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Magic-Formula-Backtest: 14,48 Prozent pro Jahr seit 2000 — und der Bruch nach 2009

Magic-Formula-Backtest: 14,48 Prozent pro Jahr seit 2000 — und der Bruch nach 2009

Wir haben Joel Greenblatts Original-„Magic Formula" auf einem survivorship-freien Universum von 22.871 US-Aktien nachgerechnet — mit allen Pleiten und Delistings, von 2000 bis Juli 2026. Herausgekommen sind 14,48 Prozent pro Jahr, weit unter den veröffentlichten 30,8 Prozent, aber mitten in der unabhängigen Replikationsliteratur. Und ein Bruch, den kaum eine Werbebroschüre zeigt: Vor 2010 schlug die Formel den Markt zweistellig, seither liegt sie klar dahinter.

Thomas Mücke Gründer & Herausgeber
· 17 Min. Lesezeit
Magic-Formula-Backtest: 14,48 Prozent pro Jahr seit 2000 — und der Bruch nach 2009
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14,48 Prozent pro Jahr — so viel brachte Joel Greenblatts Original-„Magic Formula" zwischen Ende 1999 und Juli 2026 auf dem US-Aktienmarkt, wenn man sie exakt nach Buchvorschrift nachrechnet: Doppel-Ranking aus Gewinnrendite und Kapitalrendite, die 30 besten Titel, gleichgewichtet, jährlich neu gemischt. Aus 100.000 Dollar wurden rechnerisch 3,64 Millionen Dollar. Der marktbreite S&P 500 kam mit Dividenden im selben Zeitraum auf 8,28 Prozent pro Jahr — aus 100.000 Dollar wurden 829.000 Dollar.

Wir haben dafür ein eigenes, survivorship-freies Universum aus 22.871 US-Aktien aufgebaut, von denen heute 72 Prozent nicht mehr notiert sind — Pleiten, Übernahmen, Delistings, alles bleibt drin. Die Kennzahlen stammen punktgenau aus den damals verfügbaren Jahresabschlüssen, keine rückwirkend geglätteten Daten. Datenstand dieser Studie: 31. Juli 2026.

Das Ergebnis ist ehrlicher als das Buch, aber auch komplizierter. Es bestätigt Greenblatts Grundidee — günstige, profitable Firmen zu kaufen, schlägt über 26,6 Jahre den Markt. Es bestätigt aber genauso den unbequemsten Befund der unabhängigen Forschung der vergangenen Jahre: Seit 2010 liegt die Formel hinter dem Index. Beides gehört in diese Studie, mit Zahlen belegt, ohne Beschönigung.

Das Original-Rezept: Was Greenblatt wirklich verspricht

Die Magic Formula aus „The Little Book That Beats the Market" rankt jede Aktie nach zwei Kennzahlen und addiert die beiden Rangplätze:

  • Gewinnrendite (Earnings Yield) = EBIT geteilt durch den Unternehmenswert (Enterprise Value). Der Unternehmenswert ist der Marktwert des Eigenkapitals plus Vorzugsaktien plus verzinsliche Schulden minus Überschuss-Cash — ohne Minderheitsanteile, wie es die Original-Fußnote des Buchs vorsieht.
  • Kapitalrendite (Return on Capital) = EBIT geteilt durch das gebundene Kapital (Netto-Umlaufvermögen plus Netto-Sachanlagen).

Wer nach beiden Kennzahlen den niedrigsten Rangsummen-Wert hat, gehört zu den 30 Titeln, die gleichgewichtet gekauft und ein Jahr später neu gemischt werden. Das gesamte Rezept ist mechanisch — keine Einzelfallprüfung, keine Ausnahme.

