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Wolfspeed nach Chapter 11: Das Unternehmen wurde gerettet — die Aktie von damals gibt es nicht mehr

Wolfspeed nach Chapter 11: Das Unternehmen wurde gerettet — die Aktie von damals gibt es nicht mehr

Wolfspeed ist der Erfinder des Siliziumkarbid-Chips und trägt an der New Yorker Börse noch immer dasselbe Kürzel WOLF. Doch am 29. September 2025 wurden im Chapter-11-Verfahren alle 156.479.390 alten Aktien gelöscht: Die Gläubiger bekamen rund 95 Prozent der neuen Firma, die bisherigen Aktionäre teilten sich 1.306.896 neue Aktien — rund 5 Prozent. Seither ist die Aktienzahl von 25,8 auf 48,3 Millionen gestiegen, und weitere 64,3 Millionen potenzielle Aktien warten in den Wandelanleihen, Warrants und Mitarbeiterprogrammen. Auf Reddit taucht der Wert wieder auf (2 Erwähnungen in 24 Stunden, Stand 8. August 2026). Keine Kaufempfehlung — nur die Frage, wem die neue Wolfspeed eigentlich gehört.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 18 Min. Lesezeit

Stand heute

Stand: 11. August 2026

Schlusskurs
29,30 $ -10,86 %
Marktkapitalisierung
1,7 Mrd. $

Diese Analyse hat einen Stichtag. Der Aktien-Wächter meldet sich, wenn sich an den Zahlen etwas Wesentliches ändert. Zur kostenlosen Vormerkung

Wolfspeed nach Chapter 11: Das Unternehmen wurde gerettet — die Aktie von damals gibt es nicht mehr
Eigene Darstellung: Börsenlotse · Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q)

Chart

Interaktiver Kurs-Chart (TradingView).

Letzter Kurs: 29,30 $ (Stand: 11. August 2026)

Hinweis: reine Faktenanalyse, keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Angaben ohne Gewähr.

Es gibt eine Anleger-Falle, die immer dann zuschnappt, wenn eine bekannte Firma eine Insolvenz überlebt hat — nennen wir sie die Geisterkurs-Falle. Sie geht so: Du öffnest den Chart einer Aktie, siehst weit oben links einen Kurs von einst deutlich über 100 US-Dollar, siehst rechts einen Bruchteil davon, und dein Kopf rechnet automatisch: „Das ist derselbe Laden, nur billiger." Der Haken: Der Kurs von damals gehört zu einer Aktie, die es rechtlich nicht mehr gibt. Bei Wolfspeed (NYSE: WOLF) ist das keine Metapher, sondern Aktenlage. Das Unternehmen — der Erfinder des Siliziumkarbid-Leistungshalbleiters, bis Oktober 2021 unter dem Namen Cree, Inc. bekannt — stellte am 30. Juni 2025 einen vorbereiteten Insolvenzantrag nach Chapter 11 und war am 29. September 2025 schon wieder draußen. Der Ticker blieb, die Notierung an der New York Stock Exchange blieb, die Fabriken blieben. Nur die Aktien wurden gelöscht: alle 156.479.390 Stück. Auf Reddit taucht der Wert seither wieder auf — unser hauseigener Reddit-Hype-Scanner meldete WOLF erstmals am 8. August 2026 mit 2 Erwähnungen in 24 Stunden. Machen wir also einen Deal: Bevor du den Chart als Rabattschild liest, lesen wir gemeinsam, was Wolfspeed selbst der US-Börsenaufsicht SEC gemeldet hat — den Quartalsbericht (10-Q) zum 29. März 2026, den Geschäftsbericht (10-K) für das Geschäftsjahr 2025 und die Meldung (8-K) über den Tag der Emergenz. Ein SEC-Bericht ist unter Strafandrohung ehrlich. Und dieser erzählt von einer geretteten Firma, einem fast vollständig enteigneten Altaktionär, einer Aktienzahl, die schon wieder wächst, und einem Zinssatz, der einen eigenen Kalendereintrag verdient.

Was Wolfspeed eigentlich macht — der Chip, der Hitze aushält

Wolfspeed baut Leistungshalbleiter aus Siliziumkarbid. Übersetzt in ein Alltagsbild: Fast alle Chips der Welt bestehen aus Silizium, einem Material, das bei Hitze und hoher Spannung irgendwann aufgibt. Siliziumkarbid ist die härtere Variante — ein Kristall aus Silizium und Kohlenstoff, der deutlich mehr Spannung und Temperatur verträgt und dabei weniger Energie in Abwärme verliert. Genau das braucht man dort, wo große Strommengen geschaltet werden: im Antriebsstrang eines Elektroautos, in Schnellladesäulen, in Solarwechselrichtern, in Bahntechnik — und zunehmend in der Stromversorgung von Rechenzentren. Das Geschäft läuft in zwei Produktlinien. Die Power Products sind die fertigen Bauelemente; sie brachten im Quartal bis 29. März 2026 100,1 Millionen US-Dollar Umsatz (66,6 Prozent des Konzernumsatzes). Die Materials Products sind die Rohkristalle und Scheiben („Wafer"), die Wolfspeed auch an andere Chiphersteller verkauft; sie kamen auf 50,1 Millionen (33,4 Prozent) nach 77,9 Millionen im Vorjahresquartal.

Wolfspeed hat dieses Material nicht nur früh beherrscht, sondern auch früh sehr viel Geld darin verbaut: eine 200-mm-Fabrik im Mohawk Valley im Bundesstaat New York, ein Materialwerk in Siler City, North Carolina, dazu die historische Fertigung in Durham. Beide Großprojekte waren gegen Ende des Geschäftsjahres 2025 im Wesentlichen fertig — bezahlt wurden sie mit Schulden, die das Unternehmen dann nicht mehr tragen konnte. Damit ist das Spannungsfeld dieser Analyse benannt, und es zieht sich durch jedes Kapitel: Die Technologie und die Fabriken haben das Verfahren unbeschadet überstanden — bezahlt hat die Rettung fast ausschließlich der Aktionär, und die Rechnung ist noch nicht zu Ende geschrieben.

