Zepp Health: Xiaomi ist raus — und der größte Posten der Bilanz ist eine chinesische Beteiligung für 144,9 Millionen Dollar
Zepp Health baut die Sportuhren der Marke Amazfit — und hieß bis Februar 2021 Huami. Damals kam ein gutes Viertel des Umsatzes aus der Auftragsfertigung für Xiaomi. 2025 war es kein einziger Dollar mehr: Der Umsatz fiel von 352,9 auf 182,6 Millionen und stieg erst 2025 wieder auf 258,9 Millionen, dafür kletterte die Bruttomarge von 26,2 auf 38,3 Prozent. Wer aber in den Jahresbericht schaut, findet noch etwas: 220,0 Millionen US-Dollar an Beteiligungen, darunter 135,0 Millionen an einer in Shenzhen notierten Firma, deren Aufsichtsratsvorsitzender der eigene Vorstandschef ist. Keine Anlageberatung — aber die Uhr am Handgelenk ist hier nur ein Drittel des Pakets.
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Es gibt eine Anleger-Schwäche, für die es keinen hübschen Fachbegriff gibt; nennen wir sie den Handgelenk-Test. Wir beurteilen eine Firma nach dem einen Teil, den wir sehen, anfassen und selbst prüfen können — und unterstellen stillschweigend, der Rest sei genauso solide. Bei Zepp Health (NYSE: ZEPP) liegt dieser eine Teil buchstäblich am Handgelenk: die Sportuhren der Marke Amazfit. Die Firma hieß bis Februar 2021 Huami Corporation und verdiente ihr Geld ursprünglich damit, Fitnessbänder für Xiaomi zu bauen. Sie ist an der Börse rund 68 Millionen US-Dollar wert, hat aber 194,2 Millionen Eigenkapital in der Bilanz und 103,2 Millionen in der Kasse — das klingt nach einem Zwanzig-Euro-Schein für zehn Euro. Machen wir also einen Deal: Bevor Du der Uhr am Handgelenk die ganze Firma abnimmst, lesen wir gemeinsam, was Zepp selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Jahresbericht (Formular 20-F) für 2025 vom 24. April 2026 und den Zwischenbericht (Formular 6-K) vom 9. Juni 2026 mit den Zahlen zum ersten Quartal 2026. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt von einer Scheidung, die das Geschäft gesünder gemacht und halbiert hat — und von einem Bilanzposten, der größer ist als die ganze Börsenbewertung. Am Ende entscheidest Du selbst.
Was Zepp Health eigentlich macht — und warum die Firma zweimal ihren Namen wechselte
Zepp Health verkauft Sportuhren, Fitnessbänder, Smart Rings und Zubehör unter der Marke Amazfit. Dazu kommt das eigene Uhren-Betriebssystem Zepp OS, der KI-Chip Huangshan und zwei kleinere Gesundheitsanwendungen: Zepp Clarity (Hörgeräte) und Zepp Aura (Klanglandschaften zum Einschlafen). Nach eigener Angabe im Zwischenbericht vom 9. Juni 2026 wurden bislang über 200 Millionen Geräte ausgeliefert, mehr als 53 Millionen Nutzer bedient, Produkte in über 150 Ländern verkauft.
Die Firmengeschichte erklärt fast alles, was in den Zahlen passiert. Gegründet 2013 als Huami, verdiente das Unternehmen zunächst als Auftragsfertiger für Xiaomi: Es baute die Fitnessbänder, die unter der Marke des chinesischen Handykonzerns verkauft wurden. Übersetzt in ein Alltagsbild: Man war die Bäckerei, die die Brötchen für den Supermarkt backt — hohe Stückzahl, fremder Name auf der Tüte, dünne Marge. Im September 2015 kam die eigene Marke Amazfit dazu, im August 2020 die Marke Zepp, im Februar 2021 die Umbenennung in Zepp Health Corporation; das Börsenkürzel wechselte von HMI auf ZEPP. Bei der SEC läuft die Firma bis heute unter derselben Kennnummer (CIK 0001720446), „Huami Corp“ steht dort als früherer Name.
Rechtlich ist Zepp eine Holding auf den Cayman-Inseln, die Geschäftsleitung sitzt seit einiger Zeit im niederländischen Gorinchem, Entwicklung und Fertigung liegen überwiegend in China — organisiert über sogenannte VIEs, also Gesellschaften, die dem Konzern nicht gehören, deren Ergebnisse er aber über Verträge konsolidiert (Anhui Huami und Huami Beijing). Zum 31. Dezember 2025 arbeiteten dort 763 Menschen, davon 643 in Festlandchina, 55 in Nordamerika und 54 in Europa; 465 der 763 arbeiten in der Entwicklung. Ein Detail, das man kennen muss: Zepp ist ein Foreign Private Issuer. Das heißt, es gibt einen Jahresbericht (Formular 20-F) und Zwischenberichte (Formular 6-K) — aber keinen Quartalsbericht 10-Q, wie ihn US-Inlandsfirmen einreichen. Wer nach einem 10-Q sucht, sucht vergeblich.
Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Zepp hat sich vom Auftragsfertiger zur Eigenmarke umgebaut — das Geschäft ist dadurch margenstärker und kleiner geworden. Aber die Bilanz gehört nur zur Hälfte diesem Geschäft; die andere Hälfte ist ein Beteiligungsdepot in China.
Wie die Aktie auf unseren Tisch kam
Zepp Health ist kein Momentum-Fund. Auf den Tisch kam die Aktie über eine Kennzahlen-Auffälligkeit im Aktien-Universum des hauseigenen Aktien-Scanners (Datenstand 29. Juli 2026): eine Firma, deren gesamter Börsenwert unter der Hälfte ihres bilanziellen Eigenkapitals liegt — und die trotzdem im letzten berichteten Quartal 33,8 Prozent Umsatzwachstum zeigte. Diese Kombination ist selten genug, um hinzuschauen. Die wichtigsten Kennzahlen, übersetzt und bewertet:
- Kurs-Buchwert-Verhältnis rund 0,35. Für jeden Dollar bilanzielles Eigenkapital zahlst Du an der Börse 35 Cent. Das ist ein echter Ausreißer — normal wäre bei einem Elektronikhersteller irgendetwas zwischen 1 und 3. Solche Werte entstehen nicht aus Versehen: Der Markt traut entweder den Buchwerten nicht oder erwartet, dass die Firma sie noch verbrennt.