Greenblatt selbst hat für dieses Rezept beeindruckende Zahlen veröffentlicht:

Greenblatts veröffentlichte Backtest-Zahlen
ZeitraumUniversumErgebnis p. a.S&P 500 p. a.
1988–2004 (Buch 2005)> 50 Mio. $, Top 3030,8 %12,4 %
1988–2004größte 2.50023,7 %
1988–2004größte 1.000 (> ~1 Mrd. $)22,9 %
1988–2009 (Neuauflage 2010)> 50 Mio. $23,8 %9,5 %
1988–2009> 1 Mrd. $19,7 %

Diese Zahlen stammen aus Greenblatts eigener Auswertung auf Compustat-Punkt-in-Zeit-Daten, survivorship-frei, aber ohne Kosten und ohne Steuern. Rollierende Dreijahres-Fenster schlugen darin in rund 95 Prozent der Fälle den Markt. Der Primärtext des Buchs ist nicht mehr frei online verfügbar; jede hier zitierte Zahl ist durch mindestens zwei unabhängige Sekundärquellen gedeckt (Details im Methodik-Kapitel).

Unser Hauptergebnis: 14,48 Prozent pro Jahr seit 2000

Wir haben das Original-Rezept vom 31.12.1999 bis zum 31.07.2026 durchgerechnet — 26,6 Jahre, 320 Monats-Stichtage, mit zwölf monatlich versetzten Start-Kohorten, deren Mittelwert das Ergebnis bildet. Das glättet reines Stichtags-Glück und bildet Greenblatts eigene Praxis-Empfehlung eines gestaffelten Einstiegs ab.

Hauptergebnis gegen zwei Vergleichsmaßstäbe (31.12.1999–31.07.2026)
KennzahlMagic FormulaS&P 500 TRgleichgew. Universum
Rendite p. a.14,48 %8,28 %13,20 %
aus 100.000 $ wurden3,64 Mio. $829.000 $2,70 Mio. $
Faktor36,48,327,0

Die Schwankungsbreite lag bei 18,86 Prozent pro Jahr, der größte Rückschlag bei −44,92 Prozent mit Tiefpunkt im Februar 2009. Bestes Einzeljahr war 2001 mit +49,55 Prozent, schlechtestes 2008 mit −26,77 Prozent. In 16 der 26 vollständigen Kalenderjahre (61,5 Prozent) lag die Formel vor dem S&P 500 mit Dividenden.

Über die Laufzeit wurden 9.248 Positionen geschlossen, 352 waren am Ende noch offen. Von den geschlossenen Positionen endeten 9.110 regulär und 138 durch ein Delisting — eine Delisting-Quote von 1,49 Prozent. Die Einzeltrades selbst (ohne Kosten gerechnet) streuten stark: Mittelwert +17,94 Prozent, Median +8,93 Prozent, Gewinnquote 58,6 Prozent. Die beste Position war Inhibrx Biosciences mit +947,9 Prozent zwischen April 2025 und April 2026 — eine reale Kursbewegung in unserem Datenfundus, keine Datenfalle. Die schlechteste lag bei −99,4 Prozent; nur 0,37 Prozent aller Positionen fielen unter −90 Prozent.

Handelskosten von 0,2 Prozent je Kauf und je Verkauf kosteten 0,45 Prozentpunkte pro Jahr — ohne Kosten hätte die Formel 14,93 Prozent erzielt. Ein überschaubarer, aber nicht vernachlässigbarer Effekt bei jährlichem Rebalancing von 30 Positionen.

Der Bruch nach 2009: die unbequeme Kehrseite

Die 14,48 Prozent sind ein Durchschnitt über 26,6 Jahre — und Durchschnitte verbergen den interessantesten Teil dieser Studie. Teilt man den Zeitraum am Jahr 2010, zeigt sich ein Bruch, den kaum eine Marketingbroschüre der Strategie zeigt:

Der Bruch nach 2009: zwei völlig verschiedene Teilzeiträume
TeilzeitraumMagic FormulaS&P 500 TRgleichgew. Universum
2000–200921,40 % p. a.−0,95 % p. a.14,99 % p. a.
2010–2026 (bis 31.07.)10,49 % p. a.14,26 % p. a.12,13 % p. a.
Gesamt14,48 %8,28 %13,20 %

Der gesamte Vorsprung der Formel gegenüber dem S&P 500 stammt aus der „verlorenen Dekade" des Index — jenen zehn Jahren nach der Dotcom-Blase und der Finanzkrise, in denen der breite Markt real kaum vom Fleck kam. Seit 2010 liegt die Formel im Schnitt rund 3,8 Prozentpunkte pro Jahr hinter dem S&P 500 — und auch hinter dem gleichgewichteten Universum, das ohne jede Auswahl mehr erzielt hätte. Die Aktienauswahl selbst hat seit 2010 also Rendite gekostet, nicht gebracht.

