Wachstums-Juwelen im Rücktest: 13,17 Prozent pro Jahr — und warum die strengste Regel verliert
Unser Aktien-Scanner „Wachstums-Juwelen" vergibt je erfülltem Kriterium einen Punkt, zehn sind möglich. Wir haben nachgerechnet, was diese Punkteregel von Januar 2000 bis Juli 2026 auf dem gesamten US-Markt gebracht hätte — survivorship-frei über 22.871 Titel, von denen 16.472 heute nicht mehr notiert sind. Herausgekommen sind 13,17 Prozent pro Jahr für das Depot ab neun Punkten, eine Überraschung beim strengsten Depot und ein Befund, der wichtiger ist als jede einzelne Schwelle: Der Punktestand sortiert.
Wir kennen das Gefühl, eine Wachstumsaktie zu früh verkauft oder viel zu spät entdeckt zu haben, weil eine einzelne Kennzahl beeindruckend aussah – der Umsatz, die Marge, die Geschichte dahinter. Unser hauseigener Aktien-Scanner „Wachstums-Juwelen" ersetzt dieses Bauchgefühl durch eine feste Regel: Er prüft zehn Kriterien und vergibt je erfülltem Kriterium einen Punkt, zehn sind das Maximum. Aber trägt ein solcher Punktestand wirklich etwas, oder ist er nur ein hübsches Ordnungsprinzip? Wir haben nachgerechnet.
Das Ergebnis in einem Satz: Ein Depot, das ab neun von zehn Punkten kauft und beim Unterschreiten dieser Schwelle wieder verkauft, hätte von Januar 2000 bis Juli 2026 13,17 Prozent pro Jahr erzielt – gegen 6,55 Prozent beim S&P 500 und 8,12 Prozent beim Nasdaq 100.
Damit das kein Zufallstreffer eines günstig gewählten Zeitfensters ist, haben wir bewusst breit angelegt: 22.871 US-Titel, von denen heute 16.472 nicht mehr an der Börse notiert sind (72,02 Prozent) – Pleiten, Übernahmen, stille Delistings, alles ist enthalten. Nur 6.399 Titel sind noch aktiv gelistet. Diese Vollständigkeit ist kein Nebendetail, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Zahlen überhaupt etwas taugen: Ein Rücktest, der nur die Überlebenden zählt, rechnet sich die Vergangenheit automatisch schön. Unsere Auswertung ist survivorship-frei.
Der Zeitraum: Januar 2000 bis Juli 2026, 319 Monats-Stichtage, rund 26,5 Jahre – zwei geplatzte Blasen (Technologie 2000, Immobilien 2008) und mehrere scharfe Korrekturen inklusive. Gestartet wird mit 100.000 Dollar, Orderkosten liegen bei 0,1 Prozent des Ordervolumens je Kauf und je Verkauf, gehandelt wird zum Schlusskurs des Monats, in dem das Signal entsteht, und die Kurse sind dividendenbereinigt. Datengrundlage sind Fundamentaldaten & SEC-Berichte (Geschäftsberichte 10-K, Quartalsberichte 10-Q) sowie die zugehörigen historischen Kursreihen unserer Kursdatenbank.
Was der Scanner prüft: zehn Kriterien, ein Punktestand
„Wachstums-Juwelen" bündelt zehn Kriterien in drei Gruppen. Fehlen für ein Kriterium die Zahlen, gilt es weder als bestanden noch als verfehlt – einen Punktestand vergeben wir erst ab sieben beurteilbaren Kriterien, damit ein lückenhafter Abschluss nicht zufällig zu einem besonders hohen oder niedrigen Wert führt.
Tempo und Qualität des Tempos: Der Umsatz muss über drei Jahre um mehr als 15 Prozent pro Jahr gewachsen sein (1), für das kommende Jahr werden mehr als 10 Prozent Umsatzwachstum erwartet (2), Umsatzwachstum plus Cashflow-Marge ergeben zusammen mindestens 40 – ein unter Wachstumsinvestoren als „Rule of 40" bekannter Schwellenwert, der schnelles Wachstum und Wirtschaftlichkeit gegeneinander aufwiegt (4) –, und die Bruttomarge liegt bei mindestens 40 Prozent, ohne dass sie spürbar erodiert (5).
Ist das Wachstum ehrlich verdient? Die Aktienzahl darf um weniger als 3 Prozent pro Jahr wachsen (3): Wachstum, das mit immer neuen Aktien bezahlt wird, verwässert die Altaktionäre. Der Firmenwert aus Zukäufen darf nicht schneller wachsen als der Umsatz (6) – das Unternehmen soll gewachsen sein, nicht sich das Wachstum zusammengekauft haben. Und der operative Cashflow muss die Gewinne der letzten drei Jahre decken (8): Der ausgewiesene Gewinn soll durch echtes Geld gedeckt sein, nicht nur durch Bilanzierungsspielraum.
Rückhalt: Die Nettoverschuldung bleibt unter dem Doppelten des EBITDA (7), die Kapitalrendite liegt bei mindestens 15 Prozent oder ist gegenüber vor zwei Jahren gestiegen (9), und Insider halten mindestens 10 Prozent der Aktien oder kaufen per saldo netto zu (10) – ein Signal, dass das Management selbst Geld riskiert.
Die drei Depots
Wir haben die Punkteregel in drei Varianten gegossen, die sich ausschließlich in der Schwelle unterscheiden, nicht in der Logik. Depot A kauft ab neun von zehn Punkten und verkauft, sobald der Punktestand unter neun fällt. Depot B ist die strengste Variante – gekauft wird nur bei der vollen Punktzahl von zehn, verkauft, sobald sie unterschritten wird. Depot C entspricht der Schwelle unseres laufenden Live-Scanners: Kauf ab acht von zehn Punkten, Verkauf beim Unterschreiten dieser acht Punkte.