Wie die Aktie auf unseren Tisch kam

Wolfspeed erreichte uns nicht über einen Momentum- oder Value-Filter, sondern über den Reddit-Hype-Scanner unseres hauseigenen Aktien-Scanners: erstmals gemeldet am 8. August 2026 mit 2 Erwähnungen in 24 Stunden. Das ist kein Sturm, sondern ein Rascheln — und trotzdem lohnt der Blick, weil hier zwei Zutaten zusammenkommen, die Kleinanleger anziehen. Erstens ein Name mit Fallhöhe: Wer „Wolfspeed" kennt, kennt ihn aus der Elektroauto-Euphorie. Zweitens eine sehr enge Aktie: Von rund 52,0 Millionen Aktien lagen nach den Fundamentaldaten am 9. August 2026 nur etwa 28,2 Millionen im Streubesitz, und rund 29 Prozent dieses Streubesitzes waren leerverkauft (Datenstand 9. August 2026). Eng gehandelte Papiere mit hoher Leerverkaufsquote bewegen sich heftig, wenn viele gleichzeitig dieselbe Idee haben. Genau deshalb ist bei diesem Wert die Grundfrage wichtiger als jede Kursformation: Was genau kauft man eigentlich, wenn man heute „WOLF" kauft? Die Antwort steht nicht im Chart, sondern in den Akten.

Die Zahlen über die Jahre — ehrlich gewürdigt

Erst das, was wirklich für Wolfspeed spricht. Das Unternehmen ist kein Papiergebilde: Es hat echte Kunden, echte Fabriken und ein Material, das die Elektrifizierung tatsächlich braucht. Der Umsatz lag in den Geschäftsjahren 2023 bis 2025 stabil zwischen 757,6 und 807,2 Millionen US-Dollar. Der Anteil der USA am Umsatz stieg im Quartal bis 29. März 2026 auf 34,1 Prozent nach 20,7 Prozent im Vorjahresquartal — die Abhängigkeit von China schrumpfte im selben Zeitraum von 11,8 auf 2,7 Prozent. Und ein Zukunftsfeld wächst: Das Unternehmen meldete für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2026 ein Wachstum von rund 30 Prozent gegenüber dem Vorquartal bei Anwendungen für KI-Rechenzentren und brachte den nach eigenen Angaben ersten kommerziell verfügbaren 10-kV-Siliziumkarbid-Transistor auf den Markt. Auch die Kostenseite bewegt sich: Forschung und Entwicklung sanken im Quartalsvergleich von 42,2 auf 27,2 Millionen, Vertrieb und Verwaltung von 41,1 auf 37,0 Millionen.

Nun die Kurve, die den Rest der Geschichte erklärt. Sie zeigt nicht den Umsatz — der ist stabil —, sondern das Bruttoergebnis: was übrig bleibt, wenn man von jedem verkauften Chip die reinen Herstellkosten abzieht, also bevor überhaupt Forschung, Vertrieb oder Zinsen bezahlt sind.

Balkendiagramm des Wolfspeed-Bruttoergebnisses in Millionen US-Dollar: +242,9 im Geschäftsjahr 2023 (grün), +77,4 im Geschäftsjahr 2024 (grün), −121,6 im Geschäftsjahr 2025 (rot) und −40,0 im Quartal bis 29. März 2026 (rot). Der Umsatz lag bei 758,5, 807,2, 757,6 Millionen und 150,2 Millionen im Quartal.
Der Umsatz blieb stabil, das Bruttoergebnis kippte: von +242,9 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2023 auf −121,6 Millionen 2025 und −40,0 Millionen im Quartal bis 29. März 2026. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Diese Kurve ist der Kern des Problems, und sie hat einen einfachen Grund: Wolfspeed hat Fabriken für einen Absatz gebaut, der so schnell nicht kam. Fabriken kosten fast dasselbe, ob sie halb oder voll laufen — bleibt die Menge aus, verteilen sich die Fixkosten auf zu wenige Chips, und irgendwann kostet jedes verkaufte Stück mehr, als es einbringt. Genau da steht das Unternehmen: Bruttomarge −27 Prozent im Quartal bis 29. März 2026 nach −12 Prozent im Vorjahresquartal. Merke dir den Satz: Eine negative Bruttomarge heißt, dass Wachstum den Verlust zunächst vergrößert, nicht verkleinert. Der Nettoverlust der Geschäftsjahre 2023 bis 2025 summiert sich auf 2,80 Milliarden US-Dollar (−329,9, −864,2 und −1.609,2 Millionen). Womit wir bei den unbequemen Wahrheiten wären.

Was in den Berichten steht — die unbequemen Wahrheiten

Unbequeme Wahrheit Nr. 1: 95 Prozent der neuen Firma gehörten am ersten Tag den Gläubigern

Ein Chapter-11-Verfahren ist kein Konkurs im deutschen Sinn, sondern ein gerichtlich beaufsichtigter Schuldenschnitt bei laufendem Betrieb. Wolfspeed nutzte die schnellste Variante: einen vorbereiteten Plan, mit den Gläubigern vorher ausgehandelt, am 30. Juni 2025 beim Insolvenzgericht in Houston eingereicht, am 8. September 2025 bestätigt, am 29. September 2025 wirksam. Drei Monate, das ist Rekordtempo. Der Preis dafür steht in der Meldung an die SEC:

„On the Plan Effective Date, all previously issued and outstanding equity interests in Wolfspeed were cancelled and extinguished. Pursuant to the Plan, (i) holders of certain claims under Wolfspeed’s pre-petition debt received approximately 95% of the shares of New Common Stock issued on the Plan Effective Date and (ii) holders of shares of Old Common Stock received their pro rata portion of approximately 5% of the shares of New Common Stock issued on the Plan Effective Date.“

Übersetzung: „Am Tag des Planwirksamwerdens wurden sämtliche zuvor ausgegebenen und ausstehenden Eigenkapitalanteile an Wolfspeed annulliert und gelöscht. Gemäß dem Plan erhielten (i) Inhaber bestimmter Forderungen aus Wolfspeeds vorinsolvenzlichen Verbindlichkeiten rund 95 Prozent der am Tag des Planwirksamwerdens ausgegebenen neuen Stammaktien und (ii) Inhaber alter Stammaktien ihren anteiligen Anteil an rund 5 Prozent der am Tag des Planwirksamwerdens ausgegebenen neuen Stammaktien."

