Martingale-Index-Test: 2,94 % p. a. statt 10,84 % Kaufen-und-Halten
Ein vorregistrierter Backtest von 216 Nachkauf-im-Minus-Regeln (eine sogenannte Martingale-Strategie) auf den S&P 500 und den Nasdaq 100, mit Daten zurück bis 1927: Die vorab benannte Hauptregel brachte 2,94 % Rendite pro Jahr statt 10,84 % bei Kaufen-und-Halten, und 86 % dieses Ertrags stammten allein aus dem Zins auf ungenutztes Bargeld.
Bei einer einzelnen Aktie lässt sich das Risiko eines Nachkaufs im Minus nicht wegrechnen: Manche Aktien kommen nie zurück, weil die Firma dahinter untergeht. Bei einem breiten Index war das bisher anders — der S&P 500 und der Nasdaq 100 haben jede ihrer bisherigen Krisen überstanden; eine Garantie für die Zukunft ist auch das nicht. Genau diese Überlegung stand am Anfang dieses Tests: Ein Nachkauf-im-Minus-Verfahren (eine sogenannte Martingale-Strategie) wurde nicht auf einzelne, möglicherweise insolvenzgefährdete Aktien angewendet, sondern auf den S&P 500 und den Nasdaq 100 selbst — über die ETFs SPY und QQQ sowie, für die ganz lange Sicht, über die Kursindizes zurück bis 1927.
Das Verfahren stand vorab fest, bevor die erste Zahl gerechnet wurde: 216 Kombinationen aus Nachkaufgröße, Nachkaufschwelle, Verkaufsziel und Obergrenze wurden vollständig durchgerechnet, dazu eine vorab benannte Hauptregel als Referenz — Startkapital 100.000 $, mit realistischen Handelskosten und Zins auf das gerade nicht investierte Geld.
Das Ergebnis in vier Zahlen
- 2,94 % pro Jahr brachte die Hauptregel des Verfahrens, gemessen über das komplette Kapital von 100.000 $ — deutlich weniger als die 10,84 % pro Jahr, die Kaufen-und-Halten im selben Fenster (1993 bis 2026) erzielte. Aus 100.000 $ wurden beim Verfahren 264.294,31 $, bei Kaufen-und-Halten 3.164.442,67 $.
- 0 von 216 geprüften Regel-Zellen schlug Kaufen-und-Halten bei der Rendite — auf beiden Instrumenten (SPY und QQQ), über alle geprüften Kombinationen.
- 86 % des gesamten Ertrags der Hauptregel stammten allein aus dem Zins auf das Geld, das in der Reserve lag, statt investiert zu sein. Ohne diesen Zins wären aus 100.000 $ über 33 Jahre nur 114.952,71 $ geworden.
- 262.143 Grundeinheiten Reserve (eine Grundeinheit ist die Summe, mit der eine Runde beginnt und an der sich alle Nachkäufe messen) wären in der ungünstigsten der 36 geprüften Regeln nötig gewesen — erreicht beim Nasdaq 100 in der Technologieblase ab dem Jahr 2000; auch der S&P-500-Kursindex kam in der Krise um 1932 auf denselben Wert.
Das Nachkaufen im Minus hielt die Kurve ruhig, kostete aber über die Zeit einen großen Teil der Rendite, die einfaches Halten gebracht hätte.
Was Martingale hier heißt
Der Name stammt aus dem Glücksspiel: Nach jedem Verlust wird der Einsatz erhöht, in der Hoffnung, den Verlust mit einem einzigen Gewinn wieder hereinzuholen. Übertragen auf den Aktienmarkt: Eine Runde begann mit dem Kauf einer Grundeinheit — einem festen Geldbetrag, an dem sich alle folgenden Käufe derselben Runde orientierten. Fiel der Kurs seit dem letzten Kauf um eine Schwelle (Hauptregel 5 %), wurde mit der doppelten Summe des vorigen Kaufs nachgekauft; stieg der Kurs 2 % über den durchschnittlichen Einstandspreis, wurde alles auf einmal verkauft, und die nächste Runde begann sofort von vorn.