Alle drei Depots teilen sich dasselbe Universum, denselben Zeitraum und dieselben Kosten. Der einzige Unterschied ist die Höhe der Latte. Was das für das Ergebnis bedeutet, zeigt die folgende Tabelle.
| Kennzahl | Depot A | Depot B | Depot C | S&P 500 | Nasdaq 100 |
|---|---|---|---|---|---|
| Regel | Kauf ab 9 von 10 Punkten | Kauf nur bei 10 von 10 Punkten | Kauf ab 8 von 10 Punkten | Preisindex ohne Dividenden | Preisindex ohne Dividenden |
| Aus 100.000 $ wurden | 2.652.358,74 $ | 570.464,94 $ | 2.311.684,10 $ | 537.105,75 $ | 791.983,28 $ |
| Rendite pro Jahr | 13,17 % | 6,79 % | 12,58 % | 6,55 % | 8,12 % |
| Größter Rückschlag | −52,13 % | −41,1 % | −46,18 % | −52,56 % | −81,07 % |
| Trefferquote je Geschäft | 58,92 % | 53,45 % | 56,58 % | — | — |
| Käufe und Verkäufe | 1.954 | 117 | 7.277 | — | — |
| Abgeschlossene Geschäfte | 947 | 58 | 3.517 | — | — |
| Median-Haltedauer | 12 Monate | 7 Monate | 12 Monate | — | — |
| Umschlag pro Jahr | 1,03 | 1,11 | 0,80 | — | — |
| Ausstiege durch Delisting | 15 | 1 | 83 | — | — |
Depot A liefert mit 13,17 Prozent pro Jahr das beste Ergebnis der drei Varianten: Aus 100.000 Dollar wurden 2.652.358,74 Dollar, bei einem größten Rückschlag von −52,13 Prozent. Depot C, die Schwelle unseres Live-Scanners, folgt mit 12,58 Prozent pro Jahr, 2.311.684,10 Dollar und einem etwas milderen Rückschlag von −46,18 Prozent dicht dahinter. Depot B, die strengste Regel, fällt mit 6,79 Prozent pro Jahr und 570.464,94 Dollar deutlich ab – dazu gleich mehr.
Zum Vergleich: Der S&P 500 kam im selben Zeitraum auf 6,55 Prozent pro Jahr (537.105,75 Dollar), der Nasdaq 100 auf 8,12 Prozent (791.983,28 Dollar) – dafür mit einem weit heftigeren Rückschlag von −81,07 Prozent, dem Echo der Technologieblase. Ein Punkt gehört hier ausdrücklich dazu und nicht in eine Fußnote: Beide Vergleichsindizes sind Preisindizes ohne Dividenden, während unsere Depots mit dividendenbereinigten Kursen rechnen. Der Vergleich fällt dadurch leicht zugunsten der Depots aus – das ist zu sagen, nicht zu verstecken.
Auch die Handelsstatistik gehört zum ehrlichen Bild: Depot A kommt mit einem Umschlag von 1,03 pro Jahr auf rund eine volle Kapitalumschichtung jährlich, bei einer Median-Haltedauer von 12 Monaten (Depot C ebenfalls 12 Monate, Depot B 7 Monate). Eine Trefferquote von 58,92 Prozent bei Depot A klingt gut, heißt im Umkehrschluss aber: Vier von zehn Geschäften laufen ins Minus. Das gehört zum Bild einer Regel, die nicht auf Einzeltreffer, sondern auf die Summe über viele Geschäfte setzt.
Depot B: warum Perfektion leer ausgeht
Die eigentliche Überraschung dieser Studie ist keine der starken Zahlen, sondern die schwache: Die strengste Regel liefert das schlechteste Ergebnis. Depot B, das nur bei der vollen Punktzahl kauft, bleibt mit 6,79 Prozent pro Jahr sogar hinter beiden großzügigeren Depots zurück und schlägt den S&P 500 nur knapp.
Der Grund dafür ist keine schlechte Aktienauswahl, sondern schlichte Leere. Im Schnitt hielt Depot B gerade einmal 1,32 Positionen gleichzeitig, in 100 der 319 Monate – also in 31,35 Prozent der Zeit – stand es vollständig in der Kasse. Über die gesamten 26,5 Jahre kamen ganze 117 Orders und 58 abgeschlossene Geschäfte zusammen. In sieben Jahren (2000 bis 2005 sowie 2025) hielt das Depot ganzjährig keine einzige Position, der höchste Jahresdurchschnitt lag 2023 bei gerade einmal 4,8 Positionen. Das Ergebnis eines solchen Depots hängt an einer Handvoll Einzelwerten und ist als Regel kaum belastbar – zehn von zehn Punkten zu verlangen, ist kein Gütesiegel, sondern eine Sperre. Perfektion ist kein Portfolio.
