marktwert des Eigenkapitals getragen, während der Verlustvortrag von 1.813,4 Millionen US-Dollar gegenläufig wirkt. Beim Piotroski-Score weicht die eigene Rechnung ab: Der Datenbestand führt 5 von 9, die Nachrechnung 10-K 2025 gegen 10-K 2024 ergibt 6 von 9 — nicht erfüllt sind in beiden Fällen Mittelfluss über Nettogewinn, unveränderte Aktienzahl und steigender Kapitalumschlag. Der gespeicherte Abstand zum Allzeithoch von −59,02 Prozent entspricht einem Allzeithoch nahe 58 US-Dollar; die eigene Messung des höchsten Schlusskurses seit dem Börsengang 2004 ergibt 57,00 US-Dollar am 07.07.2020 und damit −56,4 Prozent gegen den Schlusskurs vom 24.07.2026.
- Alle Zahlen tragen ihren eigenen Stichtag: Jahreszahlen aus dem Geschäftsbericht 10-K für 2025 (eingereicht 26.02.2026) und für 2024 (eingereicht 27.02.2025), Quartalszahlen aus dem Quartalsbericht 10-Q zum 31.03.2026 (eingereicht 07.05.2026), Hauptversammlungs- und Vergütungsdaten aus der Ad-hoc-Meldung 8-K vom 29.05.2026 und der Registrierung S-8 vom 10.06.2026, Aktienzahl vom Deckblatt des Quartalsberichts (29.04.2026). Bewertungskennzahlen mit Datenstand 26. Juli 2026 auf Basis des Schlusskurses vom 24. Juli 2026 — evergreen gemeint, kein Tageskurs als Kaufargument.
- Verwechslungsgefahr und Aktualität: Der Ticker ACAD gehört ACADIA Pharmaceuticals Inc. aus San Diego (CIK 0001070494) und nicht der gleichnamig klingenden Vermögensverwaltung Acadian Asset Management. Die Gesellschaft firmierte 1993 in Vermont als Receptor Technologies, Inc.; seit der Verlegung nach Delaware 1997 gibt es keine Umfirmierung mehr, die Einreichungsliste der SEC führt keine früheren Namen. In sämtlichen Einreichungen bis zum 29. Juni 2026 findet sich weder ein Form 25 noch ein Form 15, weder eine Übernahmeofferte (SC 14D9, SC TO) noch ein Verschmelzungsdokument — das Unternehmen ist eigenständig und notiert an der NASDAQ.
Häufige Fragen
ACADIA Pharmaceuticals entwickelt und verkauft Medikamente gegen Erkrankungen des Nervensystems und seltene Leiden, im Wesentlichen in Nordamerika. Zugelassen sind genau zwei Präparate: NUPLAZID (Pimavanserin) gegen Halluzinationen und Wahnvorstellungen bei Parkinson-Patienten und DAYBUE (Trofinetide) gegen das Rett-Syndrom. Der Hauptsitz liegt in San Diego, zum 31. Dezember 2025 arbeiteten dort 798 Menschen.
Vor Steuern verdiente ACADIA 2025 138,9 Millionen US-Dollar. Die Differenz zu den gemeldeten 391,0 Millionen entsteht durch eine Steuergutschrift von 252,1 Millionen: Weil das Unternehmen erstmals drei Jahre kumulierte Vorsteuergewinne erreichte, durfte es eine Wertberichtigung auf latente Steueransprüche um 340,4 Millionen auflösen. Das ist ein Einmaleffekt, der sich so nicht wiederholt.
Wer in den USA ein Medikament gegen eine seltene Kinderkrankheit zugelassen bekommt, erhält von der Arzneimittelbehörde FDA einen handelbaren Gutschein, der ein späteres Zulassungsverfahren beschleunigt. ACADIA bekam ihn nach der DAYBUE-Zulassung und verkaufte ihn 2024 für einen Nettoerlös von 146,5 Millionen US-Dollar. Ohne diesen Posten hätte das Betriebsergebnis 2024 bei 84,3 statt 230,8 Millionen gelegen.
Das Stoffpatent auf Pimavanserin läuft laut Geschäftsbericht 2025 im Jahr 2030 aus, einschließlich einer genehmigten Laufzeitverlängerung; Patente auf die polymorphe Form und die zugelassene Anwendung enden zwischen 2026 und 2028. Vergleiche mit Generikaherstellern legen den frühestmöglichen Marktstart trotzdem später fest: Hetero am 27. Februar 2038, Zydus je nach Darreichungsform am 23. September 2036 oder 27. Februar 2038.
ACADIA klagt seit 2020 gegen Hersteller, die verkürzte Zulassungen für generisches Pimavanserin beantragt haben. Mit Hetero (2021) und Zydus (2023) gab es Vergleiche. Gegen MSN Laboratories und Aurobindo gewann ACADIA in erster Instanz am 11. Januar 2024 und am 9. Juni 2025; beide gingen in Berufung, die Schriftsätze waren am 19. Dezember 2025 vollständig. Ein neuer Prozess gegen Zydus ist auf den 2. November 2026 terminiert.
Der Umsatz stieg um 9,7 Prozent auf 268,1 Millionen US-Dollar, die Vertriebs- und Verwaltungskosten aber um 35,3 Prozent auf 171,0 Millionen nach 126,4 Millionen. Ihr Anteil am Quartalsumsatz kletterte von 51,7 auf 63,8 Prozent. Daraus ergab sich ein Betriebsergebnis von minus 4,6 Millionen; unter dem Strich blieben nur wegen 8,1 Millionen Zinserträgen 3,6 Millionen Gewinn.
DAYBUE ist von Neuren Pharmaceuticals einlizenziert. In Nordamerika zahlt ACADIA gestaffelte Lizenzgebühren von 10 Prozent auf die ersten 250 Millionen US-Dollar Jahresumsatz bis 15 Prozent oberhalb von 750 Millionen; bei 391,4 Millionen im Jahr 2025 gilt die 12-Prozent-Stufe. Außerhalb Nordamerikas liegen die Sätze laut Geschäftsbericht bei mittleren Zehner- bis niedrigen Zwanziger-Prozentsätzen, dazu kommen Meilensteinzahlungen.
Das ist offen. ACADIA reichte den Zulassungsantrag im Januar 2025 ein. Im Januar 2026 signalisierte der EMA-Ausschuss CHMP ein negatives Votum, im Februar 2026 folgte eine negative Stellungnahme. ACADIA hat eine erneute Prüfung beantragt und bereitete sich laut Geschäftsbericht 2025 auf einen möglichen Marktstart im dritten Quartal 2026 vor, schreibt aber selbst, das Ergebnis könne ungünstig ausfallen. Kanada und Israel haben DAYBUE zugelassen.
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