- Kurs-Umsatz-Verhältnis rund 0,25. Der Börsenwert entspricht einem Vierteljahresumsatz. Auch das ist außergewöhnlich niedrig — allerdings kein Qualitätsbeweis, sondern nur der Preis dafür, dass unter dem Umsatz kein Gewinn steht.
- Eigenkapitalquote 36,5 Prozent (31.03.2026). Ordentlich, nicht komfortabel. Bei einem Hardware-Hersteller mit Vorratsrisiko wäre mehr angenehm.
- Ein einziges Analystenhaus im Datenbestand (Stand 29. Juli 2026). Von einem „Konsens der Profis“ zu sprechen wäre hier gelogen — es gibt schlicht kaum jemanden, der die Aktie beobachtet. Das ist bei Nebenwerten eine Chance und ein Risiko zugleich: weniger Effizienz, aber auch weniger Korrektiv.
Bevor wir weiterrechnen, müssen zwei Datenfallen aus dem Weg — sonst rechnest Du mit falschen Zahlen. Erstens die Aktienzahl: Viele Datenquellen zeigen für ZEPP rund 8,5 Millionen Aktien. Das sind die 135.608.316 Class-A-Aktien geteilt durch 16, weil ein an der NYSE gehandeltes American Depositary Share (ADS) — eine Hinterlegungsurkunde, mit der ausländische Aktien in New York handelbar werden — seit dem 16. September 2024 für 16 Class-A-Aktien steht. Nur: Es gibt zusätzlich 99.277.687 Class-B-Aktien. Zusammen sind es 234.886.003 Stammaktien, also rund 14,68 Millionen ADS-Äquivalente. Wer die Class B vergisst, unterschätzt Aktienzahl und Börsenwert um gut 42 Prozent. Zweitens die Währung: Zepp bilanzierte historisch in Renminbi und stellte im zweiten Quartal 2024 auf US-Dollar um — rückwirkend für alle gezeigten Vorjahre. Bilanz und Notierung stehen damit in derselben Währung, alle Zahlen dieser Analyse sind US-Dollar.
Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt
Erst das, was wirklich beeindruckt. Zepp hat etwas geschafft, woran viele Auftragsfertiger scheitern: den Absprung vom großen Kunden, ohne unterzugehen. Der Umsatz fiel 2024 um 48,3 Prozent auf 182,6 Millionen US-Dollar — und stieg 2025 wieder um 41,8 Prozent auf 258,9 Millionen. Wichtiger als die Höhe ist die Qualität: Die Bruttomarge, also der Anteil des Umsatzes, der nach Abzug der Herstellkosten übrig bleibt, kletterte von 26,2 Prozent (2023) auf 38,5 (2024) und 38,3 Prozent (2025). Im vierten Quartal 2025 lag sie sogar bei 40,4 Prozent. Aus der Brötchenbäckerei für den Supermarkt ist eine Bäckerei mit eigenem Laden geworden — weniger Stückzahl, mehr Marge je Stück. Wie vollständig der Umbau ist, zeigt eine einzige Reihe aus dem Jahresbericht: Der Anteil der Eigenmarke Amazfit am Umsatz stieg von 73,9 Prozent (2023) über 94,0 (2024) auf 100,0 Prozent (2025).
Auch die Landkarte hat sich gedreht, und zwar deutlich. 2023 war Asien-Pazifik mit 181,0 Millionen US-Dollar die größte Absatzregion, Europa folgte mit 134,6 Millionen. 2025 ist es umgekehrt: Europa 110,3 Millionen, Asien-Pazifik 91,5 Millionen, Nordamerika 46,9 Millionen (davon USA 43,6 Millionen), übrige Regionen 10,3 Millionen. Eine Firma mit chinesischen Wurzeln, deren größter Markt heute Europa ist — das erklärt auch, warum die Geschäftsleitung inzwischen in den Niederlanden sitzt.
Und die jüngsten Zahlen setzen den Trend fort: Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 33,8 Prozent auf 51,5 Millionen US-Dollar, die Bruttomarge lag bei 37,7 Prozent (Vorjahresquartal 37,3 Prozent), der Rohertrag bei 19,4 Millionen (+35,3 Prozent). Für das zweite Quartal 2026 stellt das Unternehmen 63,0 bis 68,0 Millionen in Aussicht — 6 bis 14 Prozent mehr als die 59,4 Millionen im Vorjahresquartal. Im April 2026 wurde außerdem die Partnerschaft mit der Fitness-Rennserie HYROX zu einer exklusiven weltweiten Dreijahres-Vereinbarung ausgebaut. Merke Dir den Befund: Das operative Geschäft läuft besser als seit Jahren. Womit wir bei den unbequemen Wahrheiten wären.
Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten
Unbequeme Wahrheit Nr. 1: Der Umsatzeinbruch war eine Scheidung — und die Ehe war schlecht bezahlt
Wer „minus 48,3 Prozent Umsatz“ liest, denkt an ein sterbendes Geschäft. Der Jahresbericht sagt, woher der Einbruch kam:
„Our revenues decreased by 48.3% from US$352.9 million for the year ended December 31, 2023 to US$182.6 million for the year ended December 31, 2024. The decrease in total revenues mainly resulted from an 88.0% decline in the sales of Xiaomi wearable products.“
Übersetzung: „Unsere Umsatzerlöse sanken um 48,3 Prozent von 352,9 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2023 auf 182,6 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2024. Der Rückgang der Gesamterlöse resultierte im Wesentlichen aus einem Rückgang der Verkäufe von Xiaomi-Wearables um 88,0 Prozent.“
— Zepp Health Corporation, SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Item 5.A
Die Gewinn-und-Verlust-Rechnung beziffert diese Scheidung auf den Dollar genau. In der Umsatzzeile steht jeweils in Klammern der Anteil, der von nahestehenden Parteien kam — das ist im Wesentlichen Xiaomi: 92,0 Millionen US-Dollar (2023), 11,0 Millionen (2024), null (2025). Und jetzt kommt die Zahl, die die Geschichte dreht: In derselben Zeile stehen die zugehörigen Herstellkosten mit 82,2 Millionen (2023) und 9,4 Millionen (2024). Das Xiaomi-Geschäft hatte 2023 also eine Bruttomarge von rund 10,7 Prozent — es brachte ein Viertel des Umsatzes, aber nur ein Zehntel des Rohertrags. Ein Kunde, dessen Wegfall die Marge des ganzen Konzerns von 26,2 auf 38,5 Prozent hebt, war nie ein guter Kunde. Er war ein großer.