Jahr für Jahr
Ein Durchschnitt über 26,5 Jahre verwischt, wie ungleichmäßig sich eine Rendite tatsächlich aufbaut. Die folgende Tabelle zeigt deshalb jedes einzelne Jahr von 2000 bis 2026 für alle drei Depots und beide Vergleichsindizes. Ein Hinweis vorab: 2026 ist in dieser Auswertung ein Teiljahr, das nur bis Juli reicht, und ist entsprechend gekennzeichnet.
| Jahr | Depot A | Depot B | Depot C | S&P 500 | Nasdaq 100 |
|---|---|---|---|---|---|
| 2000 | +28,9 % | 0,0 % | +2,21 % | −5,32 % | −34,41 % |
| 2001 | −24,74 % | 0,0 % | +2,03 % | −13,04 % | −32,65 % |
| 2002 | −2,4 % | 0,0 % | −5,6 % | −23,37 % | −37,58 % |
| 2003 | +101,52 % | 0,0 % | +73,29 % | +26,38 % | +49,12 % |
| 2004 | +73,35 % | 0,0 % | +36,13 % | +8,99 % | +10,44 % |
| 2005 | −4,09 % | 0,0 % | +9,98 % | +3,0 % | +1,49 % |
| 2006 | +5,71 % | +2,97 % | +16,23 % | +13,62 % | +6,79 % |
| 2007 | +11,75 % | +6,64 % | +18,59 % | +3,53 % | +18,67 % |
| 2008 | −41,38 % | −0,77 % | −35,4 % | −38,49 % | −41,89 % |
| 2009 | +45,0 % | +26,62 % | +45,22 % | +23,45 % | +53,54 % |
| 2010 | +34,5 % | −9,4 % | +22,57 % | +12,78 % | +19,22 % |
| 2011 | −16,16 % | −22,1 % | −7,91 % | 0,0 % | +2,7 % |
| 2012 | +7,02 % | +2,38 % | +11,79 % | +13,41 % | +16,82 % |
| 2013 | +58,31 % | +36,13 % | +40,83 % | +29,6 % | +34,99 % |
| 2014 | +6,13 % | +15,57 % | +0,28 % | +11,39 % | +17,94 % |
| 2015 | +2,17 % | −7,22 % | +2,23 % | −0,73 % | +8,43 % |
| 2016 | +23,86 % | +17,41 % | +23,31 % | +9,54 % | +5,89 % |
| 2017 | +47,54 % | +8,57 % | +35,56 % | +19,42 % | +31,52 % |
| 2018 | −2,7 % | +25,73 % | −14,43 % | −6,24 % | −1,04 % |
| 2019 | +25,27 % | +36,25 % | +24,2 % | +28,88 % | +37,96 % |
| 2020 | +31,75 % | +27,62 % | +14,29 % | +16,26 % | +47,58 % |
| 2021 | +14,22 % | +12,02 % | +27,24 % | +26,89 % | +26,63 % |
| 2022 | −12,79 % | +17,1 % | −19,76 % | −19,44 % | −32,97 % |
| 2023 | +20,0 % | +20,01 % | +19,54 % | +24,23 % | +53,81 % |
| 2024 | +17,47 % | −2,01 % | +17,7 % | +23,31 % | +24,88 % |
| 2025 | +5,95 % | −1,45 % | +16,81 % | +16,39 % | +20,17 % |
| 2026 (bis Juli) | −7,95 % | −7,49 % | +12,78 % | +9,41 % | +11,98 % |
Über die volle Zeitspanne verdeckt der Jahresdurchschnitt die eigentliche Geschichte. In den ersten drei Jahren des Zeitraums, 2000 bis 2002, platzte die Technologieblase, und beide Vergleichsindizes brachen massiv ein – der Nasdaq 100 verlor in diesen drei Jahren kumuliert rund 72 Prozent, der S&P 500 rund 37 Prozent. Depot A dagegen kam mit einem kumulierten Verlust von nur rund 5 Prozent durch dieselben drei Jahre, weil die Regel Titel mit fundamental starkem, ehrlich verdientem Wachstum verlangt und reine Story-Aktien der Dotcom-Ära dafür kaum infrage kamen.
In den gemeinsamen Einbruchsjahren 2008 (Finanzkrise) und 2022 (Zinswende) verloren Depot A und Depot C zusammen mit beiden Indizes deutlich an Wert – 2008 etwa −41,38 Prozent für Depot A gegenüber −38,49 Prozent beim S&P 500 und −41,89 Prozent beim Nasdaq 100. Depot B bildet dabei die Ausnahme, die zur Regel passt: 2022 stand es mit +17,1 Prozent im Plus, während die übrigen Depots und Indizes verloren – eine Folge seiner extremen Konzentration auf wenige Einzelwerte, nicht eines systematischen Vorteils.
In mehreren Jahren mit starker Mega-Cap-Rally – etwa 2009, 2019, 2020 und 2023 – liegt der Nasdaq 100 vor allen drei Depots, weil dort ein kleiner Kreis extrem großer Technologiewerte überproportional zulegt, während die Punkteregel breiter über alle Größenklassen streut. Auffällig zurückhaltend zeigt sich Depot B in den frühen Jahren: 2000 bis 2005 sowie erneut 2025 verzeichnet es 0,00 Prozent Rendite – das ist keine Datenlücke, sondern schlicht Leere, weil es in diesen Jahren keine einzige Position hielt. Ein Grund dafür ist das Insider-Kriterium, das erst ab 2006 überhaupt Daten liefert (mehr dazu im Abschnitt Grenzen der Methode). Das Teiljahr 2026 schließlich reicht nur bis Juli und ist kein volles Jahr – die dort ausgewiesenen Werte sind entsprechend vorläufig.