Die Grundeinheit der Hauptregel lag zu Beginn bei 392,16 $; jeder Nachkauf verdoppelte die Summe des vorigen, bis spätestens beim achten Kauf einer Runde Schluss war (der Deckel, die Obergrenze der Käufe je Runde). Bei dieser Verdopplungsregel und Deckel 8 passte die gesamte mögliche Leiter genau in 255 Grundeinheiten — exakt die 100.000 $ Startkapital.
So wurde getestet
Getestet wurde auf vier Datenreihen: den ETFs SPY (S&P 500, ab 1993) und QQQ (Nasdaq 100, ab 1999) mit Handelskosten und Zins, dazu — für die ganz lange Sicht auf den Reservebedarf — den zugehörigen Kursindizes ohne Dividenden zurück bis 1927 bzw. 1985. Quelle: eigene Rückrechnung 1927–2026; der Zins auf das wartende Bargeld orientierte sich an der 3-Monats-Rendite von US-Schatzwechseln (T-Bills, kurzlaufende Anleihen der US-Regierung) aus der Zinsstatistik der US-Notenbank (FRED-Reihe DTB3).
Geprüft wurden 216 Regel-Zellen: drei Nachkaufgrößen (×2, ×1,5, gleiche Tranchen) mal drei Nachkaufschwellen (3, 5, 10 %) mal vier Verkaufsziele (1, 2, 3, 5 %) mal drei Obergrenzen (6, 8, 10 Käufe je Runde), auf zwei Instrumenten. Eine Zelle — SPY, Verdopplung, Schwelle 5 %, Ziel 2 %, Deckel 8 — war die Hauptregel, vorab benannt, damit kein zufällig gutes Ergebnis nachträglich zur eigentlich gemeinten Regel erklärt werden konnte. Erfolgreich sollte eine Regel gelten, wenn ihre Rendite pro Jahr (p. a., die jährliche Verzinsung des Start- zum Endkapital) mindestens so hoch war wie bei Kaufen-und-Halten und ihr größter Rückschlag (MaxDD, der tiefste Einbruch vom bisherigen Höchststand) nicht größer ausfiel.
Die Hauptrechnung: Der S&P 500 über 33 Jahre
Über das gesamte Fenster von 1993 bis 2026 lag die Hauptregel bei 2,94 % p. a., gegenüber 10,84 % p. a. für Kaufen-und-Halten. Dafür fiel der Rückschlag winzig aus: −2,95 % beim Verfahren gegen −55,19 % bei Kaufen-und-Halten — das Verfahren erreichte einen solchen Rückschlag nie, weil im Mittel nur 0,75 % des Kapitals überhaupt im Markt investiert waren. Diese durchgehende Gesamtrechnung von 1993 bis 2026 enthält zwangsläufig auch das Ausnahmejahr 2020; aus allen Jahresauswertungen und Durchschnitten weiter unten bleibt es dagegen heraus.
| Kennzahl | Verfahren (×2 / −5 % / +2 %, Deckel 8) | Kaufen und Halten SPY | faire Linie |
|---|---|---|---|
| Rendite p. a. auf das Gesamtkapital | 2,94 % | 10,84 % | 2,67 % |
| Endkapital aus 100.000 $ | 264.294,31 $ | 3.164.442,67 $ | 241.852,20 $ |
| größter Rückschlag (MaxDD) | −2,95 % | −55,19 % | −0,80 % |
| Anteil des Kapitals im Markt, im Mittel | 0,75 % | — | — |
| Runden (vollständige Kauf-Verkauf-Zyklen) | 546 | — | — |
| Zeitraum | 1993–2026 · 8.449 Handelstage | ||
Rendite p. a. = die jährliche Verzinsung, mit der aus dem Startkapital das Endkapital geworden wäre. Größter Rückschlag = der tiefste Sturz vom bis dahin höchsten Kontostand. Die faire Linie kauft einmal eine Grundeinheit und hält sie; das übrige Geld liegt die ganze Zeit in US-Schatzwechseln. „—" heißt: Die Kennzahl gibt es für diese Linie nicht, weil sie durchgehend investiert ist und keine Runden kennt. Quelle: eigene Rückrechnung 1927–2026.
