Der Ein-Cent-Stop im Backtest: 0 von 162 Spielarten trugen
944 Millionen Handelsversuche in den untersuchten US-Aktien zeigen: Der ultraenge Ein-Cent-Stop, der Dr. David Paul zugeschrieben wird, trug im Backtest in keiner der 162 geprüften Netto-Spielarten. Ein voller Rundgang aus Kauf und Verkauf kostete im Backtest das 4,9-Fache des Stop-Abstands selbst – die Rechnung war verloren, bevor sich der Kurs überhaupt bewegte.
Ein Rezept aus der Trading-Szene klingt bestechend einfach: Kaufe bei einem Ausbruch – dem Moment, in dem der Kurs über ein vorheriges Hoch steigt – und setze den Stop, die automatische Verkaufsorder bei Kursverlust, nur einen Cent unter den Einstieg. Der einzelne Fehlversuch soll so fast nichts kosten, während ein gelungener Ausbruch weit laufen darf. Dieses Rezept wird häufig Dr. David Paul zugeschrieben, einem gefragten Referenten auf Trading-Konferenzen. Wir haben es an 944.744.286 einzelnen Handelsversuchen der untersuchten US-Aktien nachgerechnet, über 16 Jahre.
Das Ergebnis im Backtest steht schon hier fest: Von 162 vorab festgelegten Netto-Spielarten nahm keine einzige die vorab festgelegte Erfolgshürde – 0 von 162. Der Grund liegt nicht im Markt, sondern in der Arithmetik: Ein voller Rundgang aus Kauf und Verkauf kostete beim typischen Einstiegskurs der untersuchten Aktien im Backtest 0,1255 % – das 4,9-Fache des Ein-Cent-Stops selbst. Diese Kostenlücke entschied die Rechnung, bevor der erste Kurs sich überhaupt bewegte.
Das Ergebnis in vier Zahlen
- −0,42 % verlor ein typischer Aktien-Handelstag der untersuchten US-Aktien im Backtest nach Kosten – alle Versuche des Tages zusammengerechnet, in der am wenigsten schlechten der drei geprüften Einstiegsregeln (E2 Tageshoch-Ausbruch).
- 57 % aller Käufe der Leitkette E2 waren im Backtest schon in der Kaufminute selbst wieder ausgestoppt – Kauf und Zwangsverkauf fielen in dieselbe Minute.
- 0 von 162 vorab festgelegten Netto-Spielarten nahmen im Backtest die Erfolgshürde – brutto, ganz ohne Handelskosten gerechnet, nahmen sie immerhin 21 von 45 Spielarten.
- 4,9-fach so teuer war ein voller Rundgang aus Kauf und Verkauf im Backtest im Vergleich zum Ein-Cent-Stop selbst – 0,1255 % gegen 0,0255 % beim typischen Einstiegskurs von 39,28 USD.
Ein-Satz-Fazit: Das Rezept trug im Backtest nirgends – nicht am Markt gescheitert, sondern an der eigenen Kostenrechnung.
Alle Zahlen dieser Studie lassen das Jahr 2020 vollständig weg. Das Corona-Jahr war an der Börse so außergewöhnlich, dass es jeden Durchschnitt verzerrt hätte; die vollen Zahlen bleiben in der zugrunde liegenden Datendatei erhalten, gezeigt wird aber durchgehend die Rechnung ohne 2020.
Worum es geht
Das geprüfte Rezept in einfachen Worten: Der Stop, die automatische Verkaufsorder bei Kursverlust, liegt nur einen Cent unter dem Kaufkurs eines Ausbruchs – dem Moment, in dem der Kurs über ein vorheriges Hoch steigt. Fällt der Kurs auch nur minimal, fliegt die Position sofort wieder raus; läuft er weiter, darf der Gewinn frei laufen. Das Versprechen dahinter: viele winzige Verluste gegen wenige große Gewinner.
Dieses Rezept wird häufig Dr. David Paul zugeschrieben – einem südafrikanischen Ingenieur, der ab 1982 an den Märkten und ab 1988 hauptberuflich als Trader aktiv war. Er unterrichtete Banken und Finanzhäuser in Südafrika und war gefragter Referent auf öffentlichen Trading-Konferenzen, unter anderem bei der MoneyShow; er leitete zudem die britische Niederlassung von VectorVest. Dr. Paul starb 2023 im Alter von 68 Jahren.
Belegt ist von ihm eine andere Lehre: der Einstieg am „danger point“ – dem Punkt, an dem das Risiko am kleinsten und das Gewinnpotenzial am größten ist, in der Tradition des Analysten Wyckoff, der Kurs und Volumen zusammen betrachtete. Wörtlich sagte er in einem MoneyShow-Interview:
“I want to put my entries where the masses put their stops.”
„Ich will meine Einstiege dort setzen, wo die Masse ihre Stops hat.“
— David Paul, PhD, MoneyShow-Interview „3 Primary Rules for Swing Traders“, 14. Dezember 2011, moneyshow.com
Genau darin liegt die ehrliche Unterscheidung, die diese Studie macht: Seine belegte Lehre setzt den Stop dort, wo er dem Kursgewühl entgeht und nicht von Profis oder Algorithmen abgegriffen wird – außerhalb der Zone, in der die Masse ihre eigenen Stops platziert. Ein Stop nur einen Cent unter dem Einstieg liegt dagegen mitten in dieser Zone, dort, wo laut seiner eigenen dokumentierten Lehre gerade nicht gestoppt werden sollte. Der Ein-Cent-Stop ist ein oft kolportiertes Rezept, das Dr. Paul zugeschrieben wird – nicht seine dokumentierte eigene Lehre. Diese Studie prüft beide Lesarten: den engen Ein-Cent-Stop und, als Gegenpol in derselben Stop-Leiter, einen weiten Stop an der Eröffnungsspanne bzw. am Tagestief.