— Wolfspeed, Inc., SEC-Meldung Form 8-K vom 30. September 2025, Item 5.01 „Changes in Control of Registrant"

Gelb markierte Textstelle aus der Wolfspeed-Meldung Form 8-K vom 30. September 2025: Die Gläubiger erhielten rund 95 Prozent der neuen Stammaktien, die Altaktionäre rund 5 Prozent.
Die markierte Stelle im Original: 95 Prozent für die Gläubiger, rund 5 Prozent für die bisherigen Aktionäre. Quelle: SEC-Meldung Form 8-K vom 30.09.2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

In Stückzahlen: Aus 156.479.390 alten Aktien wurden für die bisherigen Aktionäre 1.306.896 neue — rechnerisch etwa eine neue Aktie für 120 alte, ein Verlust von 99,2 Prozent des Anteils an der Firma. Wer die Aktie vor dem 29. September 2025 hielt, besitzt heute nicht „dieselbe Aktie zu einem anderen Kurs", sondern einen winzigen Rest davon. Das ist die Geisterkurs-Falle in Zahlen. Übrigens hat sich im selben Atemzug auch die Rechtsform geändert: Wolfspeed wandelte sich von einer Gesellschaft nach dem Recht North Carolinas in eine Delaware-Gesellschaft um, mit neuer Satzung und weitgehend neuem Aufsichtsgremium. Nur drei der bisherigen Direktoren blieben; vier neue kamen, ein weiterer folgte am 28. Juli 2026. Wie eine solche Häutung aussieht, wenn dieselbe Marke sie schon einmal durchgemacht hat, haben wir in unserer Analyse zu Hertz beschrieben — auch dort blieb der Name und wechselte die Aktie.

Unbequeme Wahrheit Nr. 2: Nach der Rettung ging die Verwässerung weiter — und der größte Teil steht noch aus

Man könnte denken: einmal enteignet, dann ist Ruhe. Der Plan sah es anders. Neben den 25.840.656 sofort ausgegebenen Aktien legte er einen Vorrat an:

„As of the Plan Effective Date, Wolfspeed had an aggregate of approximately 25,840,656 shares of New Common Stock issued and outstanding and approximately 73,030,424 shares of New Common Stock reserved for issuance pursuant to the Plan (such reserve, the ‚Share Reserve‘).“

Übersetzung: „Zum Tag des Planwirksamwerdens hatte Wolfspeed insgesamt rund 25.840.656 neue Stammaktien ausgegeben und ausstehend sowie rund 73.030.424 neue Stammaktien, die gemäß dem Plan zur Ausgabe reserviert waren (diese Reserve, die ‚Aktienreserve‘)."

— Wolfspeed, Inc., SEC-Meldung Form 8-K vom 30. September 2025, Item 3.02 „Unregistered Sales of Equity Securities"

Gelb markierte Textstelle aus der Wolfspeed-Meldung Form 8-K vom 30. September 2025: 25.840.656 ausgegebene neue Stammaktien und 73.030.424 zusätzlich reservierte Aktien; darüber die 1.306.896 Aktien für die bisherigen Aktionäre.
Die markierte Stelle im Original: 25,8 Millionen ausgegebene Aktien — und 73,0 Millionen weitere in der Reserve. Quelle: SEC-Meldung Form 8-K vom 30.09.2025 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Aus dieser Reserve wurde geliefert. Der japanische Chipkonzern Renesas, dem Wolfspeed vor der Insolvenz rund 2,1 Milliarden US-Dollar an Kundenanzahlungen schuldete, erhielt am 29. Januar 2026 nach der Freigabe durch die US-Investitionskontrolle 16.852.372 Aktien; die bisherigen Aktionäre bekamen zusätzlich 871.287 Stück nachgereicht. Im März 2026 verkaufte Wolfspeed außerdem 3.250.030 neue Aktien zu 18,458 US-Dollar sowie vorausbezahlte Bezugsrechte auf weitere 2.000.000 Aktien. So sieht die Entwicklung der Aktienzahl aus:

Balkendiagramm der Wolfspeed-Aktienzahl in Millionen: 156,5 Altaktien am 28. September 2025, 25,8 nach der Emergenz, 48,3 ausstehend am 1. Mai 2026 und 112,6 wenn man die 64,3 Millionen potenziellen Aktien hinzurechnet.
Einmal geschrumpft, dann wieder gewachsen: 156,5 Millionen Altaktien wurden zu 25,8 Millionen neuen; zum 1. Mai 2026 waren es 48,3 Millionen, und 64,3 Millionen potenzielle Aktien kommen rechnerisch obendrauf. Quelle: Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäfts- und Quartalsberichte, 10-K/10-Q). Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Die letzte Säule verlangt eine Erklärung, weil sie die eigentliche Nachricht enthält. Wenn ein Unternehmen Verlust macht, darf es potenzielle neue Aktien aus Wandelanleihen, Bezugsrechten und Mitarbeiterprogrammen bei der Ergebnisrechnung weglassen — sie würden den Verlust je Aktie sonst kleiner erscheinen lassen, was verboten ist. Diese weggelassenen Aktien muss das Unternehmen aber beziffern:

„For the three months ended March 29, 2026, the period from June 30, 2025 to September 29, 2025, and the period from September 30, 2025 to March 29, 2026, 64.2 million, 0.0 million and 64.3 million of weighted average shares, respectively, were excluded from the calculation of diluted loss per share because their effect would be anti-dilutive.“

Übersetzung: „Für die drei Monate bis zum 29. März 2026, den Zeitraum vom 30. Juni 2025 bis zum 29. September 2025 und den Zeitraum vom 30. September 2025 bis zum 29. März 2026 wurden 64,2 Millionen, 0,0 Millionen beziehungsweise 64,3 Millionen gewichtete durchschnittliche Aktien aus der Berechnung des verwässerten Verlusts je Aktie ausgeschlossen, weil ihre Wirkung verwässerungsneutral gewesen wäre."