Die vollständige Jahresreihe zeigt, wie unregelmäßig dieser Bruch verläuft:

Jahresrenditen: Magic Formula gegen S&P 500 TR, 2000–2026
JahrMagic FormulaS&P 500 TRDifferenz
2000+20,54 %−9,10 %+29,7 Pp
2001+49,55 %−11,89 %+61,4 Pp
2002+6,20 %−22,10 %+28,3 Pp
2003+48,24 %+28,68 %+19,6 Pp
2004+34,18 %+10,88 %+23,3 Pp
2005+8,02 %+4,91 %+3,1 Pp
2006+38,36 %+15,79 %+22,6 Pp
2007+13,73 %+5,49 %+8,2 Pp
2008−26,77 %−37,00 %+10,2 Pp
2009+46,68 %+26,46 %+20,2 Pp
2010+30,02 %+15,06 %+15,0 Pp
2011−5,81 %+2,11 %−7,9 Pp
2012+10,49 %+16,00 %−5,5 Pp
2013+39,65 %+32,39 %+7,3 Pp
2014+11,62 %+13,69 %−2,1 Pp
2015−7,95 %+1,38 %−9,3 Pp
2016+16,63 %+11,96 %+4,7 Pp
2017+28,26 %+21,83 %+6,4 Pp
2018−15,26 %−4,38 %−10,9 Pp
2019+25,46 %+31,49 %−6,0 Pp
2020+27,50 %+18,40 %+9,1 Pp
2021+18,82 %+28,71 %−9,9 Pp
2022−24,91 %−18,11 %−6,8 Pp
2023+9,22 %+26,29 %−17,1 Pp
2024+11,92 %+25,02 %−13,1 Pp
2025+27,37 %+17,88 %+9,5 Pp
2026 (bis Juli)−4,34 %+10,14 %−14,5 Pp

Seit 2011 lag die Formel in 11 von 16 Kalenderjahren hinter dem S&P 500 — kein Ausrutscher, sondern ein wiederkehrendes Muster, besonders deutlich in den Jahren 2023 und 2024, in denen wenige marktbeherrschende Technologiewerte den Index nach oben zogen, während die kleineren, value-lastigen Titel der Formel zurückblieben.

Woher die Rendite wirklich kam

Die naheliegende Erklärung für 14,48 Prozent wäre: gutes Stock-Picking. Der Vergleich mit dem gleichgewichteten Universum zeigt, dass das nur einen kleinen Teil der Wahrheit trifft. Wer alle investierbaren Titel des Universums gleichgewichtet gehalten hätte — ohne jedes Ranking, ohne jede Auswahl — kam bereits auf 13,20 Prozent pro Jahr.

Das bedeutet: Von den 14,48 Prozent stammen nur rund 1,3 Prozentpunkte tatsächlich aus der Auswahl nach Gewinn- und Kapitalrendite. Der weit größere Teil des Vorsprungs gegenüber dem S&P 500 kommt aus der reinen Gleichgewichtung — also daraus, kleinere Aktien überproportional zu gewichten, statt sie wie ein Marktkapitalisierungs-Index unterzugewichten. Ein Lauf mit einer Marktkapitalisierungs-Untergrenze von 1 Milliarde Dollar, der die kleinsten und volatilsten Titel aus dem Universum nimmt, bestätigt das: Er bringt nur noch 12,01 Prozent pro Jahr. Auch Greenblatts eigene Groß-Variante im Buch fiel bei größeren Titeln von 30,8 auf 22,9 Prozent — dasselbe Muster in den Originaldaten.

Komponenten-Zerlegung: Warum weniger manchmal mehr ist

Greenblatts Idee war, zwei Kennzahlen zu kombinieren, weil jede für sich eine Schwäche hat: billige Aktien allein können Value-Fallen sein, hochrentable Aktien allein können zu teuer sein. Wir haben deshalb dieselbe Rechenmaschine mit nur einer der beiden Kennzahlen laufen lassen — kein Strategie-Vergleich, sondern eine Pflicht-Einordnung, weil praktisch jede unabhängige Replikationsstudie genau daran ansetzt.