Geprüft wurden drei vorab festgelegte Einstiegsregeln. E1 Eröffnungs-Ausbruch: Die ersten fünf Handelsminuten bilden die Eröffnungsspanne – die Kursspanne zwischen Hoch und Tief dieser ersten Minuten; gekauft wird, sobald eine Minute über deren Höchstkurs schließt. Denselben Baustein prüfte, ebenfalls auf 5-Minuten-Kerzen, die Schwesterstudie zu Intraday-Strategien. E2 Tageshoch-Ausbruch: Ab 10:00 Uhr wird gekauft, sobald eine Minute über dem bis dahin höchsten Tageskurs schließt. E3 Rücksetzer: Nach einer Minute mit tieferem Tief als die davor wird gekauft, sobald eine Minute über dem Höchstkurs der Vorminute schließt – und nur, wenn der Kurs über der Tageseröffnung liegt. Gekauft wird nie zum Signalkurs selbst, sondern erst zur Eröffnung der folgenden Minute.
Vorregistriert heißt: Filter, Ein- und Ausstiege sowie die Erfolgshürde standen fest, bevor die erste Zahl vorlag. Es gab keine Parametersuche im Nachhinein und kein Nachjustieren, bis eine Variante positiv aussah – was am Ende trug oder nicht trug, ist ein Befund, keine im Rückblick passend gemachte Erzählung.
Warum es an der Arithmetik scheitert
Diese Rechnung lässt sich ohne jedes Börsenwissen nachvollziehen. Der typische Einstiegskurs der untersuchten Aktien lag im Backtest bei 39,28 USD. Ein Cent Stop-Abstand entsprach bei diesem Kurs 0,01 ÷ 39,28 = 0,0255 % – winzig, wie versprochen.
Doch jeder einzelne Versuch kostete einen vollen Rundgang: einmal kaufen, einmal verkaufen. Beide Seiten zusammen: eine Kommission – die Handelsgebühr des Brokers – von 0,005 USD je Aktie und Seite (0,0127 % des Kurses) plus 0,0500 % je Seite für Spanne und Ausführungsabschlag. Die Spanne ist der Unterschied zwischen Geld- und Briefkurs, also zwischen dem Preis, zu dem verkauft, und dem, zu dem gekauft werden kann. Beide Posten zusammen ergaben 0,0627 % Kosten je Seite – mal zwei für Kauf und Verkauf: 0,1255 % für den vollen Rundgang.
| Größe | Anteil am Kurs | bei 39,28 USD |
|---|---|---|
| Stop-Abstand: ein Cent | 0,0255 % | 0,0100 USD |
| Kommission je Seite (0,005 USD je Stück) | 0,0127 % | 0,0050 USD |
| Spanne und Ausführungsabschlag je Seite | 0,0500 % | 0,0196 USD |
| ein voller Rundgang (Kauf + Verkauf) | 0,1255 % | 0,0493 USD |
Beim typischen Einstiegskurs dieser Untersuchung von 39,28 USD. Der Rundgang kostete das 4,9-Fache dessen, was der Stop selbst an Risiko trug. Jeder Rauswurf kostete damit einen vollen Rundgang — rund fünfmal so viel, wie der Stop überhaupt zu verlieren erlaubte. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.
0,1255 % geteilt durch 0,0255 % ergab 4,9280, im Text gerundet das 4,9-Fache. Ein Stop, der einen Cent unter dem Einstieg lag, kostete damit im Schnitt fast fünfmal so viel an Gebühren und Spanne, wie er selbst an Risiko trug. Zum Größenvergleich: Selbst der Bruttovorteil der Leitkette E2, also ganz ohne Handelskosten gerechnet, lag im Backtest bei nur +0,0214 % je Aktien-Handelstag – ein einzelner Rundgang war damit rund sechsmal so groß wie dieser Vorteil.
Wie eng darf der Stop sein?
Median. Der Median ist der typische Fall: Die Hälfte aller Aktien-Handelstage lag darüber, die Hälfte darunter. Er sagt nichts darüber, wie groß die Ausschläge an den Rändern sind.
Durchschnitt. Der Durchschnitt ist alles zusammengezählt und gleichmäßig verteilt. Einzelne Ausreißer ziehen ihn stark nach oben oder unten – ein einziger sehr guter oder sehr schlechter Tag kann ihn verschieben. Wo in dieser Studie „bereinigter Durchschnitt“ steht, wurden vorher das oberste und das unterste Prozent der Ergebnisse auf den Rand gestutzt (winsorisiert), sonst hätte eine Handvoll Extremtage über die ganze Zahl entschieden.