— Wolfspeed, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 29. März 2026, Note 12 „Loss Per Share"

Gelb markierte Textstelle aus dem Wolfspeed-Quartalsbericht 10-Q zum 29. März 2026: 64,2 Millionen und 64,3 Millionen gewichtete Aktien wurden als verwässerungsneutral aus der Berechnung des Verlusts je Aktie ausgeschlossen.
Die markierte Stelle im Original: 64,3 Millionen potenzielle Aktien bleiben in der Ergebnisrechnung außen vor — bei 48,3 Millionen tatsächlich ausstehenden. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 29.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Woher diese 64,3 Millionen kommen, lässt sich Zeile für Zeile nachlesen: Die zweitrangigen Wandelanleihen der Nicht-Renesas-Gläubiger wandeln zu 12,23 US-Dollar je Aktie, die Renesas-Wandelanleihe zu 18,35, die im März 2026 begebene 1,5-rangige Wandelanleihe zu 20,14; dazu kommt ein Renesas-Bezugsrecht auf 4.943.555 Aktien zu 23,95 US-Dollar sowie 4.058.925 und 8.117.851 Aktien, die für die beiden neuen Mitarbeiter-Aktienprogramme reserviert sind. Alle diese Titel wandeln nicht auf Knopfdruck — aber sie warten. Merke dir das Bild: Dein Stück vom Kuchen ist nicht nur einmal kleiner geworden, es steht noch ein zweiter Schnitt in Aussicht.

Unbequeme Wahrheit Nr. 3: Am 23. Juni 2026 schaltet der Zinssatz um — und der Aufschub endet

Die neue Kapitalstruktur ist deutlich kleiner als die alte, aber sie ist teuer. Zum 29. März 2026 standen fünf Anleihen mit zusammen 1.821,4 Millionen US-Dollar Nominalwert in den Büchern. Die größte und wichtigste ist die erstrangig besicherte New Senior Secured Note, fällig am 23. Juni 2030, zuletzt mit 629,5 Millionen ausstehend. Ihre Verzinsung ist in zwei Phasen geteilt — und die erste war ein Aufschub: Bis zum 22. Juni 2026 wurden 9,875 Prozent in bar gezahlt und weitere 4,00 Prozent der Schuld einfach zugeschlagen statt überwiesen (10,2 Millionen am 23. Dezember 2025, 10,9 Millionen am 23. März 2026). Danach wird es ernst:

„The Interest Rate Step-Down Condition is met if (a)(i) the Company redeems or repurchases (other than redemptions or repurchases with the proceeds of dispositions) the New Senior Secured Notes, resulting in the aggregate principal amount of New Senior Secured Notes outstanding being less than $1,000,000,000 and (ii) the Company receives at least $450,000,000 of award disbursements pursuant to governmental grants under the CHIPS Act or (b) as of the most recent June 23rd, the ratio of the outstanding principal amount of the New Senior Secured Notes to EBITDA … is less than or equal to 2.00:1.00.“

Übersetzung: „Die Zinssenkungs-Bedingung ist erfüllt, wenn (a)(i) das Unternehmen die New Senior Secured Notes zurückzahlt oder zurückkauft (außer mit Erlösen aus Veräußerungen), sodass der ausstehende Gesamtnennbetrag der New Senior Secured Notes unter 1.000.000.000 US-Dollar liegt, und (ii) das Unternehmen mindestens 450.000.000 US-Dollar an Auszahlungen aus staatlichen Zuschüssen nach dem CHIPS Act erhält, oder (b) zum jeweils letzten 23. Juni das Verhältnis des ausstehenden Nennbetrags der New Senior Secured Notes zum EBITDA … höchstens 2,00 zu 1,00 beträgt."

— Wolfspeed, Inc., SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 29. März 2026, Note 2 „Emergence from Voluntary Reorganization under Chapter 11"

Gelb markierte Textstelle aus dem Wolfspeed-Quartalsbericht 10-Q zum 29. März 2026: Ab dem 23. Juni 2026 gelten 13,875 Prozent Barzins, wenn die Zinssenkungs-Bedingung erfüllt ist, sonst 15,875 Prozent; die Bedingung verlangt unter anderem 450 Millionen US-Dollar an CHIPS-Zuschüssen.
Die markierte Stelle im Original: Die Zinssenkungs-Bedingung verlangt CHIPS-Zuschüsse von mindestens 450 Millionen US-Dollar — oder ein Verhältnis von Anleihe zu EBITDA von höchstens 2,0. Darüber stehen die beiden Sätze: 13,875 oder 15,875 Prozent. Quelle: SEC-Quartalsbericht 10-Q zum 29.03.2026 (sec.gov), Hervorhebung von uns. Klick auf das Bild öffnet die volle Auflösung.

Rechnen wir das nüchtern durch, ohne die Zukunft zu behaupten. Die erste Hälfte von Bedingung (a) war zum 29. März 2026 erfüllt: 629,5 Millionen liegen unter einer Milliarde. Die zweite Hälfte nennt der Bericht nicht als erfüllt — Wolfspeed erhielt im Geschäftsjahr 2026 zwar 698,6 Millionen US-Dollar, aber als Steuererstattung aus der Investitionsgutschrift AMIC, nicht als Zuschuss; nach Zuschüssen „verfolgt das Unternehmen weiterhin aktiv Möglichkeiten", heißt es im Lagebericht. Und Bedingung (b) scheidet aus, solange das bereinigte Betriebsergebnis vor Abschreibungen negativ ist — im Quartal bis 29. März 2026 waren es −62 Millionen US-Dollar. Was das ab dem 23. Juni 2026 tatsächlich bedeutet, steht erst im Geschäftsbericht für das am 28. Juni 2026 endende Geschäftsjahr, der am 11. August 2026 noch nicht vorlag. Die Größenordnung ist aber jetzt schon greifbar: Auf 629,5 Millionen Nominale sind 15,875 Prozent rund 100 Millionen US-Dollar Barzinsen im Jahr statt rund 62 Millionen zuvor — bei einem Quartalsumsatz von 150,2 Millionen. Bereits im dritten Quartal 2026 lag der Nettozinsaufwand bei 52,1 Millionen, also gut einem Drittel des Umsatzes. Übersetzt: Von jedem Umsatzdollar geht rund ein Drittel an die Gläubiger, bevor irgendein Chip bezahlt ist.