Trotzdem gehört zur Ehrlichkeit: Zepp hat damit auch seinen Größenvorteil im Einkauf verloren, und die Kundenkonzentration ist nicht verschwunden, sondern gewandert. Zum 31. Dezember 2025 entfielen 57,9 Prozent der Forderungen auf fünf Kunden, allein 23,2 Prozent auf einen einzigen — der ein Jahr zuvor noch 0,1 Prozent ausmachte. Ein Kunde brachte 2025 zudem 10,2 Prozent des Umsatzes. Wie schnell so etwas zum Problem wird, haben wir in der Analyse zu Verra Mobility gesehen, wo ein einziger Auftraggeber 14 Prozent des Umsatzes und fast ein Drittel des Gewinns lieferte. Merke Dir: Wer einen Großkunden loswird, hat noch keine Streuung — er hat nur einen neuen Großkunden.
Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Die Aktie, die Du kaufst, ist nur die halbe Firma
Diese Wahrheit kostet bares Geld, wenn man sie übersieht. Auf dem Deckblatt des Jahresberichts steht die vollständige Kapitalstruktur:
„As of December 31, 2025, there were (i) 135,608,316 Class A ordinary shares issued and outstanding, par value US$0.0001 per share […], and (ii) 99,277,687 Class B ordinary shares issued and outstanding, par value US$0.0001 per share.“
Übersetzung: „Zum 31. Dezember 2025 waren (i) 135.608.316 Class-A-Stammaktien mit einem Nennwert von 0,0001 US-Dollar je Aktie ausgegeben und ausstehend […] sowie (ii) 99.277.687 Class-B-Stammaktien mit einem Nennwert von 0,0001 US-Dollar je Aktie.“
— Zepp Health Corporation, SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Deckblatt
Die Class-B-Aktien sind wirtschaftlich gleichwertig — sie lassen sich jederzeit eins zu eins in Class A wandeln —, tragen aber zehn Stimmen statt einer. Der Bericht rechnet vor: Die Class B stellt 42,3 Prozent des Kapitals und 88,0 Prozent der Stimmen (Stand 28. Februar 2026). Gründer und Vorstandschef Wang Wayne Huang kontrolliert über die HHtech Holdings Limited 87.858.307 Aktien: 37,4 Prozent des Kapitals, 72,7 Prozent der Stimmen. Zweitgrößter Aktionär ist die Xiaomi-nahe People Better Limited mit 15,3 Prozent des Kapitals — und Zepp-Verwaltungsrat Alain Lam ist zugleich Finanzvorstand von Xiaomi, ein Interessenkonflikt, den der Bericht selbst benennt. Die Scheidung war offenbar einvernehmlich; man wohnt weiter unter einem Dach.
Woher kommt nun das ungewöhnliche ADS-Verhältnis von 1 zu 16? Aus einer Notlage. Am 30. April 2024 teilte die NYSE mit, der Durchschnittsschlusskurs des ADS sei über 30 Handelstage unter einen US-Dollar gefallen — ein Verstoß gegen die Mindestpreisregel. Am 16. September 2024 stellte Zepp das Verhältnis von 1:4 auf 1:16 um; rechnerisch vervierfacht das den ADS-Kurs, ohne dass sich am Unternehmen irgendetwas ändert. Am 2. Oktober 2024 bestätigte die NYSE die Wiedererfüllung. Wie volatil es danach zuging, sagt der Bericht selbst: Die ADS-Kursspanne betrug 2025 2,17 bis 61,27 US-Dollar. Übersetzt in ein Alltagsbild: Das ist kein Kursverlauf, das ist eine Achterbahn ohne Sicherheitsbügel.
Und ein dritter Punkt gehört in dieses Kapitel, weil er die Aktienzahl von morgen betrifft: Zum 28. Februar 2026 waren 48.760.845 Optionen und Aktienzusagen auf Class-A-Aktien ausstehend (13,9 Millionen aus dem Plan von 2015, 25,2 Millionen aus 2018, 9,6 Millionen aus 2023). Das sind gut ein Fünftel der 234,9 Millionen ausstehenden Stammaktien. Verwässerung heißt im Alltagsbild: Dein Stück vom Kuchen wird kleiner, weil ständig neue Stücke abgeschnitten werden — hier sind die Messer für ein Fünftel des Kuchens bereits angesetzt.
Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Der größte Posten der Bilanz ist keine Uhrenfabrik
Jetzt kommt der Teil, den der Handgelenk-Test niemals erwischt. Zum 31. Dezember 2025 standen in Zepps Bilanz 220,0 Millionen US-Dollar langfristige Beteiligungen (zum 31. März 2026: 222,3 Millionen). Das sind rund 39 Prozent der Bilanzsumme — und mehr als das gesamte Eigenkapital von 214,5 Millionen. Der mit Abstand größte Einzelposten:
„In February 2021, the Group acquired 29.99% equity interest of Jiangsu Yitong, a company listed on the Shenzhen stock exchange, for a total cash consideration of US$144.89 million. The purpose of the investment is to expand the healthcare ecosystem in the domestic market.“
Übersetzung: „Im Februar 2021 erwarb die Gruppe 29,99 Prozent der Anteile an Jiangsu Yitong, einer an der Börse Shenzhen notierten Gesellschaft, für eine Barzahlung von insgesamt 144,89 Millionen US-Dollar. Zweck der Beteiligung ist der Ausbau des Gesundheits-Ökosystems im Heimatmarkt.“
— Zepp Health Corporation, SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Anhang Nr. 8 „Long-term investments“
Rechnen wir das nach: Zepp zahlte 2021 für 30 Prozent an einer fremden Firma rund doppelt so viel, wie der gesamte Konzern heute an der Börse wert ist. Zum 31. Dezember 2025 steht die Beteiligung mit 135,0 Millionen US-Dollar in den Büchern — nach der Equity-Methode, also anteiliges Eigenkapital, nicht Börsenkurs. Sie hat 2025 einen Verlust von 1,2 Millionen beigesteuert (2024: −2,0 Millionen, 2023: −0,2 Millionen). Ein Investment, das seit fünf Jahren nichts abwirft, aber knapp ein Viertel der Bilanzsumme bindet, ist als Geldanlage ein Klotz. Und es kommt ein Detail dazu, das im Anhang zu den Bankverbindlichkeiten steht:
„As of December 31, 2025, a balance of US$33 million bank borrowing was provided by the bank for the sole use of the investment in Jiangsu Yitong and the Group has pledged 15.79% equity interest in Jiangsu Yitong to the bank.“
Übersetzung: „Zum 31. Dezember 2025 bestand ein Bankkredit über 33 Millionen US-Dollar, der von der Bank ausschließlich für die Beteiligung an Jiangsu Yitong zur Verfügung gestellt wurde; die Gruppe hat der Bank dafür 15,79 Prozent der Anteile an Jiangsu Yitong verpfändet.“
— Zepp Health Corporation, SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Anhang Nr. 11 „Bank borrowings“
Zur Ehrlichkeit gehört die andere Hälfte des Bildes, und sie steht im selben Bericht: Jiangsu Yitong ist nicht nur Beteiligung, sondern Zulieferer. Die Hauptchips und Herzfrequenz-Sensoren der Amazfit-Uhren kommen laut Jahresbericht überwiegend von dieser Firma. 2023 verkaufte Zepp deren Tochter Whale Microelectronics die Technik der Huangshan-2/2S-Chips für 3,0 Millionen US-Dollar; seit September 2024 steckt in allen Produktlinien der Huangshan-3, den diese Schwesterfirma entwickelt hat. Für Rohmaterial gingen 12,3 Millionen (2023), 3,3 Millionen (2024) und 4,3 Millionen US-Dollar (2025) an dieselbe Tochter; umgekehrt erbrachte Zepp ihr 2025 Entwicklungsleistungen für 2,1 Millionen. Das ist kein reiner Nebenschauplatz — es ist eine wechselseitige Abhängigkeit.
Und der Kreis schließt sich beim Personal: Vorstandschef Wang Wayne Huang ist laut Jahresbericht zugleich Verwaltungsratsvorsitzender von Jiangsu Yitong; der Bericht führt das ausdrücklich unter möglichen Interessenkonflikten. Damit hängen knapp ein Viertel der Bilanzsumme und die Chip-Versorgung an einer Firma, in deren Aufsichtsgremium der eigene Chef den Vorsitz führt. Wie sehr eine Beteiligungsposition das Bild einer operativen Firma verzerren kann, hat sich auch bei Unusual Machines gezeigt — dort kam der erste Quartalsgewinn nicht aus dem Kerngeschäft, sondern aus dem eigenen Wertpapierdepot. Der Rest des Beteiligungspakets ist breit gestreut und kleinteilig: 13,9 Millionen an dem Chip-Entwickler SiFive, 25,2 und 4,2 Millionen in zwei chinesischen Technologiefonds, 8,8 Millionen an Shenzhen Yunding, 7,3 Millionen an dem Medizintechnik-Unternehmen Promaxo, 3,6 Millionen an AliveCor.
Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Von der Kasse ist die Hälfte nicht frei
„103,2 Millionen US-Dollar in der Kasse“ klingt nach reichlich Luft — die Firma selbst nennt das im Zwischenbericht eine „ausreichende Startbahn“. Der Jahresbericht erklärt, warum die Zahl kleiner ist, als sie aussieht:
„Restricted cash represents deposits made to the bank for bank acceptance notes (or notes payable) issued by the Group. When the Group issues the bank acceptance notes, the banks require the Group to make a deposit for 20% to 100% of the face value of the bank acceptance notes issued as collateral.“
Übersetzung: „Verfügungsbeschränkte Zahlungsmittel sind Einlagen bei der Bank für von der Gruppe ausgegebene Bankakzepte (also Wechselverbindlichkeiten). Wenn die Gruppe Bankakzepte ausgibt, verlangen die Banken eine Einlage in Höhe von 20 bis 100 Prozent des Nennwerts der ausgegebenen Bankakzepte als Sicherheit.“
— Zepp Health Corporation, SEC-Jahresbericht 20-F für 2025, Anhang Nr. 2 „Significant accounting policies“
Die Aufteilung zum 31. März 2026: 52,4 Millionen US-Dollar frei verfügbar, 50,8 Millionen verfügungsbeschränkt. Dem stehen 238,1 Millionen Finanzverbindlichkeiten gegenüber — 111,1 Millionen Wechsel, 87,0 Millionen kurzfristige und 40,0 Millionen langfristige Bankkredite. Netto sind das rund 134,9 Millionen Schulden. Zur Fairness gehören drei Gegenargumente, die der Bericht ebenfalls liefert: Der gewichtete Durchschnittszins der Bankkredite lag 2025 bei nur 2,76 Prozent, es bestehen 168,2 Millionen freie Kreditlinien, und seit Anfang 2023 hat das Unternehmen kumuliert 46,4 Millionen an Schulden getilgt. Eine akute Notlage ist das nicht. Aber der freie Kassenbestand von 52,4 Millionen deckt bei rund 25 Millionen jährlichem operativem Mittelabfluss (2025: −25,7 Millionen, 2024: −24,4 Millionen) eben auch keine Ewigkeit ab.
Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Der Umsatz wächst, der Verlust bleibt
Das ist die nüchternste und wichtigste Wahrheit. Zepp hat 2025 einen Rohertrag von 99,2 Millionen US-Dollar erwirtschaftet — und 128,4 Millionen Betriebskosten ausgegeben: 53,8 Millionen Vertrieb und Marketing, 45,3 Millionen Entwicklung, 29,3 Millionen Verwaltung. Daraus wurde ein Betriebsverlust von 29,2 Millionen und, nach Zinsen, Abschreibungen auf Beteiligungen und Steuern, ein Nettoverlust von 40,1 Millionen. Im ersten Quartal 2026 lag der Betriebsverlust bei 17,7 Millionen und der Nettoverlust bei 19,6 Millionen — beides leicht besser als im Vorjahresquartal, aber eben immer noch rot.
Die simple Frage lautet: Wie viel Umsatz braucht diese Firma, damit die Rechnung aufgeht? Bei einer Bruttomarge von 38 Prozent und einer Kostenbasis von rund 128 Millionen sind das grob 335 Millionen US-Dollar Jahresumsatz — rund 30 Prozent mehr als 2025 und ungefähr das Niveau von 2023, als noch das margenschwache Xiaomi-Geschäft mitzählte. Bei aktuellem Wachstumstempo ist dieser Punkt zwei bis drei Jahre entfernt, vorausgesetzt, die Kosten wachsen langsamer als der Umsatz. Genau das ist die Wette. Und sie ist nicht abwegig: Die Betriebskosten stiegen 2025 um 9,3 Prozent gegenüber 2024 (117,5 auf 128,4 Millionen), während der Umsatz um 41,8 Prozent zulegte. Merke Dir das Spannungsfeld: Die Marge stimmt, die Größe noch nicht.
Bewertung: billig ist nicht dasselbe wie günstig
Wie teuer ist Zepp? Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis lässt sich mangels Gewinn nicht bilden. Also rechnen wir mit dem, was belegt ist — und zwar mit einem datierten Anker aus einem Pflichtdokument: Am 26. Juni 2026 verkaufte Finanzvorstand Leon Cheng Deng nach dem Zufluss von Aktienzusagen 9.836 ADS zum gewichteten Durchschnittspreis von 4,61 US-Dollar (Einzelabschlüsse zwischen 4,31 und 4,80 US-Dollar), gemeldet in der Insider-Meldung (Formular 4) vom 29. Juni 2026. Es war ein Pflichtverkauf zur Deckung der Lohnsteuer, kein Ausstieg — als Kursanker taugt er trotzdem. Mit den 14,68 Millionen ADS-Äquivalenten ergibt das einen Börsenwert von rund 68 Millionen US-Dollar zu diesem Stichtag.
Daraus folgt die Größenordnung:
- Kurs-Buchwert-Verhältnis rund 0,35 (Eigenkapital 194,2 Millionen zum 31.03.2026). Die Börse zahlt gut ein Drittel des Buchwerts.
- Kurs-Umsatz-Verhältnis rund 0,25 (Umsatz der jüngsten vier Quartale 271,9 Millionen).
- Unternehmenswert rund 203 Millionen US-Dollar — Börsenwert plus 134,9 Millionen Nettofinanzschulden. Gemessen daran ist die Firma mit dem 0,75-Fachen ihres Jahresumsatzes bewertet, nicht mit dem 0,25-Fachen. Das ist der Unterschied zwischen „geschenkt“ und „billig“.
- Die Kasse allein (103,2 Millionen) übersteigt den Börsenwert — aber die Hälfte davon ist verpfändet, und die Schulden sind größer.
Der Blick der Profis hilft hier kaum weiter: Im Datenbestand steht am 29. Juli 2026 genau eine Analysten-Einschätzung. Bei einer Firma mit rund 68 Millionen Börsenwert, zwei Aktiengattungen und einer Berichtsform ohne Quartalsbericht ist das keine Überraschung — es heißt aber, dass niemand Dir die Arbeit abnimmt. Die ehrliche Einordnung lautet: Der Abschlag auf den Buchwert ist real, aber er ist begründet. Knapp ein Viertel der Bilanzsumme steckt in einer illiquiden chinesischen Beteiligung, die Hälfte der Kasse ist verpfändet, das Geschäft verbrennt Geld, und die Stimmrechte liegen zu 88 Prozent bei einer Aktiengattung, die Du nicht kaufen kannst.
Chancen und Risiken auf einen Blick
Was für Zepp Health spricht:
- Der Markenumbau funktioniert: 100 Prozent des Umsatzes 2025 aus der Eigenmarke Amazfit, Bruttomarge von 26,2 auf 38,3 Prozent gestiegen, im vierten Quartal 2025 sogar 40,4 Prozent.
- Wachstum ist zurück: +41,8 Prozent Umsatz 2025 auf 258,9 Millionen US-Dollar, +33,8 Prozent im ersten Quartal 2026 auf 51,5 Millionen, Ausblick 63,0 bis 68,0 Millionen für das zweite Quartal 2026.
- Operative Hebelwirkung: Die Betriebskosten stiegen 2025 um 9,3 Prozent (117,5 auf 128,4 Millionen US-Dollar), der Umsatz um 41,8 Prozent — der Abstand zur schwarzen Null schrumpft mit jedem Umsatzschritt.
- Bilanzielle Substanz und billige Finanzierung: 194,2 Millionen Eigenkapital (31.03.2026), 2,76 Prozent gewichteter Durchschnittszins der Bankkredite, 168,2 Millionen freie Kreditlinien, seit 2023 kumuliert 46,4 Millionen Schulden getilgt.
- Rückkaufprogramm läuft: bis 31. März 2026 wurden 17,0 Millionen US-Dollar für rund 2,3 Millionen ADS eingesetzt; das Programm reicht bis November 2026.
- Europa als größter Markt (110,3 Millionen 2025) und die exklusive weltweite Dreijahres-Partnerschaft mit der Fitness-Rennserie HYROX seit April 2026 geben der Marke einen Vertriebskanal jenseits Chinas.