Über alle drei Einstiegsregeln hinweg zeigte sich im Backtest dieselbe Leiter:
| Stop-Abstand | E1 · Eröffnungs-Ausbruch | E2 · Tageshoch-Ausbruch | E3 · Rücksetzer |
|---|---|---|---|
| 1 Cent unter dem Einstieg | −0,416 % Median −0,540 % · 10 % Gewinntage |
−0,368 % Median −0,418 % · 9 % Gewinntage |
−0,493 % Median −0,643 % · 12 % Gewinntage |
| 1 Cent unter dem Tief der Signalminute | −0,348 % Median −0,510 % · 25 % Gewinntage |
−0,255 % Median −0,380 % · 20 % Gewinntage |
−0,403 % Median −0,619 % · 26 % Gewinntage |
| 0,05 % unter dem Einstieg | −0,392 % Median −0,517 % · 13 % Gewinntage |
−0,328 % Median −0,357 % · 12 % Gewinntage |
−0,463 % Median −0,794 % · 16 % Gewinntage |
| 0,10 % | −0,365 % Median −0,466 % · 19 % Gewinntage |
−0,280 % Median −0,318 % · 17 % Gewinntage |
−0,421 % Median −0,654 % · 22 % Gewinntage |
| 0,25 % | −0,295 % Median −0,393 % · 28 % Gewinntage |
−0,211 % Median −0,376 % · 25 % Gewinntage |
−0,321 % Median −0,403 % · 31 % Gewinntage |
| 0,50 % | −0,221 % Median −0,608 % · 34 % Gewinntage |
−0,163 % Median −0,607 % · 33 % Gewinntage |
−0,234 % Median −0,578 % · 36 % Gewinntage |
| 1,00 % | −0,160 % Median −0,303 % · 40 % Gewinntage |
−0,137 % Median −0,253 % · 40 % Gewinntage |
−0,164 % Median −0,262 % · 41 % Gewinntage |
| weit (Eröffnungsspanne bzw. Tagestief) | −0,162 % Median −0,371 % · 39 % Gewinntage |
−0,119 % Median −0,162 % · 43 % Gewinntage |
−0,168 % Median −0,328 % · 40 % Gewinntage |
| gar kein Stop | −0,125 % Median −0,128 % · 45 % Gewinntage |
−0,116 % Median −0,124 % · 44 % Gewinntage |
−0,124 % Median −0,124 % · 45 % Gewinntage |
| 1 Cent, Ausführung einen Cent schlechter | −0,520 % Median −0,595 % · 9 % Gewinntage |
−0,454 % Median −0,484 % · 8 % Gewinntage |
−0,616 % Median −0,712 % · 11 % Gewinntage |
| Zum Vergleich: einfach halten (09:35 bis Schluss, kein Signal, kein Stop) | −0,142 % Median −0,123 % · 4.133.969 Aktien-Handelstage |
||
| Zum Vergleich: eine zufällig gewählte Einstiegsminute mit demselben Ein-Cent-Stop | −0,487 % Median −0,575 % · 4.407.452 Aktien-Handelstage |
||
Ergebnis je Aktien-Handelstag, alle Versuche des Tages zusammengerechnet, nach Kosten von 0,05 % je Seite plus Kommission, höchstens fünf Versuche am Tag, das Jahr 2020 ausgenommen. Je enger der Stop, desto größer fiel der Verlust im Backtest aus. Keine der drei Einstiegsregeln drehte das Vorzeichen. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.
Am engsten Ende der Leiter, dem Ein-Cent-Stop, verlor die Leitkette E2 im Backtest −0,3675 % je Aktien-Handelstag (bereinigter Durchschnitt), bei einem Median von −0,4179 %. Am anderen Ende, ganz ohne jeden Stop, waren es nur −0,1158 % (Median −0,1243 %). Das Muster in einem Satz: Je enger der Stop, desto größer der Verlust im Backtest – die Leiter ist von oben nach unten fast durchgehend monoton.
Warum Median und Durchschnitt hier auseinanderliegen. Bei E2 lag der Median mit −0,4179 % tiefer als der bereinigte Durchschnitt mit −0,3675 %. Das heißt: Der typische Tag war schlechter als der Durchschnitt, weil die wenigen Tage, an denen ein Gewinner laufen durfte, im Backtest viel größer ausfielen als die vielen kleinen Verlusttage – sie zogen den Durchschnitt nach oben, während der typische Fall unbeeindruckt im Minus blieb. Genau das ist die Versprechung des Rezepts, viele kleine Verluste gegen einen großen Gewinner – sie stimmte sogar, sie reichte nur bei Weitem nicht.
Die Details der Leiter für die Leitkette E2 zeigen zusätzlich den 95-%-Bereich – einen Vertrauensbereich aus einem Wiederholungsverfahren mit 1.000 Ziehungen (einem sogenannten Bootstrap), bei dem jeweils ganze Börsentage gezogen wurden, weil Versuche desselben Tages zusammenhängen und nicht einzeln gezogen werden dürfen. In keinem der vier Zeitabschnitte (auch Zeitscheiben genannt – die 16 untersuchten Jahre wurden dafür in vier Blöcke geteilt) und in keinem der 16 untersuchten Jahre war irgendeine Stop-Stufe positiv.
| Stop-Abstand | Aktien-Handelstage | typischer Tag Median |
Durchschnitt bereinigt |
Anteil Gewinntage |
95-%-Bereich | Zeitabschnitte positiv |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 Cent unter dem Einstieg | 2.326.071 | −0,418 % | −0,368 % | 8,5 % | −0,37 % bis −0,36 % | 0 von 4 |
| 1 Cent unter dem Tief der Signalminute | 2.326.071 | −0,380 % | −0,255 % | 20,1 % | −0,26 % bis −0,24 % | 0 von 4 |
| 0,05 % unter dem Einstieg | 2.326.071 | −0,357 % | −0,328 % | 11,9 % | −0,33 % bis −0,32 % | 0 von 4 |
| 0,10 % | 2.326.071 | −0,318 % | −0,280 % | 16,5 % | −0,29 % bis −0,27 % | 0 von 4 |
| 0,25 % | 2.326.071 | −0,376 % | −0,211 % | 25,0 % | −0,22 % bis −0,20 % | 0 von 4 |
| 0,50 % | 2.326.071 | −0,607 % | −0,163 % | 33,0 % | −0,18 % bis −0,15 % | 0 von 4 |
| 1,00 % | 2.326.071 | −0,253 % | −0,137 % | 39,9 % | −0,15 % bis −0,12 % | 0 von 4 |
| weit (Eröffnungsspanne bzw. Tagestief) | 2.326.071 | −0,162 % | −0,119 % | 43,2 % | −0,14 % bis −0,10 % | 0 von 4 |
| gar kein Stop | 2.326.071 | −0,124 % | −0,116 % | 44,4 % | −0,14 % bis −0,09 % | 0 von 4 |
| 1 Cent, Ausführung einen Cent schlechter | 2.326.071 | −0,484 % | −0,454 % | 8,3 % | −0,46 % bis −0,45 % | 0 von 4 |
| Zum Vergleich: einfach halten (09:35 bis Schluss, kein Signal, kein Stop) | 4.133.969 | −0,123 % | −0,142 % | 46,1 % | −0,17 % bis −0,11 % | 0 von 4 |
| Zum Vergleich: zufällige Einstiegsminute, Ein-Cent-Stop | 4.407.452 | −0,575 % | −0,487 % | 11,9 % | −0,49 % bis −0,48 % | 0 von 4 |
Dieselbe Leiter im Detail für die am wenigsten schlechte der drei Einstiegsregeln (E2, Ausbruch über das Tageshoch). Der 95-%-Bereich stammt aus einem Wiederholungsverfahren mit 1.000 Ziehungen, bei dem jeweils ganze Börsentage gezogen werden. In keiner Zeile war auch nur einer der vier Zeitabschnitte positiv. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.