546 vollständige Runden liefen in diesem Zeitraum, mit einer Rundendauer im Median (dem typischen Fall — die Hälfte war kürzer, die Hälfte länger) von 10 Handelstagen. Der Durchschnitt (alle Runden zusammengezählt und gleichmäßig verteilt) lag mit 15,4 Handelstagen höher, weil einzelne sehr lange Runden — bis zu 137 Handelstage — ihn nach oben zogen.
Warum der ruhige Verlauf kein Verdienst des Nachkaufens war
Ein Rückschlag von nur −2,95 % klingt nach einem cleveren Verfahren. Der Vergleich mit einer dritten, fairen Linie zeigte aber: Das lag vor allem daran, dass fast nie Geld im Markt steckte — nicht am Nachkaufen selbst. Diese Linie kaufte genau eine Grundeinheit und hielt sie einfach, der Rest lag ebenfalls verzinst in der Reserve; sie kam auf 2,67 % p. a. (241.852,20 $) bei nur −0,80 % Rückschlag. Das Verfahren schlug diese faire Linie nur um 0,27 Prozentpunkte — gegen Kaufen-und-Halten blieben 7,90 Prozentpunkte offen. Die ruhige Kurve entstand also, weil das meiste Geld gar nicht investiert war, nicht durch einen eigenen Vorteil des Nachkaufens.
Der Zins war der eigentliche Ertrag
Weil fast das ganze Kapital die meiste Zeit in der Reserve lag, hing das Ergebnis stark davon ab, ob dieses Geld verzinst wurde — eine Gegenrechnung ohne Zins auf das wartende Bargeld zeigte das deutlich.
| Kennzahl | mit Zins auf das wartende Geld (Hauptzelle) | ohne Zins |
|---|---|---|
| Rendite p. a. auf das Gesamtkapital | 2,94 % | 0,42 % |
| Endkapital aus 100.000 $ | 264.294,31 $ | 114.952,71 $ |
| größter Rückschlag (MaxDD) | −2,95 % | −3,03 % |
| Anteil des Zinses am Ertrag | 85,8 % | |
Das wartende Bargeld liegt in US-Schatzwechseln mit drei Monaten Laufzeit (FRED-Reihe DTB3). Der Anteil des Zinses am Ertrag ist abgeleitet: 1 − (Rendite ohne Zins ÷ Rendite mit Zins) = 85,8 %, im Text auf 86 % gerundet. Rendite p. a. = die jährliche Verzinsung, mit der aus dem Startkapital das Endkapital geworden wäre. Größter Rückschlag = der tiefste Sturz vom bis dahin höchsten Kontostand. Quelle: eigene Rückrechnung 1927–2026.
Ohne Zins fiel die Rendite von 2,94 % p. a. auf 0,42 % p. a., das Endkapital von 264.294,31 $ auf 114.952,71 $. Damit stammten 86 % der jährlichen Rendite allein aus dem Zins, nicht aus dem Handel selbst.