Wie viele Aktien überhaupt bewertbar waren
Eine Grundgesamtheit von 22.871 Titeln klingt nach einer riesigen Auswahl – aber nicht jeder Titel war zu jedem Zeitpunkt tatsächlich bewertbar. Die folgende Tabelle zeigt das ehrliche Gegenstück zur Grundgesamtheit: wie viele Titel je Jahr überhaupt einen Kurs hatten, wie viele davon Abschlüsse vorweisen konnten und wie viele am Ende einen Punktestand erhielten. Ein Titel ohne Abschluss bekommt keinen Punktestand, und ohne Punktestand wird er in keinem der drei Depots je gekauft.
| Jahr | Titel mit Kurs | mit Abschlüssen | mit Punktestand | Anteil mit Punktestand |
|---|---|---|---|---|
| 2000 | 8.138 | 3.670 | 1.810 | 22,2 % |
| 2001 | 7.586 | 3.898 | 1.971 | 26,0 % |
| 2002 | 7.058 | 4.078 | 2.155 | 30,5 % |
| 2003 | 7.064 | 4.264 | 2.410 | 34,1 % |
| 2004 | 7.144 | 4.436 | 2.817 | 39,4 % |
| 2005 | 7.198 | 4.661 | 3.044 | 42,3 % |
| 2006 | 7.209 | 4.877 | 3.355 | 46,5 % |
| 2007 | 7.289 | 5.107 | 3.554 | 48,8 % |
| 2008 | 7.084 | 5.320 | 3.722 | 52,5 % |
| 2009 | 6.896 | 5.428 | 3.830 | 55,5 % |
| 2010 | 6.998 | 5.674 | 3.986 | 57,0 % |
| 2011 | 6.964 | 6.032 | 4.088 | 58,7 % |
| 2012 | 6.988 | 6.396 | 4.361 | 62,4 % |
| 2013 | 7.077 | 6.687 | 4.559 | 64,4 % |
| 2014 | 7.432 | 7.067 | 4.822 | 64,9 % |
| 2015 | 7.603 | 7.238 | 5.106 | 67,2 % |
| 2016 | 7.763 | 7.374 | 5.302 | 68,3 % |
| 2017 | 7.806 | 7.518 | 5.481 | 70,2 % |
| 2018 | 7.783 | 7.652 | 5.660 | 72,7 % |
| 2019 | 7.582 | 8.169 | 5.710 | 75,3 % |
| 2020 | 8.249 | 9.042 | 5.688 | 69,0 % |
| 2021 | 10.010 | 9.208 | 5.934 | 59,3 % |
| 2022 | 9.060 | 8.260 | 6.026 | 66,5 % |
| 2023 | 8.227 | 7.492 | 6.048 | 73,5 % |
| 2024 | 7.477 | 6.765 | 5.960 | 79,7 % |
| 2025 | 7.171 | 6.154 | 5.864 | 81,8 % |
| 2026 (bis Juli) | 6.835 | 507 | 5.488 | 80,3 % |
In den frühen Jahren des Zeitraums hatte nur ein Bruchteil der Titel mit Kurs überhaupt einen Punktestand: Im Jahr 2000 waren es 1.810 von 8.138 Titeln mit Kurs, ein Anteil von rund 22 Prozent. Der Anteil wächst über die Jahre spürbar – 2025 stehen 5.864 Titeln mit Punktestand 7.171 Titel mit Kurs gegenüber, ein Anteil von weit über 80 Prozent. Der Rücktest der frühen Jahre stützt sich damit auf eine deutlich schmalere Auswahl als der der jüngeren Vergangenheit – ein Umstand, der bei der Einordnung der frühen Jahresrenditen mitgedacht werden sollte.
Ein Zahlensprung verdient eine eigene Erklärung: Die Spalte „mit Abschlüssen" bricht 2026 von 6.154 im Vorjahr auf 507 ein. Das ist kein Datenverlust, sondern ein reiner Stichtagseffekt – das laufende Geschäftsjahr 2026 ist zum Stand dieser Auswertung schlicht noch nicht überall berichtet worden. Der Punktestand stützt sich in solchen Fällen weiterhin auf den zuletzt veröffentlichten Abschluss, weshalb die Spalte „mit Punktestand" davon nicht im gleichen Maß betroffen ist.
Sortiert der Punktestand überhaupt?
Die drei Depots A, B und C beantworten die Frage, was eine feste Schwelle bringt. Sie beantworten nicht die tiefere Frage: Trägt der Punktestand als solcher überhaupt Information, oder hätten wir die Schwelle genauso gut anderswo ziehen können? Um das zu prüfen, haben wir zehn vollständig getrennte Depots gerechnet – je Stufe eines, das ausschließlich bei exakt dieser Punktzahl kauft und wieder verkauft, sobald der Punktestand sie verlässt, egal ob nach oben oder nach unten. Referenzzeitraum ist wie zuvor der gesamte Auswertungszeitraum, umgerechnet auf 26,5 Jahre, Startkapital wieder 100.000 Dollar je Depot.
| Punktestand | Endwert | Rendite pro Jahr | Größter Rückschlag | Käufe | Trefferquote |
|---|---|---|---|---|---|
| Exakt 1 Punkt | 879.777,31 $ | 8,6 % | −65,1 % | 2.562 | 47,3 % |
| Exakt 2 Punkte | 1.957.021,75 $ | 11,9 % | −54,2 % | 9.242 | 52,2 % |
| Exakt 3 Punkte | 2.082.993,49 $ | 12,1 % | −54,4 % | 17.515 | 54,8 % |
| Exakt 4 Punkte | 2.105.801,23 $ | 12,2 % | −54,6 % | 21.900 | 56,3 % |
| Exakt 5 Punkte | 2.198.545,26 $ | 12,4 % | −51,3 % | 20.257 | 57,3 % |
| Exakt 6 Punkte | 2.430.062,71 $ | 12,8 % | −51,6 % | 14.218 | 57,6 % |
| Exakt 7 Punkte | 3.520.682,70 $ | 14,4 % | −53,1 % | 7.942 | 56,4 % |
| Exakt 8 Punkte | 2.367.242,00 $ | 12,7 % | −43,9 % | 3.623 | 55,5 % |
| Exakt 9 Punkte | 2.620.458,26 $ | 13,1 % | −52,8 % | 1.022 | 58,2 % |
| Exakt 10 Punkte | 570.464,94 $ | 6,8 % | −41,1 % | 59 | 53,4 % |
Das Bild, das die zehn Stufen zeichnen, ist eindeutig: Rendite und Trefferquote steigen mit der Punktzahl fast durchgehend an. Bei einem einzigen Punkt liegt die Rendite bei 8,6 Prozent pro Jahr und die Trefferquote bei 47,3 Prozent, bei sieben Punkten sind es 14,4 Prozent pro Jahr und 56,4 Prozent Trefferquote. Das ist der eigentliche Befund dieses Kapitels, wichtiger als jede einzelne Stufe: Der Punktestand sortiert. Ein Titel mit mehr erfüllten Kriterien schneidet im Durchschnitt tatsächlich besser ab als einer mit wenigen.