Verwässerte Lesart. Die Zahlen oben zählen nur Aktien-Handelstage, an denen die Regel mindestens einmal auslöste. Rechnet man stattdessen über alle 4.408.737 gefilterten Aktien-Handelstage und setzt Tage ohne Signal auf null, fiel der Verlust im Backtest kleiner aus, blieb aber nirgends positiv: E1 −0,2954 %, E2 −0,1984 %, E3 −0,3868 % (bereinigter Durchschnitt).
Was ein einzelner Kauf brachte
Bisher ging es um den ganzen Aktien-Handelstag, mit allen Versuchen zusammengerechnet. Auf Ebene des einzelnen Kaufs zeigt sich, wie schnell das Ein-Cent-Rezept in der Praxis vorbei war: Im Backtest der Leitkette E2 dauerte ein Versuch mit Ein-Cent-Stop im Schnitt nur 13,8 Minuten, bei einer Trefferquote von 3,27 % Gewinnern.
| Stop-Abstand | Versuche | typischer Versuch Median |
Durchschnitt bereinigt |
Gewinner | in der Kaufminute ausgestoppt |
Haltedauer Minuten |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 Cent unter dem Einstieg | 8.311.355 | −0,142 % | −0,133 % | 3,3 % | 56,7 % | 13,8 |
| 1 Cent unter dem Tief der Signalminute | 4.580.014 | −0,234 % | −0,140 % | 12,2 % | 15,6 % | 53,9 |
| 0,05 % unter dem Einstieg | 6.726.657 | −0,176 % | −0,135 % | 5,3 % | 40,2 % | 22,4 |
| 0,10 % | 5.283.249 | −0,226 % | −0,138 % | 9,0 % | 23,5 % | 38,0 |
| 0,25 % | 3.690.717 | −0,372 % | −0,141 % | 18,3 % | 7,2 % | 80,8 |
| 0,50 % | 2.899.618 | −0,612 % | −0,139 % | 29,0 % | 1,9 % | 139,7 |
| 1,00 % | 2.490.157 | −0,303 % | −0,135 % | 38,6 % | 0,3 % | 214,3 |
| weit (Eröffnungsspanne bzw. Tagestief) | 2.360.104 | −0,165 % | −0,118 % | 43,0 % | 0,0 % | 260,6 |
| gar kein Stop | 2.326.071 | −0,124 % | −0,116 % | 44,4 % | 0,0 % | 299,3 |
| 1 Cent, Ausführung einen Cent schlechter | 8.311.355 | −0,161 % | −0,161 % | 3,3 % | 56,7 % | 13,8 |
Dieselbe Frage je einzelnem Kauf statt je Handelstag, Einstiegsregel E2. „In der Kaufminute ausgestoppt“ heißt: Kauf und Zwangsverkauf fielen in dieselbe Minute. Beim Ein-Cent-Stop war das im Backtest der Normalfall, nicht die Ausnahme. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.
Der auffälligste Wert dieser Tabelle: 56,73 % aller Käufe – im Text gerundet 57 % – waren im Backtest schon in derselben Minute wieder ausgestoppt, in der gekauft wurde. Kauf und Zwangsverkauf fielen zusammen. Zum Vergleich: Beim Stop unter dem Tief der Signalminute waren es nur 15,61 %, bei einem Stop von 1,00 % praktisch nie (0,35 %). Je enger der Stop, desto häufiger war der Versuch schon vorbei, kaum dass er begonnen hatte.
Rausgeworfen, sofort wieder rein
Der Kern des kolportierten Rezepts ist der Wiedereinstieg: Fliegt eine Position raus, wird beim nächsten Signal desselben Tages sofort erneut gekauft. Genau das verschlechterte das Ergebnis im Backtest mit jedem zusätzlichen erlaubten Versuch, weil jeder weitere Versuch einen weiteren vollen Rundgang kostete.
| Familie | höchstens 1 Versuch | höchstens 3 | höchstens 5 (Hauptrechnung) | unbegrenzt (bis 30) | Versuche je Tag Median / 90 % / Maximum |
|---|---|---|---|---|---|
| E1 · Eröffnungs-Ausbruch | −0,134 % | −0,307 % | −0,416 % | −0,575 % | 4 / 10 / 30 |
| E2 · Tageshoch-Ausbruch | −0,136 % | −0,290 % | −0,368 % | −0,442 % | 3 / 8 / 30 |
| E3 · Rücksetzer | −0,133 % | −0,333 % | −0,493 % | −1,043 % | 7 / 20 / 30 |
Der Kern des Rezepts ist der Wiedereinstieg: rausgeworfen, sofort wieder rein. Jeder zusätzliche Versuch kostete einen weiteren vollen Rundgang aus Spanne und Kommission — deshalb wurde das Ergebnis im Backtest mit jedem erlaubten Wiedereinstieg schlechter, nicht besser. Alle Werte sind der bereinigte Durchschnitt je Aktien-Handelstag. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.
Bei der Leitkette E2 verlor ein Aktien-Handelstag im Backtest mit höchstens einem erlaubten Versuch −0,1356 %, mit höchstens drei Versuchen bereits −0,2897 %, bei der vorregistrierten Hauptrechnung von höchstens fünf Versuchen −0,3675 % – und bei unbegrenzten Versuchen (bis zu 30 am Tag) −0,4416 %. Im Median wurden an einem Handelstag mit mindestens einem Signal 3 Versuche unternommen, in 90 % der Fälle höchstens 8, im Extrem bis zu 30.