Alle 216 Regeln im Sweep
Damit das Ergebnis nicht von der Wahl einer einzigen Regel abhing, wurden alle 216 Kombinationen ausgewertet.
| Reihe | Deckel | Zellen | davon besser als Kaufen und Halten | davon mit kleinerem Rückschlag | beste Zelle p. a. | Regel der besten Zelle | Median p. a. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| SPY (ETF auf den S&P 500) | 6 | 36 | 0 | 36 | 7,20 % | ×1 / −3 % / +2 % | 5,08 % |
| SPY (ETF auf den S&P 500) | 8 | 36 | 0 | 36 | 6,50 % | ×1 / −3 % / +3 % | 3,81 % |
| SPY (ETF auf den S&P 500) | 10 | 36 | 0 | 36 | 5,85 % | ×1 / −3 % / +2 % | 3,13 % |
| QQQ (ETF auf den Nasdaq 100) | 6 | 36 | 0 | 36 | 8,83 % | ×1,5 / −3 % / +1 % | 5,68 % |
| QQQ (ETF auf den Nasdaq 100) | 8 | 36 | 0 | 36 | 7,54 % | ×1,5 / −3 % / +2 % | 4,48 % |
| QQQ (ETF auf den Nasdaq 100) | 10 | 36 | 0 | 36 | 6,79 % | ×1,5 / −3 % / +5 % | 3,83 % |
| alle Zellen zusammen | — | 216 | 0 | 216 | 8,83 % | ×1,5 / −3 % / +1 % (QQQ, Deckel 6) | 4,45 % |
Der Deckel ist die Obergrenze der Käufe je Runde. Jede der 216 Zellen ist eine eigene Regel-Kombination, alle mit der Hauptkostenstufe gerechnet. Median = der typische Fall in der Mitte: Die Hälfte der Werte lag darüber, die Hälfte darunter. Keine einzige Zelle brachte mehr Rendite als Kaufen und Halten, und jede einzelne hatte einen kleineren Rückschlag. Die beste Zelle jeder Gruppe arbeitet nie mit ×2. Quelle: eigene Rückrechnung 1927–2026.
Keine einzige der 216 Zellen schlug Kaufen-und-Halten bei der Rendite; keine erfüllte das vorab festgelegte Erfolgskriterium vollständig. Dagegen fiel der Rückschlag in allen 216 Zellen niedriger aus als bei Kaufen-und-Halten. Die Rendite p. a. lag im Median (der typische Wert — die Hälfte der Zellen lag darüber, die Hälfte darunter) bei 4,45 %. Die beste Zelle des gesamten Sweeps (Nasdaq 100, Nachkaufgröße 1,5, Schwelle 3 %, Ziel 1 %, Deckel 6) kam auf 8,83 % p. a., erfüllte das Kriterium aber ebenfalls nicht, weil ihr eigener Kaufen-und-Halten-Vergleich mit 10,72 % p. a. noch höher lag.
Größenregel: aggressiv gegen sanft
| Nachkaufgröße | Rendite p. a., Median | Rendite p. a., Durchschnitt | größter Rückschlag, Median | Runden, Median | höchste erreichte Nachkaufstufe |
|---|---|---|---|---|---|
| ×2 (echtes Martingale) | 3,29 % | 3,60 % | −7,75 % | 514 | 9 |
| ×1,5 (sanft) | 4,14 % | 4,38 % | −16,95 % | 418 | 9 |
| ×1 (gleiche Tranchen, Grid/DCA) | 5,58 % | 5,58 % | −49,39 % | 240,5 | 9 |
72 Zellen in jeder Gruppe. Median = der typische Fall in der Mitte: Die Hälfte der Werte lag darüber, die Hälfte darunter. Durchschnitt = alles zusammengezählt und gleichmäßig verteilt; einzelne Ausreißer ziehen ihn stark nach oben oder unten. Bei ×2 liegen Median und Durchschnitt auseinander, weil einzelne sehr gute Zellen den Durchschnitt heben; bei ×1 sind beide praktisch gleich, dort gibt es diese Ausreißer nicht. Der Befund in einem Satz: Je aggressiver das Nachkaufen, desto niedriger fiel im Test die Rendite aus und desto ruhiger verlief die Kurve. Quelle: eigene Rückrechnung 1927–2026.