Unbequeme Wahrheit Nr. 4: Die schöne neue Bilanz ist zum Teil ein Buchungsvorgang

Wer die Bilanz zum 29. März 2026 neben die zum 29. Juni 2025 legt, sieht ein Wunder: Das Eigenkapital drehte von −447,1 auf +1.021,7 Millionen US-Dollar, der aufgelaufene Verlustvortrag schrumpfte von 4.537,6 Millionen auf 270,5. Ein Teil davon ist echt — die Schulden wurden tatsächlich um rund 70 Prozent oder 4,6 Milliarden gekürzt. Ein anderer Teil ist Buchhaltung. Beim Verlassen eines Chapter-11-Verfahrens muss ein Unternehmen unter bestimmten Bedingungen die Fresh-Start-Bilanzierung anwenden: Es gilt bilanziell als neues Unternehmen, alle Vermögenswerte und Schulden werden zum Zeitwert neu angesetzt, die aufgelaufenen Verluste verschwinden aus der Bilanz. Wolfspeed musste das anwenden, weil der Reorganisationswert des Vermögens mit 3,8 Milliarden US-Dollar unter den rund 7,6 Milliarden an Ansprüchen lag.

Was dabei passierte, ist bemerkenswert: Die Sachanlagen — also Fabriken, Maschinen, Gebäude — wurden von 3.916,5 Millionen auf 717,1 Millionen abgeschrieben; allein die Fresh-Start-Anpassung nahm 3.006,6 Millionen aus den Büchern. Im Gegenzug erschienen erstmals immaterielle Werte für Kundenbeziehungen, Technologie und Marke: 409,2 Millionen statt 23,8. Wirtschaftlich heißt das: Der Gutachter hielt die Fabriken für gut ein Fünftel dessen wert, was sie gekostet hatten. Für künftige Berichte hat das zwei Folgen. Erstens sinken die Abschreibungen, was die Ergebnisse optisch verbessert, ohne dass ein Chip mehr verkauft wird. Zweitens sind die Zahlen vor und nach dem 29. September 2025 nicht vergleichbar — der Bericht warnt selbst, die Abschlüsse nach diesem Datum seien „nicht vergleichbar" mit denen davor. Auch die alten Verlustvorträge helfen kaum weiter: Durch den Schuldenerlass entstand ein steuerlicher Ertrag von rund 3,4 Milliarden US-Dollar, gegen den die Verluste verrechnet werden, und der Eigentümerwechsel am Stichtag löste zusätzlich die Begrenzung nach Abschnitt 382 des US-Steuerrechts aus. Ein ähnliches Bild — neue Eröffnungsbilanz, alter Betrieb — haben wir in unserer Analyse zu Vroom beschrieben.

Unbequeme Wahrheit Nr. 5: Die Kasse wuchs, weil das Finanzamt zahlte

1.164,8 Millionen US-Dollar an Kasse und kurzfristigen Anlagen zum 29. März 2026 klingen nach Ruhe. Die Kapitalflussrechnung zeigt, woher sie stammen. Aus dem laufenden Geschäft flossen zwischen dem 30. September 2025 und dem 29. März 2026 126,4 Millionen ab, für Sachanlagen gingen weitere 67,8 Millionen hinaus. Hereingekommen sind 733,1 Millionen als Erstattung von Investitionsausgaben aus Anreizprogrammen und Investitionsgutschriften; der Anhang beziffert die Steuererstattungen aus der refundierbaren Gutschrift AMIC für das Geschäftsjahr 2026 auf 698,6 Millionen, nach 189,1 Millionen im Vorjahr. Diese Quelle ist weitgehend ausgeschöpft: Als Restforderung standen nur noch 71,5 Millionen kurzfristig und 109,5 Millionen langfristig in der Bilanz. Dazu kommt eine Klausel, die einen Teil der Liquidität festnagelt: Die erstrangige Anleihe verlangt zum Ende jedes Kalendermonats mindestens 350 Millionen US-Dollar an freier Liquidität auf besicherten Konten. Und Verpflichtungen laufen weiter: mindestens 165 Millionen US-Dollar Abnahmeverpflichtungen bei Lieferanten über die nächsten vier Jahre, dazu rund 57 Millionen für Strom in Siler City über vier Jahre und rund 23 Millionen in Durham über acht Jahre.

Bewertung: was man für die neue Wolfspeed bezahlt

Bei einer Firma ohne Gewinn und mit negativer Bruttomarge führt jedes Gewinn-Vielfache in die Irre; sinnvoll ist nur die Frage, welchen Gesamtpreis die Börse dem Unternehmen gibt. Als datierten Anker nehmen wir den einzigen Kurs, den ein SEC-Dokument selbst nennt: 16,78 US-Dollar je Aktie am 18. März 2026, festgehalten im Quartalsbericht als Grundlage für den Wandlungspreis der neuen Wandelanleihe. Rechnen wir damit zwei Wege durch. Weg eins: 48,3 Millionen Aktien ergeben rund 0,81 Milliarden US-Dollar Börsenwert; plus 1,82 Milliarden Schulden, minus 1,16 Milliarden Kasse ergibt einen Unternehmenswert von rund 1,47 Milliarden. Weg zwei: Man unterstellt, dass alle 64,3 Millionen potenziellen Aktien entstehen und die Wandelanleihen dabei in Aktien statt in Bargeld getilgt werden — dann sind es 112,6 Millionen Aktien für rund 1,89 Milliarden Börsenwert, es bleiben 0,93 Milliarden Schulden, und der Unternehmenswert liegt bei rund 1,65 Milliarden. Beide Wege landen bei grob 1,5 bis 1,7 Milliarden US-Dollar, also etwa dem Zweieinhalbfachen des annualisierten Umsatzes (150,2 Millionen im Quartal, rund 600 Millionen im Jahr).

Das ist die eigentlich interessante Erkenntnis dieser Rechnung: Die Verwässerung ändert am Preis des Unternehmens fast nichts — sie ändert nur, wem es gehört. Ob das Zweieinhalbfache des Umsatzes viel oder wenig ist, hängt an einer einzigen Frage: Wann kippt die Bruttomarge wieder ins Plus? Solange jeder Chip mehr kostet, als er einbringt, kauft man keine Ertragskraft, sondern eine Wette auf Auslastung. Und weil der Kurs bei diesem Wert stark schwankt, gilt hier besonders: Der genannte Anker ist ein datierter Bezugspunkt, kein aktueller Kurs — heute kann er deutlich darüber oder darunter liegen. Wer die Bewertung nachrechnen will, ersetzt die 16,78 durch den Kurs des Tages und behält die übrigen Größen bei.