Nachzieh-Stop, Breakeven, Kursziel
Ändert ein anderer Ausstieg das Bild? Geprüft wurden ein Nachzieh-Stop (der Stop wandert mit dem Kurs mit, 0,5 % bzw. 1,0 % unter dem bisherigen Hoch), eine Breakeven-Regel (der Stop springt ab +0,5 % Gewinn auf den Einstiegskurs) und ein festes Kursziel beim Doppelten des Risikos.
| Ausstiegsregel | E1 | E2 | E3 |
|---|---|---|---|
| bis zum Schluss halten (Hauptrechnung) | −0,416 % | −0,368 % | −0,493 % |
| Nachzieh-Stop 0,5 % unter dem Hoch | −0,418 % | −0,369 % | −0,514 % |
| Nachzieh-Stop 1,0 % unter dem Hoch | −0,415 % | −0,363 % | −0,501 % |
| Stop auf den Einstiegskurs ab +0,5 % | −0,420 % | −0,370 % | −0,500 % |
| Kursziel beim Doppelten des Risikos | −0,515 % | −0,490 % | −0,614 % |
| Stop unter der Signalminute + Ziel 2:1 | −0,462 % | −0,373 % | −0,570 % |
Statt bis zum Schluss zu halten: den Stop mitziehen, ihn auf den Einstiegskurs heben, sobald man vorne liegt, oder beim doppelten Gewinn verkaufen. Keine dieser Regeln drehte das Ergebnis im Backtest. Alle Werte sind der bereinigte Durchschnitt je Aktien-Handelstag. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.
Keine Variante drehte das Ergebnis ins Plus. Die vollständige Händler-Kette – Stop einen Cent unter dem Tief der Signalminute, Kursziel beim Doppelten des Risikos – blieb in E3 bei −0,5704 % je Aktien-Handelstag, in keinem der vier Zeitabschnitte positiv. Beim Kursziel-Ausstieg allein lag der Anteil der Gewinntage bei nur 0,92 % (E1), 0,72 % (E2) und 0,42 % (E3): Das Ziel wurde im Backtest fast nie erreicht, weil der Stop vorher griff.
Und wenn der Handel nichts kostete?
Der ehrlichste Teil dieser Studie: Ganz ohne Handelskosten gerechnet, war der Einstieg im Backtest leicht positiv – in allen drei Familien, in 16 von 16 Jahren und in 4 von 4 Zeitabschnitten. 21 von 45 brutto geprüften Spielarten nahmen die vorregistrierte Erfolgshürde.
| Kosten je Seite | E1 | E2 | E3 |
|---|---|---|---|
| gar keine (Rechnung vor Kosten) | +0,0357 % | +0,0214 % | +0,0467 % |
| 0,02 % + Kommission | −0,2159 % | −0,1927 % | −0,2536 % |
| 0,05 % + Kommission (Hauptrechnung) | −0,4164 % | −0,3675 % | −0,4934 % |
| 0,10 % + Kommission | −0,7503 % | −0,6588 % | −0,8928 % |
| je einzelnem Versuch · gar keine (Rechnung vor Kosten) | +0,0148 % Gewinner 3,38 % |
+0,0122 % Gewinner 3,31 % |
+0,0132 % Gewinner 3,40 % |
| je einzelnem Versuch · 0,05 % + Kommission (Hauptrechnung) | −0,1332 % Gewinner 3,33 % |
−0,1332 % Gewinner 3,27 % |
−0,1299 % Gewinner 3,33 % |
Die oberste Zeile ist der eigentliche Befund: Ohne Spanne und ohne Kommission verdiente das Rezept im Backtest tatsächlich etwas — in allen drei Einstiegsregeln, in 16 von 16 Jahren und in allen vier Zeitabschnitten. Ein einziger Rundgang kostete rund sechsmal so viel, wie dieser Vorteil einbrachte. Die vier oberen Zeilen sind der bereinigte Durchschnitt je Aktien-Handelstag, die beiden unteren die Rechnung je einzelnem Versuch (brutto der einfache, netto der bereinigte Durchschnitt); die zweite Zeile jeder Zelle nennt den Anteil der Gewinner. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.
Der Bruttovorteil der Leitkette E2 lag im Backtest bei +0,0214 % je Aktien-Handelstag, je einzelnem Versuch bei +0,0122 % (Gewinneranteil 3,31 % brutto gegen 3,27 % netto). Ein einzelner Rundgang kostete real 0,1255 % – rund sechsmal so viel wie dieser Bruttovorteil. Der Vorteil war damit real, aber viel zu klein, um die Kosten eines einzigen Rundgangs zu tragen.
Teilt sich das Bild irgendwo?
Drei naheliegende Aufteilungen wurden im Backtest zusätzlich geprüft: Kurshöhe, Handelsumsatz und Zeitabschnitte. In keiner davon drehte sich das Ergebnis ins Plus.
Kurshöhe
| Kurshöhe | E1 | E2 | E3 |
|---|---|---|---|
| 5 bis 20 USD | −0,566 % 756.168 Tage |
−0,470 % 563.932 Tage |
−0,671 % 827.173 Tage |
| 20 bis 100 USD | −0,377 % 1.841.963 Tage |
−0,340 % 1.391.238 Tage |
−0,448 % 2.049.378 Tage |
| über 100 USD | −0,332 % 492.506 Tage |
−0,318 % 370.901 Tage |
−0,392 % 555.114 Tage |
Ein Cent ist bei einer 10-Dollar-Aktie ein Zehntelprozent des Kurses, bei einer 200-Dollar-Aktie nur ein Zwanzigstel davon. Bei teuren Aktien fiel das Ergebnis im Backtest am wenigsten schlecht aus — positiv wurde es nirgends. Bereinigter Durchschnitt je Aktien-Handelstag. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.
Bei teuren Aktien fiel der Verlust im Backtest am kleinsten aus – aber positiv wurde er nirgends. Der Cent-Stop selbst verschob sich dabei: Ein Cent entsprach bei einer 10-Dollar-Aktie 0,1 % des Kurses, bei einer 200-Dollar-Aktie dagegen nur 0,005 % – einem Zwanzigstel davon.