Bei der echten Verdopplung (×2) lag die Rendite p. a. im Median bei 3,29 %, im Durchschnitt bei 3,60 % — die Werte lagen auseinander, weil einzelne besonders gute Zellen den Durchschnitt nach oben zogen. Bei ×1,5 lagen Median und Durchschnitt bei 4,14 % bzw. 4,38 %, bei gleich großen Tranchen (×1, im Grunde ein Grid-Bot) bei 5,58 % für beide Kennzahlen — hier gab es praktisch keine Ausreißer. Der Rückschlag stieg mit sanfterem Nachkaufen deutlich: von −7,75 % (Median) bei ×2 über −16,95 % bei ×1,5 bis −49,39 % bei ×1. Der Befund in einem Satz: Je aggressiver das Nachkaufen, desto niedriger fiel im Test die Rendite aus und desto ruhiger verlief die Kurve.
Die Gegenprobe auf dem Nasdaq 100
Damit das Ergebnis nicht nur an einer Aktienauswahl hing, wurde dieselbe Hauptregel unverändert auf den Nasdaq 100 (QQQ) übertragen.
| Kennzahl | Verfahren (×2 / −5 % / +2 %, Deckel 8) | Kaufen und Halten QQQ | faire Linie |
|---|---|---|---|
| Rendite p. a. auf das Gesamtkapital | 3,73 % | 10,72 % | 2,15 % |
| Endkapital aus 100.000 $ | 273.550,60 $ | 1.638.884,13 $ | 179.549,12 $ |
| größter Rückschlag (MaxDD) | −2,39 % | −82,98 % | −0,52 % |
| Anteil des Kapitals im Markt, im Mittel | 0,98 % | — | — |
| Runden (vollständige Kauf-Verkauf-Zyklen) | 806 | — | — |
| Zeitraum | 1999–2026 · 6.907 Handelstage | ||
Rendite p. a. = die jährliche Verzinsung, mit der aus dem Startkapital das Endkapital geworden wäre. Größter Rückschlag = der tiefste Sturz vom bis dahin höchsten Kontostand. Die faire Linie kauft einmal eine Grundeinheit und hält sie; das übrige Geld liegt die ganze Zeit in US-Schatzwechseln. „—" heißt: Die Kennzahl gibt es für diese Linie nicht, weil sie durchgehend investiert ist und keine Runden kennt. Quelle: eigene Rückrechnung 1927–2026.
Auch hier blieb das Bild gleich: 3,73 % p. a. (273.550,60 $) gegen 10,72 % p. a. für Kaufen-und-Halten (1.638.884,13 $), bei −2,39 % gegen −82,98 % Rückschlag; die faire Linie kam auf 2,15 % p. a. (179.549,12 $). Auch hier wurde das Erfolgskriterium nicht erfüllt.
Wie viel Reserve nötig gewesen wäre — und 1929 bis 1932
Ein Deckel von 8 Käufen begrenzt eine Runde, weil das Geld ausging — nicht, weil der Kurs nicht noch weiter hätte fallen können. Wie viel Reserve das Verfahren wirklich gebraucht hätte, zeigt eine Rechnung ganz ohne Obergrenze, in Vielfachen der Grundeinheit.
| Reihe | Hauptregel: Grundeinheiten | Hauptregel: Käufe | Maximum über alle 36 Regeln: Grundeinheiten | Käufe | bei welcher Regel |
|---|---|---|---|---|---|
| SPY (ETF auf den S&P 500) | 255 | 8 | 8.191 | 13 | ×2 / −3 % / +1 % |
| QQQ (ETF auf den Nasdaq 100) | 2.047 | 11 | 262.143 | 18 | ×2 / −3 % / +2 % |
| S&P 500 (Kursindex) | 2.047 | 11 | 262.143 | 18 | ×2 / −3 % / +3 % |
| Nasdaq 100 (Kursindex) | 1.023 | 10 | 8.191 | 13 | ×2 / −3 % / +5 % |
Gerechnet ohne Deckel: Das Verfahren kauft so lange nach, wie der Markt fällt. Grundeinheit = die Summe, mit der eine Runde beginnt und an der sich alle Nachkäufe messen. Die Hauptregel ist ×2 / −5 % / +2 %. Der höchste Bedarf über alle Reihen und Regeln lag bei 262.143 Grundeinheiten — so viel Geld hätte bereitliegen müssen, um eine einzige Runde durchzuhalten. Quelle: eigene Rückrechnung 1927–2026.