Innerhalb dieses Anstiegs sticht eine Stufe besonders heraus: Exakt sieben Punkte ist mit 14,4 Prozent pro Jahr das stärkste Einzelniveau der gesamten Leiter – stärker sogar als jede der drei Schwellen-Varianten A, B und C aus dem ersten Kapitel. Am anderen Ende der Skala fällt exakt zehn Punkte mit 6,8 Prozent deutlich heraus, aber das ist kein Gegenbeweis gegen den Punktestand, sondern ein Stichprobenproblem: Bei nur 59 Käufen über den gesamten Zeitraum gab es in den meisten Monaten höchstens eine einzige Position, oft gar keine – dieselbe Leere, die wir bereits bei Depot B gesehen haben, denn „exakt 10" und „ab 10" sind ein und dieselbe Regel.
Zwei Einschränkungen gehören unmittelbar dazu. Erstens die Breite: Die mittleren Stufen 3 bis 5 halten zeitweise 700 bis 900 Titel gleichzeitig. Das ist kein Depot mehr im engeren Sinn, sondern praktisch ein Nachbau des breiten Marktes – ihre Renditen spiegeln eher die allgemeine Marktrendite als eine echte Auswahlleistung. Zweitens die Dividenden, hier noch einmal in Erinnerung gerufen, weil dieses Kapitel Prozentzahlen direkt gegen die beiden Indizes stellt: Die Depots rechnen mit dividendenbereinigten Kursen, die Vergleichsindizes S&P 500 und Nasdaq 100 nicht.
Was ändert der Verkauf?
Die Punkteleiter hat gezeigt: Exakt sieben Punkte ist die stärkste Kaufregel. Offen bleibt, was der Verkauf zu diesem Ergebnis beiträgt. Um das zu isolieren, kaufen alle 25 Zeilen der folgenden Matrix nach exakt derselben Regel wie die stärkste Stufe der Leiter – bei exakt sieben Punkten. Nur der Ausstieg unterscheidet sich von Zeile zu Zeile, sodass jede Abweichung im Ergebnis ausschließlich vom Verkauf stammen kann. Referenzzeile ist E7: Verkauf, sobald der Punktestand die exakten sieben Punkte verlässt – 14,4 Prozent pro Jahr bei einem größten Rückschlag von −53,1 Prozent, identisch mit Stufe 7 der Punkteleiter.
Die 24 übrigen Zeilen sind in drei Gruppen sortiert: feste und prozentuale Stopps ohne Wiedereinstiegssperre, Varianten rund um den Punktestand selbst und Gewinnmitnahme-Regeln sowie dieselben Stopps noch einmal, diesmal mit sechs Monaten Wiedereinstiegssperre.
| Verkaufsregel | Endwert | Rendite pro Jahr | Größter Rückschlag | Käufe | Verkäufe aus dem Punktestand | Trefferquote |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Referenz E7 — Verkauf, sobald der Punktestand die exakten 7 verlässt | 3.520.682,70 $ | 14,4 % | −53,1 % | 7.942 | — | 56,4 % |
| Stopps ohne Wiedereinstiegssperre | ||||||
| S05 — Fester Stopp −5 % vom Einstand | 3.299.812,61 $ | 14,1 % | −53,3 % | 18.118 | 7.461 | 34,5 % |
| S10 — Fester Stopp −10 % vom Einstand | 3.369.050,43 $ | 14,2 % | −53,2 % | 14.755 | 7.461 | 41,0 % |
| S15 — Fester Stopp −15 % vom Einstand | 3.501.776,37 $ | 14,4 % | −53,2 % | 12.784 | 7.461 | 45,6 % |
| S20 — Fester Stopp −20 % vom Einstand | 3.554.149,73 $ | 14,4 % | −53,2 % | 11.451 | 7.461 | 49,2 % |
| S25 — Fester Stopp −25 % vom Einstand | 3.552.090,39 $ | 14,4 % | −53,2 % | 10.582 | 7.461 | 51,4 % |
| S30 — Fester Stopp −30 % vom Einstand | 3.580.151,72 $ | 14,5 % | −53,0 % | 9.899 | 7.461 | 53,1 % |
| S35 — Fester Stopp −35 % vom Einstand | 3.564.103,49 $ | 14,4 % | −53,2 % | 9.459 | 7.461 | 53,9 % |
| S40 — Fester Stopp −40 % vom Einstand | 3.591.750,96 $ | 14,5 % | −53,4 % | 9.100 | 7.461 | 54,5 % |
| S45 — Fester Stopp −45 % vom Einstand | 3.717.628,15 $ | 14,6 % | −53,0 % | 8.821 | 7.461 | 54,9 % |
| S50 — Fester Stopp −50 % vom Einstand | 3.672.641,72 $ | 14,6 % | −52,8 % | 8.608 | 7.461 | 55,5 % |
| Punktestand-Varianten und Gewinnmitnahme | ||||||