Handelsumsatz
| Umsatz-Drittel | E1 | E2 | E3 |
|---|---|---|---|
| das dünnste Drittel | −0,445 % 1.021.887 Tage |
−0,378 % 769.539 Tage |
−0,535 % 1.131.264 Tage |
| das mittlere Drittel | −0,406 % 1.036.944 Tage |
−0,358 % 780.597 Tage |
−0,479 % 1.151.791 Tage |
| das umsatzstärkste Drittel | −0,394 % 1.031.806 Tage |
−0,364 % 775.935 Tage |
−0,463 % 1.148.610 Tage |
Die Aktien sind an jedem Börsentag nach ihrem Handelsumsatz in drei gleich große Gruppen geteilt. Auch im umsatzstärksten Drittel, wo die Spannen am engsten sind, blieb das Ergebnis im Backtest klar negativ. Bereinigter Durchschnitt je Aktien-Handelstag. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.
Auch nach Handelsumsatz geteilt änderte sich am Bild wenig: Das dünnste Umsatz-Drittel verlor im Backtest am meisten (E2 −0,3777 %), das umsatzstärkste etwas weniger (E2 −0,3637 %) – der Unterschied zwischen den drei Dritteln war insgesamt gering.
Zeitabschnitte
| Zeitraum | E1 | E2 | E3 |
|---|---|---|---|
| 2010–2015 | −0,412 % | −0,356 % | −0,493 % |
| 2016–2019 | −0,418 % | −0,371 % | −0,492 % |
| 2021–2023 | −0,422 % | −0,376 % | −0,495 % |
| 2024–2026 | −0,410 % | −0,367 % | −0,492 % |
Über 16 Jahre war das Bild praktisch unverändert. Es gab keine Epoche, in der das Rezept einmal funktioniert hätte: null von vier Zeitabschnitten und null von 16 Jahren waren in allen drei Einstiegsregeln positiv. Bereinigter Durchschnitt je Aktien-Handelstag. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.
Über 16 Jahre und vier Zeitabschnitte blieb das Bild praktisch unverändert: kein Abschnitt und kein Jahr war in irgendeiner der drei Familien positiv – 0 von 4 Zeitabschnitten, 0 von 16 Jahren. Es gab im Backtest keine Epoche, in der das Rezept einmal getragen hätte.
Der Short-Spiegel
Als Gegenprobe wurde dieselbe Regel gespiegelt: ein Leerverkauf, bei dem eine Aktie verkauft wird, die man sich vorher leihen muss, um sie später zurückzukaufen. Verkauft wird beim Ausbruch nach unten, der Stop liegt einen Cent darüber. Das Bild blieb im Backtest dasselbe – auch die Gegenrichtung trug nicht.
| Stop-Abstand | E1 Leerverkauf | E2 Leerverkauf | E3 Leerverkauf |
|---|---|---|---|
| 1 Cent über dem Einstieg | −0,414 % 3.080.983 Tage |
−0,369 % 2.312.208 Tage |
−0,487 % 3.427.254 Tage |
| 1 Cent über dem Hoch der Signalminute | −0,345 % 3.080.983 Tage |
−0,258 % 2.312.208 Tage |
−0,393 % 3.427.254 Tage |
| 0,05 % über dem Einstieg | −0,391 % 3.080.983 Tage |
−0,333 % 2.312.208 Tage |
−0,459 % 3.427.254 Tage |
| 0,10 % | −0,367 % 3.080.983 Tage |
−0,287 % 2.312.208 Tage |
−0,417 % 3.427.254 Tage |
| 0,25 % | −0,295 % 3.080.983 Tage |
−0,217 % 2.312.208 Tage |
−0,312 % 3.427.254 Tage |
| 0,50 % | −0,214 % 3.080.983 Tage |
−0,168 % 2.312.208 Tage |
−0,220 % 3.427.254 Tage |
| 1,00 % | −0,145 % 3.080.983 Tage |
−0,134 % 2.312.208 Tage |
−0,144 % 3.427.254 Tage |
| weit (Eröffnungsspanne bzw. Tageshoch) | −0,143 % 3.080.983 Tage |
−0,111 % 2.312.208 Tage |
−0,145 % 3.427.254 Tage |
| gar kein Stop | −0,097 % 3.080.983 Tage |
−0,108 % 2.312.208 Tage |
−0,098 % 3.427.254 Tage |
| 1 Cent, Ausführung einen Cent schlechter | −0,522 % 3.080.983 Tage |
−0,460 % 2.312.208 Tage |
−0,613 % 3.427.254 Tage |
| Zum Vergleich: zufällige Einstiegsminute, Ein-Cent-Stop | −0,482 % 4.407.452 Tage |
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Derselbe Aufbau, gespiegelt: verkauft wird beim Ausbruch nach unten, der Stop liegt einen Cent darüber. Wichtiger Vorbehalt: Diese Rechnung unterstellt, dass sich jede Aktie jederzeit leihen lässt — ohne Leihgebühr und ohne Rückruf. Gerade für die Titel, in denen sich solche Bewegungen abspielen, gilt das nicht. Die Spalten sind eine Nebenrechnung, keine handelbare Anleitung. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.
Die Leitkette E2 verlor in den untersuchten US-Aktien als Leerverkauf mit Ein-Cent-Stop im Backtest −0,3688 % je Aktien-Handelstag, kaum abweichend vom Long-Ergebnis. Vorbehalt, der für diesen ganzen Abschnitt gilt: Diese Rechnung unterstellt, dass sich jede Aktie jederzeit leihen lässt – ohne Leihgebühr und ohne Rückruf. In der Wirklichkeit gilt das gerade für die Titel nicht, in denen sich solche Bewegungen abspielen. Der Short-Spiegel ist eine Nebenrechnung, keine handelbare Anleitung.