Chancen und Risiken auf einen Blick

Was für Wolfspeed spricht:

  • Die Bilanz ist entlastet: Die Schulden sanken um rund 70 Prozent oder 4,6 Milliarden US-Dollar auf 1.821,4 Millionen Nominalwert, das Eigenkapital drehte von −447,1 auf +1.021,7 Millionen, und 1.164,8 Millionen liegen als Kasse und kurzfristige Anlagen bereit (Stand 29. März 2026). Der Quartalsbericht enthält keinen Hinweis auf eine gefährdete Unternehmensfortführung.
  • Die Großbaustellen sind bezahlt: Die Fabriken im Mohawk Valley und in Siler City waren gegen Ende des Geschäftsjahres 2025 im Wesentlichen fertig; die Sachanlagen-Investitionen sanken von 1.059,5 Millionen US-Dollar (neun Monate bis 30. März 2025) auf 67,8 Millionen (zwei Quartale bis 29. März 2026).
  • Ein echtes Wachstumsfeld: Anwendungen für KI-Rechenzentren wuchsen im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 um rund 30 Prozent gegenüber dem Vorquartal; der Umsatz mit Leistungsbauelementen für Industrieanwendungen legte trotz schwacher Materialnachfrage zu.
  • Weniger China-Abhängigkeit: Der US-Anteil am Quartalsumsatz stieg auf 34,1 Prozent (Vorjahresquartal 20,7 Prozent), der China-Anteil sank von 11,8 auf 2,7 Prozent — in einem Umfeld mit Zöllen und Exportauflagen ein Vorteil.
  • Die Kosten sinken sichtbar: Forschung und Entwicklung fielen im Quartalsvergleich von 42,2 auf 27,2 Millionen US-Dollar, Vertrieb und Verwaltung von 41,1 auf 37,0 Millionen; die Refinanzierung im März 2026 senkte die Zinslast nach Unternehmensangaben um geschätzt 62 Millionen im Jahr.

Was dagegen spricht:

  • Jeder verkaufte Chip kostet mehr, als er einbringt: Bruttomarge −27 Prozent im Quartal bis 29. März 2026 (Vorjahresquartal −12 Prozent), Betriebsverlust 114,3 Millionen US-Dollar, Nettoverlust 119,9 Millionen. Für das Folgequartal stellte das Unternehmen selbst 140 bis 160 Millionen Umsatz und erneut negative Bruttomargen in Aussicht.
  • Die Verwässerung ist nicht abgeschlossen: 48,3 Millionen ausstehenden Aktien (1. Mai 2026) stehen 64,3 Millionen potenzielle gegenüber, die der Quartalsbericht als verwässerungsneutral herausrechnet — Wandelanleihen zu 12,23, 18,35 und 20,14 US-Dollar, ein Bezugsrecht zu 23,95 und zwei Mitarbeiterprogramme über zusammen 12,2 Millionen Aktien.
  • Teures Geld mit Stichtag: Die erstrangige Anleihe zahlt ab dem 23. Juni 2026 13,875 oder 15,875 Prozent — in bar statt teilweise als Schuldzuschlag; die Zinssenkungs-Bedingung verlangt unter anderem 450 Millionen US-Dollar CHIPS-Zuschüsse, die der letzte Bericht nicht als erhalten ausweist. Der Nettozinsaufwand lag schon im dritten Quartal 2026 bei 52,1 Millionen, gut einem Drittel des Umsatzes.
  • Der Mittelzufluss war einmalig: Aus dem laufenden Geschäft flossen 126,4 Millionen US-Dollar ab; die Kasse wuchs vor allem durch 733,1 Millionen an Erstattungen aus Investitionsgutschriften, von denen nur noch 181,0 Millionen als Forderung ausstehen. Zugleich bindet die Anleihe zum Monatsende dauerhaft 350 Millionen an Mindestliquidität.
  • Klumpenrisiko und Kontrolle: Zwei Kunden standen im Geschäftsjahr 2025 für 19 und 18 Prozent des Umsatzes (zusammen 37 Prozent). Renesas ist heute zugleich Großaktionär, Gläubiger und Kunde; die Stimmrechtsbegrenzung von 9,9 Prozent und die Beteiligungsgrenze von 39,9 Prozent laufen bis 1. Januar 2027 und verlängern sich nur automatisch, solange Renesas sie nicht beendet.

Ein menschliches Fazit

Zurück zur Geisterkurs-Falle vom Anfang. Ihr Kern ist nicht, dass die Sanierung misslungen wäre — im Gegenteil: Wolfspeed hat in drei Monaten geschafft, wofür andere Jahre brauchen, hat 4,6 Milliarden US-Dollar Schulden abgeworfen, seine Fabriken behalten und arbeitet an einem Material, das die Elektrifizierung wirklich braucht. Ihr Kern ist, dass zwei Dinge, die dasselbe Kürzel tragen, deshalb nicht dasselbe sind. Wer heute WOLF kauft, kauft nicht „den gefallenen Highflyer von damals", sondern ein neu geordnetes Unternehmen, dessen Eigentümer überwiegend die früheren Gläubiger sind, dessen Aktienzahl sich in sieben Monaten fast verdoppelt hat, das noch einmal so viele potenzielle Aktien im Wartestand hat, wie es ausstehende gibt, und das für jeden Umsatzdollar derzeit rund einen Drittel Dollar Zinsen zahlt, bevor die erste Maschine läuft. Das kann trotzdem eine gute Wette sein — wenn die Auslastung steigt, kippt eine negative Bruttomarge schneller ins Plus, als man denkt, und dann arbeitet der Hebel in die andere Richtung. Die ehrliche Frage an dich lautet deshalb nicht „Wie tief ist die Aktie gefallen?", sondern: Traust du dir zu, den Zeitpunkt zu treffen, an dem die Fabriken voll genug laufen — und hältst du die Verwässerung aus, die bis dahin weiterläuft? Wenn ja, hast du eine These. Wenn nein, hattest du einen Chart. Was du daraus machst, ist deine Entscheidung. Und das ist auch gut so.