Für die Hauptregel allein hätte der S&P-500-ETF in seiner schlimmsten Phase (Finanzkrise 2007–2009) 255 Grundeinheiten gebunden gehabt, bei 8 Käufen in Folge; der Nasdaq-100-ETF und der S&P-500-Kursindex brauchten in ihrer schlimmsten Krise mit 2.047 Grundeinheiten das Achtfache. Über alle 36 Regeln und die ganze Historie hinweg lag der höchste je nötige Bedarf bei 262.143 Grundeinheiten — erreicht vom Nasdaq 100 (×2, Schwelle 3 %, Ziel 2 %) und vom S&P-500-Kursindex mit Ziel 3 %, dessen tiefste Runde am 8. März 1932 begann.
| Krise | Reihe | Marktrückgang | Tage mit leerer Reserve | tiefster Rückschlag des Gesamtkapitals |
|---|---|---|---|---|
| Weltwirtschaftskrise September 1929 bis Juli 1932 | S&P 500 (Kursindex) | −86,19 % | 103 | −29,15 % |
| Ölkrise Januar 1973 bis Dezember 1974 | S&P 500 (Kursindex) | −48,20 % | 19 | −5,66 % |
| Schwarzer Montag Oktober 1987 | S&P 500 (Kursindex) | −31,47 % | 0 | −1,47 % |
| Technologieblase März 2000 bis Oktober 2002 | SPY (ETF auf den S&P 500) | −47,52 % | 0 | −2,95 % |
| Technologieblase März 2000 bis Oktober 2002 | Nasdaq 100 (Kursindex) | −82,90 % | 27 | −23,82 % |
| Finanzkrise Oktober 2007 bis März 2009 | SPY (ETF auf den S&P 500) | −55,19 % | 1 | −2,66 % |
Gerechnet mit der Hauptregel und dem Deckel von 8 Käufen je Runde. „Leere Reserve" heißt: Das Verfahren hätte nachkaufen wollen, hatte aber kein Geld mehr — in der Weltwirtschaftskrise an 103 Handelstagen; das Gesamtkapital stand dabei zeitweise 29,15 % unter seinem Höchststand. Größter Rückschlag = der tiefste Sturz vom bis dahin höchsten Kontostand. Der Corona-Einbruch 2020 ist absichtlich nicht aufgeführt; er bleibt nach der Hausregel aus allen Auswertungen heraus. Quelle: eigene Rückrechnung 1927–2026.
Wie eng es 1929 bis 1932 tatsächlich wurde, zeigt die gedeckelte Hauptregel auf dem S&P-500-Kursindex (ohne Dividenden, weil diese lange Reihe keine Dividendenhistorie kennt): Bei einem Marktrückgang von −86,19 % lag die Reserve an 103 Handelstagen komplett leer — das Gesamtkapital brach dabei um bis zu 29,15 % ein. Zum Vergleich: In der Finanzkrise 2007 bis 2009 lag die Reserve beim ETF nur einen einzigen Tag leer, der tiefste Rückschlag blieb bei −2,66 %. Über das komplette Fenster 1927 bis 2026 kam der gedeckelte S&P-500-Kursindex auf 0,55 % p. a. bei −29,15 % Rückschlag, Kaufen-und-Halten auf 6,35 % bei −86,19 %; der Nasdaq-100-Kursindex (1985–2026) zeigte dasselbe Muster (0,77 % gegen 14,59 %). Beiden Reihen fehlen die Dividenden — der Preis für die lange Historie.