Was dagegen spricht:
- Drei Verlustjahre in Folge (−31,1 / −75,8 / −40,1 Millionen US-Dollar) und zwei Jahre negativer operativer Cashflow (−24,4 und −25,7 Millionen); der Rohertrag von 99,2 Millionen deckt die Betriebskosten von 128,4 Millionen nicht.
- Fast 40 Prozent der Bilanzsumme liegen in Beteiligungen (220,0 Millionen zum 31.12.2025), davon 135,0 Millionen in einer einzigen chinesischen Börsenfirma, deren Verwaltungsrat der eigene Vorstandschef führt, die zugleich die Hauptchips liefert und von der 15,79 Prozent an eine Bank verpfändet sind.
- Von 103,2 Millionen Kasse sind nur 52,4 Millionen frei; dem stehen 238,1 Millionen Finanzverbindlichkeiten gegenüber, davon 198,1 Millionen kurzfristig.
- Stimmrechtskonzentration: 88,0 Prozent der Stimmen bei der Class B, 72,7 Prozent beim Gründer; dazu 48.760.845 ausstehende Optionen und Aktienzusagen — gut ein Fünftel der Stammaktien.
- Notierungsrisiko und Volatilität: Mindestpreis-Verstoß 2024, Rettung über die Umstellung des ADS-Verhältnisses von 1:4 auf 1:16, ADS-Kursspanne 2025 zwischen 2,17 und 61,27 US-Dollar.
- China-Risiken bleiben strukturell: VIE-Struktur statt direkter Eigentümerschaft an den operativen Einheiten, Kapitalverkehrsbeschränkungen bei der Dividendenweiterleitung, und die Prüfungsgesellschaft sitzt in einem Rechtsraum, dessen Inspizierbarkeit durch die US-Aufsicht in der Vergangenheit strittig war.
- Kundenkonzentration ist nicht verschwunden, sondern gewandert: 57,9 Prozent der Forderungen bei fünf Kunden, 23,2 Prozent bei einem einzigen (31.12.2025).
Ein menschliches Fazit
Zurück zum Handgelenk-Test vom Anfang. Er ist kein schlechter Test — die Uhr am Handgelenk ist wirklich das ehrlichste Stück dieser Firma, und das operative Geschäft läuft besser als seit Jahren. Sein Fehler liegt woanders: Er schließt vom Teil, den Du prüfen kannst, auf ein Ganzes, das Du nie geprüft hast. Bei Zepp kaufst Du drei sehr verschiedene Dinge in einem Paket. Erstens eine echte, wachsende Uhrenmarke mit 38 Prozent Bruttomarge, deren größter Markt inzwischen Europa ist — die aber pro Jahr rund 25 Millionen Dollar mehr ausgibt, als sie einnimmt. Zweitens ein Beteiligungsdepot in China, dessen größter Posten seit fünf Jahren nichts abwirft, zur Hälfte an eine Bank verpfändet ist, die Hauptchips für eben diese Uhren liefert und von einem Aufsichtsgremium überwacht wird, in dem der eigene Vorstandschef den Vorsitz führt. Und drittens eine Aktiengattung ohne Einfluss: 88 Prozent der Stimmen liegen bei Papieren, die an der NYSE gar nicht gehandelt werden.
Die ehrliche Frage an Dich lautet deshalb nicht „Ist die Uhr gut?“, sondern: Würdest Du eine Firma kaufen, bei der Du das eine Drittel, an das Du glaubst, nur zusammen mit zwei Dritteln bekommst, die Du nicht steuern kannst? Wenn ja, hast Du eine These — dann ist der Prüfpunkt der nächste Jahresbericht: Wächst der Umsatz weiter Richtung 335 Millionen, und schrumpft der Verlust dabei? Wenn nein, hattest Du eine Uhr. Was Du daraus machst, ist Deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.
Quellen
Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:
- Zepp Health Corporation — SEC-Jahresbericht 20-F für 2025 (eingereicht 24. April 2026)
- Zepp Health Corporation — SEC-Zwischenbericht 6-K vom 9. Juni 2026, Anlage 99.1 (Zahlen zum ersten Quartal 2026)
- Zepp Health Corporation — SEC-Insider-Meldung Formular 4 vom 29. Juni 2026 (Verkauf von 9.836 ADS zu 4,61 US-Dollar am 26. Juni 2026)
- Zepp Health Corporation — SEC-Verkaufsanzeige Formular 144 vom 26. Juni 2026
- Vollständige SEC-Einreichungshistorie von Zepp Health Corporation (vormals Huami Corporation): EDGAR-Übersicht (sec.gov)
- Fundamentaldaten (Kennzahlen, Bewertung, Analystenabdeckung; Datenstand 29. Juli 2026), abgeglichen mit den SEC-Berichten.
Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Zepp-Health-Aktien.
Unser Fazit auf einen Blick
- Marge und Markenaufbau positiv
- Die Trennung vom Auftragsgeschäft hat die Qualität des Umsatzes deutlich verbessert: Die Bruttomarge stieg von 26,2 Prozent (2023) über 38,5 (2024) auf 38,3 Prozent (2025), im vierten Quartal 2025 sogar auf 40,4 Prozent. 2025 kamen 100 Prozent des Umsatzes aus der Eigenmarke Amazfit, und im ersten Quartal 2026 wuchs der Umsatz um 33,8 Prozent auf 51,5 Millionen US-Dollar.
- Profitabilität negativ
- Trotz besserer Marge verdient die Firma kein Geld: Betriebsverlust 29,2 Millionen US-Dollar (2025), 47,3 Millionen (2024), 30,5 Millionen (2023); Nettoverlust 40,1 / 75,8 / 31,1 Millionen. Der operative Cashflow war 2024 (−24,4 Mio.) und 2025 (−25,7 Mio.) negativ, im ersten Quartal 2026 stand erneut ein Nettoverlust von 19,6 Millionen. Die Betriebskosten von 128,4 Millionen (2025) übersteigen den Rohertrag von 99,2 Millionen deutlich.