Das vorregistrierte Urteil
Die Hürde stand vor der ersten Rechnung fest. Geprüft wurden alle drei Hauptzellen und die vollständige Händler-Kette in E3.
Erfolgskriterium (vorregistriert): Eine Zelle „trägt“, wenn ihr bereinigter Durchschnitt je Aktien-Handelstag größer als null ist, das 95-%-Bootstrap-Intervall die Null nicht enthält und mindestens drei von vier Zeitabschnitten positiv sind. Zusätzlich muss sie besser sein als derselbe Einstieg mit weitem Stop und besser als derselbe Einstieg ganz ohne Stop.
Das vorregistrierte Erfolgskriterium dieser Studie, festgelegt vor der ersten Ergebniszahl.
| Familie | bereinigter Durchschnitt |
95-%-Bereich ohne die Null? |
3 von 4 Zeitabschnitten positiv? |
besser als weiter Stop? |
besser als ohne Stop? |
Urteil |
|---|---|---|---|---|---|---|
| E1 Eröffnungs-Ausbruch | −0,416 % | nein | nein (0 von 4) | nein | nein | trägt nicht |
| E2 Tageshoch-Ausbruch | −0,368 % | nein | nein (0 von 4) | nein | nein | trägt nicht |
| E3 Rücksetzer | −0,493 % | nein | nein (0 von 4) | nein | nein | trägt nicht |
| E3 mit Stop unter der Signalminute und Ziel 2:1 | −0,570 % | nein | nein (0 von 4) | nein | nein | trägt nicht |
Die Hürde stand vor der ersten Rechnung fest: Das Rezept „trägt“ nur, wenn der bereinigte Durchschnitt je Handelstag über null liegt, der 95-%-Bereich die Null nicht enthält und mindestens drei von vier Zeitabschnitten positiv sind — und wenn es zusätzlich besser ist als derselbe Einstieg mit weitem Stop und besser als derselbe Einstieg ohne Stop. Keiner der vier Prüflinge erfüllte auch nur eine der fünf Bedingungen. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.
Keiner der vier Prüflinge erfüllte im Backtest auch nur eine einzige der fünf Bedingungen: nicht E1, nicht E2, nicht E3 und nicht die vollständige Händler-Kette in E3. Das Urteil lautete für alle vier gleich: trägt nicht.
Wie gerechnet wurde
Das Universum umfasste 4.361 US-Aktien mit mindestens 300 Millionen USD Börsenwert an irgendeinem Monatsultimo 2020, einschließlich später vom Kurszettel verschwundener Titel; 3.766 davon hatten mindestens einen gefilterten Handelstag. Je Aktien-Tag galten drei Filter: Eröffnungskurs mindestens 5 USD, Dollar-Umsatz des Vortages mindestens 5 Millionen USD, mindestens 300 Minutenkerzen am Tag. Gerechnet wurde vom 05.04.2010 bis zum 05.08.2026, über 4.789.247 Aktien-Handelstage und 944.744.286 einzelne Handelsversuche – Kommission 0,005 USD je Aktie und Seite, gedeckelt bei 0,5 % des Handelswerts.
Die Rechnung bestand sieben von acht vorregistrierten Prüfungen, keine wurde nicht bestanden – eine wurde bewusst ausgelassen.
| # | Prüfung | Ergebnis | Beleg |
|---|---|---|---|
| 1 | Kerzenzahl 390/210 in der regulären Handelszeit | bestanden | Eine große US-Aktie am 11.06.2024: 390 Kerzen, Zeitfenster 0 bis 389; verkürzter Tag 24.11.2023: 210 Kerzen. Im Lauf 1.064.572 Aktien-Handelstage mit genau 390 und 31.395 mit genau 210 Kerzen. |
| 2 | Kalender der verkürzten Tage deckungsgleich | bestanden | 34 verkürzte Tage gespeichert, 34 in der Serie; keiner fehlt, keiner ist überzählig. Zwei unabhängige Verfahren kamen beide auf 34. |
| 3 | Handrechnung gegen die Rohkerzen | bestanden | 210 Versuche eines Titels einzeln von Hand nachgerechnet, 0 Abweichungen. |
| 4 | Determinismus (zwei Läufe bitgleich) | ausgelassen | Bewusst ausgelassen. Die einzige der acht Prüfungen ohne Beleg. |
| 5 | Kosten-Monotonie | bestanden | 20 Regelketten mit allen vier Kostenstufen geprüft, 0 Verstöße. |
| 6 | Stop-Monotonie (engerer Stop, öfter ausgestoppt) | bestanden | Sechs Familie-Richtung-Paare über die ganze Stop-Leiter geprüft, 0 Verstöße. |
| 7 | Deckel für Versuche je Tag eingehalten | bestanden | Größte Versuchszahl je Aktien-Handelstag über alle Ketten: 30 (Deckel 30). 987.906 von 240.172.910 Fällen berührten ihn (0,41 %). |
| 8 | Ausführung nur in vorhandenen Minutenkerzen | bestanden | 11.846 Ausführungen gegen die Rohkerzen geprüft, 0 ohne passende Minutenkerze. |
7 von 8 Prüfungen bestanden, 1 bewusst ausgelassen, keine nicht bestanden. Die ausgelassene Prüfung ist im Text ausdrücklich benannt. Quelle: Kursdaten, eigene Berechnungen.
Ein interner Widerspruch gehört in diesen Bericht: Eine andere interne Datei nennt „8 von 8 Prüfungen bestanden“. Das ist mit der Datenlage nicht vereinbar – Prüfung 4, der Determinismus-Test mit zwei unabhängigen Läufen, wurde bewusst nicht ausgeführt und trägt keinen Beleg. Für diese Studie gilt: 7 bestanden, 1 ausgelassen, 0 nicht bestanden.