Jahr für Jahr
Auch auf Jahresebene — ohne das Jahr 2020, das mit seinen extremen Kurssprüngen jeden Jahresdurchschnitt verzerrt hätte — blieb das Bild gleich.
| Reihe | Jahre insgesamt | Jahre besser als Kaufen und Halten | Jahre schlechter | Jahre mit Plus (Verfahren) | Jahre mit Plus (Kaufen und Halten) | Jahresrendite Verfahren, Median | Jahresrendite Kaufen und Halten, Median |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| SPY (ETF auf den S&P 500) | 33 | 7 | 26 | 33 | 27 | 2,81 % | 15,06 % |
| QQQ (ETF auf den Nasdaq 100) | 27 | 7 | 20 | 27 | 21 | 2,59 % | 18,11 % |
Kalenderjahre ohne 2020 — das Ausnahmejahr bleibt nach der Hausregel aus jeder Jahresauswertung heraus. Median = der typische Fall in der Mitte: Die Hälfte der Werte lag darüber, die Hälfte darunter. Das Verfahren schloss jedes einzelne ausgewertete Jahr im Plus und lag trotzdem in den meisten Jahren hinter Kaufen und Halten. Quelle: eigene Rückrechnung 1927–2026.
Beim S&P-500-ETF lag die Jahresrendite des Verfahrens im Median bei 2,81 %, im Durchschnitt bei 2,97 % — beide Werte lagen nah beieinander, weil es hier keine extremen Ausreißerjahre gab. Kaufen-und-Halten kam im Median auf 15,06 %, im Durchschnitt nur auf 11,99 %; einzelne schwache Börsenjahre zogen den Durchschnitt nach unten, während der typische Fall (Median) deutlich besser ausfiel. Beim Nasdaq-100-ETF war das Muster ähnlich (Verfahren Median 2,59 %, Durchschnitt 3,90 %; Kaufen-und-Halten Median 18,11 %, Durchschnitt 13,69 %). In jedem einzelnen der 33 (SPY) bzw. 27 (QQQ) Jahre stand das Verfahren im Plus — und lag trotzdem in 26 von 33 bzw. 20 von 27 Jahren hinter Kaufen-und-Halten; nur in je 7 Jahren war es tatsächlich besser.
Was die Studie nicht zeigen kann
- Keine Steuern. Die Rechnung zeigte Bruttorenditen vor persönlicher Besteuerung; bei 546 Runden in 33 Jahren wäre die Steuerlast durch die vielen realisierten Gewinne wohl höher ausgefallen als bei Kaufen-und-Halten, das nur einmal am Ende verkauft.
- Handelskosten sind eine Annahme. Gerechnet wurde mit einer Spanne von 0,02 % je Seite plus Mindestkommission — realistisch für liquide ETFs, nicht für jede denkbare Umsetzung.
- An Crash-Tagen wurde vereinfacht ausgeführt. Jede Order galt als zum günstigsten Kurs innerhalb der Tagesspanne gefüllt; an echten Crash-Tagen mit extremer Nachfrage können reale Kurse schlechter ausfallen als hier angenommen.
- Die Grundeinheit skaliert mit dem Kapital. Alle Zahlen gelten für 100.000 $ Startkapital; bei größerem Kapital wären auch die Nachkäufe größer — ob der Markt solche Orders ohne Kursverschiebung aufgenommen hätte, wurde nicht geprüft.
Fazit
Über 33 Jahre auf dem S&P 500 und 27 Jahre auf dem Nasdaq 100 kam das Nachkaufen-im-Minus-Verfahren in seiner vorab benannten Hauptregel auf 2,94 % bzw. 3,73 % Rendite pro Jahr — deutlich weniger als Kaufen-und-Halten mit 10,84 % bzw. 10,72 %. Von 216 Regel-Kombinationen erfüllte keine das vorab festgelegte Kriterium, obwohl praktisch jede den Rückschlag gegenüber Kaufen-und-Halten deutlich verringerte. Der größte Teil des Ertrags stammte nicht aus dem Handel, sondern aus dem Zins auf das Kapital, das die meiste Zeit ungenutzt in der Reserve lag — und in der schlimmsten geprüften Krise, der Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1932, wäre diese Reserve an 103 Handelstagen komplett leer gewesen.