- Bilanz und Liquidität neutral
- Das Eigenkapital lag zum 31. März 2026 bei 194,2 Millionen US-Dollar (Quote 36,5 Prozent), die Kasse bei 103,2 Millionen — davon aber 50,8 Millionen verfügungsbeschränkt als Sicherheit für Bankakzepte. Frei verfügbar waren 52,4 Millionen bei rund 25 Millionen jährlichem operativem Mittelabfluss. Dem stehen 238,1 Millionen Finanzverbindlichkeiten gegenüber, davon 198,1 Millionen kurzfristig; die Zinsen sind mit 2,76 Prozent gewichtetem Durchschnitt (2025) günstig, und es bestehen 168,2 Millionen freie Kreditlinien.
- Kapitaleinsatz und Verflechtung negativ
- Der größte Bilanzposten ist keine operative Anlage: 220,0 Millionen US-Dollar langfristige Beteiligungen zum 31.12.2025, davon 135,0 Millionen an der Shenzhen-notierten Jiangsu Yitong High-Tech (Kaufpreis 144,89 Millionen bar im Februar 2021, Ergebnisbeitrag 2025 −1,2 Millionen). 15,79 Prozent dieser Beteiligung sind für einen 33-Millionen-Kredit verpfändet. Dieselbe Firma liefert laut Jahresbericht auch die Hauptchips und Herzfrequenz-Sensoren der Amazfit-Uhren, und Vorstandschef Wang Wayne Huang ist zugleich ihr Verwaltungsratsvorsitzender — ein im Jahresbericht ausdrücklich genannter Interessenkonflikt.
- Eigentümer und Verwässerung negativ
- Die Class-B-Aktien tragen zehn Stimmen und stellen bei 42,3 Prozent des Kapitals 88,0 Prozent der Stimmen (28.02.2026); Gründer Wang Wayne Huang kontrolliert 72,7 Prozent. Minderheitsaktionäre haben faktisch kein Mitspracherecht. Dazu kommen 48.760.845 ausstehende Optionen und Aktienzusagen auf Class-A-Aktien — gut ein Fünftel der 234,9 Millionen ausstehenden Stammaktien.
- Notierung und Datenlage neutral
- Nach einem Mindestpreis-Schreiben der NYSE vom 30. April 2024 stellte Zepp das ADS-Verhältnis am 16. September 2024 von 1:4 auf 1:16 um und erfüllte die Notierungsregeln ab dem 2. Oktober 2024 wieder. Die ADS-Kursspanne 2025 lag laut Jahresbericht zwischen 2,17 und 61,27 US-Dollar. Viele Datenquellen zählen nur die Class-A-Aktien — wer damit rechnet, unterschätzt Aktienzahl und Börsenwert um gut 42 Prozent.
Zepp Health hat einen Umbau hinter sich, den viele Auftragsfertiger nicht überleben: weg vom Xiaomi-Geschäft (92,0 Millionen US-Dollar Umsatz 2023, null 2025), hin zur eigenen Marke Amazfit — die Bruttomarge stieg von 26,2 auf 38,3 Prozent, der Umsatz erholte sich 2025 um 41,8 Prozent auf 258,9 Millionen und wuchs im ersten Quartal 2026 um weitere 33,8 Prozent. Verdient wird trotzdem nichts: 40,1 Millionen Nettoverlust 2025, 25,7 Millionen operativer Mittelabfluss. Und der größte Posten der Bilanz ist eine chinesische Börsenbeteiligung für 144,9 Millionen Dollar Kaufpreis, deren Verwaltungsrat der eigene Vorstandschef führt und von der 15,79 Prozent an eine Bank verpfändet sind. Keine Anlageberatung.
Was unsere Einordnung bedeutet
Offene Fragen
Das Geschäft funktioniert grundsätzlich, aber eine wesentliche Frage ist offen. Solange sie offen ist, tragen unsere Befunde kein Qualitätsurteil.
Das Geschäftsmodell trägt wieder: Die Eigenmarke Amazfit wächst zweistellig, die Marge ist deutlich besser als in der Auftragsfertigung, die Firma sitzt auf 194,2 Millionen US-Dollar Eigenkapital und einer Aktie, die unter ihrem Buchwert notiert. Offen ist die eine Frage, die über alles entscheidet: Wann trägt der Umsatz die Kostenbasis? Bei 258,9 Millionen Umsatz und 128,4 Millionen Betriebskosten fehlt rund ein Drittel Rohertrag bis zur schwarzen Null, und der operative Cashflow ist seit zwei Jahren negativ. Für ein Rot fehlt der Substanzbefund — keine Bestandsgefährdung im Bericht, keine gerissene Kreditklausel, günstige Zinsen, freie Linien von 168,2 Millionen. Für ein Grün fehlt der Beweis, dass aus Wachstum auch Gewinn wird. Was Du daraus machst, ist Deine Entscheidung.
Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →
Bitte beachten
- Auf den Tisch kam Zepp Health über eine Kennzahlen-Auffälligkeit im Aktien-Universum des hauseigenen Aktien-Scanners: eine Firma, deren Börsenwert (rund 68 Millionen US-Dollar, gerechnet zum 26. Juni 2026) unter der Hälfte ihres bilanziellen Eigenkapitals liegt (194,2 Millionen zum 31.03.2026), bei zugleich 33,8 Prozent Umsatzwachstum im ersten Quartal 2026. Die Trefferlisten der Scanner werden täglich neu berechnet.
- Datenfalle Aktienzahl: Viele Datenquellen führen für ZEPP rund 8,5 Millionen Aktien — das sind die 135.608.316 Class-A-Aktien geteilt durch das ADS-Verhältnis von 16. Die 99.277.687 Class-B-Aktien fehlen darin. Alle Bewertungsangaben dieser Analyse rechnen mit 234.886.003 Stammaktien beziehungsweise 14,68 Millionen ADS-Äquivalenten (Deckblatt des Jahresberichts, Stand 31.12.2025). Das Unternehmen selbst rechnet das Ergebnis je Aktie auf einer breiteren Basis: 254.431.492 Aktien im gewichteten Mittel 2025, 253.929.090 im ersten Quartal 2026. Der Unterschied sind die bei der Depotbank hinterlegten Class-A-Aktien, die das Deckblatt ausdrücklich nicht zu den ausstehenden zählt; auf dieser breiteren Basis läge der Börsenwert rund 8 Prozent höher.