| I1 — Nur abwärts verkaufen — eine Aufstufung auf 8, 9 oder 10 hält die Position | 3.377.427,56 $ | 14,2 % | −49,6 % | 7.185 | — | 56,9 % |
| I2 — Hysterese: Verkauf erst ab 5 Punkten oder weniger | 3.077.754,25 $ | 13,8 % | −50,4 % | 6.205 | — | 57,1 % |
| I3 — Trailing-Stopp −20 %, der Punktestand verkauft nicht mehr | 3.376.339,91 $ | 14,2 % | −49,0 % | 13.032 | — | 40,1 % |
| I4 — Trailing-Stopp −30 %, der Punktestand verkauft nicht mehr | 3.478.153,32 $ | 14,3 % | −49,4 % | 9.478 | — | 40,5 % |
| I5 — Mindesthaltedauer 12 Monate, erst danach greift die Punkteregel | 2.706.138,28 $ | 13,3 % | −59,3 % | 7.475 | — | 58,4 % |
| I6 — Gewinnmitnahme bei Verdopplung, Aufstufungen werden gehalten | 3.861.837,18 $ | 14,8 % | −50,5 % | 7.948 | — | 57,9 % |
| I7 — Gewinnmitnahme bei +50 %, Aufstufungen werden gehalten | 3.873.271,84 $ | 14,8 % | −49,9 % | 9.222 | — | 60,4 % |
| I8 — Gewinnmitnahme bei Verdreifachung, Aufstufungen werden gehalten | 3.875.564,10 $ | 14,8 % | −49,8 % | 7.435 | — | 57,2 % |
| K1 — Gewinnmitnahme bei Verdopplung plus fester Stopp −45 % | 3.870.002,49 $ | 14,8 % | −50,3 % | 9.072 | — | 55,5 % |
| Stopps mit sechs Monaten Wiedereinstiegssperre | ||||||
| SB15 — Fester Stopp −15 % mit 6 Monaten Wiedereinstiegssperre | 4.633.681,16 $ | 15,6 % | −51,5 % | 9.579 | — | 47,3 % |
| SB30 — Fester Stopp −30 % mit 6 Monaten Wiedereinstiegssperre | 3.641.122,67 $ | 14,5 % | −52,9 % | 8.578 | — | 53,7 % |
| SB45 — Fester Stopp −45 % mit 6 Monaten Wiedereinstiegssperre | 3.698.610,37 $ | 14,6 % | −53,5 % | 8.162 | — | 55,7 % |
| TB20 — Trailing-Stopp −20 % mit 6 Monaten Wiedereinstiegssperre | 4.358.476,29 $ | 15,3 % | −47,4 % | 8.665 | — | 42,0 % |
| TB30 — Trailing-Stopp −30 % mit 6 Monaten Wiedereinstiegssperre | 4.291.118,86 $ | 15,2 % | −48,5 % | 7.220 | — | 42,8 % |
| KB1 — Gewinnmitnahme bei Verdreifachung plus Stopp −30 % mit 6 Monaten Sperre | 4.051.065,68 $ | 15,0 % | −49,5 % | 8.207 | — | 53,0 % |
Der auffälligste Befund dieses Kapitels ist zugleich der unbequemste: Ein Stopp ohne Wiedereinstiegssperre misst nicht Schutz, sondern nur die Kosten des Ein- und Aussteigens. Der Beleg dafür ist hart und lässt sich an einer einzigen Zahl festmachen: Über alle zehn getesteten Stopp-Weiten hinweg (S05 bis S50) bleibt die Zahl der Verkäufe aus dem Punktestand exakt konstant bei 7.461. Der ausgestoppte Titel steht in aller Regel weiterhin auf seinen sieben Punkten, die Kaufregel greift im selben Monat erneut, und das Depot kauft ihn sofort zurück. Sichtbar wird das auch an der Trefferquote, die beim engsten Stopp S05 auf 34,5 Prozent einbricht, und an der Zahl der Käufe, die von 7.942 in der Referenz auf 18.118 bei S05 hochschnellt – der Stopp erzeugt Orders, keinen Schutz.
Ganz anders die Mindesthaltedauer: I5, das die Punkteregel erst nach zwölf Monaten greifen lässt, ist mit 13,3 Prozent pro Jahr bei einem Rückschlag von −59,3 Prozent die klar schlechteste Zeile der gesamten Matrix. Wer eine an sich funktionierende Verkaufsregel künstlich verzögert, zahlt doppelt: schlechtere Rendite und größerer Rückschlag zugleich.
Positiv fallen dagegen die drei Gewinnmitnahme-Regeln I6, I7 und I8 auf: Gewinnmitnahme bei einer Verdopplung (14,8 Prozent pro Jahr), bei plus 50 Prozent (14,8 Prozent) und bei einer Verdreifachung (14,8 Prozent) liegen praktisch gleichauf – die genaue Marke ist fast egal. Das ist die eigentlich gute Nachricht dieses Abschnitts: Der Effekt entsteht aus dem Prinzip, Aufstufungen zu halten und Gewinne mitzunehmen, nicht aus einer im Nachhinein passend gewählten Zahl.