Quelle: eigene Rückrechnung von Kursdaten, 1927 bis 2026. Vier Reihen: S&P-500-ETF ab 1993 (8.449 Handelstage), Nasdaq-100-ETF ab 1999 (6.907), S&P-500-Kursindex ab 1927 (24.779) und Nasdaq-100-Kursindex ab 1985 (10.308). Zins auf die wartende Reserve nach der FRED-Reihe DTB3 (3-Monats-US-Schatzwechsel). Stand der Zahlen: 26. August 2026. Design vorregistriert, bevor die erste Zahl gerechnet wurde.
Dieser Beitrag ist eine historische Auswertung öffentlich verfügbarer Kursdaten und keine Anlageberatung. Er enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung, keine Prognose und keine Aussage über einzelne, heute börsennotierte Unternehmen. Vergangene Ergebnisse — ob simuliert oder real — sind kein verlässlicher Indikator für künftige Renditen. Wer Anlageentscheidungen trifft, sollte die eigene Lage und die eigenen Risiken prüfen, im Zweifel mit fachlicher Beratung.
Häufige Fragen
Der Name stammt aus dem Glücksspiel: Nach jedem Verlust wird der Einsatz erhöht, in der Hoffnung, den gesamten Verlust mit einem einzigen Gewinn wieder hereinzuholen. Im Backtest bedeutete das: Bei jedem Kursrückgang seit dem letzten Kauf wurde mit der doppelten Summe des vorigen Kaufs nachgekauft, und die ganze Position wurde verkauft, sobald der Kurs 2 % über dem Durchschnittseinstand lag.
Nein. Die Hauptregel brachte auf dem S&P 500 (SPY) 2,94 % Rendite pro Jahr statt 10,84 % bei Kaufen-und-Halten, auf dem Nasdaq 100 (QQQ) 3,73 % statt 10,72 %. Von 216 geprüften Regel-Kombinationen erfüllte keine einzige das vorab festgelegte Erfolgskriterium.
Weil im Mittel nur 0,75 % des Kapitals überhaupt im Markt investiert waren – der Rest lag verzinst in der Reserve. Eine faire Vergleichslinie, die nur eine Grundeinheit hielt und den Rest ebenfalls verzinste, kam mit 2,67 % Rendite pro Jahr fast an die Hauptregel heran. Der ruhige Kursverlauf war also kein eigener Verdienst des Nachkaufens.
Größtenteils aus dem Zins auf das ungenutzte Bargeld. Ohne Zins fiel die Rendite der Hauptregel von 2,94 % auf 0,42 % pro Jahr. Damit stammten 86 % des jährlichen Ertrags allein aus dem Zins auf die Reserve, nicht aus dem eigentlichen Handel.
Ohne Deckel und über die ganze verfügbare Historie hinweg lag der höchste je nötige Bedarf bei 262.143 Grundeinheiten – erreicht vom Nasdaq 100 in der Technologieblase ab dem Jahr 2000; auch der S&P-500-Kursindex kam in der Krise um 1932 auf denselben Wert. Mit dem Deckel von 8 Käufen je Runde lag die Reserve der Hauptregel in der Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1932 an 103 Handelstagen komplett leer, während das Gesamtkapital um 29,15 % einbrach.
Handelskosten ja: Die Hauptregel rechnet mit einer Spanne von 0,02 % je Seite und einer realistischen Mindestkommission; über 33 Jahre fielen dabei 1.813 $ an. Steuern wurden nicht eingerechnet – bei 546 Runden in 33 Jahren wäre die Steuerlast durch die vielen realisierten Gewinne voraussichtlich höher ausgefallen als bei Kaufen-und-Halten, das nur einmal am Ende verkauft.