Komponenten-Zerlegung: identisches Rezept, andere Rangliste
RanglisteRendite p. a.größter RückschlagJahre vor dem Index
Nur Gewinnrendite (EBIT/EV)16,22 %−53,74 %61,5 %
Nur Kapitalrendite (ROC)12,30 %−53,82 %57,7 %
Kombination (Original)14,48 %−44,92 %61,5 %
Live-Näherung des Aktien-Scanners10,07 %−47,29 %53,8 %

Die Gewinnrendite allein schlägt mit 16,22 Prozent die volle Kombination um 1,7 Prozentpunkte pro Jahr — genau der Befund, den praktisch jede unabhängige Replikation berichtet, von Gray und Carlisle über Montier bis Davydov et al. Die Kapitalrendite-Komponente kostet also isoliert betrachtet Rendite. Sie hat aber einen messbaren Nutzen: Sie senkt den größten Rückschlag der Kombination von −53,7 Prozent (reine Gewinnrendite) auf −44,9 Prozent — ein Diversifikationseffekt, kein Renditetreiber.

Alle Empfindlichkeiten im Überblick

Ein einzelnes Ergebnis sagt wenig darüber aus, wie robust eine Strategie ist. Wir haben deshalb systematisch einzelne Parameter verändert, jeweils bei sonst gleicher Rezeptur:

Empfindlichkeitsrechnungen (jeweils ein Parameter geändert)
VarianteRendite p. a.Anmerkung
Haltedauer 6 Monate14,69 %
Haltedauer 12 Monate (Hauptlauf)14,48 %
Haltedauer 24 Monate13,99 %
Ohne Stopp (Hauptlauf)14,48 %Rückschlag −44,92 %
Fester Stopp −20 %11,38 %Rückschlag −28,87 %
Trailing-Stopp −25 %9,61 %Rückschlag −21,75 %
Mit Kosten (0,2 % je Seite, Hauptlauf)14,48 %
Ohne Kosten14,93 %
Marktkap.-Floor ≥ 1 Mrd. $12,01 %Rückschlag −53,25 %
Preisfilter Rohkurs ≥ 1 $13,91 %
Preisfilter Rohkurs ≥ 5 $13,38 %
Worst-Case-Delisting (Totalverlust)12,72 %

Drei Muster stechen heraus. Erstens: Stopps senken die Rendite durchgängig — von 14,48 auf 11,38 beziehungsweise 9,61 Prozent —, dämpfen dafür aber den größten Rückschlag spürbar. Zweitens: Je größer die Mindest-Marktkapitalisierung, desto niedriger die Rendite — der Kleinfirmen-Anteil trägt messbar zum Ergebnis bei, wie im vorigen Kapitel bereits gezeigt. Drittens: Die Überrendite verschwindet nicht durch Delistings — selbst im Worst-Case, in dem jedes Delisting als Totalverlust gezählt wird, bleiben 12,72 Prozent pro Jahr übrig, deutlich über dem S&P 500.

Einordnung: zwischen 30,8 Prozent und der Replikationslage

14,48 Prozent liegen weit unter den 30,8 Prozent aus Greenblatts Buch. Sie liegen aber mitten in der unabhängigen Forschungslandschaft, die sich seit fast zwanzig Jahren an diesem Rezept versucht:

  • Alpha Architect (Wesley Gray), US Large Cap: 13,80 Prozent CAGR — mit Liquiditätsfilter fällt der Wert für 1970–2010 sogar von 12,11 auf 7,66 Prozent.
  • Gray & Carlisle, „Quantitative Value", USA 1964–2011: 12,79 Prozent gegen 9,52 Prozent beim S&P 500 — auch hier schlägt die Gewinnrendite allein die volle Formel.
  • James Montier, 1993–2005: in den USA nur +3,6 Prozentpunkte pro Jahr Vorsprung (Europa +8,8, Japan +10,8) — auch hier war die Gewinnrendite solo besser.
  • Kreft 2022 (Erasmus-Universität, USA 1987–2021, CRSP/Compustat): ein signifikantes Alpha nur für 1987–2009 — für 2010–2021 kein Alpha mehr.
  • Reasonable Deviations 2020 (USA, über 100 Mio. $ Marktwert, 2003–2015): 11,4 Prozent gegen 8,7 Prozent — mit einem Rückschlag von 57 Prozent zwischen 2007 und 2010 und einem leichten Rückstand auf den Markt nach 2010.
  • Persson & Selander 2009 (nordische Märkte, 1998–2008): 14,68 Prozent gegen 9,28 Prozent — das Alpha war statistisch nicht signifikant.
  • Davydov, Tikkanen und Äijö 2016 (Finnland, 1991–2013): 19,26 Prozent — die Gewinnrendite allein kam sogar auf 20,57 Prozent.
  • ShareScope, britischer Praxistest 2022/23: −5,8 Prozent gegen +13,3 Prozent beim FTSE.
  • Validea, Live-Tracking mit zehn Titeln seit 2006: 7,1 Prozent gegen 5,0 Prozent beim Vergleichsindex (Stand 2016).

Der Ökonom Wesley Gray fasste seinen eigenen Befund so zusammen:

„nowhere near the 31 %"

„nicht annähernd die 31 Prozent" — Alpha Architect (Wesley Gray), zitiert nach Greenbackd, zum eigenen Magic-Formula-Backtest mit 13,80 Prozent CAGR.

Und der Vermögensverwalter Validea zog nach zehn Jahren Live-Tracking dieses Fazit über die eigene Magic-Formula-Umsetzung:

„replications largely not successful"

„Nachbauten größtenteils nicht erfolgreich" — Validea, Rückblick auf das Live-Tracking-Portfolio seit 2006 (Stand 2016).

Unser Ergebnis von 14,48 Prozent liegt mitten in dieser Replikationsspanne von rund 12 bis 15 Prozent brutto — und bestätigt zugleich den Nach-2010-Befund: Auch bei uns bricht die Überrendite nach 2009 weitgehend weg. Für die Lücke zu Greenblatts 30,8 Prozent nennt die Literatur übereinstimmend fünf Gründe: die Small- und Micro-Cap- sowie Illiquiditätsprämie im Buch-Backtest (unser 1-Milliarden-Floor-Lauf bestätigt das mit 12,01 Prozent), das Fehlen von Kosten und Steuern im Buch, eine Value-Dürre beziehungsweise ein Regimewechsel nach etwa 2010, die psychologische Hürde von Rückschlägen über 44 Prozent und mehrjährigen Durststrecken sowie eine Kapitalrendite-Komponente, die in den meisten Nachbauten Rendite kostet — unsere eigene Komponenten-Zerlegung bestätigt genau das.

Was das für unseren Aktien-Scanner bedeutet

Auf der Plattform gibt es einen Magic-Formula-Aktien-Scanner, der nach Kapitalrendite (mindestens 25 Prozent) und Kurs-Gewinn-Verhältnis (mindestens 5) filtert, statt nach dem vollen Doppel-Ranking aus Gewinn- und Kapitalrendite. Das ist kein Umsetzungsfehler: Greenblatt beschreibt diese Vereinfachung im Buch selbst — für Anleger, die keinen EBIT/EV-Screener zur Hand haben, ersetzt eine hohe Kapitalrenditenäherung die exakte Kennzahl, und die KGV-Untergrenze filtert Datenausreißer heraus.

Wir haben diese Variante als eigenen Zweitlauf gemessen: gleiche Ausschlüsse wie im Hauptlauf, aber alle Treffer gleichgewichtet statt nach einer Top-30-Rangliste, jährliches Rebalancing. Ergebnis: 10,07 Prozent pro Jahr, Rückschlag −47,29 Prozent. Das liegt über dem S&P 500 mit 8,28 Prozent, aber klar unter dem vollen Original-Ranking mit 14,48 Prozent. Unser Urteil: eine legitime, ehrlich beschriftete Buch-Variante des Rezepts — kein Umsetzungsfehler, aber auch keine Näherung, die das Original-Ergebnis erreicht.