- Berichtswährung ist seit dem zweiten Quartal 2024 der US-Dollar (vorher Renminbi, rückwirkend angepasst); Bilanz- und Notierungswährung stimmen also überein. Als Foreign Private Issuer legt Zepp einen Jahresbericht 20-F und Zwischenberichte 6-K vor — einen Quartalsbericht 10-Q gibt es nicht.
- Nicht zu verwechseln: Zepp Health Corporation (NYSE: ZEPP) hieß bis Februar 2021 Huami Corporation und wird bei der SEC unter derselben Kennnummer CIK 0001720446 geführt. Die Marke Amazfit gehört zu Zepp, nicht zu Xiaomi.
Häufige Fragen
Zepp Health Corporation (NYSE: ZEPP) entwickelt und verkauft Sportuhren, Fitnessbänder und Zubehör unter der Marke Amazfit sowie das eigene Uhren-Betriebssystem Zepp OS. Dazu kommen zwei kleinere Gesundheitsanwendungen: Zepp Clarity (Hörgeräte) und Zepp Aura (Klanglandschaften zum Einschlafen). 2025 stammten 100 Prozent des Umsatzes von 258,9 Millionen US-Dollar aus Amazfit-Produkten. Die Firma sitzt rechtlich auf den Cayman-Inseln, die Geschäftsleitung im niederländischen Gorinchem, Entwicklung und Fertigung liegen überwiegend in China.
Das Unternehmen wurde 2013 als Huami gegründet und baute zunächst als Auftragsfertiger die Fitnessbänder der Marke Xiaomi. Im September 2015 kam die eigene Marke Amazfit dazu, im August 2020 die Marke Zepp. Im Februar 2021 benannte sich die Gesellschaft in Zepp Health Corporation um, das Börsenkürzel wechselte von HMI auf ZEPP. Die SEC führt „Huami Corp“ deshalb bis heute als früheren Namen unter derselben Kennnummer CIK 0001720446.
Zum 31. Dezember 2025 waren 135.608.316 Class-A- und 99.277.687 Class-B-Aktien ausstehend, zusammen 234.886.003 Stammaktien. Ein an der NYSE gehandeltes American Depositary Share (ADS) steht seit dem 16. September 2024 für 16 Class-A-Aktien — vorher waren es vier. Umgerechnet entspricht die Firma damit rund 14,68 Millionen ADS-Äquivalenten. Datenbanken, die nur die Class-A-Aktien zählen, kommen auf rund 8,5 Millionen ADS und blenden damit gut 42 Prozent des Kapitals aus.
Seit dem zweiten Quartal 2024 in US-Dollar. Davor berichtete das Unternehmen in Renminbi; die Umstellung wurde rückwirkend auf alle im Jahresbericht gezeigten Vorjahre angewendet. Funktionale Währung der Muttergesellschaft ist ebenfalls der US-Dollar. Bilanz und Börsennotierung stehen damit in derselben Währung — Kennzahlen wie Kurs-Buchwert-Verhältnis oder Nettoverschuldung sind für Zepp also ohne Währungsbruch rechenbar. Die operativen Kosten fallen dagegen überwiegend in Renminbi an.
Am 30. April 2024 erhielt Zepp ein Schreiben der New York Stock Exchange: Der Durchschnittsschlusskurs des ADS war über 30 Handelstage unter einen US-Dollar gefallen und verletzte damit die Mindestpreisregel für die fortgesetzte Notierung. Am 16. September 2024 stellte das Unternehmen das Verhältnis von einem ADS je vier Class-A-Aktien auf ein ADS je 16 Class-A-Aktien um — rechnerisch eine Vervierfachung des ADS-Kurses. Am 2. Oktober 2024 bestätigte die NYSE die Wiedererfüllung der Notierungsregeln.
Im Februar 2021 kaufte Zepp 29,99 Prozent an der Jiangsu Yitong High-Tech Co., Ltd., einer an der Börse Shenzhen notierten Gesellschaft, für 144,89 Millionen US-Dollar in bar; 2022 kam ein weiteres Hundertstel Prozent dazu. Die Beteiligung wird nach der Equity-Methode geführt und stand zum 31. Dezember 2025 mit 135,0 Millionen US-Dollar in den Büchern — 2025 mit einem Ergebnisbeitrag von −1,2 Millionen. 15,79 Prozent des Yitong-Eigenkapitals sind für einen Bankkredit über 33 Millionen US-Dollar verpfändet.
Zum 31. März 2026 nennt der Zwischenbericht 103,2 Millionen US-Dollar Kasse. Davon sind aber 50,8 Millionen verfügungsbeschränkt: Es sind Sicherheitsleistungen, die Banken für ausgegebene Bankakzepte verlangen — zwischen 20 und 100 Prozent des Nennwerts. Frei verfügbar waren damit 52,4 Millionen. Dem stehen 238,1 Millionen Finanzverbindlichkeiten gegenüber: 111,1 Millionen Wechsel, 87,0 Millionen kurzfristige und 40,0 Millionen langfristige Bankkredite.
Gründer, Verwaltungsratsvorsitzender und Vorstandschef Wang Wayne Huang hält über die HHtech Holdings Limited 87.858.307 Aktien — 37,4 Prozent des Kapitals, aber 72,7 Prozent der Stimmen, weil seine Class-B-Aktien je zehn Stimmen tragen. Insgesamt stellen die Class-B-Aktien 42,3 Prozent des Kapitals und 88,0 Prozent der Stimmen (Stand 28. Februar 2026). Zweitgrößter Aktionär ist die Xiaomi-nahe People Better Limited mit 15,3 Prozent des Kapitals; Zepp-Verwaltungsrat Alain Lam ist zugleich Finanzvorstand von Xiaomi.
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