Der stärkste Befund kommt zuletzt: Erst mit sechs Monaten Wiedereinstiegssperre schlagen Stopps die Referenz. Ein fester Stopp bei −15 Prozent mit Sperre (SB15) erreicht 15,6 Prozent pro Jahr bei einem Rückschlag von −51,5 Prozent, ein Trailing-Stopp bei −20 Prozent mit Sperre (TB20) kommt auf 15,3 Prozent bei einem noch milderen Rückschlag von −47,4 Prozent – beide klar besser als die Referenz E7 mit 14,4 Prozent bei −53,1 Prozent. Erst die Sperre macht aus dem Ausstieg einen echten Ausstieg, statt einer Drehtür.
Ein Vorbehalt gehört unmittelbar dahinter, nicht als nachträgliche Fußnote: Wer 25 verschiedene Verkaufsregeln gegeneinander misst, findet auch dann eine Zeile, die vorne liegt, wenn es gar keinen echten Unterschied gibt. Belastbar ist deshalb die Richtung – dass eine Wiedereinstiegssperre überhaupt etwas bewirkt und ein Stopp ohne Sperre praktisch nichts –, nicht die zweite Nachkommastelle einer einzelnen Zeile wie SB15.
Das hier geprüfte Rezept — Kauf bei exakt 7 von 10 Punkten, Verkauf mit 15 % Stop-Loss oder sobald der Score die 7 verlässt, sechs Monate Wiedereinstiegssperre nach einem Stop-Verkauf — läuft ab sofort als eigener, täglich aktualisierter Scanner: Wachstums-Juwelen: 7-Punkte-Rezept. Die Trefferliste bildet dabei nur die Kaufseite des Rezepts ab, zeigt also, welche Aktien aktuell exakt 7 Punkte erreichen. Stop-Loss und Wiedereinstiegssperre sind Regeln für das eigene Depot, die der Scanner nicht automatisch anwendet.
Datenqualität: zwei Firmen unter einem Kürzel
Unter einem Teil der delisteten Kürzel verbergen sich zwei verschiedene Firmen in ein und derselben durchgehenden Kursreihe. Der Grund: Ein Börsenkürzel wird nach dem Delisting einer Firma irgendwann neu vergeben, und in den historischen Kursreihen klebt die Notierung des neuen Unternehmens nahtlos an der des alten. Im Rückblick zeigt ein solcher Titel dann eine Verhundertfachung in einem einzigen Monat, die es in Wirklichkeit nie gab – ein reines Artefakt der Datenzusammenführung, keine echte Kursbewegung.
Ein eigenes Qualitätsgate sperrt solche Reihen konsequent für jeden Kauf. Geprüft wurden 22.629 Titel mit einer durchgehenden Kursreihe, gesperrt sind davon 2.587 (11,43 Prozent). Unter den 2.421 Titeln, die im Verlauf der Studie überhaupt einmal die Kaufschwelle von acht Punkten erreicht haben, sind es 228 (9,42 Prozent) – ein kleinerer, aber keineswegs vernachlässigbarer Anteil.
Die Sperrgründe teilen sich in drei Gruppen auf: 1.185 Fälle eines harten Kurssprungs (das Achtfache oder mehr in einem einzigen Monat), 1.231 Fälle eines dauerhaft angehobenen Kursniveaus (nach einem Sprung ab dem Dreifachen liegt der Median der folgenden sechs Monate um mehr als das 2,5-Fache über dem Median der sechs Monate davor) und 171 Fälle eines unplausiblen Reihenbeginns.
Der wichtigste Satz dieses Abschnitts betrifft die Richtung der Sperre: Gesperrt wird ausschließlich nach oben. Derselbe Kurssprung nach unten bleibt in den Daten enthalten, weil er in aller Regel ein echter Zusammenbruch ist – ihn ebenfalls auszusortieren, hätte das Ergebnis zu gut gemacht statt richtig.
Grenzen der Methode
Kein Rücktest ist besser als die Ehrlichkeit seiner Grenzen. Hier stehen alle zehn, ohne Weichzeichner:
- Kriterium 2 ist ein Proxy. Analystenschätzungen von damals gibt es nirgends als Zeitreihe. Ersatzweise zählt das tatsächlich erzielte Umsatzwachstum des letzten Geschäftsjahres – ein Rückspiegel anstelle eines Ausblicks.
- Insider erst ab 2006. Das Insider-Kriterium existiert erst ab diesem Jahr, weil es davor keine maschinenlesbaren SEC-Daten dazu gibt. Vorher sind höchstens neun Punkte erreichbar: Depot B ist faktisch erst ab 2007 auswertbar, und Depot A misst vor 2006 strenger als danach, weil dort alle neun bewertbaren Kriterien erfüllt sein müssen.
- Abschluss-Lücken bei Pleite-Firmen. Ohne Abschluss kein Punktestand, ohne Punktestand kein Kauf. Betroffen sind überdurchschnittlich viele spätere Pleitefälle – das Ergebnis fällt dadurch tendenziell zu gut aus.
- Handel zum Monatsschluss. In der Wirklichkeit liegen zwischen Bilanzveröffentlichung und tatsächlicher Ausführung Tage bis Wochen.
- Indizes ohne Dividenden. Die Vergleichsindizes S&P 500 und Nasdaq 100 sind Preisindizes ohne Dividenden, während die Depots mit dividendenbereinigten Kursen rechnen.
- Nur Orderkosten gerechnet. Steuern, die Geld-Brief-Spanne und die Marktwirkung eigener Orders bleiben vollständig außen vor.
- Zwei Firmen unter einem Kürzel. Wie im Abschnitt Datenqualität beschrieben, sperrt das Qualitätsgate nur nach oben.