Warum Survivorship-Freiheit hier den Unterschied macht

Die meisten frei verfügbaren Magic-Formula-Backtests arbeiten mit dem heute handelbaren Aktienuniversum — und blenden damit systematisch aus, was seither insolvent ging, übernommen wurde oder von der Börse verschwand. Unser Universum umfasst 22.871 US-Titel, von denen 16.472 (72 Prozent) heute nicht mehr notiert sind. 22.629 Titel (98,9 Prozent) haben eine verwertbare Kursreihe, 13.675 (59,8 Prozent) verfügen über Jahresabschlüsse — Titel ohne Abschluss können naturgemäß nie ins Ranking gelangen.

Am letzten Stichtag (31.07.2026) standen 3.882 Titel als investierbar zur Verfügung; ausgeschlossen wurden 1.345 wegen Finanzsektor-Zugehörigkeit, 561 wegen des Kursreihen-Qualitätsgates (dazu gleich mehr), 135 wegen Versorger-Zugehörigkeit und 89 wegen veralteter Abschlüsse. Mit unbekannter Branche wurde kein einziger Titel ausgeschlossen — die Branchenabdeckung liegt bei 100 Prozent über zwei kombinierte Quellen.

Delistings während der Haltedauer werden zum letzten handelbaren Kurs verbucht, nicht ausgeblendet — von den 9.248 geschlossenen Positionen endeten 138 (1,49 Prozent) auf diesem Weg. Wie im Kapitel zu den Empfindlichkeiten gezeigt, verschwindet die Überrendite auch im Worst-Case nicht, in dem jedes Delisting als Totalverlust gilt (12,72 Prozent statt 14,48 Prozent). Das ist die eigentliche Stärke eines survivorship-freien Backtests: Er zeigt nicht nur, wie die Gewinner sich entwickelt haben, sondern auch, was die Verlierer der Strategie tatsächlich gekostet haben.

Wie diese Studie gerechnet wurde

Grundgesamtheit. 22.871 US-Aktien, die zwischen 2000 und Juli 2026 an einem US-Handelsplatz notiert waren oder sind, einschließlich der 72 Prozent, die heute nicht mehr existieren. Ausgeschlossen sind Finanzwerte (Sektor Financials), Versorger (Sektor Utilities), ADRs und außerbörslich (OTC) gehandelte Titel — wie im Original. Marktkapitalisierungs-Untergrenze 50 Millionen Dollar nominal, wie im Buch.

Rezept. Doppel-Ranking aus Gewinnrendite (EBIT/Unternehmenswert) und Kapitalrendite (EBIT/gebundenes Kapital), kleinste Rangsumme gewinnt, Top 30, gleichgewichtet, jährliches Rebalancing über zwölf monatlich versetzte Start-Kohorten (Mittelwert = Ergebnis), Handelskosten 0,2 Prozent je Kauf und je Verkauf, kein Stopp, kein Preisfilter im Hauptlauf.

Punkt-in-Zeit. Jede Kennzahl an jedem Stichtag stammt ausschließlich aus dem Jahresabschluss, der zu diesem Zeitpunkt bereits veröffentlicht war — kein Rückblick auf Wissen, das es damals noch nicht gab. Ein Abschluss zählt höchstens 18 Monate lang als aktuell; danach gilt der Titel als „Abschluss veraltet" und fällt aus dem Ranking, sonst würde ein Titel, der nicht mehr berichtet, aber im Kurs fällt, rechnerisch eine steigende Gewinnrendite zeigen.