Weitere ehrliche Restpunkte: An 160 von 4.789.247 Aktien-Handelstagen (0,0033 %) ersetzte eine frühere Minutenkerze den fehlenden Schlusskurs 15:59 Uhr – bei diesem geringen Anteil konnte das kein Ergebnis tragen. 66.180.775 Signale wurden verworfen, weil ihre Ausführungsminute keine Kerze hatte, und zählten nicht als Versuch. Das Aktienuniversum wurde nach dem Börsenwert 2020 zusammengestellt; wer 2012 gehandelt hätte, konnte damals nicht wissen, welche Aktien 2020 groß sein würden – ein bekannter, bewusst in Kauf genommener Rückblick, der alle drei Familien gleich betrifft. Nicht enthalten sind Steuern, Finanzierungskosten und die Marktwirkung eigener Orders. Und: Minutenkerzen kennen die Reihenfolge innerhalb der Minute nicht; für einen festen Stop war das gleichgültig, für die Nachzieh-Varianten galt die vorsichtigere Regel, zuerst gegen das Niveau der Vorminute zu prüfen und erst danach das neue Hoch zu übernehmen.
Was bleibt
Über 162 vorab festgelegte Netto-Spielarten hinweg trug im Backtest keine einzige: nicht der Eröffnungs-Ausbruch, nicht der Tageshoch-Ausbruch, nicht der Rücksetzer, nicht die vollständige Händler-Kette, nicht der Short-Spiegel. Der ultraenge Ein-Cent-Stop verschlechterte das Ergebnis im Backtest gegenüber einem weiten Stop und gegenüber gar keinem Stop, in jedem der 16 untersuchten Jahre. Nur brutto, ganz ohne Handelskosten gerechnet, war der zugrunde liegende Einstieg im Backtest leicht positiv – ein realer, aber winziger Vorteil, den bereits ein einziger Rundgang aus Kauf und Verkauf um rund das Sechsfache übertraf: 0,1255 % Kosten gegen +0,0214 % Vorteil. Aus dieser Studie folgt kein Scanner und kein Automat. Weitere vorregistrierte Backtests derselben Serie – etwa zum Parabel-Todeskreuz und zur Parabel-Umkehr, beide auf 5-Minuten-Kerzen – stehen im Studien-Archiv.
Hinweis: Dieser Beitrag ist eine rückblickende statistische Auswertung historischer Kursdaten und keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Vergangene Ergebnisse sagen nichts über die Zukunft. Handelskosten, Leihgebühren, Steuern und die Marktwirkung eigener Orders können reale Ergebnisse deutlich verschlechtern.
Häufige Fragen
Nein. Von 162 geprüften Netto-Spielarten nahm im Backtest keine einzige die vorab festgelegte Erfolgshürde – 0 von 162. Die am wenigsten schlechte Variante, der Tageshoch-Ausbruch E2 mit Stop einen Cent unter dem Einstieg, verlor je Aktien-Handelstag im Backtest einen bereinigten Durchschnitt von −0,3675 %, bei nur 8,54 % Gewinntagen. In keinem der 16 untersuchten Jahre war das Ergebnis positiv.
Dr. David Paul war ein südafrikanischer Ingenieur, der ab 1988 hauptberuflich handelte und Banken sowie Finanzhäuser unterrichtete; er starb 2023 im Alter von 68 Jahren. Belegt ist seine Lehre vom Einstieg am „danger point“ — dort, wo die Masse ihre Stops liegen hat — mit einem Stop außerhalb des Kursgewühls und einem Kurs-Chance-Verhältnis von mindestens 1:2. Der Ein-Cent-Stop ist ein oft kolportiertes Rezept, das ihm zugeschrieben wird – nicht seine dokumentierte eigene Lehre.
Weil der Stop-Abstand von einem Cent beim typischen Einstiegskurs der untersuchten Aktien von 39,28 USD nur 0,0255 % Kursspielraum ließ, ein voller Rundgang aus Kauf und Verkauf aber im Backtest 0,1255 % kostete – das 4,9-Fache. Diese Kostenlücke entschied die Rechnung schon, bevor sich der Kurs überhaupt bewegte.
Je enger, desto schlechter: Die Stop-Leiter über alle drei Einstiege war im Backtest fast durchgehend monoton. Beim E2-Einstieg lag der bereinigte Durchschnitt beim Ein-Cent-Stop bei −0,3675 % je Aktien-Handelstag, bei einem Stop von 1,00 % nur noch bei −0,1366 %, und ganz ohne Stop bei −0,1158 %. Der engste Stop in dieser Studie war zugleich der teuerste.
Genau das ist der Kern des kolportierten Rezepts – und es verschlechterte das Ergebnis im Backtest mit jedem zusätzlichen Versuch. Bei höchstens einem erlaubten Versuch je Tag verlor die Leitkette E2 im Backtest −0,1356 % je Aktien-Handelstag, beim vorregistrierten Deckel von 5 Versuchen bereits −0,3675 %, unbegrenzt bis zu 30 Versuchen −0,4416 %. Jeder weitere Wiedereinstieg kostete einen weiteren vollen Rundgang.
Ja, knapp. Ohne jede Kosten gerechnet nahmen im Backtest 21 von 45 geprüften Spielarten die vorregistrierte Erfolgshürde, in allen drei Einstiegsfamilien und in 16 von 16 Jahren positiv. Der Bruttovorteil der Leitkette E2 lag bei +0,0214 % je Aktien-Handelstag – ein einzelner Rundgang kostete real aber 0,1255 %, rund das Sechsfache. Der theoretische Vorteil verschwand damit vollständig in Gebühren und Spanne.
Alle Regeln – Filter, Einstiege, Ausstiege und die Erfolgshürde – standen vor der ersten Rechnung fest, dokumentiert mit Zeitstempel. Die Rechnung bestand 7 von 8 vorregistrierten Prüfungen, darunter eine von Hand nachgerechnete Aktie ohne Abweichung; die Determinismus-Prüfung mit zwei unabhängigen Läufen wurde bewusst ausgelassen. Zugrunde lagen 944.744.286 einzelne Handelsversuche über 4.789.247 Aktien-Handelstage, das Jahr 2020 blieb durchgehend ausgeklammert.