Quellen

Alle in dieser Analyse verwendeten Originaldokumente — zum Selbst-Nachlesen:

Transparenz & Disclaimer: Diese Analyse ist eine journalistische Einordnung öffentlich zugänglicher Informationen und keine Anlageberatung, keine Finanzanalyse im aufsichtsrechtlichen Sinn und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Aktien-Investments sind mit erheblichen Risiken bis hin zum Totalverlust verbunden. Alle Angaben ohne Gewähr; Stand der Daten ist jeweils im Text vermerkt. Der Autor hält zum Zeitpunkt der Veröffentlichung keine Position in Wolfspeed-Aktien.

Unser Fazit auf einen Blick

Bilanz nach der Sanierung positiv
Die Entlastung ist echt: Die Schulden sanken um rund 70 Prozent oder 4,6 Milliarden US-Dollar auf 1.821,4 Millionen Nennwert, das Eigenkapital drehte von −447,1 Millionen (29. Juni 2025) auf +1.021,7 Millionen (29. März 2026), und 1.164,8 Millionen liegen als Kasse und kurzfristige Anlagen bereit. Der Quartalsbericht enthält keinen Hinweis auf eine gefährdete Unternehmensfortführung.
Ertragskraft negativ
Im Quartal bis 29. März 2026 lag die Bruttomarge bei −27 Prozent (Vorjahresquartal −12 Prozent): Jeder verkaufte Chip kostete mehr, als er einbrachte. Betriebsverlust 114,3 Millionen US-Dollar, Nettoverlust 119,9 Millionen, bereinigtes EBITDA −62 Millionen. Für das Folgequartal kündigte das Unternehmen 140 bis 160 Millionen Umsatz und erneut negative Bruttomargen an.
Verwässerung negativ
Die Altaktionäre verloren am 29. September 2025 rund 99,2 Prozent ihres Anteils (156.479.390 alte Aktien gegen 1.306.896 neue). Danach stieg die Aktienzahl von 25,8 auf 48,3 Millionen (1. Mai 2026), und der Quartalsbericht klammert weitere 64,3 Millionen potenzielle Aktien als verwässerungsneutral aus — mehr, als es ausstehende gibt.
Zinslast und Auflagen negativ
Der Nettozinsaufwand betrug im Quartal bis 29. März 2026 52,1 Millionen US-Dollar, gut ein Drittel des Quartalsumsatzes von 150,2 Millionen. Ab 23. Juni 2026 zahlt die erstrangige Anleihe 13,875 oder 15,875 Prozent vollständig in bar statt bisher 9,875 Prozent bar plus 4,00 Prozent Schuldzuschlag; zusätzlich sind je Monatsende 350 Millionen an Mindestliquidität gebunden.
Technologie und Endmärkte neutral
Siliziumkarbid bleibt für Elektroantriebe, Ladeinfrastruktur und die Stromversorgung von Rechenzentren gefragt; Anwendungen für KI-Rechenzentren wuchsen im dritten Quartal 2026 um rund 30 Prozent gegenüber dem Vorquartal, und der US-Umsatzanteil stieg auf 34,1 Prozent. Zugleich hingen im Geschäftsjahr 2025 37 Prozent des Umsatzes an nur zwei Kunden, und das Materialgeschäft schrumpfte im Quartalsvergleich um 35,7 Prozent.

Wolfspeed hat das Chapter-11-Verfahren in drei Monaten durchlaufen und 4,6 Milliarden US-Dollar Schulden abgeworfen — bezahlt haben es die Aktionäre: Alle 156.479.390 alten Aktien wurden am 29. September 2025 gelöscht, die bisherigen Eigentümer teilten sich 1.306.896 neue, die Gläubiger bekamen rund 95 Prozent. Die Sanierung hat die Bilanz geheilt, nicht das Geschäft: Bruttomarge −27 Prozent im Quartal bis 29. März 2026, Nettozinsaufwand von 52,1 Millionen bei 150,2 Millionen Umsatz, und 64,3 Millionen potenzielle Aktien warten neben 48,3 Millionen ausstehenden. Wer hier einsteigt, kauft eine Wette auf Fabrikauslastung, nicht die alte Wolfspeed zum Rabattpreis. Keine Anlageberatung.

Was unsere Einordnung bedeutet

Substanzrisiko

Wir haben mindestens einen belegten Befund, der das Unternehmen selbst gefährdet — unabhängig davon, wie die Aktie gerade bewertet ist.

Rot steht hier nicht für den Kurs, sondern für belegte Substanzrisiken im Unternehmen selbst. Drei davon stehen im jüngsten Quartalsbericht: Die Bruttomarge ist mit −27 Prozent negativ, das Geschäft verdient also nicht einmal seine eigenen Herstellkosten; der Nettozinsaufwand von 52,1 Millionen US-Dollar steht einem Betriebsverlust von 114,3 Millionen gegenüber, die Zinsdeckung liegt damit weit unter eins; und aus dem laufenden Geschäft flossen in zwei Quartalen 126,4 Millionen ab, während die Kasse fast ausschließlich durch einmalige Steuererstattungen von 698,6 Millionen wuchs. Dass die Bilanz nach der Sanierung gut aussieht — 1.021,7 Millionen Eigenkapital, 1.164,8 Millionen Liquidität, kein Hinweis auf eine gefährdete Unternehmensfortführung — ändert an dieser Befundlage nichts, sondern verschafft nur Zeit. Gelb wäre vertretbar, wenn nur die Auslastung offen wäre; die Kombination aus negativer Bruttomarge, Zinsdeckung unter eins und einem Zinssatz, der ab dem 23. Juni 2026 vollständig in bar fällig wird, ist mehr als eine offene operative Frage. Die Entscheidung liegt bei Dir.