Abweichungen vom Original. Zehn Punkte, alle im Ergebnis wirksam: (1) Jahresabschlüsse statt der letzten zwölf Monate (TTM) — eine Kennzahl kann zwischen zwei Abschlüssen bis zu ein Jahr alt sein. (2) Überschuss-Cash ist im Buch nicht operationalisiert; wir verwenden die konservative Formel max(0, Kasse minus max(0, kurzfristige Verbindlichkeiten minus kurzfristiges Vermögen plus Kasse)), einheitlich in beiden Kennzahlen — die größte bekannte Abweichungsquelle zwischen allen Nachbauten. (3) Die Sektor-Zuordnung stammt primär aus der Anbieter-Angabe, sekundär aus einer Branchenkennziffer-Brücke, und ist zeitunabhängig (heutiger Sektor, auch für alte Stichtage); Titel ohne jede Branchenangabe wurden am letzten Stichtag nicht ausgeschlossen (0 Fälle, Branchenabdeckung 100 Prozent). (4) Die Aktienzahl zwischen zwei Abschlüssen gilt als konstant; 45,4 Prozent der Marktkapitalisierungs-Zeilen sind ohne Split-Korrektur, ihre Marktkapitalisierung liegt um jeden Split seit dem Stichtag daneben. (5) Kohorten-Mittelung über zwölf versetzte Jahres-Starts statt eines einzelnen Stichtags. (6) Abschluss-Höchstalter 18 Monate. (7) Ein eigens gebautes Kursreihen-Qualitätsgate (dazu gleich mehr). (8) Der Unternehmenswert wird ohne Minderheitsanteile berechnet (Original-Fußnote); Titel mit EBIT kleiner/gleich null sind nicht rankbar, eine Konvention aller Replikationen. (9) Die Gesamtrendite basiert auf dem bereinigten Kurs (Splits und Dividenden), es gibt keine separate Dividendenreihe. (10) Keine Steuern; Handelskosten pauschal 0,2 Prozent je Seite.

Datenprüfung. Beim Aufbau des Kursreihen-Datensatzes zeigte sich, dass der Datenanbieter unter einem Teil der delisteten Kürzel zwei verschiedene Firmen in einer einzigen, durchgehenden Monatsreihe führt — ein Kürzel wird nach dem Delisting neu vergeben, ohne dass ein Split dokumentiert ist. Wir haben deshalb ein eigenes Kursreihen-Qualitätsgate gebaut, das ausschließlich Kurssprünge nach oben herausfiltert (Faktor mindestens 8 oder ein dauerhaft angehobenes Kursniveau, zusätzlich unplausible Reihenanfänge in beide Richtungen). Kurssprünge nach unten bleiben bewusst im Bestand, weil sie überwiegend echte Kursabstürze abbilden, wie an Einzelfällen wie Axcelis Technologies (Oktober 2008) und Amylyx (März 2024) nachvollzogen wurde — sie ganz herauszunehmen hätte das Ergebnis dieser Strategie in einem survivorship-freien Universum zu gut aussehen lassen. Betroffen sind 2.587 von 22.629 Titeln mit Kursreihe (11,4 Prozent), im investierbaren Universum 394 von 4.117 Titeln (9,6 Prozent). Diese Titel werden an jedem Stichtag unabhängig von der Reihenfolge der Rechenschritte aus jeder Rangliste herausgehalten. Das Original-Rezept kennt diesen Ausschluss nicht — er ist eine Korrektur an der Datenqualität, keine Regel der Strategie.

Grenzen. 45,4 Prozent der Marktkapitalisierungs-Zeilen sind ohne echte Split-Korrektur der Aktienzahl; ihre Marktkapitalisierung und die davon abhängigen Kennzahlen können um jeden Split seit dem jeweiligen Stichtag daneben liegen. Titel ohne jede Sektor-Angabe hätten Finanzwerte einschleusen können — dieser Fall trat am letzten Stichtag nicht auf, blieb methodisch aber als Risiko bestehen. Stopp-Varianten wurden durchgehend auf Tagesbasis gerechnet — für alle 1.343 gerankten Titel lag eine Tagesreihe vor, kein einziger musste auf Monatswerte ausweichen. Die Studie beschreibt ausschließlich US-Titel und ausschließlich das Original-Rezept — keine Momentum-, Qualitäts- oder sonstigen Erweiterungen.

Quellen. Fundamentaldaten und Kursreihen unseres Datenfundus, punktgenau nach Veröffentlichungsdatum der Jahresabschlüsse; Greenblatts veröffentlichte Vergleichszahlen sowie die zitierte unabhängige Replikationsliteratur (Alpha Architect, Gray & Carlisle, Montier, Kreft 2022, Validea, ShareScope, Reasonable Deviations, Persson & Selander, Davydov et al.), jeweils durch mindestens zwei unabhängige Sekundärquellen gedeckt. Datenstand: 31. Juli 2026.