- Umsatz-Ausreißer. In 584 von 185.030 Abschluss-Perioden (0,32 Prozent) springt der Jahresumsatz fälschlich ein und im Folgejahr wieder zurück; grob 1,5 Prozent der bewerteten Score-Monate sind davon betroffen. Die Verzerrung wirkt einseitig nach oben und trifft vor allem die Verkaufsvariante K1 – deren Vorsprung ist deshalb mit Vorsicht zu lesen.
- Stopps nur auf Monatsschlusskursen. Das ist die mildeste denkbare Lesart, echte Stopps würden untermonatlich häufiger und meist zu schlechteren Kursen auslösen. Auch die Wiedereinstiegssperre ist nur in einer einzigen Länge getestet, sechs Monate – ob eine kürzere oder längere Sperre besser wäre, ist nicht gemessen und wird hier auch nicht behauptet.
- Mehrfachtest-Zufall. Bei 25 durchgerechneten Verkaufsvarianten ist die jeweils beste Zeile zu einem Teil schlicht das Ergebnis des Mehrfachtests selbst – wer genug Regeln misst, findet auch ohne echten Effekt eine, die vorne liegt.
Was aus dieser Studie nicht folgt
Diese Studie beschreibt, wie sich eine feste, mechanische Regel über einen langen historischen Zeitraum verhalten hätte – nicht, was heute zu kaufen oder zu verkaufen ist. Aus 13,17 Prozent pro Jahr in der Vergangenheit folgt keine Aussage über die kommenden 26,5 Jahre. Vergangene Ergebnisse, ob simuliert oder real erzielt, sind kein verlässlicher Hinweis auf künftige Renditen.
Nichts in diesem Artikel ist eine Anlageberatung. Er enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, kein Kursziel und keine Prognose für einzelne, heute börsennotierte Unternehmen. Wer auf Basis eines Punktestands wie dem hier beschriebenen investieren möchte, sollte die eigene Risikotragfähigkeit prüfen und sich im Zweifel fachlich beraten lassen.
Wer die Methode weiterverfolgen will: Unser laufender Aktien-Scanner wendet dieselbe Zehn-Punkte-Logik in Echtzeit an. Zwei verwandte Rücktest-Studien stehen ebenfalls online – der Rücktest von Joel Greenblatts Magic Formula und der Rücktest von Benjamin Grahams Net-Net-Regel. Weitere Auswertungen dieser Art sammeln wir laufend unter Analysen.
Häufige Fragen
Zehn Kriterien, je erfülltem Kriterium einen Punkt: Umsatzwachstum über drei Jahre, erwartetes Umsatzwachstum, Aktienzahl-Verwässerung, „Rule of 40", Bruttomarge, Firmenwert aus Zukäufen, Nettoverschuldung, Cashflow-Deckung der Gewinne, Kapitalrendite und Insider-Beteiligung. Fehlen die Zahlen für ein Kriterium, gilt es weder als bestanden noch als verfehlt; einen Punktestand gibt es erst ab sieben beurteilbaren Kriterien.
Das Depot ab neun von zehn Punkten erzielte von Januar 2000 bis Juli 2026 13,17 Prozent pro Jahr, das Depot ab acht Punkten 12,58 Prozent. Der S&P 500 kam auf 6,55 Prozent, der Nasdaq 100 auf 8,12 Prozent. Beide Vergleichsindizes sind allerdings Preisindizes ohne Dividenden, während die Depots mit dividendenbereinigten Kursen rechnen — der Vergleich fällt dadurch leicht zugunsten der Depots aus.
Weil es meistens leer ist. Das Depot, das nur bei zehn von zehn Punkten kauft, hielt im Schnitt 1,32 Positionen und stand in 100 der 319 Monate vollständig in der Kasse. 117 Orders in gut 26 Jahren sind eine zu dünne Grundlage für eine belastbare Regel — sein Ergebnis von 6,79 Prozent pro Jahr hängt an einer Handvoll Einzelwerten.
Wir haben zehn getrennte Depots gerechnet, die jeweils bei exakt einer Punktzahl kaufen. Rendite und Trefferquote steigen mit der Punktzahl fast durchgehend — von 8,6 Prozent pro Jahr bei einem Punkt auf 14,4 Prozent bei sieben. Das ist der eigentliche Befund: Der Punktestand sortiert. Die Stufe mit exakt zehn Punkten fällt mit 6,8 Prozent heraus, weil es dort schlicht zu wenige Kandidaten gibt.
Ohne Wiedereinstiegssperre nicht. Über alle zehn getesteten Stopp-Weiten bleibt die Zahl der Verkäufe aus dem Punktestand exakt bei 7.461: Der ausgestoppte Titel steht weiter auf seinen sieben Punkten, die Kaufregel greift im selben Monat wieder, das Depot kauft ihn sofort zurück. Erst mit sechs Monaten Wiedereinstiegssperre schlagen Stopps die Referenz — ein fester Stopp bei minus 15 Prozent erreicht 15,6 Prozent pro Jahr.
Unter einem Teil der delisteten Kürzel stehen zwei verschiedene Firmen in einer einzigen durchgehenden Kursreihe, weil das Kürzel nach dem Delisting neu vergeben wurde. Ein Qualitätsgate sperrt solche Reihen für jeden Kauf: 2.587 von 22.629 geprüften Titeln (11,43 Prozent). Gesperrt wird ausschließlich nach oben — derselbe Sprung nach unten bleibt drin, weil er überwiegend ein echter Zusammenbruch ist.
Nein. Die Studie beschreibt, wie sich feste Regeln über rund 26,5 Jahre auf einem breiten historischen Universum verhalten hätten — nicht, was heute zu kaufen ist. Sie enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, kein Kursziel und keine Prognose. Vergangene Ergebnisse sind kein verlässlicher Hinweis auf künftige Renditen.