Journalistische Einschätzung der Redaktion zum Analysezeitpunkt auf Basis öffentlicher Quellen — keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf. Deine persönlichen Umstände (Anlageziele, Risikotragfähigkeit, Steuern) können dabei nicht berücksichtigt werden. Was unsere Stufen bedeuten, wie Urteile entstehen und welche Interessenkonflikte bestehen →

Bitte beachten

  • Auf die Rechercheliste kam Wolfspeed über den hauseigenen Reddit-Hype-Scanner: erstmals gemeldet am 8. August 2026 mit 2 Erwähnungen in 24 Stunden. Die Aktie ist eng: Von rund 52,0 Millionen Aktien lagen nach den Fundamentaldaten am 9. August 2026 etwa 28,2 Millionen im Streubesitz, davon rund 29 Prozent leerverkauft.
  • Verwechslungsgefahr: Der Ticker WOLF und die SEC-Kennnummer CIK 0000895419 sind dieselben wie vor dem Verfahren, die Aktie ist es nicht. Kursreihen, die über den 29. September 2025 hinweg gezeichnet werden, verbinden zwei verschiedene Wertpapiere. Auch die Firmenhistorie führt in die Irre: Bis Oktober 2021 hieß die Gesellschaft Cree, Inc.
  • Bewertungsangaben datiert und evergreen: Als Anker dient der einzige in einem SEC-Bericht dokumentierte Kurs, 16,78 US-Dollar am 18. März 2026 (Grundlage des Wandlungspreises der 1,5-rangigen Wandelanleihe). Der Börsenwert aus den Fundamentaldaten weicht davon um mehr als ein Fünftel ab und wird deshalb nicht verwendet; Zahlen vor und nach der Emergenz am 29. September 2025 sind wegen der Fresh-Start-Bilanzierung nicht vergleichbar.

Aktien-Wächter

Diese Analyse ist Stand 11. August 2026. Was sich seitdem bei WOLF geändert hat, meldet Dir der Aktien-Wächter.

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Häufige Fragen

Ja, aber es ist eine neue Aktie. Wolfspeed verließ das Chapter-11-Verfahren am 29. September 2025. An diesem Tag wurden alle 156.479.390 alten Aktien gelöscht und 25.840.656 neue ausgegeben. Der Ticker WOLF und die Notierung an der New York Stock Exchange blieben erhalten, ebenso die Unternehmens-Kennnummer bei der SEC (CIK 0000895419). Wer alte Aktien hielt, bekam zusammen 1.306.896 neue — rund 5 Prozent des neuen Grundkapitals.

Anteilsmäßig rund 99,2 Prozent. Aus 156.479.390 alten Aktien wurden für die bisherigen Aktionäre 1.306.896 neue, also rechnerisch etwa eine neue Aktie je 120 alte. Später kamen aus der Planreserve noch 871.287 Aktien für dieselbe Gruppe hinzu, nachdem die US-Investitionskontrolle im Januar 2026 zugestimmt hatte. Rund 95 Prozent der neuen Firma gingen an die früheren Gläubiger.

Zum 29. März 2026 standen fünf Anleihen mit zusammen 1.821,4 Millionen US-Dollar Nennwert in den Büchern; bilanziell waren es 1.720,5 Millionen. Vor dem Verfahren waren es 6.658,2 Millionen. Der Konzern beziffert den Abbau auf rund 70 Prozent oder 4,6 Milliarden US-Dollar. Dem stehen 1.164,8 Millionen an Kasse und kurzfristigen Anlagen gegenüber, von denen 350 Millionen als Mindestliquidität gebunden sind.

Weil die Fabriken nicht ausgelastet sind. Der Umsatz lag in den Geschäftsjahren 2023 bis 2025 zwischen 757,6 und 807,2 Millionen US-Dollar, das Bruttoergebnis fiel im selben Zeitraum von +242,9 auf −121,6 Millionen. Fixkosten einer Halbleiterfabrik fallen fast unabhängig von der Menge an; bleibt der Absatz aus, kostet jeder Chip mehr, als er einbringt. Im Quartal bis 29. März 2026 lag die Bruttomarge bei −27 Prozent.

Nach dem Verlassen eines Chapter-11-Verfahrens gilt ein Unternehmen unter bestimmten Bedingungen bilanziell als neu: Alle Vermögenswerte und Schulden werden zum Zeitwert neu angesetzt, der aufgelaufene Verlustvortrag verschwindet. Bei Wolfspeed sanken dadurch die Sachanlagen von 3.916,5 auf 717,1 Millionen US-Dollar, die immateriellen Werte stiegen von 23,8 auf 409,2 Millionen. Zahlen vor und nach dem 29. September 2025 sind deshalb nicht vergleichbar.

Am 23. Juni 2026. Bis zum 22. Juni 2026 zahlte die erstrangige Anleihe 9,875 Prozent in bar plus 4,00 Prozent, die der Restschuld zugeschlagen wurden. Danach gelten 13,875 Prozent in bar, wenn die Zinssenkungs-Bedingung erfüllt ist, sonst 15,875 Prozent. Die Bedingung verlangt unter anderem mindestens 450 Millionen US-Dollar an CHIPS-Zuschüssen. Auf die zuletzt ausstehenden 629,5 Millionen sind das rund 100 Millionen Barzinsen im Jahr.

Zum 1. Mai 2026 waren 48.339.081 Aktien ausstehend. Der Quartalsbericht zum 29. März 2026 nennt zusätzlich 64,3 Millionen gewichtete Aktien, die er als verwässerungsneutral aus der Ergebnisrechnung herausrechnet — mehr, als es ausstehende gibt. Sie stecken in Wandelanleihen mit Wandlungspreisen von 12,23, 18,35 und 20,14 US-Dollar, einem Bezugsrecht zu 23,95 US-Dollar und zwei Mitarbeiterprogrammen über zusammen 12,2 Millionen Aktien.

Ja. Die Gesellschaft hieß von 1987 bis Oktober 2021 Cree, Inc. und war zunächst für Leuchtdioden bekannt. Nach dem Verkauf des LED-Geschäfts benannte sie sich in Wolfspeed um und wechselte an die New York Stock Exchange. Die SEC führt beide Namen unter derselben Kennnummer CIK 0000895419. Das Geschäftsjahr endet Ende Juni — das Geschäftsjahr 2025 lief bis 29. Juni 2025, das Geschäftsjahr 2026 bis 28. Juni 2026.

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