Was aus dieser Studie nicht folgt

Dass die Original-Formel über 26,6 Jahre den Markt geschlagen hat, heißt nicht, dass sie das auch in den nächsten 26,6 Jahren tut. Der Bruch nach 2009 zeigt gerade, wie sehr das Ergebnis von der Marktphase abhängt, in der man misst — eine Strategie, die in einer verlorenen Dekade des Index glänzt, kann in einer Phase konzentrierter Index-Führerschaft wie den vergangenen Jahren zurückfallen, und genau das ist seit 2010 passiert. Diese Studie beschreibt, wie sich eine feste, mechanische Regel historisch verhalten hätte — nicht, was heute zu kaufen ist.

Diese Auswertung reiht sich in unsere eigenen Untersuchungen ganzer Aktienuniversen ein. Eine frühere Studie hat gezeigt, welche Warnsignale 792 US-Insolvenzen vorausgingen, eine andere, was 126 US-Aktien gemeinsam hatten, die sich verelffacht haben. Einzelne der in diesen Studien genannten Unternehmen haben wir zusätzlich einzeln untersucht; die vollständige Sammlung steht in unseren Aktienanalysen.

Dieser Beitrag ist eine historische Auswertung und keine Anlageberatung. Er enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, kein Kursziel und keine Prognose über einzelne, heute börsennotierte Unternehmen. Wer Anlageentscheidungen trifft, sollte die eigene Lage und die eigenen Risiken prüfen — im Zweifel mit fachlicher Beratung.

Häufige Fragen

14,48 Prozent pro Jahr zwischen Ende 1999 und Juli 2026, gegen 8,28 Prozent beim S&P 500 mit Dividenden und 13,20 Prozent bei einem gleichgewichteten Kauf des gesamten investierbaren Universums ohne Auswahl. Aus 100.000 Dollar wurden rechnerisch 3,64 Millionen Dollar.

Fünf Gründe deckt die Forschung übereinstimmend auf: die Small-Cap- und Illiquiditätsprämie im Buch-Backtest (unser Lauf mit einer 1-Milliarden-Dollar-Grenze bringt nur noch 12,01 Prozent), fehlende Kosten und Steuern im Buch, ein Regimewechsel nach 2010, die psychologische Hürde von Rückschlägen über 44 Prozent und eine Kapitalrendite-Komponente, die meist Rendite kostet.

Ja. Zwischen 2010 und Juli 2026 erzielte die Formel 10,49 Prozent pro Jahr gegen 14,26 Prozent beim S&P 500 — rund 3,8 Prozentpunkte Rückstand. Seit 2011 lag sie in 11 von 16 Kalenderjahren hinter dem Index. Das deckt sich mit unabhängiger Forschung, die für die USA nach 2010 kein signifikantes Alpha mehr findet.

Größtenteils aus der Gleichgewichtung kleiner Aktien, nicht aus der Auswahl. Das gleichgewichtete investierbare Gesamtuniversum ohne jede Auswahl brachte bereits 13,20 Prozent pro Jahr — nur rund 1,3 Prozentpunkte stammen tatsächlich aus dem Doppel-Ranking nach Gewinn- und Kapitalrendite.

Nein, aber auch kein Fehler. Er bildet die Screener-Vereinfachung ab, die Greenblatt selbst im Buch für Anleger ohne EBIT/EV-Rechner beschreibt (Kapitalrendite mindestens 25 Prozent, Kurs-Gewinn-Verhältnis mindestens 5). Gemessen erzielt diese Variante 10,07 Prozent pro Jahr — über dem S&P 500, aber klar unter dem vollen Doppel-Ranking.

Ja. Das Universum umfasst 22.871 US-Aktien, von denen heute 72 Prozent nicht mehr notiert sind. Kennzahlen stammen punktgenau aus den damals verfügbaren Jahresabschlüssen, Delistings werden zum letzten handelbaren Kurs verbucht. Selbst wenn jedes Delisting als Totalverlust gerechnet wird, bleiben 12,72 Prozent pro Jahr übrig.

Nein. Die Studie beschreibt, wie sich eine feste Regel über 26,6 Jahre auf einem breiten historischen Universum verhalten hätte — nicht, was heute zu kaufen ist. Sie enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung und keine Prognose. Wer Anlageentscheidungen trifft, sollte die eigene Lage und die eigenen Risiken prüfen, im Zweifel mit fachlicher Beratung.

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